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Lernen fürs Morgen
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Lernen fürs Morgen
Was wissen wir wirklich über die Berufe, Technologien und Fähigkeiten, die unsere Zukunft prägen werden? Oft weniger, als wir denken Warum gerade diese Einsicht der Ausgangspunkt jeder Weiterbildung sein kann
Wer durch die Beiträge dieser Schwerpunkt-Ausgabe blättert, begegnet einer grossen Vielfalt von Themen Künstliche Intelligenz, Führung Hirnforschung Karriereplanung Weiterbildung neue Abschlüsse und neue Berufsbilder Was auch stimmt: Allein die Zahl der Möglichkeiten kann ein leichtes Gefühl der Überforderung auslösen.
Vielleicht ist das kein schlechter Ausgangspunkt. Sollte ich gefragt werden, was Andreas Caminada beruflich macht, habe ich nicht zuletzt dank einer kürzlichen NZZ-Live-Veranstaltung eine ungefähre Vorstellung. Dasselbe gilt für eine Lehrerin, einen Mediensprecher oder eine Gestalterin, allenfalls noch einen Garagisten. Ich kann mir den Arbeitsalltag vorstellen, die Herausforderungen und vielleicht sogar ein paar der wesentlichsten Fähigkeiten, die dafür nötig sind Doch wie sieht der Berufsalltag einer Architektin aus? Oder der eines Tierarzts oder Kältetechnikers? Was genau macht ein Teilchenphysiker, wie arbeitet eine Patentanwältin oder ein Postdoktorand für Bioethik? Ich weiss es nicht Und vermutlich weiss ich noch weniger darüber als mir bewusst ist.
Vor einigen Jahren hörte ich den britischen Komiker John Cleese in einem dazumal viralen YouTube-Clip über den Dunning-Kruger-Effekt sprechen Dieser bezeichnet das Phänomen dass Menschen ihre Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich häufig gerade dann überschätzen, wenn ihnen das Wissen fehlt, um die Anforderungen daran realistisch einzuschätzen
Ein Beispiel: Die Prämisse des Blockbusters «Armageddon» von 1998 basiert auf der Annahme dass es einfacher ist, ein Team von Ölbohrspezialisten zu Astronauten auszubilden, als Raumfahrtingenieure darin zu schulen, mit Bohrmaschinen zu hantieren Sehr plausibel klingt das nicht. vielleicht ist es so Aber ich denke nicht.
Wissenslücken kultivieren
Der Effekt ist nicht unumstritten. Doch bleibt die sehr griffige Grundidee angesichts der jüngsten Entwicklungen gerade im Bereich der künstlichen Intelligenz bemerkenswert aktuell. Frage ich als Journalist eine KI beispielsweise, ob eine bestimmte Aussage von mir plausibel ist, werde ich in den meisten
Fällen eine Antwort erhalten, die diese Annahme zumindest teilweise bestätigt oder zumindest als nicht allzu abwegig einstuft Wenn ich nun aber offen frage, wie es sich mit diesen und jenen Aspekten verhält, auf deren Grundlagen ich zu dieser Annahme gekommen bin, erhalte ich eine differenziertere Antwort (mehr dazu auf Seite 9)
Ein Beispiel aus der Welt der sozialen Medien: Zwei Personen unterhalten sich über den Text eines Lieds, welchen sie beide verschieden in Erinnerung haben. Um den Sachverhalt zu klären, googelt eine Person die Lyrics, die andere sucht indes nach der Textpassage, und zwar so, wie sie sie verstanden hat. Dass sie oder er damit die korrekte Antwort erhält, ist unwahrscheinlicher als im ersten Fall. Möglicherweise aber stösst sie auf andere Menschen die dieselbe Textstelle ebenso in Erinnerung haben wie sie.
Wir bewegen uns tagtäglich in einer Welt voller Berufe, Technologien und Fachbegriffen, über die wir nur oberflächliches Wissen besitzen. Gleichzeitig neigen wir dazu, unser Verständnis dieser Welt zu überschätzen. Nicht aus Arroganz, sondern weil wir die Grenzen unseres Wissens gar nicht wahrnehmen.
Nehmen wir an, jemand würde behaupten, gerade den CAS (Certificate of Advanced Studies) in Resilient Architecture zu absolvieren, ich würde vermutlich kurz innehalten und denken: Kann ja sein Tatsächlich ist er erfunden. Den CAS in Game Changer AI gibt es hingegen wirklich, wie Sie auf den Seiten 4 und 5 nachlesen können
Sokrates war früher dran
Der amerikanischePhilosoph und Stoiker Massimo Pigliucci erinnert in einem lesenswerten Blog «Figs in Winter» daran, dass die eigentliche Antwort auf dieses Problem des Nichtwissens nicht aus der modernen Psychologie stammt. Bereits vor rund 2400 Jahren beschäftigte sich Sokrates mit derselben Frage. Im Dialog «Charmides» lässt Platon Sokrates der Frage nachgehen, was es bedeutet, sich selbst zu kennen. Wahre «Besonnenheit» besteht eben nicht darin, auf alles eine Antwort zu haben. Sie beginnt dort, wo Menschen ihr Wissen richtig einordnen können – und die eigenen Wissenslücken nicht als Schwäche sondern als Ausgangspunkt für Erkenntnis verstehen.
Die Griechen selbst nannten diese Haltung «Sophrosyne», eine Form der Selbsterkenntnis. Heute spreche man von Metakognition, erklärt Pigliucci. Von der Fähigkeit, über das eigene Denken nachzudenken. Bemerkenswert ist, dass Sokrates daraus denn auch keine resignative Haltung ableitet Die Einsicht in die eigenen Wissenslücken soll uns nicht verunsichern. Sie soll uns neugierig machen Wer erkennt, dass sein Wissen begrenzt ist, hat einen Grund, weiterzufragen. Wer glaubt, bereits alles Wesentliche zu wissen, verliert diesen Antrieb Und genau da beginnt jede ernsthafte Form von Weiterbildung Oft sprechen wir darüber, als ginge es in erster Linie um Abschlüsse, Zertifikate oder Diplome Noch bevor wir entscheiden können, was wir lernen wollen, müssen wir erkennen, was uns fehlt und was wir bisher vielleicht übersehen oder vernachlässigt haben.
Viel Spass auf dieser Reise! Alexander Vitolic verantwortlich für diese Beilage








Auch nach dem Hochschulabschluss geht das Lernen weiter, am besten lebenslang Eine kleine Tour durch die Welt der Nachdiplomstudiengänge
YVONNE VAHLENSIECK
Neben Bachelor- und Masterstudiengängen bieten Hochschulen auch Weiterbildungen auf der sogenannten Quartärstufe an. Diese können sich einem ganz spezifischen Thema widmen oder aber breit aufgestellt und interdisziplinär sein. Für die Zulassung ist in der Regel ein Bachelor- oder Masterabschluss erforderlich. Beim Nachweis von genügend Erfahrung und Kenntnissen ist aber oft auch eine Aufnahme «sur dossier» möglich. Die Kurse dauern zwischen einem halben und mehreren Jahren und laufen normalerweise berufsbegleitend.
CAS: Überschaubarer Einstieg in ein Fachgebiet
Das Certificate of Advanced Studies (CAS) ist eines der beliebtesten Weiterbildungszertifikate in der Schweiz –wohl auch, weil Zeit und Kosten überschaubar sind. Ein CAS dauert zwischen einem halben und einem ganzen Jahr Ziel ist der Erwerb von neuen Kenntnissen oder Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich. Meist ist das Verfassen einer schriftlichen Abschlussarbeit oder eine Abschlussprüfung erforderlich Für ein CAS muss ein Arbeitsaufwand von mindestens 10 Kreditpunkten (ECTS, siehe weiter unten) geleistet werden. Kosten: 5000 bis 12000 Franken.
