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Schwerpunkt

Freitag, 25. September 2026

UHREN & SCHMUCK

Zukunft aus Erbe CH-8021 ZÜRICH · TELEFON +41 44 258 11 11 · NZZ.CH

COLLAGE: SARA SPARASCIO


cartier.ch - 044 580 90 90


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NZZ-Schwerpunkt

Uhren & Schmuck

Freitag, 25. September 2026

Die Legenden f Geschichte in U

Zukunft aus Erbe

Was früher im Archiv lag, wird heute zum Ausgangspunkt n und warum selbst eine 2021 g Andrea Martel, Wirtschaftsredaktorin NZZ In der Uhrenbranche ist neu erstaunlich oft alt. Historische Gehäuseformen kehren zurück, frühere Modelle werden neu interpretiert, und ganze Kollektionen schöpfen aus den Archiven. Vintage ist längst mehr als eine Vorliebe von Sammlern und beschränkt sich auch nicht auf bereits getragene Uhren. Die eigene Vergangenheit ist für viele Marken zu einem wichtigen Teil des Geschäfts geworden. Darum geht es in diesem Special. Im Auftaktartikel (Seiten 4 / 5) haben Stéphane Gachet von «Le Temps» und ich untersucht, wie unterschiedlich Uhrenmarken mit ihrem historischen Erbe umgehen. Breguet kann sich auf einen Gründer berufen, dessen Name bis heute Gewicht hat, Longines auf einen über Jahrzehnte gepflegten Pioniergeist, Zenith auf sein legendäres Uhrwerk «El Primero» und Doxa auf eine Taucheruhr, die man dank ihrer markanten Form schon von weitem erkennt. Furlan Marri hingegen zeigt, wie sich selbst eine junge Marke auf Vintage stützen kann, obwohl ihr die lange Geschichte fehlt. Pierre-André Schmitt widmet sich einer anderen Spielart des VintageTrends. Da geht es um Marken, die einst eingeschlafen waren und später wiederbelebt (Seiten 8 / 9) wurden. Blancpain unter Jean-Claude Biver war eines der frühen und erfolgreichsten Beispiele. Die derzeit wohl grösste Wette auf einen historische Namen geht Georges Kern mit Universal Genève und Gallet ein. Solche Wiederbelebungen haben einen grossen Vorteil: Geschichte, Image und Legitimität sind bereits vorhanden. Sie bringen aber auch Erwartungen mit – und nicht jede Renaissance gelingt. Auch beim Schmuck (Seiten 10 / 11) spielt die Vergangenheit eine wichtige Rolle – allerdings auf andere Weise. Sophie Abriat zeigt, wie die Haute Joaillerie auf alte Kulturen, Symbole und Mythen zurückgreift. Cartier knüpft an die indische Schmucktradition an, Van Cleef & Arpels an die Ägyptenbegeisterung der 1920er Jahre, Chanel an die persönlichen Talismane seiner Gründerin. Mit Vintage im engeren Sinn hat das wenig zu tun. Doch auch hier dient Vergangenes als Fundus für Neues. Dass die Uhrenwelt nicht nur rückwärts blickt, zeigen die Neuheiten (Seiten 6 / 7), die Timm Delfs und ich zusammengestellt haben. Spektakulär und zeitgenössisch ist die Zusammenarbeit von Hublot mit dem amerikanischen Pop-Art-Künstler Jeff Koons. Seine berühmten «Balloon Dogs» haben nun sogar die Form einer Uhr verändert: Gehäuse und Zifferblatt wirken, als seien sie aufgeblasen. Neues entsteht aber auch dort, wo man es kaum sieht. Mauron Musy etwa hat ein Gehäuse entwickelt, das ohne die üblichen Dichtungsringe aus Kunststoff wasserdicht bleibt – eine technische Lösung, die die Freiburger Marke seit Jahren verfeinert. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

IMPRESSUM

ANDREA MARTEL (NZZ), STÉPHANE GACHET (LE TEMPS)

«Wenn die Legende zur Wahrheit wird, drucken Sie die Legende.» Der berühmte Satz am Ende von John Fords Western-Film «Der Mann, der Liberty Valance erschoss» von 1962 könnte über dem Eingangstor der Schweizer Uhrenindustrie stehen. Kaum eine andere Branche definiert sich so stark über ihre Vergangenheit, kaum eine kennt so viele Legenden. Das war nicht immer so. Der auf die Uhrenindustrie spezialisierte Historiker Pierre-Yves Donzé datiert den Wendepunkt auf Anfang der 1980er-Jahre und spricht von der «Erfindung der historischen Uhr». Nach dem Tsunami der asiatischen Quarzuhren musste sich die mechanische Uhr neu erfinden. Sie kehrte als Luxusprodukt zurück – und mit ihr rückten Herkunft, Tradition und historische Modelle ins Zentrum. Entscheidend wurde für die Hersteller, «einen emotionalen Wert zu verkörpern».Wie im Märchen heisst es seither immer öfter: Es war einmal … Donzé bringt es mit einer Formel auf den Punkt: «Luxusmarken brauchen keine Geschichte, sondern ein Erbe.» Gemeint ist ein Konzept, dessen Legitimität umso grösser erscheint, je stärker es auf «authentischen» Fakten beruht. Wer tatsächlich auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, ist im Vorteil. Doch die Vergangenheit allein genügt nicht. Sie muss sich als «Marketingressource» nutzen lassen. Die eigentliche Kunst besteht laut Donzé darin, daraus «eine neue Legende» zu schaffen – und diese «in Produkte zu übersetzen». Das Rezept ist inzwischen fest etabliert. Manche Marken machen davon allerdings einen besonders intensiven Gebrauch. Wir haben einige Beispiele ausgewählt.

Breguet: Zwischen Tourbillon und Zukunft Breguet spielt in einer eigenen Liga. Der Gründer Abraham-Louis Breguet hat die Geschichte der Uhrmacherei geprägt wie nur wenige andere: mit einem unverwechselbaren Stil und mit Erfindungen, von denen vor allem das Tourbillon bis heute nachwirkt. Hinterlassen hat er zudem umfangreiche Archive, die grösstenteils in Paris aufbewahrt werden.Verantwortlich dafür ist Emmanuel Breguet, Leiter des historischen Erbes und Nachfahre des Firmengründers in siebter Generation. Zum historischen Fundament gehört ausserdem eine Restaurierungsabteilung für alte Uhren in der Manufaktur im Vallée de Joux. Die eigentliche Herausforderung bestehe darin, «den Innovationsgeist zu bewahren, ohne die stilistische Nabelschnur zu durchtrennen», sagt Grégory Kissling, CEO der zum Swatch-Konzern gehörenden Marke. Seine Antwort darauf nennt er «Erbe in Bewegung». Bei ihm klingt das fast wie Gartenarbeit: «Der kleine Samen kommt aus der Vergangenheit. Man muss nur die richtige Menge Wasser dazugeben.» Tatsächlich ist der historische Fundus von Breguet so gross, dass die wichtigste Aufgabe darin besteht, auszuwählen, «was für die Produktstrategie relevant ist». Dabei verfolgt die Marke zwei Stossrichtungen: «Einerseits beleben wir die Bestseller, andererseits sorgen wir mit innovativen Stücken für Aufmerksamkeit.» Ein Beispiel hierfür lieferte Breguet in diesem Frühjahr. Zum 225-Jahr-Jubiläum des Tourbillons, das Abraham-Louis Breguet 1801 patentieren liess, interpretierte die Marke ihre erste Tourbillon-Armbanduhr von 1989 neu. Begleitet wurde die Lancierung von einer für dieses Segment überraschend frechen Kampagne unter dem Motto «Sorry Isaac». Das habe unter anderem dazu geführt, dass die Preise für Breguet-Uhren aus den 1980er und 1990er Jahren auf dem Zweitmarkt gestiegen seien,

