EVANGELISCHE ZEITUNG FÜR ÖSTERREICH
Kochen für TV und Gemeinde: Marco Krainer im Portrait Seite 13
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Instrument mit Seele
Seite 3, 4 und 16
„Aus dem Evangelium leben“ online gestartet
Seite 5
Interview mit Lore Beck: Schöpfungsverantwortung
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Bachler: Frauen-Workshop für geistliche Leitungsämter
Gruß des Bischofs
Seite 16
EDITORIAL
MEINUNG
Foto: privat
Irreführende Statistik
Liebe Leserin, lieber Leser, in nahezu jedem Gottesdienst erklingt eine Orgel. Was selbstverständlich für die meisten ist, erfordert höchste Technik und Abstimmung. Denn jede Orgel ist anders und jedes dieser Instrumente hat einen eigenen Charakter, fast könnte man sagen: eine eigene Seele. Wir sind der „Königin der Instrumente“ ein wenig auf die Spur gekommen, haben mit Sachverständigen und einer Organistin gesprochen und erzählen Ihnen von der ältesten evangelischen Orgel Österreichs. Dazu lesen Sie in dieser SAAT von gelingendem Klimaschutz in einer Pfarrgemeinde und dem Start einer großen Aktion in der Evangelischen Kirche – zu der auch Bischof Chalupka einen Beitrag im Heft schreibt. Viel Freude mit Ihrer SAAT, die diesmal auch wieder an alle GemeindevertreterInnen geht.
Ganz oben die Menschen mit Universitätsabschluss, ganz unten die Pflichtschulabgänger. Eine Statistik dieser Art wurde prompt bei einer hochgradigen Online-Bildungstagung präsentiert. Wie üblich. Ich halte Bildungsstatistiken, die so aufgezäumt sind, für fatal irreführend. Sie suggerieren: Je mehr Uni-Absolventen es gibt, desto besser steht ein Gemeinwesen da. Keineswegs! Gut für ein Gemeinwesen, gut für den demokratischen Staat ist ein breiter Mittelbau. Auch im Bildungswesen.
rinnen und Meister den Titel Mst. oder Mst.in vor ihren Namen schreiben und in allen Urkunden anführen. In einem Land wie Österreich, das gern als titelsüchtig bezeichnet wird, ist das nicht unwesentlich.
naltechnische Fakten unerheblich. Die Oster- und Auferstehungsfreude können Sie nicht schmälern. Und ER sitzt zur Rechten Gottes und wird wiederkommen. Magdalena Hauptmann, Baden (NÖ)
Wissenschaftlern und Lehrenden erinnert, welche dem Zeitgeist entsprechen wollen. Der Autor vermisst den „Beweis“ zur Auferstehung von Jesus, wie auch aus naturwissenschaftlicher Sicht die Existenz bzw. Nichtexistenz Gottes nicht beweisbar ist. Gläubige Christen erkennen aber im Alltag und der Natur, dass es einen Gott gibt, daher gibt es für sie nur ihn und keine Alternative unter „anderen Möglichkeiten“ (© Markus Öhler). Gerhard O. Pascher, Altlengbach (NÖ)
Wird in Diskussionen oder öffentlichen Reden ein Problem aufgezeigt, kommt garantiert der Schrei nach mehr Bildung: Die Schule, ja schon der Kindergarten! müsste ... Wirtschaft und Politik müssten ... Erscheint die Situation ausweglos, wird nach den Kirchen gerufen: Die Mühsal, motivierte Lehrlinge zu Erfüllt euren Bildungsauftrag! Sie finden, ist den Betrieben vertraut, tun das. Unermüdlich. Auf einer speebenso wie der legendäre Facharbei- ziellen Basis. Lassen Sie mich diese termangel. Das kratzt nicht an der mit einem abgewandelten Paulusweit vrbreiteten Einstellung „Wenn wort verdeutlichen: Unser Wissen ist mein Kind es nur irgendwie schafft, Stückwerk. Hätte ich alle Erkenntnis soll es auf die Uni gehen!“ Dahinter und die Herzensbildung nicht, so steht die Fiktion, dass „das Kind es wäre ich ein tönendes Erz oder eine dann besser hat“ und „mehr gilt bei klingende Schelle. den Leuten“. Die Evangelischen Bildungswerke Mein Vorschlag für eine neue Bil- greifen genau das in ihrer Selbstdardungsstatistik: Der Balken mit den stellung auf: „Herzensbildung ist Facharbeitern, den Meisterinnen mehr als die bloße Vermittlung von und Meistern, und jenen, die eine Wissen. Sie ist ein Weg zur wachsenHTL absolviert haben, muss ins Auge den Selbstbestimmung und ein Mitspringen. Pflichtschulabschluss und tel zur demokratischen LebensgeUni sind nur Nebenstränge. Das staltung.“ Herzensbildung lässt sich wäre aussagekräftiger. Besonders in nicht statistisch erfassen. Auch wenn einem Ländervergleich. Auch so in einer Bildungsgrafik der Herzenskleine Änderungen wie diese können bildung die erste Stelle gebührt. zu einer gerechteren Bewertung des GABRIELE NEUWIRTH mittleren Ausbildungsbereiches beiist Vorsitzende des Verbandes katholischer tragen. Ein positives Beispiel: Seit Publizistinnen und Publizisten Österreichs. vergangenem August dürfen Meiste-
Ihr Marco Uschmann - Chefredakteur Titelseite: „Spanische Trompeten“ gibt es in Österreich nur in einer einzigen evangelischen Kirche: in Vöcklabruck (OÖ). Die „horizontalen Zungen“ klingen besonders kraftvoll Foto: M. Uschmann
Zu „Streit ums leere Grab“ von Markus Öhler, SAAT 4 Was möchte der Artikel sagen? Gott sagt: „Du sollst ihn in die Ferse stechen, aber ER wird dir den Kopf zertreten“. Wir Christen glauben Gott. Und dass ER lebt, dabei sind krimi-
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Leserbriefschreiber Heinz Wolf kritisiert in SAAT 5 mit Recht die besondere Auslegung durch Univ.-Prof. Markus Öhler. Beim Lesen seines Artikels vor einem Monat wurde ich an immer wieder vorkommende „moderne“ Bibel-Interpretationen von
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„Aus dem Evangelium leben“ gestartet 230 TeilnehmerInnen waren beim Online Kick-off dabei Seelsorge. Klarheit. Glaube. Wachstum. Bibel. Es waren Begriffe wie diese, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der Auftaktveranstaltung zum Entwicklungsprozess „Aus dem Evangelium leben“ als Erstes einfielen, als sie nach ihren Hoffnungen für den Prozess gefragt wurden. Über eine interaktive OnlinePlattform konnten die 230 Interessierten, die sich am 4. Mai zum Projektstart in den virtuellen Raum begeben hatten, ihre Wünsche und Vorstellungen zum Ausdruck bringen.
ganze Regionen aufgerufen sind, Projekte zu entwickeln, um die Kirche zukunftsfähig zu machen, meinte er: „Das Wichtigste ist, dass wir von
unseren Ressourcen ausgehen, um Schnell wuchs die Wortwolke an, am das Evangelium noch besser zu leben Ende kamen fast 300 Einträge und zu den Menschen zu bringen.“ zustande. Je mehr Menschen einen Begriff wählten, umso größer wurde Erprobungsräume er in der Wortwolke dargestellt. für die Projekte „Wunderbar, dass so viele Menschen dabei waren und Interesse haben an Projekte können ab sofort bis Sep‚Aus dem Evangelium leben‘. Das tember als „Erprobungsräume“ einzeigt eine große Bereitschaft, dabei gereicht werden. Sie sollen zuminmitzumachen“, zeigte sich Bischof dest einem der drei inhaltlichen Michael Chalupka erfreut. Mit Blick Schwerpunkte des Entwicklungsproauf die nächsten drei Jahre, in denen zesses zuzuordnen sein: EvangePfarrgemeinden, Initiativen und lische Identität, („Leuchträume des
Den Artikel von Prof. Öhler hat Heinz Wolf offenbar falsch verstanden. Es geht dabei nicht darum, Gläubige als „mögliche Lügner“ darzustellen, sondern in der Überlieferung der Evangelien die unterschiedlichen Perspektiven in der Erzählung der Evangelisten zu erklären. Die interessanten Ausführungen von Prof. Öhler über diese unterschiedlichen Perspektiven bedeuten für den gläubigen Menschen sicher nicht, das Geschehen der Auferstehung in Frage zu stellen. Sondern mit dem Untertitel „Verschiedene Theorien
versuchen, das leere Grab zu erklären“ wird aufgezeigt, wie die Umwelt und die jüdischen oder römischen Autoritäten mit der „irritierenden“ Botschaft der Auferstehung umgegangen sind. Ich habe den Artikel nicht als „bekenntniswidrig“ empfunden, sondern als glaubensstärkend. Denn es gehört zum Spannendsten beim Bibellesen, sich auch bei den Hintergründen und geschichtlichen Zusammenhängen des biblischen Wortes auf die Spur zu machen. Pfarrer Martin Müller, Waiern (Ktn)
Evangeliums“), Dienstgemeinschaften und Ehrenamt („Gemeinsam dienen“) sowie Gemeinde- und Regionalentwicklung („Über den Horizont hinaus“). Für jeden der Schwerpunkte gibt es auch eine gesamtkirchliche Arbeitsgruppe. „Persönlich erhoffe ich mir, dass unsere evangelische Botschaft mehr in die Öffentlichkeit getragen wird. Und zwar zu den Menschen, die mit der Evangelischen Kirche in Österreich schon am Rande, aber noch nicht mit Personen konkret zu tun hatten. Diese Menschen sollten wir abholen“, sagt die Wiener Fachinspektorin Katja Eichler, Mitglied der Arbeitsgruppe „Leuchträume des Evangeliums“, im Gespräch mit der SAAT.
