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The Red Bulletin AT 01/21

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S P E E D M A S T E R M O O N WAT C H

Die Speedmaster kam 1957 auf den Markt und

Im Juli 1969 verdiente sich die Speedmaster

hat mit ihren Geschichten selbst Geschichte

ihren Spitznamen, als erste Uhr, die auf dem

geschrieben.

Mond getragen wurde! 1970 übertraf sie alle Erwartungen: Sie half dabei, die Crew von Apollo

Diese robuste, technische Uhr, die ursprünglich

13 sicher auf die Erde zurückzubringen, nachdem

zur Rennzeitmessung bestimmt war, spielte eine

eine Explosion an Bord die Mission lahmgelegt

zentrale Rolle im Weltraumprogramm der NASA

hatte.

und wurde während der Gemini-, Mercury-, Apollound Shuttle-Programme getragen.

Heute setzt die Speedmaster in der Internationalen Raumstation ihren Höhenflug fort, mit einem

Alles begann im Jahr 1965, als die NASA sie für

Design und einem Esprit, die seit ihrer Premiere

alle bemannten Raumfahrtmissionen qualifizierte.

im Wesentlichen unverändert geblieben sind. Im

Die Uhr wurde einer ganzen Reihe extremer

Lauf der Jahrzehnte hat sie sich immer wieder

Schlag-, Druck- und Temperatur-Tests ausgesetzt,

als ultimative Entdeckeruhr bestätigt, und wir

mit dem Ziel, sie zu zerstören. Die Speedmaster

freuen uns schon auf das nächste Kapitel in der

bestand mit Bravour und wurde ab sofort jedem

Weltraumforschung – genauso einsatzbereit wie

Astronauten überreicht.

eh und je.

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E DI TO R I A L

WILLKOMMEN

DAS LEBEN IST SCHÖN

Toby Price, Matthias Walkner und Sam ­Sunderland (v. li.) – drei Einzelkämpfer mit Teamgeist (und der Price-­Boxer war natürlich nur ein Gag für den Fotografen). Ab Seite 42

SONNTAG, 5. JULI 2020

EIN FAST UNABHÄNGIGES FORMEL-1-MAGAZIN

JOCHEN RINDT

DIE LEGENDE LEBT Was heute vor genau 50 Jahren geschah

001_TRB00_TRBF 1

02.07.2020 12:57:28

DAS COMEBACK Die Welt schaute nach Spielberg (Formel 1, MotoGP), und wir schauten genau hin – mit unserem The Red Bulletin Daily. Seite 12

1440

Diese Zahl steht für einen Fabel-Sprung der Schweizer Freeskierin Mathilde Gremaud. Aufklärung ab Seite 52

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion

KONSTANTIN REYER (COVER), ANTHONY DICKENS

DIE DAKAR-­ CHAMPIONS

Wir blicken auf ein Jahr zurück, das es in sich hatte. Kein Wunder, dass manch einer meint, am besten wäre es, die Erinnerungen an 2020 in den hintersten Winkel eines unzugänglichen Archivs zu verbannen. Man könnte diese Meinung teilen (in Zeiten, wo positiv zu sein etwas Negatives ist, durchaus naheliegend). Man könnte aber auch die faszinierenden, verrückten und wunderschönen Seiten eines Ausnahme-Jahres Revue passieren lassen. Deshalb haben wir gleich einmal 13 (ja, 13!) Bilder ausgewählt, die selbst 2020 die Stimmung gehoben haben – zum Beispiel eine Profi-­Gamerin, die erfolgreich gegen Cyber-Mobbing kämpft; eine Frau, die allen Wider­ständen zum Trotz durchs Leben tanzt; eine Tauchlegende als Korallenriff-­Retter. Großartige Geschichten, groß­artige Menschen und ja, auch groß­ artige Momente, die dieses Jahr passierten.

DIE GITARRE, NEXT GENERATION

Sieht aus wie eine Gitarre, klingt aber ganz anders. Mehr auf Seite 63

6

THE RED BULLETIN


3 TAGE, 19 STUNDEN, 14 MINUTEN So lange benötigte Howard Hughes für seine Weltumrundung, die ihn 1938 zum schnellsten Mann der Lüfte machte. Bei der Bestimmung der Position seines Flugzeugs in der Nacht und über dem Ozean vertraute er auf einen Longines-Chronometer, der speziell für die astronomische Navigation entwickelt worden war.

THE PIONEER SPIRIT LIVES ON.


I N H A LT The Red Bulletin im Jänner 2021

42

COVERSTORY

42 DAS SIEGER-TRIO

Das Erfolgsrezept dreier Dakar-Sieger: Wir halten zusammen! Ein Widerspruch? Ein Vergnügen.

INNOVATOR

62 D IE REVOLUTION

TOBYS STAUBWOLKE  Wild auf seiner Maschin’: Dakar-Sieger Price in Andalusien

Die Gitarre der Zukunft, der Offroad-Rollstuhl und drei ­Klimaprojekte made in Austria.

SKISPRINGEN

66 D ER RÜCKKEHRER ANSICHTEN / EINSICHTEN

10 B EST OF 2020

13 Bilder als Hoffnungsträger: Die Welt ist aufregend, schön und faszinierend – trotz allem.

TV

36 DIE NEUGIERIGE

Diese Frau sprüht vor Energie: Natalia Avelon rät: „Lerne die Welt kennen.“

WINGS FOR LIFE

38 DER SCHRITTMACHER

Wie der Holländer Gert-Jan Oskam am „Wings for Life World Run“ wächst.

Gregor Schlierenzauer, der erfolgreichste Skispringer der Welt, will wieder gewinnen.

BOULEVARD DER HELDEN

72 DIE WEITSPRINGER

Der Weitsprung-Weltrekord, ein Drama in drei Akten, erzählt von Michael Köhlmeier.

GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

82 U HREN. Eine Brücke als Inspiration – wir springen ins kalte Wasser.

Warum Lars Ulrich, der ­Drummer von Metallica, eine Tenniskarriere ausschlug.

84 GAMING. eSport-Profis von Red Bull Salzburg testen „FIFA 21“.

SKI

52 DIE GEFÜHLVOLLE

Die Schweizer Freekskierin Mathilde Gremaud verzaubert mit einem Fabel-Sprung.

28 ZAHLEN, BITTE! 3 0 FUNDSTÜCK

8

GREGORS ZUVERSICHT  Wie SkisprungLegende Schlierenzauer sein Comeback plant

77 TRAVEL. Klettern im größten künstlichen Eispark Österreichs.

MUSIK

40 DER TRAUMFÄNGER

66

86 L ESEN. Tierarzt James Rollins schreibt sauspannende Thriller. 88 KALENDER. Die Streif und mehr – wo jetzt Action wartet. 90 D ER BERG RUFT. Was uns im Winter auf der Piste beflügelt.

3 2 PLAYLIST 3 4 CLUB DER TOTEN DENKER

96 IMPRESSUM 98 CARTOON

24 WILLS KLETTERPARTIE  Mit dem Kanadier Gadd im Bauch von Grönland

THE RED BULLETIN

MARCIN KIN, MARKUS BERGER/RED BULL CONTENT POOL, CHRISTIAN PONDELLA, NORMAN KONRAD


52 LOCKER ZUR SPITZE Wie die Schweizer Freeskierin Mathilde Gremaud einen Traumsprung schaffte

THE RED BULLETIN

 9


DAS BESTE DES JAHRES

2020 Eines steht fest: Es war ein … äh, mühsames Jahr – voller Herausforderungen und Hindernisse. Doch wir beschlossen, daran zu wachsen. Text ANDREAS WOLLINGER


POWER OF LIFE

BEN THOUARD

Unser wilder Ritt

Plötzlich war nichts mehr wie vorher: Wir übersiedelten ins Homeoffice und ­kommunizierten nur noch via Videokonferenz. In dieser Situation zu beschließen, das Red Bulletin völlig neu zu erfinden, war zwar kühn, machte aber dann unerwartet viel Spaß. Sozusagen in Heimarbeit entstand ein ganz besonderes Heft: die „Power of Life“-Ausgabe, in der hundert Menschen – von Formel-1-­Pilot Max Verstappen bis hin zu den Astronauten der ISS – mit persönlichen Botschaften Mut machten. Im Bild: das Coverfoto aus Tahiti. Das Astronauten-Interview gibt’s auf redbull.com/iss   11


SAMSTAG, 4. JULI

EIN FAST UNABHÄN

GIGES FORMEL-1

2020

-MAGAZIN FRIDAY,

AN ALM

OST IND

EPE NDE

NT Mot

oGP NEW

21 AUGUST , 2020

SPAPER

Doppelsieger Verstappen ist heiß aufs Spielberg-Triple.

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FULL THROTTLE!

IGER

MotoGP ROARS BACK TO THE

SPIE DAILY. LBERG.

RING

01.07.2020 13:58:11

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PREMIERE IN SPIELBERG

20.08.202

0 15:31:52

Die ganze Welt schaute im Sommer nach Spielberg: Nicht nur, dass der Start der Formel-1-Saison Anfang Juli mit zwei Grands Prix statt in Australien in Austria über die Bühne ging, gastierte im August auch die M ­ otoGP für zwei Rennen in der Steiermark. Dafür war ein angemessenes Medium unverzichtbar: Also feierte „The Red Bulletin Daily“ sein Comeback – als täglich ­erscheinendes Magazin für Fans und Fahrer­lager. Motto: Es gibt nur ein Gas – Vollgas! Zum Nachlesen: redbull.com/theredbulletinspielberg 12

PHILIP PLATZER/KTM

Österreich ganz vorn!


WINGS FOR LIFE WORLD RUN

Super gelaufen

CIMBALY/MARATHON DES SABLES

Ein großes Sport-Event wie der Wings for Life World Run Anfang Mai? Undenkbar. Aber Absagen war auch keine Option. Der globale Lauf fand dann eben virtuell per App statt. Jeder der 77.103 Teilnehmer lief für sich allein zur gleichen Zeit an einem völlig frei wählbaren Ort (theoretisch hätte man, wie der Herr im Bild, auch in der Wüste von Marokko teilnehmen können). Das war fast der gleiche Spaß wie sonst, und am Ende blieben 2,8 Millionen Euro für die Rückenmarksforschung. Mitmachen 2021: wingsforlifeworldrun.com

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„Ich tanzte, um mich aus dem Ärger rauszuhalten.“ Viel schlechtere Voraussetzungen als Angela „Angyil“ McNeal, 28, kann man wohl für den Start ins Leben nicht haben: Sie kam 1992 in Kansas City als jüngstes von acht Kindern einer Allein­ erzieherin zur Welt und wuchs in einer berüchtigten Gegend der Stadt auf. Mit zehn kam sie durchs Ballett zum Tanzen, heute ist sie eine der besten Freestyle-­ Tänzerinnen der Welt. Eine inspirierende Frau, eine berührende Geschichte in unserer US-Ausgabe. Angyil auf Instagram folgen: @angyil

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THE RED BULLETIN

ATIBA JEFFERSON, JILL HEINERTH

ANGYIL


JILL HEINERTH

Lockruf der Tiefe Die Kanadierin Jill Heinerth, 56, hat vor mehr als 25 Jahren ihren Job als Grafikerin hingeschmissen, um fortan ihre Leidenschaft fürs Höhlentauchen auszuleben. Und weil sie nicht nur ­ziemlich unerschrocken ist, sondern auch eine fantastische Unterwasser-­ Fotografin, kamen wir in den Genuss, Orte zu sehen, die Menschen seltener besucht haben als den Mond. Hier zum Beispiel „The Pit“, eine Höhle unterhalb der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Mit Jill abtauchen: intotheplanet.com


„Was mich bis heute zum Tanzen hinzieht? Es macht mich einfach glücklich. Punkt.“ JILOU RASUL

„Niemand kann alles. Darum konzentriere dich auf etwas, bei dem du gut bist, und werde Weltklasse.“ FANNY SMITH Als weltbeste Ski-Crosserin beherrscht Fanny Smith, 28, die Konkurrenz auf der Piste nach Belieben. Andererseits scheitert die Schweizerin an der ­Beantwortung einer E-Mail, weil sie eine angeborene Leseschwäche hat. Ihr Erfolgsgeheimnis: „Lieber an etwas arbeiten, was Freude macht, als sich ein Leben lang mit seinen Schwächen abzuplagen.“ Das inspirierende Interview auf: redbull.com/fanny-smith 18

THE RED BULLETIN

EVA BERTEN, GIAN PAUL LOZZA, RYAN BORNE/CORAL GARDENERS

B-Girl Jilou Rasul, 28, aus Freiburg, porträtiert in unserem deutschen Heft, hat ein Tattoo am ­Oberarm, das unter anderem eine mathematische Formel zeigt: eine Funktion, die immer positiv bleibt und ­gegen unendlich geht. Das ist ihr Lebensmotto: Egal was rundherum passiert – wer weiß, was er will, und dazu positiv denkt, dem gehört die Zukunft. Jilous Mission auf Instagram: @bgirljilou


„Wir wollen die Aufmerksamkeit der Welt auf die Bedeutung der Meere lenken.“ GUILLAUME NÉRY Eine Gruppe junger Südsee-Franzosen um den 21-jährigen Titouan Bernicot verfolgt seit 2017 das ehrgeizige Ziel, die Korallenriffe der Erde zu retten. Inzwischen haben sie mit dem legendären ApnoeTaucher Guillaume Néry (im Bild oben) prominente Unterstützung erhalten. Eine beeindruckende Reportage aus einem bedrohten Paradies. Unterstütze das Projekt: Instagram @coralgardeners

THE RED BULLETIN

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FRED MORTAGNE

Welcome on Board

FRED MORTAGNE

Der Fotograf, den sie in der Szene nur „French Fred“ nennen, hat nicht nur ein perfektes Verständnis für die Lebenswelt der Skateboarder, er besitzt auch die Gabe, ihr einen würdigen Rahmen zu verleihen. Seine Bilder sind plakative Kunstwerke, die spannende Geschichten über all die ungewöhnlichen Orte erzählen, die Skateboarder so gern für ihre Erfahrungen nützen – wie hier die Rohre vor einer Kesselfabrik bei Lyon. Freds Bilder: frenchfredstudio.com

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HANNES BERGER


FABIO WIBMER

Abenteuer vor der Tür

Während viele Menschen im Frühling 2020 wegen der ungewohnten Umstände Trübsal bliesen, drehte der Wahl-Innsbrucker Fabio Wibmer, 25, ein YouTube-Video mit dem Titel „Home Office“, in dem er mit seinem Trial-Bike daheim eine Menge kreativen Unfug anstellte. Ergebnis: Wibmer hat nun 80 Millionen Follower. Sein verblüffendes Credo: „Manchmal hast du sogar bessere Ideen, wenn du limitiert bist.“ Uns zeigte der Sonnyboy, wie sich die Welt in einen Abenteuerspielplatz verwandeln lässt: Man muss nur genau hinschauen. Alle Videos gibt’s auf Fabios YouTube-Kanal.

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WILL GADD

Der kanadische Eiskletterer Will Gadd, 53, hat sich einer Herausforderung gestellt, die vor ihm noch niemand gewagt hatte: Er kletterte in Gletschermühlen, die tief in den Eisschild Grönlands führen. Sie entstehen, wenn Schmelzwasser von der Oberfläche nach unten sickert. Das Abenteuer hatte aber auch einen wissenschaftlichen Zweck: Die Beschaffenheit der Gletschermühlen soll der Klimaforschung etwas über die globale Erwärmung erzählen. Will Gadd als Speaker erleben: willgadd.com 24

CHRISTIAN PONDELLA

Im Bauch Grönlands


„Unsere Zeit wird kommen“ KATE COURTNEY Mountainbikerin Kate Courtney, 25, und Bahn- und Straßenfahrerin Chloé Dygert, 23, hatten im Jänner eine ungewöhnliche Trainingsgruppe („Camp for Champs“) gebildet, um sich auf die Olympischen Spiele in Tokio vorzu­­be­reiten. Aus den angepeilten Goldmedaillen der beiden US-Athletinnen wurde dann nichts. Sei’s drum, sagt Dygert, „so habe ich noch ein weiteres Jahr, um besser zu werden“. Folge @kateplusfate und @chloedygert nach Tokio.

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THE RED BULLETIN


„Ich will keine Leute tolerieren, die mich oder andere respektlos behandeln.“ ANNE MUNITION

JOE PUGLIESE, JOSH CAMPBELL, DAVID FISCHER

Seit 2015 ist Anne Munition (ihren wahren Namen verrät sie nicht) Vollzeit-Gamerin auf Twitch. Das sei alles andere als leicht verdientes Geld, sagt die 30-jährige Kalifornierin, „wer das glaubt, sieht nicht den ganzen Hass, dem du dabei ausgesetzt bist“. Deshalb ist sie jetzt konsequent: „Wenn jemand anfängt, garstig zu sein, fliegt er raus.“ Annes Streams auf: twitch.tv/annemunition

„Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ziehe ich das durch. Komme, was wolle!“ LUDWIG TREPTE Mit 12 stand er das erste Mal vor der Kamera, mit 23 gründete er eine Familie. Und voriges Jahr machte der heute 32-Jährige den Flugschein. Im ­Interview verriet der Berliner, einer der meist­ beschäftigten Schauspieler Deutschlands, wie er sich seine Lebensträume erfüllt. Und dass er noch viel vorhat, zum Beispiel eine Weltumsegelung. Das Interview auf: redbulletin.de THE RED BULLETIN

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Z AHL EN, BI T T E!

25 JAHRE eBAY

Per Klick zum Glück Vom kaputten Laserpointer zur 168-Millionen-Dollar-Yacht: Seit einem Vierteljahrhundert ist eBay das wichtigste Auktionshaus im Internet. Hier die höchsten Gebote, die kuriosesten Käufe und mehr.

182.000.000

Menschen in 190 Ländern s­ teigern regelmäßig auf eBay. Im zweiten Quartal 2020 gaben sie dort 27,1 Milliarden Dollar aus.

8086

ist die Typen-Nr. jener IntelChips von 1976, die die NASA 2002 auf eBay kaufte, um alte Spaceshuttles funktionstüchtig halten zu können.

168

Millionen Dollar ließ sich Roman ­Abramowitsch 2006 eine 123-Meter-­ Yacht kosten, es war die teuerste eBay-Transaktion aller Zeiten.

1.500.000.000 Versteigerungsobjekte finden sich im Schnitt auf der Seite.

28

81

Prozent aller Verkaufsobjekte auf eBay sind neu, entgegen dem Ruf der Seite als ­Gebrauchtwaren-Plattform.

16,4

Prozent aller Verkäufe fallen in die Kategorie „Elektronik“, am öftesten g­ esucht: „iPhone“.

