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WIESBADENER*IN, Ausgabe 04/2026

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Wiesbadener*in Ausgabe IV / 2026

Preis: 6,50 €

Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

Ein ganz besonderer Mensch

Abschied von Joachim Kreck

Die drei Säulen des Seins

Theatergruppe ZEITLOS im thalhaus

Tom Boller

Der Stadtzeichner von Karlsruhe

NordArt 2026

Unerwartete Begegnungen mit der Kunst

Genuss-Jubiläum

30. Rheingau Gourmet & Wein Festival

Weinschreibereien

Wenn der Rhein Geschichten schreibt

European Youth Circus Wiesbaden

Staatstheater Darmstadt

So geht Europa!

Intigantenstadl und Revolutionäre

Staatstheater Wiesbaden

Scheinbar unspektakulär

Sinnlich fesselnde Bühnenkunst

Jean-Marc Bustamante im Ludwigmuseum Koblenz


Inhalt

......

NordArt 2026: Blick in die ehemalige Industriehalle

menschen & meinungen

Nehmen Sie sich Platz S. 4 Ein ganz besonderer Mensch S. 5

gaumenkitzeleien Genuss-Jubiläum

kultur & kreatives

Cirque Bouffon Ludwigmuseum Koblenz Ben Becker: ICH, JUDAS Die drei Säulen des Seins Tom Boller Holger Höcke NordArt 2026 Schiersteiner Kantorei European Youth Circus Weinschreibereien Schirn Staatstheater Saarbrücken Staatsteater Wiesbaden Staatstheater Darmstadt Staatstheater Mainz Kulturfonds

magazin

KulTouren

S. 6 S. 7 S. 8 S. 9 S. 10 S. 12 S. 15 S. 16 S. 19 S. 20 S. 22 S. 24 S. 28 S. 30 S. 32 S. 34 S. 35 S. 26

„Alles hat ein Ende alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei | am Ende der Welt | am Ende des Tages | am Ende kackt die Ente | am Ende sein | am falschen Ende sparen | an allen Ecken und Enden | bis ans Ende aller Tage | bis ans Ende der Welt | bis ans Ende seiner Tage | das dicke Ende kommt noch | das ist der Anfang vom Ende | dem Ende entgegengehen | seinem Ende zugehen | auf das Ende zugehen | ein Ende finden einer Sache ein Ende setzen | Ende der Fahnenstange | Ende Gelände | Ende gut, alles gut | Ende nie | Ende vom Lied | es gibt Licht am Ende des Tunnels | etw. ein Ende setzen | etw. zu Ende bringen | etw. zu Ende führen | kein Ende finden | kein Ende nehmen | letzten Endes Licht am Ende des Tunnels | Licht am Ende des Tunnels sehen | Licht am Ende des Tunnels sein | ein Licht am Ende des Tunnels sein | lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende | mit seinem Latein am Ende | mit seiner Kunst am Ende | mit seiner Weisheit am Ende | nicht das Ende der Welt | sein offenes Ende | ohne Ende | Schraube ohne Ende | seinem Leben ein Ende machen | seinem Leben ein Ende setzen | sich dem Ende zuneigen | und kein Ende in Sicht | von Anfang bis Ende | zu Ende | zu Ende gehen | zum Ende kommen.“ (aus. Digitales Wörterbuch der dt. Sprache).

Tom Boller: Schlachthof, Acryl auf Kromapappe

Nature morte, 2023, Zeichnung

Lose Enden in der Endzeit, ein 12 Ender und alles gut. Das ist das Ende des Editorials. Endgültig. Und wie immer wünschen wir Ihnen viel Vergnügen mit dieser Ausgabe und einen entspannten Jahreswechsel! Ben Becker: ICH, JUDAS - Jubiläumstour Ringkirche Wiesbaden

IMPRESSUM: Herausgeberin, Gesamtkoordination & Gestaltung: media futura • Inh. Petra Esser • Mittelstraße 3 • 56856 Zell/Mosel • Tel. 06542.954.00.80 • Fax: 06542.954.00.79 • www.media-futura.de • mail@media–futura.de • Gestaltung: Petra Esser • Redaktion: Petra Esser, Tobias Mahlow, Gesine Werner • Anzeigenleitung: Tobias Mahlow • Titel: Ben Becker, ICH, JUDAS - 10 Jahre - Jubiläumstour, Ringkirche Wiesbaden • Vignetten: Bernd Schneider • Druck: WIRmachenDRUCK GmbH, Mühlbachstraße 7, 71522 Backnang • Redaktionsschluss für die Ausgabe I/2027: 15.02.2027 • Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages • alle Fotos und Logos wurden uns – wenn nicht anders dokumentiert – von den porträtierten Personen/Institutionen zur Verfügung gestellt. wiesbadener*in IV/2026


menschen & meinungen Frauen sitzen selten raumgreifend, machen sich schmal oder lassen sich ihren Platz „zuweisen“. Das Raumverhalten von Männern und Frauen stimmt zumeist mit dem von Vorgesetzten und Untergebenen überein. Auch „Gebietsmarkierungen“ (Größe des Schreibtisches) und Sitzordnungen (wer sitzt am „Kopfende“?) zeigen den Status einer Person an. Unterschriften ranghoher Personen nehmen gerne „gebührend“ viel Raum ein.

„Heraus mit dem Frauenwahlrecht!“ Entschlossene Mimik, raumgreifend breitbeinig sicherer Stand, das Banner fest mit beiden Händen schwingend: Mit ihrer prägnanten Körper-Sprache signalisiert die (noch) nicht stimmberechtigte Frau ihre eindeutige Botschaft: Wir kämpfen!

Die stumme Macht der KörperSprache: Nehmen Sie sich Platz!

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u Spiegelungen weiblich-männlicher Äußerungsformen - was Gesten und Handlungen von Frauen und Männern ausdrücken Schulze und Meier begegnen sich in der Hotelhalle. Schulze geht auf Meier zu, greift Meiers Hand, schüttelt sie und ruft: „Na, wieder aus dem Spital zurück? Hoffe, es geht Ihnen wieder gut. Bin in Eile - melden Sie sich mal wieder!“ Schulze klopft Meier auf die Schulter, ehe sich die Aufzugtüre schließt. Offenbar eine freundliche Begegnung von zwei Bekannten: Beide sind erfreut, berühren sich, wechseln einen Händedruck und persönliche Worte, bevor sie sich wieder trennen. Erscheinen vor Ihrem geistigen Auge zwei Männer? Wieso? Die allgemeine Formulierung der Szene lässt keinen Rückschluss auf Geschlechter zu. Treffen sich zwei Personen, zeigt ihr Körperverhalten eine gleichberechtigte Partnerschaft oder ein Macht/Unterwerfungsverhältnis an. Stellen wir uns Schulze als Frau und Meier als Mann vor, werden die versteckten sozialen Anteile deutlich. Es gibt ein gravierendes Machtgefälle und eine eher ungewöhnliche „Arbeitsteilung“. Frau Schule wird initiativ, steuert auf Herrn Meier zu, spricht ihn mit einer

Scheinfrage an, „tritt ihm nahe“ und berührt ihn körperlich. Sie beendet den Kontakt auch wieder. Alle Aktivitäten gehen von einer Frau aus, die körperlich und sprachlich ungeschriebene, doch gesellschaftlich feste Grenzen übertritt. Durch passives Verhalten ohne gleiche oder gleichwertige Gesten zeigt sich Herr Meier als der Rangniedrigere. Die Asymmetrie der Körper-Sprache enthüllt, Status und Macht werden durch dominantes Verhalten demonstriert und gesichert. Oftmals treten Dominanzgesten unter der Maske von „Höflichkeit“ oder „Achtung“ auf. Wenn „Ritterlichkeit“ vom „Kavalier alter Schule“ gefragt scheint, hilft Mann gerne Frau in den Mantel. Der umgekehrte Fall wird ablehnt. „Frollein, erst nach dem ersten Herzinfarkt“ (älterer Patient zur Arzthelferin). In Bus und Bahn lässt sich alltägliches Revierverhalten von „Platz nehmen“ und „Platz machen“ gut beobachten. Doppelbänke sind oft von breitbeinig sitzenden Fahrgästen besetzt, die mit einem weiteren Requisit (Rucksack o.Ä.) das Terrain okkupieren. Wer auf den tendenziell „freien“ Sitzplatz will, muss sich den Raum körpersprachlich erobern. Wenn Männer sich ausbreiten, machen Frauen lautlos Platz.

Die hierarchischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Körper-Sprache und „body politics“ werden besonders dann augenfällig, wenn Männer als Frauen agieren und umgekehrt. Die Herren „Dick & Doof“ stehen in ihren Filmen für Stereotypien: Mangelnde Intelligenz und Unterwürfigkeit zeigt sich in enganliegenden Armen, zusammen gepressten Beinen, grotesk einwärts zeigenden Fußspitzen. Der Riesenerfolg von „Tootsie“ oder „Manche mögen´s heiß“ beruht darauf, wie gut die Protagonisten als Mann die besseren Weibchen sind - perfekt gestylt und maskenhaft auf weibliches Klischee geschminkt, garniert mit affektiertem Verhalten. Was ja auch Travestiekünstlern und Drag Queens die Gage sichert. Bevor eine Journalistin studienhalber mit angeklebtem Vollbart und Perücke ins „andere Geschlecht“ wechselte, bekam sie den Rat, Körperhaltung, Stimme und Gang zu ändern. „Wenn Du gehst, nimm Dir Zeit. Frauen bewegen sich, als bräuchten sie einen Grund, um da zu sein, wo sie gerade sind. Als Mann kannst Du den Raum einfach nehmen. Er gehört Dir.“ Alle Menschen sprechen körperlich. Durch unbewusste Signale wie Stimme, Mimik Gestik, Verhalten, werden zusätzlich zu Worten Informationen und Gefühle ausgetauscht. Mit Körper-Sprache wird deutlich, wer als mächtig = männlich und ohnmächtig = weiblich gelesen wird. Jedes Machtverhältnis basiert auf einem strengen unsichtbaren Kodex. In machtgleichen Beziehungen ist das Verhalten aller Beteiligten jederzeit austauschbar. Es entstammt demselben Repertoire und ist der Spiegel vorhandener Symmetrie. Text und Foto: Gesine Werner, geprüfter Mann und Diplompädagogin. wiesbadener*in IV/2026


J

oachim Kreck war ein ganz besonderer Mensch. Trennung von Beruf und Privatleben kannte er nicht, ging schon als Schüler in jeden englischen Film, hielt als „verrückter Fußballfreak“ der Eintracht Frankfurt über 50 Jahre die Treue. Auch Jazz war seine Passion. Und Clint Eastwood war ihm „der herausragende Filmschaffende unserer Zeit“.

Film war sein Leben: Der „im Fell gefärbte cineastische Fuchs“ Bundesfilmpreisträger und Kulturpreisträger der LH Wiesbaden hinter den Kulissen des Internationalen Trickfilmfestivals Wiesbaden im FBW-Büro. Leinwand frei für die Kunst der hochkarätig „laufenden Bilder“.

Dem in Frankfurt geborenen Wiesbadener Bub, dessen malerische „Frühestwerke“ die Diesterwegschule zierten, wurde gesagt: „Für den kleinen Kerl ist der Film nicht geeignet“. Von wegen. Als Regisseur und Produzent vielfach preisgekrönt, sah sich der Mann der klaren Worte - „Wiesbaden ist einfach keine echte Filmstadt“ - als wandelndes Filmlexikon geschätzt. Und als prall gefüllte Schatztruhe an Anekdoten war der Gründer der exzellenten “Filme im Schloss“ und des internationalen Trickfilmfestivals Wiesbaden, das als einziges

menschen & meinungen gend vernetzt hatte er das „Who is Who“ der internationalen Filmszene von Peter Lord, 007-Titelmacher Maurice Binder bis Bill Plympton und Oscargrößen satt persönlich nach Wiesbaden gelotst. In einer bewegenden Gedenkfeier wurde der vielfach ausgezeichnete Bundesfilmpreisträger, Hessische Kinopreisträger und - mit Detelina Grigorova-Kreck und Michael O. Fechner - Kulturpreisträger der LH Wiesbaden verabschiedet. Langjährige Weggefährt*innen wie Oscarpreisträger Thomas Stellmach/ Kassel, Kameramann Rüdiger Laske, Produzentin Ilona Grundmann, Autor Thilo Wydra/München gaben JK das letzte Geleit. Mit Clint Eastwood „Meditation No. 3“ (vom Komponisten selbst eingespielter Teil seiner Filmmusik zu „Mystic River“, 2003 in Wiesbaden gezeigt) und Volker Kriegels (Kreck-Film „Der Falschspieler“) komponierter „Notiz für Giorgio Morandi“ plus Kyle Eastwoods „Gran Torino“ wählte Vladimir Kreck sinn-

Ein ganz besonderer Mensch Abschied von Joachim Kreck, Bundesfilmpreisträger und Kulturpreisträger der LH Wiesbaden, Gründervater des Internationalen Trickfilmfestivals und „ein Glücksfall“ für Wiesbaden die Hauptpreisträger der wichtigsten Festivals und Trickfilmwettbewerbe nur auf Einladung zeigt, die Idealbesetzung. Sein oscarnominierter Geniestreich „Larry“ und das Livekonzert des in Japan als Gott verehrten Mundharmonika-Virtuosen Larry Adler mit Roy Budd im prallvollen Café Cicero boten 1991 magische Momente, die noch heute die Gänsehaut rieseln lassen. Filmkoryphäe Kreck ist als wichtiger Zeitzeuge in der Oral HistoryAnthologie „Erlebte Geschichte & Geschichten“ - Herausgeber Stadtarchiv-Förderverein, Autorin G. Werner - prominent vertreten. Das Internationale Trickfilmfestival Wiesbaden trotz(t)e Corona mit ausgeklügelten Hygienekonzept: Das kongeniale Gespann Detelina Grigorova-Kreck und Joachim Kreck mit Fachzeitschriften zu „The physics of Sorrow“ und “Genius loci“. Das T-Shirt macht Werbung für den Les Blanks-Film „A Poem is a naked Person“, 2015 im Filmschloss Biebrich gezeigt. wiesbadener*in IV/2026

Jetzt ist der „im Fell gefärbte cineastische Fuchs“ mit dem unbestechlichen Blick für Qualität, dem scharfen Auge fürs Detail und dem treffsicher hintersinnigen Humor mit dem Faible fürs Understatement mit 91 Jahren gestorben. Hervorra-

trächtige Musikstücke aus: Kyle Eastwoods Gastspiel im Jazzkeller Frankfurt erlebten Vater & Sohn Kreck gemeinsam… Der frühere Kulturamtsleiter JörgUwe Funk würdigte die enorme Bedeutung des Verstorbenen als wichtige Institution und nannte ihn „einen Glücksfall für Wiesbaden.“ Wegbegleiterin seit fast 40 Jahren, erinnerte Publizistin Gesine Werner an unvergessliche gemeinsam erlebte Szenen und Begegnungen, die nachhallen. Tasso, Georgia und die Anderen… „Du bist von uns gegangen aber nicht aus unseren Herzen.“ Ruhe in Frieden, lieber Joachim. P.S. Das Internationale Trickfilmfestival Wiesbaden soll im Frühjahr 2027 in der Caligari Filmbühne stattfinden. Text und Fotos: Gesine Werner


gaumenkitzeleien

Genuss-Jubiläum: Das 30. Rheingau-Gourmet & Wein Festival

V

om 18.02. bis 07.03.2027 findet bereits zum 30. Mal das Rheingau Gourmet & Wein Festival statt! Eltville wird im Frühling wieder zum Mittelpunkt der Gourmetszene in Südhessen und lockt Freunde guter Kulinarik mit tollem Essen, leckerem Wein und spannenden Events. Das RHEINGAU GOURMET & WEIN FESTIVAL setzt den Maßstab für Genuss in höchster Qualität. Die besten Köche, national wie international, präsentieren vollendete Kochkunst, die berühmten Winzerinnen und Winzer zeigen ihre großen Weine, dies alles in perfekter Abstimmung in einer wunderschönen Atmosphäre. Von den zahlreichen und nimmer hochkarätigen Veranstaltungen möchten wir auf drei Termine besonders aufmerksam machen. Am 24.2. erwartet die Gäste ab 12 Uhr ein vegetarisches Menü und exklusive non-alcoholic Spezialitäten von der Manufaktur Jörg Geiger, Jürgen Leiner, von Andreas Schneider vom Obsthof und Saveur Drinks.