Ambitionierte Ziele sind gut Pfarrer Gerhard Harkam, aus der Arbeitsgruppe „Gemeinsam dienen“, zuständig auch für die gesamtösterreichische LektorInnenausbildung, betont: „Es gibt sehr ambitionierte Fortsetzung auf S. 4
Zu den Nachrufen in SAAT 5 Superintendent Hellmut Santer war nicht nur Verkündiger der „Frohen Botschaft“, sondern auch viele Jahre Präsident der Österreichischen Bibelgesellschaft. Pfarrer und DiakonieDirektor i.R. Ernst Gläser erlebte ich auf Freizeiten und Jungscharlagern. Bis zu seinem Heimgang war Ernst Mitglied des CVJM-Wien und leitete den Seniorenkreis mit viel Freude und Segen. Ein treuer Freund ist nicht mehr. Horst Heinz Vostrovsky, E-Mail
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Fortsetzung von S. 3 Ziele und das finde ich gut: Man muss groß denken. Ich wünsche mir, dass es als Ergebnis keine Texte gibt, sondern dass wir uns um die Transfers bemühen und auf die Rezeption bei den Menschen schauen, bei den Mitarbeitenden in der Kirche. Es ist nicht nur eine Spielwiese, sondern wir sollen konkret werden mit den Ergebnissen und deren Umsetzung.“
Daniela Palk, Vorständin im Diakoniewerk Gallneukirchen, erklärt die Stoßrichtung ihrer Arbeitsgruppe „Über den Horizont hinaus“: „Hier wird auf die Region als Gestaltungsraum in gemeinsamer Verantwortung Bezug genommen. Diese lokalen Verantwortungsgemeinschaften aus den unterschiedlichen Blickwinkeln in den Blick zu nehmen, finde ich spannend.“
Zudem gibt es sieben Kriterien für die Vergabe von Projekten, die nicht alle erfüllt sein müssen, aber als Orientierung dienen sollen: So sollen in Erprobungsräumen etwa „die Gemeinde Jesu Christi neu gelebt“ und die „bisherige volkskirchliche Logik“ überschritten werden. Ehrenamtliche sollen verantwortliche Positionen übernehmen, und „gelebte Spiritualität“ soll einen zentralen Raum bekommen. Für einzelne Projekte stehen Förderungen bis zu 50.000 Euro zur Verfügung.
Liebe Leserin, lieber Leser,
Sie kennen vielleicht diese Bitte, aber es ist sinnvoll und notwendig, sie jedes Jahr zu wiederholen: Mit Ihrer SAAT-Sonderspende, um die wir Sie mit dem beiliegenden Zahlschein ersuchen, helfen Sie mit, dass die Familie der SAAT-Leserinnen und -Leser verbunden bleibt. Denn für manche Menschen sind die 30 Euro, die die SAAT im Jahresabo kostet, eine zu hohe Belastung. Nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie, aber jetzt ganz besonders. Außerdem helfen Sie mit, dass die SAAT Die Vorschläge auch zu Menschen in Krankenhäuwerden von der Steuerungsgruppe sern kommt und so eine wichtige mit Bischof Chalupka, Projektmana- Verbindung zur evangelischen Welt ger Pfarrer Patrick Todjeras und den herstellt. Verantwortlichen der Arbeitsgruppen sowie den Superintendenzen Mit herzlichem Dank im Voraus beurteilt. Die finale Entscheidung über die Projektvergabe liegt beim Ihr Kirchenpresbyterium. Weitere Infos: Dr. Thomas Dasek SAAT-Geschäftsführung www.evang.at/ael MAN/WIN
IBAN: AT15 3200 0000 0747 6088 BIC: RLNWATWW Verwendungszweck: „Sonderspende“
Gemeinden entwickeln mit Gefühl Möglichst viele Menschen mit dem Evangelium erreichen – so formulieren die HerausgeberInnen von „Mit neuen Augen sehen“ ihr Anliegen. Das soll nicht „brachial“ geschehen, sondern feinfühlig. Und es geschieht aufgrund von Erfahrungen, denn das Buch vereint in sich viele Projekte von Gemeinden der Diözese Steiermark. So berichten Pfarrgemeinden von einem ganz besonderen Adventmarkt, einem Stammtisch oder den Erfahrungen einer DiasporaGemeinde. Als Instrument dienen „Sinus-Milieus“, die ihre Anwendung üblicherweise in der Sozial- und Marktforschung finden. Auf diese Weise können Lebensstil und Lebensgewohnheiten der Menschen erfasst werden, und die Betrachtungen reichen über Werte und Einstellungen hinaus. So soll „milieusensible Gemeindeentwicklung“ in den Fokus gelangen. Der im Buch vorliegende „bunte und
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vielfältige Strauß“ soll eine Anregung sein, „die Gedanken aufzugreifen, sich von den Projekten inspirieren zu lassen und manches in die Tat umzusetzen“, wie die HerausgeberInnen es formulieren. Liegt der Schwerpunkt des Buches erfreulicherweise auf der Praxis, so wird diese doch begleitet von wesentlichen theoretischen Überlegungen. Und wer nur Gelungenes erwartet, der wird enttäuscht – denn es finden sich auch weniger gelungene Beispiele im Buch; bekanntermaßen lernt man daraus am besten. Entstanden ist das Buch in der Steiermark, aber es
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weist mit seinem Ansatz und seinem konzentrierten Erfahrungsschatz weit über die Diözese hinaus und ist ein Gewinn für viele, denen die Kirche am Herzen liegt – und das Evangelium. Evangelische Superintendentur A.B. Steiermark (Hg.): Mit neuen Augen sehen – Milieusensible Gemeindeentwicklung in der Evangelischen Kirche Steiermark – Eine Anregung. Softcover, mit zahlreichen Abbildungen, durchgängig farbig, 200 Seiten, Evangelischer Presseverband 2021, € 22,– Zu bestellen unter T. 059 1517 950, shop@epv-evang.at, shop.epv-evang.at MAN
INTERVIEW
„Wir haben immer mehr Verbündete“ Kuratorin Lore Beck im Interview über Schöpfungsverantwortung Lore Beck ist Kuratorin der Pfarrgemeinde Linz-Innere Stadt, die vor kurzem ihre zweite PhotovoltaikAnlage installiert hat (s. SAAT 5). Im Interview erzählt sie über die Verantwortung ihrer Generation für die Umwelt.
wirkung für andere können wir uns gegenseitig motivieren, mit viel Kreativität und Mut einmal etwas Neues zu beginnen. Sie haben Erfahrung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, etwa im Senegal. Wie erleben dort die Menschen den Klimawandel? Es gibt Hirsefelder, die nicht mehr
Fotos: M. Uschmann
Ich war bei den ersten Demonstrationen der Fridays-for-Future-Bewegung in Linz und habe bemerkt, wie von überall die jungen Menschen auf den Hauptplatz geströmt sind und von uns Erwachsenen eingefordert haben, dass wir etwas tun müssen. Am Rand der Demonstration sind SAAT: Brauchte es viel Überzeu- viele meiner Generation gestanden, gungsarbeit, um das neue Photovol- die wir in den 1970er Jahren für ähntaik-Projekt durchzubringen? liche Themen auf die Straße gegan-
Lore Beck: Ich merke, dass es immer mehr Verbündete gibt. Es braucht aber einen langen Atem, eine gewisse Beharrlichkeit, und es braucht Selbstdisziplin. Beim Thema Schöpfungsverantwortung hätten wir gern Außenstellen unseres Gewissens, an die wir delegieren können. Ich merke aber, dass ich immer bewusster Verantwortung übernehmen muss. Wie kann eine Pfarrgemeinde eine solche Investition finanzieren? Es gab zum einen Förderung vom Land Oberösterreich. Zum anderen haben wir als Pfarrgemeinde das Glück, dass unsere Vorväter so gewirtschaftet haben, dass wir in bauliche Vorhaben investieren können. Wir haben Einnahmen aus einem vermieteten Geschäftshaus, die uns einen finanziellen Spielraum ermöglichen. Aber es liegt an uns, zu schauen, wie wir verantwortungsvoll mit diesem Geld umgehen. Woraus ist Ihr Engagement für die Schöpfungsverantwortung entstanden?
gen sind – seitdem hat sich wenig getan.
bewirtschaftet werden können, oder Baobab-Wälder, die zerstört sind, weil es zu trocken ist. Im Süden des Wer hat die größere Bringschuld: Landes werden wiederum Felder politische Entscheidungsträger, die weggeschwemmt. Die LandwirtRahmen setzen, oder Einzelne, die schaft, die auf Reisanbau beruht, ist ihren Lebensstil anpassen müssen? in Gefahr. Die Menschen können sich immer weniger selbst versorgen. Wir wissen alle: Es ist jeder und jede Immer mehr gehen weg aus der Einzelne von uns. Bis vor zwei Jah- Gegend, vor allem die jungen Mänren war es in unserer Pfarrgemeinde ner. Die Alten und die Kinder bleiben sogar schwierig, nur den Müll in der zurück. Teeküche zu trennen. Irgendwann einmal habe ich einen Biomülleimer Kann es unter diesen Voraussetgekauft und eine Tasche für Plastik- zungen überhaupt so etwas wie globehälter – und ab diesem Moment bale Klimagerechtigkeit geben? war ein Bewusstseinsprozess in Gang gesetzt. Wir überlegen jetzt Die eine Antwort kommt aus dem etwa auch, den Platz vor unserer Kir- Bauch heraus: Nein. Ich sehe im che zu begrünen. Oder den Parkplatz Moment keine große Übernahme hinter der Kirche: Was ist, wenn wir von Verantwortung der Industrieländen aufgeben und einen Pfarrgarten der oder der reichen Länder für die daraus machen? Für ein paar Autos Länder des Südens, weil sie so mit könnte man stattdessen Parkplätze sich selbst beschäftigt sind und sich in einer Garage anmieten. Ich komme alles auf die Corona-Krise konzenaus der Behindertenpädagogik, und triert. Die andere Antwort kommt ein Leitsatz war da immer für mich: aus dem Glauben und aus der Hoff„Der Sinn liegt im Tun“. Es mag sein, nung heraus: Doch, es zahlt sich aus, dass ich mich irre, aber nur mit die- für die Gerechtigkeit einzustehen. ser Erfahrung kann ich etwas verän- Es ist der Auftrag jedes Christen, dern. Ich glaube, in dieser Vorbild- jeder Christin, das zu tun. SAAT NR. 6 ✲ JUNI 2021 ✲ 68. JAHRGANG
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„Sanft-Mut“: TV-Gottesdienst Open Air „Sanft-Mut“ heißt der Open-Air-Gottesdienst von Burg Finstergrün im Salzburger Lungau, der am 13. Juni in ORF 2 und im ZDF ausgestrahlt wird. Pfarrer Manfred Perko und
Foto: M. Uschmann
Viele kennen Burg Finstergrün in Ramingstein, und wer nicht, sollte sie unbedingt kennenlernen: Auf der Burg fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt, sie empfängt ihre Gäste mit Türmen, Wehrgängen und einem „echten“ Burggespenst. Heute ist sie ein Kinderund Jugendfreizeitheim der Evangelischen Jugend Österreich. Etwa 50 ehrenamtliche MitarbeiterInnen aus ganz Österreich unterstütBurg Finstergrün bildet die Kulisse für den TV-Gottesdienst zen das Burgteam rund ums Team, die den Gottesdienst feiern, Jahr. Unter dem Motto „Abenteuer – gehen auf den „Pfad der Rittertu- Erlebnis – Burg“ sind Kinder-, Jugendgenden“ ein, der im Burghof die alten und Familiengruppen genauso willritterlichen Tugenden aufgreift und kommen wie Schulprojekttage, sie für unsere Zeit neu interpretiert: Chöre, Musikgruppen oder Mittelgewaltfrei und mit „Sanft-Mut“, lie- alter-Vereine. Tagesgäste lernen die bend, helfend und heilend. Burg bei einer spannenden Burgfüh-
rung kennen oder genießen einen Kaffee oder ein Glas Wein im Burgstüberl „Naschkammer“. Abenteuerlustige Menschen heiraten auf Burg Finstergrün oder lassen ihr Kind in der Burgkapelle taufen, feiern Geburtstag oder gestalten Firmenevents. Die Burg lädt auch ein zu Tagen der offenen Burgtore, Spielund Erlebnisprogrammen für Kinder, Mittelalterfesten und zum Adventmarkt „Winterzauber“. Für die musikalische Gestaltung des Open-Air-Gottesdienstes sorgt ein Bläserquartett der Johann Sebastian Bach Musikschule Wien unter der Leitung von Thomas Zsivkovits. Ebenso zu hören ist ein Vokalensemble unter der Leitung von Diözesankantor Thomas Wrenger, der den Gottesdienst am Keyboard begleitet und die musikalische Gesamtleitung hat. „Sanft-Mut“, TV-Gottesdienst am 13. Juni um 9.30 Uhr auf ORF 2 und ZDF MAN
Mehr Frauen in geistliche Leitungsämter Es ist ein gesellschaftliches Phänomen und zugleich eine Herausforderung: Niemand wird bestreiten, dass Frauen in den Führungsetagen der Konzerne unterrepräsentiert sind. Das gilt auch für die Kirche, und da gilt es gegenzusteuern. „Es ist ein grundsätzliches Thema – in der Gesellschaft und in der Kirche. Wir brauchen mehr Frauen in geistlichen Leitungsämtern“, sagt Oberkirchenrätin Ingrid Bachler im Gespräch mit der SAAT. Sie hatte am 6. Mai eingeladen zum Workshop „Frauen in geistlichen Führungspositionen“. Bachler weiter: „Es fehlen die Frauen nicht nur in den Vorständen der Konzerne, das zieht sich durch in der Medizin – wo sind die Primariae? –, in den Universitäten und eben auch in der Kirche. Das heißt, wir brauchen einen gesellschaftlichen Wandel.“
schwierig, dass Frauen in unserer Kirche in Führungspositionen kommen. Denn die Kirche ist ja Teil der Gesellschaft.“ Die Liesinger Pfarrerin war beim Workshop dabei, „weil mich das Thema als geistliche Amtsträgerin natürlich interessiert. Es ist wichtig, dass Frauen darüber ins Gespräch kommen.“ Im weiteren Schritt gelte es, die gesellschaftlichen Voraussetzungen zu verändern.
