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The Red Bulletin INNOVATOR AT 2018 - #1

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GUTE GRÜNDER

NEUER DATING-HIT

TECH-EVENTS

HYPERLOOP & CO

FÜNF START-UPS FÜR DEN SOZIALEN WANDEL

BUMBLE STICHT TINDER: JETZT SIND DIE FRAUEN AM ZUG

DIE WICHTIGSTEN SUMMITS 2018

WASSER, LAND, LUFT, VAKUUM: SO REISEN WIR IN ZUKUNFT

AUSGABE ÖSTERREICH

Österreichs erfolgreichster Motivator Ali Mahlodji weiß, wie du nach oben kommst und dabei sogar noch glücklich wirst

DIE HOHE KUNST , SICH NIX ZU PFEIFEN

01/18

EURO 3,50


DER NEUE JAGUAR I-PACE

PSSST! ER MACHT EINEN POWERNAP.


Jaguar I-PACE Stromverbrauch in kWh/100 km : 24,2 – 21,2 (komb.); CO2-Emissionen in g/km: 0 (komb.), nach WLTP.


EDITORIAL

I N N O V AT O R

ALLES WIRD GUT C O N T R I B U TO R S

MATO JOHANNIK Der Wiener fotografierte für zahl­ reiche Kunden von A wie A1 bis Z wie Zalando. Gut möglich also, dass Speaker und Cover­Star Ali Mahlodji vor einigen dieser Unter­ nehmen schon Reden hielt. Und sie mit seiner Energie ebenso begeistern konnte wie Johannik beim Shooting. SEITE 32

ROBERT SPERL ist Chefredakteur des öster­ reichischen Natur­ und Wissens­ magazins „Terra Mater“. Für uns interviewte er Samuel West, Psychologe und Direktor des Museum of Failure, das gefloppte Produkte ausstellt. Ein inspirie­ rendes Gespräch über die Kunst des Scheiterns: „Ohne Irrtum gibt es keine Entwicklung.“ SEITE 86

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Menschen, die für innovative Ideen brennen, strahlen oft eine besondere Energie aus. Das haben wir bei der Produktion dieser Ausgabe einmal mehr gelernt. Nehmen wir unseren Titelhelden: Ali Mahlodji kam als Flüchtlingskind nach Österreich und versuchte sich in 40 Jobs (!) – bis er eine Idee hatte, die sein Leben veränderte. Seines und das vieler, vieler anderer. Heute ist der empathische Entrepreneur gefragter Redner und verrät (ab Seite 32), warum Ellbogen-Taktik garantiert kein Mittel zum Erfolg ist. Wie man gute Ideen in erfolgreiche Projekte verwandelt, zeigen fünf soziale Start-ups ab ver Seite 44. Mit dabei: Bikinis aus dem Meer, GratisNachhilfe für alle und ein Rennrad, das im Wald wächst. Apropos Rennrad: Um die Zukunft der Mobilität geht es ab Seite 76. Wir haben einen Ausblick gewagt, wie wir uns in den kommenden Jahren fortbewegen werden – und ob wir dazu überhaupt noch Straßen brauchen. Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion

INNOVATOR


MESSERSCHARF UND PRÄZISE

BEREIT, DEINE LIEBLINGSSTRECKE VÖLLIG ANDERS ZU ERFAHREN? Dann erlebe sie auf der neuen KTM 790 DUKE. Ihr revolutionärer LC8c-Reihenzweizylinder, der bis ins kleinste Detail neu entwickelt wurde, sorgt für einen ausgeprägten Punch – modernste Elektronik, Leichtbauweise und ein messerscharf abgestimmtes Fahrwerk für pures READY TO RACE-Feeling!

Gezeigte Fahrszenen bitte nicht nachahmen, Schutzkleidung tragen und die anwendbaren Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung beachten! Die abgebildeten Fahrzeuge können in einzelnen Details vom Serienmodell abweichen und zeigen teilweise Sonderausstattung gegen Mehrpreis.

Foto: R. Schedl

KTM 790 DUKE

IDEALLINIE INKLUSIVE


INHALT

BULLEVARD

10 14 16 18 20 22 24 28

Weltraum­Trip zur Rettung der Erde Lebensrettung aus der Luft Die Wetterprognose der Zukunft Ein 3D­Drucker mit Kultstatus So baust du dir einen Roboter Der elektrisierende Trainingsanzug Eine App zur Depressionserkennung Knochen aus dem Bioreaktor

12 B U L L E VA R D

HELFER AM HIMMEL

Die Rettungsdrohne des britischen Herstel­ lers Windhorse Aerospace ist mehrfach ge­ nial: Sie liefert Hilfsgüter zielgenau ab, dient als Unterschlupf – und man kann sie essen.

26 B U L L E VA R D

ROBO-HAND FÜR DEN ALLTAG Ein 132 Gramm leichter Roboterhandschuh gibt Menschen mit Rückenmarksverletzun­ gen ihre Beweglichkeit zurück.

76 F E AT U R E

MOBILITÄT FÜR MORGEN

2030 soll das Raumschiff Orion Menschen zum Mars befördern. Die Zukunft bringt uns auch autonome Schiffe und unterirdische Züge.

SERVICE

92 94 96 97 98

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Red Bull TV: unbedingt ansehen! Innovative Events in Deutschland Kolumne: Andreas Gall Impressum Tech­Highlight Tech INNOVATOR


I N N O V AT O R

FEATURES

52 58 86

Die angesagteste Dating-App der Welt Warum alle auf die Formula E abfahren Wie man professionell scheitert

32 F E AT U R E

COVER: DAS MOTIVATIONSGENIE Ali Mahlodji kam als Flüchtlingskind nach Österreich – heute erklärt er, wie du Karriere machst und trotzdem glücklich wirst.

40 F E AT U R E

RETTET UNSER GEMÜSE!

Zu hässlich, zu krumm, zu klein – das Startup „Unverschwendet“ gibt Obst und Gemüse eine zweite Chance – das schmeckt uns!

44 F E AT U R E

5 IDEEN FÜR EINE BESSERE WELT Bikinis aus dem Meer, Gratis-Nachhilfe für alle, tausende Jobs für Menschen mit Behinderung – die Welt wird gut.

70 F E AT U R E NASA

ERFOLGSFAKTOR RESPEKT

Eine Hamburger Forschergruppe untersucht die Auswirkung von Respekt am Arbeitsplatz. Ihre Ergebnisse sind verblüffend. INNOVATOR

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WELCOME TO LEXUS. Der Lexus IS 300h. Self-Charging Hybrid.

IS 300h PRIVILEGE AB

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SONDERMODELL PRIVILEGE INKLUSIVE: • Lexus Hybridantrieb • 223 PS Systemleistung • 16“ Leichtmetallräder

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BULLEVARD

I N N O V AT O R

MANKIND

So buchst du deine Reise ins Weltall

DRONES

Die essbare Drohne für Kriseneinsätze

TRANSPORT Wie Drohnen zu Lebensrettern werden

WEATHER

Tornado-Forschung in den Superzellen

PRINTING

Der 3D-Drucker, der jeden überzeugt

TOYS

Diesen Roboter baust du dir selber

SPORTS

Pimp dein Training mit Elektrohelfern

Ja, die Welt verändert sich radikal. Warum das gut ist, zeigen wir hier.

HEALTH

Die App, mit der man Depressionen erkennt

ROBOTICS

Ein Handschuh, der dich zupacken lässt

MEDICINE Wie Knochen im Labor wachsen INNOVATOR

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I N N O V AT O R

B U L L E VA R D

FUTURE OF MANKIND ›› RETTUNG AUS DEM ALL

Wer die Erde vom Welt­ raum aus bewundert hat, wird alles tun, um sie zu retten, ist Dylan Taylor überzeugt. Deshalb will er 10.000 Menschen ins All schicken.

Seine Idee ist einfach, aber keineswegs nahe­ liegend. Dylan Taylor, Gründer von Space for Humanity, ist sicher, dass ein neuer Blick Blick­ winkel auf Mutter Erde den Zustand unseres Planeten ent­ scheidend verbessern wird: „Unser erklärtes Ziel ist es des­ halb, in den nächsten zehn Jahren 10.000 Menschen in den Weltraum zu schicken.“ Und zwar ganz normale Menschen. Die neue Perspek­ tive soll ihr Bewusstsein ent­ scheidend verändern. Zurück Zurück­ gekehrt, werden sie als Bot­ schafter aus dem All ihre Erfahrungen mit der Mensch­ heit teilen „und so der Welt helfen, ihre größten Probleme zu lösen“, ist Dylan Taylor

überzeugt. Nachsatz: „Und sie werden unsere Spezies in eine bessere Zukunft führen.“ Die erste Mission soll noch in diesem Jahr starten. Vorerst geht es in die Strato­ sphäre, ein Ausflug in min­ destens 17 Kilometer Höhe wird garantiert. Lassen es Wetterlage und Temperatur zu, kommen noch einige Kilometer obendrauf. Dylan Taylor schwärmt: „Aus dieser Entfernung ist die Erdkrüm­ mung deutlich auszumachen, die Erdatmosphäre als blauer Schleier erkennbar. Über Ihnen funkeln in einem pech­ schwarzen, endlosen Himmel die Sterne.“ Gereist wird mit dem „World View Vehicle“. Das ist eine leuchtend rote Kapsel, die mit einem riesigen Ballon in die Stratosphäre bugsiert wird. Aktuell wird im US­ Bundesstaat Arizona getestet, wie sie wieder sicher zur Erde zurückkehren kann. Die Stratosphäre ist nicht das endgültige Ziel. Bereits 2027 ist eine Mission zum Mond geplant, 2030 auch darüber hinaus. Bewerbungen für Alltouristen mit Welt­ rettungsambitionen sind be­ reits möglich. Die Kosten trägt Space for Humanity. Die ge­ meinnützige Organisation finanziert sich über Spenden und Patenschaften. spaceforhumanity.org

IMPACT

Das „World View Vehicle“. Aus den riesigen, an eine Blüte erinnernden Fenstern der Kapsel ist die Aussicht allumfassend. Per riesigen Ballon wird die Kapsel in die Stratosphäre gebracht. Der Fallschirm zwischen Kapsel und Ballon soll die Landung erleichtern.

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Weltrettung per All­ trip: eine herrliche Idee. Schönheit siegt über schlichten Wissensdurst. Selten war Raum­ fahrt hippiesker – Love & Peace!


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I N N O V AT O R

B U L L E VA R D Rettungsdrohne der Firma Windhorse Aerospace: Die Außenschale besteht zum Teil aus Bienenwaben.

Revolution auf dem Sektor der humanitären Hilfe: Diese Rettungsdrohne kann man essen.

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Windhorse Aerospace hat die Idee des unmanned air vehicle (UAV) im Kriegs­ einsatz umgekehrt und stellt mit dem Modell „Pouncer“ ein absolutes Novum vor: eine Drohne mit drei Meter Flügel­ spannweite, die 50 Kilo Lebens­ mittel, Wasser und Arzneien in schwer zugängliche Krisen­ gebiete fliegen kann. Was macht den Flitzer praktischer als Paketabwürfe per Fallschirm? Der Pouncer ist aufgrund geringer Größe und einem Maximalspeed von 120 Knoten (222 km/h) kaum sichtbar und landet mit einer Abweichung von höchstens sieben Metern an der vor­ berechneten Stelle. Zudem ist er nicht auf Landebahnen und intakte Infrastrukturen ange­ wiesen. Verfeindete Gruppen überfliegt das stylische Flug­ gerät mit seinen 35 Kilometern Reichweite einfach. Einmal gelandet und entladen, dienen die Flügel der Drohne fünf bis sechs Personen als Biwak in

kalten Nächten. Der Rahmen ist aus Leichtholz, mit dem man auch in baumlosen Gegenden ein Feuer nähren kann. Das Beste zum Schluss: Die Außenschale der nur 500 Euro teuren Drohne soll demnächst aus dehydriertem Gemüse, Kohlehydraten und Bienenwaben gefertigt wer wer­ den. Somit wird sie fast voll­ ständig essbar sein und, glaubt man ihrem Erfinder Nigel Gifford, leicht nach Cornflakes schmecken. www.windhorse.aero

IMPACT So verabscheuungs­ würdig kriegerische Auseinandersetzungen sind – für alle, die Hilfe brauchen, ist die durch und durch verwertbare Drohne möglicher­ weise lebensrettend.

WINDHORSE AEROSPACE

FUTURE OF DRONES ›› HIMMLISCHER HELFER


DER FORD KUGA jetzt ab

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Symbolfoto | 1) Unverbindlich empfohlener nicht kartellierter Aktionspreis (beinhaltet Händlerbeteiligung, Modellbonus, Innovationsprämie und Ford Bank Bonus) inkl. USt, NoVA und 5 Jahre Garantie (beginnend mit Auslieferungsdatum, beschränkt auf 100.000 km), gültig bis 30.06.2018 bei Ford Bank Leasing. Leasingrate € 49,– zzgl. € 200,– Bearbeitungsgebühr und 1,17 % gesetzlicher Vertragsgebühr, Laufzeit 36 Monate, 30 % Anzahlung, 30.000 km Gesamtfahrleistung, Fixzinssatz 4,4 %, Gesamtbelastung € 21.026,78, vorbehaltlich Bonitätsprüfung der Ford Bank Austria, Kaskopflicht bonitätsabhängig. Aktion gültig bei Ihrem teilnehmenden Ford-Händler, so lange der Vorrat reicht. Nähere Informationen bei Ihrem Ford Händler oder auf www.ford.at. Freibleibendes Angebot.


I N N O V AT O R

B U L L E VA R D

FUTURE OF TRANSPORT DROHNEN ALS LEBENSRETTER Wenn jede Sekunde zählt, heben Drohnen ab – als perfekte BlitzVerbinder zwischen Krankenhäusern sind sie unschlagbar.

Die Matternet-Station steuert die Drohne. Das Paket wird in die kreisrunde Öffnung geschoben und automatisch an die Drohne weitergeleitet.

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Sie fliegt mit Tempo 70, hat eine Reichweite von 20 Kilometern und transpor transportiert problemlos Pakete bis zu zwei Kilogramm. Damit ist die vom kalifornischen Unter Unternehmen Matternet produzierte M2-Drohne gemeinsam mit ihrer Station perfekt für ein lokales Gesundheitsnetzwerk geeignet, beispielsweise für die Verbindung zweier Spitäler. Matternet-CEO Andreas Raptopoulos: „Medizinische Artikel können damit inner innerhalb von 30 Minuten in jedes Krankenhaus geliefert wer werden.“ Was bedeutet, dass der Einsatz der Drohne sogar lebensrettend sein kann.

Der Platzbedarf der Matternet-Station ist gering. Gerade zwei Quadratmeter sind dafür notwendig. Auf Aufgestellt kann sie nahezu über überall werden – ob zu ebener Erd’ oder auf dem Dach, bleibt dem Anwender überlassen. Die Station steuert die Drohne, sorgt für eine präzise Landung und tauscht danach Batterie und Paket aus. Erste Tests hat Matternet bereits in Zürich durchgeführt. Gemeinsam mit Mercedes und dem OnlineMarktplatz Siroop wurde der Einsatz von M2-Drohnen auch schon bei Lieferungen on demand erprobt. mttr.net

IMPACT Staus stellen für Drohnen kein Hindernis dar. Werden Medikamente schneller geliefert, können Test schneller ausgewertet werden, profitieren wir alle davon.

MATTERNET

PERFEKT ÜBER DIE STADT Station mit Drohne von oben: Deutlich ist der geringe Platzbedarf erkennbar. Die Drohne misst – ohne Rotoren – 80 Zentimeter im Durchmesser.

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Christoph Egger Erfinder und Gesch채ftsf체hrer von gloryfy

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B U L L E VA R D

FUTURE OF WEATHER DEN TORNADO IM AUGE

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„Der Tornado“, sagt Man­ fred Spatzierer, „ist ein zentrales Element unserer Arbeit.“ Der Meteorologe ist Gründer und Geschäftsführer von Ubimet. Das Unternehmen aus Wien mit Außenstellen in Melbourne, New York, Mün­ chen und Karlsruhe gilt als Frontrunner der hochpräzisen Wettervorhersage. Und in der sind Tornados geradezu exemplarisch. Denn diese Wirbelstürme entstehen nur in Superzellen, hochkom­ plexen Extremgewittern. Wer es schafft, diese detailliert zu analysieren, weiß auch alles andere: Er weiß, wo Blitze einschlagen, ob Hagel droht oder sintflutartige Regenfälle zu erwarten sind. Den Tornado im Auge zu haben heißt also, die Zukunft des Wetters zu kennen. Aber wie geht das? Not­ wendig sind topausgebildete Experten. „Das Meteorologie­ studium ist eine harte Schule“, sagt Manfred Spatzierer, „mit einer Menge höherer Mathematik und ganz schön viel Physik.“ Dazu kommen gigantische Datenmengen.

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Ubimet verarbeitet in Echtzeit täglich 70 Terabyte – so viele Daten, wie auf rund 15.000 DVDs Platz haben. Und diese Daten werden sehr schnell verarbeitet: Wird ein Blitz registriert, ist er 35 Sekunden später im System zu sehen. Ab diesem Zeitpunkt stützt er als winziges Teilchen die Analyse für die kommenden Tage: „Die Art und Weise, wie wir unsere Modelle mit Beobachtungsdaten füttern, ist etwas Besonderes.“ An steter Verbesserung wird ge­ arbeitet: Ubimet investiert 25 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Dazu kommt ein Algorithmus, der die Datenmenge filtert und steuert, was der Kom­ plexität eines Tornados durch­ aus ebenbürtig ist. uwz.at, ubimet.com

IMPACT Noch bevor der erste Donner grollt, wissen wir dank Wetterwarnung mit Sicherheit, ob wir vom Winde verweht werden oder uns nur ein laues Lüftchen streift. Gut für den Flugverkehr, die Landwirtschaft und jeden Einzelnen.

GETTY IMAGES

Wer weiß, wo ein Tornado wüten wird, kennt die Wetterzukunft. Was es dazu braucht? Experten, die Superzellen durchschauen, gigantische Datenmengen und einen ganz besonderen Algorithmus.


I N N O V AT O R

Wolken wie dunkler Rauch – der Tornado hat hier bereits den Boden erreicht und wirbelt ßber das Ackerland.


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B U L L E VA R D

FUTURE OF ›› PRINTING KULT-DRUCKER AUS PRAG Josef Průša ist 27, lebt in Prag und hat es geschafft, mit seinem 3D-Drucker ein heiß begehrtes Stück Technikzukunft zu schaffen.

Josef Průšas i3 ist so etwas wie das iPhone der 3D-Printer. Längst gilt er als beliebtester Drucker der Welt und wird von seinen Fans geradezu kultisch verehrt. Als das aktuelle Modell, der MK3, wenige Wochen vor Weihnachten gelauncht wur wurde, prasselten in der Zentrale in Prag nahezu im Sekundentakt Bestellungen ein. 2000 Stück wurden im Blitztempo ausgeliefert. „Es war unser bisher erfolgreichster Start“, sagt der erst 27-jährige Firmenchef, der mittlerweile knapp 40 Mitarbeiter beschäftigt.

