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Meine beste Hochzeitsrede

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Meine beste Hochzeitsrede am 15. Juli 2017 Was ich sagte und was nicht (weil Ingrid mir verbat) Ingrid (I) sitzt auf einem Stuhl neben mir, um die vorbereiteten Einwürfe vorzubringen. Ja – wir feiern heute 500 Jahre Reformation (Einstiegs-Überraschung um Aufmerksamkeit wecken) Jede Hochzeit ist ja ein großer Liebesbeweis -

Der erste fand auf Mauritius statt (nicht erläutert: die Reise hat Johanna allein finanziert) Der zweite heute

Liebes Brautpaar, liebe Hochzeitsgäste! Heute freuen wir uns, Eure Hochzeit, die von Johanna und Julian – feiern zu können 

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Nachdem Ihr Euch bereits seit 17 Jahren kennt Julian: „Da waren wir erst 17!“ K:“ das wollte ich noch sagen, das hast Du mir jetzt vorweg genommen“ Und vor 17 Jahren ward Ihr auch erst 17 Jahre alt und jetzt hat es endlich geklappt

Stoßen wir auf das Wohl unseres Brautpaars an!

Wir freuen uns, dass Ihr geheiratet habt, obwohl es warnende Stimmen gibt, die vor der Ehe warnen. Gedicht: Warnung vor der Ehe Sie hat nichts und Du desgleichen, dennoch wollt Ihr, wie ich sehe, zu dem Band der heil'gen Ehe Euch bereits die Hände reichen. Kinder, seid Ihr denn bei Sinnen? Überlegt Euch das Kapitel! Ohne die gehör'gen Mittel soll man keinen Krieg beginnen (Wilhelm Busch) Ihr habt ja nun die Mittel gesammelt, um für den Ehekrieg gewappnet zu sein. Obwohl in unserem Land nur etwa 50 % der Personen verheiratet sind, habt Ihr Euch nicht davon abbringen lassen. Wir machen hier gleich mal einen Test: Wer ist verheiratet? Hand Hoch! (deutliche Mehrheit) Wer ist Single? (ganz wenige) Wer enthält sich der Stimme? (niemand) Also mehrheitlich angenommen - damit hätten wir diesen Punkt erledigt


Wir freuen uns aber auch, dass Joe in eine Familie hineingeheiratet hat, die wir mögen! Ich mag den üblichen Satz nicht so gerne: „ wir haben eine Tochter abgegeben…….:“ I:“und einen Schwiegersohn dafür gewonnen“ Ja. Ja – ich kenne meinen Text Was ich sagen will ist doch nur, dass dieser Satz so nicht stimmt, denn wir haben alle dazugewonnen und nichts verloren. Und darauf trinken wir einen!

Und Ihr feiert euer erstes Kennenlernen jedes Jahr, das ist eine gute Einrichtung! Nachdem Ihr das macht, habe ich auch das Datum unseres ersten Kennenlernens rekonstruiert. Robert: „wann war das?“ Seit 39 Jahren sind wir (Ingrid und Klaus) verheiratet und seit 40 Jahren kennen wir uns; es war am 15. April vor vierzig Jahren, als wir uns das erste Mal sahen. Robert: “vor vierzig Jahren gab es doch noch gar kein Handy“ (ich glaube, da hat er was durcheinander gebracht). An was erinnern wir uns noch, als eure Beziehung anfing?  I: „Es kam eine Nachricht auf Ihr Handy nach dem ersten treffen, dass July die Johanna wiedersehen möchte. Als sie das las, bekam sie strahlende Augen!“  Danach kamen Blumensträuße in unser Haus und zwar immer größere  Und es standen bald Rostlauben vor unserem Haus, zuserst ein roter Golf und dann ein roter Daihatsu

Was auch bewundernswert ist, ist die Tatsache, dass Ihr trotz eurer Gegensätze immer beieinander geblieben seid: Gegensätze machen ja auch den Reiz einer Beziehung aus. Gegensätzliche Interessen: Er trinkt kein Bier, schwimmt nicht, reitet nicht, tanzt nicht, raucht, geht nicht in Konzerte, sieht gerne Fußball Sie reitet, schwimmt, tanzt, singt, geht gerne in Konzerte, raucht nicht, trinkt gerne Ginger Ale und andere Biere Ihr habt aber auch sehr viele gemeinsame Interessen und Pläne verwirklicht und keine Zeit vergeudet 