so Oberkirchenrätin Bachler, dass es „endlich Hearings gibt für alle Schlüsselfunktionen in der Kirche“. Hearings gebe es bisher nur bei den OberkirchenrätInnen, bei allen anderen Ämtern gehe es nach einer Vorstellung der Person sogleich an die Wahl. „Ganz wichtig ist, dass dieses Instrument von externen Profis übernommen wird. Dann schafft ein Hearing ein objektives Verfahren, und Frauen haben größere Chancen.“ Diese Forderung betreffe alle SchlüsAuch die Villacher Pfarrerin Astrid selämter, „natürlich auch das Amt Körner, ebenfalls beim Workshop des Bischofs/der Bischöfin“. dabei, betont: „Der Erfahrungsaustausch ist wichtig, nicht nur, um Ein weiteres Thema im Workshop einander den Rücken zu stärken, war, wie Frauen in Medien wahrgesondern auch um Blickwinkel zu wei- nommen und dargestellt werden. Die ten, kritische Sicht zu fördern und Liesinger Pfarrerin Lechner, die ab gemeinsam Schritte zu setzen“. 1. September das Predigerseminar Daher seien beim Workshop kon- (sic!) der Evangelischen Kirche leikrete Schritte festgehalten worden, ten wird: „Frauen werden oft mit Davon überzeugt ist auch Pfarrerin die gangbar und objektiv begründet Familie in Verbindung gebracht. Ein Helene Lechner, eine der 14 Teilneh- sind. Nur so könne man Chancen- Mann wird nie gefragt, wie er Famimerinnen des Workshops: „Es ist gleichheit fördern. Dazu gehört etwa, lie, Kinder und ein Amt miteinander
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LOKALES / INLAND
Grazer Heilandskirche renoviert Kirchenfenster
vereinbaren will. Bei Frauen ist diese Frage normal.“ Astrid Körner, sie wird heuer Konrektorin des Diakoniewerks de la Tour in Kärnten: „Die Frauenfrage wirft Themen auf, die eigentlich nichts mit dem Geschlecht zu tun haben, sondern notwendige Diskurse in einem sich verändernden Gesellschaftsbild sein müssen. Sie werden aber dem Frauenthema ‚angelastet‘ und suggerieren, dass Frauen an der Spitze unbequeme Ideen hätten: Qualitätsmanagement, Organisations- und Personalentwicklung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, PfarrerInnenbild. Solange die Beharrungskräfte in unserer Kirche größer sind als der Mut zur Veränderung, werden wir gut bewahrte Defizite in die Zukunft tragen.“ Pfarrerin Lechner bringt es auf den Punkt: „Wie bereit ist Österreich für Frauen in Führungspositionen?“
Foto: H. Rachl
Foto: G. Wölbl
Fünf Kirchenfenster zu renohaben sei ein „großer Brocken“ vieren ist ein großes Vorhaben. für die Pfarrgemeinde, an dem Zumal, wenn sie 6 Meter hoch sie bereits einige Jahre plant. sind und dazu ausgebaut wer„Schon mein Vorgänger Heinz den müssen. „Die Fenster mussSchubert hat hier viel Vorarbeit ten altersbedingt saniert wergeleistet. Auch wenn es natürden“, sagt die Kuratorin der lich ein Gemeinschaftsprojekt Grazer Heilandskirche, Angeder ganzen Pfarrgemeinde ist, lika Halbedl-Herrich, im Geist unsere Geschäftsführerin spräch mit der SAAT. Besonders Maria Tragbauer sehr wertvoll der Kitt, der die Fenster im Rahin der Baubegleitung.“ Auch die men hält, ist nicht mehr in OrdFinanzierung sei nicht einfach, nung. Die Rahmen bröseln, einimmerhin ist die Fensterrenozelne Scheiben sind bereits vierung mit 150.000 Euro verherausgefallen, sodass Regen in anschlagt. „Wir hoffen auf Fördie Kirche eindringen konnte. derungen, etwa durch die „Da war teilweise auch Gefahr öffentliche Hand, und natürlich im Verzug, deswegen mussten auf Spenden.“ wir eingreifen.“ Im Zweiten Weltkrieg hat die Grazer Oper Wer helfen will, dass die Fenster in der Grazer Heilandskirnebenan einen Bombentreffer abbekommen, das habe die Fensche wieder in alter Frische erstrahlen, kann spenden unter ter sehr mitgenommen. „Die Substanz des Glases und die Die Fenster der Kirche werden demontiert: schwierig, bei IBAN: AT32 2081 5208 0000 6 Metern Länge. 150.000 Euro hat die Pfarrgemeinde für Fensterrahmen aus Lärchen- die 4440, Steiermärkische SparRenovierung veranschlagt kasse, „Kirchenfenster“. Der holz können zum Großteil erhalten werden, das freut uns natürlich.“ Die renovierten Fenster sollen noch Baufortschritt ist auf der FacebookSelbstverständlich geschehe die in diesem Jahr, geplant ist Septem- Seite der Grazer Heilandskirche gut Fenster-Sanierung in enger Zusam- ber, wieder an ihrem Platz sein, zu verfolgen. menarbeit mit dem Bundesdenk- „wenn nichts dazwischenkommt“, so MAN Kuratorin Halbedl-Herrich. Das Vormalamt.
Seit zehn Jahren hat Elisabeth Pilz (re.) als diözesane Altenheim- und Pflegeseelsorgerin in der Steiermark gearbeitet. Außerdem hat sie u.a. ein Geragogik-Studium an der KPH Wien/ Krems sowie ein Gerontologie-Studium an der Uni Graz abgeschlossen. „Das Markenzeichen ihrer Arbeit war ‚begleiten‘: Menschen im Alter, Menschen in vielfältigen Abschieden, Menschen mit Demenz“, so Superintendent Wolfgang Rehner bei ihrer Verabschiedung in den Ruhestand am 9. Mai in der Grazer Heilandskirche. Pilz selbst sprach davon, dass sie „so viel von den Menschen lernen durfte, die ich besuchte“. Im Bild Superintendent Rehner, Pfarrer Herwig Hohenberger und Elisabeth Pilz (v.l.)
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AUSLAND
25-jährige Studentin übernimmt Synodenvorsitz In Deutschland gab es einen Generationenwechsel
Foto: privat
Überraschender Generationen- trat diesmal nicht mehr an. Heinrich wechsel in der Evangelischen Kirche erhielt schon im ersten Wahlgang in Deutschland: die absolute Mehrheit Die 25-jährige der Stimmen und setzte Anna-Nicole sich damit gegen die Heinrich aus Marburger Grünen-PoliRegensburg ist tikerin und Richterin Anfang Mai zur Nadine Bernshausen neuen Synoden(41) durch. präses und damit zu einer der Offene, höchsten Reprämissionale sentantInnen der Kirche Kirche gewählt In ihrer Vorstellungsworden. rede vor den Synodalen hatte Heinrich für eine Auf der ersten „optimistische PerspekSitzung der neuen Amtsperi- Anna-Nicole Heinrich warb für eine tive hinaus in die Weite“ Perspektive hinaus in geworben, die zugleich ode wählte das „optimistische die Weite“ begleitet sein werde Kirchenparlament die Philosophie-Studentin per „von Sparmaßnahmen, Rückbau und Online-Wahlverfahren zur Nachfol- Umbau“. Nach ihrer Wahl sagte sie deutschen Evangelischen gerin von Irmgard Schwaetzer (79). dem Die frühere FDP-Bundesministerin Pressedienst, sie wolle „eine offene,
missionale Kirche repräsentieren, die sich hoffentlich nicht zu stark leiten lässt von politischen Positionierungen, jedoch immer wieder Bezug auf gesellschaftliche Themen nimmt“. Als Präses gehört Heinrich außerdem dem 15-köpfigen Rat der EKD an, der im November neu gewählt wird. EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm forderte von den 128 Delegierten der auf sechs Jahre gewählten Synode einen Perspektivwechsel. Die Zahl der Mitglieder sinke, aber die Gefahr sei groß, einem großen Verfallsnarrativ auf den Leim zu gehen, sagte er in seinem Ratsbericht. „Wir sollten aber nicht alten Zeiten nachtrauern, sondern uns auf den Weg machen zu einer frischen, agilen, zuversichtlichen Kirche.“
Ja, ich will mehr SAAT!
