BON VOYAGE Die Sehnsucht nach Stille
SCHWERPUNKT | NZZ AM SONNTAG, 6. SEPTEMBER 2026
Auf der Privatinsel Zannier Île de Bendor verschmilzt zeitlose Eleganz mit mediterraner Gelassenheit. (Bild: DePasquale + Maffini)
CH-8021 Zürich • Telefon +41 44 258 16 98 • nzzone.ch
PORTUGAL
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Das Inklusivpaket
Flussreise auf der Miguel Torga Vollpension an Bord ● Flüge mit Swiss Zürich–Porto–Zürich ● Porto: Petiscos im Altstadt-Restaurant, Rabelo-Bootstransfer zum Schiff ● Weingutbesuch & Dinner auf der Quinta da Pacheca ● Exklusivkonzert im Börsenpalast; Porto ● CO₂-Klimaschutzbeitrag Stiftung Myclimate ● Gepäckservice am Hafen, WiFi an Bord ● Mittelthurgau-Reiseleitung ●
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Tag 2 Porto ˃ Leverinho Panoramarundfahrt* durch die schöne Hafenstadt. Nachmittags Quinta de Aveleda und Vinho Verde (CHF 45). Tag 3 Guimarães ˃ Régua Ausflug nach Guimarães*. Oder entdecken Sie das elegante Aveiro (CHF 45). Abendessen auf der Quinta da Pacheca bei Lamego. Tag 4 Régua ˃ Barca d’Alva Weinbau-Tradition im Douro-Museum* oder Wein- und Olivenöldegustation in der Quinta do Portal (CHF 70).
Tag 5 Barca d’Alva Tagesausflug nach Salamanca mit Mittagessen (CHF 98) oder ohne (CHF 65). Alternativ Ausflug in den Naturpark Douro Internacional (CHF 65). Tag 6 Barca d’Alva ˃ Pinhão Fahrt ins historische Castelo Rodrigo (CHF 45). Oder besuchen Sie Torre de Moncorvo (CHF 40). Tag 7 Pinhão ˃ Porto Ausflug nach Lamego*. Am Abend erleben Sie exklusiv ein Konzert im Börsenpalast von Porto. Tag 8 Porto ˃ Zürich Rückflug in die Schweiz. *Ausflugspaket
mittelthurgau.ch | 071 626 85 85 Reisebüro Mittelthurgau, Oberfeldstrasse 19, CH-8570 Weinfelden
Ihre Route
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Das Licht am Douro strahlt durch die riesigen Panoramafenster. Die warmen Hölzer, die frischen Farben des Interieurs und die familiäre Atmosphäre schaffen Wohlgefühl an Bord. Die Kabinen verfügen über 2 getrennte Betten, die nach Bedarf zusammengestellt werden können. Dusche/WC, Föhn, TV, Safe, mit 2 kleineren Fenstern auf dem Hauptdeck und frz. Balkon auf Mittel- und Oberdeck. Rezeption, Lounge, Bar, Restaurant.
Tag 1 Zürich ˃ Porto Flug nach Porto. Im alten Viertel Ribeira kosten Sie die typischen Petiscos. Überfahrt im Rabelo-Boot zur Miguel Torga.
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Miguel Torga
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Die Flussufer des Douro sind von umwerfender Schönheit. In unzähligen Windungen fliesst er durch den Norden Portugals, bis er in Porto das Meer erreicht. An den Rebterrassen gedeihen beste Tropfen und der berühmte Portwein.
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Porto und das Douro-Tal – für Kulturfreunde & Geniesser
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SCHWERPUNKT BON VOYAGE
NZZ AM SONNTAG
PD
EDITORIAL
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Ruhe finden in der Natur
Mitten drin und aussen vor
V
ielleicht liegt es am Älterwerden. Vielleicht auch daran, dass die Welt tatsächlich immer lauter wird. Fest steht: Die Sehnsucht nach Stille wächst, nach Orten, an denen man zur Ruhe kommt. Nicht nur akustisch. Auch optisch, im Sinne von Schönheit: unberührte Natur, eine Landschaft, die den Atem fliessen lässt, kluge Architektur, durchdachtes Design und nichts, was das Auge stört. In dieser Ausgabe von «Bon Voyage» haben wir solche Orte aufgespürt. Wir sind bewusst in Europa geblieben und von Malta bis zu den Färöer-Inseln, von der Côte d’Azur bis nach Schottland auf Hotels gestossen, die einem Momente der Stille schenken. Am eindrücklichsten wird diese Sehnsucht dort spürbar, wo Natur, Architektur und Kunst zusammenfinden, und zwar auf eine Art, die weit über das gängige Verständnis von Luxus hinausgeht. Es geht nicht um sterile Perfektion, die viele Hotels heute austauschbar macht. Es geht um Orte, die etwas mit einem machen, eine eigene Geschichte erzählen und einen eigenen Charakter haben. Ein Paradebeispiel dafür sind die Projekte des Schweizer Galeristenpaars Manuela und Iwan Wirth. Im idyllischen Somerset, in den rauen schottischen Highlands oder auf der winzigen Hafeninsel Illa del Rei vor Menorca verwandeln sie historische, teils vergessene Gebäudeensembles nicht einfach in Hotels. Sie hauchen ihnen als Gesamtkunstwerke neues Leben ein. Eine ähnliche Magie entfaltet sich in Südfrankreich. Drei ikonische Häuser sind dort nach aufwendiger Renovation neu erwacht: das legendenumwobene Grand Hôtel Nord-Pinus in Arles, das zauberhafte Inselrefugium Zannier Île de Bendor und das Hôtel Le Provençal auf der Halbinsel Giens. Hier zeigt sich: Schönheit steckt im Detail und im Material. Rauer Naturstein, dunkles Holz, natürliche Materialien, sonnenwarme Ockertöne: Wenn all das mit der mediterranen Landschaft verschmilzt, entsteht ein Gefühl von Geborgenheit. Solche Häuser lehren uns etwas über das Reisen von heute: Die eigentlichen Entdeckungen liegen oft in der Entschleunigung. Wenn der Alltagslärm verstummt und man sich von einer sinnlichen Ästhetik und von wilder Natur umgeben weiss, stellt sich die innere Ruhe praktisch wie von selbst ein. Wir laden Sie ein, sich auf diese Reise mitnehmen zu lassen.
Christina Hubbeling, verantwortlich für diese Beilage
IMPRESSUM
Historische Eleganz aus dem 10. Jahrhundert: Das Hotel Castello di Reschio zeugt von modernem Luxus inmitten der umbrischen Hügel.
Das Meer ist weit weg, dafür lockt Umbrien mit sanft gewellten Landschaften, verwunschenen Dörfern und spektakulären Aussichten. Das grüne Herz Italiens ist auf wundersame Weise unberührt, unbekannt und geheimnisvoll geblieben. Von Patricia Engelhorn
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s sei jetzt angenehm ruhig, sagt Martina Angeli. Im Herbst und im Winter, wenn die Hochsaison vorbei ist, kommen nur echte Fans und Kenner nach Umbrien. Menschen, die wissen, dass es frisch gepresstes Olivenöl gibt, dichten Morgennebel, der meist einem sonnigen Tag weicht, und nur wenige Touristen. Martina hat jetzt Zeit für ein Schwätzchen mit ihren Kunden. Sie steht hinter dem Tresen in ihrer holzgetäfelten Bottega del Bove und erklärt sachkundig die Unterschiede der verschiedenen Rotweine oder die Eigenschaften des Pecorino-Käses. Montefalco ist für Wein und Öl bekannt. Aber auch für seine Schönheit. Das 5250-Einwohner-Dorf ist einer jener Bilderbuchorte, die zur italienischen Vereinigung «I borghi più belli d’Italia» gehören. An der autofreien Hauptgasse reihen sich charmante Läden und gemütliche Lokale Tür an Tür. Bei Tessitura Pardi gibt es fein gewobene Tisch- und Bettwäsche, im Caffè del Corso wird der Aperitif getrunken und im Ristorante Castel Petroso stehen Tagliatelle mit Wildschwein-Ragù und Kalbsfilet an Sagrantino-Weinsauce auf der Tages-
karte. Der Corso führt schnurgerade und steil nach oben bis zur fast runden Piazza del Popolo mit gut erhaltenen aristokratischen Palazzi und netten Terrassenlokalen.
Schön anstrengend In den labyrinthischen Nebengassen taucht man hingegen in eine stille Welt aus rauem Naturstein, verschlossenen Wohnhäusern und scheuen Katzen ein. Die Stadtmauer und die Türme zeugen von einer Vergangenheit als befestigte Burg – eine von vielen, die auf den Hügelkuppen Umbriens thronen und das streitbare Naturell ihrer einstigen Bewohner offenbaren. Auch das malerische Dorf Spello, das berühmte Pilgerstädtchen Assisi oder die von einer beeindruckenden Mischung aus römischer, mittelalterlicher und Renaissancearchitektur geprägte Stadt Todi kleben auf Erhebungen und bieten eine Aussicht, die früher überlebenswichtig war und heute einfach nur schön ist. Die Bewohner von Umbriens Hauptstadt Perugia sehen das ein wenig anders. «Schön, ja», lautet der gängige Kommentar, «aber auch schön anstrengend.» Zwischen Bahnhof und
Altstadt liegt ein Höhenunterschied von gut 150 Metern. Laufen und Koffertragen ist da keine Option. Zum Glück gibt es Rolltreppen, Lifte und eine Minimetro, die fast im Minutentakt hinauf- und hinunterfahren. Wer das Glück hat, im Centro Storico zu wohnen, bleibt zumeist einfach dort. In den Renaissancepalästen am zentralen Corso Vannucci befinden sich die Boutiquen von Max Mara und Luisa Spagnoli, in der Gioielleria Forghieri gibt es wertvolles Tafelsilber sowie Juwelen von Buccellati und Fabergé und im Caffè Sandri wird die hauseigene heisse Schokolade zwischen holzvertäfelten Wänden und unter einer gewölbten, mit Fresken bedeckten Decke serviert. Schokolade gibt es gefühlt an jeder Ecke – Perugia gilt als Italiens Schokoladenhochburg. Weltweit bekannt sind die Baci Perugina, kaum bekannt ist bislang die Città del Cioccolato, ein neues Erlebnismuseum, in dem sich alles um Kakao dreht.
Kunst im Palazzo Kunstfreunde kommen in Umbriens Nationalgalerie auf ihre Kosten. Sie bespielt die oberen Etagen des impo-
santen Palazzo dei Priori und zeigt in rund 40 Sälen eine der reichhaltigsten Kunstsammlungen Italiens mit Meisterwerken von Perugino, Fra Angelico und Piero della Francesca. Auf der gegenüberliegenden Seite der Piazza steht der Dom von Perugia, dessen Fassade aus rosafarbenem und weissem Marmor unvollendet geblieben ist. Den überraschend hellen Innenraum der Kathedrale kann man kostenlos und ohne anzustehen besichtigen. Danach setzt man sich zwischen die vielen Studenten des Universitätsstädtchens auf die breiten Domtreppen oder auf die Terrasse des hübschen Caffè Turan gleich daneben. Vom Domplatz aus ist es nur ein kurzer Spaziergang bis zur entweihten Franziskanerkirche San Francesco delle Donne aus dem 13. Jahrhundert. Hier arbeiten die vier Weberinnen des Laboratorio Giuditta Bronzetti an historischen Webstühlen und halten damit die archaischen Holzgeräte und die antiken Techniken am Leben. «Dies ist eine der letzten handwerklich arbeitenden Webereien Italiens», erzählt Inhaberin Marta Cucchia, «meine Urgrossmutter hat sie vor über
«Bon Voyage» ist ein Schwerpunkt des Unternehmens NZZ. Beilagen werden nicht von der Redaktion produziert, sondern bei NZZone von unserem Dienstleister für journalistisches Storytelling: NZZ Story Lab. Konzept und Produktion: Christina Hubbeling. Layout: Armin Apadana. Verkauf: Nathalie Sačer. Kontakt: NZZone, c/o Neue Zürcher Zeitung AG, Falkenstrasse 11, 8021 Zürich, +41 44 258 16 98, sales@nzzone.ch. Hinweis: Nicht gekennzeichnete Inhalte sind publizistisch unabhängig entstanden; bei Gastbeiträgen oder Sponsored Content handelt es sich um kommerziell erworbene Inhalte.
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SCHWERPUNKT BON VOYAGE
6. September 2026
PATRICIA ENGELHORN
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In der alten Kirche San Francesco delle Donne arbeiten heute die Weberinnen des Laboratorio Giuditta Bronzetti an historischen Webstühlen.
Fortsetzung von Seite 3
100 Jahren gegründet, ich bin die vierte Generation.» Umbrien ist die Region mit der ältesten Textiltradition Italiens. In fast jedem Haushalt stand früher ein Webstuhl und jedes Dorf hatte seinen eigenen Stil. Perugia war berühmt für blau-weiss gemusterte Stoffe, die «Pannili alla Peroscina», die auf Kunstwerken von Giotto, Ghirlandaio und Leonardo da Vinci verewigt sind. «Natürlich ist es uns ein Anliegen, die alten Motive zu erhalten», sagt die Innenarchitektin Marta Cucchia, «aber wir erfinden auch gerne Neues.» Etwa schön gemusterte Handtaschen mit einem Bambusgriff wie bei Hermès. Oder bunt gestreifte Kissenbezüge, Tischdecken und Schals. «Dass in dieser Region so viel gewoben wurde, hat einen einfachen Grund: Armut», sagt Brunello Cucinelli. Der international bekannte Modeschöpfer stammt selbst aus einer einfachen Bauernfamilie – und natürlich stand auch bei ihm ein Webstuhl im Haus. Seine Tante brachte ihm das Handwerk bei. Seine ersten Pullover waren der bescheidene Versuch, Luciano Benetton zu imitieren. Heute ist Brunello Cucinelli das wohl bekannteste Aushängeschild Umbriens und der Ort, an dem seine luxuriösen Cashmerekreationen entstehen, ist eine Sehenswürdigkeit. Solomeo thront selbstverständlich auch auf einem Hügel. Schon im 14. Jahrhundert gab es hier eine Kirche, eine honigfarbene Burg und ein gutes Dutzend Wohnhäuser. Man lebte beschaulich, viele 100 Jahre lang. «Noch in den 1960er Jahren war
dies ein lebendiges Dorf. Ich erinnere mich daran, wie die älteren Bewohner vor ihren Häusern sassen und mit ihren Stühlen dem Schatten nachrückten», erzählt Brunello Cucinellis Ehefrau Federica. Sie ist in Solomeo aufgewachsen. Ihre Familie blieb auch, als die Landflucht begann, die Bevölkerung schrumpfte und Anfang der 1970er Jahre nur noch 250 Menschen im Dorf lebten.
Bekannter Mäzen 1985 kauft Brunello Cucinelli die Burg, einen herrschaftlichen Palazzo aus dem 17. Jahrhundert, sowie acht verlassene Häuser, die damals eher Ruinen als Gebäude waren. Fast drei Jahrzehnte lang restauriert er den Ortskern, lässt die Strassen neu pflastern und baut ein Theater im Renaissancestil mit 240 Plätzen und einer vorgelagerten Freilichtarena, in der jeden Sommer ein klassisches Musikfestival stattfindet. Solomeo wird zur mittelalterlichen Zentrale eines expandierenden Modeimperiums und zum Ziel kultivierter Reisender mit einer Vorliebe für Cashmere. «Ich wollte meinem Umbrien etwas Würde geben», sagt der Modeunternehmer, der sich seit Langem intensiv mit Philosophie und Ästhetik beschäftigt und den sogenannten humanistischen Kapitalismus vertritt, «nichts ist für immer, aber wir sollten versuchen, unsere Sache gut zu machen und etwas Schönes zu hinterlassen.» Solomeo hat Glück gehabt. Das nahe gelegene Panicale auch. An einem sonnigen Samstagmorgen sitzt dort das halbe Dorf auf der winzigen Piazza Umberto I. bei Wein und Torta, eine Art Sandwich und eine lokale Spezialität.
Die Terrassentische der beiden sich gegenüberstehenden Cafés sind fast alle besetzt. Um sie herum befindet sich, was der Ort sonst noch zu bieten hat: drei Restaurants, ein Geschäft mit Keramiken, Cashmereschals und Krimskrams, und der Dorfbasar, in dem man T-Shirts, Zeitungen und Briefmarken kaufen kann. Auch Panicale wurde knapp vor dem Aussterben gerettet, aber nicht von einem Italiener mit humanistischen Visionen, sondern von einer bunt zusammengewürfelten multikulturellen Community, die das friedliche Dorfleben und die zutiefst landwirtschaftlich geprägte Umgebung liebt. «Meine Eltern haben diesen zauberhaften Ort vor rund 30 Jahren eher zufällig entdeckt und sich in ihn verliebt», erzählt Christiane Wassmann, «sie erwarben ein altes Bauernhaus, legten einen Gemüsegarten an und kümmerten sich um die 2000 Olivenbäume, die auf ihrem Land standen.» Christiane und ihre charismatische Mutter Elida Wassmann brachten Leben ins Dorf. Verwandte, Freunde und Freunde der Freunde kamen erst nur kurz zu Besuch, dann auch für länger. Jeder kennt jeden und selbst die Ältesten unter den Einheimischen haben sich an die Fremden gewöhnt, die sich so mühelos ins Dorfleben eingliedern und immer dort einspringen, wo Not am Mann ist. Sie übernahmen das kleine Dorflädeli, in dem es frisches Brot, Obst und Gemüse, Putzmittel, WC-Papier und andere nützliche Dinge gibt, aber niemanden, der sie der betagten Besitzerin abnehmen wollte. Sie kümmerten sich um diverse renovierungsbedürftige Gebäude und um die Olivenernte in den Feldern rund um Panicale.