Ihr habt ja in den 17 Jahren Eure Berufe erarbeitet, eine berufliche Existenz aufgebaut und einen gemeinsamen Hausstand gegründet (vor 2 ½ Jahren)


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Ihr macht auch viele gemeinsame Unternehmungen Z. B. geht Ihr gerne Schwammerl suchen

I: „Sie geht schon gern in den Wald mit, um Schwammerl zu suchen, isst sie aber nicht!“ Julian: „ich esse sie aber alle!“ Jedenfalls habt Ihr die richtigen Entscheidungen getroffen:   

Ihr habt den richtigen Partner gewählt Ihr habt den richtigen Beruf ergriffen Ihr habt die richtige Wahl des Lebensmittelpunkts getroffen

Wir sind wirklich stolz auf euch! Es ist ja heute schon einiges über die Liebe gesagt worden. Die Liebe ist auch ein Lieblingsthema von mir. Deshalb möchte ich dazu noch einiges sagen. Die Liebe ist ja an der Spitze aller Tugenden/Talente des Menschen. Man heiratet aber nicht immer aus Liebe. Das kommt im folgenden Gedicht zum Ausdruck: Warum heiratet man Der eine tuts um die Dukaten, der zweite um ein hübsch Gesicht, der dritte darf nicht länger warten, der vierte, weil Mama so spricht. Der fünfte will sich einmal setzen, der sechste ist nicht gern allein, der siebte hofft, sich zu ergötzen, der achte möcht auch einmal frein, beim neunten sind es Mitleidstriebe, doch ihr - ihr heiratet sicher nur aus Liebe. (Wilhelm Busch) Also, man heirate nicht nur, um einen gemeinsamen Hausstand zu gründen, sondern auch aus folgendem Grund:

Hochzeits-Spruch Viel Freude macht, wie männiglich bekannt, für Mann und Weib der heilige Ehestand (kirchlich). Und lieblich ist es für den Frommen, der die Genehmigung (zivilrechtlich) dazu bekommen, wenn er sodann, nach der üblichen Frist glücklicher Vater und Mutter ist. Ihr macht ja auch für die Zukunft Pläne und wir wünschen Euch, dass sie euch gelingen mögen! Darauf trinken wir einen!


Aber sollte die Liebe einmal nachlassen, so habe ich hier einige Tricks, wie man sie wiederbeleben/animieren kann: 1. Man kann nach Vancouver fliegen und dort zu zweit über die Hängebrücke gehen. Das gibt den nötigen Kick: Man braucht aber gar nicht so weit zu fliegen. Auch in Deutschland sind sie drauf gekommen, so etwas zu bauen. Erst vor kurzem wurde die Hängebrücke über das tiefe Rappbodetal eingeweiht. Das bewirkt das gleiche. 2. Oder man benutzt diesen Zauberspray (Sprayflasche mit Trinkwasser gefüllt). Ich zeige das mal. (Hildegard stellt sich zur Verfügung. “Bitte nicht in die Haare! Ich sprühe sie an und sie fällt mir vor Liebe in die Arme. Das hat funktioniert, das ist der Beweis!“ 3. Oder Ihr probiert selber etwas aus und sagt uns dann, wie es funktioniert hat! Bei den 17 Jahren, die eure Beziehung bis zur Hochzeit gedauert hat, könnte man noch ins Grübeln kommen, warum das so lange gedauert hat. Es war auf jeden Fall keine vergeudete Zeit. Ich habe aber noch eine andere Erklärung dafür gefunden. Wir kommen ja aus Oberbayern und waren das großstadtleben gewöhnt. Und wir mussten uns erst an das schwäbische Dorfleben gewöhnen. Die Gewohnheiten sind da ganz anders. Beispiel: In einem ländlichen Dorf geht es ganz anders zu als im großstädtischen Leben. Im Dorf ist der Dorfschullehrer am Sonntag Organist - ab Montag fährt er seinen Mist aufs Feld - morgens geht er in den Schweinestall - und so weiter. Und was er auf der Hochzeit nicht alles frisst und nicht schafft, das steckt er ein. Und wird im Dorf ein Kind getauft, dann könnt ihr sehen, wie er sauft. I: Und was macht der Dorfpfarrer? K: der ist immer unterwegs, Fahnenweihe, Bauhöfe einweihen, Vereinsfeiern besuchen etc. K: Den Dorfpfarrer und den Dorfpastor haben wir doch heute schon erlebt! Jedenfalls muss man sich als Zugewanderte mit diesen Gepflogenheiten vertraut machen. Aber auch die Sprache ist ganz anders. Ich bringe hier mal ein Beispiel: „Des Thema hot grad schu a enorms Gwicht“ Ach weisch, drähe kasch grad wie ‘de wid, momentan isch schu a ziemle blede Zit! It fir ies, noai mir hends reacht aber gnüe ondra Lit goht`s grad wirkle schleacht. I mui die wo gend, fu do wo se kummed weil ’se wissed, sus weared ’se uf am Friedhof verummed…………….. (Aus der AZ vom letzten Montag den 09. Juli 2017) [Der ganze Text wurde mit dem Sonderpreis der Augsburger Allgemeinen ausgezeichnet, die einen Wettbewerb um die besten schwäbischen Geschichten ausrief.] Und an der Integration arbeiten wir heute noch!


