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NZZone (D)

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SCHWERPUNKT REISEN

NZZ AM SONNTAG

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Sri Lanka zeigt sich als Insel der Gegensätze. Die Route de Bonheur führt anspruchsvolle Reisende von felsigen Klippen über wilde Buschpfade bis hinauf in die nebelverhangenen Teeberge. Von Maurice Müller

ADOBE STOCK

Rendezvous mit Tee, Safari und Küstenzauber Koch erklärt, man dosiere die Schärfe gezielt, damit die unterschiedlichen Geschmacksnoten erhalten bleiben. Ein bisschen Schärfe gehört hier aber dazu, so wie für uns das Salz und Pfeffer. Hoppers zum Frühstück, gefüllte Roti am Mittag, frischer Fisch mit Curry zum Abend: Wer erst wenig über die Essgewohnheiten der Insel weiss, begreift schnell, weshalb Sri Lankas Küche in einem Atemzug mit der indischen genannt wird, sich aber doch in Nuancen abhebt – es ist häufig die Kokosnote, die ein weiches, angenehmes Fundament legt.

Elefanten im Garten des Hotels

S

RESPLENDENT CEYLON OFFICIAL PHOTOGRAPHER

Der Castlereagh Lake inmitten der Teeberge reicht nur selten bis zum Rand der Teefelder. ADOBE STOCK

ri Lanka gleicht einer Miniaturwelt, die mit erstaunlicher Dichte verschiedenste Landschaften und kulturelle Facetten vereint. Schon der Reisende Marco Polo schwärmte im 13. Jahrhundert, sie sei «la più bella isola delle sue dimensioni in tutto il mondo». Das Land überrascht vom ersten Moment an: Wer am Flughafen in Colombo aus dem Flugzeug steigt, spürt bald schon die feuchtheisse Luft, riecht Curryblätter und gegrillten Mais, hört das Hupen unzähliger Tuk-Tuks und taucht sogleich in eine tropische Lebenswirklichkeit ein, die lärmt, duftet und leuchtet. Doch dieses wimmelnde Durcheinander in der Hauptstadt ist nur eine von vielen Facetten. Ein paar Stunden weiter südlich erheben sich Steilküsten, umgeben von sattem Grün. Noch etwas weiter nach Südosten erstreckt sich Buschland, in dem Elefanten und Leoparden in erstaunlicher Nähe zum Hotel auftauchen. Und hoch im zentralen Bergland, auf rund 1250 Metern Höhe, breiten sich die sagenumwobenen Teeplantagen aus, durchzogen von Nebelschleiern und steilen Pfaden. Genau an diesen drei Stationen befinden sich drei Relais & Chateaux-Häuser der Hotelgruppe Resplendent Ceylon: Cape Weligama, Wild Coast Tented Lodge und Ceylon Tea Trails. Zusammen bilden sie eine Route de Bonheur, die das Beste Sri Lankas mit gehobenem Komfort verbindet.

Hoch über der Brandung Der Beginn dieser Reise liegt meist im Grossraum Colombo. Qatar Airways bringt Besucher von Zürich via Doha in die Hauptstadt, wo das erste Tropenabenteuer meist in Gestalt einer Autofahrt Richtung Südküste beginnt. Zwar ist die Hauptverkehrsader weder malerisch noch leise, doch wem das erste Chaos der Tropen nichts anhaben kann, der wird belohnt: Schon nach wenigen Stunden Fahrt verwandeln sich die Urbanität und das Hupkonzert in eine Szenerie aus Palmen, üppigen Obstständen, an denen man Mangos, Papayas oder süsslich duftende Ananas erstehen kann. Immer wieder erhascht man einen Blick auf den Indischen Ozean, ehe sich das grüne Band der Küstenvegetation öffnet und den Weg zu den Klippen freigibt, auf denen das Resort Cape Weligama wie ein Adlerhorst thront. Die Terrakottadächer scheinen von den Palmen fast verschluckt zu werden. Beim Durchschreiten der Einfahrt bemerkt man indes, wie sich eine luftige Architektur auf einer felsigen Anhöhe ausbreitet. Unter den Füssen fühlt sich das Pflaster warm an, als wollte es den südländischen Takt gleichsam in das eigene Schrittmass übertragen. Den auf-

Auf der Insel begegnet man unweigerlich Pfauen.

geheizten Boden geniessen auch die Warane, die scheinbar unbekümmert durch die Anlage wandern. Weit unten rauschen Wellen in silbrigweissem Gischtzauber gegen die Klippen. Auf halber Höhe glänzt ein sichelförmiger Infinity-Pool, als wäre er das Bindeglied zwischen Himmel und Ozean. Wer dort verweilt, erlebt zuweilen Momente der totalen Ruhe, wenn das Azurblau des Wassers mit dem Wolkenspiel eine Einheit bildet. Am Strand von Weligama, einige Autominuten entfernt, lernen Gäste bereits am frühen Morgen, wie man sanft in die Wellen gleitet. Sri Lanka ist für Surfer seit Jahren ein beliebter Spot, weil sich die Brandung konstant verhält und die Wassertemperaturen angenehm warm sind. Ein erfahrener Surflehrer

Eine Teepflückering in der Dunkeld Tea Estate Fabrik.