Dass der i3 so viel Ver Verehrung erfährt, dürfte auch daran liegen, dass Josef Průša offen mit Fans, Freunden und Kunden kommuniziert. Und durchaus bereit ist, Fehler einzugestehen: „Sie können alle Tests der Welt durchführen, aber erst nach dem Start zeigt sich, was noch überprüft werden muss.“ Sein neuester Plan: Beim nächsten Mal will er im ersten Monat nur einige wenige Modelle an langjährige Benutzer versenden: „Damit die Community den Drucker besser kennenlernen kann.“ Aktuell ist der i3 MK3 3D Printer im Handel, das Nach Nachfolgemodell des mehrfach ausgezeichneten M2. Aus der Průša-Zentrale heißt es dazu: „Wir haben damit unseren bisher besten 3D-Druck ent entwickelt.“ Preis: 769 Euro. prusaprinters.org

IMPACT

Ein 3D-Print von Nofretete, tete, der be berühmten Frau des ebenso berühmten Pharaos Echnaton. Übersetzt bedeutet ihr Name „die Schöne ist gekommen“ – und das wird von der Drucker Druckerleistung bestätigt.

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PRUSA RESEARCH / WWW.PRUSA3D.COM

Wer es schafft, etwas so prinzipiell Lang Langweiligem wie einem Drucker Kultstatus zu verleihen, muss etwas richtig gemacht haben. Das macht jedenfalls neugierig.


B U L L E VA R D

››

„Think Box“ sind es die Bauteile für das Gehirn. Damit können Informationen empfangen und gesendet werden – auch an die Lernplattform CastleRock. Dort wird erklärt, wie der Roboter programmiert, also zum Leben erweckt werden kann. Wie der Roboter aussieht, bleibt ganz der Kreativität seiner Konstrukteure über überlassen. Manche scheinen zu zwinkern, wie ein menschlicher Best Buddy, manche winken, und ja, manche erinnern auch an Katzen. roboloco.com

Neu im Kinderzimmer: der perfekte Bausatz für den ganz persönlichen Roboter. Inklusive einer Bauanleitung, um ihn zum Leben zu erwecken.

IMPACT Ohne technisches Verständnis scheint unsere Welt nicht mehr richtig zu funktionieren. Wer einem Roboter Leben eingehaucht hat, weiß, dass er sicher im 21. Jahrhundert angekommen ist.

ROBOLOCO

Es ist eine chinesisch-kalifornische Freundschaft, die den Roboter für alle greif greifbar macht. RoboLoco mit Sitz in Santa Clara vertreibt den Bausatz, der sämtliche Komponenten enthält, „die für den Aufbau von aufregenden Robotern benötigt werden“, wie CEO Newton Paskin sagt. Doch es geht um mehr als neue Abenteuer im Kinder Kinderzimmer. Spielerisch sollen Kinder und Jugendliche bei der Konstruktion ihres kleinen Gefährten jene Fähigkeiten erwerben, die zumindest nach Paskins Ansicht notwendig sind, um im hochtechnisierten 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein. Paskins Motto: „Einfach für den Lehrer, unter unterhaltsam für die Kinder und er erschwinglich für die Schulen.“ Tatsächlich gibt es den Bausatz bereits um 249 Dollar (rund 200 Euro). Das Kit besteht aus fünf unterschiedlich gefärbten Boxen. In jeder Schachtel befindet sich ein wesentlicher Teil des Roboters. In der

FUTURE OF TOYS BAU DEINEN EIGENEN ROBOTER

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INNOVATOR


I N N O V AT O R

Ein Roboter kann alles sein – auch ein Ding, das aussieht wie ein Hybrid aus Wachturm und Schlitten. INNOVATOR

Die Box, aus der ein Roboter wächst. Jede Schachtel hat einen bestimmten Inhalt. Ganz oben ist das Gehirn verborgen.


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B U L L E VA R D

FUTURE OF ›› SPORTS STROMSTÄRKE Sieht aus wie ein Shirt, sieht aus wie eine Short, birgt aber ein Geheimnis: Der ANTELOPE.SUIT gibt Muskeln neue Energie.

Das Geheimnis des unge­ wöhnlichen Trainingsout­ fits? Insgesamt 16 Elektroden. Zehn im Shirt (Bauch, Brust, Nacken, Rücken, Oberarme). Sechs in der Short (Bein­ bizeps, Quadrizeps, Gesäß). Sie geben den Muskeln Power. Der Fachbegriff daf dafür ist Elektromyostimulation (EMS). Der Anzug imitiert dabei gewissermaßen unser Gehirn. Denn Muskelkontrak Muskelkontrak­ tionen werden normalerweise durch vom Oberstübchen gesendete elektrische Impulse ausgelöst. Im ANTELOPE. SUIT übernehmen bernehmen diese Auf Auf­ gabe die von einem Booster gesteuerten Elektroden.

Die perfekte Ergänzung: Calf Guards steuern die Wadenmuskulatur an und verbessern Sprung­ kraft wie Schnelligkeit.

Der Vorteil: Mehrere Mus­ kelgruppen können gleich­ zeitig aktiviert werden. Die Leistungsfähigkeit im Aus­ dauersport wächst rapide, das Workout im Studio zeigt schneller Wirkung. Das pas­ sende Trainingsprogramm (Aufwärmen, Ausdauer, Kraft) wird über eine App gesteuert – eine Wohlf Wohlfühl­Funktion in­ klusive Massage gibt es auch. Entwickelt wurde der Anzug vom Start­up Wearable Life Science, seit März ist er im Handel. Der Preis: 1399 Euro. antelope.club

IMPACT

Laufen mit unsichtbarer Unterstützung: 16 ver­ steckte Elektroden geben extra Power – den Anzug gibt es für sie und ihn.

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ANTELOPE

Schneller fit dank Energiezufuhr aus dem Trainingsoutfit. Das perfekte Angebot fürs Frühjahr – damit wir im Sommer bei jeder Gelegenheit gute Figur machen.


Jeder Mitarbeiter ein Gewinn. 100 € pro MitarbeiterHandy sparen

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B U L L E VA R D

„Moodpath“ überprüft, ob Sie an Depressionen leiden – und vermittelt Therapeuten Gesprächs­ stoff für Ihr neues Wohlfühl­Leben.

FUTURE OF HEALTH GLÜCKS­ BRINGER

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DAS SCREENING 1. Mit Fragen wie dieser überprüft die App das persönliche Wohlbefinden.

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„Fällt es Dir gerade schwer, Entscheidungen zu treffen?“ Wer 14 Tage lang Fragen wie diese am Smartphone beantwortet, weiß, ob er depressiv oder nur schlecht gelaunt ist. Die Diagnose erstellt eine mobile App. „Moodpath“ kann aber mehr: „Falls Hinweise auf eine behandlungsbedürftige Depression vorliegen, emp­ fiehlt die App das Aufsuchen eines Arztes oder Psycho­ therapeuten“, sagt Psycho­ loge Mark Goering. Er hat „Moodpath“ mit seinem Partner Felix Frauen­ dorf entwickelt. Die App liefert auch den ersten Ge­ sprächsstoff. Die Daten des 14­tägigen Screenings kön­ nen ausgedruckt oder per E­Mail versandt werden. Um die Wartezeit auf einen Experten­Termin ­­Termin zu über­ brücken, gibt es Übungen aus der Verhaltenstherapie. Außerdem lässt sich ein Gespräch mit einem „Mood­ path“­Psychologen buchen. Eine App als Glücksbringer – das erste Produkt des von Goering und Frauendorf gegründeten Berliner Start­ ups „Aurora Health“. Für iOS und Android. moodpath.de

IMPACT 320 Millionen Menschen leiden weltweit an Depressionen. Wenn per Smartphone ein Weg zu neuem Wohl­ befinden entdeckt werden kann, ist das der einfachste Schritt zu neuem Glück.

2. Der Verlauf der Stimmung wird aufgezeichnet und entsprechend bewertet. 3. Die App klärt auf und informiert über mögliche Behandlungs­ schritte.

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Felix Frauendorf

Mark Goering,

(links), Jahrgang 1986, studierte Betriebswirtschafts­ lehre in Berlin und Neu­Delhi.

Jahrgang 1987, studierte Psychologie. Er hatte die Idee für „Moodpath“.


MOUNTAIN BIKE LEOGANG WORLD CUP SALZBURGERLAND

FESTIVAL SAALFELDEN LEOGANG

07. - 10. JUNI 2018 #OUTOFBOUNDS PRESENTING SPONSOR

MAIN SPONSORS

OFFICIAL SPONSORS

MTB-WELTCUP.AT OFFICIAL SUPPLIERS

Konzept & Design

INSTITUTIONAL PARTNERS

.at | Fotos: ©Bartek Wolinski, ©Stefan Voitl


I N N O V AT O R

B U L L E VA R D Ein Handschuh, der beim Zupacken hilft. Der strahlend weiße Rapael ermöglicht Menschen, ihr Leben wieder selbst zu meistern.

FUTURE OF ROBOTICS ALLES IM GRIFF

Wie ein Handschuh schmiegt sich dieser Roboter um jeden einzelnen Finger – und verleiht seinem Träger neue alte Beweglichkeit.

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Zähne putzen. Ein Glas Wasser trinken. Die Sei­ ten eines Buches umblättern. Für Menschen, die durch Ver Ver­ letzungen des Rückenmarks die Beweglichkeit in ihren Händen verloren haben, war das bisher unmöglich. Jetzt wird die Zukunft wieder greif greif­ bar. Die alte Beweglichkeit kehrt zurück – dank eines 132 Gramm leichten Roboter Roboter­ handschuhs. Entwickelt wurde der smarte Handschuh „Rapael“ vom kalifornischen Start­up Neofect (hat auch Ableger in Südkorea und München). Mitte des Jahres soll er als „NeoMano“ auf Kickstarter vorgestellt werden. Mit dem Handschuh schaf schaf­ fen Menschen es wieder, ihre ganz alltäglichen Aufgaben zu erledigen. Scott Kim, Mit­ begründer und CEO von Neofect, sagt: „Rapael redu­ ziert die Abhängigkeit von Pflegepersonen und gibt Patienten wieder Hoffnung und Vertrauen, Motivation und Unabhängigkeit.“ Gemacht ist der Roboter Roboter­ handschuh aus Elastomer,

IMPACT Den Alltag genießen, die kleinen Dinge des Lebens meistern: ist mit dem Roboterhandschuh von Neofect wieder problemlos möglich.

Training per Tablet: Geübt wird mit Spielen – die Fortschritte können sofort aus­ gewertet werden.

NEOFECT.COM

››

einem Kunststoff, der sich bei Belastungen verformt, danach aber wieder in seine ursprüngliche Form zurück­ findet. Gesteuert wird er von einem Sensor, der aus jeweils drei Beschleunigungskanälen, drei Winkelgeschwindigkeits­ kanälen und drei Magnetfeld­ kanälen besteht. neofect.com


Why make coffee when you can

Mit der Nespresso Creatista genießen Sie Kaffee auch zu Hause, wie vom Barista zubereitet. Die vollautomatische Dampfdüse zaubert einen perfekt temperierten Milchschaum mit der richtigen Textur für Ihr eigenes Latte Art Kunstwerk. Made by

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I N N O V AT O R

B U L L E VA R D

FUTURE OF ›› MEDICINE WIE KNOCHEN IM BIOREAKTOR NACHWACHSEN Im Labor von EpiBone lässt Nina Tandon menschliche Knochen sprießen. Sie bilden sich durch „die Kraft des Lebens selbst“.

Nina Tandon, Jahrgang 1980, ist eine faszinie­ rende Persönlichkeit. Sie hat mehrere Studien absolviert, hat etwa einen Doktortitel in Biomedizin, aber auch einen Bachelor in Elektrotechnik. Tandon entwickelte bereits am Anfang ihrer Karriere eine elektronische Nase (Libra­ Nose), die verwendet wurde, um Lungenkrebs zu „riechen“, und ein US­Magazin kürte sie zu einem der 100 kreativsten Menschen im Geschäftsleben. 2013 gründete sie EpiBone. Das Ziel: personalisierte Medi­ zin, Heilung auf ganz persön­ liche Art, durch „die Kraft des Lebens selbst“. „Wo wir einst den menschlichen Körper als eine Maschine mit Ersatz­ teilen betrachteten, sehen wir ihn jetzt als lebendiges Öko­ system“, sagt Nina Tandon. Also lässt sie Knochen wach­ sen. Und zwar echte Knochen.

Nina Tandon, Wissen­ schaftlerin mit Unter­ nehmergeist (hat für Epi­ Bone elf Millionen Dollar gesammelt) und sport­ licher Freizeitgestaltung (Surfen, Klettern)

Erst wird per 3D­Scan die exakte Form des benötigten Knochens bestimmt. Stamm­ zellen, die aus dem Bauchfett des Patienten entnommen wurden, werden so gefüttert, dass sie sich zu Knochenzellen entwickeln. Gemeinsam mit einem osteogenen, also kno­ chenbildenden Gerüst bildet sich im persönlichen Bio­ reaktor in nur drei Wochen ein neuer Knochen – der, so­ bald er transplantierte wurde, weiterwächst. Bis er sich ganz natürlich in „seinen“ Menschen einfügt. Was jetzt noch fehlt, sind klinische Studien. Nina Tan­ don ist zuversichtlich, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis EpiBone reif für die Welt ist. epibone.com

Knochengewebe, per Elektronenmikroskop

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Statt schmerzhafter Operationen und langwieriger Heilungs­ prozesse einfach neue Knochen wachsen las­ sen. EpiBones Slogan „Grow Your Own Bone“ lässt uns dank Stamm­ zellentechnologie auf neue Heilung hoffen.

GETTY IMAGES, EMILY WHITAKER

IMPACT


INNOVATE OR DIE.

Get Your Ticket: pioneers.io/pioneers18


Sie sind Helden 30


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ERFOLGREICH OHNE ELLBOGENTAKTIK: DIE TOP-TIPPS DES ERSTAUNLICHEN ALI MAHLODJI

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HÄSSLICH, KLEIN, UND JENSEITS ALLER NORM: EIN GESCHWISTERPAAR RETTET OBST UND GEMÜSE

FÜNF START-UPS PACKEN GROSSE PROBLEME AN – UND SCHAFFEN GROSSARTIGE LÖSUNGEN

Ein Spezial über Gründer, die die Welt bewegen


Schnauzbart-Tattoo und verschmitztes Lächeln: Ali Mahlodji wirkt. Das ist auch sein Beruf – als Keynote Speaker, Consultant, Lehrer.


„Pfeif dir nix! Aber das bewusst.“

Vom Flüchtlingskind zum erfolgreichen Geschäftsmann. Vom stotternden Schüler zu einem der gefragtesten Speaker Österreichs. Vom Karrieristen zum empathischen Ratgeber. Ali Mahlodji weiß, wie man nach oben kommt, glücklich wird und auf Ellbogen-Einsatz verzichten kann.

TE XT: CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO FOTOS: MATO J OHANNIK

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Ali Mahlodji hat 37 bewegte LebensLebens jahre hinter sich. Mit den Eltern aus dem Iran geflohen, wächst er im Flüchtlingsheim auf. Als er zwölf Jahre alt ist, lassen sich die Eltern scheiden. Die Folge: Trauma, Stottern, Außenseiterrolle in der Schule, schlechte Noten, Schulabbruch. Der Weg auf die schiefe Bahn liegt nahe. Doch Mahlodji wählt einen anderen. Nach verschiedensten Tätigkeiten holt er die Matura nach und studiert Software Engineering. Er findet einen gut bezahlten Sales-Job, von dem ihn schließlich eine große US-Firma abwirbt. Erfolgsstory? Nicht ganz. Gehaltszettel und Firmenauto machen ihn nicht glücklich. Als sein Vater stirbt, erleidet er ein Burnout. Mahlodji hinterfragt sein Leben. Und ordnet es neu. Er wird Lehrer und will fortan Kindern helfen, den richtigen Beruf zu finden. 2012 gründet er whatchado, eine Video-Plattform, auf der Menschen aus ihrem Berufsleben erzählen. Mahlodji filmt U-BahnFahrer, Sportler, Verkäufer und den Bundespräsidenten, stellt immer die gleichen sieben Fragen und die Videos im Anschluss online. Die Idee wird ein Hit. Heute finden sich auf whatchado über 6000 Videos in fünf Sprachen. Mahlodji wird 2013 zum europäischen Jugendbotschafter ernannt, er gibt inspirierende Vorträge, schreibt ein Buch, besucht Brennpunktschulen, Firmen und inter internationale Konferenzen. Sein Motto: „Du kannst alles erreichen, woran du glaubst. Aber nimm die Hände aus dem Hosensack und tu es!“ the red bulletin innovator: Herr Mahlodji, Sie haben Böden geputzt und Kinotickets abgerissen. Sie haben in einer Apotheke Pulver gemischt und Briefe ausgetragen. Sie waren erfolgreicher Geschäftsmann und Gründer. Wenn ich Sie frage, was Sie heute beruflich machen, lautet Ihre Antwort …? ali mahlodji: Ich wirke.