Nach dem Aperitif mit der legendären „Champagner Bratbirne“ von Jörg Geiger (alternativ auch als alkoholfreie Version) präsentiert David Eisenberg (Kronenschlösschen) ein raffiniertes vegetarisches Menü in vier Gängen. Begleitet wird das Menü von raren Obst-Spezialitäten, die von z.T. Jahrhunderte Jahre alten Bäumen, nach biodynamischen und biologischen Methoden – mit ganz geringen Erträgen und alles in Handarbeit – geerntet werden. Das Ergebnis dieser harten Arbeit sind einzigartige Spezialitäten mit dem Aroma von reifem Obst, gepaart mit feiner Säure. Am 28.2. stehen ab 19.30 Uhr Gerichte aus der Küche Südtirols auf dem Speiseplan. Sternekoch Chris Oberhammer, Küchenchef und Gastgeber des vielfach ausgezeichneten Restaurants „Tilia“, Toblach im Pustatal, verbindet die Ursprünglichkeit der Dolomiten mit zeitgemäßer Eleganz. Seine Küche ist geprägt von regionalen Spitzenprodukten, handwerklicher Präzision und einer unverwechselbaren Leichtigkeit. Freuen Sie sich auf ein außergewöhnliches Menü, dass

die kulinarische Vielfalt Südtirols in ihrer schönsten Form präsentiert. Am 7. März bitte dann Lucki Maurer ab 12 Uhr zum Wagyu-Lunch. Ludwig „Lucki“ Maurer startete bereits 2007 mit seiner Frau Stephanie als Erster in Europa die Zucht von WAGYU-Rindern auf ökologischer Basis. Besser bekannt als „KOBE-Rind“ gehört es zu den exklusivsten Nutztierrassen der Welt. Die Zucht umfasst mittlerweile über 60 Tiere. Heute kocht er mit seinem Team einen Lunch rund um das Thema: FLEISCH. Die zahlreichen Veranstaltungen im Detail rund um Kulinarik, Sterneküche, Wein und Genuss finden Sie unter www.rheingaugourmet-festival.de. Tickets erhältlich per E-Mail unter info@kronenschloesschen.de oder im Internet unter www.rheingaugourmet-festival.de. Diverse Festival-Arrangements mit ausgewählten Veranstaltungen werden mit Übernachtungen im Hotel Kronenschlösschen angeboten.de. wiesbadener*in IV/2026


kultur & kreatives

„Die Zeit entschleunigen und das Herz berühren“: Als Jongleur „Boul“ mit der Bronzemedaille des renommierten Cirque de Demain ausgezeichnet, hat der langjährige Artist des Cirque du Soleil Frédéric Zipperlin vor 20 Jahren mit Kostümbildnerin & Sängerin Anja Krips den Cirque Bouffon gegründet. Nandou & Paraiso, Carrousel & Cupido - den ideenreichen Circusdirektor und Regisseur erfreut die Kooperation mit Generalintendant Michael Schulz und dem Saarbrücker Musentempel.

Was heißt schon Schwerkraft. Die lässt sich scheinbar „leicht“ überwinden. Equilibrist Mukhamadi Sharifzoda aus Tadschikistan wurde beim Festival Mondial du Cirque de Demain in Paris mit der Silbermedaille gewürdigt. Beim Applaus im Cirque Bouffon bebte das Zelt.

Furiose Akrobatik mit Musik, Poesie und viel Humor Umjubeltes Gastspiel „Cupido“ des Cirque Bouffon in Saarbrücken

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anege frei! Eine hinreißende Artistik-Show für Stielaugen und Spitzohren machte Station am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken. Der Cirque Bouffon entführte in die fabelhafte Welt des Nouveau Cirque. Hochklasse-Artistik mit Fantasie und Poesie. Augenzwinkernder Humor, berührende Musik. Gänsehaut und atemloses Staunen. Als clowneskes Duo Cupido & Cupida setzen Goos Meeuwsen & Helena Bittencourt (Co-Regie/Dramaturgie) den Ton. Devise: „Die Zeit entschleunigen und das Herz berühren“: Das gelingt Direktor Frédéric „Boul“ Zipperlin, erfahrener Jonglage-Artist (Cirque du soleil) und Co-Direktorin Anja Krips (Sängerin und Gastronomin) mit internationaler SpitzenKompanie seit 20 Jahren vorzüglich. GratulARTion! Die exzellente Show „Cupido“ huldigt mit anrührendem Zauber Liebesgott Amor. Das ganze Chapiteau ist „Spiel“-Raum. Bass und „bässer“ steht Sergej Sweschinski für mitreißende Klänge von Tango bis Irish Folk, perfekt ergänzt wiesbadener*in IV/2026

von Dalai Cellais betörendem Cello plus sirenengleichen Vokalisen und Nastja Schkinders berückendem Akkordeon. Mit furioser Luft-Nummer voll Eleganz und betörendem Harfenklang im Strapaten-Flug, auch koppeister (!), ist Anja Marina Habegger eine Klasse für sich, wird von Applaus umflutet. „Hat die keine Knochen?“ ist die Sitznachbarin fasziniert von „Schlangenfrau“ Eline Guélat, die - ein Bein um den Kopf drapiert - am Chinamast per Hochkant-Spagat das Kuschelherz unter der Zirkuskuppel erobert.

Karl Emil Dahls Purzelbaum und Kopfstand auf dem schlingernden Schlappseil macht uns schwindlig - er „legt sich schlafen“ und balanciert auf einer Schulter. Gebanntes Publikum staunt und lacht, rappt im Chor. Schlussapplaus in Orkanstärke ohne Ende. Im Dezember lädt Bouffon zur Dinner-Show in Köln und ist mit „Cupido“ auf Achse in Frankreich. Und hoffentlich bald wieder im Rhein-MainGebiet. Text und Fotos: Gesine Werner

Der strahlend mit dem Cyr-Wheel tanzt und scheinbar lässig durch die Manege schwebt, ist Mikalil Karahan. Keule auf Fingerspitze: Fernando Torres zeichnet mit zehn rasant geschwungenen „Flug-Körpern“ magische Hieroglyphen in die Luft. Equilibrist Mukhamadi Sharifzoda trotzt der Schwerkraft und baut „eigen-händig“ Stein für Stein sein Podest ab. Das Festival Mondial du Cirque de Demain in Paris krönte die waghalsige Handstandszene mit Silber. Beim Applaus im Cirque Bouffon bebte das Zelt. Eine berührend „schwerelose“ Szene, die den Atem raubt: Mit ihrer grandiosen Luft-Nummer an den Strapaten voll Esprit und Eleganz, gepaart mit betörendem Harfenklang - auch kopfüber unterm Zeltdach - ist Artistin Anja Marina Habegger eine Klasse für sich. Applaus umflutet die fantastische Artistin.


kultur & kreatives Raum hinein. In Arbeiten wie Landschaften, Innenräume verbindet er Fotografie und Skulptur, wobei Materialität, Oberflächenbeschaffenheit und architektonischer Kontext zu konstitutiven Bestandteilen des Werkes werden. In seinen jüngeren Arbeiten wendet sich Bustamante erneut verstärkt der Malerei zu. Die während der Pandemie entstandenen weißen Gemälde führen seine Auseinandersetzung mit Material, Raum und Zeit auf die Wandoberfläche zurück, deren Unebenheiten und Spuren zum Bestandteil des Bildes werden. Jean-Marc Bustamante: Panorama Ludwigmuseum Esther-Bejarano-Str. 1 56068 Koblenz 15.11.2026 – 31.01.2027 Eröffnung: 15. November 2026, 11 Uhr www.ludwigmuseum.org

Fonds Bustamente, 1200x0

Scheinbar unspektakulär Jean-Marc Bustamante im Ludwigmuseum Koblenz

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it „Panorama“ präsentiert das Ludwig Museum Koblenz eine retrospektiv angelegte Einzelausstellung des französischen Künstlers Jean-Marc Bustamante (*1952, Toulouse), einer der bedeutendsten Künstler Frankreichs.

Verabschiedung von der Leinwand im Gegenzug zu Plexiglas, Stahl und Gips, zu geöffneten Bildflächen ebenso wie hermetischen Wandflächen.

Als international anerkannter Konzeptkünstler und konsequenter Grenzgänger zwischen Fotografie, Skulptur, Installation und Malerei hinterfragt er die tradierten Kategorien der Kunst und entwickelt daraus immer wieder neue Formen der Bild- und Raumerfahrung.

Seit Mitte der 1970er-Jahre fotografiert Bustamante mit der Großformatkamera scheinbar unspektakuläre Brachflächen, Stadtränder, Landschaften und Orte des Übergangs, die sog. „Tableaux“. Sie sind seine ersten “fotografischen Gemälde” in denen die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei auf innovative Weise verschwimmen ließ.

Überwindungen vollzieht er sowohl in der Technik, die das Skripturale wie das Digitale einbezieht, in der

Ab den späten 1980er-Jahren entwickelt Bustamante seine Arbeit mit Fotografie zunehmend in den

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wiesbadener*in IV/2026


kultur & kreatives

Ben Becker, ICH, JUDAS

ICH, JUDAS - EINER UNTER EUCH WIRD MICH VERRATEN 10 Jahre – Jubiläumstour! Ben Beckers Erfolgsinszenierung feiert Jubiläum – und geht erneut auf Tour

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ehn Jahre, mehr als 250.000 Zuschauer und ein Theatererlebnis, das tief unter die Haut geht: Seit seiner Premiere im November 2015 begeistert Ben Becker mit „Ich, Judas“ das Publikum in den schönsten Kirchen Deutschlands. Was ursprünglich als einmalige Aufführung geplant war, entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Bühnenerfolg mit ausverkauften Tourneen und zahlreichen Zusatzvorstellungen. Allein im Berliner Dom und im Hamburger Michel stand die Inszenierung jeweils mehr als 20-mal auf dem Spielplan. Zum zehnjährigen Jubiläum kehrt „Ich, Judas“ nun in ausgewählte Kirchen Deutschlands zurück. Ein Wiedersehen mit einem außergewöhnlichen Theaterabend, der weit mehr ist als die Geschichte einer biblischen Figur. Es ist eine bewegende Auseinandersetzung mit Schuld, Verrat, Glauben und der Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Judas Iskariot – sein Name steht seit Jahrhunderten für Verrat. Er gilt als der Mann, der Jesus mit einem Kuss auslieferte, als der Meistgehasste wiesbadener*in IV/2026

und Verdammte der christlichen Überlieferung. Doch was, wenn das Urteil über ihn falsch ist? Was, wenn seine Geschichte nie wirklich zu Ende erzählt wurde? Genau hier setzt der Judas-Monolog von Walter Jens an. Judas bekommt eine Stimme. Er erhebt sich gegen die Verurteilung durch die Geschichte und stellt unbequeme Fragen. Ben Becker verkörpert diesen verzweifelten Kampf um späte Gerechtigkeit mit einer Intensität, die unmittelbar berührt. Seine unverwechselbare Stimme und seine kraftvolle Bühnenpräsenz machen aus dem Monolog einen leidenschaftlichen Dialog zwischen Darsteller und Publikum, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei geht es auch um die fatalen Folgen überlieferter Feindbilder. Das Bild des Judas wurde über Jahrhunderte mit antisemitischen Vorstellungen verbunden und zur Rechtfertigung von Ausgrenzung und Verfolgung missbraucht. „Ich, Judas“ ist deshalb auch ein eindringliches Plädoyer gegen Vorurteile und vorschnelle Verurteilungen. Die Aufführungen in Kirchen verleihen diesem besonderen Abend eine

zusätzliche Dimension. Die sakrale Atmosphäre, die beeindruckende Architektur und die mächtigen Klänge der Orgel, gespielt von Domorganist Andreas Sieling, schaffen einen Rahmen, der die emotionale Wirkung noch verstärkt. „Judas ist nichts ohne Jesus … Aber Jesus ist auch nichts ohne Judas“ – dieser Gedanke von Walter Jens erschüttert vertraute Gewissheiten und lädt dazu ein, eine vermeintlich bekannte Geschichte neu zu betrachten. Zehn Jahre nach der Premiere bleibt „Ich, Judas“ ein bewegendes Erlebnis. Ein Abend, der aufrüttelt, berührt und nachdenklich macht. Ben Becker gibt einem Verdammten seine Stimme zurück – und dem Publikum einen Anlass, genauer hinzuhören. ICH, JUDAS, 19.11.2026, 19.30 Uhr Ringkirche Wiesbaden Kaiser-Friedrich-Ring 7 65197 Wiesbaden Tickets: www.eventim.de/artist/ben-becker/ ben-becker-ich-judas-10-jahre-diejubilaeumstour-3927584/


kultur und kreatives ZEITLOS ist sein mehr als 25 Jahren Teil der Kulturarbeit von EVIM Teilhabe. Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen entwickeln gemeinsam mit Ehrenamtlichen und professionellen Künstlerinnen und Künstlern anspruchsvolle Theaterproduktionen. Jede und jeder findet eine eigene Ausdrucksform und Rolle auf der Bühne. (Text EVIM) rungen, Wünsche und Hoffnungen, aber auch Geheimnisse und persönliche Erlebnisse. Lebensfäden und eine Truhe greifen diese Gedanken auf und verleihen ihnen eine weitere symbolische Ebene. Eine Reise durch das Leben – gemeinsam auf der Bühne Die Inszenierung lebt von der Vielfalt ihrer Mitwirkenden. Eigene Texte und persönliche Erfahrungen verbinden sich mit Tanz, Bewegung und Improvisation. So entsteht ein Theaterstück, das nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern unterschiedliche Lebensperspektiven sichtbar und erlebbar macht.

