INNOVATOR BY THE RED BULLETIN 01/2020
Daheim um die Welt: Unser Autor testet, ob Reisen per VR-Brille den Urlaub ersetzen können
Wie du wirklich jeden überzeugst: 18 überraschende Tipps von Rhetorik-Experte Matthias Pöhm
Hier spielt die Zukunft: Zu Gast in Europas modernster Akademie für Nachwuchsfußballer
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> Forscher Richard Socher erklärt, warum künstliche Intelligenz viele Jobs über nehmen wird – und wieso das eine gute Nachricht ist
DER
AUSGABE DEUTSCHLAND EURO 2,50
FLÜSTERER
MASCHINEN JETZT AUCH MIT
IDEAS FOR A BETTER FUTURE
PODCAST
> Ein Dresdner im Silicon Valley: Richard Socher arbeitet als Chef wissenschaftler für das Unternehmen Salesforce.
BETTER FUTURE EDITION
EDITORIAL CONTRIBUTORS
Jürgen Schmieder Der Reporter berichtet aus Los Angeles über die USA (u. a. für die „SZ“). Nachdem er Forscher Richard Socher über künstliche Intelligenz und die Arbeitswelt befragt hatte, war er beruhigt: Kreativ schreiben kann KI noch lange nicht. AB SEITE 70
I N N O V AT O R
Hallo, Maschinen! Erkrankungen auf Röntgenbildern finden, juristische Recherchen durchführen, Lastwagen fahren: Künstliche Intelligenz erobert Schritt für Schritt die Arbeitswelt. Sollen wir das nun als Bedrohung empfinden? Oder ist es eher eine Bereicherung für unser Leben? Davon handeln zwölf Seiten in dieser Ausgabe. In der Cover story erklärt Forscher Richard Socher, warum menschliche Stärken immer wichtiger werden: „Keine Angst vor KI“ ab Seite 70. Lern-Expertin Mohanna Azarmandi erläutert, wie du mit dem digitalen Wandel Schritt halten kannst. Dazu stellen wir unser eigenes Lern-Tool vor, den neuen Podcast „innovator Sessions“.
Tobias Moorstedt
Um innovatives Lernen geht’s auch in unserem Feature über die Red Bull Akademie, eines der weltweit modernsten Nachwuchszentren für Fußballtalente. „Hier spielt die Zukunft“, Seite 54. Außerdem begleiten wir ein Forscherpaar, das in einer Unterwasserkapsel den Meeresgrund erforscht. „Mission für die Meere“, Seite 26. Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion
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INNOVATOR
JEREMY JACKSON (COVER)
Dunkle Tage, Regenwetter: Urlaub konnte der Hamburger Autor (u. a. „GQ“, „Wired“) gut gebrauchen, als wir ihn anfragten. Zehn Tage lang testete er für uns Reise-Apps für die VR-Brille. Eine der Erkenntnisse: Nach Ostrumänien möchte er jetzt auch in echt. AB SEITE 6 4
„Wir haben mit einer Idee unser Start-up sauber ins Rollen gebracht.“ Fördern, was NRW bewegt. Tanja Nickel und Katharina Obladen, Gründerinnen von UVIS, desinfizieren Handläufe von Rolltreppen mit UVC-Licht. Die erste Finanzierungsrunde des Start-ups sicherte die NRW.BANK mit einer Unternehmensbeteiligung im Rahmen des Förderprogramms NRW.SeedCap Digitale Wirtschaft. Die ganze Geschichte unter: nrwbank.de/uvis
INHALT
BULLEVARD 18 10 20 12 14 22 16 24 Power-Flitzer
Camping-Update
Dieses E-Auto schafft 1000 Meilen mit nur einem Ladestopp.
Hymer und BASF haben ein Campingmobil für das Jahr 2025 gebaut.
Ade, PVC!
Winzige Heiler
Über diese Yogamatte freuen sich dein Karma und die Umwelt.
Chemiker ziehen mit Nanopartikeln in den Kampf gegen Brustkrebs.
Kristallkugel 4.0
Ein kanadisches Unternehmen will Kohlendioxid aus der Luft filtern.
Inventur im Flug
Wach-Macher
Eine Drohne erfasst Lagerbestände binnen Minuten und entlastet so menschliche Fachkräfte.
Ein Hamburger Start-up verspricht, Jetlag zu reduzieren: mit einem speziellen Lichtsystem.
GUIDE
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Die CO²-Fänger
Eine künstliche Intelligenz namens Pythia weiß, was du morgen kaufen willst.
SAVE THE DATE
Events, die dich inspirieren Auf diesen Festivals treffen einander Gründer, Forscher und Kreative. RED BU LL FUTU R /IO
Video-Visionäre Energie durch Emotionen und mehr: So könnte unsere Welt 2030 aussehen.
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KOLU MNE
So gehen gute Geschäfte Experte Leonhard Nima erklärt, wie Social Entrepreneurship funktioniert. TECH - HIGHLIGHT
Vorhut zum Mars Dieser humanoide Roboter soll den Roten Planeten auskundschaften.
26 FE ATURE
Leben wie die Fische Wir wissen mehr über die Oberfläche des Mars als über den Grund des Meeres. Zwei Forscher wollen das ändern.
INNOVATOR
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FEATURES
FRANCK GAZZOLA/UTP/ZEPPELIN
38 40 46 54 64 70 82 INNOVATOR
ERFOLGSSTORY
Der Fitness-Revoluzzer Wie eGym-Gründer Philipp Roesch-Schlanderer Kraftstudios ins digitale Zeitalter führte. START- UPS
Ideen, die uns schmecken Wie fünf deutsche Firmen unsere Ernährung neu erfinden wollen. GADGE T GUIDE
Technik für Abenteuer Diese Geräte heben jeden Outdoor-Trip aufs nächste Level. FUSSBALL
Hier spielt die Zukunft Zu Besuch in der Red Bull Akademie in Salzburg, einem der innovativsten Nachwuchszentren der Welt. VIRTUAL RE ALIT Y
Weltreise auf dem Sofa Können Travel-Apps für VR-Brillen wirklich schon einen Urlaub ersetzen? Unser Autor hat es ausprobiert. COVERSTORY
Bereit für KI Forscher Richard Socher erklärt, wie KI die Welt verbessert. Dazu: So bleibst du morgen konkurrenzfähig. HOW TO CONVINCE
Die Kraft der Überzeugung Rhetorik-Experte Matthias Pöhm erklärt, wie du mit Worten und Körpersprache stets recht behältst.
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Photo: R. Schedl
#GETDUKED BEAST-MODUS AKTIVIERT 2020 KTM 1290 SUPER DUKE R Das NAKED-Regelwerk wurde neu geschrieben. Die neue KTM 1290 SUPER DUKE R ist jetzt schlanker, brutaler und furchteinflößender als jemals zuvor. Mit einem brandneuen Fahrwerk in Verbindung mit perfektioniertem Federungssetup, dem führenden 1301cm3 LC8 V-Twin mit brutalem Vorwärtsschub, hemmungsloser Beschleunigung und einem fortschrittlichen Elektronikpaket ist das neue BEAST bereit es mit der Welt aufzunehmen.
Please make no attempt to imitate the illustrated riding scenes, always wear protective clothing and observe the applicable provisions of the road traffic regulations! The illustrated vehicles may vary in selected details from the production models and some illustrations feature optional equipment available at additional cost.
BULLEVARD
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JOHANNES LANG
IDEEN FÜR EINE BESSERE WELT
INNOVATOR
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Der US-Amerikaner Steve Fambro entwickelte ein Elektro auto, das mit einer Akkuladung dreimal so weit fährt wie die Prestige-Modelle der Konkurrenz. Sein Geheimnis? Konsequenter Minimalismus und visionäre Beharrlichkeit.
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INNOVATOR
CHRISTIAN KORNHERR
DAS 1000-MEILENELEKTRO-AUTO
Sorgsamer Umgang mit Ressourcen gehört zu den großen Themen unserer Zeit, und für Steve Fambro aus K alifornien ist es sogar zum Lebenskonzept geworden. Vor zehn Jahren kündigte er seinen Job, um der Welt das energieeffizienteste Auto aller Zeiten zu schenken. Das Ding sah aus wie ein Kleinflugzeug, dem die Flügel amputiert wurden, und erhielt deshalb den Namen Aptera („flügellos“), ein Wort aus dem Altgriechischen. Die Hybridversion erreichte den unglaublichen Verbrauch von
APTERA
M O B I L I TÄT
JOHANNES LANG
B U L L E VA R D
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Kein Blech, kein Alu: Der stromlinien förmige Aptera be steht aus faserver stärktem Kunststo≠.
0,78 Litern auf 100 Kilometer, trotzdem ging das Unter nehmen pleite. „Mit dem Auto waren wir damals unse rer Zeit voraus“, resümiert Fumbro, „die Leute trauten sich nicht, in hocheffiziente Autos zu investieren.“ Davon ließ sich der Visionär jedoch nicht entmutigen: „Mein Plan war: weitertüfteln – und warten.“ Heute, zehn Jahre später, ist das Flugzeug ohne Flügel wieder da – diesmal mit Elektroantrieb und einer nominellen Reichweite von 1600 Kilometern. Zur Ver anschaulichung: Das ist rund INNOVATOR
dreimal so weit, wie es der zeit die Elektro-Vorzeige modelle von Tesla, BMW oder Audi schaffen. PRODUKTION AB 2022
Das Geheimnis dieses Tech nik-Wunders ist ein ganz simpler Gedanke: „Wir wollen mit weniger mehr erreichen. Mehr Reichweite, mehr Leis tung, mehr Sicherheit, mehr Spaß – mit weniger Batterien, weniger umweltbelastendem Bergbau, weniger Energie und weniger Kohlendioxid.“ Der technische Kniff des Aptera besteht schlicht darin,
Fahrgastraum und Aus stattung auf das absolute Minimum zu reduzieren – alles mit dem Ziel maximaler Effizienz: Leergewicht des Aptera? Nur rund 800 Kilo. Energieverbrauch? Nur ein Fünftel von herkömmlichen Elektromobilen. Wenn das Crowdfunding für den zweiten Anlauf des Start-ups erfolgreich verläuft, ist der Produktionsbeginn be reits für 2022 geplant. Je nach Akku-Kapazität schwebt Fumbro ein Preis von 34.000 bis 59.000 Dollar vor. aptera.us
STEVE FUMBRO CEO UND CO-FOUNDER VO N A P T E R A
„Die Zukunft der Mobilität sind energie effiziente, um weltfreundliche, aufs Minimum reduzierte Elektroautos.“
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R ECYC L I N G
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JOHANNES LANG
Wer Yoga praktiziert, lebt automatisch nach haltig? Von wegen! Denn in den allermeisten Fällen wer den Übungen wie Kopfstand, Krähe und Kobra auf zwar bil ligen, aber auch ziemlich gif tigen Matten aus PVC geübt. Und diese werden am Ende ihrer Tage nur allzu oft ein Teil des Großen Pazifischen Müllstrudels. Den beiden Nürnbergerin nen Anna Souvignier, 28, und Sophie Zepnik, 26, wurde das
Im Netz suchten sie nach einer nachhaltigen Alter native, doch sie fanden nichts. Deshalb beschlossen die beiden, selbst eine Matte zu entwickeln. „Was gar nicht so einfach war“, sagt Sophie. Naturkautschuk? Killt den Regenwald. Baum wolle? Braucht zum Wachsen viel Wasser und oft auch Pestizide. Warum also nicht auf ein M aterial setzen, das im Überfluss vorhanden ist? Nämlich Müll! Die hejhej-mats bestehen aus Schaumstoffschnipseln, wie sie zum Beispiel in der Autoindustrie als Abfall produkt anfallen. Pro Matte (Preis: 129 Euro) sparen sie so 1,5 Kilogramm Müll ein.
Sophie Zepnik und Anna Souvignier, die hejhejmats-Gründerinnen, mit einer Matte und e iner hejhej-bag aus recycelten PET-Flaschen
WENN DIE HEJHEJMATTE DAS ENDE IHRER TAGE ERREICHT HAT, BEGINNT IHR LEBEN VON NEUEM. INNOVATOR
GÜNTHER KAST
Zwei Frauen aus Nürnberg haben mit ihrem Start-up eine Trainingsmatte aus recyceltem Schaumstoff entwickelt.
SCHAUMSTOFFRESTE A L S A LT E R N AT I V E
LENA LICHTBLICK
YOGA MIT REINEM GEWISSEN
im schwedischen Malmö be wusst, wo die jungen Frauen Nachhaltigkeitsmanagement studierten. „Wir fühlten uns regelrecht ertappt“, gesteht Sophie. „Wir hatten uns bis dahin überhaupt keine Ge danken darüber gemacht, aus welchem Material solche Dinger bestehen.“
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Lediglich die hauchdünne oberste Schicht besteht aus einem neuen, medizinisch konformen Spezialmaterial (aus Thermoplastischem Polyurethan, kurz: TPU). „So kommt die Haut nicht mit altem Schaumstoff in Kontakt“, erklärt Sophie, „aber auch das TPU ist hundert prozentig recycelbar.“ Das Ergebnis: langlebige, 186 mal 65 Zentimeter große, zwei Kilogramm schwere Matten. Sie sind fünf Millimeter dünn und garantieren dank einer strukturierten Oberfläche hohe Rutschfestigkeit. G E B R A U C H T E M AT T E E I N FA C H R E T O U R N I E R E N
Am Ende ihrer Tage wird eine hejhej-mat selbst wieder recycelt – und zu einer neuen Yoga-Unterlage. Wie das geht? Das Konzept heißt „Return to Sender“, und das bedeutet: Die gebrauchte Matte wird einfach zurück an die beiden Gründerinnen ge schickt. In Bayern (und nicht etwa in Billiglohnländern) entstehen daraus neue Unter lagen für Yoga-Begeisterte. Kreislaufwirtschaft eben, perfekt vorexerziert. hejhej-mats.com
Yoga-Übungen in freier Natur: dank der Matte aus Schaumstoffschnipseln ein mehrfach nachhaltiges Vergnügen INNOVATOR
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B U L L E VA R D Am Anfang stand ein A fter-Shave für den Intimbereich von Frauen und Männern. Der damalige BWLStudent Peter Hart vermisste ein entsprechendes Produkt, gründete 2013 die Marke Dr. Severin und sicherte sich 2015 im TV-Format „Höhle der Löwen“ die Unterstützung von Investorin Judith Williams. Dank Millionen Zuschauern setzte Dr. Severin bald Millionen um, und Hart fragte sich, was er noch anbieten könnte. Es war die Geburtsstunde von Pythia. Beim Studium von Trenddaten auf Google kam Hart die Idee, dass eine künstliche Intelligenz Muster in Daten erkennen könnte, die auf zukünftige Entwicklungen schließen lassen. Sofort entwickelte er mit Programmierern eine entsprechende KI: Pythia, benannt nach jener
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
DAS ORAKEL VON PYTHIA
Was willst du morgen kaufen oder erleben? Pythia heißt eine Technologie, die genau das voraussagt. Für uns hat sie die Fitnesstrends für 2021 prognostiziert.
APNOETAUCHEN
BOULDERN
Figur, durch die das Orakel von Delphi sprach. „Die KI wertet Suchanfragen der letzten fünf Jahre aus und berechnet Trendstärken für die kommenden 18 Monate“, sagt Hart. Und weil die KI permanent trainiert und aus Fehlern lernt, wird sie rasant besser. RAD-ERGO DER ZUKUNFT
Auf Pythias Vorschlag nahm Dr. Severin ein Vitamin-C- Hyaluron-Serum gegen Falten ins Programm und freute sich über den prompt folgenden Ansturm. Heute verkauft Hart mit KI-Hilfe auch Socken und berät Firmen wie die Drogeriekette Rossmann. Sogar die Wahl der aktuellen SPD-Vorsitzenden sagte Pythia voraus – inklusive richtigen Verhältnisses. Für innovator by the red bulletin wertete die KI Fitnesstrends aus. Der größte Trend, „Zwift“, bezeichnet ein Start-up, mit dessen Digital-Trainings du dich auf Fahrrad-Ergo oder Laufband in einer virtuellen Welt mit anderen Sportlern messen kannst. Kannst du dir nicht vorstellen? Wir sprechen uns in 18 Monaten noch einmal. pythia-ai.com
YIN YOGA ICE CLIMBING
ZWIFT MEDITATION
SPINNING
HYROX
DAVID MAYER
FITNESSTRENDS 2021 Pythia berechnet Trendstärken. Bei +3 vermutet die KI etwa, dass sich die Nachfrage verdreifachen wird. TRENDSTÄRKEN:
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+2
+3
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JOHANNES LANG, MLADEN PENEV
DIRT JUMP (BIKE)
+6
ONLINE WORKOUT INNOVATOR
Für Arbeit, Freizeit oder beides
Thule Crossover 2-Kollektion Die Thule Crossover 2-Kollektion ist aus robusten und doch leichten Materialien gefertigt – eine elegante Lösung, die den Belastungen häufiger Pendleroder Dienstfahrten standhält.
B U L L E VA R D ROBOTIK
HIER KOMMT KOLLEGE DROHNE! Inventur im Flug: Ein Start-up aus Kassel setzt Drohnen in Warenlagern ein. Das soll die Arbeit für Menschen spannender und sicherer machen.
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INNOVATOR
I N N O V AT O R Mal ehrlich: Für viele Jobs in Warenlagern sind Menschen nicht geschaffen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, herauszufinden, was eigentlich aktuell in den Rega len liegt. Sie verzählen sich, verheben sich an schweren Kisten und ermüden schnell wegen der eintönigen Arbeit. Außerdem leben sie gefähr lich, vor allem wenn sie an über zehn Meter hohen Re
galen Waren erfassen. Kein Wunder, dass sich Logistik firmen schwertun, Mitarbeiter für diese Jobs zu finden. Geht es nach Benjamin Federmann und seinen Mit gründern von doks.innova tion, könnten die Zustände in solchen Warenlagern dem nächst deutlich menschen freundlicher werden – dank einer von ihnen entwickelten Kollegin mit außergewöhn lichen Fähigkeiten: Sie fliegt an den Regalen entlang, zählt in wenigen Minuten fehler frei Produkte auf tausenden Quadratmetern Fläche und schlägt gleich vor, wie die Regale noch besser zu nutzen wären. Genau gesagt handelt es sich bei der neuen Kollegin um eine Drohne.
„DIESE DROHNE FUNKTIONIERT WIE EIN FLIEGENDES STATIV FÜR UNSERE SENSORIK.“
SCHADEN-MELDER
JOHANNES LANG
„Einfach ausgedrückt funktio niert die Technologie wie ein fliegendes Stativ für unsere Sensorik“, erklärt CEO Benja min Federmann. So schweben die Modelle von Regalplatz zu Regalplatz, lichten jeden einzelnen ab, identifizieren die Labels der Waren und werten sie aus. Aber die Drohnen lesen nicht nur Codes, sie schauen – mit Hilfe künstlicher Intelli genz – ganz g enau hin und melden zum B eispiel, wenn eine Palette beschädigt ist oder sich eine Verpackung
BENJAMIN FEDERMANN, MARTIN LANG, Q UA N G H I E N MIKE BECKER D R E I KÖ P F E FÜR DOKS
Die Gründer von doks.innovation lernten sich über ein gemeinsames Forschungsprojekt am Fraunhofer Institut kennen.
löst. Zwischendurch landet die Drohne auf einer Art fah rendem Podest, das mittels Sensoren sicher durch die Gänge navigiert. Noch mal ganz ehrlich: Be deutet der Einsatz solch einer fliegenden Kollegin in Wahr heit nicht, dass viele Kollegen aus Fleisch und Blut ihre Ar beit verlieren? „Eine Maschine kann niemals einen Menschen ersetzen – auch unsere Droh nen nicht“, sagt Federmann. Der Gedanke dahinter: Die Drohnen befreien die Mit arbeiter von den riskanten Jobs an den Regalen und er möglichen ihnen dafür neue, angenehmere Aufgaben, etwa bei der Einordnung der von ihnen gelieferten Daten. Auch wer nicht im Lager arbeitet, profitiert. Dank der Erhebung der schlauen Daten werden die Lager dieser Welt optimal ausgelastet. Mit ande ren Worten: Die Chancen, dass dein online bestellter Rasen mäher schon am nächsten Tag vor deiner Tür steht, steigen. doks-innovation.com
DOKS.INNOVATION GMBH
DAVID MAYER
Hoch vier: An jeder Seite der schlauen Drohne sorgen zwei Propeller für stabilen Flug im Lager.
Aus der Bahn: Eine rollender Untersatz fährt die Drohne zum Einsatzort.
INNOVATOR
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M O B I L I TÄT
REISEN MIT ZUKUNFT
Selbstaufblasendes Dach, Elemente aus dem 3D-Drucker und eine ausklappbare Sonnenterrasse: Hymer hat ein innovatives Reisemobil für das Jahr 2025 entworfen.
