Skip to main content

IWB-E2-2-26-2-lowres

Page 1

2

E

E HOCH 2. LEBEN MIT ERNEUERBARER ENERGIE. JUNI 2026

NEUE FREIFLÄCHENANLAGE

DIE SONNENSCHILDKRÖTE GUTE AUSSICHT

HEIZUNG ERSETZEN

Der Wasserturm auf dem Bruderholz wird 100 Jahre alt – 22

Was ist erlaubt, was ist sinnvoll, welche Lösung passt? – 26


EDITORIAL

EINE FRAGE DES RAUMS 2400 Quadratkilometer oder rund 330 000 Fussballfelder: So viele «prüfenswerte Gebiete» für freistehende Photovoltaikanlagen identifiziert eine aktuelle Studie des Bundes. Die gute Nachricht: Selbst ein ambitionierter Ausbau würde davon nur 6 Prozent der Schweizer Landesfläche beanspruchen. Allerdings ist dieses Potenzial nur theoretischer Natur. Schutzinteressen, Nutzungskonflikte und raumplanerische Vorgaben schränken die tatsächlich nutzbaren Flächen in der Praxis stark ein. Die Energiewende ist deshalb auch eine Raumfrage – und Raum ist in der Schweiz besonders knapp. Wie sich dieses Spannungsfeld lösen lässt, zeigt das Beispiel Liesberg im Baselland. Auf einer ehemaligen Kehrichtdeponie hat IWB dort eine grosse Freiflächen-Solaranlage mit 7600 Panels realisiert. Entscheidend war dabei nicht nur der Standort, sondern auch der Prozess: IWB bezog Natur- und Umweltverbände frühzeitig in die Planung ein, sodass ökologische Anliegen von Anfang an berücksichtigt werden konnten. Entstanden ist eine Lösung, die breit mitgetragen wird und zugleich einen wichtigen Beitrag zur regionalen, erneuerbaren Stromproduktion leistet. Die Erfahrung in Liesberg zeigt: Der Erfolg solcher Projekte hängt nicht allein von der Technik ab, sondern vor allem davon, wie sorgfältig der knappe Raum geplant, abgestimmt und gemeinsam genutzt wird. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. CLAUS SCHMIDT CEO IWB

ENERGIE IM ALLTAG

04 AKTUELL Pelletwärme am Bahnhof, Wasserolympiaden, Führungen, Brunnen. 06 STROM VON DER DEPONIE Auf Besuch bei der neuen FreiflächenSolaranlage in Liesberg. 12 PLATZ FÜR DIE ENERGIEWENDE ETH-Landschaftsplanerin Adrienne Grêt-Regamey im Interview. 16 INFOGRAFIK: FLÄCHENNUTZUNG Photovoltaik hat grosses Potenzial. Doch wo findet sie ihren Raum? 18 ABGEKÜHLT Ganz ohne Klimageräte: vier praktische Tipps, wie Sie Ihr Zuhause kühl halten. 19 IM DIENST DER VERSORGUNG Sabrina Markoni plant die Anlagen, die Strom umwandeln. 20 VERBORGENE WASSERKAMMERN Das Reservoir Allschwil speichert rund 9000 Kubikmeter Trinkwasser für Basel. 22 VERSORGUNG MIT AUSSICHT Der Wasserturm auf dem Bruderholz wird 100 Jahre alt. Ein Blick zurück. 25 WECHSELRICHTER Ein unscheinbares Gerät, aber unverzichtbar für Solaranlagen. 26 HEIZUNG ERSETZEN Darauf müssen Sie achten: die wichtigsten Fragen und Antworten. 29 PREISRÄTSEL Tragbare Solarpanels zu gewinnen. 30 WERTVOLLER INSEKTENFRESSER Ein von IWB unterstütztes Projekt spürte Igel im Birstal auf.

Etwas Abkühlung gefällig? Gönnen Sie sich am besten ein kühles Glace. Damit es eiskalt bleibt, ohne zum Energiefresser zu werden, lohnt sich ein kurzer Check im Gefrierer: –18 °C reichen völlig. Und wenn Sie schon dabei sind: Im Kühlschrank empfehlen sich 7 °C. Wir wünschen gute Erfrischung!

2

E2 Juni 2026

Titelbild/Seite 3: Christian Aeberhard; Foto Seite 2: Timo Orubolo; Illustration Seite 2: Jacqueline Müller

INHALT


Swiss Battery Technology Center (SBTC) in Biel lernt ein Roboter, alte E-Auto-Batterien vorsichtig zu zerlegen – Schraube für Schraube, Kabel für K Dabei soll er nur so vi wenden wie wenig möglich m a Auf diesollen lichst KompoAuf der ehemaligen Kehrichtdeponie der KELSAG in Liesberg der Batist seit letztem Herbst ein Sonnenkraftwerk entstanden. wieder­Panel an Panel legt sich über das Gelände, fast wie ein Schildd e t krötenpanzer. Wo früher Abfall lagerte, entsteht dank der können. neuen Freiflächenanlage künftig Solarstrom für rund sere Re1000 Haushalte. Eine Anlage mit Pioniercharakter. ­Wir ab Seite haben sie kurz vor der Fertigstellung besucht. Lesen Sie ab wir zuSeite 6 unsere Eindrücke. Im Interview ab Seite 12 erklärt Energie die ETH-Professorin Adrienne Grêt-Regamey, weshalb die Batterie, Energiewende nicht nur Technologie braucht, sondern Basel auch eine raumplanerische Herausforderung ist. Es gilt Biel zu abzuwägen zwischen Energieproduktion, Landwirtschaft, g e n , Biodiversität, Landschaft und Erholung. Und unsere Infoschliesgrafik auf den Seiten 16 und 17 zeigt, wo Photovoltaik ihren erleben, Raum findet. solche

FOKUS: ENERGIE UND RAUM

auf dem tisch landet. W tätswende bezahlt und wa che Änderungen für Elektromobilität bedeuten, erfahren view mit der VerSie zudem im Interkehrsexpertin Anne Greinus ab Seite Auf


Foto: Christian Aeberhard

PELLETWÄRME AM BAHNHOF Am Bahnhof SBB hat IWB das Heizwerk Bahnhof von Erdgas auf Holzpellets umgerüstet. Die neue Anlage ersetzt zwei Gaskessel, die jeweils während Kälteperioden das hauptsächlich aus der Kehrichtverbrennung und den Holzkraftwerken gespeiste Basler Fernwärmesystem unterstützen. Insgesamt liefert das Werk rund sieben Prozent der Fernwärme, und mit der neuen Anlage spart IWB in Zukunft 23 000 Tonnen CO2 pro Jahr. Bis 2037 will IWB das Basler Fernwärmesystem sowohl weiter ausbauen wie auch komplett dekarbonisieren.

Weitere Informationen zum Projekt: iwb.ch/heizwerkbahnhof

STÄDTISCHE ERFRISCHUNGSOASEN

Mehr zum Basler Trinkwasser: iwb.ch/trinkwasser

4

E2 Juni 2026

Foto: zVg

Sie gehören zu Basel wie der Rhein und die Fähren: Die über ­ 200 öffentlichen Brunnen prägen das Stadtbild. IWB-Mitarbeitende pflegen sie sorgfältig und sorgen dafür, dass aus ihnen hochwertiges Trinkwasser fliesst. Wer an warmen Tagen unterwegs ist, kann hier den Durst löschen oder sich kurz abkühlen. Dies macht die Basler Brunnen zu kleinen Erfrischungsoasen mitten in der Stadt.


AKTUELL

BLICK HINTER DIE KULISSEN Woher kommt das Basler Trinkwasser? Und wie entsteht aus Kehricht Energie? Die IWB-Führungen geben Antworten: am 20. August 2026 in den Trinkwasserproduktionsanlagen Lange Erlen und am 17. Oktober 2026 in der Kehrichtverwertungsanlage Basel. Die Führungen dauern rund zwei Stunden und kosten 10 Franken pro Person.

