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Hochzeitsrede Endfassung

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Hochzeitsrede Endfassung Liebes Hochzeitspaar, liebe Hochzeitsgäste, heute feiern wir das schönste Fest der Liebe und zwar die Hochzeit von Barbara und Tobias und dass diese Liebe darin mündet, den Bund der Ehe für immer zu schließen. Zwei bessere Hälften haben sich gefunden und zu einer Partnerschaft zusammengeschlossen. Was gibt es Schöneres, als sich anlässlich dieser Feier mit dem Thema Liebe zu befassen? Was ist die Liebe? Mit der Frage habe ich mich eigentlich zuerst in der Pubertät befasst, in der man in einen unvorhergesehenen und hormongesteuerten Gefühlsstrudel gerät. Ich erinnere mich, wie wohl die meisten von Euch noch ganz heftig daran, wenn ich eine neue Beziehung zu einem Mädchen meinen Eltern gegenüber damit begründete, dass es Liebe war, die mich zu ihm hinzog. Und meine Mama anstellte damals die Frage, was weißt Du schon was Liebe ist? Und sie hatte natürlich recht. Aber die Antwort war damals sehr unbefriedigend. Wenn man gerade dabei ist, von neuen seelischen und sexuellen Bedürfnissen getrieben zu werden und diese dann mit schulischen Forderungen und elterlichen Erziehungsmaßnahmen in Einklang zu bringen. Ähnlich wird es auch Euch gegangen sein. Die Pille, die es damals noch nicht gab, hat uns Eltern als der nachfolgenden Generation doch eine Menge Sorgen genommen! Was ist Liebe? Man kann sich dem Thema über die Biologie, die Psychologie, die Soziologie und die Religion nähern. Da erfährt man schon sehr viel über die Mutterliebe, Selbstliebe, erotische Liebe, selbstlosen Liebe. Aber am besten kann man sich dem Thema Liebe über die Philosophie nähern. Und da gibt die Philosophie eine erstaunlich klare und verständliche Antwort: Was ist Liebe? Liebe ist eine Tugend. Nun müsste man die Frage stellen, was ist Tugend? Ich will es kurz machen und daher sagen es gibt viele Tugenden und Untugenden. Die einfachste Tugend ist die Höflichkeit (z.B. bitte und danke zu sagen) Dann gibt es Tugenden – wie man sie auch bei Wikipedia nachschlagen kann – wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Großherzigkeit, Mut, Sanftmut und Mitgefühl diese Tugenden sind gelebte Werte, die Basis sind für ein glückliches und erfülltes Leben im Gegensatz zu Hass, Egoismus, Gewalt und Grausamkeit. Die Liebe ist die höchste Tugend, was auch die christlichen Religionen erkannt haben, wenn man an die Agape und die Philia denkt. Also liebes Brautpaar, liebe Eltern hier habt Ihr meine Antwort auf die Frage, was ist Liebe. Alle anderen Antworten wie ein unordentliches Gefühl, hormonell gesteuerte Triebe können nicht so befriedigen wie die Antworten der Philosophen Aristoteles, Spinoza, Blaise Pascal oder des modernen Philosophen Andre Comte-Sponville in ihren Tugend-Lehren. Die Liebe ist die höchste und die schönste Tugend in der Hierarchie der Tugenden. Liebe ist die höchste tätige Tugend. Und noch eins: Die Liebe braucht keine Verpflichtungen, keine Moral, keine Gesetze. Wenn man aus Liebe handelt, handelt man richtig. Das ist die Essenz der christlichen Botschaft. Damit möchte ich meinen kleinen Exkurs über die Liebe schon wieder abschließen. Wir feiern heute, dass Eure Liebe Euch zueinander geführt hat und Ihr dies vor vielen Menschen, vor Gott und der Welt bezeugt und durch den Trauschein besiegelt habt. Und wir freuen uns an Eurem Glück. Das ist auch ein Zeichen unserer Liebe, denn es ist auch 1