DAS: Vertiefter Einblick mit Diplomarbeit
Ein Diploma of Advanced Studies (DAS) bietet einen vertieften Einblick in die Materie und dauert ein bis zwei Jahre, in denen mindestens 30 Kreditpunkte erarbeitet werden Zum Abschluss fällt das Anfertigen einer grösseren Diplomarbeit an. Einige Hochschulen bieten auch ein modulares System an, mit dem sich etwa zwei CAS zu einem DAS kombinieren lassen Ebenso ist es manchmal möglich, die Kreditpunkte aus einem DAS auf einen weiterführenden MAS-Abschluss anzurechnen. Kosten: 15 000 bis 30 000 Franken.
Zertifikatskurse bauen je nach Hochschule modular aufeinander auf
MAS: Weiterbildung auf Masterniveau
Trotz der ähnlich klingenden Bezeichnung ist der Master of Advanced Studies (MAS) nicht das Gleiche wie ein regulärer Masterabschluss an einer Hochschule Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die nach dem Studium schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt haben. Meist ist der Studiengang in Module aufgeteilt, die sich über mehrere Jahre verteilen und mindestens 60 Kreditpunkte ergeben. Kombinationen aus mehreren CAS respektive DAS zu einem MAS sind möglich. Dadurch kann der Erwerb
ILLUSTRATION: ARMIN APADANA
des Abschlusses auch über einen längeren Zeitraum gestreckt werden. Kosten: 20 000 bis 30 000 Franken
MBA und EMBA: Management, Netzwerk und Führung
Einer der bekanntesten Nachdiplomstudiengänge ist der Master of Business Administration (MBA), eine Art MAS im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Der Abschluss kommt ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum, hat mittlerweile aber auch in Europa und an Schweizer Hochschulen Fuss gefasst.Die Weiterbildung zum MBA nutzen viele, um sich Kompetenzen in den Bereichen
«Weiterbildung ist immer individuell»
Management, Finanzen und Marketing anzueignen – oft auch Personen, die aus anderen Fachrichtungen kommen und nun in der Privatwirtschaft oder an Institutionen zu einer Führungsposition aufsteigen wollen Bei diesem Abschluss spielt neben dem Wissenserwerb auch der Aufbau eines Netzwerks eine entscheidende Rolle
Eine Art MBA für Fortgeschrittene ist der Executive Master of Business Administration (EMBA) für Personen, die schon über viel Führungserfahrung und Berufspraxis verfügen. Kosten: 30000 bis 80000 Franken.
ECTS: Was Kreditpunkte vergleichbar macht
Das European Credit Transfer System (ETCS) gibt es seit derVereinheitlichung der Studiengänge im Zuge der BolognaReform. Die Kreditpunkte sind ein Mass für den geleisteten Gesamtarbeitsaufwand inklusive Vor- und Nachbereitungen; ein Punkt entspricht etwa dreissig Stunden. Für ein CAS mit 10 Kreditpunkten fallen also rund 300 Stunden Arbeitsaufwand an Zum Vergleich: Für einen Bachelorabschluss sind 180 Kreditpunkte erforderlich, für einen Masterabschluss 90 bis 120 Kreditpunkte Das System macht die erbrachten Leistungen transparent und vergleichbar Auch ein Transfer der Punkte zwischen Bildungsinstitutionen und Studiengängen ist möglich.
CAS, DAS und MAS sind Weiterbildungsabschlüsse auf Hochschulstufe Ein CAS ist meist kompakter und thematisch fokussiert. Ein DAS vertieft ein Fachgebiet stärker und umfasst mehr Kreditpunkte Ein MAS ist umfangreicher, dauert oft mehrere Jahre und richtet sich in der Regel an Berufserfahrene, die ihre Kompetenzen auf hohem Niveau erweitern möchten.
Worauf sollte man bei der Wahl einer Weiterbildung achten? Claudia Hahn, Fachspezialistin Weiterbildung an der Universität Basel, erklärt, wann sich ein Nachdiplomstudium lohnt und wie ECTS-Punkte bei der Auswahl helfen.
Frau Hahn, ein Nachdiplomstudiengang kostet Zeit,Arbeit und nicht zuletzt auch eine Stange Geld. Was bringt das? Das kommt immer ein bisschen auf die persönlichen Ziele an Einige wollen sich einfach in ihrem Fach weiterentwickeln und ihre Kompetenzen vertiefen Andere möchten ihre Kenntnisse oder Fähigkeiten ausweiten als Vorbereitung für den nächsten Karriereschritt. Oft geht es auch darum, am Ball zu bleiben und nicht von Jüngeren abgehängt zu werden, etwa bei neuen technologischen Entwicklungen wie KI Manchmal steht als Motivation auch die persönliche Weiterentwicklung im Vordergrund, egal ob es im Beruf etwas bringt oder nicht. An unseren Angeboten nehmen teilweise auch ältere Menschen teil –aus reiner Neugier an einem Thema Wann ist der richtige Zeitpunkt um eine Weiterbildung in Angriff zu nehmen?
IMPRESSUM
Auch das ist unterschiedlich. Prinzipiell ist es immer von Vorteil, Berufserfahrung mitzubringen. In manchen Studiengängen ist das auch eine Zulassungsvoraussetzung Ein Kernpunkt dieser Weiterbildungen ist nämlich, dass die Studierenden ihre eigenen Erfahrungen in den Austausch einbringen, das ist sehr wertvoll. Es gibt aber auch Fachbereiche, in denen eine Weiterbildung direkt nach dem Studium möglich ist. Dies ist zum Beispiel in der Psychologie der Fall, wenn es um eine Ausbildung zur Psychotherapeutin geht. Man muss aber auch die eigene Lebenssituation berücksichtigen. Wenn ich gerade mit Beruf und Familie komplett ausgelastet bin, sollte ich vielleicht noch ein bisschen warten oder eine weniger arbeitsintensive Weiterbildung absolvieren.
Worauf sollte ich bei der Auswahl eines Nachdiplomstudiengangs achten?
Weiterbildung ist immer individuell. Man sollte sich vorher überlegen, was man eigentlich erreichen will. Die klassische wissenschaftliche Weiterbildung

fokussiert sich auf eine Spezifizierung, Vertiefung und Erweiterung von Kenntnissen. Es gibt aber auch interdisziplinäre Angebote, bei denen Kompetenzen aus verschiedenen Fachgebieten kombiniert werden. Es hilft auch, sich die Dozierenden anzuschauen. Haben diese die Fachexpertise, die für mich wichtig ist?
Wie finde ich den richtigen Anbieter? Empfehlenswert ist ein Studiengang, für den ECTS-Punkte vergeben werden. Da kann man wenig falsch machen, da man solche Angebote in der Schweiz nur an anerkannten Universitäten und Fachhochschulen findet. Dann ist klar, wie viel Leistung für ein Zertifikat oder Diplom erbracht wurde Sonst ist das für potenzielle Arbeitgebende schwer einzuschätzen. In der Schweiz haben die verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen auch gewisse the-
matische Schwerpunkte. Zum Beispiel haben wir hier in Basel viele Angebote im Bereich Medizin und Pharmazie, die Hochschule St.Gallen ist mehr auf Wirtschaftsthemen spezialisiert
Haben Sie sonst noch einen Tipp? Wenn es sich einrichten lässt, sollte man eine Weiterbildung belegen, bei der ein Grossteil der Veranstaltungen im Präsenzunterricht stattfindet Denn dort können sich die Teilnehmenden viel besser untereinander und auch mit Dozierenden vernetzen, als wenn der Unterricht nur digital oder über eine Lernplattform stattfindet. Das Knüpfen von neuen Netzwerken und Kontakten ist etwas, das in der Erwachsenenbildung eine wichtige Rolle spielt. Es wäre doch schade, wenn man sich erst bei der Diplomfeier zum ersten Mal persönlich begegnet.
