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WAS IST DENN HIER LOS?* Wir zeigen die besten Action-Fotos der Welt.
* Skateboard-Pro Fanda Šesták tobt sich auf einer Riesen-Spiralbahn aus. Aber der Schein trügt. Wie der Foto-Trick funktioniert: Seite 34.
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E D I TO R I A L
WILLKOMMEN
WIRKLICH WAHR?
JAN KASL/RED BULL ILLUME (COVER), GETTY IMAGES
DAS LÄCHELN DES SIEGERS
Dieses Selfie hat Biker Matthias Walkner 2015 nach seinem ersten Etappensieg auf der Rallye Dakar gemacht. Unserem Autor Werner Jessner verriet er, was die Wüste ihn fürs Leben lehrte. Ab Seite 48.
Sie habe schon als Kind gewusst, dass sie eines Tages berühmt sein würde, sagt Rapperin Loredana, 26, wenn sie über ihren kometenhaften Aufstieg spricht. Vor gerade einmal drei Jahren ver öffentlichte die Tochter albanischer Ein wanderer ihren ersten Track, heute ist die Schweizerin die Königin in der Welt des Deutschrap (ab Seite 42). „Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Realität“, sagt Schau spielerin Carrie-Anne Moss, 54 (Seite 36). Die Frau, die als Trinity in der „Matrix“Filmtrilogie berühmt wurde, zieht Medi tation der digitalen Welt vor. Auch Autor Uli Brée, 57, schafft „Wirklichkeiten“. Seine Tage verbringt der Erfinder der „Vorstadtweiber“ am liebsten am Laptop, um sich immer neue Figuren und neue Geschichten auszudenken. Jetzt führte er erstmals Regie – für eine skurrile Serie über eine Tierbestatterin wider Willen (Seite 38).
CHRISTIAN ANWANDER
stammt aus Vorarlberg und lebt in New York. Für uns hat er Ski-Star Eileen Gu fotografiert: ab Seite 58.
„ Fürchte dich nicht vor deinem Selbst vertrauen.“ Maler Leon Löwentraut weiß, wie das mit dem Berühmtwerden geht: ab Seite 40.
Gute Unterhaltung mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion
BILLIE EILISH
umarmt vier Grammys, die sie als aktueller Superstar des Pop gewonnen hat. Mehr über die US-Künstlerin anlässlich ihres 20. Geburtstages auf Seite 14.
THE RED BULLETIN
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Elegance is an attitude Marco Odermatt
Longines Spirit
I N H A LT The Red Bulletin im Jänner 2022
COVERSTORY
22 SIMPLY THE BEST
Red Bull Illume ist der weltweit größte Wettbewerb für Abenteuer- und ActionsportFotografie. Wir zeigen die diesjährigen Sieger.
FREESTYLE-SKI
58 D IE BOTSCHAFTERIN
US-Aufsteigerin Eileen Gu startet für China. Ziel: beide Welten vereinen.
58 HOCH DIE SKI Die unglaubliche Leichtigkeit des Seins – Eileen Gu hebt als Luftakrobatin ab.
WINTERSPORT
68 D IE TOPSTARS
Vier Wintersport-Größen erzählen, wie sie ihren Weg zum Erfolg gefunden haben.
FILM
36 D IE KULTFIGUR
FERNSEHEN
GUIDE
Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
38 DER RATGEBER
Warum „Vorstadtweiber“-Er finder Uli Brée seinen Kindern Mut zum Scheitern wünscht.
75 REISEN. Mit Rekordbergsteiger Nims Purja auf den Mont Blanc
KUNST
80 LESESTOFF. Der Brite Peter McLean verquickt Fantasy-Roman und Gangsterepos.
40 DER MUTMALER
Wie der junge Künstler Leon Löwentraut mit Hartnäckigkeit die Kunstwelt eroberte.
82 T IPPS & TRENDS. Richtig gutes Zeug – mit besten Empfehlungen der Redaktion
DEUTSCHRAP
84 K ALENDER. Eine Klassiker-Parade, eine irre Skitour, Gänsehaut- Momente – Termine zum Staunen
42 D IE KÄMPFERIN
Loredana ist die neue SzeneKönigin – sie erzählt, wie sie es nach oben geschafft hat.
86 U HREN. Lust auf Provokation – die Erfolgsgeschichte von Swatch
88 GESCHENKE. Was unter den Christbaum passt – 14 Vorschläge
RALLYE DAKAR
48 DER ANGREIFER
„Volle Attacke ist das Geilste“ – Matthias Walkner über die Lehren aus der Rallye Dakar.
8 GALLERY 14 ZAHLEN, BITTE! 16 FUNDSTÜCK
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92 BOULEVARD DER HELDEN. Michael Köhlmeier über den Literatur-Nobelpreisträger Michail Scholochow
18 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW 20 MEIN ERSTES MAL
96 IMPRESSUM 98 CARTOON
42 HOCH DIE DAUMEN Deutschrapperin Loredana weiß, dass Zielstrebigkeit zum Erfolg führt.
75 HOCH DEN BLICK Nims Purja macht für dich den Bergführer auf den Gipfel des Mont Blanc.
THE RED BULLETIN
MATT POWER, FELIX KRUEGER, STEFAN VOITL/RED BULL CONTENT POOL, MARCIN KIN/RED BULL CONTENT POOL
Carrie-Anne Moss ist wieder Trinity – wir freuen uns auf Teil 4 der „Matrix“.
48 HOCH DAS RAD Motor-Star Matthias Walkner beim DünenRitt. Uns erzählt er seine Dakar-Story.
THE RED BULLETIN
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ANTONIN GRENIER
CAPBRETON, FRANKREICH
Sie retten um die Wette Diese vier Damen sind Freiwillige der französischen Küstenwache, und der Grund ihrer Eile ist gottlob kein Notfall. Sie trainieren für einen Rettungsschwimmer-Wettkampf, der seit 2019 im Südwesten Frankreichs ausgetragen wird. Bei dem Mehrkampf (u. a. Sprint, Schwimmen und Paddleboard) geht es um alle Fähigkeiten, die nötig sind, um im Ernstfall Leben zu retten. Instagram: @antoningrenier
MIAMI, FLORIDA, USA
Breaking News Dürfen wir vorstellen? Das ist Logan Edra. Die Amerikanerin mit philippinischen Wurzeln ist erst achtzehn, hat aber unter ihrem Künstlernamen „Logistx“ bereits eine beeindruckende Karriere als B-Girl hinter sich. Das kommt daher, dass sie schon mit sieben mit dem Tanzen und mit zehn mit Breaking angefangen hat. Jetzt konzentriert sie sich ganz auf die Olympischen Spiele in Paris 2024. Da wird Breaking erstmals olympisch sein – und Logan eine ganz heiße Kandidatin auf eine Medaille. Instagram: @logistx_ugf
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HOUSTON, TEXAS, USA
YSA PEREZ, BRIAN LOWE
Volle Kraft voraus Wenn Weltklasse-Sprinter Elijah Hall eine Schwäche hat, dann ist es der Start. Darum übt er diese Phase auch entsprechend ausdauernd – wie hier auf dem Trainingsgelände der Universität Houston, Texas. „Diese Bewegungen müssen in Fleisch und Blut übergehen“, sagt der US-Athlet, „im Rennen muss das alles vollkommen automatisch funktionieren. Das Einzige, was mich aufhalten kann, bin ich selbst.“ Instagram: @_elihall
LONDON, ENGLAND
Flyin’ high
RICK GUEST
Morgan Lake, 24, gehört zu den besten Hochspringerinnen Großbritanniens, ihre Bestleistung liegt bei 1,97 Metern. Fotograf Rick Guest – seine Spezialität sind Bilder, die dynamische Bewegungen im exakt richtigen Moment einfangen – schwärmt von Lakes Körper als „per fektem Werkzeug zur Überwindung der Schwerkraft“. Bei diesem Sprung hat sie sich die Latte allerdings nicht besonders hoch gelegt – so locker, wie sie da drüberspringt. Der Fotograf: rg-e.com
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Z AHL EN, BI T T E!
BILLIE EILISH
Frau der Ringe Pop-Superstar Billie Eilish feiert im Dezember ihren 20. Geburtstag. In welcher Tonart sie James Bond auf Touren bringt, wie viele Cartier-Ringe sie bei der Met-Gala trug und was ihr erstes Auto kostete.
Mal verkaufte sich 2019 ihr Debütalbum „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“.
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53.000.000
Beats pro Minute tragen ihren James-Bond-Titelsong „No Time to Die“ in e-Moll voran.
Dollar verdiente Billie Eilish 2020 – Rang 43 als Jüngste im Forbes-Ranking der Top-100-Celebritys.
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Länder führten ihr aktuelles Album „Happier Than Ever“ auf Rang 1 der Charts.
Dollar kassierte Billie Eilish von Apple TV+ für die Doku „The World’s a Little Blurry“.
Dollar kostete ihr erstes Auto, ein mattschwarzer Dodge Challenger – ein Geschenk ihrer Plattenfirma zum 17. Geburtstag.
Grammys in den vier Haupt kategorien Single, Song, Album und New Artist hat sie 2020 gewonnen. Vor ihr schaffte das noch keine Frau.
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ihrer vier Vornamen ergeben den Künstlernamen von Billie Eilish Pirate Baird O’Connell.
Hörer pro Monat machten sie 2020 zur meistgestreamten Künstlerin auf Spotify.
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THE RED BULLETIN
HANNES KROPIK
29.000
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Ringe aus dem Hause Cartier trug Billie Eilish am Red Carpet der Met-Gala 2021.
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CLAUDIA MEITERT
Jahre jung war die Sängerin, als sie ihre erste Single „Ocean Eyes“ im November 2015 bei SoundCloud hochlud – exakt ein Jahr vor dem o∞ziellen Release des Songs.
Menschen folgt Billie Eilish auf Instagram – ihr Profil hingegen hatten bei Redaktionsschluss 96,2 Millionen Fans abonniert.
GETTY IMAGES (2), ALAMY
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JAKE GYLLENHAAL
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F U ND ST Ü CK
Fabio Wibmer, 26, Bike-Artist, YouTube-King
Das 200-Millionen-Rad Das Bike, mit dem der Tiroler 2019 „Wibmer’s Law“ drehte. Jetzt durchbrach das Video auf YouTube eine magische Marke. Räder: abmontiert. Sattel: verschwunden. Pedale: perdu. Dieses Rad hat schon bessere Zeiten gesehen. Tatsächlich spielt es im Leben von Fabio Wibmer eine wichtige Rolle – hat er doch damit im September 2019 den YouTube-Hit „Wibmer’s Law“ gedreht. Das 8 Minuten und 23 Sekunden lange Video mit Schauplätzen in Wien und Salzburg, Linz und Innsbruck hat auf YouTube vor kurzem die 200-MillionenZuschauer-Marke geknackt. Fabio weiß das zu würdigen: Demnächst wird er das Ding als Trophäe daheim an die Wand hängen. Mit Bike-Hersteller Canyon entwickelt er gerade ein neues Trial-Gerät.
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THE RED BULLETIN
PHIL PHAM, PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL
FABIO WIBMER
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DAS F IK T IV E PHILO S O PHEN- IN T ERV IE W
NIETZSCHE SAGT:
„Die Vernunft gehört in den Restmüll!“ Gesundheit ist für viele Menschen das höchste Gut. Aber ist sie wirklich das Wichtigste im Leben? Friedrich Nietzsche war immer krank – und hat sich gerade deshalb viele Gedanken über die Gesundheit gemacht. Was dabei herausgekommen ist, erklärt er in unserem fiktiven Interview mit dem Philosophen Christoph Quarch.
Na ja, aber es können doch nicht alle so große Autoren werden wie Sie … Na und? Jeder kann in seinem Umfeld etwas Großes schaffen. Jeder kann seine verdammten Träume verwirklichen. Jeder kann tanzen, wenn er nur wollte. Aber ihr wollt nichts – außer ein bisschen Spaß haben und gesund sein! Und dann redet ihr euch auch noch ein, dass ihr vernünftig seid, wenn ihr alles diesen Zielen unterordnet. Ich aber sage euch: Genau diese „Vernunft“ könnt ihr getrost in eure Restmülltonnen schmeißen. Diese „Rationalität“ verhindert „Das ist es, worum nämlich, dass ihr wachst und große es im Leben geht: Menschen werdet. Menschen, die schöpferisch sein sich dem Leben stellen, die sich dem Schmerz stellen – die ob ihrer und etwas Eigenes Schwäche lachen und der Stimme hinterlassen.“ ihres Herzens folgen.
Aber Sie sagen doch selbst, dass man dafür gesund sein muss. Sage ich nicht. Ich war nie gesund und habe trotzdem Großes geschaffen. Wahrscheinlich wäre mir das nie gelungen, wenn ich nicht meine Krankheit in eine Energiequelle verwandelt hätte. Es ging mir immerzu besch… bescheiden – ja, gerade deshalb habe ich wie wahnsinnig gearbeitet; gerade deshalb habe ich mein Bestes geben können. Ich wusste, was ich wollte – und das war viel mehr, als mich um meine Gesundheit zu kümmern, mir etwas Schönes zu gönnen oder im Spa rumzuhängen. Unter uns, mein Freund: Dass ihr so
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Hm, und was müsste man Ihrer Ansicht nach tun, um – wie Sie es ausdrücken – ein großer Mensch zu werden? Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Besser kann ich es nicht sagen. Schluss mit der ewigen Nüchternheit und dem Schonwaschgang! Mut zum Rausch statt ängstlich herumdümpeln, wäre meine Devise. Was man dafür braucht? Ein leidenschaftliches Herz, sonst nichts. Und das wohnt sogar in deiner Brust, mein Freund. FRIEDRICH NIETZSCHE (1844 – 1900) gilt als einer der schärfsten Kritiker der technisch-rationalen Moderne. Mit seinem Werk „Also sprach Zarathustra“ inspirierte er Generationen von Künstlern und Denkern, neue Wege zu gehen. Dabei war Nietzsche häufig krank, er litt an immer wiederkehrenden Migräneschüben. Dennoch – oder gerade deshalb – schrieb er viel über die leibliche und geistige Gesundheit des Menschen. CHRISTOPH QUARCH, 57, ist deutscher Philosoph, Gründer der Neuen Platonischen Akademie (akademie-3.org) und Autor zahlreicher philosophischer Bücher, zuletzt: „Kann ich? Darf ich? Soll ich? Philosophische Antworten auf alltägliche Fragen“, legenda Q, 2021.
THE RED BULLETIN
BENE ROHLMANN
Mit diesen Worten aus „Also sprach Zarathustra“ haben Sie diejenigen verspottet, die Sie „die letzten Menschen“ nannten. Was finden Sie so problematisch daran, dass Menschen die Gesundheit ehren? Wir alle wollen gesund sein. Ich auch. Meine Güte, Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr ich unter meinen Kopfschmerzen leide. Ich bin quer durch Europa gereist, um Orte zu finden, an denen ich es irgendwie aushalten konnte. Aber das heißt nicht, dass ich alles meiner Gesundheit untergeordnet hätte. Ich wollte gesund sein, um meine Arbeit machen zu können: um etwas zu schaffen. Denn das, mein Freund, ist es, worum es im Leben geht: schöpferisch sein und etwas Eigenes hinterlassen.
DR. CHRISTOPH QUARCH
the red bulletin: Herr Nietzsche, wie geht es Ihnen? friedrich nietzsche: Danke, die Kopfschmerzen haben etwas nachgelassen. Obwohl ich mir nach wie vor den Kopf über Ihre Zeitgenossen zerbreche. Sehen Sie, es ist jetzt bald 150 Jahre her, dass ich über die Menschen der Moderne schrieb: „Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht. Aber man ehrt die Gesundheit.“ Daran hat sich nichts geändert.
viel um eure Gesundheit kreist und so viel Aufhebens um eure Wehwehchen macht, verrät mir, dass ihr klein geworden seid: Zwerge, die keine Idee mehr davon haben, wofür sie leben wollen. Ihr lasst euch treiben und macht, was alle machen.
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M EIN ERST ES M A L
GERRY FRIEDLE
„Ohne Janis Joplin würde es DJ Ötzi nicht geben“ Heute ist Gerry Friedle, besser bekannt als DJ Ötzi, Janis Joplin. Ich stand auf der Bühne und fühlte ein einer der erfolgreichsten Musiker im deutschen Ameisenkribbeln am ganzen Körper. Das Gefühl war Sprachraum: 16 Millionen verkaufte CDs, acht Amamir vertraut, aber ich hatte es bis dahin nur in nega deus-Awards und Nummer-1-Hits in England, Östertiver Form von meinen epileptischen Anfällen gereich und Deutschland. Sein Song kannt. In diesem Moment fühlte „Ein Stern“ hielt sich 41 Wochen es sich zum ersten Mal positiv in den deutschen Single-Top-10, an. Das war großartig! Und was länger als jeder andere. sich noch besser anfühlte: der Dabei war sein Weg nach Applaus danach. Es waren zwar oben nicht leicht. Er lebte erst nur ungefähr dreißig Leute da, bei einer Pflegefamilie, dann bei aber mir wurde an diesem Abend seinen Großeltern im Tiroler bewusst: Hey, ich kann da etwas, Ötztal. Als Kind war er oft krank was den Leuten taugt. und litt an Epilepsie. Später schlug er sich mit Koch- und DJDieser Moment hat meinem Jobs durch, bis er 1999 mit dem Leben zum ersten Mal eine Richtung gegeben – und mir in der Ohrwurm „Anton aus Tirol“ zum Folge in schwierigen Situationen Schlagerstar wurde. weitergeholfen. Als ich mit meiUns erzählt der heute Fünfzig ner Band Demo-Tapes an Platten jährige von jener Nacht, in der 0:00 –50:23 firmen schickte, aber nur Ab er zum ersten Mal erkannte, dass Gerry Friedle sagen erhielt, zum Beispiel. Oder das Rampenlicht sein Element Mein erstes Mal – der Podcast wenn Leute meinten, ich sei bloß ist. Von dem Moment, der ihm eine Eintagsfliege. Dieser frühe die Kraft gab, Sänger zu werden Erfolgsmoment in der Karaoke– allen Widrigkeiten zum Trotz. Bar gab mir die Kraft, spätere „Mir wurde bewusst: Ablehnung in Motivation um „Gesungen habe ich in meiner Kindheit nur dann, wenn ich Hey, ich kann da was, zuwandeln. Nach dem Motto: euch zeige ich es, jetzt erst Angst hatte. Wenn ich in den was den Leuten taugt.“ Okay, recht! Er hat mir vor Augen geKeller geschickt wurde, um Holz führt, wie wichtig es ist, an sich hochzutragen. Oder wenn ich DJ Ötzi über das erhebende Gefühl des allerersten Applauses zu glauben, an sich zu arbeiten im Winter Milch holen musste, und sein Ding durchzuziehen. wenn es schon finster war. Im Übrigens, die Freundin habe ich mit dem Auftritt Dunklen habe ich mich immer sehr gefürchtet, keine zurückgewonnen – allerdings nur für eine Nacht. Ahnung, warum. Geholfen hat mir in solchen Situatio Was aber geblieben ist: Ohne Janis Joplin würde es nen nur das Singen. ‚Santa Maria‘ von Roland Kaiser DJ Ötzi nicht geben.“ zum Beispiel oder die Sachen von Vader Abraham – also all die Schlager, die damals bei uns daheim im Radio liefen. „MEIN ERSTES MAL“ IST DIE RED BULLETIN-PODCAST-SERIE, Ein positives Gefühl beim Singen hatte ich zum in der Heldinnen und Helden über ihre Anfänge sprechen. Die Folge mit Gerry Friedle, dessen Auto ersten Mal um 1990 im Austria-Keller in Obergurgl im biografie „Lebensgefühl“ gerade eben Ötztal. Das war eine Bar, in der man Karaoke singen im Ecowin Verlag erschienen ist, gibt’s konnte, unweit von dem Hotel, in dem ich als Koch im Podcast-Kanal von arbeitete. An jenem Abend wollte ich meine damalige The Red Bulletin. Zu finden Freundin zurückgewinnen – nachdem ich sie betrogen auf allen gängigen Platt hatte. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und formen wie Spotify und auf redbulletin.com/podcast sang ihren Lieblingssong: ‚Me and Bobby McGee‘ von
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FRITZ HAUSWIRTH
Beim Versuch, seine Freundin zurückgewinnen, erkannte er sein Talent: der Schlagerstar über seinen ersten Auftritt in einer Tiroler Karaoke-Bar.
