Skip to main content

Kundenmagazin Prinz von Hessen 2/2022

Page 1

SCHUTZGEBÜHR: 5,00 €

No. 2 / 2020

HISTORIE

INTERVIEW

BERICHT

E I N MAN N M IT WE ITB LI CK

CH I LD H O O D - BARNAH US

F IT AUS D E M GARTE N

BERICHT

PORTRAIT

IMPRESSIONEN

KLE I N . I NTI M . KOS TBAR SO N D E R AUS S TE LLU N G

VO N BAU E R N R EG E LN Ü B E R DAS WE T TE R?

FE I NWE RK & TO RTE N PR ÄM I E RU N G


I N H A LT

E DI T OR I A L

P ORT R A I T

EDITORIAL

VON BAUERNREGELN ÜBER WETTER

S. 3

Die vielfältigen Aufgaben eines Kellermeisters

S. 26 – 29

K U R Z N O T I E RT

KURZ NOTIERT

B E R IC H T

Kurznachrichten aus der Unternehmensgruppe

S. 4 – 5

WOFÜR STEHT EIGENTLICH VDP IM WEINBAU?

H I S T OR I E

Hundertjähriges Bestehen VDP

S. 30 – 31

EIN MANN MIT WEITBLICK

B E R IC H T

Wolfgang Prinz von Hessen (1896-1989)

S. 6 –8

100 % HAFER – 0 % GLUTEN Auf Gut Panker wird glutenfreier Hafer angebaut

I N T E RV I E W

S. 32–33

CHILDHOOD - BARNAHUS Im Gespräch mit der Geschäftsführerin

B E R IC H T

von Childhood Deutschland

AUSBILDUNGSBERUFE

S. 9 – 12

Über die Karrieremöglichkeiten in der Unternehmensgruppe.

S. 34 – 39

R E P ORTAG E

CHILDHOOD - HILFE FÜR MISSHANDELTE KINDER

B E R IC H T

FIT AUS DEM GARTEN

Childhood Award mit Floria Lansgräfin von Hessen

Das Fürstliche Gartenfest zeigt, wie’s geht!

S. 13

S. 40 – 41

I M PR E S S ION E N

FEINWERK & TORTENPRÄMIERUNG

man nun auch schmecken.

KALENDER 05.2020 – 09.2020

S. 21

S. 43

Markt für echte Dinge

S. 14 – 20 S HOP

TORTE PVH Die Unternehmensgruppe Prinz von Hessen kann

B E R IC H T

KLEIN. INTIM. KOSTBAR

I M PR E S S U M

Ausstellung – Porträtminiaturen europäischer Herrscherfamilien“ auf Schloss Fasanerie bei Fulda

IMPRESSUM

S. 22 – 25

S. 44

2


EDITORIAL

SEHR GEEHRTE LESERINNEN UND LESER, lange haben wir überlegt, wie wir diese Zeilen verfassen, ob es überhaupt der richtige Augenblick ist, ein Kundenmagazin zu erstellen – Marketing aufrechtzuerhalten. Als Ergebnis daraus, haben wir uns dafür entschieden, diese Ausgabe einmalig als digitale Version zu versenden. Wir wissen, dass sich für manche von Ihnen, in diesen Zeiten vieles ändert, Sie vielleicht sogar die Pandemie persönlich schmerzhaft zu spüren bekamen oder bekommen. Wir merken auch, wie die Gesellschaft gerade jetzt zusammenrückt, bereit ist, für eine normale Zukunft Opfer zu bringen. Viele von Ihnen, die über Jahre und Jahrzehnte unserem Schlosshotel Kronberg, dem Grandhotel Hessischer Hof, unserem Weingut, den Schlössern Wolfsgarten und Fasanerie oder auch unseren Betrieben in Schleswig-Holstein mit ihrem Hotel „Ole Liese“ die Treue gehalten haben, haben uns angerufen oder geschrieben. Sie haben uns Mut gemacht, als wir aus Verantwortung für unsere Gäste, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entschieden haben, die Betriebe bis auf Weiteres zu schließen. Bekräftigungen für unsere Entscheidung waren Aussagen wie „Dann feiern wir halt im Herbst das Fest nach“ oder „Halten Sie durch, wir kommen dann später“ und auch Ihre Grüße für einen speziellen Mitarbeiter haben uns gezeigt, was für einzigartige Menschen wir in unseren Häusern als Gäste und Freunde begrüßen durften. Und das ist der Grund, warum wir uns entschieden haben Ihnen dennoch – oder gerade deshalb – die zweite Ausgabe des „Prinz von Hessen“-Magazins digital zu präsentieren. Es ist ein Gruß von uns an Sie alle, ein Zeichen der Vorfreude auf den Tag, an dem wir Sie wieder willkommen heißen dürfen. Wir erwarten diesen Moment und Sie sehnsüchtig! Und der erste Gast, der wieder eincheckt, in unseren Restaurants sein Abendessen bestellt, in Jimmy’s Bar den ersten Cocktail trinkt oder unsere neuen Weine unseres Weingutes auf der Terrasse des Schlosshotels probiert, wird diesen Moment nicht wieder vergessen, genauso wie wir. Bis dahin hoffen wir, dass Sie alle gut die Krise überstehen und sich Ihre Lebensfreude erhalten. Herzlichst

Floria Landgräfin von Hessen

Donatus Landgraf von Hessen

3


KURZ NOTIERT

KURZ NOTIERT TEXT: BA R BA R A SI E H L , RICO DENGLER

NEUER DIREKTOR FÜR DAS GRANDHOTEL HESSISCHER HOF

TICKETSHOP FÜR FÜRSTLICHES GARTENFEST UND FEINWERK

Dominik Ritz hat zum 1. Januar 2020 die Leitung des Frankfurter Luxushotels übernommen. Der 36-Jährige war zuletzt General Manager im Delta Hotel by Marriott Frankfurt in Offenbach. Hier verantwortete er die Positionierung des ersten Hauses der Marke Delta in Europa. Parallel dazu bereitete er als Task Force General Manager die Eröffnung von Schloss Lieser vor, welches zur Autograph Collection gehört.

Auch 2020 finden erneut die beliebten Gartenfeste und das bekannte Design-Festival FEINWERK in Schloss Fasanerie und in Schloss Wolfsgarten statt. Tages- und Dauertickets können nicht nur an den bekannten Vorverkaufsstellen und am Veranstaltungsort gekauft werden, sondern auch über den neuen OnlineShop. Wählen Sie die gewünschte Anzahl an Tickets für Ihre Veranstaltung aus und bezahlen Sie mit Kreditkarte, PayPal oder auf Rechnung. Ganz ohne Wartezeit und rund um die Uhr.

4


KURZ NOTIERT

KLEINOD MIT VIEL PERSÖNLICHKEIT Seit 1. Januar gehört das Hotel & Restaurant Ole Liese in der Holsteinischen Schweiz zum Portfolio der Unternehmensgruppe „Prinz von Hessen“. Das Landhotel ist Teil von Gut Panker, einem malerischen Anwesen mit berühmter Trakehnerzucht, Landwirtschaft und einer aktiven Dorfgemeinschaft. Das modern ausgestattete Landhotel-Restaurant stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist nach dem Lieblingsreitpferd des Fürsten von Hessenstein benannt. Es verfügt über 23 komfortable Zimmer und Suiten, geschmackvoll eingerichtet mit skandinavischen Holzmöbeln, und ist dank seiner beiden Restaurants insbesondere Genießern ein Begriff.

POSAMENTEN – EDLE VERZIERUNGEN FÜR NOBLES MOBILIAR

P O SA M E N T E N

Es ist einer der wenigen Betriebe in Deutschland, die noch kunstvolle Quasten, Borten und Kordeln herstellen. Die Posamenten der Firma Scheuerle aus Frankfurt werden in alle Welt geliefert. Sie zieren die Vorhänge eines arabischen Scheichs, dienen als Absperrkordeln in der Semperoper in Wien oder im Münchner Residenztheater. In vielen Schlössern sind schwere Vorhänge mit Raffhaltern aus Frankfurt drapiert. Auch in den Hotels der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen finden sich solch exklusive Posamenten, ebenso wie in den Schlössern Wolfsgarten und Fasanerie. Die Frankfurter Posamenten- Werkstätten bieten ein überwältigendes Farberlebnis: Hier lagern Biesen, Borten, Schnüre und Tausende von Garnrollen in allen erdenklichen Farbvariationen - Basismaterial selbst für die ausgefallensten Sonderwünsche der Kunden.

5


HISTORIE

EIN MANN MIT WEITBLICK Wolfgang Prinz von Hessen (1896-1989) TEXT: R A I N E R VO N H E S S E N

Das Landgrafenpaar Margarethe und Friedrich Karl auf der Nordtreppe von Schloss Friedrichshof (1903) V.l.: Friedrich Wilhelm, Christoph, Philipp, Richard, Maximilian, Wolfgang

Der Zwillingsbruder von Philipp Landgraf von Hessen (1896-1980) leitete 38 Jahre lang die Hausstiftung als Geschäftsführer. Die Biografie des Prinzen ist symptomatisch für den Identitätswandel seines ehemals privilegierten Standes im 20. Jahrhundert. Im Kaiserreich geboren, war er Zeuge einer Revolution, nahm an zwei Weltkriegen teil, erlebte zwei Besatzungszeiten, zwei Republiken, eine Diktatur und die deutsche Teilung. Er starb wenige Monate vor dem Mauerfall. Der vierte Sohn des Landgrafenpaares Friedrich Karl (1868-1940) und Margarethe, Prinzessin von Preußen (1872-1954), wurde auf eigenen Wunsch in der Kadettenanstalt Berlin-Lichterfelde erzogen. Im August 1914 ritt er, kaum 18-jährig, mit seinem Ulanenregiment in den Krieg, in dem er die beiden ältesten Brüder verlor. In den letzten Kriegsmonaten 1918 wurde Wolfgang von der Nachricht überrascht, dass sein Vater vom finnischen Landtag zum König gewählt und er selbst zum Thronfolger bestimmt sei. Doch die skurrile Episode fand mit dem Thronverzicht des Vaters – noch ehe er ihn bestiegen hatte – infolge des Zusammenbruchs des deutschen Kaiserreichs im Dezember 1918 ihr Ende. Nach dem Krieg machte der Prinz unter dem bürgerlichen Namen Wildhof eine Lehre beim Bankhaus Bethmann in Frankfurt. Danach arbeitete er als Bankkaufmann bei M.M. Warburg in Hamburg und New York. 1924 heiratete er Marie Alexandra, die Tochter des letzten kaiserlichen Reichskanzlers Prinz Max von Baden, bezog eine Villa in Frankfurt und arbeitete bei der Industrie- und Handelskammer in Wiesbaden.

