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PostFinance (D)

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Freitag, 9. Oktober 2026

Die acht grossen Dilemmas: Wie Geld anlegen ohne Bauchweh gelingen kann Anleger suchen oft die perfekte Strategie. Doch die gibt es nicht. Philipp Merkt, Chief Investment Officer bei PostFinance, erklärt, wie man knifflige Anlagedilemmas lösen und an den Finanzmärkten diszipliniert sowie erfolgreich ein Vermögen aufbauen kann. Anlegen könnte so einfach sein, gäbe es da nicht diese ständige Ungewissheit. Viele Anlegerin­ nen und Anleger lassen sich von der Hoffnung ­leiten, dass es irgendwo da draussen die eine, rich­ tige Anlage­strategie gibt. Ein Patentrezept, das ­maximale Erträge garantiert und gleichzeitig jedes ­Risiko ausschaltet. Doch wer danach sucht, jagt einem Phantom hinterher. «Eine objektiv richtige Lösung gibt es schlicht nicht», betont Philipp Merkt, Chief Investment Officer (CIO) bei PostFinance. Finanzmärkte ­ ­folgen keinen starren Naturgesetzen. Sie lassen sich weder berechnen wie ein Uhrwerk noch zu 100 Prozent vorhersagen. Stattdessen bewegen sich ­Investorinnen und Investoren in einem Umfeld ständiger Unsicherheit, geprägt von geopolitischen Krisen, Zinsentscheiden, psychologischen Reflexen und unvorhersehbaren Marktschwankungen. Genau hier entstehen die klassischen Anlage­ dilemmas: Situationen, in denen es keine ein­deutige Antwort gibt, weil verschiedene legitime Ziele ­direkt aufeinanderprallen. Soll man auf ­maximale Rendite setzen oder auf Nervenkitzel ­verzichten? Die beste Strategie ist deshalb selten die t­ heoretisch beziehungsweise mathematisch beste, sondern jene, die zu den persönlichen ­Lebensumständen passt und die man auch in stürmischen Zeiten diszipli­ niert durchhält. Wer die acht häufigsten ­Dilemmas versteht, hat weniger mulmige Gefühle in der ­Magengrube.

1. Zeitpunkt: Jetzt einsteigen oder doch lieber warten? Die Jagd nach dem perfekten Einstiegszeitpunkt ist ein Trugschluss. Selbst ausgewiesene Profis schei­ tern regelmässig daran, Markthochs und ­Tiefpunkte exakt vorherzusagen. Wer mit dem Investieren ­wartet, bis die Lage an den Börsen vermeintlich ­ruhig ist, lässt wertvolle Zeit verstreichen. «‹Time in the market› ist entscheidender als ‹Market t­ iming›», bringt es Merkt auf den Punkt. Übersetzt heisst das: Wer sein Geld lange investiert lässt, profitiert eher von Chancen, als wer versucht, den idealen Kauf­ moment zu treffen. Anlegerinnen und Anleger, die einen grösseren Betrag zur Verfügung haben, aber sich vor Kurs­ stürzen fürchten, teilen die Summe am besten auf. Wer aber einen jetzt verfügbaren Betrag über zehn Jahre gestaffelt investiert, halbiert damit faktisch seine durchschnittliche Anlagedauer und Rendite auf nur noch fünf Jahre. Bei regelmässigem ­Sparen übernimmt ein automatischer Sparplan diese Auf­ gabe. Er nutzt schwankende Kurse aus und kauft bei niedrigen Preisen mehr Anteile, bei hohen w ­ eniger. Die schleichende Inflation frisst auf dem Sparkonto tendenziell Kaufkraft, während ­An­lagen langfristig die Chance auf eine höhere Rendite ­bieten können.