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Wie bitte? Ich wirke. Ich spreche vor und mit Leuten und versuche sie daran zu erinnern, wer sie sind. Die meisten Menschen nehmen sich nicht die Zeit, zu hinterfragen, ob das, was sie tun, das Richtige ist. Ich stoße diese Fragen an. Sie sind also ein Motivator. Ich motiviere niemanden von außen und sage: „Super, du kannst das.“ Vielmehr geht es mir darum, Potenziale in den Menschen zu wecken, die da sind. Ich mache nichts anderes, als ihnen den Spiegel vorzuhalten. Weil wir selbst nicht in den Spiegel schauen? Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir für alles Aufmerksamkeit zeigen, nur nicht für uns Selbst. Wir suchen Bestätigung so stark im Außen, dass wir es nicht mehr aushalten, nur einige Sekunden am Tag die Gosch’n zu halten und in uns hineinzuhorchen: „Tut mir meine Arbeit gut?“ Es kann nicht sein, dass wir alles erst hinterfragen, wenn wir ein Burnout erleiden oder einen geliebten Menschen verlieren. Die von Ihnen gegründete Plattform whatchado ist eine Hilfe zur Orientierung. Mit kurzen Videos, in denen Menschen aus unterschiedlichen Berufen standardisierte Fragen beantworten müssen. Es beginnt immer mit drei Ratschlägen an das 14-jährige Selbst. Die drei Ratschläge aus Ihrem Video würde

„Wir halten es nicht aus, nur einige Sekunden am Tag die Gosch’n zu halten und in uns hineinzuhorchen.“

INNOVATOR


Ali Mahlodji ging in seinem Leben Ăźber 40 Berufen nach. Jetzt hilft er anderen, den passenden Job fĂźr sich zu finden.


ich gerne näher besprechen. Ratschlag Nummer 1: „Du bist gut genug, wie du bist. “ – Dem würde ich gerne den Satz „Zufriedenheit ist gefährlich“ von Marcel Hirscher gegenüberstellen. Marcel Hirscher ist einer der besten Sportler unserer Zeit und seit Jahren im Wettkampf. Dort gibt es eigene Spielregeln. Dort wollen hundert andere deine Platzierung. Wenn du dich da nur ein einziges Mal zufriedengibst, wirst du geschlagen. Aber ist das Leben nicht auch ein Wettkampf? Nein. Das Wettkampfdenken kam erst mit der Industrialisierung. Fabriken, Fließbänder, Menschen, die du managen konntest. 8-Stunden-Tag, 40-Stunden-Woche, 25 Tage Urlaub. Wen gibt es in der heutigen TurboTurbo kapitalismus-Gesellschaft, der mit den Mitbewerbern in einem Wettkampf mit klaren Regeln steht? Freiwilliger Wettkampf wie im Sport ist super. Aber wenn du in einer Welt, die sich immer schneller dreht, glaubst, du bist ein Gehetzter, dann läufst du GeGe fahr, an einem Rennen teilzunehmen, das nicht deinem Tempo entspricht. Ein Beispiel: Eine neue Position wird ausgeschrieben. Ich bin einer von 120 Bewerbern. Da stehe ich doch automatisch mit 119 anderen im Wettkampf. Aber das ist freiwillig. Da zwingt dich keiner dazu. Fair enough. Wenn du sagst, ich gehe diesen Weg, ist das

Wer in starren Unternehmen etwas bewegen möchte, muss Regeln brechen. Mahlodji: „Ent­ schuldige dich lieber im Nach­ hinein.“

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Mahlodji lässt sich vom Leben nicht hetzen. Er hat hunderte ungelesene E­Mails und WhatsApp­Nachrichten, nimmt sich aber Zeit für Gespräche.

völlig okay. Aber aktuell haben wir den Fall, dass viele Menschen nicht in einem derartigen Wettkampf sind, sich aber so fühlen. Mein Tipp: Ver Vergleich dich nicht mit anderen, sondern lieber mit dir selbst vor fünfzehn Jahren, vor zehn Jahren, vor fünf Jahren. Dann wirst du automatisch sehen, welche Sprünge du gemacht hast. Wie gut du bist. Und kannst dein Leben genießen. Ratschlag Nummer 2: „Du musst sinnlose Regeln brechen, nicht das Gesetz.“ Jede Regel hat irgendwo einen Grund, einen Ursprung. Das ist ja okay. Aber ist sie noch zeitgemäß? Das ist die Frage. Um den Fortschritt nicht zu bremsen, braucht es pragmatischen Ungehorsam. Pragmatischen Ungehorsam? Bei progressiven Unternehmen er ermutigt man die Mitarbeiter, innerhalb eines Rahmens bis an die Grenzen zu gehen, meist auch etwas darüber hinaus. Nix kaputtmachen, aber sich lieber im Nachhinein zu entschuldigen. Es ist der einzige Weg, wie du in einer großen Struktur dein Tempo fahren kannst. Sich nix pfeifen, aber das bewusst. Halligalli-Anarchie ist falsch. Und wenn etwas schiefgeht? Du musst das, was du auf den Deckel bekommst, austarieren können. Wenn es funktioniert, können die Chefs nichts sagen. Wenn es nicht funktioniert, haben alle zumindest INNOVATOR


„Ellbogentaktik ist für Unternehmen fatal. Denn so kommen nicht die schlauesten Mitarbeiter nach oben, sondern die stärksten.“ etwas gelernt. Dann bleibt die Frage, wie sehr die Führungsebene Fehler Fehlertoleranz zeigt. Das ist von Sektor zu Sektor verschieden. In einem Krankenhaus gibt es kaum Toleranz, bei einem Piloten auf 10.000 Meter Höhe würde ich es mir auch nicht wünschen. Aber in einem Unternehmen, wo du Projekte voranbringen musst, geht es oft nicht anders. Ratschlag Nummer 3: „Versuche alles zu erreichen, aber nicht mit Ellbogen.“ Sobald du deine Ellbogen ausfährst, wird es für alle anderen auch zur Normalität, die Ellbogen auszufahren. Doch Ellbogentaktik ist für Unter Unternehmen nachgewiesenermaßen eine der schlimmsten. Warum? Weil nicht die schlauesten Mitarbeiter nach oben kommen, sondern jene mit den stärksten Ellbogen. Aber man kommt nach oben. Ja, aber mit welcher Konsequenz? Wenn du mit Ellbogen arbeitest, kannst du sicher sein, dass dich die anderen Ellbogen-Typen jagen werden. Du kannst niemandem vertrauen. Was dir alle Zukunftsforscher bestätigen werden: In der heutigen komplexen INNOVATOR

„Koste das Leben aus. Ich kenne niemanden, der es überlebt hätte“, lautet einer von Mahlodjis typischen Tipps mit Augenzwinkern.

Welt führst du Unternehmen, egal ob Konzerne oder Start-ups, am schnellsten durch Vertrauen. Wenn keiner Angst hat, das Hackl ins Kreuz zu bekommen, gehen Entscheidungen schneller von der Hand. Wer Ellbogen ausfährt, wird von anderen gejagt, okay. Wenn ich sie aber nicht ausfahre, gehe ich unter. Dann werde ich untergebuttert. Es sagt keiner, dass du dich nicht wehren kannst. Wenn einer mit EllEll bogen kommt, bekommt er natürlich auch Ellbogen zurück. Das überrascht. Wenn du angegriffen wirst, musst du dich wehren. Stell dich hin, beharre auf deinem Standpunkt. Aber geh nicht schon in Kampfhaltung in ein Treffen. Jedes Business, das ich mache, beruht auf Handschlagqualität, auf Vertrauen. Wenn mich aber einer übers Ohr hauen will, dann bekommt er das zu spüren. Kommt einer von Beginn an mit Verträgen und Regeln, sage ich: „Nicht mit mir. Fertig. Aus. Erledigt. Du hast hier nichts verloren.“ Wieso wird in vielen Unternehmen dennoch auf Aggressivität gesetzt? In der Start-up-Welt spricht man von einem Kriegs-CEO oder von KampfFührungskräften. Google hat etwa in einer Phase des aggressiven Wachstums auf Manager gesetzt, die mit Ellbogentechnik agierten. Und das war für kurze Zeit sogar gut. Sie haben bewiesen, dass sie es können. Dann 37


EIN REDNER, DER ALLE „VERFÜHRT“

haben sie ihr Management-Modell umgestellt und den internen Krieg für beendet erklärt.

Ali Mahlodji begeisterte mit seinem Talk „Small steps leading to big impact“ die Gäste beim WSA Global Congress von 20. bis 22. März im Wiener Rathaus. Die WSA (World Summit Awards) brachten ihr internationales Netzwerk aus Start-ups, Experten, Investoren und Social Entrepreneurs aus über 120 Ländern erstmals nach Wien, um sich zum Thema digitale Innovation mit gesellschaftlichem Mehrwert auszutauschen. Alle Infos: worldsummitawards.org

Weil sie ihn gewonnen hatten. Falsch. Weil es da draußen keinen Krieg gibt. Dieser Krieg ist nur in deinem Kopf. In der Sekunde, wo du mit Ellbogen zu kämpfen beginnst, geht es nur noch um das persönliche Vorankommen. Es zählt nie die GeGe samtleistung, die Entwicklung des Unternehmens, sondern der Einzelne. Leuten, die sich mittels Ellbogen nach oben gearbeitet haben, ist die Company egal. Das sind diejenigen, die sofort weg sind, wenn es dem Unternehmen mal nicht gut geht. Söldnertypen.

Auftreten wird Ali Mahlodji auch beim 4Gamechangers Festival von ProSiebenSat.1 Puls4 von 18. bis 20. April in der Wiener Marxhalle. Weitere hochkarätige Speaker: Iron-Maiden-Sänger, Entrepreneur und Pilot Bruce Dickinson, Designer Stefan Sagmeister, KTM-CEO Stefan Pieter u. v. m. 4gamechangers.io

Was ist, wenn eine neue Position ausgeschrieben wird? Die einen kämpfen mit allen Mitteln darum, die anderen nicht. Kann es nicht sein, dass fair zu kämpfen als mangelnder Ehrgeiz angesehen wird? Ich spreche oft mit HR-Leitern. Bei einem Assessment Center suchen sie durchsetzungsfähige Mitarbeiter, das stimmt. Aber Durchsetzungskraft in einem guten Unternehmen bedeutet, sein Team hinter sich zu versammeln. Ein Teilnehmer, der sich durchsetzt, zur Lösung kommt, dabei aber ver verbrannte Erde hinterlässt, dem wird beim nächsten Projekt keiner folgen. Den wird man eher fallenlassen. Bewerber, die über Leichen gehen, werden nicht angestellt. Es setzen sich jene durch, die einem Team das Gefühl geben, es gemeinsam geschafft zu haben.

„Die besten CEOs sind nicht jene, die selbst den Korb werfen, sondern die, die wissen, wer aus ihrem Team den Korb werfen kann.“ INNOVATOR

Ali Mahlodjis positive Nachricht für alle Angestellten: Führungskräfte, die über Leichen gehen, sind eine aussterbende Spezies.

Also hat eine Veränderung im Recruitment stattgefunden. Früher war es ja nahezu ein Pflicht-Attribut eines erfolgreichen Menschen, über Leichen zu gehen. Es gibt immer noch vereinzelt Cowboys und Rambos. Aber die Wirtschaft ist zu dynamisch geworden. Du musst Aufgaben lösen, von denen vor zehn Jahren niemand gewusst hat, dass sie zu lösen sind. Da bist du auf ein gutes Team angewiesen. Was hilft dir ein Chef, der seine Ziele im Quartal er erreicht, aber viele Mitarbeiter verliert, weil sie unter ihm nicht weiterarbeiten wollen? Gute CEOs sind nicht die beste Person am Tisch, sondern haben um sich herum Leute versammelt, die besser als sie selbst sind. Sie koordinieren sie, motivieren sie, lassen sie um sich herum wachsen. Erinnert an Ihre Aussagen: „Gute Führungskräfte sollen so sein wie Head Coaches im Basketball.“ Head Coaches erzielen keine Punkte selbst. Sie wissen aber, wer aus ihrem Team den Korb wirft. Ein guter Coach stellt das Team zusammen, setzt die richtigen Leute auf die richtigen Positionen und schwört sie auf die Meisterschaft ein. Er schreit vielleicht hin und wieder von außen, aber spielen tun die anderen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. 39


760.000 Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr in Österreich weg­ geworfen, 30 Prozent allein in der Landwirt­ schaft. Die Gründe: zu groß, zu klein, zu unförmig, zu hässlich für den Markt.

Diese Karotte kann dein Leben verändern


Das Start-up „Unverschwendet“ gibt Obst und Gemüse eine zweite Chance. Und dir die Möglichkeit zu einem nachhaltigeren Lebensstil. Wie aus Lebensmitteln, die keiner will, Feinkost wird. Ein Lehrstück über Wertschätzung und perfekte Maße. Text: Christian Eberle-Abasolo Fotos: Adele Sternberg

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der Rohstoffe des Start-ups Unverschwendet setzen sich aus Obst und Gemüse zusammen, das nicht den Normen der Supermärkte entspricht. Es wird zu Marmeladen, Chutneys und anderen Köstlichkeiten verarbeitet.

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chon mal Essen weggeschmissen? Schreckliches Gefühl, oder? Nun stell dir vor, du blickst nicht auf ein paar deiner Essensreste, sondern auf 400 Kilo Lebens­ mittel im Müll. Cornelia Diesenreiter sah 2013 genau das – als Ergebnis einer Rest­ müllanalyse im Rahmen ihres Studiums (Design and Innovation for Sustain­ ability) in England. „Dass Lebensmittel­ verschwendung ein Problem ist, war mir klar. Aber nicht in diesem Ausmaß“, erinnert sie sich. Die gelernte Köchin nahm diese Er­ fahrung zum Anlass, sich näher mit dem Problem zu beschäftigen. Sie forschte, stellte fest, dass in Österreich noch keine „Zero Waste“­Bewegung etabliert war, und fand eine andere Lösung zur Abfallvermeidung: ein eigenes Unter­ nehmen, „Unverschwendet“. „Wir kümmern uns um Lebensmittel­ überschüsse aus der Landwirtschaft“, erklärt Andreas Diesenreiter, Cornelias Bruder und Co­Founder. „Wir holen Obst und Gemüse direkt von den Bauern ab, verarbeiten es zu Marmeladen, Chutneys, Sirupen oder Saucen und bieten die fer­ tigen Produkte in unserem Geschäft am Wiener Schwendermarkt oder online an.“ Mit Erfolg. 30.000 Gläser Feinkost­ ware wurden 2017 verkauft, 5,3 Tonnen an Obst und Gemüse gerettet. Wie wenig das im Vergleich zur Verschwendung in Österreich ist, wieso dir die besten Lebensmittel oft verwehrt bleiben und warum Schuldgefühle für Nachhaltigkeit zu wenig sind, verrät das Geschwister Geschwister­ paar im Interview. the red bulletin innovator: UnverUnver schwendet macht aus Obst und Gemüse, das es nicht in den Supermarkt schaffte, Feinkost. Also erstklassige Produkte aus zweitklassigen zweitklassigen Zutaten?

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Unverschwendet verwandelt Obst und Gemüse, das keiner wollte, in begehrte Mar­ meladen und Chutneys.

DIE FIRMA Unverschwendet gibt es seit März 2016. Am Stand am Wiener Schwendermarkt pro­ duziert und verkauft das sechsköpfige Team Feinkostartikel. Inklu­ sive Online­Geschäft wurden so im Jahr 2017 bereits 5,3 Tonnen Obst und Gemüse „unverschwendet“.

cornelia: Von wegen zweitklassig! Die geschmackvollsten Tomaten gelangen nicht in den Supermarkt, weil sie zu rot sind und sich nicht verkaufen lassen. Konsumenten greifen lieber zu unreiferen, weil sie glauben, die würden länger halten. Zucchini dürfen nicht zu groß sein, Karotten nicht unförmig. Das beste Bio­Gemüse wird abgelehnt – das ist ein Wahnsinn, aber Basis unseres Geschäfts. Woher erfährt ihr von diesen Über Überschüssen? cornelia: Die Bauern und Gärtner melden sich bei uns. Unser Unternehmen wurde dank Mundpropaganda und der Medien immer bekannter. 2015 stand etwa ein kleiner Bericht über uns in der Sonntagszeitung mit meiner Handy­ nummer und dem Hinweis, dass wir auch Kirschen ernten. Am Montag hatte ich 147 Anrufe. INNOVATOR


Und ihr habt in 147 Gärten Kirschen geerntet? cornelia: Nein, das war nicht zu schaf schaf­ fen. Aber ich habe so viele wie möglich besucht und so viele Kirschen geerntet, wie mein Peugeot 206 fassen konnte. Was haben die Gartenbesitzer dafür erhalten? cornelia: Nichts. Sie waren einfach nur froh, die reifen Kirschen nicht zusammen­ rechen zu müssen. Bei vielen Bauern ist das ähnlich. Sie arbeiten eh schon wie verrückt und haben keine Zeit, sich Alternativen für abgelehnte Zucchini zu überlegen. andreas: Wir bemühen uns aber stets, etwas zurückzugeben. Ob fertige Fein­ kostgläser als Gegengeschäft oder eine Bezahlung über dem Preis, den sie be­ kommen, wenn sie ihre Ernte zur Biogas­ anlage bringen. cornelia: Ein Bauer hat einmal gesagt: Was nix kostet, ist nix wert. Er hat 30 Cent pro Kilo Gemüse von uns verlangt – also so gut wie nichts. Das haben wir natürlich bezahlt. Da geht es weniger um den Preis als um die Wertschätzung ihrer Arbeit. Wertschätzen muss man auch euren persönlichen Einsatz. Ihr habt im Privatauto die Ernte abgeholt, in eurer Küche gekocht, auf der Couch verpackt. Idealismus in Reinkultur.

DAS NETZWERK Red Bull Amaphiko unterstützt Social Entrepreneurs, die in ihrem Umfeld einen Wandel herbeiführen. Angeboten werden Academies, spannende Veranstaltungen und Programme, im Zuge derer junge Gründer mit einer hilfsbereiten Community und einem weltweiten Netzwerk gleichgesinnter Indivi­ dualisten in Kontakt gebracht werden. Alle Infos unter: redbull.com/amaphiko

Cornelia Diesenreiter hat einen Master in nach­ haltigem Design und verant­ wortet als gelernte Köchin die Rezepte. Ihr Bruder Andreas hat Multimedia Art studiert und kümmert sich um Kommunikation, Marketing, Design.

cornelia: Das ist die Selbständigkeit. Du musst dich trauen, es einfach machen und hoffen, dass es gut ausgeht. Mittler Mittler­ weile haben wir uns zum Glück profes­ profes sionalisiert: Lieferwagen, Gastroküche, Lagerraum. andreas: Aber wir machen immer noch alles selbst: ernten, abholen, verarbeiten, schälen, abfüllen, einkochen, etikettieren, verpacken, versenden. All diese Teil­ bereiche sind eigene Wissenschaften und zeitaufwendig. In Österreich werden jährlich 760.000 Tonnen Lebensmittel verschwendet, 8000 Tonnen Tomaten allein in der Landwirtschaft. Nur Tomaten! Dagegen richten wir nicht viel aus. Also schauen wir: Wie können wir das um­ fassender angehen? cornelia: Es war wichtig, alles selbst einmal auszuprobieren. Um zu verstehen, wie es läuft. Nun gilt es, daraus die rich­ rich tigen Schlüsse zu ziehen: Wo sind unsere Stärken? Welche Sachen können andere einfach schneller und besser? Feinkost war nur der erste Schritt … cornelia: … und ein sehr guter. Wir konnten ein funktionierendes Business­ modell aufstellen und uns Know­how aneignen. Der nächste Schritt ist es nun, Überschüsse in Fremdproduktion zu geben oder direkt zu vermitteln. Ansprech­ partner zu sein: sowohl für die Bauern als auch für Menschen, die ebendiese Überschüsse nützen wollen. Und eure Produkte? andreas: Müssen noch deutlicher als die Köstlichkeiten, die sie sind, wahr wahr­ genommen werden. Momentan ist das Schuldgefühl, das Menschen befällt, wenn es um die Vermeidung von Lebens­ mittelabfall geht, noch ein starker Trigger und damit Faktor unseres Unternehmens. Wir vermarkten uns nicht als bestes Feinkostgeschäft, sondern als die „Un­ verschwender“. Die Leute sollen aber wegen des guten Geschmacks zu unseren Produkten greifen, nicht wegen ihres Schuldgefühls. Erst Genuss macht Nach­ haltigkeit wirklich nachhaltig. cornelia: Wir wollen in die Supermärkte. Ins Regionalregal, wienweit, österreich­ weit. Da zählt für die Kunden nur der Ge­ Ge schmack. Und in diesem Bereich können wir uns auch behaupten. Nur sind dafür ganz andere Produktionsmengen nötig. Es wäre aber ein versöhnliches Ende für die Tomate, die vom Supermarkt ab­ gelehnt wurde, weil sie zu rot war, und dann durch die Hintertür als Tomaten­ chutney Einlass bekommt.

unverschwendet.at 43


Teure Bildung, sterbende Wälder, dreckige Ozeane? Diese Gründer lösen Probleme, statt über sie zu jammern – The Red Bulletin Innovator präsentiert:

MY BOO

Jonas Stolzke & Maximilian Schay

MARGARET AND HERMIONE Barbara Gölles

ECOSIA

Christian Knoll

TALENTIFY

Bernhard Hofer & Doris Hofer

MYABILITY

Gregor Demblin

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IDEEN, DIE UNSEREN ALLTAG SOZIAL UND NACHHALTIG VERÄNDERN INNOVATOR

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DAS RAD, DAS IM WALD WÄCHST Noch umweltschonender als bisher ins Büro radeln? Kein Problem, wenn du auf einem Bambus-Fahrrad sitzt.