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Instrument mit Seele
Erzsébet Windhager-Geréd: „Die Orgel ist das komplexeste Instrument, das ich kenne.“ Die Organistin in der Pfarrgemeinde WienInnere Stadt arbeitet, neben der Universität, viel mit Kindern und Jugendlichen: „Ich will ihnen die Faszination der Orgel nahebringen“
Faszination Orgel
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ie gilt als Königin der Instrumente. Ist es die klangliche Wucht? Die Vielfalt eines ganzen Orchesters? Die handwerkliche Komplexität des musikalischen Wunderwerks, das vor mehr als 2000 Jahren erfunden wurde?
„Jede Orgel hat ihre eigene Persönlichkeit, ja, ihre eigene Seele“, sagt Matthias Krampe. Der Landeskantor der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich ist auch Orgelsachverständiger. Und in dieser Funktion wichtiger Ansprechpartner in allen OrgelNR. 6 ✲ JUNI 2021 ✲ 68. JAHRGANG
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T H E M A: FA SZ I NAT I O N O R G E L
fragen, bei Restaurierungen ebenso wie bei großen Projekten soll es soweit sein, dann kann die neue Orgel zum Einsatz einer Neuanschaffung. Er kennt eine weite Bandbreite von kommen. Orgeln und hat auf vielen gespielt. „Die Orgel zeichnet eine enorme Vielseitigkeit aus“, erklärt er im Gespräch mit der SAAT. So individuell die einzelnen Orgeln gebaut werden, so indiviJedes größere Instrument ist individuell für den Raum konzi- duell sind auch die Kosten derartiger Projekte. Bei einem gröpiert, der ihr zugleich als Resonanzraum dient. ßeren Projekt mit Gehäuse könne man von 15.000 bis 20.000 Gleichzeitig ist sie auch ein „faszinierender Euro pro Register ausgehen, gibt Krampe einen ungefähren Spiegel der europäischen Kultur“, denn Richtwert an. Die Anzahl der Register – und damit die Größe „eine französische Orgel des 17. Jahrhun- der Orgel – hänge nicht nur vom Raum, sondern auch vom derts klingt anders als eine deutsche aus der Romantik des 19. Jahrhunderts“. WISSEN Die größte und derzeit auch neueste Orgel von griech. „órganon“ (Werkzeug, Instrument): Orgel, die in evangelischen Kirchen in Musikinstrument, das über Tasten mit Händen (über Österreich erklingt, ist jene in der Lutherischen Stadtkirche in Wien. 2018 wurde die Manuale) und Füßen (über das Pedal) gespielt das 700.000 Euro umfassende Projekt ferwird. Der Ton wird durch die Orgelpfeifen erzeugt, die durch einen Luftstrom angeblasen werden, datiggestellt. Die vom renommierten Orgelbauer her „Pfeifenorgel“. Vom Spieltisch aus kann der*die Markus Lenter errichtete Orgel umfasst 34 Register auf 3 Organist*in verschiedene „Register“ einschalten, Manualen mit insgesamt über 2000 Pfeifen. Weit weg von der die unterschiedliche Klangfarben haben. Großstadt Wien steht im kärntnerischen Zlan eine Orgel, die Truhenorgel: gut transportierbare Kleinorgel mit „historisch besonders interessant“ ist, erzählt Matthias Krampe. 1864 hat sie der Dorfschullehrer Jakob Ladstätter in seiner wenigen Registern Heimatgemeinde als „opus magnum“ fertiggestellt. Während Harmonium: Tasteninstrument, bei dem der Ton viele Orgeln in evangelischen Kirchen ein Manual aufweisen, durch schwingende „Zungen“ entsteht. Der Luftstrom wird durch Treten erzeugt. umfasst die Zlaner Orgel beeindruckende vier Klaviaturreihen. Hier stehe eine dringende Restauration an, weiß Krampe, Pfeifenorgeln sind seit der Antike bekannt. Die meisgehe es doch „um ein Denkmal ersten Ranges von nationaler ten Orgeln weltweit gibt es in Deutschland (rund Bedeutung“. 50.000). Für 2021 ist die Orgel in Deutschland zum „Instrument des Jahres“ gekürt worden. Seit 2017 Nicht immer ist die Größe der beeindruckende Faktor, sonsind Orgelmusik und Orgelbau durch die UNESCO dern die Frage nach der Historie. Unter diesem Aspekt stehen als immaterielles Kulturerbe anerkannt. in den evangelischen Kirchen in Österreich „viele sehr wertvolle“ Orgeln. Eine der „schönsten und vollständig erhaltenen“ Orgeln findet sich im nordburgenländischen Rust, sie stammt Nutzungsprofil ab, „schon mit einem Register ist die Orgel ein aus der Zeit der Toleranzgemeinden Ende des 18. Jahrhun- vollwertiges Instrument“. Krampe rät daher, immer in klangderts. Ein „besonderes Kleinod“ findet man laut Krampe in liche Qualität zu investieren und gegebenenfalls bei der Größe Bleiburg in Kärnten. Erbaut um 1780 steht sie in der Bürgerspi- Abstriche zu machen. Der Sachverständige versteht sich hier talkirche, die seit den 1960er Jahren evangelisch genutzt wird. als entscheidender Berater, um die Bedürfnisse der Gemein„Die Orgel befand sich völlig unverändert über 200 Jahre im de herauszufinden und mit den finanziellen Möglichkeiten in Dornröschenschlaf, bis sie – vom Holzwurm zerfressen – meis- Einklang zu bringen. Dabei müsse auch gefragt werden: „Was terlich vom Orgelbauer Wolfgang Karner restauriert wurde“, braucht der Raum? Was die Architektur? Was die Nutzung?“ erinnert sich Krampe. Eine neue Orgel in kleinerer Dimension Häufige Fallstricke liegen auf jeden Fall darin, einfach in der erwartet die Pfarrgemeinde Rosenau (OÖ), die der Salzburger Gemeinde bekannte Orgelbauer einzuladen und ein Projekt Orgelbauer Roland Hitsch errichtet. In rund sechs Monaten anbieten zu lassen. Vielmehr gelte es, in einer strukturierten Vorgangsweise ausgehend von einer gemeinsamen Projektskizze mit einer konkreten Ausschreibung an speziell für dieses Projekt ausgewählte Orgelbaufirmen heranzutreten.
Wie ein
großes
Foto: M. Krampe
Orchester
In Zlan (Ktn) steht eine hochinteressante Orgel von 1864, „ein Denkmal ersten Ranges von nationaler Bedeutung“
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Orgelbauer sind nicht nur bei Neuprojekten wichtige Partner. Sie braucht es auch bei der laufenden Wartung der Pfeifenorgeln. Üblicherweise haben Pfarrgemeinden hier Serviceverträge. Je nach Witterungsverhältnissen liegen die Wartungsintervalle zwischen einem und drei Jahren. Wichtig sei, „dass durch einen fachkundigen Blick kleinere Schäden rechtzeitig bemerkt und z.B. Schimmel erkannt wird“, berichtet Krampe aus seiner Erfahrung. Völlig wartungsfrei sind digitale Alternativen zur Pfeifenorgel. Die Entwicklung der „digitalen“ Orgel hat in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung erfahren. Hier werden Töne großer Pfeifenorgeln „gesampelt“, das heißt digital aufgenommen, und beim Spielen über Lautsprecher wiederge-
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geben. Krampe sieht diese verlockend wirkende Alternative durchaus kritisch. Natürlich könne für extrem kleine Budgets eine Digitalorgel sinnvoll sein, das Problem liege jedoch nicht nur in der raschen „digitalen Veralterung“ durch die immer schnellere Entwicklung, sondern vor allem in der „großen Beliebigkeit“, denn „ein gesampelter Klang einer großen Domorgel passt nicht in einen kleinen Kirchenraum“. Zudem werde meist die Investition in die Lautsprechertechnik unterschätzt, da die Klangabstrahlung hier durchaus noch eine eigene Herausforderung darstelle.
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Krampe empfiehlt, bei kleinen Budgets etwa Truhenorgeln ins Auge zu fassen, auch ein Digitalpiano könne für die jeweilige Nutzung mitunter die bessere Option sein. Außerdem würden immer wieder „Schätze übersehen“. In manchen Die Orgelpfeifen im Inneren der Orgel in Wien-Innere Stadt; sie sind Pfarrgemeinden stehen, so Krampe, noch Har- aus Holz und Metall, insgesamt sind es über 2000 monien, „die ebenfalls ihre musikalischen Qualitäten haben und in einer evangelischen Kirche auch von der ich kenne. In ihrer Vielfalt und ihrem Facettenreichtum ist sie Klangfülle her Erstaunliches leisten können“. Natürlich gebe mit einem großen symphonischen Orchester gleichzusetes hier große Unterschiede in der Qualität und im Erhaltungs- zen, ihre Ausdrucksmöglichkeiten sind unendlich“, schwärmt zustand, aber: „Ein prächtiges Harmonium kann schon unter Windhager-Geréd. Kindern erklärt sie die Funktionsweise Umständen ein besseres Fundament geben als eine kleine der großen Pfeifenorgel mit dem Bild des Orchesters, „so, als Pfeifenorgel“. würde man ein großes Pfeifenorchester gründen, und alle Pfeifenspieler mit einer Lunge spielen lassen“. Oder wie bei Die Orgel baut nicht nur ein tragfähiges klangliches Funda- Legosteinen: „Zehntausende Teile müssen zusammenwirken, ment für den Gemeindegesang auf; durch ihre drei Ebenen um einen einzelnen Ton zu erzeugen“. – über das Fußpedal den Bass zu spielen und auf den idealerweise zwei Manualen Solostimme und Harmoniebau abzu- In der Stadtkirche bietet Windhager-Geréd Konzerte und inbilden – sei die Orgel prädestiniert, das Grundschema „jedes teraktive Orgelführungen für Kinder an. Weil dies in der Pandemie nur sehr eingeschränkt möglich war, entstand im letzten Jahr die Idee des digitalen Orgel-Adventkalenders: Unter dem klingenden Namen „Tasterix und Orgelix“ stellte WindhagerGeréd aufwändig produzierte Videos auf den gleichnamigen YouTube-Kanal, und diese faszinierten nicht nur Kinder.