6


HISTORIE

DIE WIRTSCHAFTLICHE STRUKTUR, DIE ER VOR 70 JAHREN AUF DIE BEINE STELLTE, IST HEUTE IDENTISCH MIT DEN BETRIEBEN DER UNTERNEHMENSGRUPPE PRINZ VON HESSEN

Das Brautpaar Marie Alexandra und Wolfgang 1924

Zu Beginn des NS-Regimes 1933 wurde Wolfgang, der sich wie seine Brüder in der Nazipartei und ihren Gliederungen engagierte, vom preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring, einem ehemaligen Kameraden der Kadettenzeit, auf den Landratsposten in Bad Homburg gehoben. 1940 meldete Wolfgang sich zur Wehrmacht und kam als Rittmeister der Reserve in Norwegen und Finnland zum Einsatz. Aufgrund von Hitlers geheimem „Prinzenerlass“ gegen „international versippte“ ehemalige Fürstenhäuser wurde er 1943 aus der Wehrmacht entlassen und geriet bei Kriegsende für ein Jahr in amerikanische Internierungshaft. Bis zu seinem Entnazifizierungsverfahren stand sein Vermögen unter Treuhandschaft. Sie wurde 1948 aufgehoben, als ihn die Spruchkammer Bad Homburg als ‚unbelastet‘ einstufte, was einem Freispruch gleichkam. Als Wolfgang 1948 im Einvernehmen mit seinem Bruder Philipp die Geschäftsführung der Familienstiftung übernahm, die zwanzig Jahre zuvor als Kurhessische Hausstiftung errichtet wurde, gab man ihr allgemein keine große Chance. Infolge des Luftkriegs war Schloss Rumpenheim, der Geburtsort der Brüder (bei Offenbach), ausgebrannt und Schloss Fasanerie (bei Fulda) schwer beschädigt. Wolfgangs Frankfurter Wohnhaus lag in Trümmern. Der Privatbesitz der Hessens, Schloss Friedrichshof (in Kronberg), das ihre Großmutter Kaiserin Friedrich hinterlassen hatte, blieb zwar verschont, wurde aber vorerst von der US-Siegermacht besetzt, die es als Offizierskasino benutzte.

Ein Museum für das gerettete Kunsterbe Als Erstes gingen er und Philipp daran, die Kriegsschäden des Barockschlosses Fasanerie zu beseitigen. Für sie bestand die vordringliche Aufgabe der Stiftung darin, dort ein Museum einzurichten, welches das gerettete Kunsterbe der Linie Hessen-Kassel dauerhaft für die Allgemeinheit sichern sollte. Während Philipp in 30-jähriger Arbeit sein museales Lebenswerk schuf, stand Wolfgang als Geschäftsführer vor dem Problem, wie die Unterhaltskosten, die durch Besucher nicht annähernd gedeckt wurden, durch nachhaltige Einnahmen anderer Stiftungsbetriebe erwirtschaftet werden könnten. Prinz Wolfgang als designierter finnischer Thronfolger 1918

Wolfgang traf nun zukunftweisende Entscheidungen: Die wirtschaftliche Struktur, die er vor 70 Jahren auf die Beine stellte, ist heute identisch mit den Betrieben der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen. Die Ruine Rumpenheim wurde an die Stadt Offenbach verkauft. Anstatt sein privates Wohnhaus in der Nähe des Frankfurter Messegeländes wieder aufzubauen, errichtete er dort das Hotel Hessischer Hof. Als Schloss Friedrichshof von den Amerikanern geräumt wurde, machten die Brüder daraus das Schlosshotel Kronberg und aus dem Park einen Golfplatz.

7


HISTORIE

Der 80. Geburtstag von Landgraf Philipp und Prinz Wolfgang in der Bibliothek des Schlosshotels am 6.11.1976

In Panker und Schmoel, den holsteinischen Gütern der Hausstiftung, wurden Trakehnerpferde aus Gestüten aufgenommen, die aus Ostpreußen vertrieben worden waren. Nach und nach wurde die Milchviehwirtschaft auf Feldwirtschaft umgestellt. Sie zählt heute zu den verlässlichsten Einnahmequellen der Stiftung. Mit dem Erlös privaten Waldbesitzes, der als Bauland an die Stadt Offenbach verkauft wurde, erwarben die Brüder unter anderem das Johannisberg-Weingut im Rheingau. Prinzessin Otti und Wolfgang, mit dem finnischen Orden, den ihm der finnische Generalkonsul 1985 überbrachte

Als die Hotels und das Weingut, die zum Privateigentum der Familie gehörten, sich als solide Einnahmequellen erwiesen, überzeugte Wolfgang die Brüder davon, sie als Schenkung auf die Stiftung zu übertragen. So war deren Überleben mittelfristig gesichert. In seiner Arbeit wurde Wolfgang von seiner zweiten Frau unterstützt. Die gebürtige Frankfurterin Otti Möller (1903-1991) hatte vor dem Krieg ein Modegeschäft in der Kaiserstraße besessen. Sie kümmerte sich um die Inneneneinrichtung der Gästezimmer in den Hotels, während die Repräsentativräume und Säle ihr Schwager Philipp ausgestaltete. Wolfgangs erste Frau war 1944 bei einem Luftangriff ums Leben gekommen. Beide Ehen blieben kinderlos. Im Gegensatz zu seinem entschiedenen Führungsstil waren Wolfgangs Lebensführung und Auftreten bescheiden. Für die Tätigkeit als Geschäftsführer nahm er kein Gehalt. Den Großteil seines Vermögens, darunter die Fasanerie bei Hanau mit Golfplatz und Restaurant, übermachte er zu Lebzeiten der Hausstiftung.

Aus Kurhessische wird Hessische Hausstiftung 1986 löste den 90-Jährigen sein Neffe Moritz in der Geschäftsführung ab. Landgraf Moritz (1926-2013), der seinem Vater Philipp 1980 als Familienoberhaupt nachgefolgt war, hatte bereits seit längerer Zeit in der Geschäftsleitung mitgearbeitet. Im selben Jahr (1986) wurde aus der Kurhessischen die Hessische Hausstiftung, infolge der Zustiftung des darmstädtischen Kulturbesitzes durch die kinderlose Witwe des letzten großherzoglichen Erben, Margaret Prinzessin von Hessen und bei Rhein (1913-1997). Seit der Landesteilung durch Landgraf Philipp den Großmütigen 1567 war nun das Kulturerbe der kurfürstlichen und der großherzoglichen Linien wieder vereint. Damit kamen auf Landgraf Moritz und die Hausstiftung neue Herausforderungen zu, die in einem weiteren Kapitel der Familiengeschichte erzählt werden.

8


I N T E RV I E W

BARNA-

HUS Im Gespräch: Andrea Möhringer, Geschäftsführerin von Childhood Deutschland DA S I N T E RV I E W F Ü H R T E BA R BA R A SI E H L

9


I N T E RV I E W

die Technik Fragen an das Kind stellen. Findet die Befragung durch einen Richter, eine Richterin statt, kann die Aufzeichnung vor Gericht als Beweismittel dienen, was dem Kind den Gang ins Gericht ersparen kann. Die beiden bisher eröffneten Häuser in Leipzig und Heidelberg, sowie die in 2020 hinzukommenden Häuser in Berlin und Hamburg sind an eine Kinderklinik angebunden und bauen auf der dort bestehenden Infrastruktur auf, was große Vorteile birgt. Wir sind von der positiven Resonanz und dem großen Interesse an dem Modell überrascht, und wir führen Gespräche mit Interessierten in vielen Städten deutschlandweit. Ganz besonders gefreut hat uns die Zusage des Hessischen Ministerpräsidenten Bouffier, in Hessen ein Childhood-Haus zu etablieren. Und wir sind sehr dankbar für die wunderbare Unterstützung, die wir von unserem Kuratoriumsmitglied, I.K.H. Landgräfin Floria bei der Planung dieses Vorhabens erhalten!

Ein Childhood-Haus - was muss man sich darunter vorstellen? Es gibt bereits zwei solcher Einrichtungen in Deutschland, eine in Leipzig, das zweite Haus wurde vor kurzem in Heidelberg eröffnet. Nun darf man ein weiteres auch in Hessen erwarten. Was ist das Besondere an diesem Konzept? Andrea Möhringer: Ein Childhood-Haus ist ein sicherer und kinderfreundlicher Ort, in dem das Konzept der interdisziplinären Versorgung und rechtlichen Fallabklärung unter einem Dach umgesetzt wird. Dorthin kommen Kinder und Jugendliche, die sexuellen Missbrauch oder massive Gewalt erlebt haben. Sie erhalten dort medizinische und psychologische Hilfe und Unterstützung, werden untersucht und können alle für das spätere Ermittlungsverfahren notwendigen Aussagen in einer sicheren Umgebung machen, mit speziell geschultem Fachpersonal. Unter dem Dach eines Childhood-Hauses arbeiten VertreterInnen von Polizei, Gericht, Medizin und der sozialen Dienste zusammen. Auf diese Weise wird den Betroffenen ein Untersuchungs- und Aussagemarathon in fremder Umgebung durch ständig wechselnde Gesprächspartner erspart und es kommt seltener zu sogenannten Retraumatisierungen. Die Räume sind hell, freundlich und kindgerecht gestaltet, (man hat auf den ersten Blick eher den Eindruck, eine Wohnung zu betreten und nicht eine Polizeistation, ein Krankenhaus oder ein Gericht). Neben einem schönen Warteraum, einem Besprechungs- und Untersuchungszimmer gibt es einen kleinen Raum, in dem die Kinder vor der Polizei oder Richtern eine Aussage machen können. Diese Aussage wird mit Videotechnik aufgezeichnet. In einem Nachbarzimmer können Staatsanwaltschaft, Verteidigung, Beschuldigte und weitere Personen dem Gespräch folgen und ggf. über

Wie kann man erreichen, dass Kindesmissbrauch in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wird- und dass man vielleicht früher hinschaut? Andrea Möhringer: Als unsere Gründerin, Königin Silvia von Schweden, Ende der 1990er Jahre in Paris auf einer Konferenz das erste Mal öffentlich über das Thema sexueller Missbrauch sprach, herrschte im Auditorium Totenstille. In den letzten 30 Jahren hat sich in unserer Gesellschaft vieles geändert. Die öffentliche Diskussion darüber ist offener geworden, Gesetze wurden erlassen. Die sogenannten Nachhaltigkeitsziele definieren erstmals auch das Ziel der gewaltfreien Kindheit. Fast täglich erreichen uns Meldungen zu Skandalfällen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass in Deutschland etwa

„EIN AFRIKANISCHES SPRICHWORT BESAGT, DASS ES EIN GANZES DORF BRAUCHT, UM EIN KIND GROSS ZU ZIEHEN.“

10


I N T E RV I E W

„Opfer ohne Stimme – Wie wir unsere Kinder vor Gewalt schützen“. Das Team hat sorgfältig recherchiert und die verschiedenen Ebenen des Themas herausgearbeitet. Sie formulieren die klare Botschaft, dass in Deutschland jeden Tag viele tausend Kinder unbemerkt leiden und dass es oft lange dauert, bis jemand ihr Martyrium erkennt und handelt. Der Beitrag hat uns so gut gefallen, dass wir ihn dieses Jahr mit dem Childhood Award 2019 ausgezeichnet haben. Die Laudatio hielt Floria Landgräfin von Hessen. Sie sagte unter anderem: „Der Hessische Rundfunk hat mit einem bemerkenswerten MultimediaProjekt Kindesmisshandlung in Deutschland aus der Dunkelheit ans Licht geholt und gefragt, warum es eigentlich so schwierig ist, diese schlimmsten aller Taten zu entdecken und vor allem, zu verhindern.“

eine Million Kinder Erfahrung mit sexueller Gewalt haben. Und das sind nicht nur die Skandalfälle, die dann ausführlich in der Presse erscheinen. Das sind auch die Kinder und Jugendlichen, die im familiären Umfeld oft jahrelang Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind. Darüber müsste noch viel offener gesprochen werden. Aber die Vorstellung, dass Kinder im eigenen Umfeld so etwas erleben könnten, schieben viele Menschen vehement von sich weg - aus Selbstschutz! Es kostet Mut sich bewusst zu machen, dass jeder von uns sehr wahrscheinlich Kinder kennt, die Erfahrungen von sexueller Gewalt gemacht haben oder ihr immer noch ausgesetzt sind. Das tut weh und ist nicht einfach, aber so wichtig genau hinzuschauen.