sagt Kissling. Gleichzeitig habe dies die Bekanntheit der Marke unter Liebhabern von NeovintageUhren erhöht. In eine andere Kategorie fällt die Ende vergangenen Jahres vorgestellte Expérimentale 1. Sie ist mit einer Magnethemmung mit konstanter Kraft ausgestattet, die in ein Hochfrequenz-Tourbillon mit 10 Hertz integriert ist – ein auf den ersten Blick kontraintuitiver Ansatz, der laut Breguet dazu beitragen soll, die Anforderungen an höchste Ganggenauigkeit zu erfüllen. Kissling beschreibt das Dilemma: «Wenn man bei null beginnt, riskiert man, die bestehende Kundschaft vor den Kopf zu stossen. Behält man einige typische Breguet-Codes bei, wirkt das beruhigend.» Gleichzeitig habe die Marke mit der Uhr neue Zielgruppen erreicht.

Longines: Pioniergeist in neuem Gewand Die in Saint-Imier ansässige Marke kann auf eine der reichhaltigsten Geschichten des Jurabogens zurückblicken. Seit ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert bis zur grossen Restrukturierung der Schweizer Uhrenindustrie in den 1980er Jahren entwickelte sich Longines als vollständig integrierte, innovative Manufaktur. Als Nicolas Hayek die Führung der SMH, der späteren Swatch Group, übernahm, wies er Longines die Aufgabe zu, das mittlere Preissegment zu dominieren. An dieser Positionierung hält die Marke bis heute fest. Die eigene Geschichte spielte bei Longines stets eine wichtige Rolle. Unter kundigen Sammlern geniessen historische Modelle seit langem einen guten Ruf. Zahlreiche Bücher widmen sich der Firmengeschichte und der Rolle von Longines bei der Entstehung moderner Industriestandards. Die Marke war mit verschiedenen Gebieten verbunden, die für Fortschritt standen: mit der Luftfahrt, der Sportzeitmessung, der Wissenschaft oder dem Showbusiness. Entsprechend breit ist das Spektrum berühmter Namen, die mit Longines in Verbindung stehen – von Charles Lindbergh und Albert Einstein bis zu Audrey Hepburn und Humphrey Bogart. Vor sieben Jahren entschied die Marke, die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart noch stärker auszubauen. Dafür holte sie den ehemaligen Journalisten Daniel Hug, zuvor bei der «NZZ am Sonntag», als Head of Brand Heritage. Seither hat er kräftig aufs Tempo gedrückt. Sein Team zählt rund zehn Personen. Das Heritage-Departement stützt sich auf mehrere Pfeiler: eine Sammlung von mehr als 400 Uhren; das Museum in Saint-Imier, das jährlich mehrere Tausend Besucher empfängt;Archive und Register, die seit 1832 ohne Unterbruch geführt werden; sowie Ausstellungen und Publikationen. Hinzugekommen ist der sogenannte Collector’s Corner, bisher in Genf und Zürich. Dort präsentiert und verkauft Longines ausgewählte historische Uhren, die dokumentiert und restauriert worden sind. Das Heritage-Team liefert zugleich Ideen für die Produktentwicklung. Ziel ist es, in kleinen Dosen Elemente des früheren Pioniergeists von Longines in die heutigen Kollektionen zu überführen. Dabei werde sehr gezielt ausgewählt, sagt Hug. «Eine Uhr zur Bestimmung des Längengrads etwa ergäbe heute keinen Sinn. Niemand hat zu Hause einen Sextanten.» Anders sieht es beim Flyback-Chronografen aus. Longines liess die sogenannte Rückstellfunktion 1935 patentieren. Fünfzig Jahre nach dem Verschwinden entsprechender Modelle aus dem Sortiment kehrte sie zurück. Dasselbe gilt für die Hochfrequenztechnik, welche die Manufaktur laut Hug bereits seit 1910 beherrschte. Sie wurde unter dem Namen UltraChron wiederbelebt – nach einem Modell, das

Historische Formen und Techniken

1967 lanciert und später eingestellt worden war. Eines ist Hug besonders wichtig: «Das Ziel besteht nicht darin, alte Modelle zu kopieren. Wir wollen ihre zentralen Elemente bewahren und in ein heutiges Design integrieren.» Geschichte also ja – «aber ohne Staub».

Vacheron Constantin: 270 Jahre Stoff für neue Uhren Vacheron Constantin gehört zu den Institutionen der Schweizer Uhrmacherei. Die zum Richemont-

Uhren & Schmuck ist ein Schwerpunkt des Unternehmens NZZ. Diese Beilage wurde von der Redaktion der «Neuen Zürcher Zeitung» konzipiert, die Umsetzung erfolgt bei NZZone durch unseren Dienstleister für journalistisches Storytelling: NZZ Story Lab. Konzept: Andrea Martel (Wirtschaftsredaktorin NZZ). Realisation: Pamela Beltrame. Layout: Sara Sparascio. Verkauf: Gabriela Holenstein. Kontakt: NZZone, c/o Neue Zürcher Zeitung AG, Falkenstrasse 11, CH-8021 Zürich; E-Mail: sales@nzzone.ch. Hinweis: Nicht gekennzeichnete Inhalte sind publizistisch unabhängig entstanden; bei Gastbeiträgen oder Sponsored Content handelt es sich um kommerziell erworbene Inhalte.


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fabrik – oder die Kunst, Uhren zu verwandeln

neuer Modelle und Kollektionen. Sechs Marken zeigen, wie aus Geschichte Produkte werden – gegründete Firma mit Vintage-Design erfolgreich sein kann. unsere Kunden mit unserem Erbe und unserer Geschichte verbunden sind.» Das Problem ist eher die Auswahl. Dutzende historische Modelle kämen grundsätzlich für eine Neuinterpretation infrage. Selmoni achtet deshalb darauf, «sehr sorgfältig auszuwählen». Entscheidend sei, dass eine solche Uhr auch in die heutigen Kollektionen passe.

«Der Samen kommt aus der Vergangenheit. Man muss nur die richtige Menge Wasser dazugeben.» Grégory Kissling, CEO Breguet

Neben diesen Neuinterpretationen gibt es noch die echten historischen Stücke. Unter dem Namen «Les Collectionneurs» bietet Vacheron Constantin Uhren aus der Zeit von 1910 bis 1990 an. Sie werden von der Manufaktur restauriert, zertifiziert und mit Garantie verkauft. Damit schliesst sich der Kreis. Das Angebot, sagt Selmoni, zeige «die Geschichte des Hauses, die Zeitlosigkeit seines Stils und die Fähigkeit unserer Uhren, Jahrzehnte zu überdauern, ohne an Relevanz oder Qualität zu verlieren».