Die drei Säulen des Seins Neue Inszenierung stellt die großen Fragen des Lebens – Aufführungen im November 2026 im thalhaus Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich? Drei Fragen, die wohl jeden Menschen irgendwann im Leben beschäftigen. Mit diesen grundlegenden Fragen des menschlichen Daseins setzt sich die inklusive Theatergruppe ZEITLOS in ihrer neuen Inszenierung „Die drei Säulen des Seins“ auseinander. Im November 2026 wird das gemeinsam entwickelte Werk im Wiesbadener thalhaus auf die Bühne gebracht. Was zunächst mit einem einfachen Satz begann, entwickelte sich über die Zeit zu einem außergewöhn10

lichen Theaterprojekt. „Wir reisen“, sagte eine Akteurin der Gruppe ZEITLOS. Aus diesen beiden Worten entstand die Idee einer Lebensreise – einer Reise, die jeder Mensch auf seine ganz eigene Weise erlebt und gestaltet. Seit mittlerweile drei Jahren arbeiten Schauspielerinnen und Schauspieler mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam an diesem Stück. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, was wir auf unserem Lebensweg mit uns tragen. Ein Koffer wird zum Sinnbild für all das, was unser Leben ausmacht: Erfahrungen und Erinne-

Insgesamt umfasst die Inszenierung 19 gemeinsam erarbeitete Szenen. Jede einzelne setzt eigene Akzente, doch alle Inhalte greifen ineinander und bauen aufeinander auf. Am Ende fügen sich die einzelnen Erzählungen zu einem gemeinsamen Schlussbild zusammen. Eine besondere Bereicherung sind die begleitenden Tanz- und Performance-Szenen, die von einer professionellen Tänzerin umgesetzt werden. Sie schaffen zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten und verbinden die einzelnen Elemente der Inszenierung zu einem vielschichtigen Bühnenerlebnis. Eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung Die Redaktion des Magazins WIESBADENER*IN hatte die besondere Gelegenheit, einer Probe beizuwohnen und bereits einen ersten Einblick in das entstehende Werk zu gewinnen. Was wir dort erleben durften, hat nachhaltig beeindruckt. Die Akteurinnen und Akteure füllten ihre Rollen mit großer Präsenz, Ausdruckskraft und spürbarer Leidenschaft. Jede Szene vermittelte, wie intensiv sich die Mitwirkenden mit den Inhalten wiesbadener*in IV/2026


kultur und kreatives

Die Gruppe bei der Vorbesprechung zur Theaterprobe

EVIM (Evangelischer Verein für Innere Mission in Nassau) ist Träger von sozialen Einrichtungen, der seit über 160 Jahren Hilfe für Menschen in der Region dort anbietet, wo sie gebraucht wird. Die EVIM-Behindertenhilfe begleitet Menschen mit Beeinträchtigungen, damit sie gemäß ihren Wünschen und Möglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben führen können. Die Kulturprojekte der EVIMBehindertenhilfe sind Teil der Betreuungsarbeit und viel mehr als Freizeitgestaltung. Unter Anleitung von fachspezifischen Profis werden Theatergruppen, Mal- und Musikgruppen und vieles mehr angeboten.

„Die drei Säulen des Seins“ ist weit mehr als eine Theateraufführung. Es ist eine gemeinsame künstlerische Auseinandersetzung mit dem Leben, mit unserer Herkunft, unserer Identität und unserer Zukunft. Ein Stück, das unterschiedliche Menschen und Perspektiven zusammenführt und dabei zeigt, wie bereichernd gelebte Inklusion auf und hinter der Bühne sein kann. Unser Eindruck nach der Probe: eine ganz großartige Gemeinschaftsarbeit, die berührt, zum Nachdenken anregt und vor allem eines macht – neugierig auf das Ganze.

Die inklusive Theatergruppe ZEITLOS lädt am 11. und 12. November 2026, jeweils um 20 Uhr ins Wiesbadener thalhaus ein, um das Ergebnis ihrer dreijährigen gemeinsamen Arbeit dem Publikum zu präsentieren. Ein Theaterabend, der die großen Fragen des Lebens aufgreift und vielleicht auch dazu einlädt, sich selbst auf eine kleine Reise zu begeben. thalhaus Wiesbaden Nerotal 18, 65193 Wiesbaden Information und Karten unter: www.thalhaus.de/programm oder an der Abendkasse. Alle Fotos: EVIM Angelika Egger und Ulrich Völke: Szenenfoto

Der Fokus liegt hier, wie bei jedem Kurs auf der Findung oder Erweiterung der eigenen Talente bis hin zu der Möglichkeit, diese Talente einer breiteren Öffentlichkeit in Form von Kunstausstellungen, Musikveranstaltungen oder Aufführungen vorstellen zu können. Mehr unter: https://www.evim.de/teilhabe/ kulturarbeit auseinandergesetzt haben. Dabei wurde deutlich, wie viel Kreativität, Vertrauen und gemeinschaftliche Arbeit in diesem Projekt stecken. Die wenigen Szenen, die wir bereits sehen konnten, machten neugierig auf das gesamte Stück. Die professionelle Umsetzung, die Vielfalt der Ausdrucksformen und vor allem die Ernsthaftigkeit, mit der sich die Gruppe einem so großen Thema widmet, versprechen einen besonderen Theaterabend. wiesbadener*in IV/2026

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kultur & kreatives

Als Karlsruhe eine einzige Baustelle war Begonnen hat alles zu einer Zeit, als Karlsruhe gefühlt aus kaum mehr als Baustellen bestand. Während andernorts vielleicht über Lärm, Staub und Umleitungen geklagt wurde, entdeckte Tom Boller darin ein faszinierendes künstlerisches Motiv. Mit außergewöhnlicher Detailtreue und einem besonderen Blick für Architektur und Atmosphäre dokumentierte er zeichnerisch den Fortschritt großer Bauprojekte. Darunter der Bau der Karlsruher U-Bahn und der Umbau des Fußballstadions. Seine Baustellenzeichnungen trafen offenbar einen Nerv. Im April 2015 präsentierte er unter dem Titel „Karlsruher Lieblingsbaustellen“ seine erste Einzelausstellung. Weitere Ausstellungen folgten. Noch im selben Jahr wurde die Karlsruher Schienengesellschaft (KASIG) auf ihn aufmerksam und ermöglichte ihm eine Ausstellung in ihren Büroräumen, die vom 1. November 2015 bis zum 15. September 2016 zu sehen war. Die Begeisterung war so groß, dass einige seiner Originalzeichnungen von der Stadt angekauft wurden.

Tom Boller - Selbstportrait - Acyl

Der Stadtzeichner von Karlsruhe Ein Künstler, der seiner Stadt ein Gesicht gibt – und weit mehr zu bieten hat als außergewöhnliche Stadtansichten. Vielleicht fragen Sie sich, was der Stadtzeichner von Karlsruhe mit dem Magazin WIESBADENER*IN zu tun hat? Eine berechtigte Frage – die sich allerdings ganz einfach beantworten lässt: Tom Boller ist gebürtiger Hochheimer, hat in Wiesbaden Kommunikationsdesign studiert und ist vor gut 30 Jahren nach Karlsruhe „ausgewandert“. Dort hat er nicht nur seine kulturelle Heimat gefunden, sondern ist mit seiner Kunst und seinem Laden längst zu einer festen Größe in der Karlsruher Kunst- und Kulturszene geworden. In diesem Herbst feiert sein Laden bereits sein zehnjähriges Jubiläum! 12

Gezeichnet hat Tom Boller eigentlich schon immer. Bereits als Kind entdeckte er seine Leidenschaft für Stift und Papier. Und ebenso früh stand für ihn fest, dass aus diesem Talent einmal mehr werden sollte: ein Beruf, eine Berufung, ein Lebensinhalt. Heute bezeichnet er sich selbst augenzwinkernd als den „Stadtzeichner von Karlsruhe“. Eine Bezeichnung, die treffender kaum sein könnte. Denn Boller hält die Stadt mit seinen Zeichnungen auf ganz besondere Weise fest. Bekannte Gebäude, Plätze und Bauwerke, markante Stadtansichten oder auch ganz alltägliche Motive – manches entsteht aus eigener Inspiration, anderes im Auftrag.

Seine außergewöhnlichen Baustellenbilder machten schließlich auch über Karlsruhe hinaus von sich reden. Bis nach Stuttgart sprach sich sein zeichnerisches Können herum. Die Bauleitung von Stuttgart 21 beauftragte ihn daraufhin, auch dieses Großprojekt künstlerisch zu dokumentieren. Karlsruhe in Strichen und Farben Inzwischen sind neben den Baustellenzeichnungen vor allem seine Stadtansichten zu einem Markenzeichen geworden. Ob bekannte Karlsruher Bauwerke, charakteristische Plätze, Brunnen wie den Karlsruher Marktplatz, den Indianer-Brunnen oder das Bundesverfassungsgericht – Tom Boller gelingt es, den Motiven eine ganz eigene Handschrift zu verleihen. Seine Zeichnungen gibt es als Originale, Kalender und Postkarten. Wer Karlsruhe besucht, begegnet seinen Arbeiten an vielen Stellen. Ein „Tom Boller“ ist inzwischen beinahe ein kleines Stück Karlsruhe zum Mitnehmen. wiesbadener*in IV/2026


Auftragsarbeit des Jazzclub Karsruhe : Die Schauburg, Markerzeichnung

In seinem Laden in der Werderstraße können Besucherinnen und Besucher seine Arbeiten entdecken und erwerben. Postkarten und Kalender sind darüber hinaus auch in der Tourist-Information und verschiedenen Buchhandlungen erhältlich. Technisch arbeitet Boller überwiegend mit Copic Markern* auf speziellem Zeichenpapier. Gelegentlich entstehen auch Arbeiten mit Acryl auf Leinwand oder Karton. Und wer ihn nach seinen künstlerischen Wünschen für die Zukunft fragt, erfährt, dass er durchaus noch einiges vorhat: Aquarellmalerei würde ihn reizen, ebenso großformatige Arbeiten.

Ein Laden, viele Welten – und jede Menge Kultur Doch wer Tom Boller auf seine Rolle als Stadtzeichner reduziert, wird ihm bei Weitem nicht gerecht. Er gibt Zeichenkurse, organisiert kleine Konzerte in seinem Laden und ist aus dem kulturellen Leben Karlsruhes kaum wegzudenken. wiesbadener*in IV/2026

*Copic Marker sind professionelle Alkoholmarker, die sich besonders für Illustrationen und detailreiche Zeichnungen eignen. Ihre schnell trocknende, mischbare Tinte ermöglicht harmonische Farbverläufe und unterschiedliche Farbschattierungen. Je nach Motiv kommen breite, feine oder Pinselspitzen zum Einsatz. Wichtig ist spezielles Markerpapier, das ein Ausfransen und Durchbluten der Farbe verhindert. Ein weiterer Vorteil: Die Marker sind nachfüllbar und ihre Spitzen können ausgetauscht werden.

Denn Boller ist nicht nur bildender Künstler, sondern auch Musiker, Kulturmacher und Netzwerker mit einer beeindruckend vielseitigen Vita.

e.V., brachte die Slam-Poetry nach Karlsruhe, engagierte sich beim Karlsruher Jazzfestival und ist eng mit der Liedermacherszene verbunden. Musik macht er übrigens nicht nur organisatorisch möglich, sondern auch selbst aktiv. Sein Laden ist deshalb viel mehr als ein Geschäft oder ein Ausstellungsraum. Er ist Begegnungsstätte, kreativer Freiraum und kultureller Treffpunkt. Hier kommen Künstlerinnen und Künstler, bekannte wie noch unbekannte, mit Kunstinteressierten zusammen. Hier wird gezeichnet, gelernt, musiziert, geslammt und diskutiert. Ein Ort des Austauschs, an dem Kultur nicht nur präsentiert, sondern gelebt wird. Für viele ist der Laden längst eine Institution und für Tom Boller selbst ganz offensichtlich ein Lebensmittelpunkt.

Er war u.a. Mitbegründer des Kulturzentrums KOHI Kulturraum 13


kultur & kreatives

Foto unten: "Lieblingsbaustelle" Marktplatz Karlsruhe, Markerzeichnung

Ein Künstler, der Menschen und Kulturen verbindet Im Gespräch mit Tom Boller spürt man schnell, dass hinter dem feinsinnigen Zeichner ein Mensch mit vielen Facetten steckt. Einer, der neugierig geblieben ist, sich immer wieder auf Neues einlässt und Kultur nicht in Schubladen denkt. Seine Zeichnungen erzählen Geschichten über eine Stadt im Wandel. Sein Laden erzählt Geschichten über Menschen, Begegnungen und kreative Ideen. Und seine eigene Biografie zeigt, wie vielfältig ein künstlerischer Lebensweg sein kann.