Liebe, sich am Glück anderer zu erfreuen. Insofern ist jede Hochzeit eine zweifache Liebesbekundung, wenn nicht sogar mehrfache Liebesbezeugung, von Eurer Seite als Brautpaar und von unserer Seite, die wir an Eurer Feier teilnehmen dürfen. Und wir freuen uns, Barbara, dass Du unseren Sohn zum Mann genommen hast und dass wir Dich dadurch als Schwiegertochter gewonnen haben. Und Du gewinnst nicht nur eine Familie mit ihrer Verwandtschaft und ihren Geschichten hinzu, umgekehrt gewinnen wir auch einen neuen Verwandtschafts- und Bekanntenkreis hinzu, worüber wir uns sehr freuen. Wir dürfen auch ein wenig Stolz darauf sein, dass Euch dies so gut gelungen ist. Man könnte auch romantisch sagen, eine Hochzeit ist die Feier zweier sich liebender Herzen, die sich ihr Herz geschenkt haben und ihre Familien, Ihre Freunde und Freundinnen und viele Bekannte mit einbeziehen und dieses Fest erst gemeinsam zu einer großen Krönungsfeier machen, in deren Rahmen der Märchenprinz seine Prinzessin zum Altar führt. Und das spiegeln auch die vielen Herzen wider, die einem überall auf dem Wege dahin entgegenstrahlen. Euer Trauspruch lautet kurz, pragmatisch und auch philosophisch romantisch: „Das Geheimnis der Liebe ist, dass sie solche verbindet, deren jedes für sich sein könnte und doch nichts ist und nicht sein kann ohne das andere“. Darin ist zu lesen, dass Ihr einander ins Herz geschlossen habt, dass jeder allein eine selbständige Persönlichkeit ist – aber ohne die Liebe ist jeder nichts. Habt Ihr das so gemeint? Und so ist auch Friedrich Wilhelm Schelling zu verstehen, der das gesagt hat. Eine der nächsten Fragen wäre dann, wie ich es neulich in einer Zeitschrift gelesen habe, was kann man tun, dass die Liebe in einer glücklichen Beziehung dauerhaft anhält und auch Krisen, die möglicherweise kommen werden, sicher übersteht. Da Ihr, Barbara und Tobias, selbständige, auf eigenen Füssen stehende Persönlichkeiten seid, kann ich mir hierzu weitere Ausführungen ersparen. Erstens habt Ihr das Recht, eigene Erfahrungen zu machen und zweitens gibt es Anregungen von so vielen Seiten – auch witzige und ironische dazu, ich möchte hier nur den Sketch erwähnen von Hape Kerkeling, der zu der Frage was Liebe ist, gesagt hat „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!“ Oder den Spruch „man sieht bei der Wahl vorher mir zwei Augen hin und hinterher soll man auch eins zudrücken“. Da zeigt schon, was man für eine gute Ehe braucht und das wisst Ihr so gut wie ich: Toleranz miteinander Respekt voreinander und Solidarität miteinander, also die Interessen des anderen teilen. Aber eines sollte man nicht versuchen: den anderen ändern zu wollen. Das gelingt schon in der Erziehung der Kinder nicht. Man kann nur versuchen die Ansichten, Überzeugungen zu ändern und da kommt schon wieder die Forderung nach Toleranz wieder auf. Wichtig erscheint mir dabei, eine gute Kommunikation, die darf niemals abreißen, denn diese ist oft – wie in so vielen Krimis und Dramen - die Ursache für große Konflikte. Einer meiner Freunde hat mir einmal gesagt, auf die Frage, warum er sich von seiner ersten großen Liebe wieder trennte und eine Andere geheiratet hat: „Ich konnte gut mir ihr reden.“ Aufmerksamkeit, Zuhören, Verstehen und Verständigung – das sind wohl die richtigen Zauberworte. Also nicht so, wie es junge Burschen manchmal sagen: „Komm her, halt’s Mei, passt scho!“ Da wird nichts draus. Die Arbeit aber wird Euch sicher nicht ausgehen, insbesondere wenn ich an den jetzt ausbrechenden Babyboom denke, der hoffentlich bald kommen wird. Denn es gibt nichts Schöneres als eigene Kinder und Enkelkinder zu bekommen. Und wir Eltern und Schwiegereltern Traudl und Wolfgang und Ingrid und ich und sicher auch die neue Schwägerin Johanna und der neue Schwager Martin 2


werden sich darauf freuen. Denn die bekommen dann mögliche Nichten und Neffen, die dann wieder untereinander Cousinen und Cousans sind. Aber zunächst steht die Aufgabe vor Euch, einen gemeinsamen Wohnsitz zu finden und aufzubauen. Ich bin auch hier zuversichtlich dass Euch dieses und vieles mehr gelingen wird und dass wir noch viele schöne Überraschungen erleben werden. Hilfestellung werdet Ihr von uns immer gerne bekommen aber Ratschläge werdet Ihr von uns wohl kaum brauchen. Ich glaube eher, dass wir von Euch noch etwas lernen können. Und manches bleibt sicher Euer Geheimnis, wie Ihr das fertig gebracht habt. Und vieles verdient unseren ganzen Respekt und unsere große Bewunderung, insbesondere Eure beruflichen Karrieren, Euer erstes Kennenlernen in Washington, die Pflege und Weiterentwicklung Eurer Beziehung zueinander in der Fernbeziehung zwischen Brüssel und München, wobei die Stammlande Augsburg und Tegernsee nicht aus den Augen verloren werden. In diesem Zusammenhang möchte ich meinen Dank auch aussprechen dafür, dass Dein Doktorvater Herr Professor Streintz aus München und Dein ehemaliger Mitarbeiter Herr Christoph Herrmann aus Regensburg, der inzwischen auch Professor geworden ist, dass sie hierher gekommen sind, wie auch Dein Studienfreund Philipp Reuss, um nur einige zu nennen, die mir jetzt einfallen. Aber auch besonders hochbetagte Gäste möchte ich nennen, meine Stiefmutter Julia und meine Schwiegermutter Hildegard, beide über 86 Jahre alt. In diesem Zusammenhang wäre auch die Frage interessant, wie die Familien, in denen Ihr aufgewachsen seid und die somit schon Vorbilder für Eure beginnende Ehe waren, inwieweit diese Eure Vorstellungen für die Ehe geprägt haben. Dieses Thema wird uns, so hoffe ich ein Leben lang begleiten, so lange wir dies erleben dürfen und darauf freue ich mich mit meiner Frau Ingrid ganz besonders. Darüber werden wir uns sicher gerne noch oft unterhalten. Aber die aktuellen und zukünftigen Themen werden uns vielmehr beschäftigen. Und das ist gut so! Dieses ist heute meine erste Hochzeitsrede und Ihr habt Euch sie anhören müssen! Ich danke euch dafür. Ich hoffe sehr, dass dies nicht meine letzte Hochzeitsrede ist. Und wenn ich mich so umsehe, könnte ich meinen, dass der Babyboom auch noch anderswo ausbricht. Und ich möchte sie jetzt beenden mit den besten Glückwünschen an Euch, Barbara und Tobias für den Start in eine glückliche und erfüllte Ehebeziehung. Darauf bitte ich jetzt mit mir gemeinsam mit Euch, auf das Hochzeitspaar, anzustoßen! K. Kruis Wiesenweg 5 86507 Kleinaitingen

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Hochzeitsrede Endfassung by Kruis Klaus - Issuu