Zenith: Vom Bewahren zum Entwickeln

werden zum Material für Neues – auch bei jungen Marken ohne eigenes Erbe. COLLAGE: SARA SPARASCIO

Konzern gehörende Manufaktur ist seit ihrer Gründung im Jahr 1755 ununterbrochen tätig. Hüter dieser langen Geschichte ist Christian Selmoni, Director Style and Heritage. Seine Aufgabe besteht darin, das historische Erbe sichtbar zu machen und dessen Geist in die heutige Marke einfliessen zu lassen. «Der Begriff des Erbes ist zentral, weil er sowohl die vielfältigen handwerklichen Fähigkeiten als auch die technische Expertise umfasst – und ebenso die stilistischen Elemente, die die Produktidentität unseres Hauses geprägt haben», sagt Selmoni. Das Material, auf das er zurückgreifen kann, ist beträchtlich. «Wir verfügen über einen aussergewöhnlichen Archivbestand, der die gesamte Geschichte von Vacheron Constantin abdeckt und Korrespondenz, Zeichnungen, Pläne, Kataloge und Fotografien sowie sämtliche Produktionsregister umfasst.» Hinzu kommt eine Sammlung von fast 1600 Uhren. Die Aufgabe besteht darin, diesen Schatz lebendig zu halten: auf dem Erbe aufzubauen und

es «in die heutige Welt zu übertragen». Selmoni formuliert es so: «Die Vergangenheit ist nicht erstarrt. Sie ist ein roter Faden, der es uns ermöglicht, uns zeitgemäss auszudrücken und gleichzeitig eine wertvolle und sensible Verbindung zwischen der Gegenwart und unseren Ursprüngen zu bewahren.» Eine Möglichkeit ist die Kommunikation. Das Archiv dient als Quelle für Inhalte, insbesondere für digitale Kanäle. Historische Inhalte seien bei den Kunden besonders gefragt, heisst es bei Vacheron Constantin. Doch das Erbe fliesst auch direkt in die Produkte ein. Paradebeispiel dafür ist die Kollektion Historiques. Sie besteht ausschliesslich aus Modellen, die früheren Kreationen Tribut zollen und deren besonderen technischen oder stilistischen Charakter neu herausarbeiten. Selmoni nennt als Beispiele die Cornes de Vache 1955, die American 1921 oder die 222 von 1977. Die Resonanz der Kunden bestätige die Strategie: «Die Begeisterung für diese Kollektion zeigt, wie stark

Bei Zenith lässt sich am Organigramm ablesen, wie sich die Rolle des historischen Erbes verändert hat: vom Bewahren der Vergangenheit zum Ausgangspunkt für neue Produkte. Ein HeritageDepartement gibt es bereits seit den 1980er-Jahren. Zunächst war es beim Kundendienst angesiedelt, später kam es zum Marketing und seit 2018 gehört es zur Produktentwicklung. Für Romain Marietta, Chief Product Officer der LVMH-Marke, ist das nur logisch: «Wir lassen uns stark von unserem Erbe inspirieren.» Wer neue Uhren entwickle, müsse direkten Zugang zu historischen Stücken und Archiven haben. Der eigentliche Kurswechsel begann laut Marietta 2009 mit Jean-Frédéric Dufour, dem damaligen Zenith-Chef und heutigen CEO von Rolex. Zuvor seien die Designs kaum vom historischen Erbe der Marke beeinflusst gewesen. Unter Dufour habe man begonnen, systematisch in die Archive einzutauchen. «Wir mussten zu unseren Wurzeln zurückkehren und etwas machen, das zu dem passt, wer wir sind und wofür wir stehen.» Material dafür gibt es reichlich. Zenith produziert seit 1865 am selben Standort in Le Locle und besitzt laut Marietta mehr als einen Kilometer an Archivalien: Produktionsbücher, technische Zeichnungen, Geschäftsdokumente und historische Uhren. «Es gibt unglaublich viele Geschichten und Kapitel, die wir neu entdecken und erklären können», sagt Marietta. Dabei gehe es nicht darum, die Vergangenheit einfach zu wiederholen, sondern einzelne Elemente daraus «in etwas Moderneres zu verwandeln». Das beste Beispiel ist zugleich Zeniths berühmtestes Erbe: das 1969 lancierte HochfrequenzChronografenwerk El Primero. Es wird in weiterentwickelter Form bis heute gebaut und hat seine grundlegenden Proportionen bewahrt. Das erlaubt

Zenith, historische Modelle sehr originalgetreu neu aufzulegen – oder ihre Elemente in neue Entwürfe einfliessen zu lassen. «Nicht alle Marken sind für ein Uhrwerk berühmt», sagt Marietta. Dass El Primero nach mehr als einem halben Jahrhundert noch existiere, zeige, wie gut es damals konstruiert worden sei.

Doxa: Rettung aus dem Museum Bei Doxa kam die Wiederentdeckung der eigenen Geschichte spät – für CEO Jan Edöcs fast zu spät. Zwar hatte die Familie Jenny die Marke bereits 1997 übernommen, doch Doxa lief lange nur «auf kleiner Flamme», wie Edöcs sagt: vor allem online und mit einigen Hundert Uhren pro Jahr. Die Marke war unter Sammlern noch bekannt, doch diese wurden immer älter. «Es war der letzte Moment», sagt Edöcs. Sonst wäre Doxa zur «Museumsmarke» geworden: «Ein Museum ist auch schön. Man geht hinein und schaut es an – aber niemand denkt mehr daran, etwas davon zu kaufen.» Mit Edöcs’ Amtsantritt als CEO 2019 begann deshalb ein eigentlicher Neustart. Dabei griff er nicht auf die gesamte, bis 1889 zurückreichende Geschichte der Marke zurück, sondern konzentrierte sich auf deren bekanntestes Erbe: die Taucheruhren. Vor allem die 1967 lancierte SUB mit ihrem markanten kissenförmigen Gehäuse und dem orangefarbenen Zifferblatt bot ein unverwechselbares Fundament. Für Edöcs ist diese Wiedererkennbarkeit ein grosser Vorteil: Eine Doxa erkenne man «auf zehn Meter» am Handgelenk, ohne den Namen auf dem Zifferblatt lesen zu müssen. Beim Revival zog Edöcs daraus eine klare Konsequenz: Doxa sollte sich nicht verbreitern, sondern sich auf diesen Teil seines Erbes fokussieren. «Wir haben von Anfang an gesagt: Doxa bleibt im Wasser. Ja nicht verwässern, ja nicht versuchen, allen zu gefallen.» Pilotenuhren oder Ausflüge in die Autowelt schliesst er kategorisch aus. Doch Wasser hat ebenfalls noch Potenzial: Neben dem Tauchen gehören auch Segeln und Strand dazu.

Furlan Marri: Eine Vergangenheit, die es nie gab Furlan Marri hat ein Problem, das Breguet, Longines oder Zenith nicht kennen: Die Marke wurde erst 2021 gegründet. Ein eigenes historisches Erbe besitzt sie also nicht. Und doch sehen ihre Uhren aus, als hätte es Furlan Marri schon in den 1940er und 1950er Jahren gegeben. Genau das ist Absicht. «Wir wollten es so stimmig wie möglich machen, als hätte die Marke damals schon existiert», sagt Mitgründer Andrea Furlan. Bevor die ersten Uhren entstanden, sprachen er und sein Partner Hamad Al Marri mit Sammlern und Auktionshäusern und studierten historische Chronografen bis ins Detail: Proportionen, Typografie, Drücker, Kronen oder gebogene Zeiger. Furlans eigene Beziehung zu Vintage begann mit der alten Rolex seines Grossvaters, die er als Kind zeichnen durfte. «Da entstand für mich eine Verbindung zwischen dem Produkt und der Person.» Zu diesem Konzept gehören bis heute japanische Mechaquartzwerke von Seiko. Sie erlauben die flachen Proportionen historischer Chronografen und helfen zugleich, die Uhren erschwinglich zu halten. «Wir wollten diese Welt des Vintage und die Details aussergewöhnlicher Sammleruhren möglichst vielen zugänglich machen», sagt Furlan. Der Start geriet spektakulär: Das Finanzierungsziel der Kickstarter-Kampagne war laut Furlan nach 35 Sekunden erreicht; nach 30 Tagen hatten 2032 Unterstützer gut 1,08 Millionen Franken zugesagt. Noch im selben Jahr gewann das Modell Mr. Grey beim Genfer Grand Prix d’Horlogerie den Preis als «Horological Revelation». Am Mechaquartz als günstigem Einstieg will Furlan Marri festhalten. Parallel dazu baut die Marke ihr Angebot mit mechanischen Uhren und eigenen Komplikationen aus. Das historische Vokabular bleibt dabei Ausgangspunkt, soll aber nicht zum Gefängnis werden. «Vintage muss man heute herausfordern», sagt Furlan. «Es ist ein Ausgangspunkt, aber es erlaubt uns auch, futuristischere Uhren zu machen.»