Perugia besticht mit mittelalterlicher Architektur, lebendigen Gassen
Im Jahr 2020 eröffneten die Wassmanns das schicke Rastrello Boutique Hotel in einer 500 Jahre alten Renaissancevilla im historischen Dorfkern. Seitdem gibt es eine Alternative zu den abendlichen Treffen auf der Piazza: Die Jazz-Aperitivi im Hotelgarten gelten als Place to be und auch das Restaurant des Hauses ist beliebt. Für Gäste stehen 16 Zimmer und drei Apartments bereit, alle mit Holzböden, von dicken Balken getragenen Decken, bequemen Betten und schönster Aussicht auf den Lago di Trasimeno. Der Lago di Trasimeno ist der viertgrösste See Italiens und wird gemeinhin etwas unterschätzt. Hier gibt es keine Wasserparks, keine Hollywoodvillen, keine Partyszene, keinen Glamour – obwohl Stars wie George Lucas, Colin Firth und Ed Sheeran ganz in der Nähe Häuser besitzen. Dafür punktet der See mit viel Natur, drei Inseln, einer jahrtausendealten Fischereikultur und den idyllischen Küstenorten Castiglione del Lago und Passignano, deren hübsche Läden, gute Trattorien und beschauliche Badebuchten für einen recht ordentlichen Sommertourismus sorgen. Denn Umbrien ist touristisch gesehen immer noch ein fast weisser Fleck auf der Landkarte. Abgesehen von den beiden auch international bekannten Highlights Umbria Jazz in Perugia sowie der Musik-, Kunst- und Theaterveranstaltung Festival dei Due Mondi in Spoleto gibt es kaum massentaugliche Attraktionen. Auch die etwas holprige Anbindung mit Autobahn, Schienennetz und Flughäfen ist nicht besonders besucherfreundlich. Stattdessen winden sich schmale, kurvenreiche Strassen durch üppig grüne Hügellandschaften
mit trutzigen Burgen, Bauernhäusern und Bergdörfern. Olivenhaine wechseln sich mit Weinbergen und Getreidefeldern ab. Die Region gilt als ein wenig rau, die Bewohner als etwas verschlossen, man vermisst ein bisschen das Dolce-Vita-Gefühl.
Im Castello di Reschio «Macht nichts», sagt Graf Benedikt Bolza, «wir sind zufrieden mit dem, was wir haben.» Kein Wunder, was er hat, ist schwer zu übertreffen: ein 1000-jähriges Schloss und 50 teilweise noch verwahrloste, alte Bauernhäuser, 1500 Hektar Land mit Feldern, drei Seen, Weinberge und Olivenbäume, Stallungen und Pferde sowie eine gigantische Halle, in der einst Tabak verarbeitet wurde und die heute sein Design- und Architekturstudio beherbergt. Auch bei Benedikt Bolza waren die Eltern die Vorhut: Der aus Ungarn stammende Graf Antonio Bolza und seine österreichische Frau entdeckten Umbrien in den 1980er Jahren, als sie auf der Suche nach einem neuen Familiensitz waren. Sie fanden eine einsame Kirche mit angegliedertem Wohnhaus, die auf der Kuppe eines Hügels stand und die ihnen von der zuständigen Diözese gerne und für wenig Geld überlassen wurde. Was sie damals nicht wussten: Ihr neues Heim war eine winzige Insel inmitten der weitläufigen Ländereien von Castello di Reschio. Um es kurz zu machen: 1994 gelang es den Bolzas, den ganzen Besitz zu kaufen. Aber was tun damit? «Ich studierte damals Architektur in London», erzählt Benedikt Bolza, «danach zog ich jungvermählt mit meiner florentinischen Frau Nencia nach
PATRICIA ENGELHORN
Eine bunt zusammengewürfelte Community hauchte dem Dorf Panicale neues Leben ein.
und weitem Blick über die umbrischen Hügel.
Reschio. Wir richteten uns im Schloss ein, weil es der einzige Ort war, an dem man irgendwie wohnen konnte. Das Dach war undicht, wir hatten kaum Strom und keine Heizung. Aber wir waren jung und verliebt und empfanden das Ganze als sehr romantisch. Ausserdem gab es eine spannende Aufgabe: Wir wollten die alten, weit verstreuten und völlig verwahrlosten Bauernhäuser renovieren. Um das zu finanzieren, mussten wir Menschen finden, die sie kaufen und von mir neugestalten lassen würden.» Heute sind 33 Villen fertig, einige davon werden an zahlende Gäste vermietet, die meisten ganz oder teilweise von ihren Besitzern bewohnt. Fertig geworden ist auch das Hotel, das lange ein ferner Traum zu sein schien. Es ist im historischen Schloss untergebracht: Castello di Reschio zählte 2021 zu den wohl am meisten antizipierten Neueröffnungen der Welt. «Was uns wichtig war und uns, wie ich glaube, von anderen Hotels unterscheidet, ist, dass unsere Gäste tatsächlich unsere Gäste sind», erklärt Graf Benedikt, «meine Familie lebt hier, wir sind täglich vor Ort und ansprechbar. Meine Frau und ich haben Reschio so eingerichtet, wie wir es für uns selbst getan hätten. An den Wänden hängen alte Porträts, die ich auf Antiquitätenmärkten gefunden habe, viele Möbel habe ich eigens für bestimmte Räume gestaltet.» Man kann faul am Pool unter Schirmpinien liegen, die Stickereikunst erlernen, Einblicke in die Heilpflanzenkunde erhalten, Tennis spielen oder auf einem weissen Andalusier zu einem Ausritt in die weite, wilde Landschaft von Reschio starten – eine schönere Art, Umbrien zu entdecken, gibt es nicht.
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PD
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NZZ AM SONNTAG
Die besten Adressen zum Essen und Schlafen in Umbrien Anreise Am besten mit dem Zug, am einfachsten mit der multimodalen Buchungsplattform omio.com/de, auf der man unterschiedliche Verkehrsanbieter und Fahrpläne vergleichen, sowie Zug- und Busverbindungen buchen kann. Hotels Rastrello Boutique Hotel, Panicale: Drei mit modernem Geschmack renovierte Gebäude aus dem 14. Jahrhundert, verbunden durch einen kleinen Garten mit Pool und eine Terrasse mit Aussicht. In den Gängen hängen halb blinde, goldgerahmte Spiegel, in den Zimmern liegen Bildbände von Annie Leibovitz und Peter Lindbergh, im Restaurant gibt es Auberginen-Cannelloni und den besten Burger weit und breit. Castello di Reschio, Lisciano Niccone: Die Zimmer wirken wie Salons, die Bäder sind riesig und punkten mit freistehenden Badewannen. Der Innenhof wurde in eine orangerieartige Bar-Lounge verwandelt. Dazu gibt es zwei Restaurants mit feiner Farm-toTable-Küche, ein mystisches, unterirdisches römisches Bad und eine Phalanx an möglichen Freizeitvergnügungen. Das Herzstück
des Landguts bildet eine Burg aus dem 10. Jahrhundert, die von der Eigentümerfamilie Bolza aufwendig restauriert wurde. Zum Anwesen gehört zudem ein eigenes Gestüt für reinrassige spanische Pferde. Hotel Brufani, Perugia: Ein 1884 eröffnetes Grandhotel alter Schule mit kunstvoll verlegten Parkettböden, Kronleuchtern, fein gemusterten Stofftapeten sowie 94 Zimmern und Suiten, mit Antiquitäten, Marmorbädern und Balkonen. Zum Hotel gehören das gediegene Restaurant Collin’s, eine schicke Bar gleich daneben und ein Spa mit Pool in mittelalterlichen Gewölben. Vocabolo Moscatelli, Umbertide: Stimmungsvolles Hotel in einem umgebauten Kloster aus dem 12. Jahrhundert. Die zwölf Zimmer sind mit Kunst, Designermöbeln und mutigen Farben gestaltet, verlockend sind auch der Travertin-Pool im Garten und das Restaurant mit Bio-Küche. Nun Assisi, Assisi: Die hoch gewölbten Decken, mit Fresken verzierten Wände und antiken Terrakotta-Böden des ehemaligen Klosters bilden einen reizvollen Kontrast zum minimalistischen Designermobiliar des Hotels. und ein schickes Restaurant.
Restaurants Lillo Tatini, Panicale: Bianca Boldrini leitet das gemütliche Restaurant, das den ehemaligen Lebensmittelladen ihres Urgrossvaters bespielt. In der Küche bereitet ihre Mutter Patrizia Spadoni hausgemachte Tagliatelle mit Ragù, mit Eigelb gefüllte Ravioli alla carbonara und Wildschwein an Rotwein, Rosinen und Schokolade zu. Ada, Perugia: elegantes Altstadtlokal mit verglastem Kochlabor, zwei Räumen und Galerie. Dass Küchenchefin Ada Stifani eine ausgebildete Chemikerin ist, zeigt sich in ihren gewagten Kombinationen und kontrastierenden Konsistenzen. Dem Guide Michelin ist diese köstliche Kreativität einen Stern wert. L‘Officina, Perugia: Fans von Spaghetti al Pomodoro dürfen sich freuen – hier gibt es die besten, zubereitet mit drei Tomatensorten. Das lässig-schicke Lokal mit Ledersesseln, Kunst und cooler Musik bietet aber auch ein Topinambur-Gericht, das schmeckt und aussieht wie eine Artischocke, und andere Überraschungen. Centoumbrie, Agello: Ein junges Projekt, das Landwirtschaft, Ölmühle, Weinkeller, Mühle,
Bäckerei und Gastronomie vereint. Das neue Bistro wirkt urban, kosmopolitisch und heiter. Es lockt mit einer 150 Quadratmeter grossen offenen Küche, Menüs aus besten Zutaten, einer interessanten Weinkarte und Terrasse. L‘Aquario, Castiglione del Lago: Ein charmantes, mitten im Dorf gelegenes Lokal mit hell gedeckten Holztischen, Holzbalkendecke und Terrasse. Die Küche bedient sich der umbrischen Tradition und der Fische aus dem See. Zu den Bestsellern zählen die Pasta mit Schleie und der auf Porchetta-Art zubereitete Karpfen. La Locanda del Cardinale, Assisi: Geschichte und Gegenwart vereinen sich in diesem alten Palazzo mit zeitgeistorientierter Einrichtung. Das Lokal nimmt die Gäste mit auf eine Reise durch die kulinarischen Spezialitäten Umbriens und bietet eine grosse Auswahl internationaler Weine. L‘Alchimista, Montefalco: sympathische Enoteca am Hauptplatz mit Tischen vor der Tür. Der Schwerpunkt liegt auf den Weinen aus Umbrien, Italien und dem Rest der Welt. Dazu gibt es eine überschaubare Menükarte mit leicht überarbeiteten lokalen Spezialitäten wie Strangozzi (Pasta) mit Pesto aus wildem Knoblauch.
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6. September 2026
Im Rhythmus des Herbstes
Im Passeiertal führen Wanderwege durch lichte Lärchenwälder und eröffnen immer wieder weite Panoramen. FOTOS: IDM SÜDTIROL / MANUEL FERRIGATO
Am frühen Morgen liegt der Tappeinerweg oberhalb von Meran noch fast verlassen da. Mit den ersten Sonnenstrahlen öffnet sich der Blick auf das Dorf Tirol mit seinem Schloss, auf die Gipfel der Texelgruppe sowie auf die Gipfel des Hirzers und des Ifingers über der Ortschaft Hafling. Unten ruht die Kurstadt noch. In der klaren Herbstluft scheint sie nach dem heissen Sommer kurz innezuhalten. Der Weg führt vorbei an Palmen, Zypressen, Pinien und Feigenbäumen. Dazwischen wachsen Kastanien, Ahorn und Lärchen bereits in warmen Gelbund Rottönen. Diese ungewöhnliche Verbindung aus mediterraner und alpiner Vegetation gehört zu den Besonderheiten der Region. Mit jeder Wegbiegung verändert sich der Blick: Einmal fällt er auf die Dächer der Altstadt, dann wieder auf Weinberge oder auf schroffe Felswände. Zurück im Zentrum erwacht die Stadt langsam. Vor den Belle-Époque-Cafés an der Passer werden Macchiato und Cornetto serviert, Terrassen vorbereitet und Schaufenster geöffnet. Stammgäste treffen sich auf einen Espresso, Nachbarn wechseln ein paar Worte, die ersten Plätze in der Sonne sind schnell besetzt. Das Wasser der Passer rauscht vorbei, während auf den Promenaden Spaziergänger und Jogger unterwegs sind. Die Atmosphäre wirkt durchaus geschäftig, aber nie hektisch.
TOURISMUSVEREIN PASSEIERTAL / BENJAMIN PFITSCHER
Meran Stadt und Land zeigt sich im Herbst von seiner ruhigeren Seite. Zwischen Promenaden, Waalwegen und Almen wechseln sich Natur, Kultur und Kulinarik in Südtirol in einem Tempo ab, das Raum zum Entdecken, Geniessen und Innehalten lässt.
Zwischen Stadt und Natur Meran Stadt und Land verbindet im Herbst das städtische Leben mit der unmittelbaren Nähe zur Natur. Wer durch die Laubengassen schlendert, kleine Geschäfte besucht oder über die Promenaden flaniert, erreicht schon wenig später Weinberge, Obstgärten oder historische Waalwege. Der Übergang zwischen Stadt und Land verläuft beinahe fliessend. Der Sissi-Weg führt von der Altstadt zum Schloss Trauttmansdorff und zu seinen Gärten. Auch wenn die Hauptblütezeit längst vorbei ist, entfalten die weitläufigen Anlagen gerade im Herbst ihren besonderen Zauber. Ziergräser, spät blühende Stauden und die verfärbten Baumkronen verleihen den Gärten eine ruhigere Stimmung. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt immer wieder neue Perspektiven auf die umliegenden Berge. Nicht weniger reizvoll sind die Waalwege, die einst zur Bewässerung der Felder angelegt wurden. Heute verlaufen sie als nahezu ebene Wanderwege entlang der historischen Wasserkanäle durch Weinberge, Apfelhaine und Mischwälder. Der Algunder Waalweg schliesst direkt an den Tappeinerweg an, der Marlinger Waalweg führt Richtung Lana und verläuft teilweise entlang des Marlinger «WeinKulturWegs». In Schenna verbinden der Apfelweg und der Weinweg Landwirtschaft mit Landschaft, während Nals mit historischen Burgen und Weinbergen überrascht.
Geröstete Kastanien und junger Wein: Törggelen gehört zu den genussvollsten Traditionen.
Die Passer prägt das Stadtbild von Meran, und die Gipfel des Naturparks Texelgruppe hat man stets im Blick.
Im Herbst zeigt Meran Stadt und Land, dass Entschleunigung nicht Stillstand bedeutet, sondern Raum für Entdeckungen schafft.
Aussichtsreiche Höhenrücken Kurz vor Herbstbeginn fällt das Licht weicher auf die Reben, die Apfelernte ist in vollem Gang und vielerorts liegt der Duft reifer Früchte in der Luft. Immer wieder öffnen sich Ausblicke auf Burgen, Kirchtürme und die umliegenden Berge. Mit jedem Höhenmeter verändert sich die Landschaft. Almen, Höfe und Seitentäler lösen die Stadtkulisse ab. Im-
mer wieder laden Rastplätze zum Verweilen ein – eine Bank mit Talblick, eine kleine Kapelle oder eine Sonnenterrasse mit hausgemachten Kuchen. Das Bergdorf Aschbach oberhalb von Rabland ist bequem mit der Seilbahn erreichbar. Von dort führen Wanderwege durch Lärchenwälder und über aussichtsreiche Höhenrücken. Im Passeiertal prägt die traditionelle Almwirtschaft
die Landschaft bis heute. Kühe und Schafe verbringen den Sommer auf den Hochweiden, bevor sie im Herbst wieder ins Tal zurückkehren. Im Ultental wiederum führt der Höfeweg zu den mehr als 2000 Jahre alten Urlärchen, den ältesten Nadelbäumen Europas. Zwischen Passeier, Meran, Partschins und Naturns erstreckt sich der Naturpark Texelgruppe, der grösste Südtirols.
Sein Landschaftsbild reicht von Weinbergen im Tal bis zu Gletschern und hochalpinen Gipfeln. Entsprechend vielfältig sind auch die Wandermöglichkeiten. Der Meraner Höhenweg zählt zu den bekanntesten Routen der Region. Anspruchsvoller sind Touren zu den Spronser Seen oder ins Tal der 1000 Stufen, wo Wasserfälle, steile Felsen und Hängebrücken den Weg begleiten.
Wer dabei nicht ständig ans Auto denken möchte, nutzt den Guest Pass. Mit ihm lassen sich Bus und Bahn in der Region unkompliziert nutzen – eine entspannte Möglichkeit, verschiedene Ausgangspunkte für Wanderungen miteinander zu verbinden.
Herbst auf dem Teller Zum Wandern gehört in Südtirol selbstverständlich auch das Einkehren. In den gemütlichen Gasthöfen stehen traditionelle Köstlichkeiten wie Knödel, Käse und Speck ebenso auf der Karte wie zeitgemässe Interpretationen regionaler Spezialitäten. Die meisten Betriebe setzen bewusst auf Zutaten aus der unmittelbaren Umgebung: Käse von den Almen, Brot aus kleinen Dorfbäckereien, Gemüse und Obst vom Wochenmarkt sowie Weine aus den umliegenden Lagen. Im Herbst rücken Kastanien, Pilze, Kürbis und Wild stärker in den Mittelpunkt der Speisekarten. Die Küche orientiert sich daran, was die Jahreszeit hervorbringt. Das gilt für die einfache Almhütte ebenso wie für die gehobene Gastronomie. Untrennbar mit dieser Jahreszeit verbunden ist das Törggelen. In Buschenschänken und Gasthäusern kommen neuer Wein, Kastanien und traditionelle Südtiroler Gerichte auf den Tisch. Was einst den Abschluss der Weinlese markierte, gehört heute zu den bekanntesten Herbstbräuchen der Region. Rund um Lana, Tisens-Prissian und Völlan steht von Mitte Oktober bis Anfang November zudem bei den Kastanientagen «Keschtnriggl» die stachelige Frucht im Mittelpunkt – mit Verkostungen und Wanderungen. Nicht selten entstehen die schönsten Genussmomente jedoch ungeplant: in einem Buschenschank abseits der bekannten Wege, in einer urchigen Almhütte oder in einem kleinen Dorfrestaurant. Auch Veranstaltungen wie das Meraner Traubenfest vom 16. bis 18. Oktober 2026 bringen Gäste und Einheimische zusammen. Zwischen Musik, Festwagen und Marktständen ergeben sich Gespräche mit Winzerinnen, Obstbauern oder Käsern. Mit dem Abend kehrt wieder Ruhe ein. Die Sonne verschwindet hinter den Bergen, die Luft wird spürbar kühler, und auf den Promenaden wird es langsam stiller. Manche lassen den Tag in den Thermen von Meran oder Naturns ausklingen, andere ziehen sich in den Garten oder Wellnessbereich des Hotels zurück. Wer noch einmal hinausgeht, spaziert entlang der Passer oder setzt sich auf eine Bank mit Blick auf das beleuchtete Kurhaus. Mit etwas Glück dringen Konzertklänge bis auf die Promenade. Vielleicht endet der Abend auch in einer kleinen Dorfbar bei einem Glas Vernatsch oder Lagrein aus den umliegenden Weinbergen. Es sind diese unspektakulären Momente, die den Herbst in Meran Stadt und Land prägen. Zwischen Stadt und Bergen, zwischen Bewegung und Ruhe entwickelt sich ein Rhythmus, der entschleunigt. Für mehr Reiseinspiration: merano-suedtirol.it
Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von Südtirol erstellt.