Make Your Body Smile. immun PLUS MIT VITAMIN C + D & ZINK*
*Zink, Vitamin C & D tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Empfohlene Verzehrseinheit: ein Glas (250 mL) pro Tag. Ganz allgemein empfehlen wir eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
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Simply the Best Red Bull Illume ist der weltweit größte Wettbewerb für Abenteuer- und Action sportfotografie. Vorhang auf für die heurigen Sieger! Text ANDREAS WOLLINGER
Rod Hill, 48
Plötzlich war das Licht perfekt Sieger in der Kategorie „Energy by Red Bull Photography“
Rod Hill hatte schon eingepackt. Doch dann entschied sich Kanute River Mutton spontan für eine letzte Fahrt über die Huka Falls des Waikato River, Neuseeland. Also: Kamera wieder raus. „Plötzlich war das Licht so, wie ich es noch nie gesehen hatte“, sagt Hill. Glück des Tüchtigen. Instagram: @rod_coffee
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Schöner fallen
Sieger in der Kategorie „Masterpiece by Sandisk Professional“
Will Saunders, 27
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Einerseits: die majestätische Ruhe der Wüstenlandschaft des Indian Creek im US-Bundesstaat Utah. Anderseits: die Dynamik eines Kletterers im freien Fall. Ergibt: grandiose Spannung. Richtig, normalerweise fallen Kletterer anders. Aber Fotograf Will Saunders bat Jake Talley um eine „kraftvolle Bewegung“ beim Sturz. Check! Und den Gesamtsieg sicherte er sich mit diesem Genieblitz auch. willsaundersphoto.com, Instagram: @willsaundersphoto THE RED BULLETIN
„Jedes Mal, wenn ich rausgehe, überwinde ich mich, etwas zu tun, was ich noch nie versucht habe.“ Will Saunders
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„Ich will, dass die Betrachter tief in Welten eintauchen, in denen sie noch nie zuvor waren.“ Carolin Unrath
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Wo geht’s hier zur Welle? Siegerin in der Kategorie „Lifestyle by COOPH“
In München lässt es sich mit der U-Bahn zum Surfen fahren. Hier sehen wir Andi Müllner auf dem Weg zur berühmten Eisbachwelle, die sich im Englischen Garten aufbaut. Die Vorfreude ist in diesem Fall besonders groß: An dem Tag öffnete die Eisbachwelle das erste Mal nach dem Lockdown 2020. carolinunrath.com Instagram: @carounrath
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Thomas Monsorno, 36
Es ist nicht, wie es scheint Sieger in der Kategorie „Innovation by EyeEm“
Das ist der Schweizer Eiskletterer Dani Arnold. Er ist hier am Baikalsee in Sibirien unterwegs, dem tiefsten See der Erde. Allerdings nicht von unten nach oben, sondern in der Horizontalen. Eine Illusion vom Feinsten, erdacht vom Südtiroler Fotografen Thomas Monsorno. thomasmonsorno.com Instagram: @ thomas.monsorno
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„Mir macht es Spaß, Menschen in Momenten der Verletzlichkeit festzuhalten – in oder vor einer Wand.“ Victoria Kohner-Flanagan
Phönix aus dem Staub
Sieger in der Kategorie „RAW by Leica“
Bruno Long, 42
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Auf einer supersteilen Passage auf einem Trail in Fernie, British Columbia, Kanada: Mountainbiker Dylan Siggers taucht aus dem Staub auf wie Phönix aus der Asche. „Ich liebe es, mit Staub und Licht zu spielen“, sagt Fotograf Long, „weil es so ein zufalls gesteuerter Prozess ist.“ brunolong.com, Instagram: @eye_b_long
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Und jetzt: Hände hoch!
Siegerin in der Kategorie „Emerging by Black Diamond“
Victoria KohnerFlanagan, 23
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Diese beängstigend glatte, 39 Meter hohe Wand im kalifornischen Pine Creek Canyon heißt „Queen of Heartbreaks“ – Königin des Herzschmerzes. Zu Recht: Fotografin Victoria Kohner-Flanagan blieb schleierhaft, wo genau hier die nächsten Griffe sein sollten. Hier gönnt Kletterer Jack Nugent seinen Händen eine kleine Pause. victoriakohnerflanagan.com, Instagram: @vickyvicti
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„In einer Welt, die mit Bildern überflutet wird, musst du den Dingen einen persönlichen Touch geben. Dann werden sie interessant.“ Markus Berger
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Im Bauch des Gletschers Sieger in der Kategorie „Playground by WhiteWall“
Tief im Berg, unter dem Hintertuxer Gletscher im Tiroler Zillertal, befindet sich ein märchenhafter Ort: der Natur Eis Palast. Dort kann man schwimmen, Kajak oder Schlauchboot fahren oder eisklettern. Und: wakeboarden, wie Dominik Hernler hier zeigt. Markus Berger hat das für die Nachwelt festgehalten. markusbergerphotography.com Instagram: @markus_berger_photography
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Die wahren Abenteuer sind im Kopf
Sieger in der Kategorie „Creative by Skylum“
Jan Kasl, 27
Sieht so aus, als hätte Skateboarder Fanda Šesták einen fabelhaften Spielplatz gefunden: eine spiralförmige Bahn. Ist aber eine optische Täuschung, die in der Welt der Fotografie „erzwungene Perspektive“ heißt. Der Trick ist, Dinge nahe der Kamera weiter weg erscheinen zu lassen. Und umgekehrt. Der Tscheche Jan Kasl hat das hier per fekt umgesetzt. jankaslphoto.com, Instagram: @jankaslphoto
Männer im Mond
Sieger in der Kategorie „Best of Instagram by Lenovo“
Yhabril Moro, 42
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Was es für dieses Bild alles braucht: zwei Kicker, aufgebaut an der richtigen Stelle am Pico Malacara, Spanien; einen perfekt syn chronisierten Sprung der beiden Freeskier Jaime Rico und Javi Diaz; den Vollmond; natürlich klaren Himmel – und einen genialen Foto grafen wie Yhabril Moro. yhabril.com, Instagram: @yhabril
DER WETTBEWERB
RED BULL ILLUME
Zwei Beobachtungen brachten den Ex-Red Bull-Athleten und Fotografen Ulrich Grill 2006 ins Grübeln. Erstens: Der technologische Fortschritt in der Lichtbildnerei eröffnete Actionfotografen völlig neue Möglichkeiten. Zweitens: Es gab keinen Wettbewerb, der dieses junge Genre entsprechend zele brierte. Also erfand Ulrich schlicht einen solchen: Red Bull Illume. Heute ist der Contest mit Zehn tausenden Einsendungen der weltweit größte seiner Art. Die Sieger werden von einer 50-köpfigen Fachjury gekürt. Ein aufwendiger Prozess mit hohem Qualitätsanspruch. Daher findet der Bewerb ganz bewusst nur alle zwei Jahre statt. redbullillume.com
THE RED BULLETIN
Hautnah erleben, worauf die ganze Welt abfährt. Priceless
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Film
bekämpft als Trinity die Matrix in schwarzem Latex. Privat verbannt die Schauspielerin Smartphones aus ihrem Alltag – und besiegt Algorithmen mit Meditation. Interview RÜDIGER STURM
1999 sorgte der Kinohit „Matrix“ für eine Revolution des Actionkinos. Carrie-Anne Moss zeigte Keanu Reeves damals, dass alle Menschen in einer gigantischen Computer simulation gefangen sind – der Matrix. 18 Jahre nach dem dritten Teil geht der Kampf gegen die Illusion in „The Matrix Resurrections“ weiter. Die heute 54-Jährige erläutert exklusiv für The Red Bulletin, wie sie der künstlichen Welt der M atrix entkommt, mit welchen M ethoden sie ihre Stunts übt und welche Rolle Meditation dabei spielt. THE RED BULLETIN: Frau Moss, hatten Sie jemals selbst das Gefühl, dass wir nicht in der realen Welt, sondern in der Matrix leben? carrie-anne moss: Das habe ich jeden Tag. Wow. Wann hat das angefangen? Zum ersten Mal brachte mich ein Lehrer in der 10. Klasse auf den Gedanken. Er fragte uns, ob es nicht sein könnte, dass wir alle in einem Traum leben. Damals dachte ich: „Wie bitte?!“ Ich kann mich nicht an viel aus meiner Schulzeit erinnern, aber diese Frage ist mir präsent geblieben. Sie hat eine Tür in meinem Geist aufgestoßen. Ich habe viele Jahre darüber nachgedacht, denn der Lehrer gab uns keine Antwort.
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Was ist denn Ihre Antwort? Dass jeder Mensch in seiner eigenen Realität lebt – abhängig von Algorithmen in sozialen Medien oder einfach nur von seinen persönlichen Interessen. Du kannst dich in einem Zimmer mit vier Personen aufhalten, und jede davon bewegt sich in einer komplett anderen Welt. In den „Matrix“-Filmen geht es darum, dass wir zur wahren Realität vordringen. Gelingt Ihnen das? Ich versuche auf jeden Fall, diese Matrix aufzulösen. Ein ganz wichtiges Werkzeug dabei ist für mich Meditation. Sie gibt mir die Möglichkeit, meinen Geist zu beruhigen. Egal ob ich das nun drei Minuten oder drei Stunden mache. Oder meinetwegen auch nur ein paar Atemzüge. Wenn ich meditiere, bin ich komplett bei mir – ohne den ganzen Lärm der Außenwelt. In der Meditation trete ich sozusagen in einen Raum voller Ruhe ein, darin erlebe ich so etwas wie echte Realität, und das beschert mir ein pures Glücksgefühl. Welche Techniken setzen Sie da genau ein? Ich habe lange Zeit Transzendentale Meditation gemacht, jetzt ist es eine Art Hybridform, die ich selbst ent wickelt habe und die ich auch anderen Leuten beibringe. Wichtig dabei ist, dass man das nicht wie eine lästi ge Pflicht empfindet. Ich persönlich freue mich auf jede Meditation.
Wir werden auch durch die Algorithmen der digitalen Welt manipuliert. Wie schütteln Sie die ab? Ich war nie von der digitalen Welt begeistert. Ich habe eher eine Aver sion entwickelt, weil sie sich nicht gut für mich anfühlt. Natürlich hänge ich wie alle anderen am Smartphone, aber ich sehe zu, dass ich mich, sooft es geht, ausstöpsle. Und ich habe diese Haltung auch m einen Kindern zu vermitteln versucht. Sie gingen auf eine Waldorfschule, wir hatten keinen Fernseher. Irgendwann k amen sie jedoch in ein Alter, in dem sie aufs Smartphone nicht verzichten wollten. Also habe ich ihnen gesagt: „Der Technik ist euer Wohlergehen egal, aber für mich seid ihr das Wichtigste überhaupt.“ Zu einem freien Geist gehört auch ein gesunder Körper. Was tun Sie für den Ihren – etwa um die Stunts in „Matrix“ zu meistern? Das war eine große Herausforderung. Ich war ja nicht mehr Anfang dreißig wie bei den ersten Filmen. Dazu gehört Training, gesundes Essen mit Nahrungsergänzungen, aber letztlich ist das auch eine mentale Frage. Für die schwierigsten Stunts half mir die Technik der Visualisierung. Das Training des Geistes ist das Wichtigste überhaupt. „Matrix Resurrections“ läuft ab 23. Dezember in den Kinos.
THE RED BULLETIN
JSQUARED PHOTOGRAPHY/CONTOUR BY GETTY IMAGES
Carrie-Anne Moss
Das heißt, im Grunde haben Sie die illusionäre Welt der Matrix schon hinter sich gelassen? Einerseits ja, andererseits ist der Weg aus der Matrix endlos. Sobald du denkst, du hast sie entwirrt und bist frei davon, denkst du dir: Moment, vielleicht bin ich einfach nur in der nächsten Matrix gelandet.
„Ich habe eine Aversion gegen die digitale Welt entwickelt.“ Sci-Fi-Ikone Carrie-Anne Moss, 54, schaltet gern ihr Handy ab.
THE RED BULLETIN
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Fernsehen
Uli Brée erfand die „Vorstadtweiber“, schrieb ein Kabarett über Männerschmerzen und schwört, dass er nie wieder eine Serie mit mehr als drei Staffeln verfassen wird. Jetzt führt er erstmals Regie: bei der skurrilen Miniserie „Aus die Maus“. Text KARIN CERNY Foto OSKAR SCHMIDT
Uli Brée, 57, ist heute schon lange auf den Beinen: Um vier Uhr früh hat er seine 19-jährige Tochter Lilli, die in den USA eine Ausbildung zum Make-up-Artist beim Film anfängt, zum Flughafen gebracht. Um neun war er im Schneideraum, um seine neue TV-Serie „Aus die Maus“ zu bearbeiten. Aber trotz des gedrängten Programms wirkt Österreichs erfolgreichster Drehbuchautor beim Treffen im Wiener Hotel Beethoven ziemlich entspannt. Dort spielt auch sein eben erschienener Roman über eine unkonventionelle Polizistin, „Du wirst mich töten“. THE RED BULLETIN: Du hast eine Ausbildung zum Clown gemacht. Was ist so lustig daran, wenn die Leute ständig über einen lachen? uli brée: Das ist ein Handwerk und nur lustig, wenn man es ernst nimmt. Aber das ist sowieso das Geheimnis jeder guten Komödie. Sonst ist es bloß Klamauk. Danach hast du Schauspiel studiert, bist jedoch beim Kabarett gelandet. Was ist schiefgelaufen? Es gab immer wieder Phasen, in denen ich pleite war und gekellnert habe. Da habe ich mit Freunden ein Kabarettprogramm geschrieben und produziert: „Männerschmerzen“. Das Programm lief sieben Jahre lang und war so gut wie immer ausverkauft. Ich konnte also recht schnell aufhören zu kellnern und hab an
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gefangen, fürs Fernsehen Comedy und dann Drehbücher zu schreiben. Schaffst du es eigentlich, auf Knopfdruck witzig zu sein? Ich kann komischerweise, wenn es die Situation verlangt, ohne jedes Lampenfieber spontan auf eine Bühne gehen und das Publikum unterhalten – rein durch Improvisation. Aber hinter der Bühne bin ich eher ernst, und im Restaurant tue ich mir schwer damit, den Kellner auf mich aufmerksam zu machen. Da bin ich gern unauffällig und unscheinbar. In „Aus die Maus“ spielt Nina Proll eine Tierbestatterin. Wie kommt man auf so eine absurde Idee? Ich habe in einer Zeitung eine Randbemerkung über Tierbestattung gele sen und mir gedacht: Das wäre doch ein toller Stoff. Jeder zweite Haushalt in Österreich hat ein Tier. So gut wie jeder hat also einen Bezug. Und Nina Proll kenne ich ja nicht nur von den „Vorstadtweibern“, wir sind in Tirol Nachbarn und gut befreundet. Du führst bei dem Projekt auch erstmals Regie. Wie gehst du mit solchen Herausforderungen um? Ich rate meinen Kindern immer: Habt den Mut zu scheitern! Nach diesem Motto arbeite und lebe ich auch. Mir ist wichtig, dass es spannend bleibt. Nichts ist mühsamer als Serien, die immer dünner werden. Ich habe mir geschworen, dass in Zukunft keine meiner Serien mehr als drei Staffeln haben darf.
