SUSTAINABLE SWITZERLAND
16. August 2026
Der Klimawandel als Wirtschaftsfaktor GETTY IMAGES
Wie lassen sich Klimaziele erfolgreich in die Praxis umsetzen? Gefragt sind nachhaltige Strategien und Konzepte. Das gilt besonders für den Gebäudesektor und die energetische Renovation von Einfamilienhäusern und Stockwerkeigentum.
UBS-Renovationsrechner Der Renovationsrechner von UBS macht es möglich: Liegenschaftsbesitzer erhalten in wenigen Schritten eine erste Orientierung zum energetischen Zustand ihrer Immobilie und zu möglichen Sanierungsmass nahmen. Nach der Eingabe einiger Informationen erstellt der Rechner auf Basis der vorhandenen An gaben eine indikative Einschätzung des Ist-Zustands der Immobilie und zeigt auf, wie sich CO2-Emissionen und Energiebedarf potenziell reduzieren lassen. Zudem gibt er Hinweise darauf, welche Bauteile möglicherweise sanierungsbe dürftig sind, nennt einen möglichen Zeitpunkt für Renovationen und liefert eine grobe Kostenschätzung. Die Ergebnisse dienen der Orientierung und ersetzen keine individuelle Fachberatung.
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Energetische Sanierungen tragen häufig zum Werterhalt oder zur Wertsteigerung einer Liegenschaft bei und sind zudem ein zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur Gegenstand wissenschaftlicher Prognosen oder Zukunftsdebatten. Er beeinflusst nicht nur Umwelt und Gesellschaft, sondern besonders auch die Wirtschaft. Kurz gesagt: Er hat sich zu einem wichtigen ökonomischen Faktor entwickelt, der je nach Branche und Standort Investitionen, Betriebskosten und Risikoprämien beeinflussen kann. Man denke nur an steigende Risiken und Versicherungskosten, verursacht etwa durch Extremwetterereignisse, den zunehmenden Bedarf an neuen technologischen Lösungen oder eine wachsende Zahl von Auflagen und Vorschriften. Im Zentrum steht die Frage, wie ambitionierte Klimaziele in der Realwirtschaft umsetzbar sind. Grosse Wirkungskraft haben beispielsweise der Gebäudesektor, die Energieversorgung und die Industrie. Für UBS ist die Umsetzung in der Praxis zentral. Denn Transformation findet nicht nur über Zieldefinitionen statt, sondern in konkreten Investitionsentscheiden, Sanierungsstrategien und Finanzierungslösungen.
Netto-Null für Gebäude erfordert Kraftakt Der Immobilienbereich nimmt dabei eine wichtige Rolle ein – aus gutem Grund: Gebäude sind solide Vermögenswerte, verursachen aber einen erheblichen Teil der CO2-Emissionen. Sie gelten deshalb als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für das Erreichen von Klimazielen. In der Schweiz verbrauchen Gebäude laut Bundesamt für Energie rund 40 Prozent der gesamten Energie. Der grösste Anteil entfällt dabei auf die Wärmeerzeugung. Im Jahr 2024 wurden laut Bundesamt für Statistik noch immer mehr als die Hälfte der Wohngebäude mit Öl oder Gas beheizt. Der Schweizer Gebäudebestand bleibt damit aufgrund dieser Heizsysteme weiterhin vom Netto-Null-Ziel entfernt. Ende 2025 verfügten hierzulande lediglich 42 Prozent aller Wohngebäude über eine erneuerbare Heiztechnologie.
Soll der Schweizer Gebäudesektor, wie gesetzlich verankert, bis 2050 das NettoNull-Ziel erreichen, ist ein Kraftakt erforderlich. Nach Berechnungen von UBS müssten jährlich mehr als 38 000 Gebäude energetisch saniert werden, um dieses Ziel zu erreichen. Betroffen sind vor allem ältere Bestandsliegenschaften. Doch das derzeitige Tempo reicht nicht aus, trotz hoher Subventionen und möglicher Steuerabzüge. «Mit zunehmendem Fortschritt der Energiewende wird es immer schwieriger, das notwendige Sanierungstempo zu halten», sagt Mario Stoppa, Leiter Hypotheken im Personal Banking bei UBS. Hinzu kommt: Klimarisiken beeinflussen die Logik der Immobilienbewertung. Energieeffizienz allein reicht nicht mehr aus; gefragt sind langfristige Nutzbarkeit, Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit. «Resilienz kann eine wichtige Rolle für den langfristigen Wert von Immobilien spielen», betont Stoppa. Wer heute nicht investiert, kann morgen Wertverluste riskieren. Dabei geht es nicht um Alarmismus, sondern um eine einfache Erkenntnis: Klimarisiken wirken zunehmend wie Geschäftsrisiken – und verändern den Blick auf Gebäude. Oder etwas zugespitzt formuliert: «Für
Ziel ist es, Risiken möglichst frühzeitig zu identifizieren, zu verstehen und vorausschauend zu handeln.
Immobilien ist oft nicht das späte Handeln das grösste Risiko, sondern ein zu begrenzter Blickwinkel», wie Mario Stoppa betont. Energetische Sanierungen sind daher nicht nur Unterhaltsmassnahmen, sondern auch strategische Investitionen. Dabei greifen mehrere Faktoren ineinander, vor allem die Finanzierung, das Zinsumfeld, die Energiepreise und die regulatorischen Entwicklungen.
