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E HOCH 2. LEBEN MIT ERNEUERBARER ENERGIE. SEPTEMBER 2026
SERVICE PUBLIC
IM DIENST DER STADT TIERWOHL AN DER BIRS
MEHR LUFT FÜR WINTERSTROM
Neue Fischtreppe beim Kraftwerk Neuewelt – 22
Die wichtigsten Fakten zur Windenergie – 26
EDITORIAL
IM DIENST FÜR BASEL Da läuft was in Basel: Wasser unter den Strassen, Wärme durch die Leitungen und Strom in den Ladestationen. In dieser Ausgabe entdecken Sie die Vielfalt des heutigen IWB-Service-public. In unserer Titelgeschichte begleiten wir drei von 1200 IWB-Mitarbeitenden bei ihrem Einsatz für eine zuverlässige Infrastruktur. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen sorgen sie Tag für Tag dafür, dass die Versorgung in der Region Basel reibungslos funktioniert. Bei IWB hat sich in den letzten Jahren viel verändert: Wir haben unsere Strategie konsequent auf die dezentrale, digitale und dekarbonisierte Energiewelt von morgen ausgerichtet. Mit dem Ausbau der Fernwärme bringen wir die Wärmetransformation direkt in die Quartiere und Häuser. Wir setzen voll auf erneuerbare Energien und leiten die schrittweise Stilllegung des Gasnetzes ein. Gleichzeitig entwickeln wir in den Bereichen Photovoltaik und Wärmeverbünde zukunftsweisende Geschäftsmodelle. Jahr für Jahr investieren wir rund 200 Millionen Franken in unsere Netze und Anlagen. Ein grosser Teil dieser Wertschöpfung bleibt in der Region – das stärkt die Versorgungssicherheit, das Netto-Null-Ziel und den Wirtschaftsstandort Basel. Auch für mich persönlich steht bald eine Veränderung an: Ab Oktober übernehme ich das Präsidium des Verwaltungsrats von IWB. Ich freue mich auf diese neue Aufgabe und wünsche meinem Nachfolger als CEO, Martin Everts, einen guten Start und viel Erfolg. Ich danke Ihnen für das entgegengebrachte Vertrauen und wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. CLAUS SCHMIDT CEO IWB
ENERGIE IM ALLTAG
04 AKTUELL Slow-up, Strompreise, Swiss Indoors. 06 ARBEIT HINTER DEM ALLTAG Ein Rundgang durch Basel mit drei Mitarbeitenden von IWB. 12 EIN QUALITÄTSVERSPRECHEN ETH-Professor Dirk Helbing über die vielen Gesichter des Service public. 16 INFOGRAFIK: IWB IN DER STADT Wir sind in den verschiedensten Bereichen im Einsatz. Eine Übersicht. 18 SPANNENDE TATSACHEN Hätten Sie’s gewusst? Ein Quiz zum Schweizer Stromnetz. 19 IN LUFTIGEN HÖHEN Océane Ruetsch erlebt als Netz elektrikerin für IWB täglich Neues. 20 KNOTENPUNKT DER ENERGIE Im Unterwerk Volta laufen die Fäden des Stromnetzes zusammen. 22 IMPOSANTES BAUWERK Eine neue Fischtreppe erleichtert den Tieren die Wanderung in die Birs. 25 SCHUTZ VOR LEGIONELLEN Was Sie über die tückischen Krankheitserreger wissen müssen. 26 WERTVOLLER WINTERSTROM Fakten und Mythen rund um die Windenergie. 29 PREISRÄTSEL Nachhaltige Wassersprudler zu gewinnen. 30 MATURARBEIT AUSGEZEICHNET Der 19-jährige Janno Siegenthaler beschäftigte sich mit Strompreisen.
Vorhang auf! Die Tage werden kürzer, doch die Herbstsonne hat noch erstaunlich viel Kraft. Öffnen Sie morgens Vorhänge und Storen auf der Sonnenseite und schliessen Sie sie am Abend wieder, damit die Wärme im Haus bleibt. So sparen Sie Heizkosten und brauchen dank des natürlichen Lichts tagsüber weniger Strom für die Beleuchtung.
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Titelbild/Seite 3: Timo Orubolo; Foto Seite 2: Timo Orubolo; Illustration Seite 2: Jacqueline Müller
INHALT
FOKUS: SERVICE PUBLIC Mit seiner 360-Grad-Kamera steht Philipp Frey vor einem Altbau in der St. Alban-Vorstadt. Auf seinem Display sieht er den Weg möglicher Fernwärmeleitungen und potenzielle Hindernisse, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen – wie hier beispielsweise eine Stützmauer. Der Leiter des Teams Fernwärmeakquisition ist nur einer von zahlreichen IWBMitarbeitenden, die täglich dafür sorgen, dass Basel funktioniert – von der Wärmeversorgung über das Wasserleitungsnetz und die LED-Beleuchtung bis zur Elek tromobilität. Drei von ihnen haben wir während eines heissen Sommertages begleitet. Mehr dazu lesen Sie in unserer Reportage ab Seite 6. Im Interview ab Seite 12 beleuchtet ETH-Professor Dirk Helbing das Thema Service public aus einer wissenschaftlich-philosophischen Perspektive. Und unsere Infografik auf den Seiten 16 und 17 gibt einen Überblick, wo überall IWB drinsteckt: von den Brunnen bis zum Glasfasernetz.
AKTUELL
STROMTARIFE 2027
Nachdem die Stromtarife im Kanton Basel-Stadt 2026 leicht gesunken sind, zahlen Kundinnen und Kunden der Grundversorgung im kommenden Jahr minimal mehr – im Schnitt rund 0,6 Prozent. Wie in den Vorjahren rechnet IWB in der Kalkulation der Tarife nicht alle regulatorisch zulässigen Kosten an. Ansonsten stehen den leicht sinkenden Kosten aus den vorgelagerten Netzen erhöhte Abgaben für die öffentliche Beleuchtung und für die Solarstrombörse gegenüber. Total resultiert aufgrund der höheren Abgaben eine leichte Erhöhung – bei einem durchschnittlichen Basler Haushalt (2500 kWh/a) rund 4 Schweizer Franken pro Jahr. iwb.ch/stromtarife-2027
Elektrische Energie Kosten für die Produktion des Stroms im Kraftwerk. Ihr Tarif: IWB Strom small Jahresverbrauch pro Verbrauchsstätte bis kleiner 13 000 kWh
Netznutzung Kosten für den Bau und Unterhalt des Stromnetzes vom Kraftwerk bis zu Ihnen nach Hause.
Abgaben Abgaben und Steuern an den Kanton Basel-Stadt und an den Bund.
Ihre Versorgung: Niederspannung (400 Volt) auf der Netzebene 7
Lenkungs- Kanton abgabe*
Bund und MwSt.
Messwesen Kosten pro Messpunkt: 4.50 CHF/Monat +0.36 CHF MwSt.
Normaltarif Mo–Fr, 6–20 Uhr
12.25
13.95
5.20
3.52
4.76
Total 39.68 Rp./kWh
Spartarif in der übrigen Zeit
9.65
8.75
4.00
2.95
4.13
Total 29.47 Rp./kWh
Einfachtarif (Basistarif)
11.10
13.75
5.10
3.50
4.65
Total 38.10 Rp./kWh
* Die Einnahmen aus der Lenkungsabgabe werden unabhängig vom jeweiligen Stromverbrauch über den Stromspar-Fonds Basel an alle Haushalte und Betriebe ausbezahlt.