Foto oben: Gartenbild, Acryl

Begegnungen und die vielen Ideen, die ihm offenbar nie ausgehen. Aber vielleicht ist es am schönsten, sich selbst ein Bild zu machen. Ein Besuch in Tom Bollers Laden lohnt sich allemal – und wer sich vorab inspirieren lassen möchte, findet auch auf seiner Webseite einen Einblick in seine vielseitige Arbeit. Tom Boller Ladenatelier Werderstraße 30 76137 Karlsruhe Tel.: +49 (0) 179 / 40 83 41 6 www.tomboller.de info@tomboller.de

Tom Boller ist eben viel mehr als der Stadtzeichner von Karlsruhe: Er ist Künstler, Musiker, Kulturvermittler und ein Mensch, der seiner Wahlheimat auf ganz unterschiedliche Weise etwas zurückgibt. Man könnte noch so viel mehr über ihn erzählen. Über seine Projekte, seine Musik, seine 14

wiesbadener*in IV/2026


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er Schriftsteller Holger Höcke, 1962 in Saarbrücken geboren und in Mainz aufgewachsen, lebt heute in Zwingenberg an der Bergstraße. Nach seinem Studium der Germanistik, Evangelischen Theologie und Latein promovierte er in Altgermanistik über mittelhochdeutsche Dichtung. Beruflich war er zunächst als Redakteur in einem Schulbuchverlag tätig, bevor er sich ganz seiner Leidenschaft, dem Schreiben, widmete. Neben mehreren historischen Romanen veröffentlichte er im Dr. Gisela Lermann Verlag die Erzählung „Der Zecher vom Fastnachtsbrunnen“, in der die künstlerischen Figuren des Mainzer Fastnachtsbrunnens während der Fastnacht zum Leben erwachen. Seine besondere Begeisterung für die Deutsche Romantik und insbesondere für Joseph von Eichendorff führte Holger Höcke zu seinem neuesten Roman, der sich einfühlsam mit dem Leben und der Persönlichkeit des berühmten Dichters beschäftigt. Im Mittelpunkt steht Eichendorffs große Liebe zu Katharina Förster aus Rohrbach, die er während wiesbadener*in IV/2026

Holger Höcke, Foto: Dr. Lermann Verag, Mainz

Holger Höcke

widmet seinen neuen Roman dem Dichter Joseph von Eichendorff seiner Studienzeit in Heidelberg kennenlernte. Als Grundlage dienen dem Autor unter anderem Eichendorffs Tagebuchaufzeichnungen aus jener Zeit. Besonders berührend ist der traurige Abschied der beiden: Katharina steckt ihrem Geliebten ein Ringlein aus Weidengeflecht an den Finger – eine Erinnerung, die Eichendorff sein Leben lang nicht loslassen sollte. „Joseph von Eichendorff war ein wehmütiger Mensch, der den alten Zeiten nachgetrauert hat“, schreibt Höcke im Nachwort seines Romans (S. 200). Ausgehend von diesem Gedanken erzählt er von einer Reise des inzwischen gealterten Dichters zurück nach Heidelberg. Er möchte seine Jugendliebe noch einmal wiederfinden und begegnet dabei vor allem den Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. Am Ende seiner Suche findet er jedoch nur noch ihr Grab. Eine besondere erzählerische Perspektive erhält der Roman durch

einen namenlosen Studenten, der dem alten Eichendorff begegnet. In einem langen Gespräch vertraut der Dichter ihm seine Lebensgeschichte und den eigentlichen Grund seiner Reise an. Mit poetischem Feingefühl lässt Holger Höcke die Vergangenheit lebendig werden und zeichnet das bewegende Bild eines Dichters, der seine große Liebe nie vergessen konnte. Ein Roman über Sehnsucht, Erinnerung und die Unvergänglichkeit einer Liebe, die selbst die Zeit nicht auszulöschen vermag. Holger Höcke Als ich dereinst in Heidelberg studierte Ein Eichendorff-Roman 204 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-927223-36-3, € 18,90 eBook folgt Dr. Gisela Lermann Verlag Mainz www.lermann-verlag.de dr-gisela-lermann@lermann-verlag.de 15


kultur & kreatives

Baishen Meng: Suspension, 2016

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o einst Eisen gegossen wurde, begegnen sich heute die Künstler der Welt. In den gewaltigen Hallen einer ehemaligen Eisengießerei in Büdelsdorf trifft internationale Gegenwartskunst auf raue Industriegeschichte. Die NordArt ist ein Ort der Überraschungen – und eine Einladung, Kunst ganz ohne Berührungsängste zu entdecken. Wer die Hallen der Carlshütte betritt, lässt die gewohnte Vorstellung von einem Kunstmuseum schnell hinter sich. Hier gibt es keine makellosen weißen Wände, keine sterile Stille und keine Räume, die den Blick ausschließlich auf ein einzelnes Werk lenken. Stattdessen: gewaltige Hallenkonstruktionen, Spuren vergangener Industriearbeit, raue Oberflächen und dazwischen Kunst in all ihren Facetten. Mal leuchtet ein Gemälde aus dem Halbdunkel, mal

behauptet sich eine monumentale Skulptur gegen die Architektur, mal zieht eine raumgreifende Installation die Besucher mitten hinein in eine andere Wirklichkeit. Die NordArt in Büdelsdorf bei Rendsburg ist kein Ort, an dem man Kunst einfach nur betrachtet. Hier begegnen sich Kunst und Geschichte, unterschiedliche Kulturen und nicht selten auch die eigenen Erwartungen. Was zunächst fremd erscheint, kann plötzlich faszinieren. Was auf den ersten Blick rätselhaft wirkt, eröffnet beim zweiten Hinsehen neue Perspektiven. Gerade diese unerwarteten Begegnungen machen den besonderen Reiz einer der größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa aus. Ein Kosmos aus 50 Ländern Die Dimensionen sind beeindruckend: Für die NordArt 2026 wurden 203 Künstlerinnen und Künst-

ler aus 50 Ländern ausgewählt. Sie präsentieren mehr als 1.000 Werke auf über 22.000 Quadratmetern Hallenfläche sowie im 80.000 Quadratmeter großen Skulpturenpark. Vorausgegangen ist ein Auswahlverfahren, bei dem sich jährlich rund 3.000 Kunstschaffende aus aller Welt bewerben. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, die sich bewusst nicht auf eine bestimmte Stilrichtung oder ein einziges Thema festlegen lässt. Gemälde stehen neben Fotografien, Skulpturen neben Videoarbeiten, klassische Ausdrucksformen neben experimentellen Installationen. Manche Werke erschließen sich auf den ersten Blick, andere fordern Geduld, irritieren oder provozieren. Und wieder andere laden dazu ein, selbst Teil des Kunstwerks zu werden. „Das Besondere an der NordArt ist, dass man hier nicht mit einem

NordArt 2026: Unerwartete Begegnungen mit der Kunst

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Su Xinping: Walking

großen Kunstverständnis herkommen muss. Aber wenn man Lust hat, kann man auch tiefer eintauchen“, sagt Taso Gramm, einer der Kuratoren der Ausstellung. Gemeinsam mit Wolfgang Gramm und Inga Aru gestaltet er den Rundgang durch diese vielschichtige Kunstlandschaft. Das Konzept funktioniert gerade deshalb, weil es keine festen Wege des Verstehens vorgibt. Besucher können sich treiben lassen, sich von Farben und Formen leiten lassen oder sich intensiv mit einzelnen Positionen beschäftigen. Es gibt keine Pflicht, jedes Werk entschlüsseln zu müssen. Neugier genügt.

Wenn die Vergangenheit mit der Gegenwart spricht

Dass die NordArt ihre besondere Atmosphäre entfaltet, liegt nicht allein an der internationalen Auswahl. Einen entscheidenden Anteil daran hat der Ort selbst. Die Carlshütte ist keine neutrale Kulisse, sondern ein historisch gewachsenes Industrieareal mit Ecken, Kanten und einer unverwechselbaren Ausstrahlung. wiesbadener*in IV/2026

1827 wurde hier die Eisengießerei Carlshütte gegründet, 1997 wurde der Betrieb endgültig stillgelegt. Aus dem ehemaligen Industriestandort entwickelte sich das Kunstwerk Carlshütte – ein Kulturort, an dem heute neben Ausstellungen auch Konzerte, Lesungen, Theater- und Filmvorführungen stattfinden. Seit 1999 gehört die NordArt zum festen Programm der Sommermonate. Die Transformation ist bemerkenswert: Aus einem Ort, an dem einst flüssiges Eisen in Formen gegossen wurde, ist ein Raum geworden, in dem sich Ideen, Bilder und künstlerische Visionen entfalten. Die industrielle Vergangenheit ist dabei keineswegs verschwunden. Sie bleibt in den Hallen spürbar und verleiht den ausgestellten Werken eine zusätzliche Dimension. Manche Arbeiten scheinen mit der Architektur zu verschmelzen, andere setzen bewusst einen Kontrapunkt zur massiven Bauweise. So entsteht ein Dialog, der weit über die einzelne Kunstbetrachtung hinausgeht.

Das Baltikum und die Frage nach der eigenen Identität Jedes Jahr setzt die NordArt besondere thematische Akzente. 2026 richtet sich einer davon auf das Baltikum. Arbeiten von 22 Künstlerinnen und Künstlern aus Litauen, Lettland und Estland eröffnen Einblicke in eine Region, deren Geschichte von Fremdherrschaft, dem Ringen um Unabhängigkeit und der Suche nach kultureller Identität geprägt ist. Diese Erfahrungen hinterlassen Spuren – auch in der Kunst. Die Werke erzählen von Herkunft und Erinnerung, von politischen Umbrüchen und dem Bedürfnis, eine eigene Stimme zu finden. Sie machen sichtbar, wie eng persönliche Erfahrungen mit der Geschichte eines Landes verbunden sein können und wie unterschiedlich Künstlerinnen und Künstler auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren.

Kunst ohne Schwellenangst

Gerade die Vielfalt macht den Rundgang zu einer Entdeckungsreise. Auf den weitläufigen Flächen 17


Foto unten: Jan Dortal: Toroid, 2025

Foto oben: Bernd Reiter: Ironie des Schicksals, 2016

der ehemaligen Gießerei kann man sich verlieren, staunen, zweifeln und immer wieder neu beginnen. Im Skulpturenpark tritt die Kunst in Beziehung zur Landschaft, während die Hallen ihre ganz eigene Dramaturgie entfalten. Licht und Schatten, Weite und Enge, historische Spuren und moderne Ausdrucksformen verändern die Wahrnehmung der Werke. Die NordArt verlangt keine kunsthistorischen Vorkenntnisse. Sie lebt von der Offenheit ihrer Besucher. Nicht jede Arbeit muss gefallen, nicht jede Botschaft sofort verständlich sein. Manchmal reicht ein Detail, eine ungewöhnliche Form oder ein überraschender Blickwinkel, um eine Verbindung herzustellen. Manchmal bleibt ein Werk rätselhaft – und gerade deshalb im Gedächtnis. Kurator Wolfgang Gramm konzipiert die Ausstellung Jahr für Jahr neu. So entsteht kein statisches Museum, sondern ein wandelbarer Kunstkosmos, der sich immer wieder anders erschließt. Die internationale Auswahl bringt Künstlerinnen und Künstler zusammen, die sich in ihren Lebenswelten, Erfahrungen 18

und Ausdrucksformen unterscheiden. Die Carlshütte gibt diesen Positionen einen gemeinsamen Rahmen, ohne ihre Eigenständigkeit aufzuheben. Am Ende ist die NordArt weit mehr als eine große Schau zeitgenössischer Kunst. Sie zeigt, wie aus einem stillgelegten Industriegelände ein lebendiger Ort kultureller Begegnung werden kann. Hier trifft die Geschichte der Arbeit auf die Freiheit der Kunst, die raue Vergangenheit auf kreative Gegenwart und das Vertraute auf das Unbekannte. Wer die Carlshütte verlässt, hat vielleicht nicht jedes Werk verstanden. Aber womöglich einen neuen Blick gewonnen – auf die Kunst, auf andere Kulturen und auf die überraschenden Möglichkeiten, die entstehen, wenn man sich auf etwas Unbekanntes einlässt. Weitere Infos unter: www.nordart.de Text: Tobias Mahlow

Die 28. Nordart findet vom 5. Juni bis 3. Oktober 2027 statt. wiesbadener*in IV/2026


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Die ambitionierten Sängerinnen und Sänger der Schiersteiner Kantorei in Aktion!

Der Konzertchor singt Mozarts c-Moll-Messe in der Marktkirche

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ie Schiersteiner Kantorei zählt derzeit rund 80 Sängerinnen und Sänger. Als ambitionierter Konzertchor widmet sie sich insbesondere der Kirchenmusik und anspruchsvoller Chorliteratur. Projektweise wird ein kleiner besetzter Kammerchor gebildet. Seit über 60 Jahren prägt die Schiersteiner Kantorei das Musikleben Wiesbadens und weit darüber hinaus. Ihr Repertoire umfasst die großen Oratorien und Messen des 17. bis 20. Jahrhunderts, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Werken Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels. Daneben widmet sich der Chor zunehmend auch der romantischen Chormusik sowie anspruchsvoller A-cappella-Literatur aus verschiedenen Epochen. Seine Heimat hat der Chor in der wunderschönen Christophoruskirche in Wiesbaden-Schierstein, einem barocken Kleinod aus den Jahren 1752–1754. Seine großen Konzerte gibt er darüber hinaus in der Marktkirche Wiesbaden und in der Basilika des Klosters Eberbach. Regelmäßige Mitwirkungen bei den Wiesbadener Bachwochen und vielfältige Konzertprojekte wiesbadener*in IV/2026

bereichern das musikalische Leben der Region. Von 2004 bis 2025 realisierte die Schiersteiner Kantorei gemeinsam mit der Kantorei St. Katharinen und der HfMDK Frankfurt das außergewöhnliche Projekt der BachVespern: die Aufführung aller 200 erhaltenen Kirchenkantaten Bachs innerhalb von 20 Jahren. Seit 2026 wird die musikalische Arbeit mit den MotettenVespern Wiesbaden | Schierstein fortgeführt, bei denen ein Kammerchor anspruchsvolle A-cappella-Werke in eigens gestalteten Gottesdiensten präsentiert. Einladungen zu Konzerten und Festivals in China, England, Frankreich, Luxemburg, Portugal und der Schweiz sowie Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen zeugen von der überregionalen Anerkennung des Chores. 1990 wurde die Schiersteiner Kantorei mit dem Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet. Lust, mitzusingen? Sängerinnen und Sänger mit Chorerfahrung sind herzlich eingeladen, die Proben und Projekte kennenzulernen. Die Schiersteiner Kantorei wird von dem Förderverein Freunde der Schiersteiner Kantorei unterstützt.