Wie können Sie Eltern helfen, die möglicherweise mit der Elternschaft überfordert sind und als Folge davon Gewalt ausüben? Andrea Möhringer: Ein Afrikanisches Sprichwort besagt, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind groß zu ziehen. Childhood sucht bei allen Projekten engagierte Partner vor Ort, die ein Hilfsnetz für Familien spannen und durch Beratung und Unterstützung dafür sorgen, dass Krisensituationen erst gar nicht entstehen. Das kann beispielsweise eine online Plattform sein, auf der sich Eltern von Fachleuten einen Rat holen können. Sollte es doch zu Gewalt oder Übergriffen kommen, dann sind es unsere Projektpartner, die den Kindern, aber auch den Eltern ein offenes Ohr schenken, für sie da sind und sie immer wiederauch langfristig- betreuen. Sie sind häufig der Rettungsanker, den es in dieser Situation braucht. Ein Beispiel hierfür ist das Childhood-Haus.

Sie sprachen von der Berichterstattung, die natürlich häufig im Zusammenhang mit großen Missbrauchsskandalen steht. Hat sich in der Art, wie die Presse über Missbrauch berichtet, in den letzten Jahren etwas verändert? Andrea Möhringer: Ich denke, wir bemerken alle einen Trend in der Medienwelt, immer unmittelbarer und komprimierter zu berichten, um die Aufmerksamkeit der LeserInnen zu gewinnen. Aus diesem Grund sind die großen Fälle, in denen es um den Missbrauch von Kindern geht, für die Öffentlichkeit und die Presse besonders relevant, z.B. der Fall Lügde. Da liefert Presse auch immer wieder wichtige Arbeit. Nichtsdestotrotz braucht es eben auch immer Berichterstattung über das große Ganze. Auch da bemerken wir eine positive Veränderung in den letzten Jahren. Ein besonders gutes Beispiel für eine fundierte Berichterstattung, die abseits von großen Missbrauchsskandalen recherchiert hat, ist ein Beitrag des Autorenteams des Hessischen Rundfunks, nämlich das multimediale Themenspecial

11


I N T E RV I E W

Lassen Sie uns zum Schluss über Geld reden, wie finanziert die Stiftung all ihre guten Taten? Immerhin sind es derzeit 100 Projekte in 16 Ländern!

„DIE ZAHLEN AUS DEM JAHR 2017 SIND ERSCHRECKEND: BUNDESWEIT 143 TOTE KINDER. 22-TAUSEND FÄLLE VON SCHWERER KINDESMISSHANDLUNG.“

Andrea Möhringer: Da ist zunächst einmal der Stiftungsstock, dessen Erträge allerdings nicht ausreichen. Wir sind auf Spenden angewiesen. Auf Menschen und Unternehmen, die unsere Ideen mittragen und sich gemeinsam mit uns mutig dafür einsetzen möchten, dass Kinder ohne Gewalt und Missbrauch aufwachsen und falls nötig die Hilfe erhalten, die sie brauchen, um solche Ereignisse aufarbeiten zu können und langfristig ohne Albträume und Ängste leben können. Dafür setzen wir uns jeden Tag ein! Weitere Informationen unter www.childhood-haus.de

Mit einer Spende können Sie die Arbeit der World Childhood Foundation unterstützen: WORLD CHILDHOOD FOUNDATION Schwäbische Bank IBAN: DE96 6002 0100 0000 0022 22 BIC: SCHWDESS

12


R E P O R TAG E

CHILDHOOD FOUNDATION – H I LFE FÜ R M ISSHAN D E LTE KINDER Seit vielen Jahren engagiert sich Foria Landgräfin von Hessen als Botschafterin für die international arbeitende Stiftung, die 1999 von Königin Silvia von Schweden gegründet wurde. Ziel ist die Verteidigung von Kinderrechten, insbesondere gegen jegliche Form von Missbrauch und körperlicher Gewalt.

AUSZÜGE AUS DER LAUDATIO VON FLORIA LANDGRÄFIN VON HESSEN Wenn man sich für Childhood engagiert, muss man stark sein. Stark sein, all das zu erfahren, zu sehen, zu ertragen, was man nicht für möglich hält. Aber man darf nicht ausweichen. Man muss brutale Realitäten als „wahr“ erkennen, um für eine andere, bessere Realität zu kämpfen. Für diesen Kampf braucht man Helfer, - Menschen, die das, was Kindern angetan wird, mutig in den Focus nehmen und ihre Erkenntnisse an die Öffentlichkeit bringen, - schonungslos! Die Zahlen aus dem Jahr 2017 sind erschreckend: Bundesweit 143 tote Kinder. 22-tausend Fälle von schwerer Kindesmisshandlung. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir erfahren in den Recherchen des Autorenteams, dass personelle und materielle Engpässe in den Jugendämtern schnelle Hilfe erschweren, dass Sozialpädagogen die Menge der Fälle nicht in der gebotenen Zeit bearbeiten können, und dass Familienrichter nicht ausreichend auf diese spezielle Aufgabe vorbereitet sind.

Im vergangenen Jahr fand in Heidelberg eine Jubiläumsgala zum 20-jährigen Bestehen der Childhood Foudation statt. Ein Höhepunkt: Die Verleihung des Childhood Awards für besondere journalistische Leistungen. Die Auszeichnung, die alle fünf Jahre vergeben wird, ging diesmal an ein Autorenteam des Hessischen Rundfunks. Reporter von Radio und Fernsehen hatten mit kritischen Beiträgen und schonungslosen Bildern für ein großes Echo in der Öffentlichkeit gesorgt und die Ergebnisse ihrer Recherchen auch in Kanälen der sozialen Medien eingestellt. Die Laudatio hielt Floria Landgräfin von Hessen und freute sich besonders, dass die Auszeichnung diesmal an den Heimatsender in Frankfurt ging.

Die Autorinnen und Autoren des Hessischen Rundfunks haben gründlich gearbeitet, sie lassen keine Information aus, die für das Thema Kindeswohl relevant ist. Und sie haben ihre Erkenntnisse breit gestreut. Zig-tausende Menschen haben sie so erreicht, haben Aufmerksamkeit erregt und hoffentlich vielen deutlich gemacht, dass man nicht wegschauen darf. Niemals!

Die schwedische Königin nutzte den Aufenthalt in Deutschland auch für einen Besuch in Wiesbaden. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hatte in die Staatskanzlei eingeladen, um mit der Königin, mit Experten und Kabinettsmitgliedern die derzeitige Situation und Versorgung von misshandelten Kindern in Deutschland und speziell in Hessen zu erörtern. Die Gespräche blieben nicht ohne Ergebnis: Ja, auch in Hessen soll sobald als möglich ein Childhood Kinderhaus entstehen. Frankfurt, Wiesbaden und Kassel sind als Standorte in der engeren Auswahl. Floria Landgräfin von Hessen freut sich auf das neue Projekt; sie wird eng in die Planungen eingebunden sein.

13


IMPRESSIONEN

14


IMPRESSIONEN

ES IST EIN MARKT FÜR ECHTE DINGE – WEIL WIR ECHTE DINGE LIEBEN!

Minimalismus in den eigenen vier Wänden liegt im Trend: Ressourcenschonendes, nachhaltiges Denken ist bereits für viele Verbraucher selbstverständlich geworden. Platz findet nur, was einen besonderen Wert hat und Freude bereitet. Auf dem FEINWERK – Markt für echte Dinge wird vom 4. bis 6. September 2020 rund um Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda genau das geboten: Schätze, die über eine lange Zeit Freude bereiten. „Der ressourcenschonende Lebensstil passt einfach zu unserem Zeitgeist. Verbraucher legen immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit, Regionalität und hochwertige Produkte“, so Floria Landgräfin von Hessen, Initiatorin der Veranstaltung. „Handgefertigte Dinge, von denen wir wissen, welche Arbeit dahintersteckt, erleben eine andere Wertschätzung. Hochwertige Handwerkskunst bereitet mir wahre Freude. Mit unserem Markt für echte Dinge, wollen wir den Blick für besondere Produkte schärfen. FEINWERK ist ein Ort, an dem es etwas zu entdecken und zu erleben gibt, etwas zum Spüren und Staunen.“ Zu dem Event werden auch in diesem Jahr wieder mehr als 120 Aussteller erwartet. Neben heimischen Anbietern, die von Beginn an Teil der FEINWERK-Community sind, zeigen sich Designer aus dem gesamten Bundesgebiet und den Nachbarländern. Jeder Aussteller präsentiert qualitativ hochwertige Produkte: Das vielfältige Angebot reicht dabei von handgeschmiedetem Schmuck über nachhaltige Slow-Fashion bis hin zu modernen Einrichtungsgegenständen. FEINWERK – Markt für echte Dinge öffnet am Freitag, 4. September 2020, von 14 bis 19 Uhr, am Samstag, 5. September 2020, von 11 bis 19 Uhr und am Sonntag, 6. September 2020, von 11 bis  18 Uhr. Mehr Informationen unter: www.feinwerk-markt.de

Bei den qualitativ hochwertigen Schmuckstücken von Raffaele Haldimann handelt es sich um handgefertigte Kleinserien mit einem Schwerpunkt auf keramischen Arbeiten.

15


IMPRESSIONEN

16


IMPRESSIONEN

17


IMPRESSIONEN

Echtledertaschen mit handgeprägter 3D Rauten-Struktur, designt und geprägt im Atelier in Karlsruhe, genäht in einer deutschen Ledermanufaktur - das ist „von Rauten“.

18


IMPRESSIONEN

ES IST EIN MARKT FÜR MODERNES DESIGN, HOCHWERTIG PRODUZIERTES HANDWERK – UND FÜR KULINARISCHE SPEZIALITÄTEN.