Die größte spielbare Orgel der Welt steht in einem Kaufhaus: Die 1911 fertiggestellte „Wanamaker Grand Court Organ“ in Philadelphia (USA) hat sechs Manuale, 376 Register und 28.750 Pfeifen
Wenn Kinder sich für das Instrument Orgel interessieren, müsse ein „spielerischer Zugang“ ermöglicht werden, weiß Windhager-Geréd, was auch Matthias Krampe unterstreicht: „Wenn ein Kind gepackt ist von der Idee Orgel, dann bitte tun lassen.“ Natürlich sei der Einstieg leichter, wenn das Kind schon Klavier-Unterricht hatte, aber nicht zwingend. Und das Spiel mit dem Fußpedal sei aufgrund der Körpergröße ohnehin erst ab rund 12 Jahren möglich. Die Johann Sebastian Bach Musikschule in Wien hat eine eigene Orgelklasse, aber nicht alle Musikschulen bieten Orgelunterricht an. Hier empfiehlt es sich, mit der bzw. dem Diözesankantor*in Kontakt aufzunehmen.
Fixpunkt in der Fortbildung von Organist*innen ist seit Jahren die „Werkwoche für evangelische Kirchenmusik“, die heuer vom 11. bis 18. Juli in Oberschützen (Bgld) stattfindet. Interessierte heutigen Songs“ klanglich darzustellen, ist Matthias Krampe finden hier umfangreiche Möglichkeiten des Einzelunterrichts überzeugt. Das zeigten auch die stark steigenden Auflagen und zum Erfahrungsaustausch. Der Bedarf an Organist*innen bei Notenheften aus dem Bereich der „jazzy organ“, des „or- sei jedenfalls groß, konstatiert Krampe. 2021 – im „Jahr der gan swing“ oder der „pop organ“. Damit lege die Orgel ihr „oft Orgel“ – hilft bei der Vermittlungsarbeit „Orgelkids“, ein Orverzopftes Image der angeblich faden alten Musik“ ab. gelkoffer, der beim Verband für Evangelische Kirchenmusik (VEKÖ) ausgeliehen werden kann. Darin kommt eine kleine Dieser Aspekt ist auch Erzsébet Windhager-Geréd wichtig. Sie Bausatzorgel, die vor Ort zusammengebaut wird und Kinder ist Organistin in der Lutherischen Stadtkirche in Wien und ver- die Funktionsweise einer Pfeifenorgel entdecken lässt. sucht, ihre Faszination an der Orgel Kindern und Jugendlichen zu vermitteln. „Die Orgel ist das komplexeste Instrument, das THOMAS DASEK NR. 6 ✲ JUNI 2021 ✲ 68. JAHRGANG
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KINDERPÄDAGOGIK
Eine Geschichte vom Geheimnis des Lebens* Ob Lebensübergänge oder Neuanfänge: „Mutmachgeschichten“ können helfen Eine Mutmach-Geschichte zum Mitmachen für Lebensübergänge, Neuanfänge, Taufen, Erinnerungsfeste mit Kindern. Diese sprechen die direkten Reden nach und schlüpfen spielerisch in das Erzählte. Eine kurze Ansprache macht deutlich: Lass dich nicht entmutigen! In dir steckt etwas Besonderes. Es entwickelt sich. „Aufgeblasene Kohlköpfe“, „spitze Stachelbeersträucher“ wollen das nicht sehen.
Art des Stachelbeerstrauchs ist: „Na, was denn!“ Aber die Raupe war schon weitergekrochen. Da kam sie in die Nähe des Radieschens. Das Radieschen fragte wie der Kohlkopf und der Stachelbeerstrauch, aber sanft und mild – so wie es die Art des Radieschens im Frühling ist: „Na, was denn?“
„Was aus mir noch
einmal werden wird!“ Doch dieses Besondere, dieses Geheimnis hat auch mit Gott zu tun. Gott hat es uns als Lebensgabe geschenkt. Jedem sein Ich. Er kennt Aber die kleine Raupe kroch weiter uns ganz gewiss. Gott sieht uns und sagte zum letzten Mal ganz freundlich an. Er sagt bedingungslos leise: „Was aus mir noch einmal werden wird!“ Dann kroch sie zum GarJa zu uns. tenzaun und legte sich ganz still hin. Es war einmal eine kleine Raupe, die Nach einer Weile fing sie an, sich ein kroch im Garten mal hierhin, mal Bettchen zu machen und sich darin dahin und sagte vor sich hin: „Was einzuwickeln, einzuspinnen, bis sie aus mir noch einmal werden wird!“ nicht mehr zu sehen war.
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Aber es war nicht aus mit der kleinen Raupe. Nach ein paar Tagen ruckte und zuckte es, und heraus kam ein wunderschöner Schmetterling! Er flog hin und her und fragte: „Kennt ihr mich denn nicht mehr?“ Da musste der große, dicke, aufgeblasene Kohlkopf auf einmal nach oben schauen und fragte sehr erstaunt: „Wer bist denn du?“ Auch der spitze und stachelige Stachelbeerstrauch musste nach oben schauen und sagte denselben Satz wie der Kohlkopf, aber spitz und stachelig, wie es eben seine Art war: „Wer bist denn du?“ Auch das Radieschen fragte wie der Kohlkopf und der Stachelbeerstrauch – aber mild und sanft, wie es eben seine Art ist: „Wer bist denn du?“
Das Geheimnis des Schmetterlings
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So kam sie in die Nähe eines großen, dicken Kohlkopfs. Der hörte, wie sie vor sich hinsprach. Da sagte er sehr von oben herab – wie es eben die Art des Kohlkopfs ist: „Na, was denn!“ Aber die kleine Raupe antwortete nicht, sondern kroch weiter. Da kam sie in die Nähe des Stachelbeerstrauchs. Der Stachelbeerstrauch hatte es auch gehört und sagte denselben Satz wie der Kohlkopf – aber spitz und stachelig, wie es die
beiden anderen – aber es sagte ihn mild und sanft und ein bisschen bedauernd, wie es eben die Art von Radieschen im Frühling ist: „Jetzt ist es aus mit ihr!“
Als der große, dicke Kohlkopf das sah, sagte er – sehr von oben herab, wie es eben seine Art ist: „Jetzt ist es aus mit ihr“. Auch der Stachelbeerstrauch sah, wie sie da lag: stocksteif, still und unbeweglich. Da sagte auch der Stachelbeerstrauch, spitz und stachelig, wie es eben seine Art ist: „Jetzt ist es aus mit ihr“. Auch das Radieschen sah die Raupe dort liegen wie tot. Da sagte auch das Radieschen denselben Satz wie die
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Da kam der Schmetterling und setzte sich auf das Radieschen und machte seine Flügel auf und zu und sagte leise: „Ich war doch die kleine Raupe!“ Aber sie hatte nicht leise genug gesprochen, denn auch die anderen hatten sie gehört. Der dicke Kohlkopf sagte wieder sehr von oben herab: „Warum hast du das denn nicht gleich gesagt?!“ Der Stachelbeerstrauch sagte ganz spitz denselben Satz: „Warum hast du das denn nicht gleich gesagt?!“ Nur das Radieschen sagte diesmal nichts, denn es wusste ja schon alles. Und der wunderschöne Schmetterling flog hierhin und dahin. Auf die dummen Fragen sagte er nur: „Pffft! Dann hätte ich ja kein Geheimnis gehabt!“ ANDREA PETRITSCH
ist Pfarrerin in Jenbach (Tirol). *
nach Wolfgang Longart
PORTRAIT / PRAXIS
Marco Krainer kommt aus einem kleinen Kärntner Dorf – und ist in der Welt zuhause: „Ich will die ganze Welt bereisen und die Kulinarik der Länder kennenlernen“, sagt der Show-Koch, der jahrelang mit Jean Pütz in der „Hobbythek“ des WDR gekocht hat. Mit 21 Jahren war er der jüngste Koch im Fernsehen. Auch mit dem ORF hat der heute 39-Jährige schon gekocht, sogar im Radio. Krainers Urgroßvater, Othmar Frick, war Pfarrer, er hat die Kirche in Bad Kleinkirchheim planen und errichten lassen. Später war er Pfarrer in Feld am See und auch in den USA. Kein Wunder, dass der Fernseh-Koch auch in seiner Pfarrgemeinde Feld am See zu Topf und Pfanne greift: „Unser Pfarrer Michael Guttner hat Abendgottesdienste ins Leben gerufen, und ich bin gern dabei und koche immer wieder einmal beim anschließenden Empfang.“ Nach wie vor ist der Kärntner als Show-Koch international erfolgreich und viel unterwegs: „Ich verbinde die Kulinarik der Welt mit der regionalen Küche in Kärnten.“ Durch seine Verwandtschaft in den USA und seine Besuche wächst seine
Liebe zu Amerika stetig: „Auch die amerikanische ‚Fusion Cuisine‘, die sehr viele Einflüsse in sich vereint, schätze ich sehr.“ Während des Lockdowns waren Reisen unmöglich, daher hat er die sozialen Medien für sein Kochen genutzt: „Auf YouTube gibt es zwei Kanäle von mir, auf denen ich koche und wunderbar mit den Menschen kommunizieren kann“. Außerdem ist Krainer Bera- Nach einem Abendgottesdienst in Feld am See bittet TV-Showkoch Marco Krainer zu Tisch: „Die Gemeinde liebt es“, so Krainer, ter beim „Genussland der immer wieder bei den Gottesdiensten dabei ist Kärnten“, einem kulidreimal die Woche, das brauche ich narischen Wegweiser für alle, die regional einkaufen wol- als Ausgleich und das hält mich fit.“ len: „Die Regionalität ist für mich als Ein bestimmtes Lieblingsessen hat Koch natürlich ganz wichtig. Egal wo der Show-Koch nicht, „aber ich ich koche, ich nehme eigentlich könnte nie auf Pasta verzichten. Das immer regionale Lebensmittel.“ Und liegt auch an meiner Liebe zu Itain seiner Freizeit? „Ich hatte früher lien.“ Einen Fehler dürfe man nie definitiv zu viele Kilos – dagegen gehe machen: die Pasta zu lange kochen – ich jetzt an. Ich liebe es, auf unseren „Pasta muss immer al dente sein.“ Hausberg in Feld am See zügig hinMARCO USCHMANN aufzugehen. Das mache ich zwei- bis
Foto: M. Guttner
Kochen für Fernsehen und Pfarrgemeinde