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Neuer Glanz im Süden Renaissance einer Legende
1. Grand Hôtel Nord-Pinus, Arles Alle waren sie in diesem Grandhotel. Am schmiedeeisernen Treppengeländer hinauf zu den Zimmern muss sich manches Genie abgestützt haben, denn von Picasso, F. Scott Fitzgerald und Jean-Paul Sartre über Yves Montand, Maria Callas oder Romy Schneider kehrte hier ein, was Rang und Namen hatte. 1973 fotografierte Helmut Newton die Schauspielerin Charlotte Rampling mit nichts als Slingpumps am schmalen Körper im Zimmer Nummer zehn. In dem sich seinerzeit auch gerne die Toreros für ihren Kampf in der nahen Arena rüsteten und hernach feiern liessen, vom Balkon herabwinkend, der die Place du Forum mit seinen Cafés rund um die patinagrüne Skulptur des provenzalischen Dichters Fréderic Mistral überragt.
Ein Hotel für die Bohème Dieses Hotel, angefüllt mit Legenden, ist schon längst selbst eine. Und doch muss sich auch ein Mythos Sicherheitsvorschriften beugen. Und einer Klientel, die in all ihrer Begeisterung fürs unkonventionelle Passé ein dichtes Dach erwartet, funktionierende Heizungen und komfortable Betten. Aber nichtsdestotrotz eben auch ein bisschen Bohème. «Das ‹Nord-Pinus› ist ein Ort voller Geschichten, aber es darf weder zu einer starren Kulisse noch zu einem Mausoleum werden», bekräftigt Hotelbesitzerin, Kunstmäzenin und Unternehmerin Maja Hoffmann die Schwierigkeit der Aufgabe seiner im vergangenen November abgeschlossenen zweijährigen Restaurierung. Auftritt Duro Olowu. Der nigerianisch-britische Modedesigner debütierte vor rund 20 Jahren mit dem hochtaillierten Duro Dress, einem Patchwork-Kleid aus kräftigen Farben und Mustern, dessen Boho-Style sich weder Keira Knightley, Uma Thurman noch Michelle Obama entziehen konnten. Ihm überliess Maja Hoffmann die Innengestaltung des «Nord-Pinus». Entstanden ist ein kühner Mix aus vibrierenden Farben: das Ultramarin der Zimmertüren, das Laubfroschgrün des Treppenläufers, das Ocker der Wandlichter aus Muranoglas. Und aus kleinteiligen Mustern mit repetitiven Details an den Wänden und unter den Füssen: eine Engelsfigur, die dem Designer, so heisst es, an einem der Kirchengesimse der Stadt begegnete, oder auch das allgegenwärtige, nonchalant gestrichelte Motiv, das Duro Olowu als «afrikanisches Schach» definiert. Die geometrischen, handglasierten Fliesen der Bäder im flimmernden All-over. Die mit westafrikanischem Textil aufgepolsterten Sessel (viele aus dem Hotelinventar), darunter das Mid-Century-Design von Pierre Guariche. Im ersten Stock befindet sich der Gartenraum, bepflanzt und rattanmöbliert. Zwei Gärtner kommen täglich, um die grünen Riesen zu wässern. Die Wuchtigkeit eines stämmigen Baumfarns schiebt sich hinauf unters Kuppelgewölbe. Spolia in den Wänden zeugen von früheren Architekturen dieses «Hôtel Particulier» aus dem 18. Jahrhundert, in dessen Aus-
FOTOS: OSKAR PROCTOR
Drei neu gestaltete Hotels in der Provence lassen den Traum vom mediterranen Lebensgefühl erwachen. Eine Reise zu den schönsten frisch renovierten Design-Refugien zwischen der Kunststadt Arles und der mondänen Côte d‘Azur.
senfassade sich noch immer Spuren des einstigen Forum Romanum befinden: Zwei Säulen und ein Stück des Tempelgiebels aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. sind links des Hoteleingangs ummauert – der einzige an Ort und Stelle aufrecht erhaltene bauliche Rest aus dem Römischen Reich in der Stadt.
Neu mit Bar statt Laden Dieses Haus weiss also, was «faire peau neuve» bedeutet: sich eine neue Haut zuzulegen, so wie ein Baumfarn seine alten Wedelreste abwirft und darunter den glatten Stamm offenbart. Entstaubt also, die 25 Zimmer. Das Restaurant, in dem man Venusmuschelnpasta oder mit Orangenblüte parfümierte Millefeuille unter dem kühlen Blick der Modelle von Fotograf Peter Lindbergh isst – auch er ein langjähriger Stammgast. Statt des einstigen Delikatessenladens nebenan wurde eine Bar gezeichnet, die das Hotel zur Seitengasse öffnet. Eine Einladung an Arles, das sich mitunter mit der
Das Interieur hat der Designer Duro Olowu gestaltet.
Kulturtipps Arles
Hinter der historischen Fassade des Grand Hôtel Nord-Pinus verbirgt sich ein farbstarkes, opulentes Bohème-Universum.
Gegenwart geballter Pharma-ErbinnenFinanzkraft nicht leichttut: Seit vielen Jahren prägt die gebürtige Baslerin Maja Hoffmann das kulturelle und gastgebende Leben der Stadt, investiert in von renommierten Designern gestaltete Hotels, ein besterntes Restaurant auf dem Land, Bäckerei und Buchläden oder erweckte eine elf Hektar grosse Industriebrache durch ihren 2021 eröffneten Kunst- und Kreativitätskomplex Luma zu neuem Leben – den seither das Stadtbild dominierenden schimmernden Turmbau Frank O. Gehrys inklusive. Gentrifizierung, beklagen die einen, Bewahrung von Kulturerbe, entgegnen die anderen. 15 Tage alt sei sie gewesen, als sie zum ersten Mal nach Arles gebracht wurde, erzählt die Schweizerin
von ihrer Ankunft in diesem schillernden Süden mit seinen ikonischen Adressen – wie dem «Nord-Pinus»: «Es war einfach da – als eine Präsenz in der Stadt, fast wie eine Selbstverständlichkeit.» Um die Lebendigkeit seiner Zukunft ist der Kunstmäzenin nicht bang: «Es ist ein Ort, der sich weiterhin anpasst, je nachdem, wie er genutzt wird – durch seine Rhythmen und durch die Menschen, die ihn durchqueren», schliesst die 70-Jährige. Ihre Worte ähneln jenen des vor ihrem Hotel verharrenden Dichters: «Die Nachtigall bekommt jedes Jahr neue Federn, aber ihren Gesang behält sie», vermerkte Mistral 1875 in seiner Sammlung lyrischer Gedichte. Alors, chante, geliebtes «Nord-Pinus», sing uns dein Lied. Evelyn Pschak von Rebay
Die Venus auf Reisen: 1651 in den Ruinen des antiken Theaters von Arles entdeckt, gilt die «Venus von Arles» als Meisterwerk. Einst von Ludwig XIV. nach Paris beordert, kehrt die römische Kopie nach Praxiteles für die Ausstellung Le Passage de Vénus im Musée départemental Arles antique als Leihgabe des Louvre in ihre Heimat zurück. Dort trifft sie auf historische und moderne Abbilder ihrer selbst. Bis 31. Oktober 2026 Fein gezeichnet: Neben dem berühmten Fotofestival Les Rencontres de la photographie d’Arles (jeweils Juli bis Oktober) findet 2027 von April bis Mitte Mai bereits zum fünften Mal das Festival du Dessin statt. Wie das grosse Vorbild bespielt es Kirchen, Museen, Galerien und Denkmäler quer durch die Stadt mit Zeichnungen aller Epochen, Kunststile und Länder. Blick von und auf Christian Lacroix: Das Musée Réattu, untergebracht im ehemaligen Wohnhaus des Malers Jacques Réattu, öffnete sich als erstes Museum Frankreichs in den 1960er Jahren der Fotokunst. Diesen Sommer zeigt der berühmte Modeschöpfer
Christian Lacroix hier seine Sammlung sowie Porträts, die Künstler wie Annie Leibovitz, Mario Testino oder Erwin Wurm von ihm schufen. Ebenfalls zu sehen: ein Picasso-Gemälde der Fotografin Lee Miller als «L’Arlésienne». Neues Kunstmuseum: Als 18-Jähriger erlernte der französische Künstler Jean-Marc Bustamante bei Denis Brihat in Arles die Feinheiten der Fotografie. Diesen Sommer, im Alter von 74, hat Bustamante den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt ein Museum geschenkt: den Fonds Bustamante. Und so reiht sich der Künstler in die hochkarätige Liga der Kunststiftungen dieser Stadt ein. Der Stolz der Arlésienne: In einem samtschwarz gestalteten Museum präsentieren die Fragonard-Urenkelinnen Anne, Agnès und Françoise Costa ihre exquisite Sammlung provenzalischer Textilgeschichte. Die historischen Räume des Musée de la Mode et du Costume wurden dafür vom renommierten französischen Architektenduo Studio KO kunstvoll neugestaltet. Fortsetzung auf Seite 8
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6. September 2026
Fortsetzung von Seite 7
Lifestyle trifft auf Kunst
2. Hotel Zannier Île de Bendor Vor vielen Jahren übernachteten wir einmal in einem zauberhaften Château ausserhalb von Bordeaux. Mit seinen wurmstichigen Balken, den verwitterten Holzportalen und alten Mauern sah es aus, als hätte es schon die Französische Revolution miterlebt. Hinterher fanden wir heraus, dass alles Illusion war: ein komplett neu errichtetes Gebäude aus historischen Baumaterialien, die dem Ganzen ein täuschend echtes VintageFlair verliehen. Seither sind wir skeptisch und wittern hinter jeder allzu schmucken Fassade ein Stück Disneyland. So auch hier auf der Île de Bendor: Die bunt gestrichenen, putzigen Fischerhäuschen an der Bootsanlegestelle wirken schlicht zu perfekt, um echt zu sein. Darauf fallen doch höchstens amerikanische Touristen herein, wir aber sicher nicht, dachten wir etwas hochmütig. Doch wir wurden eines Besseren belehrt: «Nein, nein, das hier ist nicht neu, sondern lediglich sehr aufwendig renoviert», versichert uns Marie Bouthier vom Marketingteam, während sie uns mit dem Golf-Cart durchs Resort kutschiert. Die Fischerhäuschen gehören zum neu eröffneten Fünfsternehotel Zannier Île de Bendor auf einer kleinen Insel vor der Küste von Bandol. Die Distanz zum Festland beträgt gerade einmal 300 Meter – nah genug, dass man theoretisch hinüberschwimmen könnte, während Koffer und Taschen bequem mit dem schnittigen Hotelboot chauffiert werden. Doch Insel bleibt Insel: Das Gefühl, ringsum von nichts anderem als tiefblauem Wasser umgeben zu sein, lässt einen augenblicklich disconnecten, wie es auf Neudeutsch heisst. Das wuselige Treiben der mondänen Côte d’Azur erscheint plötzlich so weit entfernt wie der Mond, der in diesen lauen Sommernächten tief am Horizont steht und sein silbernes Licht übers Wasser giesst.
Kunst ist allgegenwärtig
Naturverbundener Luxus Seit der Wiedereröffnung in diesem Frühling werden die ehemals von verschiedenen Pächtern geführten Häuser der Insel geschlossen unter dem Dach der ZannierHotels vereint. Hinter der Marke steht die Familie Zannier, die einst mit Kindermode zu Reichtum gelangte. Sohn Arnaud Zannier stieg in den 2010er Jahren in die Luxushotellerie ein. Heute umfasst die Kollektion der Zannier-Hotels sechs Resorts in Frankreich, Kambodscha, Namibia und Vietnam, die allesamt für naturverbundenen Luxus stehen. Das «Zannier Île de Bendor» präsentiert sich dabei wie ein malerisches kleines Dorf aus zahlreichen grossen und kleinen Gebäuden. Die Gästezimmer verteilen sich auf Häuser mit jeweils ganz eigenem Charakter: Während das «Delos» massgeschneidert für Paare und Alleinreisende ist, beherbergt das «Soukana» die geräumigen Familiensuiten. Und in den bunt gestalteten kleinen Fischerhäuschen finden besonders junge Paare einen gemütlichen Rückzugsort. Dem hauseigenen Designteam ist eine harmonische Synthese gelungen: Jedes Gebäude besticht durch seine individuelle Note und fügt sich zugleich nahtlos ins Gesamtbild ein. So weckt das «Delos» Erinnerungen an die Côte d’Azur der 1950er und 1960er Jahre, modern interpretiert in sanften Crème- und Blaugrautönen, ergänzt durch Betten, Kommoden und Spiegel in organischen, geschwungenen Formen. Das «Soukana» (arabisch für Ruhe, Frieden und Geborgenheit) am PIERRE LUCET-PENATO
Die Geschichte der Île de Bendor reicht in die 1950er Jahre zurück, als der Spirituosenpionier Paul Ricard das Eiland
sich eine Galerie. Auch die Hotelgäste können während ihres Aufenthalts selbst künstlerisch tätig werden und bei den Artists in Residence Workshops besuchen – von Keramik und Malerei bis hin zu Textil- oder Lavendelkursen. «Sie müssen das Satinband einmal über den Stängel und einmal unter dem Stängel durchziehen», weist uns Philippe Franc, Gründer der Manufaktur Franc 1884, an: Der Kunsthandwerker führt Gäste im Rahmen seines rund zweistündigen Kurses in die jahrhundertealte provenzalische Tradition des Lavendelwebens ein. Man lernt dabei, wie aus frisch geerntetem Biolavendel und bunten Satinbändern duftende, handgewobene Kunstwerke entstehen. Hat man das Prinzip einmal verstanden, arbeiten die Hände wie von allein.
Von der offenen Bar-Lounge des Insel-Resorts Zannier Île de Bendor fällt der Blick aufs Küstenstädtchen Bandol.
Jedes Gebäude besticht durch seine individuelle Note und fügt sich zugleich nahtlos ins Gesamtbild ein.
anderen Ende der Insel steht ganz im Zeichen der japanischen Wabi-Sabi-Philosophie: stimmige Erdtöne, dunkles, schweres Holz und wunderschöne Naturtextilien. Das kulinarische Angebot greift diese stilistische Zweiteilung auf: Im «Delos» werden Salate und Klassiker der französischen Bistroküche serviert, derweil im «Soukana» ein panasiatisches Sharing-Menu auf der Karte steht. Ob Rindstartar mit Pommes allumettes oder Blini mit geräuchertem Lachs im «Delos» oder ob grünes Curry, Satay-Spiesse, Gyoza und vietnamesische Sommerrollen im «Soukana» – die Küche überzeugt auf ganzer Linie. Für ein exklusives Fine-Dining-Erlebnis bucht man einen Tisch im «Le Grand Large» und geniesst dazu den freien Blick aufs Mittelmeer. Die Küche im «Soukana» legt zudem grossen Wert auf eine bewusste, gesunde Ernährung: Statt
kaufte – und darauf ausdrücklich keine private Residenz errichtete. Monsieur Ricard war nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer und Lokalpolitiker, sondern auch ein Kunstmäzen. Jeden Mittwoch durften die Kinder aus den umliegenden Dörfern auf die Insel kommen, um kostenlose Tanz- und Musikstunden zu erhalten. Bis heute ist Kunst hier allgegenwärtig: «Es gibt auf der Insel über 250 Kunstobjekte», erzählt Marie Bouthier. Wo einst die Kinder unterrichtet wurden, befindet
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Im «Soukana» wird eine gesunde, pan-asiatische Küche serviert.
Sinnliche Farben wie Orangerot und Naturmaterialien setzen südliche Akzente.
raffiniertem weissen Zucker kommen Natursüssen wie Honig oder Kokosblütenzucker zum Einsatz. Zum Frühstück stehen neben kalorienbombigen Pains au Chocolat und Croissants auch ballaststoffreiches Vollkornbrot sowie (Açai-) Bowls mit Früchten und frischgepressten Säften bereit. Den Matcha-Latte gibt es selbstverständlich auch mit Mandeloder Hafermilch. Im Herzen des Inselchens befinden sich die Kunstateliers und direkt dahinter ein weiteres Restaurant, das «Nonna Bazaar» mit coolem, hippem, rundum unkompliziertem Flair. Man sitzt entspannt unter freiem Himmel und geniesst von Grilladen über «armenische Pizza» bis hin zu südfranzösischen Spezialitäten wie einer Bouillabaisse Gerichte, die zum entspannten Ferienfeeling passen. Direkt an der Bootsanlegestelle liegt das Paul Ricard Café. Seine Wände sind mit Schwarz-Weiss-Fotografien aus vergangenen Tagen dekoriert. Sie zeugen davon, dass sich hier einst alles traf, was Rang und Namen hatte: Weltstars wie Josephine Baker, Brigitte Bardot, Salvador Dalí oder Jean-Paul Belmondo. Im Meer baden kann man auf beiden Seiten der Insel: Entweder an einem kleinen, geschützten Sandstrand mit Blick auf die Küste oder an der wilden Seite, die sich zum offenen Meer hin erstreckt und wo die Gischt spektakulär an die braunen Felswände brandet. Während der flache Sandstrand ideal für Familien mit Kindern ist, bleibt die felsige Kulisse geübten Schwimmern vorbehalten. Das Ein- und Aussteigen zwischen den glitschigen, algenbewachsenen Steinen kann je nach Wellengang herausfordernd sein und den einen oder anderen blauen Fleck an Armen und Beinen hinterlassen. Wer lieber im Süsswasser seine Runden zieht, hat die Wahl zwischen vier verschiedenen Pools. Einer davon liegt als Indoor-Pool im 1200 Quadratmeter grossen Spa. Hier lassen sich Treatments mit Produkten von Augustinus Bader, Apoticari oder der Hausmarke Mēditatif buchen. Morgens und abends
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Fröhliche Eleganz und ein Hauch Theatralik
Wenn wir im nächsten Sommer wieder auf die Presqu’île de Giens reisen, wird die Vorfreude gross sein: Per Mietauto werden wir von Hyères kommend über einen der beiden Tombolos fahren – jene schmalen Landzungen, die das Festland mit dieser «Fastinsel» verbinden. Dann geht es an Schirmpinien und Salzfeldern mit Flamingos vorbei den Hügel hinauf zum pittoresken Dörfchen. Es erschien uns bei unserem ersten Besuch wie aus einem Bilderbuch. Oder wie die perfekte Kulisse für eine französische Version einer Rosamunde-Pilcher-TV-Serie. Eine kleine Kirche hier, ein Lebensmittelgeschäft dort, daneben das Dorfcafé zwischen zwei Platanen sowie ein paar Restaurants – und mittendrin: das Hôtel Le Provençal. Das familiengeführte Hotel mit seinen 44 Zimmern eröffnete im Sommer 2025 nach zweijähriger Renovation wieder. Letzten Herbst, in der ruhigen Zwischensaison, sind wir erstmals dort abgestiegen und haben uns auf Anhieb verliebt: in die Lage, die Aussicht, die Atmosphäre. Die Geschichte des Hotels geht bis in die 1950er Jahre zurück, als der Koch Marius Michel seiner Stelle als Küchenchef im Pariser Cabaret Le Lido den Rücken kehrte, um sich in seiner Heimat den Traum eines ganz eigenen RivieraHotels zu erfüllen. Heute wird der Betrieb von seinen Enkeln Damien und Benjamin Piffet zusammen mit ihren Gattinnen Julie Liger und Lene Arentsen
CLAIRE ISRAEL
DEPASQUALE + MAFFINI
3. Hôtel Le Provençal in Giens
werden zudem Gruppenkurse wie Yoga oder Pilates angeboten. Während wir frühmorgens auf der Yogamatte im Baum-Asana verharren, wandert der Blick durch die grossen Bogenfenster aufs Meer. Beim Anblick des türkisblauen Wassers verfliegt das letzte Gefühl von Hektik und weicht der puren Vorfreude auf die Morgensonne und den ersten warmen Matcha-Latte des Tages. Christina Hubbeling
Über eine kleine Treppe gelangt man zum Pool, der in den Felsen gehauenen ist.
geführt. Die starke familiäre Identität des Hauses wird von ihnen und ihren Kindern im Betrieb gelebt – das «Provençal» ist ein Sehnsuchtsort mit Seele.