Die Liebe zu Detail und Design charakterisiert die Bienenwachstücher von Marie und Markus, den Köpfen hinter Toff & Zürpel

19


IMPRESSIONEN

DAS GROSSE

FINALE „Mit erlesenen Zutaten, höchster Sorgfalt und viel Liebe zum Detail zum Sieg…“, so stand es in der Ausschreibung zur Prinz von Hessen Torte. Dieser Gedanke sollte den Konditoren und Bäckern Hessens bei Ihren Kreationen als Leitmotiv dienen. Aus den süßen Kreationen stach eine besonders hervor: süß aber nicht zu süß, schokoladig aber nicht zu schokoladig und mit feinem kulinarischem Twist – die Torte der Konditorei Kreuter-Blum überzeugte die hochkarätige Torten-Jury beim großen Finale des Backwettbewerbs der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen im Rahmen des FEINWERK Festivals.

„Die Liebe zum Backhandwerk schmeckt man ganz besonders in der Torte von Café KreuterBlum. Die Torte von Frau Kreuter überrascht mit dem fein herausgearbeiteten Geschmack des Weines und den zarten, sich abwechselnden Schichten von Herrenboden und Creme“, schwärmt die Schirmherrin der Veranstaltung, Floria Landgräfin von Hessen, direkt nach dem Finale.

Ab sofort wird die Torte im Grandhotel Hessischer Hof und Schlosshotel Kronberg den Gästen serviert und ist bald auch online bestellbar.

20


SHOP

DIE PRINZ VON HESSEN TORTE Feinster Marzipan, edle Schokolade und der prämierte Riesling-Wein des Weinguts Prinz von Hessen - in der Prinz von Hessen-Torte kommen nur die besten Zutaten zusammen. Jetzt in den Hotels der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen genießen oder unter:

WWW.PRINZVHESSEN.DE/TORTE

21


BERICHT

Porträt einer nicht identifizierten höfischen Dame mit Hermelinumhang, gemalt wohl von Louis Sené (1747-1804), um 1800.

Ausstellung „Klein. Intim. Kostbar. – Porträtminiaturen europäischer Herrscherfamilien“ im Badehaus von Schloss Fasanerie bei Fulda Text: Dr. Markus Miller

22


BERICHT

Sie sind winzig klein und doch voller Bedeutung: Porträtminiaturen. Als eigene Gattung der Malerei entstanden im Europa des 17. bis 19. Jahrhunderts Porträtgemälde im Miniaturformat, meist als sehr private Erinnerungen an geliebte Menschen. Man trug sie mit sich, an einer Kette um den Hals oder am Handgelenk, verwahrte sie in Etuis oder applizierte sie auf kleine Dosen. Das Museum Schloss Fasanerie zeigt im Sommer 2021 zum ersten Mal die historische Miniaturensammlung des landgräflichen und kurfürstlichen Hauses Hessen-Kassel der Öffentlichkeit. Erzählt werden die spannenden Geschichten hinter den winzigen Bildnissen von Königen und Prinzessinnen, man erfährt in welch aufwendiger Technik die Porträts hergestellt wurden und wer die berühmtesten Künstler der Miniaturenmalerei waren.

In zahlreichen Vitrinen der verschiedenen Räumen von Schloss Fasanerie findet man kleinformatige Porträts von Angehörigen europäischer Herrscherfamilien, insbesondere von den Verwandten des Hauses Hessen aus Preußen, England oder Dänemark. Man nimmt sie kaum wahr angesichts der Fülle dessen, was es im Schlossmuseum zu sehen gibt. Und neben den großen repräsentativen Porträts auf Leinwand führen diese Miniaturporträts zu Unrecht ein Schattendasein. In diesem Sommer stellt das Museum Schloss Fasanerie die Miniaturmalerei in den Fokus, widmet den winzigen Porträts eine Ausstellung und veröffentlicht einen Katalog dieses Sammlungsbestands.

gelenk oder man konnte sie – stellvertretend für die geliebte dargestellte Person – innig an die Brust pressen. So enthalten die kostbaren Rahmen der Miniaturen neben dem Porträt nicht selten als Teil von ihm und reales Erinnerungsstück an den geliebten Menschen eine Haarlocke. Zwar dienten auch Miniaturbildnisse hin und wieder repräsentativen Zwecken, wenn sie etwa Teil einer Ahnengalerie im Kleinformat waren, oder als diplomatische Geschenke versandt oder zur Heiratsanbahnung benutzt wurden. Meistens jedoch waren Miniaturen sentimentale Objekte mit sehr privatem Charakter. Man begegnet auf den Miniaturporträts auch Königen und hochadeligen Personen in seltener privater Vertrautheit, wenn die Miniaturporträts rein privaten Zwecken dienten, etwa dem Andenken an geliebte Menschen, an die Kinder oder als Geschenke zwischen Liebenden.

Sentimentale Porträts mit sehr privatem Charakter Die Miniaturmalerei ist viel mehr als eine verkleinerte Variante der Porträtmalerei auf Leinwand, sie ist eine eigene Gattung der Kunst mit unterschiedlicher sozialgeschichtlicher Funktion. Während das große Leinwandporträt für den öffentlichen Ort bestimmt war, war das Miniaturporträt nicht selten den Blicken anderer durch einen Deckel oder ein Etui entzogen. Es war bestimmt für den Gebrauch oder zur Freude seines Besitzers. Entsprechend hingen Miniaturen auch nicht unbedingt an der Wand, sie konnten verschickt und auf Reisen mitgenommen werden. Und nicht selten trugen Besitzerin oder Besitzer sie eng bei sich, man betrachtete sie in der Handfläche, trug sie um den Hals oder am Arm-

Geschenke zwischen Liebenden mit erotischen Anspielungen Diese kleinformatigen Porträts hatten die Funktion, die im 20. Jahrhundert solche Fotos hatten, die man in Portemonnaie oder Brieftasche bei sich trug. Damit erfüllten Miniaturporträts den Zweck der sehr privaten Fotos, die man heute auf seinem Smartphone gespeichert hat, ohne sie in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Die Fotos, die uns überallhin begleiten, in versteckten Alben oder als Hintergrundbild gespeichert.

23


BERICHT

1

1 Rahmen mit verschiedenen Miniaturporträts von Mitgliedern des englischen Königshauses, darunter in der Mitte die Porträts von König George II. von Großbritannien und seiner Gemahlin Königin Karoline, geb. Prinzessin von Brandenburg-Ansbach, gemalt von Christian Friedrich Zincke (1685-1767), um 1730.

2 Porträt der Prinzessin Friederike von Mecklenburg-Strelitz (1778-1841), gemalt von Cornelius Hoyer (1741-1804) um 1795. Die junge Prinzessin, die später Königin von Hannover wurde, hält in der Hand eine Miniatur mit dem Porträt eines Mannes, vielleicht ihres ersten Gemahls, Prinz Louis von Preußen.

3 Porträt der Königin Luise von Preußen, geb. Prinzessin Mecklenburg-Strelitz (17761810), gemalt nach Johann Heinrich Schröder (1757-1812), um 1800.

Bei Geschenken zwischen Liebenden kam auf den historischen Miniaturen hin und wieder auch eine erotische Komponente hinzu, die heute nur noch schwer zu entschlüsseln ist. So dezent sind die Hinweise nach modernem Verständnis und so unbekannt sind uns heute die Anspielungen der Zeit von vor 250 Jahren. In der Ausstellung wird verraten, hinter welcher scheinbar harmlosen Darstellung des Rokoko sich eine unzweideutige erotische Anspielung verbirgt.

Ihre Blütezeit erlebte die Porträtminiatur in der Zeit des Rokoko sowie im Biedermeier, bevor das kleinformatige Bildnis durch die Fotografie verdrängt wurde. Bei den Miniaturporträts der Belle-Époque handelt es sich teilweise bereits um kleine colorierte Fotos.

Von der Miniatur zum Smartphone-Foto

In ihrer Maltechnik handelt es sich bei den winzigen Porträtgemälden oft um Meisterwerke. Die spezialisierten Maler bedienten sich großer Lupen, um so präzise Pinselstrich neben Pinselstrich zu legen, dass sich die historischen Miniaturen heute vielfach fotografisch vergrößern lassen, ohne dass der Betrachter Qualitätseinbußen feststellt. Auch das Know-how der Miniaturenmalerei wird in der Ausstellung der Kulturstiftung des Hauses Hessen vorgestellt: Als Bildträger wurde zumeist Tierhaut (Pergament) verwendet. Dessen glatt polierte Oberfläche ist

Hauchdünnes Elfenbein und technische Präzision

Anhand von Beispielen aus der Miniaturensammlung im Schloss Fasanerie lässt sich auch die Geschichte dieser Gattung der Malerei nachvollziehen. Der Name „Miniatur“ leitet sich aus der mittelalterlichen Buchmalerei ab, bei der man mit der roten Farbe minium (Mennige) an den Anfangsbuchstaben biblischer Texte kleinformatige Verzierungen anbrachte. Doch die Miniaturmalerei entwickelt sich als eigenständiger Kunstzweig im Laufe des 16. Jahrhunderts.

24


BERICHT

geheirateten Mitgliedern anderer Fürstenhäuser. Etwa 75 Porträts brachte Kaiserin Victoria (18401901), die englische Gemahlin des deutschen Kaisers Friedrich III., in die Sammlung ein, als sie ihrer jüngsten Tochter Margarethe ihre Kunstsammlung vererbte. „Kaiserin Friedrich“ hatte insbesondere Miniaturporträts aus ihrer elterlichen englischen Familie sowie aus der preußischen Familie ihres Gemahls gesammelt.

sehr homogen und leicht transparent. Daneben kamen sehr feine, teilweise weniger als ein Millimeter dicke Elfenbeinblätter als Bildträger zum Einsatz. Bereits in unbemaltem Zustand kam das Elfenbein durch seine Farbe, die feine Maserung und seine wächserne Transparenz der optischen Wirkung menschlicher Haut verblüffend nahe. Seltener wurde Emaille als Bildträger verwendet, es bot sich aber als sehr glatte gläserne Oberfläche ebenfalls an und war sehr widerstandsfähig, denn die Farbe wurde durch mehrere Brände unlöslich mit dem weißen Grundemaille verbunden. Bei dieser Technik schätzte man die kräftigen brillanten Farben und deren glänzende Bildoberfläche.

Anhand der Sammlung im Museum Schloss Fasanerie können einige der bedeutendsten Miniaturen-Maler in der Ausstellung vorgestellt werden. Beim direkten Vergleich mehrerer Bildnisse erkennt man, warum bestimmte Meister in ihrer Zeit als Porträtisten besonders geschätzt wurden. Heute werden Minaturporträts nicht mehr hergestellt, aber in unserer heutigen von Fotografien überfluteten Zeit üben diese kleinformatigen Bildnis-Unikate eine ganz besondere Faszination auf den Betrachter aus. Insbesondere dann, wenn es einem Maler gelungen ist, neben der Ähnlichkeit mit dem Modell auch dessen Wesen und Gemütszustand im Porträt festzuhalten, erkennen wir die Meisterschaft der Porträtminiatur, die über das hinausgeht, was ein Fotograf wiederzugeben vermag.