Interview: Yvonne Vahlensieck
SCHWEIZER UNIVERSITÄTEN
Digitale Fabrikation und neue Formen des Bauens
ETH Zürich
Der MAS ETH in Architecture and Digital Fabrication ist das Ausbildungsprogramm des Nationalen Forschungsschwerpunkts für Digitale Fabrikation (NCCR) und profitiert von einem interdisziplinären Forschungszentrum. Das Programm hat einen konkreten und greifbaren Output, wie beispielsweise das begehbare «Brick Labyrinth», bei dem ein traditionelles Bauverfahren mithilfe moderner Robotik neu interpretiert wurde.
In Kooperation mit den Universitäten Ljubljana und Leipzig findet der CAS ETH in Radiopharmaceutical Chemistry/Radiopharma statt. Diese internationale Weiterbildung befähigt Naturwissenschafterinnen und Naturwissenschafter dank innovativer Ansätze,Verantwortung für die Herstellung und die Qualitätskontrolle von Radiopharmaka zu übernehmen
Nachhaltige Immobilien und Gesundheitsförderung
Universität Basel
Auf Nachhaltigkeit im Immobilienbereich fokussiert der CAS Sustainable Real Estate, der die rechtlichen, politischen und ökonomischen Grundlagen zukunftsfähiger Immobilien behandelt und diese mit gesellschaftlichen Fragestellungen, insbesondere der Stadtplanung und -entwicklung sowie dem Umgang mit vielfältigen StakeholderInteressen, verbindet. Im Mittelpunkt des CAS Personal Health Coach steht das Erlernen von Interventionsstrategien in den Bereichen Bewegung und Sport Ernährung und Stressregulation. Der Fokus der Arbeit liegt auf der Betreuung von Menschen mit nichtübertragbaren Krankheiten wie Übergewicht, Depressionen, Krebs, kardiovaskulären Erkrankungen, muskuloskelettalen Beschwerden oder Diabetes
Tanzwissenschaft und mentale Gesundheit
Universität Bern
Der über die Schweiz hinaus einzigartige MAS Dance Science verbindet Tanz, Medizin, Bewegungswissenschaften und Gesundheit. In dieser Weiterbildung werden Fragestellungen aus dem Alltag von Tanzschaffenden aus sport-
wissenschaftlicher Sicht beleuchtet. Darüber hinaus werden auch physiologische und psychologische Effekte von Tanz auf Mitglieder verschiedener Bevölkerungsgruppen behandelt.
Ein neues Angebot ist der CAS Mental Health und Umgang mit psychischen Problemen in Arbeit und Ausbildung, der im September startet. Themen rund um mentale Gesundheit und Gesundheitspsychologie gewinnen in Arbeitswelt, Bildung und Gesellschaft stark an Bedeutung. Im Programm geht es um die Auswirkungen von psychischen Problemen auf Ausbildung und Arbeitsplatz, die richtige Kommunikation in belastenden Situationen, Möglichkeiten der Arbeitsplatzanpassung oder um die Frage, was Vorgesetzte, Lehrpersonen oder Case Manager tun können und wo sie sich abgrenzen müssen.
Therapie mit Tieren und Führung aus innerer Ruhe Universität Luzern
Der CAS in Tiergestützter Therapie zeigt, wie der Kontakt zwischen Mensch und Tier therapeutische Prozesse positiv beeinflussen kann. Besonders Menschen, die sich schwer auf herkömmliche Therapieansätze einlassen, profitieren von der emotionalen Unterstützung durch Tiere. Der Studiengang mit Fokus auf die praktische Anwendung basiert auf den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen
Wie man aus innerer Ruhe heraus führt, steht im Zentrum des CAS in Werteorientierter Führung – Kloster auf Zeit. Das Programm, das ein InputSeminar, zwei mehrtägige Klosteraufenthalte sowie eine Zwischenbilanz und eine Abschlussreflexion umfasst, verbindet kontemplative Praxis mit moderner Leadership-Entwicklung.
Management, Recht und Führungserfahrung
Universität St. Gallen
Executive School
Der neu strukturierte Executive Master in Management & Law lässt sich individuell und passgenau auf die aktuelle Lebenssituation der einzelnen Teilnehmenden zuschneiden Der Einstieg ist jederzeit möglich, die Weiterbildung darf laufend erweitert, unterbrochen oder neu ausgerichtet werden. Die gesammelten Weiterbildungseinheiten können bis zum EMMLHSG ausgebaut werden. An erfahrene Führungspersonen richtet sich das Advanced Management Pro-
Lebenslanges Lernen ist zum Normalfall geworden. Doch welche Progra bei Schweizer Universitäten und Fachhochschulen nachge
Von KI und Geopolitik über mentale Gesundheit bis zur Klosterzeit: Schwe die auf neue gesellschaftliche und berufliche Heraus


ramme heben sich besonders ab? Wir haben gefragt. Von Denise Weisflog
weizer Hochschulen entwickeln Weiterbildungen, usforderungen reagieren.
gram (CAS). Dieser «Refresher» fokussiert auf die Themenkomplexe «Unternehmensentwicklungskompetenz», also sachlogische und psychologische Aspekte der Strategieumsetzung und Operational Excellence sowie «Sozialund Persönlichkeitskompetenz», also die Erweiterung des eigenen Kompetenzprofils, die Vertiefung des sozio-psychologischen Kontextes im Unternehmen sowie die Kenntnis des Selbst als Führungspersönlichkeit und Vorbild
Finanzmarktregulierung und KI in der Wirtschaft
Universität Zürich
Das neue internationale Programm LL.M. European Banking and Capital Market Regulations wird ausschliesslich online durchgeführt. Es richtet sich an Fachkräfte die die notwendigen Fähigkeiten und Fachkenntnisse erwerben möchten, um im Bereich der Banken- und Finanzmarktregulierung erfolgreich tätig zu sein
Der Schwerpunkt liegt auf praxisrelevanten Themen wie den Grundlagen der Finanzmarktregulierung, institutionellen Aspekten und aktuellen Entwicklungen sowie der EU-Banken- und EUKapitalmarktregulierung.
An Führungskräfte, die wenig Erfahrung in den Bereichen Datenanalyse, Statistik, maschinelles Lernen oder Programmierung haben, richtet sich der CAS in Game Changer AI Die Weiterbildung beleuchtet die Rolle künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft und zeigt auf, wie Unternehmen die Technologie bereits heute einsetzen. Dabei geht sie Fragen nach wie: Könnte KI Arbeitsplätze ersetzen? Hat sie die Geschäftswelt bereits übernommen? Welche Massnahmen ergreifen Unternehmen, um sie gewinnbringend zu nutzen? Und hängt die Einführung von KI von der jeweiligen Branche ab?