Mit „VisionVenture“ hat der Wohnmobilhersteller Hymer ein Konzeptfahrzeug entwor fen, das zeigt, wie Camping 2025 aussehen könnte. „Wir wollten kein großes, mäch tiges Wohnmobil bauen, son dern ein cleveres, kompaktes Fahrzeug mit einem Maximum an Wohnraum“, sagt Dominik Hepe, Leiter des Produkt managements. Als Erstes fallen die Waben des pneumatischen Schlaf dachs auf. Sie blasen sich in weniger als einer Minute selbst auf, bei kalten Temperaturen sogar mit beheizter Luft, so dass im Bett auch im Winter niemand frieren muss. Um das Maximum aus dem gelände gängigen Fahrzeug herauszu holen, hat sich Hymer bei der Entwicklung mit dem Chemie riesen BASF zusammengetan. Gemeinsam entwickelten bei der Forschungsabteilungen 3D-Druckverfahren für Teile wie Radlaufverkleidungen, Karosserieteile und Griffe – was individuelle Gestaltung erlaubt. Nie wieder weiß: Hightech-Lack reduziert das Aufheizen des W agens und erlaubt eine große Farbauswahl.
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MERLIN GRÖBER
Apropos Nachhaltigkeit: Zwei Hochleistungsdämmstoffe von BASF kommen in Türfüllun gen, Unterböden sowie zur Wärmedämmung für Motor raum und Ofen zum Einsatz und ermöglichen eine effizi ente Energienutzung. Neue Leichtbauteile im Inneren sehen chic aus und reduzieren den Verbrauch. Dass dabei Schiefer zum Einsatz kommt, ist kein Widerspruch. Mit ei nem neuen Verfahren lässt sich der Naturstein in einer Stärke von nur einem Milli meter auf das Leichtbau material auftragen. Nur fliegen kann auch dieser Camper – bis auf weiteres – noch nicht. hymer.de
HYMER
Während wir noch auf selbststeuernde Flug taxis warten, erfährt eine andere Art der Fortbewegung ungeahnten Aufschwung: Campingmobile sind einer der größten Reisetrends un serer Zeit. Nah an der Natur, maximal flexibel und dazu komfortabel, passen sie per fekt zum Lebensgefühl der jungen Generation. Und wie es so ihre Art ist, regt diese junge Generation auch die Campingbranche zum Umdenken an. Hersteller fragen sich: Wie können wir unsere Wohnmobile so bauen, dass sie einem zeitgemäßen Anspruch bei Innovation und Nachhaltigkeit genügen?
JOHANNES LANG
LEICHTBAU M I T N AT U R S T E I N
INNOVATOR
I N N O V AT O R
„WIR WOLLTEN KEIN GROSSES, MÄCHTIGES WOHNMOBIL BAUEN, SONDERN EIN CLEVERES.“
Schöner Campen: hinten eine ausklapp bare Terrasse, innen Naturmaterialien für einen modernen Look
INNOVATOR
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B U L L E VA R D
Österreichische Chemiker entwickeln eine neue Therapie gegen Brustkrebs. Die Behandlung soll erkrankte Zellen präzise zerstören. Weil sie ihnen so nahe kommt wie nie zuvor.
Gemeinsam sollen sie in Zukunft krebskranke Zellen bekämpfen: ein Spuren element namens Selen und winzige Kapseln, die man Nanopartikel nennt. „Damit wollen wir Patientinnen mit Brustkrebs noch besser und effizienter therapieren“, sagt die Chemikerin Doris Ribitsch. Mit ihrem Team entwickelt sie am Austrian Centre of Industrial Biotech nology (acib) im niederöster 20
KRANKES GEWEBE IM VISIER
Im Labor arbeitet man des halb daran, den Wirkstoff Selen ganz gezielt zum Tumor zu bringen: Das Transport mittel sind Nanopartikel, winzige Proteinkapseln. Wie kleine Kügelchen sehen sie aus. Diese hüllen sich um den Wirkstoff und bewegen sich direkt zum kranken Gewebe. Dort erst öffnen sie sich. „Die Nanopartikel bestehen aus dem Protein Humanalbumin und aus Seidenprotein. Das eine ist für die Triebkraft zu den Krebszellen zuständig, das andere sorgt dafür, dass die Kügelchen das Selen an der kranken Zelle freisetzen“, so Ribitsch. Um das Tumor
gewebe im Körper zu finden, sind die Nanopartikel darüber hinaus mit Antikörpern aus gestattet. Diese reagieren auf Moleküle, die spezifisch für Brustkrebs sind. Und leiten damit den Wirkstoff präzise zu den kranken Zellen. Das Forschungsprojekt „Neosetac“ (New Seleniumbased Targeted Nanocapsules to treat Breast Cancer) wird vom EU-Programm Horizon 2020 unterstützt. Und das ist gut so. Mehr als 350.000 Frauen erkranken allein in Europa jährlich an Brust krebs. Auf die NanopartikelHelfer müssen sie aber noch etwas warten: „In etwa zehn Jahren könnte es so weit sein“, hofft Ribitsch. acib.at INNOVATOR
MARLENE GROIHOFER
NANO -TAXI ZUR HEILUNG
KLAUS PICHLER
FORSCHUNG
reichischen Tulln eine neue Art der Tumorbehandlung. Innovativ daran sind sowohl der Wirkstoff als auch die Methode. Selen ist eigentlich dafür bekannt, als Nahrungs ergänzungsmittel unsere Immunabwehr zu stärken. Wird es hoch dosiert ver abreicht, kann es jedoch auch Krebszellen zerstören. „Deshalb isolieren wir Selen verbindungen aus Pflanzen und entwickeln deren zyto xische Eigenschaften – also ihre Fähigkeit, Zellen zu schädigen – weiter“, erläutert Ribitsch. Künftig soll Selen dann im Körper von Brust krebspatientinnen Zellen vernichten – allerdings nur die kranken: „Chemothera pien können auch gesundes Gewebe schädigen, was den Körper schwächt und zu starken Nebenwirkungen führt“, erklärt Ribitsch. Ge nau das will die neue Thera pie vermeiden.
JOHANNES LANG
Aus Kokons wird Seidenprotein isoliert. Dieses dient zur Herstellung von Nanopartikeln, die den Wirkstoff direkt zum Tumor transportieren.
I N N O V AT O R
Chemikerin Doris Ribitsch mit Kokons der Seidenraupe, der Basis für eine neue Methode, gegen Brustkrebs vorzugehen.
DIESE NEUE METHODE SOLL NEBENWIRKUNGEN VON CHEMOTHERAPIEN VERMEIDEN. INNOVATOR
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C L E A N E N E R GY
FISHING FOR KOHLENDIOXID
Doppelt Spitze: Harvard-Phy siker Keith entwickelt die Technik, Führungskraft Fumbro leitet die Firma als CEO.
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pusten die Ventilatoren riesige Luftmassen durch die Reak tionsanlagen, wo das CO² im sogenannten Direct-AirCapture-(DAC-)Verfahren mittels eines chemischen Prozesses in reiner Form gewonnen wird. Das reine CO² fließt in unterirdische Lagerstätten – wo es aber nicht bleiben soll. Eine nachhaltige Einsatzmöglichkeit ist etwa das Air-to-Fuel-Verfahren, bei dem das CO² mit aus Wasser und Strom gewonnenem
Wasserstoff zu einem Kraftstoff umgewandelt wird, der in herkömmlichen Verbrennungsmotoren verwendet werden kann. Nachteil: Dieser Prozess ist extrem energieaufwendig. Lösung: Das Start-up nutzt ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Carbon-Engineering-Gründer David Keith: „Wir werden die Welt nicht vor den Auswirkungen des Klimawandels bewahren, es wird jedoch ein großer Schritt auf dem Weg INNOVATOR
CARBON ENGINEERING JOHANNES LANG
DAV I D K E I T H , DER FORSCHER STE VE FU M BRO, D E R S T R AT E G E
Auto fahren, Fleisch essen, mit dem Flugzeug reisen. Weltweit können sich immer mehr Menschen einen höheren Lebensstandard leisten. Der Haken: Damit stoßen sie auch immer mehr Kohlenstoffdioxid aus – obwohl wir dieses doch mit Blick auf den Klimawandel dringend reduzieren sollten. Wie soll das bloß zusammengehen? Indem wir das CO² mit riesigen Ventilatoren aus der Luft filtern, schlägt das kanadische Unternehmen Carbon Engineering vor. Klingt verrückt, aber Investoren wie ein gewisser Bill Gates sind begeistert von der Idee. Warum Ventilatoren? Weil unsere Atmosphäre nur zu 0,04 Prozent aus CO² besteht. Um überhaupt nennenswerte Mengen gewinnen zu können,
CHRISTIAN KORNHERR
Ein kanadisches Unternehmen will CO² aus der Luft filtern und so den Klima wandel bändigen. Kann das gelingen? Bill Gates glaubt jedenfalls fest daran.
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Hightech-Windfänger: Riesige Ventilatoren saugen die Luft samt CO² in die Anlagen zur Aufbereitung.
DIRECT A IR CA P TURE ( DAC) 1 Zunächst wird reines CO aus der durchströmenden Umgebungsluft mittels Membranen ² gefiltert, 2 anschließend chemisch in eine granulare, feste Form gebracht.
1 GEFILTERTES CO
INNOVATOR
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2 GRANULARES CO
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zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft sein.“ Die Pilotanlage in British Columbia, Kanada, kann pro Jahr eine Million Tonnen CO² aus der Luft holen. Heißt: Beim weltweiten CO²-Ausstoß von 40 Milliarden Tonnen pro Jahr bräuchte es 40.000 solcher Anlagen, um das Klimaproblem zu lösen. Ein (noch) sehr theoretischer, aber hoffnungsvoller Gedanke. carbonengineering.com
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B U L L E VA R D
Achim Leder (li.) und Felix Brügge mann nutzen die biologische Wirkung von Licht.
Heute Oslo, morgen Dallas, danach Singapur: Nach seinem BWL-Abschluss führte Felix Brüggemann ein Beraterdasein. Eine Zeitlang genoss er dieses Leben. Nur der Jetlag nagte an ihm. Ernährungstricks (z. B. kein Abendessen vor dem Abflug) halfen. Lösen konnten sie das Problem nicht. Entsprechend begeistert war er, als ihm Achim Leder von seiner Idee erzählte. Leder hatte zu dem Thema promoviert. Sein Ansatz: Lichtsteuerung im Inneren von Flugzeugen sollte die mühsamen Folgen der Zeit 24
OPTIMIERTE LICHTZEIT
jetlite setzt auf ein chrono biologisches Prinzip: Warmweißes Licht wie bei einem Sonnenuntergang entspannt uns, kaltweißes Licht wie zum Start des Tages aktiviert uns. „Mit LED-Licht bereiten wir die Passagiere während des Flugs auf die neue Zeitzone vor“, erklärt Brüggemann.
DAVID MAYER
Mit seinem Lichtsystem reduziert ein Hamburger Start-up den Jetlag von Flugreisenden um bis zu drei Stunden. Als Nächstes sollen Autofahrer profitieren.
Beispiel Übernachtflug Amsterdam –Tokio: Bei der Landung ist es im Kopf der Reisenden 7 Uhr, in Tokio bereits 15 Uhr. Zur Vorbereitung hilft warmweißes Licht beim schnellen Einschlafen, kaltweißes Licht simuliert einen etwas früheren, zugleich schnelleren Sonnenaufgang. „15 Minuten vor der Landung aktiviert das Licht die Passagiere zusätzlich“, sagt Brüggemann. Um drei Stunden lässt sich der Jetlag so reduzieren. Lufthansa nutzt das System bereits. Aktuell entwickelt jetlite Lichtsysteme für Innenräume von Autos. jetlite.de
Beispiel aus dem Flugzeug: Bläulich kaltweißes Licht vor der Landung wirkt aktivierend. INNOVATOR
BIRGIT KLEMT, JETLITE
TSCHÜSS, JETLAG!
zonensprünge mildern. Die beiden gründeten jetlite. Pilotin Tanja Becker und M odel Toni Garn schlossen sich dem Start-up mit Sitz in HamburgFinkenwerder und Büros im Co-Working-Office Mindspace im Stadtzentrum an.
JOHANNES LANG
ANGENEHMER REISEN
SO FLEXIBEL. SO SAUGSTARK. SO SCHNELL. #LifeBeyondOrdinary miele.de/Triflex
FOTOS
Fr a n c k G a z z o l a / U T P/ Z E P P E L I N TEXT
Fe l i x D i e w a l d
ALLES AUF EINE KARTE
Ghislain und E mmanuelle B ardout – hier in der Tauchkapsel am Meeresgrund – verkauften i hren gesamten Besitz, um auf Expeditionsreisen von Pol zu Pol g ehen zu können.
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INNOVATOR
Wir wissen mehr über die Ober fläche von Mond, Mars oder Saturn als über den Meeresg rund der Erde. Ein franzö sisches Forscher paar will das ä ndern. Mit Hilfe einer revolutionä ren Unterw asser- Kapsel, die tiefe Einblicke in das komplexe Öko system der Ozeane ermöglicht.
MISSION FÜR DIE MEERE INNOVATOR
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LEBEN WIE DIE FISCHE
In 20 Meter Tiefe hat das Forscherteam in Französisch- Polynesien zwei Monate lang ein Korallenriff studiert und dabei Langzeit-Beobachtungen gemacht, die mit konventionellen Tauchgängen nicht möglich gewesen wären.
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INNOVATOR
DAS ZIEL DER E X PEDITION Den Ozean und seine Rolle für das globale Klima besser zu verstehen ist eine der großen Herausforderungen dieses Jahrhunderts. Die Forscher an Bord des Segelschiffes „WHY“ nehmen sie an.
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SELBST GEBAUTES INNOVATIVES TAUCHGERÄT: Mit der Kapsel
sind erstmals mehrtägige mobile Unterwassereinsätze in küstenfernen Gewässern möglich. Bild: Wartung des Tauchgeräts am Festland von Französisch-Polynesien
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INNOVATOR
W Wenn das Korallenriff in FranzösischPolynesien in der Südsee zwischen vier und fünf Uhr früh erwacht, sieht das nach Chaos aus. Wie der Morgen in einer Großstadt, vom Dach eines Hochhauses betrachtet. Abertausende Fische und anderes Meeresgetier sind unterwegs. Ungeordnetes Gewusel, so weit das Auge reicht – zumindest für den ungeschulten Beobachter. Ghislain und Emmanuelle Bardout hingegen sehen das System dahinter. Sie kennen das Riff in- und auswendig: Schließlich haben sie ganze zwei Monate dort verbracht – und dank des selbst gebauten Prototyps einer Unterwasserkapsel mehr davon gesehen und begriffen als je ein Taucher zuvor. „Mit der Kapsel können wir nega tive Folgen des Klimawandels für die Meeresfauna genau beobachten und dokumentieren. Unsere Studien sollen wachrütteln – Freunde, Mitmenschen und Politiker“, sagt Ghislain. Die Kapsel-Mission des Ehepaars Bardout ist der vorläufige Höhepunkt einer einzigartigen Abenteuer geschichte, die vor knapp 15 Jahren begonnen hat – und die Geschichte
INNOVATOR
zweier Menschen, die sich zusammengetan haben, um ihr Leben der Er forschung der Ozeane zu widmen. Mitte der Nullerjahre lernt Ghislain Bardout, Ingenieur und Tiefseetaucher, seine spätere Frau Emma nuelle Périé, Skipperin und Polar expertin, kennen. Schon bald er kennen die beiden, dass sie nicht nur die Leidenschaft für die Ozeane verbindet, sondern auch die Leidenschaft am Entdecken. 2010 entscheiden sie sich, ihr konventionelles Leben mit Haus und Job in Frankreich zurück zulassen, ein Schiff zu kaufen und zu einer E xpedition ins Polarmeer aufzubrechen. Das Schiff, ein 20 Meter langer Zweimastschoner, hat den bezeichnenden Namen „WHY“. Warum? „Weil das sein Name war, als wir es gekauft haben“, erklären Ghislain und Emmanuelle schmunzelnd.
NACHHALTIG UND MOBIL
Die Kapsel ist nur 90 Kilo schwer, leicht zu transportieren und hinterlässt keine Spuren in der Natur. Dahinter: der 20 Meter lange Schoner „WHY“
SÄTTIGUNGS TAUCHEN
Während herkömmliche Taucher immer die Uhr im Blick h aben, können die Forscher in der Kapsel die Zeit vergessen.
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RE VOLUTION Ä RE UNTERWAS SERFORS CHUNG Diese Kapsel erlaubt dem Team, drei Tage am Stück unter Wasser zu bleiben, und ermöglicht so einzigartige Beobachtungen des Lebens unter Wasser. Die Forscher können die Kapsel – etwa um Proben zu sammeln – mit Atemgeräten verlassen, ansonsten in ihrem Inneren arbeiten, essen und schlafen.
1 VIER KUBIKMETER
misst die Kapsel, sie ist 3,2 Meter lang, 1,5 Meter hoch und bietet drei Tauchern Platz – im Sitzen oder im Liegen.
2 SICHTFENSTER
Sie geben einen Rundumblick auf das Riff aus drei Meter Höhe – a usreichend, um den Überblick zu behalten, und nah genug für Details.
4 ATMEN
Eine Maschine sorgt für das richtige Gasgemisch in der Kapsel. Alle paar Minuten wird – zwecks späterer Dekompression – ein Mix aus Sauerstoff, Helium und Stickstoff hineingepumpt.
3 AUS- UND EINSTIEG
erfolgt über eine Luke im Boden. Obwohl diese offen ist, dringt kein Wasser hinein. Das verhindert der Luftdruck in der Kapsel: als würde eine Tasse verkehrt herum in einen Kübel Wasser getaucht.
5 FIXIERUNGSTANKS
Die leichte Kapsel ist nicht direkt am Boden fixiert, bei Strömung bewegt sie sich bis zu einem Meter hin und her.
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AUF TAUCHSTATION
Für das behutsame Herablassen der Kapsel bis zum Meeresgrund sind mehrere Taucher notwendig.
SPRECHVERBINDUNG ZUM SCHIFF
Wegen der Beim ischung von Helium zur Atemluft hat man in der Kapsel eine hohe, Micky- Maus-artige Stimme.
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DAS PROJEKT „UNDER THE POLE“
Mit einem kleinen Segelschiff drei Jahre lang um die Welt. Nach der Erforschung des Nordpols waren in den vergangenen Monaten Pazifik und Antarktis dran. Nun geht’s über den Atlantik nach Hause.
Juli bis August 2017 April 2018 bis September 2019 Oktober 2019 bis Februar 2020 März bis Mai 2020
ARKTIS
sieben Monate Aufenthalt – von September 2017 bis März 2018
Concarneau, Frankreich
PA Z I F I K französisch- polynesische Inseln
AT L A N T I K
A N TA R K T I S
„Klar haben wir überlegt, ihn zu ändern, aber wir haben keinen besseren gefunden. Also sagten wir uns: warum nicht?“ Und das klingt aus dem Mund der beiden Abenteurer nicht zufällig wie ein Lebensmotto. Das Forschungsprojekt „Under the Pole“ ging also auf Jungfernfahrt – und wie sich herausstellte, war diese erste 45-Tage-Expedition bloß der Appetizer einer langen Reise. Ghislain und Emmanuelle unterbrechen ihre Mission auch nicht, als es darum geht, eine Familie zu gründen. Ihre beiden Söhne Robin und Tom kommen während einer Expedition im Eis Grönlands zur Welt. Jetzt leben die vier gemeinsam mit Husky Kajak und dem bis zu acht Mann starken Team
ABENTEURER PAAR
Sind gemeinsam auf den Welt meeren unter wegs, um diese zu erforschen: Ghislain Bardout, Ingenieur und Tiefseetaucher, und seine Frau Emmanuelle Périé-Bardout, Skipperin und Polarexpertin
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an Bord der „WHY“. „Natürlich ist das sehr intensiv, wenn insgesamt zwölf Leute auf dem engen Raum des Schiffs zusammen leben und arbeiten – und das sieben Tage die Woche über ein ganzes Jahr. Aber anders wäre es nicht gegangen“, sagt Ghislain, und Emmanuelle ergänzt: „Es hat sich immer richtig angefühlt – also nichts, worüber ich nachdenken musste. Die Unterwasserwelt ist unsere Berufung – eine Welt, die in dieser Form zu verschwinden droht. Und um sie besser zu schützen, sollten wir sie kennenlernen. Deshalb werden wir unser Know-how immer der Wissenschaft zur Verfügung stellen.“
U
nterstützt von namhaften Sponsoren wie Rolex und Azzaro, starten die Bardouts Mitte 2017 schließlich unter dem Titel „Under the Pole III“ ihre bisher längste, auf drei Jahre angelegte Forschungsfahrt, über Pazifik und Atlantik, von Pol zu Pol. Mit dabei: eine in knapp drei Jahren selbst entwickelte und gebaute Tauchkapsel, die es den Forschern erlaubt, drei Tage unter Wasser zu verbringen, ohne aufzutauchen. In 20 Meter Tiefe observiert die Crew damit zwei Monate lang ein Korallenriff in der Südsee. „72 Stunden klingt nach e iner ziemlich langen Zeit, aber sie vergeht
LEBEN IN DER GLOCKE
Übrigens: Wer vorm Schlafeng ehen noch aufs Klo muss, erledigt das – bis auf Taucher brille und Atemregler nackt – außerhalb der Kapsel.