Entgegen der fälschlichen Annahme, die Pinsel der Miniaturisten hätten nur wenige Haare gehabt, arbeiteten die Maler eher mit vollen aber sehr spitzen Pinseln, die gut zu führen waren und ausreichend Farbe aufnehmen konnten. Daneben kamen Klingen und spitze Holzstäbchen zum Einsatz, um den Farbauftrag wieder zu entfernen, zu korrigieren, oder um scharfe Konturen zu schaffen. Die Miniaturmaler verwendeten zumeist Wasserfarben: diese konnten lasierend oder deckend aufgetragen werden, in feinen Strichen oder gerne auch feinst gepunktet. Zum Schutz der empfindlichen Malschicht erhielten Miniaturen immer ein Deckglas, das bevorzugt leicht bombiert war, damit die Farbe nicht am Glas festkleben konnte. Das Ganze wurde meist von einem zur Kostbarkeit der Malerei passenden Rahmen zusammengehalten. Je nach Verwendungszweck konnten verschieden Typen zum Einsatz kommen, etwa solche, die man auf ein Armband aufsetzte oder ganz winzige, die als Ring am Finger getragen werden konnten.

Ausstellung „Klein. Intim. Kostbar. – Porträtminiaturen europäischer Herrscherfamilien“

Verwandtschaftliches Netzwerk

3

2

MUSEUM SCHLOSS FASANERIE / BADEHAUS Bitte beachten Sie, dass die Ausstellung verlegt wurde auf den Zeitraum vom 24. April bis 5. September 2021. Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen, 11.00 – 17.00 Uhr Eintritt: 6,00 Euro; 5,00 Euro (ermäßigt); 3,00 Euro (Schüler) Führungen für Gruppen (nach Vereinbarung): 130 EUR (max. 20 Pers.)

Das landgräfliche und kurfürstliche Haus Hessen-Kassel besitzt eine bedeutende Sammlung dynastischer Miniaturporträts, die sich mit den Beständen anderer großer europäischer Fürstenhäuser vergleichen lässt. Heute sind im Eigentum der Kulturstiftung des Hauses Hessen noch ca. 400 dieser kleinformatigen Porträts erhalten, eine Anzahl, die in etwa dem Besitz des Hauses Habsburg in der Hofburg zu Wien entspricht. Weitere sehr große Porträtminiaturensammlungen besitzen in Europa das Haus Oranien-Nassau in Den Hag oder die englische Königin in der Royal Collection. Der Großteil der Sammlung sind Porträts von Familienangehörigen des Hauses Hessen, sowie von Verwandten und an-

Kulturstiftung des Hauses Hessen, Schloss Fasanerie, 36124 Eichenzell, info@schloss-fasanerie.de Tel. +49 661 94860 www.schloss-fasanerie.de

25


PORTRAIT

In den Kellern des Weinguts Prinz von Hessen lagern verschiedene Holzfässer und Stahltanks, welche jedem Wein eine ganz individuelle Note verleihen.

VON BAUERNREGELN ÜBER WETTERBERICHTE BIS HIN ZUR IMPROVISATION Die vielfältigen Aufgaben eines Kellermeisters T E X T : MON ICA D O S SA N TO S

26


PORTRAIT

Das Weingut Prinz von Hessen in Johannisberg im Rheingau gehört zu den bedeutendsten RieslingProduzenten Deutschlands und ist von Anbeginn seines Bestehens Mitglied im VDP, dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Zahlreiche Anerkennungen im In- und Ausland reflektieren das hervorragende Qualitätsniveau der Weine und Sekte. Für diese qualitativen Weine ist Sascha Huber, Kellermeister im Weingut Prinz von Hessen, verantwortlich. Mit seiner Expertise und Kreativität schafft er es jedes Jahr aufs Neue ganz besondere Weine herzustellen.

Der 39-jährige Kellermeister, der bereits seine Berufsausbildung zum Weinküfer auf dem Weingut Prinz von Hessen absolvierte, trägt seit neun Jahren mit seiner Flexibilität, Spontanität, Stress- und Wetterresistenz sowie Kreativität zu diesem Erfolg bei. Mit seinem Stiefvater, der selbst ein Weingut besaß, wurde Sascha Huber früh dazu inspiriert in das Weingeschäft zu gehen. Diese Inspiration wurde durch seinen Meister, auf den er von Beginn der Ausbildung an hinaufschaute, bekräftigt. Mit seiner Unterstützung begann Sascha Huber seine eigene Ausbildung zum Meister. Zu seinem Lieblingswein zählt der Dachsfilet, dessen Stil er von Beginn an prägen durfte. Dies war jedoch mit der größten Herausforderung seines Lebens verbunden. Zum Kellermeister wurde Sascha Huber nämlich über Nacht aufgrund eines traurigen Schicksalsschlags, welcher zum Ruhestand seines Vorgängers führte. Viel Einweisung gab es da nicht. „Ich wurde nach der Ernte quasi ins kalte Wasser geschmissen und durfte sofort große Verantwortung tragen“, erinnert sich Sascha Huber noch heute sehr gut.

Seit neun Jahren im Weingut Prinz von Hessen: Kellermeister Sascha Huber

Doch mit der Ernte ist die Arbeit noch nicht getan, wie manch einer vielleicht denkt. Das Weingut Prinz von Hessen ist das gesamte Jahr über in Betrieb. Das Weingut produziert bei einer Fläche von 43 Hektar 240.000 Liter Wein im Jahr. Nach der Ernte im Herbst beginnt die Produktion des Weins, bei dem die Trauben mehrere Stationen durchlaufen. Die erste Station ist das Kelterhaus, in dem die Trauben in Keltern gepresst werden. Im Anschluss startet die Gärung des Weines, welche die wohl wichtigste Aufgabe der Weinherstellung ist. Die genaue Dauer des Gärungsvorganges können die Mitarbeiter vorab nicht festlegen. „Offiziell sagt man sieben bis vierzehn Tage, aber wir hatten auch schon Weine, die mehrere Monate am Gären waren“, berichtet Sascha Huber. Das ist der Bereich, in dem Spontanität, Flexibilität und Kreativität gefragt sind, denn so eine Weingärung läuft nicht immer gleich ab. Was passiert da eigentlich? Der Most wird in Holz- beziehungsweise Edelstahlfässern gegärt. Bei der Gärung wird der Zucker im Most durch

27


PORTRAIT

die Hilfe von Hefe und dem Einfluss von Sauerstoff und Temperatur zu Alkohol. „Es ist wichtig, dass die Gärung gleichmäßig verläuft, das heißt, weder zu schnell noch zu heiß, denn sonst entsteht Kohlensäure, was zu Verlust der Aromen führen kann“, erzählt Sascha Huber. Es gibt unterschiedliche Methoden für den Gärprozess wie beispielsweise die Maischegärung, Kaltvergärung oder Spontangärung. „Ich arbeite gerne mit Spontangärung. Zwar ist das Risiko von Gärproblemen hier höher, aber man weiß, wo der Wein herkommt“, so der Kellermeister. Durch eine Spontangärung wird nämlich keine zusätzliche Hefe zugeführt. Der Wein behält somit seine Eigenschaften, die ihn je nach Standort, Jahr und Wetter charakterisieren. „Das macht den Wein jedes Jahr zu etwas ganz Besonde-

rem und ist nicht Mainstream wie die Weine, die immer auf dieselbe Art und mit derselben Hefezufuhr gegärt werden“, lächelt Huber. Noch besonderer wird der Wein, wenn er in einem Holzfass eine Spontangärung durchläuft. „Ich trinke zum Beispiel den Johannisberger Ortswein ganz gerne, weil er durch die Spontangärung und den Ausbau im Holzfass sehr viel Spannung, einen kräftigen Körper und eine leichte Salzigkeit hat, die zum Trinken einlädt“, kommentiert der Kellermeister. Das Besondere am Gärprozess im Weingut Prinz von Hessen ist die Mischung von Tradition und Moderne, wie man sie bereits von der gesamten Unternehmensgruppe Prinz von Hessen kennt. Während für das Pressen der Trauben Kelter

Jeder Gärprozess verläuft individuell und ist nur schwer planbar. Spontanität, Flexibilität und Kreativität sind daher unabdingbar für einen Kellermeister.

28


PORTRAIT

genutzt werden, wird während des Gärprozesses gerne mal die Nase verwendet. So klettert der Kellermeister auf eine Leiter und riecht am Gärröhrchen, um eventuelle Fehlgärungen festzustellen und schnell handeln zu können. „In diesem Beruf muss man spontan und flexibel sein. So eine Spontangärung läuft immer anders ab. Da ist dann auch Improvisation gefragt. Das ist nicht immer leicht für die Familie, da man eigentlich nie so genau weiß, wann man Feierabend hat“, stellt Huber fest. „Das wissen wir hier aber auch alle. Wir haben den Beruf ausgewählt, weil er uns Spaß macht“, lächelt der Kellermeister. Die Herausforderungen erstrecken sich über das gesamte Jahr. Denn nach der Gärung im Herbst beginnen im Winter schon die ersten Weinproben und eventuelle Anpassungen. Die Flaschenfüllung muss geplant und vorbereitet werden, damit die Weine im Frühjahr auf den Markt können. „Für die Orts- und Premiumweine lassen wir uns etwas mehr Zeit, da diese erst im Sommer in den Verkauf gehen“, so Huber. Doch neben diesen Aufgaben kommen noch andere alltägliche Arbeiten wie die Reinigungsund Wartungsarbeiten, der Kundenkontakt, die Lieferung und der Versand von Produkten sowie Meldungen an das Weingutamt hinzu. Zudem sorgen Veranstaltungen wie das Morschbergfest, die Rheingauer Weinwoche, Das Fürstliche Gartenfest, FEINWERK – Markt für echte Dinge und diverse Weinmessen für Abwechslung. „Das Besondere an diesem Beruf ist, dass es sehr abwechslungsreich ist und ich kreativ sein kann. Schon zu Beginn wurde mir hier viel Freiheit gegeben und ich durfte viel experimentieren“, erinnert sich Huber. Dass es dabei aber auch stressig werden kann, sollte für niemanden eine Überraschung sein. „Herr Huber ist die perfekte Ergänzung zu meiner Ungeduld. Es braucht genau diese Ruhe und Gelassenheit, wenn es um Wein geht. Herr Huber hat die Erfahrung und das Vertrauen, dass alles so laufen wird, wie wir es uns vorstellen. Wenn ich schon ganz hippelig reagiere, behält er stets sein ruhiges Lächeln“, ergänzt Weingutsdirektorin Bärbel Weinert. Sascha Huber, ein ganz besonderer Mensch, der selbst im größten Stress ein ruhiges Lächeln behält und stets weiß, wie man am Ende des Tages einen ganz besonderen Wein auf den Tisch stellt.