SCHWEIZER FACHHOCHSCHULEN
Führung, Performance und KI-Kompetenz
Berner Fachhochschule (BFH) Im neuen interdisziplinären Studiengang CAS Leadership & Performance erweitern Teilnehmende ihre Führungspraxis durch künstlerische und performative Methoden – eingebettet in einen wirtschaftlichen Kontext der Transformation und ausgerichtet auf die Anforderungen einer sich stetig wandelnden Arbeitswelt.
In der dreitägigen Weiterbildung SAS Digitalisierung gestalten mit KI erwerben Kader und Projektleitende Grundkenntnisse in den Bereichen Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Sie analysieren ihre Organisation, identifizieren Potenziale, definieren eine individuelle Strategie und lernen,Veränderungen gezielt zu gestalten.
Digitale Identität und zukunftsorientierte Spitalplanung Hochschule Luzern (HSLU) Mit der Weiterbildung CAS Digital Identity & Trust reagiert die HSLU auf neuste Entwicklungen: die Einführung der E-ID und Diskussionen um die Schweizer Vertrauensinfrastruktur und Datensouveränität. Die Teilnehmenden lernen, wie digitale Identitätslösungen entstehen und wie diese in Wirtschaft und Verwaltung zur Anwendung kommen. Im CAS Strategische Spitalbauplanung erwerben Studierende Kenntnisse über innovative und zukunftsorientierte Ansätze in der Planung von Gesundheitsbauten.Der Fokus liegt auf dem Wechselwirkungsprozess zwischen betrieblichem und baulichem Masterplan, die gemeinsam und parallel entwickelt werden müssen Dadurch soll sichergestellt werden, dass bauliche Massnahmen präzise auf die betrieblichen Bedürfnisse abgestimmt sind und gebaut wird, was tatsächlich notwendig ist.
Veloverkehr und traumasensible Praxis
Ostschweizer Fachhochschule (OST) Dieses Programm nimmt Bezug zum neuen Veloweggesetz, dank dem in der Schweiz sichere und durchgängige Velowege entstehen sollen. Im CAS Best Practice Veloverkehr, der eine Exkursion in die Niederlande umfasst, lernen die Teilnehmenden führende Planungskonzepte aus anderen europäischen Ländern kennen und werden befähigt, diese erfolgreichen Beispiele auf die Schweiz anzuwenden Im CAS Traumapädagogik und Traumaberatung setzen sich Fachpersonen aus der Sozialen Arbeit der Schule oder dem Gesundheitswesen mit den Ursachen und möglichen Folgestörungen von Traumatisierungen auseinander Zudem befassen sie sich mit den Grundlagen des traumapädagogischen beziehungsweise traumasensiblen Handelns und Beratens und lernen, dieses in ihrem beruflichen Alltag anzuwenden. Darüber hinaus setzen sie sich mit ihrer eigenen Haltung auseinander und wid-
men sich Methoden und Techniken für eine ausgleichende Selbstfürsorge.
Geopolitik, Strategie und Lernen im Arbeitsalltag
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) Der CAS Geopolitics & Business Strategy der ZHAW School of Management and Law bietet dank Exkursionen nach Brüssel undTirana Einblick in die Mechanismen und Logiken internationaler und lokaler Entscheidungsfindung Die Teilnehmenden arbeiten mit realen Fallbeispielen, nutzen interaktive Tools und reflektieren aktuelle Entwicklungen im globalen Machtgefüge Im Verlauf des Kurses werden verschiedene geopolitische Szenarien erarbeitet und getestet Das Onlearn-Leadership-Studio des IAP (Institut für Angewandte Psychologie) vermittelt Wissen in Leadership, Kommunikation, Zusammenarbeit und Selbstmanagement direkt «on the job» In kompakten, evidenzbasierten MicroLearning-Units, unterstützt durch den KI-Learning-Coach, können Führungspersonen, Projektleitende oder Teams ihre Fähigkeiten genau dann auf- und ausbauen, wenn im Unternehmen konkrete Herausforderungen anstehen –vor einem schwierigen Gespräch, bei einer wichtigen Entscheidung oder in der täglichen Zusammenarbeit.
Zukunftskompetenz und Schreiben in Kunst und Kultur Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) Futures Literacy befähigt Menschen und Organisationen, Zukunft zu gestalten, bereits heute zu erleben und damit drängende Veränderungen aktiv voranzutreiben. Der CAS Crafting Futures vermittelt die dazu notwendigen Instrumente und Mindsets und kultiviert die Kreativität, um als Zukunftsagentinnen Prozesse mit hoher Imaginationskompetenz zu begleiten, Herausforderungen mutig anzupacken und richtungsweisende Strategien zu entwickeln. Der CAS/DAS Schreiben in Kunst und Kultur richtet sich an Personen, für die das geschriebene Wort eine wesentliche Dimension ihres anvisierten professionellen Selbstverständnisses darstellt und die diesbezüglich ihren Horizont erweitern und besondere Bereiche des Schreibens vertiefen wollen. Die Weiterbildung ist Teil einer Kooperation von geteilten Lehrveranstaltungen der ZHdK-Studienprogramme Kulturpublizistik, Drehbuch und Transdisziplinarität.
Führungskräfte müssen Krisen bewältigen und gleichzeitig Zukunft gestalten. Mikolaj Jan Piskorski vom Lausanner Managementinstitut IMD erklärt, weshalb künstliche Intelligenz den persönlichen Austausch dabei nicht weniger wichtig, sondern noch wichtiger macht.
Herr Piskorski, wer ist Ihrer Meinung nach das beste Vorbild für angehende
Führungskräfte?
Ich habe eine Reihe verschiedener Vorbilder, und es fällt mir schwer, mich für eines zu entscheiden. Wenn Sie mich dazu drängen dann Ruth Bader Ginsburg, die verstorbene amerikanische Juristin, die sich jahrzehntelang für Gleichheit vor dem Gesetz einsetzte und später am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten tätig war Was zeichnet sie aus? Sie wusste genau, wer sie war Als kleine, ruhige Gestalt, die oft eine abweichende Meinung vertrat, prägte sie die Sichtweise auf Gleichheit neu. Ihre Methode war die Geduld Ein sorgfältig vorgebrachtes Argument nach dem anderen, über Jahrzehnte hinweg. Diese Kombination aus Selbstbewusstsein und Geduld ist selten, und sie ist es, die ich am meisten bewundere Können Führungskräfte von ihr lernen? Ja, und die Lektion ist praxisnaher, als es klingt. Sie wirkte unter ähnlichen Bedingungen wie Führungskräfte heute: unvollständige Informationen, feindseliges Publikum, Entscheidungen treffen, die man erst Jahrzehnte später beurteilen kann. Was sie durchhalten liess, war Selbstbewusstsein. Sie wusste, woran sie glaubte und in welchen Punkten sie bereit war, sich auch mal in aller Öffentlichkeit zu irren. Die meisten Führungskräfte, denen ich begegne, haben diese fundamentalen Überlegungen noch nie gemacht, und unter Druck zeigt sich das Ihnen dabei zu helfen, diese zu entwickeln, ist der Zweck der Führungskräfteausbildung
Seit Covid, den Kriegen in der Ukraine und im Iran sowie den Zollumwälzungen seitens der USA haben die geopolitischen Unsicherheiten erheblich zugenommen.Was bedeutet das für Manager heute?
Der Job hat sich in einer Weise verändert, mit der die meisten Führungskräfte noch nicht ganz Schritt gehalten haben Politisches Verständnis war früher nützlich. Heute ist es unverzichtbar Man kann kein grosses Unternehmen führen, ohne zu verstehen wie Entscheidungen in Riad, Delhi, Abu Dhabi oder Peking getroffen werden. Die meisten Führungskräfte, die ich treffe, geben ehrlich zu, wie wenig sie davon wissen Mir machen eher jene Sorgen, die so tun, als hätten sie alles im Griff Müssen Sie heute anders führen als noch vor zehn Jahren?