Jetzt anmelden: iwb.ch/einblicke

SPASS IM KÜHLEN NASS Action, Teamgeist und Sommerstimmung: Bei den Wasserolympiaden messen sich Gross und Klein in spielerischen Aktivitäten im und am Wasser. Die nächsten Anlässe finden am 24. Juni 2026 im Gartenbad Eglisee in Basel und am ­­1. Juli 2026 im Gartenbad Reinach statt. Die Anmeldung vor Ort ist ab 13 Uhr möglich, der Start erfolgt um 14 Uhr. Es winken nicht nur unvergessliche Erlebnisse, sondern auch attraktive Mitmachpreise. IWB unterstützt die Wasserolympiaden als Sponsorin. Wir wünschen viel Wasserspass!

Infos unter: aquarius-events.ch/wasserolympiaden

E2 Juni 2026

5


FOKUS: ENERGIE UND RAUM

DEPONIE FÜR SOLARENERGIE Auf der ehemaligen Kehrichtdeponie der KELSAG in Liesberg ist eine grosse Freiflächen-Solaranlage entstanden – nach intensiven und konstruktiven Diskussionen um den Wert von Natur, Landschaft und Energie. EINE REPORTAGE VON ANDREAS SCHWANDER (TEXT) UND CHRISTIAN AEBERHARD (FOTOS)

«

Jedes Mal, wenn ich hier vorbeifahre, denke ich an einen Schildkrötenpanzer», erzählt Pascal Semlitsch, bei IWB verantwortlich für die neue Freiflächen-Solaranlage auf dem Gelände der ehemaligen Kehrichtdeponie der KELSAG in Liesberg. Und wie bei der Schildkröte gibt es unter diesem Panzer komplexes Leben, das vom Panzer gleichzeitig geschützt, gefördert und behindert wird.

WO SONST, WENN NICHT HIER?

Freiflächen-Solaranlagen waren in der Schweiz im Gegensatz zu den europäischen Nachbarländern lange verpönt. Es mache wenig Sinn, die knappen Flächen des Landes mit Solaranlagen zuzustellen, solange nicht alle Dächer PV-Panels trügen, war der Tenor. Diese Meinung begann sich Anfang der 2020er-Jahre zu drehen, als der «Solarexpress» von Bund und Parlament den Bau von grossen PV-Anlagen in den Alpen angestossen hatte. Aber wenn in den Alpen – weshalb kann eine solche Anlage nicht auch auf einer ehemaligen Kehrichtdeponie stehen? Die KELSAG in Liesberg wurde 1976 von sechs Gemeinden aus dem Schwarzbubenland, dem Laufental und dem Kanton Jura als AG gegründet. Heute sind 33 Gemeinden Aktionäre der KELSAG. Ziel war eine gemeinsame, kontrollierte, abgedichtete und mit einem Drainagesystem ausgerüstete Deponie, wie ihr Geschäftsführer Edmund Frey Kuron erklärt. Sie ersetzte die vielen informellen «Drecklöcher», die es früher in jedem Dorf gab. Die Deponie war somit ökologisch ein riesiger Fortschritt und sollte für 30 Jahre den Kehricht der Gemeinden aufnehmen. Doch schon 15 Jahre später kamen das Deponieverbot und die Verbrennungspflicht. Die Anlage wurde zum Umschlagplatz, der Kehricht wurde für die Verbrennung nach Basel geschickt. Statt mit Kehricht

6

E2 Juni 2026

füllte man die Deponie bis 2016 mit der Verbrennungsschlacke der Kehrichtverbrennungsanlage in Basel weiter auf. Ende 2020 war die Rekultivierung des Geländes abgeschlossen. Die Idee einer PV-Anlage hatte der Verwaltungsrat der KELSAG bereits 2007 anlässlich einer Klausurtagung diskutiert – mit Blick auf die Zeit nach der vollständigen Auffüllung der Deponie. Diese Idee hat sich nun konkretisiert: Seit vergangenem Herbst entsteht in Liesberg eine Freiflächenanlage, die dereinst Strom für 1000 Haushalte produzieren wird.

«Die ehemalige Deponie wird permanent überwacht. Darum wissen wir im Gegensatz zu anderen Freiflächenanlagen genau, wie der Boden zusammengesetzt ist.» Pascal Semlitsch Leiter Investitionen Erneuerbare Energien von IWB


Die PV-Anlage auf der ehemaligen Deponie erfasst das Licht von ­frühmorgens bis zum späten Abend. Dank der 270-Grad-Ausrichtung ­ Ost bis West ergibt sich eine bessere Produktionsverteilung über den Tag als bei nur nach Süd ausgerichteten Anlagen.


FOKUS: ENERGIE UND RAUM

KAUM EIN GRUNDSTÜCK WIRD SO GENAU ÜBERWACHT

«Bei meinem letzten Besuch flogen hier ein Rotschwanz und ein Zaunkönig unmittelbar beim Bagger herum.» Pascale Steck Geschäftsleiterin WWF Region Basel

ÖKOLOGISCHE FLÄCHEN SIND GESUCHT

«Etwas lebt da immer», sagt Pascale Steck vom WWF Region Basel. Ihre Organisation hatte zusammen mit Pro Natura und BirdLife gegen die ersten Solarpläne auf der Deponie Einsprache erhoben. Denn auf dem mehrere Hektaren grossen Gebiet der Deponie haben sich seit dem Ende des Deponiebetriebs viele kleine ökologische Nischen gebildet – Amphibien und Vögel, denen die Machenschaften der Menschen oft ziemlich egal sind. «In Kiesgruben leben Kreuzkröten unmittelbar neben dem aktiven Kiesabbau. Und bei meinem letzten Besuch hier in Liesberg flogen ein Rotschwanz und ein Zaunkönig unmittelbar beim Bagger herum, der die Pfähle gesetzt hat», erzählt sie. Denn der Schildkrötenpanzer besteht aus 7600 Solarpanels und steht auf Hunderten stählernen Pfählen, die ein mit einem hochpräzisen GPS-Gerät ausgerüsteter Bagger zentimetergenau in den Boden gerammt hat – anderthalb bis maximal drei Meter tief. «Im Gegensatz zu anderen Freiflächenanlagen wird diese Fläche im Rahmen der Nachsorge der Deponie auf Bewegungen überprüft, und wir wissen, wie der Boden zusammengesetzt ist. So konnten wir abhängig vom Standort die passende Pfahllänge wählen, damit die Tische während der gesamten Betriebszeit fest im Boden verankert sind», erklärt Pascal Semlitsch. An anderen, stärker aufgeschütteten Stellen ist der Boden dagegen teilweise noch sehr weich und hat sich nur wenig gesetzt.

8

E2 Juni 2026

Deponien sind sehr schlechte und gleichzeitig hervorragende Baugrundstücke für Infrastruktur. «Eine Deponie ist kein bevorzugter Wohnstandort: Der Boden ist kontaminiert und häufig instabil. Zugleich gibt es kaum andere Grundstücke, die derart umfassend untersucht, überwacht und dokumentiert sind», erzählt Edmund Frey Kuron. Er zeigt die säuberlich beschrifteten Abwasserleitungen oder auch die übers ganze Gebiet verstreuten Gasbrunnen, die das auch nach 26 Jahren noch immer austretende, klimawirksame Deponiegas auffangen und zu einer Verglühungsanlage leiten. Die Panels sind hier viel tiefer über dem Boden als bei den neuen PV-Anlagen in den Alpen. Aufgrund der erwarteten Schneehöhe muss die Unterkante der Panels dort rund vier Meter über dem Boden liegen, während hier anderthalb Meter reichen – daher der Eindruck der Schildkröte. Entsprechend ist der Bau hier viel günstiger. «Wir können mit Standardsystemen arbeiten, brauchen viel weniger Material und haben einen einfachen Zugang», erklärt Pascal Semlitsch. Allerdings ist gegenüber den alpinen Anlagen der begehrte Winteranteil der Stromproduktion in Liesberg mit etwa 30 Prozent der Produktion viel kleiner: Es fehlt der Schnee, der die Sonne reflektiert. Und diese versteckt sich dann im Winter auch noch teilweise hinter den sehr nahe aufragenden Jurahöhen auf der gegenüberliegenden Talseite der Anlage.

WAS WIRD NEU UND WAS KOMMT ZURÜCK?