CLAIRE ISRAEL
Riviera der 1950er Jahre
Das Design verbindet Retroelemente mit moderner Zurückhaltung.
Die starke familiäre Identität des Hauses wird im Betrieb gelebt: Das «Provençal» ist ein Sehnsuchtsort mit Seele.
Zu verdanken ist die spezielle Atmosphäre insbesondere der schonenden Renovation: Unter der Leitung des Pariser Architekten Rodolphe Parente wurde die Vergangenheit nicht ausgelöscht, sondern behutsam zum Vorschein gebracht. Der familiäre Geist, der hier schon immer herrschte, prägte jede gestalterische Entscheidung. In enger Zusammenarbeit mit der Inhaberfamilie versuchte Parente, die Vergangenheit des Gebäudes in Verbindung mit der Gegenwart zu bringen. «Savoir-vivre, Genuss, Authentizität stehen dank seinen eleganten, aber nie zu dominanten Interieurs klar im Vordergrund. «Das Design knüpft an das Erbe der Riviera der 1950er Jahre an und verbindet Midcentury-Stilelemente mit zeitgenössischer Zurückhaltung», so
Parente. Die mediterrane Landschaft – das Licht, der Wind, die mineralische Präsenz – wurde zum eigentlichen Ausgangspunkt des Projekts. Innenräume sind als Fortsetzung des Aussenbereichs konzipiert; ein Zusammenwirken von Architektur, Licht und Atmosphäre, das ein Gefühl von Ruhe, Vertrautheit und Zeitlosigkeit schafft. Die Farbpalette ist warm, sonnig, aber nicht klischeehaft, dafür bewusst zurückhaltend. Gelb spielt im gesamten Hotel eine Schlüsselrolle und verweist auf die fröhliche Eleganz der Riviera der 1950er und 1960er Jahre. Sand, Ocker, Stein, Stroh und weitere sonnenverblasste Gelbtöne spiegeln die Schwingungen des mediterranen Lichts wider. Blautöne hingegen wurden ausgeschlossen – das Meer glitzert vom Hotel aus stets im Hintergrund.
Stille Kontinuität Einige historische Elemente, wie der monumentale Steinkamin in der Lounge, wurden sorgfältig restauriert. Sie geben als Ankerpunkte den Ton an, zeitgenössische Eingriffe bleiben nach dem Umbau hingegen dezent. Für einen Hauch Theatralik – in Anlehnung an die Vergangenheit des Gründers – sorgt die kleine «Pocket Bar»: Versteckt hinter schweren Vorhängen und inspiriert vom Geist des Pariser Lido, hat sie eine verspieltere, cineastisches Ausstrahlung. «Alles hat sich verändert, und doch hat sich nichts verändert», ist es von vielen Gästen wie auch Einheimischen gleichermassen zu hören. Diese stille Kontinuität war genau die Absicht: Das Hotel wurde neu gestaltet und hat dabei seine Identität – tief verwurzelt in Ort, Erinnerung und Licht – bewahrt. Auch in den Zimmern ist das Flair aus den Anfangszeiten des Hotels mit weiteren Mid-Century-Möbeln in dunklen Hölzern präsent. Kleine Schwarz-WeissFotografien der Hotelanlage aus dieser Ära hängen gegenüber von modernen Landschaftsgemälden der französischen Künstlerin und Köchin Johanna Solal aus Marseille. Wenn wir im nächsten Sommer wiederkehren, dann freuen wir uns nicht nur auf die geschmackvolle Inneneinrichtung. Im Zimmer waschen wir als Erstes die Hände mit subtil riechender Seife der lokalen Marke Fragonard aus Grasse. Dann geht es raus auf einen Spaziergang hinunter in die wenige hundert Meter tiefer gelegene Parkanlage. Einen Zwischenhalt auf der Terrasse der Bar du Soleil lassen wir uns nicht entgehen, gönnen uns einen Erfrischungsdrink und holen dort auch gleich Tennisschläger und Bälle ab. Denn ein paar Meter weiter unten liegt einer der schönsten Tennishartplätze überhaupt, gesäumt von schattenspendenden Pinien und mit einem prächtigen Blick auf das Meer und die Bucht Baie du Niel. Nach der Tennispartie geht es in der Grünanlage weiter die Treppe hinab, vorbei am Pétanque-Platz neben dem Grillrestaurant Le Barbecue bis zum Pool, der in den Felsen gebauten ist, wo Liegestühle und Sonnenschirme zum Faulenzen laden. Abends debattieren wir bei einem Sundowner im Hauptrestaurant La Rascasse, ob wir zum Dinner lieber hier im sanft-mondänen Ambiente sitzen bleiben, um bei prächtigem Meerblick die Kreationen von Chef Sébastien Graize zu kosten. Oder ob wir in der bodenständigeren, dorfseitigen Brasserie einkehren sollen, wo es köstliche «petits farcis provençaux» – mit Reis und Tomatensauce gefülltes Gemüse – gibt. So oder so: Den Abend schliessen wir mit einer Kugel Glace oder einem Digestif am Feuer im grossen Steinkamin ab. Auf den riesigen gemusterten Sofas werden wir Pläne für die nächsten Ferientage in diesem provenzalischen Refugium schmieden. Kim Dang
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6. September 2026
Insel für Fortgeschrittene Teneriffa ist die Insel der grossen Gegensätze. Mit Landschaften von subtropisch bis karg und einem Lebensgefühl zwischen avantgardistisch und authentisch. einheimische Produzenten ihren eigenen Wein und bodenständige kanarische Gerichte. Doch die Küche der Insel ist weit vielfältiger: Im Mittelpunkt stehen lokale und saisonale Produkte – frischer Fisch aus dem Atlantik, handwerklich hergestellter Käse, Papayas und Bananen aus heimischem Anbau oder Gofio, das geröstete Getreidemehl, das seit Jahrhunderten zur kanarischen Küche gehört. Wer exzellenten kanarischen Wein liebt, kennt auf der Insel auch Juan Jesús. Seit 1990 führt der Önologe die Bodega Viñátigo in La Guancha. Legendär ist hier die kreisförmig angelegte Bodega, die teilweise in das Erdreich des Hangs eingebaut ist und ein wunderbar kühles Klima bietet, um die köstlichen Tropfen aus autochthonen Rebsorten zu kosten, die hier auf vulkanischem Boden wachsen.
ADOBE STOCK
Wer bei Teneriffa nur an Ferienhotels und schwarze Strände denkt, greift in seiner Vorstellung zu kurz. Denn die Insel spielt die gesamte Klaviatur. Teneriffa ist Eleganz, Geschichte und subtropisches Paradies an rauer Atlantikküste. Und von Passatwinden so fein temperiert, dass sich die Kanareninsel nicht mehr nur als Tipp für einen milden Winter, sondern zunehmend auch für den Sommer empfiehlt. Gerade einmal viereinhalb Flugstunden von Zürich entfernt liegt die Insel, die einen zweiten Blick verdient.
Zwischen Vulkanen, Kulturerbe und Meer
Urbanes Teneriffa
FRANCIS PÉREZ
Zwischen Küste und Atlantik: Teneriffas Dörfer eröffnen immer wieder weite Ausblicke auf den Ozean.
Eine Walkuh zieht mit ihrem Kalb durch die Gewässer vor der Kanareninsel. TOURISM TENERIFE
Als kultivierter Rückzugsort gilt der Norden, el Norte. Charmant, ursprünglich und mit einer kulturellen Identität, die überall noch sichtbar ist. In den Stadtpalästen und imposanten Herrenhäusern, aber auch in den schmalen historischen Gassen, die vor dem inneren Auge das geschäftige Treiben der Händler vergangener Tage wieder aufleben lassen. Zu den wohl reizvollsten Küstenorten gehört Garachico im Nordwesten. Übersetzt bedeutet der Name so viel wie «kleiner Felsen» oder auch «kleine Felseninsel» und verweist damit auf den Roque de Garachico, der unweit der Küste im Atlantik liegt. Und vielleicht erzählt kaum ein anderer Ort so elegant und mit einer Prise Nonchalance von Scheitern und Neuanfang. Denn das 1496 von dem genuesischen Bankier Cristóbal de Ponte gegründete Städtchen avancierte im 16. und 17. Jahrhundert zum bedeutendsten Handelshafen für Zucker und Wein. Kosmopolitisch, unabhängig und mit einer wirtschaftlichen Vorrangstellung, die jedoch ein jähes Ende fand, als 1706 der Vulkan Trevejo ausbrach und den Hafen unter Lavamassen begrub. Doch wie so oft nach tragischen Ereignissen erfinden sich nicht nur die Menschen, sondern auch die Natur immer wieder neu. Eindrücklichstes Beispiel dafür sind die natürlichen Wasserbecken aus Lavagestein von «El Caletón». Direkt am Atlantik gelegen, erinnern sie mit ihren Steinstufen und terrassierten Flächen an Riviera-Glamour vergangener Dekaden. Frühmorgens lässt sich hier Energie tanken, mit Blick über die Weite des Meeres oder die Steilküste von La Culata. Unweit von «El Caletón» liegt die Casa Palacio del Marqués de la Quinta Roja mit dem gleichnamigen Boutiquehotel und einem der poetischsten Innenhöfe Garachicos. Nach einem Bad im Atlantik ist eine Tasse Kaffee hier nicht nur ein genussvoller Start in den Tag, sondern auch visuelle Wellness für Ästheten. Während an heissen Tagen das Meer und schattige Gärten locken, bietet die Region im Frühling und Herbst einen idealen Ausgangspunkt für Entdeckungen mit Abenteuergeist. Ob in der Vulkanlandschaft von Arenas Negras, in den Lorbeerwäldern oberhalb von Los Silos oder in Buenavista del Norte am Fusse des Teno-Gebirges, wo inmitten des Naturschutzgebiets eines der exklusivsten Golfresorts des Nordens liegt: das Hacienda del Conde Meliá Collection Golf & Spa mit seinem von Golflegende Severiano «Seve» Ballesteros entworfenen Golfplatz zwischen Atlantik und berauschender Natur.
Einen Kontrapunkt zum ländlichen Idyll setzt die kleine Stadt Puerto de la Cruz mit ihrem Hafen, den subtropischen Gärten und architektonischen Legenden. So wie der Meerwasserkomplex Costa Martiánez aus der Feder des Künstlers und Landschaftsgestalters César Manrique, dessen erste Skizzen zum Projekt Ende der 1960er Jahre auf einer Serviette entstanden sein sollen. Das Gesamtkunstwerk besteht aus verschiedenen Becken, dunklem Lavagestein, Skulpturen und heimischen Pflanzen. Eine Welt für sich, allerdings im kulinarischen Sinne, ist auch das Restaurant El Taller Seve Díaz, das unscheinbar im Zentrum in einem kleinen weissgetünchten Haus nahe der Plaza del Charco zu finden ist. Hier zaubert Küchenchef Seve Díaz Virtuoses aus kanarischen Produkten auf den Teller und wurde dafür 2026 mit seinem ersten Michelin-Stern ausgezeichnet. Doch nicht nur der Norden bietet das Zeug zum Unvergesslichen, auch im Süden entstehen Gegenentwürfe zum allgemeinen Tourismus auf der Insel. Eines der spannendsten Projekte findet man nahe des historischen Dorfes Arico el Nuevo: das Ecohotel El Agua. Inmitten von Oliven- und Bananenhainen gelegen und ein Refugium, das der Kulisse eines mediterranen Arthouse-Films entsprungen sein könnte. Gegründet wurde «El Agua» von Anthony Picq, dem ehemaligen Biobauern, der das 200 Jahre alte und verlassene Bauernhaus entdeckte und zu einem Ort für wenige Gäste und ganzheitliches Wohlbefinden machte. Traumhaft abgeschieden auf der kargen Höhe Aricos ist dennoch der Weg zur Atlantikküste nicht weit. In rund einer Viertelstunde erreicht man mit dem Auto La Listada, El Porís oder den kleinen Fischerort Tajao, der pittoresk und in einer gut vor Wind und Wellengang geschützten Bucht liegt. Ein Muss ist der Fang des Tages in einem der kleinen, charmant-ungeschliffenen Restaurants mit ihren blauen Markisen und Plastikstühlen, denn manchmal braucht es nicht mehr zum Glücklichsein.
Flugverbindung Edelweiss fliegt täglich nonstop von Zürich nach Teneriffa.
Eine Insel, die man schmecken kann
flyedelweiss.com
Wer kulinarisch beglückende Ursprünglichkeit sucht, findet sie im Norden Teneriffas auch in den typischen Guachinches. In den einfachen, oft nur saisonal geöffneten Lokalen servieren
Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von Edelweiss erstellt.
Auf Teneriffa gehört das Wellenreiten vielerorts zum Lebensgefühl.
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Filmreifer Auftritt Mit der «Casa Bonavita» ist auf Malta eine neue Zeitrechnung angebrochen. Die Mittelmeerinsel knüpft an glorreiche Zeiten an und zeigt mit dem lang erwarteten Boutiquehotel, dass sie weit mehr ist als eine Kulisse für Hollywood. Von Tina Bremer
D
BOZ GAGOVSKI
ass Malta das Potenzial zum Blockbuster hat, hat Hollywood schon lange erkannt: «Da Vinci Code», «Gladiator», «Game of Thrones» – mehr als 100 Mal stellten Filmteams ihre Kameras auf dem Archipel zwischen Sizilien und Tunesien schon scharf. Konnten Passanten, denen der Zufall hold war, dabei zuschauen, wie Russell Crowe, Brad Pitt oder Tom Cruise durch steinzeitliche Tempel huschten und auf Wehranlagen Kämpfe ausfochten wie einst die Kreuzritter. Die Republik Malta, die sich aus der gleichnamigen Hauptinsel und ihren kleineren Geschwistern Gozo und Comino zusammensetzt, ist so reich an Geschichte wie eine ägyptische Grabkammer an Gold. Selbst die Pyramiden von Gizeh übertrumpft der Miniaturstaat im Mittelmeer: Fast 6000Jahre alt ist die Tempelanlage von Hagar Qim an der Südküste, mehr als 1000Jahre älter als die Bauwerke der Pharaonen.
Über Jahrtausende hart umkämpft
Zurück zu den maltesischen Wurzeln
Die elegante «Casa Bonavita» ist in einem Herrenhaus aus dem Jahr 1715 untergebracht.
JULIAN VASSALLO
Die Phönizier, Römer und Araber, die Spanier, Franzosen und Briten – über Jahrtausende war Malta der Zankapfel, um den die Eroberer sich stritten. Gilt der Inselstaat doch als Eingangstor zum östlichen Mittelmeer, als letzte Bastion Europas. Und wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte. Oder Vierte. Oder Fünfte. Das Zerren um Malta hat nicht nur Gefechte mit sich gebracht, sondern auch kulturellen Reichtum. Staunend fährt man über diese Insel, die so karg und sonnengebleicht ist, als wolle sie zumindest landschaftlich Demut zeigen angesichts all des irdischen Überflusses: In jedem noch so kleinen Ort steht ein prächtiges Gotteshaus, wirken Barockpaläste tatsächlich wie die Kulissen aus einem Historienfilm. Unweigerlich fragt man sich: Ist es Zufall, dass Malta auf demselben Breitengrad liegt wie Hollywood? Einen filmreifen Auftritt legt auch die neue «Casa Bonavita» hin. Das Boutiquehotel im Ort Attard hat Ende Mai eröffnet, in einem Herrenhaus aus dem Jahr 1715, erbaut aus Kalkstein, der mit Fossilien durchdrungen ist. Von aussen deutet nichts darauf hin, dass sich hinter der schlichten Fassade mit der gestreiften Markise eine der meisterwarteten Hoteleröffnungen des Jahres verbirgt. Mehr als fünf Jahre lang haben Suzanne und Christopher Sharp das historische Anwesen renoviert, die 17 Zimmer zu Schmuckkästchen gestaltet, die sich zu einem Garten mit Dattelpalmen, Zypressen und Oleander öffnen. In Springbrunnen plätschert Wasser, auf der Terrasse spenden Orangenbäume Schatten.
Ein Haus, das sich lebendig anfühlt Suzanne und Filmemacher Christopher sind Experten, wenn es um das Gestalten von Räumen geht. 1997 gründeten die beiden in London The Rug Company, vertrieben Luxusteppiche, die oft in Kooperation mit Modedesignern wie Alexander McQueen, Vivienne Westwood oder Paul Smith entstanden. 2010 verkauften die beiden das Unternehmen und widmeten sich fortan ganz dem Projekt «Casa Bonavita». Stammt Suzanne doch von Malta, lebte sie auf der Insel, bevor sie mit zwölf Jahren nach Rom und schliesslich London zog. Was zunächst als Feriendomizil geplant war, nahm schnell grössere Dimensionen an. «Die schönsten Häuser in Malta
liegen im Inselinneren und befinden sich in Privatbesitz, es ist schwer, einen Blick in sie hineinzuwerfen. Ich wollte, dass die Gäste das wahre Malta zu Gesicht bekommen. Es ist schwer zu beschreiben, das Haus fühlt sich für mich fast menschlich an, die Art, wie das Licht hereinfällt. Ich wollte dieses Gefühl, das ich hatte, als ich das Haus das erste Mal betrat, unbedingt beibehalten», erklärt Suzanne. Schon als Kind hatte sie ein Faible für Antiquitäten, besuchte mit ihrem Grossvater Auktionen und schaute ihm dabei zu, wie er Möbel restaurierte. Die Liebe für Altes, für Dinge mit Geschichte, zieht sich wie ein roter Faden durch die Familie und wurde auch an die nächste Generation weitervererbt: Sohn Jamie steuerte als Antiquitätenhändler seine Expertise bei der Inneneinrichtung bei. In der Empfangshalle, die einst zu den Stallungen gehörte, liegt vor dem Kamin ein floraler Aubusson-Teppich aus Frankreich, über dem Esstisch hängt ein Murano-Lüster, in Suite 18 (die Zimmernummer 13 wurde aus abergläubischen Gründen eliminiert, sicher ist sicher!) steht eine Eichentruhe mit Malteserkreuz, in der Küche, in der jeden Morgen frisch gepresster Orangensaft und Schokoladencroissants bereitstehen, stapelt sich das Geschirr in einem Genoveser Kabinett, in dem Geheimfächer für Schmuggelware versteckt sind.