Ja Vor zehn Jahren bestand die Aufgabe darin, Ergebnisse zu liefern. Heute besteht die Aufgabe darin, Ergebnisse zu liefern und gleichzeitig mit demselben Team Neues zu entwickeln Diese beiden Anforderungen ziehen in entgegengesetzte Richtungen, und die meisten Führungskräfte wurden nur für eine davon ausgebildet. Zu lernen, beides zu vereinen, ist meiner Ansicht nach die zentrale Führungsherausforderung dieses Jahrzehnts.
doch diese Anforderungen werden heute infrage gestellt. Ist nicht etwa der «starke Mann» wieder ein Vorbild?

«Man kann kein grossesUnternehmen führen, ohne zu verstehen, wie Entscheide in Riad, Delhi oder Peking getroffen werden.»
Mikolaj Jan Piskorski ist Professor für digitale Strategie, Analytik und Innovation sowie Dekan für Executive Education am International Institute for Management Development, kurz IMD, in Lausanne Er gilt als Experte für digitale Strategie, Plattformstrategien und digitale Transformation.
Nein. Ständig Stärke zu demonstrieren, ist eine Show, und die Menschen durchschauen das schnell Echte Führung erfordert beide Facetten Man muss hart sein können, wenn eine Entscheidung zu treffen oder eine schwierige Botschaft zu überbringen ist. Man muss sanft sein können, wenn man zuhören oder zugeben muss, dass man sich geirrt hat. Die meisten Situationen erfordern das eine oder das andere, manchmal beides im selben Gespräch Die entscheidende Fähigkeit ist, zu erkennen, was der Moment erfordert. Wir nennen dies zweigleisige oder ambidextre Führung.
Was sind die wichtigsten Punkte, die heute anders gesehen werden als vor sechs oder sieben Jahren?
Mich überrascht am meisten, wie viel kürzer die Planungshorizonte von Führungskräften geworden sind Vor sechs oder sieben Jahren war eine Dreijahresstrategie noch ein valides Arbeitsinstrument. Heute geben die meisten Führungskräfte mir gegenüber zu, dass alles, was über achtzehn Monate hinausgeht, nur eine Skizze ist. Die andere Veränderung ist eher menschlicher Natur Der Job ist einsamer geworden. Der Kreis der Gleichgesinnten ist
kleinergeworden,dadieRisikomischung jedes Unternehmens mittlerweile so spezifisch ist, dass die Person, die einem beim Branchenessen gegenübersitzt, mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen hat als man selbst. Das ist neu und verändert die Anforderungen, die Führungskräfte an eine Einrichtung wie das IMD stellen. Sie brauchen echte Kollegen, mehr als sie noch mehr Inhalte brauchen.
Echte Kollegen? Und was ist dann mit der künstlichen Intelligenz (KI)? KI macht Führungskräfte effizienter in ihrerArbeit – und sie hilft uns,neueWege zu finden.Wir haben aber schon immer die einzelne Führungskraft und das einzelne Unternehmen und nicht irgendeine generische Case Study betrachtet Die individuelle Situation der Führungskraft ist der Lernstoff Was sie lernt, muss angewendet werden können Und die Wirkung muss gemessen werden können Dieses Modell gibt es bei uns schon seit Jahrzehnten. KI macht das Generische noch stärker zur Massenware. Und je mehr generische Inhalte es gibt, desto wertvoller wird das Spezifische Die Schule, die sich Sorgen um KI machen muss, ist die Schule, deren Angebot von vornherein generisch war
Wie sieht das Feedback der Führungskräfte auf Ihr Angebot aus?
Was mich überrascht: Unsere Teilnehmer sagen, dass sie mit KI schneller lernen Sie wenden das Gelernte auch schneller an. Und gleichzeitig lässt die KI sie nach mehr Kontakt zueinander suchen, nicht weniger Die KI kümmert sich um das Lesen, die Reflexion und eine erste Antwort. Was schliesslich im Raum landet, ist prägnanter und spezifischer – und genau das macht den Austausch unter Kollegen so lohnenswert. Angesichts der Tatsache, wie viel einsamer der Job geworden ist, ist dies von grosser Bedeutung.
Was sind die Unterschiede zwischen den Fragen, die Führungskräfte Ihnen früher gestellt haben, und denen, die sie heute stellen?
Die Fragen haben sich nach aussen verlagert.Vor fünf oder sieben Jahren fragten uns Führungskräfte meist nach sich selbst und ihrem Unternehmen Was soll ich tun, wie mache ich es besser? Heute drehen sich die Fragen um die Welt, für die sie Entscheidungen treffen Wie werden sich die nächsten zwei bis fünf Jahre entwickeln? Wie werden sich KI, Geopolitik und Nachhaltigkeit entwickeln und wie werden sie miteinander interagieren? Das sind schwierigere Fragen, weil sie einen Blick auch auf Dinge erfordern, die von der Führungskraft nicht kontrolliert werden können
Also müssen Manager flexibler werden? Jetzt gilt es mit zwei Geschwindigkeiten gleichzeitig zu arbeiten Das zu bewältigen, was gerade passiert ist. Und gleichzeitig den Blick für das Langfristige nicht zu verlieren. Und Schritt drei: Das, was gerade geschieht, zu nutzen, um die langfristige Position zu stärken. Dieser letzte Schritt ist es, der gute Führungkräfte von den anderen unterscheidet. Die meisten versuchen, das Langfristige gegen kurzfristige Schocks zu verteidigen. Die Besten nutzen hingegen die Schocks für die Zukunft.
Entsteht also jetzt eine Generation von neuen Krisenmanagern? Ja Jede Krise schult Führungskräfte darin, beide Blickwinkel gleichzeitig zu bewahren Sie müssen bewältigen, was gerade passiert ist, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, wohin die Reise geht. Und neu: Sie müssen lernen, die Turbulenzen zu nutzen, um die Position zu stärken Das gehört zu den wenigen positiven Aspekten dieser Zeit.
Interview: Bernhard Bieler
Das IMD ist ein unabhängiges akademisches Institut mit engen Verbindungen zur Wirtschaft und einem starken Fokus auf Wirkung Durch ExecutiveEducation-, MBA- und Executive-MBAProgramme sowie Beratungsarbeit unterstützt es Führungskräfte und politische Entscheidungsträger dabei, Komplexität und Wandel zu meistern.
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UnserAngebot: www.zhaw.ch/irw/weiterbildung


Ob neue Sprache, berufliche Weiterbildung oder geistige Fitness im Alter: Lernen begleitet uns ein Leben lang Doch wie gut funktioniert das wirklich? Und was passiert dabei eigentlich im Gehirn? Die Wissenschaft zeichnet ein überraschend dynamisches Bild
CÉCILE HANA
Die Schweiz ist ein Land der ewigen Lernenden. Noch weit nach der obligatorischen Schulzeit und nach Abschluss der Erstausbildung wird weitergebüffelt, Wissen vertieft und Neues dazugelernt. Gemäss den Daten, die alle fünf Jahre im Auftrag des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) erhoben werden, haben im Jahr 2021 68 Prozent der Schweizer Bevölkerung im Alter von 15 bis 74 Jahren an einer Bildungsaktivität teilgenommen. Davon haben sich 43,9 Prozent weitergebildet und 47,7 Prozent informell gelernt. Dies, um beruflich oder privat weiterzukommen, sich neu zu orientieren und im Kontext der technologischen Revolution auf dem neusten Stand zu bleiben.