„ ICH A R BE I T E GE R N E M I T S P O N TA N G Ä R U N G . Z WA R I S T DA S R I S I KO VO N G Ä R P RO B L E M E N H I E R HÖH E R , A BE R M A N W E I S S , WO D E R W E I N H E R KO M M T. “ Aufgrund der guten Kontrollierbarkeit des Gärprozesses nutzen Sascha Huber und sein Team auch Stahltanks zum Ausbau der Weine.

29


BERICHT

WOFÜR STEHT EIGENTLICH VDP IM WEINBAU? Der Verband feiert sein über hundertjähriges Bestehen und geht aus dem 1910 gegründeten „Verband der Naturweinversteigerer“ hervor. T E X T : BÄ R BE L W E I N E RT

Schon damals gehörten dem Verband die TOPWeinerzeuger Deutschlands an. Mit dem Inkrafttreten des Deutschen Weingesetzes Anfang der 70er Jahre, wurde auch die eigene VDP-Klassifizierung rechtsgültig. Diese Klassifizierung legt sich über das gesetzlich bindende Deutsche Weingesetz und dessen Klassifizierung und führt zu einer Verschärfung der Vorgaben. Im VDP geht es vor allem um die Herkunft,

womit tatsächlich der Standort der Reben gemeint ist; das oft beschworene Terroir steht hier im Mittelpunkt. Aus diesem Grund wurden zur Klassifizierung der Lagen auch historische Karten verwendet. Lagen, die über Jahrzehnte sehr gute Qualitäten hervorbrachten, wurden somit vom VDP klassifiziert. Die VDP-Klassifizierung gliedert sich in vier verschiedene Stufen mit Hilfe einer Qualitätspyramide:

VDP. KLASSIFIKATIONSPYRAMIDE VDP.

GROSSE LAGE

VDP.

FRUCHTIG & EDELSÜSS

klassische Prädikate*

FRUCHTIG & EDELSÜSS

ERSTE LAGE

VDP.

klassische Prädikate*

FRUCHTIG & EDELSÜSS

ORTSWEIN

VDP.

klassische Prädikate*

GUTSWEIN

FRUCHTIG & EDELSÜSS

Qualitätsweine & klassische Prädikate*

* Die klassischen Prädikate sind: Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein

30


BERICHT

VDP GUTSWEINE bilden die solide Basis eines jenen VDP Weinguts. Alle Trauben für die Weinerzeugung müssen von eigenen Weinbergen stammen und können dann mit individueller Handschrift ausgebaut werden. Sonstige Vorgaben gibt es seitens des VDP nicht, außer, dass die Weine selbstverständlich mindestens der Qualitätsstufe QbA (Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete) nach dem Deutschen Weingesetz entsprechen müssen.

Im VDP sammelt sich, damals wie heute, die Speerspitze der Deutschen Weinerzeuger, welche am VDP-Traubenadler auf den Etiketten und den Kapseln leicht zu erkennen ist. Übrigens kann man nicht einfach Mitglied werden oder sich bewerben. Tatsächlich muss man aus dem VDP-Mitgliederkreis vorgeschlagen werden. Nach einer Nominierung wird das Weingut noch einmal auf Herz und Nieren geprüft, bevor es zum Mitglied „ernannt“ wird.

VDP ORTSWEINE Hier greifen klare Regularien, um die Herkunft der Weine zu betonen. Die Weine stammen aus traditionellen Weinbergen einer Ortsgemarkung, sehr oft auch aus der Vorlese einer GROSSEN GEWÄCHS-Lage. Der maximale Hektarertrag für ORTSWEINE ist auf 75hl pro Hektar reduziert. Nur Weine aus bestimmten Rebsorten dürfen sich ORTSWEIN nennen – daher finden sich überwiegend ORTSWEINE aus traditionellen Rebsorten wie Riesling oder Spätburgunder. Klassisch sollten die Ortsweine trocken ausgebaut sein und verzichten dann auf weitere Prädikate – bis auf eben die Qualitätsstufe QbA. Die Weine dürfen nicht vor März des auf die Ernte folgenden Jahres vermarktet werden.

Das Weingut Prinz von Hessen wurde bereits kurz nach dem Erwerb durch die Hessische Hausstiftung im Jahr 1957 Mitglied im VDP – Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Wir sind eins von 197 Mitgliedern und gehören dem Regional-Verband Rheingau an. Mit Stolz bringen wir den VDPAdler auf unseren Flaschen an und fokussieren all unsere Kraft darauf immer wieder zu unterstreichen, weshalb wir Mitglied im VDP sein dürfen. UNSERE AKTUELLEN WEINE: GUTSWEINE: 2018 Riesling trocken, 2018 Riesling Classic, 2018 Scheurebe trocken, 2018 Weißburgunder trocken, 2018 Rosé feinherb ORTSWEINE: 2018 Winkeler Riesling feinherb, 2018 Johannisberger Riesling trocken, 2018 Hallgartener Riesling trocken

VDP ERSTE LAGE Die Trauben hierfür müssen per Hand gelesen werden und der maximale Ertrag darf 60hl pro Hektar nicht überschreiten. Rebsorten sind explizit für jedes Anbaugebiet vorgeschrieben. Sie müssen vor Verkaufsstart von einer Prüfungskommission verkostet werden, welche prüft, ob die Weine ihre Herkunft der zertifizierten Lage widerspiegeln.

GROSSE LAGE: 2018er GG Johannisberger Klaus, 2018er Hasensprung (welcher noch in Arbeit ist und vermutlich im Frühjahr 2020 auf die Flasche gebracht wird Wir selbst könnten bis zu 5 GGs aus unterschiedlichen Lagen produzieren. Unsere Philosophie ist dabei, dass nur die absolute TOP-Qualität auch wirklich ein GG werden kann. In den letzten Jahren haben wir aus folgenden Einzellagen ein GG produzieren können: Winkler Jesuitengarten, Hasensprung und Johannisberger Klaus.

VDP GROSSE LAGE stellt die Spitze der VDP Qualitätspyramide dar und vertritt ihre Herkunft – ihre Einzellage des jeweilen VDP Betriebs. Die maximal erlaubte Ertragsmenge liegt bei 50hl pro Hektar und ist somit im Vergleich zu Ertragsbetrieben sehr gering. Auch hierfür dürfen die Trauben nur von Hand gelesen werden. Aber dies sollte selbstverständlich sein, da andernfalls keine Selektion der Trauben vorgenommen werden kann. Die Ernte für das sogenannte GG (GROSSE GEWÄCHS) wird dann nochmal über ein sogenanntes Sortierblech sortiert, dabei wird bis auf einzelne Beeren selektiert. Die Weine dürfen nicht vor dem 01.09. des auf die Ernte folgenden Jahres vermarktet werden und müssen vorher eine sensorische Prüfung im Regional-Verband des VDP bestehen. Wird der Wein abgelehnt, so darf er nicht als GG vermarktet werden. Je nach Weingut können unterschiedlichste GGs produziert werden. Ausschlaggebend ist der Besitz an GG zertifizierten Flächen.

31


BERICHT

100% HAFER 0% GLUTEN

T E X T : H E I N R I C H VO N D E R D E C K E N , A N JA DAU M E

Auf Gut Panker wird glutenfreier Hafer angebaut 32


BERICHT

Gluten ist ein Reizwort. Immer wieder hört man von ungesunden Eigenschaften, von Unverträglichkeiten bis hin zur Zöliakie, einer entzündlichen Erkrankung der Darmschleimhaut mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen. Gluten ist in Weizen, Gerste, Roggen sowie botanisch verwandten Sorten wie Dinkel enthalten. Hafer dagegen ist glutenfrei. „In der Haferproduktion unterscheiden wir zwischen dem normalen Schälhafer und der glutenfreien Ware. Glutenfrei ist der Hafer aber nur, wenn er nicht mit anderen Getreidearten in Berührung gekommen ist“, sagt Betriebsleiter Heinrich von der Decken. „Es darf also im gesamten Prozess der Erzeugung, auf dem Feld, bei der Ernte, der Trocknung sowie der Ein- und Auslagerung nicht zu einer Verunreinigung kommen. Es gilt quasi die Nulltoleranz.“ Höchste Aufmerksamkeit und Sauberkeit beim Produktionsprozess sind obligatorisch.

Das ist nicht der einzige Vorteil: Bis vor einigen Jahren wurden auf den Flächen des Gutes Panker mit Schmoel und Osterrade vorwiegend Wintergetreide und Winterraps angebaut. Enorme Arbeitsspitzen von Juli bis Oktober waren Programm. Innerhalb weniger Monaten musste die gesamte Fläche nicht nur geerntet sondern auch wieder eingesät werden. Seit nun der Hafer und mittlerweile auch Silomais zunehmend in die Fruchtfolge integriert und gezielt vermarktet werden, haben sich die Abläufe positiv verändert. „Der Silomais wird für acht Milchvieh- und Biogasbetriebe angebaut und direkt vom Feld zu den Abnehmern transportiert“, so Betriebsleiter Heinrich von der Decken. „Rund 25 Prozent unserer landwirtschaftlichen Flächen werden mit diesen beiden Kulturen angebaut. Beides, Hafer und Silomais, sind Sommerfrüchte, das bedeutet, dass die Aussaat erst im Frühjahr stattfindet. Damit werden die Arbeitsspitzen deutlich entzerrt.“

Der immense Aufwand lohnt sich. Seit drei Ernten produziert Gut Panker seinen Hafer – auch den Gluten freien – ausnahmslos für Kölln: Der Hafer wird in der Schälmühle der Kölln Werke in Elmshorn unter anderem zu hochwertigen Haferflocken verarbeitet. „Wir freuen uns über die angenehme und partnerschaftliche Geschäftsbeziehung“, verrät von der Decken. „Zur Ernte 2020 haben wir 3.000 Tonnen Hafer verkauft.“

Die Geschichte des Unternehmens Peter Kölln beginnt genau vor 200 Jahren im Jahre 1820. Seinerzeit gründete ein junger Mann namens Peter Kölln am Elmshorner Hafen eine Hafermühle, um die ansässigen Seefahrer mit Proviant zu versorgen. Bis heute ist Peter Kölln ein Familienunternehmen und produziert nach wie vor in Elmshorn. Die enge Zusammenarbeit mit regionalen Partnern ist dabei ein Leitmotiv, welches Peter Kölln mit der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen verbindet. Mehr Informationen zu Peter Kölln unter www.koelln.com

33


BERICHT

E I N E N E U E W E LT DER MÖGLICHKEITEN T E X T : MON ICA D O S SA N TO S , RICO DENGLER

Ob beim Weingut Prinz von Hessen, im Schlosshotel Kronberg oder auf Schloss Fasanerie – durch die enorme Bandbreite an Ausbildungsangeboten in den Betrieben der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen entsteht ein privat geführter Lehrbetrieb, der seinesgleichen sucht. Mit jeder Ausgabe des Kundenmagazins stellen wir Ihnen ab sofort weitere Ausbildungsmöglichkeiten vor. Weiterführende Informationen finden Sie auch unter www.prinzvhessen.de/ausbildung.

