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Das Christentum und sein Wahrheitsanspruch Ist die Erscheinung des Gottessohnes Jesus eine Randerscheinung im Laufe der Evolution? Wenn man überlegt, dass der Kosmos vor ca. 15 Milliarden Jahren entstand, das Sonnensystem vor ca. 4,5 Milliarden Jahren, dass sich das Leben sich vor ca. 3,5 Milliarden Jahren entwickelte und dass die ersten Hominiden vor ca. 4,5 Millionen auftraten, der Homo Sapiens vor ca. 100.000 Jahren, und dass Gott erst vor 2000 Jahren gemerkt hat, er müsse in die Evolution eingreifen, damit nicht alles schief läuft und erkannt hat, er müsse seinen Sohn senden, um die Menschen zu erlösen, dann wirft das einige Fragen auf. Warum (erste Frage) sandte Gott einen Sohn (warum einen Sohn und nicht eine Tochter oder Sohn und Tochter oder mehrere Kinder oder andere Wesen oder Personen) erst vor 2000 Jahren auf die Erde? Hat er erst jetzt gemerkt, dass er Fehler gemacht hat und jetzt in seine Schöpfung rettend eingreifen muss, weil sein Geschöpf Mensch so schlecht geraten ist? Offensichtlich ist Gott nicht so vollkommen, dass ihm alles gelingt. Und die zweite Frage wäre gleich, ist der rettende Eingriff gelungen, hat er etwas bewirkt, was den Menschen zu einem vollkommeneren Wesen macht oder dass die Entwicklung in den richtigen Bahnen verläuft? Was hat eigentlich Jesus bewirkt, hat der Sohn Gottes etwas dazu beigetragen, dass die Menschen friedlicher miteinander umgehen und glücklich werden mit dem, was sie sind und was sie auf der Erde vorfinden? Und gleich die dritte Frage: Angeblich hat Gott den Menschen nach seinem Ebenbilde gemacht. War es in Wirklichkeit nicht anders herum: hat der Mensch Gott nach seinem Ebenbild gemacht und so Religionen und Weltanschauungen geschaffen? Endlich sei noch folgende letzte Frage aufgeworfen: Was würden Sie machen, wenn Sie Gott wären und sehen, die Menschen, die sie lieben, schlagen sich die Köpfe ein und bringen sich gegenseitig um, auch schon aus Gründen unterschiedlicher theologischer Lehrmeinungen und Weltanschauungen? Würden Sie auch ihren eigenen Sohn, den sie lieben, demütigen und abschlachten lassen, wenn Sie alle Macht hätten, ihre Ziele auf andere Weise zu verwirklichen? Offensichtlich – wenn überhaupt – greift Gott in seine Schöpfung nur mit unzureichenden Mitteln ein, oder er schaut nur zu und lässt alles laufen. Zur Schaffung der Christuslegende durch Paulus Es gibt eine ganze Reihe von Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte des Christentums, die dessen Wahrheitsanspruch und damit die Autorität der christlichen Kirchen erschüttert. Ich beziehe mich hier im Wesentlichen auf die Ausführungen von Schalom Ben-Chorin in seinem Buch Paulus (Der Völkerapostel in jüdischer Sicht). Bei diesen weiteren Überlegungen wird klar, wie absurd die zentrale Vorstellung von der Auferstehung des Gottessohnes Jesus eigentlich ist. Zum Glück sind erstaunlich gute Belege aus der Zeit des Paulus erhalten geblieben (Paulus-Briefe), während über Jesus praktisch keine Belege (aus seiner Zeit) vorhanden sind. 1. Beide, Jesus und Paulus haben in sich in der Heilserwartung geirrt. Die Parusie stünde unmittelbar bevor, Tote würden auferstehen und Lebende würden verwandelt werden (gleichzeitig oder später) (I. Kor. 15, 36 – 37, 51, I. Thess 4).

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2. Jesus hat seine Lehrmeinungen auf die Juden, auf Israel beschränkt. Paulus hat seine Lehrmeinungen auf Juden, Griechen und Römer erstreckt. Die Griechen werden oft als Synonym für Heiden gebraucht. 3. Jesus und Paulus vertraten die strengeren Auffassungen der Pharisäer, insoweit waren beide gesetzestreue Pharisäer. Im Gegensatz zu ihnen lehnten die Sadduzäer nach der Hinrichtung von Jesus die Lehrmeinung vom auferstandenen Christus ab. 4. Paulus interessierte sich nicht für die Vita des Jesus und machte auch wenig Gebrauch von seinen Lehrmeinungen; er zitierte ihn nicht. Paulus hat Jesus nicht gekannt und er stieß bei seinen Besuchen in der Urchristengemeinde, insbesondere bei den Aposteln, die Jesus noch zu Lebzeiten erlebten, auf heftigen Widerspruch. Belegt ist auch der Widerspruch, dem Paulus bei seiner Aeropag-Rede begegnete. 5. Paulus löste sich von der Person des Juden (des Rabbi) Jesus und entwickelte so die Legende vom auferstandenen Christus. Dies ist eine typische Legendenbildung, wie wir sie in vielen vergleichbaren Fällen in der Geschichte finden. Eine wenig bekannte Person (bzw. eine Person, die die Autoren der Legende nicht kennen oder wenig interessiert) wird zu einer sagenhaften Persönlichkeit hochstilisiert, wie wir es in der Gilgamesch-, in vielen griechischen oder bei der König Artus-Sage finden, um nur einige zu nennen. Im Unterschied zu anderen Sagen-Figuren setzt hier bei Jesus die Legendenbildung unmittelbar mit seinem Ableben ein. 6. Nachgewiesen ist, dass der Missionsauftrag des Neuen Testaments an die Apostel (geht hin und lehrt alle Völker) erst nachräglich beim Konzil von Nicea eingefügt wurde. 7. Genauso wenig lässt sich belegen, dass Jesus eine Kirche, geschweige eine Universalkirche stiften wollte. Eher lässt sich das Gegenteil belegen. 8. Die gedankliche Konstruktion der Rechtfertigung der Auferstehung, die Kreuzigung sei notwendig gewesen, damit Jesus die Welt erlöst (von ihrer Schuld, von der Erbsünde etc.) ist schon deshalb hinfällig, da nach der Bibel Gott ein verzeihender Gott ist. Der Mensch braucht nach dem Alten Testament nur bereuen (und umkehren) und seine Sünden sind ihm vergeben. Dies macht das Sterben von Jesus überflüssig. Auch Paulus hatte diese Bedenken und gemeint, wenn Jesus nicht auferstanden wäre, wäre er umsonst gestorben. Analog ist auch ein Mittler zwischen Gott und dem Menschen, der ja in der Person von Jesus geben sein soll, obsolet. Insofern sind auch alle seine klerikalen Vertreter bis zum Papst überflüssig. Ich möchte die vorliegenden Darlegungen noch weiter bearbeiten und insbesondere weitere Belege für die Unredlichkeiten bei den offiziellen Bibel-Auslegungen und Äußerungen der Kirche anführen und entsprechende Belegstellen angeben. Bis dahin möge der Hinweis auf die Ausführungen von Ben-Chorin in seinem Paulus-Buch (wie bereits oben angeführt) vorerst genügen. Hierzu gehören viele Ergebnisse der Bibelforschung, die von den christlichen Kirchen unterschlagen oder verschwiegen oder werden. -