529,99

Dollar bezahlte jemand für ein Glas Luft. Inhalt: angeblich der Atem von Angelina Jolie und Brad Pitt, eingefangen bei einer Film­premiere am roten Teppich.

18.30–22.30 Uhr ist statistisch gesehen die beste Zeit, um auf eBay einen Artikel zu verkaufen, da zu dieser Zeit die meisten Leute (= Käufer) online sind.

1997

wollte Software-Entwickler Pierre Omidyar seine Website AuctionWeb in EchoBay ­umbenennen. Weil der Name aber schon vergeben war, kürzte er ihn ab: eBay.

THE RED BULLETIN

CLAUDIA MEITERT

Dollar kostete der erste eBay-­ Artikel: ein kaputter Laserpointer. CEO Pierre Omidyar machte den Käufer auf den Defekt aufmerksam, doch der beschwichtigte: Er sammle kaputte Laserpointer.

Jahre nach Firmengründung war Gründer Omidyar bereits ­Milliardär – mit 31 Jahren.

GETTY IMAGES (3), ALAMY, REUTERS

14,83

3


F U ND ST Ü CK

GERLINDE KALTENBRUNNER

Auf Messers Schneide Das Werkzeug, das der österreichischen Profi-Bergsteigerin am Dhaulagiri 2007 das Leben rettete. Vor fast zehn Jahren schrieb Gerlinde Kaltenbrunner Geschichte: Sie war die erste Frau, die alle vierzehn Achttausender-Gipfel der Welt ohne zusätzlichen Sauerstoff erreichte. Vier Jahre davor, beim Versuch, den 8.167 Meter hohen Dhaulagiri zu besteigen, wäre die Mission um ein Haar tragisch gescheitert: Ein Schneebrett überraschte Kaltenbrunner eines Morgens in Lager 2. Zum Glück hatte sie eine Hand frei und ein Messer am Klettergurt, mit dem sie sich aus dem Zelt schneiden konnte.

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THE RED BULLETIN

CRAIG DILLON, ARCHIV GERLINDE KALTENBRUNNER/FOTO MATTHIAS PESCHTA

Bergsteiger-Legende: Die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, 49, erreichte als erste Frau alle vierzehn Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff.


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©© Fischer Fischer

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PL AY L IST

CHILLY GONZALES

So klingt mein Advent

Eine weihnachtliche Playlist von Musik-Chamäleon und Kreativ-Genie Chilly Gonzales.

Snow Is Falling in Manhattan (2019)

„Mir gefällt an dieser Nummer – die David Berman von der Gruppe Silver Jews geschrieben hat –, dass sie nicht für Weihnachten geplant war. Erst Jarvis Cocker erkannte ihr diesbezügliches Potenzial. Der Text dieses Songs strahlt eine getragene Weihnachtslied-Energie aus – so wie ,Stirb langsam‘ ja auch ein Weihnachtsfilm ist, obwohl er keines der typischen Merkmale aufweist.“ 32

David Bowie und Bing Crosby

Unbekannt

Chilly Gonzales feat. Feist The Banister Bough (2020)

Little Drummer Boy (1982)

Maria durch ein Dornwald ging (vermutlich 16. Jahrhundert)

„David Bowie hat die Grenzen der Popmusik ausgelotet, war aber auch ein Bewunderer Bing Crosbys. Der soll angeblich k­ eine Ahnung gehabt haben, wer dieser androgyne Junge im DandyAnzug war, der zum Videodreh auftauchte. Man sieht es an den Bildern: Kaum macht Bowie den Mund auf, dämmert es Crosby. Sein Gesicht sagt: ,Der Junge ist unglaublich, ich muss mein Bestes geben!‘“

„Dieses Lied ist nur im deutschsprachigen Raum bekannt. Es ist eines der düstersten Weihnachtslieder überhaupt. Normalerweise nötigen Weihnachtslieder den Zuhörer, froh zu sein. Ich aber wollte der Erste sein, der mit einem Weihnachtsalbum gemischte Ge­ fühle hervorruft, denn das entspricht eher meiner Erfahrung mit diesem Fest. Dafür ist diese Vorlage perfekt.“

„Sorry, dass ich einen Song auswähle, an dem ich selbst mitgeschrieben habe, aber das ist sowieso alles der kanadischen Musikerin Feist zu verdanken. Die will nicht jedes Jahr einen Baum killen, sondern sammelt alte Zweige, verflicht sie miteinander und bindet sie an ihr Treppengeländer. Damit hat sie eine umweltfreundliche Weihnachtstradition begründet – den Text kann man als Bastelanleitung lesen.“ THE RED BULLETIN

ANKA

Purple Mountains

FLORIAN OBKIRCHER

Der kanadische Musiker Chilly Gonzales lässt sich nicht in eine Schublade stecken: Anfang des Jahrtausends veröffentlichte er noch Rap-Alben, später brillierte der heute 48-Jährige am Flügel mit „Solo Piano“-Stücken und gab Konzerte in Morgenrock und Pantoffeln. Er taucht als Autor eines Fanbuchs über die Singer-Songwriterin Enya auf – und im Guinness-Buch der Rekorde: Einer seiner Auftritte dauerte 27 Stunden und drei Minuten. Weiters leitet er eine Musikschule („The Gonzervatory“) und hat schon für Drake, Feist oder Daft Punk ­gearbeitet. Zum Erscheinen seines Weihnachts­albums „A Very Chilly Christmas“ verriet uns der viel­ seitige Pianist seine Lieblingslieder für den Advent.  chillygonzales.com


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D ER CLU B DER TOT EN DEN K ER

IMMANUEL KANT

Sind Lügen wirklich immer böse? Die größten Denker aller Zeiten beantworten Fragen unserer Gegenwart, übermittelt durch den Philosophen Christoph Quarch. Diesmal: der preußische Meisterdenker Immanuel Kant über die Gründe, warum Fake News in jedem Fall unmoralisch sind. Die Antwort auf Ihre Frage, Verehrteste(r), liegt auf der Hand: weil Lügen unter keinen Umständen mora­ lisch akzeptabel sind. Das gilt, wie ich weiland in ­meinem Essay „Über ein vermeintes Recht aus Men­ schenliebe zu lügen“ gezeigt habe, nicht bloß für absichtlich in die Welt gesetzte Lügen, mittels derer ihr Urheber sich Vorteile zu verschaffen trachtet; nein, es gilt für jede Lüge – selbst für eine solche, die aus bestem Antriebe getätigt wurde. In dem erwähnten Text befasste ich mich mit der Frage, ob es moralisch zu vertreten sei, wenn ich einen ge­ dungenen Mörder, der danach fragte, ob er meinen Freund, der sich bei mir versteckt halte und den er zu töten beabsichtige, sprechen könne, mit ­einer Notlüge abwimmelte, um durch einen solchen Fake das Leben mei­ nes Freundes zu bewahren. Zu der ­Antwort stehe ich noch immer ohne jedes Wenn und Aber: „Es ist ein hei­ liges, unbedingt gebietendes, durch keine Konvenienzen einzuschränken­ des Vernunftgebot; in allen Erklärungen wahrhaft (ehrlich) zu sein“ – also nicht zu lügen. Gewiss, schon damals – es war wohl im Jahre 1797 – erntete ich reichlich Kritik für diesen Standpunkt. Wie kann der Kant jemanden tadeln, der durch eine Notlüge das Leben seines Freundes retten will? Wäre es nicht umgekehrt ein Zeichen äußerster Verderbt­ heit, wenn ein Mensch das Leben seines Freundes aufs Spiel setzte, nur weil er partout moralisch sauber bleiben möchte? So in etwa lautete die Kritik, der ich mich zu erwehren hatte. Aber ich blieb standhaft, war ich mir doch sicher: Die Vernunft diktiert mir die un­ bedingte Pflicht zur Wahrhaftigkeit – völlig ungeachtet der Umstände. Deshalb, Verehrteste(r), sind Fake News immer unmoralisch, selbst wenn ihr Urheber die mora­ lisch besten Intentionen damit verfolgt … was freilich von den Großmeistern der Fake News nicht behauptet

werden kann. Da schwant mir aber, was Sie nun von mir erwarten: eine Begründung meiner Behauptung, es gebe jene unbedingte, ausnahmslose Pflicht zur Wahrhaftigkeit. Lassen Sie mich Ihnen dies ersparen, müsste ich ­Ihnen dafür doch meine Herleitung des Kategorischen Imperativ aus der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ referieren. Schon mancher sogenannte ProfiPhilosoph ist dabei aus der Kurve geflogen. Lassen Sie mich eine einfache Überlegung vortra­ gen: Was, so möchte ich Sie fragen, wird dem wider­ fahren, dessen Worte man der Unwahrhaftigkeit zu überführen weiß – und dies nicht nur einmal, sondern zweimal oder gar ein drittes Mal? Der Volksmund weiß: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. Das heißt: Wer lügt – egal mit welcher Absicht –, verliert das Vertrau­ en seiner Mitmenschen. Damit nicht genug: Wenn das Lügen um sich greift und als Mittel der Meinungsoder Stimmungsmache genutzt wird – wie dies dem Vernehmen nach selbst in demokrati­ schen Staaten dieser Welt geschieht –, dann erodiert das Vertrauen einer ­ganzen Gesellschaft. Das aber kann niemand wollen, weil so die Basis des Miteinander zerbricht. Kein Vertrags­ schluss ist mehr möglich, wenn man sich nicht mehr darauf verlassen kann, dass der Vertragspartner die Wahrheit sagt. Keine Politik ist mehr möglich, keine Geschäfte und keinerlei Bezie­ hung. Das aber kann niemand wollen. Und deshalb gibt es die Pflicht zur Wahrhaftigkeit. Wer lügt, widerspricht seinen eigentlichen Intentionen. Und das ist nicht nur trump – äh, dumm –, sondern auch unmoralisch. Daher: Hände weg von Fake News. So ein Schuss geht, wenn auch manchmal über Ecken, zuletzt immer ins eigene Knie.

34

war seinen Zeitgenossen schon zu Lebzeiten als „der Königsberger“ bekannt. Das liegt daran, dass er seine Heimatstadt in Ostpreußen nicht ein einziges Mal verlassen hat. M ­ anche haben das als Symptom einer Weltflucht oder sogar Weltfremdheit dieses wohl bedeutendsten Philosophen des 18. Jahr­hunderts gesehen – was aber nicht zutrifft, weil Kant ein sehr geselliger Mensch war, der gerne mit Freunden und Gästen t­ afelte. Er verband Lebensart mit preußischer Strenge: eine brisante Mischung, die sich auch auf seine Philosophie erstreckt, wobei jedoch die Strenge meistens dominierte.

THE RED BULLETIN

DR. CHRISTOPH QUARCH

IMMANUEL KANT (1724–1804)

BENE ROHLMANN

„ Wenn das Lügen um sich greift, erodiert das Vertrauen einer ganzen Gesellschaft.“


IMMANUEL KANT

„Es ist ein heiliges, unbedingt gebietendes, durch keine Konvenienzen einzuschränkendes Vernunftgebot; in allen Erklärungen wahrhaft (ehrlich) zu sein.“ THE RED BULLETIN

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Natalia Avelon

Ihr Bauchgefühl rettete Schauspielerin Natalia Avelon, 40, schon aus gefährlichen Situationen. Hier erzählt sie, wie sie ihre Intuition für wichtige Entscheidungen bewusst einsetzt. Interview RÜDIGER STURM  Foto SUZY HOLZGREVE

Natalia Avelon rauscht zum Interview durch die Tür des Büros ihrer Agentin in Berlin-Schöneberg, setzt sich auf einen Drehstuhl, ein Bein auf dem Boden, und dreht sich immer wieder hin und her. Die 40-Jährige wirkt, als stünde sie permanent unter Strom – dazu passt, dass sie eine Vorliebe für AC/DC hat. Dass sie viel Energie hat, zeigt die Schauspielerin („Das wilde ­Leben“) und Sängerin („Love Kills“) auch in der TV-Serie „Crews & Gangs“ auf der Plattform Joyn. the red bulletin: In „Crews & Gangs“ spielen Sie die Mutter eines Mädchens, das in die Hip-HopSzene eintaucht. Was wäre Ihr Rat an eine eigene Tochter? natalia avelon: Entspann dich und sauge alles im Leben mit allen Sinnen auf. Lern die Welt kennen und dadurch dich selbst. „Der Weg ist das Ziel“ ist ein schlauer Spruch. Wenn du auf dem Weg auf die Schnauze fällst, ist Aufstehen das Wichtigste. Und ich würde ihr raten, auf ihre Intuition zu vertrauen. ­Intuitiv reagierst du immer richtig. In 99,9 Prozent der Fälle höre ich auf mein Bauchgefühl. Die restlichen 0,01 Prozent gehen schief, weil ich mich dagegen entschieden habe.

Wie entwickelt man diese ­Gefühlssicherheit? Ich hatte immer eine starke Intuition. Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, verkrampft mein Körper und wird kalt. Wenn alles passt, wird er weich und warm. Das ist eine regelrecht animalische Energie, die mich schon vor Gefahren gerettet hat. Was ist passiert? Mit zwölf wurde ich in meinem Dorf auf dem Heimweg vom Schwimmbad von einem älteren Mann überfallen, er wurde übergriffig. Ich habe intuitiv gerufen, dass meine Mama gleich kommt und mit dem Finger Richtung Schwimmbad gezeigt – da ist er weggerannt. Als mich in München mal ein psychisch kranker Mann attackiert hat, hat mir meine Intuition geflüstert, still zu bleiben und auf Hilfe zu warten. In beiden Fällen hätte eine andere Reaktion fatal enden können. Nutzen Sie Ihre Intuition auch in weniger gefährlichen Situationen? Natürlich. Vor allem bei der Wahl meiner Projekte. Ich spüre gleich, wenn alles passt. Wenn ich mich fragen muss. „Ja oder nein?“, ist die Antwort meist: „Lass es.“

Doch man kann auch „auf die Schnauze fallen“, wie Sie vorhin sagten. Wie gehen Sie damit um? Ich habe in Polen aktuell an einer Musiksendung teilgenommen, in der die Teilnehmer vor einer Jury bekannte Sängerinnen imitieren. Kurz vor meinem ersten Auftritt als Donna Summer, die mehrfache Grammy-Gewinnerin ist, habe ich mich vor lauter Selbstzweifel so gestresst, dass ich total versagt habe – vor etwa einer Millionen Fernseh­ zuschauern. Aber genau solche Erfahrungen bringen uns weiter und machen uns stärker. Dieses Erlebnis hat mich sehr motiviert, an meiner Schwäche, mir selbst im Weg zu stehen, zu arbeiten. Ich habe ganz pragmatisch sofort einen Motiva­ tionscoach kontaktiert und Tag und Nacht gearbeitet. Mit Erfolg.

Viel Tanz, viel Drama: In der TV-Serie „Crews & Gangs“ (Regie: Neco Çelik, Drehbuch: Erhan Emre) geht’s um rivalisierende Dance-Crews. Avelon (links) spielt die Mutter einer Tänzerin. Fünf Folgen, auf joyn.de

Zuletzt haben Sie mit Musikern wie Bela B. und The BossHoss 36

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MAX PENZEL

„Ich spüre gleich, wenn alles passt“

Songs für Ihr Album „Love Kills“ aufgenommen. Wie haben Sie die Künstler überzeugt? Wenn man auf ein Ziel hinarbeitet, dann kommt die Energie, die man ins Universum schickt, irgendwann zurück. Ich habe Bela B. und die Jungs von Boss Hoss einfach angeschrieben: „Jungs, ich mache ein Album, hier sind die Songs. Sagt mir ehrlich eure Meinung.“ Sie fanden die Songs gut und hatten Lust zusammenzuarbeiten. Wenn man sich sympathisch ist und die Arbeit des anderen schätzt, funktioniert es meist auch kreativ miteinander.


„Lerne die Welt kennen und dadurch dich selbst.“ Natalia Avelons Lebensratschlag

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Gert-Jan Oskam

Ein Schritt nach dem anderen Nach seinem Unfall galt es schon als Erfolg, sich an der Nase kratzen zu können. Doch 2019 nahm der Niederländer am „Wings for Life World Run“ teil. Text FLORIAN OBKIRCHER  Foto RUTGER PAUW

Gert-Jan Oskam weiß kaum noch ­etwas von seinem Radunfall im Jahr 2011. Da sind nur ein paar Erinnerungsfetzen: das Aufwachen im Krankenwagen unter schrecklichen Schmerzen; ein Arzt, der ihn fragt, ob er sich die Behandlung überhaupt leisten könne; der Moment, in dem er realisiert, dass er seine untere Körperhälfte nicht mehr spürt, dass er von der Hüfte an gelähmt ist. Auf dem Rückflug nach Holland – Oskam arbeitete damals als LogistikKoordinator in China – sprühte er noch vor Zuversicht. Die Ärzte daheim würden ihn schon wieder zusammenflicken. Wie ernst die Lage war, wurde ihm erst nach der OP klar. Dass er mit seinem Arm die Nase berühren konnte, wertete sein Chirurg als großen Erfolg. „Sie können sich die Nase kratzen. Das ist gut. Erwarten Sie keine Verbesserungen.“ Oskam wird diese Worte niemals vergessen. „Aber ich bin ein ziemlich sturer Typ“, sagt er. „Als die Ärzte sagten, dass ich nie wieder ­gehen können würde, beschloss ich, ihnen das Gegenteil zu beweisen.“ Die nächsten Jahre waren von knallhartem Training geprägt. Zusätzlich zur Physiotherapie ging ­Oskam ins Fitnessstudio und spielte mehrmals die Woche Rollstuhl-­ Rugby. „Als Querschnittsgelähmter musst du unaufhörlich trainieren,

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damit du in Schwung bleibst“, ­erklärt er, „weil schon so einfache Alltagsdinge wie das Anziehen ­unglaublich viel Zeit und Energie fressen.“ Dann wurde er auf die ­STIMO-Studie (Stimulation Movement Overground) in der Schweiz aufmerksam. „Die Teilnahme an ­einer klinischen Studie stachelte meinen Ehrgeiz neu an.“ 2017 verbrachte Oskam sieben Monate im Universitätsspital Lausanne, wo die Studie durchgeführt wurde. Zuerst implantierten ihm die Ärzte Elektroden auf das untere Rückenmark. Sie versorgen es mit elektrischen Impulsen und stimulieren so eine Bewegung von Hüft- und Beinmuskulatur. Die Stimulation wird während eines intensiven Bewegungstrainings angewandt. Das erleichtert den Bewegungsablauf und fördert eine Reorganisation von Nervenbahnen. Die Herausforderung für die Pa­ tienten ist es, die Impulse richtig zu koordinieren. Sie üben das zuerst in einem speziellen Aufhängesystem, dann mit einem Rollator. Heute ist der 37-Jährige schon sechsmal schneller unterwegs als vor seiner OP – und schafft wesentlich längere Distanzen. Hatte er damals nur über 20 Meter einen Fuß vor den anderen schieben können, ist er heute in der Lage, 100 Meter ohne allzu große Anstrengung zurückzulegen. „Das ist ein großer Erfolg für mich“, sagt Oskam. „Aber man muss realistisch bleiben: Der

Rollstuhl ist immer noch Teil meines ­Lebens und wird es auch bleiben.“ Um Bewusstsein für andere Menschen in seiner Lage zu schaffen, nahm Oskam 2019 am Wings for Life World Run teil – dem welt­weiten Lauf-Event zugunsten der Stiftung für Rückenmarksforschung. In den vergangenen 16 Jahren hat Wings for Life mehr als 200 Forschungs­ projekte und klinische S ­ tudien in 19 Ländern unterstützt und finanziert, darunter auch die STIMO-­ Studie. 100 Prozent aller Spendenund Startgelder des Wings for Life World Run fließen in die Rücken­ marksforschung. „Dieser Lauf ist mit keinem an­ deren vergleichbar – alle sind gut drauf und total entspannt“, beschreibt Oskam die Atmosphäre der Veranstaltung. „Im Vordergrund steht nicht der Wettbewerb, sondern die Charity und das Gemeinschaftsgefühl.“ Obwohl Oskam mit seiner Gehhilfe 100 Meter zurücklegte, war er mit seiner Leistung nicht ganz ­zufrieden. „Ich habe 30 Minuten gebraucht. Daheim schaffe ich die gleiche Strecke problemlos in 15 Minuten.“ Heuer setzte der Niederländer wegen weiterer OPs aus, doch 2021 will er wieder am Start stehen. Sein neues Ziel: 250 Meter.