SLOW-UP BASEL-DREILAND: GRENZENLOS UNTERWEGS Auf die Räder, fertig, los: Am Sonntag, 20. September, von 10 bis 17 Uhr gehört die Region Basel den Velos, Trottinetts und Inlineskates. Rund 62 Kilometer autofreie Strassen laden zum Entdecken ein – mit sechs Rheinüberquerungen und neun Grenzübertritten. Entlang der Strecke wartet ein attraktives Rahmenprogramm auf Sie. Dabei sind Sie mit einer Vignette für 5 Franken. IWB unterstützt den Anlass als Hauptsponsorin und ist mit einem Erlebnisstand auf dem Bäumlihof vor Ort – Überraschung inklusive. Wir freuen uns, Sie zu sehen, und wünschen gute Fahrt!
slowup.ch/basel-dreiland
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Während einer Woche gilt an 70 Stunden der Normaltarif und an 98 Stunden der Spartarif. Daraus ergibt sich ein Durchschnittspreis von
33.73 Rp./kWh.
4.86 CHF/Monat
4.86 CHF/Monat
AKTUELL
SWISS INDOORS BASEL:
Vom 24. Oktober bis 1. November 2026 steht Basel wieder ganz im Zeichen des Spitzentennis. Die Swiss Indoors Basel vereinen WeltklasseSport mit dem Ziel, sich zu einem klimaneutralen ATP-Indoor-Turnier weiterzuentwickeln. Als Partner begleitet IWB diesen Weg mit ihrer Energiekompetenz. Profitieren auch Sie von dieser Partnerschaft: Gewinnen Sie 4 × 2 Tickets für Mittwoch, 28. Oktober 2026, und erleben Sie die Weltelite live in der St. Jakobshalle.
Foto: Swiss Indoors Basel
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Mit einer 360-Grad-Kamera dokumentiert Philipp Frey die Umgebung künftiger Fernwärmeleitungen. Dabei hält er fest, welche Hindernisse es beim Bau zu überwinden gilt – hier beispielsweise eine Stützmauer.
FOKUS: SERVICE PUBLIC
DIE ARBEIT HINTER DEM ALLTAG Da läuft was in Basel: das Wasser unter den Strassen, die Wärme durch die Leitungen und der Strom in Ladestationen. Auf einem sommerlichen Rundgang treffen wir IWB-Mitarbeitende aus drei verschiedenen Teams, die im Hintergrund dafür sorgen, dass die Stadt funktioniert. EINE REPORTAGE VON SIMON EBERHARD (TEXT) UND TIMO ORUBOLO (FOTOS)
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llein sind wir nicht, als wir Philipp Frey um acht Uhr morgens beim Kunstmuseum treffen. Joggerinnen, Velofahrer und Schulklassen sind an diesem Sommertag unterwegs. Und im nahen Rhein holen sich viele Menschen eine Erfrischung, denn es ist schon jetzt warm, und das Thermometer soll noch bis auf 35 Grad ansteigen. Keine Zweifel: In der morgendlichen Rushhour herrscht in Basel viel Betrieb.
UNTER UNS: DIE LEITUNG
Wir hingegen wollen heute diejenigen begleiten, die dafür sorgen, dass in Basel alles läuft – heute wie in Zukunft. Philipp Frey ist einer davon. «Bei praktisch jedem dieser Gebäude war ich schon mal im Keller», sagt er und zeigt auf die Altbauten in der St. Alban-Vorstadt. Auch die Umgebung kennt er bestens, denn mit seiner mobilen 360-Grad-Kamera hat er unzählige mögliche Leitungsführungen sowie potenzielle Hindernisse dokumentiert. Frey leitet bei IWB das Team Fernwärmeakquisition. Er berät Eigentümer, Bauherrschaften und Fachplanerinnen, prüft künftige Anschlüsse und informiert Kundinnen und Kunden dort, wo IWB das Fernwärmenetz ausbaut. «Direkt unter uns geht die Leitung durch»: Ein Satz, den er noch einige Male wiederholen wird. Denn wir sind hier in einem der Quartiere, die bereits bestens mit Fernwärme versorgt sind. «Hier haben schon acht von zehn Häusern Fernwärme», sagt Frey. In ganz Basel beziehen heute bereits 6500 Liegenschaften Fernwärme. Und das Netz soll weiter wachsen: Bis 2037 baut es IWB kontinuierlich aus, sodass es künftig rund 81 Prozent des Basler Wärmebedarfs abdecken soll.
«Hier haben schon acht von zehn Häusern Fernwärme.» Philipp Frey Leiter Fernwärmeakquisition bei IWB
ENTWEDER ZU FRÜH ODER ZU SPÄT
Nach einem kurzen Rundgang im Quartier stehen wir nun unterhalb der Wettsteinbrücke. Anstelle des Autos oder Trams wählen wir heute ein gemächlicheres Fortbewegungsmittel, um den Rhein zu queren: die Münsterfähre. Diese bietet einen Blick auf den Kamin der
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FOKUS: SERVICE PUBLIC
Die KVA (Kamin links der Bildmitte) produziert ungefähr die Hälfte der Basler Fernwärme. Rechts der Kamin des Fernheizkraftwerks Volta, das zu Spitzenzeiten ebenfalls zur Fernwärmeversorgung beiträgt.
Kehrichtverwertungsanlage (KVA). «Sie produziert rund die Hälfte der Basler Fernwärme», erläutert Frey. Ennet dem Rhein führt unser Weg an die Peter-RotStrasse im Wettsteinquartier, wo der Ausbau noch in Planung ist. Die Hauptversorgungsleitung ist gebaut, nun gilt es, interessierte Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Eine Herausforderung ist der Zeitfaktor. «Meistens sind wir entweder zu früh oder zu spät», lacht Frey. Denn nur selten erreichen alte Heizgeräte genau dann das Ende ihrer Lebensdauer, wenn auch die Fernwärmeleitung parat ist. «Dank einer vorausschauenden Planung finden wir aber gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden immer eine passende Lösung», sagt er. Auch Bäume und Vorplätze interessieren Frey: Sie beeinflussen die Planung der Leitungen. «Ab einem Stammumfang von 90 Zentimetern sind Bäume in Basel grundsätzlich geschützt.» Das heisst für ihn: Die Leitung muss einen anderen Weg finden.
AUCH DIE UHREN TICKEN PÜNKTLICH
Gegen halb elf ist unser erster Rundgang beim Wettsteinplatz zu Ende. Pünktlich, wie die dortige Uhr bestätigt. Dass sie richtig tickt, auch dafür sorgt IWB. Die Uhr am Wettsteinplatz ist eine von 750 Uhren, für deren Betrieb und Instandhaltung das Unternehmen verantwortlich ist. Leider fehlt uns aber heute – ironischerweise – die Zeit, um auch diesem Team über die Schulter zu schauen. Denn wir sind als Nächstes mit Pascal Jermann verabredet, der als Leiter des Entstördienstes die Wasserleitungen instand hält. Und das erfordert manchmal ungeplante Einsätze – so auch heute. Für die Ortung möglicher Lecks setzt das Team sogenannte Geräuschlogger ein, die im Abstand
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von 150 Metern voneinander platziert sind. «Einer dieser Geräuschlogger hat heute eine Auffälligkeit gemeldet», erklärt Pascal Jermann. «Mein Team ist bereits vor Ort.» So setzen wir uns mit ihm ins Auto und fahren an die Oberalpstrasse im Bachletten.
ES RAUSCHT UNTER DEM BODEN
Dort treffen wir auf seinen Teamkollegen Sandro Borer, der mithilfe eines sogenannten Korrelators die genaue Schadenstelle eruiert. «Meistens dauert das nicht länger als ungefähr 30 Minuten», erklärt Borer. «Der Korrelator berechnet, wo genau zwischen den zwei Geräuschloggern sich das Leck befindet.» Mit einem Messrad fährt er die errechnete Distanz ab, ein Bodenmikrofon dient als zusätzliche Absicherung. Sandro Borer lässt mich reinhören. Tatsächlich: An der mutmasslichen Leckstelle ist ein starkes Rauschen zu hören. Um das Leck zu beheben, arbeitet das IWB-Team eng mit einem Tiefbauunternehmen zusammen. Dieses wird die Strasse aufreissen, damit Pascal Jermann und sein Team die Leitung reparieren können. «Wir sind natürlich immer ein Verkehrshindernis», sagt Pascal Jermann. Das erfordert eine speditive Arbeitsweise und eine gute Kommunikation mit den Anwohnerinnen und Anwohnern. Für die Reparatur muss die Wasserversorgung in der Strasse für 30 bis 60 Minuten unterbrochen werden. «Wir bereiten zuerst alles vor, um den Unterbruch so kurz wie möglich zu halten», so Pascal Jermann. «Dabei nehmen wir wenn immer möglich Rücksicht auf die Bedürfnisse der Bewohnenden.» Inzwischen ist kurz vor zwölf – und damit Mittagszeit, in der viele Menschen
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Minuten dauert es etwa, bis ein Leck im Wassernetz gefunden ist – auch dank eines Bodenmikrofons.