D as deutsch-ghanaische Startup My Boo verbindet ein originelles Produkt mit konkretem sozialem Engagement: Seit 2014 lässt My Boo seine Fahr Fahrradrahmen aus Bambus in liebevoller Handarbeit und bei fairer Bezahlung von mittler mittlerweile 40 Jugendlichen im Distrikt Mampong in Ghana herstellen. Außerdem vergibt das Unternehmen Mikrokredite an junge Frauen und Schulstipendien an Kinder vor Ort. Der Vorteil des Werkstoffs: Bambus gehört zu den am schnellsten nachwachsenden Rohstoffen und bindet extrem viel CO². Gleichzeitig sind Bambusrohre aufgrund ihrer internen Kammern und der harten Außenwand leicht und extrem stabil. Für den Bau von Fahrradrahmen ist das Holz

aus der Familie der Süßgräser daher perfekt geeignet, die Konstruktion eines Rahmens dauert etwa 80 Stunden. Jeder fertige My-BooRahmen wird in Deutschland lackiert, nach strengen Normen geprüft und mit anderen hochwertigen Einzelteilen (Gangschaltung und Bremsen von Shimano, Sattel von Brooks etc.) weiterverarbeitet. My Boo gibt es in unterschiedlichsten Modellen, als individuelle Custom-Konfiguration, als E-Bike, City Cruiser und – unsere Lieblingsvariante – als schnittiges Rennrad. Losradeln: my-boo.com

DIE GRÜNDER

MY BOO, IRINA GAVRICH

Die Kieler Jonas Stolzke (o.) und Maximilian Schay hatten 2012 den Wunsch, ebenso innovative wie schicke Bikes zu bauen, die noch dazu Entwicklungshilfe leisten.

ALLES IM RAHMEN

Das Bambus-Bike für Rennfahrer: My-Boo-Modell „My Densu“, mit Cambium-C15-Sattel von Brooks

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DIE GRÜNDERIN

Barbara Gölles, 35, hat an der Wiener Universität für an­ gewandte Kunst stu­ diert, u. a. bei Raf Si­ mons und Veronique Branquinho. 2015 gründete sie mit ei­ ner Partnerin Mar­ garet and Hermione, seit vorigem Jahr führt sie das Unter­ nehmen allein. Ar­ beitet mit Red Bull Amaphiko (siehe auch Seite 43).

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Wer Bikini oder Badeanzug von Margaret and Hermione trägt, ist dem Meer besonders nahe. D a s A u s t r o­ L a b e l v e r a r b e i­ tet Stoffe, die aus recycelten Netzen her­ gestellt wurden.

FRISCH GEFISCHT: MODE AUS DEM MEER INNOVATOR

S elten werden Fischernetze, die ausgedient haben, gewissenhaft entsorgt. Meist werden sie im Meer deponiert – ein Verhängnis für Fauna und Flora: „Es gibt eine Studie, der zufolge 2020 mehr Plastik im Meer sein wird, als es dort Lebewesen gibt“, sagt Barbara Gölles. Eine Öko-Katastrophe. Der drohende Untergang einer einzigartigen Welt, dem die Designerin entgegentritt. Seit 2015 kreiert sie mit ihrem Label Margaret and Hermione Bikinis und Badeanzüge aus recycelten Netzen. Diese Netze, die oft mehrere Quadratkilometer groß sind, werden aus den Fluten gefischt, in Italien erst zu Garn und schließlich zu hochwertigem Stoff verarbeitet: „Wir verwenden den Stoff doppellagig. Deshalb ist er dichter und kompakter, bietet viel Stabilität und schmiegt sich wie eine zweite Haut an den Körper“, sagt die Designerin. Bei aller Liebe zur Nachhaltigkeit: „Im Vordergrund steht die Ästhetik meiner Entwürfe.“ Für die aktuelle Kollektion hat sich Barbara Gölles von starken Frauen inspirieren lassen: der Malerin Georgia O’Keeffe, der Schauspielerin Tilda Swinton oder dem Model Chloë Sevigny. „Meine Kreationen sind eine Ode an all die Frauen, die für ihre Träume kämpfen.“ Und an eine bessere Welt glauben. Baden gehen: margarethermione.com

SEE ME

Schöne Nach­ haltigkeit: Wer genau hinsieht, erkennt auf den Badeanzügen Hände, Gesichter oder Akte.

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DER GRÜNDER

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PER MAUSKLICK EINEN WALD PFLANZEN

Der Wittenberger Christian Knoll findet, dass es im Leben nicht nur ums Geldverdienen gehen soll. Nach einer Weltreise, auf der ihm die Bedeutung von Bäumen klar wurde, gründete er 2009 Ecosia.

Ecosia ist eine Suchmaschine, die 80 Prozent ihrer

E ine Wüste begrünen, nur indem man eine Websuche durchführt? Das ist die Idee hinter der Suchmaschine Ecosia. Christian Knolls Kon­ zept, das 2009 in Berlin unter­ nehmerische Wurzeln schlug, ist so einfach wie einzigartig: Ecosia funktioniert wie jede andere Suchmaschine. Neben der Suchleiste erscheinen Werbungen, durch die Ecosia seine Einnahmen generiert. Jeder Klick auf der Seite lässt sich umrechnen in einen halben Euro­Cent. Bei mittler­ weile mehr als sieben Millionen Benutzern bedeutet dies, dass dank Ecosia alle 1,7 Sekunden ein Baum gepflanzt wird. Mit seinen Einnahmen unterstützt das kleine Unter Unter­ nehmen die weltweite Auf Auf­ forstung – was einen der wichtigsten Schritte zur Rettung des Klimas darstellt: Wälder absorbieren CO² und bilden Wolken, die für Ab­ kühlung in der Luft sorgen. Zudem sind sie Lebensraum für unzählige Spezies aus Fauna und Flora. Die Aufforstungsgebiete von Ecosia liegen in Afrika, Madagaskar, Indonesien, Mittelamerika und Peru. Wie es Ecosia mit nur 25 Mit­ arbeitern schafft, derart viele Bäume zu pflanzen? Jacey Bingler, Ecosia­Kommunika­ torin: „Bei der Aufforstung arbeiten wir mit lokalen Organisationen zusammen, in Indonesien etwa mit der Gunung Saran Lester Foun­ dation, die elf verschiedene 48

tropische, ökologisch nach­ haltige Baumarten in unserem Auftrag pflanzt. In Peru heißt unser Partner PUR, ein Pro­ Pro jekt, das sich auf regenerative Ökosysteme spezialisiert.“ Seine Server betreibt das Unternehmen mit erneuer­ barem Ökostrom von Green­ Green peace, Suchanzeigen und Ergebnisse werden von Bing geliefert. Insgesamt haben Ecosia­User User bereits an die 20 Millionen Bäume gepflanzt – eine grünere Welt ist also nur einen Klick entfernt. Mitpflanzen: ecosia.org

GRÜNE REVOLUTION

Globaler Output: Die Anpflanzgebiete von Ecosia liegen u. a. in Afrika, MadaMada gaskar, Indonesien und Peru.

INNOVATOR


DIE GRÜNDER Nachhilfe ist teuer: Mehr als 100 Millionen Euro werden da­ für in Österreich jedes Jahr aus­ gegeben. Muss nicht sein: Es geht anders. Es geht besser. Und es geht vor allem ganz ohne Geld. indem sich die Schüler ge­ genseitig gen seitig helfen. talentify.me

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D ie Geschichte von talentify.me beginnt vor knapp fünf Jahren auf Kuba. Doris und Bernhard Hofer verbringen auf der Karibikinsel ihre Flitterwochen. Sie genießen ihr junges Glück, wissen aber auch, dass sie ihrem Leben einen neuen, gemeinsamen Rhythmus geben wollen. Bernhard Hofer erzählt seiner Frau von seiner Zeit an der HTL in Innsbruck: „Wir hatten dort ein BuddySystem etabliert. Ältere Schüler haben jüngeren geholfen, sie unterstützt, mit ihnen gelernt.“ Ein Gewinn – für alle, auch für die älteren Buddys: „Du steigerst deine Sozialkompetenz, festigst dein Wissen, deine Teamkompetenz.“ Aus dieser Erfahrung entwickelten Hofer & Hofer ihre Geschäftsidee: Nachhilfe ja, aber nicht teuer bezahlt, sondern von den Schülern gerne und gegenseitig geleistet. Im Herbst 2015 geht talentify.me

NACHHILFE NEU: GRATIS LERNEN

Bernhard Hofer, 33, und seine Frau Do­ ris, 32, haben talen­ tify.me erfunden. Der Wirtschafts­ informatiker und die Kommunikations­ wissenschaftlerin leben im nieder­ österreichischen Tulln und haben einen knapp zwei Jahre alten Sohn.

online. Gleichgesinnte Schüler stimmen über die Plattform oder eine App im Chat ihre Bedürfnisse ab – und schon kann es losgehen. Gelernt wird nicht online, sondern ganz altmodisch in echt, also in der Schule oder daheim. Bestätigen beide ihre Lernzeit, werden Bonuspunkte freigeschaltet – für die es Belohnungen gibt (z. B. Gutscheine für Kino, Bücher oder Studienreisen). Aktuell sind rund 20.000 Schüler registriert, rund 4000 ler lernen aktiv miteinander. Der Erfolg wird exportiert: Im Herbst startet talentify.me in Tschechien, Vorbereitungen für Deutschland laufen. Hofer & Hofer versprechen: „talentify.me wird immer kostenlos sein.“ Geld wird mit dem ver verdient, was das zehnköpfige Team von den Schülern lernt – als Berater für Unternehmen, die in die fremde junge Welt eintauchen wollen. Einschreiben: talentify.me

ECOSIA, GETTY IMAGES

GIBST DU MIR, GEB ICH DIR

Zwei Buben beim Lernen. Nicht jeder weiß alles, aber jeder profitiert vom gemeinsamen Büffeln. INNOVATOR

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SCHRITT FÜR SCHRITT ZUM GLÜCK Er hat tausenden Menschen mit Behinderung eiei nen neuen Job verschafft. Jetzt lehrt Gregor Demblin Unternehmen, was Barrierefreiheit wirklich heißt.

D as neue Leben des Gregor Demblin beginnt an einem heißen Sommertag in Grie­ chenland: „Ich war 18. Mein Kopf voller Pläne. Ich war auf Maturareise, erlebte gerade die schönste Zeit meines Le­ bens. Und dann war da dieser Strand. Das Meer. Ich laufe in großen Sätzen ins Wasser und hechte in die Wellen.“ Und dann ist da nichts mehr. Als Gregor Demblin er er­ wacht, liegt er im Wiener AKH. Diagnose: Querschnitts­ lähmung. Er verflucht sein Unglück. Er zweifelt. Er hadert. Bis er sich bewusst für sein neues Leben entschei­ det und klarstellt: „Ich will etwas daraus machen.“ Was, weiß er sehr schnell: Er will Menschen helfen, denen es geht wie ihm, Menschen mit Behinderung. „Mein Lebens­ ziel ist es, zu erreichen, dass einem Rollstuhl nicht mehr Beachtung geschenkt wird als einer Lesebrille.“ Wie, weiß er auch: Es geht nur über die Wirtschaft.

2009 launcht er die Job­ Plattform „Career Moves“, dort hat er mittlerweile 25.000 Jobs für Menschen mit Behinderung angeboten. 2014 gründet er das Beratungs­ unternehmen „myAbility“. Der Name ist Programm, Ability steht selbstbewusst für die Fähigkeiten behinderter Menschen: „Jedes Unterneh­ men, das sich nicht darauf einstellt, verliert.“ Diese Bot­ schaft wird gehört. Unterneh­ men wie ÖBB, Post und Erste Bank nehmen sie ernst. Im Sommer will er expandieren, nach Deutschland, in die Schweiz. Eine Million Euro hat er bei einer Finanzierungs­ runde zugesichert bekommen. „Der höchste Betrag, der je­ mals im Sozialbereich auf­ gestellt wurde.“ Es geht weiter. Schritt für Schritt. Können zeigen: myability.org

DER GRÜNDER

Gregor Demblin, 40, studierter Philo­ soph, gründete 2014 die Unternehmens­ beratung myAbility. Demblin ist ver­ heiratet, hat drei Kinder und lebt in Wien. Derzeit lernt er mithilfe eines Roboter­ anzugs zu gehen.

GEMEINSAM ARBEITEN

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GETTY IMAGES

Sie im Rollstuhl, er die Beine locker übereinander­ geschlagen – als Team perfekt für jedes Unternehmen.

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SEI DABEI!

WIR LAUFEN FÜR ALLE, DIE NICHT LAUFEN KÖNNEN. WIEN 6. MAI 2018 – 13:00 UHR 100% DER STARTGELDER FLIESSEN IN DIE RÜCKENMARKSFORSCHUNG.

WINGSFORLIFEWORLDRUN.COM


Whitney Wolfe hat gut lachen: Bumble wird täglich mehr wert.

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FUTURE OF SEX

DIE NEUE MACHT DER FRAUEN TEXT: WOLFGANG WIESER FOTOS: KRISTEN KILPATRICK

Ein Drama mit Happy End: Nach ihrem Ausstieg bei Tinder wurde Whitney Wolfe, 29, mit Hass und Häme überschüttet. Bis sie Bumble erfand. Jetzt stellt sie als „Bienenkönigin“ unser Dating-Leben auf den Kopf. INNOVATOR

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„Bienenkönigin“ Whitney Wolfe im Herz ihrer Company. Alles gelb und fröhlich – gute Laune ist hier Konzept.

ch bin eine starke, unabhängige Frau. Ich kann tun, was ich will. Essen, was ich will. Ins Fitnessstudio gehen, wann ich will. Aber wann immer es einen Kerl gibt, den ich mag, muss ich darauf warten, dass er auf mich zukommt. Obwohl ich in jedem anderen Bereich meines Lebens eine Draufgängerin bin. Das ist entsetzlich altmodisch“, sagt Whitney Wolfe. Nachsatz: „Ich habe keine Lust zu warten.“ Auf Bumble übersetzt heißt das: „Das Leben ist kurz. Mach den ersten Schritt.“

Die Dating-App ist die digitale Inter Interpretation des fröhlichen Bienchensumm-herum-Spiels. Herumbumbeln dürfen allerdings ausschließlich die Damen, die Herren geben die Blumen. Das heißt: Prächtige Präsentation männlicherseits ist nicht nur erlaubt, sondern geradezu erwünscht (nackte Oberkörper sind allerdings verboten), über Landebereitschaft und späteres Tête-à-Tête entscheidet freilich Biene ganz allein. 54

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BUMBLE IN ZAHLEN Dass bei Bumble – anders als bei anderen Dating-Apps – nur Frauen den ersten Schritt setzen können, hat vielen Männern eine schwere Last von den Schultern genommen, ist man in der Bumble-Welt überzeugt. So mancher würde die erzwungene Passivität mit Erleichterung danken – endlich, endlich müsse er sich nicht mehr als ewiger Eroberer präsentieren. „Männer lieben Bumble, weil sie zum ersten Mal gejagt werden und nicht umgekehrt“, sagt Wolfe, „und Frauen, weil sie nicht mit Nachrichten bombardiert werden.“

GUTE LAUNE WIRD BEI BUMBLE ZELEBRIERT

Erdacht wurde dieses Szenario von Whitney Wolfe, weshalb die 29-jährige US-Entrepreneurin gerne als „Bienenkönigin“ bezeichnet wird. Was nicht nur auf das fröhliche Gesumme zurückzuführen ist, sondern auf das gesamte Bumble’sche Erscheinungsbild – inklusive Wabe im Logo und hingebungsvoller Leidenschaft für die Farbe Honiggelb, die den Look der digitalen Emanzipationsbestrebungen bestimmt. Die zelebrierte gute Laune (Bumble-Leitbegriff: Freundlichkeit) symbolisiert das glückliche Ende eines knallharten Konflikts in der realen Welt von Wolfe. Einer vorerst heilen Welt. Whitney Wolfe wächst in Salt Lake City auf, der knapp 200.000 Einwohner zählenden Hauptstadt des US-Bundesstaates Utah. Vater Michael macht in Immobilien. Mutter Kelly führt den Haushalt und kümmert sich um Whitney und deren jüngere Schwester Danielle. Mit neunzehn startet Whitney ihr erstes Geschäft. Nach einer Ölpest im Golf von Mexiko verkauft sie Bambustaschen. Ein Teil des Erlöses geht an die Ocean Futures Society. Schauspielerinnen wie Denise Richards und Kate Bosworth promoten die Taschen in ihren sozialen Netzwerken.

1,5

MILLIARDEN Dollar, also mehr als 1,2 Milliarden Euro, ist Bumble nach aktuellen Angaben wert. Beachtlich für ein Unternehmen, das erst vor drei Jahren gegründet wurde.

26

MILLIONEN User sind derzeit weltweit auf Bumble registriert. Sie verbrin­ gen durchschnittlich 90 Minuten täglich auf der Dating­Plattform.

75.000 VERLOBUNGEN UND HOCHZEITEN sind Bumble angeblich zu verdanken. Und 10.000 Babys, deren Eltern sich über Bum­ ble kennenlernten.

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MILLIARDEN Swipes werden jeden Monat registriert. Damit signalisieren Männer und Frauen Interesse an ihrem Visavis. Eine Million Frauen machen täglich den ersten Schritt.

An der Southern Methodist Univer University in Dallas will die geschäftstüchtige junge Frau Marketing studieren, wird aber abgelehnt – sie entscheidet sich für International Studies. Nach ihrem Abschluss zieht sie nach Los Angeles, heuert dort mit 22 in den Hatch Labs, einem Start-up-Inkubator, an. Sie lernt erst Sean Rad, später auch Chris Gulczynski und Justin Mateen kennen. Gemeinsam mit diesem Trio startet Whitney Wolfe 2012 Tinder, die legendäre, aber keineswegs jugendfreie Dating-App. Als sie irgendwann 2013 mit Mateen eine Beziehung eingeht, ist das der Anfang vom Ende. Beruflich ist er als Chief Marketing Officer ihr Vorgesetzter. Privat nennt er sie eine „Schlampe“. Sie steigt aus. Es bleiben Erinnerungen an eine „schreckliche Zeit“.

HASS & HÄME VERFOLGEN SIE BIS IN IHRE TRÄUME

Doch bald gibt es wieder einen Lichtblick. Sie lernt ihren späteren Mann Michael Herd kennen – „IRL“, wie es im Digitalsprech heißt, „in real life“. Sie erinnert sich an einen gemeinsam Tag in Aspen, an einen Nachmittag beim Skifahren. Sie werden sich aber erst am Valentinstag des Jahres 2014 wiedersehen. Es ist das Jahr, in dem Wolfe Tinder verlässt. „Es war schrecklich. In den sozialen Netzwerken gab es so viele verletzende Kommentare. Dieser Hass und die Verachtung verfolgten mich bis in meine Träume.“ Sie wehrt sich. Verklagt Tinder wegen sexueller Belästigung. Zu einem Prozess kommt es aber nicht. Es heißt, Wolfe habe im Zuge einer außer außergerichtlichen Einigung eine Million Dollar (rund 800.000 Euro) erhalten. Darüber spricht sie nicht. Sehr wohl aber darüber, was diese Erfahrungen bewirkt haben. „Ich werde ehrlich sein“, sagt sie. „Bis ich mit der Arbeit an Bumble angefangen habe, hat mich das F-Wort erschreckt.“ Nein, nicht das Wort. Das Wort Feminismus.