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1. Hublot

2. Mauron Musy

Kunstvoll aufgeblasen

Ohne Gummiring

Jeff Koons ist eine Ikone der Pop-Art. Weltberühmt wurde der amerikanische Künstler unter anderem mit seinen «Balloon»-Skulpturen: Tierfiguren, die wie aus aufgeblasenen Ballons geformt wirken, tatsächlich aber aus hochglanzpoliertem Metall bestehen. Sie überführen die vergänglichen Gebilde von Strassenkünstlern in dauerhafte, begehrte Kunstobjekte. Nun hat Hublot Koons für eine Zusammenarbeit gewonnen. Ein erstes Resultat ist diese höchst originelle Interpretation der Classic Fusion, erhältlich in rot oder blau eloxiertem Aluminium sowie in poliertem Stahl. Gehäuse und Zifferblatt der «Balloon Dog» wirken, als wären sie durch einen zu hohen Innendruck nach aussen gewölbt worden. Die Illusion ist verblüffend: Am Handgelenk entsteht tatsächlich der Eindruck, die Uhr bestehe aus einem weichen, aufgeblasenen Material. Selbst Gehäuseboden und Armband greifen die Wölbungen auf. Limitiert auf je 200 Stück.

2013 gründeten Eric Mauron und Christophe Musy im Kanton Freiburg ihre feinmechanische Werkstatt mit einem ungewöhnlichen Ziel: Sie wollten ein Uhrengehäuse entwickeln, das ohne Dichtungsringe aus Kunststoff wasserdicht ist. «Dichtungsringe bestehen aus einem Material, das altert und regelmässig ersetzt werden muss», sagt Christophe Musy. «Eine Uhr sollte aber ein Leben lang halten.» Die Lösung, die die beiden nach drei Jahren Entwicklungsarbeit präsentierten, prägt das Aussehen ihrer Uhren. Um die gewünschte Dichtigkeit zu erreichen, müssen die Komponenten des Gehäuses und das Saphirglas mit höchster Präzision gefertigt und unter starkem Druck zusammengefügt werden. Vier Klammern halten die Konstruktion zusammen und verleihen dem Gehäuse seine charakteristische Form. Die bis 300 Meter wasserdichte MU05-111 nO-Ring Origin erinnert an das 13-jährige Bestehen des Unternehmens und an zehn Jahre nO-Ring-Technologie. Limitiert auf 13 Exemplare.

20 800 Franken

34 000 Franken

3. Louis Erard

4. Oris

Einst kurz vor dem Untergang, hat sich Louis Erard zu einer Marke entwickelt, die in regelmässigen Abständen für Überraschung sorgt. Unter der Leitung von Manuel Emch entstehen Uhren, die sowohl Sammler als auch Amateure begeistern. Emch, der in der Uhrenindustrie bestens vernetzt ist, schafft es immer wieder, mit ungewöhnlichen Kooperationen zu überraschen. Es gibt davon zwei Arten: die Zusammenarbeit mit Uhrmachern und diejenige mit Handwerkskünstlern. Die jüngste Edition entstand mit dem portugiesischen Künstler Bernardo d’Orey, der mit eingefärbtem Stroh aufwendige Einlegearbeiten erschafft. Für das Zifferblatt dieser Uhr musste er mit winzigen, geometrisch zurechtgeschnittenen Stücken aus Stroh arbeiten, die er zu einem abstrakten Mosaik zusammensetzte und auf die Basis aus Messing aufklebte. Die natürliche Textur der flachgehämmerten Halme sorgt für optische Tiefe und dafür, dass jede Uhr ein Unikat ist. Die Edition ist auf 25 Stück limitiert.

Mit der ProPilot X Gonzo Edition geht Oris in die dritte Runde der Zusammenarbeit mit Disney und den Muppets.Auf Kermit und Miss Piggy folgt der eigensinnige Gonzo mit seinem Erkennungszeichen, der Chilischote. Diese verweist auf dem skelettierten Zifferblatt mit kunterbuntem Farbverlauf auf die verbleibende Gangreserve des Uhrwerks, das bei Vollaufzug zehn Tage lang läuft. «10 GREAT DAYS» steht auf der Skala, eine Anspielung auf Gonzos Künstlernamen «The Great Gonzo». Gonzo selbst hat sich versteckt. Er kommt nur zum Vorschein, wenn man die Uhr komplett aufgezogen hat. Dann liegen die Windungen der 1,8 Meter langen Zugfeder dicht nebeneinander und setzen die auf ihren Kanten eingravierten Fragmente zu Gonzos Gesicht zusammen. Wenn die Sonne scheint, hat die Uhr eine weitere Überraschung parat: Der sonst silberne Zifferblattreif erstrahlt dann dank einer Laserbehandlung in den Farben des Regenbogens.

Wertvolles Stroh

2

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9 10

8500 Franken

6. Gallet

Ungeahnte Tiefen

Eine alte Marke kehrt zurück

Diese Uhr überlebt Tauchgänge, von denen kein Mensch lebend zurückkäme, denn Certina hat ihr Titangehäuse so konstruiert, dass es dem Wasserdruck in 2000 Metern Tiefe, also rund 200 bar, standhält. Während für übliche Taucheruhren 300 Meter der Standard und bereits mehr als genug sind, reizt die neue DS Super PH2000M das Machbare aus. Mit einem Durchmesser von 43 Millimetern und einer Dicke von 16 Millimetern macht diese Uhr den Trend zu kleineren und feineren Uhren nicht mit. Das hat sie auch gar nicht nötig. Mit ihren in unterschiedlichen Farben erhältlichen Zifferblättern ist sie wie gemacht für den Wassersport. Die bei Certina übliche Double-Sécurité-Bauweise wird hier mit dem Kürzel PH ergänzt, das für «Pression Hydrostatique» steht, also für den Wasserdruck, dem das Gehäuse widersteht. Im Inneren tickt ein Powermatic-80-Kaliber mit 80 Stunden Gangautonomie und Nivachron-Spirale, die eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Magnetfeldern bietet.

