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IPA Hospitation Wien

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Hospitation in Wien

Hospitation in Wien 20.07. – 31.07.2009

Christiane Kern Eva-Maria VĂślkl

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Hospitation in Wien 1. Warum Wien? Wir beide waren uns über unser Praktikumsziel schnell einig. Wir wollten auf jeden Fall eine Millionenstadt, die mit einer Stadt wie München (unserer polizeilichen Arbeitsstätte und unserer Wahlheimat) vergleichbar sein sollte. Die Stadt Wien war uns beiden bereits durch Städtereisen bekannt. Außerdem war uns wichtig, dass wir der heimischen Sprache mächtig waren und wir zukünftig von unserem Auslandspraktikum Erfahrungen bzw. Kontakte nutzen können. Wie sich während unseres Aufenthalts gezeigt hat, existiert bereits ein reger Erfahrungsaustausch nicht nur zu Zeiten der Fußball-Europameisterschaft 2008. 2. Kontaktaufnahme Wie uns bei der Vorstellung zum Thema Auslandspraktikum von Herrn Wunderle erklärt wurde, sollen alle Praktikumsanfragen für Wien zentral über Herrn Major Klettke laufen. Herr Major Klettke organisierte für uns ein 2wöchiges Programm, das einen Überblick über die vielfältigen Aufgaben einer Großstadtpolizei in einer europäischen Hauptstadt bot und kümmerte sich um alle Formalitäten aus österreichischer Sicht. Nachdem auch auf bayerischer Seite alle Genehmigungen erteilt waren, konnte Reise losgehen. Zusätzlich nahmen wir noch Kontakt mit der IPA Wien auf. Leider war während unseres Aufenthalts das Büro aufgrund der Sommerferien geschlossen. Dies war zwar schade, aber wie sich im Laufe unseres Aufenthaltes herausstellte, waren die Wiener Kollegen sehr nett und gastfreundlich. 3. Ankunft in Wien Wir reisten bereits am Sonntag den 19.07.09 gemeinsam mit dem Auto an, da wir am nächsten Tag bereits um 09.30 Uhr einen Termin zur Begrüßung bei Herrn Major Klettke hatten. Unsere Unterbringung erfolgte im Polizeigästehaus Wien, Berggasse 9. Das Gästehaus liegt zentral in der Wiener Innenstadt und ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. 4. Polizeireform in Österreich Nach der Begrüßung und einer genaueren Unterweisung in das Hospitationsprogramm durch Herrn Major Klettke wurden wir im Anschluss von Herrn Walter Weber,

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Hospitation in Wien Leiter des Kriminalreferats des Stadtpolizeikommandos Juchgasse, empfangen. Dieser erklärte uns, dass nach verschiedenen Stufen der Polizeireform in Österreich das System, das vorher in Wien war und dem Modell in München glich - wenig Endsachbearbeitung und wenig eigene Ermittlertätigkeit bei der Schutzpolizei – geändert wurde. Ein Ziel der Reform in Österreich war die Zusammenlegung von der Gendarmerie und der Stadtpolizei. Das wurde auch umgesetzt. Es gibt nur noch eine Polizei die dunkelblaue Uniformen trägt und die gleichen Dienstrangabzeichen hat. Doch leider wurde das Arbeitssystem der Gendarmerie, ähnlich wie in Bayern auf dem Land, d. h. mehr Endsachbearbeitung und eigene Ermittlungstätigkeiten einfach auf alle großen Städte übertragen - ohne - das Personal in den Städten zu erhöhen. Weil natürlich ein Polizist in Wien oder Graz wesentlich mehr zu bearbeitende Fälle hat als einer in einem kleinen Ort in Österreich, ist die Arbeit nur noch schwer leistbar. Die Beamten leisten viele Überstunden, die auf das Gehalt angerechnet werden. Anders als in Bayern gibt es in Österreich keinen direkten Einstieg in den gehobenen Dienst bei der Polizei. Der Einstieg ist für jeden Beamten in der gleichen Gehaltsgruppe, egal welche schulische Vorbildung dieser besitzt. Die Qualifizierung erfolgt aber nicht über eine Beurteilung, die es in Österreich gar nicht gibt, sondern über Auswahltests, die jeder Beamter nach kurzer Mindestverweildauer bei seiner Dienststelle, nach der Ausbildung, mitmachen kann, um sich dann in verschiedenen Stufen zu qualifizieren. Der sog. „Chargenkurs“, der in etwa unserer Ausbildung entspricht, dauert sechs Monate, danach kann man als Dienstgruppenleiter oder im Kriminaldienst eingesetzt werden. Im Anschluss daran kann noch eine sog. Offiziersausbildung gemacht werden, diese entspricht in etwa der Ausbildung beim höheren Dienst bei der Bayerischen Polizei. Nur bei der Offiziersausbildung gibt es ein 4-wöchiges Auslandspraktikum, das Pflicht ist, aber auch bezahlt wird. Mit diesem ersten Einblick in die Arbeit der Wiener Polizei und einem kurzen Rundgang durch die Wache im Erdgeschoß des Hauses endete der erste Tag. 5. Das Polizeianhaltezentrum Bei dem Wort dachten wir zuerst an eine Verkehrsabteilung, aber weit gefehlt, das Polizeianhaltezentrum (PAZ), hieß früher Polizeigefängnis. Es ist ein Teil der Polizei und hat nichts mit der Justizvollzugsanstalt zu tun, die der Justiz obliegt. Die Aufgaben eines PAZ sind: - Vollzug von Ersatzarreststrafen und Anhaltung von Schubhäftlingen sowie Kriminellen bis 48 Stunden