Wings for Life World Run Wer die Rückenmarks­forschung unterstützen will, geht am 9. Mai 2021 gemeinsam mit zehntausenden Menschen auf der ganzen Welt an den Start – egal ob als erfahrener Läufer, Anfänger oder Rollstuhlfahrer. Das Besondere am Wings for Life World Run: Es gibt keine Ziellinie, stattdessen fährt 30 Minuten nach dem Start ein „Catcher Car“ los, holt nach und nach die Teilnehmer ein und beendet damit deren Rennen. Es ist aber auch möglich, die Wings for Life World Run App herunterzuladen und ­gegen ein virtuelles Catcher Car zu laufen – da spielt es keine Rolle, wo auf der Welt und welche Covid-19-­bedingte Einschränkungen gerade gelten. Anmelden: wingsforlifeworldrun.com

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„Es hieß, ich würde nie wieder gehen können. Ich wollte das Gegenteil beweisen.“ Gert-Jan Oskam hat seine Zuversicht nie verloren.

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Lars Ulrich Mehr als Metal Metallica sind beim Geldsammeln genauso unerbittlich wie beim ­Rocken. Mit der Stiftung „All Within My Hands“ ist das Quartett seit 2017 aktiv: Auf Tour wird unter anderem ein Teil der Ticket-Einnahmen an lokale Organisationen gespendet. So bekam etwa die Gruft, eine Caritas-­Einrichtung für Obdachlose, voriges Jahr 25.000 Euro im Rahmen des Wien-Konzerts. Wer mit­helfen will: allwithinmyhands.org

gruppe zu den besten Spielern Dänemarks. Stimmt schon – ich bin das schwarze Schaf der Familie. Aber die vergan­ genen vierzig Jahre haben gezeigt, dass die Entscheidung kein Fehler war. Ich wollte das machen, was mir wichtig war, nicht das, was andere von mir erwarteten. Das rate ich jedem: Folgt euren Träumen und tut das, was euch wichtig ist. Ver­ lasst euch auf euer Bauchgefühl.

2017 wurde Lars Ulrich in Dänemark zum Ritter geschlagen.

„Unser Motto ist Spaß“ Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich, 56, erzählt, warum es ratsam ist, seinen Träumen zu folgen. Interview MARCEL ANDERS

Mit 16 stand Lars Ulrich vor der Ent­ scheidung, Tennisprofi oder Drum­ mer in einer Band zu werden. Das Ergebnis ist bekannt – als Schlag­ zeuger von Metallica wurde er welt­ berühmt. Heute ist er 56, aber seine Truppe ist noch immer für Über­ raschungen gut: Das aktuelle Live­ album „S&M2“ wurde mit dem San Francisco Symphony Orchestra auf­ genommen – und landete sowohl in Österreich als auch in Deutschland auf Platz 1 der Charts. Im Interview 40

spricht der gebürtige Däne darüber, warum Experimente das Leben inter­ essant halten. the red bulletin: Herr Ulrich, Ihr Vater und Ihr Großvater waren Tennisprofis. Haben Sie es jemals bereut, nicht in deren Fußstapfen getreten zu sein? lars ulrich: Nicht wirklich – haha. Dabei zählten Sie Anfang der 1980er-Jahre in Ihrer Alters­

Mutige Entscheidungen treffen, dem Bauchgefühl folgen: Das ­machen Sie auch heute noch, wenn Sie zum Beispiel auf dem ­aktuellen Metallica-Album das Werk „Die Eisengießerei“ des russi­ schen Avantgarde-Komponisten Alexander Mossolow aus dem Jahr 1926 spielen. Gab es Zweifel, ob die Fans da mitziehen würden? Natürlich gibt es immer Zweifel, ob wir zu weit gehen. Aber gleichzeitig lieben wir es, Sachen auszuprobie­ ren, die etwas abseitig erscheinen. Das ist wichtig, um die Band frisch und interessant zu halten. Und hätte es nicht funktioniert oder wäre es zu abgedreht gewesen, hätten wir ­jederzeit den Stecker ziehen können. Ein Sicherheitsnetz bauen, einen Plan B haben – auch das ist sehr wichtig, wenn du eine schwierige Entscheidung treffen musst. Aber im Prinzip ist unser Motto: Fühlt es sich gut an? Macht es Spaß? Dann lasst es uns tun! metallica.com THE RED BULLETIN

SHAMIL TANNA

War Ihr Vater sauer, dass Sie diese aussichtsreiche Karriere einfach hingeschmissen haben? Nein, da war ich in einer glücklichen Situation. Er hat mich immer ermu­ tigt. Wahrscheinlich, weil er selbst ein großer Musikfan war.


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Kopfnuss von Toby für Hiasi, der wiederum Sammy im Schwitzkasten hat: die Herren Price, Walkner und Sunder­ land beim Red Bulletin-Fotoshoot

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Die Rallye-Dakar-Sieger MATTHIAS WALKNER, TOBY PRICE und SAM SUNDERLAND sind drei grundverschiedene Typen, sie sind Rivalen und trotzdem Freunde. Eine Geschichte über drei Motorrad - Einzelkämpfer und ihren erstaunlichen Teamgeist. Text WERNER JESSNER Fotos KONSTANTIN REYER

Ziemlich beste Gegner


„Ich bewundere Hiasis Zielstrebigkeit. Wenn er etwas will, organisiert er es sich.“ Sam Sunderland

E

s ist der absolute Dakar-Adel, der hier in einem freund­ lichen Raum im Athlete Performance Center in Thalgau bei Salzburg sitzt und das macht, was er vermutlich am schlechtesten kann: warten. Der Australier Toby Price, 33, hat die härteste Motorradrallye der Welt in den Jahren 2016 und 2019 gewonnen, der Brite Sam Sunderland, 31, anno 2017 und der Salzburger Matthias Walkner, mit 34 Jahren der Älteste im Bunde, als erster Österreicher auf dem Bike 2018. In der vergangenen Woche haben sie hier gemeinsam trainiert, auf dem Ergometer, im Gym, hatten Massagen und Therapien, schulten Reaktion und Ausdauer, jeden Tag von früh bis in den ­späten Nachmittag. Sie sind ein wenig geschlaucht.

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Zum Abschluss gab es einen Leistungstest, auf dessen Ergebnis sie jetzt warten. Ein wenig fühlt es sich nach Zeugnis­ verteilung an, bevor es am nächsten Tag nach Spanien geht, um auf dem Motorrad weiter zu trainieren, sich den fahrerischen Feinschliff zu holen für den Jänner 2021 und das große Ziel der Rallye Dakar, die seit 2020 in Saudi-Arabien ausgetragen wird. Nur einer ist entspannt: Toby Price, der Mann mit der markanten Unfrisur und dem Fusselbart. Er weiß, dass seine Leistungswerte schlecht sein werden. Den Test hat er quasi nur aus Kollegialität mitgemacht. Drei Tage zuvor konnte er nämlich kaum noch gehen. Man muss überhaupt sagen, dass diese drei Männer die Kampfspuren ihres Sports deutlich sichtbar mitschleppen. Joggen kann keiner von ihnen mehr, „für Leute THE RED BULLETIN

MARCIN KIN

Matthias Walkner bei der Andalucía Rallye im Oktober: ein tolles Gefühl, endlich wieder auf dem großen Motorrad Gas zu geben


Omnis il molentium eaquidunt, officipsunto bero quis ium elestrum fugiatis ea dus sit, num quas unt ad est modit ulpa aut volupta ne quam.

Matthias Walkner

Der 34-jährige Kuchler ist Motocross-Weltmeister des Jahres 2012. Seit 2014 fährt er Rallye, seine erste Dakar-Etappe gewann er bereits 2015. 2016 stürzte er schwer und brach sich den Oberschenkel. 2018 siegte er als erster Österreicher in der Motorrad-Wertung.


Toby Price

Der Australier, 33 Jahre alt, holte in seiner Heimat diverse nationale Meister­titel in Motocross und Enduro, bevor er 2015 Rallye-Werksfahrer bei Red Bull KTM wurde. Das Vertrauen dankte er mit dem ersten Dakar-Sieg gleich im Jahr darauf und einer Wiederholung 2019.


nisieren wollte, um seinen fast hundert Kilo schweren Körper morgens aus dem Bett zu hieven, war eine Massage. „Ich hatte schon ein paar gebrochene Wirbel, Bandscheibenvorfälle. Seither liegen e­ inige Nervenstränge so knapp am Knochen, dass es immer höllisch schmerzt, wenn jemand versucht, die verkrampften Muskeln zu lockern. Ich bin einer der wenigen Menschen, denen es nach einer Physio-Einheit schlechter geht als vorher.“ Hiasi Walkner kichert: „Du bist sowie­ so ein Unikum. So wie du funktioniert sonst keiner.“ Was Toby jetzt erklären muss: „Mein Training besteht im Wesent­ lichen daraus, sehr schnell Motorrad zu

fahren. Das ist alles, was ich will und was mich schnell macht.“ Der auf dem Papier erfolgreichste der drei Piloten sieht tatsächlich nicht aus wie ein Modellathlet. „Ich habe gern ein wenig Substanz am Körper, denn wäh­ rend einer Dakar habe ich schon einmal neun Kilo verloren. Was bleibt denn noch übrig von mir, wenn ich bereits um neun Kilo leichter an der Startlinie stehe?“ Eine These, der Sam Sunderland ­heftig widerspricht: „Klar verliert man während der Rallye, bei der man zwei Wochen lang jeden Tag sechs, sieben, acht Stunden im Gelände fährt, Gewicht. Aber warum am Anfang zu viel Ballast mitschleppen? Das macht die ganze

„Toby stürzt trotz seiner enormen Risiko­ freude kaum. Er zwingt uns, scheinbare Grenzen immer wieder zu hinterfragen.“ Matthias Walkner

MARCIN KIN

wie uns wurde einst das Rad erfunden“, sagen sie lachend. Vor allem das Motor­ rad: Auf ihren KTM 450 Rally vollbringen sie Dinge, die sonst niemand kann. Wer erlebt hat, wie sie dreißig, vierzig Meter weit springen bei 140, 150 oder 160 km/h im Sand, wie sie auf Pfaden, die Normalsterbliche im Schritttempo bewältigen würden, die Bikes über Dut­ zende Meter rutschen lassen, um danach zentimetergenau den Scheitelpunkt ­einer Kurve zu erwischen, der lässt sich von dieser Bande scheinbarer Invaliden nicht täuschen. Sam Sunderland hat ein Bein, das um zwei Zentimeter kürzer ist als das andere, weil es in einem marokkanischen Feld­ lazarett, in dessen OP-Saal Katzen her­ umliefen, nach einem Sturz völlig schief zusammengenagelt wurde. Matthias Walkner klettert wie ein al­ ter Mann aus seinem Land Rover Defen­ der mit hoher Sitzposition, Knie und Sprunggelenk sind ziemlich erledigt. Und der Grund, warum Toby Price drei Tage zuvor „einen Bergekran“ orga­

In Spanien für Saudi-Arabien üben: Bei der Andalucía Rallye belegte Toby Price als bester KTM-Fahrer Platz vier im Gesamtklassement. THE RED BULLETIN

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Gute Stimmung: Schwer zu sagen, welcher der drei Champs der größte Spaßvogel ist.


Ha’il

­ ache nur noch anstrengender. Ein S 50-PS-Auto mit 1000 Kilo ist schneller als eines mit 1100.“ Sam sieht aus wie ein Musterathlet, mit seinen knapp eins achtzig wiegt er 76 Kilo. Vor allem die tätowierten Ober­ schenkel, die sich unter den Shorts ab­ zeichnen, sind imposant. In den vergangenen Tagen hatte er sich vor allem mit Hiasi Walkner täglich gepusht: „Wie viele Wiederholungen, welches Gewicht? Matthias ist immer ein super Maßstab.“ Walkner hat die Liebe zum Training erst nach seiner schweren Verletzung 2017 entdeckt, als er monatelang nichts anderes tun konnte, als zu versuchen, seinen Körper wieder zum einwand­ freien Funktionieren zu überreden. ­„Zuvor stand ich eher auf der Seite von Toby: lieber ein bissl Reserven anlegen. Doch dann ist das Training zu einer Art Sucht geworden, und ich habe begon­ nen, mich mit Marcel Hirscher auszutau­ schen: ‚Kennst du eine geile neue Übung?‘ – ‚­Probier einmal das, das bringt etwas.‘“ Heute ist er eine menschliche Maschi­ ne, die es mit jedem aufnimmt.

MARCIN KIN

GETTY PREMIUM

O

bwohl Einzelsportler, herrscht ­unter den Red Bull-KTM-Werks­ piloten eine seltene Eintracht. „Natürlich will ich gewinnen, ist ja klar. Aber wenn nicht ich es sein kann, dann werde ich alles tun, damit es einer der beiden Jungs hier ist“, stellt Toby Price klar, und die Kollegen nicken. Dieser Teamspirit ist kein Vergleich zu früheren Zeiten im KTM-Team, als die Rivalität zwischen Marc Coma und Cyril Despres – beide mehrmalige DakarSieger – geradezu spürbar war (mit dem zweifellos gebotenen Respekt vor dem Können des Konkurrenten). Im aktuellen Werksteam geht es sogar so weit, dass man sich gegenseitig die Motorräder borgt. Als langjährigen Test­ fahrer inter­essiert gerade Matthias Walk­ ner jedes andere Bike, „nur durch den ­direkten Vergleich kann man ein Motor­ rad verbessern“. Einmal, vor vielen Jahren, sei er sogar eine Honda Probe gefahren – nur für

Dschidda

Saudi-Arabien

Dakar 2021: die Route Gestartet wird am 3. Jänner in Dschidda, wo am 15. auch das Ziel ist. Wie schon im letzten Jahr steht am Beginn eine Schleife, die am Roten Meer entlang nach Norden führt. Der Ruhetag findet am 9. Jänner in Ha’il statt. Die genauen Etappenziele standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Was jedoch durchgesickert ist: Es soll zwei Loop-Stages geben, bei denen die Piloten das ­Biwak des Vortages ansteuern, außerdem eine Marathon-Stage, bei der nur die Fahrer selbst an ihren Bikes schrauben dürfen.

sich, um zu spüren, wie sich ein fremdes Fabrikat anfühlt. Er sei gar nicht gut ­damit zurechtgekommen, so sein Fazit, was Toby Price nun gar nicht wundert: „Schon unsere drei Bikes, die auf den ers­ ten Blick völlig identisch wirken, unter­ scheiden sich durch Dutzende Nuancen: die Position der Fußrasten etwa oder den Winkel, in dem die Hebel montiert sind, die Fahrwerksabstimmung, den Sattel oder Lenker: Als ich Sams KTM 450 Rally probierte, musste ich nach 20 Minuten mit Krämpfen absteigen. Schon mini­ male Änderungen bewirken, dass andere Muskel­gruppen gefordert werden.“ So unterschiedlich die Physis der drei Siegertypen ist, so unterschiedlich ticken sie auch. Welche Skills eurer Kollegen hättet ihr gern? Matthias Walkner: „Ich hätte gern den Endspeed von Sam in den Dünen. Dass er jahrelang in Dubai gelebt hat, sieht man seinem Fahrstil an. Auf nichts als Sand gibt es keinen, der schneller fahren kann als er. Und von Toby würde ich mir seine Radikalität im Kopf wün­ schen. Aber wahrscheinlich will man die gar nicht – aus Angst.“ Toby Price: „Das sollte man vielleicht nicht laut sagen, weil es respektlos

„Natürlich will ich gewinnen, ist ja klar. Aber wenn nicht ich, dann hoffentlich einer der beiden Jungs hier.“ Toby Price THE RED BULLETIN

klingt, aber so meine ich das nicht, was jetzt gleich kommt: Mir ist egal, wie gut mein Körper mit fünfzig Jahren noch in Schuss sein wird. Ich will jetzt Gas geben, heute, ohne Rücksicht auf Verluste.“ Wie tritt man gegen jemanden an, der dermaßen ohne Rücksicht auf Verluste unterwegs ist, wenn einem die eigene Gesundheit lieb ist, Matthias Walkner? „Schwierig. Toby gibt uns allen etwas zu knabbern. Er ist nämlich kein Dummer, ganz im Gegenteil. Er weiß ganz genau, was er sagt, was er tut. Und trotz seiner immensen Risikofreude stürzt er kaum. Er zwingt uns alle, scheinbare Grenzen immer wieder zu hinterfragen.“ Sam Sunderland, welche Eigenschaft hättest du gern von Matthias Walkner? „Seine Direktheit. Wenn er etwas will, dann organisiert er es sich. Wenn er hungrig ist, isst er. Wenn er schlafen will, schläft er. Wenn er gehen will, geht er. Du bist immer der, der im Restaurant als Erster bestellt, stimmt’s, Matthias?“ Wie zur Bestätigung reagiert der An­ gesprochene nicht, sondern ist in sein Handy versunken. Ein wichtiges Whats­ App muss wohl geschrieben werden, im Moment redet eh Sam. Wer von den drei Alphatieren darf ans Steuer, wenn sie ein Auto teilen? Sam Sunderland: „Toby. Ich sitze am Bei­ fahrersitz und kontrolliere alles, damit wir eine Chance haben, seinen Fahrstil zu überleben. Matthias hockt hinten und schläft.“ Hiasi ist aus seinem Handy auf­ getaucht und fragt: „Was?“ „Nix“, sagt Toby. Toby und Sam lachen. Hiasi steckt das Handy weg.   49


„Ich hätte gern den Speed von Sam in den Dünen. Auf nichts als Sand kann keiner schneller fahren.“ Matthias Walkner Würdet ihr euch als Freunde be­ zeichnen? Toby: „Ja klar. Unser Sport schweißt zusammen, gerade auch wegen seiner Gefährlichkeit. Selbst wenn wir Gegner sind, kämpfen wir nicht Ellbogen an ­Ellbogen, sondern die meiste Zeit allein ­gegen die Uhr. Dazu kommt, dass wir viel miteinander erlebt haben. Es gibt nur wenige Leute, bei denen ich mich so oft über WhatsApp melde.“ Sam: „Von der Familie einmal abgese­ hen, sucht man sich seine Freunde in der Regel nach gemeinsamen Interessen. Mit Toby und Matthias kann ich mich über Dinge austauschen, die sonst niemand versteht: über Feinheiten des Roadbook oder was es bringt, eine längere Umlen­ kung des Federbeins zu probieren. Wir 50

haben Themen, bei denen kann sonst keiner mitreden.“ Matthias Walkner: „Sam und Toby sind auf jeden Fall jene zwei Menschen, die geografisch am weitesten weg und mir trotzdem sehr nah sind.“

D

ie Tür geht auf, es geht zur Zeug­ nisverteilung: Die Ergebnisse des Fitnesstests sind da. Toby geht raus und kommt bald zurück: Wie er­ wartet entspricht das Resultat seinem körperlichen Zustand am Tag des Tests, das muss man realistisch betrachten. Es scheint ihn aber nicht groß zu be­ kümmern. Er kann schnell Motorrad ­fahren, das weiß er. Darum geht es in seinem Kopf – und nicht um irgend­ welche Fitness-Daten.