Georges Kern hat das Markenportfolio rund um Breitling auf drei Namen ausgebaut. Im obersten Preissegment ist Universal Genève angesiedelt, während unter Breitling neu die 1826 gegründete Marke Gallet positioniert ist, die lange ungenutzt vor sich hinschlummerte. «Breitling hat sich mit seiner immer grösseren Fertigungstiefe und den eigenen Kalibern immer weiter vom Einsteigermarkt entfernt. Mit Gallet füllen wir nun diese Lücke», sagte Kern anlässlich der Markeneinführung an den Geneva Watch Days. Die Preise starten bei 2500 Franken. Einige Uhren kosten jedoch etwas mehr, wie diese Tribute to Yachting Big Eye. Sie ist eine Hommage an einen Yachttimer aus den 1960er Jahren. Die farbigen Sektoren im Minutenzähler sind ein Hilfsmittel für den Countdown zum Regattenstart. Alle Uhren von Gallet haben denselben Abstand der Bandanstösse, sodass sämtliche Armbänder der Marke, die auch separat erhältlich sind und ohne Werkzeug gewechselt werden können, an jede Uhr passen.

1235 Franken

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The Muppets, dritter Streich

4500 Franken

5. Certina

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5900 Franken

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FOTOS: PD


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7. Omega

8. Maurice de Mauriac

Mit ovalen Totalisatoren sollte sich die letzte Edition der Speedmaster-38-mmKollektion einst von der Moonwatch emanzipieren. Doch nun hat Omega es sich anders überlegt: Die runden Zähler für kleine Sekunde, Minuten und Stunden sind wieder zurück auf dem Zifferblatt der Uhr, die eine etwas kleinere, automatische Version der berühmten Speedmaster Professional ist. Es gibt sie in sieben Varianten, entweder mit Diamanten oder der berühmten Tachymeterskala auf der Lünette. Die preisgünstigste Variante mit schwarzem Zifferblatt und schwarzer Lünette, die der Moonwatch am ähnlichsten sieht, ist die einzige Variante, die auf ein Datum verzichtet. Alle anderen zeigen das Datum in einem Fenster bei sechs Uhr.

Swiss Tennis feiert dieses Jahr seinen 130. Geburtstag. Das sorgt auch bei der Zürcher Independent-Marke Maurice de Mauriac für Partylaune. Immerhin wurde das von Carlton deWoody gestaltete Modell Rallymaster mit dem Thema Tennis im Hinterkopf entworfen, was sich im Netz äussert, das sich quer über das Zifferblatt spannt. Zur Feier des Geburtstags bringt Maurice de Mauriac eine auf 130 Stück limitierte Sonderausführung der Uhr im Rotton von Swiss Tennis. Die Uhr kommt zusammen mit einem speziellen Tennisball in einer Box mit dem SwissTennis-Logo. Das ebenfalls rot gefärbte Stretch-Armband erinnert an die Armbänder der Tennisspieler. Besonders schön anzusehen ist die Uhr, wenn das Licht ausgeht. Super-LumiNova lässt die Gestaltung des Zifferblatts dann in den Vordergrund treten.

Zurück zu den Wurzeln

3

7

5500 Franken

Tennis zum Geburtstag

2500 Franken

6 9. Mondaine

10. Hermès

Mondaine, die Marke, die das Design der Schweizer Bahnhofsuhr ans Handgelenk brachte, ergänzt ihre DoppioKollektion um eine 33 Millimeter grosse Variante mit roségoldfarbenem Zifferblatt. Feine schwarze Kreismuster erzeugen darauf einen dezenten Moiré-Effekt und verleihen dem Zifferblatt optische Tiefe. Schwarze Indizes und Zeiger sorgen für Kontrast und gute Ablesbarkeit. Typisch für die Doppio sind die doppelt ausgeführten Linien von Zeigern und Indizes, das konkav gewölbte Zifferblatt und das doppelt gewölbte Saphirglas. Das Gehäuse besteht aus poliertem Edelstahl und wird mit einem ebenfalls polierten Milanaiseband aus Stahl kombiniert. Im Innern arbeitet ein Schweizer Quarzwerk, die Uhr ist bis 50 Meter wasserdicht.

Wer, wie Norqain, mit Sportlern wirbt, muss dafür sorgen, dass diese die Uhren auch beim Ausüben ihres Sports tragen können. Was liegt da näher, als die Uhr so leicht zu konstruieren, dass man sie möglichst nicht spürt. Mit dem Modell Wild One Skeleton X-Lite ist eine Art Konzeptuhr entstanden, die an die Grenzen des Machbaren geht und für künftige Entwicklungen wegweisend sein soll. Fast so komplex wie das Uhrwerk ist dabei die Gehäusekonstruktion, die aus über 30 Komponenten besteht, von denen jede eine andere Aufgabe übernimmt. So ruht das Werk beispielsweise in einem zylindrischen Container aus Titan, die Verbindung zum Armband wird mit Elementen aus Kohlenfaser (Norteq) sichergestellt, während Kautschukelemente dazwischen als Stossdämpfer agieren. Das Ganze wird an einem raffinierten zweiteiligen Kautschukband getragen und wiegt lediglich 45 Gramm. Limitiert auf 200 Stück.

Tiefeneffekt in rosé 8

259 Franken

12

9900 Franken

11. Jaeger-LeCoultre

What’s New? Die jüngsten Uhrenneuheiten zeigen, wie breit die Schweizer Branche derzeit aufgestellt ist: Jeff Koons trifft auf Hublot, Gonzo auf Oris, Titoni wagt sich erstmals ans Tourbillon. 12 Modelle zwischen Kunsthandwerk, technischen Extremen und augenzwinkernder Pop-Kultur. Von Timm Delfs und Andrea Martel

Ein Klassiker wird sportlich

12. Titoni

Kleinstkaliber als Schmuck

TourbillonPremiere

Die Manufaktur Jaeger-LeCoultre gehört zu den Uhrenherstellern mit einer besonders grossen Zahl unterschiedlicher Uhrwerke, die noch immer produziert werden. Einige davon sind legendär, etwa das 1929 erstmals vorgestellte Kaliber 101. Mit einem Volumen von nur 0,2 Kubikzentimetern gilt es bis heute als kleinstes rechteckiges mechanisches Uhrwerk der Welt. Der winzige Mechanismus eignet sich besonders für Schmuckuhren, bei denen die Zeitanzeige nicht im Vordergrund steht. Mit der 101 Secrets zeigt die Manufaktur einmal mehr, dass sie nicht nur komplizierte Uhrwerke beherrscht, sondern auch das traditionelle Kunsthandwerk pflegt. Hauseigene Steinfasser besetzen den Armreif mit zahlreichen rosa Saphiren und Brillanten. Besonders raffiniert ist der verborgene Mechanismus, mit dem sich das Zifferblatt zum Vorschein bringen lässt. Im geschlossenen Zustand ist dem Schmuckstück nicht anzusehen, dass sich darin eine Uhr verbirgt. Von dem Modell entstehen lediglich drei Exemplare.

In der Schweiz ist Titoni ausserhalb von Uhrenkreisen erstaunlich wenig bekannt. In China jedoch hat das 1919 gegründete Grenchner Familienunternehmen seit Jahrzehnten einen Namen. Der chinesische Markt ist bis heute der wichtigste für die Marke, doch seit einigen Jahren setzt Titoni verstärkt auch wieder auf Europa. Nun hat das in vierter Generation geführte Unternehmen erstmals ein Tourbillon lanciert. Das neue Handaufzugskaliber T1000 bietet mehr als 100 Stunden Gangreserve und wird in Grenchen von Hand montiert, das 41 Millimeter grosse Gehäuse besteht aus schwarzer Hightech-Keramik. Mit dem Tourbillon erschliesst sich Titoni erstmals eine der prestigeträchtigsten Komplikationen der mechanischen Uhrmacherei und zugleich eine neue Preiskategorie. Das Gros des bisherigen Sortiments bewegt sich preislich im niedrigen vierstelligen Bereich.