Pascale Steck runzelt die Stirn beim Anblick der Anlage. «Es hat schon sehr grosse Erdverschiebungen gegeben», sagt sie. Das ist auch etwas, das ihr ein wenig Sorgen macht. Denn der Revierförster hat in jahrelanger Kleinarbeit eingeschleppte ortsfremde Pflanzen, die Neophyten, weitgehend ausgerottet. Sie kamen mit dem Rekultivierungsmaterial in die Deponie und auch durch Samenflug. Die vielen Erdarbeiten könnten diese Arbeiten nun wieder zunichtegemacht haben, wenn dadurch viele bisher tief vergrabene Samen an die Oberfläche gekommen sind. «Das ist zwar schade, aber damit müssen wir leben – wir wollen schliesslich auch, dass die Energiewende gelingt», erklärt Pascale Steck ihre Haltung. Es sei da­ rum entscheidend, dass die Umweltverbände möglichst früh in die Planung einbezogen würden. Wichtig waren Pro Natura und dem WWF die naturrelevanten Auflagen und Aufwertungsmassnahmen: ein breiter, unverbauter Korridor, der entlang einem Felsband vom


Auf dem höchsten Punkt der Deponie leiten Panels mit Ost-West-Ausrichtung Regenwasser in Biotope, in denen sich in den nächsten Jahren möglichst viel Leben ansiedeln soll.

4 Millionen kWh 25 000 Quadratmeter Solarpanels erzeugen in Liesberg etwa vier Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr.

«Deponien gelten wegen kontaminiertem und instabilem Boden nicht als bevorzugte Wohnstandorte, werden aber umfassend überwacht.» Edmund Frey Kuron Geschäftsführer der Kelsag

E2 Juni 2026

9


FOKUS: ENERGIE UND RAUM

Pascale Steck (WWF), Edmund Frey Kuron (KELSAG) und Pascal Semlitsch (IWB) haben gemeinsam die Interessen von Natur, Deponienachsorge und Energieerzeugung sorgfältig abgewogen und in Einklang gebracht.

1000 Haushalte erhalten ihren Strom in Zukunft von der früheren Kehrichtdeponie.

stillgelegten Steinbruch oberhalb der Deponie bis zur Birs hinunterführt, und eine ähnliche, etwa zehn Meter breite Lücke in der Falllinie in der Mitte der Anlage. Steinlinsen, grosse Haufen aus Bruchsteinen, auf denen es sehr heiss werden kann, sollen Reptilien und Amphibien das Leben erleichtern. Und besonders wichtig sind die neuen künstlichen Feuchtgebiete ganz oben auf der ehemaligen Deponie.

Die Panels leiten an diesem eigentlich trockensten Punkt der Anlage möglichst viel Regenwasser in die Biotope. «Ich bin gespannt, was hier entsteht», meint Pascale Steck. «Wir begleiten das Projekt eng – denn wenn die Biotope funktionieren und auch unter den Solarpanels Leben gedeiht, kann aus dem heutigen Eingriff langfristig sogar mehr Biodiversität entstehen als zuvor.»

AMPHIBIEN-WELLNESS

«MAN WEISS ES NACH 30 JAHREN»

«Wir hatten schon früher Biotope angelegt und versucht, sie möglichst miteinander zu vernetzen. Aber weil es in den letzten Jahren deutlich längere Trockenperioden gegeben hat, sind viele, die anfangs funktioniert haben, nun endgültig vertrocknet», erzählt ­Edmund Frey Kuron. «Das sieht doch hier sehr wellnessmässig aus, da werden sich die Amphibien hoffentlich wohlfühlen», meint Pascal Semlitsch, als er auf die Biotope auf dem höchsten Punkt der Anlage zeigt. Hier wurden zusätzliche Biotope angelegt, die sich zwischen den wie kleine Dächer nach Osten und Westen ausgerichteten Solarpanels hindurchschlängeln.

10

E2 Juni 2026

Und wie verhält es sich mit der Wirtschaftlichkeit der Anlage bei so vielen Auflagen und Kompromissen? «Wie bei der Natur», zieht Pascal Semlitsch den Vergleich. «Man weiss erst mit der Zeit, ob neben den strategischen auch die wirtschaftlichen Ziele erreicht werden können.» Mit der sich ankündigenden Ölkrise sehen die wirtschaftlichen Aussichten für grosse PVAnlagen wieder viel besser aus. Damit macht der Schildkrötenpanzer für alle Sinn – für die KELSAG als Standort, für IWB als Energieinfrastruktur und für das Leben darunter mit einer vielfältigen Mischung aus Licht, Schatten, heissen Steinen und Feuchtbiotopen.


FOKUS: ENERGIE UND RAUM

Wie ein grosser Schildkrötenpanzer präsentiert sich die Solaranlage in der Landschaft. Der breite unbebaute Streifen entlang dem Felsband und der offene Korridor in der Mitte der Anlage sollen Tiere dazu animieren, innerhalb und in nächster Nähe der Solaranlage zu leben und sich auch in Richtung Birs zu bewegen.

E2 Juni 2026

11


«Auf praktisch jeder Parzelle kommen unterschiedliche Ansprüche zusammen.» Prof. Dr. Adrienne Grêt-Regamey Professorin für Landschafts- und urbane Systeme, ETH Zürich


FOKUS: ENERGIE UND RAUM

«MENSCHEN WOLLEN GEHÖRT WERDEN» Die Energiewende braucht nicht nur Technologien, sondern auch Platz. Genau dieser ist in der Schweiz knapp. ETH-Professorin Adrienne Grêt-Regamey erklärt im Interview, warum es bei erneuerbaren Energien nicht nur um die Produktion geht.

GABRIEL VILARES (INTERVIEW) LUCA RÜEDI (FOTOS)

Frau Grêt-Regamey, wenn wir über die Energie­ wende sprechen, reden wir oft über Technologien. Doch welche Rolle spielt dabei das Thema Raum? Das Thema Raum ist omnipräsent. Gerade in der Schweiz ist Fläche knapp. Auf praktisch jeder Parzelle kommen unterschiedliche Ansprüche zusammen. Sobald Energieproduktion Raum beansprucht, entstehen Konflikte. Und diese entscheiden oft darüber, ob Projekte umgesetzt werden oder nicht. Der Ausbau der erneuerbaren Energien braucht Fläche. Haben wir genügend davon? Ja. Unsere Untersuchungen zeigen das eindeutig. Für die Energiewende braucht es bis 2050 rund 45 Terawattstunden aus erneuerbaren Energiequellen wie Photovoltaik, Windenergie oder Biomasse. Das entspricht etwa 60 Prozent des erwarteten Schweizer Strombedarfs im Jahr 2050. Etwa zwei Drittel davon könnten von PV-Anlagen auf Dächern und bestehender Infrastruktur kommen. Für den Winterstrom braucht es aber auch ein weiteres Drittel, wofür Wind- und Solaranlagen auf Freiflächen entstehen müssen. Genau dort werden die Konflikte grösser. Heisst das, wir müssen zwangsläufig fruchtbare Böden oder wertvolle Naturräume opfern? Nein. Wind- und Solaranlagen führen nicht automatisch zu einer grossen Versiegelung. Unsere Analysen zeigen:

Selbst wenn man Ackerböden und Wälder ausschliesst, bleibt immer noch sehr viel Potenzial. Und wenn man zusätzlich die wertvollsten 30 Prozent der Flächen für die Biodiversität und die wertvollsten 30 Prozent der Flächen für Landschaftsschutz reserviert, reicht es noch immer deutlich. Die eigentliche Herausforderung ist also weniger ein physischer Mangel an Fläche als die Frage, welche Nutzungen wir wo zulassen wollen. Energieproduktion, Landwirtschaft, Biodiversität, Erholung, Siedlungsentwicklung: Alles beansprucht Raum. Wie geht man mit diesen Konkurrenzsituationen um? Bei der Energiewende wird es immer Gewinner und Verlierer geben. Es gibt Konflikte, das lässt sich nicht verneinen. Entscheidend ist deshalb, wie Prioritäten gesetzt werden und wie die Bevölkerung an solchen Entwicklungen mitwirken kann. Konflikte müssen früh sichtbar gemacht und gemeinsam ausgehandelt werden, um lokale Akzeptanz zu fördern. Welche Rolle spielen Emotionen für die Akzeptanz von Projekten? Sie sind enorm wichtig. Das haben wir hier in diesem Raum untersucht (zeigt auf die Visualisierung hinter sich). Wir haben verschiedene Landschaften visualisiert – mit PV-Anlagen sowie mit Windrädern und der dazugehörigen Geräuschkulisse. Unsere Studien zeigen: Menschen akzeptieren Eingriffe eher dort, wo bereits Infrastruktur vorhanden ist. In unberührten, archaischen Landschaften hingegen ist die Ablehnung deutlich grösser. Wer sich stark mit einer Landschaft identifiziert, reagiert sensibler auf Veränderungen.