Als Nächster wird Sam aufgerufen. Pokerface. Er lässt kein Sterbenswörtchen verlauten, bevor nicht auch Matthias sein Ergebnis hat: „Sag du!“ – „Besser als erwartet, aber nicht so gut wie erhofft. Und du?“ „Ich bin auf dem Level von vor fünf Jahren, noch vor meiner schweren Bein­ verletzung“, grinst Sam Sunderland ­unter seiner Basecap. Hiasi wirkt jetzt ein wenig wortkarg. Noch ist Zeit, Rückstände aufzuholen, selbst wenn es im Endeffekt nicht um Kilo, Watt und Wiederholungen geht, sondern darum, während tausender ­Kilometer in der Wüste Saudi-Arabiens unter Hitze und Kälte, auf Sand und im Geröll, bei zu wenig Schlaf und zu viel Risiko weniger Fehler zu machen als die Konkurrenten. Wenn man sich schon während der Vorbereitung mit den Besten misst, weiß man, wo man steht. Und so etwas zu ­wissen, einen Maßstab zu haben, das ist bei einer Veranstaltung, bei der es keine Sicherheiten gibt, unendlich viel wert. Wer die Rallye Dakar mitverfolgen will: redbull.com/Dakar THE RED BULLETIN

MARCIN KIN

Sam Sunderland in Aktion: Nach einem Unfall im Jahr 2015 ist sein rechtes Bein um zwei Zentimeter kürzer als das andere. Am Speed fehlt nichts.


Sam Sunderland

Der Brite, 31 Jahre alt, hat die Dakar im Jahr 2017 gewonnen. Als Einziger der drei ist er „gelernter“ Rallye-Fahrer und bestreitet die härteste Motorrad-Rallye der Welt bereits seit 2012. Außerdem ist er amtierender Weltmeister der Disziplin Cross-Country Rallies.


Mathilde Gremaud in Saas-Fee: links von ihr der Portjengrat, davor das Almagellerhorn, rechts das Sonnighorn

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So leicht ist schwer Freeskierin MATHILDE GREMAUD, 20, schaffte als erste Frau der Welt einen ganz besonderen Sprung: den Switch Double Cork 1440. Porträt einer jungen Schweizerin, die wie die fröhliche Lösung eines komplizierten Rätsels wirkt. Text CHRISTOF GERTSCH  Fotos NORMAN KONRAD


A Als Mathilde Gremaud an einem Montag­ nachmittag im September als erste Frau der Welt den „Switch Double Cork 1440“ stand, war es exakt drei Jahre her, dass sie zum ersten Mal über diesen Trick nachgedacht hatte. „Wäre doch was für dich“, sagte ihr Trainer damals. Und sie antwortete: „Ey, spinnst du?“ Das war während einer Trainings­ session, in der sie sich mit einem „Switch Cork 900“ abmühte, einem rückwärts angefahrenen Salto mit eineinhalb Schrauben. Man würde denken, für eine Topsportlerin wie sie sei so ein Trick ein Kinderspiel. Doch wer immer das Schwere übt, dem gelingt irgendwann das Leichte nicht mehr. Genau deshalb hatte sich Gremaud angewöhnt, sich etwas häufiger dem ver­ meintlich einfacheren Teil ihres Reper­ toires zu widmen. Nun aber überdrehte sie trotzdem immer. Irgendwann sagte Misra Torniainen, damals der Schweizer Freeski-Nationaltrainer, heute Gremauds

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persönlicher Berater: „Du könntest ver­ suchen, gleich noch ein wenig weiter zu drehen.“ So entstand aus dem verpatzten Switch Cork 900 die Idee zum Switch Double Cork 1440: rückwärts anfahren, Doppelsalto, zwei Schrauben – ein Wahnsinnssprung. Die besten Männer beherrschten den Trick zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren. Aber eine Frau? Torniainen sagt: „Ich glaube, die Män­ ner hätten kein Wort geglaubt, wenn Mathilde erzählt hätte, dass sie sich dar­ an versuchen will.“ Mathilde Gremaud, Jahrgang 2000, wuchs in La Roche auf, einem Dorf in den Freiburger Voralpen am Fuß von La Berra. Der Berg ist bekannt für sein Wintersportgebiet, kein Wunder also, dass Gremaud auf Skiern stand, kaum dass sie gehen konnte. Aber sie spielte auch Fußball, machte Leichtathletik, war mit dem Skateboard, den Rollerblades, dem Bike unterwegs. Sie war immer drau­ ßen. Im Winter baute sie mit anderen Kin­ dern aus dem Dorf Schanzen. Und einmal kam der Tag, als ihr Cousin, der gleich nebenan wohnte, ihr zeigte, wie man sich auf Skiern in der Luft um 360 Grad dreht.

Und die kleine Mathilde? Die machte es nach, gleich beim ersten Versuch. Heute sagt sie: „Ja, im Sport – da ist es nie schwierig für mich.“ Das sagt auch Torniainen, er hält sie für unglaublich talentiert. „Eine Begabte wie sie“, sagt er, „gibt es auf Skiern kein zweites Mal.“ Wenn man sich Gremauds Switch Double Cork 1440 auf Video anschaut, geschehen nacheinander zwei Dinge. Zuerst ist man beeindruckt, man merkt, dass hier gerade eine neue Ära einge­ läutet wird. Dann passiert das eigentlich Besondere: Man will das Video immer und immer wieder abspielen, so hin­ reißend ist es. Denn Gremaud lässt etwas Schweres so leicht aussehen, dass man es im Kopf fast nicht begreift. Man weiß, wie krass der Trick ist, und gleichzeitig sieht man mit eigenen Augen, wie schön und anmutig sie ihn ausführt, so frei, als könnte sie tatsächlich fliegen.

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ettkämpfe im Freestyle-Winter­ sport können zum Zuschauen ­eine erstaunlich frustrierende Angelegenheit sein: Es kommt – weil der kleinste Fehler extreme Folgen hat – recht häufig zu Stürzen. Und wenn eine Darbietung gelingt, ist es nicht auszu­ schließen, dass eine Athletin, ein Athlet dafür derart an die Grenzen gehen muss, dass in der Erinnerung des Publikums dann doch nur Anstrengung und Er­ schöpfung zurückbleiben. Und nicht Leichtigkeit, nicht Freiheit, obwohl der Freestyle-Wintersport genau aus diesem Antrieb heraus erfunden wurde.

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„ Die Männer hätten kein Wort geglaubt, wenn Mathilde erzählt hätte, dass sie sich daran versuchen will.“ Mathildes Berater Misra Torniainen über die Bedeutung dieses Sprungs in der Freeski-Welt

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Das liegt daran, dass der Szene heute ein Drang innewohnt, gegen den sie sich lange wehrte: Alles muss immer noch komplizierter, ausgefallener, extremer sein. Das ist nicht per se schlecht. Es ist nicht verwerflich, das Beste aus sich her­ ausholen zu wollen. Aber die Entwick­ lung kann einem ästhetisch orientierten Publikum ein wenig die Lust nehmen. In diesem Spannungsfeld nun wirkt Gremaud wie die Lösung eines kompli­ zierten Rätsels. Keine Ahnung, wie sie das schafft, aber sie ist jederzeit beides: superehrgeizig und superlocker. Sie nimmt sich die anspruchsvollsten Tricks vor, baut sie aber nur in ihr Wettkampf­ programm ein, wenn sie diese mit gro­ ßer Wahrscheinlichkeit steht. Sie will gewinnen, sich dabei aber auf keinen Fall verbeißen. Und sie will besser werden, verträgt es aber nicht, wenn jemand ihr gegenüber das Wort „Training“ benutzt. „Warum kann ich nicht einfach auf den Berg gehen und Ski fahren?“, fragt sie.

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athilde Gremaud weiß noch ge­ nau, wie nervös sie als Mädchen vor Leichtathletik-Wettkämpfen war. Drei Jahre hintereinander war sie im 1000-Meter-Lauf eine der drei Jahr­ gangsbesten der Schweiz, doch jedes Rennen stresste sie, sie spürte den Puls­ schlag bis zum Hals. Dieses Gefühl, als ob man sich gleich übergeben müsste – sie hasste es. Irgendwann in dieser Zeit lernte sie, dass ihr die Strenge des Ausdauersports nicht zusagt. Und dass sie erfolgreicher ist mit ein wenig Ablenkung.

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Herumalbern ist mit Mathilde immer drin: Sie schafft es, ­gleichzeitig super­ ehrgeizig und ­superlocker zu sein.


So funktioniert der Switch Double Cork 1440

Mathilde teilt die Flugphase in zwei Abschnitte Die Namen von Freestyle-Tricks klingen häufig wahnsinnig kompliziert, sagen aber alles – man muss sie nur Stück für Stück auseinandernehmen. Das gilt auch für den Switch Double Cork 1440: Der wird rückwärts angefahren („Switch“), dann folgen zwei 360-GradDrehungen um die Körperquerachse („Double Cork“) und zwei 360-Grad-Drehungen um die Körperlängsachse – macht zusammen 1440 Grad. Wichtig: Rück-

wärts angefahrene Tricks sind schwieriger, und die Drehungen werden nicht eine nach der anderen aus­ geführt, sondern gehen ineinander über. Mathilde Gremaud unterteilt die Flugphase in zwei Ab­­schnitte: Mit dem ersten Salto (Drehung um die Körperquerachse) verbindet sie eineinhalb Schrauben (Drehung um die Körperlängsachse), mit dem zweiten Salto noch eine halbe.

Als sie sich an jenem Montagnach­ mittag im September also darauf vor­ bereitete, als erste Frau der Welt den Switch Double Cork 1440 zu stehen, begab sie sich in Gedanken nicht in einen Tunnel, wie es auch im Freestyle-Winter­ sport viele tun. Sie weitete vielmehr den Blick, fand Konzentration a ­ us­gerechnet im Tumult. Sie alberte herum, hörte Musik und nahm damit den Druck von dem Moment. Und fand gerade so in den ­magischen Zustand, in dem es nur um diese eine Abfolge ging: Anlauf, ­Absprung, Flug und Landung. Das war in Saas-Fee, auf 3500 Meter Seehöhe, nach einem Trainingstag – kurz vor der letzten Talfahrt der Gondel­ 58

bahn. In den Wochen zuvor hatte sich Gremaud auf dem Bag an den Trick her­ angetastet, das ist das große Luftkissen, das man beim Üben in den Lande­bereich einer Schanze oder einer Halfpipe l­ egen kann. Sie spürte, dass etwas geschieht und sie der Beherrschung des Tricks ­näher rückt. Aber reicht das? Wenn man noch nie von einer solchen Schanze abgesprungen ist, ist es schwer, sich das Gefühl dabei vorzustellen. Aber nach allem, was Freeskierinnen und Freeskier erzählen, nimmt der Respekt

THE RED BULLETIN

DOM DAHER/RED BULL CONTENT POOL

In Saas-Fee schaffte Mathilde Gremaud auf 3500 Meter Höhe als erste Frau den Switch Double Cork 1440. Der historische Sprung zum Ansehen:


auch dann nicht ab, wenn man es zum tausendsten Mal macht. Und selbst die Erfahrensten unter ihnen kennen diese leicht unbehagliche Ungewissheit – dann nämlich, wenn sie sich an einem neuen Trick versuchen. „Es ist wie eine Tür, die man öffnen muss, ohne zu wissen, was einen dahinter erwartet.“ So erklärt es Misra Torniainen, der frühere Schweizer Natio­naltrainer. Anders gesagt: Zum ersten Mal einen Doppelsalto mit zwei Schrauben zu machen, rückwärts angefahren, braucht richtig viel Mut. Und setzt voraus, dass man sich selbst richtig gut kennt. Dazu Torniainen: „Wenn du so etwas Schweres­ zum ersten Mal versuchst, musst du THE RED BULLETIN

„ Wenn du so etwas Schweres zum ersten Mal versuchst, musst du sicher sein, dass dich dein inneres Gefühl nicht trügt.“

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Zeit zum Aufwärmen: Mathilde in der Berg­ station der Bergbahn Metro Alpin


Bern

Schweiz Saas-Fee

s­ icher sein, dass dich dein inneres Gefühl nicht trügt. Du musst dich darauf ver­lassen können, dass du den Trick abbrichst, wenn du beim Absprung merkst, dass etwas nicht stimmt.“

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athilde Gremaud zu zeigen, dass sie diese Sicherheit hat – das war Torniainens Aufgabe. Und die begann lange vor jenem Montagnachmittag im September: Jedes Mal, wenn sie im Training einen Trick, der schiefzugehen drohte, rechtzeitig abbrach, sagte er: „Schau, dein inneres Gefühl trügt dich nicht.“ Er war es auch, der ihr in SaasFee – man hört es deutlich im Video – im Augenblick des Absprungs zurief: „Hey, ’s isch guet!“ „Wenn der Absprung passt, passt ­alles“, sagt Gremaud. Sie stand den Trick, gleich beim ersten Versuch. Wie Jahre zuvor die allererste 360-Grad-Drehung. „Ein Mann ist den Switch Double Cork 1440 bei der Premiere nie schöner gestanden“, meint Torniainen. Auch Monate später ist er von den Ereignissen oben auf dem Gletscher noch ergriffen. Vielleicht weil er weiß, dass es so häufig schon anders war?

„ Drei Jahre lang hatte sie mit dem Trick gelebt und sich ausgemalt, wie sie den Trick stehen würde.“

Das Schweizer Freeski-Nationalteam, das er geprägt hat, ist eines der besten der Welt, doch auf die erste Olympia­ medaille musste es bis 2018 warten: In Pyeongchang gewann Sarah Hoefflin Gold, Mathilde Gremaud wurde Zweite. Es war Torniainens Abschied. Mehr als ein Jahr dauert es noch bis zu den nächsten Winterspielen, sie sind Mathilde Gremauds großes Ziel. Mindestens bis dahin will sie Profi sein, für ein Studium ist nachher Zeit. Warum sie mit der Weltpremiere nicht zugewartet habe, wurde sie nun oft gefragt. Wäre es nicht besser gewesen, die Konkurrenz mit einer Überraschung zu überwältigen und den Switch Double Cork 1440 erstmals im Olympiafinale 2022 zu zeigen, im Scheinwerferlicht und vor aller Leute Augen? Sie lacht, weil sie noch genau weiß, wie sie sich exakt diese Frage ebenfalls stellte. Doch sie beschloss, dass so viel Kalkül nicht zu ihr passen würde. Als sie merkte, dass sie für den Trick bereit war, wollte sie nicht den Flow unterbrechen. „Es hätte sich falsch angefühlt.“

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rei Jahre lang hatte sie mit den Gedanken an den Trick gelebt, wie aus dem Nichts tauchten sie manchmal auf: in der Gondel, unter der Dusche, im Bett. Oder auch mitten in ­einem Gespräch. Dann schweifte Mat­hilde Gremaud ab, zog sich in sich zurück und malte sich aus, wie sie den Trick stehen würde. Zunächst fiel ihr das unglaublich schwer, so weit weg war die Vorstellung von der Wirklichkeit. Aber das ist ein Teil dessen, wie sie funktioniert: Sie lässt sich etwas Verrücktes einfallen und verwirft es wieder. Dann wartet sie, bis die Idee zurückkehrt, aber als ernsthaftes Ziel, nicht mehr als ferner Traum. Und irgendwann, vielleicht an einem Montagnachmittag im September, irgendwann setzt sie in die Realität um, was am Anfang unmöglich schien.

Schnee garantiert Hochalpines Wintervergnügen in Saas-Fee

Die Ferienregion SaasFee/Saastal in den Walliser Alpen ist umgeben von Bergen und Gletschern, insgesamt ragen hier 18 Viertausender himmelwärts. Die Region eignet sich sowohl für sportliche Höchstleistungen als auch für erholsame Tage.

NaturschneeParadies

Das Saastal ist mit seinen 150 Pistenkilometern perfekt für jede Art von Wintersport – meist ­beginnt der Spaß schon vor der Haustür und reicht bis auf 3600 Meter Seehöhe. Naturschnee ist während der ganzen ­Saison garantiert. ­An­geboten werden u.  a. Skitouren, Eisklettern und Gletschertrekking.

Treffpunkt der Sport-Elite

Bereits zum fünften Mal gastierte in diesem Jahr das Hochleistungs­ trainingslager „The Stomping Grounds“ im autofreien Saas-Fee. Mit dabei internationale Topstars wie Mark McMorris oder Anna Gasser. Infos: saas-fee.ch

Mathilde online: mathildegremaud.ch THE RED BULLETIN

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INNOVATOR

IDEEN FÜR EINE B ES S E R ZUKUNFTE

Cambry auf ihrem Spezial-Rollstuhl. Damit schafft sie es auch durch den Schnee.