Wie sieht dein Alltag aus? Meistens sitze ich von neun in der Früh bis am Abend am Laptop. Dazwischen gehe ich mit dem Hund spazieren, um den Kopf freizubekommen. Ich verstehe Autoren nicht, die sagen, dass sie Schreiben als quälend empfinden. Für mich gibt es nichts Schöneres, als vor einer leeren Seite zu sitzen: Da ist alles möglich! Gibt es Projekte, die du schon lang mit dir herumträgst, aber nie verwirklicht hast? Ich habe eine Serie für Adele Neuhauser geschrieben, „Mama ist die Best(i)e“. Der Plot: Eine oberflächliche Societylady kommt wegen Mord an ihrem Ehemann für 12 Jahre hinter Gitter. Als sie rauskommt, hat sie einen perfiden Plan. Für Neuhauser hast du ja eine „Tatort“-Kommissarin erfunden. Was findest du an ihr speziell? Das Tolle an Adele ist, dass sie so geerdet ist, so nahbar fürs Publikum. Sie ist nie eine Kunstfigur, sondern immer ganz nah am Leben. Willst du mit dem Regieführen weitermachen? „Aus die Maus“ war eine schöne, intensive Erfahrung, weil wir viele kammerspielartige Szenen hatten. Für einen Actionfilm wäre ich aller dings eine Spur zu ungeduldig. Nach der fünften Kamerafahrt habe ich mich wieder auf das Drehbuchschreiben daheim gefreut. „Aus die Maus“ ist eine achtteilige Comedy- Serie mit Nina Proll in der Hauptrolle. Sie spielt eine gefeuerte Schauspielerin, die nun als Tierbestatterin arbeiten muss. In jeder der in sich abgeschlossenen Episoden trifft sie auf trauernde Tierbesitzer. Seit 7. Dezember bei ServusTV. servustv.com
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„Ich rate meinen Kindern immer: Habt den Mut zu scheitern!“ Uli Brée, 57, über sein Rezept für den Umgang mit Herausforderungen
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Kunst
beschloss mit zwölf Jahren, Künstler zu werden. Heute hängen seine Bilder im Palazzo Medici in Florenz. Hier erzählt der Star-Maler, 23, wie man sein Talent entfaltet. Protokoll ANDREAS ROTTENSCHLAGER Foto SEBASTIAN DRÜEN
London, St. Petersburg, Venedig: Wenn Leon Löwentraut seine Ausstellungen eröffnet, blitzen Kameras, zücken Kunstfans ihre Smartphones. Der 23-jährige Düsseldorfer ist Deutschlands Star maler der Instagram-Generation. Für die UNESCO schuf er 2018 einen siebzehnteiligen Gemäldezyklus. Im Palazzo Medici Riccardi in Florenz (erbaut 1444) stellte er 2019 als bisher jüngster Künstler aus. Löwentraut ist Autodidakt. Seine bunten Acrylbilder im Stil moderner Expressionisten sind bei Sammlern weltweit begehrt. Beim Festival für Talente „Organics Talentville“ in Wien erzählte er, wie man das Beste aus seinem Talent herausholt. Hier ein Best-of:
1. Leidenschaft schlägt alles
„Ich habe mit sieben Jahren be gonnen zu malen. Mit zwölf Jahren wusste ich: Ich will Künstler werden. Mir hat schon damals gefallen, dass ich mich beim Malen nicht erklären musste. Denn mit dem Pinsel in der Hand war ich niemandem Rechen schaft schuldig. Mein großes Problem zu Beginn: In meiner Familie hatte niemand Kontakte in die Kunstwelt. Also hab ich selber an die Türen der Galerien geklopft. Ich hab gesagt: ‚Hört mal zu: Mein Name ist Leon Löwentraut. Das sind meine Bilder.‘ Ich trug d amals immer eine
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Mappe bei mir mit Kopien meiner Werke. Auf manchen Abzügen war die Farbe verblasst. Ich hatte nicht einmal Kohle für Druckerpatronen. Aber das war mir egal. Denn wenn ich zu hundert Prozent hinter dem stehe, was ich tue, kommt im Leben alles zurück.“ „Ich bekam anfangs viele Ab sagen. Aber ich habe weitergemacht, mehr Bilder gemalt, weiter an Türen geklopft, bis eine Galerie schließlich sagte: ‚Wir glauben, du hast Potenzial.‘ Meine erste Ausstellung fand 2013 in Aying nahe München statt – in einer Scheune. Für mich bedeutete das die Welt. Wenig später berichteten die ersten Zeitungen über mich. Dann das Fernsehen. Mit 17 hatte ich meine erste Solo-Show in Notting Hill in London. Später wurden meine Bilder im Puschkin-Museum in St. Petersburg gezeigt oder im Headquarter der UNESCO in Paris.“
2. Selbstlob ist voll okay
„Egal welches Talent du entwickeln willst: Fürchte dich nicht vor deinem Selbstvertrauen. Es gibt Leute, die sagen, Eigenlob stinkt. Aber das ist Schwachsinn! Du musst jeden Morgen aufstehen und sagen: ‚Das, was ich tue, ist gut!‘ Diese Botschaft ist mir sehr wichtig. Denn es gibt viele Leute da draußen, die verdammt viel Talent haben, aber niemals bekannt werden. Weil sie vielleicht nicht den Mut haben rauszugehen. Weil sie Angst haben, sich zu zeigen. Weil sie Angst haben vor Kritik.“
3. Lass nur das Beste raus
„Junge Talente hadern oft mit ihrem Perfektionismus. In meinem Fall: Wann ist ein Bild gut genug? Es gibt Bilder, die entwickeln sich schnell. Es gibt andere, die brauchen länger. Ich male meist mehrere gleichzeitig. Der Prozess zieht sich manchmal über Monate. Es gibt auch Bilder, die wollen nicht fertig werden, die halten mich von anderen Bildern ab. Diese Bilder stelle ich in die Ecke. Wenn sie mich weiter ärgern, drehe ich sie um. Lassen sie mich dann immer noch nicht in Frieden, trete ich rein. Richtig gehört: Ich zerstöre sie, weil sie für mich keine Daseinsberechtigung mehr haben. Das klingt extrem. Aber wer in meine Aus stellungen kommt, soll nur die besten Werke sehen. Ich zeige nur Bilder, hinter denen ich zu hundert Prozent stehe. Denn für mich braucht es drei Dinge, um ein Talent zu entfalten: Disziplin, Liebe und Authentizität.“ Leons aktuelle Ausstellung: „Unstoppable“ in der Gerhardt Braun Gallery in Palma de Mallorca. Alle Infos: leonloewentraut.de
Leon Löwentraut als Speaker am Festival für Talente ORGANICS TALENTVILLE in Wien. Die Talks aller Vortragenden als Video: organicsbyredbull.com/talentville
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MATTHIAS HESCHL/RED BULL
Leon Löwentraut
„Es wird immer Leute geben, die nicht gut finden, was du tust. Aber es wäre ja auch langweilig, wenn jedem deine Arbeit gefällt. Wenn ich kritisiert werde, merke ich oft, dass ich etwas richtig mache. Denn alles, was neu ist, wird diskutiert – weil die Menschen noch nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Solche Diskussionen auszulösen ist eine wichtige Funktion von Kunst.“
„Ich zerstöre Bilder, die mich an der Arbeit hindern.“ Maler Leon Löwentraut, 23, hier bei einer Ausstellung auf Mallorca, über Qualitätskontrolle
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Deutschrap
: A N A D E R E O L FMAD N L A E S WOM st, m m erko hast: h u o d Traum hen w , l ga e i ne n ban isc i n e t l s ig Es i enn du inem a ie Kön e. w s e Ki n d d urd u w a p Wie derer schra NNE WAGAEKR Ü tA an eut Tex ELIX KR F E i nw d e s D os Fo t
SCHAU MIR IN DIE AUGEN!
Rap-Superstar, ganz bodenständig: Loredana, 26, beim Red Bulletin-Shooting in Berlin
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S
ie ist müde. Vor zwei Tagen erst ist Loredana im Auto aus der Schweiz nach Deutschland gefahren, um im Studio ein paar Aufnahmen zu machen, nur um am selben Tag wieder die Rückfahrt anzutreten. Nun sitzt sie schon wieder in Berlin, diesmal in einem Fotostudio, und wird für das Red Bulletin-Shooting gestylt. 16-Stunden-Tage. Aber, sagt sie mit ihrer Stimme, die noch eine Spur rauer erscheint als sowieso schon, ihre Laune sei gut – eigentlich wie immer. Wie könnte es auch anders sein. Erst gute drei Jahre ist es her, dass Loredana ihren ersten Track veröffentlichte. Das Rap-Stück „Sonnenbrille“ erschien im Juni 2018, wurde aus dem Stand ein Hit und machte sie berühmt. Seither ist sie ein Streaming-Phänomen. Ihre „King Lori Tour“ sollte
sie 2020 von Zürich über Wien und Köln bis nach Leipzig führen, so gut wie alle ihre Konzerte waren entweder ausverkauft oder wurden wegen der un erwarteten Nachfrage in größere Hallen verlegt (bis die Tour an Corona scheiterte).
Loredanas Jugend: Kontrolle, aber keine Angst
Lange deutete trotzdem nichts darauf hin, dass aus Loredana Zefi, 1995 geboren und aufgewachsen in einem Vorort von Luzern, einmal einer der größten Musikstars im deutschsprachigen Raum werden würde. Als jüngstes von zehn Kindern eines aus Albanien eingewanderten Fabrikarbeiters und einer Gelegenheitsjobberin wurde sie von ihren Brüdern mit zum Fußball genommen, hatte immer jemanden zum Spielen und wuchs mit ständigem Hip-HopSoundtrack auf, Tupac Shakur vor allem.
t e t e i r b e d ia , e v e i l i cial M m a F I h r e da na S o e h n is t. L o r e i e ach tz i h r bis s te folgen Fans. Heu Millionen dr ei
LÄSSIG ZUGEKNÖPFT
Loredana setzt auf einen legeren Kleidungsstil: „Meine Persönlichkeit soll im Vordergrund stehen“, sagt sie. „Ich bin nicht berühmt geworden, weil ich sexy aussehe.“
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Deutschrap
„ Mit d i c h zu r e ize h n B r ü d e i n e m m ha b e I ch w er g es ag ei ner Karri ill als Ra t: er e m pper ache i n n.“ Sie sagt, sie habe ihren Brüdern ihr Selbstbewusst sein und ihre Angstfreiheit zu verdanken. Aber als Nesthäkchen-Mädchen wurde sie von den älteren Geschwistern penibel bewacht und zum Beispiel zur Schule gefahren – angeblich, um sie vor schlechten Einflüssen zu schützen. „Man hat mich einfach 24 Stunden kontrolliert“, stellt sie rückblickend un gerührt fest. Aber es habe funktioniert. Sie trinke bis heute nicht, und, von Zigaretten abgesehen, interessierten sie auch Drogen nicht. Zur familiären Überwachung gehörte auch, dass sie bis zum Alter von achtzehn keine Social-Media-Accounts haben durfte. Doch als sie es dann durfte, ging sie in die Vollen. Sie habe immer die Gewissheit besessen, dass sie einmal berühmt werde, sagt Loredana. „Mit drei zehn habe ich zu einem meiner Brüder gesagt: Ich glaube, ich werde rappen.“ Die Schule brach sie nach der neunten Klasse ge nauso ab wie die Ausbildung zur Kauffrau. Irgend wann drehte sie Lip-Sync-Videos von Stücken be kannter Rapper und lud sie auf YouTube hoch. Sie lernte den albanischen Rapper Mozzik kennen und kam mit ihm zusammen, sie ging mit dem Produ zenten Macloud ins Studio, nahm ihren ersten Track auf und stellte einen kleinen Ausschnitt davon ins THE RED BULLETIN
BOSS LADY
Warum Loredana 16 Stunden pro Tag arbeitet? „Damit meine Tochter ein schönes Leben führen kann.“
Netz. „Die Leute sind durchgedreht.“ Allein in den ersten zwei Wochen sammelte das Video auf der Plattform 13 Millionen Aufrufe. Auf Instagram hat Loredana heute drei Millionen Follower. Als Mitte 2019 mittlerweile fallen gelassene Be trugsvorwürfe gegen sie aufkamen, war ihr Name in der Schweiz der meistgesuchte Begriff auf Google.
Sie ist verletzlicher, als sie sich gibt
Während sie sich in der Öffentlichkeit kühl gibt, stellt sie sich im Gespräch mit ihrem Spitznamen Lori vor, ist offen und zugänglich. „Ich bin außen kälter als innen“, sagt sie. Das sei ihr Schutz mechanismus. Die Leute sollen nicht wissen, was sie verletzen könnte. „Die Sonnenbrille schützt meine Identität / Sie fragen mich, woher, sie ist von Fendi / Die Hände voller Cash, kann nicht ans Handy gehen“, heißt es in ihrem Debüt-Stück. „Sonnenbrille“ stammt aus ihrer Feder. Statt auf ein naheliegendes Feature einer anderen Rapperin oder eines anderen Rappers wie Mozzik setzte sie auf ihren Solo-Auftritt. „Ich wollte mir beweisen, dass ich es allein kann. Und dass die Leute das Stück wegen mir hören, nicht wegen jemand anderem. Ich wollte, dass klar ist: Keiner hat mich groß gemacht.“
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UNTER DIE HAUT
Das Tattoo „Hana“ auf ihrem rechten Unterarm ist Loredanas Tochter gewidmet. Ein anderes ist ihr aber wichtiger, wie sie im Interview gesteht.
Deutschrap
Es ist diese Eigenständigkeit, der Loredana ihren rfolg zu verdanken hat. Sie setzt auf ihre eigene E Leistung, nicht auf die Liebesdienste anderer. Dazu gehört auch, dass sie die längste Zeit darauf ver zichtete, einen bestimmten Look zu bedienen. Sie habe immer ihre Persönlichkeit in den Vordergrund gestellt. „Ich bin nicht berühmt geworden, weil ich heiß aussehe.“ Obwohl sie gern Kleider trage und sich auch gern sexy zeige, habe sie auf einen coolen, eher angezogenen Stil gesetzt. Oversize-Sweatshirts, lange Hosen. Jetzt, da sie es geschafft habe, ändere sich das. „Langsam, langsam zeige ich auch meine frauliche Seite.“ Ende 2018 kam ihre und Mozziks gemeinsame Tochter Hana auf die Welt. Das Muttersein be zeichnet Loredana als „das schönste und schlimmste Gefühl zugleich“. Schön sei es, weil sie mit dem Kind eine enge Bezugsperson in ihrem Leben habe. Schlimm, weil sich damit auch eine existenzielle Angst um diese Person eingestellt habe. Seit der Trennung von Mozzik, der seither wieder in Albanien lebt, ist Loredana Alleinerzieherin. Sie habe „hundertprozentig“ das Gefühl, ihrer Tochter etwas bieten zu müssen, und dabei keine Sorge, das Kind über Gebühr zu verwöhnen. „Ich arbeite“, sagt sie, „damit meine Tochter ein schönes Leben führen kann.“
en, s i e w e b e t o l l a l l e i n te w h „Ic s ich es die Leu ir da s . D a s s eg e n m kann Stück w klar ist: das n. Dass mir hat höre er außer macht.“ Kein groß ge mich
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Die Botschaft auf dem Rücken
Die Betonung von Geld und Luxus war nicht immer das Markenzeichen des Hip-Hop. Als die Subkultur in den 1970er-Jahren in der Bronx, einem übel beleumundeten Stadtteil von New York, entstand, drehte sich alles um improvisierte Partys, DJs, Beat boxing und Breakdance. Ende der 1980er dann betrat die Figur des Gangsta-Rappers die Bühne. Seine Darsteller wie etwa der schon erwähnte Tupac Shakur (Rapperinnen gab es damals noch so gut wie keine) verkörperten zwei Entwicklungen der Zeit: den aufkommenden Neoliberalismus und die Crack-Epidemie. Beide verbinden zwei Prinzipien: ehrgeiziges Unternehmertum und schnelles Geld. Erst als Hip-Hop in den 1990ern in den Mainstream und damit auch in nicht schwarze und europäische Lebenswelten einzog, sorgte das auch für Reichtum bei den Rappern. Ganz im Sinne der uramerikani schen Erzählung vom Aufsteiger, der aus dem Nichts kommt, werden seither Statussymbole wie Autos, Schmuck und Pelzmäntel möglichst eindrucksvoll zur Schau gestellt. War der Reichtum in Form von Fendi-Sonnen brille, Cartier-Ringen und Stapeln von Geldscheinen im Video zu „Sonnenbrille“ noch eine Erfindung, hat es Loredana gut drei Jahre später geschafft. Der Name ihres aktuellen, wieder gemeinsam mit ihrem Ex M ozzik aufgenommenen Albums „No Rich Parents“ bezieht sich darauf, dass sie sich beide alles allein aufgebaut haben, ohne finanzielle Unterstüt zung von zu Hause. Ihre Eltern seien nicht reich gewesen, „wir haben unsere Eltern reich gemacht“. Das für sie wichtigste unter den ungezählten Tattoos überall auf ihrem Körper, erzählt Loredana dann auch, sei nicht etwa der Name ihrer Tochter auf dem rechten Unterarm, sondern das auf ihrem Rücken. „Selfmade Millionaire“ steht da. „Wenn ich mich umdrehe und weggehe, muss der andere das lesen. Der hat vielleicht schon gedacht: ‚Wer glaubt die, dass sie ist?‘“, erklärt sie die Be deutung des Schriftzugs. „Ich bin es einfach selber geworden.“ STYLING: TIM HEYDUCK/SHOTVIEW MAKE-UP: SELLMA KASUMOVIQ HAIR: KACI MANTEL UND HOSE: AILEEN KLEIN WESTE: STYLISTS OWN SCHUHE: PRADA (LOREDANA)
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Matthias Walkner, hier bei der MarokkoRallye 2021, hat 2022 seinen zweiten Dakar-Sieg im Blick.
MARCIN KIN/RED BULL CONTENT POOL
VOLLER FOKUS
Rallye Dakar
MATTHIAS WALKNER
„ Volle Attacke ist immer noch das Geilste für mich“ Er ist sieben Tage mit einem gebrochenen Fuß gefahren, hat vor Schmerz unterm Helm geweint und schwört, dass Schnellfahren den Geist mehr fordert als den Körper. Hier erzählt der MotorradWeltmeister, 35, was er auf der Rallye Dakar fürs Leben gelernt hat. Text WERNER JESSNER
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Zwei Räder, ein Leben Matthias Walkners Weg vom Knirps zum Motor-Star
1. Etappe: Achtung auf die Kleinigkeiten
„ Eine Paella hat mich meine erste DakarZielankunft gekostet.“ 50
um 2000 WIESEN-CROSS
Mit dreizehn prügelt Hiasi eine Kawasaki über einen Motocross-Kurs in Salzburg.
2011 WM-STARTER
Mit Hilfe kleiner, aber treuer Sponsoren finanziert er sich eine WM-Saison in der MX3-Kategorie.