Preis auf Anfrage

12 800 Franken


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Freitag, 25. September 2026

Das Comeback der schlafenden Marken Alte Namen, neue Uhren: Die Schweizer Uhrenbranche erweckt vergessene Marken zu neuem Leben. Wie es gelingt. Und warum es oft scheitert.

PIERRE-ANDRÉ SCHMITT

Es war abends um neun Uhr, als zwei junge Männer in ihren klapprigen VWKäfer stiegen, den Zündschlüssel drehten und losfuhren. Startort war das Dorf Le Brassus im Vallée de Joux, das Ziel Hamburg, 1300 Kilometer oder rund 14 Fahrtstunden entfernt. Man schrieb das Jahr 1985, die zwei waren Jean-Claude Biver, der später zu einem der bedeutendsten Uhrenmanager werden sollte, sowie Jacques Piguet, Spross der gleichnamigen berühmten Uhrwerkbauer-Familie. «Wir waren die Hippies der Uhrenbranche», lacht Biver heute. Unkonventionell und voller Tatendrang, das waren sie. Um halb elf Uhr morgens kamen sie an, wuschen sich behelfsmässig in einer Toilette des Hamburger Güterbahnhofs, applizierten einen Spritzer Aftershave, zogen sich um und meldeten sich an ihrer Zieladresse: beim grossen deutschen Uhrenhändler Wempe. Dem wollten sie ihre neuen Uhren namens Blancpain schmackhaft machen. Die eingeschlafene Marke hatten sie ein paar Jahre zuvor für 23 000 Franken gekauft. Wempe griff tatsächlich zu, und fast gleichzeitig gewann Blancpain mit Uhrenhändler Schindler in Zermatt auch einen ersten Kunden in der Schweiz. Die vergessene Marke war zurück im Geschäft.

Geschichte als Wettbewerbsvorteil Sie machte Biver und Piguet zu den Pionieren einer Disziplin, die heute zum grossen Trend geworden ist: Alte, schlafende Marken werden aufgekauft und wiederbelebt. Beispiele gibt es zuhauf: Czapek, Nivada Grenchen, Universal Genève, A. Lange & Söhne, Breguet, DuBois et fils, Angelus, Ferdinand Berthoud, Excelsior Park, Moritz Grossmann, Favre-Leuba und viele mehr. «Man versucht, sich damit von Anfang an Ressourcen wie Image, Geschichte und Legitimität zu sichern, die man sonst erst über Jahre aufbauen müsste», sagt Pierre-Yves Donzé, Uhrenhistoriker und Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Osaka. Und wenn es gelinge, dann werde aus der Geschichte ein klarer Wettbewerbsvorteil, der mit Geld allein kaum zu schaffen gewesen wäre. Biver würde kaum widersprechen. Rund 40 Jahre nach der Hamburger Reise sitzt er zum Gespräch in einem Restaurant am Genfersee und zerteilt genüsslich ein Felchenfilet auf seinem Teller. «Ausser dem Namen gab es von Blancpain damals eigentlich nichts mehr», sagt er, «gar nichts.» Keine Pro-

duktion, keine Maschinen, keine Prospekte, keine Kunden, nichts. Doch da war Bivers neuer, provokativer Werbespruch: «Seit 1735 gibt es bei Blancpain keine Quarzuhren. Es wird auch nie welche geben.» Dazu die Idee, sechs Meisterstücke aufzulegen, jedes mit einer Komplikation der Haute Horlogerie. Und für die erste Uhr hatte man auch ein hübsches Werk zur Hand, das Piguet zuvor an Omega geliefert hatte: das Kaliber 711. «Ein Lehrbeispiel» nennt PierreYves Donzé Bivers Exploit mit Blancpain, einen «cas d’école». Biver habe als Erster verstanden, dass Luxus nicht allein auf einem Produkt beruhe, sondern auch auf Geschichte und Narrativ. Mit Blancpain verkaufte er letztlich die grosse Tradition der Schweizer Uhrmacherei. Allerdings sei das Erfolgsrezept schwieriger zu kopieren, als es scheint. «Viele alte Marken werden wiederbelebt, aber nur wenige schaffen danach eine befriedigende Entwicklung.» Denn mit dem historischen Namen kaufe man auch Verpflichtungen: «Die neuen Uhren müssen glaubwürdig zum Erbe passen.»

«Ausser dem Namen gab es von Blancpain damals eigentlich nichts mehr, gar nichts.» Jean-Claude Biver, CEO von Blancpain von 1982 bis 2002

Unverändert seit 1983: Die Villeret in Platin mit ewigem Kalender, Mondphase und Chronograf trägt noch heute die Formensprache, die BLANCPAIN Jean-Claude Biver der wiederbelebten Blancpain gab.

Wenn das Erbe nicht trägt Mitunter misslingt das. Ebel zum Beispiel, 1999 von der LVMH-Luxusgruppe übernommen, kam trotz illustrer Vergangenheit nicht mehr wirklich auf einen grünen Zweig. Und bei Zenith, ebenfalls von LVMH übernommen, harzte es zunächst unter dem schillernden Manager Thierry Nataf. Statt auf die Marken-DNA setzte er ostentativ auf Glamour. Was nicht reüssierte. Auch Breguet, benannt nach dem wohl genialsten Uhrmacher aller Zeiten, verlor nach einem fulminanten Höhenflug an Schwung. Nach der Übernahme durch die Swatch Group 1999 hatte Nicolas G. Hayek den Umsatz innert weniger Jahre auf schätzungsweise 400 Millionen Franken oder mehr verzehnfacht, danach aber büsste die Marke zunehmend an Strahlkraft ein. Unter neuem Management scheint sie seit rund einem Jahr wieder deutlich Fahrt aufzunehmen. Für die grösste Aufmerksamkeit sorgt derzeit allerdings ein anderes Wiederbelebungsprojekt: Breitling-Chef Georges Kern will mit Universal Genève und Gallet gleich zwei schlafende Marken zurückbringen und wieder begehrlich machen. Bei Universal Genève wandte er sich als eine der ersten Amtshandlungen mit einer überraschenden Bitte an die Sammlergemeinde: «Ich habe ihnen gesagt: Sagt mir nicht, was ich machen soll. Sagt mir lieber, welche Fehler ich

«Sagt mir nicht, was ich machen soll. Sagt mir lieber, welche Fehler ich vermeiden muss.» Georges Kern, CEO House of Brands mit Breitling, Universal Genève und Gallet.

Panda-Zifferblatt, Tachymeterskala, 39,5 Millimeter Durchmesser: Die neuen Compax-Modelle von Universal Genève orientieren sich am legendären «Nina Rindt»-Chronografen der 1960er-Jahre. UNIVERSAL GENÈVE


Freitag, 25. September 2026

Uhren & Schmuck

NZZ-Schwerpunkt

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«Ich wollte die neuen Modelle möglichst nahe an den historischen Originalen sehen.» Guillaume Laidet, CEO Nivada Grenchen

Die Antarctic GMT von Nivada Grenchen ist die Neuauflage eines Modells aus den 1970er Jahren. Braunes Zifferblatt, kissenförmiges NIVADA GRENCHEN Gehäuse, roter GMT-Zeiger und ein 24-Stunden-Ring.