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Hospitation in Wien -

Abschiebezentrum (darunter fallen Luft- und Landabschiebungen, Problemabschiebungen, Rückführungen) Versorgungs- und Betreuungszentrum (beinhaltet neben der Verpflegung der Häftlinge auch eine psychosoziale Betreuung und eine medizinische Versorgung und Betreuung durch einen 24stündigen Sanitätsdienst) Großer Sicherheits- und Ordnungsdienst (beinhaltet als Einsatzabschnitt innerhalb der BAO eine Arrestantensammelstelle - identische Aufgaben wie bei der bayerischen Polizei die GESA)

Ebenso sind sie zuständig für alle ED-Behandlungen von StPO Häftlingen, Schubhäftlingen und Asylbewerber. Dies wird in zeiten der EDV digital durchgeführt. In einem Vortrag und einer Führung durch das Gebäude wurde uns diese Besonderheit, die wir in Deutschland nicht kennen, erklärt. 6. Wiener Eingreifgruppen Abteilung (WEGA) und die Cobra Bei einem Besuch der WEGA wurde uns die Arbeitsweise mittels eines Lehrfilmes dargestellt und uns die Unterschiede zwischen WEGA und Cobra erklärt. Die WEGA und die Cobra sind eine Mischform zwischen dem bayerischen Unterstützungskommando und dem Sondereinheitskommando. Die Cobra war vormals für ganz Österreich, mit Ausnahme von Wien zuständig. Jetzt ist diese Spezialeinheit auch in Wien ansässig und ebenfalls für Wien zuständig. Die Aufgaben sind soweit aufgeteilt, dass die Cobra planbare Großereignisse, wie beispielsweise einen Papstbesuch und Staatsbesuche absichert. Die WEGA ist im Bereitschaftsdienst für Sofortlagen und für die Unterstützung der Kollegen auf Streife zuständig. Mehrere Streifenwagenbesatzungen von mindestens vier Beamten je Fahrzeug sind rund um die Uhr im Einsatz. 7. Einsatzzentrale Wir konnten die Einsatzzentrale (EZ) der Stadt Wien besichtigen und mit den Kollegen sprechen. Der Leiter der Einsatzzentrale stand uns für Fragen zur Verfügung. In der Landesleitzentrale gibt es 5 Notrufarbeitsplätze und 4 Funkarbeitsplätze (pro Funkreis einer). Im letzten Jahr wurden 1,4 Millionen Notrufe in 450.000 Einsätzen abgearbeitet. Dies bedeutet einen Anstieg von ca. 20 Prozent. Die Landesleitzentrale ist mit mindestens 19 Beamten rund um die Uhr besetzt. Leiter ist jeweils ein Offizier vom Dienst. Zwischen Notruf- und Funkarbeitsplatz wird im 4-Stunden-Rhythmus gewechselt.

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Hospitation in Wien Wie in der Münchner EZ werden sämtliche Anrufe und Funkgespräche protokolliert und aufgezeichnet. Zudem gibt es in den Streifenwägen ein FMS anlog wie bei uns. Zusätzlich können durch die Beamten der Leitzentrale die Einsätze per SMS an die Streifenwägen gesendet werden. Der Digitalfunk macht’s möglich. 8. Verkehrsabteilung Der Chef der Verkehrsabeilung erklärte uns, dass es in einem Wiener Tunnel das erste sog. „Distance Control System“ in ganz Europa gab. Bei diesem System wird ein Fahrzeug beim Ein- und Ausfahren aus einem Tunnel fotografiert. Anschließend wird ermittelt wie schnell das Fahrzeug im Durchschnitt gefahren ist. Diese Geschwindigkeit wird dann mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit verglichen und bei erhöhter Geschwindigkeit wird der Verkehrsteilnehmer angezeigt. Anders als in Deutschland reicht hierbei das Foto des Kennzeichens. Die Verkehrsabteilung darf außerdem 30 Prozent der Bußgelder behalten um diese in verschiedenste Radar- und Rotlichtüberwachungstechnik zu investieren. 9. Motorradstaffel Die Wiener Polizei verfügt über ca. 50 uniformierte und ca. 20 zivile Polizeimotorräder, die mit neuester Technik ausgerüstet sind. Die Motorräder konnten wird alle, soweit nicht im Einsatz, besichtigen. Die Aufgaben sind wie bei der Motorradstaffel in München, auch hier müssen die Beamten bei Staatsbesuchen in Formation fahren können. Die Beamten tragen, anders als in München, keinen Lederkombi, sondern eine Stoffhose, die wie eine Reiterhose aussieht und Lederstiefel. Auf Nachfrage nach dem Lederkombi sagte man uns, dieser sei im Sommer viel zu heiß. 10. Polizeihundeführer Einen Tag konnten wir bei einer Polizeihundeausbildung dabei sein. Die Ausbildung der Polizeihunde verläuft ähnlich wie in Bayern. Auch hier werden verschiedene Hunderassen zum Polizeihund ausgebildet. Von einer Besonderheit in der Ausbildung konnten wir uns mit eigenen Augen überzeugen, die Hunde werden darauf trainiert über einen fließendes oder stehendes Gewässer zu schwimmen, um auf der anderen Seite einen Störer zu stellen. Dabei müssen die Hunde „alleine“ agieren, der Hundeführer steht auf der anderen Uferseite und gibt dem Hund durch Zurufen Befehle.