Weiterbildung als gesellschaftlicher Normalfall Es herrscht ein Boom auf dem Markt der beruflichen Weiterbildung: CAS, DAS, MAS, Berufsprüfungen oder Höhere Fachprüfungen und noch einige mehr –Herr und Frau Schweizer können zahlreiche Zertifikate Titel und Abschlüsse machen, die ihre Relevanz auf dem Arbeitsmarkt festigen. In der Eidgenossenschaft wird Weiterbildung eine so grosse Bedeutung gegeben, dass sie sogar gesetzlich verankert ist. Mit dem Bundesgesetz über die Weiterbildung (WeBiG) soll der Zugang zu Weiterbildung erleichtert, Chancengleichheit gefördert und Menschen dabei unterstützt werden, ihre berufliche Position langfristig zu festigen.
Weiterbildung im weitesten Sinne bezieht sich jedoch nicht nur auf den Beruf Auch im privaten Leben entsteht immer wieder das Bedürfnis – oder die Notwendigkeit –, Neues zu lernen, sich weiterzuentwickeln oder den eigenen Horizont zu erweitern Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie lernfähig bleibt der Mensch im Laufe seines Lebens? Kann man auch im höheren Alter ein neues Instrument oder eine neue Sprache lernen? Oder, etwas salopper formuliert: Kann man einem alten Hund neue Tricks beibringen?
Ein Gehirn, das sich weiter verändert Lange galt dieAnnahme,dass das Gehirn nach der Jugend sozusagen fertig «verdrahtet» ist und man kaum noch grundlegend Neues oder komplexe Fähigkeiten lernen könne. Und dies obwohl das Konzept der Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich im Laufe
Das Gehirn bleibt über die gesamte Lebensspanne hinweg veränderbar.
des gesamten Lebens zu verändern und zu wachsen,bereits 1890 seinen Ursprung fand,jedoch über ein Jahrhundert warten musste, um sich als grundlegendes Prinzip der Neurowissenschaften zu festigen. Mit der zunehmenden Anerkennung der Neuroplastizität rückte auch die Frage in den Fokus, wie sich das Gehirn über die gesamte Lebensspanne hinweg entwickelt Neuere Forschungen zeigen dass die neuronale Entwicklung nicht gleichmässig verläuft und auch im Erwachsenenalter nicht abgeschlossen ist. Vielmehr durchläuft das Gehirn verschiedene Entwicklungsphasen, die mit strukturellen und funktionellen Veränderungen verbunden sind
Fünf Phasen der Hirnentwicklung
Eine im November 2025 veröffentlichte Studie unter der Leitung der GatesCambridge-Stipendiatin Alexa Mousley stellte fest, dass die Entwicklung des Gehirns in fünf Phasen mit vier zentralen Meilensteinen im Alter von 9, 32, 66 und 83 Jahren verläuft
ILLUSTRATION:
Während das Gehirn in den ersten neun Lebensjahren vor allem damit beschäftigt ist, sich Fähigkeiten wie Sprache, Motorik und Ausdruck anzueignen, kommt es in der Pubertät und bis ins 30. Lebensjahr zu einer drastischen Wende In dieser Phase, die Mousley als «Jugendalter» oder «Adoleszenz» bezeichnet ist das Hirn hochgradig effizient – trifft aber auch nicht immer die richtigen Entscheidungen. Die längste Phase, während der das Gehirn vor allem strukturell sehr stabil ist, beschreiben Alexa Mousley und ihr Team als «Erwachsenenalter» Zu dieser Phase sagt die Erstautorin der Studie: «Dieser Zeitraum stimmt oft mit einem Plateau der Intelligenz und Persönlichkeit überein, das viele von uns beobachtet oder erlebt haben dürften.» Mitte der Sechzigerjahre beginnt die vierte Phase, die deutlich weniger prägnant, jedoch von strukturellen Veränderungen im Gehirn gekennzeichnet ist. Der letzte Wendepunkt tritt etwa im Alter von 83 Jahren ein. Auch wenn die Forschenden für diese Lebensphase nur begrenzt auf Daten zurückgreifen
konnten, stellten sie einen merklichen Wandel von einer globalen zu einer lokalen Vernetzung fest. Gewisse Verbindungen im Gehirn nehmen weiter ab, wobei bestimmte Regionen stärker in Anspruch genommen werden
Die stille Reserve des Gehirns
Doch nicht alle Menschen altern kognitiv gleich. «Dass das Gehirn sich mit dem Alter verändert, ist allgemein bekannt» schreibt Yaakov Stern in seinem 2002 erschienenen wissenschaftlichen Artikel What is cognitive reserve? Theory and research application of the reserve concept Was ihn aber interessiere, sei, welche Faktoren dazu beitragen, dass das Gehirn «gesund» altert. Damit führt er sein Konzept der kognitiven Reserve ein.
Die kognitive Reserve beruht auf der Annahme, dass das Gehirn durch lebenslange geistige, soziale und körperliche Aktivität effizientere und flexiblere neuronale Netzwerke entwickelt. Menschen mit einer hohen kognitiven Reserve sind demnach besser in der Lage, zu improvisieren, alternative Lösungswege zu finden und vorhandene Ressourcen zu mobilisieren um Herausforderungen zu bewältigen.
Dank dieser Anpassungsfähigkeit und der Fähigkeit, neue neuronale Verbindungen zu bilden, können kognitive Funktionen selbst bei strukturellen Hirnschäden lange erhalten bleiben. Die empirische Grundlage für dieses Konzept liefern bildgebende Verfahren wie MRT- und PET-Scans Sie zeigen, dass manche Menschen trotz deutlichen Alzheimer-typischen Veränderungen im Gehirn über lange Zeit kognitiv leistungsfähig bleiben Wir können also abschliessend sagen, dass lebenslanges Lernen nicht nur möglich ist, sondern auch geistig beweglich hält und dabei helfen kann kognitiven Abbauprozessen entgegenzuwirken
Die kognitive Reserve beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, trotz Alterungsprozessen oder strukturellen Veränderungen leistungsfähig zu bleiben. Sie entsteht unter anderem durch geistige, soziale und körperliche Aktivität und hilft dem Gehirn, alternative Netzwerke zu nutzen.
Mindestanforderungen für die Eignungsabklärungen: – Maturaoder Berufslehremit eidg. Fähigkeitszeugnis(EFZ) – Zwischen 18 und 28Jahrealt – SchweizerStaatsbürgerschaft vonVorteil
– Deutsch oder Französisch oder Italienisch auf Niveau C1
– Englisch auf Niveau B2

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Viele Menschen verlassen sich darauf, dass ihre Kompetenzen auch morgen noch gefragt sind Doch wer langfristig arbeitsmarktfähig bleiben will, muss Weiterbildung, Sichtbarkeit und Netzwerk aktiv pflegen.