„Was in der Zeitung steht“ Es ist relativ einfach, mit einer Veranstaltung in die Zeitung zu kommen. Zunächst einmal müssen Sie recherchieren, welche Medien dafür in Frage kommen. Für Pfarrgemeinden sind dies meistens die Lokalund Regionalblätter und -ausgaben. Haben Sie diese Liste zusammengestellt, brauchen Sie den jeweiligen Redaktionsschluss – hier müssen Sie bedenken, dass Print-Ausgaben einen Vorlauf von einigen Tagen haben. Als nächsten Schritt müssen Sie eine Pressemitteilung verfassen, die die berühmten „Sechs W“ – Was, Wann, Wer, Wo, Warum, Wie – „abarbeitet“. Beginnen Sie mit dem wichtigsten W – das ist in den seltensten Fällen das Datum, sondern meist das „Was“. Wenn Sie dies geschrieben haben, schauen Sie, an welcher Stelle Sie Details hinzufügen können, damit Ihre Pressemitteilung interes-
santer wird. Bedenken Sie dabei, dass Sie ein Ziel erreichen wollen: den/die JournalistIn neugierig auf Ihre Veranstaltung zu machen. Wenn Ihnen dies gelingt und Sie eine Rückfrage seitens des Mediums erreichen, dann haben Sie einen großen Schritt gemacht. Um dies zu erleichtern, muss natürlich eine einfache Kontaktmöglichkeit in Ihrer Pressemitteilung stehen. Falls keine Rückfrage kommt, ist es durchaus hilfreich, noch einmal nachzufragen. Meist wird kein Journalist bei Ihrer Veranstaltung vorbeischauen können, aber Sie können von dem Event Fotos und einen Text anbieten. Denn von diesen Geschichten leben die Lokalblätter, die alle zu wenig Personal haben – und daher gern auf fertige Beiträge zurückgreifen oder diese umschreiben. Oft höre ich,
dass in den Pfarrgemeinden ja nichts geschehe, was für Zeitungen interessant sei. Darauf sage ich: Es kommt auf einen Versuch an. Denn neben Amtseinführungen oder Verabschiedungen gibt es einiges, das interessant ist für die Medien, seien es Konzerte, Flohmärkte oder besondere Gottesdienste. Wichtig dabei ist, eine gute Geschichte zu erzählen. Daher kann ich Sie ermutigen, Ihre Veranstaltungen an die Medien auszusenden – und gerne auch nachzufragen, was denn interessant ist für die Medien in der Umgebung Ihrer Pfarrgemeinde. So erreichen Sie gleich zwei Ziele: Sie platzieren die eine oder andere Geschichte in den Medien und Sie bekommen persönlichen Kontakt zu diesen – das „Um und Auf“ der guten Pressearbeit. MARCO USCHMANN
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THEOLOGIE
Ekklesia und Synagoge zungstechnik, die der Bibelübersetzer Hieronymus gewählt hat, bildet sehr genau die Sprachstruktur des griechischen Textes nach. Während jedoch der letzte Satz im GriechiBemerkenswert ist nun, dass sich schen als neuer und eigenständiger Darstellungen von Ekklesia und Satz verstanden wird, bei dem es zu Synagoge zwar in zahlreichen mit- einem Wechsel in der handelnden telalterlichen Kirchen im lateinisch Person kommt, findet dieser Wechsel geprägten Westen finden, dass diese im Lateinischen nicht statt. Darstellung jedoch im griechischen Sprachraum völlig fehlt. Dies ist ein Im hebräischen Text erfährt der ProAnzeichen dafür, dass das Jesaja- phet von Gott, dass ihm das Volk keiHierfür stand ein Prophetenwort aus Zitat auch anders verstanden wer- nen Glauben schenken wird: Die Wirdem Buch Jesaja Pate. Das Johan- den kann. Ein griechischer Theologe kung des prophetischen Redens ist, nesevangelium zitiert aus dem sechs- des dritten Jahrhunderts und einer dass sich die Herzen verhärten und ten Kapitel des Propheten Jesaja. der bedeutendsten Bibelausleger der die Augen nicht sehen und die Ohren Während der hebräische Text als ein Alten Kirche, Origenes, versteht die- nicht hören. Nach dem griechischen Auftrag an den Propheten verstan- sen Text anders. In seiner leider nur Text des Johannesevangeliums hat den wird, liest der Verfasser des in Fragmenten erhaltenen Ausle- eben das stattgefunden: Jesu AuftreJohannesevangeliums ihn als eine gung zum Johannesevangelium ver- ten hat keinen Glauben gefunden, erfüllte Verheißung. In der Luther- tritt Origenes die Meinung, dass es die Augen sind blind und die Herzen bibel 2017 lautet Joh 12,40: „Er hat sich bei dem, der die Verhärtung der hart geworden. Nach dem griechiihre Augen verblendet und ihr Herz Herzen und das Blindwerden der schen Text besteht Hoffnung auf eine verstockt, dass sie mit den Augen Augen bewirkt hat, und bei dem, der Änderung der Situation, eine Heilszusage wird gemacht. Heilung bringt, um zwei Per- Die Typologie von Ekklesia und Synasonen han- goge belastet das christlich-jüdische delt. Folg- Verhältnis und geht auf ein problelich kann matisches Textverständnis zurück. man das Martin Luther war offensichtlich tief Griechische in der lateinischen Wissenschaftsso übertra- sprache seiner Zeit verhaftet, dass gen: „Er hat er hier in großer Nähe zur Vulgata ihre Augen übersetzt. Gerade weil Martin blind und Luther die radikale Wende zum grieihr Herz chischen Text gefordert hat, würde es wohl seinem Zugang zur Bibel enthart sprechen, auch an dieser Stelle den gemacht. griechischen Text zu seinem Recht Folglich sehen sie kommen zu lassen. mit den HANS FÖRSTER Augen nicht ist Leiter eines Forschungsprojekts an der und versteEvangelisch-Theologischen Fakultät der hen mit Universität Wien. dem Herzen Ekklesia und Synagoge an der Fassade der Kathedrale Notre Dame de Paris nicht und nicht sehen noch mit dem Herzen bekehren sich nicht. Und dann werde verstehen und sich bekehren und ich ich ihnen Heilung bringen.“ BLUMENSCHMUCK ihnen helfe.“ Der Verfasser des finden Sie in reicher Auswahl in Johannesevangeliums übersetzte Die Änderung des Sinns ist der lateiden Gärtnereien der evangelischen aus dem Hebräischen. Die Unter- nischen Überlieferung und HieronyGemeinden A.B. und H.B., Wien X, schiede ergeben sich, weil zur Zeit mus anzulasten. Ihm verdanken wir Triester Straße 1, Tel. 604 33 42; Jesu der hebräische Text noch ohne eine lateinische Übersetzung der XI, Simmeringer Hauptstraße 242, Tel. 767 62 54, Fax DW 4, evangeVokalzeichen geschrieben wurde. Bibel, die unter dem Namen Vulgata lische Friedhöfe. Beim Vorlesen vokalisierte man den („die Volkstümliche“) bekannt ist Es werden auch Kranzbestellungen Text, Bedeutungsunterschiede und im Mittelalter zur beherrschenfür sämtliche Wiener Friedhöfe waren möglich. Das Jesaja-Zitat im den lateinischen Bibelausgabe entgegengenommen. Johannesevangelium wird in der wurde: Die „wörtliche“ Übersetchristlichen Auslegung meist so verstanden, dass Gott es war, der das Herz seines eigenen Volkes verstockt habe.
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Foto (Montage): wikimedia/Nitot/cc-by-sa-3.0
In zahlreichen mittelalterlichen Kunstwerken findet sich die Darstellung von Ekklesia und Synagoge: Der triumphierenden Kirche – dargestellt mit Krone und anderen Herrschaftsinsignien – steht die blinde Synagoge gegenüber. Deren Augen sind verbunden und ihr Herz ist von einem Schwert durchbohrt. Deutlicher kann man den Übergang der Heilsverheißung von Israel auf die Kirche nicht darstellen.
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LITERATURSALON / BIBLISCHE FIGUREN
Schreiben Sie den Schluss! 1975: Der Vietnamkrieg ist offiziell vorbei, in Afghanistan gärt es bereits, der „Kalte Krieg“ ist auf seinem Höhepunkt und es erscheint erstmals Luise Rinsers Buch „Bruder Feuer“ – ein Buch über die Figur des Franz von Assisi. Nur eines der unzähligen bereits erschienenen oder doch ein ganz anderes? Luise Rinser ist bis heute meine Lieblingsautorin, die es versteht, die großen Fragen der Menschheit in eine so wunderbar erzählerische Form zu packen, dass man ihre Bücher immer und immer wieder zur Hand nimmt – so auch dieses Buch über den Franziskus von Assisi. Sie verlegt die Geschichte ins 20. Jahrhundert: Francesco ist ein „Playboy“ („ein spielender Knabe, der im Theater der Eitelkeiten eine Rolle spielt …“), und dieser Playboy bringt mit seiner Entscheidung, alles wegzugeben und in vollkommener Armut zu leben, die Dorfgemeinschaft gegen
reichen Jüngling. Und es ist ein Buch ohne Schluss: Rinser lässt offen, wie sich der Journalist entscheidet – fährt er in die Redaktion zurück oder sucht er Francesco? –, und sie bittet die Leserschaft, ihr den Schluss zu Rinser erzählt die Geschichte aus schreiben – vielleicht wollen Sie es der Sicht eines skeptischen Journa- auch versuchen? listen, der von seinem Chef in die MARTIN HR ABE Berge von Assisi geschickt wird, um ist Pfarrer im Ehrenamt. einen Artikel über den „Verrückten“ zu schreiben, dem der Prozess wegen „Verführung Minderjähriger“ gemacht Luise Rinser werden soll. Widerwillig fährt er hin und versucht, mit den Recherchen zu beginnen. Wenn man über die zeitgebundenen Sätze (Super-8-Filme, Schreibmaschinen, Straßenkarten …) hinwegliest, ist es beklemmend, Fischer TB wie sehr die Zeit damals der heu1978 tigen gleicht: Reiche werden reicher, 128 Seiten Arme immer ärmer, die politische € 10,30 und gesellschaftliche „Elite“ bestimmt, was der richtige Weg ist. Zugleich ist es ein Buch über die „Nachfolge“, über das Gleichnis vom sich auf. Und es schließen sich ihm immer mehr Menschen an, die seine Art zu leben zu der ihren, zur „richtigen“ (das würde Francesco jedoch kategorisch ablehnen!) machen.