Neue Freiheit I

Liebesbeweis Zack Nelson baute für seine Frau einen Offroad-Rollstuhl – jetzt gibt es „The Rig“ für alle, die Lust auf Abenteuer haben.

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ieht fast wie ein Dünen­ buggy aus, ist aber ein Rollstuhl, zugegeben: ein besonders geländegängiger Rollstuhl. Die Geschichte beginnt 2005. Springreiterin Cambry Kaylor verletzt sich bei einem Sturz vom Pferd so schwer,

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dass sie auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Sie zweifelt daran, jemals einen Partner zu finden. Doch dann lernt sie Zack Nelson, 32, kennen. Er betreibt einen YouTube-Techno-Kanal mit 6,5 Millionen Abonnenten. Er sucht s­ ofort nach einer kostengünstigen

Lösung, um Cambry zu neuer Bewegungsfreiheit zu ver­ helfen. Die Idee: Zwei Elektro-­ Bikes werden zu einem Rollstuhl mit zehn Zentimeter dicken Reifen. Es klappt, „The Rig“ schafft 19 km/h, hat eine Reichweite von 56 km und meistert Kies und selbst Schnee pro­ blemlos. Vor einem Jahr haben Cambry und Zack übrigens geheiratet. Den Ring hat Zack aus Cambrys erstem Rollstuhl geschmiedet.

Zack und Cambry: Mit dem Rollstuhl sind jetzt auch OffroadAusflüge möglich.

notawheelchair.com

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IN ALLER KÜRZE VORSATZBOOSTER Diese Gründer helfen dir, deine Ziele für 2021 zu erreichen – bei Umweltschutz und Ernährung.

Neue Freiheit II

Die Gitarre fürs 21. Jahrhundert Der britische Designer Anthony Dickens, 45, hat die Gitarre neu erfunden – als ein Ringelspiel für Musikpioniere.

F GOOD TO GO Clevere Lösung, um deinen Plastikverbrauch zu senken: Die beiden Gründer Sven Witthöft (li.) und Tim Breker haben ein Mehrwegsystem für Take-away- und Liefer­ essen entwickelt. Via App findest du teilnehmende Lokale in deiner Stadt. vytal.org

ANTHONY DICKENS, VYTAL, SNICS

LOU BOYD, DAVID MAYER

SCHLAUER ESSEN So hackst du deine Ernährung: Mit der App von Gründer Gerd ­Sumah kannst du dein Essen analysieren, indem du es fotografierst. Eine Künstliche Intelligenz wertet das Bild aus. Anschließend begleiten dich Wissenschaftler bei der Umstellung. snics.at

ür alle, die mit Gitarren nichts am Hut haben: Üblicherweise greift, drückt oder zerrt man mit der ­linken Hand am Hals herum – das ergibt im besten Fall grandiose Soli oder unvergessliche Akkorde. Mit der rechten Hand bringt man mit den Fingern oder einem Plättchen (Plektrum genannt) die sechs Saiten zum Schwingen. Bei der „Circle Guitar“ ist das ähnlich – und doch völlig anders. Die linke Hand agiert gleich wie bisher, die rechte beschäftigt sich mit einer Art Karussell. Denn dort, wo sich bei akustischen Gitarren üblicherweise das (Schall-)Loch befindet, sitzt ein mechanischer Sequenzer, der sich unter den Saiten dreht und mit Stäbchen programmiert werden kann. Wer sich die „Circle“-Videos auf YouTube ansieht, ist fasziniert von den unendlichen Möglichkeiten der Soundgestaltung. Erfinder Dickens: „Eigentlich ist es ein neues Instrument.“ Und Radiohead-Gitarrist Ed O’Brien sagt: „Es ist, als würdest du eine neue Sprache lernen.“

Die Saiten können wie bei einer normalen Gitarre gespielt werden.

Jedes Saiten-Signal lässt sich unterschiedlich verarbeiten.

Mit diesen Knöpfen werden Töne gespielt.

circleinstruments.co.uk

Sieht aus wie eine Gitarre, schafft aber völlig neue Klangwelten.

Mehr Inspiration für ­ ukunftsmacher gibt es Z im aktuellen INNOVATOR. Infos und Abo unter: ­redbulletininnovator.com

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In diese Scheibe schiebt man die Programmier-Stäbchen.

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INNOVATOR Erneuerbare Energien

Im Labor der Klimaretter Bei der Energiewende könnte Österreich bald globaler Vorreiter sein. Drei zukunftsträchtige Themenfelder stehen im Fokus groß angelegter Forschungsprojekte.

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ie Klimakrise wird sich nicht von allein lösen. Darüber reden – schön und gut. Am Ende des Tages aber müssen Taten folgen. Konkrete Taten. Österreich möchte hier auf internationaler Bühne als Pionier vorangehen. 120 Millionen Euro investiert der Klima- und Energiefonds in drei sogenannte Vorzeige­ regionen. Das Geld stammt aus

dem Etat des Klimaschutzministe­ riums (BMK). Die Initiative bringt österreichweit bereits rund 300 Projektpartner zusammen, um gemeinsam Energiekonzepte der Zukunft ausprobieren. An Bord sind KMUs ebenso wie globale Player der Industrie, namhafte F&EEinrichtungen und Hochschulen vom Fach. In den drei Vorzeige­ regionen werden Gesamtlösungen zur Reduktion von Emissionen und für leistbare klimafreundliche Energie unter realen Bedingungen getestet. Erklärtes Ziel ist, die vielen guten Ideen möglichst rasch marktreif zu machen und Patente in die ganze Welt zu exportieren.

Innovation in Bewegung

In der Vorzeigeregion „Green Energy Lab“ in Ostösterreich wird an nachhaltigen Energielösungen und intelligenten Stromnetzen geforscht. Wie kann die Netz­ein­ spei­sung von dezentral erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energie­ quellen (z. B. Photovoltaik am

Dach eines Einfamilienhauses) optimal umgesetzt werden? Wie können freie Netzkapazitäten möglichst flexibel genutzt werden? Wie und wo lässt sich überschüssiger Windstrom am besten speichern – um später optimal genutzt zu werden? Bei der zweiten ­Vorzeigeregion, „New Energy for Industry“ (NEFI), geht es um die Integration von erneuerbaren Energien in der Industrie mit dem Ziel der langfristigen CO²-Neutralität. Wie Industriestandorte kohlenstoffneutral gemacht werden können, soll in Projekten demonstriert werden. Etwa bei „SANBA“, wo man gerade ein Heiz- und Kühlnetz für die aufgegebene Martinek-Kaserne in Baden entwickelt, wofür – auf smarte Weise – die Abwärme aus der benachbarten NÖM-Molkerei genutzt werden soll. Ein Beispiel für einen Energie­austausch, der künftig zur CO²-Reduktion beitragen und Marktvorteile für alle be­ teiligten Partner bringen könnte.

Die optimale Bewirtschaftung von volatiler Windenergie und deren Speichermöglichkeiten in burgenländischen Warmwasserspeichern ist eines der Projekte des Green Energy Lab.

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Interview

„Das ist ein Meilenstein“ Andrea Edelmann ist Vorstandsmitglied im Green Energy Lab, unter dessen Dach nachhaltige Energielösungen entwickelt werden. the red bulletin: Das Green Energy Lab bezeichnet sich selbst als „Österreichs ­größtes Innovationslabor“. Zu Recht? andrea edelmann: In der Vorzeigeregion Green Energy Lab arbeiten die Energie­ versorger EVN AG, Energie ­Burgenland AG, Energie Steier­ mark AG und Wien Energie GmbH ge­meinsam mit rund 200 weiteren Partnern aus Wirtschaft, Forschung und der öffentlichen Hand an Muster­ lösungen für eine nachhaltige­ Energiezukunft. Wir haben ­bereits 20 Projekte mit einem Investitionsvolumen von ins­ gesamt mehr als 70 Millionen Euro ins Rollen gebracht. Wir forschen an Themen wie Ener­ giegemeinschaften, Speicher­ systemen, Systemflexibilität bei Wärmesystemen – aber auch an Mobilitätslösungen.

„H²Pioneer“: klimaneutrale Erzeugung von Wasserstoff für die Chipproduktion von Infineon in Villach

Vorzeigeregion Nummer drei, „WIVA P&G“, zielt auf den großen Hoffnungsträger in puncto Klima­ neutralität ab: Wasserstoff. Kon­ kret: die Umstellung auf ein was­ serstoffbasiertes Energiesystem in Österreich. Dabei forscht man an Herstellung und Anwendung von erneuerbarem H² – im Energie­ system in den Bereichen Energie, Industrie und Mobilität. Ein aktu­ elles WIVA-Projekt? „­ H² Pioneer“: eine Anlage zur klimaneutralen Erzeugung von Wasserstoff für die Chipproduktion von Infineon in Villach. Zur Herstellung werden nur erneuerbare Energiequellen verwendet, zudem produziert man vor Ort – ganz ohne umwelt­ belastenden Transport von Was­ serstoff, hergestellt aus Erdgas. Alle Infos und Projekte: vorzeigeregion-energie.at

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GETTY IMAGES, MARIO PAMPERL, INFINEON AUSTRIA, STEPHANIE WEINHAPPEL

NEFI-Projekt „SANBA“: Entwicklung eines smarten ­Heiz­systems in der Martinek-Kaserne in Baden

„Wir arbeiten mit unseren ­Kundinnen und Kunden an einer nachhaltigen ­Zukunft.“ Andrea Edelmann Was ist die Zielsetzung? Die Hauptmotivation von Green Energy Lab ist, un­ genutztes Potenzial in der Forschungs- und Innovations­ landschaft zu bündeln und für die Gestaltung eines nach­ haltigen, klima­neutralen Energiesystems zu aktivieren.

Energieexpertin Andrea Edelmann

Damit wollen wir wesentliche Beiträge für die E ­ rreichung der Klima- und Energieziele leisten, insbesondere in Hinblick auf die Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien und die Reduktion der CO²-Emissionen. Im Testbetrieb zu verschiedenen Projekten soll auch die Bevölkerung miteinbezogen werden. Wie darf man sich das vorstellen? Wir wollen entwickelte Lösun­ gen unter realen B ­ edingungen testen. An ausgesuchten Stand­ orten werden Menschen ein­ geladen, aktiv m ­ itzuwirken. Ein Beispiel: Beim Projekt „Blockchain Grid“ handeln 13 Haushalte in der steirischen Gemeinde Heimschuh mittels Blockchain-Technologie mit Strom. Wer mit seiner Photo­ voltaikanlage zu viel Strom erzeugt, kann den Überschuss in einen Gemeinschaftsspeicher einspeisen oder ihn direkt an seine Nachbarn verkaufen. Das ist ein Meilenstein in diesem Projekt und auf dem Weg hin zu lokalen Energie­ gemeinschaften.

Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung des Klimaund Energiefonds und in redaktioneller Unabhängigkeit.

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Gregor heute: ein selbstbewusster, gereifter Mann


„Ich habe meine Balance gefunden“ MARKUS BERGER/RED BULL CONTENT POOL

Mit 53 Weltcupsiegen ist GREGOR SCHLIERENZAUER, 30, der erfolgreichste Skispringer der Welt. Nach Auszeit und Krise will er jetzt zurück an die Spitze. Text WOLFGANG WIESER

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the red bulletin: Ich habe den ­Eindruck, du hast gelernt, über dich zu lachen. Deinen aktuellen Staatsmeistertitel auf der Normalschanze hast du mit „mein letzter ist schon eine ganze Weile her“ kommentiert. gregor schlierenzauer: Stimmt, das war ein Kommentar mit Augenzwinkern. Jetzt aber ganz ohne Ironie: Das Ziel ist es, wieder ganz nach oben zu kommen. Hast du diese Entspanntheit trainiert? Nein, ich sehe das als Persönlichkeitsentwicklung. Wenn man meine Geschichte kennt, ist es logisch, dass dieser Schritt kommen musste. Ich habe meine Balance gefunden. Ein wichtiger Schritt zurück auf die Siegerstraße? Ich glaube, dass ich noch eine gewisse Zeit brauche. Dass es noch ein bisschen so ist (Gregor macht mit der Hand eine Auf-und-ab-Bewegung, Anm.). Aber ich habe das starke Gefühl, dass ich auf einem guten Weg bin.

„Ich habe das starke Gefühl, dass ich auf einem guten Weg bin.“

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Wieso glaubst du, dass es ein Auf und Ab geben wird? Weil Erfolg nicht planbar ist. Wir reden vom Skispringen. Und in meinem Fall ­reden wir vom Gewinnen, vom Ganzoben-Sein. Da muss alles zusammen­ passen. Da müssen kleinste Faktoren stimmen. Ganz ohne ein Quäntchen Glück geht es auch nicht. Aber noch einmal: Mein Ziel ist es, ganz oben zu stehen. Ich habe mir gestern Abend zum x-ten Mal deinen 253,5-m-Sprung in Planica 2018 angesehen. Du bist länger als acht Sekunden geflogen – wie erinnerst du dich an diese acht Sekunden? Skifliegen ist intensiver, extremer und gefährlicher als das Springen auf der Normalschanze. Planica ist für Skispringer das, was für Skifahrer die Streif ist. Ich müsste lügen, würde ich sagen, dass ich bei dem Sprung keine Angst hatte. Es war geil und grausig zugleich. Du bist

beim Sprung so mit dir beschäftigt, dass es dir nicht die Ski um die Ohren wickelt, und du musst extrem die Spannung halten, wenn du – wie wir sagen – in das Loch springst. Du hast gesagt, es gibt ganz, ganz viele Faktoren, die passen müssen, damit ein Flug auch wirklich zum Flug wird. Skispringen ist eine der komplexesten Sportarten: Der Bewegungsablauf ist wichtig, der Wind spielt eine Rolle, der Körperbau, das Gewicht, die mentale Verfassung. Aber auch wie der Ski läuft, wie sich der Schuh biegt, wie der Anzug geschnitten ist – und ob du im Kopf b ­ ereit bist, ans Limit zu gehen. Aber wenn du es schaffst und es auf Punkt bringst, dann ist das Glücksgefühl riesig, genauso die Dankbarkeit und die Demut. Ist das auch ein Grund, warum du ­immer weitermachst? Das ist eine Frage, die ich nicht mehr ­hören kann. (Lacht.) Das verstehe ich, aber sie drängt sich auf. Du hast schließlich alles erreicht, was man erreichen kann. Dafür bin ich sehr dankbar. Also, warum tust du dir das an? Weil es Spaß macht, weil es mich erfüllt und weil es ein intensives Gefühl ist. Natürlich habe ich mir deine Frage schon selbst gestellt. Es geht nicht dar­um, wie viele Siege man hat oder wie viele Medaillen. Es geht darum, was einen im Leben erfüllt. Was nicht heißen soll, ich springe nur, weil es mir Freude macht – Spitzensport ist schon beinhart. Lebst du ein diszipliniertes Leben? Ja, ich lebe ein diszipliniertes Leben, und ich habe ein sehr diszipliniertes Leben geführt. Natürlich habe ich auch von der anderen Seite des Lebens gekostet, aber ich bin ein Mensch, der sehr konsequent ist – also will ich etwas g’scheit oder gar nicht machen. Wenn man im Sport ganz nach oben kommen will, muss man diesem Ziel alles unterordnen.

THE RED BULLETIN


„Planica ist für Skispringer das, was für Skifahrer die Streif ist.“ Und was unterscheidet die beiden? Auf der Schanze bin ich Egoist, Perfektionist. Daheim sehe ich alles ein bisserl lockerer – schlussendlich bin ich wohl beides, alles zu seiner Zeit.

MARKUS BERGER/RED BULL CONTENT POOL, PICTUREDESK.COM (2)

Gregor jubelt

Bei Skispringern geht es immer auch um das Gewicht. Was hast du heute ­Mittag gegessen? Mittags Linsen, morgens ein ganz normales Frühstück. Bei der Ernährung muss jeder für sich selbst herausfinden, was gut ist. Aber ich esse auch ein Schnitzel, einen Schweinsbraten und eine Sachertorte, wenn es mir guttut – manchmal brauchst du auch einfach Seelenfutter. Bier? Bier mag ich nicht, aber Wein, Rotwein – und hin und wieder einen Gin Tonic. Was macht dich ruhig? Rotwein, dunkle Schokolade. Architektur – und Musik. THE RED BULLETIN

Gänsehaut-Moment: Am 22. März 2018 fliegt Gregor in Planica auf 253,5 Meter. Weil er in den Schnee greift, wird der Sprung als Sturz gewertet. Er jubelt trotzdem.

Und was regt dich auf? Wenn du als Popstar unter den ÖSV-Adlern ­bezeichnet wirst, so wie früher? Das war ich nie. Als Popstar würde ich mich nie definieren. Unglaublich zielstrebig, ja, mit einem Hang zum Perfektionismus. Wenn man mich wenig kennt, kann das schnell als arrogant rüber­kommen. Es gibt halt den Gregor in den eigenen vier Wänden und den Gregor auf der Schanze.

Deinen Durchbruch hattest du im ­Winter 2006/2007. Bei deinem ersten Start in Lillehammer bist du Vierter geworden, beim zweiten ­Antreten hast du bereits gewonnen. Vielleicht ist es für die Öffentlichkeit schnell gegangen. Aber nicht für mich. Ich bin in dem Jahr schon Juniorenweltmeister geworden. Es war nicht so (schnippt mit den Fingern), sondern es war ein bestimmter Weg. Ich war damals noch im B-Kader, in dem der Schuster-Werner Trainer war. Nach den Erfolgen bei den Skisprung-Grands-Prix im Sommer sollte ich auch im Weltcup dabei sein. Aber nicht in Kuusamo (die Rukatunturi-­Schanze ist für ihre scharfen Winde berüchtigt, Anm.). „Wir steigen in Lille­hammer ein“, hat der Werner gesagt, „das passt besser.“ Dann bin ich Vierter geworden – und habe mir gesagt, m ­ orgen möchte ich auf dem Podest ­stehen. Der Sieg ist mir passiert. Wenn man aber so einen quick win, also so e­ inen schnellen Sieg, hat, dann verschafft einem das irres Selbstvertrauen. Davon habe ich Jahre gezehrt. Du warst damals 16. Was unterscheidet dich heute von diesem 16-Jährigen? Ich habe viel erfahren. Extrem Positives, weniger Positives. Ich bin älter geworden. Ich nehme Dinge anders wahr. Wertigkeiten haben sich verändert. Aber sonst nicht so viel.