Schiersteiner Kantorei Bernhard-Schwarz-Straße 25 65201 Wiesbaden www.schiersteiner-kantorei.de/ konzerte Erleben Sie die Schiersteiner Kantorei live! Am Samstag, 7. November 2026, um 19:30 Uhr ist der Chor in der Marktkirche Wiesbaden zu hören. Auf dem Programm steht Mozarts c-Moll-Messe, eine seiner ambitioniertesten und eindrucksvollsten Kompositionen dieser Gattung. Eine wunderbare Gelegenheit, die Schiersteiner Kantorei in ihrer ganzen musikalischen Vielfalt und Klangfülle zu erleben! Karten von EUR 10 bis 49 bei reservix.de oder der Wiesbadener Touristeninformation Kartenbestellungen sind auch per Mail an info@schiersteinerkantorei.de oder unter 061123858381 möglich. Abendkasse und Einlass eine Stunde vor Konzertbeginn. Schüler und Studenten erhalten 30% Ermäßigung. Marktkirche Wiesbaden Schlossplatz 4, 65183 Wiesbaden Wolfgang Amadé Mozart, Messe in c-Moll, Sinfonie g-moll KV 550 19


kultur & kreatives

Der Preis des Verbandes Deutscher Varietétheater würdigte Valeria Garmider aus Moldawien, die mit eleganter Grazie und Ballettschuhen buchstäblich „auf Spitze“ zeigte, woher der „Seil-Tanz seinen Namen hat.

Ein exzellentes „Küken“. Der vor Witz sprühende Jack Sparrow erzählt seine Piratenstory und fliegt an den Vertikaltüchern rasant durch die Manege. Unglaublich. Oliver Wehbe (13) wurde mit Bronze belohnt und mit dem Preis der Wiesbadener Kirchen.

European Youth Circus Wiesbaden: Einzigartiges Juwel überwindet Grenzen und verbindet „Das ist unser Europa, das wir genauso wollen! So ein außergewöhnliches Niveau gibt es sonst nirgends.“ Jurysprecher Johnny Klinke, legendärer TigerpalastChef, bringt es auf den Punkt. „Grenzen überwinden fördert die Vernetzung der jungen Artistik un-

tereinander, was wir sehr gerne unterstützen.“ Dr. Susanne Völker, Kulturfonds RheinMain-Chefin, lobt „Mut, Disziplin, erzählerische Kraft“ der Nachwuchsartist*innen. Kulturdezernentin Dr. Patricia Becher lobt das Motto „Out oft he bubble“ im knallvollen Chapiteau.Eine Klasse für sich ist Ukrainer Markian Strotsiak,

der als scheinbar traditioneller Jongleur hier vor vier Jahren schon überzeugte. Zum Goldenen Festivalpreis bekam der hochkarätige Artist den Engagements-Preis im Tigerpalast. Furiose Küken! Mit kraftvoll rasanter Anmut holte Varvara Fedorova (13) aus der Ukraine Gold am Trapez. Silber ging an Ukrainerin Anna Ponomarenko (16) für grandiose Strapatenkunst. Eine waghalsig tolle Truppe sind vier weiblichen „Highflyers“ aus Ungarn, die auf dem Schleuderbrett das Chapiteau ausloten und für Atemnot sorgen. Zum Bronzepreis kam der Anerkennungspreis des Cirque du Soleil. Für ihre couragierte „Luftnummer“ bekam Carla Rousany den Silbernen Festivalpreis und ein Engagement beim Cirque Imagine in Lyon/Frankreich. Faszinierend und eine eigene Klasse als Einrad-Artistinnen sind

„Out oft he bubble“ mit Marchingband „Le Marmelade du montäge“, Breakdance, Rap & Live-Grafitti von Manuel Gerullis und Regie-Moderator Karl-Heinz Helmschroth wurde den Medien im WerkRaum vorgestellt von Festivalleiterin Franziska Domes, Kulturdezernentin Dr. Patricia Becher und Jurysprecher Johnny Klinke. Der legendäre Tigerpalastchef dankte Dr. Susanne Völker, Geschäftsführerin Kulturfonds RheinMain, „für den Rückenwind“ (von links) 20

die „Sparkle Riders“ (Preis der Circusfreunde Deutschlands). Jano Schorno kann seine Diabolos im Circus Roncalli fliegen lassen. Marlene Ziechmann geht im CyrRad ans Neue Theater Höchst. Text und Fotos: Gesine Werner wiesbadener*in IV/2026


kultur & kreatives danken. Initiator und Projektleiter Ullrich Bachmann, ein Wahleltviller, hat bereits vor 13 Jahren die „Rheingauer Krimiabende“ ins Leben gerufen. Bis heute treffen sich dabei im November an jedem Mittwoch Krimifans und Literaturfreunde in einem örtlichen Weingut. Aus dieser Veranstaltungsreihe entstand über die Jahre ein Netzwerk von Autorinnen und Autoren, das nun auch den „Weinschreibereien“ zugutekommt. Hinzu kamen Rücklagen des Kulturvereins, die den finanziellen Grundstein für das ambitionierte Projekt legten.

Es zeigt von links: Meike Schwagmann (von ihr stammt das Covermotiv, ein Beitrag in Band 1 und sie hat die Webseite www.weinschreibereien. de erstellt, auf die Sie gern verweisen klönnen), Klaudia Zotzmann-Koch (die Verlegerin des Bandes 1 und Autorin eines Beitrags in Band 2 sowie Zuständige für die Podcasts), Projektleiter Ulrich Bachmann und Autorin und Ko-Herausgeberin von Band 1 und Band 2 Fenna Williams.

Weinschreibereien: Wenn der Rhein Geschichten erzählt

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ehr als sechzig Autorinnen und Autoren, eine Stadt voller Geschichte und ein Fluss, der niemals stillsteht: In Eltville am Rhein entsteht ein literarisches Porträt der Region, das Wein, Landschaft und Menschen auf ganz unterschiedliche Weise miteinander verbindet. Mit dem zweiten Band der „Weinschreibereien“ wird dieses außergewöhnliche Projekt nun fortgeschrieben.

In- und Ausland kommen für einige Tage in die Stadt, lassen sich von ihren Eindrücken inspirieren und verwandeln Erlebtes, Beobachtetes und Erinnertes in kurze literarische Texte. Was andernorts ein Stadtschreiber über ein halbes oder ganzes Jahr hinweg sammelt, verdichtet sich hier in wenigen Tagen zu einer Momentaufnahme – vielstimmig, überraschend und so unterschiedlich wie die Menschen, die sich auf die Region einlassen.

Das literarische Projekt macht Eltville und seine Umgebung zur Bühne für eine ungewöhnliche Begegnung zwischen Literatur und Landschaft. Mehr als sechzig Autorinnen und Autoren aus dem

Ein literarisches Experiment mit Wein und Weitblick Dass ein solches Vorhaben überhaupt Gestalt annehmen konnte, ist auch den gewachsenen Kontakten in die Literaturszene zu ver-

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Die künstlerische Leitung liegt bei der Autorin Fenny Williams. Sie begleitet ein Vorhaben, das nicht bei einer einmaligen Anthologie stehen bleiben soll. Drei Bände sind geplant, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren erscheinen. Ergänzt werden sie durch Podcasts zu den einzelnen Beiträgen. Darüber hinaus sollen an Orten, die in den Geschichten eine besondere Rolle spielen, Landmarken mit QR-Codes entstehen. Wer dort vorbeikommt, kann dann nicht nur die Landschaft betrachten, sondern auch literarisch in sie eintauchen. Der erste Band erschien im Oktober 2025 unter dem Titel „Stadt – Wein – Fluss. Geschichten in Rheinkultur“. Auf 232 Seiten versammelte er 20 Kurzgeschichten namhafter Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum. Für 17 Euro brachte das Buch die literarischen Perspektiven auf Eltville und den Rheingau in die Buchhandlungen und zu den Lesern nach Hause. Nun folgt der zweite Teil des literarischen Experiments. „Alles am Fluss. Geschichten in Rheinkultur“ heißt die neue Anthologie, die 23 Geschichten auf 262 Seiten vereint. Seit dem 10. Oktober 2026 ist sie im Buchhandel und online erhältlich, außerdem direkt beim adakia-Verlag unter adakia-shop.de. Schon der Titel lässt erahnen, dass der Rhein hier mehr ist als eine geografische Kulisse. Er ist Lebensader und Grenze, Verkehrsweg und Sehnsuchtsort, Zeuge vergangener Zeiten und Begleiter des Alltags. Mal scheint er selbst die Hauptrolle zu übernehmen, mal bildet er nur den Hintergrund für menschliche Schicksale. Und manchmal genügt ein Blick auf seine Oberfläche, um wiesbadener*in IV/2026


eine Erinnerung hervorzurufen, die weit über das Ufer hinausreicht. Die Autorinnen und Autoren nähern sich dieser Welt auf ganz unterschiedliche Weise. Einige erzählen von persönlichen Erlebnissen, von Begegnungen und Erinnerungen, die sich mit dem Wein, der Stadt oder der Landschaft verbinden. Andere blicken in die Geschichte, spüren historischen Spuren nach oder schaffen literarische Bilder, in denen sich Wirklichkeit und Fantasie vermischen. Eine Landschaft, viele Wahrheiten Die „Weinschreibereien“ setzen deshalb nicht allein auf die Schönheit einer bekannten Weinregion. Sie interessieren sich auch für ihre Geschichten, ihre Widersprüche und ihre verborgenen Seiten. Die Verbindung von Wein, Stadt und Fluss bildet den gemeinsamen Ausgangspunkt, doch was daraus entsteht, bleibt offen. Mal heiter, mal nachdenklich, mal historisch geprägt, mal ganz persönlich. Und vielleicht liegt genau darin die Stärke des Projekts: Die Region wird nicht auf ein einziges Bild festgelegt. Sie darf widersprüchlich sein, überraschend und vielschichtig. So, wie Literatur eben sein sollte. Während der zweite Band gerade erst seine Leser findet, wird am dritten bereits gearbeitet. Er soll im Herbst 2027 erscheinen und die auf drei Jahre angelegte Reihe vervollständigen. Damit wächst ein literarisches Porträt, das weit über eine klassische Sammlung von Kurzgeschichten hinausgeht. Die „Weinschreibereien“ zeigen, wie eng Literatur und Landschaft miteinander verwoben sein können. Eine Stadt wird zum Ausgangspunkt, der Wein zum kulturellen Gedächtnis, der Fluss zum Sinnbild für Bewegung und Veränderung. Und mehr als sechzig Autorinnen und Autoren tragen dazu bei, dass aus diesen Zutaten immer neue Erzählungen entstehen. Der Rhein fließt weiter. Die Weinberge bleiben, und in den Straßen von Eltville begegnen sich Menschen mit ihren ganz eigenen Geschichten. Doch wer nach der Lektüre von „Alles am Fluss“ wieder an seinem Ufer steht, wird vielleicht genauer hinsehen. Denn manchmal braucht es nur ein paar geschriebene Zeilen, um eine vertraute Landschaft mit anderen Augen zu sehen – und zu entdecken, dass sie noch längst nicht auserzählt ist. Weitere Infos und Lesetermin finden sich auf: https://weinschreibereien.de Text: Tobias Mahlow

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kultur & kreatives

Leonor Fini im Kloster von Nonza, Korsika, 1967 Foto: Eddy Brofferio © Eddy Brofferio Archive

Es entstanden kraftvolle Darstellungen von Frauen und androgynen Figuren, häufig als Neuinterpretationen historischer Vorbilder. Emanzipation, Genderfluidität, Eros, Okkultismus, Tod und Verwandlung durchziehen ihr Werk ebenso wie der spielerische Umgang mit Masken, Kostümen und Rollenbildern. Die Auseinandersetzung mit ihrer Position als Frau und Künstlerin ist ein zentrales Thema ihres Werks.

Leonor Fini, Selbstporträt mit Skorpion, 1938, Öl auf Leinwand, 81 x 60 cm Privatsammlung, courtesy of HomeArt © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Estate Leonor Fini, Paris Leonor Fini,

LEONOR FINI. MAGISCH SURREAL

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eonor Fini (1907–1996) war als Künstlerin wie auch als Privatperson eine Rebellin. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert vom 23. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027 die erste Retrospektive der Künstlerin in Deutschland. Rund 100 Werke, darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Kostüme, Masken und Bücher geben einen umfassenden Einblick in ihr faszinierendes Œuvre. Geboren in Buenos Aires und aufgewachsen in Triest, 24

blieb die Autodidaktin trotz ihrer Nähe zum Surrealismus zeitlebens künstlerisch unabhängig. Beeinflusst von Renaissance, Symbolismus, deutscher Romantik und magischem Surrealismus entwickelte Fini eine unverwechselbare Bildsprache zwischen Traum, Mythos, Fantasie und theaterhaften Inszenierungen. In ihrem charakteristischen, altmeisterlichen Stil schuf sie traumartige Szenen mit Priesterinnen, Sphinxen und hybriden Wesen, die klassische Geschlechterrollen umkehren.

Von Beginn an inszenierte sich Fini selbstbewusst als freigeistige, glamouröse Ikone und verwischte bewusst die Grenzen zwischen künstlerischer Schöpfung und gelebter Existenz. Die Ausstellung zeichnet mit Werken aus rund sieben Jahrzehnten ihre außergewöhnliche künstlerische Entwicklung nach. Leonor Fini: magisch surreal SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT Gabriel-Riesser-Weg 3 60325 Frankfurt am Main 23.10.2026 – 21. 02. 2027 www.schirn.de

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KulTouren

„Wir schlagen in unseren Inszenierungen immer die Brücke vom Herzen zum Kopf und von der Bühne zum Publikum.“ Auch in der neuen Revue „Ein Sommer ohne Grenzen“ von Dana Bufkova, Barbara Naughton & Bedo Hanys (vor dem historischen Kafka-Vorhang) bekommt Hund Wuschel seinen Auftritt.