INNOVATOR
INNOVATOR
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TAGE SA BL AUF A M KOR A LLENRIFF Mit der Kapsel können die Forscher Routinen und Abläufe studieren. Was am ersten Tag eine zufällige Beobachtung ist, wird am zweiten und dritten zum Muster.
GEWÖHNUNGSEFFEKT
Bald erkennt die Crew einzelne Fische wieder, gibt ihnen Namen und macht Selfies mit ihnen.
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ENTDECKUNG
Bei ihrer Arbeit wurden die Forscher Zeugen von seltenen Vorgängen – etwa dem Laichen der Korallen.
NEUE ARTEN
Das Team führte eine der größten Studien über Korallen durch und entd eckte dabei neue Spezies, die erst benannt werden müssen.
total schnell“, meint Ghislain mit einem Achselzucken. „Hast du schon einmal in einem Zelt übernachtet? Ungefähr so fühlt sich das an – nur eben unter Wasser.“ Mit der Kapsel lassen sich erstmals Abläufe beobachten, die Tauchern bis jetzt verborgen blieben. „Wir sprengen damit die bisherigen Grenzen, weil wir Tauchgänge nicht mehr in Stun den, sondern in Tagen zählen“, er klärt Ghislain. „Nimm den Regenwald als Vergleich: Als Forscher wirst du dort nicht viel entdecken, wenn du nur für ein paar Stunden präsent bist, denn du fällst auf. Die Tiere müssen erst vergessen, dass du da bist. Genau da wollten wir auch hin.“ Bardouts Forschungskapsel funk tioniert im Prinzip wie eine 1960er- Jahre-Taucherglocke. Nur hat sie – neben einer Fernsprechanlage zum Schiff – Wände aus Aluminium und Aussichtsfenster aus thermoplasti schem Kunststoff, was sie deutlich leichter und den Transport einfacher macht. „Sie hinterlässt auch keinen Fußabdruck am Meeresgrund“, sagt Ghislain. Der wahre Clou ist aber das Gas gemisch aus Sauerstoff, Stickstoff und Helium, das eine spezielle Maschine in die Kapsel pumpt. So können die Forscher nicht nur tagelang in der Kapsel leben und arbeiten. Sie erspa ren sich dadurch auch die mühsamen Dekompressionsmaßnahmen danach; denn während andere Berufstaucher nach langen Tauchgängen oft Tage in Druckkammern verbringen müssen, konnten die Bardouts durch den Einsatz dieses Sauerstoff-Stickstoff- Helium-Gemischs ihre eigene De
kompressionszeit nach drei Tagen unter Wasser auf nur drei Stunden reduzieren. „Somit können wir auch mehrere mehrtägige Tauchgänge hintereinander machen“, sagt Ghis lain. Die Nebenwirkung, dass die Stimmen dank des Heliums in der Kapsel stark nach Micky Maus klin gen, nimmt die Crew mit Humor. „Als gelernter Taucher hast du immer die Zeit im Blick“, erklärt Ghislain den Unterschied zu her kömmlichen Tauchgängen. „Hier ist sie plötzlich egal – ein großartiges Gefühl! Bei den ersten erfolgreichen Tests habe ich vor Freude geweint. Wir können sehen, wann die Fische aufwachen, wer zuerst sein ‚Haus‘ reinigt und wer sich gleich in der Gruppe auf Nahrungssuche macht.“ „Und nachts“, fügt Emmanuelle be geistert hinzu, „vibriert die Kapsel von den Gesängen der Wale.“
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ie wissenschaftliche Mission von Emmanuelle und Ghis lain Bardout ist noch lange nicht erfüllt. Tatsächlich liefern ihre Langzeitbeob achtungen vom Boden des Ozeans ganz neue Erkenntnisse für mehr als 190 internationale Forschungszen tren, mit denen das Paar zusammen arbeitet. Im Fachjargon nennt man das Biodiversität; gemeint ist damit nichts Geringeres als der Schlüssel zum Verständnis des ökologischen Systems der Erde – und die Basis da für, dass wir diesem System mit dem notwendigen Respekt begegnen. „Wir haben vor allem auf dem Polareis ge sehen, dass uns die Zeit davonläuft“, sagt Emmanuelle. „Man kann dort dem Eispanzer beim Schmelzen zu sehen. Was den Klimawandel betrifft, müssen positive Veränderungen viel schneller herbeigeführt werden, als das derzeit der Fall ist. Unser Traum, nein, unser Ziel ist, dazu etwas beizu tragen und mit der Mission Menschen zu inspirieren, das Gleiche zu tun.“ underthepole.com
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ERZÄHLT VON CEO PHILIPP ROESCH-SCHLANDERER
Über 1 5.000 Fitnessstudios weltweit nutzen Trainingsgeräte und -software von eGym. Gründer Philipp Roesch-Schlanderer verrät, wie er davon profitiert, dass er alles andere als ein Sportass ist.
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as Start-up eGym hat Fitness ins digitale Zeitalter gebracht. Mit Geräten, die sich automatisch an den Sportler anpassen, so dass auch Neulinge optimal trainieren können. Gegründet 2010, hat eGym heute 400 Mitarbeiter und expandierte bereits in die USA. Die Idee kam Philipp Roesch-Schlanderer bei einem wenig erfolgreichen Besuch im Fitnessstudio.
Voll im Bilde: Auf dem Display wählst du dein Training, erhältst persönliche Anleitung und Live-Feedback.
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innovator: Philipp, wenn du an die Anfänge von eGym zurückdenkst – gab es einen Moment, an dem du gespürt hast, dass eure Idee funktionieren könnte? philipp roesch-schlan derer: Ich habe von der ersten Sekunde nie daran gezweifelt, dass es klappt. Ich habe auch nie überlegt, welche Dimension das bekommen könnte. Ich wusste einfach nur: Es wird sehr groß. Woher? Fitnessstudios waren damals meistens Orte von Sportlern für Sportler. Wir haben gespürt, dass es sehr viele Leute gibt, die das Bedürfnis nach einer Trainingsmöglichkeit haben, die mehr ist als ein reines Bodybuilder-Paradies – Leute, die ins Gym gehen, um Rückenschmerzen loszuwerden, abzunehmen, ihre Lebensqualität zu steigern. Es gab keine Meilensteine? Doch, als wir nach zwei Jahren Entwicklung und
Euer Gründungsmythos besagt, dass dir die eGymIdee im Keller-Gym der Columbia-Universität in New York kam. Es war dein erster Fitnessstudio-Besuch überhaupt, und du bist an der Bedienung der Geräte gescheitert. Wie waren die Reaktionen, als du mit der Idee eines Gyms für jedermann nach Deutschland zurückkamst? Das Feedback von NichtFitnessexperten war extrem positiv. Ich habe zuerst mal nicht über konkrete Technologien gesprochen, sondern darüber, was sie ermöglichen würden. Das habe ich auch meinem Schulfreund und späteren Mitgründer Florian Sauter erzählt. Wir saßen schon im Gymnasium neben einander, immer hinten rechts. Wenn ich 100 Ideen habe, killt Florian 99. Aber er hat gesagt: Mir fällt kein Grund ein, warum wir das nicht tun sollten. Das ist das Optimistischste, was man von ihm hören kann. Auch Florian war kein großer Fitnessstudio-Gänger. Fragten sich die Investoren nicht, warum sie gerade euch diese Idee abkaufen sollten? Ich habe gehört, dass der eine oder andere Investor, der nicht einsteigen wollte, gesagt hat: Ich habe den beiden Typen nicht abgenommen, dass die Fitness machen können. Dabei zeichnet es uns ja gerade aus, dass wir den normalen Gym-Geher verstehen, der erfolgreich trainieren will, ohne fünf Bücher zu jeder Maschine zu lesen. Wir haben aber schon gewusst, dass wir auch Expertise brauchen. Deswegen haben wir als Erstes einen Sportwissenschaftler eingestellt.
INNOVATOR
EGYM GMBH
DIE ERFOLGSSTORY VON
zwei Jahren Anlaufphase am Markt erstmals in den schwarzen Bereich kamen, wusste ich: Hey, wir sind eine echte Firma!
Zur Person. Philipp Roesch-Schlanderer, 36, studierte BWL und Technology Management in München, New York und Aarhus.
Und dann habt ihr drauflosgeschraubt? Absolut. Der erste Prototyp war schwierig. Für jedes Teil mussten wir einen Anbieter finden, der es für uns als Einzelstück baut. Der Zulieferer des Elektromotors hatte uns damals Sonderkonditionen für Studenten zugesichert. Später stellte sich raus, dass wir das Sechsfache des Marktpreises gezahlt hatten. Gab es andere Probleme? Es wurde immer wieder knapp mit der Finanzierung. Dazu wurden wir ungerechtfertigt einer Patentverletzung bezichtigt. Der Konkurrent wollte uns vom Markt drängen. Nervlich war das eine Katastrophe. Es hat uns auch Startperformance gekostet. Wann dachtest du, dass ihr die Start-up-Phase hinter euch gelassen habt? Relativ spät. Als es 2017 Richtung 250 Mitarbeiter ging, fiel mir auf, dass wir uns erinnern mussten, wie wir zusammenarbeiten und wer wir sein wollen. Das hat mir gezeigt: Jetzt sind wir auf einer neuen Stufe.
Von der Gründung bis zur globalen Fitness-Firma: 2010 Startschuss eGym wird in München von den Schulfreunden Philipp Roesch-Schlanderer und Florian Sauter gegründet.
INNOVATOR
201 2 Auslieferung Acht vollelektronische Kraftgeräte mit Online-Funktion und vier Trainingsmethoden gehen an erste Studios.
2016 App-Premiere eGym präsentiert eine eigene App, mit der Nutzer ihre Fortschritte auf ihrem Smartphone verfolgen können.
2020 Neue Welten Nach der US-Expansion 2017 setzen heute auch Unternehmen wie Walt Disney auf die Angebote von eGym.
Wie hat sich deine eigene Fitness entwickelt, seit du eGym gegründet hast? Da gibt es zwei Dynamiken: Ich hab einerseits jetzt Zugang zu den perfekten Tools. Allerdings waren die vergangenen neun Jahre extrem anstrengend, das hatte sicher den gegenteiligen Effekt. Klar, wir wollen die Welt fitter machen. Mein Vorsatz für dieses Jahr ist es, auch mal selbst richtig fit zu werden. egym.com
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IDEEN FÜR BESSERES ESSEN
Milch aus Erbsen, Löffel mit Geschmack und der beste Lieferser vice der Welt: So wollen Gründer aus Deutschland unsere Ernährung neu erfinden.
T E X T: M A R C B A U M A N N
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HOFFNUNG IM KASTEN
W i e d i e A g r il u ti o n G r ü n d e r S a l a t a n b a u in d e r Kü c h e e r m ö g li c h e n . I Im Jahr 2023 soll es acht Milliarden Menschen geben, um das Jahr 2050 könnten es zehn Milliarden sein. Wie sollen die sich alle ernähren? Max Lössls Lösung des Problems kostet aktuell 2979 Euro und sieht chic aus. Seine Firma Agrilution baut hüfthohe Gewächskästen, „Plantcubes“. Darin züchtet man in der Wohnung computergesteuert auf Saatmatten etwa Salat und Kräuter. Das freut Hobbyköche – die Technologie aber hat das Zeug zur Revolution. Als Sohn einer Entwicklungshelferin sah Lössl in China viel Armut, das weckte den Wunsch zu helfen. Ein Buch über Vertical Farming zeigte ihm, wie: Mit seinem Schulfreund Philipp Wagner entwarf er nach dem Studium in der Garage erste Gewächskästen. Pflanzen brauchen Kohlendioxid, Wasser und Licht – „ob natürlich oder künstlich macht keinen Unterschied“, so Lössl. Man kann Gemüse in Lagerhallen oder Stollen anbauen. Ohne Pestizide, mit weniger Wasser. Der „Plantcube“ lässt Salate sprießen – und die Hoffnung. agrilution.de
AGRILUTION
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Aufrechte Typen: Max Lössl (li.) und Philipp Wagner bieten Vertical Farming für daheim. INNOVATOR
Frischer geht’s nicht: Eine App meldet, sobald die Pflanzen wie Salatrauke, Basilikum oder Rote Beete reif für die Ernte sind.
INNOVATOR
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Manche mögen’s scharf: Aus eigenen Tests wissen Steps und Klein, dass Engländer die Rezepte deutlich feuriger wollen.
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GENAU DEIN GESCHMACK D i e H o n e s t Fo o dG r ü n d e r li e fe r n Essen, das auf re g i o n a l e Vo r li e b e n a b ge s tim m t is t . F
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Extra-Portion: Sebastian Klein (o.) und Robin Steps verschaffen Lokalen ein Zusatzgeschäft.
Baba Noni und Beste Freunde), deren Angebot zudem auf den deutschen, österreichischen oder etwa britischen Geschmack zugeschnitten ist. Die Gerichte kochen Partnerlokale, die alle Zutaten geliefert bekommen und nach Vorgabe zubereiten. In einem Artikel stand, Robin Steps und Sebastian Klein produzierten Tiefkühlkost; es kommen jedoch nur einzelne Komponenten schockgefrostet, der Großteil wird frisch gekauft, so Steps. Die Restaurants können mit den Zusatzlieferungen ihre Auslastung auf computer-
gesteuerte 100 Prozent bekommen und ihre Karte erweitern. Steps und Klein reden viel von Algorithmen, ob ihre Kochexpertise ebenso groß ist? Nicht ganz, darum holen sie sich Profiköche, testen ausgiebigst und überarbeiten halbjährlich jedes Menü. Kritiker haben sie auch – ihre Eltern sähen das Liefergeschäft skeptisch, sagt Steps. Aber: „Erst hat mein Vater Reisen im Netz gebucht, heute kauft er online seine Kleidung. Als Nächstes wird er so sein Abendessen ordern.“ honestfoodcompany.de
HONEST FOOD COMPANY, VLYFOODS
Für die Welteroberung geben sich Robin Steps und Sebastian Klein fünf Jahre: 2025 wollen sie der global führende Essenslieferant sein. Sie selbst halten das für eine großzügige Schätzung; schließlich verkaufte Steps bereits sein Start-up vino24 an einen großen Weinhändler. Klein entwickelte während des BWL-Studiums in Mannheim, wo sich die beiden kennenlernten, schon Apps, war dann bei einer Venture-Capital-Firma und einer Unter nehmensberatung – Berufe, in denen man von Lieferdiensten am Leben gehalten wird und mit dem Pizzaboten per Du ist. Da lag die Gründung der Honest Food Company nahe, doch das Geschäftsmodell überrascht: Sie betreiben Restaurants, die es nicht gibt, nämlich fünf virtuelle Läden mit verschiedenen Landesküchen (Blattgold, Mamacita, Holy Chicken,
INNOVATOR
Prinzen der Erbse: (v. li.): Niklas Katter, Nicolas Hartmann und Moritz Braunwarth.
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DIE KRAFT DER ERBSE Vly fo o ds p ro duzie r t M il c h a u s Er b s e n – f ü r m e h r N ä h rs tof fe u n d m e h r Geschmack. D
Profiköche testen ausgiebig die Rezepte un d üb erarb eiten halbjährig je des Menü .
Die Kuh macht Muh, und die Milch kommt aus der Erbse. So wird man es im Kinder garten 2050 lernen, wenn sich Nicolas Hartmann mit der Zu kunft der Milchindustrie nicht irrt. Ein Landwirt mag den Kopf schütteln, aber ein Blick ins Supermarktregal zeigt: Milch aus Soja, Milch aus Hafer, Milch aus Mandeln. Die Nachfrage ist längst da, und nicht nur von Veganern wie Hartmann. Er studierte in Ox ford, arbeitete als Ernährungs berater und erkannte, dass bei vielen Milchalternativen die Nährwerte nicht optimal
waren: „Hafermilch etwa, die ich an sich mag, hat zu viel Zucker.“ Zwei Jahre Entwick lung an der TU Berlin steckten die drei Gründer in die Suche nach besserem Milchersatz. Sie probierten Exotisches wie Mohnproteine, blieben dann bei der gelben Spalterbse. Das Team von VlyFoods (Vly wie fly, mit v wie vegan) ist interessant zusammen gesetzt: Moritz Brauwarth kochte in Michelin-Sterne- Restaurants und passt auf, dass vor lauter Tüftelei der Ge schmack nicht zu kurz kommt. Nicolas Hartmann wiederum achtet darauf, dass für mehr Geschmack keine Gesund heitsaspekte geopfert werden. Jurist Niklas Katter schlichtet und macht Sales wie Finance. Sie produzieren bei einer Großmolkerei in NRW. Und wie schmeckt die VlyMilch? „Manche sagen nus sig, andere vanillig, aber alle loben die Cremigkeit“, sagt Nicolas Hartmann. vlyfoods.com
Viel pflanzliches Protein, wenig Kohlenhydrate: Hauptzutat dieser Milch ist die gelbe Spalterbse.
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Mahlzeit, Zukunft! Christian Feuerbacher, Janis Marquardt und Peter Juras (v. li.) revolutionieren den Mittagstisch.
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LÖFFEL ALS NACHTISCH Sp o o n t a in a b l e gib t B e s te c k f re i zu m Ve r ze h r – u n d k ä m p f t s o ge ge n u n n ö ti ge s Pl a s tik . N Nach mehr als einem Jahr Entwicklung, dem Spagat zwischen Uni-Büffeln und Start-up-Gründung und der Suche nach Geldgebern kann Julia Piechotta ihre plastikfreien Eislöffel endlich ver packen – in Plastik. „Wegen
der Hygienevorschriften“, sagt Piechotta. Immerhin kriegt sie 500 Löffel in jeden Karton (bestellbar für 54 Euro), bevor der mit Schutzfolie um wickelt werden muss. An der Firma Spoontainable, die sie mit Amelie Vermeer aufgebaut hat, erkennt man, wie sehr der Kampf gegen Plastik noch am Anfang steht. Immerhin: Ab 2021 ist Plastikbesteck in der EU verboten. Die Idee zum nachhaltigen Löffel kam Piechotta bei einer Kugel Eis. Wenn die Waffel essbar ist, warum nicht auch der Löffel? Sie probiert es mit Keksteig in der WG-Küche, scheiterte. Auch die Idee, die Löffel aus Lebensmittelresten zu fertigen, klappte erst nach einigen Fehlversuchen – und zwar mit Fasern von Kakaobohnenschalen. Unterstützung brachte ein Crowdfunding 2018, beim Großbäcker Coppenrath fanden sie Produktionsanlagen. An einem Tag werden dort 600.000 Löffel produziert – genug für ein Jahr. An die 40 Eisläden sind schon dabei, fürs Frühjahr sind weitere Produkte angekündigt. spoontainable.com
Vorkämpferinnen gegen Plastik: das Spoontainable-Trio Julia Piechotta, Anja Wildermuth und Amelie Vermeer (v. li.)
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NIE WIEDER WARTEN D i e d re i G r ü n d e r vo n O RDA wo ll e n p e r A p p d a s M it t a ge s s e n im Re s t a u r a n t o p tim i e re n – u n d vo r a ll e m e n t s p a n n te r ge s t a l te n .
SPOONTAINABLE, ORDA GMBH
Besteck to eat: Diese essbaren Eislöffel ent stehen aus natürlichen Zutaten.
A Auch Studenten können es eilig haben. Und wenn sie für eine Start-up-Kaderschmiede wie das Center for Digital Technology and Management in München tätig sind, erst recht. Janis Marquardt, Peter Juras und Christian Feuer bacher mussten beim Mittag essen jedenfalls zu oft auf freie Plätze warten, das Essen kam spät, das Bezahlen dauerte ewig. Ihre Lösung: eine App
INNOVATOR
namens ORDA, in der man nicht auf den Kellner warten muss, sondern sein Gericht am Handy vorbestellt – und nach dem Essen direkt be zahlen und gehen kann. Mar quardt half seine Erfahrung: Mit 15 Jahren hatte er in ei nem Eisladen gearbeitet, spä ter war er Barkeeper und half in der Geschäftsführung eines Restaurants. „Marketing, Per sonal, Operatives – ich kenne die Probleme“, sagt er. Fehler machten sie trotzdem: „Mit
Vorwahlen: Per App bestellt, steht das Essen auf dem Tisch, wenn du im Lokal ankommst.
tags will man rasch essen, abends stört etwas warten nicht – also haben wir uns mehr auf den schnellen BüroLunchbreak konzentriert.“ Bei Kaimug, einer Thai-FoodKette, gab man ihnen eine erste Chance, Inzwischen hat die Käfer-Gruppe bei ORDA investiert. In München und Nürnberg funktioniert die App in mehr als 100 Restau rants, das Ziel ist Europa. Die Zeit drängt, mal wieder. orda-app.com
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INNOVATOR GADGET GUIDE
RAUS MIT EUCH!
Acht OutdoorGadgets, die man auf der Straße, im Wald oder unter Wasser dabeihaben sollte. TEXT Marc Baumann
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INNOVATOR
SPOTS AN!