2012 WELTMEISTER
Als Privatfahrer holt er den MX3-Titel. Jubel mit Mentor Wolfgang Hillinger
2015 ERSTE DAKAR
Große Überforderung in Südamerika, auch mit dem Roadbook. Dennoch: e rster Etappensieg gleich am dritten Tag
PRIVAT (3), GETTY IMAGES, MARCIN KIN/RED BULL CONTENT POOL
2014 wurde ich KTM-Werksfahrer für die Dakar. Zuvor bin ich Motocross gefahren und war sogar Weltmeister in der kleinsten Kategorie MX3, die kurz danach eingestellt wurde. Das klingt jetzt glamouröser, als es tatsächlich war: Ich war Mädchen für alles, habe bei jeder Temperatur im Bus geschlafen, direkt neben den stinkenden Benzinkanistern. Ich habe meine Reisen selbst organisiert und die Reifen bestellt. Meine Oma hat die dreckige Wäsche gewaschen. Mit dem Engagement bei KTM hatte ich plötzlich so etwas wie Sicherheit und musste mich nicht mehr um jede Kleinigkeit selbst kümmern und mir unter anderem keine Gedanken mehr darüber machen, welche Rennstarts ich mir leisten kann und wen ich überreden könnte, mein Mechaniker zu sein. Fairerweise muss ich dazusagen, dass ich in meinem ersten Dakar-Jahr noch kein echter Werksfahrer war. Ich bekam zum Beispiel nur einen Serienmotor, der um 3 bis 4 km/h langsamer ist als die echten Rennmotoren. Klingt nicht nach viel, aber wenn du so wie wir an einem Tag 160 Kilometer auf einem Salzsee schnurgerade Vollgas fährst, summiert sich das. Dennoch konnte ich gleich die dritte Dakar-Etappe in meinem Leben gewinnen. Heute kann ich sagen: Ich hatte keine Ahnung, was alles passieren kann, und bin einfach so schnell gefahren, wie es ging. Damit habe ich alle überrascht, mich selbst eingeschlossen. Was nach dem ersten Etappensieg kam, war dann weniger schön: technische Probleme mit oxidierten Steckern, ein abgerissenes Rahmenheck, eine verdorbene Paella und schließlich die Aufgabe wenige Tage vor dem Ziel. Auf dieser Dakar habe ich gelernt, wie Kleinigkeiten zu riesigen Brocken werden: Wenn du wegen technischer Probleme dreizehn statt neun Stunden unterwegs bist, fehlen dir vier Stunden zur Regeneration – einfache Rechnung. Seither bemühe ich mich, meine Hausaufgaben so gut wie irgend möglich zu erledigen – auch aus Dankbarkeit, ein Leben als Profi führen zu dürfen.
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Rallye Dakar
„ Es ist erstaunlich, wie viel man mit zunehmendem Alter kompensieren kann, wenn man auf seinen Körper achtet.“ Matthias Walkner, 35, beim Aufwärmen in der Wüste Marokkos. Im Lauf der Jahre hat er sich vom Instinkt-Piloten zum Vollgas-Athleten gewandelt.
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Rallye Dakar
VOLLGAS AUF SAND
Matthias Walkner bei der Marokko-Rallye 2021. Hier holte er seinen zweiten Rallye-Raid-WM-Titel.
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2. Etappe: Mit Schmerzen leben lernen
MARCIN KIN/RED BULL CONTENT POOL, PRIVAT
Bei meiner zweiten Dakar hatte ich den ärgsten Sturz meiner bisherigen Karriere. Um 6.15 Uhr hielt ich etwas für einen Schatten, was in Wirklichkeit ein riesiges Loch war. Es dauerte zwölf Stunden bis zum Krankenhaus. Unter anderem war mein Oberschenkel gebrochen. Ich hatte nicht einmal ein Handy mit. Als ich so dalag in meinem staubigen MotorradGewand und darauf wartete, dass sich endlich jemand um mich und meine Schmerzen kümmern würde, wurde mir der Tag wirklich lang. In meinem ganzen Leben hat mir vorher oder nachher nie etwas so weh getan. Es war bestialisch, mehr will ich gar nicht darüber sagen. Wenn ich versuche, etwas Positives an diesem Sturz zu finden, dann ist es Folgendes: Jedes Mal, wenn ich merke, dass ich unkonzentriert werde, stelle ich mir diese zwölf Stunden vor. Dann bin ich ganz automatisch wieder voll bei der Sache. Ein paar Spätfolgen habe ich bis heute: einen Knochennagel, ein bedientes Kreuzband, unterschiedlich lange Beine und einen B eckenschiefstand. Mehr als zwei, drei Stunden kann ich damit nicht mehr in die Berge gehen. Dann war da noch mein Fahrfehler 2019, bei dem ich mir das Sprunggelenk gebrochen habe. Da ich von meinem Umfeld so viel verlange, dürfen sie das von mir auch erwarten. Also habe ich beschlossen, durchzubeißen. Aus der Wüste musste ich nach dem Sturz ohnehin irgendwie raus, da konnte ich auch gleich das Motorrad nehmen. So habe ich den ersten Tag beendet. Den nächsten wollte ich mit Schmerzmitteln angehen, doch die hätten meine Reaktionszeit beeinträchtigt. Also weg damit. Für den Tag darauf habe ich mir mit Tape eine Eisenplatte in den Stiefel geklebt, um das Sprunggelenk zu ent lasten. In der Nacht bin ich auf einem Bein auf die Toilette gehüpft, aber ich
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„ Eine 1250-KilometerEtappe heißt: Von Salzburg bis fast nach Barcelona auf einem Rennmotorrad ohne Komfort, über Stock und Stein.“
2019 HAPPY END IM SPITAL
Trotz gebrochenem Knochen fuhr Hiasi die Dakar zu Ende. Lohn: Rang zwei.
hatte wieder einen Tag und eine Nacht überlebt. Manchmal habe ich unterm Helm geweint vor Schmerz, aber auf gegeben habe ich nicht. Je schneller ich gefahren bin, desto weniger Zeit hatte ich, mich auf das Sprunggelenk zu konzentrieren. Ich habe diese Dakar auf Platz zwei beendet und war sieben Tage des Rennens mit einem gebrochenen Talusknochen unterwegs. Zur Siegerehrung bin ich auf dem Schoß von Hannes Kini gadner gefahren – im Rollstuhl. Als die Anspannung der Rallye weg war, hat alles ausgelassen, und ich konnte beim besten Willen nicht mehr gehen.
3. Etappe: Respekt vor dem Risiko
Selbst wenn in den letzten Jahren immer wieder Fahrer auf der Dakar gestorben sind, war ich Gott sei Dank nie live dabei. Aber ich habe auch so genug erlebt. 2016 war ich als Erster bei Joan Barreda, als der nach einem Sturz bewusstlos im Sand lag. War ich froh, als er die Augen wieder aufgemacht hat! Er muss rund zwei Minuten k. o. gewesen sein. Ein Italiener hat sich direkt vor mir den Arm gebrochen, gleich in meinem ersten Jahr. In Abu Dhabi ist ein Beifahrer im Auto gestorben, weil sein Fahrer die Abrisskante einer Düne übersehen hat. Und dann war da natürlich der töd liche Unfall des Portugiesen Paulo Gonçalves bei der Dakar 2020. Genau wie der Holländer Edwin Straver, den es ebenfalls in diesem Jahr erwischt hat, war er einer, der genau wusste, was man in der Wüste macht. Fit, erfahren, schnell. Aber Fehler passieren halt, wenn du im offenen Gelände schnell fährst. Das habe 53
Rallye Dakar
4. Etappe: Das Wichtigste ist nie aufgeben!
Als die Dakar noch in Südamerika stattgefunden hat, sind wir bis auf 5000 Meter Seehöhe raufgekommen. Einmal waren wir 250 Kilometer bei Temperaturen zwischen dem Gefrierpunkt und minus elf Grad unterwegs. Ich hatte normale Winterhandschuhe an und habe noch nie in meinem Leben so gefroren. Ich musste mich dreimal übergeben, so erledigt war ich. Irgendwann habe ich mich in ein Polizeiauto am Straßenrand gesetzt, um mich 25 Minuten aufzuwärmen – mit bescheidenem Erfolg. Sogar einen Kaffee habe ich den Polizisten abgeschwatzt. 2017 sind wir auf einer Verbindungs etappe von der bolivianischen Hauptstadt La Paz 350 Kilometer im strömenden Regen gefahren – ebenfalls bei Tempe raturen rund um den Gefrierpunkt. In der Motocross-Brille stand das Wasser mehrere Zentimeter hoch. Das war schon g’scheit zach.
„ Ich habe aus be scheidenen Mitteln recht viel gemacht, weil ich nie auf gegeben habe.“ 54
Andererseits sind das jene Bedingungen und Geschichten, die die Leistungen in unserem Sport nachvollziehbar machen. Wenn ich erzähle, dass meine längste Etappe 1250 Kilometer lang war, dann kapiert das der normale Motorradfahrer. Das ist von Salzburg bis fast nach Barcelona, allerdings auf einem Renn-Motorrad ohne Komfort, mit leichter Kleidung und mehr als die Hälfte davon über Stock und Stein. So etwas geschafft zu haben, das sind so Momente, auf die man im Nachhinein doch ein wenig stolz ist. Generell bin ich glücklich, wie mein Leben verlaufen ist und dass ich in all den Jahren nie die Flinte ins Korn geworfen habe. Ich habe aus relativ bescheidenen Mitteln recht viel gemacht, weil ich nie aufgegeben habe. Das ist etwas, was mich stolz macht. Eine Motocross-Karriere auf dem Höhepunkt zu beenden und danach eine komplett neue zu beginnen mit einem Dakar-Sieg, zwei Weltmeistertiteln und der Fähigkeit, mit 35 Jahren noch immer ganz vorne mitzumischen – das wäre alles nicht gegangen ohne die prägenden frühen Jahre, in denen ich gelernt habe, niemals aufzugeben. Wenn mich heute andere dafür als Vorbild bezeichnen, dann ehrt mich das.
Mein Dakar-Sieg
Matthias Walkner gewinnt 2018 als erster Österreicher auf dem Motorrad. Szenen eines Triumphs.
HIASI GEIGT AUF
In Südamerika herrschte an Zuschauerpunkten Volksfeststimmung.
5. Etappe: Bescheidenheit macht stark
Vor meinem Dakar-Sieg im Jahr 2018 haben mich hauptsächlich MotorsportFreaks gekannt. Danach war ich eine öffentliche Figur. Ich konnte und kann das genießen, ehrlich. Der Motorrad-Fan, so wie ich ihn wahrnehme, ist sehr emphatisch und interessiert. Er lebt mit. Dank der medialen Berichterstattung wissen heute viel mehr Menschen, was wir leisten, und respektieren das. Mir sind Fans nie blöd gekommen. Habe ich mich verändert, seit man mich kennt? Sicher, jeder verändert sich. Das passiert mit den Jahren ganz von selbst. Aber auch nach meinem zweiten WM- Titel in diesem Jahr habe ich jedem zurückgeschrieben, der mir gratuliert hat. Das waren sicher über 500 Leute. Insofern habe nicht ich mich verändert, bloß die Gratulanten sind mehr geworden. Beim Dakar-Sieg 2018 hat alles zusammengepasst. Ich war schnell, fit und perfekt vorbereitet. Was mich am meisten stolz macht, ist, dass ich mit Hirn gewonnen habe, nicht mit Gas. Ich wusste, dass es den einen Tag geben wird, der das Rennen entscheiden wird: den Tag mit der
DER MOMENT
Bei der Zieldurchfahrt in Córdoba brechen alle Emotionen heraus. Gänsehaut bis heute!
GRATULATIONS-TOUR
Von Wien über Mattighofen bis ins heimatliche Kuchl (o.) führt die Triumph-Fahrt.
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PRIVAT, DANIEL HALAC/KTM, FLAVIEN DUHAMEL/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES
ich nie vergessen, wenn mir die Gäule davonzugaloppieren drohten. Den Respekt darfst du nie verlieren. Das ist etwas, was wir Menschen generell nie verlieren sollten: Respekt. Nach dem tödlichen Unfall von Paulo haben wir Fahrer allesamt einen Ruhetag gebraucht – aus Respekt ihm und seiner Familie gegenüber, aber auch, um uns selbst neu zu sortieren. Als das Rennen wieder losgegangen ist, habe ich mir geschworen, auszusteigen, sollte der Gedanke an seinen Tod mit mir mitfahren. Aber dieser Gedanke war nicht da. Wenn ich heute zum Beispiel Helmut Marko oder Hans-Joachim Stuck von ihrer aktiven Zeit als Formel-1-Piloten erzählen höre, erinnert mich das schon ein wenig an uns. Genau wie die Rennfahrer der 1970er-Jahre haben wir keine Sturzräume, und es tut wirklich weh, wenn etwas passiert. Wir müssen permanent entscheiden, wann wir wie viel Risiko zu nehmen bereit sind. Mit zunehmender Erfahrung fällt mir diese Einschätzung leichter, stelle ich fest.
FORTUNE FAVO U R S THE B R AV E
Trading cryptocurrencies carries risks, such as price volatility and market risks. Before deciding to trade cryptocurrencies, consider your risk appetite.
schwierigsten Navigation. Ich wusste nur nicht, wann er kommen würde. Es war dann so, dass ich schon aufhören wollte, mich sklavisch an die Notizen im Roadbook zu halten, weil ich gemerkt hatte, dass mir die anderen davonfuhren. Gut, dass ich es dann nicht gemacht habe. Alle anderen haben sich prompt verfahren, ich war als Einziger richtig und habe an diesem Tag 40 Minuten gewonnen. Der Druck an den letzten Tagen war immens. Jeder minimale Fehler konnte meinen Sieg gefährden. Hinter mir machte eine Honda Druck. Wäre ich eingeknickt, hätte KTM die Dakar verloren. Aber ich bin nicht eingeknickt. Das war ein prägender Moment meiner Karriere. Für mich das Schönste – nach der Zieldurchfahrt und dem Wissen, es geschafft zu haben – war die Wertschätzung meiner Chefs bei KTM. In Mattighofen wurde meinetwegen das Fließband gestoppt, damit alle 2500 Mitarbeiter die Chance hatten, mich zu sehen und mit mir zu feiern. Das werde ich nie vergessen. Direkt bei der Ehrung habe ich dem Vorstand Hubert Trunkenpolz erzählt, wie sehr mir der KTM X-Bow taugt, und er hat spontan gesagt: Dann kriegst du einen.
„ Ich will dagegenhalten, wenn die Jungen kommen. So leicht rücke ich nicht zur Seite.“ Noch heute gehe ich oft in die Garage und schaue ihn an. Wenn das Wetter schön ist, drehe ich eine Runde. Jedes Mal erinnert mich das an meinen DakarSieg und macht mich dankbar für die Menschen, mit denen ich arbeiten darf. Auch weil ich vor zehn Jahren nicht wusste, ob ich mir das nächste Rennen würde leisten können.
6. Etappe: Wie ich gestrickt bin
Meine letzten drei Rallyes, mit denen ich die Langstrecken-WM nun zum zweiten Mal gewonnen habe, waren die besten meiner bisherigen Karriere. Ich hatte einen einzigen Navigationsfehler, und für den konnte ich nichts. Ich war der Erste auf der Piste. Das Roadbook sagte:
Gut zu wissen: Rallye Dakar
Fakten zur härtesten Motorrad-Rallye der Welt Die Rallye Dakar wird seit Silvester 1978/79 ausgetragen und führte ursprünglich in mehreren Wochen von Paris nach Dakar. 2009 übersiedelte man wegen Terrordrohungen nach Südamerika, 2020 aus finanziellen Gründen nach Saudi-Arabien. Noch immer geht es darum, in zwei Wochen ohne fixe Route, nur mit einem Roadbook ausgerüstet, den schnellsten Weg durch die Wüste zu finden. Von den fünf Kategorien (Motorrad, Auto, Lkw, Quad, Side by Side – das sind kleine Buggys) gilt die Motorrad-Disziplin nach wie vor als die härteste. Rekordsieger ist hier der Franzose Stéphane Peterhansel mit sechs Siegen, Matthias Walkner hat 2018 als erster und bislang einziger Österreicher gewonnen. 56
geradeaus der Hauptspur nach. Allerdings waren Tage davor Touristen mit ihren Geländewagen durchgefahren und hatten eine neue Spur gelegt, von der das Roadbook natürlich nichts wusste. Solche Dinge sind in der Wüste ganz normal. Das ist einfach Glück oder Pech. Ich habe meine Siebensachen beisammen. Körperlich, geistig, organisatorisch. Vor jedem Start haue ich mir drei Löffel Guaraná und ein paar Red Bull rein, um wirklich bei der Sache zu sein. Schnell zu fahren ist geistig derart anstrengend, dass ich nach der Zieldurchfahrt drei, vier Stunden brauche, um wieder ich selbst zu sein. Dieses Level an Konzentration, wenn es um die Wurst geht, konnte ich früher nicht immer aufbringen. Es frisst viel Energie, aber es lohnt sich, und ich mache weniger Fehler. Ich habe die Dakar mit 78 Kilo bestritten und mit 87. Im Moment gehe ich einen Mittelweg: Ich wiege 83 Kilo und habe ein paar Reserven, aber wenig Ballast. Und ich achte enorm auf die Ernährung. Es ist erstaunlich, wie viel man mit zunehmendem Alter kompensieren kann, wenn man auf seinen Körper achtgibt. Im vorigen Jahr, als mich Kupplungsprobleme weit zurückgeworfen haben, merkte ich, wie sehr ich noch immer für die Dakar brenne. Selbst als es um nichts mehr ging, habe ich Gas gegeben, als würde ich um den Sieg mitfahren. Ich genieße es, mich mit anderen zu messen. Volle Attacke zu gehen ist noch immer das Geilste für mich. Zu sehen, dass ich schneller bin als der Rest. Dieser Ehrgeiz wohnt mir inne, so bin ich gestrickt. Jetzt rückt die junge Generation nach, aber auch das pusht mich: Ich will dagegenhalten, wenn die Jungen kommen. So leicht rücke ich nicht zur Seite. Viele Spitzenpiloten auf dem Motorrad sind später ins Auto gewechselt: Stéphane Peterhansel, Nani Roma, jetzt meine Ex-Teamkollegin Laia Sanz. Ich als Auto-Fan würde einen Umstieg, irgendwann, nicht ausschließen. Ich müsste allerdings wissen, dass ich wirklich schnell sein und um Spitzenplätze kämpfen kann. Das geht nur, wenn du wirklich liebst, was du tust. Und ich müsste erst ausprobieren, ob mit einem Auto durch die Wüste zu fahren so geil ist, wie es mit einem Motorrad ist. Sollte ich eines Tages diese Möglichkeit bekommen, würde ich das angehen. Die Rallye Dakar auf Instagram: @redbulldesertwings THE RED BULLETIN
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Rallye Dakar
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Eileen Gu beim Red Bulletin-Fotoshooting in Saas-Fee: Im Freestyle-Skifahren zählt sie in drei Disziplinen zur Weltspitze.