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„Wann ist ein Kompliment ein Kompliment? Die Ant wor t ist ganz einfach:

Ja, jetzt. Jetzt erst. „Ich träumte davon, das Internet zu einem Ort zu machen, an dem die Menschen respektvoll miteinander umgehen.“

WENN DU ES ZU EINEM MANN NICHT SAGEN WÜRDEST, IST ES UNANGEMESSEN.“

DIE IDEE, DIE BUMBLE ERFOLGREICH MACHTE

In diesem Gefühlschaos erreicht sie eine E-Mail. Sie kommt von Andrey Andreev, heute 44. Der gebürtige Moskauer, der längst in London lebt, hat Whitney Wolfe 2013 bei einem Abendessen kennengelernt. Er betreibt Badoo, das mit 350 Millionen Usern erfolgreichste Dating-Netzwerk der Welt: „Um ehrlich zu sein, habe ich mich sofort in Whitneys Leidenschaft und Energie verliebt.“ Sie reagiert nicht. Erst als er ihr alles Gute im Streit mit Tinder wünscht, trifft sie ihn in London. Er bietet ihr einen Job an. Sie lacht – und sagt nein. Doch die beiden bleiben in Kontakt. Spazieren gemeinsam durch die britische Hauptstadt, tauschen Ideen aus. Er wird ihr größter Mentor, steigt später mit zehn Millionen US-Dollar (acht Millionen Euro) bei Bumble ein. Dafür erhält er 79 Prozent des Unter Unternehmens (20 Prozent hält Whitney Wolfe, ein Prozent teilen sich zwei Mitarbeiterinnen). Wolfe und Andreev haben zu diesem Zeitpunkt bereits eine Ahnung, wohin sie ihre gemeinsame Reise führen könnte, die entscheidende Idee fehlt aber noch. Bis zu jenem Abend, als Wolfe mit Andreev zusammensitzt (ja, es sind ein paar Cocktails getrunken worden). „Ich wollte immer ein Szenario haben, in dem der Typ meine Nummer nicht hat, ich aber seine“, erinnert sie sich an das Gespräch diesen Abend. „Was wäre, wenn Frauen den ersten Schritt machen, die erste Nachricht senden? Weil nur sie es können? Und wenn sie es nicht tun, ist der ganze Zauber nach 24 Stunden vorbei? – Ähnlich wie in Aschenputtel?“ Bumble ist geboren. Im Dezember 2014 erfolgt der Start. Es ist das Happy End eines Desaster-Jahres.

DIE APP SO FUNKTIONIERT’S DER START Mit einem Swipe, also einem Wisch nach rechts, wird Inter­ esse signalisiert. Das können Frauen und Männer. Tun’s beide, haben sie ein Match. EIN TAG ZEIT Gefällt Frau, was sie sieht, kann sie den ersten Schritt ma­ chen. Geschieht das nicht innerhalb von 24 Stunden, ist das Match Geschichte. LETZTE CHANCE Will Mann die Hoff­ nung nicht aufgeben, kann er einmal um 24 Stunden verlängern.

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Whitney Wolfe hat es geschafft. Privat und beruflich. Michael Herd macht ihr einen Antrag. Ganz IRL, ganz real. Auf seiner Ranch in Texas überredet er sie zu einem Ausritt. Als die Sonne untergeht, springen sie von den Pfer Pferden. Michael geht auf die Knie. Zieht einen Ring aus der Tasche. „Da waren nur wir beide, an einem perfekten Ort, und niemand in unserer Nähe. Es war absolut magisch! Wir weinten und lachten den ganzen Weg zurück.“ Geheiratet wurde im Vorjahr in Positano an der Amalfiküste.

MIT JEDEM TAG WIRD BUMBLE MEHR WERT

Bumble beginnt im August 2016 mit der Monetarisierung über In-AppKäufe. 2017 wird ein Umsatz von 100 Millionen Dollar verbucht. Für 2018 wird eine Verdoppelung erwar erwartet. Auch erste Kaufangebote gibt es. Eines davon stammt von der Match Group, der Tinder-Mutter. Es beträgt 450 Millionen Dollar (367 Mio. Euro), noch im selben Jahr ist von einer Milliarde die Rede. Nach bisher letzten Meldungen sind es 1,5 Milliarden Dollar, mehr als 1,2 Milliarden Euro. Frauen, die über ihr (Liebes-) Leben selbst entscheiden, sind ein Gewinn. In jeder Hinsicht. Es summt also. Es summt ganz gewaltig.


Die Bumble-Grßnderin in ihrem Bienenkorb: alles eindeutig, alles klar definiert – bis zum Honiggelb ihres Shirts

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Muss man sich dazu vorstellen: den verbrennerlosen Sound. Ein Zischen und Surren, über­ lagert vom Pfeifen der Luft

DIE STROMSCH SPANNEND, SPEKTAKULÄR, EGALITÄR: WARUM DIE FORMULA E DIE ZUKUNFT DES MOTORSPORTS IST.


CLEMENT MARIN/DPPI

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ENGE ACTION Dafür, dass bis zur letzten Runde Rad an Rad gekämpft wird, sorgt schon die Energiemenge. Selbst die, die vorn liegen, stürmen nicht auf und davon. Das Risiko, ohne Power auszurollen, wäre zu groß.

DAS ANFÄNGLICHE NASERÜMPFEN ÜBER DIE FORMULA E KONNTE MAN VON DEN FAHRERLAGERN DIESER WELT BIS HOCH IN DIE VORSTANDSETAGEN WAHRNEHMEN. Strombetriebene, flüsternd leise Rennautos, die sich optisch allein durch die Lackierung unterscheiden und in Städten im Kreis fahren, das passte nicht in eine im Grunde stockkonservative MotorsportWelt, deren DNA auf wohlhabende Abenteurer ohne Furcht und Tadel zurückgeht. Und dann kommt einer daher, nämlich der spanische Unternehmer und frühere Politiker Alejandro Agag, und beschließt alles anders zu machen. Nachhaltig. Ökonomisch. Spektakulär. Ohne Rück Rücksicht auf Traditionen. Nahe am Fan, direkt in Großstädten statt auf abgelegenen Rennstrecken mit riesigen Auslaufzonen. Mit innovativer, nahezu revolutionärer Vermarktung. Mit einer Saison, die im Herbst beginnt und im Sommer endet. Mit kleinen Budgets, überschaubar dimensionierten Teams und rigider Kontrolle von technischer Entwicklung. Aerodynamik, Chassis, Reifen: für alle gleich. Entwickeln darf man dort, wo es für die Serie relevant ist, nämlich beim Antriebsstrang: Wie komme ich mit einer fix vorgegebenen Menge an Energie, die in einheitlichen Akkus gespeichert wird, möglichst schnell von A nach B? Das ist die Frage, die jeden Renntag ebenso unberechenbar wie spek spektakulär geklärt wird. 2017/18 ist die vierte Saison der ABB FIA Formula E Championship, wie die Serie nun offiziell heißt, seit man den schwedisch-schweizerischen Mischkonzern als Titelsponsor gewonnen hat, und viele Nasenrümpfer von gestern drücken sich heute die Nasen an den Scheiben platt und wollen auch mitspielen bei dieser

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neuen Art des Motorsports. Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit, unvorhersehbare Rennen mit einem Bruchteil jener Budgets, die es in klassischen MotorsportSpielarten braucht – das sind Argumente, die auch in Vorstandsetagen überzeugen. Alejandro Agags Vision erwies sich als tatsächlich visionär.


FORMULA E: EIN MUSS FÜR AUTOHERSTELLER

ES GIBT DERZEIT KEINE RENN SERIE AUF DER WELT, DIE MEHR WERKE ANZIEHT ALS DIE FORMUL A E .

Renault hat das als Erstes erkannt und stellt folgerichtig das historisch erfolgreichste Team. Der französische PSA-Konzern nutzt die Formula E, um die Marke DS interinter national bekannt zu machen. Jaguar stellt erstmals seit dem ver verunglückten Formel-1-Projekt wieder ein Werksteam. Der indische Mahindra-Konzern ist ein Big Player am Subkontinent und Gründungsmitglied der Formula E. Audi bekennt sich in dieser Saison offiziell zum Abt-Team, das man auch vorher schon unterstützt hatte. BMW kommt nächste Saison, genau wie Nissan. Mercedes-Benz und Porsche schließen sich ein Jahr später an. Besonders bemer bemerkenswert: Mercedes hat sein traditionsreiches DTM-Tourenwagen-Programm beendet, um in die Formula E zu wechseln, Porsche sein höchst erfolgreiches Le-Mans-Projekt.

CLEMENT LUCK/DPPI, JAGUAR

SPIELWIESE DER TECHNIKER Das Getriebe ist zur Entwicklung freigegeben. Manche Teams fahren ohne Gang, andere mit bis zu fünf. Es ist eine Philosophiefrage, die auch die Ausrichtung des Motors beeinflusst.

Was all diese Big Player vereint, ist der Wunsch, sich Elektro-Kompetenz erstens zu erarbeiten und zweitens auch zu zeigen. Vor allem die deutschen Premium-Her Premium-Hersteller brauchen eine Plattform, um ihre Strom-Brands ins Licht zu rücken: Mer Mercedes die kommende EQ-Serie, Porsche das rein elektrische E-Supercar, BMW die i-Modelle und die elektrogetriebenen Ableger ihrer künftigen Serienfahrzeuge. Für die Motorsport-Community hat diese Entwicklung eine durchaus dramatische Symbolik: Audi und Porsche haben in der Vergangenheit hunderte Millionen in die Hybrid-Technik für Le Mans investiert, während man für die technische Entwicklung eines Formula-E-Boliden mit etwas über zehn Millionen Euro über die Runden kommt. Die Botschaft: E-Mobility ist günstiger und einfacher als Hybrid, mithin die Zukunft. Die überschaubaren Kosten geben aber auch Privatteams wie Andretti oder Penske die Chance, auf einem fairen Niveau mitzuspielen. Technologiekonzerne, die wir aus der Formel 1 kennen, sind nur zu gern


mit der Entwicklung von Komponenten involviert: Williams stellt die Akkus, McLaren E-Motoren. Umso schöner auch, dass kaum ein E-Rennstall trotz sehr eng gefasster technischer Rahmenbedingungen zu gleichen Lösungen kommt. Vereinfacht gesagt: Aerodynamik und alles vor der Batterie (die hinter dem Fahrers liegt) ist tabu. Ob du aber mit einem großen oder zwei kleinen E-Motoren fährst, wie du sie einbaust oder wie viele Gänge dein Getriebe hat, ist der Kreativität überlassen. Kurioses Detail: In der Geschichte der Formula E konnte man mit fünf, vier, drei, zwei oder nur einem einzigen Gang gewinnen.

FORMULA E IST NAHE AM FAN

EINER DER ERFOLGSFAKTOREN DER FORMUL A E WAR VON ANFANG AN DIE BETONTE ORIENTIERUNG HIN ZUM PUBLIKUM.

Was nützt die schönste Spielwiese für Ingenieure, wenn die Rennen langweilig sind? Teilweise erinnern E-Prix, wie die Rennen heißen, mit ihren Remplern und Schubsern an Tourenwagen-Rennen. Die engen Stadtkurse mit ihren nichts verzeihenden Mauern tun ein Übriges, genau wie die nur eine Stunde kurzen Rennen, zu deren Mitte nicht die Reifen, sondern spektakulär gleich das ganze Auto gewechselt wird (was den Akkus der aktuellen Generation geschuldet ist; ab nächster Saison, wenn neue Autos mit stärkeren Akkus eingesetzt werden, fällt der Autotausch weg). Kurz ist auch das Renn-„Wochenende“: Es ist nämlich nur ein einziger Tag, der am Morgen mit dem ersten Training beginnt und um 17 Uhr mit der Siegerehrung endet. Kinder bis 15 Jahren kommen gratis rein, die teuersten Tickets kosten kaum mehr als 50 Euro und bringen dich direkt an Fahrer und Boliden heran. Es gibt kein Verstecken, keine abgeschotteten TeamZonen, keine als Business getarnte Arroganz. Du willst ein Buemi-Autogramm, ein Prost-Selfie? Du kriegst dein BuemiAutogramm, dein Prost-Selfie. Außerdem ist die Formula E die einzige Rennserie der Welt, in der Fans auf legalem Weg direkten Einfluss auf das Renngeschehen nehmen können. Das Tool nennt sich FanBoost und war von Anfang an integraler Bestandteil des Konzepts. 62

TOTALE TRANSPARENZ: JEDER WEISS, WER DIE DREI PILOTEN MIT FANBOOST SIND.

Auch wenn sich die Regeln im Detail immer wieder einmal geändert haben, ist das Prinzip ebenso genial wie effizient: Jenen Fahrern, die während einer bestimmten Zeitspanne die meisten Stimmen auf sozialen Netzwerken bekommen, wird während des Rennens ein genau definiertes Quantum an Extraenergie freigeschaltet, das sie zum Überholen nutzen können. Auch hier totale Transparenz: Jeder an der Strecke, aber auch im Cock Cockpit weiß, wer die drei Piloten mit FanBoost sind, ob sie ihn bereits verbraucht haben oder noch ein Ass im Talon haben. Und überholt wird genug.

FORMULA E ERÖFFNET NEUE MÖGLICHKEITEN

WENN L ÄNDER IHRE GESETZE ÄNDERN, UM DER FORMUL A E IHRE TORE ZU ÖFFNEN, DANN HAST DU ET WAS RICHTIG GEMACHT.

Sollte jemand noch weitere Beweise gebraucht haben, dass die Formula E erstens kein kurzfristiges Phänomen ist und zweitens ein echter Gamechanger, dann möge er für den 10. Juni 2018 einen Trip nach Zürich buchen: Da findet zum ersten Mal seit 63 Jahren wieder ein Rundstreckenrennen auf Schweizer Boden statt. Nach einem schweren Unglück in Le Mans im Jahr 1955 waren solche Veranstaltungen im ganzen Land verboten worden. Für die Formula E hat der Bundesrat eigens die Gesetze geändert – ein ganz erstaunlicher Schritt. Ist die Formula E also die ultimative Konkurrenz zur Formel 1? Im Gegenteil, die ultimative Ergänzung. Formel-1Eigner Liberty Media ist mittlerweile auch größter Shareholder der Formula E. Die Motorsport-Profis wollen in beiden Welten gut aufgestellt sein. Eine Gegnerschaft zwischen elektrischem und konventionellem Motorsport gibt es nur noch in den Köpfen konser konservativer Geister. INNOVATOR


FETTE WERTE

NIEMALS OHNE GUMMI! Weil die Antriebs­ einheit permanent unter Strom steht, müssen die Mecha­ niker bei der Arbeit isolierende Gummi­ handschuhe tragen. Bisher ist auch noch nichts passiert.

AUDI

Die maximale Batte­ riespannung eines Formula-E-Autos liegt bei 1000 Volt. Bis zu 200 Kilowatt dürfen abgegeben werden. Der Akku wird mit 40 kW ge­ laden und ist in 45 Minuten wieder einsatzbereit.

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DIE FORMULA E VERSTECKT NICHTS

DAS TECHNISCHE REGLEMENT IST FÜR JEDEN EINSEHBAR, VIELE KOMPONENTEN SIND GLEICH. SPART GELD, BRINGT FAIRNESS.

Antriebswellen Übertragen Kraft in beide Richtungen: Beim Beschleunigen Motorkraft, beim Rollen und Bremsen wird Energie rekuperiert.

Alternator Wandelt den Gleichstrom der Akkus in Wechselstrom um.

Batterie Wiegt inklusive CarbonSicherheitszelle 320 Kilo. Der Lithium-Ionen-Akku allein ist 200 Kilo schwer.

Lenkung Kommt ohne ServoUnterstützung aus.

Unterboden Die Nase ist aus aerodynamischen Gründen hochgezogen, im Heck streckt ein integrierter Diffusor.

Aerodynamik Für alle gleich. Aus Kostengründen darf hier auch nicht entwickelt werden.

Mindestgewicht Ein Formula-E-Auto muss zu jedem Zeitpunkt mindestens 880 Kilo wiegen.

JAGUAR, GETTY IMAGES

Crash-Sicherheit Es gelten die höchsten FIAStandards – wie in der F1.

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INNOVATOR


Heckspoiler Einheitsteil. Kann in beschränktem Maß auf die jeweilige Strecke eingestellt werden.

Getriebe Baut jeder Hersteller selbst. Die Anzahl der Gänge ist frei – manche Teams verzichten über­ haupt darauf.

FORMULA E AUS FAHRERSICHT

DER SCHWEIZER SÉBASTIEN BUEMI, 29, HAT 55 F1-RENNEN BESTRITTEN, STAND IN LE MANS ZWEIMAL AM PODEST UND FÄHRT SEIT 2014/1 5 FORMUL A E . ER ERKL ÄRT UNS, WORAUF ES ANKOMMT.

Motor Darf jeder selbst ent­ wickeln. Hier werden wir in den nächsten Jahren die größten Fortschritte sehen.

Schaltpaddles Wer Gänge hat, sortiert sie vom Lenkrad aus.

Chassis Stammt vom italienischen Spezialisten Dallara und wird aus Carbon gefertigt. Länge 5 m, Breite 1,8 m.

Dämpfer Sowohl vorne als auch hinten vierfach verstellbar.

Bremsen Die Carbon­Scheiben erreichen auf den Stadt­ kursen Temperaturen von bis zu 1000 Grad Celsius.

Reifen Profilierte Einheits­ entwicklung von Michelin, die im Trockenen wie im Regen gefahren wird. Einzige Modifizier­Spiel­ wiese: der Luftdruck.

Felgen Bestehen aus Magnesium und sind 18 Zoll groß. Das Design muss die Abwärme der Bremsen ableiten.

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the red bulletin innovator: Was braucht es, um in der Formula E zu gewinnen, Herr Buemi? sébastien buemi: Du musst flink im Kopf sein, denn du hast nur sehr wenig Zeit, dich auf die Strecke einzustellen. Ein E-Prix ist ein Ein-Tages-Event: Du kommst am Morgen an, und am Nachmittag fährst du schon dein Rennen. Wie unterscheidet sich die Formula E fahrerisch von anderen Serien? Du musst komplett umlernen. Als Rennfahrer willst du immer so schnell sein wie irgend möglich. In der Formula E musst du aber zwei Ziele gleichzeitig verfolgen: schneller sein als die anderen, dabei aber mit der verfügbaren Energie haushalten. Und wie macht man das? Das ist im Cockpit komplexer, als es aussieht. Du willst nur dann Energie ver verbrauchen, wenn es der Rundenzeit dient oder du überholt werden kannst – also vor allem auf den Geraden. Darum gehst du noch vor dem Bremspunkt vom Gas, damit das Auto Energie rekuperieren kann, bevor du bremst. Jetzt kommt der kritische Teil: Weil du das Auto so abgestimmt hast, dass es an der Hinterachse möglichst wenig Grip aufbaut, segelst du möglichst lang im instabilen Zustand durch die Kurve. Und das alles nur, um möglichst spät wieder aufs Gas zu müssen. 65


IN DER FORMULA E SCHNELL ZU SEIN IST FÜR DEN FAHRER KOMPLEXER, ALS ES VON AUSSEN AUSSIEHT. Und das können alle Fahrer? Wenn du in dieser Serie erfolgreich sein willst, musst du es lernen. Energie ist Rundenzeit. Wer entscheidet, wann du den FanBoost nutzt? Na ich mache das. Je nachdem, ob ich meine Position verteidigen muss oder überholen will. Dabei gilt es zusätzlich, die Batterie-Temperatur im Auge zu behalten: Ist sie zu hoch, verpufft der FanBoost wirkungslos. Wie wirkt sich der Autotausch während des Rennens auf die Taktik aus? Da ist immer ein wenig Poker dabei: Wenn du vorn bist, versuchst du, aus dem ersten Auto alles rauszuholen, mit Vor Vorsprung früh ins zweite Auto zu wechseln und dann zu Ende zu cruisen. Aber Unfälle mit Safety-Car-Phasen sind bei uns die Regel und machen oft die schönste Taktik zunichte.