Bruder Feuer
Petrus In der Kunst ist Petrus meist mit einem Schlüssel in der Hand dargestellt. Er wird fast immer als erster der Jünger genannt. Ihm hat Jesus – jedenfalls dem Matthäusevangelium zufolge – die „Schlüssel des Himmelreichs“ (Mt 16,18f) anvertraut. Petrus, dessen ursprünglicher Name Simon ist, ist Fischer aus Galiläa, in Kapernaum ansässig, verheiratet und lebt mit seiner Schwiegermutter im gleichen Haus (Mk 1,29f). Die neutestamentlichen Schriften zeichnen Petrus als eine leidenschaftliche Persönlichkeit. Petrus bekennt, dass Jesus der verheißene Messias ist (Mk 8,29) – um dann der Ankündigung Jesu, dass sein Weg durch Leiden und Tod zur Auferstehung führen werde, zu widersprechen (Mk 8,31-33). Auf dem Berg der Verklärung will er „Hütten bauen“ (Mk 9,2ff), doch der Weg führt nach Jerusalem. Bei der Fußwaschung weigert sich Petrus, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen, um
dann das Waschen der Hände und des Hauptes zu erbitten (Joh 13,6-9). Als Jesus ankündigt, dass alle Jünger ihn verlassen werden, beteuert Petrus, dass er nicht so handeln werde – um Jesus prompt im Hof des hohepriesterlichen Palastes dreimal zu verleugnen (Mk 14,27-31.66-70). Petrus haut außerdem bei der Gefangennahme Jesu dem Knecht des Hohepriesters ein Ohr ab (Joh 18,10f). Trotz alledem: Petrus ist nach den Frauen der erste Zeuge der Auferstehung Jesu (Lk 24,34). Jesus hält an Petrus fest – trotz dessen Versagen. Einzig im Johannesevangelium ist er der ewige Zweite: Sein Bruder Andreas glaubt vor ihm an Jesus, die Konkurrenz zum namenlosen Lieblingsjünger ist nicht erst beim Wettlauf zum leeren Grab am Ostermorgen spürbar (Joh 20,1ff). Später, am See Genezareth, springt Petrus nackt in den See, als dieser Lieblingsjünger im Unbekannten am See den Auferstandenen erkennt (Joh
21,7). Ihn, Petrus, beauftragt dennoch der Auferstandene: „Weide meine Schafe!“ (Joh 21,17). Petrus ist die zentrale Gestalt der Jerusalemer Urgemeinde. Seine Pfingstpredigt bringt 3000 Menschen zum Glauben. Petrus heilt Kranke und hält trotz Widerstand an seinem Bekenntnis fest. Er wirkt in Jerusalem und den Küstenorten Lydda, Hoppe und Caesarea (Apg 9,32-10,18). Paulus und Petrus begegnen einander nicht immer spannungsfrei (Apg 15; Gal 2). Als frühchristlicher Missionar scheint er von seiner Frau begleitet worden zu sein (1 Kor 9,5). Zwei Briefe des Neuen Testaments sind im Namen des Petrus verfasst. In Rom soll er den Märtyrertod gestorben sein, möglicherweise kopfüber gekreuzigt – aber das steht nicht im Neuen Testament. J U T TA H E N N E R
ist Direktorin der Österreichischen Bibelgesellschaft. www.bibelgesellschaft.at
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GRUSS DES BISCHOFS
VERANSTALTUNGEN / STATISTIK
Bischof Chalupka: „Uns ist ein Schatz gegeben“ Das Evangelium zu verkünden und es zu leben – das ist die Aufgabe der Kirche. Dieser Auftrag ändert sich nicht. Das Evangelium spricht aber in die jeweilige Zeit hinein. Menschen und ihre Lebenswelten verändern sich. Wollen immer wieder neu und so angesprochen und einbezogen werden, dass ihre Herzen und ihr Verstand ergriffen werden können von der befreienden Botschaft. Es geht also darum, die Kirche „zukunftsfähig“ zu machen. Daher haben wir „Aus dem Evangelium leben“ begonnen (s. S. 3/4) – wir wollen mit diesem Entwicklungsprozess unsere Kirche zukunftsfähig gestalten. Denn die Kirche steht vor großen Herausforderungen. Aber sie bringt auch viel mit, um diese Herausforde-
4.–7.6.
Synode A.B. und Generalsynode 8010 Graz, Messeplatz 1
6.6.
9–22.30 Uhr, Oberösterreichischer Kirchentag 4400 Steyr, Evangelische Kirche, r.k. Stadtpfarrkirche, Brucknerplatz u.a.; www.evang-steyr.at
hoffe, dass sich viele von Ihnen beteiligen und so die Kirche der Zukunft mitgestalten werden. Das Ziel ist eine lebendige Kirche, die ihre Lebenskraft beweist – in den Gemeinden und der Gemeinschaft. Es können neue Initiativen entstehen, die „Aus dem Evangelium leben“ haben das Bisherige bewahren, weiterfühwir aber nicht auf den Weg gebracht, ren und zu neuen Formen des gemeinweil alles so schlecht ist oder in der samen Lebens kommen. Im Zentrum Kirche nichts weitergeht. Wir wollen stehen die Verkündigung und das das, was wir jetzt schon in der Kir- Leben des Evangeliums – des Schatche an Gutem, Positivem vorfinden, zes, der uns allen mitgegeben ist. verstärken und für die Pfarrerinnen und Pfarrer und Ehrenamtlichen leb- Es ist gut, wenn die Kirche noch barer machen. Und das ist sehr viel. mehr zu einer lebendigen GemeinDeshalb heißt dieser Prozess „Aus schaft derer wird, die sich aus Überdem Evangelium leben“. In der Vor- zeugung zur Kirche halten, weil sie bereitungszeit haben wir mit vielen dort ihre Heimat gefunden haben. Menschen, die auf verschiedene Eine Heimat, in der die Menschen Weise Verantwortung in unserer Kir- sich versammeln, Gottesdienste feiche tragen, gesprochen. Drei inhalt- ern, beten, singen und anderen helliche Schwerpunktbereiche haben fen. Anders gesagt: Die Menschen sich herauskristallisiert, die ver- kommen hier ihrem Auftrag nach, in stärkt bearbeitet werden sollen. einer pluralen Gesellschaft das EvanDabei geht es um Dienstgemein- gelium Jesu Christi zu bezeugen. schaften, regionale Kooperationen und die Stärkung der österreichi- Gelingen kann das Projekt „Aus dem Evangelium leben“, wenn wir die vieschen protestantischen Identität. len, die sich jetzt schon zur EvangeParallel dazu können sich Pfarrge- lischen Kirche bekennen, mitnehmeinden und Initiativen als Erpro- men auf diesen Weg. Wenn wir auch bungsräume bewerben, die beson- neue dazugewinnen, wird die Freude dere Modelle kirchlichen Lebens grenzenlos sein. Dazu sollen sich die entwickeln und eines oder mehrere Menschen gerne und bewusst entdieser Schwerpunktthemen behan- scheiden, hier mitzugestalten. Jeder deln wollen. Dadurch soll das geistli- und jede ist aufgerufen, die Kirche che Leben gestärkt werden und sich mitzuprägen. eine Entlastung für Haupt- und BISCHOF MICHAEL CHALUPK A Ehrenamtliche einstellen. Und ich rungen zu meistern. Denn mit dem Evangelium ist der Kirche und den Menschen ein Schatz gegeben. Wir wollen dort ansetzen, wo Menschen mit dem Evangelium leben, um diesen Schatz zu heben.
12.6.
27.6.
10 Uhr, Gustav-Adolf-Fest Vorarlberg und Sommerfest 6850 Dornbirn, Heilandskirche, Rosenstraße 8b, und Haus der Begegnung, Rosenstraße 8a; www. evangelische-kirche-dornbirn.at In Salzburg/Tirol, Kärnten, Steiermark, Niederösterreich und Burgenland findet wegen der Corona-Pandemie kein GustavAdolf-Fest statt.
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GemeindevertreterInnen A.B. in Österreich Quelle: eigene Erhebung; Grafik: pixabay; Bearbeitung D. Fischer
10.30 Uhr, Gustav-Adolf Fest Wien; www.weinbergkirche.at 1190 Wien, Weinbergkirche, Börnergasse 16
FILMTIPP / DAMALS
Ein Meilenstein des Kinos CITIZEN K ANE
Regie: Orson Welles USA 1941
Düstere Abendstimmung über einem imposanten Schloss, ein einziges Fenster schwach erleuchtet. Im Turmzimmer ein alter Mann am noblen Sterbebett. Aus seiner Hand rollt eine gläserne Schneekugel, zerschellt auf dem Boden – „rosebud“ ist das letzte Wort des Sterbenden. So beginnt „Citizen Kane“, der berühmteste Film von Orson Welles. 1941 ist er 26 Jahre jung, doch in den USA schon landesweit bekannt durch sein Hörspiel „Krieg der Welten“. Obwohl Hollywood-Newcomer, wird Welles für „Citizen Kane“ als Drehbuch-CoAutor, Regisseur und Hauptdarsteller engagiert. Ergebnis: ein Oscar für das beste Originaldrehbuch und ein heftiger Konflikt mit Zeitungsmagnat William Randolph Hearst. Der sieht sich in Charles Foster Kane porträtiert, startet eine groß angelegte Medienkampagne gegen den Film und beschädigt Orson Welles’ Hollywood-Karriere. Doch die internationale Filmwelt spricht bis heute von einem Meilenstein der Kinogeschichte: Die Erzählform in assozia-
Die SAAT vor 40 Jahren Geschichte und Gegenwart der Evangelischen im Burgenland war Thema einer umfangreichen Ausstellung, die von Mai 1981 bis Oktober 1984 in der evangelischen Kirche in Oberschützen gezeigt wurde. Ihr war das Titelbild der SAAT vom 7. Juni 1981 gewidmet, und ihre Eröffnung mit viel Prominenz schilderte ein Artikel im Inneren. Auch bei den Landesausstellungen in Salzburg auf Schloss Goldegg und im steirischen Graz stand der österreichische Protestantismus ausführlich im Mittelpunkt, wie in dieser Ausgabe der SAAT ebenfalls berichtet wurde.
tiv gesetzten Rückblenden begeistert, ungewöhnliche Kameraperspektiven, Lichtgestaltung und Make-up-Einsatz sind bis heute stilbildend. Und „rosebud“ (Rosenknospe) ist das häufigste Zitat der Filmgeschichte.
Stilbildend bis heute Ein Codewort? Der Schlüssel zum Verständnis des exzentrischen Lebens des fiktiven Multimillionärs, Medientycoons und Meinungsmachers? Das soll ein Reporter für die Wochenschau zur Todesmeldung klären. Er trifft Geschäftspartner, Weggefährten, Mitarbeiter, die Witwe – es entsteht das Bild eines geltungsbewussten Lebemanns, bemüht, mit seinem ererbten Reichtum auf der Bühne der Öffentlichkeit in der ersten Reihe zu stehen – alle sollen ihn lieben, für Geld und Publicity. Jedenfalls Vexierbild des amerikanischen Erfolgsmenschen. Und „rosebud“ vielleicht als Code für eine biografische Deutung: Anerkennung der ganzen Welt als Ersatz für den frühen Verlust der Mutter – es folgt ein fulminanter Ego-Trip in tiefe Einsamkeit. Orson Welles hatte sehr jung seine Eltern verloren – Charly Kane muss als kleiner Bub die Mutter verlassen, um das Leben im Reichtum bei einem Vormund zu erlernen. Der holt ihn im winterlichen Schneesturm ab, Charly versucht erfolglos, sich mit seinem Schlitten namens „rosebud“ zu widersetzen. Dieser Schlitten landet am Filmende im Feuer. Und es schließt sich der Bogen zur gläsernen Schneekugel und dem Sterbewort „rosebud“. THOMAS BOGENSBERGER
ist Regisseur beim ORF.