Suzanne und Christopher Sharp verwandelten ihr privates Ferienhaus in ein stilvolles Boutiquehotel.
Geschickt wurde Vergangenes mit Neuem verwoben, sodass alles aussieht, als sei es schon immer da gewesen und trotzdem zeitgemäss. Die Fresken im Restaurant (Chefkoch Dex Oseman übersetzt sein Wissen aus dem Londoner «The River Café» in maltesische Köstlichkeiten wie Kaninchen mit Weisswein, Knoblauch und Kräutern) haben die Künstler Alfonso Orombelli und Luna Aulehla Greppi gemalt, die handgezeichnete Tapete in der VallettaBar stammt von de Gournay, fast alle Leuchten aus der benachbarten Villa Bologna Pottery. 2020 stiegen Sharps Tochter Sophie und ihr Ehemann Rowley in die historische Porzellanmanufaktur ein, führten neue Farben und Formen ein. Selbstredend ziert das Geschirr nicht nur die Tische in ihrem eigenen Gartenrestaurant, sondern auch in der «Casa Bonavita». Für Sophie, die ebenfalls auf Malta aufwuchs, war es eine Rückkehr zu ihren Wurzeln. «Ich war geschockt, als wir nach London zogen. Es war so kalt, und ich habe den Strand vermisst.» Viel Musse brauchte es nicht, um Rowley zu überreden, in ihre alte Heimat zurückzukehren: «Malta ist so klein, aber zieht sehr unterschiedliche, spannende Leute an. Das Land hat eine unglaubliche Geschichte, alle sprechen Englisch, und man kann bis in den November hinein baden», erzählt der Engländer. «Die Wirtschaft ist stark,und es passiert enorm viel.» Die Insel erlebt gerade einen Moment der Transformation: Vor Kurzem ist der erste Direktflug aus New York gestartet, kommendes Jahr empfängt auf Comino ein «Six Senses»-Hotel seine ersten Gäste, und in der Hauptstadt Valletta hat das Fünfsternehotel Iniala einen neuen Flügel eröffnet. Die Zeiten, in denen Malta vorrangig Pauschalurlauber und Sprachschüler empfing, sind endgültig vorbei. Das Boutiquehotel Casa Bonavita hat der Insel wie kein anderes Haus Nachhilfe in Sachen Schönheit gegeben.
Einzigartige Highlights: Exklusives Musikfestival-Erlebnis in Engelberg Übernachtungen im Kempinski Palace Engelberg Info-Event mit Regent Seven Seas Cruises Individuell wählbaren Konzertbesuch © ANDREJ GRILC
Wenn Musik Fernweh weckt Kammermusikfestival Zwischentöne «Wenn Musik Fernweh weckt», beginnt die Reise oft lange vor dem Ablegen. Erleben Sie einen inspirierenden Anlass, an dem sich musikalische Klänge und die Faszination luxuriöser Kreuzfahrten zu einem besonderen Gesamterlebnis verbinden. Gemeinsam mit Regent Seven Seas Cruises lädt Sie MCCM Master Cruises dazu ein, in eine Welt voller Eleganz, Genuss und aussergewöhnlicher Destinationen einzutauchen. Freuen Sie sich auf exklusive Einblicke, persönliche Begegnungen und Reiseinspirationen, die Lust auf die schönsten Küsten und Kulturen der Welt machen. Musik vermag Erinnerungen zu wecken, Emotionen zu entfalten und die Sehnsucht nach fernen Horizonten zu entfachen. Genau diese Verbindung von Inspiration, Kultur und Fernweh steht im Mittelpunkt unseres exklusiven Informationsanlasses. Seit über 35 Jahren steht MCCM Master Cruises für erstklassige Kreuzfahrten und aussergewöhnliche Expeditionsschiffsreisen. Als familiengeführtes Unternehmen im Herzen von Zürich verbinden wir persönliche Beratung mit fundiertem Fachwissen und einer grossen Leidenschaft für besondere Reiseerlebnisse. Mit einem sorgfältig ausgewählten Portfolio renommierter Reedereien und persönlicher Betreuung begleiten wir unsere
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formationsanlass Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Freuen Sie sich auf faszinierende Einblicke, persönliche Gespräche mit unseren Kreuzfahrtexperten sowie einen stilvollen Apéro in entspannter Atmosphäre. Wer das exklusive Übernachtungspaket wählt, darf sich darüber hinaus auf ein besonderes Kulturerlebnis freuen: Im Arrangement ist ein Konzertbesuch im Rahmen des Kammermusikfestivals Zwischentöne Engelberg inbegriffen – eine harmonische Verbindung aus musikalischem Hochgenuss, alpiner Gastlichkeit und exklusivem Reiseerlebnis.
MUSIK | ERLEBNIS | GENUSS
Kammermusikfestival Zwischentöne Engelberg Konzertprogramm 2026
Kempinski Palace Engelberg – Ihr exklusiver Rückzugsort in den Alpen
Freitag, 16. Oktober 17:30 Uhr Eröffnungskonzert «Zeichen» Kursaal Engelberg Kempinski 19:30 Uhr «Spiele» Kursaal Engelberg Kempinski 22:15 Uhr Late-Night aus Budapest Kursaal Engelberg Kempinski Samstag, 17. Oktober 10:45 Uhr Matinee Kloster: «Dialoge» Kloster Engelberg 15:15 Uhr The Broken Column Kursaal Engelberg Kempinski 17:15 Uhr Hommage à Robert Schumann Kursaal Engelberg Kempinski 19:15 Uhr Aus tiefer Not Kursaal Engelberg Kempinski
Exklusives MCCM Erlebnis Erleben Sie die harmonische Verbindung von musikalischem Hochgenuss und exklusiver Reisewelt mit dem besonderen Arrangement von MCCM Master Cruises. In Kombination mit dem Kammermusikfestival Zwischentöne Engelberg und Regent Seven Seas Cruises erwartet Sie ein stilvoll abgestimmtes Erlebnis, das inspirierende Reiseeinblicke, erstklassige Gastlichkeit und ein Konzert der Kategorie 1 zu einem unvergesslichen Gesamtpaket vereint.
Das Kempinski Palace Engelberg vereint den Glanz der Belle Époque mit entspanntem Luxus und zählt zu den exklusivsten Hotels der Schweizer Alpen. Das traditionsreiche 5-Sterne-Superior-Haus begeistert mit stilvollem Ambiente, ausgezeichneter Kulinarik und einem Rooftop-Spa mit spektakulärem Panoramablick auf die Bergwelt.
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Tagesprogramm 15. oder 16. Oktober 2026 (kostenlos) 15:00 - 16:00 Uhr Hotelbesichtigung 16:00 - 17:30 Uhr Präsentationen von Regent Cruises, Kempinski Palace Engelberg und MCCM Master Cruises 17:30 - 18:30 Uhr Persönliche Beratung Wochenendprogramm Anreise 15. oder 16. Oktober 2026 (kostenpflichtig) Alle Leistungen des Tagesprogrammes sowie zusätzlich: • Am Anreisetag ab 19:00 Uhr 4-Gang-Menü im Cattani Restaurant (exkl. Getränke) • 2 resp. 3 Übernachtungen im Doppelzimmer inkl. Frühstück • 1 Konzertbesuch nach Wahl in der Kategorie 1 Preise pro Person Boutique/Superior Zimmer «Run of the House»: Premier Zimmer:
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Anmeldung/Buchung Eine Anmeldung ist obligatorisch und nur gültig mit einer Teilnahmebestätigung von MCCM. Eine Buchung des Wochenendprogrammes ist verbindlich und kostenpflichtig. Da die Anzahl der verfügbaren Zimmer und Konzertplätze limitiert ist, empfehlen wir eine frühzeitige Buchung. Ab Buchung liegen die Annullationsbedingungen bei 100%.
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SCHWERPUNKT BON VOYAGE
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6. September 2026
Kunstschätze
Wo der Garten die Kunst umarmt Zwischen behutsam restaurierten Scheunen und jahrhundertealten Steinmauern entfaltet sich ein stilles Spektakel. Kinder balancieren lachend auf Skulpturen, Besucherinnen und Besucher aus aller Welt verlieren sich im wildromantischen Garten von Landschaftsarchitekt Piet Oudolf oder entdecken die Kunst bei Workshops neu. Im Zentrum des höchst Instagramtauglichen Ensembles: fünf miteinander verbundene Ausstellungshallen, in denen regelmässig Ikonen wie Alexander Calder, Pipilotti Rist, Louise Bourgeois, Martin Creed oder Henry Moore gezeigt werden – kostenlos zugänglich und von einer kuratorischen Finesse, die so manches grosse Kunstmuseum aussticht. Aktuell läuft bis 18. Oktober 2026 eine Werkschau des angesagten puertorikanischen Malers Angel Otero, die während einer Künstlerresidenz vor Ort entstanden ist. Ab 7. November widmet sich eine Ausstellung der Schweizer Künstlerin und Forscherin Emma Kunz (1892–1963), bekannt für ihre grossformatigen geometrischen Zeichnungen. Das Gästehaus mit seinen fünf Schlafzimmern ist Artists in residence, Kuratoren und ausgewählten Galeriekunden vorbehalten. Das lässige italienische Restaurant Da Costa und die kunstvoll inszenierte Roth Bar stehen hingegen allen offen. Der Hofladen ist eine Schatzkammer regionaler Delikatessen und kunsthandwerklicher Kostbarkeiten. Auch das Dorf profitiert sichtbar von der Anziehungskraft der Kunstdestination Hauser & Wirth Somerset, die seit der Eröffnung über eine Million Besucher angezogen hat. Das reizvolle ZwölfZimmer-Hotel Number One Bruton im Ortszentrum verdankt seine Gästeschar grösstenteils dem kulturellen Aufbruch. Bruton hat seine heutige Bestimmung gefunden und sich dabei seine wohltuende Gelassenheit bewahrt.
HighlandGlam Ganz anders, aber landschaftlich ebenso eindrucksvoll, zeigt sich Braemar in den schottischen Highlands. Der 800-SeelenOrt duckt sich zwischen kargen Hügeln, als wolle er sich vor der Welt verstecken. Lange lebte die Region, bekannt als «Royal Deeside», vom Nimbus vergangener Tage. Schliesslich befindet sich Bal-
moral Castle, die Sommerresidenz der britischen Monarchie seit Queen Victoria, nur wenige Kilometer flussabwärts. Wo früher die Royal Family ihre Ferien verbrachte, folgte bald die britische High Society des 19. Jahrhunderts. Das Hotel The Fife Arms, 1856 mit Giebeln und Erkern im viktorianischen Stil im Ortskern von Braemar errichtet, galt damals als Place to be. Später jedoch verblasste der Glanz: missglückte Modernisierungen, veraltete Standards, eine Atmosphäre wie aus «Fawlty Towers». 2014 der Wendepunkt: Manuela und Iwan Wirth kehrten im Hotel-Pub The Flying Stag ein und sollen dort – so erzählt man sich im Ort – den schlechtesten Kaffee ihres Lebens getrunken haben. Kurz darauf erwarben sie das ehrwürdige Steingebäude. Als es vier Jahre später nach einer spektakulären Metamorphose wiedereröffnete, rückte Braemar fast über Nacht auf die Weltkarte der Kunstdestinationen.
Ein Hotel als Galerie Das Konzept war kühn und völlig anders als alles, was man bis anhin gesehen hatte: ein Hotel als Gesamtkunstwerk, kuratiert bis in den letzten Winkel – grosses Kino. Rund 16 000 Werke, von feinen Schnitzereien bis zu Gemälden und Skulpturen renommierter Künstlerinnen und Künstler, wurden integriert. Schon die Lobby macht klar, wohin die Reise geht: Ein Mädchenporträt von Lucian Freud empfängt die Gäste. Im Drawing Room gleich nebenan geniessen sie den Afternoon Tea unter dem Picasso-Selbstbildnis «Mousquetaire assis». Auch der Breughel im Restaurant ist ein Original, während der ganz von allein vor sich hinklimpernde Steinway-Flügel von Mark Bradford als topografische Skulptur gestaltet wurde. Im Treppenhaus glüht der «Red Deer Chandelier» aus neonfarbenen Glasgeweihen, vom kalifornischen Künstler Richard Jackson speziell für das Hotel geschaffen. Wohin man blickt, lauert eine ästhetische Überraschung – und sei es ein ausgestopftes Wildschwein, das einen neugierig mustert. Heritage und Avantgarde mischen sich mit augenzwinkerndem Esprit. Und die Wirths haben ihren Spass daran, die Gäste im Unklaren zu lassen, welche Werke in den Fluren eine Million und welche nur ein paar hundert Pfund wert sind.
Ein ehemaliger Heuschober im Herzen von Sils Maria dient heute als Lounge der «Chesa Marchetta».
Das Konzept war kühn und völlig anders als alles, was man bis anhin gesehen hatte: Ein Hotel als Gesamtkunstwerk.
ARTFARM/HAUSER & WIRTH
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nglischer als Bruton geht es kaum. Drei Autostunden westlich von London, fernab von jedem Trubel, liegt der kleine Ort eingebettet in die sanft gewellte Landschaft von Somerset: Cottages aus honigfarbenem Stein, weidende Schafe, gepflegte Zurückhaltung. Wer hier ankommt, ahnt wenig von der kreativen Energie, die in den ehemaligen Farmgebäuden jenseits des Flusses Brue pulsiert. Manuela und Iwan Wirth zogen 2007 hierher. Die beiden werden oft als das einflussreichste Powerpaar der globalen Kunstszene bezeichnet, mit Galerien von New York über St. Moritz bis Hongkong. Raus aus der Londoner Hektik, hinein in ein geerdetes Leben, in dem ihre vier Kinder naturnah aufwachsen konnten. 2014 erweiterten sie ihren zunächst privaten Rückzugsort auf dem Gelände des denkmalgeschützten Durslade Farmhouse zu einem öffentlich zugänglichen Kunstzentrum: Hauser & Wirth Somerset. Ein Projekt, das sich im Nu zu einem internationalen Magneten entwickelte und dem Konzept «Art meets Countryside» zum Durchbruch verhalf.
ARTFARM/DAVE WATTS
Bruton in Somerset, Braemar in den schottischen Highlands und Mahón auf Menorca Die Schweizer Galeristen haben eine neue Form des Kulturtourismus
Die Kunst des Zuviel Mit «opulent» ist das neoviktorianische Innendesign des britischen Innenarchitekten Russell Sage nur unzureichend beschrieben – auch in den 46 Zimmern, die alle unter einem eigenen Motto stehen und in einer breiten Preisskala (ab 700 Franken) bereitstehen. Jeder Raum im Anwesen ist herrlich überladen, ausgestattet mit moderner bis zeitgenössischer Kunst, antiken Möbeln, authentischen regionalen Fundstücken und eigens entworfenen Wandbespannungen. Ein Fiebertraum der Highlands, so faszinierend wie verschroben und reich an Anspielungen auf schottisches Kulturerbe und lokale Mythen. «Denn um Geschichte und Geschichten geht es», sagt Iwan Wirth in einem seltenen Interview mit der «Financial Times». Dass er und seine Frau bei der Übernahme des «Fife Arms» kaum Hotellerieerfahrung hatten, sieht er rückblickend als Vorteil: «Ein Aussenseiter zu sein, bedeutet, das System infrage zu stellen. Man hat gar keine andere Wahl, als die Dinge anders zu machen und Konventio-
Kuratiert bis in den letzten Winkel: «The Fife Arms» in den schottischen Highlands.
nen zu brechen.» So behandelten sie das Haus wie eine leere Leinwand und liessen ihrer Phantasie – und ihrem Künstlernetz – freien Lauf. Bemerkenswert ist: Man fühlt sich im gesamten Kunstwerk nicht zum staunenden Statisten degradiert, sondern wie ein entspannter Gast in einem gemütlichen
Landhotel. Das liegt vor allem an den herzlichen Mitarbeitenden aus der Gegend, die Gäste in SchottenkaroTartan-Outfits empfangen. Auch die urwüchsige Landschaft direkt vor der Tür prägt die ungezwungene Atmosphäre. Für viele ist das Naturerlebnis der eigentliche Höhepunkt des Aufenthalts – etwa
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NZZ AM SONNTAG
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und Landidylle
DANIEL SCHÄFER
waren einst verschlafene Orte – bis Manuela und Iwan Wirth sie wachgeküsst haben. geschaffen, die Kunst zu einem Lebensgefühl macht. Von Claus Schweitzer Die Aura der Werke überträgt sich auf die Räume, auf die Souvenirs, auf die im hauseigenen Verlag erscheinenden Bücher und damit auf die Marke selbst. Das galerieeigene Magazin ‹Ursula› rundet die Welt sinnstiftend ab.»
Die kleine grosse Kunstinsel
Die idyllische Illa del Rei in der Bucht von Mahón vor Menorca ist seit 2021 ein Anziehungspunkt der internationalen Kunstszene.
JASON INGRAM
Was einst als Ausstellungen in Metropolen begann, setzt sich heute in unerwarteten Landschaften fort.
Zur Kunstfarm Hauser & Wirth Somerset gehört ein vom Landschaftsarchitekten Piet Oudolf gestalteter Garten.
beim «Wild Wellness»: geführte OutdoorAbenteuer wie ein belebendes HighlandKaltbad im Flüsschen Ey Burn, begleitet von der enthusiastischen Naturkundlerin Annie Armstrong. Dass das «Fife Arms» trotz aller Exzentrik fest im Ort verankert bleibt, ist ein weiteres Glück. Ein Ale bei Livemusik im
«Flying Stag», ein Tee mit Scones und Clotted Cream – die Einheimischen fühlen sich willkommen und sind stolz auf den wiedererweckten Fixpunkt ihres Dorfes. Das Haus ist glamouröser Leuchtturm und sozialer Anker zugleich. Tradition wird hier nicht verdrängt, sondern lustvoll neu interpretiert.