«Mittags brauchen viele Menschen Wasser zum Kochen. Wir versuchen wenn immer möglich, die Wasserversorgung nicht gerade zu dieser Zeit zu unterbrechen.» Pascal Jermann Leiter Entstördienst bei IWB
Zwei Bereiche, eine Mission: Pascal Jermann (sitzend im Auto) und Patrik Wetzel sorgen beide für den Unterhalt der Basler Infrastruktur – der eine beim Wassernetz, der andere bei der Elektromobilität.
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FOKUS: SERVICE PUBLIC
Mit zwei Laptops verbindet Patrik Wetzel die Ladestation mit dem gesicherten IWB-Netz. Ist alles in Ordnung, dauert das nicht mehr als fünf Minuten.
«Ich versuche, eine Ladestation wenn möglich immer dann zu warten, wenn sie gerade nicht benutzt wird.» Patrik Wetzel Fachspezialist Ladeinfrastruktur bei IWB
zum Kochen Wasser brauchen. Darum wartet das IWBTeam zu und wird die Wasserversorgung erst am Nachmittag unterbrechen.
der andere mit dem abgesicherten IWB-Netz. «Sofern keine unvorhergesehenen Fehler auftreten, ist das in fünf Minuten erledigt.»
ZWEI LAPTOPS, EIN UPDATE
Manchmal sind zudem Arbeiten am sogenannten Powerboard nötig, das für die Steuerung der Ladeleistung zuständig ist. Das Controllerboard übernimmt die Steuerung der Ladestation und ist gewissermassen das «Hirn» der Anlage. Gibt es dort etwas zu reparieren, benötigt Patrik Wetzel etwas mehr Zeit. Denn dafür muss er zuerst die Spannung vom Gerät nehmen. Danach gilt es, aus Sicherheitsgründen 15 Minuten zu warten, bis sich dieses vollständig entladen hat. Wir nutzen die Zwangspause, um kurz eine Strasse weiterzugehen und beim Basiliskenbrunnen am Rhein unsere Flasche aufzufüllen – mit frischem Trinkwasser von IWB. Mit jährlich rund 26 Milliarden Litern Trinkwasser ist IWB die grösste Lebensmittelproduzentin der Stadt. Auch das ist Service public.
Darauf können wir allerdings nicht warten, denn wir haben noch einen dritten Termin. So fährt uns Pascal Jermann zurück nach Kleinbasel, an die Alemannengasse. Dort treffen wir Patrik Wetzel, seinen Kollegen aus dem Team Elektromobilität. Was Jermanns Team für die Wasserversorgung ist, sind Wetzel und seine Teamkollegen für die Elektromobilität: Sie warten Ladestationen. «Einerseits reinigen und kontrollieren wir die Geräte, andererseits beheben wir entstandene Schäden», sagt Patrik Wetzel. «Bei meinen periodischen Kontrollen führe ich zudem ein Softwareupdate durch.» Dabei braucht er zwei Laptops: Der eine verbindet sich mit der Ladestation,
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26 Milliarden Liter Trinkwasser produziert IWB für Basel pro Jahr.
EIN RIESENTABLET FÜR MEHR MOBILITÄT
Zurück bei der Ladestation an der Alemannengasse. Patrik Wetzel demontiert für eine kurze Demonstration das Powerboard. «Insgesamt kommt es vielleicht zweibis dreimal pro Woche an einer unserer zahlreichen Ladestationen zu einem Schaden», erklärt er. Denn es geht dabei nicht nur um das öffentliche Netz, sondern auch um zahlreiche Ladepunkte in Einstellhallen, Mehrfamilienhäusern oder Unternehmen. «Zusammen mit dem Display ist das Powerboard eines der schadensanfälligsten Teile», weiss Wetzel. In diesem Fall ist jedoch alles in Ordnung. So fahren wir mit ihm weiter zur Riehenstrasse, wo eine Ladestation der neusten Generation steht. Mit ihrem prominent platzierten Display sieht sie ein wenig aus wie ein zu gross geratenes Tablet. Dank der IWB-App wussten wir bereits im Voraus: Hier lädt gerade ein Auto. «Zwar
könnte ich die Wartung auch so durchführen», so Patrik Wetzel. «Normalerweise versuche ich aber, es dann zu machen, wenn die Ladestation gerade nicht benutzt wird.» Denn so muss er die Stromzufuhr nicht unterbrechen.
NUR EINES VON VIELEN TEAMS
Als wir uns von Patrik Wetzel verabschieden, ist es nach 15 Uhr. Die Hitze liegt schwer über der Stadt, und die Trinkflasche ist auch bald wieder leer. Für uns ist heute Feierabend. Wir haben einen Einblick erhalten in die Arbeit dreier IWB-Teams im Dienste der Stadt. Und rufen uns in Erinnerung: Das war nur ein kleiner Ausschnitt. Denn auch für die Brunnenreinigung, die Umrüstung der Beleuchtung auf LED, die Wartung des Glasfasernetzes und vieles mehr sind täglich mehr als 1100 IWB-Mitarbeitende im Einsatz – und tragen so ganz unaufgeregt dazu bei, dass Basel funktioniert.
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«Aus einer Grundversorgung ist ein Qualitätsversprechen geworden.» Prof. Dr. Dirk Helbing Professor für Computational Social Science, ETH Zürich
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FOKUS: SERVICE PUBLIC
«SERVICE PUBLIC IST MATERIELLE SOLIDARITÄT» Sauberes Wasser, pünktliche Züge, zuverlässige Strom- und Wärmeversorgung: Service public hat viele Gesichter. Doch wie wird er wahrgenommen, und was bedeutet er für eine Gesellschaft? Prof. Dr. Dirk Helbing von der ETH Zürich erklärt die Hintergründe.
ANDREAS SCHWANDER (INTERVIEW) KILIAN KESSLER (FOTOS)
gut funktionieren, stärkt dies das Vertrauen der Bevölkerung in Staat und Institutionen.
Herr Professor Helbing, warum nehmen Menschen funktionierende Infrastruktur meist erst wahr, wenn sie ausfällt? Das ist ein typisches Phänomen. Infrastruktur ist dann am erfolgreichsten, wenn man nicht auf sie achten muss. Solange Strom aus der Steckdose kommt, Wasser aus dem Hahn fliesst, die Bahn fährt und das Internet funktioniert, denken wir kaum darüber nach. Erst wenn etwas ausfällt, wird uns bewusst, wie stark unser Alltag von diesen Systemen abhängt.
Wie hat sich das Verständnis verändert? Früher wurde Service public vor allem als Versorgungspflicht verstanden. Die Frage lautete: Ist eine Leistung überhaupt vorhanden? Heute genügt das nicht mehr. Die Menschen erwarten Qualität. Es reicht nicht, dass ein Zug fährt – er soll pünktlich und sauber sein. Es reicht nicht, dass es Internet gibt – es soll schnell, zuverlässig und sicher sein. Aus einer Grundversorgung ist zunehmend ein Qualitätsversprechen geworden. Gerade in der Schweiz sind die Erwartungen entsprechend hoch. Der Service public wird in der Schweiz und in Europa nicht nur als notwendige Infrastruktur wahrgenommen, sondern auch als Ausdruck eines gesellschaftlichen Selbstverständnisses.