Die Drohnen- Cam filmt in 4K-Auflösung, LED-Leuchten verbessern die Sicht unter Wasser.
P OW E RV I S I O N
POVERVISION.ME
UNTERWASSER DROHNE
Wer als prächtiger Fisch der Unterwasserdrohne PowerRay begegnet, wird bestenfalls ein Fotomotiv und schlimmstenfalls ein Abendessen. Die Drohne kann nämlich b eides: a) mit einem 70 Meter langen Kabel sanft durchs Wasser gleiten und die Schönheit der Unterwasserwelt
filmen und fotografieren. Oder b) mit der eingebauten (auch einzeln benutzbaren) Sonar-Kugel kleine Fischgruppen orten und deren Verstecke aufs Handydisplay des Anglers verpetzen. Beim Kauf der Drohne gibt es zum stattlichen Transportkoffer auch noch eine VR-Brille, mit der man den Tauchgang im Trockenen live nachempfinden kann – besonders in Hai gewässern angenehm. PREIS: 1599 EURO; POWERVISION.ME
INNOVATOR
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KABELLOSER LAUT SPRECHER
Die Einwohner der D-A-CH-Länder gelten als korrekt, pünktlich – aber auch als tanzfaul und hüft steif. Warum eigentlich? Berlins Clubszene ist welt berühmt, in Zürich feiert man die Sommernächte durch, und Wien bringt zu verlässig große Musiker
hervor. Vielleicht gibt es bei uns nur zu wenig Boxen des Typs JBL Pulse 4, tragbare Speaker mit 360-Grad-Sound und Sur round-LED-Lichtshow. Da mit wird man überall und zu jeder Zeit zur 1-Mann- Disco. Und zwölf Stunden Wiedergabezeit reichen auch für die 1-Mann-After hour im Morgengrauen. Am schönsten leuchtet der 20 Zentimeter große Lautsprecher im Dunkeln, er darf auch mit in den Pool oder in den Schnee – das Gerät ist wasserdicht. PREIS: 229 EURO; JBL.AT
CA M P S T OV E 2
HOLZOFEN MIT STROM GENERATOR
Mehr als zwei Milliarden Menschen kochen im Jahr 2020 noch an offenen Feuern, oft in Hütten, wo der ungefilterte Rauch die Menschen krank macht. Darum entwickelte BioLite einen Ofen, der aus Holz scheiten effizient rauch lose Hitze produziert und zudem Strom herstellt, den sich arme Menschen oft nicht leisten können. Erfreulicher Nebeneffekt: Den CampStove 2 kann man auch als Wohlstands camper nutzen. Einen Liter Wasser erhitzt er in viereinhalb Minuten und lädt nebenbei dein Handy auf. Zusammengepackt ist er nur so groß wie eine Wasserflasche. Und jeder Camper finanziert mit dem Kaufpreis weitere BioLite-Projekte in Ent wicklungsländern. PREIS: 149,95 EURO; BIOLITEENERGY.COM
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H ÖV D I N G
AIRBAG KRAGEN Die Frage „Was wäre schlimmer: eine zerstörte Frisur oder eine zerstörte Schädeldecke?“ würden nur sehr eitle Menschen mit „Die Frisur!“ be antworten. Aber warum trugen 2018 in Europa nur zehn Prozent der 17- bis 30-Jährigen einen Radhelm? Umfragen in Schweden ergaben im Jahr 2005, dass Rad fahrer gerne einen Helm hätten, der nahezu unsicht bar ist und doch schützt. Klang unmöglich, Anna Haupt und Terese Alstin probierten es dennoch in ihrem Industriedesign studium in Lund. Ihre Lösung: ein Kragen, der beim Sturz einen Airbag auslöst und dann wie Omas Trockenhaube aussieht. Das Hövding ge nannte Gadget, das nach sieben Jahren Entwicklung in den Handel kam, schützt den Kopf zudem besser als Radhelme. Der jetzt er hältliche Hövding 3.0 kann zudem ein Notrufsignal senden – und wärmt im Winter fast wie ein Schal. PREIS: 299,95 EURO; HOVDING.AT
Der Hövding wird über ein USB‑Kabel aufgeladen, die Akku- Laufzeit beträgt 16 Stunden.
INNOVATOR
HARMANN INTERNATIONAL, BIOLITE, ALEXANDER CRISPIN
JBL PULSE 4
LUFT HELM
Laut Studien gewährt der Airbag-Helm einen achtfach besseren Schutz als herkÜmmliche Fahrradhelme.
KUFEN GLEITER Bei diesem Bike ersetzen Tragflächen die Räder. Das Treten in die Pedale treibt den Propeller (hinten) an.
M A N TA 5
DAS BIKE , DAS ÜBERS WASSER FÄHRT
PREIS: 6590 EURO; EU.MANTA5.COM Mit einem Elektromotor unterstützt der Manta5 seinen Fahrer beim Gleiten übers Wasser. MANTA 5
Wie oft hattest du eine Idee im Kopf, die ein anderer umgesetzt hat? Willst du dich am Ende deines Lebens fragen, ob dein großer Traum hätte Realität werden können? Diese Sätze hörte der Neuseeländer Guy HowardWillis 2011 auf einer Unternehmerkonferenz. Und fühlte sich ertappt. Dann beschloss er, einen verrückten Einfall, der ihn schon lange umtrieb, endlich umzusetzen.
Sechs Jahre dauerte es, bis er und der Designer Roland Alonzo mit ihrem Start-up Manta5 das Hydrofoil Bike marktfertig hatten – ein E-Bike, das auf dem Wasser fährt. Der Trick dabei: Tragflächen. Wenn man schnell genug tritt, gleitet das Rad über Seen, Flüsse und Meere – solange die Wellen maximal kniehoch bleiben.
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INNOVATOR
ALPHATAURI.COM
K ATA DY N
DER MOBILE TRINKWASSER - FILTER Es gibt sie tatsächlich noch, die echten Aben teuer. Man findet sie fern ab der eigenen Comfort Zone. Ob beim Camping und Trekking in der Wild nis oder auch im Groß stadtdschungel auf ande ren Kontinenten: Damit solche Reisen nicht nur wildromantisch klingen, sondern es auch sind, müssen ein paar Basics gesichert sein: sauberes Trinkwasser zum Beispiel.
GARMIN
UHR FÜR ABENTEURER UND MULTI - SPORTLER
Bist du sportlich und abenteuerlustig genug für diese Multisport- Adventure-Smartwatch? Teste es und lies alle Stär ken der Garmin Fenix 6 mit nur einem Atemzug vor. Luft holen, los! Karten für über 2000 Skiorte und 41.000 Golfplätze; Aktivitätsprofile für Trail running, Schwimmen,
iken, Laufen, Wandern, B Rudern, Navi-gestützte Wegempfehlungen; Lauf tempo-Dosierung; Climb Pro-Steigungsanalyse; Überwachung der Blut sauerstoffsättigung; E-Mail- und SMS-Emp fang; Zahlen mit Garmin Pay; automatischer Not ruf bei Unfällen; Musik- Streaming; Herzfrequenz analyse (unter Wasser!); Kalorien- und Schritt zähler; Schlaf-Tracker … geschafft! Zur Belohnung ein Tipp: statt den Aufpreis fürs Saphir-Uhrenglas zu zahlen, lieber eine güns tige Schutzfolie kaufen. PREIS: AB 599,99 EURO; GARMIN.COM
Der Katadyn-Wasserfilter passt mit 24 Zentimeter Länge und 550 Gramm Gewicht gut in einen Ruck sack. Er säubert einen Liter stark verschmutztes Wasser pro Minute und reicht damit für kleine Reisegruppen bis drei Personen. Die Technik da hinter: Die Poren der Filter keramik sind kleiner als die Mikroorganismen.
SAUBER MACHER
Der Katadyn Pocket filtert Bakterien und andere Krank heitserreger auch aus stark verschmutztem Wasser.
USWE
DER OUTLANDER ACTION - RUCKSACK
Schon Gletschermumie Ötzi hatte eine Kraxe auf dem Rücken, das Prinzip Rucksack ist so alt wie die Jungsteinzeit. Aber es hat erstaunliche 5300 Jahre gedauert, bis die Men schen das größte Problem am Rucksack gelöst haben: dessen nerviges Hin-undher-Gerutsche. Alle Läufer kennen das Problem des „tanzenden Affen“, wie es die Firma USWE nennt. Wie ein Babyaffe auf dem Rücken der Mama zappelt der Rucksack beim Laufen rum. Die Lösung: Anstelle von zwei von der Brust zur Hüfte parallel verlaufen den Riemen haben diese USWE-Modelle vier Rie men, die sich vor der Brust wie bei einem großen X als Schnalle treffen. Darauf hätte man eigentlich vor tausenden Jahren schon kommen können. PREIS: AB 90 EURO; USWE-SPORTS.COM
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INNOVATOR
GARMIN, KATADYN GROUP, USWE-SPORTS.COM
PREIS: CA. 279,90 EURO; KATADYN.COM
32,5 KM/H
Top-Speed von Alexander Prass, 18, Spieler des FC Liefering (Österreichs 2. Liga), wo die ältesten Jahrgänge der Akademie kicken.
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HIER
SPIELT 54
DIE
ZUKUNFT
INNOVATOR
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SPIELFELD
Vier Basisstationen auf jeder Torseite sammeln über Funk die Positionsdaten der Spieler.
54 SPRINTS
Die Zahl der Sprints mit über 5,5 m/s, die Mittelstürmer Luka Reischl (U16) in einem Spiel zurücklegt
1662 METER
Die Anzahl der besonders intensiven Anlauf-, Highspeedund Abbremsmeter von Luka Reischl (U16) pro Spiel
DIE RED BULL AKADEMIE IN SALZBURG-LIEFERING IST EINES DER FORTSCHRITTLICHSTEN AUSBILDUNGSZENTREN DER WELT. MIT EINEM UNERREICHTEN OUTPUT: NIRGENDWO SONST SCHAFFEN GERADE MEHR AKADEMIESPIELER DEN SPRUNG IN EUROPÄISCHE TOPBEWERBE. EIN EXKLUSIVER RUNDGANG DURCH DIE FUSSBALL-TALENTSCHMIEDE. FOTOS: GIAN PAUL LOZ Z A
TE XT: REINER K APELLER
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SCHNELLKRAFT
Das portable Sprint gerät „1080 Sprint“ errechnet den maxi malen Power-Output und weiß, welcher Fuß mehr Kraft auf den Boden bringt.
PROZENT
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ZEITMESSUNG
Lichtschranken die nen zur Zwischen zeitmessung auf der 55-Meter-Laufbahn – zuerst alle fünf, dann alle zehn Meter.
Alexander hat seine Sprint leistung innerhalb eines Jahres um sieben Prozent gesteigert, er läuft die 20 Meter in 3,02 Sekunden.
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WIDERSTAND
Der Spieler rennt an einer Kordel gegen den Widerstand der Hightech-Seilwinde an – und zieht bis zu 80 Prozent seines Gewichts.
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0, 8
METER/SEKUNDE So schnell führen die Spieler bei einem geschwindigkeits basierten Training zehn Kniebeugen aus.
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TOUCHSCREEN
Via Tablet können sich die Spieler ein loggen, ein perso nalisiertes Workout abrufen und ihre Leistung überprüfen. 2
VIDEOANALYSE
Zwei Infrarotkameras halten fest, mit wie vielen Metern pro Sekunde die Hantel stangen gezogen und gedrückt werden.
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INNOVATOR
M MAN HÄTTE SICH DIE ANNÄHERUNG AN DIE ZUKUNFT DES FUSSBALLS VIELLEICHT ETWAS WENIGER BESCHAULICH VORGESTELLT.
Zur Red Bull Akademie fährt man durch ein ländliches Idyll, eine von Bäumen gesäumte Landstraße entlang, links fließt die Saalach, ein wenig weiter rechts die Salzach. Am Ende der über einen Kilometer langen Straße liegt das 12.000 Quadratmeter große Gelände, auf dem 200 junge Fußballtalente aus sieben Nationen in acht Jugend- (U7 bis U14) und drei Akademiemannschaften (U15, U16, U18) arbeiten, von 120 hoch spezialisierten Mitarbeitern unterstützt, die von Trainingssteuerung bis Nachspeisenzubereitung sämtliche relevanten Bereiche professionell abdecken. Es ist ein europaweit einzigartiger und einzigartig erfolgreicher HightechKomplex mit sechs Fußballfeldern, Fußballhalle, Kraftkammer, Athletik raum und Motorikpark, mit Sensoren, die Tag und Nacht Daten sammeln, die auf Servern gespeichert und von Computerprogrammen aufbereitet werden. Fußball wird hier nicht auf dem Stand des Jahres 2020 gedacht, sondern dem der Jahre 2021, 2025 und darüber hinaus. Über dem Haupteingang der erst im September 2014 eröffneten Akademie prangen die Buchstaben enter the next level. Und man hat hier allen Grund, selbstbewusst zu sein. 2017 gewann die hiesige U19 die UEFA Youth League, die Champions League der Vereinsnachwuchsteams – mit acht selbst geformten Akademiespielern im Finale. 2018 erreichte der FC Red Bull Salzburg das UEFA Europa League-Halbfinale, mit sechs in der Akademie ausgebildeten Spielern in der Startformation. Nirgendwo sonst schaffen derzeit mehr Akademietalente den Sprung in Europas Topbewerbe. Regelmäßig kommen internationale Spitzenklubs in Liefering vorbei, zuletzt Vertreter aus Deutschlands und Spaniens Erster Liga. Was die Akademie vom Gros internationaler Nachwuchszentren unterscheidet?
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Die Dimensionen, die Ausstattung, das technische Know-how? „Die Spiel- und Ausbildungsphilo sophie“, sagt Manfred Pamminger, Geschäftsführer des FC Liefering. „Die ist bei uns in Stein gemeißelt. Jeder einzelne Trainer, jeder einzelne Mitarbeiter, jeder einzelne Spieler agiert nach dieser Idee. Das macht unseren Erfolg aus.“ Es ist das Pressing, Gegenpressing und schnelle Umschalten, das die Spieler verinnerlicht haben. Es ist die Leidenschaft, die auf dem Feld und abseits davon von jedem geteilt wird. Zum Leben erweckt wird diese Philosophie mit modernster Technologie. – Will kommen zum Rundgang durch die Zukunft des Fußballs.
STATION 1 DER ATHLETIKRAUM: VOLLE KRAFT VORAUS Sprint-Training? Selbst heute bei vielen Spitzenklubs immer noch eine Sache von mit Gewichten beladenen Schlitten, die Gewichte ungefähr geschätzt, und weil ein gleitender Schlitten weniger Widerstand leistet als ein stehender, wird Explosivität nur am Start effektiv trainiert. In Liefering läuft’s anders. Mit einem speziellen Sprint-Trainingsgerät, bei dem sich der Spieler einen Gürtel ums Becken schnallt, der über eine Kordel mit einer computergesteuerten Hightech-Seilwinde verbunden ist, und gegen einen exakt einstellbaren Widerstand anrennt. Der Trainer analysiert die Leistungskurve in Echtzeit am Laptop, weiß nach wenigen Läufen, bei welchem Widerstand der Spieler maximale Kraft erbringt, wann er seine Höchstgeschwindigkeit erreicht, wie lange er sie halten kann, und sogar, welcher Fuß mehr Kraft auf den Boden bringt. Die D aten dienen zum ständigen Feintuning des Trainings – und weil sie in einer
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DAS SPIEL MIT DEN DATEN Ohne Daten geht im Fußball heute gar nichts mehr. In der Akademie werden sie ab der U15 systema tisch gesammelt. Und zwar in allen Bereichen: beim Athletiktraining, bei technischen und taktischen Einheiten am Platz, sogar bei kogni tiven Einzelübungen, etwa im SoccerBot360. Das schafft nicht nur Vergleichswerte für die eigene Leistung, sondern auch Bench marks für ganze Jahr gänge. Und damit stets auch Anhaltspunkte, ob Spieler und Team den hohen Erwartungen entsprechen – oder sie sogar überflügeln.
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DEUTLICH AUSDAUERNDER Wenn die Anstrengung für einen Sportler zu groß wird, dann „übersäuern“ seine Muskeln. Gemeint ist damit ein erhöhter Laktatwert im Blut. 2 Millimol/Liter (mmol/l) gilt als aerobe Schwelle, das ist der Bereich, in dem Sauer stoffzufuhr und -verbrauch etwa ausgeglichen sind. Im aneroben Bereich benötigen Muskeln mehr Sauerstoff, als der Körper zuführen kann. Alexander hat seine Geschwindigkeit in beiden Bereichen erhöht.
Alexander, 18, hat im Ausdauer bereich klar mess bare Fortschritte gemacht.
Mitte 2017
Ende 2019
2 mmol/l
12,3 km/h
15,7 km/h
4 mmol/l
15,6 km/h
17,7 km/h INNOVATOR
BEIDBEINIG IM SOCCERBOT Luka arbeitet seit Oktober 2018 mit dem SoccerBot360 – einem Trainingsgerät zur Verbesserung der Ballmitnahme und Orientierung. Durch das Training hat er seine Trefferquote gleich in den ersten drei Monaten deutlich erhöht. Noch wichtiger: Luka traf nicht nur öfter, er reduzierte auch seine Ballhaltezeit. Und er passt jetzt öfter mit dem linken Fuß, seinem schwächeren. Das macht ihn zu einem kompletteren, vielseitigeren, besseren Fußballer.
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Den Seitfallzieher zeigt Luka, 16, mit rechts, seine Pässe spielt er beidbeinig.
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88 Doppelzimmer gibt es im Internat der Akademie. Nicht im Bild: der herrliche Blick auf die Salz burger Berge
Datenbank archiviert werden, dienen sie auch dazu, den Leistungsfortschritt eines Spielers über Jahre nachvollziehbar zu machen. Pamminger sieht in dem Gerät namens „1080 Sprint“ einen der Ecksteine des Akademie-Erfolgs. „Unsere Jungs müssen extrem schnellkräftig sein, darauf ist unser Spielsystem ausgelegt. Und im modernen Fußball sind 90 Prozent aller Sprints maximal 20 Meter lang.“ Manchmal laufen die Akademie-Spieler schneller, als sie können: Denn die Seilwinde ist auch so einstellbar, dass sie der Kordel keinen Widerstand leistet, sondern sie aufspult. Der Spieler, der in dem Fall auf die Winde zuläuft, wird von ihr gezogen, beschleunigt also – und gewöhnt die Beine an neue Höchstgeschwindigkeiten.
STATION 2 DER HIGH-TECHKRAFTRAUM: VIDEO-WORKOUT 2.0 Direkt neben der Laufbahn stehen 13 Arbeitsstationen für das Krafttraining. Gewichtiger Unterschied zur herkömmlichen Muckibude: Der Spieler loggt sich über das Tablet ein, spult sein Programm ab und erhält Feedback von Computer oder Trainer. Denn auf jeder Station ist ein Computer montiert, der mittels Infrarotkameras und Tablet das Training überwacht, Daten sammelt und in ein Netzwerk speist. Der Clou: Athletiktrainer können über eine Software im Büro – bei Bedarf natürlich sogar in Echtzeit – individuelle Workouts erstellen. Wenn der Trainer gerade keine Zeit hat, kann er das Video auch Stunden später am PC analysieren. Zusätzliches Feature: Der Spieler kann seine Leistung mit Team kameraden im Raum vergleichen. Dafür tracken Infrarotkameras die Bewegung der Hantelstangen, zählen jede Wiederholung, messen die Leistung in Watt sowie Höchstund Durchschnittsgeschwindigkeit, mit der die Hantelstangen gezogen und gedrückt werden, in Metern pro Sekunde. Und liefern zugleich Antwort auf die Frage: Wer ist der Stärkste im Jahrgang? 60
STATION 3 ANTI-SCHWERKRAFTLAUFBAND: AUF DEM MOND TRAINIEREN Ein deftiges Tackling, eine unglückliche Drehung: Egal wie fit man ist, Verletzungen gehören zum Fußball. Spieler müssen lernen, damit umzugehen – und vor allem müssen sie lernen, so schnell wie möglich wieder fit zu werden. Dank dem AntiSchwerkraft-Laufband der Akademie gelingt das Comeback jetzt deutlich schneller. Denn mit dem ursprünglich für Astronauten entwickelten Trainingsgerät können rekonvaleszente Sportler schon früh wieder in die Vorbereitung einsteigen – sogar wenn
ALEXANDER PRASS MITTELFELDSPIELER
Alexander, 18, ist lauf stark, verfügt über einen guten linken Fuß und ist zudem torgefährlich. Sein Debüt für den FC Liefe ring in der Zweiten Liga Österreichs feierte er im März 2019.
sie das eigentlich noch gar nicht könnten. Pamminger: „Der Spieler trägt auf dem Laufband eine Hose, die luftdicht mit einer bis zur Hüfte reichenden Luftkammer abschließt. Ein Gebläse erzeugt darin Überdruck, was das Körpergewicht um bis zu 80 Prozent verringert.“ Eine Art Moonwalk, der den Spieler früh wieder an eine natürliche Laufbewegung gewöhnt und Regenerationstrainings im Wasser überflüssig macht. Denn mit Neigungssimulationen bis 15 Grad, Rückwärtslauf-Programm und einer Höchstgeschwindigkeit von 19 km/h ist das „AlterG“ eindeutig die innova tivere Reha als gemächliches Wasser treten. Auch hier gibt es ein zusätz liches Feature: Ein integriertes Ganganalysesystem trackt Schrittlänge und -frequenz sowie Gewichtsverteilung und zeigt Fehlstellungen an.