Die beste Strategie ist selten die theoretisch beste, sondern jene, die zu den Lebensumständen passt und die man auch in stürmischen Zeiten durchhält.

gilt es, sich genügend zu diversifizieren: Wer etwa einen ETF auf den SMI kauft, setzt sein Geld auf nur gerade 20 Firmen – eine starke Konzentration auf wenige Werte. Auch der MSCI World ist nicht so breit gestreut, wie er wirkt: «Er besteht zu rund 72 Prozent aus US-amerikanischen Titeln», veran­ schaulicht Merkt. Nur weil ETF draufsteht, ist ein Depot nicht automatisch frei von Risiken. Merkt empfiehlt daher, auch bei ETFs ein breites und der eigenen Risikotoleranz angepasstes Portfolio ­zusammenzustellen. Denn entscheidend ist nicht die Anlagehülle, sondern was sich darin befindet. Das Risiko hängt letztlich von den zugrunde lie­ genden Anlagen ab.

4. Die richtige Mischung: Welche Anlageklasse gewinnt?

Rendite und Risiko verhalten sich wie zwei ­Seiten derselben Medaille. Es gibt das eine nicht ohne das andere. Wer mehr Ertrag generieren will, muss ­heftigere Ausschläge im Depot ertragen k ­ önnen. Risikofreie Rendite existiert für Anleger in F ­ ranken jenseits der aktuellen Mikrozinsen nicht. Bei der Risikowahl prallen oft zwei Welten aufeinander: die finanzielle Risikofähigkeit und die subjektive Risikotoleranz. Erstere lässt sich in ­Zahlen messen, Letztere ist reine Psychologie. Wird die persönliche Risikotoleranz ­überschritten, ­drohen in ungünstigsten Momenten emotionale Fehl­ entscheide wie Panikverkäufe. «Wenn man nicht mehr schlafen kann, ist das Risiko sicher zu hoch gewesen», warnt der Finanzexperte. Die rich­ tige Balance ist erst gefunden, wenn die Anlage­ strategie Schutz vor schlaflosen Nächten bietet und trotzdem genügend Renditepotenzial für die ­eigenen Ziele bringt.

Ob Aktien, Immobilien, Obligationen, Gold oder Cash: Die Frage nach der vermeintlich besten An­lageklasse führt auf die falsche Fährte. Keine ­Kategorie glänzt in jeder Marktphase. Dem An­ lagechef von PostFinance zufolge muss man sich sein Portfolio wie eine Fussballmannschaft vorstellen: Aktien stürmen ganz vorne. Sie liefern ­langfristig das stärkste Wachstum, geraten aber am ehesten ins Abseits. Obligationen bilden die Abwehr. Sie liefern ver­ lässliche Zinserträge und fangen Stürme ab. Immobilien halten das Spiel im Mittelfeld zu­ sammen und sorgen für laufende Erträge. Gold fungiert, wie ein Torwart, in schweren ­Krisen als Absicherung. Cash bleibt die Reservebank an der Seitenlinie: immer einsatzbereit und wichtig, um auf Chancen reagieren zu können. Entscheidend ist laut Philipp Merkt nicht die einzelne Anlageklasse, sondern deren intelligente Kombination, denn Anlageklassen entwickeln sich je nach Marktphase unterschiedlich. Wer nur auf den Torschützen der letzten Saison setzt, gewinnt noch lange nicht das nächste Spiel.

3. Passiver oder aktiver Fonds: Sind ETFs ein Allheilmittel?

5. Schweiz oder global: Wann schadet der Home Bias?

Passive Exchange Traded Funds (ETFs) haben die Finanzwelt erobert. Sie bilden Aktienindizes wie beispielsweise den S&P 500 ab, sind spürbar günstiger als klassische Anlagefonds und bieten eine transparente Basis. In grossen, hocheffizien­ ten Märkten fällt es aktiven Managern oft schwer, nach Abzug aller Gebühren dauerhaft besser abzu­ schneiden als ein breiter Index. Hier spielen ETFs ihre Vorteile aus. Allerdings warnt der Anlagespezialist davor, ETFs als Allheilmittel zu betrachten. Auch hier