Was genau ist denn Service public? Service public umfasst Leistungen, die für das Funktionieren einer Gesellschaft essenziell sind. Sie sollten deshalb verlässlich, diskriminierungsfrei, leicht zugänglich und bezahlbar bereitgestellt werden – unabhängig davon, ob sie unmittelbar profitabel sind. Dazu gehören klassische Infrastrukturen wie Energieversorgung, Wasser, Verkehr oder Kommunikation, auf denen Wirtschaft und Gesellschaft aufbauen. Was ist Service public ausser Grundversorgung? Es gibt da noch die Kohäsionsfunktion: Service public verbindet Menschen und Regionen und trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Denken Sie nur an das Image und die Bedeutung der Schweizer Busse und Bahnen. Darüber hinaus erfüllt Service public eine Legitimationsfunktion: Wenn öffentliche Leistungen
Was unterscheidet die Schweiz vom Ausland? Im Ausland wurden gewisse Bereiche stärker privatisiert. Die Erfahrungen damit sind gemischt. Gerade bei der Bahn zeigt sich, dass reine Marktlogik nicht immer zu den gewünschten Ergebnissen führt. Wo Investitionen in Unterhalt und Qualität vernachlässigt werden, leidet langfristig die Infrastruktur. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen der Bevölkerung in die staatlichen Institutionen. Ein bekanntes Beispiel ist die Deutsche Bahn, deren Probleme mittlerweile leider als symptomatisch für ganz Deutschland gelten. Welche Botschaft vermittelt Service public? Grosszügiger Service public sendet ein Signal. Er vermittelt den Menschen: Diese Gesellschaft investiert
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in ihre Zukunft, in Qualität und in ihre Bürgerinnen und Bürger. Wird dagegen nur das Nötigste bereitgestellt, entstehen oft gegenteilige Effekte. Die Leistungen funktionieren vielleicht noch, vermitteln aber keine Wertschätzung und keine gemeinsame Vision. Was ist Pflicht und was ein Nice-to-have? Das lässt sich nicht immer eindeutig trennen. Natürlich gibt es Kernaufgaben. Doch viele Dinge, die zunächst als Luxus erscheinen, entfalten langfristig einen grossen Nutzen. Ein gutes Beispiel sind grosszügig geplante öffentliche Räume oder hochwertige Bahnhöfe. Solche Infrastrukturen bieten oft über Jahrzehnte hinweg Nutzungsmöglichkeiten, die ursprünglich gar nicht vorgesehen waren. Was zunächst bloss ein Nice-tohave war, kann sich später als entscheidender Standortvorteil erweisen. Was wäre heute so ein künftiger Standortvorteil? Öffentliche Parks mit grossen, gut gepflegten Bäumen und vielfältiger Bodenbepflanzung oder als Alleen gestaltete Strassen werden in einem zunehmend heisseren Stadtklima immer wichtiger. Sie sorgen im Sommer für deutlich kühlere Temperaturen und verhindern, dass sich Fassaden zu stark aufheizen. Hier kann guter Service public sogar direkten Einfluss auf die Immobilienpreise und somit auf private Vermögen haben. Stimmt die Aussage, dass sich Grosszügigkeit immer auszahlt? Nicht immer, aber häufig schon. Grosszügigkeit schafft Spielräume für zukünftige Entwicklungen. Wer Infrastruktur nur auf den aktuellen Bedarf auslegt, stösst schnell an Grenzen. Wer dagegen Reserven schafft, ermöglicht Anpassungsfähigkeit, Resilienz und Innovation.
Viele wirtschaftliche Erfolge beruhen auf Investitionen, die Jahrzehnte zuvor getätigt wurden.
Wie verändert sich der Service public in einer sich wandelnden Gesellschaft? Während die Industriegesellschaft vor allem Strassen, Bahnnetze und Energieversorgung benötigte, kamen später Schulen, Universitäten, Bibliotheken und kulturelle Einrichtungen hinzu. Heute stehen wir im Informationszeitalter. Deshalb gehören zunehmend auch digitale Infrastrukturen, Datensouveränität und vertrauenswürdige Informationsräume zum Service public. Was bedeutet Service public für die Datensouveränität? Digitale Souveränität ist die nächste Herausforderung. Hier gibt es einen gigantischen Nachholbedarf. Es braucht öffentliche Cloud-Systeme und nicht manipulative Suchmaschinen, frei zugängliche öffentliche Daten (Open Data) sowie öffentliche KI-Angebote. Wir haben diese Bereiche in den vergangenen Jahren Milliardären und ihren Konzernen in anderen Ländern überlassen. Das hat uns abhängig und verwundbar gemacht. Die Folgen zeigen sich heute unter anderem in massiven Desinformationskampagnen in sozialen Medien, die einen faktenorientierten und konstruktiven Dialog – und damit auch die Demokratie – untergraben. Ein erweiterter Service-public-Gedanke hätte dieser Entwicklung entgegenwirken können. Hier müssen wir unbedingt handeln.
Welche Rolle spielt Service public für Unternehmen? Eine zentrale. Unternehmen können nur erfolgreich sein, wenn die grundlegenden Rahmenbedingungen funktionieren. Strom, Verkehrswege, Telekommunikation, Bildungssysteme und Rechtssicherheit sind wichtige Grundlagen wirtschaftlicher Tätigkeit. In diesem Sinn ist Service public eine Funktionsvoraussetzung. Viele wirtschaftliche Erfolge beruhen letztlich auf öffentlichen Investitionen, die Jahrzehnte zuvor getätigt wurden. Was hält eine Gesellschaft zusammen, wenn Strom, Wasser oder Kommunikation ausfallen? Gerade in solchen Situationen wird deutlich, dass In frastruktur nur ein Teil des Ganzen ist. Ebenso wichtig sind Vertrauen, Solidarität und soziale Netzwerke. Eine Gesellschaft hält Krisen dann aus, wenn Menschen Institutionen grundsätzlich vertrauen und bereit sind, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Service public schafft deshalb nicht nur technische Versorgung, sondern auch gesellschaftliches Kapital. Er ist die materielle Form von Solidarität.
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Prof. Dr. Dirk Helbing Dirk Helbing ist Professor für Computational Social Science am Departement für Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften der ETH Zürich. Er befasst sich mit der digitalen Gesellschaft und Smart Cities. An der TU Delft koordinierte er das Doktorandenprogramm «Engineering Social Technologies for a Responsible Digital Future».
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FOKUS: SERVICE PUBLIC
DAMIT BASEL FUNKTIONIERT Mit ihrer Arbeit stellt IWB sicher, dass Wasser und Strom – aber auch viele weitere öffentliche Dienstleistungen – jederzeit zuverlässig funktionieren. Wir sind in verschiedensten Bereichen für die Bevölkerung im Einsatz. Eine Auswahl. CELESTE BLANC (TEXT) JACQUELINE MÜLLER (ILLUSTRATION)
Rund um die Uhr IWB unterhält 750 öffentliche Uhren an 156 Standorten.
Events mit Energie Ob Messe, Markt oder Jodlerfest: Wenn Basel feiert, sorgt IWB für genügend Strom.
Knotenpunkt im Stromnetz Das 2083 Kilometer lange Stromnetz von IWB umfasst sieben zen trale Unterwerke. Sie verbinden das überregionale Stromnetz mit dem lokalen Verteilnetz und transformieren die Spannung. Zuverlässige Drehscheiben 662 Bezirks-, Trafo- und Übergabestationen sorgen dafür, dass der Strom zuverlässig in Basel ankommt. IWB wartet und erneuert sie laufend.
Strom im Alltag Rund 1150 GWh erneuerbaren Strom liefert IWB jedes Jahr für Haushalte, Betriebe sowie Tram und Bus.
Öffentliche Beleuchtung Stromleitung 400 V Stromleitung 12 000 V
Digital vernetzt IWB betreibt ein 299 Kilometer langes Glasfasernetz für Breitbandinternet und Telefonie in über 98 Prozent der Basler Liegenschaften. 16
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Infrastruktur im Wandel Das 1033 Kilometer lange Gasnetz legt IWB bis 2037 schrittweise still.
Trinkwasser für alle 210 000 Menschen steht dank des 525 Kilometer langen Trinkwassernetzes von IWB jederzeit frisches und sauberes Wasser zur Verfügung. Rückgrat der Stromversorgung Das IWB-Hochspannungsnetz ausserhalb Basels ist rund 70 Kilometer lang. Zusammen mit Pro Natura Baselland schafft IWB unter den Freileitungen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Auf dem Weg nach Basel werden die Leitungen unterirdisch weitergeführt.