E2 Juni 2026

13


FOKUS: ENERGIE UND RAUM

«Die Frage ist nicht, ob wir eingreifen, sondern wie verantwortungsvoll wir das tun und wo es sinnvoll ist.»

Viele befürworten erneuerbare Energien. Aber nicht vor der eigenen Haustür. Woran liegt das? Oft fehlt eine konkrete Vorstellung davon, was ein Projekt bedeutet. Sobald klar wird, dass sich eine Landschaft stark verändern könnte, reagieren Menschen emotional. Deshalb braucht es ehrliche, transparente Kommunikation und echte Mitwirkungsmöglichkeiten. Nicht erst am Ende, sondern früh im Prozess. Menschen müssen verstehen, sehen und diskutieren können, was geplant ist. Beteiligung heisst auch, Varianten beurteilen zu können und Einfluss zu nehmen. Erst dann entsteht das Gefühl, Teil der Lösung und nicht nur Opfer der Veränderung zu sein. Menschen wollen nicht nur informiert, sondern gehört werden. Die Energiewende verlangt Tempo, Raumplanung ist oft langsam. Wie passt das zusammen? Ein gut gemachter, partizipativer Prozess braucht Zeit. Er ist dennoch oft schneller als Projekte, die später durch Einsprachen gestoppt werden. Es braucht klare Vorgaben durch Gesetze und gleichzeitig echte Mitwirkung durch die Bevölkerung. Wenn Menschen das Gefühl haben, mitgestalten zu können, steigt die Chance, dass Projekte umgesetzt werden. Wer soll letztlich entscheiden, wo Energie ­produziert wird? Das ist ein Zusammenspiel auf verschiedenen Ebenen. Auf Bundesebene gibt es Vorgaben durch das Energiegesetz, Kantone können strategische Räume definieren, Gemeinden konkretisieren diese und setzen sie um. Und dort muss die Bevölkerung miteinbezogen werden. Sie muss verstehen, weshalb gerade dort der beste Standort liegt und welche Alternativen sich bieten. Wie helfen Planungsinstrumente, Konflikte früh zu entschärfen? Digitale Plattformen ermöglichen es heute, verschiedene Interessen wie etwa Energiepotenzial, Biodiversität oder Landschaftsschutz abzuwägen. Mit dem Webtool «Swiss SolarWind Explorer» haben wir ein digitales In­ strument entwickelt, das diese Kriterien visualisiert und aufzeigt, wo konfliktarme Standorte liegen. Solche Grundlagen schaffen Transparenz und helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Ebenso wichtig ist eine frühe Vorstellung davon, wie eine Landschaft künftig aussehen könnte, denn das erhöht die Akzeptanz. Gibt es aus Ihrer Sicht einen sinnvollen Grundsatz wie «Dächer zuerst, dann Infrastrukturen, dann Freiflächen»? Dächer sind sehr wichtig, aber sie reichen allein nicht aus. Hinzu kommt, dass der Ausbau auf Dächern von den Eigentümerinnen und Eigentümern abhängt. Auf 14

E2 Juni 2026

kleineren Dach- und Infrastrukturflächen sind PV-Anlagen derzeit oft noch zu teuer. Wir können nicht nur eine Strategie fahren. Mit einer starren Reihenfolge würden wir noch langsamer vorwärtskommen, als wir das jetzt schon tun. Wir müssen mehrere Strategien gleichzeitig verfolgen. In der Debatte heisst es oft: Klimaschutz geht vor Landschaftsschutz. Stimmen Sie zu? Das muss Hand in Hand gehen. Wenn wir das eine gegen das andere ausspielen, schaden wir langfristig beiden. Es gibt durchaus Standorte, an denen sich beide Ziele verbinden lassen – etwa in der Nähe bestehender Infrastrukturen wie Skigebieten oder Stauseen. Mit guter Gestaltung und dem Einbezug von Architektinnen und Architekten lassen sich Anlagen so anordnen, dass sie sich besser in die jeweilige Landschaft einfügen. Beim Projekt «Madrisa Solar» in Klosters wurden die PV-Module gezielt hinter dem Wald platziert, sodass sie aus der Ferne wie Waldstücke wirken. Können erneuerbare Energien auch eine Chance ­ für die Landschaft sein? Man sollte nichts beschönigen: Es sind meistens Eingriffe. Aber wir gestalten unsere Landschaft ohnehin ständig. Egal ob Strassen, Siedlungen oder Kraftwerke. Die Frage ist nicht, ob wir eingreifen, sondern wie verantwortungsvoll wir das tun und wo es am sinnvollsten ist. Es sind Eingriffe, die wir brauchen, um unabhängig zu bleiben und unsere Klimaziele zu erfüllen. Wir können nicht alles von ausserhalb beziehen. Wie sieht unsere Landschaft aus, wenn Sie 2050 durch die Schweiz reisen? Ich hoffe, dass wir den Mut haben, auch grössere Projekte umzusetzen. Nicht nur Solar- oder Windanlagen, sondern auch im Bereich der Wasserkraft. Überall kleinere Eingriffe finde ich problematischer als einzelne grössere und entscheidende Projekte.

Prof. Dr. Adrienne Grêt-Regamey ist Umweltwissenschaftlerin und Landschaftsplanerin. Seit 2008 ist sie Professorin am Lehrstuhl für Planung von Landschafts- und urbanen Systemen am Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung der ETH Zürich. Dort leitet sie ein internationales und interdisziplinäres Forschungsteam, das an digital unterstützter, partizipativer Landschafts- und Stadtplanung arbeitet.


EINFACH, SCHNELL, DIGITAL IHR DIGITALER SERVICEBEREICH Viele Anliegen können Sie bequem online erledigen – jederzeit, überall und ohne Warten. Suchen Sie Ihr Anliegen unten in der Übersicht und erfahren Sie, wo Sie es am einfachsten lösen können. Lösen Sie diese Anliegen im Service center unter iwb.ch/servicecenter

Lösen Sie diese Anliegen im Kundenportal unter iwb.ch/mein-portal

KI könnte deine Arbeit schreiben, nicht aber deine Zukunft. Beschäftigst du dich in deiner Abschlussarbeit mit einem Thema im Bereich Nachhaltigkeit? Bewirb dich um den Preis «Zukunft schreiben» und gewinne bis CHF 600.

oekozentrum.ch | zukunft-schreiben.ch


FOKUS: ENERGIE UND RAUM

CLEVER GENUTZT Solarstrom hat in der Schweiz grosses Potenzial. Gleichzeitig sind geeignete Flächen knapp und stehen unter anderem in Konkurrenz zu Natur, Landwirtschaft und Siedlungsgebiet. Unsere Infografik zeigt, wo Photovoltaik Raum findet. SIMON EBERHARD, CELESTE BLANC (TEXT) JACQUELINE MÜLLER (ILLUSTRATION)

Wertvolle Ressource Je nach Lage erfüllt der Boden in der Schweiz unterschiedliche Funktionen. Die Nutzung gliedert sich im Wesentlichen in vier Bereiche.

8 % Siedlungsflächen Wohnen, Industrie, Gewerbe, Verkehr

25 % unproduktive Flächen Ungenutzte Vegetation, Fels, Geröll, Gewässer, Gletscher

32 % bestockte Flächen Wald, Gehölze

35 % Landwirtschaftsflächen Wiesen, Äcker, Obst, Alpweiden

Fläche nimmt zu Fläche nimmt ab

35,3 % Wohnareal 26,4 % Strassenareal 24,1 % weitere Gebäude und Areale 6,3 % Erholungs- und Grünanlagen 2,9 % Bahnareal 5 % Übriges 16

E2 Juni 2026


20 20

12,5 %

der geeigneten Dachflächen in der Schweiz werden heute für Photovoltaik genutzt. Das Potenzial umfasst rund 3,6 Millionen Dächer.