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PROGRAMM HF + TV
KURZ AUSGELEGT
„Was ist gemeint?“
E VA NGELISCHE MORGENGEDA NK EN
So., 6.05‒6.07 Uhr, Mo.‒Sa., 5.40‒5.42 Uhr (Regionalradios) 13.–19.6.: Luise Müller L E B E N S K U N S T. B E G E G N U N G E N A M S O N N TAG - / FE I E R TAG M O RG E N
jeden 1. So. im Monat: evangelische Predigttextauslegung, 7.04‒8.00 Uhr (Ö1) 6.6.: Jutta Henner 4.7.: Johannes Modeß Z W I S C H E N R U F. GESCHICHTEN ZUR ZEIT
jeden So., 6.55‒7.00 Uhr (Ö1) 6.6.: Jutta Henner 27.6.: Marco Uschmann G E DA N K E N FÜ R D E N TAG
Mo.–Sa., 6.55–7.00 Uhr (Ö1) 31.5.–5.6.: „Gott in mir“ – Zum 60. Todestag von Carl Gustav Jung, mit Susanne Heine WAS ICH GL AUBE
jeden So., 16.55 Uhr (ORF 2) T V-/HF- GOT TESDIENSTE
13.6., 9.30 Uhr (ORF 2 und ZDF), von Burg Finstergrün in Ramingstein (Sbg), mit Pfarrer Manfred Perko, Burgrätin Lisbeth BednarBrandt und Team 27.6., 10 Uhr (ORF III), aus Oberwart (Bgld) mit Oberkirchenrat Karl Schiefermair, Pfarrerin Sieglinde Pfänder und Team Alle Sendungen sind nachzuhören/ nachzusehen unter religion.orf.at
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Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede! Denn wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von Geheimnissen. Wer aber prophetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. Ich wollte, dass ihr alle in Zungen reden könntet; aber noch viel mehr, dass ihr prophetisch reden könntet. Denn wer prophetisch redet, ist größer als der, der in Zungen redet; es sei denn, er legt es auch aus, damit die Gemeinde dadurch erbaut werde. Nun aber, liebe Brüder, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetie oder
der Lehre? Verhält sich‘s doch auch so mit leblosen Dingen, die Töne hervorbringen, es sei eine Flöte oder eine Harfe: Wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird? Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten? So auch ihr: Wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden. Es gibt so viele Arten von Sprache in der Welt und nichts ist ohne Sprache. Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich den nicht verstehen, der redet, und der redet, wird mich nicht verstehen. So auch ihr: Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr die Gemeinde erbaut und alles reichlich habt. (1. Kor 14,1-12; 2. Sonntag nach Trinitatis; 13. Juni 2021)
Die Zungenrede, so ein theologisches Lexikon, ist „ein geistgewirktes, ekstatisches Reden in unartikulierter, nicht durch den Verstand kontrollierter Sprache“. Schon zur Zeit des Paulus war sie unverständlich: „Wie kann man wissen, was gemeint ist?“ Eine Gemeinde jedenfalls kann damit nicht „erbaut“ werden.
biblische Gestalt, die im Alten Testament eine große Rolle spielt, war ihnen fremd.
„Wie kann man wissen, was gemeint ist?“ Der eindringliche Abschnitt aus dem 1. Korintherbrief mit seinen Beispielen aus der Musik, dem Militär und der Welt der Sprachen beschreibt, was man damals „Prophetie“ nannte. Angesprochen ist jedes GemeindeDie Passage aus dem ersten Brief des mitglied, dem die Erbauung der Apostels an die Christusgläubigen in Gemeinde – auch so ein schwieriges Korinth wirkt wie eine Predigtlehre Wort! – in Liebe am Herzen liegt. im Kleinen. Ihr Ziel ist: Redet verständlich! Die Botschaft vom retten- Und auch heute gilt mehr denn je: den Eingreifen Gottes in unsere Welt Verkündigung, wie und wo immer sie war damals so neu und unerhört, geschieht, muss erklären, was dass es nicht leicht war, klarzuma- gemeint ist. Die „Sprache Kanaans“, chen, worum es dabei geht. Und also „Kirchensprech“, die sich vor heute, nach 2000 Jahren Christen- allem bei Kirchenleuten so leicht eintum, ist sie zwar nicht mehr neu, schleicht, ist für andere ein Zungenwird aber immer unverständlicher. reden und hat ausgedient. Fast jedes Man mag die fortschreitende Säku- Wort muss auf die Goldwaage gelegt larisierung beklagen, man kann aber und möglicherweise übersetzt wernicht mehr unbesehen mit Ausdrü- den. Das ist schwierig, aber hier zeicken wie „Gnade“, „Rechtfertigung“ gen sich „reichlich“ die „Gaben des oder „Heil“ hantieren. Eine Rund- Geistes“. Es bedeutet „prophetisch funkandacht begann einmal mit den reden“ in unserer Zeit. Worten „Wir kennen alle den alten CHRISTOPH WEIST Samuel …“ Tatsache war: Die Höreist Pfarrer in Ruhe und war rInnen, auch viele aus der Kerngelangjähriger Chefredakteur der SAAT. meinde, kannten ihn nicht! Diese
SAAT NR. 6 ✲ JUNI 2021 ✲ 68. JAHRGANG
RÄTSEL
GUT ZU WISSEN
ägypt. Gott der Wüste röm. Dichter † 17
den ersten Schritt tun
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6 Frau Adams Seenotzeichen
Abk. für "in Gründung" Werk, Kreation
Devotion evang. öst. Kirche seit 150 Jahren reformiertes Wahrzeichen von Zürich
11 in Augenschein nehmen
Schwarz beim Roulette
10
4 Abk. für "Altes Testament"
Sohn des Lot im Alten Testament
Nachahmung Ewigkeiten
eingeschaltet latein. für "Ente"
Inschrift am Kreuz Christi
gesucht, selten
1
2 italien. für "eine"
Rätsel-Brunner
Abk. für "außerordentlich"
Gutschrift, Pluspunkt Heimat Abrahams
Mitteldeutscher Rundfunk
9 KFZKennz. für Melk
olymp. Kürzel für Mauretanien
S F L
7 Dienst der Verkündigung und Seelsorge
Hotel Imperial
anglikan. Priestertitel kurz für "heran"
Gesuch, Antrag
Foto: wikimedia/Gugerell
Hilfsbedürftige angenehm sein
Teil des Neuen Testamentes von Paulus klangvolle evang. Kirchenfeier
A
Gräser für Flechtereien
8
Lösung des letzten Rätsels
D H E K N A D E E Z Z U B N E N A S T E B I S Y N DR
A R B A N A E U F R O L A A N G L E E X E T P H R OA MU OM
9
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A L T A R B I B E L
K U R V E
T A O I S E T
O N E R U T E A G X E E N
Lösungswort: FORSYTHIEN
LÖSUNGSWORT 1
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epv
Doppelt gewinnen mit der SAAT!
Schicken Sie das Lösungswort und/oder die Lösung des Personenrätsels an saat@epv-evang.at bzw. an den Evangelischen Presseverband, Redaktion „SAAT“, Ungargasse 9/10, 1030 Wien. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir je 2 Exemplare des Buches von Jutta Henner „Von Amos bis Zippora“. Einsendeschluss ist der 18. Juni 2021, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. GewinnerInnen der Rätsel in Heft 5 sind Veronika H. aus Wels und Gottfried W. aus Rutzenmoos. Wir gratulieren herzlich!
Was wäre gewesen, wenn? Wenn etwa US-Präsident John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow, Regierungschef der Sowjetunion, am 3. Juni 1961 in Wien in einem unkomfortablen Hotel geschlafen hätten? Wären die beiden mit verspannten Rücken in ihre Verhandlungen und einem anrollenden Atomkrieg im Gepäck auseinandergegangen? Zum Glück durften sie im Hotel Imperial an der Ringstraße nächtigen. Erbaut hat es gut 100 Jahre vor dem Gipfeltreffen der gebürtige Rheinländer Heinrich Adam, seines Zeichens Presbyter und Vorsitzender des Bauausschusses der Evangelischen Pfarrgemeinde H.B. Wienlnnere Stadt. Sein Meisterwerk lassen sich betuchte Gäste noch heute gerne etwas kosten. Eine Nacht für zwei zu Fronleichnam schlägt mit bis zu 4.900 Euro in der Royal Suite mit Butler zu Buche. Immerhin wurde das Imperial 1994 von den Lesern des „Condé Nast“ zum besten Hotel der Welt gewählt. MICHAEL WINDISCH
Gewusst wer Wie schafft es die Tochter eines Hausierers und einer Wäscherin auf die Liste der 100 einflussreichsten Personen des 20. Jahrhunderts? Dafür hat die Gesuchte wohl selbst auch kein Patentrezept parat – für vieles andere aber schon, und genau das war Teil ihres Erfolgs. Früh verlor sie ihre Mutter, der Vater überließ die Erziehung der 12-Jährigen daraufhin Nonnen und ward nie mehr gesehen. Später verdingte sie sich als Sängerin – eine Zeit, aus der ihr fruchtiger
Künstlername stammen dürfte. Mit finanzieller Unterstützung eines Geliebten machte sie sich dann in der Pariser Rue Cambon in ihrem eigentlichen Metier selbständig. Von da an ging’s bergauf: Die Schönen und Reichen gingen bei ihr ein und aus, in der Hoffnung, sich mit ihrem Reichtum noch mehr Schönheit zu erkaufen. Von ihrer permanenten Wohnung im Nobelhotel Ritz aus nutzte sie ihre Beziehungen später als Agentin für die nationalsozialistischen Besatzer.
Heute noch trägt ihr unternehmerisches Erbe mit einem Markenwert von 36 Milliarden Euro beträchtliche Früchte ein. Wesentlichen Anteil daran hat ihre berühmteste Kreation, die heuer 100. Geburtstag feiert: beim sagenumwobenen fünften Versuch hatten sie und ein Mitarbeiter den richtigen Riecher. MICHAEL WINDISCH
Lösung SAAT 5: Albert Schweitzer
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Erfülltes Leben Es gibt ein erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche.
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DIETRICH BONHOEFFER
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