Jesus war aller Wahrscheinlichkeit nach verheiratet Er hatte Brüder Er wurde nicht von einer Jungrau geboren, sondern kam auf natürliche Weise zur Welt Paulus schwieg vor Pilatus (er hätte doch auch versuchen können, ihn zu bekehren) Die Legende von den Heiligen drei Königen lässt sich auch sehr gut begründen, da hier typische Merkmale der Legendenbildung enthalten sind (u.a. sie nimmt spätere Ereignisse vorweg)

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Kurios ist auch, dass an einer Stelle Paulus vom Kastrieren des Mannes geschrieben hat. Luther hat dies verharmlosend übersetzt. Jesus und Paulus glaubten an Engel und Dämonen, wie es für die damalige Welt nicht ungewöhnlich war. Auch vom Kampf der Mächte des Lichts gegen die der Dunkelheit ist die Rede. Die Christen haben den Vorwurf in die Welt gesetzt, die Juden sind Schuld für die Hinrichtung von Jesus. Dies war Anlass für viele Kriege, Kreuzzüge und Demütigungen bis hin zum Antisemitismus. Jesus geht von dem Pakt Gottes mit seinem auserwählten Volk, den Juden, aus. Für Paulus existiert dieser Pakt nicht mehr. In der Heilserwartung des Paulus werden alle Menschen Glieder eines Leibes, des Leibes Christus, alle Unterschiede werden aufgehoben. Deshalb finden in der diesseitigen Welt Unterschiede kaum noch Beachtung. Paulus hätte es bei der Einzelerscheinung der Auferstehung des Jesus bewenden lassen können. Er hat diese Möglichkeit jedoch auf alle Menschen erweitert. Vieles, was sich nach dem Tode ereignen soll, passiert angeblich im Himmel. Das ist ein schöner Trick, mit dem man sich Nachweise für die Richtigkeit von Behauptungen ersparen kann. Der häufig ausgesprochene Dank im Kreise von Christen „vergelt´s Gott (im Himmel)“, legt beredtes Zeugnis dafür ab. Dem Wunderglauben der Christen könnte man ein eigenes Kapitel widmen. Wunder (die niemand belegen kann) werden oft herangezogen, um die Heiligkeit bis zur Gottesnatur von Personen zu legitimieren.

Das Dilemma des Christentums Das Christentum ist in einem ständigen Dilemma, weil es die vielen Ungereimtheiten, die sie selbst produziert hat und laufend produziert, insbesondere die vorliegenden, nicht ausräumen kann ohne Gefahr für die Institution Kirche. Andererseits enthält das Christentum so viele liebenswerte Aspekte und hat so viele Werte und Schätze geschaffen, dass man sich nicht davon trennen kann - jedenfalls ist dies auch verständlich. Allerdings gibt es immer wieder Fragen zu besonderen Einstellungen, wie das Zölibat, und zu Ausfallerscheinungen, wie die Pädiatrie von Geistlichen, die vieles in einem fragwürdigen Licht erscheinen lassen. Humanismus und Aufklärung haben dem Menschen eigentlich wesentlich mehr gebracht, wenn man an den Menschen als Träger von Rechten und Pflichten denkt. Die Religion allein hat die Menschen weitgehend rechtlos gehalten und intolerantes Verhalten bis hin zu Morden und Kriegen hat man oft wider besseres Wissen damit gerechtfertigt, dass es Gott so gewollt habe (deo lo vult), die Verantwortung dafür also auf Gott geschoben. Auch bei Ehrenmorden handelt es sich um religiöse Wertvorstellungen von Menschen, bei denen Toleranz und Menschrechte noch nicht angekommen sind. Klaus Kruis Wiesenweg 5 86507 Kleinaitingen

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Das Christentum und sein Wahrheitsanspruch  

Es werden Belege und Gründe dafür angeführt, die den Wahrheitsgehalt der Lehrmeinungen des Chrsitentums in Frage stellen