15 15

2,5 Millionen

10 10

Gebäudefassaden eignen sich gemäss Swissolar für PV-Anlagen. Genutzt wird das Potenzial kaum: 2024 wurden nur 1500 Gebäude ausgestattet.

55

Photovoltaik ist ein Strommosaik PV-Anlagen auf Infrastrukturen, in der Landwirtschaft und auf Freiflächen tragen zum Solarmix bei.

00

Solarstrom im Winter Alpine Anlagen produzieren rund die Hälfte ihres Jahresertrags im Winter (Oktober bis März). 50 %

Freifläche: Alpin

45 %

25 %

Fassade

Dach

Freistehende PV-Anlagen erschliessen im Mittelland und im alpinen Raum zusätzliche Flächen für die Stromproduktion.

Gesamtfläche der Schweiz 41 285 km2

Saisonale Unterschiede Solar- und Windenergie ergänzen sich, da Letztere im Winter den grössten Anteil ihrer Jahresproduktion erreicht.

6%

theoretisches Nutzungspotenzial Der Bund sieht 2477 km2 Fläche als prüfenswert für freistehende PV-Anlagen. Ob dort gebaut werden kann, entscheiden die Kantone nach Schutzinteressen, Nutzung, Netzanschluss und Wirtschaftlichkeit.

Quellen: ARE, BFS, BAFU, BFE, EnergieSchweiz, Swissolar, Berner Fachhochschule, ZHAW, SRF

E2 Juni 2026

17


PUNKT FÜR PUNKT

COOL DURCH DEN HITZETAG Wenn draussen das Thermometer steigt, muss drinnen noch lange keine Sauna herrschen. Vier einfache Tricks, mit denen ein Hitzetag erträglicher wird. GABRIEL VILARES (TEXT) JACQUELINE MÜLLER (ILLUSTRATION)

ZUR RICHTIGEN ZEIT LÜFTEN Storen runter, Vorhänge zu: Was gar nicht erst reinkommt, müssen Sie nicht wieder rausbekommen. Halten Sie die Fenster tagsüber geschlossen. Am besten morgens oder abends öffnen (nicht nur kippen), wenn die Temperaturen draussen nicht allzu hoch sind. Damit die kühlere Luft möglichst rasch in alle Zimmer strömt, sollten Sie für Durchzug sorgen.

18

E2 Juni 2026

WÄRMEQUELLEN ELIMINIEREN Viele Elektrogeräte heizen mit, auch im Standby-Modus. Schalten Sie alles vollständig aus, was nicht zwingend laufen muss. Setzen Sie an Hitzetagen zudem am besten auf kalte Küche und leicht verdauliche Gerichte. Einerseits wirken etwa Backöfen oder Kochherde wie eine kleine Heizung, andererseits belasten Sie den Körper mit einer üppigen Mahlzeit noch zusätzlich. Je schwerer die Speise, desto mehr Energie müssen Magen und Darm aufwenden und desto mehr Wärme entsteht dabei.

VERDUNSTUNGSKÄLTE NUTZEN Hängen Sie ein feuchtes Handtuch oder ein Baumwollleintuch auf einem Wäscheständer auf. So wird die Feuchtigkeit im Stoff an die Umgebungsluft abgegeben. Die Verdunstungskälte hilft, die Räume zu kühlen. Aber Achtung: Die erhöhte Luftfeuchtigkeit kann sich mit der Zeit auch unangenehm anfühlen oder Schimmel verursachen. Mit gründlichem Lüften (morgens und abends) kann hoher Luftfeuchtigkeit vorgebeugt werden. Wenn es drinnen und draussen schwül ist, hilft vielleicht auch ein Sprung in den kühlen «Rhy».

LUFT IN BEWEGUNG BRINGEN Wenn es unerträglich wird und nichts anderes mehr nützt, kann immerhin ein Ventilator Abhilfe schaffen. Er kühlt zwar das Zimmer nicht, aber bewegte Luft entzieht dem Körper Wärme. Zudem kommt ein Ventilator mit rund 50 Watt aus, ein Kühlgerät benötigt etwa das Zwanzigfache. Wenn Sie noch einen Kübel mit Eiswürfeln vor den Ventilator stellen, können Sie einen ähnlichen Effekt wie mit einem Luftkühler herstellen.


VORGESTELLT

GUT GEPLANT, SICHER VERSORGT Bevor der Strom aus der Steckdose kommt, muss er transformiert und verteilt werden. Sabrina Markoni plant die Anlagen, die genau das möglich machen. GABRIEL VILARES (TEXT UND BILD)

Das rhythmische Rattern eines Bohrers und der hallende Nachklang jeder Bewegung auf dem Metallgerüst verraten es sofort: Hier wird gerade umgebaut. Sabrina Markoni bewegt sich zielstrebig durch das Unterwerk, bis sie vor dem Herzstück steht. Es ist eine imposante, neongrüne Hochspannungsschaltanlage, so gross wie ein Schiffscontainer. Im Schaltanlagenraum ziehen sich Schaltfelder über mehrere Meter. «Für die Planung von Neu- und Umbauten solcher Anlagen sind wir verantwortlich», sagt sie. Unterwerke sind zentrale Knotenpunkte im Stromnetz. Insgesamt sieben Stück davon sind im IWB-Netz zu finden. Sie wandeln elektrische Energie von Hochspannung mit 145 oder 50 Kilovolt in Mittelspannung von 12 Kilovolt um. Von dort aus wird der Strom weiterverteilt und in Bezirks- und Trafostationen auf 400 Volt Niederspannung umgewandelt, bevor er schlussendlich in den Haushalten ankommt. Damit das reibungslos funktioniert, braucht es präzise Planung. Hier kommt Markoni ins Spiel. Als Planungsingenieurin begleitet sie Projekte von der ersten Idee bis zur Inbetriebnahme. Sie entwickelt Konzepte und plant technische Komponenten wie beispielsweise die Schaltanlagen und deren Schutz- und Leittechnik. Diese Systeme überwachen die Anlage und reagieren automatisch bei Störungen. Auf der Baustelle prüft Markoni dann, ob alles wie vorgesehen umgesetzt wird. «Dort sieht man, ob das Geplante auch wirklich funktioniert», erzählt sie. Ihr Weg in den Beruf begann mit einer Ausbildung zur Elektronikerin. Danach arbeitete sie im Bereich Anlagen, Sekundärtechnik und Kabelfehlerortung und bildete sich nebenberuflich laufend weiter. «Mir war immer wichtig, Theorie und Praxis zu verbinden», sagt sie. Seit Oktober 2024 bringt sie ihr Wissen bei IWB ein.

Ein typischer Arbeitstag? Den gibt es kaum. «Es läuft nicht immer wie geplant», so Markoni schmunzelnd. Umso wichtiger sei es, flexibel zu bleiben, den Überblick zu behalten und gemeinsam mit anderen Fach­ expertinnen und Fach­experten Lösungen zu finden. Genau diese Mischung aus Technik, Koordination und praktischem Umsetzen macht ihren Beruf für sie so spannend. Markoni plant nicht nur für heute, sondern auch für ein Stromnetz, das sich laufend verändert. Mehr erneuerbare Energie, neue Technologien und steigende Anforderungen an die Versorgungssicherheit machen ihre Arbeit anspruchsvoll. Genau das gefällt ihr: Technischer Fortschritt und Ökologie gehören für sie zusammen. Oder wie es Markoni sagt: «Wir leisten unseren Beitrag, damit dort Strom ankommt, wo er gebraucht wird.»