WA S W U R D E A U S D E
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ERSTE LIGA
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Elf Absolventen gelang der Sprung in die höchste Klasse – neun in Österreich, je einem in Deutschland und Polen.
Sieben Jungtalente landeten in Österreichs Zweiter Liga, etwa beim FC Liefering oder beim FC Juniors OÖ.
Ein Spieler des YouthLeague-Kaders wechselte in die Regionalliga Ost, die Dritte österreichische Liga.
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Wer sich die Trainingsstationen in der Akademie ansieht, stellt sich relativ früh eine Frage: Wird Fußball hier noch als Mannschafts- oder bereits als Einzelsport gesehen? Die Spieler trainieren auch nach individuellen Plänen, variieren Umfang und Intensität je nach Position, persönlichen Stärken, Schwächen und Trainingszielen. Und das gilt nicht nur in puncto Athletik, sondern mehr und mehr auch im Denken, im Auffassen und Lösen von Spielsituationen und im Treffen von Entscheidungen. Alex ander Schmalhofer, 33, Leiter Spielanalyse und Innovationsprojekte, widmet sich in der Akademie den Bereichen, für die es oft noch keine Vergleichswerte gibt. Sein neuestes Forschungsobjekt ist der SoccerBot360. Das Trainings-Tool steht im zweiten Stock der Akademie, 50 Meter vom Athletikraum entfernt.
STATION 4 DER SOCCERBOT360: FUSSBALL BEGINNT IM KOPF Der erste Gedanke im SoccerBot360: So geht Computerspielen in Über lebensgröße. Der zweite: Hier drinnen werden Athleten wieder zu Jungen, die den Ball gegen das Garagentor knallen. Im kreisförmigen Trainings gerät – zehn Meter Durchmesser, neunzig Quadratmeter Spielfeld –
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PROZENT
Lukas Antizipations-Score beträgt 480 – und liegt damit um 38 Prozent über dem Team durchschnitt der U16.
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Eine Highspeed- Kamera ermittelt, wie schnell, scharf und genau das Ziel getroffen wird.
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zum permanenten Feintuning der Ballverarbeitung macht man im Prinzip genau das, allerdings auf dem letzten Stand der Wissenschaft. Sechs Beamer projizieren Computerbilder an die Wand, zum Beispiel kleine Fußballtore, die der Spieler unter Zeitdruck mit Pässen treffen muss. „Die Jungs sollen schneller denken lernen, Prozesse verarbeiten und ihr Blickverhalten trainieren“, sagt Schmalhofer. Wie gut sie darin sind, trackt eine Highspeed-Kamera. Sie ermittelt, wie schnell, scharf und genau gepasst wird. Oder wie oft der schwache Fuß zum Zug kommt – denn eine hohe Trefferquote ist nur dann wirklich gut, wenn mit beiden Beinen annähernd gleich oft gepasst wird. Verblüffend: Gerenderte Spielszenen eines Trainings oder Matchs lassen sich an die Wand projizieren und nochmals erleben. So kann man dem Spieler in einer Art virtuellem Replay Pass- und Laufwege zeigen, die er zu vor übersehen hat. Die Positionsdaten für diese Big-Data-Berechnungen sammelt ein Local-Position-Measure ment-(LPM-)System, 100 Meter weiter im eigentlichen Herz der Akademie.
ORIENTIERUNG
360 Grad um den Spieler herum leuchten Fußballtore auf, die der Spieler mit Pässen treffen muss. 3
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BEIDBEINIGKEIT
Die Software des SoccerBot360 analysiert, wie oft mit dem schwachen Fuß gepasst wird.
STATION 5 LPM INDOOR: BIG DATA IN DER GROSSEN HALLE Schlechtwetter? Kein Problem. Auf dem Kunstrasen der 6000 Quadrat meter großen Halle finden nicht nur Trainings- und Bewerbsspiele statt, hier sammelt auch ein LPM-System, das exakteste Sport-Tracking-System der Welt, über acht Basisstationen die Positionsdaten aller Spieler und des Balls auf dem Feld. Und das 25‑mal pro Sekunde. Wer schlecht im Überschlagen ist: Bei 22 Spielern plus Ball sind das in 90 Minuten über drei Millionen Rohdaten. Und die sitzen, denn das LPM-System ortet auf fünf bis zehn Zentimeter genau, ist damit einhundertmal präziser als GPS. Kombiniert man die Rohdaten, erhält man genaue Anlauf-, Highspeed- und Abbremsmeter der Spieler, aber auch technische und taktische Werte wie Passquoten und Ballbesitzzeiten. Selbst biometrische Daten können
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mit dem System gesammelt werden, etwa Herz- und Atemfrequenz oder die Hauttemperatur der Spieler. Be eindruckend. Aber, so Schmalhofer: „Ich kann noch so viele Daten haben, ohne Zusammenhang helfen sie mir nicht weiter.“ Daher veredeln, interpretieren, verknüpfen er und sein Team Daten auf dem Computer, gewinnen Schlüsse und stellen ihre Analysen den Trainern zur Verfügung.
STATION 6 DER PACKING-WERT: DIE VEREDELUNG DER DATEN Gibt es eine Erfolgsformel im Fuß ball? Bisher hat sie noch niemand gefunden. Aber Schmalhofer schraubt an Erfolgswahrscheinlichkeiten, etwa mit dem Packing-Wert, einem Indika tor für die Effizienz im Fußball, mit dem man misst, wie viele Gegenspieler mit einem Pass überspielt werden. Der Gedanke dahinter: Ein Fußballer, der – durch Pass oder Dribbling – viele Gegner überwindet, ist ein guter Spieler. Der Wert steigt, wenn der Angreifer in Strafraumnähe ist oder dem Verteidiger den Ball durch die Beine schiebt. Auch die aktuelle Spielsituation wirkt sich aus. Packing wird seit der EM 2016 ziemlich ge feiert, ARD-Experte Mehmet Scholl sprach sogar von einem „heiligen Gral“. Statistisch gesehen punktet das Team mit dem besseren PackingWert zu 86 Prozent. „Die Herausforderung ist es, Daten so zu veredeln, dass sie Trainer und Spieler interessieren und für sie verständlich sind.“ Das geht am besten mittels Videoanalyse, in der sich die Spieler wiedererkennen. Auch hier ist Big Data die Zukunft. Früher studierten Spielanalytiker den Gegner anhand von drei oder vier Spielen, kategorisierten Torchancen oder Konterszenen in einem Video und stellten es dem Trainer zur Ver fügung. Heute erledigt eine in Eigen regie entwickelte Software diesen Job. Dank künstlicher Intelligenz erkennt sie Spielszenen und lernt mit jedem Spiel dazu. Der Analytiker spart sich eineinhalb Arbeitstage beim Sichten des Materials – die er jetzt in Detailanalysen steckt.
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LUKA REISCHL STÜRMER
Luka, 16, ist schnell und körperlich sehr stark. Er arbeitet gut gegen den Ball und steuerte im Herbst 2018 in neun Spielen neun Tore und sechs Assists bei.
Wir sind am Ende unseres Rund gangs angelangt. Der Fußball, da ist sich Schmalhofer sicher, wird in den nächsten fünf Jahren noch flexibler, noch individueller, noch eigen verantwortlicher, noch anspruchs voller – und all das in körperlicher, technischer und mentaler Hinsicht. „Gewinnen wird, wer künftig die besseren Entscheidungen schneller treffen kann“, sagt er. „Und sie präzi ser umsetzt – in der 90. Minute eben so wie in der ersten.“
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CO² -neutral, stressfrei und bezahlbar: Per Virtual Reality können wir um die Welt reisen, ohne unsere Wohnung zu verlassen. Aber können Pixel vor den Augen wirklich den Sand unter den Füßen ersetzen? Unser Autor hat es ausprobiert.
HERRLICHE AUSSICHTEN T E X T To b i a s
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M o o r s t e d t
F O T O S N o r m a n
Ko n r a d INNOVATOR
N E U E U F E R VR-Apps
versprechen Erholung an vir tuellen Zielen . Per fek t für den urlaubsreifen Autor. Doch erst muss er lernen , wie man einen Fuß vor den an deren setzt .
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D Die Realität ist die düsterste aller Wirklichkeiten. Zumindest in Ham burg, an einem Wintertag, zirka 15 Uhr. Tief hängen die Wolken vor meinem Bürofenster, die Sonne, nichtsnutziger Tagedieb, hat sich längst verzogen. Der Computerbild schirm ist die einzige Lichtquelle im Raum. Auf Instagram scheint da gegen die Sonne, mein Fußballverein postet Bilder aus dem Trainingslager in Doha, ein Kollege scheint auf Dienstreise in Vietnam zu sein, die Hälfte der Insta-Nutzer hält sich dank Fotofilter eh permanent in Kali fornien auf. Wenn ich morgens um 8.30 Uhr im Büro ankomme, ist es fast noch dunkel, der Heimweg um 17.30 Uhr fühlt sich an wie tiefste Nacht. Nichts wie weg hier. Nur: wie? Der nächste Urlaub liegt in weiter Ferne. Und ein Kurztrip auf die Ka narischen Inseln verbietet sich aus klimatechnischen Gründen. Eine Familienreise nach Teneriffa würde für den Ausstoß von mehr als acht Tonnen CO² sorgen – dabei dürfen alle 80 Millionen Deutsche bis 2035 nur noch 7,3 Gigatonnen CO² ver ursachen, 90 Tonnen für jeden Bürger. Und danach gar nichts mehr. Eine Flugreise ist nicht drin. Sorry. Seit Monaten verfolgen mich im Netz die Anzeigen des Virtual-RealityAnbieters Oculus. „Step into the rift“, heißt es da. Auf Deutsch: Mach dich auf den Ausweg. Ich will aber keine Monster besiegen oder Raumschiffe steuern, sondern ein Glas Wein auf einem Hügel in der Toskana trinken. Oder einfach mal am Strand einschla fen. Ist die Technologie weit genug? Für die Anschaffungskosten einer
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VR-Brille von 549 Euro kann man zwar fast eine Woche ins All-inclusive- Resort fahren, aber jetzt liegt die „Oculus Quest“ vor mir, ein unschein barer schwarzer Quader mit zwei Controllern. Es ist 20 Uhr. Ich sitze in der Küche, die Kinder schlafen. Zeit, abzuhauen. Nach 30 Minuten, in denen ich eine App heruntergeladen habe, setze ich die VR-Brille auf, stelle das Bild scharf. Durch eine Kamera in der Brille sehe ich meine Um gebung: Küchentisch und Sitzbank, Kräutertopf und Messerblock. Ich halte einen Knopf am Controller ge drückt und ziehe so eine „GuardianLinie“ auf dem Boden, die verhindern soll, dass ich im Pixelrausch vom Bal kon falle. Übertrete ich später diese Grenze, erscheint ein rot leuchtendes Raster vor meinen Augen, und das Spiel stoppt.
CHECK-IN Und Schnitt. Die Küche ist ver schwunden. Ich stehe allein in einer riesigen Glaskuppel. Es ist Nacht. In der Ferne sehe ich schwarze Berge. Über mir funkeln die Sterne, ein Nordlicht wabert. Ich verrenke mir den Hals, laufe ein paar Schritte. „Wow“, sage ich in die leere Küche hinein. Die Kommandozentrale, der Home Screen der „Oculus Quest“, sieht aus wie das Feriendomizil eines Silicon-Valley-Milliardärs. Einmalige Lage, Top-Architektur, offener Kamin und schicke Mid-Century-ModernMöbel. Ich fühle mich sofort wie zu Hause. Dann wende ich mich dem zwei Quadratmeter großen Bildschirm zu, der im Raum schwebt. Mit Kopf
bewegungen und einem Laserpointer, den ich mit dem Controller steuere, bediene ich das Menü – jeder Smart phone-Nutzer findet sich sofort zu recht zwischen Mediathek, Einstel lungen und Store. Erst mal mache ich ein allgemeines VR-Tutorial, um mich in der neuen Welt und ihren Natur gesetzen zu akklimatisieren. Das Ocu lus-Programm „First Steps“ schmeißt mich in eine endlose Landschaft mit leuchtenden Linien und Glühwürm chen, ich lerne, wie ich Joystick, Trig ger- und Greiftaste des Controllers nutze, um zum Beispiel Bauklötze zu stapeln, Papierflieger fliegen zu lassen oder einen Ball auf einem Tischtennisschläger zu jonglieren.
A Aber ich bin nicht für Zirkusübungen hier, sondern zum Relaxen. Erst mal ab an den Strand. Im Store gibt es eine eigene Tourismus-Kategorie. Ich lade mir die Apps „Nature Treks VR“ und „Wander“ für 10 bis 20 Euro her unter. Sanftes Meeresrauschen tönt aus den 3D-Lautsprechern an der Brille und vermischt sich mit dem Ge räusch des Geschirrspülers. Palmen, weißer Sand. Eine menschenleere
Ich will keine Monster besiegen oder Raumschiffe steuern, sondern ein Glas Wein auf einem Hügel der Toskana trinken. Oder einfach mal am Strand einschlafen. Ist die Technologie weit genug?
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N A , D A N N P R O S T ! Alles , was man braucht für den Stran d . Eine VR- Brille wie die Oculus Q uest , passen de Apps un d vielleicht ein kühles Getränk . Ab er stellt sich der erhof f te Ef fek t wirklich auch am Schreibtisch ein?
Sanftes Meeresrauschen dringt aus den Lautsprechern und vermischt sich mit dem Geräusch des Geschirrspülers.
I nsel. Ich mach mir ein reales Bier auf – kurzer Seitenblick aus der Brille heraus – und versuche, wie es so schön heißt, die Szenerie zu genießen. Dann schreit ein Baby in der Ferne. Wer programmiert denn heulende Babys in eine Südsee-Experience?, frage ich mich für einen ziemlich langen Moment, bis mir auffällt, dass meine Tochter im Nebenraum auf gewacht ist und weint. Nur zögernd logge ich mich aus.
PAUSE Menschen suchen immer nach Orten, an denen sie noch nie gewesen sind – und wo der Neuanfang möglich scheint. 1965 dachte der Computerwissenschaftler Ivan Sutherland bereits über künstliche Umwelten nach, in denen die Abbildung an die Realität heranreicht. In den 1980er-Jahren entdeckten SciFi-Autoren virtuelle Realität als Schauplatz. „Cyberspace. Eine gemeinschaftliche Halluzination, täglich erlebt von Milliarden Teil nehmern, über alle Nationen hinweg“, wie William Gibson in „Neuromancer“ schrieb. In den 1990ern gab es in Videospielhallen bereits erste 3D-Maschinen. Wie aufgeregt ich war, als ich damals als Provinz-Teenager in Berlin eine Art Laufstall für Erwachsene betrat, ein Lichtschwert / einen Con troller bekam, die Brille aufsetzte und gegen Polygondrachen kämpfte, die so realistisch aussahen wie die Zeichnungen meiner dreijährigen Tochter. In den vergangenen Jahren haben Bewegungssensoren und Grafikchips jedoch starke Fortschritte ge-
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macht: 2011 stellte der damals 19-jährige Palmer Luckey in seiner Garage einen Prototyp einer neuen VR-Brillengeneration her. 2014 kaufte Facebook Luckeys Firma Oculus für zwei Milliarden Dollar. VR könnte wirklich ein Massenmedium werden.
NEXT LEVEL Das Baby schläft jetzt ruhig. Zurück an den Strand mit „Nature Treks VR“. Da die Grundfläche meiner Küche kleiner ist als meine virtuelle Karibik insel, kann ich nicht über den PixelSand schreiten, sondern muss mit dem Controller springen. Ich setze mich in ein bereitstehendes Kanu und paddle los – durch das kristallklare Wasser sehe ich die Fische in der Tiefe. Nach zehn Minuten fühle ich mich so wohl auf der Insel, dass mir, äh, langweilig wird. Da ich hier kein Buch lesen kann, was ich sonst gerne am Strand mache, lade ich das nächste Szenario, „Winterberge“: Ein verschneites Tal, Schneehasen und Hirsche springen herum. Wow!
UM DIE WELT REISEN AUF GUT KLICK Sehenswürdig keiten abhaken, einfach mal nichts tun oder Sport treiben: Wie im echten Leben gibt es auch in der Virtual Reality verschiedene Arten des Rei sens. Diese Apps zeigen die ganze Bandbreite. 68
Und weiter: „Deep Blue“, ich schwebe 20 Meter unter der Wasseroberfläche, Buckelwale, Korallenfische, eine versunkene Ruine. Wow! Herbstwald. Frühlingswiese. Weltall. Wow! Die Grafik ist gar nicht so außergewöhnlich, die Tiere wirken bei näherem Hinsehen etwas steif und wie aus gestopft. Die Illusion, wirklich wo anders zu sein – „Präsenz“ im Jargon der VR-Community –, ist trotzdem eindrucksvoll. Das ist der Grund, war um VR-Brillen bereits in der Psychotherapie eingesetzt werden – um posttraumatische Belastungsstörungen und Phobien zu heilen. Weil sich die Erlebnisse im 3D-Raum so real anfühlen, können sich Patienten unter Begleitung von Therapeuten ihren Ängsten und Erinnerungen stellen. Das heißt auch, dass die Erlebnisse „hier“, an meinen virtuellen Urlaubsorten, so „real“ sind, dass sie Spuren im Hirn hinterlassen können. Nach zwei Stunden ist der Akku leer. Ich nehme die Brille ab, bewege mich leicht orientierungslos durch die Wohnung. Vom Berggipfel und Meeresgrund ins Bett in fünf Minuten. Ich schlafe tief und traumlos. Zehn Tage lang mache ich jeden Abend Kurzurlaub im Cyberspace. Schon nach zwei Tagen wird es mir am Strand und in den Bergen zu langweilig – obwohl ich festgestellt habe, dass sich bei „Nature Treks VR“
Städte raten
Zum Gipfel kra xeln
Natur e rleben
„World Traveler VR“ versetzt dich an ver schiedene Orte auf der Welt – und du musst erraten, wo du dich befindest. Das fällt vor der Golden Gate Bridge oder der Frei heitsstatue nicht sehr schwer. Der Schwierigkeits grad steigt mit jedem Level.
In „The Climb“ kann der Spie ler in realisti schen Land schaften Berge erklimmen. Ob man in Ruhe nach der Ideal route sucht, um eine Best zeit klettert oder im ver einfachten Touristen modus die Land schaft genießt, ist jedem selbst überlassen.
„Nature Treks VR“ nimmt den Nutzer mit in idyllische Land schaften und andere Szena rien. Zu den in teraktiven Wel ten zählen eine einsame Insel, eine Savanne, eine Unterwas serwelt, aber auch der Welt raum. Immer wieder tauchen auch Tiere in der Umwelt auf.
Menschen suchen immer nach Orten, an denen sie noch nie gewesen sind – und wo der Neuanfang möglich scheint.
mit den Händen Wetter und Tageszeit kontrollieren sowie Schmetterlinge oder Fische herbeizaubern lassen – und im Weltraum kann ich Kometen und Schwarze Löcher erschaffen wie ein kleiner Gott. Aber das macht ja auch nicht für alle Ewigkeiten Spaß. In der VR-App „Wander“ bewegt man sich dagegen in einem Standbild der realen Welt – es ist eine Art Google Streetview auf Speed und arbeitet sogar mit denselben Daten. So kann man nicht nur Tourismus attraktionen besuchen – zum Beispiel gotische Kathedralen, die extra für das Spiel aufbereitet wurden –, sondern sich auf einer Karte an jeden Ort der Welt beamen. Ein Klick. Ein Schnitt. Plötzlich stehe ich an der Ostküste Grönlands, eine Schotterpiste führt einen Hügel hinauf, es dämmert, in der Ferne namenlose Berge. Mühsam klicke bzw. gehe ich den Hügel empor. Fünf Minuten, zehn, „gehe“ ich an Lkw-Wracks vorbei, kein Mensch weit und breit. Mein Puls beschleunigt, obwohl ich mich nicht bewege. Ich will wissen, was sich hinter dem Hügel verbirgt. Dann bin ich da, noch ein Klick, und: ein weiterer, etwas höherer Hügel. Eine Ahnung von Grönlands Weite. Meine Lieblingsfunktion von „Wander“ ist die Random-Taste, die mich per Zufall an einen Ort irgendwo auf unserem Planeten versetzt. Ich ver suche dann zu erraten, wo ich mich
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Settings mit einer Herausforderung verbinden. Macht doch viel mehr Spaß, auf dem Gipfel zu stehen, wenn man selbst hochgeklettert ist. Ein drucksvoll auch die VR-App „National Geographic Explore“, in der man als Fotograf in der Antarktis oder den Anden unterwegs ist – das Spiel gibt einen Pfad durch die liebevoll gestal tete Welt vor, die Fotomotive wählt man selbst. Als einmal plötzlich ein Pinguin aus dem eiskalten Pixel-Was ser springt und auf meinem Kanu lan det, zucke ich zusammen, behalte aber einen kühlen Kopf und drücke auf den Auslöser. Das Foto kann ich mir per E-Mail selbst schicken. Eine Post karte aus dem VR-Urlaub, sozusagen.