SELMA KUYAS
Viele Menschen behandeln ihre Karriere wie einen Selbstläufer Sie gehen zur Arbeit, sammeln Erfahrung, besuchen gelegentlich eine Weiterbildung und verlassen sich darauf, dass ihre Kompetenzen auch morgen noch gefragt sind. Lange Zeit funktionierte dieses Prinzip Doch im Zeitalter der künstlichen Intelligenz wird diese Annahme zunehmend riskant Was für die Wirtschaft gilt, gilt auch für die Karriere: Angebot und Nachfrage bestimmen den Wert Auf dem Arbeitsmarkt ist das Angebot die eigene Arbeitsleistung Arbeitgeber bezahlen dafür in Form eines Gehalts Wie hoch dieses ausfällt, hängt davon ab, wie gefragt die Kombination aus Erfahrung, Wissen und Kompetenzen ist
Genau hier liegt das Problem: Viele Menschen kümmern sich erst um ihre Arbeitsmarktfähigkeit, wenn die Kündigung bereits auf dem Tisch liegt oder sich die Jobsuche schwieriger gestaltet als erwartet. Dann wird sichtbar, was
sich über Jahre aufgebaut hat: ein Kompetenzprofil, das nicht mehr zur aktuellen Marktlage und Nachfrage passt.
Die Nachfrage verschiebt sich
Der Schweizer Arbeitsmarkt sendet deutliche Signale Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hat nachgewiesen, dass die Zahl der Stellensuchenden in KI-exponierten Berufen seit Ende 2022 deutlich stärker gestiegen ist als in anderen Berufsfeldern. Gleichzeitig haben sich die KI-bezogenen Stellenausschreibungen laut PwC Schweiz seit 2018 vervielfacht. Auch der Fachkräftemangel-Index von Adecco und der Universität Zürich deutet auf diese Verschiebung hin. In einzelnen Berufsfeldern steigt die Zahl der Stellensuchenden, während Unternehmen in anderen Bereichen händeringend qualifizierte Fachkräfte suchen Vereinfacht gesagt: Für gewisse Jobs gibt es zunehmend mehr Menschen, für andere zu wenige
Vor diesem Hintergrund passt der traditionelle Umgang mit Weiterbildung immer weniger zur Realität. Viele warten darauf, dass der Arbeitgeber eine Weiterbildung finanziert oder vorgibt. Andere setzen auf prestigeträchtige Abschlüsse die zwar im Lebenslauf beeindrucken, aber nicht zwingend den aktuellen Bedürfnissen des Arbeitsmarktes entsprechen. Hinzu kommt: In Zeiten technologischer Umbrüche existieren die Weiterbildungen
für die Kompetenzen von morgen oft noch gar nicht.


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Karrieregesundheit als Prinzip: Das Modell Singapur Wie eine mögliche Antwort auf diese Herausforderung aussieht, zeigt Singapur Der Stadtstaat verfügt kaum über natürliche Ressourcen. Sein wichtigstes Kapital sind die Menschen. Entsprechend früh wurde Weiterbildung zur nationalen Strategie erklärt. Seit 2015 treibt die Regierung die Initiative SkillsFuture voran. Dahinter steht eine einfache Erkenntnis: Die technologische Transformation gelingt nur dann, wenn die Menschen mitkommen, die mit dieser Technologie arbeiten Wer das 40 Lebensjahr erreicht, erhält ein Weiterbildungsguthaben von 4000 Singapur-Dollar Wer eine VollzeitUmschulung absolviert, kann während bis zu zwei Jahren finanzielle Unterstützung erhalten Finanziert wird das System über einen Fonds, in den Arbeitgeber einzahlen. Bemerkenswert ist weniger die finanzielle Unterstützung als die dahinterliegende Haltung Singapur spricht von «Career Health» – der Gesundheit der eigenen Karriere. Der Begriff ist treffend. Niemand wartet mit dem Zahnarztbesuch, bis alle Zähne ausfallen Bei der Karriere aber handeln viele Menschen genau so: Sie investieren erst dann in ihre Arbeitsmarktfähigkeit, wenn Probleme auftauchen. Ein vergleichbares System gibt es in der Schweiz nicht. Mit Angeboten wie viamia stehen zwar Instrumente zur Standortbestimmung zur Verfügung, die Finanzierung von Umschulungen oder Weiterbildungen ist jedoch kantonal geregelt und oft begrenzt. Wer langfristig gefragt bleiben möchte, muss seine Arbeitsmarktfähigkeit aktiv pflegen. Drei Faktoren spielen dabei eine zentrale Rolle: Kompetenzen Sichtbarkeit und Netzwerk. Kompetenzen sind die Grundlage Wer die Entwicklungen im eigenen Berufsfeld verfolgt und bereit ist, neue Fähigkeiten aufzubauen, erhöht seine Chancen, auch in Zukunft gefragt zu bleiben. Ebenso wichtig ist jedoch die Sichtbarkeit
Der fachliche Leistungsausweis allein genügt nicht immer Wer sichtbar macht, wofür er steht, welche Expertise er mitbringt und welchen Beitrag er leisten kann, verschafft sich Vorteile bei Beförderungen, Projekten und neuen beruflichen Möglichkeiten. Denn die eigene Reputation wird zunehmend zu einem Karrierefaktor.
Hinzu kommt das Netzwerk. Viele Stellen, insbesondere auf Fach- und Kaderstufe, werden über persönliche Kontakte besetzt. Ein belastbares Netzwerk entsteht jedoch nicht in der Phase der Stellensuche, sondern über Jahre hinweg Wer Beziehungen pflegt, bevor er sie benötigt, schafft sich berufliche Optionen für Krisenzeiten oder
wenn der Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer rückläufig ist. Welches Diplom heute den Lebenslauf schmückt, ist nicht mehr so entscheidend wie noch vor 10 Jahren. Entscheidend ist vielmehr ob die eigenen Kompetenzen auch morgen noch zur Nachfrage des Arbeitsmarktes passen. Berufe verändern sich schneller, Anforderungen verschieben sich, und neue Tätigkeiten entstehen laufend.Wer seine Karriere dem Zufall überlässt, geht ein zunehmendes Risiko ein.
Die Verantwortung liegt beim Einzelnen Arbeitsmarktfähigkeit wird damit zur neuen Form der Vorsorge Nur dass nicht Geld angespart wird, sondern ein Netzwerk und relevante Skills aufgebaut werden.Wer bereit ist, sein Wissen, seine Sichtbarkeit und sein Netzwerk laufend weiterzuentwickeln, investiert in die einzige Karriereversicherung, die auch im KI-Zeitalter Bestand hat. Der Staat kann Orientierung bieten Arbeitgeber können Weiterbildung ermöglichen. Doch keiner von beiden wird die eigene Karriere langfristig absichern. Diese Verantwortung bleibt bei jedem Einzelnen.
Arbeitsmarktfähigkeit ist eine Form der Vorsorge.

Selma Kuyas ist Unternehmerin, Linkedin-Expertin (Top Voice 2020 und 2022) und Karriereberaterin Sie unterstützt Fach- und Führungskräfte dabei, ihre berufliche Sichtbarkeit zu stärken und ihre Karriere aktiv zu gestalten. Gemeinsam mit dem Autor und Verhandlungsexperten Frédéric Mathier moderiert sie den Podcast «Karriereformel» in dem sie über Beruf Karriere und die Arbeitswelt von morgen spricht.