EILEEN GU, 18, ist der nächste Wintersport‑Weltstar: Freestyle‑Ski‑ Kanone, Stanford‑Studentin, gefragtes Model. Als in den USA geborene Chinesin will sie die Fans beider Supermächte vereinen.
Text EVELYN SPENCE Fotos CHRISTIAN ANWANDER
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Freestyle-Ski
ileen Gu ist 18 Jahre alt, dafür hat sie es ordentlich weit gebracht: Sie ist Freestyle-Olympiahoffnung für Peking, zweifache Goldmedaillen-Gewinnerin bei den X Games, gehört in allen drei Freestyle-Diszi plinen – Halfpipe, Slopestyle und Big Air – zur Weltklasse, sie ist Langstreckenläuferin, dazu gefragtes Model, Feministin und angehende Diplomatin. Es ist Ende Oktober, Gu hat einen Monat Halfpipe-Training in Saas-Fee in der Schweiz absolviert und ein Camp am Stubaier Gletscher in Österreich vor sich. Im Herbst erwarten sie Kurse in Mikro- und Makroökonomie. Die Zeit zwischen den Trainingseinheiten verbringt sie mit Vorträgen über Astrophysik und Fachbüchern über Quantenmechanik. „Als ich vorigen Winter das erste Mal bei den X Games war, wurden mir die anderen vorgestellt als ‚… hat das und das gewonnen‘, als ‚… ist so und so oft Olympiasieger geworden‘ oder ‚… ist der erste Mensch, dem dieser und jener Trick gelungen ist‘. Bei mir hieß es immer nur: Das ist Eileen Gu, sie hat 1580 Punkte beim SAT-Test (einem standardisierten US-Schulleistungstest; das Durchschnittsergebnis liegt bei knapp über 1000 Punkten; Anm.) und wurde auf der Universität von Stanford aufgenommen.“ Man könnte Eileen Gu als Ausnahmeerscheinung abtun, als begnadetes Multitalent. Man täte ihr damit Unrecht. Denn was Gu wirklich zu etwas Besonderem macht, ist ihre enorme Leidenschaft fürs Lernen. Sie ist eine Musterschülerin des Lebens – im Sport genau so wie in der Wissenschaft. „Sie geht an jeden einzelnen Trick mit extremer Sorgfalt heran, visualisiert ihn wieder und wieder, in jedem Detail, und sie weiß 60
„Ich muss die Dinge gut machen, sonst würde ich ja meine Zeit verschwenden.“ THE RED BULLETIN
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ihre Fähigkeiten unglaublich gut einzuschätzen“, sagt ihr Trainer Misra Noto. Kaya Turski, achtfache X-Games-Gewinnerin im Slopestyle, beschreibt Gus Art, Ski zu fahren, mit dem Attribut „kalkuliert“ – nicht, weil ihr die Leidenschaft fehlen würde, sondern weil sie so überlegt und so präzise vorgeht. Dasselbe gilt für das Training abseits der Piste. „Eileen versucht, jede einzelne Wiederholung einer Übung noch perfekter zu machen als die davor“, sagt Alex Bunt, Strength- & Conditioning-Coach bei Red Bull. „Die meisten von uns finden zum Beispiel Dehnübungen langweilig. Sie nicht. Sie möchte jede Dehnung besser machen als die davor.“ In Saas-Fee trainierte Gu eine neue Pipe-Sequenz mit drei neuen Tricks und einer neuen Kombination, sie war jeden Tag von 10 bis 15 Uhr auf dem Berg – konzentriert, effizient, keine Minute wurde verschwendet. Misra Noto, ein ehemaliger Profi und erfahrener Trainer, der früher das Schweizer Slopestyle-Team coachte, sagt: „Von allen Riderinnen, die ich kenne, arbeitet Eileen am härtesten.“ Dass Gu manchmal als ein wenig kompliziert gilt, hat einen einfachen Grund: Ihr Leben ist kompliziert. Manchmal besteht es aus zwei Leben (Profisportlerin und Studentin), manchmal aus vier (zusätzlich noch Läuferin und Model). Außerdem fühlt sie sich sowohl als Amerikanerin wie auch als Chinesin. Eileen Gu wurde in San Francisco geboren und stand auf den Hängen des Skigebiets Northstar am Lake Tahoe zum ersten Mal auf Skiern. Trotzdem entschied sie sich im Alter von 15 Jahren, bei der
AIR CHINA
Gu beim Training in der Halfpipe von Copper Mountain, Colorado. In Peking startet sie für China.
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„Fashion ist eine kreative Art, der Welt zu zeigen, wer du bist.“ Eileen Gu über die Vorzüge ihrer Zweitkarriere als Model
Freestyle-Ski
Olympiade 2022 für China anzutreten. Ihre Mutter Yan stammt aus Peking. Seit Gu zwei Jahre alt ist, verbringt sie jeden Sommer dort. Sie spricht akzentfrei Mandarin, ging in Peking zur Schule, hat dort Freunde und ein Haus. „Wenn ich in Amerika bin, bin ich Amerikanerin“, sagt sie ganz oft, sodass es wirkt wie ein Mantra, „in China bin ich Chinesin.“ Als Gu zehn Jahre alt war, überredete sie den Betreiber eines Ski-Resorts in China dazu, den ersten Freestyle-Ski-Contest des Landes zu veranstalten. „Die Community war damals noch winzig, wir sind gemeinsam gewachsen“, sagt sie. Seit Gu bekannt gegeben hat, in Peking für China zu starten, sind mehr als zwei Jahre vergangen. Heute wird Gu in China auf der Straße erkannt. Aus dem kleinen Mädchen wurde die bekannteste Skifahrerin im bevölkerungsreichsten Land der Welt; sie wird als „Schneeprinzessin“ oder „Ski-Genie“ bezeichnet. „Eileen ist die perfekte Kombination aus Alter, Talent und Charisma“, sagt Szene-Insiderin Kaya Turski. „Sie hat das Zeug, die nächste Lindsey Vonn oder Chloe Kim zu werden.“ Genau hundert Tage vor der Eröffnungszeremonie veröffentlichte das Pekinger Organisationskomitee einen aufwendigen Kurzfilm: „A Date with Snow and Ice“. Darin trifft ein junger Mann (Megastar Jackson Yee, einer der beliebtesten Sänger Chinas) ein junges Mädchen (Gu). Die beiden besuchen gemeinsam die Pekinger Sportstätten; es ist eine Mischung aus Pop-Kultur und Sport. Am Ende des Films ist wieder Gu zu sehen: Eine Fackel in der Hand, läuft sie, begleitet von dramatischer Musik, in Zeitlupe die Chinesische Mauer entlang.
„Wenn ich in Amerika bin, bin ich Amerikanerin. In China bin ich Chinesin.“
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s ist schwer zu sagen, wann genau Gu den Durchbruch geschafft hat. Aber ein Wettkampf sticht heraus: Innerhalb von 36 Stunden gewann sie im Jänner 2021 drei Me daillen bei den X Games, zwei in Gold und eine in Bronze. Sie war die erste Debütantin, die Medaillen in drei Bewerben gewann, und die erste chinesische Athletin der Geschichte mit einer Goldmedaille. Zu dem Zeitpunkt war sie keine Unbekannte mehr; sie hatte bereits 2020 in Calgary, Kanada, und auf der Seiser Alm in den Südtiroler Dolomiten Weltcup-Bewerbe gewonnen. Bei den Jugend-Winterspielen 2020 in Lausanne, Schweiz, gewann sie zweimal Gold und einmal Silber. Der Weg bis dahin verlief alles andere als gewöhnlich. Gus Mutter kam in ihren Zwanzigern als Migrantin in die USA, studierte Biochemie an der Rockefeller-Universität in New York und stand das erste Mal am Hunter Mountain im Osten der USA auf Skiern. Dann zog sie in die Bay Area, in die Gegend von San Francisco, und erwarb an der Stanford-Universität den Titel Master of Business Administration. Als Eileen drei Jahre alt war, meldete Yan sie bei einem Skikurs in Tahoe an. Mit acht Jahren wurde sie Teil des Freeskiing-Teams im Northstar California Ski Resort – als einziges Mädchen –, weil Yan fand, Skirennen seien zu gefährlich. Bald gewann Eileen
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COVERSTAR
Eileen Gu auf den Titelseiten der Modemagazine „Vogue“, „InStyle“, und „Elle“ (alle China) sowie des „V Magazine“ (US)
Contests der USASA (United States of America Snowboard and Freeski Association), darunter einen nationalen Wettbewerb für Neunjährige. Egal wo sie hinging, ihre Mutter war immer an ihrer Seite. Kaya Turski begegnete Gu zum ersten Mal in Neuseeland, „als eine kleine Frau zu mir kam und sagte: ‚Das ist meine Tochter.‘ Das war Eileen, 1,20 Meter pure Energie“, erinnert sie sich. Daheim in San Francisco wohnte Gu mit ihrer mittlerweile 86-jährigen Großmutter, Guo Zhenseng – hier kommt sie manchmal immer noch vorbei. „Meine Großmutter ist leidenschaftlich, sie ist die ehrgeizigste Person, die ich kenne. Und das heißt viel, wenn ich es sage“, sagt sie. Sie war vier, als ihre Großmutter ihr beibrachte, dreistellige Zahlen miteinander zu multiplizieren. „Meine Mutter ist nicht so ehrgeizig wie meine Oma“, sagt sie. „Ihr war wichtig, mir viele Möglichkeiten zu eröffnen, meinem Leben ein breites Spek trum zu geben: Klavier, Ballett, Fußball, Basketball, Reiten, Bogenschießen, Klettern, Volleyball, Tennis. Ich machte alles.“ Aber: Druck, besonders erfolgreich zu sein, gab es nie. „Das war keine Eislauf mutti-Situation“, sagt Gu. „Mein Ehrgeiz kommt eher aus meiner Unfähigkeit, zu versagen. Wenn ich etwas mache, dann mache ich das gut, dann muss ich das gut machen, sonst würde ich ja meine Zeit verschwenden. Das ist die Art meiner Großmutter, die Dinge zu sehen, und indirekt auch meine Art.“ Was Gus Durchbruch bei den X Games auf den ersten Blick besonders überraschend macht: 2020/21 war die erste Saison, in der sie nicht Vollzeit zur Schule ging. Bis zu ihrem Schulabschluss 2020 – sie war die erste Schülerin in der Geschichte ihrer Highschool, die in drei Jahren den Abschluss schaffte statt in vier – fuhr sie höchstens 65 Tage im Jahr Ski. Jedes Wochenende fuhr sie mit Yan nach Tahoe; während der vierstündigen Fahrt lernte sie im Auto für die Schule. Andere Talente in ihrem Alter brachten es auf 250 Skitage pro Jahr. Die Umstände zwangen sie zu einem beinharten Arbeitseinsatz auf und abseits der Piste. Gleichzeitig führte sie ein ganz normales Teenager-Leben. „Viele meiner Ski-Kolleginnen waren Außenseiter, durften nicht zum Abschlussball gehen und all das. Bei mir war das anders. Niemand wusste, dass ich Ski fahre, und es hat auch niemanden interessiert.“ Außerdem war Gu beim Geländelauf derart schnell, dass sie sich fast dafür statt für das Skifahren entschieden hätte – unter anderem weil sie als Läuferin an Colleges aufgenommen werden hätte können. 63
Freestyle-Ski
Aber als ein Ski-Contest in Österreich und ein Rennen für die nationalen Crosslauf-Meisterschaften zur gleichen Zeit stattfanden, kaufte sie ein Last- Minute-Ticket nach Europa. Auf die Frage, was Gu von anderen unterscheidet, hört man oft ähnliche Antworten. US-FreestyleSkifahrer Bobby Brown, der acht Medaillen bei den X Games gewann, sagt: „Ich kenne sie, seit sie zehn oder elf war und ihren lila Helm trug. Was sie auf den Rails aufführte, war schon damals verrückt.“ Für Trainer Noto ist am beeindruckendsten, wie hoch Gu bei ihren Tricks in der Pipe springt – bei den X Games waren es im Schnitt 3,35 Meter. Für Freestyle-Kollegin Turski ist es schlicht ihre Vielseitigkeit. Egal wen man fragt: Eileen Gu verfügt schon jetzt über eine gigantische Bandbreite an Fähigkeiten – und immer noch ist jede Menge Potenzial für Ver besserungen da. „Noch kann ich nicht sagen, dass sie die erfolgreichste Skifahrerin aller Zeiten wird“, sagt Noto, „aber sie hat alles, was man dazu braucht.“
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„Ich spreche fließend Englisch und Mandarin, somit kann ich beide Kulturen in mich aufnehmen.“ 64
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zu wechseln. „Da ich fließend Englisch und Mandarin spreche, hatte ich von klein auf die Möglichkeit, Nuancen von beiden Kulturen in mich aufzunehmen“, sagt sie. „Ich kann nicht nur in beiden Sprachen sprechen, ich kann auch in beiden leben.“ Natürlich entspricht das auch dem, was man den „olympischen Geist“ nennt – speziell wenn es darum geht, eine Verbindung zwischen den beiden großen Weltrivalen China und USA zu schaffen. „Ich habe erkannt, welche Auswirkungen Sport auf die Diplomatie haben kann“, sagt sie. „Sport ist etwas Gemeinsames, unabhängig von Sprache, un abhängig von Kultur, unabhängig von politischer Zugehörigkeit.“ Vergangenen Sommer reiste Gu für eine Tour voller Sponsoring-Verpflichtungen nach China. Die Tournee begann pandemiebedingt mit Quarantäne: fünf Wochen allein in einem Hotelzimmer, mit nicht mehr als einem Laufband, einer Yogamatte und ein paar leichten Gewichten. Gu sah es als Chance, sich auf ihre Fitness und nur auf ihre Fitness zu konzen trieren, bei täglichen drei- bis vierstündigen Zoom-
Eine von Gus Stärken ist der Luftstand, den sie, hier in den USA, bei ihren Sprüngen erreicht – im Schnitt über drei Meter.
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hina hat, was den Skisport angeht, überaus ehrgeizige Pläne: Tausend neue Ski-Resorts sind bis zum Jahr 2030 geplant, fünfzig Millionen Skifahrer sollen China zum größten Ski-Markt der Welt machen. „Ich erinnere mich noch an die Anfänge. Ich kannte jede einzelne Person im Snowpark, weil es im ganzen Land gerade zehn oder zwanzig gab“, sagt Gu. „Jetzt ist ein Funpark der trendigste Ort, an dem man sich in China aufhalten kann.“ Das enorme Wachstum der Ski-Branche verläuft parallel zu Gus eigener Entwicklung. Sie ist ein Symbol für den chinesischen Ski-Boom. Dennoch fiel ihr die Entscheidung, für China anzutreten und nicht für die USA, sehr schwer. Also: Warum China? „In den USA bin ich mit all diesen Vorbildern aufgewachsen. So ein Vorbild wollte ich für jemand anderen sein“, sagt sie. Übersetzt: In China, sagt sie, könne sie ein nationales Bewusstsein für Freestyle schaffen und eine neue Generation von Mädchen inspirieren. „Wenn ich in Amerika bin, bin ich Amerikanerin“, wiederholt sie ihr Mantra, „wenn ich in China bin, bin ich Chinesin.“ Gu verfügt über die erstaunliche Fähigkeit, sich unterschiedlichen Umständen nahtlos anzupassen, die Stimmung im Raum intuitiv zu erfassen, selbstverständlich zwischen Sprachen
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Nadine Wallner ist eine österreichische Skisportlerin und zweifache Freeride-Weltmeisterin (2013, 2014)
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MENTAL STARK
Gu beim EquipmentCheck. Die Achtzehnjährige steht oft unter Druck. Aber sie geht extrem souverän damit um.
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Meetings mit Trainer Alex Bunt, der sich darauf konzentrierte, an ihrer Explosivität und Sprungkraft zu arbeiten, an ihrer Beweglichkeit und Flexibilität sowie an ihrer Verletzungsresistenz. Sogar tausende Kilometer entfernt war er überwältigt von ihren motorischen und athletischen Fähigkeiten. „Ich könnte Eileen sagen, sie soll die Haltung ihrer linken kleinen Zehe korrigieren, und sie würde es gleich schaffen“, sagt er. „Sie ist ein Bewegungsgenie.“ Als Gus geheime größte Stärke sieht Bunt ihre Grundlagenausdauer. „Sie hat einen wirklich großen Tank. Das heißt vor allem, dass sie mit den Schmerzen und Belastungen eines hohen Trainingsvolumens umgehen kann, physisch, aber auch mental. Fünf Wochen allein im Hotelzimmer? Stell dir das vor. Das ist irre. Ein unglaublicher Charakter.“ Nach der Quarantäne reiste Gu alle paar Tage in unterschiedliche Städte. Skifahren, Schule, Klavier und Laufen im Tag unterbringen zu müssen – so wie früher – wirkt jetzt fast wie ein Kinderspiel. „Die vergangenen zwei Jahre waren vom normalen Leben eines Teenagers so weit weg, wie es überhaupt nur weg sein kann“, sagt sie.