E V O M V I R T U E L L E N L E B E N G E Z E I C H N E T Zehn
Ab en de lang b egab sich unser Autor Tobias Moorste dt auf VR- Kurzurlaub e . Ein E xp eriment , das Sp uren hinterließ – innerlich wie äuß erlich .
befinde. Ich stehe neben einem Esel auf einem Kiesweg, grüne, sanft ge schwungene Hügel. Umbrien? Tos kana? Falsch! Ostrumänien scheint eine Reise wert zu sein. Ich lande im Baltikum (korrekt geraten), Albanien (falsch, glaubte an Südfrankreich), Vietnam (korrekt), in Ghana und dem Schwarzwald. Und überall blicke ich in den blauen Himmel. „Powered by Google“ steht da immer geschrieben. Fast wie im echten Leben. Reisen, heißt es, hilft dabei, Vor urteile abzubauen. Und in meinem Fall und bei Ostrumänien stimmt das
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eindeutig. Ich bin viel unterwegs. An manchen Tagen schmerzt mein Hals, weil die VR-Brille doch ganz schön schwer ist. Sonnenbrand, Lebens mittelvergiftungen und Jetlag bleiben mir dagegen erspart.
ENDGEGNER Im echten Strandurlaub werde ich nach spätestens sechs Tagen unruhig. Im VR-Superkurzurlaub bemerke ich ein ähnliches Muster. Ich lade mir Apps wie „Real VR Fishing“ oder „The Climb“ herunter, die idyllische
Eignet sich die VR-Brille als Urlaubs ersatz? Das ist eine Definitionsfrage. Wenn man unter Urlaub das Sichselbst-Mästen im All-inclusive-Resort versteht, dann eher nicht. Und wer gern in Hostels im Zentralamazonas Freundschaften knüpft, wird auch nicht zufrieden sein. Auf jeden Fall fühle ich mich nach zwei Wochen VR-Superkurzurlauben erholt und habe mehr Energie. „In den ersten Minuten nach der Landung in einem fremden Land“, schreibt Alain de Botton in „Kunst des Reisens“, „sind die Schleusen unserer Wahrnehmung weit geöffnet.“ Auch wenn man nicht wirklich verreist, kann man diesen Effekt simulieren, indem man nach einem Routine-Tag im Büro mal was Neues erlebt, statt vor Netflix wegzu dämmern. Ein „Wow!“ tut uns eben ab und zu ganz gut. Dafür braucht man nicht unbedingt VR-Reise-Apps. Vielleicht hätte ich auch einen Näh kurs anfangen können. Um sich zu erholen, kann man natürlich auch mit der VR-Brille neue Welten er kunden, unbedingt aber sollte man ab und an etwas Neues machen.
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I M S I L I C O N V A L L E Y Z U H A U S E Richard Socher ist Chef- Forscher des Sof t ware - Konzerns Salesforce mit Sitz in San Franciso, Kalifornien .
> Der Forscher Richard Socher, 36, gilt als Star der künstlichen Intelligenz. Hier erklärt der Dresdner, wie die schlauen Maschinen unsere Welt verändern werden und wie wir uns darauf vorbereiten können.
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KEINE ANGST VOR
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INTERVIEW JÜRGEN SCHMIEDER FOTOS JEREMY JACKSON
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Seien wir doch mal ehrlich: Die Menschheit hat keine Chance! Maschinen besiegen uns bereits in Brettspielen wie Schach, sie kön nen sicherer Auto fahren als wir, schneller rechnen und stellen Zusam menhänge her, von denen wir nicht einmal wussten, dass sie existieren. Es kann nicht mehr lange dauern, dann überwacht Big Brother unser Leben, ein Computer bestimmt über unseren Alltag. Gesichtserkennung und Sprachassistenten sind doch nur die Vorstufen zur Machtübernahme der Maschinen. Das sind die üblichen Reflexe des Menschen auf technische Fort schritte – insbesondere beim Thema der künstlichen Intelligenz zeichnen wir Horrorszenarien. Nur: Wird das wirklich so kommen, oder gibt es auch Perspektiven, die uns erlauben, einer Zukunft mit KI positiver ent gegenzusehen? Richard Socher, Chef-Forscher für künstliche Intelligenz beim SoftwareUnternehmen Salesforce, wählt den optimistischen Ansatz. Der gebürtige Dresdner hat an der amerikanischen Elite-Uni Stanford promoviert – und dabei übrigens im sagenumwobenen Büro 221 gearbeitet, in dem einst die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin forschten. 2014 gründete er „Metamind“ und verkaufte es zwei Jahre später an Salesforce. Innerhalb des Unter nehmens erforscht er nun die An wendung von KI in der Praxis. Zeit für einen Reality Check mit einem, der das Thema in allen Details kennt. innovator: Herr Socher, Sie haben den schönen Satz gesagt: „Künstliche Intelligenz zeigt uns, wer wir wirklich sind.“ Also: Wer sind wir? richard socher: Grundsätzlich müssen wir uns fragen: Was macht den Menschen aus? Ein Punkt, durch den wir uns gern von anderen Arten abgrenzen, ist Intelligenz: Das klingt sehr spezifisch, aber da schließen sich viele Fragen an, was das über haupt ist. Da verhilft uns die künst liche Intelligenz zu interessanten Erkenntnissen.
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Welchen zum Beispiel? Wir stellen plötzlich fest, dass Auf gaben, die wir für simpel halten, sehr kompliziert sein können und dass vermeintlich komplizierte Tätigkeiten relativ einfach sind. Nehmen wir Schachspielen: Das ist für Computer eher leicht zu lernen. Der Job von Putzpersonal dagegen ist unglaub lich schwierig zu automatisieren. Da steckt viel abstraktes und konkretes Wissen drin, das miteinander ver knüpft werden muss: Wie schafft man so Ordnung, dass es Sinn ergibt? Was kann eine Maschine heute schon besser? Aufgaben, die sich wiederholen, zum Beispiel die Analyse von Bildern in INNOVATOR
der Radiologie. Und die Auswertung sehr großer Datensätze. Es gibt bei Salesforce ein sogenanntes Lead & Opportunity Scoring: Das hilft Vertrieblern, die eine lange Liste von Kunden haben. Wen sollen sie als Erstes anrufen? Wenn eine künstliche Intelligenz die Nachrichten aus der Branche verfolgt – ob es zum Beispiel einen neuen Abteilungsleiter gibt –, bereits gesendete E-Mails überprüft und externe Daten einbezieht, dann kann sie voraussagen: Das sind heute die zehn Leute, die am meisten daran interessiert sind, das Produkt zu kaufen. Das führt dazu, dass Verkäufer 30 Prozent effizienter sind. Es verletzt aber womöglich den Stolz des Verkäufers. Klar, es ist wichtig, ihm schlüssig zu erklären, warum er diese Leute anrufen sollte, nur dann vertraut er der Analyse.
C O D E S F Ü R Ü B E R M O R G E N Richard Socher er forscht nter an derem , wie uns schlaue Spracha ssistenten u das Arb eitsleb en künf tig erleichtern können .
Wenn man die Leute in 150 Jahren fragen wird, ob sie den ganzen Tag allein in einem Lkw sitzen wollen, wird die Antwort sein: Nein, das ist völlig absurd, das macht doch eine Maschine. INNOVATOR
Meilensteine in künstlicher Intelligenz haben oft mit Spielen zu tun: Schach, Pokern, das StrategieBrettspiel Go. Wäre es nicht inter essanter, mehr Aufmerksamkeit auf ihre Anwendungen im Alltag zu richten? Das ist ganz genau mein Ansatz. Klar war das ein Riesending, als der Computer in Go gewonnen hat, und es hat auch die Art und Weise beeinflusst, wie die Leute spielen. Außerhalb der Spielewelt hat sich durch diese Applikation allerdings eher wenig verändert. Algorithmen in Spielen sind selten hilfreich in der echten Welt, wo nicht alles so schön angeordnet ist wie auf einem Spielbrett. Es gibt sehr viele Unsicher heiten, der Zufall spielt eine genauso gewaltige Rolle wie das Berechnen von Wahrscheinlichkeiten. Und kaum gewinnt eine Maschine gegen den Menschen, heißt es: „Jetzt werden wir überflüssig.“ Oder: „Der Terminator wird kommen.“ Das ist auch kulturell bedingt. In Japan etwa finden es alle super, dass mehr Sachen für sie automatisiert sind – da wird der Roboter als Helfer gesehen und nicht als Terminator oder Jobkiller. Niemand kann jeden Tag 10.000 mögliche Kunden überprüfen, so wie niemand jeden Tag das komplette Internet manuell durchforsten kann – das kann der Algorithmus von Google deutlich besser. 73
Wozu wird das letztlich führen? Man kann historische Fortschritte als Effizienzsprünge sehen: Dampfmaschine, Elektrizität, Internet. Künstliche Intelligenz ist der nächste Effizienzsprung, und er wird uns als Spezies gewaltig verändern. Vor 250 Jahren haben 90 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet, für diese körperliche Arbeit war es wichtig, fit zu sein. Mittlerweile ist es relativ egal, wie groß der Bizeps ist. Andere Eigenschaften sind heute wichtiger. So eine monumentale Verschiebung steht uns durch künstliche Intelligenz bevor. Langfristig bin ichalso optimistisch, kurzfristig mache ich mir auch ein paar Sorgen. Worüber? Nehmen wir zum Beispiel LkwFahrer: Sie haben einen knallharten Job. Sie müssen konzentriert sein, auch wenn es manchmal stundenlang geradeaus geht. Sie sind oftmals Tage oder Wochen von der Familie getrennt, müssen verschiedene Zeitzonen durchfahren. Es ist kein bequemes Leben, und man könnte sagen: Gut, dass wir daran arbeiten, dass eine Maschine das übernimmt. Wenn man aber Lkw-Fahrer fragt, dann sagen die: „Ich liebe meinen Beruf, ich bin gerne allein, ich will nie was anderes machen.“ Das ist verständlich. Wenn man die Leute in 150 Jahren fragen wird, ob sie den ganzen Tag allein in einem Lkw sitzen wollen, wird die Antwort wahrscheinlich die gleiche sein, wie wenn man heute fragt, ob sie den ganzen Tag in der prallen Sonne auf einem Feld schuften wollen, bis sie Schwielen an den Händen haben. Sie werden sagen: „Nein, das ist völlig absurd, das macht doch eine Maschine!“ Dennoch haben Lkw-Fahrer Angst, ihren Job zu verlieren. Was sagt man denen? Noch ist es nicht so weit, es ist also noch Zeit, und es ist die Aufgabe der Politik und der Wirtschaft, die Leute darauf vorzubereiten und ihnen zu erklären, dass es für sie andere Aufgaben geben wird. Vielleicht ist die Fragestellung, ob Maschinen Jobkiller sind, die falsche Herangehensweise.
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Vieles ist auch kulturell bedingt: In Japan finden es alle super, dass mehr Sachen automatisiert sind – da wird der Roboter als Helfer gesehen und nicht als Terminator oder Jobkiller.
Was wäre eine bessere? Das Ziel in der Medizin zum Beispiel ist doch, gesunde Menschen zu haben – und nicht mehr Arbeitsplätze zu schaffen. In der Radiologie beispielsweise ist die künstliche Intelligenz effizient und kostengünstig. Es gibt zu wenige Radiologen, und die mensch liche Intelligenz ist nun wahrlich nicht darauf ausgerichtet, tagtäglich und andauernd auf Schwarzweißbilder zu starren. In diesem Bereich kann KI einen positiven Beitrag leisten, und wenn man es so erklärt, leuchtet es den Menschen auch ein. Das macht die aktuelle Angst vieler Menschen vor dem Jobverlust aber nicht kleiner. Das stimmt, und deshalb muss die Politik die Menschen mitnehmen. Sozialsysteme müssen das unterstützen. Es muss aber vor allem gezeigt werden, dass es Eigenschaften gibt, die in Zukunft noch stärker gefragt sein werden: Kreativität, Empathie, Probleme zu erkennen, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Die Maschine stellt die Diagnose, der Arzt übermittelt sie dem Patienten? So ungefähr. Aber der Arzt kann ja noch viel mehr: Vielleicht wird der Arzt die Analysen mehrerer Maschinen kombinieren, womöglich entdeckt er dabei eine neue Krankheit, ein neues Virus. Diese Kombination von abstraktem und konkretem
issen ist schwer zu automatisieren. W Wir dürfen nicht vergessen: Eine Maschine ist immer nur so gut wie die Daten, die man ihr gibt. Dadurch entsteht manchmal ein „Bias“ – wenn der Algorithmus Stereotype und Vorurteile bedient. Ist das nicht gefährlicher als alles andere? Das ist meiner Meinung nach die größte Gefahr. Künstliche Intelligenz wird nie rassistisch oder sexistisch programmiert. Sie arbeitet mit den Daten, die sie bekommt. Fragt zum Beispiel eine Bank den Rechner: „Wer soll einen Kredit bekommen und wer nicht?“, und die Daten der Bank sehen so aus, dass in der Vergangenheit weniger Frauen einen Kredit zur Firmengründung beantragt haben, dann ist es möglich, dass künstliche Intelligenz den Kreditantrag einer Frau eher negativ bewertet. Da hält uns die künstliche Intelligenz einen Spiegel vor: „Guckt mal, so habt ihr das in der Vergangenheit gemacht.“ Man kann aber auch gegensteuern. Einen Algorithmus kann man einfacher ändern als die Einstellung von 10.000 Vorgesetzten, die immer nur Männer gefördert haben. Das ist richtig, und man muss sich bewusst machen: Künstliche Intelligenz ist eine sogenannte „Omni-Use Technology“. Das müssen Sie erklären. Man kann sie für alles verwenden. Man kann mit einem Hammer ein Haus bauen – oder ihn als Waffe benutzen. Mit einem Auto kann man INNOVATOR
MIT DIESEN FÄHIGKEITEN KANNST DU 2020 PUNKTEN Welche Kompetenzen suchen Unternehmen heute? Um diese Frage zu beantworten, untersuchte LinkedIn Millionen Daten seines Karriere-Netzwerks. Hier sind die Antworten.
SOFT SKILLS
HARD SKILLS
1. Kreativität
1. Blockchain
Wer sich abheben will, braucht einzigartige Ideen – und die setzen Einfallsreichtum voraus. Auf keine menschliche Fähigkeit sind Betriebe heute mehr angewiesen.
2. Überzeugungskraft Gute Ideen sind wichtig, bringen dein Unternehmen aber nicht weiter, wenn du sie nicht erklären kannst – erst den Vorgesetzten, dann womöglich dem Kunden.
3. Teamfähigkeit IT-Experten mit HR-Profis, Con troller mit PR-Experten: Mehr denn je setzen Betriebe heute auf fachübergreifende Teams – dafür musst du kooperieren können.
4. Anpassungs fähigkeit Noch nie hat sich die Arbeitswelt so rasant verändert wie heute. Deswegen sind Unternehmen auf Leute angewiesen, die Veränderung als Bereicherung sehen.
5. Emotionale Intelligenz Wer nachhaltig erfolgreich sein will, muss langfristige Beziehungen pflegen – etwa mit Geschäftspartnern. Hier kann keine Maschine den Menschen ersetzen.
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Entwickelt für Kryptowährungen, kommt die Technologie längst auch bei Versicherungen oder im Gesundheitswesen zum Einsatz. Nur Fachkräfte bleiben rar.
2. Cloud Computing Immer mehr Unternehmen nutzen Cloud-Lösungen für ihre digitale Infrastruktur. Gefragt sind deswegen Spezialisten für Systeme wie Microsoft Azure.
3. Analytisches Denken Tech-Wissen ist wichtig, klar. Aber genauso kommt es für Unternehmen darauf an, etwa aus riesigen Datenmengen die richtigen Schlüsse zu ziehen.
4. Künstliche Intelligenz Sie ersetzt viele Jobs, begleitet und weiterentwickelt muss KI aber von Menschen werden. Hierzulande steigen viele Firmen erst jetzt ein und suchen Personal.
5. UX-Design Damit Nutzer etwas kaufen, müssen sie sich auf Websites leicht zurechtfinden. Deswegen bleiben Unternehmen auf eine gute User Experience (UX) angewiesen.
Menschen transportieren – oder sie überfahren. Im Internet kann man wertvolle Informationen schnell teilen – oder illegale Geschäfte machen. Künstliche Intelligenz kann in fast allen Bereichen eingesetzt werden, für positive und negative Zwecke. Gesichtserkennung kann zum Beispiel dabei helfen, Kriminelle zu verfolgen. Sie kann aber auch für andere, finstere Zwecke eingesetzt werden. Man sollte Technologie nicht verteufeln, die Politik muss hier re gulierend eingreifen. Ist es nicht so, dass der Mensch im Lauf der letzten industriellen Revolutionen zur, nun ja, Maschine geworden ist? Er steht am Fließ band, schraubt an Autos, ordnet Papierstapel. Könnte es sein, dass der Mensch mithilfe von künst licher Intelligenz wieder mensch licher wird? Unbedingt! Und ich glaube, dass künstliche Intelligenz zu mehr Kom munikation zwischen Menschen füh ren wird. Immer weniger Leute wer den allein langweilige, sich ständig wiederholende Tätigkeiten ausüben. Berufe im zwischenmenschlichen Bereich bekommen hingegen mehr Wertschätzung: Der Altenpfleger, der Geschichte studiert hat, ist vielleicht besser in seinem Job, weil er sich besser in ältere Menschen hineinver setzen kann. Er muss dann aber auch besser bezahlt werden. Was würden Sie einem Schüler von heute raten? Was wird er zukünftig können müssen? Zuerst: Informatik, weil man künst liche Intelligenz nicht verstehen kann, wenn man vom Programmieren nichts versteht. Mathematik auch. Aber auch: Ethik, Kunst, Geographie. Also jene Fächer, vor denen Eltern ihre Kinder eher warnen, aus Angst, sie könnten keinen Job bekommen. Das wird sich verändern. Recht schreibung zum Beispiel, so wichtig sie ist, kann künstliche Intelligenz jetzt schon verbessern. Es ist aber eine ganz andere Sache, eine fesselnde Geschichte mit kreativen Ideen und fundierter Fachkenntnis zu schreiben. Das wichtigste Skill Set für die Kinder der Zukunft ist des halb meiner Meinung nach eine gute Mischung aus Geisteswissenschaften und Informatik. 75
N E U E W I S S E N S - A R B E I T Als „Chief Learning O f ficer “ b ei Microsof t Deutschlan d soll Mohanna A z arman di eine zukunf tsorientier te Lernkultur vorantreib en .
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SO BLEIBST DU FIT FÜR DIE ZUKUNFT
Neue Technologien wie künstliche Intelligenz w erden unsere Arbeitswelt rasant verändern. Mohanna Azarmandi, Chief Learning Officer bei Microsoft Deutschland, erklärt hier, wie du dich für die Herausforderungen der Zukunft wappnest. PROTOKOLL MICHAEL MOORSTEDT FOTOS DETLEF SCHNEIDER MAKE-UP AND HAIR SASCHA WOBIDO
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ie untersucht medizinische Bilder schneller und präziser als jeder Radiologe, durchforstet Akten ungleich flotter als jeder Anwaltsgehilfe und berechnet Risiken genauer als Experten einer Versicherung: Künstliche Intelligenz (KI) kann uns Menschen schon heute jede Menge Arbeit abnehmen. Auf den vorherigen Seiten hat KIForscher Richard Socher erklärt, warum er glaubt, dass wir von dieser Entwicklung profitieren werden. Trotzdem bleibt die Frage: Wie können wir in Zeiten, in denen sich die Arbeitswelt permanent neu erfindet, auf der Höhe der Zeit bleiben? Wie dafür sorgen, dass uns KI Arbeit ab-, aber nicht wegnimmt? Um angesichts dieser Heraus forderung keinen Boden zu verlieren, hat Microsoft einen neuen Posten eingeführt, den CLO – Chief Learning Officer. In dieser Rolle treibt Mohanna Azarmandi nun bei Microsoft Deutschland eine Lernkultur voran, die es Menschen ermöglicht, ihr Wissen permanent zu erweitern und so mit der rasanten digitalen Entwicklung Schritt zu halten. Hier gibt sie sechs Tipps, was du schon heute tun kannst, um in der Zukunft für den Wettbewerb gerüstet zu sein.