Ein spannender Sommer ohne Grenzen

Velvets lassen mit Schwarzem Theater die Puppen tanzen / Neue Revue mit Pantomime, Musik, Gesang, Stepdance & Originalfilm Prag - Mailand - Paris - Bahamas - Wiesbaden: „Downtown!“ Die 1967 in Prag gegründeten „Velvets“ wurden weltweit mit Auszeichnungen gewürdigt (u.a. Kulturpreis der LH Wiesbaden) und steuern 2027 auf ihr 60Jähriges als exquisites Jubiläum zu. Ihr „Kleiner Prinz“ ist Kult - 2028 feiert der Blaublütige sein Goldjubiläum. „Erlebte Geschichte und Geschichten“: Selbstflüsternd ist das samtene Kreativtrio in der Anthologie des Stadtarchiv-Fördervereins prominent vertreten. Ein „musikalisches Hormonical“ als Dauerbrenner: Ihre humorvolle Wechseljahre-Revue „Heiße Zeiten“ mit Felicitas Geipel in der Regie von April Hailer ging 130mal vor ausverkauftem Haus über die Bühne. „Ein Sommer ohne Grenzen“: Als Uraufführungs-Premiere betören die buchstäblich „viel-saitigen“ Velvets Dana Bufkova, Bedo Hanys & Barbara Naughton in ihrer neuen Revue mit tiefen Emotionen und ihrem einzigartig poetischen Zauber, der unter die Haut geht. Prag 1968: Fünf Personen, eine gemeinsame Entscheidung und der Sommer, der alles verändert. „Eine Handvoll Menschen auf der Bühne, die ihr Land verlassen müssen, der Freiheit folgen und es nur zusammen schaffen. Kreativität ist ein Ausweg.“ Ein Stück Zeitgeschichte mit Fragmenten aus dem Leben der Velvets und phantasievollen Schwarzlichtszenen, mit Originalpuppen (Dorothy, Blechmann, Strohmann, Löwe - Zauberer von Oz) und einer Billard-Schlüsselszene. Spartenverbindendes Gesamtkunstwerk lädt zur Reise ein mit Schwarzem Theater, Marionetten, Puppenspiel, Pantomime, Musik, Gesang, Stepdance & historischen Originalfilmszenen, die mit Blick zur Ukraine wie ein Deja-Vu wirken. „Wir wollen im Kleinen zeigen, dass Europa im Großen zusammenhalten muss. Wir wollen ermuntern, den Mut zu haben, schwere Situationen von innen zu überwinden. Regisseurin April Hailer ist Feuer und Flamme: „Das muss erzählt werden!“ Neben Chefin Barbara Naughton sind Maurice Falz, Aleksandra Hunger, Fabian Klatt & Tanja Prüll zu erleben. „Wir laden ein, mit zu fiebern, zu weinen, zu lachen, zu staunen auf einer Achterbahn der Emotionen.“ Tickets zur Premiere am 14. November 2026 unter 0611-719971. www.velvets-theater.de P.S. Chapeau! an Dana & Bedo zur eisernen Hochzeit und der GratulARTion des Bundespräsidenten.

„Nachwuchsförderung liegt uns am Herzen“. Konzertpianistin Sigrid Jennes-Müller, engagierte Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft Wiesbaden-Rheingau, konnte mit den Goldkehlchen Denise Moser & Dana Latusek sowie der ausgezeichneten Tastenlöwin Yansu Wang das Publikum begeisternde Studierende der Wiesbadener Musikakademie im Festsaal der Freimaurerloge Plato begrüßen.

Dann will mein Lied ertönen Brahms-Gesellschaft Wiesbaden-Rheingau e.V. begeistert im Jubiläumsjahr mit exzellentem Programm / Komponistin Louise Langhans-Japha wieder entdeckt Das Jubiläums-Jahr mit künstlerischem Esprit nähert sich seinem klangvollen Finale. Zur hochkarätigen Jubiläums-Matinee mit der ausgezeichneten Mezzosopranistin Silvia Hauer lädt die Brahms-Gesellschaft am 8. November 26 um 11 Uhr in den Festsaal der Freimaurerloge Plato. Zum Jubiläumsstart wandelte die am 17. August 1986 gegründete Brahms-Gesellschaft Wiesbaden-Rheingau e.V. mit Siri Thornhill, Michael Baumann, Jörn Bartels, Antonio Pellegrini, Janine Droese & Dorothea Grube auf den Spuren der Wiesbadener Pianistin und Komponistin Louise Langhans-Japha, eine BrahmsJugendfreundin. Eine kleine Sensation: Zum 200. Geburtstag präsentiert das Stadtarchiv Wiesbaden einen Kellerfund mit kürzlich entdeckten Handschriften der Musikerin. „Dann will mein Lied ertönen“ ist bis zum 10. Dezember 26 zu sehen. Mit „Überraschungen aus einer Schatzkiste“ und Schmankerln für Auge, Ohr & Gaumen wartete die Jubiläumsfeier „Aber Fesseln tragen kann ich nicht“ auf. „Johannes Brahms als Menschen zu erleben mit Blicken hinter die Kulissen ist uns ein Anliegen. Nachwuchsförderung liegt uns am Herzen“, betont Vorsitzende Sigrid Jennes-Müller die Kooperation mit der WMK. Im überraschend breit gefächerten Programm traf Monteverdi auf Scarlatti, Beethoven, Alma MahlerWerfel, Edgar Elgar, Alban Berg & Manuel de Falla sowie Louise Langhans-Japha, Felix MendelssohnBartholdy und natürlich Johannes Brahms. Von KlavierProfessor Johannes Möller und Gesangsdozentin Betsy Horne unterrichtet, überzeugten die Goldkehlchen Denise Moser mit glockenhellem Sopran und Dana Latusek mit hell timbriertem Mezzo. Die ausgezeichnete Tastenlöwin Yansu Wang begeisterte mit seelenvollem Spiel. www.brahmsgesellschaft.com Text und Foto: Gesine Werner

Text und Foto: Gesine Werner 26

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KulTouren

„Gut Walhalla will Weile haben. Was lange schläft, wird endlich gut.“ Am Aktionstag wurde im Innenhof der Walhalla über Baugeschichte und geplante Maßnahmen des Kulturortes Walhalla informiert. Das Morgen aus dem Gestern denken“.

Der Elefant im Raum…

Kultur machen – Demokratie stärken: Aktionstag Walhalla im Rahmen des World Design CapitalJahres In Sachen Walhalla geht es voran. Mit der Kampagne „Kultur machen - Demokratie stärken - Aktionstag Walhalla“ waren Interessierte eingeladen, „sich durch eine temporäre Neugestaltung der Fassaden der Walhalla ein Bild davon zu machen, wie dieser Kulturort zukünftig aussehen und welches Programm dort stattfinden wird.“ Für Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende ist die Walhalla „ein zentrales Projekt der Stadtreparatur. Wir entwickeln einen Ort, der mit den Mitteln der Kunst die Demokratie stärkt, durch Innenstadtbelebung die Wirtschaft fördert und die Stadtgesellschaft wie auch überregional Menschen dazu einlädt, an diesem Treffpunkt zusammenzukommen.“ Stadtplanungsdezernent Mende hatte nach dem sommerlichen Rückbau des Seitenschiffes entlang des Festsaals unter dem augenzwinkernden Motto „There is an Elephant in the room…“ im Rahmen des World Design Capital-Jahres einen Aktionstag initiiert. Rund ums Walhalla lud die Wanderbühne Freudenberg, die ihre Wurzeln in Goethes FAUST-Vorspiel auf dem Theater“ sieht, zu einem „Jahrmarkt der 28 Sinne“ ein. Ein blinder Porträtist bot seine Dienste feil, nebenan wurde „die Nadel im Heuhaufen“ gesucht. „Vom Bewahren und Weitererzählen“: Marin Horsten & Thorsten Brokman informierten über das Denkmal schützende Umgehen mit dem Bestand. „Wo wir stehen“: Im Innenhof der Walhalla warfen die Architekten Jan Schüler und Carsten von Schockmann einen kundigen Blick auf 100 Jahre Baugeschichte. „Das Morgen aus dem Gestern denken“. Prof. Felix Waechter vom Architekturbüro Waechter + Waechter erläuterte mit Landesdenkmalpflegerin Dr. Ing. Henriette von Preuschen die Planungen zum Erhalten, Freilegen und Weiterbauen. „Dritter Ort - Walhalla“. Bis Ende Oktober zeigte der Mauritius-Mediathek die Ausstellung „Stadtgestaltung & Transformation“. Text und Fotos: Gesine Werner

Auf Flügeln des Gesangs. Die charismatisch samtene Jazz-Diva Jill Gaylord ist verstummt. Mit warm timbrierter Vier-Oktavenstimme und strahlender Bühnenpräsenz gesegnet, wurde die mitreißenden Auftritte der charmanten Frontfrau diverser Jazz- und Bluesband und Tastenlöwin vom begeisterten Publikum gefeiert.

Mit charismatischen Samt-Vocals auf Flügeln des Gesangs Abschied von Jazz-Diva Jill Gaylord, die mit ihrer Vieroktavenstimme Genregrenzen nicht gelten ließ

Die betörend samtene US-Jazzröhre Jill Gaylord ist verstummt. Mit Vieroktavenstimme und strahlender Bühnenpräsenz gesegnet, hatte die in New York und Wien klassisch geschulte US-Sängerin, Gesangspädagogin, Chorleiterin & Komponistin auf vielen Bühnen begeistert. Markenzeichen: warm timbrierter Mezzo, sprühende Spielfreude in bravouröser Stilvielfalt und bislang ungehörte Phrasierungen von Oper & Musical über Südamerika-Rhythmen, Gospel, Ragtime, Swing bis zum Jazz jeglicher Couleur. Das langjährige Ensemblemitglied des Staatstheaters Wiesbaden - ihre Miss Quickly (Falstaff) ist unvergessen - prägte als Gesangspädagogin und Chorleiterin die regionale Musikszene auch mit einem Kindermusical. Selbst Gesine Werners „schräg anmutende Idee, Heine-Texte zu vertonen“ wurde von Komponistin Jill mit dem ausgezeichneten FUNJazzquartett Jo Flinner, Paolo Fornara, Markus Hofmann & Günter Gessinger in die gefeierte Interkulturelle SalonNacht der Frauen in Schwarz Kreatief verwandelt. Villa Clementine ausverkauft. „Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest. Heine - auf Flügeln des Jazz-Gesangs“. Die gleichnamige CD bietet Hörgenuss. In der Jubiläums-Saison von Jazz im Hof wurde dem charmanten Goldkehlchen mit Stammband Jazz Connection um Drummer Wahan Cherbettchian (Zeitzeuge „erlebter Geschichte“ in der Stadtarchiv-Anthologie von G. Werner) stürmisch applaudiert. Beim Idstein-Jazz war die Connection-Bühne begehrter Hotspot. Schon als Kind Mitglied der freimaurerischen Gemeinschaft „Order oft he Eastern Star,“ bereicherte Opernsängerin Jill mit Giorgio Martin, Sasa Vrabac & Oliver Stapel sowie Schauspieler Wolfgang Ziemssen & Benjamin Krämer-Jenster in kleiner StaatstheaterBesetzung um Ehrenstuhlmeister Horst Stange die FreimaurerMatinée der Loge Plato: „Freimaurer 1848 – Impulse für Menschlichkeit“. Als veritable Tastenlöwin überraschte die charmante Frontfrau der Kantishna Roadhouse-Band - Wolfgang Diefenbach, Marlo Harlos, Thomas Keggenhoff - beim Benefizkonzert der Burgfestspiele Sonnenberg „Musik trotz(t) Corona“. Mit Reinhard Diegels „Five Generations“ betörte Jill Gaylord das Open-Air-Publikum. Die CD „Whisper Not“ von Wollweber, Ziegler, Buchroth, Steinhorst, Lisa Steidle & Nicola Hug-Diegel, Martin, Vogt, Keggenhoff, Harlos mit Gänsehaut erzeugenden Vocals von Jill Gaylord ist eine klangvolle Erinnerung. Rest in Peace, liebe Jill. Text und Foto: Gesine Werner

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Goethes Weisheit „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles…“ kommt in den Sinn: Dr. Ulf Schmidts kabarettistischer Geniestreich: „Schuld und Schein - ein Geldstück“ kurbelt in Raimund Widras rasanter Regie das Kopfkino an und animiert zu Szenenapplaus. Den „Scheinheiligen aus dem Borgenland“ gehen alle auf den Leim und zahlen „Gebühren, Gebühren, Gebühren“. Henry Ford postulierte: „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“

Spektakel mit Krabat im Scheinheiligen-Cabaret der 3 Orangen

Staatstheater Saarbrücken verbindet die Sparten und punktet mit prallen Inszenierungen m Staatstheater Saarbrücken geht Generalintendant Michael Schulz in die Vollen.

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min Lee (artistisch!), Yangchen Chan, KS Hiroshi Matsui, Benedikt Nelson. Märchenhaftes Spektakel - unbedingt ansehen.