«Es gibt ein Pflichtenheft, das man respektieren muss, sonst scheitert man.» Xavier de Roquemaurel, CEO Czapek & Cie

Auf 38 Exemplare limitiert: Die Promenade Transparencies Aqua Blue von Czapek mit rauchblauen Saphirglas-Zifferblatt gibt den CZAPEK & CIE Blick auf das skelettierte Uhrwerk frei.

vermeiden muss, was ein No-Go ist und was wirklich nicht zur Marke passt.» Der wichtigste Hinweis der Sammler? «Die Grösse», sagt Kern. Man dürfe die Uhren nicht zu gross machen, meinten sie. Das dürfte einen Kern der Sache treffen: Uhren waren früher kleiner als heute, häufig gerade noch 35 Millimeter im Durchmesser. Bläst man das einfach auf 42 Millimeter auf, stimmen die Proportionen oft nicht mehr: Die Kopie wird plump, das historische Original sieht daneben viel besser aus. Georges Kern war zudem eines klar: Universal Genève soll keine Retromarke werden, historische Modelle und Designcodes dürfen nicht zur gestalterischen Fessel ausarten. Kern will im Gegenteil «die ganze Breite der Marke» zeigen. Und Universal Genève «als grosse eigenständige Marke unter den fünf führenden High-End-Uhrenmarken der Schweiz etablieren». Gallet wiederum, deren Modelle vor kurzem präsentiert wurden, wird als Schwestermarke preislich unterhalb von Breitling positioniert. Dabei könne die wiederbelebte Marke, die mit «manufactured by Breitling» gekennzeichnet ist, vom Start weg auf die Produktions- und Managementkompetenz von Breitling zurückgreifen, sagt Kern. Gallet-Uhren wird man auch in Breitling-Boutiquen kaufen können. Universal Genève hingegen ging als eigenständige Marke mit eigener Distribution an den Start.

Die Geschichte als Beschleuniger

FOTOS: PD

«Wir wollen die alten Dinge, die noch existieren, in neuen Uhren wieder einsetzen.» Thomas Steinemann, CEO DuBois et fils

Eine DuBois et fils der Moïse-DuBois-Linie, angetrieben von einem Felsa-Automatikkaliber aus den 1960er-Jahren. Alte Kaliber sind DUBOIS ET FILS heute die Raison d’être der Marke aus Le Locle.

Einer, der die Renaissance einer verschwundenen Marke clever und mit Bravour geschafft hat, ist Xavier de Roquemaurel. Und zwar mit Czapek, einer Marke, die auf François Czapek zurückgeht, den ersten Geschäftspartner von Patek-Philippe-Gründer Antoine Norbert de Patek. «Am Anfang kann die Geschichte einengend sein», sagt er. «Es gibt ein Pflichtenheft, das man respektieren muss, sonst scheitert man.» Gelinge es aber, entstehe ein Hebeleffekt: «Die Geschichte wird zum Beschleuniger.» Innert zehn Jahren stieg der Verkauf bei Czapek gemäss Mitgründer und CEO de Roquemaurel von null auf rund 1000 Stück pro Jahr. Und mit dem Modell Antarctique gelang der Schritt in eine entscheidende zweite Phase: Zuvor stand bei den Uhren die historische Anmutung im Vordergrund, mit der Antarctique emanzipierte sich Czapek von der Vergangenheit und schuf einen modernen Sport-Chic-Klassiker mit historischer Aura. Genau das war entscheidend, glaubt man dem Experten Donzé: Bei einer wiederbelebten Marke gelte es, die Sammler zunächst mit dem historischen

Erbe zu gewinnen und sich später davon zu lösen: «Zuerst muss man sie verführen, dann muss man sie überraschen.» Manchmal gelingt es, manchmal nicht, wie Guillaume Laidet erfahren musste. Laidet ist ein Nerd, VintageSammler und Wiederbeleber gleich mehrerer alter Marken. «Ich wollte die neuen Modelle möglichst nahe an den historischen Originalen sehen», sagt er. Und so machte er sich an die Renaissance von Nivada Grenchen, Vulcain und Excelsior Park. Nivada Grenchen geriet zur Erfolgsgeschichte, bei Excelsior Park hingegen reüssierte Laidet trotz grosser Vergangenheit nicht. Der Grund: Nivada habe noch eine aktive Fangemeinde und ein reiches Reservoir historischer Modelle gehabt, sagt der Unternehmer, Excelsior Park weit weniger: «Es gab viel weniger Fans, und die Marke war weniger bekannt.» Heute verkaufe Nivada über 10 000 Uhren jährlich und kratze umsatzmässig an der 10-Millionen-FrankenGrenze. Auch Vulcain komme voran: Seit Laidets Einstieg stieg der Umsatz von null auf mehr als drei Millionen. Nun soll die legendäre Weckeruhr Cricket mit neuem Werk und neuem Design den Sprung über die reine Re-Edition hinaus schaffen.

Ein Schatz in Tausenden Schachteln Manchmal schlummert die Vergangenheit nicht im Archiv. Sondern in Tausenden kleiner Schachteln. Unternehmer Thomas Steinemann, der die Rechte an der kaum mehr existierenden Marke DuBois et fils erworben hatte, stiess in Bettlach bei Grenchen auf einen unglaublichen Schatz: Tausende Uhrwerke und Millionen Teile, die ein älterer Uhrmacher gehortet hatte. Steinemann witterte die grosse Chance, kaufte den Fundus und machte ihn zur Raison d’être seiner Marke. Andere Marken mögen ihre Identität vorab aus einem ikonischen Modell schöpfen, DuBois et fils hat ihr Profil anders geschärft: Sie ist heute «die alte Marke mit den alten Werken». «Wir verstehen uns als Kurator», sagt Thomas Steinemann. «Wir wollen die alten Dinge, die noch existieren, erhalten und in neuen Uhren wieder einsetzen.» Zum Beispiel das Felsa-Kaliber aus der legendären Bidynator-Familie, dessen Rotor das Werk in beiden Drehrichtungen aufziehen konnte. Dass das Renaissance-Abenteuer trotz solcher Kaliber kein Spaziergang ist, weiss Thomas Steinemann allerdings auch: «Die Tatsache, eine alte Marke zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Leute einem die Uhren aus den Händen reissen.»


Uhren & Schmuck

10 NZZ-Schwerpunkt

Freitag, 25. September 2026

Die Rückkehr der Mythen

Indiens Pracht Ein Smaragd von 30,33 Karat, umgeben von geschnitzten Blüten und Blättern: Mit dem Collier «Tutti Kanya» führt Cartier eine Geschichte fort, die vor rund hundert Jahren in Indien begann. Nach einer Indienreise von Jacques Cartier nahm das Haus in den 1920er-Jahren gravierte und geschnitzte Smaragde, Rubine und Saphire in seine Entwürfe auf. Nach indischer Tradition wurden die Steine unter anderem zu Cabochons sowie glatten oder geriffelten Kugeln geschliffen. Indische Schmuckkunst traf auf Pariser Art déco. Daraus entstand der «Tutti Frutti»-Stil mit seinen Blättern, Knospen, Blüten und Beeren. «Tutti Kanya», eines der Hauptstücke der Kollektion «Le Chœur des Pierres», greift diese Tradition auf. Neben dem sambischen Smaragd leuchten ein Rubin aus Mosambik von 8,05 Karat und ein Ceylon-Saphir von 8,46 Karat. Geschnitzte Rubine, Saphire und Smaragde wachsen ringsum zu Blüten und Blättern. Das Collier ist wandelbar: Das zentrale Motiv lässt sich abnehmen und als Brosche tragen; die Rubin-Quaste kann vorne oder hinten positioniert werden. Das auf der Rückseite der Halskette eingearbeitete Motiv des «Baums des Lebens» greift die seit lanFrutti»-Stücken von gem mit den «Tutti Frutti»-Stücken Cartier verbundene Blumen Blumensymbolik symbolik bewusst auf.