Die Safaris in Yala sind ein echtes Highlight, aber kein behutsames Märchenerlebnis.

korrigiert die Haltung auf dem Brett, einheimische Fischer beobachten das Geschehen vom Ufer aus, und alles wirkt wie eine beiläufige Inszenierung tropischer Lebensfreude. Zurück im Hotel lässt man sich auf einer Liege nieder, geniesst einen Cocktail, in dem Barkeeper lokalen Arrak, Kokos, Limette und einen Hauch Ceylon-Tee vereinen, oder greift zur klassischen Tasse Sri Lankas berühmten Schwarztees, den hier eine mild-salzige Meeresbrise begleitet. Die Küche in Cape Weligama ist typisch für das Land und erfreut sich einer Mischung aus lokaler Würze und eleganter Weltoffenheit. Curryblätter und Kokos, Chili und frische Tomaten, Zimt und Kardamom – all das spielt zusammen, ohne zu überfordern. Ein

Die nächste Etappe führt südöstlich in das Gebiet, das vom Yala-Nationalpark geprägt ist. Die Vegetation wirkt schroffer, immergrüne Palmen treten zurück, während das Buschland Überhand nimmt. Hier, wo Sandpisten sich durch die Landschaft winden, mündet der Weg schliesslich in ein Zeltcamp, das die Grenzen zwischen Natur und Design auf faszinierende Weise verschwimmen lässt. Das Resort Wild Coast Tented Lodge besteht aus kuppelartigen Zeltsuiten, sogenannten Cocoons, die sich in die Dünen ducken, als wären sie selbst ein Teil der Landschaft. Innen zeigt sich ein Stilmix, in dem kupferne Badewannen, vintage Lederkoffer und safariartige Accessoires das Gefühl einer nostalgischen Expedition evozieren – jedoch mit dem Komfort der Gegenwart. Ein Spaziergang am anliegenden Strand klingt nach romantischer Freiheit, doch das Personal empfiehlt eine Begleitung durch einen Ranger. Elefanten suchen manchmal den Weg ans Meer und Schlangen können im Gebüsch lauern. Es ist kein Panikmache-Szenario, sondern Ausdruck des Respekts gegenüber einer Wildnis, in der Mensch und Tier sich gleiche Rechte teilen sollen. Es kommt durchaus auch vor, dass ein Dickhäuter im Schutz der Dunkelheit das Hotelgelände erkundet. Abgebrochene Baumäste, die ihm im Weg waren, liegen auf dem Weg zum Hotelzimmer. Solange man kein Essen im eigenen Cocoon lagert, muss man sich aber nicht fürchten. Stattdessen träumt man besser nach einem kurzen Bad im privaten Pool von der bevorstehenden Safari. Wenn der Wecker um fünf Uhr klingelt, sitzen alsbald alle noch ein wenig verschlafen im umgebauten Jeep, doch die vielen Geräusche der erwachenden Tierwelt verraten, dass gleich ein intensiver Tag beginnt. Die Safaris in Yala sind ein echtes Highlight, aber kein behutsames Märchenerlebnis: Der Park ist beliebt, die Jeeps zahlreich, und wer zur Rushhour antritt, kann vor dem Eingang zum Park im Stau der Safarifahrzeuge stecken bleiben. Hinter den Schranken bieten sich ungeahnte Momente, die den Blechkonvoi rasch in den Hintergrund rücken lassen: Pfaue, die sich zum Schutz vor nächtlichen Angreifern noch auf von Wasser umgebenen Bäumen ausruhen, geben ein heiseres Bellen von sich, das durch Mark und Bein geht. Axishirsche huschen scheu durchs Unterholz und zwei grosse Krokodilaugen spähen aus dem Wasser. Nur unweit von einer Herde Wasserbüffel, die die Nacht im See verbracht hat. Besonders erfreulich ist es, wenn dann auch noch eine Elefantenfamilie gemächlich über die Strasse läuft. Höhepunkt ist und bleibt aber die Aussicht auf einen Leoparden. Ranger erzählen, der 1500 Quadratkilometer grosse Yala-Nationalpark Fortsetzung auf Seite 18


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