Jetzt scannen und Sabrina Markoni bei der Arbeit erleben. iwb.ch/planungsingenieurin

E2 Juni 2026

19


VERBORGENE WASSERKAMMERN 60 Säulen stützen die Decke dieser unterirdischen Kammer. Sie ist eine der beiden Reservoirkammern am Herrenweg in Allschwil, die verborgen unter einer grossen Wiese liegen: 60 Meter lang, 30 Meter breit und 6 Meter hoch. Normalerweise ist sie mit bis zu 9000 Kubikmetern Trinkwasser gefüllt. Doch aktuell ist die Kammer leer, weil IWB sie auf den neusten Stand der Technik bringt. Die speziell für Trinkwasser zertifizierte Beschichtung an Boden und Wänden ersetzt den bisherigen Fliesenbelag. Die extrem feine Oberfläche sorgt für optimale Hygiene und Trinkwasserqualität. Das Reservoir Herrenweg ist eines von zwölf Reservoiren, die IWB betreibt. Sie sorgen für den nötigen Druck im Netz, damit das Wasser auch in den oberen Stockwerken der Häuser in genügender Menge ankommt. Damit sind die über 210 000 Menschen in der Region Basel täglich mit frischem Trinkwasser versorgt.

20

E2 Juni 2026


GROSSFORMAT FOTO: CHRISTIAN FLIERL

E2 Juni 2026

21


EINBLICK

WASSERTURM MIT AUSSICHT Der Wasserturm auf dem Bruderholz wird 100 Jahre alt. Er entstand in einer Zeit, als Infrastruktur mit viel Liebe zum Detail gebaut wurde und man sich heftig um Stil und Design stritt. ANDREAS SCHWANDER (TEXT) NIELS FRANKE (FOTOS)

W

asser fliesst mit kräftigem Strahl in Basel. Egal ob aus dem Wasserhahn in der Küche, aus den vielen Brunnen der Stadt, aus den Strahlrohren der Feuerwehr oder aus dem Gartenschlauch. Doch jeder Wasserstrahl benötigt Druck. Den erzeugt meist ein hochgelegenes Reservoir. Das ist auch in Basel nicht anders. Hier ist es unter anderem ein Turm mit spektakulärer Aussicht.

MEHR DRUCK DURCH EINEN TURM

«Man kann sich das Reservoir da oben im Wasserturm vorstellen wie ein grosses, dickes Willisauer Ringli», erzählt Thomas Meier, Leiter Produktion Wasser bei IWB und für den Turm verantwortlich. Die Versorgung der Stadt mit Stadtgas und Wasser im 19. Jahrhundert gehört zu den Ursprüngen von IWB, und so waren schon die Vorgängerorganisationen für den Bau des Turms verantwortlich. Thomas Meier steigt eine der beiden Treppen ­hi­nauf, die sich entlang der Aussenwand des Wasserturms auf dem Bruderholz zum Aussichtsraum hochwindet. Das Willisauer Ringli ist das ringförmige Reservoir ganz oben im Wasserturm. Es liegt 30 Meter über Boden und enthält 320 Kubikmeter Wasser. Durch dessen Mitte führt eine Wendeltreppe, umgeben vom Reservoir, zur Aussichtsplattform. Von dort hat man einen fantastischen Blick über die Stadt und Richtung Jura, Schwarzwald und die Vogesen – Infrastruktur als Monument und Attraktion. Nötig wurde der Turm, als die Basler Bevölkerung ab der Jahrhundertwende immer mehr Gefallen am Wohnen am Hang fand und die Siedlungen immer höher den Hang hinaufkrochen. Und zu einer guten Wohnlage gehörte schon zur Jahrhundertwende eine gute Wasser­ versorgung.

JOHN MOORES SPRINGBRUNNEN

Die Basis dafür hatte Basel ab 1866 gelegt, mit der Erschliessung von Quellwasservorkommen im Laufental, die ursprünglich nur zusätzliche Brunnen in der 22

E2 Juni 2026

Stadt hätten speisen sollen. Doch der herbeigezogene britische Wasserbauingenieur John Moore hielt das für veraltet. Er schlug ein hochgelegenes Reservoir vor, das für so viel Druck sorgen sollte, dass das Wasser auch im vierten Stock der Häuser in der Stadt mit kräftigem Strahl aus den Wasserhähnen fliessen würde und niemand mehr das Wasser hinauftragen müsste – eine geradezu unerhört moderne Idee in einer Welt von Brunnen und Wassereimern. Entscheidendes Argument für Moores Konzept war, dass das Wasser durch den Bau eines Drucknetzes höher spritzte als jede damals verfügbare Feuerspritze. Um dies zu beweisen, baute er auf dem Aeschenplatz einen Springbrunnen, dessen Fontäne bei der Einweihung der Wasserversorgung am 12. April 1866 über 47 Meter hoch stieg. Innerhalb von 30 Jahren wandelte sich das Basler Druckwassernetz von der Sensation zur Selbstverständlichkeit, und die Reservoire mussten den Häusern vorausgebaut werden – immer etwas höher am Hang –, um allen kommenden Neubauten genügend Druck zu bieten.

GRÖSSTE LEBENSMITTELFABRIK

Als 1906 ein Reservoir auf dem Bruderholz gebaut wurde, entstand gleichzeitig auch das Fundament für ­einen Wasserturm. Der heutige Wasserturm sollte schliesslich neben dem knapp 20 Jahre alten Reservoir entstehen, denn dem alten Fundament traute man dann doch nicht. Heute sind Turm und unterirdisches Reservoir, das um zwei Kammern ergänzt wurde, miteinander verbunden. Die labyrinthische Anlage fühlt sich an wie ein Baum, dessen Wurzeln genauso weit in die Tiefe reichen wie seine Äste in die Höhe. Thomas Meier führt durch eine klinisch saubere, permanent überwachte Welt aus Chromstahlleitungen, Ventilen und Sensoren. Die Wasserversorgung ist Basels grösste Lebensmittelfabrik. Die Reservoire sind hermetisch abgedichtet und nur durch Schaugläser einsehbar.


EINBLICK

Der Wasserturm auf dem Bruderholz versorgt die höchstgelegenen Häuser Basels mit ausreichend Wasserdruck. Das Reservoir im Innern wird aussen durch zwei umlaufende Steinfriese markiert. Die Aussichtsterrasse bietet ­einen grossartigen Rundblick und Geografieunterricht in drei Ländern.

«Man kann sich das Reservoir im Wasserturm vorstellen wie ein ­grosses, dickes Willisauer Ringli.» Thomas Meier Leiter Produktion Wasser bei IWB

E2 Juni 2026

23


EINBLICK

Die enge Wendeltreppe im Wasserturm führt mitten durch das ringförmige Reservoir in die Höhe.

Wenn der Wasserstand sinkt, wird die Luft durch grosse Filteranlagen angesaugt, damit auf keinen Fall Keime ins Wasser gelangen. «Wir sind deshalb auch besonders vorsichtig beim Reinigen der Kammern», erklärt Thomas Meier. «Denn jedes Mal, wenn wir ein Reservoir öffnen, besteht auch die Gefahr, dass wir Keime hineinbringen.»

TRADITION GEWINNT GEGEN BAUHAUS

Mit dem Entscheid zum Bau des Wasser- und Aussichtsturms auf dem Bruderholz entbrannte sofort eine heftige Diskussion über die Form eines modernen Wasserturms. Die «wilden 1920er» waren die Zeit der Erneuerung, des Bauhaus-Stils und des reduzierten Designs. Der Basler Architekt Hans Schmid schlug einen radikal modernen Wasser- und Aussichtsturm vor, der mit einer offenen Betonstruktur alle Funktionen des Turms nach aussen zeigen sollte. Die Aussichtsplattform wollte er mit einem spektakulären, vollverglasten freistehenden Treppenhaus erschliessen – viel Spass beim Scheibenputzen hoch über einer kohlebeheizten Chemieindustriestadt mit berühmt-berüchtigt schlechter Luft. Schmid begründete seinen radikalen Vorschlag mit einer für die Zeit typischen mathematischen Formel: Bauen geteilt durch Gewicht = Technik; Bauen mal Gewicht = Monumentik. Er argumentierte, dass sein Turm bei gleichem Speichervolumen nur ein Drittel der Materialmenge benötige. Doch die Hausarchitekten der damaligen Basler Gasund Wasserwerke, E. Vischer Architekten, bauten schliesslich den äusserlich konventionellen, monumentalen

Turm, der lediglich innen auf einem damals sehr modernen, schlanken Stahlbetonskelett steht. Ihm fehlt der radikale Designansatz des Gegenvorschlags. Als Referenz an den Bauhaus-Anspruch, der mit der Gestaltung immer auch die technische Funktion darstellen wollte, zeigen zwei Steinfriese über dem Aussichtsraum und unter der Aussichtsplattform exakt den Standort und die Dimension des Reservoirs. Das Willisauer Ringli ist auch von aussen sichtbar.