1 Beobachte dich selbst. „Ganz ehrlich: Niemand weiß genau, welche Kompetenzen wir für die Arbeitswelt in zwanzig Jahren brauchen. Verständnis für Programmieren wird immer wichtiger, klar. Und ja, in menschlichen Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen können uns Maschinen so schnell nicht das Wasser reichen. Über diese vagen Vorstellungen hinaus gibt es Ideen, aber keine Garantien. Deswegen rate ich: Behalte die Tendenzen im Blick und kombiniere sie mit deinen Leidenschaften. Du liebst es, dich mit anderen Menschen auszutauschen, und triffst in den meisten Situationen den 77
richtigen Ton? Vielleicht könntest du die interne oder externe Community eines Unternehmens oder einer Initia tive managen. Um herauszufinden, was dich wirklich antreibt, kannst du deinen aktuellen Job analysieren. Welche Aspekte magst du, welche nicht? Präsentationen zu erstellen ist vielleicht nicht so dein Ding. Da für freust du dich jeden Tag darauf, deine Kunden zu beraten. Schon hast du einen Ansatz für deine weiteren Überlegungen.“
Super, dass du eine Idee hast, wie du dich weiterbilden willst. Um zu wissen, ob sie für dich funktioniert, hilft nur: ausprobieren. Beginne mit kleinen Schritten, mit sogenannten Lern-Nuggets.
2 Fang mit Häppchen an. „Dass du jetzt eine erste Idee hast, ist super, heißt aber noch lange nicht, dass sie in der Praxis die richtige für dich ist. Um das herauszufinden, gibt es eine einfache Möglichkeit: ausprobieren. Dazu musst du nicht gleich ein Parallelstudium beginnen. Beginne stattdessen mit kleinen Schritten, sogenannten Lern-Nuggets. Dich fasziniert Big Data? Dann kannst du nach TED-Talks suchen, um her auszufinden, ob du hier tiefer ein steigen möchtest. Simon Sinek oder Kenneth Cukier sind in Sachen Big Data zum Beispiel immer sehr inspi rierend. Zu so gut wie jedem Thema gibt es Videos und Talks auf YouTube, Online-Foren, oder du besuchst ganz klassisch einen Infoabend an einer Akademie. Es geht erst einmal gar nicht darum, etwas Konkretes zu er lernen, sondern ein Gefühl dafür zu bekommen, ob dich das Thema nach haltig reizt. Das ist bereits ‚Learning in Action‘. Nebenbei findest du durchs Ausprobieren auch heraus, welche Lernform dir am meisten liegt.“
3 Schaff dir eine solide Grundlage. „Dein Entschluss steht fest, und du weißt nun, in welche Richtung du dich weiterentwickeln möchtest? 78
M I T G U T E M B E I S P I E L V O R A N Vor ihrem J ob als CLO war A z arman di unter an derem im Marketing tätig – gerade bildet sie sich zum Data Scientist for t .
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Prima, dann kannst du jetzt erste Grundlagen schaffen. Dafür gibt es jede Menge Angebote, vor allem Online. LinkedIn Learning bietet zum Beispiel eine Vielzahl an OnlineLerninhalten und Videos. Oder wenn du schon erste Erfahrung in Software-Entwicklung hast, kannst du mit Microsoft Learn konkrete neue Tools der Cloud-ComputingPlattform Microsoft Azure lernen. Natürlich ersetzen diese Bootcamps kein Studium, und du bist danach nicht sofort eine erfahrene IT-Expertin. Aber du kannst einen Grundstein
legen, vielleicht sogar in einem neuen Job anfangen und dann deine Weiterbildung fortsetzen.“
4 Nerv deine Vorgesetzten. „‚Moment‘, sagst du jetzt, ‚wann um Himmels willen soll ich eine Weiterbildung zum Programmierer neben meinem 40-Stunden-Job absolvieren?‘ Gegenfrage: Wer kann außer dir in Zukunft am meisten davon profi tieren, wenn du deine Kompetenzen erweiterst? In meinen Augen ist das in fast jedem Fall dein Arbeitgeber. Unternehmen sind heute mehr denn je darauf angewiesen, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der technologischen Entwicklung Schritt halten. Mein Vorschlag: Erkläre deinen Vorgesetzten, dass du dich weiterentwickeln willst, und zeige dabei auf, wie die Abteilung von deiner neuen Kompetenz profitieren würde. Überlegt dann gemein sam, wie sich deine Fortbildung am besten in den Arbeitsalltag inte grieren lassen kann.“
5 Hol dir Zertifikate. „Digitale Formate können dir eine gute Wissensgrundlage verschaffen, als Nachweis deines Könnens reichen sie im Bewerbungsgespräch aus Perspektive vieler Unternehmer jedoch nicht aus. Und auch wenn du nicht für alles zwingend einen Uni-Abschluss vorweisen musst – Zertifikate über erfolgreiche Trainings helfen auf jeden Fall. Online-Akademien wie Udacity oder Coursera bieten sogenannte Massive Open Online Courses (MOOC), also Kurse, die gegen Bezahlung offen sind für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt und bereits von Millionen Nutzern belegt werden. Hier vermitteln Expertinnen und
xperten in klar strukturierten SesE sions Wissen zu Themen wie künstlicher Intelligenz, Cloud Computing oder auch digitalem Marketing. Am Ende erhältst du einen sogenannten Nano-Abschluss, den du mit deiner Bewerbung vorlegen kannst. Weiterer Vorteil: Infolge der großen Teilnehmerzahl bilden sich online jede Menge Communities – mit Nutzerinnen und Nutzern, die gemeinsam lernen.“
6 Hör niemals auf, Fragen zu stellen. „Sicher ist: Für die kommenden Jahrzehnte bleibt es eine stetige Her ausforderung, auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Wenn du einen Abschluss in der Tasche hast, kann es passieren, dass deine frisch erworbene Kompetenz durch eine technologische Entwicklung überholt wird. Das ist hart, aber davon darfst du dich nicht entmutigen lassen. Damit das klappt, ist in meinen Augen Neugier eine der wichtigsten Eigenschaften für die Zukunft. Wenn du Veränderungen nicht als bedrohlich empfindest, sondern als bereichernd, dann kann dich so schnell nichts aus der Bahn werfen. Die gute Nachricht: Neugier kannst du trainieren. Beste Methode: Hör nie auf, Fragen zu stellen, und sei offen dafür, von und mit anderen zu lernen. Und das ganz unabhängig von Joblevel, Status und Alter. Das Schöne ist: Wenn du anfängst, etwas Neues zu lernen und neue Fähig keiten aufzubauen – und sei es selbst im kleinsten Rahmen –, schüttet dein Körper schnell wahnsinnig viele Glückshormone wie Dopamin aus, sodass du einfach weitermachst.“
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INNOVATOR SESSIONS Ab jetzt jeden Montag überall, wo es Podcasts gibt
Z W E I N E U E S T I M M E N F Ü R D E N I N N O V A T O R Grün der Flemming Pinck un d J ournalistin L aura Lewan dowski b efragen die Gäste im Po dc ast meist gemeins am .
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LERNEN VON PIONIEREN
In unserem neuen Podcast „INNOVATOR Sessions“ e rklären inspirierende Persönlichkeiten ihr Erfolgsrezept und geben konkrete Tipps.
Warum Podcasts als Lern-Tool durchstarten Weil sie sehr p ersönlich sind Kein Medium stellt eine vergleichbare Nähe her. Die Stimmen der Moderatoren und Gäste gehen direkt ins Ohr, du fühlst dich, als würdest du mit ihnen am Tisch sitzen. Du vergisst die Welt um dich herum und konzentrierst dich ganz auf die Inhalte.
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Weil sie fast jedes Thema behandeln Du willst lernen, besser zu präsentieren? Oder endlich Design Thinking verstehen? Kein Problem: Heute findest du zu jeder Frage die richtige Sendung – und das fast immer kostenlos.
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LUKAS WENTZKE
DAVID MAYER
Facebook-Chefin Sheryl Sandberg fördert Talente mit großem Einfühlungsvermögen, AmazonBoss Jeff Bezos verfolgt seine Ziele mit einzigartiger Beharrlichkeit: Menschen, die unsere Welt neu erfinden, haben Stärken entwickelt, von denen jeder lernen kann – wenn man sie nur richtig danach fragt. Genau das haben wir uns mit unserem neuen Podcast INNOVATOR Sessions vorgenommen. Darin sprechen wir mit Gründern, Forschern, Athleten, Musikern über die Rezepte hinter ihrem Erfolg und entlocken ihnen drei Tipps für deinen Alltag. Dazu nennen sie ihre wichtigsten Tools und Inspirationsquellen.
DER MODERATOR
Flemming Pinck, Gründer und Designer des Modelables Inferno Ragazzi, liebt es, Dinge anders zu machen, und bringt dieses Quer denken auch in die Gespräche im Podcast ein. DIE MODERATORIN
Laura Lewandowski, Unternehmerin und Autorin, wurde unter die „Top 30 unter 30“Journalist(inn)en gewählt und spielt im Podcast ihre große Interview-Kompetenz aus. INNOVATOR
Weil sie perfekt in deinen Tag passen Ob zehn Minuten in der U-Bahn zur Arbeit oder 45 Minu ten auf dem Sofa: Es gibt für jedes Zeitbudget den richtigen Podcast. Aktuell kommen etwa viele Kurzformate zwischen fünf und zehn Minuten auf den Markt.
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FOL GE 1 : S O GE W INNS T DU MENS CHEN Gib dir Mühe bei deinen Absagen! So lautet einer der Tipps, die Philipp Westermeyer in der ersten Folge der INNOVATOR Sessions gibt. Darin erklärt der Gründer von OMR, dem „Festival für das digitale Universum“ (Seite 91), wie es ihm gelingt, internationale Stars zu gewinnen – und was du in Sachen Netzwerken von ihm lernen kannst. In den nächsten Folgen erläutert Seriengründer Peter Hart (Seite 14), wie du langfristige Ziele erreichst, und Triathlet Sebastian Kienle verrät, wie du mit Technologie deine Ausdauer steigerst.
Weil sie wirklich jede Könnerstufe abdecken Egal ob du Narkosearzt bist und alles über die Nebenwirkungen eines neuen Betäubungsmedikaments wissen möchtest oder ein paar Einsteigertipps fürs Verhandeln suchst: Es gibt eine PodcastFolge für dich (erst recht, wenn du auch auf Englisch hörst).
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Weil sie NebenbeiLernen ermöglichen Beim Bügeln, bei der Gartenarbeit, beim Autofahren: Für Podcasts musst du dir keine Zeit freischaufeln, du kannst sie hören, während du notwendige, aber langweilige Dinge erledigst.
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INN OVATOR WIS SEN
HOW TO CONVINCE VOLL ÜBER ZEUGEN S C H R I T T E N
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Man muss nicht recht haben, um recht zu behalten. Denn – sorry, Debattier-Fans – es entscheiden nicht die besseren Argumente darüber, wer in Diskussionen die Oberhand behält oder andere in seinen Bann zieht. Es geht um einen feinen Mix aus gesprochener und Körpersprache. Also weniger darum, was du sagst. Mehr darum, wie du’s sagst. Hier kommen 18 Tipps vom Rhetorik-Experten Matthias Pöhm, die deine Überzeugungskraft steigern werden.
Aufgezeichnet von Reiner Kapeller
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Verwende erprobte Satzmuster Ganz egal, was der Inhalt des Gesprächs ist: Es gibt erprobte Satzmuster, die das Gesagte auf ein Podest stellen. Der Zuhörer rechnet dann unbewusst mit etwas Wichtigem. Im Gespräch klingt das so: „Jetzt sage ich Ihnen, warum wir ab morgen eine neue Produktlinie b rauchen.“ Sofortige Spannung kann man auslösen durch Sätze wie „Jetzt kommt’s“, „Passen Sie auf“ oder „Hören Sie hin“.
Nutze die Kraft von Beispielen „Der größte Fehler – und daran scheitern fast alle meine Seminar teilnehmer – ist unkonkretes, allgemeines Dahergerede.“ Ein Satz wie „Unsere Maßnahme bringt Zeitersparnis“ erzeugt keine Wirkung. Besser sind konkrete Beispiele: „Wenn wir das tun, sparen wir fünf Stunden Arbeits zeit, Woche für Woche, die wir in andere Projekte stecken können.“
Erzeuge bei deinem Zuhörer Bilder Abstrakte Schlagwörter bedeuten für das Hirn Schwerarbeit – weil sie in Konkretes übersetzt werden müssen. Wer überzeugen möchte, muss es den Gehirnen seiner Zuhörer leichtmachen. Im Ideal fall lässt er Bilder entstehen. Also nicht: „Trotz günstiger Rahmenbedingungen steht uns dieses Jahr eine negative Umsatzentwicklung bevor. Der Turnaround ist alternativlos.“ Sondern: „Obwohl die Konjunk tur brummt, sind die Umsätze im Keller. Wenn wir nicht so fort gegensteuern, fahren wir den Karren an die Wand.“
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Wer wirklich überzeugen will, streicht „Ich glaube“, „Ich finde“, „Ich denke“, „Ich würde meinen“ aus seinem Wortschatz.
Verzichte auf Weichmacher Wer wirklich überzeugen möchte, streicht folgende Ausdrücke aus seinem Wortschatz: „Ich glaube“, „Ich finde“, „Ich denke“. Das gilt auch für den Konjunktiv „Ich würde meinen“ etc. – weg damit! Auch Sprachmarotten wie „eigentlich“, „sozusagen, „natürlich“, alles Unfug. Auch „äh“, „dann“, „und …“ sowie der Schweizer Klassiker „oder?“ – ein für alle Mal löschen.
Sprich langsam, das verleiht Gewicht Manche glauben, schnell reden zeugt von Expertise. Stimmt nicht. Der Mensch merkt sich langsam Gesagtes besser. Instinktiv spüren wir: Wenn jemand seine Rede geschwindigkeit verlangsamt, kommt etwas Wichtiges.
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Manchmal sollte man nicht nur langsam sprechen, sondern gleich gar nicht. Denn eine Pause vor wichtigen Aussagen erzeugt Spannung. Und wer am Ende eines Satzes pausiert, lässt das zuvor Gesagte nachklingen und wertet es dadurch auf. Im Dia log reichen zwei Sekunden, vor Publikum sind drei ideal. Fühlt sich zu Beginn ewig lange an, wird aber schnell natürlich.
Lerne, dein Visavis zu bestätigen Kennt jeder: Einmal kurz einen Gedanken geformt, schon fällt einem der andere ins Wort. Wer gleich wieder zum Zug kommen möchte, wartet darauf, bis der andere etwas sagt, das man bestätigen kann. Angenommen, dein Gegenüber sagt: „Wir sollten uns jetzt eher mit den Personal kosten beschäftigen.“ Dann sagst
MATTHIAS PÖHM, 60 Rhetoriktrainer, Buchautor und Inhaber der Pöhm Seminarfactory
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nicht nur Bedeutung und Ein druck des Gesagten, sondern verstärkt auch seine Aussage.
Nenn dein Gegenüber beim Namen Geh (mit deiner Stimme) in die Tiefe „Einen großen Fehler, den bestimmt ein Drittel meiner Teilnehmer macht, haben wir unseren Lehrerinnen und Lehrern zu verdanken.“ In der Schule wurde uns eingetrichtert, am Ende einer Frage mit der Stimme hochzugehen. Doch das wirkt nicht selbstbewusst. Wer über zeugen möchte, senkt am Ende der Frage die Stimme.
Hundertmal gehört – und trotz dem macht es so gut wie keiner. Wer im Gespräch den Namen des anderen verwendet, wirkt überzeugender und sympathi scher. Und wer sympathisch rüberkommt, kann auch eher mit Zustimmung und Unter stützung anderer rechnen.
Verwende Vergleiche
Sag es ruhig noch einmal Wiederholungen verdichten eine Aussage, machen sie ein dringlicher und bedeutender, verstärken sie. Noch einmal: Wer etwas wiederholt, verstärkt
Menschen lieben Vergleiche. Sie sind leicht verständlich und überzeugen auch auf einer tieferen Ebene. Beispiel gefällig? „Ich höre in Seminaren immer wieder, dass man nicht authen tisch wirkt, wenn man rheto rische Techniken anwendet.
Matthias Pöhm, 60, ist einer der bekanntesten Rhetoriktrainer im deutschen Sprachraum, Autor und Inhaber der Pöhm Seminarfactory mit Sitz in Bonstetten, Schweiz. Ursprünglich Software-Ingenieur, hatte Pöhm 1990 sein Schlüsselerlebnis, als er bei einer Betriebsversammlung zum Reden aufgefordert wurde – und scheiterte. Diese Erfahrung veranlasste ihn, Rhetorikkurse zu besuchen und öffentliches Reden zu üben. Seit 1997 ist Pöhm Trainer für Rhetorik. Er lehrt Techniken für freies Reden, Körpersprache und Schlagfertigkeit. poehm.com
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Gönn dir ruhig eine Pause
du: „Ja, die Personalkosten sind definitiv etwas, das wir uns zu gegebener Zeit näher ansehen sollten. Aber jetzt zurück zu meiner Idee.“ Den anderen be stätigen, das Wort übernehmen, ein neues Thema einleiten.
Tiefe Einblicke in Motivation, Selbstvertrauen und Talent zum Nachlesen.
„Präsentieren Sie noch oder faszinieren Sie schon?“ Emotionale Rhetorik statt PowerPoint – von Matthias Pöhm.
„Überzeugt!“ Der deutsche Autor Jack Nasher erklärt, wie man mit optimierter Eigendarstellung Kompetenz zeigen und die Menschen so für sich gewinnen kann.
Darauf antworte ich mit einem Vergleich. Der geht so: ‚Du hast früher als Kind in die Hose gemacht. Das war authentisch. Irgendwann hat man dir beigebracht, das nicht mehr zu tun. Authentisch wäre, wei ter in die Hose zu machen.‘ Authentisch, das ist Außenwirkung, nicht mehr.“
Übertreib es nicht (oder nur selten) Egal welche Technik, egal welche Methode: Nur gut dosiert eingesetzt funktioniert sie einwandfrei. Wer es mit einem Stilmittel übertreibt, erzeugt das Gegenteil dessen, was er wollte. Doch gerade zu Beginn zahlt sich Mut aus. „Generell ist es so: Die meisten verwenden rhetorische Techniken im Unter maß. Also ermutige ich sie, ins Übermaß zu gehen. Denn im Alltag werden sie nicht alles umsetzen, durch die Aufforderung zur Über treibung kann ich sie ins Idealmaß schieben.“
„Die Kraft der Überzeugung“ Praxiserprobte Ideen und Tipps, wie man Selbstbewusstsein ausstrahlen und Überzeugungsarbeit leisten kann – von Ralph Strassner.
Sprich mit deinen Händen Es gibt viele Möglichkeiten, Hände und Arme einzusetzen. Fast alle sind falsch. Hände hinter den Rücken? Falsch. Hände in die Hüfte gestützt? Falsch. In die Hosen taschen? Falsch. Verschränkt? Auch falsch. Merkel-Raute? Ganz falsch, denn die deutsche Kanzlerin hat ihre Unterarme waagrecht, oft sogar wie ein Dach nach oben gefaltet und auf Höhe des Brustbeins. Klassische Opferrolle. Die einzig richtige Position: Die Unterarme leicht nach unten abgewinkelt und die Hände auf Höhe des Bauchnabels locker zusammenhalten.
Erzeuge mit Gesten Nachdruck Mit Gestik kann man richtig gut überzeugen. Das heißt: Verwende deine Hände, um Dinge deutlich zu machen. Wer sagen möchte, dass
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eine Neuerung im Betrieb drei Vorteile bringt, zeigt seinem Gegenüber gut sichtbar drei Finger und sagt: „Erstens: Wir werden kürzer arbeiten“ (Daumen rauf), „zweitens: Wir werden mehr schaffen“ (Zeigefinger ebenfalls rauf) „und drittens: Die Leute sind zufriedener“ (Mittelfinger kommt dazu). Die Geste bleibt nach dem letzten Satz noch für drei Sekunden aufrecht. So geht Meinungsführerschaft.
Sei standfest wie Barack Obama Wer überzeugen möchte, muss überzeugend auftreten. Das heißt: Ab sofort keine eingeknickten oder gar verdrehten Beine mehr, sondern das Gewicht gleich mäßig verteilen. „Obama ist super, s eine Beine wirken wie Säulen.“
Schau den Leuten auf die Nase Wer anderen nicht in die Augen schaut, dem wird misstraut. Und misstrauische Menschen zu überzeugen ist verdammt schwer. Die gute Nachricht für alle, die nur schwer Blickkontakt halten: Es reicht, wenn man seinem Gegenüber auf die Nase schaut. Eye-Tracking-Untersuchungen haben gezeigt, dass niemand den Unterschied merkt.
Spare dir deine Energie Bei manchen Themen versagt sogar die beste Technik. Religion etwa, Verschwörungstheorien genauso. Wenn jemand glaubt, dass Gott die Welt in sieben Tagen schuf und Bielefeld nicht existiert (ja, die Theorie gibt’s), dann sollte man seine Energie lieber sparen. Es ist nämlich so: Argumente zählen nicht, wenn sie auf Glaube treffen. Glaube ist nicht überzeugbar.