DIE STRECKEN

12 STOPPS IN 10 L ÄNDERN: DAS IST DIE SAISON 2017/18

Marrakesch Eine Mischung aus permanenter Rennstrecke und Straßenkurs.

der. Sehr anspruchsvolle Strecke mit 21 Kurven.

Paris Die kürzeste Strecke des Jahres führt um den Invalidendom und die Esplanade des Invalides.

Santiago Durch die Altstadt über einen Fluss in den Park und wieder retour.

Berlin Am Flughafen

Mexico City Eine

Zürich Premiere im Quartier Enge, gelegen direkt am Zürisee.

verkürzte Version jener Rennstrecke, auf der auch die Formel 1 fährt.

Punta del Este Ultraschnelle, lange Strecke an der Playa Brava in Uruguay. Fahrer-Favorit.

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Rom Neu im Kalen-

Tempelhof wird eigens eine Strecke aus dem Boden gestampft.

New York City

CLEMENT LUCK/DPPI

Hongkong Zwei Rennen entlang der Central Harbourfront als spektakulärer Kulisse.

Zum Finale gibt’s zwei Rennen vor der Skyline von Manhattan.

fiaformulae.com

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KOMMT ZU DEN MENSCHEN Alle Rennen finden in Großstädten statt, nicht auf anonymen Tracks im Nirgendwo.

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DIE ZUKUNFT: GEN2 AB KOMMENDER SAISON

SPEKTAKUL ÄR, FUTURISTISCH, ANDERS: AB HERBST 2018 IST DIE NÄCHSTE GENERATION UNTERWEGS

3. KEIN HECKSPOILER Stattdessen zwei kleine Flügel über den Hinterrädern. Downforce erfolgt durch einen gewaltigen Diffusor im Unterboden.

2. HALO Den „Heiligenschein“ oberhalb des Cockpits, den wir in der Formel 1 ebenfalls sehen wer werden, gibt es auch im GEN2. Die Idee dahinter ist einmal mehr die Sicherheit der Fahrer.

4. MEHR REICHWEITE Die Kapazität der Batterie wurde verdoppelt. Dadurch entfällt der Autotausch zur Mitte des Rennens.

5. MEHR LEISTUNG Statt 200 kW leistet das neue Auto 250, man darf auch deutlich mehr Energie rekuperieren.

FORMULA E: DIE FAVORITEN

8 FAHRER, DENEN WIR IN DER SAISON 2017/18 DEN TITEL ZUTRAUEN. (ABER ES WIRD KNAPP!)

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Sébastien Buemi

Lucas di Grassi

Sam Bird

Nationalität: SUI Team: Renault e.dams Siege: 12 Startnummer: 9 Stärke: Riesige Erfahrung, kämpft in jeder Saison um den Titel. Kann sich als WEC-Champion und ehemaliger F1-Fahrer perfekt auf unterschiedliche Gegebenheiten einstellen.

Nationalität: BRA Team: Audi Sport ABT Schaeffler Siege: 6 Startnummer: 1 Stärke: Amtierender Champion und FormulaE-Urgestein, das jede Saison in den Top 3 beendet hat. Bester Feind von Sébastien Buemi.

Nationalität: GBR Team: DS Virgin Racing Siege: 6 Startnummer: 2 Stärke: Hat als einziger Fahrer neben Buemi und di Grassi in jeder Saison zumindest ein Rennen gewonnen und war in allen Nachwuchsserien einer der Stärksten im Feld.

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MEDIA.FIAFORMULAE.COM, LUKAS MAEDER/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES (4), DAVID ROBINSON/RED BULL CONTENT POOL, JAGUAR

1. VERKLEIDETE VORDERRÄDER Augenscheinlichster Unterschied: Die Vorderräder sind durch einen CarbonVerbau geschützt, der in die Karosserie übergeht. Die Idee dahinter: höhere Sicherheit bei Kontakt mit Gegnern.


DARAN KANN MAN SICH GEWÖHNEN Eigenständige Optik, die sich auf den ersten Blick von konventionellen Autos unterscheidet

Felix Rosenqvist

Jean-Éric Vergne

André Lotterer

Nelson Piquet jr.

Nico Prost

Nationalität: SWE Team: Mahindra Racing Siege: 3 Startnummer: 19 Stärke: Vor allem auf en‑ gen Stadtkursen brilliert der Schwede – und die Formula E bewegt sich fast ausschließlich auf solchen. Viel Erfahrung mit unterschiedlichsten Autos.

Nationalität: FRA Team: Techeetah Siege: 1 Startnummer: 25 Stärke: Der ehemalige Toro‑Rosso‑Pilot fährt bereits für das dritte Formula‑E‑Team. Mehr Erfahrung als der in Dubai lebende Franzose hat diesbezüglich keiner.

Nationalität: GER Team: Techeetah Siege: 0 Startnummer: 18 Stärke: Der dreifache Le‑Mans‑Sieger (mit Audi und Porsche) ist der inter‑ essanteste Neueinsteiger. Gilt als Fixkandidat für das Porsche‑Cockpit bei deren Werkseinstieg.

Nationalität: BRA Team: Panasonic Jaguar Racing Siege: 2 Startnummer: 3 Stärke: Aus der Formel 1 schoss er sich durch einen absichtlich herbei‑ geführten Unfall selbst raus („Crashgate“), in der Formula E ist seine harte Fahrweise genau richtig.

Nationalität: FRA Team: Renault e.dams Siege: 3 Startnummer: 8 Stärke: Sein Vater Alain galt auf der Strecke als „Professor“, ist tief in die Entwicklung der Formula E eingebunden und gleichzeitig Team‑ chef des schnellen Nico.


ZEIGEN SIE IHREM CHEF DIESEN ARTIKEL. TEXT: STEFAN WAGNER

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DESIGN: ADELE STERNBERG

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ER WIRD SIE DAFÜR LIEBEN

Er ist geachtet und ge­ fürchtet, knallhart, Experte und Profi zugleich. Verteilt seine Aufträge präzise, erwartet Ergebnisse um jeden Preis, setzt sich durch, duldet keinen Widerspruch. Eine absolute Autorität, entscheidungsfreudig. Wer seine Ziele erreicht, bekommt einen fetten Bonus. Wer sie verfehlt, eine Abreibung. Ist das der perfekte Vor­ gesetzte? Nein. Der Kerl macht sogar ziemlich alles verkehrt. Sagt wer? Sagt die Wissenschaft. INNOVATOR

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Wir

beginnen den Aus­ flug in die Zukunft unseres Ar­ beitslebens mit einem Spoiler: Menschlichkeit, Empathie und Wohlwollen eines Vorgesetzten sind offenbar geheime unter­ nehmerische Superwaffen. Ein netter Chef macht Mitarbeiter kreativer, konstruktiver und loyaler – und das Unternehmen erfolgreicher. Herausgefunden hat das die mit der Hamburger Universität assoziierte RespectResearch­ Group (RRG), 2003 vom Uni­ versitätsprofessor und früheren Unternehmensberater Niels Van Quaquebeke gegründet. Ihr Ziel: die Auswirkungen von

respektvollem Umgang auf den Erfolg von Unternehmen, Organisationen und Einrich­ tungen zu erforschen. Derzeit besteht die RRG aus etwa zehn Mitgliedern der verschiedens­ ten Disziplinen, von Psycho­ logie bis Amerikanistik. Sie ist die weltweit einzige Ein­ richtung ihrer Art, man könnte sagen: eine Art Weltzentrum des Wissens um den Wert von Soft Skills. Erster Schritt ins Verständnis der Arbeit der RRG ist eine Splittung des Begriffs „Respekt“ in zwei Bereiche: vertikal und horizontal. Vertikalen Respekt kennen wir: eine anerkennende Reaktion auf eine gute Leis­ tung, Lob und Anerkennung für einen Erfolg. Vertikaler Respekt fällt uns relativ leicht und ist in den meisten Unter­ nehmen Alltag.

Viel wichtiger für den Erfolg eines Unternehmens ist aber das, was die Hamburger Wissenschaftler „horizontalen Respekt“ nennen. Vereinfacht gesagt: Freundlichkeit, Offenheit, Empathie, Wohlwollen, Wertschätzung – und das alles auf den Menschen bezogen, nicht auf eine Leistung. Also auch dann, wenn etwas nicht geklappt hat. Auch dann, wenn es Konflikte gibt, wenn etwas schiefläuft.

Diesen „horizontalen Respekt“ in den Alltag von Unternehmen einzubauen ist knifflig, aber es lohnt sich. Wie sehr, zeigt der folgende Auszug der Erkennt­ nisse aus fünfzehn Jahren

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Arbeit der RRG, für uns aus­ gewählt und erläutert von der aktuellen und der früheren Leiterin der RRG, den Psycho­ loginnen Jennifer Ulrich und Catharina Vogt.

Die Wissenschaft sagt nämlich: Der ideale Vorgesetzte begegnet seinen Leuten auf Augenhöhe. Er ist loyal, freundlich und wohlwollend. Er trifft Entscheidungen in Absprache mit seinen Mitarbeitern (nicht zuletzt, weil sie vieles besser wissen als er). Niemand muss Angst haben, wenn Fehler passieren. So ein Vorgesetzter, sagt die Wissenschaft, ist nicht bloß ein angenehmer Zeitgenosse. Er ist auch ziemlich schlau. Denn er …

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… ist mehr wert als mehr Geld. Jeder halbwegs funktionierende Vor­ gesetzte versucht, die Motivation seiner Leute hochzuhalten. Weil jeder halbwegs funktionierende Vorgesetzte weiß: Nichts ist so wertvoll wie motivierte Mitarbeiter. Übliche Instrumente zur Motivations­ förderung: Beförderung, Gehaltserhöhung, Dienstwagen. Dabei belegen Studien, dass stattliche Gehälter, fette Dienstwagen oder protzige Visitenkarten als Motivations­ faktor nichts taugen. Spitzenreiter im Motivationsranking sind respektvolle Behandlung durch den Vor­ gesetzten (liegt auf Platz zwei des Rankings) und, auf Platz eins, „eine interessante Aufgabe haben“. Wer also seine Leute motivieren möchte, langweilt sie nicht und behandelt sie korrekt. Dann kann sogar die nächste Gehaltserhöhung warten.

… muss nicht einmal ein Experte seiner Branche sein. Gute Chefs sind tatsächlich in erster Linie nett zu ihren Leuten. Erst in zweiter Linie kennen sie sich in ihrer Branche aus – denn der nette Inkompetente schlägt den kompetenten Tyrannen um Längen. Und niemand braucht Angst zu haben, sich eine Blöße zu geben. Es motiviert Mit­ arbeiter sogar, wenn sie vom Chef um ihren fachlichen Rat gefragt werden.

… ist das beste Mitarbeiter­ bindungsprogramm. Jedes Unternehmen versucht, kompetente, motivierte Mitarbeiter langfristig zu binden. Wichtigster Faktor dafür: der horizontale Re­ spekt des Vorgesetzten für den Mitarbeiter.

… macht ruppige Kunden oder unfreundliche Kollegen wett. Wer gern zur Arbeit geht, verrichtet sie besser – logisch. Und wie gern wir zur Arbeit gehen, hängt wesentlich von den Leuten ab, mit denen wir dort zu tun haben, also Kollegen, Kunden, Vorgesetzten. Allerdings nicht in dieser Reihenfolge. Denn die RRG hat herausgefunden: Nicht unser Verhältnis zu Kollegen oder Kunden entscheidet darüber, wie wohl wir uns am Arbeitsplatz fühlen, sondern unser Ver­ hältnis zum Vorgesetzten. Ein netter Chef macht sogar die Motivationskiller lästige Kunden und fiese Kollegen wett. (Freilich gilt auch der Umkehrschluss: Wen der Chef anödet, den ödet auch der Job an – selbst wenn er Kunden und Mitarbeiter mag.)

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Interessantes Detail der entsprechenden Studien: Hat der Mitarbeiter vor dem Chef zusätzlich vertikalen Respekt (hält er ihn also nicht nur menschlich, sondern auch fachlich für kompetent), fühlt er sich selbst noch wohler im Unternehmen.

… ist unschlagbar, wenn er Respekt mit Respekt kombiniert. Die Königsklasse hört auf den Fachbegriff Motivation 3.0, kombiniert horizontalen mit vertikalem Respekt und erfüllt damit drei Grundbedürfnisse des Menschen auf einen Schlag: nach Selbständigkeit, Zugehörig­ keit und Effektivität. Vorgesetzte, die beide Arten von Respekt kombinieren, erreichen Traumwerte in Engagement und Leistung der Mitarbeiter.

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Die Checklist für Führungskräfte:

SO WERDEN SIE ZUM SUPERBOSS Sie müssen nicht der Beste in Ihrem Team sein. Es geht um Ihre Men­ schenkenntnis, Ihre Empathie, Ihr Verständnis für Prozesse und Projekte. Nicht darum, dass Sie der eigentlich beste Mit­ arbeiter Ihres Teams sind. Wie gut Sie als Vorgesetz­ ter sind, entscheidet Ihre menschliche Kompetenz viel mehr als Ihre fach­ liche Kompetenz .

Seien Sie ehrlich. Zu den anderen und zu sich selbst. Menschen sind sehr gut darin, zu erkennen, ob etwas authentisch ist oder nur gespielt. Also: Seien Sie nicht nur menschlich, sondern auch Mensch. Mit Fehlern, Ecken und Kanten. Aber haben Sie die Größe, dazu zu stehen. Und sprechen Sie mit Mitarbeitern niemals schlecht über andere Mitarbeiter. Ganz schwerer Fehler. Zerstört jedes Vertrauen.

Vergessen Sie Boni. Bonuszahlungen, die sich nach individueller Leistung orientieren, wirken erwiesenermaßen negativ. Warum? Mit­ arbeiter werden dadurch wettbewerbsorientierter – aber falsch. Sie achten nur darauf, wie sie selbst abschneiden, stellen den eigenen Erfolg über den des Teams und sogar über den des Kunden (und konsequente Orientierung am Wohl des Kunden ist für den Unternehmens­ erfolg ebenso wichtig wie respektvoller Umgang).

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Lassen Sie sich beurteilen. Bei Google lässt man die Führungskräfte regelmäßig durch ihre Mitarbeiter bewerten. Das ist ziemlich schlau, denn ob respektvolles Verhalten auch respekt­ voll ist, bestimmt nicht der Absender, sondern das Empfinden des Empfängers. Die Sache ist ebenso einfach wie kni≠lig: Etwas kann vom Vorgesetzten noch so gut gemeint sein, wenn’s beim Mitarbeiter nicht so ankommt, gilt es nicht.

Fragen Sie sich: Bin ich überhaupt gern Chef? Die in den allermeisten Unternehmen übliche Methode, den besten Mitarbeiter eines Teams zum Vorgesetzten zu befördern, ist Quatsch. Sogar wissenschaftlich erwiesener Quatsch, inklusive Terminus tech­ nicus: Peter­Prinzip. Nach diesem Prinzip klettert man auf der Karriereleiter höher und höher … bis zu der Sprosse, auf der man scheitert. Dort bleibt man dann. Und macht sich und andere unglücklich. Wenn der beste Ingenieur zum Leiter des Ingenieur­ teams befördert wird, arbeitet er nicht mehr als das, was er extrem gut kann (nämlich Ingenieur sein). Ein Karriereschritt als Rückschritt. Wahre Größe zeigen übrigens die, die erkennen, dass sie auf dieser ersten Sprosse des Scheiterns sitzen. Und einen Schritt zurück machen.

… ist ein Turbo für Kreativität und Effizienz. Respektierte Mitarbeiter fühlen sich dem Unternehmen nicht nur ver­ bundener, sie wollen auch länger im Unternehmen bleiben und später in Rente gehen, sie trauen sich mehr zu und trauen sich mehr. Ergebnis: mehr Eigeninitiative, mehr Eigen­ verantwortung, mehr Kreativität.

… ist sogar wichtiger als das Unternehmen. Tatsächlich sprechen alle Unter­ suchungen dafür, dass die Beziehung zum persönlichen Vorgesetzten wich­ tiger ist als Branche, Kultur, Atmo­ sphäre des Unternehmens. Zugespitzt formuliert: Ist mein direkter Vor­ gesetzter okay, arbeite ich sogar für ein schreckliches Unternehmen gern.

… ist aber kein Kuscheltier. Damit es nicht zu Missverständnissen kommt: Wir sprechen hier nicht von einem Wellness­Animateur, sondern von einer zeitgemäßen Führungs­ persönlichkeit. Das heißt, Konflikte und Probleme werden angesprochen, Fehler werden kritisiert. Aber eben – und das ist der entscheidende Unter­ schied –: Der Fehler wird kritisiert, nicht die Person. Aus „Herr Huber, immer reden Sie den Kunden falsch an!“ wird nun: „Herr Huber, bitte sprechen Sie doch den Kunden am Telefon mit seinem Namen an, er fühlt sich dann wohler.“ Unverändert gilt freilich: Herr Huber tut gut daran, das zu tun, was der Vorgesetzte von ihm verlangt. Denn dauerhaftes Fehlverhalten eines Mitarbeiters zu akzeptieren ist nicht respektvoll, sondern schwach.

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MOBILITÄT FÜR

Wie wir in n ah e r Zukunf t unte r wegs O de r im luf tle e ren Raum .

ROLLS-ROYCE PLC

Was fehlt denn da? Natürlich – der Mensch! Autonom fahrende Schiffe (hier eine Studie von Rolls‑Royce) transportieren Lasten passgenau.


MORGEN

sein we rden – im Wasse r, an L an d , in de r Luf t . T E X T: W E R N E R J E S S N E R

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Stirbt der Seebär aus? Wenn autonomes Fahren auf Landstraßen, Autobahnen und bald auch in Städten funktioniert, ist es nur logisch, das Prinzip auch auf die Weiten der Weltmeere und die – vor allem – Containerschi≠fahrt auszuweiten. Führerlose Schiffe, die über Funkanlagen von Land aus gesteuert werden und den eingeschlagenen Kurs mittels Laser und Radar selbständig überprüfen? In Norwegen wird gerade Re-Volt erprobt, ein führerloses Schiff, das bis zu hundert Container fasst und sparsamer sein soll als konventionelle Schiffe. In den USA sind autonome Segelschiffe des kleinen Herstellers Saildrone bereits als schwimmende Labors unterwegs, die den Zustand der Meere erheben. Nun will auch Rolls-Royce, einer der größten Hersteller von Schi≠smotoren, in die

Idee Weg mit Kajüte, Messe und Mensch, dafür totale Effizienz.