Einsatz 24 Stunden im d lle arbeitet run Die Netzleitste e d n Mitarbeite um die Uhr. 30 tschaftsdienst, stehen im Berei en. rasch zu beheb um Störungen
Wärme aus Abfall 231 399 Tonnen Abfall hat IWB 2025 in der KVA zu Wärme, Dampf und Strom verwertet.
er Telefonnumm 0800 400 800
Licht an 17 000 öffentliche Leuchten erhellen Basel. Einen Grossteil hat IWB bereits auf LED umgerüstet. Bis 2028 folgt schrittweise der Rest. Energie für unterwegs 151 öffentliche Ladestationen hat IWB seit 2022 auf der Allmend installiert. Bis Ende 2026 wächst das Netz auf 200 Ladestationen.
Brunnen für Basel IWB wartet im Auftrag des Kantons Basel-Stadt 225 öffentliche Brunnen und reinigt sie alle zwei Wochen.
Fernwärme wächst Für eine klimafreundliche Wärmeversorgung baut IWB das über 130 Kilometer lange Fernwärmenetz bis 2037 auf 180 Kilometer aus.
Rücklauf
Vorlauf
Abwasser im Kreislauf Das Tiefbauamt Basel-Stadt ist für die Kanalisation zuständig, die ProRheno AG reinigt das Abwasser. IWB ist in diesem Prozess als Dienstleisterin für das Inkasso der Abwassergebühren tätig. E2 September 2026
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E2 September 2026 Lösung 1: c) Das Schweizer Stromnetz umfasst vier Ebenen unterschiedlicher Spannung (Höchst-, Hoch-, Mittel- und Niederspannung) sowie drei Ebenen, in denen die Spannung von einer Ebene zur nächsten umgewandelt wird (zum Beispiel in Trafostationen). Das ergibt insgesamt sieben Netzebenen. Lösung 2: a) Die in Europa einheitliche Netzfrequenz von 50 Hz bedeutet, dass der Strom 50 Schwingungen pro Sekunde durchläuft. Ausnahme ist die SBB, die ihr Bahnstromnetz auf einer Frequenz von 16,7 Hz betreibt. Lösung 3: c) Mit 250 000 km würde das Schweizer Stromnetz rund sechsmal um die gesamte Erde reichen. Antwort a (6700 km) ist übrigens die Länge des Schweizer Höchstspannungsnetzes. Lösung 4: d) Das Schweizer Höchstspannungsnetz hat aktuell insgesamt rund 12 000 Strommasten.
2. Die in Hertz (Hz) gemessene Netzfrequenz beschreibt die Anzahl Schwingungen des Wechselstroms pro Sekunde. Wie hoch ist sie im Schweizer Netz? a) 50 Hz b) 180 Hz c) 230 Hz d) 870 Hz 1. Wie viele Netzebenen gibt es? a) Zwei b) Fünf c) Sieben d) Zwölf
4. Wie viele Strommasten hat das Schweizer Höchstspannungsnetz? a) 500 b) 1800 c) 8600 d) 12 000 3. Wie lang ist das gesamte Schweizer Stromnetz über alle Netzebenen hinweg? a) 6700 km b) 88 000 km c) 250 000 km d) 1 Million km SIMON EBERHARD (TEXT)
Hand aufs «Hertz»: Wie gut kennen Sie das Schweizer Stromnetz? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz.
SPANNENDE TATSACHEN QUIZ
VORGESTELLT
HOCH HINAUS Océane Ruetsch bewegt sich als Netzelektrikerin in luftiger Höhe und in tiefen Baustellengräben. Mit ihren Einsätzen sorgt sie dafür, dass der Strom zuverlässig bis in die Haushalte gelangt. GABRIEL VILARES (TEXT UND BILD)
Immer wieder klatschen Äste gegen die Fensterscheiben des Pick-ups. Océane Ruetsch grinst, als sich das Fahrzeug über einen schmalen, steinigen und ungeteerten Weg den Hang hinaufkämpft. «Das ist der einzige Weg nach oben», sagt die Netzelektrikerin von IWB. Oben auf dem Hügel im oberaargauischen Farnern ragen die Masten einer Hochspannungsleitung in den Himmel. Die Leitung ist Teil des Hochspannungsnetzes von IWB, überspannt die Juraketten und transportiert Strom von den Kraftwerken in den Bergen bis nach Basel. Heute steht eine Kontrolle an. Ruetsch macht sich gleich an die Arbeit. Ihr Arbeitskollege überprüft kurz ihre Schutzausrüstung. «Ich liebe das Arbeiten im Freien. Hier habe ich meine Ruhe, aber gleichzeitig auch immer tolle Kollegen um mich.» Sie schnauft kurz durch, setzt den Helm auf und klinkt zwei Pedale in die Steigschiene des Masts ein. Mit Bewegungen wie auf einem Stepper arbeitet sie sich hochkonzentriert nach oben. Rund 15 Meter über dem Boden beginnt sie mit der Kontrolle. Mit geübtem Blick prüft sie, ob Isolatoren, Leitungen und Verbindungen in einwandfreiem Zustand sind. «Ach ja, Höhenangst sollte man bei diesem Job besser nicht haben», ruft sie lachend nach unten. Doch der Arbeitsalltag einer Netzelektrikerin spielt sich nicht nur in luftiger Höhe ab. Nachdem Ruetsch und ihr Kollege die Arbeit am Hochspannungsmast
abgeschlossen haben, geht es vom ländlichen Farnern zurück nach Basel. Im Lehenmattquartier zeigt sich eine andere Seite ihres Berufs. Hier kniet Océane Ruetsch im offenen Kabelgraben. Dort verlegt sie Leitungen, schliesst Gebäude ans Stromnetz an und sorgt gemeinsam mit ihren Teamkollegen dafür, dass der Strom zuverlässig in den Haushalten ankommt. Wie wichtig diese Arbeit ist, merkt sie besonders dann, wenn irgendwo plötzlich die Lichter ausgehen. Erst kürzlich wurde sie an einem Freitagabend kurz vor dem Mitarbeitendenfest zu einem Piketteinsatz aufgeboten. Statt ins Festzelt ging es zusammen mit einem Kollegen auf Störungssuche – bis morgens um drei. Die beschädigte Muffe, ein Verbindungselement, das zwei Kabelstücke miteinander verknüpft, konnte im Erdreich ausfindig gemacht und repariert werden. «Wenn der Strom wieder da ist, spürt man die Dankbarkeit der betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner», erzählt sie. Seit einem Jahr arbeitet Ruetsch bei IWB. Die gelernte Elektrikerin schätzt vor allem die Vielfalt ihres Berufs. Mal führt er sie auf Freileitungsmasten, mal hinunter in einen Kabelgraben mitten in der Stadt. «Ich lerne praktisch jeden Tag etwas Neues dazu», sagt sie. Kaum ist der Helm wieder verstaut, steigt sie zurück ins Auto und fährt Richtung Feierabend. «Langweilig wird es mir in diesem Beruf bestimmt nie», sagt die Netzelektrikerin zum Abschluss.
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DIE GRÜNE SPINNE IM STROMNETZ In einem Unterwerk – kurz UW – laufen die Fäden des Stromnetzes zusammen: Hier kommt der Strom mit hoher Spannung an. Schaltanlagen steuern und sichern den Energiefluss, während Transformatoren die Spannung für das regionale Verteilnetz auf das passende Niveau umwandeln. Wie eine Spinne im Zentrum ihres Netzes verteilt das Unterwerk die Energie in alle Richtungen und sorgt dafür, dass der Norden von Basel zuverlässig mit Strom versorgt wird. Damit das UW Volta, das grösste von sieben Unterwerken von Basel-Stadt, diese zentrale Aufgabe auch künftig erfüllen kann, wird es umfassend modernisiert. Die Transformatoren wurden saniert und die Schaltanlagen, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatten, durch moderne und umweltfreundlichere Anlagen ersetzt. Ein weiterer Schwerpunkt war die Erdbebenertüchtigung des denkmalgeschützten Unterwerkgebäudes aus den 1930er-Jahren. So ist das Unterwerk bestens für die Zukunft gerüstet – bereit, auch in den kommenden Jahrzehnten zuverlässig für eine sichere Stromversorgung zu sorgen.