34


BERICHT

RESTAURANTFACHFRAU/-MANN MIT ZUSATZQUALIFIKATION TRENDGASTRONOMIE* Liebe zum Detail und eine hohe Konzentrationsfähigkeit können neben dem Servieren und dem Eindecken von Tischen auch bei der Rechnungsstellung unter Beweis gestellt werden. Die abwechslungsreichen Aufgaben einer/-s Restaurantfachfrau/-mannes ermöglichen eine vielseitige nationale und internationale Karriere in der Hotellerie sowie Gastronomie.

Als Restaurantfachfrau/-mann ist man nicht nur Gastgeber, sondern verfügt über Fachwissen in Food & Beverages mit welchem eine qualitative Betreuung und Beratung von Gästen gewährleistet werden kann. Zusätzlich sorgen organisatorische Aufgaben wie das Eindecken und Dekorieren von Tischen, das Vorbereiten von Veranstaltungen und Meetings sowie die Getränke- und Weinkartenerstellung für Abwechslung.

*Die Ausbildung ist auch ohne Zusatzqualifikation möglich.

Die Kommunikationsstärke einer/-s Restaurantfachfrau/-mannes kommt nicht nur im Umgang mit den Gästen im Hotel, in Pensionen, Restaurants oder Gaststätten zum Ausdruck, sondern auch durch Fremdsprachenkenntnisse, die insbesondere im internationalen Markt des Tourismus von Bedeutung sind.

INFOBOX Mindestreife: Guter Realschulabschluss Ausbildungsdauer: 3 Jahre (Verkürzung auf bis zu 2 Jahren möglich) Ausbildungsinhalte: Betriebswirtschaftslehre, Warenkalkulation, Buchhaltung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Personalmanagement, Gastronomie- und Arbeitsrecht, Einrichtungsmanagement, Design, Baurecht, Existenzgründerwissen, Fremdsprachen Weiterbildungsmöglichkeiten und Berufsaussichten: Restaurantmeister, Fachwirt/-in für Gastgewerbe, Studium in Ernährungswissenschaften oder Hotel- und Tourismusmanagement

35


BERICHT

HOTELFACHFRAU/-MANN MIT ZUSATZQUALIFIKATION HOTELMANAGEMENT* Ein Interview mit Laura Sang, Auszubildende im Grandhotel Hessischer Hof

Die Prüfungen sind rum, der Schulabschluss in der Tasche – und nun? Nach dem Abschluss beginnt eine besonders aufregende Phase. Von Selbstfindung über Jobsuche bis hin zur Frage „Was soll ich jetzt eigentlich tun?“. Während der Bewerbungsphase kann man sich oftmals etwas überfordert fühlen, denn bei so vielen verschiedenen Angeboten und Möglichkeiten, weiß man häufig nicht, wofür man sich entscheiden soll. Schließlich ist das Ziel den Traumberuf zu finden. Laura Sang, Auszubildende im Grandhotel Hessischer Hof in Frankfurt, berichtet uns über ihre Ausbildung als Hotelfachfrau mit Zusatzqualifikation Hotelmanagement. Sie erzählt über ihre Aufgaben, Besonderheiten und Herausforderungen der Ausbildung sowie ihrem Auslandsaufenthalt in Málaga, Spanien.

Hotellerie bevorzuge. Dennoch hatte ich mich auch bei zwei bekannten Ketten beworben. Schlussendlich habe ich mich, wie zuvor vermutet, für die Privathotellerie entschieden und bin mehr als glücklich mit dieser Wahl. Was macht die Ausbildung als Hotelfachfrau in der Privathotellerie so besonders? Das Bewerbungsgespräch im Hessischen Hof war bereits ganz anders aufgesetzt. Ich wurde sofort herzlich begrüßt und aufgenommen und nicht nur die klassischen Fragen gestellt, sondern auch persönliche beziehungsweise „menschliche“ Fragen. Das hat mir sehr gut gefallen. Im Hotel sind wir ein eingespieltes Team und helfen uns alle immens gegenseitig. Wir sind wie eine kleine Familie. Wir teilen so viele Emotionen miteinander: Freude, Stress, Frustration, Erleichterung. Es ist einfach schön zur Arbeit zu kommen und zu wissen – man ist nie allein. Insbesondere in Zeiten wie der Buchmesse spürt man diesen Zusammenhalt sehr stark. Der Beruf als Hotelfachfrau macht immens Spaß. Natürlich kann es auch einmal stressig oder spät werden. Für mich gibt es jedoch nichts Besseres als am Ende des Tages die strahlenden Gesichter der Gäste oder auch Kunden zu sehen.

Hallo Laura, erzähl uns einmal etwas über Dich. Wie kommt man zur Hotelfachfrau als Berufswunsch? Ich habe schon immer auf Familienfeiern gerne die Tische eingedeckt und dekoriert. In der Mittelstufe machte ich dann ein Praktikum im Hotel, wo ich eine Woche im Service und eine Woche im Housekeeping war. Während des Abiturs hat die Mutter einer Freundin dann ein Café eröffnet, in dem ich nebenher ausgeholfen habe. Somit konnte ich noch ein paar berufliche Erfahrungen sammeln. Nach dem Abitur wusste ich, dass ich definitiv etwas in dieser Richtung machen wollte. Auf einer Ausbildungsmesse kam ich dann ins Gespräch mit zwei Hotels und durfte an einer Hotelbesichtigung teilnehmen. Ich wusste sofort: das möchte ich jeden Tag! So habe ich mich erkundigt und den Hessischen Hof entdeckt. Ich wusste nämlich auf Anhieb, dass ich die private

Was ist die größte Herausforderung? Für mich persönlich war die größte Herausforderung zunächst tatsächlich die kurzfristige Arbeitseinteilung. Ich bin ein Mensch, der ganz gerne plant, wobei in diesem Beruf eher Flexibilität gefragt ist. Dadurch, dass ein Hotel ja 24 Stunden im Betrieb ist, sollte man auch offen für die Schicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit sein.

36


BERICHT

Dafür ist der Beruf aber auch sehr abwechslungsreich und vielseitig. Anders als bei anderen Ausbildungen wird es einem nie langweilig und wirklich jeder Tag ist verschieden. Zudem trifft man auf Menschen verschiedener Kulturen und Muttersprachen, was sowohl spannend als auch zum Teil herausfordernd sein kann.

INFOBOX Abschluss: Abitur oder Fachhochschulreife Ausbildungsdauer: 2 Jahre Ausbildungsinhalte: Gästebewertung, Reservierungssysteme, Revenue Management, Veranstaltungswesen, Buchhaltung, Hotelkonzepte, Sales, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Existenzgründerwissen, Fremdsprachen Weiterbildungsmöglichkeiten: Europaqualifikation, Studium, Aufstiegsweiterbildungen zu Führungspositionen (Hotelmeister/-in, Restaurantmeister/-in, Betriebswirt-in, Gastronom/-in, Barmeister/-in, Betriebsleiter/-in) Berufsaussichten: Diverse Abteilungen eines Hotels wie Front Office, Reservierung, Housekeeping, Verkauf, Restaurant, Bankett, Verwaltung

Laura, Du warst ja vier Wochen in Spanien. Was hast Du da genau gemacht? Der Mittelhessische Bildungsverband war bei uns in der Berufsschule zu Besuch und hat seine Angebote vorgestellt. Da erfuhr ich über Transmobilo+, ein Programm, welches Auszubildenden ein Auslandsaufenthalt innerhalb Europas durch ein Erasmus-Stipendium ermöglicht. Ich entschied mich für Málaga in Spanien, um meine Spanischkenntnisse zu verbessern. Während des Aufenthalts hatte ich am Vormittag Unterricht in der Sprachschule und am Nachmittag dann Schicht im Hotel. Während meiner Zeit dort lebte ich bei einer Gastfamilie, was der Anwendung meiner Sprachkenntnisse extrem zugutekam. Während die erste Woche noch etwas holprig war, haben sich meine Kenntnisse bis zur letzten Woche so sehr verbessert, dass ich um ein ganzes Sprachlevel aufgestiegen bin. Im Hotel war ich im Service auf der Rooftop-Bar. Die Sprachanwendung war hier noch viel herausfordernder, da die Mitarbeiter und Gäste viel schneller gesprochen haben als die Lehrer in der Sprachschule natürlich. Auch die kulturellen Unterschiede zu erleben, war sehr interessant und spannend. Insgesamt war es eine tolle Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe – insbesondere aber meinen Betrieb in Deutschland noch viel mehr zu schätzen. *Die Ausbildung ist auch ohne Zusatzqualifikation möglich.

„ FÜR MICH GIBT ES JEDOCH NICHTS BESSERES ALS AM ENDE DES TAGES DIE STRAHLENDEN GESICHTER DER GÄSTE ODER AUCH KUNDEN ZU SEHEN.“

37


BERICHT

WINZER/IN BEIM WEINGUT PRINZ VON HESSEN* Während der Ausbildung zum Winzer beim VDP Weingut Prinz von Hessen ist der Auszubildende Teil einer Bewirtschaftung von rund 45 Hektar Rebfläche und der Vermarktung von etwa 300.000 Flaschen Wein und Sekt national sowie international.

Zur Weinanalyse gehört die Weinbehandlung, das Beurteilen des Weines sowie die Behandlung des Mostes und Jungweines. Neben täglich anfallenden Kellerarbeiten kommen zudem das Warten und Pflegen von Maschinen, Geräten und Einrichtungen. „Das Tolle ist, dass man in dieser Ausbildung so viele Facetten des Berufs und eines Weingutes allgemein kennenlernt. Die handwerklichen Aufgaben und Tätigkeiten an der frischen Luft machen unheimlich viel Spaß und das Team ist echt super!“, freut sich Luca.

Doch was macht ein Winzer eigentlich genau? Und wie kommt man zu so einen Beruf? Der Begriff Winzer kommt aus dem lateinischen Wort Vinitor (von Vinum, zu Deutsch „Wein“) und bedeutet so viel wie „Weinleser“, d. h. jemand, der im Traubenanbau tätig ist. Heutzutage beinhaltet der Beruf eines Winzers jedoch mehr als nur den Traubenanbau.

Die abwechslungsreichen Aufgaben im Winzerberuf zeigen sich zusätzlich durch den Vertrieb, die Vermarktung des Weines auf Messen und Veranstaltungen, sowie den Auftritten auf Weinverkostungen, bei denen der Winzer in den direkten Kundenkontakt kommt.

In den meisten Fällen kommen Winzer aus Winzerfamilien. Wir haben mit Luca, einem Auszubildenden beim Weingut Prinz von Hessen, gesprochen, der aus einer Gastronomenfamilie kommt. „Meine Mutter brachte mich auf die Idee die Winzer-Ausbildung zu machen, da sie weiß, wie sehr ich mich für Wein interessiere“, so der 25-Jährige.