Vorteile Der Schiffsrumpf wird präzise auf den Norm­ container ausgelegt – Lego am Meer.

Realisierung Was im Kleinen be­ reits funktioniert, wird schrittweise auch im Großen kommen.

Entwicklung autonomer Meeresriesen einsteigen. Gemeinsam mit einem finnischen Konsortium entwickelt man autonome Frachter. Hauptvorteil: Durch den Verzicht auf menschbedingte Komplikationen wie Brücke, Kajüten etc. kann man die Schiffe e∞zienter konstruieren und so bei gleicher Größe mehr Fracht laden.

ROLLS­ROYCE PLC, ITALDESIGN

DAS SCHIFF OHNE CREW

Idee Dem Stau bei Bedarf einfach davonfliegen.

Vorteile Kombiniert selbstän­ dig unterschiedliche Fortbewegungsarten.

Realisierung Zukunftsmusik – so­ wohl auf technischer als auch auf gesetz­ licher Ebene müssen noch etliche Probleme gelöst werden.

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Die bequeme Kapsel ist eher mobile Lounge als Kommando­ zentrale: Ein konventionelles Cockpit gibt es nicht.

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Auch eine Idee: Öl von Bohrinseln durch autonom fahrende Schiffe abholen lassen

DER PENDLER AM HIMMEL Je nach Verkehrs­ lage dockt sich die Passagier­ kabine an ein Luft­, Straßen­ oder Schienen­ modul an.

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Was wäre, wenn man dem Stau einfach davonfliegen könnte? Luftfahrtgigant Airbus und Autoentwickler Italdesign (unter anderem die Designer der ersten Generation des VW Golf) haben sich gemeinsam Gedanken über ein Pendlerfahrzeug gemacht

und im Frühjahr 2017 „Pop.Up“ vorgestellt, eine Vision für dreidimensionale Mobilität im urbanen Raum. Herzstück ist eine 2,6 Meter lange, 1,4 Meter hohe und 1,5 Meter breite Carbon-Kapsel für die Passagiere. An die werden je nach Bedarf und Verkehrslage unterschiedliche elektrisch betriebene Module angedockt: ein Bodenmodul für den Transport auf Straße bzw. Schiene oder aber ein

Luftmodul mit acht gegenläufigen Rotoren, 4,4 Meter im Quadrat. Entscheidend: Die Passagiere müssen zu keinem Zeitpunkt die Kapsel verlassen, auch nicht beim Wechsel des Antriebs. Alles passiert autonom und automatisch: Über eine App gibt man seine gewünschte Ankunftszeit ein, das System entscheidet sich für die e∞zienteste oder günstigste Transportmöglichkeit. 79


Orion auf dem Weg zum Mars (hier in einer Grafik der NASA). 2019 soll das Raumschiff zunächst in einem Probeflug den Mond umkreisen.

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Idee

Vorteile

Realisierung

Der große Traum der Menschheit von Kolonien auf anderen Planeten.

Wenn wir die Erde endgültig kaputtgemacht haben, kriegen wir anderswo eine zweite Chance, es besser zu machen.

Selbst wenn die Zeitpläne in den letzten Jahren immer wieder korrigiert wurden: Wir werden das noch erleben.


DAS MARS-TAXI Ähnlich wie das „Space Race“ die 1960er-Jahre inspiriert hat, wird das die Mars-Mission der NASA in Zukunft tun: Die Reise, die in den frühen 2030er-Jahren den ersten Menschen zum Roten Planeten bringen soll, hat bereits begonnen. Schritt für Schritt sammelt die NASA jetzt das Wissen, das es braucht, um dermaßen tief ins Weltall einzudringen – und vor allem Menschen danach wieder heil zur Erde zurückzubringen. Das Transportmittel steht bereits fest: Orion ist der Name des Raumschiffs, das bis zu vier Astronauten fassen und von der weltweit größten Trägerrakete SLS mit bis zu 32.000 km/h ins All geschossen werden wird. Den ersten unbemannten Testflug hat Orion bereits absolviert. Im Jahr 2019 soll Orion den Mond umkreisen und danach 435.000 Kilometer weit ins All fliegen – weiter als Menschen jemals gekommen sind –, um nach 25 Tagen sicher wieder heimzukehren. Die nächste Destination: der Mars.

Ein Dreirad, das in die Luft geht: nicht ohne Pilotenschein!

Idee Kleinwagen und Kleinflugzeug in einem.

Vorteile Kombiniert das Beste aus zwei Welten – und macht auch noch Spaß.

Realisierung Kann man bereits bestellen. Kosten: ca. 300.000 Euro.

NASA, PAL V

EIN FLIEGENDES DREIRAD Verstopfte Straßen, auf der Autobahn kein Weiterkommen. Und dann: Ein Knopfdruck, und die Rotoren – eben noch zusammengeklappt am Dach – fahren aus. Man ist nach nur 180 Metern in der Luft und fliegt den Kolonnen davon.

Keine Science-Fiction, sondern Realität – zumindest technisch. Das erste serienmäßige Flugauto heißt Pal-V Liberty und ist ein Gyrokopter, bei dem sich die Rotoren durch den Fahrtwind drehen und nicht von Motoren angetrieben werden. Das ist sicherer und einfacher kontrollierbar als ein Helikopter (für den Vortrieb sorgt ein Triebwerk im Heck). Am Boden ist der Pal-V ein bis zu 160 km/h schnelles Dreirad, das dank seiner aerodynamischen Form mit einer Tankfüllung über 1300 Kilometer weit kommen soll. Der massenhaften Verbreitung stehen aktuell zwei Argumente entgegen: Man darf nur auf Flugplätzen, nicht jedoch auf Straßen starten und landen. Und man braucht zusätzlich zum Führer- auch einen Pilotenschein. 81


Konventionelle U-Boote ­nehmen Ballast auf, um zu sinken. Eine reichlich unelegante, wenig ökonomische und langsame Art, die Welt unter Wasser zu bereisen – etwa so wie ein Heißluftballon, der infolge des geringeren ­spezifischen Gewichts warmer Luft im Vergleich zur Außenluft aufsteigt. DeepFlight Submarines funktionieren nach einem anderen Prinzip, das wir gut kennen: So wie Flugzeuge

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mittels Tragflächenprofil Auftrieb generieren, so generieren diese U-Boote durch ihre Form Abtrieb und segeln quasi durchs Wasser – schneller als jedes andere zivile Unterseeboot. So kann man nicht nur mit schnell schwimmenden Meeresbewohnern mithalten. Auch im Fall eines Defekts gleitet DeepFlight von selbst wieder an die Oberfläche – weil der Abtrieb bei Verringerung der Geschwindigkeit entsprechend abnimmt.

Strömungsmechanik im Wasser: Fast wäre man geneigt, Deep­Flight-U-Boote aero­dynamisch zu nennen.

DEEPFLIGHT

DER UNTERWASSERGLEITER


Die Idee Das Prinzip eines Flugzeugs, aufs Wasser umgelegt.

Vorteil Größerer Radius, mehr Geschwindig­ keit, mehr Sicher­ heit, kein Lärm.

Realisierung Gibt es bereits.


LOCKHEED MARTIN, HTT/JUMP START FUND/FREDERICO JANNI

Luftschiffe bringen schwere Lasten und Passagiere auch in entlegenste Regionen, weil sie völlig ohne Infrastruktur wie Flughäfen auskommen.

DIE VAKUUMRAKETE Der Luftwiderstand ist das größte Hemmnis für hohe Geschwindigkeiten: Er steigt exponenziell an, je schneller man sich bewegt. Das heißt auch, dass man ungleich mehr Energie benötigt, wenn man schneller von A nach B will. Was aber, wenn man den Luftwiderstand einfach aus­ schalten könnte? Das ist die Idee hinter Hyperloop One. Hier sollen Kapseln durch eine 84

Vakuumröhre fetzen – und zwar rechnerisch mit bis zu 1200 km/h. Immerhin: Bei ersten Tests im Jahr 2017 konnten fast 400 km/h er­ reicht werden. Aktuell befassen sich gleich drei unterschiedliche Firmen mit dieser Idee, zehn Strecken auf dem amerikanischen Kontinent, in Indien und Groß­ britannien sollen im ersten Schritt gebaut werden. Die Strecke Miami–Orlando, mit dem Auto in dreieinhalb Stun­ den zu bewältigen, wäre im Hyperloop bloß so kurz wie eine Fahrt mit der U­Bahn.

Idee Eiltransport in der Vakuumröhre.

Vorteil Geschwindigkeiten, die wir aus der Luft kennen, werden erstmals auf den Boden gebracht.

Realisierung Neben der Technologie selbst muss man auch die Finanzierung in den Griff bekommen.


Idee Luftfahrt, ohne auf Flughäfen an­ gewiesen zu sein.

Vorteile Leiser, bequemer, größer und un­ abhängiger als Flugzeuge.

Realisierung Hybrid Enterprises sagt, sie können in 30 Monaten ab Bestellung liefern.

DAS HIGHTECHLUFTSCHIFF

Schneller als die schnellsten Züge: Hyperloop würde Shinkansen, TGV etc. beinah zu Bummel­ bahnen degradieren.

Schwebende Giganten mit riesiger Ladekapazität, die mehrere Tage lang in der Luft bleiben können, nicht auf Flughäfen angewiesen sind und weniger Lärm und Dreck machen als Flugzeuge: Der USRüstungskonzern Lockheed Martin nimmt sich der alten Idee der Zeppeline an und kombiniert dazu zwei Technologien. Ein Teil des Auftriebs verdankt sich – wie wir es von den Zeppelinen des frühen 20. Jahrhunderts kennen – der Füllung mit dem leichten Edelgas Helium, der Großteil aber entsteht durch die aeroaero dynamische Form. Um das Luftschiff auch wirtschaftlich in die Höhe zu bekommen, hat Lockheed Martin ein TochterunterTochterunter nehmen gegründet: Hybrid Enterprises akquiriert bereits aktiv Kunden und sieht potenpoten zielle Einsatzbereiche in der Erschließung abgelegener Regionen, aber auch bei RetRet tungsmissionen etwa nach Erdbeben oder Erdrutschen, wenn Landstriche striche von der Umgebung abgeschnitten und auf dem Landweg oder per Flugzeug nicht erreichbar sind.

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Experte für offen­ sives Scheitern: Dr. Samuel West in seinem Museum in Helsingborg

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Fortschritt ohne Irrtum ist möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, sagt Samuel West, Psychologe und Gründer des „Museums des Scheiterns“. Und motiviert damit auf charmante Art.

„S C H EI T ER N I ST K EI N E S C H WÄC H E, S O N DER N DIE CHANCE F ÜR EI N EN ER FO LGR EI CH EN N EUA N FA N G “ Interview: Robert Sperl Fotos: Ulf Svane INNOVATOR

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Samuel West sammelt Produkte, die auf dem Markt spektakulär gescheitert sind. Und er erklärt, was wir aus ihren Misserfolgen lernen können. the red bulletin innovator: Herr West, ein berühmter Skirenn­ läufer sagte einmal: „Der Könner stürzt immer nach vorn.“ Gilt das Gleiche fürs Scheitern? samuel west: Diese Failing-ForwardMentalität ist wunderbar, im Silicon Valley vielleicht ein bisschen über überstrapaziert. Man darf sie auch nicht glorifizieren, sonst wird daraus: Es ist in Ordnung, ein schlampiger Dummkopf zu sein, und wenn du pleitegehst – egal. Offensiv zu scheitern bedeutet für mich: Ich probiere etwas Großes, nahezu Unmögliches, Risiko inklusive. Aber ich tue mein Bestes; und wenn ich scheitere, bemühe ich mich, daraus zu lernen. Ich akzeptiere das Scheitern und rede mich nicht heraus. Ich steh auf und versuch es noch einmal.

Steigert Scheitern unsere Leistung? Ja, wenn man daraus lernt. Wie groß ist die Gefahr, dass sich dabei auch die Qualität der Aus­ reden steigert? Ich als Person entscheide: Lebe ich – was gar nicht so selten ist – in einem Netz aus Lügen und Ausflüchten, oder führe ich ein ehrliches Leben? Im letzteren Fall bedeutet dies: Misslingt mir etwas und ich scheitere, weil ich bewusst etwas falsch gemacht habe oder aus Versehen oder weil ich Neues ausprobiert habe – dann muss ich dazu stehen und daraus lernen. Wer Entschuldigungen sucht, lernt nicht aus seinen Fehlern, da ist immer jemand anderes schuld – vielleicht sogar Gott. Es ist schwierig zu lernen, wenn dann Gott schuld am Scheitern ist.

Komische Bedienung, fürchterliche Optik: drei Beispiele aus Samuel Wests Sammlung der gescheiterten Geräte.

In unserer linken Hirnhälfte ent­ stehen die Zweifel – und die sind offensichtlich Teil des Scheiterns. Hilft es, die linke Hirnhälfte irgend­ wie auszuschalten? Nein. Die einzige Möglichkeit, sich vor dem Scheitern zu schützen, ist, sich die Realität schönzureden – wie es Donald Trump tut. Er stolpert von Misserfolg zu Misserfolg, gleichzeitig negiert er die Realität, was dazu führt, dass er in einem Universum lebt, in dem er perfekt ist. Im Rest der Welt leben normale Menschen: Wir bauen Mist und müssen damit klarkommen. Ist Scheitern aktiv zu verhindern? Es ist einfach, ganz ohne Scheitern durchs Leben zu kommen: indem du einfach nichts tust. Aber wenn du etwas tust und damit dich, deine Firma, deine Organisation oder dein Team herausforderst, wirst du irgendwann scheitern. Was passiert physiologisch, wenn wir scheitern? Spüren, schmecken, riechen wir das? Du spürst es im Bauch. Tests haben zwar gezeigt, dass wir auf die Ängste anderer über unser Unterbewusstsein reagieren – aber es ist pure Spekulation, dass wir das Scheitern riechen können. Wissenschaftlich bewegen wir uns da auf sehr dünnem Eis. (Lacht.)

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WIE P RO D U K T E ST E R B E N

Zu fortschrittlich

Kodak DC40 Digitalkamera Gutes Produkt zur falschen Zeit: „Die DC40 war 1995 eine der ersten Kameras ihrer Art“, erklärt Samuel West. Doch der Fotopapier­ hersteller schätzte das Potenzial von Digitalfotografie falsch ein, ging 2012 pleite und stellte die Pro­ duktion von Digitalkameras ein.

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Wie wichtig sind beim Scheitern die Faktoren Zufall, Vorbestimmung und Glück? Enorm wichtig. Gute Antwort. Ernsthaft: Schauen Sie sich die Ausstellungsstücke in meinem Museum an. Ein Gutteil von ihnen hat genau aus diesen Gründen Schiffbruch erlitten, aus diesen Unwägbarkeiten. Geben Sie uns ein Beispiel? Der MiniDisc-Player von Sony. Wirk Wirklich großartig – kleine Scheiben, die aufnehmen können, winzige Geräte. Der MP3-Player ist aber viel besser: Sony hatte ein schlechtes Timing.

Zu seltsam

Nokia N-Gage Die Mischung aus Mobiltelefon und Gaming­Konsole kam 2003 auf den Markt und floppte dank mächtiger Gegner (Game Boy Advance) und schräger Optik: Nutzer mussten beim Telefonieren die schmale Seite des Handys an ihr Ohr halten – und das sah einfach albern aus.

Der Fortschritt war schneller … … was Sony nicht vorhersehen konnte, genau. In unserem täglichen Leben ist es ebenso: Man macht offensichtlich alles richtig, und trotzdem gehen Dinge schief. Ist das Scheitern eher weiblich oder männlich? Das Problem mit Männern: Sie nehmen ihre Grenzen anders wahr, als Frauen das tun. Männer gehen viel öfter zerstörerische Risiken ein, sie haben zu wenig Verständnis für ihre Limits – oder sie zeigen öfter die Bereitschaft, diese zu ignorieren. Die letzte Bankenkrise … Lassen Sie mich raten! … war komplett männlich. Wären damals Frauen verantwortlich gewesen, nichts wäre passiert. Allerdings: Auch Elon Musk ist ein Mann, es ist verrückt. Viele Dinge, die in Sachen Fortschritt spektakulär sind, kommen also exakt aus diesen Risiken. Welcher Teil einer Firma sollte männlich sein und welcher weiblich, um diese – nennen wir sie – Missverständnisse zu vermeiden? In einem Innovationsteam sind idealer idealerweise beide Geschlechter vertreten. Ich erzähle Ihnen eine Geschichte: Die

Zu unheimlich

Rejuvenique Facial Mask Straffes Gesicht dank Elektro­ stimulation? Das Konzept der Reju­ venique­Maske aus dem Jahr 1999 setzte sich (Gott sei Dank) nie durch. „Sie sieht furchtbar aus“, sagt West. „Zudem müsste man sie drei Monate lang täglich nutzen, ehe kleinste Effekte erzielbar sind.“ INNOVATOR

französische Firma BIC, der weltgrößte Hersteller von Kugelschreibern, lancierte 2011 den „BIC for Her“. Die Reaktion des Markts war ver vernichtend. Ein Kugelschreiber, speziell für Frauenhände entworfen, mit Glitzerstaub drauf, in femininen Farben – und zu einem höheren Preis. Die Kunden, speziell die Frauen, reagier reagierten empört, in der Art von „Seid ihr bei BIC jetzt verrückt geworden?!“. Es hätte wohl geholfen, eine Frau in diesen Produkt- und Designprozess zu involvieren? Wir brauchen nicht zu spekulieren, aber ziemlich sicher waren keine Frauen im Forschungs- und Versuchsteam. Das ist ein extremes Beispiel dafür, warum wir echte Vielfalt benötigen – eine, die sich auf Perspek Perspektive gründet und die Art, wie man denkt. Vielleicht gab es im BIC-Team sogar zwei, drei Frauen, aber der mächtige Teamleader, vielleicht der CEO, war ein Mann, und deshalb hat jeder bloß „Jawohl!“ gesagt – und sich nicht weiter um das Resultat gekümmert. Fazit: Ein Team braucht nicht nur Diversität, sondern muss sich als Team sicher fühlen können. Ich darf sagen, was ich mir denke und worauf ich vertraue – ohne dass ich gleich eins auf die Finger kriege. Es gibt endlos viele gute Zitate über das Scheitern. Henry Ford meinte etwa: „Ich werde niemals das eine vollkommene Ding finden, solange ich nicht auch all die unvollkommenen gefunden habe.“ (Lacht.) Ich liebe es! Ich liebe auch den Spruch von Elon Musk, der ungefähr so lautet: „Wenn du nicht scheiterst, hast du es nicht ernsthaft genug versucht.“ Und dann natürlich das berühmte Zitat von Thomas Alva Edison, der tausendmal gescheitert ist bei der Erfindung der Glühbirne. Die Leute haben gespottet: Was bist du doch für ein Versager! Aber er hat einfach geantwortet: „Nein, ich habe bloß 999 Möglichkeiten gefunden, warum es nicht funktioniert.“ Scheitern ist also der Ausgangspunkt für etwas Intelligenteres. Was raten Sie uns? 89