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GROSSFORMAT FOTO: CHRISTIAN AEBERHARD
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WENN FISCHE TREPPEN STEIGEN Die Fischtreppe beim Kraftwerk Neuewelt ist mehr als nur ein Bauwerk. Sie erleichtert den Fischen die Wanderung vom Rhein in die Birs. So könnte eines Tages sogar der Lachs zurückkehren. GABRIEL VILARES (TEXT) NIELS FRANKE (FOTOS)
Die Fischtreppe beim Kraftwerk Neuewelt in Münchenstein ist 220 Meter lang und besteht aus 59 grossen Becken. Auf diesem Weg können die Tiere am Wehr vorbeiwandern.
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aniel Zopfi lauscht dem rhythmischen Rauschen der Birs. Als Fachspezialist Jagd und Fischerei beim Amt für Wald und Wild beider Basel beobachtet er die Entwicklung des Gewässers seit Jahren. Sein Blick wandert vom stufenförmigen Wehr zu einer Anlage, die sich direkt neben ihm den Fluss entlangzieht. 220 Meter lang, 59 Becken. «Ein imposantes Bauwerk», sagt er staunend.
Er bezieht sich dabei auf die Fischtreppe beim Kraftwerk Neuewelt in Münchenstein. Im April 2025 wurde sie eröffnet. Heute steht Zopfi gemeinsam mit Dietmar Küther mitten in der Anlage. Küther, Leiter Nachhaltigkeit bei IWB, blickt auf das Wasser, das von Becken zu Becken strömt. «Die Fischtreppe ist hier besonders wichtig, weil das Kraftwerk Neuewelt das unterste an der Birs ist», sagt er. Fische, die flussaufwärts schwimmen wollen, müssen das Wehr passieren, um in den oberen Teil des Flusses zu gelangen. Die Fischtreppe ist also so etwas wie das Tor zur Birs.
OHNE HINDERNISSE AUF WANDERUNG
Direkt neben der Fischtreppe steht das Kraftwerk Neuewelt. Seit 1998 produziert IWB mit dem Kleinwasserkraftwerk 100 Prozent erneuerbaren Strom für den Jahresverbrauch von rund 1000 Haushalten. Das Kraftwerk nutzt ein historisches Wehr, das ursprünglich zur Ausleitung des St. Albanteichs gebaut wurde. Für viele Fischarten unterbricht das Wehr jedoch den natürlichen Wanderweg. «Die Birs verbindet den Rhein mit zahlreichen Laich- und Aufenthaltsgebieten», erklärt Zopfi. Je nach Jahreszeit und Lebensphase besiedeln Fische unterschiedliche Gewässerabschnitte. Wird ein Lebensraum abgeschnitten, kann sich der Kreislauf nicht schliessen. Langfristig leidet die Fischpopulation darunter. «Damit das nicht passiert, müssen sich die Fische zwischen den Gewässern bewegen können. Sie brauchen durchgängige Wanderwege», fügt Küther an.
Bereits seit Inbetriebnahme des Kraftwerks existierte eine Fischtreppe. Doch sie entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. «Das Entscheidende ist der Einstieg. Er muss für die wanderwilligen Fische einfach auffindbar sein», weiss Zopfi. Fische orientieren sich an der Strömung. Finden sie den Einstieg nicht oder nur schwer, schwimmen viele Tiere am Eingang vorbei und erreichen ihre Laich- und Lebensräume oberhalb des Wehrs nicht. Eine weitere Herausforderung: Die Fischtreppe muss für möglichst viele Fischarten funktionieren. Kräftige Schwimmer wie die Bachforelle stellen andere Anforderungen als die Groppe, die sich mit ruckartigen Hüpfern über dem Wassergrund bewegt. Einige suchen ihre Wege nahe am Boden, andere weiter oben. Entsprechend komplex ist die Planung eines solchen Fischpasses.
REISENDE SOLL MAN NICHT AUFHALTEN
Für die Fische beginnt die Reise kurz unterhalb des Wehrs. Damit sie den Einstieg überhaupt finden, wurde er dort platziert, wo die Strömung sie natürlich hinführt. Sie folgen der Strömung bis zum Eingang der Fischtreppe und bewegen sich anschliessend Becken für Becken nach oben. Der Höhenunterschied wird dabei nicht auf einmal überwunden. Stattdessen steigt der Wasserspiegel in jedem der 59 Becken nur leicht an. So entsteht ein Weg, der den Tieren Erholungsmöglichkeiten bietet und genügend Zeit lässt, um das Wehr zu passieren. «Es bleibt eine Hürde», ist sich Küther bewusst. «Aber eine, die nun deutlich besser passierbar ist.» Das Gewässerschutzgesetz verpflichtet Betreiberinnen und Betreiber von Wasserkraftwerken, die Fischgängigkeit bis 2030 zu gewährleisten. Deshalb sanierte IWB gemeinsam mit dem Tiefbauamt Basel-Stadt den Fischauf- und -abstieg sowie das Birswehr bereits
Dietmar Küther (links) und Daniel Zopfi schauen sich rund ein Jahr nach der Eröffnung nochmals auf der Anlage um. Beide betonen die Wichtigkeit des Bauwerks für die Fischpopulation.
«Das Entscheidende ist der Einstieg. Er muss einfach auffindbar sein.» Daniel Zopfi Fachspezialist Jagd und Fischerei beim Amt für Wald und Wild beider Basel
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Seit 1998 produziert IWB mit dem Kleinwasserkraftwerk 100 Prozent erneuerbaren Strom für 1000 Haushalte. Bereits seit Inbetriebnahme existierte eine Fischtreppe. Doch diese entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Nun ist sie so dimensioniert, dass einst auch der Lachs hier hindurchwandern könnte. Die Fische arbeiten sich Becken für Becken vorwärts. Ein Weg, der den Tieren genügend Zeit gibt, sich zwischendurch auszuruhen und die Treppe zu überwinden.
«Als unterstes Kraftwerk an der Birs ist hier der Standort der Fischtreppe besonders wichtig.» Dietmar Küther Leiter Nachhaltigkeit bei IWB
ab Ende 2021. «Wir haben uns intensiv mit Expertinnen und Experten ausgetauscht. Auch wegen der grossen Verantwortung für das aquatische Leben wollten wir die Fischtreppe möglichst rasch umsetzen», erklärt Küther. Ob die Anlage ihre Aufgabe langfristig erfüllt, soll ein übergeordnetes Monitoring zeigen. Dieses startet, sobald sämtliche Fischtreppen entlang der Birs den heutigen Anforderungen an die Durchgängigkeit genügen. Dann lässt sich die Wanderung von der Mündung in den Rhein in Birsfelden bis nach Laufen als Ganzes untersuchen. Dafür werden einzelne Fische mit Sendern ausgestattet, die ihre Wanderungen über die Fischtreppen erfassen. Bereits heute liefern punktuelle Erfolgskon trollen – unter anderem mit einem Fischzählbecken – erste Erkenntnisse. Die ersten Erfahrungen stimmen die Fachleute positiv. Verschiedene Fischarten konnten die neue Anlage bereits erfolgreich passieren.
Zopfi blickt noch einmal auf die langen Reihen der Becken. Für ihn steht die Anlage stellvertretend für etwas Grösseres. Er nimmt dafür nochmals den Lachs als Beispiel, dessen Vorkommen als Qualitätsmerkmal eines Flusses gilt. «Für die aufwärts wandernden Lachse ist die Fischtreppe das Tor zu den Laichgründen», sagt er. «Für die Jungfische auf dem Weg zurück ist sie das Tor zum Rhein und ins weite Meer.» Während die Birs weiterrauscht, fliesst das Wasser auch durch die Becken der Fischtreppe. Becken für Becken verbindet die Anlage Lebensräume. Zahlreiche Fischarten wie Forellen, Äschen oder Barben nutzen den Weg bereits. Auch für den Lachs steht das Tor nun offen. So wird der König der Wanderfische vielleicht eines Tages wieder regelmässig durch die Birs ziehen.