AUSGEFEILTES DRUCKSYSTEM

So ist der Wasserturm – zusammen mit einem Reservoir aussen am Fernsehturm Chrischona – heute die Spitze eines ausgefeilten Systems von Druckzonen und miteinander verbundenen Reservoiren. Dank dieses Systems gibt es auch in den höchstgelegenen Häusern von Basel-Stadt, Bettingen, Binningen und Riehen stabilen Wasserdruck. Eine Leitung führt unter dem Talboden und dem Birsig hindurch auf die Binninger Höhe. So sieht man vom Turm mit Aussicht aus nicht nur die Landschaft um Basel, sondern auch all die Häuser, in denen sein Druck für einen kräftigen Wasserstrahl sorgt – sei es zum Duschen oder um den Garten zu wässern.

DEN WASSERTURM SELBST ERLEBEN Zum Jubiläum des Wasserturms finden von Juni bis September szenische Rundgänge mit Salomé Jantz und David Bröckelmann statt. Ausserdem führt IWB im September mehrere Fachführungen durch.

Erfahren Sie mehr über die Termine: iwb.ch/wasserturm

24

E2 Juni 2026


DAS DING

DER WECHSELRICHTER Ohne Wechselrichter keinen Solarstrom. So knapp lässt sich die Bedeutung dieses meist ­unscheinbaren Geräts zusammenfassen. Er wandelt den von den Solarmodulen erzeugten G ­ leichstrom (DC) in netzüblichen Wechselstrom (AC) um. Erst so können wir ihn im Haushalt ­nutzen oder ins Stromnetz einspeisen. Der Wechselrichter ist damit das Herzstück jeder Photovoltaikanlage (PV). Doch moderne Wechselrichter können weit mehr als «nur» umwandeln. Sie agieren als intelligente Schaltzentrale und entscheiden vollautomatisch, ob der Strom direkt im Haushalt verbraucht, in ­ einer Batterie gespeichert oder ins öffentliche Netz eingespeist wird. Jede PV-Anlage wird individuell geplant und ausgelegt. Je nach Anforderung kommen ­ unterschiedliche Wechselrichter zum Einsatz. Vereinfacht gesagt gibt es drei Typen: PV-Wechselrichter für reine ­Solaranlagen, Batterie-Wechselrichter für Anlagen mit Speicher sowie Hybridgeräte, ­ die beides kombinieren. Egal, welcher Typ zum Einsatz kommt: Er macht aus Sonnenlicht nutzbare Energie f­ ­ür unseren Alltag. GABRIEL VILARES (TEXT)

E2 Juni 2026

25


FRAGEN UND ANTWORTEN

HEIZUNG ERSETZEN – WAS JETZT WICHTIG IST Die Heizung kommt in die Jahre. Plötzlich stellen sich viele Fragen. Was ist erlaubt, was sinnvoll, und welche Lösung passt zu mir? Wir klären auf.

Antworten gibt Oliver Fischer, Energieberater Privatkunden von IWB. Haben Sie weitere Fragen? Die Energieberatung des Kantons Basel-Stadt (AUE) hilft Ihnen gerne weiter: energieberatung@bs.ch Weitere Informationen rund um das Thema Energie sowie zum Optimierungs- und Sparpotenzial finden Sie auch auf unserer Website: iwb.ch/energieberatung

26

E2 Juni 2026


FRAGEN UND ANTWORTEN

Warum ist der Heizungsersatz ein so grosses Thema? Bereits seit 2017 gilt in Basel-Stadt das neue Energiegesetz, das einen 1:1-Ersatz fossiler Heizungen nur noch in Ausnahmen ermöglicht. Wenn Ihre Öl- oder Gasheizung das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hat, muss sie im Normalfall durch ein erneuerbar betriebenes Heizsystem ersetzt werden. Auch in Baselland gelten dieselben Regeln.

Wann sollte ich den Heizungsersatz planen? Möglichst frühzeitig – nicht erst, wenn die Heizung aussteigt. Unsere Empfehlung: Wenn der Wärmeerzeuger 15 Jahre alt ist, sollte man sich nach Alternativen umschauen.

Welche Vorteile haben erneuerbare Heizsysteme? Die Umwelt wird durch geringere CO2-Emissionen geschont. Ihre Energie- und Betriebskosten sinken. Und über die Lebensdauer des Wärmeerzeugers werden die Investitionskosten amortisiert. Zudem wird der Umstieg mit Fördergeldern belohnt. In Baselland kommt je nach Vermögenssituation eine Energieprämie hinzu.

Welche Heizung soll ich installieren? Ein Heizsystem, das auf erneuerbarer Energie beruht. Das kann sich je nach Standort unterscheiden. In gewissen Gebieten in Basel-Stadt ist Fernwärme bereits jetzt vorhanden. Bis 2037 wird IWB das bestehende Fernwärmenetz um 60 Kilometer ausbauen.

Was ist, wenn an meinem Wohnort keine Fernwärme geplant ist? In Gebieten wie beispielsweise Bruderholz und Neubad, in denen Fernwärme nicht geplant ist, kommen Alternativen infrage: Wärmepumpen (Luft, Erdwärme oder Grundwasser), vollautomatische Holzheizungen (Pellets) oder ein Nanoverbund. Welcher Anschluss möglich ist, zeigt der Energierichtplan auf iwb.ch/waerme.

Muss ich meine fossile Heizung ersetzen, auch wenn sie noch einwandfrei funktioniert? Nein. Ein Ersatz ist erst nach Ablauf der Lebensdauer erforderlich. Wenn Ihre Gasheizung jünger als 20 Jahre ist und im Rahmen der Gasnetzstilllegung ersetzt werden muss, haben Sie Anspruch auf eine Restwertentschädigung. Über die Gasnetzstilllegung werden Sie mindestens drei bis vier Jahre im Voraus informiert.

Wo kann ich mich beraten lassen? Hausbesitzerinnen und Stockwerkeigentümer können sich über das kostenlose nationale Programm des Bundes erneuerbarheizen.ch beraten lassen. Auch die kantonalen Energiefachstellen führen Beratungen durch. Tipp: Wenn der Heizungsersatz ansteht, lohnt sich häufig ein Blick auf die Gebäudehülle. Die GEAK-PlusBeratung ist zwar kostenpflichtig, bietet aber einen individuellen, ausführlichen Beratungsbericht. Das ist eine ideale Grundlage für Sanierungsmassnahmen.


QUIZ

ALLES IM FLUSS? Wasser ist eine unserer wertvollsten Ressourcen – und in der Schweiz verwenden wir mehr davon, als uns oft bewusst ist. Wissen Sie, wie es um den Wasserverbrauch im Haushalt von Frau und Herrn Schweizer steht und woher unser Trinkwasser kommt? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz. JEANNINE HIRT (TEXT)

1. Wie lange duschen Schweizerinnen und Schweizer im Durchschnitt pro Jahr?

2. Wofür wird im Schweizer Haushalt das meiste Wasser gebraucht?

3. Wie viel Warmwasser verbraucht ­eine Person in der Schweiz im Durchschnitt pro Tag?

4. Woher kommt das Trinkwasser aus unserem Wasserhahn zu Hause ursprünglich?

a) 50 Minuten

a) Toilette, Dusche und Bad

a) 22 Liter

b) 2 bis 3 Stunden

b) Waschmaschine

b) 50 Liter

a) Aus Quellwasser, Grundwasser und Pfützen

c) 10 bis 15 Stunden

c) Geschirrspüler

c) 100 Liter

d) Mehr als 31 Stunden

d) Aussenbereich

d) 1 40 Liter

b) Aus Quellwasser, Grundwasser und Seen c) Aus Grundwasser, Seen und Teichen d) Aus Seen, Teichen und Pfützen

Lösung 4: b) 40 % des Trinkwassers stammen aus Quellwasser, w ­ eitere 40 % aus Grundwasservorkommen und die restlichen 20 % aus Seen, die uns als riesige Wasserreservoire dienen. Lösung 3: b) 50 Liter: Über ein Drittel des durchschnittlichen ­t äglichen Wasserverbrauchs (rund 140 Liter) ist Warmwasser. Lösung 2: a) Toilette, Dusche und Bad machen über 50 % des W ­ asserverbrauchs im Schweizer Privathaushalt aus. Lösung 1: d) Im Durchschnitt steht jede und jeder von uns mehr als 31 Stunden im Jahr unter der Dusche. Es lohnt sich, in dieser Zeit s­ parsam mit Warmwasser umzugehen.