Der erste Schritt ist der schwierigste, weil er nicht rational-logisch ist, sondern emotional: Du musst dir den Fehler eingestehen, ihn zugeben. 99 Prozent der Menschen scheitern bereits hier – sie sind nicht bereit, den ersten Schritt zu gehen. Aber wir dürfen Probleme nicht mit Zuckerguss genießbarer machen. Zweiter Schritt: Aus Niederlagen zu lernen ist kom kompliziert. Sie kennen sicher das Sprichwort: „Wenn du in der Nacht deine Schlüssel suchst, schau nicht nur dort, wo es hell ist.“ Sei bereit, Mühe zu investieren, und erforsche Wege, an die du am Beginn der Reise eigentlich nicht gedacht hast. Schritt drei: Akzeptiere nie die erstbeste Erklärung. Können Sie Punkt drei präzisieren? Firmen und Organisationen lernen schlecht aus Niederlagen – mit einer Ausnahme: der Luftfahrtindustrie. Stürzt ein Flugzeug ab, heißt es zunächst: Warum? Dann findet sich eine Erklärung: Das Wetter war schuld. In vielen Organisationen würde es jetzt heißen: Die Ursache war Schlechtwetter, das schreiben wir jetzt in den Unfallbericht – und nun lasst uns auf ein Bier gehen. In der Luftfahrtindustrie heißt es hingegen: Okay, es gab schlechtes Wetter, aber jetzt folgen Teil zwei und drei der Analyse. Warum ist der Pilot dennoch geflogen? Ist es bei dieser Airline vielleicht üblich, die Piloten aus Profitgründen zu zwingen, trotzdem zu fliegen? Oder gibt es da einen Macho-Zugang, dass die Piloten immer starten, egal wie das Wetter ist? Das kann jede Organisation von der Luftfahrtindustrie lernen: Gib dich nicht mit der erstbesten Erklärung zufrieden. Ihre Theorie: Erfolgreiche Er­ findungen gleichen sich – aber jeder Misserfolg erzählt seine eigene Geschichte. Das habe ich von Tolstoi gestohlen. Klingt schlau. Nun, Leo Tolstoi war ein guter Autor, und ich bin ein guter Dieb. (Lacht.) Im Ernst: Erfolgsgeschichten ähneln sich erwiesenermaßen – egal ob es um neue Produkte geht oder neue Geschäftsmodelle oder soziale Er Errungenschaften: „Ich habe hart gearbeitet, ich hatte einen guten Lehr Lehrmeister, ich habe mir mit 32 ein Bein gebrochen und habe diesen Rück Rück90

schlag überwunden, und jetzt ist alles besser als zuvor.“ Wir haben das schon so oft gehört, dass es langweilig ist – mein Hirn schaltet einfach weg. Hingegen das Scheitern: Es gibt unzählig viele Möglichkeiten, wie Menschen, Produkte, Firmen scheitern können – und das ist faszinierend für mich. Wir müssen das Scheitern zu unserem Lehrer machen? Bist du erfolgreich – egal worin –, hörst du zu zweifeln auf. Du gehst auch keines jener bedeutsamen Risiken ein, von denen ich gesprochen habe. Aber wenn du dir nicht sicher bist und dich abmühst, bleibst du hungrig – und genau dann passiert Veränderung.

„Das Scheitern im Zuge der Finanzkrise war komplett männlich. Wären damals Frauen verantwortlich gewesen, nichts wäre passiert.“

Forscher West: „Es gibt unzählige Wege, wie Firmen oder Menschen scheitern. Das fasziniert mich.“ INNOVATOR


Wie wichtig sind in dieser Rechnung die Faktoren Zeit und Ausdauer? Zum einen heißt es, du musst Aus­ dauer haben, Hartnäckigkeit, Stur Stur­ heit. Wir bewundern den Geschäfts­ mann, der sich zehn, fünfzehn Jahre lang abmüht und dann endlich den Durchbruch schafft. Den Künstler, der einen Haufen schlechter Konzerte abliefert und dann die Kritiker über über­ zeugt. Oder einen Sportler, dito. Die Chinesen sagen: „Nur dumme Bienen versuchen, aus trockenen Blüten Nektar zu saugen.“ Einige der Aus­ stellungsstücke in meinem Museum sind gute Beispiele dafür, dass jemand eine Menge Ausdauer, Geld und Ener Ener­ gie in eine trockene Blüte investiert hat. Mein Ratschlag: Lasst uns Fehlern unvoreingenommener begegnen, dann können wir Projekte und Bestre­ bungen, die sich einfach nie lohnen werden, schneller über Bord werfen. Scheitern komplexe Systeme, weil eine Person scheitert, oder eher an kollektiver Unwissenheit? Möglichkeit zwei. Aber wir lieben ein­ fache Erklärungen, deshalb sagen wir: Das war sein Fehler. Damit wird es einfacher verständlich, und wir sind aus dem Schneider. Es gibt so viele Bücher über Schwarmintelligenz und Weisheit der Masse, aber eine Gruppe ist genauso schlau wie dumm – das ist ein zweischneidiges Schwert. Je größer eine Organisation wird, desto träger ist sie. Bin ich clever, aber in diesem Honigtopf gefangen: Wie kriege ich meine Ideen an die Oberfläche? Kämpfe dafür! Große Systeme wer wer­ den schnell ungeduldig – je größer, desto mehr Kontrolle, Organisation, Struktur und Resistenz braucht es, um das Gesicht zu wahren. Im Gegen­ satz dazu ändern junge, schlanke Strukturen schneller die Richtung, oder sie passen sich an. Die Riesen – egal ob Google, Apple oder Microsoft – versuchen deshalb, diese Start­up­ Kultur in ihren Hierarchien zu inte­ grieren.

„Bist du erfolgreich, hörst du auf zu zweifeln. Du gehst keine Risiken mehr ein. Wer aber unsicher bleibt, bleibt hungrig. Und genau dann passiert Veränderung.“

Das große System spaltet sich dafür auf in viele kleine Einheiten? Genau. Ich weiß nicht, wie relevant das aktuell ist, aber vor einiger Zeit erkannte Microsoft, dass man unfähig war, innovative Gedanken zu fassen. Also nahm man Budgets und Möglich­ keiten und reichte sie weiter an ver ver­ schiedene Start­ups. Ein evolutionärer Ansatz: Schmeiß ihnen das Geld nach, lass sie auch scheitern – aber such dir dann die zwei, drei heraus, die erfolgreich sind, und kaufe sie zu Marktpreisen. Hat das funktioniert? Microsoft hat eine Menge Geld ver ver­ geudet, aber am Ende kamen die Innovationen billiger, als wenn man es innerhalb der Firma versucht hätte. Die indirekte Antwort auf die Frage zuvor ist also: Erscheint dir der Kampf sinnlos, dann kündige und heuere bei einer kleinen Firma an. Einer Ihrer kreativen Lösungsansätze war: Sie haben als Berater versucht, einen Hauch Verspieltheit in Firmen hineinzubingen … Verspieltheit muss von Systemen als etwas akzeptiert werden, was sie for for­ cieren können oder zumindest tole­ rieren. Es muss ein Teil der Firmen­ DNA werden. Verspielt sein heißt: Du erforschst etwas, du experimentierst, ohne andauernd auf das Endergebnis zu schielen. Wir wissen nicht, ob wir damit Geld verdienen werden – aber wir haben Spaß beim Probieren.

mich sechs Jahre gekostet, und ich war überzeugt, dass Organisationen genau das brauchen. Ich habe Vor­ träge gehalten, Workshops organi­ siert, darüber Artikel geschrieben – das Ding hat nicht abgehoben. Es ist einfach schwierig, in Firmen zu gehen und zu sagen: „Hey, lass uns Zeit und Geld in etwas investieren, das nicht unbedingt Gewinn macht.“ Das funktionierende Gegenbeispiel ist Jeff Bezos: Er nennt seine Firma Amazon den besten Platz auf der Welt, um zu scheitern. Ja, das steht sogar in ihren Share­ holder Reports und den offiziellen Aussendungen. Eines ihrer Erfolgs­ geheimnisse ist: Sie haben keine Angst, auch viel zu riskieren. Was macht Amazon gerade? Es fordert Netflix heraus. Netflix ist riesig und hat Geld und investiert es in originäre Inhalte. Und was tut Amazon? Sie machen das Gleiche. Sie produzieren so viele Inhalte für ihren Prime­Video ­ ­Video ­ Service, dass man den Kopf schüttelt angesichts dieser Menge an Risiko. Es ist schwierig, gegen jemanden anzutreten, der keine Angst vor dem Verlieren hat … Genau. Amazon fürchtet sich nicht vor Netflix. Wenn Amazon in einigen Jahren zurückschaut und sagt: „Jetzt haben wir“ – ich sage einmal Haus­ nummern – „zehn oder hundert Milli­ arden Dollar in schlechte TV TV­Shows gesteckt“, dann wird Jeff Bezos sagen: „Okay, aber dafür gehören die jetzt uns.“ So in der Art: Ja, wir haben was riskiert – es hat halt nicht geklappt. Geben Sie uns zum Abschied eine „Wir haben keine Angst!“-Regel? Fürchte dich weniger vor dem Schei­ tern. Was kann schon passieren? Niemand tut sich weh, niemand stirbt, du verlierst höchstens ein wenig Geld – oder: Es gelingt dir etwas.

Waren Sie erfolgreich? Das war eine meiner Niederlagen: Nein, ich habe es jahrelang vergeb­ lich versucht. Ich habe darüber meine Doktorarbeit geschrieben, die hat INNOVATOR

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Dominic Wanjihia baut Dunstkühler aus Wellblech, von Motorrädern betriebene Generatoren und simple Privat-Biogasanlagen. Die Einwohner Kenias verehren ihn deswegen als „Zauberer“. Doch der Tüftler beweist damit nur: Probleme bedürfen nicht teurer Investitionen, sondern kreativer Lösungen.

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DO IT

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April AustrianStartups Stammtisch Mehr als 150 Start-ups, Investoren und Experten treffen sich einmal im Monat an wechselnden Locations in ganz Österreich – am 17. April in Wien. Ausgetauscht werden dabei Erfahrungen, Kontakte und Tipps für Unternehmensgründer, die zwar eine Idee, aber noch keine Markterfahrung haben. Der InfoGehalt ist hoch, der Eintritt frei. Weitere Termine: 15. Mai, 19. Juni, 17. Juli austrianstartups.com

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bis 18. Mai We Are Developers Conference Die größte Konferenz für Business Developer mit 8000 Besuchern und 150 Vortragenden. Themen: Technologien von morgen, Coding Culture, Unternehmenskultur, Big Data, VR, AR, Mixed Reality und vieles mehr. Gastredner: Steve Wozniak, Co-Founder von Apple! Austria Center, Wien; wearedevelopers.com

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Juni Touch Down 80 angemeldete Studenten haben die Chance, sich mit Entscheidungsträgern über ein zentrales Thema unserer Zeit auszutauschen: Nachhaltigkeit. Der Touch Down, das Abschluss-Event dieses Joint Ventures zwischen vier Wiener Unis, ist auch für externe Interessierte zugänglich. WU Wien; rce-vienna.at/ sustainabilitychallenge

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und 8. Juni 15 Seconds Festival

Die Founder Stefan Stücklschweiger und Thiemo Gillissen (Bild) haben eine Mischung aus interdisziplinärer TechKonferenz, Party und Spielplatz für Er Erwachsene geschaffen. Unter dem Motto „Die Zukunft gehört den Neugierigen“ versammeln sich 5000 Visionäre aus Marketing, Technologie, digitalem Journalismus und Leadership, um Inspiration und neue Perspektiven auf das Menschsein im 21. Jahrhundert zu finden.

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MATTHIAS BUCHWALD, 15 SECONDS, JULIAN MITTELSTAEDT

Stadthalle, Graz; fifteenseconds.co

bis 20. April 4Gamechangers Festival Das Get-together für potenzielle Zukunftsgestalter: Drei Tage lang gibt es Vorträge, Sessions und Diskussionen mit Fachleuten zu Blockchains, Künstlicher Intelligenz, nachhaltigem Wirtschaften, Klimawandel, digitaler Kultur und E-Sports. Rebellen, Influencer (oben: Instagram-Star Marie Curie mit Fan) und Visionäre sind hoch willkommen! Marx Halle, Wien; 4gamechangers.io

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S A V E T H E D AT E

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und 27. April Forward Festival Wer bereits eine Idee für ein eigenes Start-up am Horizont leuchten sieht, kommt in Wiens stilvollstes Kino. Dort kann man sich bei Motivational Speakers wie Matt Lambert oder Paula Scher schlau machen, wie man den ersehnten Punkt in der Ferne erreicht – und nebenbei noch interessante Menschen kennenlernen. Gartenbaukino, Wien; forward-festival.com

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und 25. Mai Pioneers Festival Pioniere, die gemeinsam digitale Grenzländer zwischen Technologie und Humanwissenschaft erforschen möchten, treffen sich Ende Mai in der

altehrwürdigen Hofburg zu Wien. Wichtige Fragen der Zukunft werden dort thematisiert: wirtschaftliche Umverteilung, FoodTech, intelligente Interfaces sowie die Schnittstellen von Wearables, Neurotechnologie und Virtual Reality. Die letztjährige Veranstaltung

wurde bei den Best Event Awards (BEA) als „weltbeste Konferenz 2017“ ausgezeichnet. Unter den Gastvortragenden seien VR- und HolodeckZauberer Jeff Burton sowie Leslie Dawn von Transatomic Power empfohlen. Hofburg, Wien; pioneers.io

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READ IT

HAB KEINE

Wer sich vor der Zukunft fürchtet, der möge aus der Vergangenheit lernen.

Andreas Gall 53, spürt als Chief Innovation Officer im Red Bull Media House neue Dinge auf, die die Zukunft der Medien und Consumer Technology gestalten.

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In letzter Zeit häufen sich die Angstgespräche mit Freunden, Kollegen, Mitarbeitern und Partnern, wenn es um die vierte Industrierevolution geht, in die wir uns gerade mit voller Fahrt hineinbewegen. „The Age of Fusion“ wird sie genannt, und ihr prägendes Hauptmerkmal soll sein, dass sich alles mit allem verbindet, alles mit­ einander kommuniziert und austauscht. Ist das so schlecht? Muss ich davor Angst haben? Was kann mir passieren? Kontrolliere ich die Technologie, oder werde ich von ihr kontrolliert? Ich erzähle in der Diskussion mit den Ängstlichen von früheren Innovations­ projekten. Als in den 1980er 1980er­ und 1990er 1990er­ Jahren in den Musikstudios und Radio­ stationen die schweren und unhandlichen Bandmaschinen durch Computer und Software ersetzt wurden, gab es – aus heutiger Sicht – irrationale Ängste. Viele Produzenten, Musiker und Re­ dakteure hatten große Angst, dass ihre Kreativität, ihr Sound und ihre Rechte durch die Digitalisierung verlorengehen könnten. Das physikalische Tonband, auf dem sich eine ganze Musikproduktion be­ fand und das ich unter mein Kopfkissen legen konnte, war plötzlich auf einer

„festen Platte“ im Computer des Ton­ studios gespeichert, es war nicht mehr „greifbar“. Von Band zu bandlos: Das war damals für viele Profis der Musik Musik­, Radio­ und TV TV­Branche ein Horrorszenario. Und dennoch war es unausweichlich: Analog wurde digital, Band zu Festplatte, Studios, Musiker, Kreative und Redaktio­ nen wurden auf der ganzen Welt digital miteinander vernetzt. Warum es funktio­ nierte? Die Ängste und Bedenken wurden nicht übergangen, sondern generierten innovative, digitale und zufriedenstellende Lösungsansätze – sie wurden in die neue Medienwelt mit eingebaut. Die Medienproduktion befindet sich heute, wenn ich es möchte, auf einer portablen Festplatte oder einem USB­Stick (passt noch besser unters Kopfkissen) – und gleichzeitig wird sie auch noch „in der Cloud“ gesichert. Von dort könnte ich jederzeit alle Dateien via Internet holen, zum Beispiel, falls ich den digitalen Medienspeicher zu Hause vergessen habe. Und noch besser: Wenn ich einen Teil meiner kreativen Arbeit mit einem Kol­ legen teilen möchte, dann ist das sehr schnell erledigt, während ich früher erst einmal das Band kopieren und dann per Post versenden musste. Wir lernen: Das „Age of Fusion“ ist nicht aufzuhalten, aber wir können, ja müssen es mitgestalten. Sinn der Technik bleibt, unser Leben zu erleichtern, wenn wir es wollen. Auch wenn sich alles mit allem vernetzen und austauschen kann, dann muss und darf ich es nicht überall zulassen. Mir bleibt die Möglichkeit und Verantwortung, ein Gerät, ein System oder eine Technologie abzuschalten oder den Vernetzungsgrad zu bestimmen.

INNOVATOR

MICHAEL PRESCHL

ANGST


KOLUMNE

WENN ICH MEINEM 14-JÄHRIGEN SOHN ÜBER DIE SCHULTER SCHAUE, WIE ER DAS „AGE OF FUSION“ SCHON JETZT AN SEINEM SMARTPHONE MANAGT UND MEISTERT, DANN MACHE ICH MIR UM UNSERE ZUKUNFT KEINE SORGEN.

IMPRESSUM

Chefredakteur Alexander Macheck Stv. Chefredakteur Andreas Rottenschlager

THE RED BULLETIN INNOVATOR Österreich, ISSN 1995-8838

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Ja, in Zukunft müssen wir uns noch verantwortungsbewusster damit beschäf beschäf­ tigen, welche technischen Verbindungen, Vernetzungen und Datenaustäusche wir in unserem Umfeld zulassen. Ent­ wicklungen wie eCall (das ab heuer ver­ pflichtende Notrufsystem in Neuwagen) erfordern mündige Bürger und wachsame Verbraucherschützer. Aber: Auch unsere Vorväter mussten lernen, mit Maschinen umzugehen, sie auf ihre Bedürfnisse ein­ zustellen und sie in ihr Leben zu inte­ grieren. Sie haben diese Änderungen bewältigt und uns eine tolle Basis für unsere Zukunft geschaffen. Im Übrigen: Wenn ich meinem vier vier­ zehnjährigen Sohn über die Schulter schaue, wie er das „Age of Fusion“ schon jetzt an seinem Smartphone managt und meistert, dann mache ich mir um unsere Zukunft keine Sorgen.

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TECH-HIGHLIGHT

Die Erde, eine faszinierende Schönheit: Space VR will allen Menschen eine Astronauten-Perspektive eröffnen.

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Unseren Planeten von oben bewundern – ohne Training, ohne Risiko, als Überflieger auf Ihrer Wohnzimmercouch: Ryan Holmes offenbart uns die Schönheit des Weltalls. Der Gründer von Space VR schickt Satel­ liten ins All, die mit hochauflösenden Kameras jeden Winkel der Erde erfassen. „Overview 1“ heißt der erste Satellit, der so ausgestattet in den Orbit geschossen wurde. Was er aufgenommen hat, kann auf jedem bildgebenden Gerät angezeigt werden, vom Smartphone über Oculus Rift bis hin zu Geräten mit extrem hoher Auflösung wie dem StarVR. Um 35 Dollar (rund 28 Euro) im Jahr fliegen Sie mit. spacevr.co INNOVATOR

SPACE VR, GETTY IMAGES

WENN DAS SOFA ZUR RAKETE WIRD: GANZ GEMÜTLICH INS ALL

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