Den Spielzeitauftakt markierte ein „wildes Stück Musiktheater“ á la Commedia dell´Àrte. Regisseur Tom Gerber/Wiesbaden, mit Myriam Lifka/Wiesbaden hier für seinen furiosen „Narrenkäfig“ gefeiert, kann auch Oper. Bei seinem bildgewaltig á tempo kredenzten Debüt mit Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ stand das Publikum auf den Stühlen. Allererste Sahne sind Bühnenbild (Ralph Zeger), Kostüme (Jannik Kurz), Licht (Patrik Hein) und Justus Thorau am Pult, der das munter aufspielende Staatsorchester zu furiosen Klängen treibt. Das Ensemble ist „die Wucht in Tüten“: KS Judith „Smeraldia“ Braun, Bettina Maria Bauer, „König Treff“ Tobias Schabel, „Prinz“ Taejun Sun, Clara-Sophie Pietsch, Markus Jaursch, Benja-

Es lebe der „exzentrische“ Theaterzauber in der schwarzmagischen Mühle - als fabelhafte Wiederaufnahme vom Musiktheater im Revier, früherer Wirkungsort von Intendant Schulz. Steampunk-Band Coppelius (die als Heavy WoodBand auf der Szene mit agiert) & Komponisten-Kollektiv Himmelfahrt Scores bringen Otfried Preußlers Klassiker „Krabat“ nach dem Libretto von Ulf Schmidt auf Trab. Manuel Schmitt findet auf Julius Theodor Semmelmanns Bühne prägnante Bilder, Kostüm/Maske Lisa Weinbrecht & Birgit Blume. Diri Niklas Hoffmann leitet das furiose Staatsorchester auf der Hinterbühne mit sicherer Hand. „Krabat“ Bastille bietet „Meister“ Markus Jaursch Paroli auf Augenhöhe. Auch „Kantorka“ Bettina

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Maria Bauer, „Altgesell Tonda“ KS Stefan Röttig, John „Juro“ Armin Sander, Daniel „Kubo“ Jerome & Tamara „Witko“ Nüßli werden in der Premiere mit Jubelapplaus im Stehen gefeiert. „Krabat“ hat Kultpotential. Hingehen! „Fragen gehören in den FeierAbend, Antworten auf die Arbeit!“ Außerirdische Archäologen erforschen die „Arbeit im 21. Jahrhundert“ bis in ihre skurrilen Winkel. Für ihr eindrückliches Rechercheprojekt „Alltägliche Spektakel“ befragten Autorin Paula Kläy und Regisseurin Rosa Rieck rund 100 Leute im Saarland und fühlen in Kooperation mit der Arbeitskammer des Saarlandes der Gegenwart auf den Zahn. Im Völklinger Hütte-Ambiente mit Bergbauschacht, Pausenkabine, Bauzaun, Stolper-Parcours, rostiger Autotür und „kollaborativem“ Roboter führt das ausdruckstarke wiesbadener*in IV/2026


Ensemble Verena Bukal, Dana Herfurth, Sébastién Jacobi, Anna Jörgens, Jonathan Lutz (auch Musik & Sounddesign) und Lea Ostrovskiy Absurditäten des Arbeitsalltags vor Augen. Die Gesprächsreihe „Zukünfte der Arbeit“ mit Expert*innen flankiert das Projekt. „Willkommen, Bienvenue, Welcome!“ Als bekennender „ExilBerliner“ holt Schauspielchef Christoph Mehler „Cabaret“, den brandaktuellen Musicalklassiker von Joe Masteroff & John Kander über einen Nachtclub zwischen Glamour und anrollendem Faschismus, mit markant düsteren Bildern (Bühne Stefano Di Buduo) und begeisternder Choreografie (Thomas Helmut Heep) an die Saar. Anrührende Momente, Gänsehaut, Szenenapplaus, Beifall-Orkan zum Schluss - nach ergriffenem Durchatmen. Christoph Iaconos „Kit Kat Klub-Band“ ist eine Wucht. Jennifer Hörrs Kostüme deuten die Gegenwart an. Das Ensemble ist in Hochform. Neben dem überragenden Conférencier Jan Hutter und dem eindrücklichen Raimund „Clifford“ Widra brilliert Louisa „Sally Bowles“ von Spies. Christiane Motters „Fräulein Schneider“, Gaby Pocherts „Frollein Kost“ und der Herr Schulz von Gregor Trakis gehen unter die Haut, Nicolai Gonthers Jungnazi Ernst-Ludwig lässt gruseln.

Düstere Steampunk-Rockoper „Krabat“ hat das Zeug zum Renner. Nach der herausragenden, minutenlang von standing ovations umtosten Premiere wurden alle auf und hinter der Bühne Beteiligten samt der mitspielenden „Heavy-Wood“-Band Coppélius (gut behütet) im Foyer gebührend gefeiert. Etliche Gothic-Fans waren stilecht gewandet angereist.

„Cabaret“ an der Saar. Der Musicalklassiker ist erschreckend aktuell und geht in Christoph Mehlers fesselnder Inszenierung gehörig unter die Haut: Das großartige Ensemble agiert fein austariert auf den Punkt. Das Premierenpublikum ist gebannt und applaudiert - nach einem Moment des Durchatmens - minutenlang im Stehen.

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles…“ laut Goethe. Goldstück in Tresor und schon ist der „Anleger“ es los gegen ein Papier von der Bank, schnell ist es „Buchgeld“. Dr. Ulf Schmidts kabarettistischer Geniestreich: „Schuld und Schein - ein Geldstück“ kurbelt in Raimund Widras rasanter Regie (mit Wilhelm Hauffs „kaltem Herz“) das Kopfkino an. Bernd Geiling, Nicolai Gonther, Jan Hutter, Jonathan Lutz& Lea Ostrovskiy reißen zu Szenenapplaus hin. Den „Scheinheiligen aus dem Borgenland“ gehen alle auf den Leim und zahlen „Gebühren, Gebühren, Gebühren“.

Arbeiten an der Zukunft“ hat sich das Staatstheater Saarbrücken vorgenommen. Flankiert von der Gesprächsreihe „Zukünfte der Arbeit“ mit Fachleuten wie Prof. Dr. Bettina Kohlrausch & Dr. Ulf Schmidt oder Gewerkschafter Stefan Dietl fühlt das Recherche-Projekt „Alltägliche Spektakel“ als „Stück über die Arbeit im 21. Jahrhundert“ Absurditäten der Arbeitswelt auf den Zahn. „Du lebst, um zu arbeiten.“ Autorin Paula Kläy und Regisseurin Rosa Rieck ließen rund 100 Personen im Saarland zu Wort kommen, lassen in der assoziationsreichen Collage plastische O-Töne hören und machen nachdenklich.

Das klingt nach Plädoyer für´s Bargeld, das bekanntlich lacht. Text und Fotos: Gesine Werner

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Berührende Kunst zwischen Himmel und Erde auf „den Brettern, die die Welt bedeuten“ im Musentempel und mit „Cupido“ auf dem Tbilisser Platz. „Die Zeit entschleunigen und das Herz berühren“. Das gelingt dem preisgekrönten Direktor Frédéric „Boul“ Zipperlin, erfahrener Jonglage-Artist (Cirque du soleil) und Co-Direktorin Anja Krips (Sängerin und Gastronomin) mit internationaler Spitzen-Artistik seit 20 Jahren vorzüglich. Den fantasievollen Circusdirektor erfreut die Kooperation mit dem Staatstheaters Saarbrücken.

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„Hoffmanns Erzählungen“ in Wiesbaden: Ganz große Oper im Chapiteau mit Zirkusartistik und rundum brillanter Besetzung. Der Europäische OpernregiePreisträger Dennis Krauß hat sein ausgezeichnetes Konzept (auch Bühne & Kostüm) als Gesamtkunstwerk inszeniert mit Bildern, die nachhallen. Publikum „steht auf den Stühlen“, feiert Regie, Diri Paul Taubitz (Mitte) und die komplette Truppe mit endlosem Jubelapplaus.

Ganz große Oper im Chapiteau und „verschonungsbedürftiges Erben“ Sinnlich fesselnde Bühnenkunst am Staatstheater Wiesbaden

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iesbaden als Thema und Bühne: Die Bezüge zeigen sich. „Wem gehört die Stadt?“ Im temporären WerkRaum, Wiesbadener Eigengewächsen als „Kaufhalle“ neben dem WeJot-Eiscafé noch gut erinnerlich, widmete sich Helge Schmidt samt Team der WiesbadenRecherche und präsentierte die

Lesefassung des Projekts „Unser Erbe: Tax me, if you can!“ Vor der Steuer schützt die „Verschonungsbedarfsprüfung“. 2025 wurden 3,7 Miliarden Euro Steuern erlassen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung kooperierte mit dem Musentempel und fordert eine Reform der Erbschaftsund Schenkungssteuer: „Erbschaften fair besteuern, Privilegien abbauen,

Leistungsgerechtigkeit stärken.“ Starker Abend mit Martin Plass, Felix Strüven und Sandrine Zenner. Vanessa Shield & Masayochi Katori vom Hessischen Staatsballett, im „Tanznetz“ auf Platz 2 der SpitzenEnsembles im deutschsprachigen Raum gewählt, bekamen den Tanzpreis 2026 der „Freundinnen und Freunde des Hessischen Staatsballetts“ - nach einer Vorstellung der „Nachtträume“. Alptraumhaftes, Verstörendes & Groteskes um den XXL-Tisch unter dem dominanten XXL-Leuchtobjekt. Die getanzten „Nacht(alp)träume“ des Spaniers Marcos Morau zeigen fesselnde Tableaus mit Kultpotential. Unbedingt ansehen.

In Deutschland wird erarbeitetes Einkommen mit 14 % besteuert. Nur 8,8 % steuern sind auf Erbschaften und Schenkungen zu zahlen. „Unser Erbe: Tax me if you can“: Die Kooperation der Friedrich- Ebert-Stiftung mit dem sam/Stadtmuseum und dem Musentempel ging als Lesefassung des Rechercheprojekts von Helge Schmidt & Team im temporären WerkRaum über die Bühne. Für ihre leidenschaftliche Präsentation bekamen Sandrine Zenner, Martin Plass und Felix Strüven herzlichen Applaus. 30

„Hoffmanns Erzählungen“ mit perlenden KoloraTouren (Sophia Theodorides, Sarah Yang, Fleuranne Brockway, Camille Sherman, Silvia Hauer), Oreste Cosimo als berührender Poet, „La Mamma“ Hovhannes Karapetyan als Coppélius-Lindorf-Dr.MiracleDapertutto, Fabian-Jakob „Crespel“ Balkhausen, Sacha Zarrabi, Vuyisa Xipu, Ganz große Oper im Chapiteau mit faszinierender Zirkusartistik von Julia Kraus & Sven Samstag und furiosen dem Orchester unter packender Stabführung von Paul Taubitz in Hochform. wiesbadener*in IV/2026


Der Europäische Opernregie-Preisträger Dennis Krauß (Faust 2025) setzt sein Konzept (auch Bühne & Kostüm) als opulentes Gesamtkunstwerk mit prallen Bildern um. Zum Niederknien. Minutenlang Jubel. Spielzeitauftakt mit einem verstörenden Klassiker: „Sie sind nur verhaftet, nichts weiter.“ Kein Entkommen in der Diktatur. Was heißt hier Vertrauen, wer ist Freund*in oder Feind*in? Der 30jährige Banker Josef K. (Jonas Grundner-Culemann) wird vom System (Abdul Aziz Al Khayat, Laura Talenti, Lasse Boje Haye Weber, Evelyn M. Faber) komplett dekonstruiert, erlebt den 31. Geburtstag nicht mehr. Laut Tucholsky „Kleists selbständiger Großsohn“ hat Franz Kafka erschreckend hellsichtig heutiger Zeit auf den Zahn gefühlt. Nach der gefeierten Antigone-Inszenierung („Radikal Jung“-Einladung) geht Kafkas „Prozess“ in der bildstarken Inszenierung inklusive Parabel „Vor dem Gesetz“ des georgischen Regisseurs Mikheli Charkviani unter die Haut. Zustimmender Applaus - nach kurzem Durchatmen. Bon jour Tristesse. Es geht um die Wurst - im Hintergrund lauert kaschierte Einsamkeit. Alles so schön rosa hier - in der Einraumwohnung von Sibylle. Die ist von 30 selbstgeschmierten Wurstbrötchen ihres Ex-Lovers Micha und dessen WurstMontage umzingelt. Sie findet, ihr Name klinge nach „Bulle“, obwohl doch Wurst aus Schweinen besteht. Die Wurst muss weg. Assoziative Gedankenströme und Wortspiele - „Extrawurst“, „Fridolin, das arme Würstchen“ - ziehen die vereinsamte Sibylla in einen Psychostrudel. Erkennbar lustvoll abwechselnd von Philine Heyer, Evelyn M. Faber und Sandrine Zenner verkörpert (die in grünem Kostüm auch die kabarettreife „Nachbarinvonunten“ abliefert), zeigt Autorin/Regisseurin Aurélie Feucht ein Absurdical, dem die drei wunderbaren Profis zu gewisser Wirkung verhelfen. In die Kooperation mit der HfMDK Frankfurt ist auch die musikalische Einstudierung von Philine Heyer als Mitglied des „Studiojahres Schauspiel“ einbezogen. Das Studio ist gut gefüllt mit Interessierten - erkennbar befreundet - und es wird freundlich applaudiert. Kommentar der Sitznachbarin „Ein Stück der Sparte Loreley - ich weiß nicht, was soll es bedeuten.“. Text und Fotos: Gesine Werner wiesbadener*in IV/2026

„Liebe mich!“ Die getanzten „Nachtträume“ des Spaniers Marcos Morau, dessen eigene Compagnie „La Veronal“ zum Tanzfestival RheinMain kommt, waren die Zürcher Sensation 2022 und sind von der Ikone Kurt Joos inspiriert. Dessen Antikriegs-Geniestreich „Der grüne Tisch“ von 1932 wird mit historischen Zitaten von Starchoreograf Maurice Béjart verwoben - blutroter Sonnenball, Menschenpyramide. Anonym braue Businessmen in feinem Zwirn, „kopflos“ oder als leuchtende „Hohlköpfe“, unter einem stetig die Form wechselnden XXL-Leuchtobjekt. Gruseliges Spektakel mit Nachhall.

„Sie sind nur verhaftet, nichts weiter.“ Kein Entkommen in der Diktatur. Laut Tucholsky „Kleists selbständiger Großsohn“ hat Franz Kafka erschreckend zutreffend seiner/unserer Zeit auf den Zahn gefühlt. Nach der gefeierten Antigone-Inszenierung („Radikal Jung“-Einladung) geht Kafkas „Prozess“ in der bildstarken Inszenierung inklusive Parabel „Vor dem Gesetz“ des georgischen Regisseurs Mikheli Charkviani unter die Haut. Zustimmender Applaus - nach kurzem Durchatmen.

Frisch vom Blech: Zum beliebten „Kulissengeplauder“ der „ziemlich besten“ Theaterfreundinnen und -freunde hatte Vizechefin Katharina Queck die Blechbläsergruppe des Kammerorchesters am Musentempel eingeladen. Jens Henschel/Solo-Horn, Maximilian Petz/Bass-Posaune (Zweitjüngster im Orchester), Tim Raschke/Solo-Posaune sowie Roland Vanecek „Tuba or not Tuba?“ gaben wohltönende Kostproben ihres Könnens samt oberbayrischer Gebirgsweise als Zugabe ab. Manches Detail überraschte: „Das Mundstück ist entscheidend!“ Beim Weihnachtskammerkonzert „Der Nussknacker“ mit Schauspieler Uwe Kraus sind die Blechmannen wieder zu erleben. 31


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Liberté, Egalité, Fraternité: Schon der Trikolore-Vorhang mit Schreibfeder und Guillotine verweist auf die Handlung: „Andrea Chénier“ als Opernsternstunde. Wiegand-Vorgänger John Dew bringt seine legendäre Inszenierung von 1994 jetzt ohne Abstriche mit dem grandiosen Ensemble in Darmstadt auf die drittgrößte Bühne der Republik.

Intrigantenstadl und Revolutionäre Breite Palette fesselnder Bühnenkunst auf den Brettern des Staatstheaters Darmstadt

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m Musentempel der Büchner-Stadt geht es rund.