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Irgendwann ist die Serie gerissen, 2016 hast du dir sogar eine Auszeit ­genommen. Was ist schiefgelaufen? Es gibt eine Erklärung. Damals ist privat einiges passiert, ich war vielleicht auch ausgebrannt, das Reglement wurde geändert – die Folge: andere Ski, andere Bindung, andere Anzüge. Das „Puzzle“ ist auseinandergedriftet. Aber ich stelle mir die Frage anders: Wie ist es mir gelungen, über Jahre so erfolgreich zu sein? Jetzt bin ich dabei, dieses Puzzle wieder zusammenzusetzen. Und für das Leben habe ich in dieser Zeit viel mehr gelernt als in den Jahren, in denen ich von Sieg zu Sieg gesprungen bin. Du arbeitest seit Mai 2019 wieder mit Werner Schuster, der viele Jahre sehr erfolgreich das deutsche Team betreut hat, zusammen. Wie ist es dazu gekommen? Der Werner war und ist eine Schlüsselfigur in meiner Karriere. Mein Mentor. Mein Vertrauter. Ich weiß, er kann mich

„Ich fühle mich jung. Vier, fünf Jahre kann ich mir durchaus noch vorstellen.“

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Auch wenn du es dir noch so sehr wünschst. Sowieso, und langsam schließt sich der Kreis. Bis er ganz geschlossen ist, werde ich täglich versuchen, das Beste aus mir herauszuholen.

Was Gregor mag Gregor Schlierenzauer wird am 7. Jänner 31 Jahre alt. Er lebt in der Nähe von ­Innsbruck und mag italienisches Essen, das Action-Drama „Shooter“ mit Mark Wahlberg und Ambient-Musik. Er sieht gerne TV-Serien („Haus des ­Geldes“, „Suits“ oder „Prison Break“) und ­Sport-Dokus, beispielsweise die über B ­ asketball-Legende Michael Jordan. Den einen ­Lieblingsmenschen gibt es „noch nicht, aber es gibt Lieblings­ menschen – und das ist natürlich mein engstes Umfeld, die Familie“. Sein Outfit ist von Alpha Tauri. gregorschlierenzauer.at

dort hinbringen, wo ich hinwill. Als ich im Vorjahr an einem Scheideweg war, habe ich ihn angerufen und gesagt, ich bin nicht sicher, ob es sinnvoll ist, weiterzumachen, wie siehst du das? Offenbar hat er dir das Weitermachen nahegelegt. Natürlich – sonst wäre ich nicht hier. Ich habe ihn um Hilfe gebeten. Und die bekomme ich jetzt. Ist es dir eigentlich schwergefallen, um Hilfe zu bitten? Nein, der Werner kennt mich. Er hat mich aus der Ferne beobachtet. Er weiß, wie ich ticke. Er ist einer der komplettesten Trainer, die ich kenne. Wir haben dann begonnen, miteinander zu telefonieren und haben uns zu Aufarbeitungsgesprächen getroffen. Worüber redet man da? Die vergangenen Jahre? Die Beziehung? Über beides. Das Wichtigste ist, dass man ehrlich ist und alles offenlegt. Das ist für mich jetzt sehr erfüllend. Auch wenn ich nicht weiß, ob ich jemals wieder Weltcupsiege erringen werde.

Wirst du so lange springen wie der Japaner Noriaki Kasai (48, mit 569 Weltcup-Einzelspringen im GuinnessBuch der Rekorde, Anm.)? (Lacht.) Das glaube ich nicht. Aber mir geht es gut. Ich fühle mich jung, ich f­ühle mich konkurrenzfähig. Solange mich die Jungen nicht verdrängen … Vier, fünf Jahre kann ich mir durchaus noch vorstellen. Macht Skispringen süchtig, oder ist es das Gewinnen, das dich nicht aufhören lässt? Was sicher süchtig macht, ist das Gefühl eines perfekten Sprungs – da ist Adre­nalin, Genugtuung und Dankbarkeit. Und wenn man ganz oben auf dem Stockerl steht, dann kriegt auch das Ego ein Schulterklopfen. Trotzdem: Ent­scheidend ist immer nur der Weg – ­gewinnen ist nur die Folge. Du hast einmal gesagt, „Erfolg ist, wenn man sein Potenzial abrufen kann“. Genug Potenzial für einen Platz ganz oben? Mhm. Letzte Frage: Ich rätsle noch immer über einen deiner Instagram-Posts. Zum Bild eines regennassen Feldwegs schreibst du auf Englisch – ich übersetz das hier: „Glaube daran, dass du deinen Weg gehen kannst. Oder tu es nicht. In jedem Fall hast du recht.“ Was soll mir das sagen? Die Gedanken, die du hast, bestimmen dein Leben. Wenn du denkst, du schaffst es nicht, wirst du es auch nicht schaffen. Wenn du denkst, du schaffst es, dann kannst du es schaffen. Es ist wichtig, sich Ziele zu setzen – und sich auch große Ziele zu setzen. Und den Weg beinhart zu gehen. Ob man den Gipfel erreicht, ist dann gar nicht mehr so entscheidend.

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MARKUS BERGER/RED BULL CONTENT POOL

Du hältst immer noch mehrere ­Schanzenrekorde, du hast 53 Weltcupsiege gefeiert, bist Olympiasieger und Weltmeister. Ist diese goldene Zeit zu einem einzigen Triumph ­verschmolzen, oder gibt es auch ganz ­besondere Erinnerungen? Viele werden sagen: ein Luxusproblem. Sport ist Emotion. Und die emotionalen Spitzen bleiben am meisten hängen. Eingebrannt hat sich jedenfalls der Weltmeistertitel in Oslo, vor allem deshalb, weil ich nach einer Knieverletzung zurückgekommen bin.


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DIE WEITSPRINGER Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten überlebensgroßer Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 8: Wie Carl Lewis mit einer Niederlage zum Helden wurde.

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BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT MICHAEL KÖHLMEIER

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enig Spannenderes haben Leistungen von Jesse Owens stellten alle die Annalen des Sports zu anderen Siege in den Schatten. Er war nicht ­bieten als die Geschichte des nur der schnellste Mann der Welt, sondern modernen Weitsprungs. Be­ auch der erste, der über acht Meter sprang! ginnen wir – fast – von vorne: Und es war diesmal kein Ausreißer, kein Zu­ fall, er sprang immer über acht Meter! Den Am 5. August 1901 sprang der Ire Peter Weltrekord hatte er bereits ein Jahr zuvor O’Connor 7,61 Meter – das war Welt­ MICHAEL KÖHLMEIER aufgestellt: 8,13 Meter. Nun hieß es nicht rekord. Die Zeitungen kommentierten, Der Vorarlberger ist seit mehr, die Sprünge seien eine Ausnahme, dieser Sprung sei eine Ausnahme, ein Jahrzehnten ein Fixstern sondern: Der Mann ist eine Ausnahme. Ausreißer, eigentlich eine Unmöglichkeit, am österreichischen Zu Jesse Owens eine Anekdote: Er kein Mensch könne in Wahrheit so weit Literaturhimmel. schrieb seiner Mutter aus Nazideutschland springen, man solle sich darüber freuen, Gerühmt wird er einen Brief, einen begeisterten Brief. Sie aber ganz ernst nehmen dürfe man dieses vor allem für seine Erzählkunst. werde ihm nicht glauben, schrieb er, dieses Ereignis nicht. Tatsächlich hielt der Rekord Land sei ein wirklich freies Land, schwarze zwanzig Jahre. Man hatte sich schon damit und weiße Athleten seien in ein und demselben Hotel abgefunden, dass in der Disziplin Weitsprung durch untergebracht, in der Mensa säßen sie unterschieds­ einen Zufall nichts Interessantes mehr zu erwarten sei. los am selben Tisch. Im Amerika dieser Jahre war Erst 1921 überbot der amerikanische Athlet Edward das undenkbar. Auch die glorreichen Olympiasiege Gourdin diesen Sprung – um acht Zentimeter! Wieder verbesserten Owens’ gesellschaftlichen Status und wurde von einem singulären Ereignis gesprochen, nie seine beruflichen Chancen in den USA nicht. Um Geld mehr erreichte Gourdin auch nur annähernd diese zu verdienen, ließ er sich für eine Show anwerben. Marke. Abermals schrieben die Zeitungen, man dürfe Für wenige Dollars und unter höhnischem Gelächter diese Leistung nicht überbewerten. Auch wurden des Publikums lief er um die Wette gegen ein Pferd. Zweifel geäußert, ob beim Messen alles mit rechten Dingen zugegangen sei. er Weitsprungweltrekord von Jesse Owens hielt Die große Sensation geschah fünfzehn Jahre später fünfundzwanzig Jahre. Bei den Olympischen bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Für Nazi­ Spielen 1960 in Rom blieb der Amerikaner Ralph deutschland war diese Veranstaltung von enormer Boston noch einen Zentimeter darunter. Jesse Owens Wichtigkeit, in der freien Welt wurden die diktato­ rischen Maßnahmen des Staates scharf kritisiert, saß auf der Tribüne und applaudierte; für Flug, Ver­ pflegung und Eintrittskarte war in Amerika gesammelt Goebbels sah in den Spielen ein Instrument für seine worden, Ralph Boston hatte das Benefiz organisiert. Im Propaganda: Deutschland werde seine Kritiker Lügen selben Jahr aber setzte Boston mit 8,21 Metern einen strafen, zugleich aber sollte sich die arische Rasse neuen Rekord – acht Zentimeter weiter als Owens! auch im Sport als überlegen erweisen. Dass der Star Über viele Jahre beherrschte nun dieser Sportler der Spiele dann ein Amerikaner und obendrein ein die Disziplin, verbesserte seinen eigenen Weltrekord Schwarzer war – nämlich Jesse Owens –, das hat den von Meeting zu Meeting um Daumenbreite – 1961: Minister und seinen Herrn sehr geärgert. Angeblich hat 8,24 Meter; im selben Jahr: 8,28; 1962: 8,31; 1964: sich Hitler geweigert, dem Sieger in den Disziplinen 8,34. Zu den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko 100-Meter-Lauf, 200-Meter-Lauf, 4-mal-100-MeterCity reiste Ralph Boston selbstverständlich als der Staffel und Weitsprung die Hand zu geben. Die


Jesse Owens, Ralph Boston, Carl Lewis: drei Weltrekordler im Weitsprung. Der Herr ganz rechts hielt den Weltrekord allerdings nur fĂźnf Minuten. THE RED BULLETIN

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B OU L EVAR D DE R HE L D E N

Favorit. Sein Weltrekord stand auf 8,35 Metern. Nur die Optimisten hielten es für möglich, dass ein oder zwei, allerhöchstens drei Zentimeter draufgelegt ­werden könnten, und wenn, dann nur vom Rekord­ halter selbst.

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n Mexico City, so schrieb ein Reporter in der „New York Times“, wurde in der Geschichte dessen, was der menschliche Körper zu leisten imstande sei, ­eine neue Seite aufgeschlagen. Der Amerikaner Bob Beamon, ein zwei Meter großer Mann, landete in seinem zweiten Sprung bei 8,90 Metern. Das war um 55 Zentimeter weiter als der Weltrekord von Ralph Boston. 55 Zentimeter! Die gleichzeitig stattfinden­ den Bewerbe wurden unterbrochen, im Stadion war es still. Dutzende Schiedsrichter maßen und maßen nach, diskutierten, legten sich auf den Rasen, um zu sehen, ob sie eine Spur bemerkten, dass Beamon viel­ leicht übertreten hatte. Nein, er hatte nicht. Rücken­ wind an der Grenze zwar, aber im erlaubten Bereich. Alles stimmte. Der Applaus war anfänglich dennoch verhalten. Die Sache war den Menschen unheimlich. Dass einer von ihnen 8 Meter und 90 Zentimeter weit springen konnte! Wie weit das ist, gemessen von der Haustür bis hinüber zum Bäcker oder gemes­ sen an hintereinander parkenden Autos! Mancher Hobby­sportler würde diese Distanz nicht einmal im Dreisprung schaffen! Es war, als hätte sich ein Außer­ irdischer unter die Athleten geschlichen. Bob Beamon verzichtete auf den dritten Sprung. Ihm selbst, sagte er später, sei dieser Rekord unheim­ lich gewesen. Als über die Lautsprecher das Ergebnis bestätigt wurde, sank er auf die Knie und weinte. Er habe sich lange nicht darüber freuen können. Diese Leistung traute er sich selbst nicht zu. Er wurde in den folgenden Monaten und Jahren immer wieder in Talk­ shows eingeladen. Beim ersten Mal sprach er von sich in der dritten Person, der Reporter machte ihn darauf aufmerksam, Beamon korrigierte sich, wechselte aber bald wieder zum Er – als erzählte er von jemandem, den er nur flüchtig kannte. Bob Beamons Rekord bestand dreiundzwanzig Jahre. Aber anders als bei dem Iren Peter O’Connor mit seinen, von heute aus betrachtet, fast niedlichen 7,61 Metern hielten die Leichtathletikbegeisterten aus aller Welt diese Marke nun nicht mehr als für die Ewig­ keit gesetzt. Und das lag an einem Mann: Carl Lewis. Carl Lewis’ Vorbild war Jesse Owens. Auch Lewis trat in vier Disziplinen an, 100-Meter-Lauf, 200-MeterLauf, 4-mal-100-Meter-Staffel und Weitsprung. Und

Carl Lewis wurde als größter Athlet aller Zeiten gepriesen, sicher war er der eleganteste. 74

auch er errang olympische Titel und Weltmeistertitel. Er war der schnellste Mann der Welt, mehrfach hatte er Rekorde aufgestellt, aber der beste Weitspringer war er nicht – noch nicht. Während Bob Beamon nie wieder auch nur in die Nähe seines sagenhaften Rekords gekommen war, sprang Carl Lewis konstant um zehn bis zwanzig Zentimeter weiter als seine ­Konkurrenz – 1981: 8,62 Meter; 1982: 8,76 Meter; 1983: 8,79 Meter. Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles gewann er, was vor ihm nur Jesse Owens gelungen war: vier Goldmedaillen. Vier Jahre später in Seoul: zwei Goldmedaillen, 100-Meter-Lauf und Weitsprung. Die Zeitungen priesen Carl Lewis ein­hellig als den größten Leichtathleten aller Zeiten. Ganz bestimmt war er der eleganteste.

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nd dann: Leichtathletikweltmeisterschaft in Tokio. 30. August 1991, 17.30 Uhr japanischer Zeit. ­Finale im Weitsprung der Herren. Ich saß in der Nacht vor dem Fernseher. Neben mir das Telefon. Ich wusste, in Coburg im Norden von Bayern saß mein Onkel Hans ebenfalls vor dem Fernseher, ebenfalls neben dem Telefon. Er war schon ein alter Herr. Körperlich fit wie ein trainierter Vierzigjähriger. Sein Leben lang hatte er Sport betrieben. Verschiedene Disziplinen, hauptsächlich aber Leichtathletik. Zu Hause in unserem Flur hängt eine große gerahmte Fotografie: mein Onkel Hans im Rollsprung über der Querlatte. Als er nicht mehr aktiv mitmachen konnte, trainierte er junge Männer und Frauen im Sprint, Weit­ sprung, Hochsprung, Stabhochsprung, Kugelstoßen, Speerwerfen. Er hatte die Gabe der Begeisterung. Und seine Begeisterung war ansteckend. Mit vielen großen­Sportlern war er befreundet gewesen – mit den Leicht­athleten Armin Hary, Martin Lauer, Hermann Salomon, aber auch mit den Fußballern Fritz Walter, Uwe Seeler, Franz Beckenbauer, Gerd Müller und sehr eng mit dem Boxer Max Schmeling (siehe: Boulevard der Helden, Folge 3). Bei den Olympischen Spielen in München 1972 war er Schiedsrichter beim Hoch­ sprung der Frauen. Vor den Wettkämpfen in Tokio 1991 hatten wir mehrfach miteinander telefoniert. Onkel Hans erzählte­ mir – sicher bereits zum hundertsten Mal –, dass er 1936 beim Weitsprung der Männer in Berlin im Stadion gewesen sei und dass er Jesse Owens fast die Hand ­geschüttelt hätte – fast! Es herrschte nämlich so ein dichtes Gedränge, dass mein zarter Onkel mit den ­feinen Manieren nicht zum Druck gekommen war, ein rabiater Leipziger habe ihn beiseitegestoßen. „Dieser Lewis“, hatte er mir schon einige Jahre ­zuvor angekündigt, „dieser Lewis, der hat alles, um ein zweiter Jesse Owens zu werden.“ Carl Lewis war an diesem Tag in Hochform. Das schreibt sich so einfach. Richtig müsste es heißen: An diesem Tag war die Menschheit in Hochform. So jedenfalls hat es mein Onkel Hans ausgedrückt. Und ich habe ihm nicht widersprochen. Es war klar, worauf alle Sportbegeisterten der Welt warteten:

THE RED BULLETIN


Wird Carl Lewis den Weitsprungweltrekord von Bob Beamon – 8,90 Meter – brechen? Ja! Carl Lewis sprang 8,91 Meter! Das Telefon klingelte, und ich hörte meinen Onkel brüllen. Und weinen. Und wieder brüllen. „Lass uns später reden“, sagte ich. Er konnte gar nicht reden. Ich dachte: Carl Lewis macht wieder gut, dass ein brachialer Leipziger vor fünfundfünfzig Jahren meinen Onkel daran gehindert hatte, Jesse Owens die Hand zu schütteln.

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reiundzwanzig Jahre hatte Bob Beamons Rekord gehalten. Carl Lewis’ Rekord hielt fünf Minuten. Nach ihm sprang sein Teamkollege Mike Powell – und er sprang 8,95 Meter. Und wieder war es still im Stadion. Die Fernsehkameras waren aber nicht auf Mike Powell gerichtet, nein, sie waren auf Carl Lewis gerichtet. Der saß am Rasen, zog sich gerade seinen blauen Pullover über. Als die Lautsprecher die Sensation verkündet hatten, erhob er sich. Mühsam. Er richtete sich auf. Ja, immer wieder wurde gesagt, Carl Lewis sei der schönste ­Athlet seit der Antike. Er richtete sich auf und ging,

23 Jahre hat Bob Beamons Rekord gehalten. Carl Lewis’ Rekord hielt fünf Minuten. wie nur er gehen konnte, würdig und elegant, ging über den Rasen, ging auf Mike Powell zu. Und reichte ihm die Hand. Bitte, hört auf, mir einen Vortrag zu halten – über Sentimentalität und Sport und so weiter, und dass sich das für einen vernünftigen Menschen nicht gehöre! Da drücke ich mir die Ohren zu. Der antike Dichter Pindar hat Oden an Athleten geschrieben, da rümpft von euch auch keiner die Nase, weil sie zum Bildungskanon gehören. In diesem Handschlag, so dachte ich in jener Nacht und denke es immer noch, war Heldentum. Am nächsten Tag telefonierte ich mit meinem Onkel Hans. „Ja, du hast schon recht“, sagte er. „Trotzdem! Mir wäre lieber, Carl Lewis wäre kein Held und hätte dafür gewonnen.“

BEYOND THE ORDINARY Erhältlich am Kiosk, als E-Paper oder als Beilage zu ausgewählten österreichischen Tageszeitungen.