„Beim Tagebuchschreiben finde ich heraus, wie mein Verstand funktioniert.“
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kifahren hat Gu bekannt gemacht, nun ist das Modeln dazugekommen, das sie von einer Nischen-Berühmtheit in einen Star verwandelt hat. Mit fünfzehn wurde sie von einer chinesischen Marke zur Paris Fashion Week eingeladen; seither war sie mehrfach in den chinesischen Editionen von „Elle“ und „Vogue“ zu sehen, wurde von Luxusmarken wie Tiffany und Louis Vuitton gebucht und nahm am Rebranding von Victoria’s Secret teil – gemeinsam mit Megan Rapinoe, Valen tina Sampaio und Priyanka Chopra Jonas. „Ich stehe für die Verbindung von zwei unterschiedlichen ethnischen Gruppen, für eine Verbindung von Sport und Kunst und für Körperbewusstsein“, sagt sie. Für Gu ist das Modeln sowohl eine Ergänzung zum Skifahren als auch eine Atempause davon. „Fashion ist eine kreative Art, der Welt zu zeigen, wer du bist“, sagt sie. „Es ist fast so wie beim Ski fahren. Erst wenn du deinen individuellen Style in deine Tricks einbringst, wird es was Besonderes.“ Es gibt nicht nur diese Parallele zwischen Mode und Wettkampf: Ein Fotoshooting erzeugt genauso viel Adrenalin wie ein Run in der Halfpipe – die Konzentration, das Im-Mittelpunkt-Stehen, das Streben nach Perfektion. All das klingt, als stünde Gu unter hohem Druck – und der Eindruck stimmt natürlich. Der Druck kommt von Sponsoren, von ihrem Land, von ihr selbst. Aber sie geht souverän damit um. Sie weiß, dass ihr niemand wegnehmen kann, was sie erreicht hat. Sie weiß aber auch, dass sie sehr genau be obachtet wird, vor allem in China, und dass sie im Februar noch viel mehr Menschen noch viel genauer beobachten werden. „Aber ich glaube nicht, dass das meine Art, Ski zu fahren, beeinflusst hat“, sagt sie. „Und wenn, dann hat es mich besser gemacht.“ Vielleicht ist es das, was Gu wirklich heraus stechen lässt: ihre mentalen Fähigkeiten. Wenn man sie fragt, wie sie das macht, erwähnt sie Mutter und Oma – und ihr Tagebuch. „Damit kann ich zurückblicken und sehen, wie ich gewachsen bin. Mit dem Tagebuch finde ich heraus, wie mein Verstand funktioniert.“ Eines Tages will sie ihre Aufzeichnungen veröffentlichen. Dann könnte man, erste Reihe fußfrei, miterleben, wie ein Star geboren wird. Doch die Geschichte ist noch lange nicht fertig erzählt, meint Kaya Turski. „Ich freue mich nicht nur darauf, zu sehen, was sie im Skisport macht, sondern auch, was sie für den Skisport macht. Wenn in China alles für sie läuft, dann zündet die Rakete.“ THE RED BULLETIN
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Wintersport
„Meine Mutter sah mich im Eiskanal und fragte, ob ich wahnsinnig bin.“
Janine Flock SKELETON
Johannes Lamparter
„Ich mach das so: Springen ist Gaudi. Langlaufen ist Angriff.“
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„Unsere RodelBeziehung fühlt sich an wie eine Ehe.“
Thomas Steu & Lorenz Koller
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Diese Worte sind Gold wert Eine Frau rast Kopf voran mit 140 km/h durch den Eiskanal. Ein junger Kombinierer versucht, „in den Flow zu kommen“. Zwei Männer liegen übereinander auf der Rennrodel und verstehen sich blind. Zum Start einer wilden WintersportSaison: drei radikal ehrliche Gespräche mit Athleten. Interviews SABRINA LUTTENBERGER
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Wintersport
THOMAS STEU & LORENZ KOLLER
RENNRODELDOPPELSITZER Genau genommen liegen die Athleten im Doppelsitzer über einander – das ist aero dynamischer. Lenken können sie im Eiskanal durch Verlagerung ihres Gewichts oder indem sie mit den Beinen Druck auf die Spitzen der Kufen ausüben. Das erfordert eine gefühl volle Zusammenarbeit.
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„Bei uns entsteht extrem viel Nähe“
Steu (o.) und Koller (u.) im Innsbrucker Eis kanal: „Schaut intim aus, aber ganz so ist es dann doch nicht.“
Thomas Steu und Lorenz Koller, beide 27, sind ziemlich beste Freunde. Das ist auch gut so, denn als Rennrodler liegen sie zu zweit auf ihrem Sportgerät. Wie fühlt sich das an? THE RED BULLETIN: Thomas, Lorenz – ihr verbringt sehr viel Zeit auf sehr engem Raum miteinander. Wie sehr muss man sich mögen, um sich einen Doppelsitzer zu teilen? Thomas steu: Es gibt Paarungen, die sich nicht so gut verstehen. Aber auf Dauer ist das, glaub ich, nicht so erfolgreich und macht vor allem nicht so viel Spaß. Du bist dann einfach öfter genervt. Der Lorenz und ich, wir nerven uns nie. lorenz koller: Wenn der andere einmal Ruhe braucht, merken wir das. Wir haben in Innsbruck drei Jahre zusammengewohnt, daraus ist eine enge Freundschaft entstanden. Es gibt sicher Teams, in denen die Beziehung nicht so eng ist, aber ich bin froh, dass wir uns so gut verstehen. steu: Wir sind ja komplett unterschiedliche Typen, aber darum ergänzen wir uns auch. Mittlerweile sind wir echt ein saugutes Team. Es ist eigentlich wie eine Ehe: Wir reden nicht mehr so viel wie früher, aber wir verstehen uns trotzdem sehr, sehr gut. Ich glaub, ich weiß mehr über den Lorenz als über jeden anderen.
Ist das euer Erfolgsgeheimnis – dass ihr euch perfekt ergänzt? koller: Wir sind 2011 ja zusammengewürfelt worden. Die ersten Jahre waren schon harte Lernjahre mit vielen Stürzen. Ich glaub aber, wir haben beide viel voneinander gelernt. Der Thomas ist im Kopf extrem stark, wenn’s wirklich um etwas geht, kann er sich ganz aufs Rodeln konzentrieren. Und ich bin der, der wirklich sicher sein muss, dass jede Schraube passt. Ich bin der Tüftler. steu: Ich glaub, dass es grundsätzlich ein Riesenvorteil ist, dass wir extrem unterschiedliche Typen sind. Ich bin eher der Ruhige, Entspannte. Der Lorenz ist schon öfter nervös, aber auch sehr zielstrebig und sehr akribisch. Der eine holt den anderen immer ein bisschen ab. Das ist sicher ein Erfolgsfaktor. Schwer vorstellbar, dass es auch anders sein könnte. Ihr kommt euch immerhin sehr nahe. koller: Beim Rodeln entsteht eine besondere Nähe – klar. Also wir liegen ja wirklich aufeinander, zwar versetzt THE RED BULLETIN
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Sind zum ersten Mal 2012 bei den Olympi schen Jugend-Winter spielen in Innsbruck gemeinsam an den Start gegangen und seither unzertrennlich. Ihr größ ter Erfolg bisher: der Gewinn des Gesamt weltcups 2020/2021. Instagram: @steu_koller
„Ich brauch die Energie im Kopf“ Muskeln und Hirn: warum Johannes Lamparter, 20, als Kombinierer erfolgreich ist.
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– der Thomas sitzt auf einem kleinen Stuhl zwischen meinen Beinen –, aber ich spüre ihn, weil er mit seinen Schul tern auf meinem Bauch liegt. Wenn er zum Beispiel mit den Schultern oder den Beinen den Lenkeinsatz einleitet, merke ich das sofort. steu: Es ist schon eine extreme Nähe. Es schaut von außen ab und zu sehr intim aus, aber ganz so intim ist es dann doch nicht. Müsst ihr euch dann vor einem Wett kampf überhaupt noch etwas aus machen, oder geht das automatisch? steu: Vor dem Start gehen wir ganz kurz gemeinsam den Lauf durch – was hat wer zu tun? Wir machen das schon seit neun Jahren zusammen, und das funk tioniert so gut, dass wir sonst eigentlich nichts mehr tun müssen. Wir verstehen uns echt blind. Ein Ritual haben wir aber. Fünf Sekunden bevor wir uns hin setzen, schlagen wir ein: Faust an Faust, dann geht’s los. Und dann? steu: Der Start ist extrem wichtig. Wenn du da nicht vorne dabei bist, also zumin dest unter den ersten sechs, dann ist es ganz schwierig, vorne mitzufahren. Jede Kurve ist ein kritischer Moment. Es ist am besten, so wenig wie möglich zu ma chen, mit der besten Fahrweise und der höchsten Spannung. Beim Rodeln musst du so nah wie möglich an der Perfektion sein, um zu gewinnen. koller: Das lernt man über die Jahre, wie viel macht der Thomas und wie viel mache ich, wenn wir in eine Kurve ein fahren. Das geht bei uns wie von selbst. Es gibt aber auch Doppelsitzer, die Unterund Obermann tauschen. Das könnte ich mir nicht vorstellen, noch einmal von vorn anzufangen mit jemand anderem. Also wenn der Thomas sagt, er mag nicht mehr fahren, dann würde ich auch aufhören. THE RED BULLETIN
JOHANNES LAMPARTER Mit sechs Jahren ist Johannes Lamparter bereits von Skischanzen gesprungen. Auch das Langlaufen war ihm da schon geläufig. So viel Training zahlt sich aus: Der Tiroler ist mehr facher Junioren-Welt meister, seit 2021 auch Weltmeister von der Großschanze. Instagram: @johannes_lamparter
NORDISCHE KOMBINATION
THE RED BULLETIN: Johannes, du bist als Doppelweltmeister in die Saison ge startet. Wie hoch geht’s heuer hinaus? johannes lamparter: Es war un glaublich, was letztes Jahr passiert ist. Da hat mich mein Coach oft wieder ge erdet und immer wieder neu ausgerichtet, wenn es Schlag auf Schlag ging. Aber die letzte Saison ist Geschichte. Ich hab jetzt eigentlich null Erwartungen. So läuft das dann sicher am besten. Wäre eine Sportart nicht genug? Ich finde die Kombination cool: Lang laufen kostet mehr Muskelkraft, Springen braucht sehr viel Energie im Kopf. Kombinierer zu sein hört sich aber schon stressig an. Also beim Skispringen geht’s haupt sächlich darum, a Gaudi zu haben. Das Langlaufen ist dann voller Angriff. Wie hältst du die Belastung aus? Es hilft, wenn Zuschauer da sind. Man kommt in einen ganz anderen Flow, wenn die Zuschauer dich pushen.
Vereint zwei Sportarten und ist daher doppelt so spannend. Zuerst geht es ans Skispringen, ehe die Athleten zum Ski langlauf antreten müs sen. Wer am weitesten gesprungen ist, darf in der Loipe als Erster starten. Der Rückstand im Springen bestimmt die Startzeit der Konkurrenten.
Johannes Lamparter: einmal fliegend, einmal laufend, stets extrem fokussiert
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„Wenn du startest, musst du’s durchziehen“ Es dauerte nur eine Fahrt, dann war sie nicht mehr aufzuhalten: Skeleton-Weltcupsiegerin Janine Flock, 32, über die Liebe zu einem Sport ohne Bremsen.
Sie ist zweifache Ge winnerin des Gesamt weltcups, Vize-Welt meisterin und dreifache Europameisterin, und Heeressportlerin ist sie auch. Dienstgrad: Zugs führer. Obwohl ihr Fort bewegungsmittel eigent lich ein Skeleton ist. Instagram: @janine.flock
SKELETON Beim Skeleton muss man sich nicht zwischen Kopf und Bauch ent scheiden. Man fährt einfach bäuchlings und Kopf voraus durch den Eiskanal – mit über 140 km/h. Auf einem Schlitten, der an ein Skelett aus Stahl er innert. Daher kommt auch der Name.
Das heißt, du warst dir von Anfang an sicher: „Das will ich machen!“? Also, ich hab mich zwar gleich beim Ver ein angemeldet, aber das erste Training war ein Jahr später. Bis dahin war die Angst wieder da, dem Eis ausgeliefert zu sein. Man kann ja nicht bremsen. Ich hab daheim sogar geweint, aber die Mama war streng: „Du hast dich angemeldet, du musst mitmachen.“ Der Tritt in den Hintern von der Mama ist der Grund, warum ich Skeleton-Fahrerin bin. Sie hat später, als sie einmal an der Bahn war, aber eh einen Schock gekriegt und gefragt, ob ich wahnsinnig bin.
Wie waren deine ersten Fahrten? Ich hatte ja eigentlich keinen Plan, was Skeleton ist. Ich wollte nur mitmachen, damit ich einen Tag schulfrei hab. Als wir dann Richtung Patscherkofel gefahren sind und die Bobbahn gesehen haben, haben wir uns alle in die Hose gemacht. Sobald ich dann aber auf der Bahn war, war es lässig. Der Adrenalinschub war sofort da.
Wie jetzt, man kann nicht bremsen? Ja, bremsen geht wirklich nicht. Du kannst dich langsamer machen, indem du die Füße auf den Boden gibst, aber das bringt dich mehr in Schwierigkeiten, als dass es dich bremst. Bist du losgefahren, musst du die Fahrt durchziehen. Position bewahren und die Zeit vorübergehen lassen – der beste Tipp für jeden Anfänger. Das Gute: Sie geht beim Skeleton schnell vorbei.
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JANINE FLOCK
THE RED BULLETIN: Janine, wie verrückt muss man eigentlich sein, um Skeleton-Fahrerin zu werden? Janine flock: Ich bin schon ein bissl eine Wildere. Ich geb gern Gas – aber nur so, dass es für mich noch kontrollierbar ist. Beim Skeleton hab ich diese Kon trolle. Hektik und Übermut bringen dich beim Skeleton nicht weiter. Eine gute Fahrerin muss ruhig sein. Klar, beim Start brauchst du den vollen Speed und die Kraft. Danach zählt aber das Körper gefühl, du musst dich fallen lassen können, in jeder Sekunde aber hoch konzentriert sein.
Gebremst wird erst nach der Zieleinfahrt – Janine, hier in Königs see, Bayern, formt dazu mit den Beinen ein V.
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GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
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Mit dem nepalesischen Rekordbergsteiger Nirmal „Nims“ Purja auf den Mont Blanc
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GUIDE Reisen
„Ich liebe das, was ich tue, aus tiefstem Herzen.“ Der nepalesische Alpinist Nims Purja, 38, hat die vierzehn Achttausender in Rekordzeit bestiegen – und sich die Gipfel auf seinen Rücken tätowieren lassen. Bei seiner Destination Red Bull-Reise begleitet er dich auf den Mont Blanc.
N
etflix hat ihm eine eigene Doku gewidmet („14 Peaks: Nothing Is Impossible“), unter Kollegen der Extrembergsteiger-Szene ist er aktuell der un bestritten Größte, und sein Rekord wird wohl noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte halten: In unfassbaren sechs Monaten und sechs Tagen bestieg der 1983 im nepalesischen Flachland geborene Nirmal „Nims“ Purja alle 14 Achttausender auf diesem Planeten und unterbot den damals gültigen Rekord dabei um sieben Jahre und vier Monate. Was für andere eine Lebensaufgabe ist, ist für Nims ein bes serer Wochenendausflug: Mount Everest (8848 m), Lhotse (8516 m) und Makalu (8463 m) bezwang der mittlerweile von der Queen zum Ritter geschlagene ehemalige Elitesoldat der britischen Royal Navy in 48 Stunden und 30 Minuten. „Project Possible“ taufte er das Projekt, das für jeden anderen wohl eine Mission Impossible gewesen wäre.
Rekord-Bergsteiger Purja, hier bei einem Besuch am Großglockner, bereist mit dir die Alpen.
Die Frau an Nims’ Seite Isabelle Santoire kam vor über 20 Jahren aus dem kanadischen Montréal in die Schweiz. Ihr damaliger Freund, ein Eis hockeyspieler, hatte in Genf einen Vertrag bekommen, und sie folgte ihm. Selbst als er weiterzog, blieb sie da. Sie hatte sich erneut verliebt, und zwar in die Schweizer Berge. „Ich beendete mein Studium und ließ mich zur Bergführerin ausbilden. Heute bin ich eine von nur 16 ProfiBergführerinnen in ganz Frankreich.“ 76
Nims Purja beim Aufstieg auf den Groß glocker: Der Nepalese ist ein wahres Wunder in Sachen Ausdauer und gibt seine Tipps gern an seine Gäste weiter. THE RED BULLETIN
Schweiz
Anreise Chamonix, korrekt: Chamonix-Mont-Blanc, liegt im Dreiländereck Frank reich – Schweiz – Italien auf der französischen Seite. Mit dem Flugzeug: Der nächstgelegene Flughafen ist Genf, danach sind es über die A40 und N205 noch rund 90 Minuten mit dem Auto. Wahlweise gibt es auch einen direkten Bus ab dem Flughafen Genf. Mit dem Auto: Aus Öster reich oder Deutschland kom mend über die Schweizer Autobahnen 1 und 12 bis nach Montreux, danach über die
Genf Chamonix
Frankreich
Mont Blanc
Italien
A9 bis Martigny. Dann wird es spektakulär: Der weitere Weg führt über die Route de la Forclaz bei Châtelard über die französische Grenze und weiter nach Chamonix. destination.redbull.com
STEFAN VOITL/RED BULL CONTENT POOL, SHUTTERSTOCK, ADOBE STOCK WERNER JESSNER
Zwischenziel: Refuge du Goûter, die höchstgelegene Hütte im Mont-Blanc-Massiv
Isabelle hat Expeditionen auf der ganzen Welt g eleitet und Chamonix am Fuß des Mont Blanc zu ihrer Heimat gemacht. Wie oft sie schon auf dem Gipfel war? Die zweifache Mutter lacht: „Keine Ahnung. Ich zähle da nicht mehr mit.“ Der höchste Berg der Alpen ist ihr Hausberg: „Er mag zwar technisch nicht sonderlich schwierig sein, aber jedes Mal, wenn ich nach Hause komme und ihn sehe, bin ich von seiner Schönheit fasziniert.“ Für eine exklusive Destination Red Bull- Reise arbeiten Nims und Isabelle erstmals zusammen. Hier die perfekt organisierte – ja, doch – Einheimische, da jener Mann, der das Bergsteigen auf ein neues Level ge hoben hat. Welche Fragen hat Isabelle an Nims Purja? „Viele! Doch am allermeisten THE RED BULLETIN
Gut zu wissen
Beim Aufstieg wird Nims die Seilschaften wechseln. So kommt jeder in den Genuss, mit dieser Legende geklettert zu sein.
Ob man den 1786 erstbestiegenen Mont Blanc den höchsten Berg Europas nennen kann, ist Inter pretationssache und tatsächlich nicht ausgemacht. Zählt man näm lich den Kaukasus noch zu Europa, wäre der 5642 Meter hohe Elbrus in Russland Europas höchster Berg. Unbestritten ist der Mont Blanc immerhin der höchste Berg Frank reichs. Allerdings reklamieren ihn die Italiener ebenfalls als ihren höchsten Berg, denn sie ziehen die Grenze genau über den Gipfel (was die Franzosen wiederum nicht so stehen lassen wollen). Auf gesicher tem Terrain bewegen wir uns, wenn wir sagen: Der Mont Blanc ist der höchste Berg der Alpen.
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GUIDE Reisen
Das Ziel: Der Mont Blanc liegt an der Grenze zwischen Italien und Frankreich und ist mit seinen 4810 Metern der höchste Berg der Alpen.