Der Kunstexperte Kolja Reichert bringt das Geschäftsmodell der Wirths in der «FAZ» treffend auf den Punkt. «Historische Monumente werden mit zeitgenössischer Kunst aufgewertet, regional Typisches mit Weltläufigkeit verknüpft. Bei Hauser & Wirth nimmt die Kunst ein neues Wesen an, sie wird zur Lebenswelt:
Eine weitere dieser Hauser-&-WirthWelten befindet sich seit Sommer 2021 auf der winzigen Illa del Rei im Hafenbecken von Mahón vor Menorca. Die «Insel vor der Insel» beherbergt ein früheres Militärhospital, dessen künftige Nutzung noch offensteht, sowie mehrere historische Nebengebäude, die von weitläufigen Landschafts- und Nutzgärten umgeben sind (Gartendesign: erneut Piet Oudolf). Wie in Somerset wurden die Gebäude zu hellen Ausstellungsräumen, einem Restaurant und einem KunstShop mit Bar umgebaut. Besucher erreichen die Insel von der Hafenpromenade Mahóns aus in rund 15 Minuten mit dem hauseigenen ShuttleBoot. Schon die Überfahrt hat etwas Magisches, und die Ankunft auf der Insel wirkt wie eine Einladung in einen privaten Kunstclub – obwohl Hauser & Wirth Menorca für alle kostenlos zugänglich ist. Entspannt wirkende Menschen sitzen unter Pinien, schlendern durch die Kunsträume mit Werken von Cindy Sherman, Mika Rottenberg, Martin Creed oder ähnlichen Kalibern, geniessen einen Eistee oder grillierten Wolfsbarsch auf der Restaurantterrasse und erleben, wie die Zeit auf dem Eiland langsamer zu verlaufen scheint. Kunst wird hier nicht als isoliertes Schaustück präsentiert, sondern als Teil eines grösseren Erlebnisses verstanden, das einem zuvor kaum beachteten Ort neue Bedeutung verleiht. Bis am 25. Oktober läuft die gross angelegte Gruppenausstellung «Directionless», kuratiert von Rashid Johnson. Spätestens mit dem letzten Boot nach Sonnenuntergang geht es zurück in die Altstadt von Mahón – mit etwas Glück und rechtzeitiger Reservation ins Boutique-Hotel Ses Bruixes, von dessen Zimmern man direkt auf die Illa del Rei blicken kann.
Alpine Gastlichkeit anders gedacht Und die Geschichte geht weiter. Im Engadin erwarben Manuela und Iwan Wirth gleich zwei charaktervolle Hotels. Das erste ist die «Chesa Marchetta» im Herzen von Sils Maria – eine legendäre Adresse, die fast sieben Jahrzehnte lang von den Schwestern Maria und Christina Godly geführt wurde. Schon damals zog die zugehörige «Stüva» kreative Köpfe aus aller Welt an. Mit dem Ort verbindet die Wirths eine persönliche Geschichte: Hier sollen sie sich zu ihrem ersten Date getroffen haben. Gemeinsam mit dem argentinischen Architekten Luis Laplace haben sie das Ensemble behutsam umgebaut und im Dezember 2025 als Boutiquehotel mit 13 individuell gestalteten Zimmern (ab 520 Franken) und viel lokaler Kunst wiedereröffnet, darunter einigen Werken von Alberto Giacometti. Die heutige Lounge entstand in einem ehemaligen Heuschober, das Restaurant zog in den früheren Kuhstall ein und serviert dort eine zeitgemässe norditalienische Bergküche. Bis 2028 soll zudem das «Castell» in Zuoz nach einer umfassenden Erneuerung in neuem Glanz erstrahlen. Mit der Wirth-Formel dürfte es zu einem alpinen Hotspot werden. Was einst mit Ausstellungen in Metropolen begann, setzt sich heute in unerwarteten Landschaften fort.
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SCHWERPUNKT BON VOYAGE
6. September 2026
«Kannst du ein gutes Schnitzel zubereiten, kannst du alles» Von Abu Dhabi in die Münchner Altstadt: Roland Dürr, Managing Director des «Rosewood Munich», über echte Gastfreundschaft und warum das Schnitzel der härteste Gradmesser der Münchner Küche ist. Interview: Maurice Müller FOTOS: DAVIDE LOVATTI
Herr Dürr, woher kommen Sie ursprünglich? ROLAND DÜRR: Ich bin in Eberbach am Neckar geboren und in Buchen im Odenwald aufgewachsen. Ein Freund meiner Eltern pflegte zu sagen: «It’s in the middle of nowhere» – eine Stunde nach Frankfurt, eine Stunde nach Würzburg, eine Stunde nach Stuttgart. Nach dem Abitur ging ich an die Hotelfachschule in der Schweiz und habe das internationale Leben seither nicht mehr losgelassen.
Wie definieren Sie Luxus? Stephen Covey hat einmal gesagt: «Listen first before being understood.» Wir haben meistens eine Antwort parat, bevor wir die Frage zu Ende gehört haben. Echte Gastfreundschaft fängt damit an, wirklich zuzuhören. Manche Gäste wollen vollständige Zurückgezogenheit. Andere suchen Nähe. Es gibt Gäste in unseren besten Suiten, die für die Familie selber kochen möchten. Dann sorgen wir dafür, dass der Kühlschrank gefüllt ist und alles bereitsteht, als kämen sie zu uns nach Hause. Das ist für sie der ultimative Luxus. Keine Show, sondern echte Aufmerksamkeit.
Was war Ihr grösstes Missverständnis über München, bevor Sie hierherkamen? Viele sagten mir: München ist ein Dorf. Das hat mich zunächst beunruhigt, weil ich nach vielen Jahren im Mittleren Osten weiterhin international arbeiten wollte. Aber ich habe mich gründlich geirrt. In meinem ersten Münchner Sommer fand der berühmte KonzertSommer statt, wo eine einzige Künstlerin in zehn Auftritten knapp 800000 Menschen aus aller Welt anzog. Man sieht es auch beim Fussball, an den Messen und natürlich beim Oktoberfest. München verbindet das Lokale und das Internationale auf eine Art, die ich nicht erwartet hatte. Man sitzt hier mit jemandem aus Los Angeles, jemandem aus London, jemandem aus Zürich – und dem Münchner von nebenan.
In München gibt es auch den «Bayerischen Hof», das «Kempinski», das «Mandarin Oriental». Warum sollte man ins «Rosewood»? Ich glaube an das, was wir ein 360-Grad-Erlebnis nennen. Es fängt mit der Lage an: Kardinal-Faulhaber-Strasse, fünf Minuten zur Maximilianstrasse, sieben Minuten zum Marienplatz – mittendrin, aber nicht im Gewusel. Dann das Gebäude: Die ehemalige Bayerische Staatsbank hat eine Seele. Bei uns heissen die Signature-Suiten nicht Präsidentensuite, sondern König-MaximilianHouse oder Prinzessin-Augusta-House. Das Nymphenburg-Porzellan im Zimmer trägt die Initialen des jeweiligen
«Vom ersten Tag an haben wir versucht, den lokalen Gast als unser Publikum zu gewinnen. Das ist uns gelungen.»
Klassisch bayerisch geniessen: Brezeln und Weisswürste gehören zum Kulinarik-Erlebnis im «Rosewood Munich».
Sie waren zuletzt Managing Director des «Rosewood Abu Dhabi». Was können Sie hier, was dort nicht möglich war? Die geografischen Möglichkeiten sind ganz andere. Im Rahmen unseres Programms «Partners in Provenance» bezieht unser Executive Chef Matthias Brenner alle wichtigen Zutaten aus einem Umkreis von maximal anderthalb Stunden. Er kennt den Bauern, dessen Lämmer wir verarbeiten, persönlich und geht einmal im Jahr mit ihm auf die Alm. Er weiss auch, woher unsere Eier kommen, woher das Fleisch, der Fisch, das Gemüse. In Abu Dhabi ist das schlicht nicht möglich – nicht wegen mangelndem Willen, sondern wegen der Geografie. In München kann man der lokalen Gesellschaft wirklich nahekommen. Wir haben auch eine Mitarbeiterin, die gebürtige Münchnerin ist und Gäste über den nahe gelegenen Viktualienmarkt führt. Zum ersten Mal seit 2004 arbeiten Sie wieder in Deutschland. Wie fühlt sich das an? Sehr schön. Ich habe nach der Hotelfachschule in der Schweiz zunächst in Berlin gearbeitet, dann folgten über zwei Jahrzehnte im Ausland. Jetzt ins Heimatland zurückzukehren und alles, was ich in New York, Dubai und Abu Dhabi gelernt habe, hier einzubringen – das ist genau das, was ich wollte.
AMELIE NIEDERBUCHNER
Das «Rosewood» eröffnete im Oktober 2023. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis seither? Ich hätte nie gedacht, wie schnell der lokale Gast – die Münchnerin, der Münchner – so neugierig sein würde, was aus ihrer früheren Bayerischen Staatsbank geworden ist, und wie schnell er uns ins Herz schliesst. Vom ersten Tag an haben wir versucht, diesen lokalen Gast als unser Publikum zu gewinnen. Das ist gelungen. Heute kommen über 50 Prozent unserer Gäste aus dem deutschsprachigen Raum – unser stärkster Markt überhaupt. Das hätte ich so nicht erwartet und freut uns sehr.
Die «Houses» des Hotels tragen historische Namen wie «König-Maximilian-House» oder «Prinzessin-Augusta-House».
PHILIPP MAIER
München gilt trotzdem nicht als internationales Luxusreiseziel wie Paris oder Wien. Ändert sich das? Auf jeden Fall. Das ChampionsLeague-Finale letzten Mai war ein gutes Beispiel. Wir haben plötzlich einen grossen brasilianischen Anteil unter unseren Gästen – einen Markt, den wir vorher kaum im Blick hatten. Eine internationale Hotelgruppe wie Rosewood bringt Internationalität in eine Stadt. Wir verkaufen nicht nur das Hotel, wir verkaufen die Destination München. Unsere Gäste gehen in die Museen, in die Oper und essen anschliessend in der Stadt. In den knapp vier Jahren, die ich hier lebe, bewegt sich München klar nach vorne.
Namensgebers. Wer möchte, bekommt über unseren Concierge eine Privatführung durch die Nymphenburger Porzellanmanufaktur und versteht so, wer diese Menschen waren und wo sie gelebt haben. In diesem Moment wird aus einem Hotel ein Erlebnis.
Der elegante Wintergarten lädt in stilvollem Ambiente zum Verweilen in der Münchner Altstadt ein.
Zur Person Roland Dürr wuchs im Odenwald auf und absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung an der Hotelfachschule in der Schweiz. Seine internationale Karriere führte ihn über das «Jumeirah Beach Hotel Dubai», das «Burj Al Arab», das «Four Seasons Berlin» und das «Jumeirah Essex House New York» zu Rosewood, wo er zunächst als Hotel Manager des «The Carlyle» in New York tätig war. Von 2016 bis 2022 leitete er das «Rosewood Abu Dhabi». Seit November 2022 ist er Managing Director des «Rosewood Munich», des ersten Hauses der Gruppe in Deutschland.
Was dürfen die Gäste in den nächsten Jahren noch erwarten? Relevant zu bleiben, ist die grösste Aufgabe. Wir arbeiten an Markenkollaborationen – mit Mode, Luxury Retail oder Köchen aus aller Welt –, so dass im «Rosewood» immer etwas passiert. Ein Gast sagte neulich zu mir: «Seitdem ich weiss, dass es die Bar Montez gibt, muss ich für einen guten Cocktail nicht mehr nach London oder New York fliegen.» Haben Sie ein persönliches Lieblingsgericht auf der Karte? Das Schnitzel. Ich wusste natürlich, was ein Schnitzel ist – aber ich hatte keine Ahnung, welche Kultur dahintersteckt. In München ist das kein Gericht, das ist eine Philosophie: Wie dick ist das Fleisch? Welche Panade? Hat es die richtige Blase? Unser Chef Matthias Brenner kommt aus der Region, sein Rezept stammt von seiner Grossmutter: bestes Kalbsfleisch, spezielles Mehl, das Ei nur leicht angeschlagen. Kannst du ein gutes Schnitzel zubereiten, kannst du alles.
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09. MÄRZ – 27. APRIL 2027 09.03. Flug nach Singapur 10.03. Stadtrundfahrt und Besichtigung Gardens by the Bay 11.03. Flug nach Auckland 12.03. Tag zur freien Verfügung 13.03. Ausflug nach Waiheke Island 14.03. Stadtrundfahrt und Einschiffung 15.03. Rotorua Neuseel. (07.30 – 18.45) 16.03. Napier Neuseeland (12 – 18) 17.03. Wellington Neuseel. (08 – 18) 18.03. Picton Neuseeland (08 – 17) 19.03. Christchurch Neuseel. (08 – 17) 20.03. Dunedin Neuseeland (07 – 18) 21.03. Fahrt durch den Fjordland Park 23.03. Hobart Tasmanien (08 – 17) 25.03. Melbourne Australien (08 – 17) 27.03. Sydney Australien (07 – 18.30) 29.03. Brisbane Australien (08 – 17) 01.04. Nouméa Neukaled. (08 – 18) 02.04. Lifou Neukaledonien (08 – 17) 04.04. Lautoka Fidschi (08 – 17) 05.04. Suva Fidschi (08 – 17) 06.04. Savusavu Fidschi (08 – 17) 08.04. Pago Pago Samoa (10 – 18) 15.04.- Honolulu Hawaii (07 – 23 16.04. am Folgetag) 17.04. Kauai Hawaii (07 – 18) 18.04. Big Island Hawaii (08 – 18) 25.04. Seattle, Stadtrundfahrt, Flug nach San Francisco 26.04. Stadtrundfahrt, Flug nach Zürich 27.04. Ankunft in der Schweiz
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3'190.9'290.-
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Unser Inklusivpaket mit 5 Extras. Gilt für die Länge der Kreuzfahrt. + Getränkepaket + Internet-Surf-Paket + USD 300.- Guthaben für Landausflüge + Trinkgelder an Bord + 3 Eintritte in SpezialitätenRestaurants
Routenverlauf: Tage auf See nicht erwähnt Nicht inbegriffen: Getränke, Serviceentgelt auf Dienstleistungen an Bord, optionale Trinkgelder an Bord (ca. 18 USD p.P./Nacht)
MEHR INFOS:
NUR 69.-/ NACHT Pfister Kreuzfahrten AG Kinkelstrasse 2, 8006 Zürich
SCHWERPUNKT BON VOYAGE
6. September 2026
FOTOS: PD
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Die «Grandeur» der US-Reederei Regent Seven Seas Cruises zählt zu den luxuriösesten Schiffen der Branche: ein schwimmender Palast aus Marmor, Kronleuchtern und Gegenwartskunst.
Opulenz auf hoher See
Die «Grandeur» von Regent Seven Seas Cruises ist eine schwimmende Galerie, die an Orten voller Naturschönheiten anlegt. Unterwegs nach Island und zu den Färöer-Inseln. Von Tina Bremer
F
ür Wünsche ist es leider zu spät, der Zug ist abgefahren. Oder eher: das Schiff. Als die «Seven Seas Grandeur» im Hafen von Djúpivogur anlegt, ist die Sommersonnenwende schon vorbei. Eine Zeit, in dem der Berg Búlandstindur laut Überlieferung Wünsche erfüllen soll. Im Juni, am längsten Tag des Jahres. Wenn die Sonne hoch am Himmel steht und sich nur für zwei, drei Stunden hinter den Horizont zurückzieht. Ob der Basaltberg, dem magische Energien zugeschrieben werden, tatsächlich in der Lage ist, einmal im Jahr Wünsche wahrwerden zu lassen, sei dahingestellt, zuzutrauen ist es ihm aber: Der Búlandstindur sieht aus, als hätten ihn die Mayas erbaut. Wie eine Pyramide überragt seine Spitze den Fjord von Berufjördður, ist auch im Hafen von Djúpivogur sichtbar, wo die Seven Seas «Grandeur» früh morgens festgemacht hat. Als die «Grandeur» Ende 2023 im italienischen Ancona vom Stapel lief, vervollständigte sie – nach der «Explorer» und der «Splendour» – die mittelgrosse Explorerklasse der US-Luxusreederei Regent Seven Seas Cruises. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Seither zählt das Schiff zu den luxuriösesten der Branche. Die 14 Decks sind ein Paralleluniversum aus Kronleuchtern, Marmorböden und einem Atrium mit freischwingender Treppe, die nur dafür ge-
macht scheint, dass gleich ein Hollywoodstar herabschwebt. Auf der Jungfernfahrt war es – inkognito – Sängerin Shania Twain, immerhin.
Ein eigens fürs Schiff angefertigtes Fabergé-Ei Die «Seven Seas Grandeur» wirkt nicht nur wie ein Grandhotel, das in See gestochen ist, sondern präsentiert sich auch als Galerie: Mehr als 1600 Kunstwerke im Wert von sechs Millionen US-Dollar zieren die Restaurants und Gänge. Fotografien, Gemälde, Skulpturen. Fast alle modern, die meisten jünger als der Durchschnittspassagier. Unbestrittenes Highlight: das eigens für das Schiff angefertigte Fabergé-Ei – das einzige, das permanent auf den Weltmeeren kreuzt. In einer Glasvitrine dreht sich die mit Diamanten und Perlen besetzte Kostbarkeit, blau wie das Wasser. Ein paar Meter weiter dekoriert der zwölf Meter lange Wandteppich «The Enchanted Tree» des brasilianischen Künstlers Walter Goldfarb das Atrium. Dabei warten die wahren Kunstwerke an Land, geschaffen von Wind und Wasser, Feuer und Eis. Artefakte, an denen kein Preisschild hängt, unverkäuftlich und – da herrscht Konsens – atemberaubend. Die Reise «Magical Midnight Sun» führt von Island, Europas zweitgrösster Insel, auf die Färöer-Inseln und zurück.