Künstliche Intelligenz wirkt oft souverän, verständlich und hilfreich. Genau darin liegt ein Risiko: Wer ihr blind vertraut, übersieht Fehler, Vorurteile und Verantwortungslücken
ANTON VITOLIC UND JULIAN WESTPHALEN
Eine Studentin reicht ihre Masterarbeit ein. Sie hat sorgfältig recherchiert, fleissig zitiert und dabei auf einen Artikel verwiesen, dessen Autorin Gudela Grote ist, Professorin für Psychologie an der ETH Zürich. Nur: Diesen Artikel gibt es nicht. Eine künstliche Intelligenz hatte ihn erfunden, überzeugend formuliert, mit plausiblem Titel und Erscheinungsjahr versehen. Die Studentin hatte ihn nicht gelesen und deshalb nicht bemerken können, dass er nie geschrieben wurde «Das ist dieser Studentin nicht aufgefallen», sagt Grote im Gespräch, ohne besondere Empörung, eher mit dem nüchternen Ton einer Frau, die solche Dinge registriert und einordnet. Der Vorfall klingt zunächst nach einem harmlosen Missgeschick. Aber er erzählt Grundsätzliches: von blindem Vertrauen, Verantwortung und davon, was es bedeutet, wenn Maschinen so überzeugend auftreten, dass wir aufhören zu fragen
Dabei ist das Risiko längst grösser als eine schlechte Note für eine wissenschaftliche Arbeit Künstliche Intelligenz (KI) entscheidet heute mit darüber wem ein Kredit gewährt wird, welche Patienten priorisiert werden, welche Bewerbungen in die engere Wahl kommen und welche nicht Sie empfiehlt Urteile, steuert Fahrzeuge und lenkt den Informationsfluss Die Technologie ist tief in die Gesellschaft eingedrungen, bevor diese einen Weg gefunden hat, mit ihr umzugehen
KI ist eine Blackbox
Mit einem dieser Probleme beschäftigt sich Oliver Buchholz Er hat Philosophie in Tübingen studiert, dort promoviert und arbeitet heute als Postdoktorand an der ETH Zürich im Bereich Bioethik, mit einem Schwerpunkt auf maschinellem Lernen und gesellschaftlicher Verantwortung Besonders interessiert ihn das Blackbox-Problem «Wir wissen, wir haben irgendwelche Trainingsdaten und wir sehen auch, was am anderen Ende als Vorhersage oder Entscheidung herauskommt Aber was dazwischen passiert, ist für uns eine Blackbox», sagt Buchholz. Um diese Blackbox besser zu verstehen, beschäftigt er sich mit erklärbarer KI, auch XAI genannt, von «Explainable Artificial Intelligence» «Erklärbare KI schaut sozusagen wie eine Lupe oder ein Mikroskop auf die KI-Systeme, die wir verwenden» sagt er Buchholz geht es dabei nicht nur um Technik. Er fragt, was überhaupt erklärt werden muss und wie eine gute Erklärung aussieht. Eine Informatikerin braucht eine andere Erklärung als ein Patient, eine Richterin oder ein Laie, der wissen will, warum sein Kreditantrag abgelehnt wurde.
Gudela Grote die sich seit mehr als 35 Jahren mit Automatisierung und deren gesellschaftlichen Folgen beschäftigt, bringt das politische Problem auf den Punkt: «Regulatorien hinken der Innovation hinterher.» Der EU AI Act klassifiziert KI-Systeme nach Risiko –von verbotenen Anwendungen über Hochrisiko-Systeme bis zu Systemen
mit begrenztem oder minimalem Risiko Zentral bleibt bei erhöhtem Risiko die menschliche Kontrolle. Das klingt vernünftig. Doch hier tritt ein psychologisches Phänomen auf, das Grote aus früheren Automatisierungswellen kennt: Automation Bias Menschen neigen dazu, Maschinenurteilen zu vertrauen, besonders unter Zeitdruck, Stress oder Ermüdung. Genau dann also, wenn menschliche Kontrolle am wichtigsten wäre, ist sie oft am schwächsten. Wer im Stundentakt KI-Empfehlungen abnickt, prüft sie nicht mehr wirklich.
«Regulatorien hinken der Innovation hinterher.»

Gudela Grote Professorin für Psychologie, ETH Zürich
Grotes Lösung: Statt Kontrolle als Checkliste zu verstehen, muss Kompetenz aufgebaut werden. Sie zieht den Vergleich zum Piloten, der auch ohne Flight-Management-System fliegen können muss obwohl das Flugzeug die meiste Zeit fast vollautomatisch unterwegs ist Solange Menschen in ein System eingreifen sollen oder müssen, brauchen sie die zugrunde liegenden Fähigkeiten. Buchholz sieht das ähnlich: Grundkompetenzen, die KI übernehmen könnte, müssen weiterhin gelernt werden.
Grosse Verantwortungslücken
Doch was, wenn der Nutzer keine Kontrolle mehr hat? Ein selbstfahrendes Auto ohne Lenkrad trifft eine falsche Entscheidung – mit potenziell tödlichen Folgen Wer trägt die Verantwortung?
Diese Frage wird oft mit «Responsibility Gaps» beschrieben: Verantwortungslücken, weil intuitiv weder dem Computerprogramm noch dem Nutzer die Verantwortung zugeschrieben wird Grote schliesst den Nutzer hier aus: «Ich sollte nicht verantwortlich gemacht werden für irgendwas, worüber ich selber keine Kontrolle habe.» Buchholz sieht einen Verantwortlichen, der oft vergessen geht: den Betreiber
Die Gefahr von KI im Alltag sieht anders aus als jene in HochrisikoBereichen. Beim Lösen von Hausaufgaben trifft KI keine sicherheitsrelevanten Entscheidungen. Hier liegt die Gefahr in einer alltäglichen Verwechslung: KI ist keine Suchmaschine Als solche müsste sie neutral sein Das ist sie aber nicht.
KI-Systeme lernen aus Daten. Und Daten sind keine neutrale Abbildung der Welt, sondern Produkte sozialer Prozesse, Entscheidungen und Ungleichheiten. Buchholz bringt das auf die Formel: «Garbage in Garbage out.» Ungleichheiten und Vorurteile die in historischen Daten stecken, werden von KI-Systemen als Realität gelernt und reproduziert, manchmal verstärkt. Dazu kommt: Es gibt nicht eine Definition von Fairness, sondern viele Wer festlegt, welche gilt, trifft keine technische Entscheidung, sondern eine politische.
«Künstliche Intelligenz ist keine Suchmaschine.»

Oliver Buchholz Postdoktorand für
Buchholz und Grote nutzen KI vergleichsweise zurückhaltend. Buchholz verwendet gelegentlich ChatGPT oder Claude, um Informationen zusammenzufassen oder sprachliche Feinheiten auf Englisch zu klären. Grote begegnet KI vor allem dort wo sie ihr aufgedrängt wird. «Nicht so viel und eigentlich mehr, als ich eigentlich will», sagt sie trocken Wer Technologie kritisch erforscht, lernt, ihr nicht blind zu vertrauen.
Lernen, Fragen zu stellen
Natürlich gibt es auch Vorteile. Noch nie war es möglich, in so kurzer Zeit riesige Datenmengen zu analysieren und Muster zu erkennen. KI kann Forschung beschleunigen,Arbeit erleichtern und Menschen unterstützen. Doch laut Buchholz ist das Gleichgewicht zwischen Nutzen und Schaden nur bei idealer Nutzung sichergestellt. Dafür müsse der Zugang fairer verteilt sein, Regulierung präziser werden und die Nutzung bewusster erfolgen Heute werde KI zu oft als Suchmaschinenersatz verwendet – mit ungenauen Ergebnissen, hohem Ressourcenverbrauch und ökologischen Folgen Vielleicht beginnt verantwortlicher Umgang mit KI deshalb nicht mit blindem Vertrauen und auch nicht mit pauschaler Ablehnung Sondern mit einer Fähigkeit, die weder Maschine noch Gesetz ersetzen kann: weiterzufragen.
Dieser Text entstand im Rahmen der Medienwoche der 4. Klassen des Realgymnasiums Rämibühl unter der Beratung von NZZ-Redaktor Urs Bühler
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