Das Gipfel-Rezept Damit es bei der Destination Red Bull- Reise auf den Mont Blanc zu keinen Anpassungsschwierigkeiten kommt, werden die Gäste von Isabelle und Nims Tritt für Tritt an die Höhe herangeführt – etwa mit einer Wanderung auf die 3540 Meter hohe Aiguille du Tour. Am Arête des Cosmiques üben die Gipfelstürmer in spe den Umgang mit Pickel und Steigeisen in Fels und Eis, außerdem frischen sie Wissen über Berge- und Seiltechnik auf. Eben weil der Mont Blanc keine be sonderen technischen Schwierigkeiten aufweist, ist er auch für Sportler machbar, die keine ausgewiesenen Alpinisten sind. Santoire: „Fehlende Bergroutine kann man auf diesem Berg durch exzellente Kondition ausgleichen. Geübte, trittsichere Bergläufer haben auf dem Mont Blanc ebenso eine Chance auf einen Gipfelsieg wie klassische Bergsteiger.“
„Wann hat man schon die Gelegenheit, mit einer echten BergLegende eine Seilschaft zu bilden?“
Die Tour wird den Teilnehmern unvergesslich bleiben, ist sich Isabelle Santoire sicher: „Wann hat man schon die Gelegen heit, mit einer echten Berg-Legende eine Seilschaft zu bilden?“ Nims Purja wird während des Aufstiegs Seilschaften wechseln. So kommt jeder der fünf Teilnehmer in den Genuss, mit Nims persönlich aufzusteigen. Übernachtet wird dabei auf Hütten, etwa der höchstgelegenen bewirtschafteten im Mont-Blanc-Massiv, dem Refuge du Goûter auf 3835 Metern. Was auf der für August 2022 geplanten Tour sicher nicht passieren wird: „Selbst wenn wir mit dem schnellsten Bergsteiger von allen unterwegs sind, werden wir nicht auf den Mont Blanc rennen“, sagt Santoire. „Die Reise ist als Naturabenteuer angelegt, nicht als Wettbewerb.“ AUSGABE 4 SAISON 2022/23
DANIEL BÆKKEGÅRD Mit Dänemarks Ironman ins Gute-LauneTriathlon-Camp auf Fuerteventura
Isabelle Santoire, 53, Bergführerin in Chamonix, begleitet mit Nims Purja die Gäste auf der Reise.
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TRAILRUNNING | SURFEN | MOUNTAINBIKEN | SEGELN FREERIDE SKIING | KAJAK | FOTOGRAFIE | FORMEL 1 | FOILING
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18.10.2021 15:31:35
THE RED BULLETIN
GETTY IMAGES, ANGELA PERCIVAL
interessiert mich, wie er sich so schnell regeneriert. Gerade gestern habe ich an einem Berglauf teilgenommen, heute bin ich völlig zerstört. Nims scheint dieses Problem nicht zu kennen – wie sonst kann man drei Achttausender innerhalb von zwei Tagen schaffen?“
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GUIDE Lesestoff
Tolkien trifft Tarantino Der britische Autor Peter McLean führt ein Kunststück vor: Er schafft es, im Rahmen eines Fantasy-Romans ein knallhartes Gangsterepos zu inszenieren. Text JAKOB HÜBNER
S
chubladen schaffen Ordnung. Das wissen nicht nur Buchhalter, sondern auch Buchverlage. Und so werden literarische Genres mit erfinderischem Eifer in einen Haufen Subgenres zerlegt, die dem Leser bei der Suche nach der Wunschlektüre als Wegweiser dienen sollen. Eine der jüngeren Errungenschaften auf diesem Gebiet nennt sich „Grimdark“. Diese Kategorie markiert eine
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Abzweigung in die dunklen Ecken der Fantasy. Mit ähnlichen Mustern: Die Helden sind zynisch, die Atmosphäre ist düster, der Härtegrad hoch und Moral bestenfalls lästig. Ein weiteres Merkmal der „Grimdark“-Abteilung ist, dass sie mit klassischer Fantasy recht wenig zu tun hat – wenn’s richtig zur Sache geht, stehen Zauberer, Elfen, Zwerge und der Rest der Hokus pokus-Truppe meist längst unter der Dusche.
Deshalb ist auch oft von einem „neuen Realismus der Fantastik“ die Rede. Semantisch betrachtet eine kühne Wortschöpfung, unbestritten ist aber, dass hier tatsächlich eine neue Leserschaft ins Visier genommen wird, der Quentin Tarantino vermutlich näher liegt als J. R. R. Tolkien. Ein wunderbares Beispiel für die Artenvielfalt, die sich aus der „Grimdark“-Schub lade zaubern lässt, liefert der 1972 geborene britische Autor Peter McLean mit dem „Kampf um den Rosenthron“. In deutscher Übersetzung sind bisher zwei der auf insgesamt vier Bände ange legten Reihe erschienen – „Priest of Bones“ (2020) THE RED BULLETIN
VINZ SCHWARZBAUER
MAGISCHER THRILLER
Der Anfang von „Priest of Bones“
BUCHTIPPS
Nach dem Krieg kehrten wir heim. Fünfundsechzigtausend an Schlachtenkoller leidende Berufstotschläger kamen in ihre Heimat zurück, wo es keine Arbeit und nichts zu beißen gab und die Pest wütete. Was hatte Ihre Majestät eigentlich gedacht, wie das ausgehen würde? „Trinkt, Jungs!“, rief ich. „Das geht ab jetzt aufs Haus!“ „Jawoll!“, erwiderte Bloody Anne, warf den Wirt zur Tür hinaus und sperrte hinter ihm ab.
und „Priest of Lies“ (2021) – bezeichnenderweise im KlettCotta Verlag, der im deutschsprachigen Raum als Pionier der Fantasy-Literatur gilt. Warum die Titel der Folgen noch immer englisch sind? Keine Ahnung, vermutlich Verlagsstrategie. Dahinter verbirgt sich jedenfalls ein herrlich räudiges und herzerfrischend kaltblü tiges Gangsterepos, in dem Magie nur dann eine Rolle spielt, wenn sie tödlich wirkt. Aber die Sache ist noch vielschichtiger: Denn McLean reizt alle, wirklich alle Klischees und Stereotype des Meuchelmilieus derart hemmungslos aus, dass unter dem derben Gangsterepos auch immer wieder eine feine Parodie durchblitzt – also ein Genre im Genre im Genre. Ich-Erzähler und Titelheld der Geschichte ist der Soldatenpriester Tomas Piety, der nach einem langen und blu tigen Krieg gemeinsam mit einer Handvoll Überlebender in seine Heimatstadt Ellinburg zurückkehrt, um dort seine „Geschäfte“ als Anführer der „Pious Men“ wieder aufzunehmen: Schutzgeld, Spelunken, Spielhöllen und Bordelle. Tomas ist weder gläubig noch fromm, aber er hat seine Grundsätze, von denen der oberste lautet: Wenn du etwas willst, musst du es dir nehmen – und diesmal will Tomas nicht nur ein paar Straßen, sondern die ganze Stadt. THE RED BULLETIN
Zur Seite stehen ihm dabei unter anderem seine treue Sergeantin Bloody Anne (deren Name aus einer innigen Liebe zum Nahkampf hervorging), sein jüngerer Bruder Jochan (der sich wahlweise im Vollrausch, im Blutrausch oder in beiden gleichzeitig befindet), der dicke Luka (der wesentlich intelligenter ist, als er eigentlich sein dürfte), Billy the Boy (ein zwölfjähriger Waisenknabe mit erschreckenden magischen Fähigkeiten) und natürlich seine beiden „Klageweiber“ (zwei Kurzschwerter, die Tomas stets umschnallt, wenn es Wichtiges zu erledigen gibt). Doch ausgerechnet als die Geschäfte vielversprechend anzulaufen beginnen, taucht die geheimnisvolle Ailsa (eine ebenso mächtige wie skrupellose Agentin der Königin) in Ellinburg auf. Sie hat den Soldatenpriester Tomas Piety für höhere Weihen vorgesehen …
PETER McLEAN „Der Kampf um den Rosenthron“ Deutsch von Jochen Schwarzer Klett-Cotta
Punk-Landung „Cyberpunk“ ist düstere Science-Fiction – und vielleicht gerade deshalb das einfluss reichste Literatur-Genre der Gegenwart.
WILLIAM GIBSON Der 1948 geborene US-Autor William Gibson gilt als Erfinder des Cyberpunk. Seine zigfach ausgezeichnete „Neuromancer“-Trilogie, deren erster Teil 1984 erschien, prägte Begriffe wie Cyberspace oder Matrix. Ganz nebenbei hat Gibson mit seinem SciFi-Kumpel Bruce Sterling auch den retrofuturistischen Steampunk („Die Differenzmaschine“) salonfähig gemacht. „Die Neuromancer- Trilogie“ (Heyne)
PHILIP K. DICK Der US-Comic-Autor Art Spiegelman („Maus“) meinte einmal, Philip K. Dick sei für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts das, was Franz K afka für die erste war. Die Romanvorlage für Ridley Scotts Kultfilm „Blade Runner“ erschien bereits 1968 – allerdings unter dem sperrigen Titel „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“. Grandios: die Neuübersetzung von Manfred Allié von 2017. „Blade Runner“ (S. Fischer)
NEAL STEPHENSON New-Media-Nerds bezeichnen ihn als Guru, Literaturkritiker als Genie: Den Grundstein für diese Huldigungen legte der 1959 in Maryland geborene Ausnahmekönner mit seinem Cyberpunk-Roman „Snow Crash“ (1992), der im Silicon Valley wie eine Bibel gehandelt wurde. Aktuell mischt Stephenson die Community mit dem 1150-Seiten-Ziegel „Corvus“ auf – brillant wie immer. „Snow Crash“ (Fischer Tor)
MATTHIAS ODEN Inspiriert von der legendären (derzeit leider vergriffenen) „Punktown“-Serie von Jeffrey Thomas, legte der deutsche Newcomer Matthias Oden im Jahr 2017 mit „Junktown“ einen bemerkenswerten Debütroman vor, in dem er klassische Zutaten des Cyberpunk mit Biotech würzt. Oberste Regel in diesem dystopischen Gesellschaftsspiel: Abstinenz ist Hochverrat! „Junktown“ (Heyne)
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BACK TO BLACK FABER-CASTELL PITT GRAPHITE MATT Schwarzsehen als Innovation: Anders als andere Bleistifte, die bei genauer Betrachtung nur graue Farbe liefern, kann dieser Stift von Faber-Castell so richtig schwarz, so richtig matt und so richtig hart (von HB bis 14 B). faber-castell.at
VIELSEITIG LENOVO YOGA 9i Dieses Notebook von Lenovo lässt sich so falten, dass es wie ein Tablet verwendet werden kann. Mit IntelCore-Prozessoren der 10. Generation lässt es sich nicht nur gut streamen, das Gerät ist auch für Fotound Videobearbeitung geeignet. lenovo.com
Richtig gutes Zeug Wie duftet die Nacht deines Lebens, kannst du zeichnen, und wie viel Schwarz ist nötig? Hier sind die Antworten.
CLUB-STIL Flakon im Art-décoStil: Er soll Ralph’s Club in Manhattan widerspiegeln.
NIGHT FEVER PROBIEREN, NICHT STUDIEREN ZEICHEN-ANLEITUNG VON CARTOONIST PENG Was du schon immer übers Zeichnen wissen wolltest, aber nicht zu fragen wagtest. Peng, preisgekrönter Cartoonist aus Oberösterreich, zeigt vor, wie’s geht. Ungewöhnlich, witzig und ungeheuer ansteckend! dumont-buchverlag.de
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RALPH’S CLUB So könnte die Nacht deines Lebens duften, meint Ralph Lauren – nach Lavandin (einer speziellen Lavendel-Kreuzung), Muskatellersalbei und dem Süßgras Vetiver. ralphlauren.de
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GUIDE Tipps & Trends SEELE INKLUSIVE LEICA SL2 In ihrem Metallgehäuse (aus Magnesium und Aluminium) steckt alles, was das Foto grafenherz begehrt – sogar eine Seele, wie Leica uns wissen lässt. Abgesehen davon wird die spiegellose Vollformat- Systemkamera in Deutschland hergestellt. at.leica-camera.com
DURCHBLICK Ergebniszentriert: lichtstarkes Leica-Objektiv
„Mir ist, als sei mein Leib dort stehengeblieben, wo er ihn zum letzten Mal umarmte.“ Ein Satz zum Auf-der-Zunge-zergehen-Lassen von Botho Strauß. Aus seinem neuen Buch „Nicht mehr. Mehr nicht“. hanser.de
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HERE COMES THE SUN COS WOOL TEDDY COAT Wer dem grauen Winter ein Schnippchen schlagen will – in diesem zitronenfaltergelben Kuschelmantel aus weichem Wolle-Baumwolle-Gemisch kriegt auch der trübste Tag genug Farbe zum Flattern. cosstores.com
THE RED BULLETIN
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GUIDE Kalender
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November GÄNSEHAUT!
bis 8. Jänner KLASSIKER-PARADE Es waren einmal … Autos, die so sexy waren, dass sie bis heute verhätschelt und lieb gehabt werden. Bei der Planai Classic zeigen die Veteranen (bis Baujahr 1972), warum früher doch so manches schöner war: Die Oldtimer-Rallye ist eine winterliche Symphonie für Ästheten von heute, die selbst dann stattfindet, wenn das Schneegestöber beinahe undurchdringlich wird und die Straßen tiefwinterliche Bedingungen bieten. planai-classic.at
15 Dezember SKITOUR AUF HÖCHSTEM NIVEAU
bis 24. April JOCHEN RINDT: SEINE JUGEND IN GRAZ
Der Dokumentarfilm „La Liste – Everything or Nothing“ begleitet die Schweizer Freerider Jérémie Heitz und Sam Anthamatten von den Anden in Peru bis zum Karakorum in Pakistan. Das Duo erstellte eine Liste von Gipfeln höher als 6000 Meter, um von ihnen mit Skiern abzufahren. Atemberaubend! Zu sehen im Cineplexx Linz. Weitere Termine auf laliste-everythingornothing.com
Jochen Rindt, der am 5. September 1970 beim Abschlusstraining für den Formel-1-Grand-Prix in Monza tödlich verunglückte, ist bis heute eine Legende. Und der einzige F1-Fahrer, der nach seinem Tod Weltmeister wurde. Eine Ausstellung im Graz Museum wandelt einfühlsam auf den Spuren seiner Kindheit und Jugend in der steirischen Landeshauptstadt. grazmuseum.at
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ENNSTAL_CLASSIC, ALAN SAHIN/RED BULL CONTENT POOL, JEREMY-BERNARD.COM, MCKLEIN
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„Musik ist meine Therapie, und sie gibt mir die Möglichkeit, meine innersten Gefühle auszudrücken“, sagt Sängerin Danitsa. Sechs Monate lang wurde die Schweizerin von einem Kamerateam bei den Aufnahmen für ihr neues Album in den Red Bull Studios in Los Angeles begleitet – ab 30. November ist die Doku abrufbar auf: redbull.com.
Das Tirol Gefühl www.tirol.at
GUIDE Uhren
Bernardo Tribolet (li.), Swatch Vice President Marketing, Carlo Giordanetti, Creative Director: zwei Herren, die Spaß an Uhren haben
Zeit für Zauberei Swatch-Uhren haben unsere Wahrnehmung von Zeit verändert. Sie sind innovativ, künstlerisch angehaucht und trotzdem erschwinglich. Ein Interview mit zwei kreativen Masterminds der Marke – über Erfindergeist und Konditoren als Berater. Text WOLFGANG WIESER
Süße Inspiration: SwatchModell „Caramellissima“
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„Beginnen wir mit der ‚Cara mellissima‘“, sagt Carlo Gior danetti. Klingt irgendwie süß, sieht auch so aus, tickt aber und schmeckt bestenfalls nach Plastik. Die Damenuhr hat ein rosa 25-Millimeter-Ge häuse und ein Armband aus bunten Perlen, die uns unwei gerlich an Zuckerl denken las sen. „Es war eine Saison der Pastellfarben, voll süßer Din ge. Wir hatten dafür eine Ge schichte entwickelt, die von Gebäck inspiriert war – und arbeiteten dafür tatsächlich mit einem Konditor aus Zürich zusammen. Auch an die Ent stehung der ‚Red Shore‘
rinnere ich mich gern, weil e sie viel mit Freiheit zu tun hat – hier kam unser Swatch Lab ins Spiel. Wenn es einen Ort gibt, an dem man Ideen ver wirklichen kann, dann ist das Lab definitiv einer. Nach lan gen Diskussionen waren wir so weit, dass wir alle dachten, dieser verschwommene Effekt hätte tatsächlich einen emoti onalen Wert, sodass wir eine Geschichte darüber erzählen könnten. Außerdem steckt viel Ironie drin: auf der einen Seite die Liebe der Schweizer zur Präzision und die schein bare Unschärfe dieser Uhr auf der anderen. Bei der ‚Unavoid able‘ hatten wir einfach Lust auf Provokation – und deshalb verpassten wir ihr eine kleine Komplikation, eine Petite Se conde (einen separaten klei nen Sekundenzeiger; Anm.).“ Eine Komplikation ist eigent lich die Spezialität der tradi tionellen Uhrmacherkunst, so THE RED BULLETIN
SWATCH
INTERVIEW
„Unavoidable“: mechanische Uhr mit Petite Seconde
was ist für gewöhnlich teuer und aufwendig. Die Provoka tion bestand darin, dafür zu sorgen, dass dieses Modell aus der Reihe „Sistem51“ mit einem Preis ab 145 Euro trotz dem erschwinglich blieb. „Ca ramellissima“, „Red Shore“ und „Unavoidable“: drei von knapp 10.000 Modellen aus 38 Jahren Swatch-Geschichte. Creative Director Carlo Gior danetti ist seit vielen Jahren (mit Abstechern zu Montblanc und Piaggio) für Swatch tätig, er gründete das hauseigene Design Lab und ist CEO des Swatch Art Peace Hotels in Shanghai. Wir trafen ihn und Vice President Marketing Bernardo Tribolet im Swatch Headquarter in Biel, eine Stunde von Zürich entfernt – zu einem Gespräch über eine Welt, die den Zeitgeist atmet. the red bulletin: Es gibt fast 10.000 verschiedene Swatch-Modelle. Wer hat sich die alle ausgedacht? carlo giordanetti: Das ge schieht in Teamarbeit. Seit 1998 gibt es im Inneren des Unternehmens so etwas wie eine Blase, das Swatch Lab – die Idee wurde in Mailand ge boren, wuchs in den USA auf, hatte eine erste echte Heimat in Zürich und fand schließlich ihr endgültiges Zuhause in Biel. Diese Blase lebt – wie ein Organismus, wie eine Zelle. Es gibt eine zehnköpfige Kern
„In unserem Labor wachsen Ideen wie in einem Organismus.“ Carlo Giordanetti, Swatch-Manager THE RED BULLETIN
giordanetti: Eine Swatch hat
truppe, die sehr schnell die täglichen Anforderungen bewältigt. Und dann stoßen, ganz nach Bedarf, Menschen dazu, die ihre speziellen Bei träge leisten. Wir sind sehr lebendig und haben ständig Appetit auf Neues. Aktuell gibt es rund tausend Modelle zu kaufen. Ist das nicht etwas übertrieben? giordanetti: Tausend Model le gibt es nur online, in den Shops sind es durchschnitt lich 220. Einige Uhren gibt es schon seit Ewigkeiten – auf die werden wir nie verzichten, weil es so wäre, als würde man jemandem einen Arm ab schneiden … bernardo tribolet: … unse re Uhren erweitern gewisser maßen deine Persönlichkeit. Heute hatte ich zum Beispiel das Gefühl, dass ich einen Funken Orange brauche, um dem Tag Schwung zu verlei hen. Wir entwerfen, um be stimmte Gefühle zu wecken. Es gibt auf der ganzen Welt so viele Emotionen, für die man entwerfen kann. Der französische Werbeguru Jacques Séguéla meinte, dass es zwar wichtig ist, dass sich ein Produkt verkauft; dass es aber noch wichtiger ist, die Marke unsterblich zu machen, indem man dem Produkt eine Seele gibt.