Regent Seven Seas Cruises 2027 feiert die Luxusreederei ihren 35. Geburtstag. Pünktlich zum Jubiläum soll im Dezember das siebte Schiff zu Wasser gelassen werden: die «Seven Seas Prestige». Zeitgleich werden die Einstiegssuiten der Schiffe der Explorerklasse vergrössert. Derzeit kommen auf der «Seven Seas Grandeur» 746 Passagiere auf 548 Crewmitglieder. Neben Speisen und Getränken sind auch viele Landausflüge sowie der Wäscheservice inklusive. de.rssc.com
Dorthin, wo die Natur die Hauptrolle spielt. An Orte, deren Namen wir nicht aussprechen können, die ihren Weg nicht über unsere Lippen finden. Wo Fjorde ins Land schneiden, es unter der Erde kocht, Wasser von Klippen fällt. Wo das Land so grün ist, dass selbst der grösste Weltschmerz auf einen Funken Hoffnung trifft. In Grundarfjörfur, auf der Halbinsel Snaefellsnes, überragt der Kirkjufell das Fischerdorf. Im Schatten des «Kirchenbergs» stellt der Bildhauer Lúðvík Karlsson Skulpturen aus Basalt her. «Ich arbeite viel mit dem Vulkangestein, schliesslich ist Grundarfjörfur auf dem Kessel eines erloschenen Vulkans errichtet», erzählt der Künstler und zeigt auf die umliegenden Berge. «Die Steine sind wie ich: aussen hart und innen weich», sagt Karlsson. Der 70-Jährige, Bandana um den Kopf und Ring im Bart, sieht aus wie ein Mitglied der Hells Angels. An Engel glaubt der vermeintliche Rocker nicht unbedingt, an die «Hidden People» dagegen schon. Elfe und Trolle, die zum Huldufólk gehören, in Felsen und Klippen wohnen. «Auf Island respektiert man die Natur und das, was man nicht sieht. Man muss nicht alles erklären können im Leben.» Wie die Jólasveinar, die 13 Weihnachtstrolle. Die vorwitzigen Gesellen sollen im Lavafeld von Dimmuborgir wohnen. Im Dezember wandert einer
nach dem anderen ins Tal, um die Menschen zu necken. Den Abschluss macht der Kerzenschnorrer Kertasníkir, der an Heiligabend die Kerzen von der Tafel stiehlt. Dimmuborgir entstand vor rund 2300 Jahren, als erkaltende Lava Säulen bildete, die wie Skulpturen in der Landschaft stehen. Die «dunkle Festung» diente auch als Drehort für die MysterySerie «Game of Thrones». Beim Ausflug «Jewels of the North» steht das Lavafeld ebenso auf dem Programm wie das Geothermalfeld von Hverir. Wolkenfetzen wabern über die ockerfarbene Mondlandschaft. In kleinen Kratern blubbert Schlamm, dort, wo die Erdkruste aufgebrochen ist, entweicht heisser Schwefelwasserstoff.
Kunst und Kulinarik Es ist Seetag, mit 17 Knoten geht es Richtung Färöer-Inseln, zieht der Horizont in Endlosschleife vorbei. In der Bibliothek schmökern Passagiere, in der Meridian Lounge decken livrierte Kellner die Tische weiss ein. Um 16 Uhr wird der Afternoon Tea serviert, werden Earl Grey und Lachshäppchen zu Jazzmusik gereicht. Das Schiff ist ein schwimmendes Schlaraffenland, in dem man über Milch und Honig nur müde lächelt, der Champagner von morgens bis abends fliesst. Herr über die sieben Restaurants,
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TINA BREMER
NZZ AM SONNTAG
die 600 Kilo Hummer, die 10 Kilo Kaviar und die 250 Kilo geräucherten Lachs, die während der zehnnächtigen Reise verputzt werden, ist David Parolin aus São Paulo. Der Küchenchef ist seit fünf Jahren an Bord, seekrank wird er seit seiner ersten Reise zum Glück nicht mehr. Egal ob Poseidon das Wasser zu meterhohen Wellen aufbauscht und die Töpfe in der Bordküche scheppern. Etwas aber ist beim Alten geblieben: seine Liebe für Steaks. «Ich bin schliesslich Brasilianer», erklärt er. Im Grillrestaurant Prime 7 sind die Steaks 28 Tage lang trocken gereift, bevor sie auf den Tellern landen. Die Show stiehlt ihnen aber jemand anderes: die drei echten Picassos an der Wand. Sie gehören zu den kostbarsten Werken an Bord, Kapitän Aris Mertzanis hat dennoch einen anderen Favoriten – den Kirschbaum aus Glas und Bronze von Savoy Studios. Die Skulptur steht vor dem Restaurant Pacific Rim. «Die Blüten erinnern mich an die Mandelbäume in Griechenland. Sobald sie blühen, ist der Frühling nicht mehr weit», sagt der Kapitän: «Immer wenn ich an ihm vorbeigehe, streiche ich über die Blüten.» Der Grieche mit dem goldenen Anker um den Hals arbeitet seit zwölf Jahren für Regent Seven Seas Cruises. «Seither gibt es kein Zurück mehr für mich.» Vielleicht auch, weil er seinen Dienst an einem Valentinstag angetreten hat? So oder so – die Liebe zur Seefahrt scheint fest in seiner DNA verankert zu sein:
Die «Grandeur» gehört zur mittelgrossen Explorerklasse.
«Nach sechs oder sieben Wochen an Land muss ich wieder aufs Wasser.»
Abgelegene Schafsinseln Sein Reich, die Brücke, befindet sich auf Deck 10. «Ich navigiere die <Grandeur> schon seit zwei Jahren, aber trotzdem
Typische Färöer-Häuser: Das Gras dient der Isolierung.
fühle ich mich jeden Morgen wie Captain Kirk aus <Star Trek> », sagt Mertzanis und zeigt auf moderne Instrumente und Monitore. Der Kompass hat das Schiff über Nacht auf die Färöer-Inseln geleitet, ein Archipel im Nordatlantik, der zwar zu Dänemark gehört, aber irgendwie auch nicht, der zwischen Norwegen und Island liegt. Die 18 Inseln haben sich
weitgehend ihre Autonomie und Ursprünglichkeit bewahrt. Auf einer der abgelegensten Destinationen Europas kommen auf rund 54 000 Einwohner mehr als 70 000 Schafe. Das ganze Jahr über grasen die Wappentiere an den Berghängen und in den Tälern, trotzen Wind und Wetter. «Als ich jung war, habe ich die Natur hier als selbstver-
ständlich betrachtet. Erst als Erwachsene ist mir bewusst geworden, wie besonders die Landschaft ist», erzählt Helga Nordendal. Die gebürtige Färingerin arbeitete ein Jahr lang in Dänemark, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte. Bald wird sie an der Schule Färöisch lehren. «Wir möchten unsere Sprache schützen.» In ihrer Freizeit empfängt Nordendal im Dorf Bøur Touristen, trägt in einem Haus aus dem Jahr 1856 die Geschichten ihrer Familie weiter. Auf dem Dach wächst Gras, als Isolierung. Vor den Fenstern erhebt sich das Eiland Tindhólmur wie ein Drachenkamm im Meer. An der Küste nisten Papageientaucher und Eissturmvögel in Klippen, wehen Farne im Wind. Ganze 24 Tunnel verbinden die raue Inselwelt der Färöer. Bevor der Gasadalstunnilin nahe dem Küstenort Bøur erbaut wurde, trug das isolierte Tal Gásadalur den treffenden Spitznamen «ein Halt von der Zukunft entfernt». Inzwischen hat die Moderne Einzug gehalten, und die Atlantikinseln können mit Meisterwerken der Ingenieurskunst aufwarten: den weltweit einzigen Kreisverkehren unter Meeresspiegel. Auf elf Kilometern Länge verbindet der Eysturoy-Tunnel seit 2020 die beiden grössten Inseln. In seinem Zentrum befindet sich eine Lichtskulptur des Bildhauers und Glaskünstlers Tróndur Patursson. Ein 80 Meter langer Stahlring umfasst einen Felsen, Menschen, die sich an den Händen halten. Für einmal nicht Kunst auf dem Wasser, sondern unter ihm.
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SCHWERPUNKT BON VOYAGE
6. September 2026
Augsburgs heimliche Sinfonie Renaissancepracht, kaiserlicher Glanz und Geburtsort weltbekannter Künstler und Komponisten: Diese NZZ-Themenreise durch die schmucke Altstadt von Augsburg offenbart ein faszinierendes Stück Musikgeschichte. Von Michael Stallknecht ADOBE STOCK
Verlagswesen; im Notendruck galt man seit dem 16. Jahrhundert als führend. Bereits 1449 verzeichneten die städtischen Annalen die älteste verbürgte Singschule des Heiligen Römischen Reiches.
Tastatur für die Kutschenfahrt
Der Zwiebelturm der Basilika St. Ulrich und Afra diente als Vorbild für zahlreiche Kirchentürme in Süddeutschland.
PD
Augsburg pflegt sein Erbe, indem es dieses ständig erneuert. So auch das seines wohl berühmtesten Sohnes, des Dichters Bertold Brecht. ECKHART MATTHAEUS
A
ugsburg wird oft nur als kleine Nachbarstadt Münchens wahrgenommen. Dabei reichen die historischen Wurzeln der einstigen Freien Reichstadt, die erst seit 1806 zu Bayern gehört, deutlich weiter zurück. Die Stadt kann auf ein reiches kulturelles Erbe mit zahllosen Prachtbauten zurückblicken. Ein besonders schönes Exemplar der Spätrenaissance ist das Rathaus mit seinem Goldenen Saal, der bei Reichstagen Kaiser empfangen sollte. Dabei war die sichtbare Pracht immer auch eine klingende, was sich in einer vielschichtigen Musikgeschichte niederschlägt. Im Rahmen unserer NZZThemenreise begibt man sich auf Spurensuche und trifft dabei immer wieder auf weltbekannte Namen. Hoch ragt der Zwiebelturm der Basilika St. Ulrich und Afra in den Himmel. Seit 1594 dient er als Vorbild für zahlreiche Kirchtürme in ganz Süddeutschland. Der Blick sollte jedoch auch über den Ulrichsplatz schweifen, hin zu Haus Nummer zehn. Eine Gedenktafel würdigt dort Johann Andreas Stein als «Freund der Mozarts». Der eine Mozart ist bis heute weltberühmt: Wolfgang Amadeus. Im Jahr 1777 weilte er vor einem Konzert beim Klavier- und Orgelbauer Stein, der mit seiner «deutschen Pianofortemechanik» die Mechanik von Flügeln revolutionierte. Der andere Mozart ist Wolfgangs Vater Leopold, der in Augsburg geboren wurde. Besonders Kaiser Maximilian I. liebte sein «Augusta aurea», das «goldene Augsburg». Natürlich reiste der Herrscher nie ohne seine Hofkapelle an, zu der herausragende Komponisten wie Heinrich Isaac oder Ludwig Senfl gehörten. Auch 1518, als der aufmüpfige Mönch Martin Luther vor den Reichstag geladen wurde. Luther selbst nannte die Musik einmal «ein göttliches Geschenk». Ob er während dieser spannungsgeladenen Tage Zeit für seine geliebte Laute fand, darf allerdings bezweifelt werden. In den Häusern der Familie Fugger musste der Reformator seine Thesen vor dem Vertreter der katholischen Kirche verteidigen. Eine Verurteilung als Ketzer hätte ihn das Leben kosten können. Mitten in der Nacht floh Luther aus dem Kloster St. Anna, in dem noch heute die sogenannte Lutherstiege an dieses Ereignis erinnert. Mit der Fuggerkapelle beherbergt die Kirche zudem die Grablege der einst reichsten und politisch einflussreichsten Familie der Stadt.
Von Brecht bis zur Puppenkiste
Ein Hotel mit 500-jähriger Geschichte Unmittelbar an den Stadtpalast der Fugger in der zentralen Maximilianstrasse grenzt ein edles Hotel, das seit fünf Jahrhunderten illustre Gäste beherbergt: das historische «Drei Mohren», das 2020 nach dem Kaiser umbenannt wurde. Im Januar 1756 wurde der hauseigene Konzertsaal Schauplatz einer denkwürdigen Uraufführung: Leopold Mozart liess hier erstmals seine «Musikalische Schlittenfahrt» und seine «Bauernhochzeit» erklingen, seine bis heute beliebtesten Werke. Für den damals bereits überregional bekannten Komponisten kam das Konzert zur Unzeit: In Salzburg, wohin er mit 18 Jahren gezogen war, sollte nur zwei Wochen später sein berühmter Sohn geboren werden. Geschäftsinteressen hatten ihn zurück nach Augsburg gerufen, wo noch im selben Jahr sein «Versuch einer gründlichen Violinschule» erscheinen sollte, der von Geigern und Musikwissenschaftlern bis heute studiert wird, im Verlag seines Freundes Johann Jakob Lotter. Augsburg verfügte über ein international erfolgreiches
Das Haus, in dem Leopold Mozart 1719 als Sohn eines Buchbinders geboren wurde, kann man bis heute nahe dem Dom besichtigen. Vor wenigen Jahren wurde die Ausstellung auf den neusten multimedialen Stand gebracht. Gezeigt wird auch ein Nachbau jener kleinen Tastatur, die Leopold bei einer Durchreise für seinen Sohn beim Klavierbauer Stein kaufte. Der Siebenjährige konnte so auch auf den langen Kutschfahrten stumm üben. Später sollte Wolfgang Amadé – «Amadeus» nannte er sich selbst höchstens im Scherz – in Augsburg allerdings noch ganz andere Interessen verfolgen: Er lernte hier seine Cousine näher kennen, die als «Bäsle» durch die derb-humorigen Briefe des Komponisten berühmt-berüchtigt wurde. Nur wenige Schritte von Leopold Mozarts Geburtshaus entfernt liegt der Ort, an dem er zur Schule ging und als Knabensopran in Theateraufführungen mitwirkte. Das ehemalige Jesuitenkolleg St. Salvator beherbergt den Kleinen Goldenen Saal – nicht zu verwechseln mit dem grösseren im Rathaus, aber ebenso eindrucksvoll. Regelmässig finden hier Konzerte des Mozartfests statt, das seit 2004 alljährlich die schönsten Säle der Stadt bespielt. Wer sich lieber auf geistliche Klänge konzentriert, muss manchmal nur die Messe im Dom besuchen und kann dort an vielen Sonntagen kostenlos den Augsburger Domsingknaben lauschen.
Sozialsiedlung aus dem 16. Jahrhundert: die Fuggerei.
Gründerzeitpracht: das Kurhaustheater Göggingen.
NZZ-Themenreise «Augsburgs Winterzauber» Musik, Kultur und weihnachtliche Atmosphäre Die NZZ-Themenreise «Augsburgs Winterzauber» vom 3. bis 7. Dezember 2026 offenbart sich als poetisches Zusammenspiel aus Geschichte, Musik und Theaterkunst. Die exklusive Reise führt in die Fuggerstadt, wo unter anderem hochkarätige Konzerte
der Domsingknaben und Wolfrums Weihnachtsmysterium in der St.- Anna-Kirche auf dem Programm stehen. Kulturelle Kontraste reichen von der legendären Puppenkiste bis zur modernen Opern-Uraufführung im Staatstheater. Begleitet vom Musikjour-
nalisten Michael Stallknecht residieren die Gäste im Fünfsternhotel Maximilian’s – feine Kulinarik inklusive (ab Fr. 2150.–). Weitere Infos: reisen.nzz.ch; Anmeldung unter 044 258 18 78 oder reisen@nzz.ch.
Augsburg pflegt sein Erbe, indem es dieses beständig erneuert. So auch das seines wohl berühmtesten Sohnes, des Dichters Bertolt Brecht, dem seit 2010 ebenfalls ein jährliches Festival gewidmet ist. Sein Geburtshaus findet sich im Lechviertel in der Unterstadt an einem der zahllosen kleinen Kanäle. Was heute ausgesprochen pittoresk wirkt, war einst das Quartier harter Handwerksarbeit. Als Schüler lernte Brecht Gitarre spielen, was sich in seiner ausgeprägt musikalischen Lyrik widerspiegelt. Die «Moritat von Mackie Messer» aus der «Dreigroschenoper» soll er sogar selbst komponiert haben. Im kommenden Jahr wird sie auch bei Aufführungen des Augsburger Staatstheaters wieder zu hören sein. Wer das Staatstheater besuchen will, muss derzeit allerdings die Innenstadt verlassen: Da das Haupthaus am Kennedy-Platz seit 2016 saniert wird, dient eine ehemalige Textilfabrik als Ersatzspielstätte – ein reizvoller Querverweis auf den Tuchhandel, dem Augsburg einen Grossteil seines historischen Reichtums verdankt. Bekannter ist ohnehin ein Augsburger Ensemble mit deutlich kleineren Darstellern: Seit 1948 beherbergt das ehemalige Heilig-Geist-Spital die Augsburger Puppenkiste. Seine handgeschnitzten Marionetten dürften viele noch aus KultFernsehproduktionen wie «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer» oder dem «Urmel aus dem Eis» kennen – nicht zuletzt dank der einprägsamen Melodien von Herman Amann. «Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer»: Wer dieses Lied bis heute mitsingen kann, darf sich rühmen, selbst einen kleinen Teil der langen Augsburger Musikgeschichte weiterzutragen.
Italiens entschleunigter Spätsommer.
In Bologna wird aus einem Halt schnell ein Abend. An Mailands Navigli klingen in der Dämmerung die Gläser. Venedig wird abends leiser. Und in Ligurien hört der Spätsommer am Meer einfach nicht auf.
Bologna unter den Portici.
Venedig wird leiser.
La Spezia: von Dichtern empfohlen.
Bologna braucht keine grosse Geste. Die Stadt wirkt über kleine Szenen: über Schritte unter den Portici, über Theken im Mercato di Mezzo, an denen man eigentlich nur kurz stehen bleiben wollte, und über Gassen, in denen aus dem Nachmittag fast unbemerkt der Abend wird. Genau darin liegt ihr Reiz. Wer durch die Altstadt flaniert, merkt schnell, wie leicht sich hier ein Tag verlängern lässt.
Venedig erzählt sich nicht über Eile, sondern über Wege. Zwischen Calli und Vaporetto-Anlegern verschiebt sich der Blick immer wieder ans Wasser. Stimmen werden leiser, Schritte langsamer, und aus einem weiteren Weg wird etwas, das man bewusst auskostet. Gerade am Abend zeigt die Lagunenstadt diese ruhige, fast schwebende Seite, die lange nachwirkt.
Für diesen Golf haben Dichter ihre Schreibtische verlassen: Byron, Shelley – bis heute heisst er Golfo dei Poeti. Was sie hierhin zog, ist geblieben: die Uferpromenade von La Spezia im letzten Licht, Portovenere und die Cinque Terre eine Bootsfahrt entfernt. Mehr braucht es nicht – damals wie heute nicht.
Direkt in den Spätsommer. Fünf Orte, ein Gefühl: Der Abend kommt von allein. Die Direktverbindungen der SBB führen täglich nach Bologna, Mailand und Venedig. Und im Oktober bis nach Genua und La Spezia ans Meer.
Mailand am Wasser.
Unterwegs in Genuas Caruggi.