Sensationelle Wiederentdeckung: „Kain und Abel“ zum „Rediscovered Work“ geadelt. Felix Weingartners klanggewaltiger Einakter - 1914 in Darmstadt uraufgeführt und unter feinfühliger Stabführung von GMD Daniel Cohen in der Regie von Kerem Hillel im Doppelabend „Kain und Abel - Aus der Tiefe“ mit Lili Boulangers „Du fond de lábime“ gezeigt - ist nominiert für den International Opera Awards 2026. 32

Mit Hochkarätern punktet die Opernsparte in der Spielzeit, die zeitgemäße Optionen des „JA“ auslotet: Hausherr Karsten Wiegand bürstet zum Saisonstart Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ & Ruggero Leoncavallos „Pagliacci“ gegen den Strich: Es muss nicht immer Mord sein.

Kristof, Benjamin Russell. Die Lesung „Unerhört!“ würdigte in Kooperation mit der LMU München Charlotte Corday d´Armont. Die Corneilles-Urenkelin erstach Jakobinerchef Jean Paul Marat in der Badewanne, starb auf dem Schafott. (Buchtipp: Sibylle Knauss „Charlotte Corday“).

Chapeau an Alessandro Palumbo am Pult, Orchester, Chor und die Goldkehlchen Matthew Vickers, Rafal Pawnuk, KS Katrin Gerstenberger, Megan Marie Hart, Reka

Ein sinnfälliges „Vorspiel“, gefolgt von ganz großer Oper mit hohem Schauwert. Farbgewaltige (Ball)Szenen auf imposantem, durch den buchstäblichen Um-Sturz der wiesbadener*in IV/2026


kultur & kreatives

„Viel Lärm um nichts“: Mit seinem erfrischenden Intrigantenstadl á la Shakespeares war Kultregisseur Leander Haußmann 2026 erstmals am Darmstädter Musentempel zugange. Das Rhein-Main-Gebiet ist ihm bekannt, wie ein historische Foto aus dem Kurhaus Wiesbaden bezeugt. Erstmals gesamtdeutsch gesplittet, war der Intendantenpreis der Dr. Otto Kasten-Stiftung 1991 an Regisseurin/Autorin Bettina Fless und Leander Haußmann/DNT Weimar verliehen worden.

Gesellschaft in gefährliche Schieflage geratenem Tableau mit mutifunktionalem Sofa unter Marat-Büste (Bühne Peter Sykora, Kostüme José Manuel Vasquez). Wiegand-Vorgänger John Dew hat seinen legendären „Andrea Chénier“ von Umberto Giordano aus dem Jahr 1994 als fesselnde Übernahme der Deutschen Oper Berlin 1:1 auf die geräumigen Darmstädter Bretter gewuchtet. Grandios: Der Trikolore-Vorhang mit Schreibfeder und blutrotem Fallbeil setzt den Ton. Paris 1794. Robespierres Regime wütet. In eine mysteriöse Briefschreiberin verliebt, landet der revolutions-ambivalente Dichter Andrea Chénier auf dem Schafott, wohin ihm seine Geliebte Maddalena folgt. Präzise steuernder GMD Daniel Cohen, furios disponiertes Staatsorchester Orchester und das exzellente Ensemble werden gefeiert. Mit vokalem Edelmetall trumpft Aris Argiris auf, ebenso wie Matthew Vickers, Megan Marie Hart, Lena Sutor-Wernich, KS Katrin Gerstenberger, Johannes Seokhoon Moon, David Pichlmaier & Benjamin Russell. Orkanapplaus im Stehen. wiesbadener*in IV/2026

Wie es uns gefällt: Thespiskarren, Reifrock-Zitate, Vokuhila-Matte, Maskenball ohne Masken, überbordender Spielwitz & Rio Reiser. Bühnen-Allrounder Leander Haußmann bringt Shakespeares Klassiker „Viel Lärm um Nichts“ als prallen Intrigantenstadl in eigener Version mit dem gnadenlos aufdrehenden Ensemble (samt Souffleuse!) und lässt es krachen, donnern, blitzen, regnen, fechten - Samia „Beatrice“ Dauenhauer mit frisch geschliffener Zunge und Degen. Alle geben dem Affen Zucker. Emily „Hero“ Klinge, Sebastian „Benedikt“ Schulze, Carl „Claudio“ Geißler, Karin „Don John“ Klein, Thorsten „Don Petro“ Loeb, Jörg „Leonato“ Zirnstein, Gabriele „Holzapfel“ Drechsel sind zum Niederknien. Langer Jubelapplaus.

Szenen aus dem Geniestreich von 1932 mit staatstragenden Mannen in grauem Feinzwirn deuten historische Zitate von Maurice Béjart an und werden zum packenden Gesamtkunstwerk. Text und Fotos: Gesine Werner

Zum Tanz-Festival RheinMain (bis 15. November 26) kommt Marco Moraus „La Veronal“ mit „Firmamento“ nach Darmstadt. Die getanzten „Nachtträume“ des Spaniers unter einem gewaltigen, ständig mäandernden Licht-Objekt und vom „Grünen Tisch“ der Ikone Kurt Jooss inspiriert, waren die Zürcher Ballettsensation 2022. 33


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„Fall seven Times“: Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der Uraufführung kommt die 2017 mit dem FAUST-Theaterpreis gekrönte Choreografie von Guy Nader und Maria Campos zur soghaften Musik von Miguel Vonrhein auf die Bühne zurück. Es wird wieder offenkundig: Alles eine Sache des Vertrauens.

Eine Sache des Vertrauens „Opernhaus des Jahres“ ausgezeichnet / tanzmainz ist beste Compagnie

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ratulARTion! Wenn das für die Bühnen der Domstadt kein Grund zum Feiern ist. Eine „sensationelle Auszeichnung“ wurde vermeldet: Das Staatstheater Mainz darf sich „Opernhaus des Jahres“ nennen. Chefredakteur Jürgen Otten vom Fachmagazin Opernwelt, das 40 Kritikerinnen und Kritiker um ihr Votum bat, urteilt: „Das Wunder von Mainz, was Intendant Markus Müller und sein Team unter dem Brecht´schen Motto („Denn wovon lebt der Mensch“) auf die Bühne zauberten, besaß höchste Qualität. Gleich drei Stücke von jüdischen Komponisten des 20. Jahrhunderts standen auf dem Programm.“ Als „absolut überwältigend“ empfindet Intendant Markus Müller es „völlig

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euphorisch“, sein Haus „von sehr überschaubarer Größe“ trotz „signifikant weniger Mittel“ jetzt „auf einem so hohen europäischen Niveau“ gewürdigt zu sehen. Sein „riesiger Dank“ gilt allen Beschäftigten, namentlich Opernchefdramaturgin Sonja Westerbeck, Opernbetriebsleiter Michael Nelle und GMD Gabriel Venzago. Ein „wichtiges Signal“ sei die Würdigung für eine Saison mit kräftig „politischem Anspruch“ und Werken wie „Der Chronoplan“, „Der Kaiser von Atlantis“, auch „Die tote Stadt“ und Heute Abend: Lola Blau“. Ein weiterer Grund zum Feiern für die Sparte von Tanzdirektor Honne Dohrmann ist die Kritiker*innenumfrage von „tanznetz.de“. Nach drei No-

minierungen für den FAUST 2026 und diversen Nennungen in der Kritiker*innenumfrage des Fachmagazins „tanz“ wurde „tanzmainz“ zur besten Compagnie erklärt. Laut Nina Hümpel ließ Kurator Dohrmann „Choreograf*innen für seine Kompanie kreieren, schon lange, bevor sie berühmt waren wie Rafaèle Giovanola (die in diesem Jahr den Deutschen Tanzpreis bekommt), Guy Nader & Maria Campos, Sharon Eyal, Omar Raieh und so viele andere.“ Als „beste Choreograf*In“ mit der „besten Choreografie“ gilt Rafaèle Giovanola mit „Gravity“, ihrer sensationellen zweiten Arbeit für die Mainzer Kompanie. Auch als „bestes Theater / Tanzhaus / Spielort“ wird der Mainzer Musentempel bezeichnet: „immer wieder für Entdeckungen neuer Choreograf*innen gut.“ Die Spielzeit 2026/27 steht unter der Devise: „Nie sollst Du mich befragen?“ und kehrt Lohengrins Frageverbot um in die Aufforderung zu absolutem Vertrauen. Da passt eine Wiederaufnahme hervorragend ins Bild: „Fall seven Times“: Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der Uraufführung kommt die 2017 mit dem FAUST-Theaterpreis gekrönte Choreografie von Guy Nader und Maria Campos zur soghaften Musik von Miguel Vonrhein auf die Bretter zurück. Und es zeigt sich wieder: Alles eine Sache des Vertrauens. Was sich soghaft und scheinbar organisch fließend entwickelt als Solo, Pas de Deux oder im Pulk, ob Beinahe-Fallen oder Kreiseln, Aufgefangen und Getragen werden oder Akrobatik-nahe „LuftSprünge“ rücklings in die Arme des Ensembles: Alles eine Sache des Vertrauens. Atemlose Stille. Das gebannte Publikum folgt fasziniert der brillanten Körper-Sprache, spendet minutenlang Applaus im Stehen.

Die Sonderausgabe der Theaterzeitung vom 2. Oktober 2026 feiert einen „sensationellen“ Coup: „In der jährlichen Umfrage des renommierten Magazins `Opernwelt` haben 40 Kritiker*innen abgestimmt - gewonnen hat das Staatstheater Mainz! „Das Wunder von Mainz“ titelt die „Opernwelt“, denn noch nie ein, im Vergleich mit den bislang ausgezeichneten großen Bühnen, hat so ein kleines Haus diese wichtige Auszeichnung bekommen.“

Text und Fotos: Gesine Werner wiesbadener*in IV/2026


kultur & kreatives

„Man(n) hat sie übersehen“ schreibt Kulturfonds-Chefin Dr. Susanne Völker (rechts) im hervorragenden Katalog „Die Blauen Reiterreiterinnen“ zur Blockbuster-Schau über die Pionierinnen der Moderne. Zur längst überfälligen „Weltpremiere“ des furiosen femininen Dutzends flankiert auch Muwi-Direktor Dr. Andreas Henning (links) das hochkarätige Bild „Interieur mit drei Figuren im Café“ von Erma Boss.

„Resonanzräume für die Zukunft gestalten“ und „Für aktive Zeitgenossenschaft in der Zivilgesellschaft“ sind neue Förderschwerpunkte. Als Geschäftsführerin des Kulturfonds RheinMain, der als echter Kulturmotor wirkt, ist die ausgewiesene Kulturmanagerin Dr. Susanne Völker mit dem geschärften „Blick nach vorne“ und aktiver Gestaltung die Idealbesetzung.

Neue Geschäftsführerin beim Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main: Dr. Susanne Völker steht für Kultur und Nachhaltigkeit „Der Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main für die Region“: Am Zuschlag für die World Design Capital 2026 war der Kulturfonds maßgeblich beteiligt. Seit fast 20 Jahren stärkt er„die künstlerische Strahlkraft der Region und die Vernetzung ihrer Kulturschaffenden“, schüttet sein Füllhorn aus: Das Kleine Verfahren bedenkt 12 Projekte mit 252,.664 Euro. Sein Bildungsprojekt KUNSTVOLL wächst. Das Silberjubiläum des Internationalen Trickfilm-Festivals Wiesbaden der kulturpreisgekrönten „Freunde der Filme im Schloss“ Joachim Kreck & Detelina Grigorova-Kreck mit Michael O. Fechner wurde finanziert, das exground-filmfest und das Filmfestival Go East auch. Der European Youth Circus wird gefördert, das Tanzfestival RheinMain und das „PAD - Performing Arts & Digitalität“ am Musentempel. Am Landesmuseum Wiesbaden werden exquisite Projekte wie Max Pechsteins „Sonne in Schwarzweiß“ bedacht. Vom Kulturfonds sehr gut bedacht, lädt eine kunsthistorisch sensationelle „Weltpremiere“ ins Landesmuseum Wiesbaden (Dr. Roman wiesbadener*in IV/2026

Zieglgänsberger) in Kooperation mit dem Paula Modersohn-Becker-Museum Bremen (Dr. Henrike Hans), der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München (Dr. Melanie Vietmeier) und der Fondazione Werefkin, Ascona mit Schirmfrau Iris Berben: „Die Blauen Reiterreiterinnen“ (Else Lasker-Schüler in einem Brief an Marianne von Werefkin). Kulturfonds-Chefin Dr. Susanne Völker war die Förderung der bahnbrechenden Schau als „Kurskorrektur der europäischen Kunstgeschichte wichtig: „Weil es die Frauen als Künstlerinnen sichtbar macht und völlig neue Forschungsanlässe bietet. Die Kunstgeschichte hat unfassbar viele Frauen übersehen und wird um wichtige Perspektiven bereichert. Es sind starke Stimmen und wichtige Impulse für die Kunst der Moderne.“ Dr. Susanne Völker aus Dresden ist als Nachfolgerin von Dr. Helmut Müller und Karin Wolff die Idealbesetzung. Studium in Hamburg und Wien -Kunstgeschichte, Philosophie, Jura, Museumsmanagement. Nach Museums-Stationen in Speyer und als Direx der städtischen Museen der Hermann-Hesse-Stadt Calw und Gründungsdirektorin der GRIMM-

WELT war sie Kulturdezernentin in Kassel (documenta XIV & XV, Entwicklung der „Kulturkonzeption Kassel 2030“) und Vorsitzende der Deutschen Märchenstraße - vom unvergessenen „Häuptling Silberlocke“ Dr. Herbert Günther als Kasseler Landrat gegründet. Dissertation zu „UNESCO-Weltdokumentenerbe in der kulturellen Entwicklung und Teilhabe“ als wissenschaftliche Begleitung des interdisziplinären Projektes „Erzähl mir Deine Geschichte“ mit Geflüchteten in der GRIMMWELT. Als Konzeptentwicklerin und Beraterin folgten „Kulturelle Innenstadtentwicklung Köln“ und das „Haus der komischen Kunst“ in Bernried (derzeit in Bau). Strukturelle Förderung, Vielfalt, Qualität und Förderung von Teilhabe in der Kultur liegen Dr. Völker am Herzen. Das Thema „Kultur und Nachhaltigkeit“ (Publikation 2023) treibt sie um Die Fonds-Chefin schätzt generell die „Zusammenarbeit in der Kultur, mit und für die Kultur verschiedener Professionen und Perspektiven. Es sind lauter kluge, engagierte Menschen.“ Text und Fotos: Gesine Werner 35


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WIESBADENER*IN, Ausgabe 04/2026 by Petra Esser - Issuu