Seele, wenn sie Persönlichkeit hat – für mich ist das eine Swatch, in der du dich wieder findest. tribolet: Du schnappst dir eine 20 Jahre alte Swatch, und auf einmal erlebst du all die Momente von damals wieder. Es ist, als würdest du Musik von a-ha hören oder von Span dau Ballet. In vielen Fällen stehen sie für bestimmte Mo mente deines Lebens. Und das macht ihre Seele aus. Woher kam die Liebe von Swatch zur Kunst? Es gab schon 1985 eine Kooperation mit Kiki Picasso … giordanetti: Die Idee hatte Herr Hayek selbst (Swatch- Gründer Nicolas Hayek; Anm.). Plastik ging damals gar nicht.
Die „Red Shore“: Farben als emotionaler Effekt
„Wir entwerfen Uhren, um Gefühle zu wecken.“ Bernardo Tribolet, Swatch-Manager
Also fragte er sich, wie man das Material aufwerten kann. Die Antwort lautete: indem man mit Künstlern zusammen arbeitet. Die Künstler lieben es, dass ihre Werke Teil des Lebens ihrer Träger werden. Über die „Sistem51 Irony“ heißt es, dass sie Premium- Qualität und Premium- Design ohne den Premium- Preis bietet. Erstens: Wie geht das? Zweitens: Was soll ich mir als Käufer einer echten Premium-Uhr denken, wenn ich das lese? giordanetti: Das war eine ebenso smarte wie verrückte Idee. Es war eine echte Inno vation, eine mechanische Uhr aus 51 Teilen zu schaffen, die von einer einzigen Schraube zusammengehalten werden. tribolet: Natürlich steckt dahinter immer auch ein biss chen Lust an der Provokation. Für manche in der Branche war es ein Schock. Du kennst sicher die „Flymagic“ (antima gnetische Spiralfeder, rück wärts laufender Sekundenzei ger, 2019 präsentiert; Anm.): In gewisser Weise zeigt so eine Uhr, dass wir alles Wissen haben, das dafür nötig ist. Und dass wir tun können, was wir wollen. Die „Flymagic“ war definitiv ein Stück Uhr macherkunst – das wäre sie auch für eine andere Marke gewesen. Tatsächlich aber war es Swatch, die diese Uhr herausgebracht hat. 87
GUIDE Geschenke
Kaffee wie vom Barista DeLonghi La Specialista Maestro Das richtige Mahlen, die optimale Dosierung, die ideale emperatur: Die perfekte Tasse Kaffee gelingt auf Knopf T druck – mit der Siebträgermaschine La Specialista Maestro. Die macht das alles nämlich selbst. Das Einzige, was Du tun musst, ist genießen. Preis: 1299 Euro, delonghi.com
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THE RED BULLETIN
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FAUNA AUDIO
Wenn sich Smartphone-Experte Motorola und Outdoor-Spezialist Bullitt zusammentun, kommt ein kleiner großer Abenteurer raus: Ob Stürze oder Wasser, Temperaturschwankungen oder extreme Luftfeuchtig keit, dieses Smartphone hält alles aus. Preis: 329 Euro, motorolarugged.com
Das Original unter den Kaltwetterjacken kehrt als Teil der „More Than a Jacket“Kollektion zurück. Die übergroße Jacke wurde einst für die Erkundung des Hochgebirges entwickelt, ihre Stärke ist die kuschelige und winddichte Daunenfüllung. Preis: 360 Euro, thenorthface.at
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X-MAS
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GUIDE Geschenke
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WO SIND DIE FISCHE? GARMIN STRIKER CAST Hilf Deinem Anglerglück auf die Sprünge! Der Striker 4-Fishfinder ist ein Echolot zum Auswerfen (im Bild links), das sich via App mit dem Smartphone verbindet. Und verlässlich anzeigt, wo sich unter Wasser die dicken Fische verstecken. Preis: 149 Euro, garmin.com
Wendig über Stock und Stein
Höchste Zeit
Canyon Signature Pro MTB Langarmtrikot
Casio Edifice – Scuderia AlphaTauri
Mit dem atmungsaktiven MTB-Herrentrikot ist man für jedes Trail-Abenteuer perfekt gerüstet: Der PolyesterElasthan-Mix transportiert die Feuchtigkeit schnell vom Körper ab, die Mesh-Ärmel sorgen für Atmungsaktivität und Bewegungsfreiheit. Preis: 59,95 Euro, canyon.com
THE RED BULLETIN
Die Formel 1 verbindet Leidenschaft mit technologischer Brillanz, und Casio weiß das mit seiner Partnerschaft mit dem Rennteam Scuderia AlphaTauri zu nutzen: Für die neue Uhr werden die 6K-Carbonfasern der Rennwagen verwendet. Preis: ab 249 Euro, edifice-watches.eu
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B O U L E VARD DER HEL DEN
MICHAIL SCHOLOCHOW
DAS VERSPRECHEN
Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 20: Ein Literatur-Nobelpreisträger und seine heldenhafte Lebenslüge.
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THE RED BULLETIN
BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT
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MICHAEL KÖHLMEIER
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s gibt einfaches Heldentum und kom letzten Bandes lag also schon fünfundzwanzig pliziertes; diese Geschichte berichtet Jahre zurück. Auch den Mitgliedern des Ko mitees war die Diskussion über die Autoren von kompliziertem. Angenommen, schaft des Werkes bekannt. Noch bevor der es war so, wie ich es hier erzählen Roman zur Gänze der Öffentlichkeit vorlag möchte, dann wäre der S chriftsteller – entweder weil er noch nicht geschrieben Michail Alexandrowitsch Scholochow ein oder noch nicht vollständig herausgegeben selbstloser und aufopferungsvoller Held war –, kursierten Gerüchte, Scholochow gewesen. Seine Geschichte gehört allemal MICHAEL KÖHLMEIER Der Vorarlberger sei nicht, könne nicht der Autor sein. In zu den spannendsten der Schriftstellerei Bestsellerautor gilt dem Buch wird auf unvergleichlich sinn im 20. Jahrhundert und er selbst zu jenen als bester Erzähler liche Weise das Leben der Donkosaken be widersprüchlichen Persönlichkeiten, wie deutscher Zunge. schrieben, besonders im ersten Teil, sodass sie nur Diktaturen hervorbringen. Ich weiß, Zuletzt erschienen: alle Kritiker überzeugt waren, das könne, man kann die Geschichte dieses russischen der Roman „Matou“, erstens, nur jemand schreiben, der selbst Schriftstellers auch ganz anders erzählen, 960 Seiten, Hanser Verlag. in diesem Teil der Welt lebte oder lange nämlich als die Geschichte eines abgefeimten dort gelebt hatte; zweitens, einer, der ein Diebes von geistigem Eigentum, eines Plagia tors, eines Mannes, der sich viel Ehre und Ruhm ergau lebenserfahrener Mann ist, denn was beschrieben wird nert hat, indem er das Werk eines anderen als das seine und wie es beschrieben wird, zeuge von großer Weisheit ausgab. Lange Zeit wurden die Vorkommnisse auf diese und gefestigter Lebenssicht. Weise dargestellt. Der Mann war immerhin ein Günst ling Stalins; ihm etwas Gutes zu lassen wäre in den cholochow war, als der erste Band erschien, ge Augen vieler gewesen, als würde man ein mörderisches rade einmal dreiundzwanzig Jahre alt, und unter System gutheißen. Inzwischen ist sich die Wissenschaft den Donkosaken hatte er nie gelebt. Seine Mutter ziemlich sicher, dass der Spott und die Verdammung, war die Witwe eines Kosaken, ja, aber ob das ausreich te, um ein solch breites Panorama zu entwerfen? Scho denen der Künstler lange Zeit, vor allem im Westen, lochow hatte kaum die Schule besucht, eine genügende ausgesetzt war, auf falschen Informationen beruhten. literarische Bildung durfte also auch nicht vorausgesetzt Ich nehme mir die Freiheit, die Geschichte als eine werden. Mit dreizehn Jahren bereits schloss er sich den Heldengeschichte zu erzählen – was ist Wahrheit … Bolschewiki an und zog in den Bürgerkrieg. Nach dem er Nobelpreis für Literatur 1965 wurde Michail Krieg arbeitete er in verschiedenen Häfen und Stein Scholochow für seinen Roman „Der stille Don“ ver brüchen, vorübergehend als Buchhalter, was damals liehen. In den meisten Fällen vergibt das Komitee jeder werden konnte, der alle Buchstaben kannte. Mit den Preis für das Lebenswerk eines Autors, diesmal einundzwanzig Jahren heiratete er die Tochter eines stand in der Urkunde, dass die Ehrung a usschließlich Kosakenführers. Viel Gelegenheit, sich mit dem Leben das genannte vierbändige Werk meine. Der Roman der Menschen zu beschäftigen, die in seinem Buch so entstand zwischen 1927 und 1940, das Erscheinen des plastisch beschrieben werden, hatte er also nicht.
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ie Heldengeschichte geht so: Im Jahr 1920 trifft der gerade einmal fünfzehnjährige Michail Scho lochow in einem Lazarett Fjodor Dmitrijewitsch Krjukow. Der Mann ist schwer verwundet und hat zudem Typhus. Außerdem war er Offizier der Weißen Armee, die im Bürgerkrieg gegen die Bolschewiki, also die Rote Armee, gekämpft hatte. Um so einen sorgt man sich in einem roten Lazarett nicht. Im Zivilberuf ist Krjukow Schriftsteller. Die beiden unterhalten sich, sie sind sich sympathisch, Krjukow soll einen mächtigen Eindruck auf den jungen Scholochow ausgeübt haben, dieser habe zu ihm aufgeblickt wie zu einem Vater. Manche glauben, erst die Begegnung mit Krjukow habe in dem späteren Nobelpreisträger den Wunsch geweckt, selbst Schriftsteller zu werden. Andere gehen noch weiter: Fjodor Krjukow wusste, dass er bald sterben wird. Er hatte Vertrauen in den jungen Mann, mit dem er sich in den Nächten unterhielt. Krjukow hatte viele Jahre an einem Roman geschrieben, hatte ihn noch nicht beendet, er war glücklich über sein Werk, es war sein Lebenswerk. Aber er wusste, dass der Roman eines Weißen niemals der Öffentlichkeit über geben würde, nicht in einem Land, in dem die Kom munisten regierten. Krjukow – so diese Version der Geschichte – übergab das Manuskript seinem jungen Freund, er vertraute ihm das Manuskript an mit der Bitte eines Sterbenden, dafür zu sorgen, dass es ver öffentlicht wird. Ja, es wurde sogar spekuliert, es sei Krjukows Idee gewesen, dass Scholochow das Werk zu einem Ende führe, sie hatten ja intensiv darüber gesprochen, und dass er es dann unter seinem Namen, dem Namen eines Soldaten der Roten Armee, veröffent liche. Krjukow habe sein Werk über seinen Namen ge stellt. Und Scholochow habe am Sterbebett des Dichters geschworen, dessen letzten Wunsch zu erfüllen.
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leiben wir bei dieser Version. Scholochow war zu jung und zu ungebildet, um die Qualität des Werkes beurteilen zu können. Er hatte auch keine Ahnung, wie das Verlagswesen funktionierte. Wahrscheinlich hatte er damals noch kein einziges Buch gelesen. Viel leicht sogar noch nie ein Buch in der Hand gehabt. Fjodor Krjukow starb. Sein Manuskript verwahrte Scho lochow. Was sollte er tun? Krjukow hatte recht, niemand würde das Buch eines Weißen verlegen. Also gab er sich, wie ihm Krjukow geraten hatte, als der Autor aus. Er glaubte nicht, dass der Schummel irgendwelche Folgen haben würde. Wer interessierte sich in diesen Zeiten schon für einen Roman! Also trug er den ersten Teil des Manuskripts zu einem kleinen Provinzverlag
Es war ihm klar, dass ein Leben, das auf einer Lüge aufbaut, jederzeit zusammenbrechen kann. 94
und gab sich als der Autor aus. Er meinte, damit habe er sein Versprechen eingelöst. In dem Verlag aber war ein Lektor, der die Qualität des Romans erkannte. Dieser Lektor hatte selbst Ambitionen, eine kleine Provinz druckerei war ihm nicht genug. Und er meinte auch, für diese Entdeckung sei nur ein großer, potenter Verlag in der Hauptstadt das Richtige. Er bewarb sich beim größten Verlag in Moskau um die Stelle des Leiters, bekam sie und verlegte als sein erstes Buch „Der stille Don“ von Michail Alexandrowitsch Scholochow. Das Buch wurde ein sensationeller Erfolg.
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un befand sich der junge Scholochow in einem seelischen und in einem öffentlichen Konflikt – wor über zu befinden viel Einfühlungsvermögen nötig ist, um nicht ein vorschnelles Urteil zu fällen. Er, Scho lochow, war ein verdienstvoller Genosse, inzwischen nicht nur Mitglied der KPdSU, sondern auch ein Funktio när. Wenn einer wie er ein Buch schrieb, dann wurde es auch verlegt. Also war „Der stille Don“ veröffentlicht worden. Er hatte sein Versprechen eingelöst, er hatte dafür gesorgt, dass der Roman seines Freundes verlegt wurde. Dazu war es notwendig gewesen, zu lügen. Was hätte er weiter tun sollen? Was, nun, nach dem großen Erfolg? Sich stellen? Zugeben, dass nicht er der Autor ist, sondern ein ehemaliger Offizier der Weißen Garde, der gegen die Rote Armee gekämpft hatte? Damit hätte er nicht nur erreicht, dass die Auflage eingestampft worden und der Roman für alle Zeiten verschwunden wäre, sondern er hätte auch sein eigenes Leben in Gefahr gebracht, als unzuverlässiger Kol laborateur wäre er womöglich hingerichtet worden. Er spielte das Spiel weiter. Vielleicht glaubte er, ein zweiter Band würde nicht mehr so viel Aufsehen er regen, das ist ja oft der Fall. Das Gegenteil trat ein. Der zweite und dann auch der dritte Band waren noch größere literarische Sensationen. Und nicht nur das. Stalin und seine Funktionäre stilisierten Scholochow zum Idealbild des sozialistisch-realistischen Schrift stellers sowjetischer Prägung. Im vierten und letzten Band fand diese Tendenz ihren Ausdruck – und die Literaturkenner waren ent täuscht. Mehr als enttäuscht. Das Gerücht sagt, diesen Band habe Scholochow selbst geschrieben oder nach den inhaltlichen Maßgaben Krjukows vollendet, aller dings ohne dessen Genie.
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as das Nobelkomitee in Stockholm trotz aller Gerüchte dazu veranlasste, den Preis an Michail Scholochow zu vergeben, auch darüber kann man nur spekulieren. 1965 war der Kalte Krieg an sei nem Höhepunkt. Die Kubakrise lag gerade erst drei Jahre zurück, der Schrecken eines Atomkriegs zwischen den USA und der UdSSR saß noch tief. Vielleicht mein ten die Mitglieder des Komitees, mit ihrem Entscheid zur Entspannung beitragen zu können. Wir wissen es nicht. Michail Scholochow hatte ein Versprechen gegeben, und er hatte das Versprechen gehalten. Sehr früh war ihm bewusst, dass dieses Versprechen sein ganzes eigenes
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Vielleicht bekam er den Nobelpreis nur, weil 1965 der Kalte Krieg an seinem Höhepunkt war. Leben bestimmen wird. Und ihm wird auch klar gewesen sein, dass ein Leben, das auf einer Lüge aufbaut, jederzeit in sich zusammenbrechen kann. Mit Fluch und Schmach. Zehn Jahre nach der Vergabe des Nobelpreises wurde Scholochow vor laufender Kamera hart mit dem Vorwurf des Plagiats konfrontiert. Da brach er zusammen, weinte und sagte: „Richten Sie bitte Ataman Glaskow aus, wie sehr ich mich schäme. Ich bitte die Kosaken, mir zu verzeihen.“
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ie Sache ist dennoch nicht eindeutig. Alles bleibt immer Gerücht. Die Aufnahmen könnten getürkt sein, den Frager sieht man nicht. Und so weiter. Die Wissenschaft der literarischen Stilanalyse kam zu konträren Urteilen. Die einen sagten, nein, Scholochow hat nicht gelogen, er ist der Autor von „Der stille Don“,
seine späteren, spärlichen Werke sind zwar unvergleichlich schlechter, aber er ist nicht der einzige Autor, den das Talent schon in jungen Jahren verlassen hat. Andere Spezialisten glaubten zu wissen, dass Scholochow sich alles erschlichen hat: die Ehre, das Geld, den Preis. Wie auch immer. Den Roman gibt es. „Der stille Don“ gehört zu den ganz großen literarischen Werken des 20. Jahrhunderts. Gleich, wer ihn geschrieben hat, gleich, wie er gerettet wurde, er ist da, wir dürfen ihn lesen. Ich möchte sagen: Michail Alexandrowitsch Scholochow ist ein Held. Er hat uns etwas Schönes gegeben – oder an uns weitergegeben –, und er hat dafür sein Leben auf die Waage gelegt.
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