DER LACHS SOLL ZURÜCK IN DIE BIRS
Besonders aufmerksam verfolgen die beiden die Rückkehr des Lachses. In der Schweiz gilt er seit den 1950erJahren als ausgestorben. Einst war er in vielen Flüssen heimisch, heute kehrt er nur vereinzelt zurück. Die Birs soll künftig wieder für den Lachs zugänglich sein. Dafür wurde der Fischpass entsprechend dimensioniert. 24
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QR-Code scannen und im Video weitere Einblicke zur Fischtreppe erhalten iwb.ch/fischtreppe
INFORMATION DES KANTONALEN LABORATORIUMS
GEBEN SIE LEGIONELLEN KEINE CHANCE! Das Basler Trinkwasser hat eine ausgezeichnete Qualität. Bleibt es jedoch länger in der Hausinstallation stehen, können sich gesundheitsgefährdende Legionellen vermehren. Doch es gibt einfache Gegenmassnahmen. Evelyn Ilg Hampe vom Kantonalen Laboratorium klärt auf. SIMON EBERHARD (TEXT)
Was sind Legionellen? «Es handelt sich dabei um stäbchenförmige Bakterien», sagt Evelyn Ilg Hampe, stellvertretende Kantonschemikerin und Abteilungsleiterin Bioanalytik und Radioaktivität beim Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt. «Sie leben in natürlichen Gewässern, können unter bestimmten Bedingungen aber auch Wassersysteme in Gebäuden besiedeln und sich dort vermehren.» Besonders wohl fühlen sie sich in stehendem Wasser bei Temperaturen von rund 25 bis 45 Grad Celsius. Warum sind sie gefährlich? Legionellen können vor allem bei immungeschwächten oder älteren Personen Infektionen verursachen. Evelyn Ilg Hampe unterscheidet dabei zwei Krankheitsbilder. «Das Pontiac-Fieber ist vergleichbar mit einem grippalen Infekt», sagt sie. «Die gefährlichere Legionärskrankheit ist eine schwere Erkrankung der Lunge, bei der sich diese durch die Legionellen entzündet hat.» Diese kann laut Ilg Hampe in rund fünf bis zehn Prozent der Fälle sogar tödlich verlaufen. Laut Bundesamt für Gesundheit werden in der Schweiz jährlich rund fünfhundert Fälle gemeldet.
Sind Legionellen auch übers Trinken übertragbar? Darauf hat Evelyn Ilg Hampe eine klare Antwort: «Das Trinken von Wasser mit Legionellen ist unbedenklich. Entscheidend ist das Einatmen der Aerosole.» Im Übrigen hat das Vorkommen von Legionellen nichts mit der Qualität des von IWB gelieferten Basler Trinkwassers zu tun: Dieses ist nämlich einwandfrei, die Legionellen vermehren sich erst im Haus, wenn das Wasser lange steht und die Temperaturen den Bakterien zusagen. Was kann ich gegen Legionellen tun? «Reinigen und entkalken Sie Duscharmaturen und Duschköpfe regelmässig und ersetzen Sie sie bei Bedarf», rät Evelyn Ilg Hampe. Selten benutzte Duschen sollte man zweimal wöchentlich für einige Minuten mit vollem Strahl laufen lassen und dabei den Raum verlassen. Zudem lohnt sich laut Ilg Hampe gelegentlich ein Temperaturcheck an Dusche oder Wasserhahn, nachdem das Wasser vorgelaufen ist: Kaltwasser sollte maximal 25, das Heisswasser mindestens 50 Grad Celsius warm sein. Abweichungen können beispielsweise auf eine Fehleinstellung beim Boiler hinweisen.
Wie werden die Legionellen übertragen? «Durch das Einatmen von belastetem Wasser, beispielsweise beim Duschen, können die Bakterien in die Lunge gelangen», sagt Evelyn Ilg Hampe. Das erfolgt über sehr feine Wassertröpfchen, die sogenannten Aerosole. Mehr zum Thema Legionellen erfahren
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FRAGEN UND ANTWORTEN
WINDSTROM WIRD UNVERZICHTBAR Windenergie gewinnt weltweit an Bedeutung. Was zeichnet diese Art der Stromerzeugung aus? Die wichtigsten Fakten im Überblick.
Antworten gibt Clea Hamm, Asset Managerin Erneuerbare Energien IWB. Mehr über die Kraftwerke von IWB IWB produziert den Strom in einem breit diversifizierten Kraftwerkspark in Basel sowie in der Schweiz und Europa. Hauptsächlich sind das Wasserkraftwerke in d en Alpen, aber auch Wind-, Solar- und Biogasanlagen. Weitere Informationen finden Sie hier: iwb.ch/kraftwerke
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FRAGEN UND ANTWORTEN
Welche Vorteile hat Windenergie? Windenergie ist sauber, zu 100 Prozent erneuerbar und unverzichtbar für die Abkehr von fossilen Energieträgern und somit die Bekämpfung des Klimawandels. Auf geringer Fläche lässt sich mit relativ bescheidenem Materialaufwand sehr viel Energie erzeugen. Es ist zudem eine sehr flächeneffiziente Form der Energieerzeugung und diversifiziert den Schweizer Strommix: Wind ergänzt Solarenergie und Wasserkraft ideal, weil er unabhängig ist von Sonnenschein und Niederschlag.
Investiert IWB in Windenergie? Wind wird immer wichtiger. Neben dem Windpark Juvent im Jura ist IWB an 17 Windparks in Deutschland und Frankreich beteiligt, mit insgesamt etwa 200 Megawatt Leistung. Das entspricht etwa der doppelten Leistung des Kraftwerks Birsfelden am Rhein.
Welche Abfälle erzeugt Windenergie?
Wie viel Winterstrom erzeugt Wind? 70 Prozent des Windstroms fallen im Winter an – genau dann, wenn wir ihn am dringendsten brauchen. Windenergie ist damit perfekt komplementär zur Solarenergie: Die höchste Produktion der Solarenergie erfolgt über die Sommermonate, die Windenergie hat ihre grösste Produktion hingegen am Anfang und am Ende des Jahres, also im Winter.
Wie gefährlich sind Windkraftanlagen für Vögel? Vögel können durch Windkraftanlagen sterben. Die Klimakrise stellt jedoch eine viel grössere Bedrohung der Artenvielfalt dar. Es ist zudem schwer zu messen, wie viele Tiere durch Windräder oder andere Gefahrenquellen wie zum Beispiel Strassenverkehr, Strommasten oder die Landwirtschaft sterben. Klar ist: Der Ausbau der Windenergie erfordert eine sorgfältige Abwägung aller Umweltaspekte. Durch den Einsatz technischer Detektionssysteme, intelligenter Abschaltalgorithmen sowie präzise Raum- und Standortplanungen lassen sich Kollisionen und Lebensraumverluste stark minimieren.
Windkraftanlagen sind auf eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten ausgelegt und zu 90 Prozent recycelbar. Sie bestehen hauptsächlich aus Stahl und etwas Kupfer. Die massiven Betonfundamente können nach der Demontage alter Anlagen oft im Wege- oder Fundamentbau oder als Rohstoff für Recyclingbeton weiterverwendet werden. Nach dem Rückbau lassen sich am Standort neue, leistungsfähigere Windkraft anlagen errichten.
Was passiert mit den Turbinenblättern am Ende der Nutzung? Sie lassen sich in einem mechanischen Verfahren zu Füllmaterialien für die Baubranche oder in einem thermischen Verfahren zu Ersatzbrennstoffen weiterverarbeiten. Zudem sind in den vergangenen Jahren auch chemische Verfahren entwickelt worden, mit denen sich die Turbinenblätter wieder in neuwertige, flüssige Chemierohstoffe sowie Glas- oder Kohlefasern zerlegen lassen.
Wo hat Wind in der Schweiz Potenzial? Die Schweiz ist nicht Dänemark. Aber auch hier gibt es gute Standorte, etwa auf den Jurahöhen, in den Alpen oder in der Romandie. Gerade im Winter, wenn der Strombedarf besonders hoch ist, produzieren Windkraftanlagen besonders viel Energie. Das passt perfekt zusammen.