Der Griff zu vertrauten Schweizer Firmen ist ­normal. Wir kennen die Produkte hiesiger Unter­ nehmen, beziehen unser Gehalt in Franken und vertrauen dem Heimmarkt. In den vergangenen Jahrzehnten sind Investorinnen und Investoren mit Schweizer Titeln und einem starken Franken gut gefahren. Doch ein einseitiger Blick auf das eigene Land verzerrt die Optik. Der Schweizer Aktienmarkt macht welt­ übergreifend nicht einmal 2 Prozent der ­gesamten Börsenkapitalisierung aus. Zudem dominieren ­

2. Risiko versus Rendite: Mehr Ertrag oder ruhiger Schlaf?

­ enige Schwergewichte aus der Lebensmittel- und w Pharmabranche den helvetischen Markt. Wer aus­ schliesslich einheimisch anlegt, blendet manche Branchen und Märkte wie den globalen Techno­ logiesektor komplett aus. Ein gesunder Anteil an Schweizer Titeln spendet Geborgenheit, aber erst die weltweite Streuung öffnet die Tür zu globalen Wachstumstreibern.

6. Psychologie: Auf Prognosen hören oder stur bleiben? Schlagzeilen nähren zwei permanente Ängste: einerseits «Fear of missing out» (FOMO) – die Angst, etwas zu verpassen, die dazu verleitet, auf bereits steil gestiegene Trends aufzuspringen. ­Andererseits «Fear of better options» (FOBO) – die Angst, eine Entscheidung zu treffen, weil man befürchtet, eine noch bessere Option zu verpassen, die Anlegerinnen und Anleger lähmt und an der Seitenlinie verharren lässt. Wer hektisch auf Tagesprognosen reagiert und ständig umschichtet, verbrennt dadurch tendenziell nur Kapital: Man kauft aus Emotionen zu teuer und verkauft aus Panik meistens zu billig. Reagiert werden muss insbesondere, wenn sich die persön­ lichen Lebensumstände grundsätzlich verändern, nicht aber weil die Börse gerade Achterbahn fährt.

AI/NZZ STORY LAB

«Disziplin führt grundsätzlich eher zum Erfolg als Aktionismus», so der Finanzexperte.

7. Gebühren: Wann lohnen sich höhere Verwaltungskosten? Jeder Gebührenfranken, den man abgibt, wird ­direkt der Rendite abgezwackt. Über viele Jahre hinweg summiert sich dieser Abzug durch den Zinseszinseffekt zu einem beachtlichen Betrag. ­ 1 Prozent mehr oder weniger an jährlichen Ver­ waltungskosten entscheidet nach Jahrzehnten über erhebliche Beträge im Vermögen. Hohe Gebühren lohnen sich nur, wenn ein ­echter Mehrwert gegenübersteht; etwa durch eine professionelle Beratung – entweder telefonisch oder in der Filiale –, die vor teuren Denkfehlern schützt. «Wichtig ist, ob es einen nachvollziehbaren Mehrwert gibt», sagt Merkt.

8. Portfolio-Struktur: Reicht einfach oder muss es komplex sein? Viele Finanzprodukte verschleiern ihren Kern ­hinter verschachtelten Strukturen. Wer nicht auf Anhieb versteht, wie ein Produkt sein Geld ver­ dient und wo die Risiken begraben liegen, sollte die Finger davon lassen. Für die meisten Anlegerinnen und Anleger reicht eine einfache, gut diversifizierte Lösung vollkommen aus. Erhöhte Komplexität ist selten der Schlüssel zum Erfolg. Wer bereits dreissig Titel im Depot hält und nun noch die zehnte Pharma-Aktie dazukauft, gewinnt praktisch keinen zusätzlichen Schutz vor Verlusten mehr. Entscheidend ist nicht die blosse Masse an Einzeltiteln im Depot, sondern dass die gewählten Anlageklassen möglichst unabhängig voneinander reagieren. Wer all diese Grundsätze beherzigt, meistert nicht nur die klassischen Anlagedilemmas und hat weniger Bauchweh, sondern umgeht auch die grösste Falle an der Börse. Denn Merkt ist über­ zeugt: «Der grösste Feind des Anlegers ist nicht der Markt, sondern sein eigenes Verhalten.»

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Philipp Merkt PD Chief Investment Officer bei PostFinance

Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von PostFinance erstellt.


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