Durch Eure Liebes-Beziehung haben sich für uns ganz neue Ansichten und Perspektive ergeben, für die wir dankbar sind. Jedenfalls wünschen wir von Herzen, dass Eure gemeinsamen Planungen in Erfüllung gehen und dass ihr einmal eine große Ernte einfahren könnt; wir hoffen für Euch auf  

ein größeres Häuschen mit Garten und mit vielen Kindern!

Und darauf stoßen wir an! Auf das Wohl unseres Brautpaars! Herzlichen Dank! Die Aufrufe zum Prosten sind hier zeitlich nach der Erinnerung eingefügt, sie waren oft und möglicherweise auch an anderer Stelle.

Was ich nicht sagen durfte: Tischreden Mein Freund, bedenke dieses wohl: Das Essen und der Alkohol, indem wir uns daran erlaben, erwecken uns die Rednergaben! Dann steht der Mensch, klopft an das Glas und sagt wohl dies und sonst noch was, doch äußerst selten etwas Gutes. Der Kreislauf des beschwerten Blutes, Verdauung und der Magensaft sind hinderlich der Geisteskraft. Und im Gehirn entstehen Blasen, und alle Worte werden Phrasen. Und alles, was man sonst verschluckt, das wird am nächsten Tag gedruckt, der Weingeist, die Begeisterung... Wenn man dann selber nüchtern ist, liest man erstaunt den eignen Mist. Drum, außer in dem engsten Kreise: O spreche nie verdauungsweise! Bleib sitzen! Klopfe nicht ans Glas! Und drückt dich nach dem Essen was, lass lieber einen Stillen fahren! Das wissen nur, die um dich waren (Ludwig Thoma)


Eröffnungshymne Was ist schwärzer als die Kohle? Als die Tinte? Als der Ruß? Schwärzer noch als Rab' und Dohle Und des Negers Vorderfuß? Sag mir doch, wer dieses kennt! – Bayerns neues Parlament. Und wo sind die dicksten Köpfe? Dicke Köpfe gibt es viel, Denken wir nur an Geschöpfe Wie Rhinozeross' im Nil. Dick're hat – o Sakrament! – Bayerns neues Parlament. Wer ist frömmer als die Taube? Als die milchgefüllte Kuh? Als der Kapuzinerglaube Und das fromme Lamm dazu? Frömmer ist das Regiment In dem neuen Parlament. Und was ist das Allerdümmste? Schon noch dümmer als wie dumm? Sagt mir gleich das Allerschlimmste, Aber ratet nicht herum! Sag' mir endlich, wer es kennt! Himmelherrgottsakrament! (Ludwig Thoma) Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens Der Mensch lebt durch den Kopf der Kopf reicht ihm nicht aus versuch es nur; von deinem Kopf lebt höchstens eine Laus. Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug niemals merkt er eben allen Lug und Trug. Ja; mach nur einen Plan sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch´nen zweiten Plan gehn tun sie beide nicht.


Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlecht genug: doch sein höh´res Streben ist ein schöner Zug. Ja; renn nur nach dem Glück doch renne nicht zu sehr! Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher. Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht anspruchslos genug drum ist all sein Streben nur ein Selbstbetrug. Der Mensch ist gar nicht gut drum hau ihn auf den Hut hast du ihn auf den Hut gehaut dann wird er vielleicht gut. Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht gut genug darum haut ihn eben ruhig auf den Hut. (Bertold Brecht) Diese Gedichte waren als unterhaltsame Lückenfüller gedacht. Ingrid war dagegen.

Klaus Kruis Wiesenweg 5 86507 Kleinaitingen

Stand 18.07.2017


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