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DAS DING
DAS HOLZPELLET Im Heizwerk Bahnhof von IWB beginnt eine nachhaltige Wärmelösung mit etwas Kleinem: einem Holzpellet. Das hellbraune Stäbchen wiegt weniger als ein Gramm, ist drei bis vier Zentimeter lang und entsteht aus Resten der einheimischen Holzbranche: Staub und Sägemehl aus Sägereien und Schreinereien, getrocknet und unter hohem Druck gepresst. Zwei Schweizer Produktionsfirmen stellen die Pellets für das Heizwerk Bahnhof her. So entsteht aus Holzresten ein erneuerbarer Energieträger – und ein Beitrag zur nationalen Wertschöpfung. Holzenergie ersetzt im Heizwerk Bahnhof neuerdings fossiles Erdgas in der Fernwärmeproduktion. Dafür braucht es viele der Stäbchen: Hier werden künftig 15 000 bis 20 000 Tonnen pro Jahr verarbeitet. Daraus entstehen jährlich rund 95 Gigawattstunden Wärme – so viel, wie rund 5000 Haushalte pro Jahr verbrauchen. Klein wie ein Pellet, gross in der Wirkung: So will IWB bis 2035 die Fernwärme in Basel dekarbonisieren und weiter ausbauen. JEANNINE HIRT (TEXT)
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RÄTSEL
GEWINNEN SIE EINEN NACHHALTIGEN WASSERSPRUDLER Machen Sie mit bei unserem Suchrätsel und bringen Sie ein kleines Stück Wald in Ihre Küche. Das Gehäuse des Wassersprudlers besteht zu nahezu 100 Prozent aus erneuerbarem Holzkomposit und sorgt für ein nachhaltiges Trinkerlebnis.
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UND SO GEHT’S Jeder der oben stehenden Bildausschnitte ist irgendwo im Heft versteckt. Sie haben das «Original» gefunden? Dann notieren Sie die Seite, von welcher der Bildausschnitt stammt, im Feld neben dem Buchstaben. Nach Seitenzahl sortiert (von 1 bis 32), ergeben die Buchstaben das Lösungswort. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden persönlich benachrichtigt. Teilnahmeberechtigt sind alle, ausser Mitarbeitende von IWB sowie deren Angehörige. Es wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Lösung erscheint in der nächsten Ausgabe von E2.
SIE HABEN DIE LÖSUNG? Dann schnell einsenden! Unter allen richtigen Einsendungen verlost IWB drei Mysoda-Wassersprudler «Woody» inkl. Wasserflaschenset im Wert von je 120 Franken sowie vier Soulbottles-Trinkflaschen «Alpenblick» im Wert von je 30 Franken.
AUFLÖSUNG DES LETZTEN RÄTSELS Die richtige Lösung des Preisrätsels in der Ausgabe vom Juni 2026 lautet: «FREIFLAECHE».
Absenderin oder Absender mit Telefon und E-Mail nicht vergessen!
SO NEHMEN SIE TEIL • Über das Onlineformular unter iwb.ch/e2 • Per E-Mail an verlosungen@iwb.ch • Mit Postkarte an IWB, E2, Postfach, 4002 Basel
TEILNAHMESCHLUSS IST DER 30. OKTOBER 2026.
IMPRESSUM E2 Leben mit erneuerbarer Energie, Ausgabe September 2026, erscheint vierteljährlich, Telefon +41 61 275 51 11, e2@iwb.ch REDAKTIONSTEAM Celeste Blanc, Dominik Born, Nicole Drechsler, Simon Eberhard, Belinda Hasler, Jeannine Hirt, Dietmar Küther, Jacqueline Müller, Reto Müller, Nikol Paradzik, Anita Pillet, Erik Rummer, Christoph Schiess, Andreas Schwander, Dominic Specht, Brunella Torres, Francesco Vazzano, Gabriel Vilares KONZEPT, REDAKTION, PRODUKTION Redact Kommunikation AG, Glattbrugg DRUCK Vogt-Schild Druck AG, Derendingen – gedruckt auf Schweizer Papier ANZEIGENMARKETING DaPa Media GmbH, Bremgarten AG, Telefon +41 56 641 90 80, Inserateschluss für Ausgabe Dezember 2026: 6. November 2026
GEDRUCKT AUF SCHWEIZER PAPIER
Drucksache myclimate.org/01-26-119931
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NACHHALTIG LEBEN
«WIR ALLE SIND TEIL DES ENERGIESYSTEMS» Preismodelle, Energiesysteme, Produktionsmix: Das klingt nicht nach Themen, für die sich Jugendliche interessieren. Janno Philipp Siegenthaler beweist das Gegenteil. In seiner Maturarbeit hat der 19-Jährige untersucht, wie dynamische Strompreise die Energiewende unterstützen. Dafür erhält er den Nachwuchspreis «Zukunft schreiben». CELESTE BLANC (INTERVIEW) TIMO ORUBOLO (FOTO)
Janno, wie kamst du auf die Idee, deine Abschlussarbeit über dynamische Strompreise zu schreiben? Mein Götti arbeitet im Energiebereich. Er hat sein Haus mit Solaranlage, Wärmepumpe und Batteriespeicher auf einen möglichst effizienten Eigenverbrauch ausgerichtet. Durch unsere Gespräche habe ich gemerkt, wie spannend Energiefragen sein können. Und realisiert, dass wir als Privatpersonen die Energiewende aktiv mit unserem Verhalten mitgestalten können. Was wolltest du mit deiner Arbeit herausfinden? Die Schweizer Energielandschaft verändert sich. Mit dem Ausbau von Solar- und Windenergie schwankt die Stromproduktion. Es gibt viele Ansätze, Angebot und Nachfrage auch in Zukunft aufeinander abzustimmen. Dynamische Strompreise sind neben physischen Speichern wie beispielsweise Pumpspeicherkraftwerken in den Bergen einer davon. Ich habe dabei insbesondere untersucht, was eine Umstellung auf dynamische Strompreise für die Konsumentinnen und Konsumenten bedeuten würde. Wer profitiert von dynamischen Strompreisen? Dynamische Strompreise orientieren sich an Angebot und Nachfrage. Strom wird dann günstig, wenn entweder viel Energie eingespeist wird oder die Netzbelastung tief ist. Wer also seinen Stromverbrauch zeitlich verschieben kann, etwa mit einem Elektroauto, einer Wärmepumpe oder einem Batteriespeicher, spart Kosten. Gemäss meinen Simulationen sind bei Haushalten oder Unternehmen mit flexiblen Verbrauchern Einsparungen von bis zu 20,7 Prozent respektive 15,3 Prozent möglich. Die Umfrage im Rahmen deiner Arbeit zeigt, dass Menschen offen für Energiethemen sind, ihnen aber oft das nötige Wissen fehlt. Wie schaffen wir mehr Auseinandersetzung? Indem wir mehr darüber sprechen. Gleichzeitig werden Menschen durch Solaranlagen, Wärmepumpen oder
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Elektroautos selbst Teil des Energiesystems. Wer sieht, wie viel Strom produziert oder verbraucht wird, entwickelt automatisch ein Interesse dafür, wie Energieversorgung funktioniert. Nun wirst du für deine Arbeit mit dem Nachwuchspreis «Zukunft schreiben» ausgezeichnet. Was bedeutet dir das? Mich hat die Auszeichnung sehr überrascht und natürlich enorm gefreut. Besonders schön finde ich, dass auch eine technische Arbeit zu einem Energiethema auf diese Weise Anerkennung erhält. Wie lebst du Energieeffizienz im Alltag? Meine Familie besitzt kein Auto. Meistens bin ich mit dem Zug, dem Velo oder mit Carsharing unterwegs. Besonders wichtig ist mir, möglichst auf Flugreisen zu verzichten. Ich bin bereits mit dem Zug nach Norwegen, Budapest und Süditalien gereist. Man erlebt unterwegs viel und sammelt Geschichten, die man im Flugzeug verpassen würde.
Das Ökozentrum in Liestal engagiert sich für Klimaschutz, erneuerbare Energien und nachhaltigen Konsum. Mit dem von IWB unterstützten Programm «Zukunft schreiben» fördert es nachhaltiges Denken und Handeln bei Jugendlichen. Der Wettbewerb zeichnet Abschluss arbeiten zum Thema Nachhaltigkeit aus.
iwb.ch/projektfoerderung
NACHHALTIG LEBEN
Janno Philipp Siegenthaler lebt in Untersiggenthal und besucht die Kantonsschule Wettingen. Wenn er sich nicht mit Energiethemen beschäftigt, ist er gerne sportlich und mit Freunden unterwegs. In seiner Freizeit spielt er Volleyball und nimmt wöchentlich am von seinem Kollegen gegründeten Lauftreff runBaden teil.