Mehr infos unter: theredbulletin.com LORENZ HOLDER/RED BULL CONTENT POOL


GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

HOL DIR DEIN EIS

RAMONA WALDNER

Mit Vittorio Messini unterwegs im größten künstlichen Eispark Österreichs bei Matrei in Osttirol

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GUIDE Reisen

„Ich checke die Farbe des Eises – je bläu­ licher sie ist, desto besser; je weißer, desto schlechter.“ Vittorio Messini, 32, Berg- und Skiführer aus Kals

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Mit Pickel und Steigeisen im künstlichen Eis – das Wasser dafür kommt aus dem Tauernbach.

die leicht zugänglich ist und der der Föhn nichts anhaben kann. Hinter der Wohlgemuthalm im hinte­ ren Tauerntal hat alles gepasst. Ich habe die Wände bei einer Skitour entdeckt. Da waren zwei, drei kleinere natürliche Linien. Und ich habe gedacht, wenn man die größer machte, könnte man hier ­richtig klettern. Zuerst mussten wir den Platz her­ richten: Bäume und Sträucher entfernen, die Rohre montieren. 450 Meter ­Leitungen haben wir verlegt. Sie sind ummantelt und werden mit einer Regenrinnen­ heizung vor dem Einfrieren bewahrt. Mitte November fangen wir an zu bewässern. Das Wasser kommt aus dem

Tauernbach. Es dauert rund vier Wochen, bis das Eis 20 bis 30 Zentimeter dick ist, Erst dann lässt sich der Eisfall klettern. Bevor ich einsteige, suche ich mir einen Standplatz in sicherer Entfernung vom Eisfall, wo ich mich umziehe. Die richtige Kleidung ist wichtig. Wenn du zu dick angezogen bist, schwitzt du während des Kletterns, und wenn du dich dann abseilst, wird dir kalt. Ich sag immer: maximal zwei Schichten, dazu eine Hardshell-Jacke, damit man nicht nass wird – und natürlich gute Handschuhe. Dann checke ich das Eis: Entscheidend ist die Farbe. Je bläulicher es ist, desto besser; je weißer, desto schlechter. Ich THE RED BULLETIN

RAMONA WALDNER

enn du im Eis kletterst, darfst du nicht vergessen, dass jeder Eisfall lebt. Er reagiert sensibel auf Temperatur­ schwankungen. Zieht sich zusammen, dehnt sich, streckt sich. Dabei entstehen enorme Spannungen. Je fragiler seine Struktur ist, desto vorsichtiger musst du sein. Stell dir vor, dass er in drei, vier Wochen gewachsen ist. Erst kleinere Zapfen, dann größere. Mit jedem Tag rücken sie näher zuein­ ander. Wird es wärmer, schmelzen sie. Die freien Räume zwischen den Zapfen füllen sich mit Wasser. Sinken die Tempe­ raturen, dehnt das Eis sich aus. Und wenn es dann auch noch knackt, solltest du am Boden bleiben. Eisklettern ist komplex: Das Wetter ist wichtig, der Wind, die Feuchtigkeit, die Sonne. Außerdem musst du beim Zustieg auf Lawinen achten. Dafür gibt dir das Eis markante Linien vor. Unübersehbare Linien. Den Eispark bei Matrei gibt es seit 2015. Die Idee hatten wir, also der Mat­ thias Wurzer und ich, als wir zum Eisklet­ tern in Kanada waren. Dort gibt es kleine Schluchten, die leicht zugänglich sind und ideale Bedingungen bieten. Bei uns gibt es das nicht. Deshalb ­haben wir an einen künstlichen Eisfall ge­ dacht. Wir haben eine Location gesucht, die hoch liegt, wo es viel Schatten gibt,


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Wien

Österreich

Anreise Von Wien oder München aus am Autobahnkreuz Pongau/ Bischofshofen Richtung ­Bischofshofen fahren. Danach über Pinzgauer und Brucker Bundesstraße auf die Salzachtal-Bundesstraße und Felbertauern Straße bis Tauer (eine Fraktion von Matrei). Von dort 1,6 Kilo­ meter zum Matreier Tauernhaus (wo man erfährt, ob

Tauer

der Eispark offen ist). Auto am Parkplatz abstellen. Über einen Forstweg geht es ca. 30 Minuten zu Fuß Richtung Wohlgemuthalm. Jetzt musst du nur noch eine Fußgängerbrücke überqueren – und du bist angekommen.

Zwei Teilnehmer des Eiskletter-Festivals beim Anlegen der Steigeisen.

EiskletterFestival

Traumhaft schön: der nächtlich beleuchtete Eispark THE RED BULLETIN

Coaching, Materialtests und Workshops gibt es beim sechsten Eis­ kletterfestival im Eispark Osttirol, der vom Verein „Freunde des Eispark Osttirol“ betrieben wird. Fest steht, dass alle bisherigen Indoor-Aktivitäten (wie die Workshops) ins Freie verlegt werden. Eine Anmeldung ist bereits möglich – es gibt eine „All In“- und eine „Short Cut“-Variante. Während des Festivals, übrigens das größte seiner Art in Europa, wird auch der „Osttiroler Eismaster“ gekürt. Termin: 15. bis 17. Jänner 2021. Infos: eispark-osttirol.at

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GUIDE Reisen

Auf dem Weg zum Eispark: Von der Hütte auf der Wohlgemuthalm sind es nur noch fünf Minuten.

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Mit besten Empfehlungen Von leicht bis herausfordernd: dreimal klettern rund um Matrei Schildalm Eisfall FÜR ANFÄNGER Ideal für Anfänger, liegt kurz vor dem Tauernhaus, gleich neben der Felbertauern Straße. Zustieg: von der Zufahrtsstraße zum Tauernhaus. Brühlfall FÜR KÖNNER Eines der besten Eisziele Osttirols mit einem bis zu 50 Meter breiten Eis­ panzer im unteren Teil. Zustieg: vom alten Zollhaus bei Seblas in Matrei.

„Bei uns im Eispark gibt es bis zu siebzig verschiedene Routen.“ Vittorio, Obmann der „Freunde des Eispark Osttirol“

Homozack FÜR PROFIS Eine steile Mixedline, hoch im Tauern­ tal – sie hat alles zu bieten, was das Klettererherz begehrt. Zustieg: von der Fraktion Raneburg bei Matrei. Mehr Tipps im „Eiskletterführer Ost­ tirol und Oberkärnten“, alpinverlag.at Eiskletterkurse gibt es bei den Osttiroler Iceguides, iceguides.at THE RED BULLETIN

RAMONA WALDNER

achte darauf, wie es über dem Eisfall aus­ sieht, ob es irgendwo gefährliche Zapfen gibt. Dann klettere ich los – mit Steig­ eisen und Pickel. Je nachdem wie ich mich fühle, setze ich alle zwei, drei Meter eine Eisschraube. Diese Schrauben sind 10 bis 22 Zenti­ meter lang. Sie werden mit einer Kurbel ins Eis gedreht. Daran befestigst du das Sicherungsseil. Bei uns im Eispark gibt es bis zu 70 ver­ schiedene Routen, die du klettern kannst. Sie sind zwischen 10 und 30 Meter lang. Die zugänglichste Linie befindet sich in der Mitte im ersten Sektor, eine mar­ kante Linie, die schon von weitem gut sichtbar ist. Links und rechts davon sind auch schöne Linien, die wachsen jedes Jahr annähernd gleich. Wenn du Erfahrung im Klettern hast, schaffst du nach zwei, drei Tagen auch steile Routen. Der große Unterschied zum Felsklettern ist nicht die Technik, sondern dass du clean kletterst, das heißt, du musst alle Sicherungen selbst legen. Das kostet Kraft. Und da spielt der Kopf eine große Rolle.


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ROBUSTES ARMBAND Aus schwarzem Funktionsstoff Ton in Ton mit Nähten, Dorn­ schließe aus Titan.

LIMITIERT AUF 999 EXEMPLARE WERTSTEIGERUNG DURCH BESCHRÄNKTE PRODUKTION Dieses Modell aus der MultifortKollektion von Mido ist auf 999 Stück limitiert, was die dreistellige Seriennummer auf dem Gehäuseboden dokumentiert. Auf dem Bild unten schön zu erkennen ist die Unruhspirale, das taktgebende Herzstück der Uhr – sie weist übrigens eine Gangreserve von 46 Stunden auf. Die Uhr ist wasserdicht bis zu einem Druck von 10 bar. Das beidseitig entspiegelte Saphirglas sorgt für optimale Ablesbarkeit.

AURELIEN BERGOT

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THE RED BULLETIN


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GUIDE Gaming

Konzentriert vor den Bildschirmen: Sercan Kara (links), Andrés Torres

PROFI-TEST

Wie gut ist „FIFA 21“?

Die eSport-Profis von FC Red Bull Salzburg haben die jüngste Version des beliebten Fußball-Games getestet. Ihr Urteil: Neue Features haben das Spiel spannender, schwieriger und besser gemacht. Auch die beiden „FIFA“-Profis und am­ tierenden eBundesliga-Meister Andrés ­Torres, 26, alias „AndresCYTorres7“, und Sercan Kara, 22, alias „SercanGold“, fiebern jedes Jahr dem Release des Spiels entgegen („FIFA 21“: 9. Oktober 2020) – wie zehn Millionen „FIFA“-Fans weltweit. Karas Fazit nach den ersten Wochen: „Es ist besser als die letztjährige Version. Mir gefällt, dass es realistischer geworden ist und dass fast immer der Bessere gewinnt. Das war bei ‚FIFA 20‘ noch ganz anders – da hat oft auch der schlechtere Spieler gewonnen. Wenn du jetzt besser als dein Gegner bist, gewinnst du auch.“ 84

Davon durfte sich The Red Bulletin beim Lokalaugenschein in der eSportsArea in der Red Bull Arena in Salzburg überzeugen: Zwei Bildschirmwände mit jeweils drei Monitoren – einem großen, zwei kleinen –, dazu vier Gamingstühle sorgen für professionelle Rahmenbedingungen. Für Kara ist diese Zone wie ein zweites Wohnzimmer. Und in seinem Wohnzimmer bestimmt er, wo es langgeht – auch im Duell mit dem Reporter. Wenn er den Controller in die Hand nimmt, wird er zur Maschine. Er macht kaum Fehler und bestraft die des anderen gnadenlos. Dass das ungleiche Match

letztlich „nur“ 6:1 ausgeht, ist wohl der Milde von Kara zu verdanken. Dabei hatte der 22-Jährige ganz am Anfang große Probleme, in das neue „FIFA“ hineinzufinden. „Ich habe mir sehr schwergetan und viele Partien verloren. Ich musste mich erst anpassen.“ Bei Kara dauert diese Phase üblicherweise zwei Wochen. Dann ist er wieder auf Profi-Niveau. „Davor kann mich wirklich jeder schlagen. Meine Freunde spielen immer in der Anfangswoche gegen mich, danach nicht mehr.“ Teamkollege Torres, der 2017 mit dem Engagement beim FC Red Bull Salzburg zum ersten „FIFA“-Profi Österreichs auf-

„‚FIFA 21‘ ist heuer definitiv ein Game Changer.“ Andrés Torres, 26, alias „AndresCYTorres7“ THE RED BULLETIN


GUIDE Gaming

Szene aus „FIFA 21“: Am Ball ist Real-Stürmer Rodrygo.

TOP-TIPPS

So wirst du ein besserer E-Kicker Die „FIFA“-Profis Andrés Torres und Sercan Kara verraten, wie du zum Schirm-Herrn wirst.

MICHAEL KRITZINGER

KURT VIERTHALER

stieg, hatte ähnliche Probleme wie Kara. „Vergangenes Jahr bin ich mit einer Bilanz von 100 Siegen und 6 Niederlagen gestartet. Heuer war es mit Sicherheit der schlechteste Start, den ich je hatte. Ich hatte bei 100 Siegen 40 Niederlagen – das ist richtig schlecht.“ Für Torres liegt das in erster Linie am stark veränderten Gameplay. „‚FIFA 21‘ ist definitiv ein Game Changer. Zum Beispiel kann man wieder Kopfballtore er­zielen – das war in ‚FIFA 20‘ kaum möglich. Außer­ dem ist die vom Computer gesteuerte Verteidigung extrem stark. Wenn man in der Nähe eines gegnerischen Verteidigers schießt, dann blockt er den Schuss in 90 Prozent der Fälle ab. Egal wie hart

Jubel! Sercan Kara in Siegerpose

THE RED BULLETIN

„Mir gefällt, dass fast immer der Bessere gewinnt.“ Sercan Kara, 22, alias „SercanGold“ der Schuss auch ist. Da erwarte ich mir definitiv noch ein Update.“ Weiters hat der Hersteller EA drei neue Features eingeführt, die das Game­ play stark verändern: Das agile Dribbling­ system ermöglicht sehr enge Dribblings – einfach R1 gedrückt halten und die ge­ wünschte Richtung ansteuern. Dadurch kann man dem ballführenden Spieler den Ball schwer abluchsen. Mit der „Positioning Personality“ kön­ nen sich Weltklassespieler noch präziser positionieren. Soll heißen: Die besten Stürmer erkennen beispielsweise Abseits­ fallen besser, Topverteidiger können Passwege genauer zustellen. „Kreative Läufe“: Dieses neue Feature hat gewaltiges Potenzial und kann das eigene Spiel total verändern – sofern man es beherrscht. Denn in „FIFA 21“ kann man erstmals auch Spieler steuern, die nicht am Ball sind, und den Gegner mit ungewöhnlichen Laufwegen überraschen. „FIFA 21“ gibt es für PS4, XBox One, PC, Nintendo Switch und Steam.

BEWEISE GEDULD IN DER DEFENSIVE „Der häufigste Fehler von Ama­ teuren ist, dass sie mit den Innen­ verteidigern rauslaufen und attackieren. Besser ist, mit defensiven Mittelfeldspielern zu verteidigen“, erklärt Kara. „Vor allem weil die computer­gesteuerten Verteidiger sehr gut sind“, fügt Teamkollege Torres hinzu. Seine Devise: „Geduldig bleiben und die CPU-Verteidigung einfach machen lassen.“ ALS FLANKENGOTT ZUM TORERFOLG Über Weitschüsse zu einem Tor zu kommen wurde in „FIFA 21“ noch einmal erschwert. „Kann man ­dieses Jahr praktisch vergessen, weil die CPU-Verteidigung alles wegblockt“, verrät Torres. Daher rät der „FIFA“-Profi zur guten alten Flanke – wenn auch etwas modi­ fiziert. „Ich verwende die L1-Flanke sehr häufig, wenn ich schon im Strafraum bin. Dann tippe ich die Flanke kurz an und bringe sie gefährlich in die Mitte.“

BESCHÄFTIGE DICH INTENSIV MIT DER TAKTIK „FIFA“-Profis erkennt man auch dar­an, dass sie vor dem Match fast genauso lange an Formation und Taktik feilen, wie letztlich das Spiel dauert. „Man kann j­ edem Spieler eigene Anweisungen geben – das tun Amateure ­sicher zu wenig“, so Kara. „Ist beispielsweise mein Außenverteidiger sehr offensiv, kann ich ihm die Anweisung geben, dass er bei Ballverlust wieder zurück­laufen soll“, erklärt Torres.

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ACTION & ADRENALIN

Thriller-Instinkt Niemand schreibt so sauspannende Wissenschaftsthriller wie der US-Autor James Rollins. Kein Wunder: Der Mann ist schließlich Tierarzt. Text JAKOB HÜBNER

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in kleiner Warnhinweis an alle, die sich ein Buch von James Rollins zur Brust nehmen wollen: Wer große Helden will, sollte nicht kleinlich sein. Kein Mensch, dessen Synapsen halbwegs synchron laufen, glaubt zum Beispiel tatsäch­ lich, dass James Bond die Schaltpläne sämtlicher Atom­ sprengköpfe im Kopf hat. Oder jedes streng geheime Waffensystem bedienen kann wie eine handelsübliche Wasch­maschine. Leise Zweifel sind auch angebracht, wenn

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Indiana Jones bei Bedarf ­locker in den Dialekt irgend­ eines südchinesischen Archi­ pels wechselt oder Ethan Hunt sich nach 100 Metern im freien Fall mit den Finger­ spitzen einer Hand an einer Fensterfuge abfängt. Wie viel intellektuellen Spielraum wir der Vernunft für derlei fantastische Eskapaden gönnen, hängt gemeinhin ­davon ab, was wir im Gegen­ zug geboten bekommen – im Fall von James Rollins ist das ­Action satt und Adrenalin pur. Das ist der Deal.