Nutze die Kraft der Sympathie Manchmal ist das Anliegen neben sächlich, überzeugt wird auf anderer Ebene. Etwa, wenn man eine Person zum Lachen bringt, sie zum Essen einlädt oder mit ihr etwas trinken geht. „Sympathie öffnet Tür und Tor – faszinierend, in welchem Ausmaß sie das tut.“
So geht Souveränität. Wie du eine großartige Rede hältst, mit facettenreicher Stimme faszinierst und selbst die schlimmsten Nervensägen zu gebannten Zuhörern machst – kurz: einen perfekten Auftritt hinlegst. Vier Top-Tipps.
„Rhetorik, die im Kopf bleibt“ Glänze als Redner: top bewerteter GratisPodcast der Schauspielerin, Trainerin und Rednerin Birgit Schürmann.
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„Profi“ App für professionelles Sprechen. Phonetikerin Monika Hein erklärt, wie du deine Stimme ideal einsetzt.
rhetorikhomepage.de
„Spontan sprechen“
Präsentationstechniken, rhetorische Mittel, Hintergrundwissen – erstellt vom Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg.
YouTube-Channel von Sprachspezialistin Isabel García. Hier lehrt sie, wie du dir Respekt verschaffst.
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3 TIPPS VON JEDEM GAST FÜR DEINEN ALLTAG
Pioniere unserer Zeit sprechen über die innovativen Rezepte hinter ihrem Erfolg. Jeden Montag – überall, wo es Podcasts gibt. Jetzt abonnieren und keine Session verpassen!
Die Welt von INNOVATOR by The Red Bulletin täglich erleben: innovatorbytheredbulletin
innovatorbytheredbulletin redbulletininnovator
redbulletininnovator.com
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FLÜÜÜGEL GIBT’S AUCH OHNE ZUCKER.
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GUIDE
I N N O V AT O R
Insider-Infos und Events
Die spannendsten Festi vals und Konferenzen der nächsten Wochen // Willkommen im Jahr 2030: Hier entwerfen junge Visionäre Lösungen für die Zukunft // Tipps von Profis: So funktioniert Social Business // Mars-Mann: Ein menschenähnlicher Roboter soll Astronauten begleiten //
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und 5. Juni Fifteen Seconds Wenn der Digitalchef der Wiener Staatsoper auf den chinesischen CEO der Meme-Schleuder 9GAG trifft, ist wieder Fifteen Second Festival. Was 2014 als Marketingveranstaltung begann, hat sich zu einem Event ent wickelt, bei dem kluge Köpfe aus den Bereichen Wirtschaft, Innovation und Kreativität miteinander diskutieren. Dieses Jahr soll es auch um Themen wie Stadtentwicklung, Mobilität und Nachhaltigkeit gehen. Zu den Speakern gehören unter anderem Dennis Thom, Marketingchef von Borussia Dortmund, und John Paul Rollert, Politikexperte von der Harvard University. Stadthalle, Graz; fifteenseconds.co
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Bewegt die Massen: Robin Söder, CEO des Founder Summit
und 19. April Founder Summit Worauf muss ich achten, wenn ich mich selbständig mache? Wie finde ich am leichtesten Investoren? Wie vernetze ich mich mit anderen Entrepreneuren? Solche und ähnliche Fragen beantwortet der Founder Summit, das größte Event für Gründer in Deutschland. Speaker wie Lena Jüngst, die die ungewöhnliche „Air up“-Trinkflasche erfunden hat, erzählen, was sie bei der Gründung ihres Start-ups gelernt haben. In der Expo Area stellen sich mehr als 200 Unter nehmen vor. Ungewöhnlich: In der „Pitch Arena“ kämpfen Start-ups vor Publikum um einen echten Deal. RheinMain CongressCenter, Wiesbaden; foundersummit2020.de
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JONAS KINSKI, FIFTEEN SECONDS|MARION LUTTENBERGER, FELIX MAYR
Stefan Stücklschweiger, Fifteen-Seconds-Gründer
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12 und 13. Mai OMR
Es wird wie immer sehr voll und sehr laut, wenn Deutschlands füh rendes Digitalevent OMR durch startet. Über 50.000 Besucher pilgern dann wieder in die Ham burger Messehallen, um sich von den Größen der Digitalszene in spirieren zu lassen. Zu den Spea kern gehören Dawn Ostroff, Chief Content O∞cer von Spotify, und John Foley, Gründer des FitnessStart-ups Peloton. Nicht verpas sen: die Partys mit Secret Acts (zuletzt u. a. Casper & Marteria). Hamburg Messe, Hamburg; omr.com
Erst fachsimpeln, dann feiern: Abends starten die OMR-Partys.
INNOVATOR
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DO IT
23 bis 26. Juni TOA
Musiker, Techies, Künstler, Forscher – bei Europas größtem interdisziplinären TechnologieFestival TOA prallen Welten auf einander. So kommen dieses Jahr 150 Speaker aus verschiedenen Bereichen: etwa Ivy Ross, Vice President Hardware Design von Google, die Kuratorin Lorenza Baroncelli vom Architektur museum „La Triennale“ in Mailand oder Anna Alex, Co-Founderin des Start-ups Planetly, das Firmen beim CO²-Sparen hilft. Parallel finden unter dem Motto „We make you future-proof“ in Berlin mehr als 120 Satellite Events statt. Berlin; toa.berlin
24 Begehrter Gast: Investor Frank Thelen (helle Hose)
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April Rocketeer Festival Ein Festival für digitale Innovationen und Zukunftstrends würden viele eher nicht in Augsburg vermuten. Dabei kommen aus der schwäbischen Metropole nicht nur Roboterbauer Kuka, sondern auch Start-ups wie der Biosuppenhersteller Little Lunch. Das Rocketeer Festival will Gründer und digitale Vordenker aus der Region vernetzen, dafür gibt es etwa ein SpeedDating von jungen Machern mit eta blierten Unternehmern und Kreativen. Stargast des Rocketeer Festivals im vergangenen Jahr war „Höhle der Löwen“-Juror Frank Thelen. Kongress am Park, Augsburg; rocketeer-festival.de
INNOVATOR
JULIAN HUKE, CHRISTIAN A. WERNER/TECH OPEN AIR, BERND ROTTMANN
Tech-Open-AirGründer Niko Woischnik rief das Festival 2011 ins Leben.
S A V E T H E D AT E
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Viel heiße Luft gibt’s beim Pirate Summit, aber „keinen Bullshit“.
und 24. Juni 12HRS.US
Zwölf Minuten dauert bei diesem Event ein Vortrag. Kein Wunder, denn die Konferenz ist aus den „12min.me“-Meetups entstanden, die es in über 30 Städten gibt und bei denen jeder zwölf Minuten reden darf. Das 12HRS.US ist die „extended version“, die 80 Talks dauern zusammen zwölf Stunden, verteilt auf zwei Tage. Die Konferenz mit dem Untertitel „Society Disrupted“ will gesellschaftliche Diskussionen anstoßen. Letztes Jahr gab es deshalb sogar eine Demo für faire Digitalisierung. HSBA Innovation Hub, Hamburg; 12hrs.us
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und 14. Mai Rise of AI Wie stark wird künstliche Intelligenz unser Leben verändern? Kommt es zum KI-Kampf zwischen den USA und China? Hat Europa schon längst den Anschluss verloren? Oder ist der Hype um das Thema übertrieben? Wer wissen möchte, was künstliche Intelligenz wirklich kann, sollte zur „Rise of AI“Konferenz in Berlin kommen. Dort diskutieren mehr als 80 Speaker und 1000 Gäste über die neuen KI-Trends, darunter Hans Uszkoreit vom Deutschen Forschungszentrum für KI und Simon Haddadin, CEO des preisgekrönten Roboter-Start-ups Franka Emika. Telekomgebäude, Berlin; riseof.ai
INNOVATOR
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bis 26. Juni Pirate Summit „Burning Man“ in Köln: Seit nun schon zehn Jahren beginnt der Pirate Summit mit dem Verbrennen einer riesigen Holzskulptur auf dem Gelände der Open-Air-Galerie Odonien. Der Veranstaltungsort mitten in Köln-Ehrenfeld wirkt mit seinen zahlreichen Stahlskulpturen und Feuerinstallationen ziemlich genau wie der Schauplatz eines „Mad Max“-Kino streifens – ein passender Schauplatz also für ein Treffen, das sich selbst „Europe’s craziest startup event“ nennt. Bei diesem ungewöhnlichen Festival ist tatsächlich alles etwas anders. Vor allem wird hier in kleineren Runden offen und ehrlich miteinander geredet – „Kein Bullshit“ lautet eine der Regeln. Das Motto dieses Jahr: #SolveRealProblems. Odonien, Köln; piratesummit.com
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DO IT
FUTUR/IO
Der Gewinner
ENERGIE DURCH EMOTIONEN
Red Bull Futur/io
Wie Visionäre unser Leben 2030 sehen und daran arbeiten, Science-Fiction Realität werden zu lassen.
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u steigst aus der autonomen Taxidrohne und betrittst ein Lokal. Dort verkündet die bekannte TV-Moderatorin aus einem Hologramm in der Mitte des Raumes, dass es nun offiziell keine Ländergrenzen mehr gebe. Aus Freude darüber tippst du einmal kurz auf deinen Handwurzelknochen, rufst deine Freundin an und lachst herzlich, eingedenk so klobiger Geräte wie dieser Smartphones. Währenddessen lädt sich dein persönlicher Energiespeicher auf.
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Die Teilnehmer von Red Bull Futur/io in Lissabon
Willkommen im Jahr 2030. So sieht, grob zusammengefasst, die Zukunft nach Ansicht der Teilnehmer von Red Bull Futur/io aus. Über tausend Visionäre reichten einminütige Videos ihrer Zukunftsszenarien ein. Die 22 kreativsten Köpfe, darunter Sieger Cristian- Alexandru Ioan (s. re.), wurden im letzten Jahr zur Academy nach Lissabon eingeladen.
Gewonnen hat der Clip „Human Emotions as a New Renewable Energy Source“ von Cristian-Alexandru Ioan. Der Rumäne zeigt darin eine Welt, in der wir unseren Energiespeicher durch Emotionen aufladen. „Das ist realisierbar“, so Ioan. „Ich glaube an das Potenzial zwischenmenschlicher Interaktion.“
Science-Fiction wird real
Geleitet von einem Expertenteam aus Zukunftsforschern und Filmemachern, boten Workshops, Key notes und Diskussionen den idealen Rahmen, um die Videoclips zu verbessern und auf ihre Realitätstauglichkeit zu prüfen. Denn eines hat uns die Geschichte gelehrt: Was gestern in Filmen zu sehen war, ist heute oft Realität. Alle Clips und Infos: redbullfutur.io
Emotionen auch beim Sieger selbst: Cristian-Alexandru Ioans Vision gibt es in Kürze auf redbull.tv zu sehen.
INNOVATOR
HUGO SILVA/RED BULL CONTENT POOL
SO GESTALTEN WIR ZUKUNFT
Die 22 Finalisten stellten sich auch einer renommierten Jury. Diese wählte einen Sieger aus, dessen Vision vom Red Bull Media House professionell produziert wurde.
JAHRESABO
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BEYOND THE ORDINARY Erhältlich am Kiosk, im Abo, als E-Paper, auf theredbulletin.com oder als Beilage in einer Teilauflage von:
RICARDO NASCIMENTO / RED BULL CONTENT POOL
READ IT
Leonhard Nima berät Gründer, Firmen und Stiftungen in Sachen Social Entrepreneurship. Hier gibt er fünf Tipps, wie das gute Geschäft gelingt.
Leonhard Nima Founder von Studio Nima und Co-Founder von N3XTCODER, einer Organisation, die Social Entrepreneurs und NGOs mit techno logischen Lösungen unterstützt.
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er klassische Entrepreneur hat eine Idee und will damit Geld verdienen, der Social Entrepreneur versucht ein gesellschaftliches Problem unternehmerisch zu lösen. In Deutschland ist das eine Nische, doch das Interesse daran wächst: Auf Events treffe ich oft junge Leute, die wirklich gute I deen haben. Sie starten mit ganz anderem Mindset in ihr Berufsleben als die Generation zuvor. Social Entre preneurs arbeiten schon heute auf vielen wichtigen Feldern: Plastikvermeidung, Luftqualität in Städten, digitale Lösungen für eine alternde Gesellschaft. Um sie herum ist ein ganzes Ökosystem entstan den, das Finanzierung bietet, das hilft, Businessmodelle und Organisationen zu entwickeln: Ich habe einen ganz guten Überblick über die Szene, und trotzdem tauchen immer wieder überraschende Dinge auf, von denen ich noch nie gehört habe. Das ist ein gutes Zeichen.
1. Such das Problem
Am Anfang eines Unternehmens steht oft eine Idee. Bei einem Social Entrepreneur ist das eine soziale oder ökologische Idee: Du musst nicht sofort eine Lösung haben, du kannst genauso mit dem Problem anfangen. Doch du solltest dich fragen: Was sind Probleme, zu denen ich wirklich einen Bezug habe? Und im Bewusstsein
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2. Verbinde unterschiedliche Welten
Wie begegnet man großen Herausfor derungen? Ein Social Entrepreneur fragt sich: Welche innovativen Lösungen gibt es, und wie kann ich diese anders ein setzen? Ein Beispiel, das ich gerne bringe, ist RetroBrain, eine Spielkonsole mit Gestensteuerung, die speziell für ältere Menschen entwickelt wurde, um das Thema Demenz zu adressieren. Die Idee zeigt, dass es nicht immer darum geht, das Rad neu zu erfinden. Oft muss man etwas nur in einem neuen Kontext anwenden. Rund um die Digitalisierung taucht ein Buzzword nach dem anderen auf, es fließt eine Menge Geld hinein, und es entsteht eine Menge Blödsinn. Wie können wir die Potenziale neuer Technologien einsetzen, um Probleme zu lösen, anstatt damit neue Probleme zu schaffen? Das ist die Frage, mit der wir uns intensiver auseinander setzen müssen. Zum Glück nimmt diese Debatte langsam Fahrt auf.
3. Denk an die Rädchen
Oft heißt es: Wer heute etwas verändern will, muss systemisch denken. Also nicht nur allein an Symptomen herumdoktern, sondern Herausforderungen ganzheit licher denken. Für einen Social Entrepre neur ist es wichtig, zu verstehen, dass zur Lösung eines sozialen Problems viele Rädchen ineinandergreifen müssen. Man muss erkennen, dass die Politik ihre Rolle hat, dass die Zivilgesellschaft ihre Rolle hat, Individuen und natürlich
INNOVATOR
MICHAEL PRESCHL
SO RETTET DEIN BUSINESS DIE WELT
haben, dass du dich vielleicht auf einen langen Weg machst. Aber wie schafft man eine positive Veränderung, wie schafft man „Social Impact“? Das kann durch ein Produkt oder einen Service sein, den du anbietest. Der Impact kann aber auch in der Organisation selbst liegen: in Jobs für benachteiligte Personen, zum Beispiel Alleinerziehende oder Langzeitarbeits lose. Es geht nicht immer um das Was, sondern oft auch um das Wie. Als Social Business ist es wichtig, finanziell nachhaltig zu arbeiten. Sogar profitorientiert. Das heißt aber nicht gewinnmaximierend. Alles, was du an Profiten erwirtschaftest, bleibt im Unter nehmen. Die Profitorientierung ist nur ein Mittel zum Zweck. Manchmal muss man Kompromisse machen und kann den Social Impact nicht maximieren, sondern muss zuerst dafür sorgen, dass die Organisation gut aufgestellt ist.
KOLUMNE
„WERDE NIE SOCIAL ENTREPRENEUR, WEIL ES HIP IST. PASSION IST ENT SCHEIDEND.“
IMPRESSUM
INNOVATOR BY THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Chefredakteur The Red Bulletin Alexander Macheck Chefredakteur Innovator Arek Piatek Art Director Kasimir Reimann Photo Director Eva Kerschbaum Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Textchefs Jakob Hübner, Andreas Wollinger Grafik Miriam Bloching, Judith Heimhilcher, Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz
auch Unternehmen. Systemisches Denken bedeutet, zu schauen: Was kann ich selbst tun, und was müssen andere beitragen, damit eine Lösung funktioniert?
Fotoredaktion Marion Batty, Ellen Haas
Länderredaktion David Mayer Country Project Management Natascha Djodat Media Sales Matej Anusic, matej.anusic@redbull.com Thomas Keihl, thomas.keihl@redbull.com Martin Riedel, martin.riedel@redbull.com Druck Quad/Graphics Europe Sp. z o.o., Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen
Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Global Project Management Melissa Stutz
4. Tausch dich aus
Und damit sind wir beim nächsten Punkt: Kooperiere! Egal was dein Ziel ist, du be wegst dich in einem Spannungsfeld unter schiedlicher Ansätze. NGOs etwa arbeiten anders als Social Entrepreneurs. Sie sehen unternehmerische Ansätze oft misstrau isch. Es gibt also mehrere Kulturen. Man muss mit vielen Playern zusammenar beiten. Man muss in einen Dialog treten und voneinander lernen.
5. Teil deine Idee
Wir sprechen von „Mission Drift“, wenn bei einem sozialen Unternehmen plötz lich der Profit im Vordergrund steht – das passiert leider manchmal, und das richtet dann vielleicht sogar eher Schaden an, als wirklich ein Problem zu lösen. Das richtige Mindset zu haben ist des wegen unglaublich wichtig. Man sollte auf keinen Fall Social Entrepreneur wer den, weil es gerade hip ist. Eine Passion für das Thema ist entscheidend. Wenn ein Problem noch nicht gelöst wurde, hat das meistens gute Gründe. Etwa, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Man braucht Pragmatismus und Hands-on-Mentalität. Wer versucht, alle Probleme auf einmal zu lösen, hat meist selbst mehr Probleme als vorher. Das Gute ist: Es gibt viele Mechanis men, die dir helfen: Ideenwettbewerbe, Workshops an Unis oder Inkubatoren. Schirme deine Idee nicht ab. Mein Ansatz ist immer: Lasst uns Ideen teilen. Wenn es jemand anderer besser macht – ist doch super. Das ist eine Einstellung, die wir noch zu wenig haben: Teilt doch eure Ideen. Wenn andere sie aufgreifen, sind sie gut. Andernfalls sucht euch neue. studio-nima.com INNOVATOR
Publishing Management Sara Varming (Ltg.), Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Mia Wienerberger B2B-Marketing & -Kommunikation Katrin Sigl (Ltg.), Agnes Hager, Alexandra Ita, Teresa Kronreif, Stefan Portenkirchner Executive Creative Director Markus Kietreiber Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier, Florian Solly Co- Publishing Susanne Degn-Pfleger (Ltg.), Elisabeth Staber (Ltg.), Mathias Blaha, Raffael Fritz, Thomas Hammerschmied, Marlene H interleitner, Valentina Pierer, Mariella Reithoffer, Verena Schörkhuber, Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung Veronika Felder Produktion Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek, Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink
INNOVATOR BY THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Christian Eberle-Abasolo Publishing Management Bernhard Schmied Sales Management The Red Bulletin Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Thomas Hutterer, Stefanie Krallinger Media Sales Franz Fellner, Christopher Miesbauer, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes WahrmannSchär, Ellen Wittmann-Sochor, Sabine Zölß; Kristina Krizmanic (Team Assistant) anzeigen@at.redbulletin.com Sales Operations & Development Anna Schönauer (Ltg.), David Mühlbacher Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: www.redbulletin.at/impressum Kontakt redaktion@at.redbulletin.com
Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Sandra Maiko Krutz, Nenad Isailovic, Josef Mühlbacher MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler Operations Alexander Peham, Yvonne Tremmel Assistant to General Management Patricia Höreth Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser ( Vertrieb), Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar (Abo) Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0, Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag und Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700
INNOVATOR BY THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Arek Piatek Country Project Management Melissa Stutz Media Sales Marcel Bannwart, marcel.bannwart@redbull.com Goldbach Publishing Marco Nicoli marco.nicoli@goldbach.com Abo- und Leserservice abo@ch.redbulletin.com
Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl
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TECH-HIGHLIGHT
Val hat 28 Gelenke und kommt selbst auf sandweichem Untergrund voran – eine Voraussetzung für Mars-Expeditionen.
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Unser „Mann“ für den Mars Er ist zwei Meter groß, 140 Kilo schwer, vollelektrisch – und er hat eine heikle Mission: Lebensräume auf dem Mars erforschen – bevor die ersten Astronauten kommen. „Valkyrie“ (Spitzname: Val) ist ein für extraterrestrische Einsätze entworfener Roboter, der laut NASA bald die Reise zum Roten Planeten antreten könnte: Dabei soll Val, teils autonom, teils von der Erde ferngesteuert, zum Beispiel mögliche Bauplätze für künftige Marskolonien ausfindig machen. Kameras am ganzen Körper und 200 Infrarotsensoren helfen ihm dabei. nasa.gov
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NASA
GESTATTEN: „VAL“. ICH ERKUNDE FREMDE PLANETEN
Das Magazin für eine bessere Zukunft
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BEREIT FÜR MORGEN
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