INFOBOX Mindestreife: Qualifizierter Haupt- oder Realschulabschluss Ausbildungsdauer: 3 Jahre Ausbildungsinhalte: Pflanzen und Pflege der Weinstöcke, Ernte der Trauben, Verarbeitung der Trauben zu Wein, Sekt oder Traubensaft, Vermarktung der Getränke Weiterbildungsmöglichkeiten und Berufsaussichten: Winzermeister, staatlich geprüfter Techniker Fachrichtung Weinbau und Kellerwirtschaft, Weinbau-Studium

Selbstverständlich ist ein Winzer für Arbeiten am Rebstock, Rebschutz, Dünger und der Bodenpflege verantwortlich, aber auch für andere Bereiche. Als Winzer ist insbesondere Wasserfestigkeit gefragt, denn die meiste Zeit verbringt man an der frischen Luft. „Da muss man in der Ausbildung schon vorbereitet sein. Im Winter muss man sich zum Beispiel warm anziehen, um draußen arbeiten zu können“, so der Auszubildende. Das Arbeiten im Weinberg findet das gesamte Jahr über statt. Hauptaufgabe eines Winzers ist die Weinherstellung – von der Ernte und Verarbeitung der Trauben über die Weinanalyse bis hin zum Abfüllen und Verpacken des Weins. Ein Winzer sollte viel Liebe zum Wein zeigen, denn wer diesen nicht einmal riechen kann, wird sich kaum in einem Weinkeller wohlfühlen. „Die Lese ist recht anstrengend, aber zu lernen wie die Trauben gepresst und zu Weinen verarbeitet werden, ist super interessant!“, strahlt Luca.

38


BERICHT

FĂźr mehr Informationen zu allen Ausbildungsberufen und den KarrieremĂśglichkeiten innerhalb der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen besuchen Sie unsere Website unter www.prinzvhessen.com/ausbildung und www.prinzvhessen.com/karriere. Schreiben Sie uns! karriere@prinzvhessen.com ist Ihr direkter Draht in die Betriebe der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen.

39


BERICHT

FIT AUS DEM GARTEN

Das Fürstliche Gartenfest zeigt, wie’s geht!

Flanieren, staunen, sich verzaubern lassen vom Duft und der Schönheit ausgefallener Pflanzen, Inspiration finden in den innovativen Schaugärten und Musterbeeten, ein hochwertiges Gartenwerkzeug oder ausgefallenes Accessoire erstehen – und schließlich all die schönen Dinge beglückt nach Hause tragen. Dieses Erlebnis bietet das Fürstliche Gartenfest seit über 20 Jahren. Dabei besticht die Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft von Floria Landgräfin von Hessen steht, zum einen durch ihr unvergleichliches Ambiente – Schloss Fasanerie – und zum anderen durch die Vielzahl namhafter Züchter aus dem In- und Ausland, die ihresgleichen sucht.

40


BERICHT

und Höfen von Schloss Fasanerie. Auf dem weitläufigen Gelände werden eigens für das Sonderthema kleine Ruheoasen geschaffen. Vortrefflich pausieren lässt es sich darüber hinaus im Balance-Garten von Peter Janke, welcher sich im Obstgarten des Schlosses befindet. Besucher, die spontan Lust auf Bewegung haben, sind zu Sport und Spiel im (Schloss-)Garten eingeladen: von Entspannungsübungen bis zum Fitnessparcours.

TEXT: MYRIAM WEIDMANN I L L U S T R A T I O N : PA U L T R U S T Die Gäste der Veranstaltung kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und beschreiben ihren Besuch rund um Schloss Fasanerie bei Fulda oft „wie einen Tag Urlaub“. Dass man aus einem Urlaub erholt und gleichzeitig auch fit zurückkommen kann, zeigt das Gartenvergnügen 2020 zu Christi Himmelfahrt, vom 21. bis 24. Mai. Denn dann dreht sich rund um Hessens schönstes Barockschloss unter dem Sonderthema „Fit aus dem Garten“ (fast) alles um die Themen Bewegung und Entspannung im Garten sowie um Heilpflanzen und Gesundes aus dem Garten.

Attraktiv ist auch das Rahmenprogramm: Dazu zählen neben Musik und Kunst die zahlreichen Vorträge renommierter Pflanzen- und Gartenexperten. Dabei geht es 2020 natürlich auch um Vorträge zur Historie des „Gesundheitsgartens“, denn Kloster- und Apothekergärten heilen Körper und Geist schon seit vielen Jahrhunderten. Daneben werden Vorträge mit konkreten Tipps und Tricks sowie Mitmachaktionen – insbesondere auch für kleine Gäste – angeboten. Außerdem bieten Schaugärten und Musterpflanzungen Inspiration. Dabei ist ein besonderes Highlight der jährliche ausgelobte Schaugartenwettbewerb, in dessen Rahmen sich in diesem Jahr mehr als 50 Studierende aus Deutschland und dem angrenzenden Ausland beteiligt haben. Passend zum Sonderthema war ein origineller „Fitnessgarten“ gefragt. Der Gewinnergarten des Wettbewerbs wird zum Fürstlichen Gartenfest auf einer Fläche von rund 300 qm im Hofgarten von Schloss Fasanerie zu sehen sein.

Damit folgt die renommierte Veranstaltung einem aktuellen Trend – der Wunsch nach einem bewussten und gesunden Leben. Eine zentrale Rolle spielt hierbei das Thema „Ernährung“: Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, ein Kräutergarten auf dem Balkon, Aromapflanzen im Hochbeet. Gärtnern regt die Sinne – und auch die Seele – an. Es hält gesund und macht glücklich. Das „Gärtnerglück“ kommt durch die Ruhe und Entspannung im Garten, aber auch durch das gärtnerische Workout: Arbeit an der frischen Luft, ein sichtbares Ergebnis und das sprichwörtliche Ernten des Erfolgs – was will man mehr. Glücklichsein im Garten, mit dem Garten und aus dem Garten.

INFOBOX

Glücklich machen während des Fürstlichen Gartenfestes die rund 170 Aussteller mit ihren besonderen Schätzen: eine außergewöhnliche Pflanzenvielfalt, hochwertige Gartenmöbel und -geräte, feines Kunsthandwerk, schicke Mode und Accessoires. Die Aussteller verwöhnen während der vier Veranstaltungstage zudem mit köstlicher Kulinarik: Von gesunden Smoothies bis hin zu deftigen Leibspeisen. Genießen können die Besucher die Köstlichkeiten in herrlichem Ambiente, nämlich in den Gärten

Lust bekommen auf einen Gartenfest-Besuch? Eintrittskarten zum Fürstlichen Gartenfest sind bereits erhältlich. Tagestickets kosten im Vorverkauf 14 Euro, an der Tageskasse 16 Euro (ermäßigt 12 bzw. 14 Euro). Die Dauerkarte, die an allen vier Veranstaltungstagen gültig ist, kostet 34 Euro. Aktuelle Information zum Veranstaltungstermin finden Sie jederzeit unter www.gartenfest.de.

41


ANZEIGE

25. September – 2. Oktober 2020 42


RKEAPLOERNTDAEGRE

01.05. –

3 0.09.

V E R A N S TA LT U N G E N

Tagesaktuelle Informationen zu unseren Veranstaltungen finden

PFINGSTBRUNCH 31. MAI 2020 SCHLOSSHOTEL KRONBERG

PARKÖFFNUNG SCHLOSS WOLFSGARTEN

Sie unter: prinzvhessen.com/ veranstaltungen

31. MAI – 01. JUN. 2020 SCHLOSS WOLFSGARTEN

MAI

08. – 09. AUG. 2020 SCHLOSS FASANERIE

JIMMY‘S MEETS ROOFTOP

JUN. SONDERAUSSTELLUNG KLEIN. INTIM. KOSTBAR.

SEP.

20. JUN. – 11. OKT. 2020

10. MAI 2020

SCHLOSS FASANERIE

SCHLOSSHOTEL KRONBERG

VDP KINO-NACHT

TASTE & ROCK

25. JUN. 2020

29. MAI. 2020

WEINGUT PRINZ VON HESSEN

JUL.

DAS FÜRSTLICHE GARTENFEST

JIMMY‘S MEETS ROOFTOP

21. – 24. MAI 2020

08. – 09. JUL. 2020

SCHLOSS FASANERIE

GRANDHOTEL HESSISCHER HOF

PARKÖFFNUNG SCHLOSS WOLFSGARTEN

FOHLENPRÄSENTATION

23. – 24. MAI 2020

11. JUL. 2020

SCHLOSS WOLFSGARTEN

GESTÜT PANKER

43

ZEITREISE INS 18. JAHRHUNDERT

12. – 13. AUG. 2020

MUTTERTAGSBRUNCH

GRANDHOTEL HESSISCHER HOF/ WEINGUT PRINZ VON HESSEN

AUG.

GRANDHOTEL HESSISCHER HOF

FRANKFURT UND DIE FAMILIE VON HESSEN 01. SEP. 2020 GRANDHOTEL HESSISCHER HOF

FEINWERK – MARKT FÜR ECHTE DINGE 04. – 06. SEP. 2020 SCHLOSS FASANERIE

TAG DES OFFENEN DENKMALS 13. SEP. 2020 SCHLOSS FASANERIE

DAS FÜRSTLICHE GARTENFEST 18. – 20. SEP. 2020 SCHLOSS WOLFSGARTEN


IMPRESSUM

I M PR E S S U M No. 2 / 2020

HERAUSGEBER: Hessische Hausstiftung Donatus Landgraf von Hessen

PRODUKTION: Thoma Druck GmbH www.thomadruck.de

Hainstraße 25b 61476 Kronberg Tel.: +49 6173 32709 12 Mail: rico.dengler@ghh.de www.prinzvhessen.de

AUFLAGE: 6.000 Stück

REDAKTION: Tina Groth-Müller, Rico Dengler

BILDNACHWEIS: Kirsten Nijhof, Hessische Hausstiftung, 6th edition of A Handbook of Ornament (Wikipedia), Rainer von Hessen, Michael Bader, Childhood Foundation, Thomas Lohnes / Hessische Staatskanzlei, Raffaele Haldimann, von Rauten, Toff & Zürpel, Michael Holz Studios, Martin Joppen, Markus Michaelis, Paul Trust, Fuenfwerken Design Ag

KONTAKT: rico.dengler@ghh.de

AUTOREN: Donatus Landgraf von Hessen, Barbara Siehl, Myriam Weidmann, Rico Dengler, Rainer von Hessen, Heinrich von der Decken, Bärbel Weinert, Monica dos Santos, Anja Daume, Magdalena Koch, Dr. Markus Miller

Nachdruck von Texten, Fotos, Illustrationen und Beiträgen auch in digitaler Form nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers.

KONZEPTION & GESTALTUNG: Fuenfwerken Design AG www.fuenfwerken.com

Die nächste Ausgabe erscheint im Herbst 2020. Schutzgebühr 5,– € © 2020 Hessische Hausstiftung

44


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Kundenmagazin Prinz von Hessen 2/2022 by Prinz von Hessen - Issuu