Schon seine ersten Roman­ erfolge („Sub Terra“, „Das Blut des Teufels“, „Operation Amazonas“) ließen erkennen, dass Rollins es meisterhaft versteht, fundierte wissen­ schaftliche Fakten und bemer­ kenswerte Technologiekennt­ nisse mit hemmungs­losem Suspense zu kreuzen. So rich­ tig auf Betriebstemperatur kam der 1961 als James Paul Czajkowski in Chicago gebo­ rene Autor aber im Jahr 2004, als er erstmals seine „Sigma Force“ zum Einsatz brachte („Sandsturm“). Dabei handelt es sich um eine geheime ­Spezialeinheit, die sich aus ehemaligen Elitesoldaten und nobelpreisverdächtigen Wis­ senschaftlern zusammen­ setzt – vorzugsweise in Perso­ nalunion. Seit damals rückt diese verwegene Truppe rund THE RED BULLETIN

VINZ SCHWARZBAUER

GUIDE Lesestoff


GUIDE Lesestoff

Vorbemerkung zum wissenschaftlichen Hintergrund von „Der Flammenwall“ Lassen Sie uns über das Ende der Menschheit sprechen – zumal wir schon bald in dieser Angelegenheit vielleicht nicht mehr viel mitzureden haben werden. Am Horizont lauert eine große Gefahr, die vermutlich noch zu unseren Lebzeiten virulent wird. Der weltbekannte Physiker Stephen Hawking beschrieb die bevorstehende Krise als das „schlimmste Ereignis in der Geschichte der Zivilisation“. Tausendsassa Elon Musk (Tesla, X-Space) glaubt, dass es zum Dritten Weltkrieg führen wird. Und der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, wer die Kontrolle darüber habe, werde die Welt beherrschen. Mit dem „Ereignis“ ist die erste wahrhaftig menschen­ ähnliche künstliche Intelligenz (KI) gemeint.

um die Protagonisten Painter Crowe und Grayson Pierce verlässlich einmal pro Jahr aus, um die Welt vor dunklen Mächten zu retten, gegen die jeder Bond-Bösewicht wie ein harmloser Kleinkrimineller wirkt. Der Mix aus Realität und Fiktion, mit dem Rollins seine Plots aufzieht, ist absolut ­einzigartig – und auf den ersten Blick völlig inkompatibel. Vermutlich spiegeln sich darin die beiden Seelen wider, die in seiner Brust wohnen. Auf der einen Seite der Wissenschaftler und Forscher Dr. Czajkowski (der nebenbei diplomierter Evolutions­ biologe ist), auf der anderen Seite der Technikfreak und Adrenalin­junkie Mr. Rollins (der nebenbei eine Leidenschaft fürs Höhlentauchen pflegt). Das Ganze hat was von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Formal vertraut Rollins in all seinen Sigma-Force-Thrillern – mittlerweile 14 Stück plus zwei Spin-offs („Tucker Wayne“) – einem bewährten Erfolgsrezept. In einer Art ­Ouvertüre tunkt er den Leser zunächst in akribisch recherchierte historische Begebenheiten, die er gekonnt mit ­mythologischen Themen und allerlei Verschwörungstheorien nachwürzt. Sie bilden quasi den Sud, den er dann nach allen Regeln der Spannungskunst zum Kochen bringt. Hochspekulativ und THE RED BULLETIN

hochspektakulär. Neben den starken Figuren, den exotischen Schauplätzen, den Hightech-Gadgets und martialisch choreografierten Kampfszenen setzt Rollins, der jahrelang als Tierarzt praktizierte, auch immer wieder auf sein profundes Wissen aus der Tier- und Pflanzenwelt – genmanipulierte Monsterwildschweine oder prähistorische Killerwespen inklusive. Und all das in einem Affentempo, dass es einem die ­Ohren anlegt. Fazit: Wem es Genugtuung verschafft, mit erhobenem Zeigefinger in jedem Logikloch herumzupopeln, sollte besser einen großen Bogen um James Rollins machen. Wer hingegen Spaß daran hat, die Zügel auch mal ordentlich schnalzen zu lassen, ist bei James Rollins genau in der richtigen Gasse. Wenn es um Action und Spannung zwischen zwei Buchdeckeln geht, ist der Mann eine Bank.

JAMES ROLLINS „DER FLAMMENWALL“ Deutsch von Norbert Stöbe Blanvalet (gebundene Ausgabe), Sigma Force 14 (Taschenbuch)

LESETIPPS

So spannend ist Wissenschaft Vier Science-Thriller, die der Realität nur einen kleinen Schritt voraus sind

MARC ELSBERG Was passiert, wenn jemand den Stecker im ganz großen Stil zieht? Der Sensations­ erfolg des 1967 in Wien ­ge­borenen Autors sorgte mit über einer Millionen verkauften Exemplaren für einen ­regelrechten Genre-Boom. Zu Recht: Elsbergs extrem ­realistische Story eines ­totalen Blackout entwickelt eine derart zwingende Eigendynamik, dass man sich glatt wundert, warum die Lese­lampe noch leuchtet. „Blackout. Morgen ist es zu spät“ (Blanvalet)

DANIEL SUAREZ Die internationalen Best­ seller „Daemon“ und „Darknet“ brachten ihm den Ruf eines „Jules Verne des digitalen Zeitalters“ (© Frank Schirrmacher). In diesem 2013 erschienen Buch setzt Daniel Suarez autonome Drohnen mit der Schwarmintelligenz einer extrem aggressiven afrikanischen Ameisenspezies frei. Beängstigend: ein rasanter Techno-Thriller, der sich liest wie ein Horrorroman. „Kill Decision“ (rororo)

KAZUAKI TAKANO „Extinction (engl. Aus­ löschung): das Aussterben von Arten und Gattungen. Bezeichnet das Ende evolutionärer Stammlinien durch den Tod aller Nachkommen. Eines der wenigen definitiv nicht umkehrbaren Ereignisse in der Natur.“ Wissenschaftlich sauber unterlegt, inszeniert Takano diesen mehrfach preisgekrönten Evo­ lutionsthriller als globalen Wettlauf gegen die Zeit. Großes Kino aus Japan. „Extinction“ (Penguin)

BLAKE CROUCH Für den wissenschaftlichen Laien bietet die Theoretische Quantenphysik ein probates Mittel, um sich nachhaltig das Gehirn zu verrenken. Umso erstaun­ licher, dass es US-Autor Blake Crouch gelungen ist, auf deren Grundlagen einen atemberaubenden Thriller aufzubauen, der den Leser durch ein Labyrinth aus mehreren Parallelwelten jagt. Ein Wahnsinnsbuch, im wahrsten Sinne der Wortes. „Dark Matter. Der Zeitenläufer“ (Goldmann)

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GUIDE Kalender

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Der 53-jährige Kanadier Will Gadd ist einer der berühmtesten Eiskletterer der Welt. Vor Jahren hat er mehrere Erstbesteigungen auf den eisigen Spitzen des Kilimanjaro im afrikanischen Tansania geschafft. In der Doku „The Last Ascent“ macht er sich auf, den Gipfel des ikonischen Berges zu bezwingen. Vielleicht zum letzten Mal, denn der Klimawandel lässt dessen Eis rapide schmelzen. redbull.com

Skisprung-Legende Andi Goldberger sucht die ­Superadler von morgen – bei insgesamt fünf Stopps des „Goldi Talente Cup 2021“ haben Buben und Mädchen der Jahrgänge 2010 bis 2015 ­Gelegenheit, ihr Können zu beweisen. Gestartet wird in der Alpen Arena, Villach. Weitere Chancen zur Talenteprobe gibt es in Murau (17. 1.), Höhnhart (23. 1.), Tschagguns (24. 1.) und Bischofshofen (31. 1.). goldi-cup.at

19 bis 24. Jänner JUBELN IN KITZBÜHEL Matthias Mayer (Bild) reißt die Arme hoch. Mit 142 km/h am Zielhang ist der heute 30-jährige Kärntner im Jänner 2020 zum Sieg auf der Streif gerast. Jetzt freuen wir uns auf die 81. Hahnenkamm-Rennen. Am 19. Jänner 2021 startet die Rennwoche. Am Freitag, dem 22. Jänner, steigt der Super-G, am Samstag die Abfahrt auf der Streif, am Sonntag der abschließende Slalom am Ganslernhang. hahnenkamm.com

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Er gilt als absoluter Star in der Big-Wave-Szene. Doch im Februar 2017 dachte der heute 37-jährige Mark Mathews an Rücktritt. Eine Welle ­hatte ihn zuvor gegen ein Riff geschleudert, er erlitt schwere Verletzungen. Die 58-minütige Doku „The Other Side of Fear“ zeigt, wie er sich entschlossen zurückkämpfte. redbull.com

„Das wird mein bisher ambitioniertester Auftritt“, sagt Teyana Taylor (Bild) zu Beginn dieser Red Bull-Doku. Mit ­„Behind the Scenes of ‚House of Petunia‘“ blicken wir hinter die ­Kulissen der grandiosen Show der vielseitig ­talentierten Teyana im New Yorker Manhattan Center. redbull.com

Dezember KEINE ANGST

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Dezember TEYANAS SUPERSHOW

bis 31. Jänner GOLDI SUCHT SUPERADLER

15 Jänner WILLKOMMEN IN DER ATTACK ARENA Die 23. Ausgabe der Moutain Attack in Saalbach wartet mit einer wichtigen Neuerung auf: Das Areal um die Talstation des Schattberg X-press wird erstmals zum Ziel des spekta­ kulären Tourenlaufs – zur Attack Arena. Neu ist auch der „Junior Sprint“. Die bereits bewährten Strecken „Marathon“, „Tour“ und „Schattberg Race“ werden wie in den vergangenen Jahren geführt. mountain-attack.at THE RED BULLETIN

SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL, ANDREW CHISHOLM/RED BULL CONTENT POOL, BRIAN HALL/RED BULL CONTENT POOL, NMC/WILD & TEAM

Dezember ABSCHIED VOM KILIMANJARO


MEHR GELD

FÜR MEHR IDEEN! Ab 5. Jänner, Dienstag 20:15 2 Minuten 2 Millionen


GUIDE Winterfit

Der Berg ruft Glücklich wie die Schneekönige: was uns diesen Winter auf der Piste beflügelt (und natürlich haben wir auch an eine Maske gedacht). Text WOLFGANG WIESER

E-MOBILITÄT AUF DER PISTE Aksel Lund Svindal hat an der Entwicklung dieses Skis mitgearbeitet.

PREMIERE

Ruhiger Rebell Head World Cup Rebels e-Speed Die E-Mobilität hält Einkehrschwung auf der Piste – auf ganz besondere Art: „Wir haben einen Ski mit enormem Halt entwickelt“, sagt der zweifache Weltcup-Gesamtsieger Aksel Lund Svindal. Das „e“ in e-Speed heißt, dass Piezoplatten im Ski die Bewegungsenergie in elektrische Energie umwandeln, die in der Folge verwendet wird, um negative Vibrationen zu schlucken. Das Ergebnis: ein extrem laufruhiger, stabiler Ski. Preis: 950 Euro (mit Bindung); head.com


GUIDE Winterfit

FÜR DURCHBLICKER Leicht, stabil und so gestaltet, dass auch Brillenträger klare Sicht bewahren.

DOPPELNUTZEN

Für Kopf und Klima

WÄRME VON INNEN COLMAR SKIJACKE „MALOJA“

POC Fornix Spin Jeremy Jones Edition Dieser Helm von POC ist ein Sondermodell: Er schützt nicht nur den Kopf, sondern auch das Klima. Wie denn das? Zehn Prozent der Einnahmen gehen an die Klimaschutz-Organisation des Profi-Snowboarders Jeremy Jones („Protect Our Winters“). Preis: 180 Euro; pocsports.com

Elegantes Grau trifft strahlendes Gelb – ergibt insgesamt einen feinen Auftritt. Was diese Herrenskijacke so besonders macht, ist die komplette Wattierung mit Naturfedern und die Ausstattung mit e­ inem speziellen Innenfutter, das die K ­ örperwärme gleichmäßig verteilt – das heißt, du heizt dich selbst auf. 605 Euro; colmar.it

FLATTERFREI Die Kapuze kann mittels Magneten am Rücken fixiert werden.

DURCHDACHT

Starke Details Goldwin Arris Jacket Minimalistischer Look trifft auf smarte Details: Wasserdicht, langlebig und atmungsaktiv trotzt die Jacke mit Gore-Tex jedem Wetter. Eine spezielle Vorrichtung in der Brusttasche schützt elek­ tronische Geräte vor Stößen und Kälte. Und ein einfaches Kordelsystem ermöglicht ein individuelles Einstellen der Passform. Preis: 699 Euro; goldwin.co.jp THE RED BULLETIN

EIN QUANTUM SCHUH DALBELLO QUANTUM ASOLO FACTORY Weit mehr als ein Trost für Tourengeher: Mit 950 Gramm ist dieser Schuh ein ­absolutes Leichtgewicht – weil für die Schale Carbonfasern zum Einsatz ­kommen. Außerdem erhöht ein neues Her­stellungsverfahren Tragekomfort und Sitz. Unterm Strich: ein idealer Schuh für ein bewegtes Auf und Ab. 700 Euro; dalbello.it

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GUIDE Winterfit

COOLE WÄRME EISBÄR NOXINO Kuschelige Kopfbedeckung mit dezentem Retrocharme inklusive unverkennbar heimischer Farbgebung. Der Materialmix aus Merinowolle und Fleecefutter verhindert ärgerliches Schweißtreiben. 39,99 Euro; myeisbaer.com SCHEIBENWECHSEL Ein integrierter Verschluss­mecha­nis­ mus erlaubt flotten Gläsertausch.

NEUENTWICKLUNG

Mehr Aussicht Smith Goggle 4D MAG

Die Neuentwicklung aus dem Hause Smith heißt „Birds Eye Vision“. Das bedeutet nicht, dass man damit fliegen kann – aber die Brille erweitert das Sichtfeld deutlich: nämlich um 25 Prozent gegenüber herkömmlichen Modellen. Eine erfreuliche Aussicht. 280 Euro; smithoptics.eu

PERFEKTES PAAR KAPUZE ZUM EINSTELLEN Einfach anzupassen, auch ein Helm hat drunter Platz.

BUFF NORVAL & ERVIN Zwei, die zusammengehören wie Pech und Schwefel: Schal Norval und Haube Ervin. Gemeinsam bilden sie ein Team, das dank 100 Prozent Merinowolle eisigen Temperaturen wohlige Wärme entgegensetzt. Je 44,95 Euro; buff.com

WINTERFEST

Danke, Felix! Jack Wolfskin Snow Summit Diese Skijacke ist wasserdicht, atmungsaktiv und so elastisch, dass sie jede Bewegung mitmacht. An der Entwicklung hat der frühere Skirennläufer Felix Neureuther mitgearbeitet – ein Glück, wie das Ergebnis be­weist. Schönes Detail: Die Jacke ist sehr abriebfest. Gut für alle, die oft mit Rucksack unterwegs sind. Preis: 399,95 Euro; jack-wolfskin.at 92

SPORTLICH MASKIERT UYN WINTER COMMUNITY MASK Leben ohne Maske – heuer undenkbar. Der italienische Hersteller UYN (steht für Unleash Your Nature) hat jetzt eine Maske vorgestellt, die auch als Nackenwärmer funktioniert – und vor Ansteckung schützt, wie Tests ergeben haben. 14,95 Euro; uynsports.com THE RED BULLETIN


Mut. . g n u Halt . t i e k g i g n ä h b a Un Die Kronen Zeitung und ihre Leser wünschen den Skisprung-Stars des Austria Ski Teams viel Erfolg für die heurige Saison! Stefan Kraft, Eva Pinkelnig, Philipp Aschenwald, Chiara Hölzl


N E T S E B E DI ! N E T S E IM W

Der Gastro- und Entertainment-Hotspot und die besten Modemarken im Westen von Wien Die Gastro & Fun Area mit Cineplexx, L‘Osteria, LeBurger und vielem mehr. Und die neuesten Fashion-Trends bei Kleiderbauer, TK Maxx, Zara, H&M und vielen weiteren Topmarken.

Fashion

Vor Kurzem hat nach seinem Umbau der modernste H&MShop und nach seiner Übersiedlung Österreichs neuester HUMANIC eröffnet.

Und auch bei zahlreichen weiteren Topmarken findet man stets die neuesten Kollektionen: bei Kleiderbauer, TK Maxx, Zara, Hämmerle, Guess, New Yorker, C&A, Only, Falcon, dem Spezialisten für Top-Markenmode, und bei vielen mehr. Vor Kurzem hat neben Guess der neueste Gerry Weber Europas eröffnet. Im neuen Shop „lalekula“ bekommt man Kindermode in Bio-Qualität bis Größe 128 sowie Kinderwägen, Autositze, Babybetten, Spielzeug und vieles mehr.


Lifestyle, Kulinarik & Entertainment

Jetzt begeistert die Gastro & Fun Area im 2. Obergeschoss des Auhof Centers mit einem noch besseren Angebot für Freizeit und Gastronomie – und das auch an Sonn- und Feiertagen bis 23 Uhr. Zusätzlich zu den beliebten Lokalen L’Osteria, Matuya und Subway gibt es seit Kurzem das größte LeBurger-Restaurant Wiens, welches mit Top-Lifestyle, einem gemütlichen Wintergarten plus Terrasse – und natürlich frisch zubereiteten Burgern aus hochwertigen Zutaten punktet. Ebenfalls neu: Bei dem neuen Lifestyle- Konzept „happy henrietta“ können sich hungrige Auhof-Center-Besucherinnen und -Besucher ein perfektes Landhendl vom Grill und jede Menge Feel Good Food holen. Eine weitere neue Gastro-Sensation: Die hola! Tapas Bar – eine europaweit einzigartige Kombination aus Tapas Bar und Auto-Showroom, die durch eine Kooperation zwischen Porsche Wien Hietzing mit den Automarken Seat/Cupra

und Österreichs einzigem 3-Sterne-Koch Juan Amador ins Leben gerufen wurde. Jetzt von Montag bis Samstag bis 22 Uhr geöffnet. Weitere Gastro-Highlights: McDonald’s, Radatz, Fisch & Pasta, die asiatischen Top-Lokale Matuya, Yu’s Wok und Royal Teppanyaki sowie viele weitere. Im Auhof Center gibt es jetzt wieder Bowling, Billiard & Entertainment! Das aus dem Wiener Prater bekannte Erfolgskonzept KUGELTANZ wurde ins Auhof Center gebracht und bietet ab jetzt ein verbessertes und erweitertes Freizeitangebot. Die nächste sensationelle Neueröffnung ist der dänische Designshop Flying Tiger. In der Tiger’s World, dem modernsten Indoor-Action-Park Österreichs, können sich Kinder und Jugendliche nach Herzenslust bei der Trampolinzone, dem Ninja-Parcours, der digitalen Boulderwand oder der umfangreichen Kletterschlucht austoben.


IMPRESSUM

THE RED BULLETIN WELTWEIT

Aktuell ­erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Auf dem Cover unserer britischen Ausgabe dieses Mal: Snowboard-Profi Katie Ormerod, 23, beim Trockentraining. Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: ­redbulletin.com

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Gesamtleitung Alexander Müller-Macheck, Sara Varming (Stv.) Chefredaktion Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.) Creative Direction Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.) Art Direction Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson Grafik Martina de ­Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Elena Rodriguez Angelina, Benjamin Sullivan Special Projects Florian Obkircher, Arkadiusz Piatek Managing Editors Ulrich Corazza, Marion Lukas-Wildmann Publishing Management Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger Projektmanagement Co-Publishing, B2B-Marketing & Communication Katrin Sigl (Ltg.), Mathias Blaha, Katrin Dollenz, Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B), Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner (Communication) Creative Services Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Management Co-Publishing Alexandra Ita Editorial Co-Publishing Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann, Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser Executive Creative Director Markus Kietreiber Projekt Management Elisabeth Kopanz Art Direction Co-Publishing Dominik Uhl (Ltg.), Stefanie Werth, Andreea Parvu Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Simone Fischer, Martina Maier, Alexandra Schendl, Julia Schinzel, Florian Solly, Stephan Zenz Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Nicole Glaser (Vertrieb), Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar (Abo) Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung & Produktion Veronika Felder(Ltg.), Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher Finanzen Klaus Pleninger, Mariia Gerutska MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler Operations Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Yvonne Tremmel Projekt Management Gabriela-Teresa Humer Assistant to General Management Patricia Höreth Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber

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NICOLAS MAHLER

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Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 12. Jänner 2021.

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Symbolfoto. Stand 09.11.2020.

Stromverbrauch: 15,7–18,0 kWh/100 km. CO2-Emissionen: 0 g/km. skoda.at

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