Sanierungen vorausschauend planen Werden notwendige Investitionen in die Sanierung, Dekarbonisierung oder Modernisierung hinausgeschoben oder nicht getätigt, kann dies möglicherweise längerfristig sinkende Mieterträge und steigende Betriebskosten nach sich ziehen. Ebenso sind unerwartete Bewertungsabschläge («Stranded Assets»), etwa aufgrund von Umweltveränderungen oder neuen Gesetzen, möglich. Ein zögerliches Verhalten kann daher zu einem strukturellen Wertverlust führen, während ein vorausblickendes Vorgehen die Sicherung des Werterhalts unterstützen kann. Die Erfahrung zeigt, dass sich auch bei Einfamilienhäusern und Etagenwohnungen, die oft über Jahrzehnte gehalten werden, eine kontinuierliche Investitionsstrategie auszahlt. UBS unterstützt ihre Kundinnen und Kunden mit der passenden Finanzierung, einer fundierten strategischen Beratung und datenbasierten Tools. Ziel ist es, Risiken möglichst frühzeitig zu identifizieren, zu verstehen und vorausschauend zu handeln. Besonders für Eigentümerinnen und Eigentümer von Etagenwohnungen und Einfamilienhäusern können Renovationen und energetische Sanierungsarbeiten komplex sein. Die grössten Herausforderungen bestehen dabei nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch in Entscheidungsprozessen, Eigentumsstrukturen und Investitionslogiken. Bei Einfamilienhäusern liegt die Verantwortung bei den Eigentümerinnen
und Eigentümern. Das macht Sanierungen einerseits einfacher. Andererseits sind die erforderlichen Investitionen oft beträchtlich, Planung und Koordination aufwendig, und die Arbeiten erfolgen nicht selten im bewohnten Zustand. In der Folge werden Projekte häufig in Etappen aufgeteilt, verzögert oder nur teilweise umgesetzt – was langfristig zu höheren Kosten und geringerer Effizienz in der Umsetzung führen kann. Bei Stockwerkeigentum müssen Massnahmen zudem gemeinschaftlich beschlossen werden. Unterschiedliche Interessen, finanzielle Möglichkeiten und der Zeithorizont führen hier oft zu langwierigen Prozessen in der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung. Ambitionierte Sanierungspläne werden deshalb manchmal abgeschwächt oder deren Umsetzung vorerst verschoben. Die Folge daraus sind nicht selten Teillösungen, die ökonomisch und ökologisch weniger wirksam sein können.
Wendepunkt für Eigentümer Zusätzliche Dynamik erhält das Sanierungsthema aktuell vor dem Hintergrund sich wandelnder steuerlicher Rahmenbedingungen in der Schweiz. Besonders die beschlossene Abschaffung des Eigenmietwerts könnte nach aktuellem Stand die Ausgangslage für Eigentümerinnen und Eigentümer grundlegend verändern und deren Investitionsentscheidungen künftig beeinflussen. Bislang können Renovationskosten noch steuerlich geltend gemacht werden, was einen klaren Anreiz bietet, in den Unterhalt der eigenen Immobilie zu investieren. Gleichzeitig wird jedoch der Eigenmietwert – also ein fiktives Einkommen für selbstgenutztes Wohneigentum – besteuert. Dieses System hat bislang für ein gewisses Gleichgewicht zwischen Abzügen und steuerlicher Belastung gesorgt. Fällt der Eigenmietwert nun wie angekündigt per 2029 weg, könnten auch die steuerlichen Abzugs-
möglichkeiten eingeschränkt oder ganz gestrichen werden. Steuerliche Anreize können Investitionsentscheidungen beeinflussen, sollten jedoch nicht das alleinige Motiv für Renovationen sein. Ebenso relevant sind, neben dem Werterhalt der Immobilie, steigende Anforderungen an die Energieeffizienz und eine Verbesserung des Wohnkomforts. Gerade im Zusammenhang mit der Energiewende gewinnen Investitionen in Dämmungen, neue Fenster oder erneuerbare Heizsysteme zusätzlich an Bedeutung. Hier könnten künftig auch Förderprogramme einen Teil der wegfallenden Steuerabzüge teilweise abfedern. Die Abschaffung des Eigenmietwerts markiert einen Wendepunkt für Eigentümerinnen und Eigentümer in der Schweiz. «Wer frühzeitig handelt und Renovationen vorausschauend plant, kann möglicherweise sowohl steuerliche Vorteile nutzen als auch den langfristigen Wert seiner Immobilie sichern», betont Mario Stoppa. Gefragt sind stets individuelle Lösungen und nicht zuletzt die Unterstützung durch erfahrene Fachleute. Denn jede Renovation sieht in der Praxis anders aus, und sie erfolgt oftmals unter unterschiedlichen Vorzeichen.
Sustainable Switzerland ist die nationale Nachhaltigkeitsinitiative des Unternehmens NZZ mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Gemeinsam beschleunigen wir die nachhaltige Entwicklung der Schweiz. sustainableswitzerland.ch Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab und Sustainable Switzerland im Auftrag von UBS erstellt.