Mailand zeigt seine romantischste Seite oft dann, wenn der Tag langsamer wird. An den Navigli klingt der Aperitivo an, Gläser treffen aufeinander, eine Tram zieht vorbei, und die Stadt wirkt plötzlich weniger schnell, ohne etwas von ihrer Eleganz zu verlieren. Zwischen dem Zentrum und dem Wasser entsteht jene Stimmung, wegen der man gerne noch bleibt, obwohl der Abend längst begonnen hat.
Genua gibt sich nicht auf den ersten Blick preis. Die Stadt beginnt in den Caruggi, in Gassen, so schmal, dass das Licht den Boden erst am Nachmittag erreicht. Wer sich treiben lässt, landet fast zwangsläufig am alten Hafen. Und abends, wenn in Boccadasse die Boote auf dem Kies liegen und die Fassaden in der Dämmerung nachglühen, wird aus der verschlossenen Stadt eine vertraute.
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Zwischen Himmel und Unterwelt
6. September 2026
FOTOS: DANIEL SCHNEEBELI
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Die Wanderwege im Val d’Anniviers führen über Blumenwiesen und Steinwüsten zu glitzernden Bergseen und an die Gletschertore der höchsten Schweizer Berge. Fast nirgends ist man dem Himmel näher als hier im Wallis. Von Daniel Schneebeli
Chandolin ist eines der höchstgelegenen ganzjährig bewohnten Dörfer der Alpen.
M
it Schweissperlen auf der Stirn stehen wir ganz hinten im Val d’Anniviers am Eingang zur Kupfermine von La Lée. Die Sonne brennt hier auf 1930 Metern über Meer an die Felsen, doch aus dem Stollen hinter uns strömt frische Luft. Sieben Grad Celsius ist es im Berginnern. «Bonjour, chers géologues», begrüsst uns Jessy Hourteau, die drahtige, braungebrannte Französin, die uns durchs Bergwerk führen wird. Geologen sind unter den Wanderern, die sich hier bei 30 Grad die Daunenjacken überziehen, keine dabei. Dafür eine Familie aus Frankreich mit drei neugierigen Kindern, ein Paar aus Belgien und eben wir aus der Deutschschweiz. Uns interessiert vor allem, was die Menschen vor 150 Jahren dazu getrieben hat, in einer der abgelegensten Ecken der Schweiz Schwefel und Kupfer abzubauen. Jessy Hourteau öffnet das Tor, und wir treten ein ins Reich der Bergleute. Der Stollen ist niedrig, der Boden feucht und glitschig. Wir stossen mit unseren Köpfen immer wieder an der Decke an. Gut sind die Hobbygeologen mit Helmen ausgerüstet. Hourteau lenkt den Schein ihrer Taschenlampe auf eine etwa 30 cm mächtige helle Gesteinsschicht. Eine gelbliche und eine bläuliche Ader sind zu sehen, Schwefel und oxidiertes Kupfer. Die Kinder staunen, Jessy Hourteau stellt ihnen in schnellem Französisch Fragen zum Gestein und zu den Arbeitern, die in der stickigen Dunkelheit gearbeitet haben. Die Kinder antworten eifrig, die Mutter schmunzelt stolz und die Deutschschweizer stehen daneben und freuen sich, wenn sie immerhin ein paar Brocken aus dem Zwiegespräch verstehen. Dann führt uns Hourteau in einen aufsteigenden Quergang, bis wir am Ende auf einen Ausgang stossen. Er ist vergittert, und als wir rausschauen, sehen
wir, dass er mitten in einer senkrechten Felswand liegt, die Aussicht ist schaurig atemberaubend. Dieser Gang war als Belüftungsschacht angelegt worden, der Frischluft in die staubgeschwängerten Stollen fliessen liess.
Viertausender im ewigen Schnee Nach etwa einer Stunde sind wir froh, wieder draussen an der wärmenden Sonne zu stehen und die Helme abgeben zu können. Unsere Fragen sind alle beantwortet: Es waren vor allem die Armut und die Industrialisierung in den europäischen Städten, welche die Menschen im Val d’Anniviers in den Berg trieben. 20 Minen soll es hier einst gegeben haben. Lange hatte die Goldgräberstimmung allerdings nicht angehalten, zu beschwerlich und ungesund war die Arbeit, zu weit waren die Wege, um das Gestein ins Tal zu schaffen, und zu wenig ergiebig die Erträge. Dazu kamen Streitigkeiten mit den Bergbauern, die sich gegen die Sprengungen in den Minen zu wehren begonnen hatten. Heute ist das Gold des Tales die Bergwelt, die kaum irgendwo schöner ist als im Val d’Anniviers. Und so ist das Tal heute nicht nur durch gut ausgebaute Strassen, sondern auch über ein 440 Kilometer langes Netz von Wanderrouten erschlossen. Auch die Kupfermine von La Lée ist von Zinal aus auf einem Wanderweg problemlos zu erreichen. Wir wollen dieses in der Deutschschweiz wenig bekannte Walliser Tal eine Woche lang zu Fuss erkunden. In Siders zweigt die Strasse nach Süden ins Val d’Anniviers ab. Es ist auf allen Seiten durch hohe Berge begrenzt, ganz im Süden sind es gar lauter Viertausender im ewigen Schnee – «Gipfelriesen» hat sie Goethe genannt. Hier im Val d’Anniviers nennen sie die gewaltige Bergkulisse Kaiserkrone. Zu ihr gehören Bishorn, Zinalrothorn, Obergabelhorn, Dent Blanche, das Matterhorn von hin-
ten und das Weisshorn. Es ist mit 4506 Metern über Meer der höchste Berg in der Kaiserkrone und der zweithöchste Gipfel des Landes, der ganz auf Schweizer Boden liegt. Bei unserer Anreise präsentieren sich die Berge in ihrer schönsten Pracht, keine Wolke am Himmel. Die Strasse schlängelt sich vom Rhonetal zuerst durch Wälder hoch, dann durch eine Schlucht nach hinten ins Tal. Überall sind Steinschlagnetze in den Felsen gehauen und sogar über die Strasse gezogen. Es ist eine wilde Landschaft, die bei schlechtem Wetter bedrohlich werden kann. Nur wenige Wochen zuvor war das Tal wegen Steinschlages auf dieser Strasse vom Rest des Landes abgeschnitten. Weiter hinten öffnet sich das Tal und an den Hängen werden die Dörfer sichtbar: Vissoie, St.-Luc, Chandolin, Grimentz und ganz hinten Zinal. Insgesamt sind es 15 Ortschaften, die im Val d’Anniviers politisch zu einer einzigen Gemeinde zusammengefasst sind. Knapp 2700 Menschen wohnen hier, die jeden Sommer in Ferienwohnungen und 29 Hotels knapp 200 000 Gäste beherbergen. Im Winter ziehen die Skigebiete sogar über 300 000 Besucherinnen und Besucher an. Rund die Hälfte der Bevölkerung arbeitet heute aber ausserhalb des Tales – hauptsächlich unten in der Stadt Siders. Unser Ferienhäuschen liegt am Rande von Chandolin auf fast 2000 Metern über Meer. Es ist eine der höchstgelegenen ganzjährig bewohnten Siedlungen im ganzen Alpenbogen. Von Massentourismus ist hier nichts zu spüren. Auf dem Balkon riechts nach Lärchenholz und frischem Gras. Zwischen den Bäumen werden wir im Laufe der Woche Reh und Hirsch entdecken. Wie hat Jessy Hourteau vor der Kupfermine gesagt? «C’est un peu la fin du monde.» Drei recht unterschiedliche Tagestouren haben wir an diesem Ende der Welt geplant, sie sind alle für durch-
schnittlich geübte Wanderer machbar, es braucht dazu keine Steigeisen. Wanderstöcke sind hingegen empfehlenswert: Den Aufstieg zum Illhorn, dem mit 2717 Metern über Meer nördlichsten Gipfel im Val d’Anniviers, starten wir in Chandolin. Im Winter ist er durch einen Skilift erschlossen, im Sommer geht’s nur zu Fuss. Erst spenden knorrige Arven und Lärchen etwas Schatten, dann führt der Pfad durch Alpenrosenfelder, bis schliesslich nur noch Moose und Blumen den Boden bedecken. Nie würden wir denken, dass im Winter eine Skipiste über diese Pracht hinwegführt. Der Gipfel des Illhorns ist auch für nicht schwindelfreie Menschen gut zu erreichen und die Aussicht spektakulär – im Süden die Kaiserkrone, im Norden weit unten das Rhonetal und am gegenüberliegenden Hang Crans-Montana mit seinen mondänen Hotels. Wir erkennen auch den steilen Zielhang der Weltcup-Piste.
Im eiskalten Bergsee die Füsse kühlen Direkt hinter dem Gipfel geht es hinunter in den Illgraben. Von hier aus gibt es keinen Weg in diesen gigantischen 1500 Meter tiefen Felsenkessel. Bei schlechtem Wetter donnern dort fast immer Murgänge zu Tal, so dass dieser Felsenkessel völlig unbewachsen und kahl ist. Die Schriftstellerin S. Corinna Bille schrieb einst über dieses Naturphänomen: «Es ist das Negativ eines Berges, der Ort seines Verschwindens. Bäume stürzen mit dem Wipfel voran hinein, Steine bersten, Risse bilden sich.» Lieblicher ist der Lac Noir, den wir etwa eine Stunde später erreichen. Das Wasser ist eiskalt und wie der Name schon sagt: tiefschwarz. Trotzdem haben sich zwei Wanderer für ein kurzes Bad hineingewagt. Wir kühlen uns lediglich die Füsse, was sofort einen Schwarm von kleinen Fischchen anzieht. Vom stillen Bergsee ist es nicht
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NZZ AM SONNTAG
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Blick von der Moiry-Hütte auf den gleichnamigen Gletscher.
Ein wunderschöner Wanderweg führt an der Grand Bisse von St.-Luc entlang.
Es ist eine wilde Landschaft, die bei schlechtem Wetter bedrohlich werden kann.
mehr weit bis zur belebten Bergbeiz Le Tsapé, wo wir auf der Terrasse einen Heidelbeerkuchen verdrücken. Den Abstieg nach Chandolin ersparen wir uns und nehmen bequem die Sesselbahn. Achtung: Es empfiehlt sich, den Sonnenhut gut festzuhalten, denn auf der Fahrt können Windböen auftreten. Aufstieg: 1000 Höhenmeter; Strecke: 10 Kilometer; Gehzeit: 4 Stunden; Schwierigkeitsgrad: T2.
Start im «schönsten Dorf der Schweiz» Diese Wanderung starten wir mit dem Postauto in Grimentz, dem laut Tourismusbüro, «schönsten Dorf der Schweiz». Wer Höhenangst hat, sollte sich im Bus auf die rechte Seite setzen: links geht es auf der abenteuerlichen Fahrt zum Lac de Moiry steil hinunter. Am Staudamm steigen wir aus. Erneut scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel, der See ist fast leer, so wenig hat es in den letzten Wochen geregnet. Ganz hinten im Talkessel sehen wir auf einem Felssporn bereits unser Ziel: die Cabanne de Moiry, eine SACHütte direkt am Gletscher. Beim Anblick der dunklen, steilen Geröllhalde vor der Hütte wird uns etwas mulmig. Dort müssen wir hinauf. Es gibt mehrere Wege bis ans Ende des Stausees, an beiden Berghängen auch dem Seeufer entlang. Wir entscheiden uns für die bequeme Variante, durch die Blumenwiesen dem See entlang. Immer wieder überqueren wir kleine Bergbäche, an denen Schwärme von Bläulingen und anderen Schmetterlingen Feuchtigkeit aufnehmen. Nach einer guten Stunde beginnt der Aufstieg. Dieser führt zunächst auf eine Seitenmoräne des Moiry-Gletschers, unten sehen wir grünliche Pfützen mit Gletscherwasser und Eisblöcke, die von der Gletscherzunge abgebrochen sind. Dann führt der Weg hinein in die Geröll-
Führung durch die ehemalige Kupfermine La Lée ganz hinten im Val d’Anniviers.
halde, an den steilsten Stellen sind Ketten angebracht, an denen wir uns hochziehen können. Weiter oben führt der Pfad in unzähligen Kehren empor. Mit etwas Glück sieht man zwischen den Felsen Edelweiss blühen. Auf der Hüttenterrasse auf 2828 Metern über Meer staunen wir. Überwältigend ist der Blick auf den Gletscher und auf den Dent Blanche. Zur Stärkung gönnen wir uns vor dem Abstieg noch eine deftige Walliser Rösti. Runter geht es auf dem gleichen Weg. Bei der Moräne unten sehen wir ein junges Paar, das in die Felsen hochstarrt. Es hat nur etwa 40 Meter weiter oben drei junge Steinböcke entdeckt, die dort in der Sonne liegen. «Unglaublich, phantastisch», sagt der Mann mit seinem Jagdhund an der Leine, «so was gibt’s bei uns in Hamburg nicht.» Zurück nach Grimentz, in das mit Geranien geschmückte Prachtsdorf, nehmen wir das Postauto. Und bevor wir zurück nach Chandolin fahren, wollen wir uns noch vergewissern, ob die Touristiker mit ihrem Loblied auf Grimentz nicht ein bisschen übertrieben haben. Aufstieg: 650 Höhenmeter; Strecke: 12 Kilometer; Dauer: 4,5 Stunden; Schwierigkeitsgrad: T2/T3.
Den Berghotelcharme aufsaugen Am Dorfbackofen in St.-Luc, wo im Sommer jede Woche eingefeuert wird, damit Besucher Walliser Roggenbrot backen können, starten wir die Wanderung zur Grand Bisse von St.-Luc. Der Verein «Walliser Suonen» hat dem Wasserlauf 2024 den Titel «Suone des Jahres» verliehen. Wir wollen die prämierte Grand Bisse anschauen, um uns zu vergewissern, ob der Titel verdient sei. Kein anderer Kanton verfügt über mehr Wasserkanäle als das niederschlagsarme Wallis. Die Suonen, oder Bisses, wie sie im französischsprachigen Kantonsteil
genannt werden, fassen das Wasser an vielen Bergbächen und leiten es den Berghängen entlang zu den Feldern. Wir erreichen die Grand Bisse nach etwa 20 Minuten Gehzeit. Zwischen den Lärchen sehen wir noch die Dächer und den Kirchturm von St.-Luc. Die Bisse ist hier eine auf Pfeilern montierte Holzkonstruktion. Etwas weiter hinten fliesst das Wasser in ausgehöhlte Baumstämme, die auf dem Boden liegen. Immer wieder kommen wir zu Schiebern, über die das Wasser in die darunterliegenden Wiesen geleitet werden kann. Der Weg führt uns den Kanälen entlang stets leicht bergan, die Wiesen oberhalb sind braun, unterhalb sind sie saftig grün. Die Aussicht auf die Berge ist traumhaft, und auf dem ersten sichtbaren Hügel thront unser Tagesziel, das altehrwürdige Hotel Weisshorn. Als wir am Wildbach ankommen, aus dem das Wasser für die Bisse entnommen wird, sind wir uns einig: Der Titel des Suonen-Vereins ist verdient. Über den steilen Weg, der uns dem Bach entlang an mehreren Wasserfällen vorbeiführt, steigen wir auf und gelangen auf eine Hochebene und von dort zum Hotel Weisshorn. Das erste Berggasthaus wurde an diesem aussergewöhnlichen Standort auf 2337 Metern über Meer im Jahr 1882 erbaut, weil der italienische Besitzer das Hotel Bella Tola in St.-Luc nicht konkurrenzieren wollte. Die Baumaterialien transportierten Maultiere. Und sechs Männer schleppten in einem Zweitagesmarsch sogar ein Klavier hinauf. 1889 ist das Hotel niedergebrannt, wurde aber sofort wieder aufgebaut, diesmal aus Stein und im gleichen Stil, wie das Hotel Bella Tola unten im Dorf. Wie durch ein Wunder hat das Hotel Weisshorn überlebt. Es ist nicht direkt durch eine Bergbahn erschlossen und dennoch ganzjährig offen. Seine elektrische Energie bezieht es aus einem kleinen Wasserkraftwerk, nur im Winter muss ein Dieselgenerator nach-
Was man nicht verpassen sollte Gletscherwein: Die bekannteste Talspezialität reift nach der Gärung in uralten Lärchenfässern im Val d’Anniviers. Degustationen gibt es bei Führungen in Chandolin oder Grimentz. Anmeldung online oder im Tourismusbüro. Fahrt im alten Saurer-Postauto: An ausgewählten Tagen vereinen Rundfahrten ab/bis Vissoie im Saurer-Postauto von 1941 Nostalgie und Sightseeing. Am Ende wartet ein Glas Gletscherwein im Bürgerkeller. Observatorium von St.-Luc: An der Bergstation bietet die Sternwarte Himmelsbeobachtungen durch Teleskope und audiovisuelle Shows an. Ein sechs Kilometer langer Planetenweg ist auch im Winter begehbar. Eine OnlineAnmeldung ist erforderlich.
helfen. Wir setzen uns auf die Terrasse, essen einen «Assiette valaisanne» mit lokalen Trockenfleischspezialitäten, Alpkäse und urchigem Roggenbrot und saugen den unvergleichlichen Berghotelcharme auf, den das Haus ausstrahlt. Für den Rückweg wählen wir einen direkten Weg hinunter an die Bisse. Sie führt uns zurück nach St.-Luc, wo wir uns im Garten des ebenso altehrwürden Hotels Bella Tola ein wohlverdientes «Schmutzbierchen» genehmigen. Aufstieg: 600 Höhenmeter; Strecke: 13 Kilometer; Dauer: 4,5 Stunden; Schwierigkeitsgrad: T2.
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gang und Zeit für den Weihnachtsmarkt. Die Rückkehr erfolgt am Schiffshebewerk Scharnebeck mit 38 Metern Höhenunterschied. Abends erreichen Sie Lauenburg. 6. TAG LAUENBURG–DROCHTERSEN–HAMBURG Vorbei an der Hamburger Hafenkulisse erreichen Sie Drochtersen. Von hier aus startet ein Transfer(1) nach Stade mit seinem historischen Altstadtkern und maritimem Charme. Abends fahren Sie auf der Norderelbe in den Hamburger Hafen. 7. TAG HAMBURG Am Morgen Bus- und Hafenrundfahrt(1) mit anschliessender Durchquerung des denkmalgeschützten Alten Elbtunnels. Wer möchte, verweilt am Weihnachtsmarkt und kehrt per Transferbus zum Schiff zurück. Am Abend haben Sie die Möglichkeit, an einem Konzert(4) in der Elbphilharmonie teilzunehmen. 8. TAG HAMBURG–BASEL Ausschiffung nach dem Frühstück und Bustransfer zum Bahnhof. Rückfahrt mit dem direkten ICE nach Basel. Individuelle Heimreise.
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