Pharaonen, Talismane, Maharadschas: Die Haute Joaillerie greift tief in den Fundus der Kulturgeschichte. Sechs Schmuckstücke zeigen, wie alte Symbole und Mythen in Gold und Edelsteinen eine neue Gestalt annehmen. SOPHIE ABRIAT

Schmuck war nie bloss Zierde. Er schützte als Amulett, zeigte Macht und Rang, diente den Menschen als Opfergabe, Grabbeigabe oder Talisman. Schon in der Antike erzählten Schmuckstücke von Göttern und Mythen. Sie sollten Unheil abwehren, Nähe zum Übersinnlichen schaffen und begleiteten Menschen durch Rituale – im Leben wie im Tod.

Die Haute Joaillerie entdeckt dieses Erbe neu. Sie schöpft aus alten Kulturen, Symbolen und Gründungsmythen und verwandelt sie in Schmuck für die Moderne. Diese Saison reicht der Blick vom alten Ägypten über das Indien der Mogulzeit bis zu astrologischen Zeichen und einer Natur, die ins Übernatürliche wächst. Sechs Schmuckstücke erzählen diese alten Bilder in Gold und Edelsteinen weiter.

Was tun, wenn der Grossteil des Vermögens in der Firma gebunden ist?

Cartier, Collier «Tutti Kanya», Kollektion «Le Chœur des Pierres»

Mit individueller Beratung das Geschäftsund das Privatvermögen strukturieren

Van Cleef & Arpels, Armband «Paysage royal», Kollektion «Fascinations d’Égypte»

Für ein starkes Unternehmertum

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Schätze Ägyptens

ubs.com/unternehmertum

Tutanchamuns Grab war kaum entdeckt, da erfasste Europa das Ägyptenfieber. Nach Howard Carters Fund im Tal der Könige 1922 tauchten Gold, Pharaonen und altägyptische Symbole bald in Kunst, Mode und Schmuck auf. Auch Van Cleef & Arpels liess sich davon anregen. Bereits 1923 und 1924 entstanden Schmuckstücke mit ägyptischen Motiven; rund zehn davon bewahrt das Haus bis heute in seiner historischen Sammlung. Ein Jahrhundert später knüpft die Kollektion «Fascinations d’Égypte»

daran an. Das flexible Armband «Paysage royal» ist mit einer ägyptisch anmutenden Landschaft verziert, die sich um das Handgelenk legt. Graviertes, gehämmertes, poliertes und kanneliertes Gold trifft auf Rubine, Smaragde, blaue und rosa Saphire, Onyxe und Diamanten. Die Steine wurden nach fein abgestuften Farbtönen ausgewählt und teils eigens neu geschliffen. Die facettierten und gewölbt geschliffenen Steine wurden so gefasst, dass das Metall darunter nahezu verschwindet. Das Ergebnis erinnert an ein Mikromosaik.


Uhren & Schmuck

Freitag, 25. September 2026

NZZ-Schwerpunkt

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Der Löwe als Talisman Sterne, Kamelien, Sonnen: Gabrielle Chanel umgab sich mit Glückszeichen. Das persönlichste war der Löwe. Am 19. August 1883 im Sternzeichen Löwe geboren, machte sie das Tier zu ihrem Talisman. Löwenfiguren standen auch in ihrer Wohnung an der Rue Cambon. Seit 2012 gehört der Löwe zum Repertoire der Haute Joaillerie von Chanel. In der Kollektion «Signes & Symboles» erscheint er als

Sinnbild für Kraft, Souveränität und Schutz. Die Brosche «Lion Emblématique» zeigt einen mit Diamanten besetzten Löwenkopf, dessen Mähne aus Rubinen, Saphiren, Türkisen und Smaragden besteht. Unter dem Kopf pendelt ein Rubin im Baguetteschliff von 2,68 Karat. Umfasst wird die ganze Komposition von einer Kordel aus Gelbgold. Die Brosche lässt sich auch als Anhänger tragen.

Mensch als Motiv Bei Boucheron wird der Mensch zum Motiv. Für «Human Being» entwarf Kreativdirektorin Claire Choisne fünf Schmuckensembles mit derselben Silhouette und gab jedem einen eigenen Charakter. Materialien, Techniken und Farben wechseln, die Grundform bleibt. Sie steht für das Gemeinsame, die Ausführung für das Individuelle. Besonders aufwendig ist das Collier «Flower». Auf dem Rosenquarz sitzt eine Blüte aus Diamanten, umgeben von floralen Motiven. Eine spezialisierte Künstlerin malte sie von Hand auf den Stein, Blüte für Blüte, unter einem Binokular. Dabei musste sie jedes Motiv auf den einzelnen Rosenquarzelementen identisch wiedergeben. Für das Collier waren insgesamt 3290 Arbeitsstunden nötig. Mit seinen üppigen Formen erinnert «Flower» zugleich an Boucherons lange Verbindung zu Indien und an den prachtvollen Schmuck der Maharadschas.

Chanel, Brosche «Lion Emblématique», Kollektion «Signes & Symboles»

Ein Garten aus Edelsteinen Bei Dior beginnt der Mythos im Garten. Für die Kollektion «Diorissima» erschafft Victoire de Castellane, Kreativdirektorin von Dior Joaillerie, eine Welt aus mystischen Pflanzen, Meeresformen und Himmelserscheinungen. Kleeblätter und Glyzinien treffen dort auf Korallen, Sonne und Finsternis. Darin klingt Christian Diors eigene Welt an: seine Leidenschaft für Gärten sowie seine Faszination für Aberglauben, Glückszeichen und vermeintliche Zeichen des Schicksals. Bei de Castellane

wird die Natur jedoch nicht nur nachgebildet, sondern ins Leuchtende, Üppige, beinahe Unwirkliche gesteigert. In den Ohrringen der Kollektion «Diorissima» wachsen Diamanten, rosa Saphire sowie Spessartin- und MalayaGranate zu einer Blüte um ein leuchtend gelbes Zentrum. Pudriges Rosa geht in Orange und Gelb über und erzeugt so die Tiefe der einzelnen Blütenblätter. Für Victoire de Castellane seien ihre Schmuckstücke «kleine lebendige Geschöpfe», die einen idyllischen Garten bewohnen.

Boucheron, Collier «Flower», Kollektion «Human Being»

Der eigene Mythos Dior, Ohrringe, Kollektion «Diorissima»

Louis Vuitton erzählt nicht einfach einen alten Mythos neu, sondern erfindet seine eigene Geschichte. Die Heldin darin besteht Prüfungen, entschlüsselt Geheimnisse, verwandelt sich und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand. Die 110 Schmuckstücke der Kollektion «Mythica» verteilen sich auf elf Themen. Sie markieren Statio Stationen nen der Reise: Erobe-

rung, Schutz, Entschlossenheit, Intuition. Am Ende wartet der Triumph. Letzteres zeigt das Collier «Fortune». Mehr als 4700 Pavé-Diamanten, deren Farbe von einem leuchtenden, lebhaften Orangegelb bis hin zu Weiss reicht, bedecken die Konstruktion aus Gelb- und Weissgold. Mittig thront ein 5,12 Karat schwerer Diamant im LVMonogram-Star-Schliff.

Louis Vuitton, Collier «Fortune», Kollektion «Mythica»

FOTOS: PD


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