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Hospitation in Wien 11. Polizeipferde In Wien gibt es viele Pferde, die Lippizaner in der Spanischen Hofreitschule und die braven Rösser, die die Fiaker ziehen, aber bei der Wiener Polizei gibt es keine Pferde. Den Führungskräften sind die Vorteile der Pferde durchaus bewusst, sei es in Grünanlagen oder als Einsatzmittel bei Fußballspielen, aber man erklärte uns Pferde seinen momentan politisch nicht gewollt, dies habe auch geschichtliche Hintergründe. 12. Der See- und Stromdienst Einen Tag konnten wir bei der Wiener Wasserschutzpolizei, dem sog. See und Stromdienst verbringen. Es wurden uns die Aufgaben an der Donau erklärt und wir konnten einen Teil des Streifenbereiches mit dem Boot abfahren. 13. Auf Streife An zwei Tagen durften wir in verschiedenen Wiener Bezirken, die Kollegen während der Streifenfahrt begleiten. Die Arbeitsweise ist ganz ähnlich zu der in München. Was gleich auffällt ist, dass sich die Wiener Kollegen grundsätzlich nicht anschnallen, das machen nur die Beamtinnen. Das Blaulicht wird insbesondere nachts, um den Wiener Bürger nicht zu stören, ohne Martinshorn verwendet. Das gängige Streifenfahrzeug in Wien ist der VW Sharan durch dessen hohe Bauweise wird dieses Fahrzeug besser gesehen, als der Pkw BMW oder Audi in München. Die Fahrzeuge sind alle mit fest installiertem Digitalfunk ausgestattet, jeder Beamte hat ein Handfunkgerät, das sich, wenn man es umschaltet, als Handy verwenden lässt. 14. Kriminalität Die Einbruchkriminalität und die Autodiebstähle haben seit den offenen Grenzen nach Ungarn, Tschechien und der Slowakei sprunghaft zugenommen und liegen bei einer Steigerungsrate von 50 – 100 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Lage von Wien in der Mitte dieser Länder macht sich hierbei leider negativ bemerkbar, zu schnell ist man mit dem Diebesgut in einem Nachbarland. Die Wiener Bevölkerung ist insbesondere was die Wohnungseinbruchkriminalität betrifft sehr verunsichert. 15. Kultur, Umland und Leute Die alte Donaumonarchie ist überall noch zu spüren. Die Prachtbauten wie die Hofburg und das Rathaus und die wunderbaren Gebäude an der Ringstraße sind sehr

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Hospitation in Wien beeindruckend. Eine Besichtigung der Museen war aufgrund der kurzen Öffnungszeiten bis 17.00 Uhr leider nicht möglich. Am Wochenende wollten wir raus aus der Stadt und das Umland von Wien erkunden. Wir waren am Samstag im Burgenland rund um den Neusiedler See unterwegs, eines der Naherholungsziele der Wiener. Am Sonntag waren wir im Weinviertel unterwegs. Hier gab es sog. Kellergassen zu besichtigen. Hier wird direkt vom Winzer Wein ausgeschenkt und dazu werden kleine Brotzeiten gereicht. Die Bevölkerung, mit der wir auf unsren zahlreichen Fahrten in den „Wiener Linien“, so heißt der Verkehrsbund, Kontakt hatten, sowie im Restaurant und beim Heurigen war immer sehr freundlich und wirkte weniger hektisch als in München auf uns. Vielleicht lag das aber auch daran dass der Juli in Wien der Urlaubsmonat ist. 16. Resümee Der Aufenthalt war sehr ereignisreich und lehrreich. Die Kollegen waren sehr freundlich und haben alle Fragen geradeheraus beantwortet und waren natürlich auch ein wenig stolz, dass wir Wien als Praktikumsziel ausgesucht haben. Die Polizisten in Wien verfügen teilweise über die bessere Sachausstattung wie z. B. der Digitalfunk, neue Uniformen, neuere Fahrzeuge. Mit dem 12-Stunden-Rhytmus und danach noch angehängten Überstunden möchten wir aber nicht tauschen. Unser Dank gilt auch ganz besonders der IPA. Da seitens des Dienstherrn keine Kostenübernahme stattfand, bekamen wir von der IPA ein Stipendium.

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