E2 Juni 2026

28


RÄTSEL

GEWINNEN SIE EIN TRAGBARES SOLARPANEL Machen Sie mit bei unserem Suchrätsel und laden Sie auf Ihrer Wanderung Ihr Handy mit Energie von der Sonne – direkt von Ihrem Rucksack.

L

F

E

E

F

E

L

R

I

H

UND SO GEHT’S Jeder der oben stehenden Bildausschnitte ist irgendwo im Heft versteckt. Sie haben das «Original» gefunden? Dann notieren Sie die Seite, von welcher der Bildausschnitt stammt, im Feld neben dem Buchstaben. Nach Seitenzahl sortiert (von 1 bis 32), ergeben die Buchstaben das Lösungswort. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden persönlich benachrichtigt. Teilnahmeberechtigt sind alle, ausser Mitarbeitende von IWB sowie deren Angehörige. Es wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Lösung erscheint in der nächsten Ausgabe von E2. AUFLÖSUNG DES LETZTEN RÄTSELS Die richtige Lösung des Preisrätsels in der Ausgabe vom März 2026 lautet: «LADESTATION».

C

A

SIE HABEN DIE LÖSUNG? Dann schnell einsenden! Unter allen richtigen Einsendungen verlost IWB zwei Solarpanels für den Rucksack im Wert von je 158 Franken sowie zehn Powerbanks im Wert von je 10 Franken. SO NEHMEN SIE TEIL • Über das Onlineformular unter iwb.ch/e2 • Per E-Mail an verlosungen@iwb.ch • Mit Postkarte an IWB, E2, Postfach, 4002 Basel Absenderin oder Absender mit Telefon und E-Mail nicht vergessen! TEILNAHMESCHLUSS IST DER 16. AUGUST 2026.

IMPRESSUM E2 Leben mit erneuerbarer Energie, Ausgabe Juni 2026, erscheint vierteljährlich, Telefon +41 61 275 51 11, e2@iwb.ch REDAK­TIONS­TEAM Celeste Blanc, Dominik Born, Nicole Drechsler, Simon Eberhard, Belinda Hasler, Jeannine Hirt, Dietmar ­Küther, Jacqueline Müller, Reto Müller, Nikol Paradzik, Erik Rummer, ­Christoph Schiess, Andreas Schwander, Dominic Specht, Brunella Torres, Francesco Vazzano, Gabriel Vilares KONZEPT, ­REDAKTION, PRO­DUKTION Redact Kommunikation AG, Glattbrugg ­DRUCK Vogt-Schild Druck AG, Derendingen – gedruckt auf Schweizer Papier ANZEIGENMARKETING DaPa Media GmbH, ­Bremgarten AG, ­Telefon +41 56 641 90 80, Inserateschluss für Ausgabe September 2026: 14. August 2026

GEDRUCKT AUF SCHWEIZER PAPIER

Drucksache myclimate.org/01-26-908307

E2 Juni 2026

29


NACHHALTIG LEBEN

Das Bild «Igel auf Erkundung» von Raphael Stieger hat 2025/2026 den IWB-Biodiversitätspreis gewonnen.

30

E2 Juni 2026


NACHHALTIG LEBEN

WAS DER IGEL ÜBER GÄRTEN VERRÄT Der Igel gilt in der Schweiz als potenziell gefährdet. Wildtierbiologin Julia Felber erklärt, warum er unter Druck steht, was das für unsere ­ Umwelt bedeutet und wie es ihm im Birstal geht. GABRIEL VILARES (INTERVIEW) LUCA RÜEDI (FOTO)

Julia Felber ist Wildtierbiologin bei SWILD, einer unabhängigen Forschungs- und Beratungs­ gemeinschaft. Sie setzt sich für wissenschaftsbasierten Natur-, Tier- und Artenschutz ein.

Frau Felber, was fasziniert Sie an Igeln? Igel sind erstaunlich anpassungsfähig. Als nachtaktive Insektenfresser finden sie in ganz unterschiedlichen Situationen Nahrung. Notfalls auch in toten Tierkörpern. Gerade diese Flexibilität macht sie spannend, aber auch schwierig zu erforschen. Etwa wenn es darum geht, wie stark sie unter dem Insektenrückgang leiden. Welche Rolle spielen sie im Ökosystem? Sie sind ein wichtiges Puzzleteil. Igel fressen unter anderem Käfer, die Pflanzen schädigen, und wirken so wie eine natürliche Schädlingskontrolle. Gleichzeitig sind sie ein Bioindikator, weil sie in unserem Siedlungsraum leben. Geht es dem Igel schlecht, stimmt oft etwas in unserem Lebensraum nicht. Der Igel gilt in der Schweiz als potenziell gefährdet. Warum? Es ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Verdichtung, weniger Grünflächen, mehr Verkehr und eine zunehmende Population von Dachsen. Diese gehören zu den natürlichen Feinden des Igels. Hinzu kommen Pestizide, Mähroboter und monotone Gärten ohne Nahrung für die Säugetiere. Für Igel, die sich durch viele Gärten bewegen, werden Hindernisse und Gefahren immer häufiger. Was war das Ziel des Projekts «Igel im Birstal ­gesucht»? Wir wollten besser verstehen, wo Igel im Birstal vorkommen. Dafür haben wir das Gebiet in Raster unterteilt. Freiwillige stellten Spurentunnel auf, kontrollierten diese über fünf Nächte und sammelten Daten. Ergänzt wurde das durch Meldungen aus der Bevölkerung.

Und was zeigen die Ergebnisse? Die Situation ist stabil: Mit rund 28 bis 29 Igeln pro Quadratkilometer liegt das Birstal im Durchschnitt und steht besser da als noch vor einigen Jahren. Aber es ist noch ­lange kein Grund, sich zurückzulehnen. Was können wir konkret für Igel tun? Schon kleine Massnahmen fruchten. Entscheidend ist, dass Igel überhaupt Zugang zu unseren Gärten haben. Schon zehn Zentimeter vom Boden aus reichen, damit er durchkommt. Blumenwiesen statt englischer Rasen, Verzicht auf Pestizide und ein vorsichtiger Umgang mit Mährobotern unterstützen sie zusätzlich. Auch offene Komposte sind wegen der Insekten, die angezogen werden, für Igel wie ein Schlaraffenland. Letztlich profitieren davon nicht nur Igel, sondern die gesamte Biodiversität in unseren Siedlungen. Kann sich die Igelpopulation in der Schweiz ­­ wieder erholen? Die zunehmende Verdichtung, Versiegelung, Automatisierung – etwa durch Mähroboter – und die oft sterile Gestaltung von Gärten bereiten mir Sorgen. Wenn diese Entwicklung anhält, wirkt sich das negativ auf den Igel aus. Wenn wir jedoch gegensteuern und unsere Lebensräume wieder vielfältiger gestalten, bin ich zuversichtlich, dass sich die Bestände erholen können.

IWB fördert im Zeichen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie Projekte, die unter anderem in den Bereichen Klima, Mobilität oder Naturschutz Gutes bewirken. «Igel im Birstal gesucht» ist eines dieser Projekte. Erfahren Sie mehr:

iwb.ch/projektfoerderung

E2 Juni 2026

31


10 .0 6. 08 20.11. 26

LABOURING

ES BODIES BO Bild: Ernestyna Orlowska, Make Your Body Your Machine, 2021 © Ernestyna Orlowska. Foto: Margot Roth


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
IWB-E2-2-26-2-lowres by Redact - Issuu