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NZZ Connect (D)

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Samstag, 24. Oktober 2026

Verlagsbeilage

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Real Estate Days

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Samstag, 24. Oktober 2026

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«Pauschalrezepte funktionieren nicht mehr» den oder Eigentümer keine Nachfolge haben. Pauschalrezepte funktionieren nicht mehr. Portfoliostrategien müssen künftig viel differenzierter ausgestaltet werden, um die Schere zwischen Boomregionen und stagnierenden Märkten erfolgreich zu bewirtschaften.

Nachgefragt bei Lorenz Scheibli, Managing Director von NZZ Connect, zum thematischen Schwerpunkt der NZZ Real Estate Days 2026. Interview: Céline Thommen Herr Scheibli, die Real Estate Days 2026 stehen unter dem Motto «Gesellschaft im Wandel: Neue Perspektiven für die Immobilienwirtschaft». Warum gerade dieses Thema, und was hat den Ausschlag gegeben, den gesellschaftlichen Wandel ins Zentrum zu rücken? Der gesellschaftliche Wandel, allen voran die Demografie, entwickelt sich zum zentralen Treiber der Bau- und Immobilienbranche. Die Konferenz bewegt sich in einer Branche, die traditionell im Spannungsfeld wirtschaftlicher, technischer und gesellschaftlicher Entwicklungen steht. Doch heute greifen gesellschaftliche Veränderungen tiefer denn je in den Markt ein. Wenn sich Lebensformen, Arbeitsrealitäten und die Zusammensetzung der Bevölkerung grundlegend verschieben, stellt sich für Entscheidungsträger eine fundamentale Frage: Bauen, planen und finanzieren wir heute noch für eine Gesellschaft, die es morgen so nicht mehr gibt? Die NZZ Real Estate Days rücken diese Dynamik ins Zentrum, um der Branche Raum für Analysen, pointierte Debatten und lösungsorientierte Impulse zu bieten. Demografie galt lange als eine Entwicklung, die sich vergleichsweise langsam vollzieht. Inzwischen verändern die Alterung der Gesellschaft und veränderte Wohnbedürfnisse die Nachfrage nach Wohnraum zunehmend. Wo wird dieser Wandel für die Immobilienwirtschaft schon heute ganz konkret spürbar? Spürbar ist der Wandel längst am wachsenden Bedarf an barrierefreien, hervorragend angebundenen und kompakteren Wohnkonzepten sowie an verän-

Die Real Estate Days finden 2026 zum ersten Mal in Montreux am Genfersee statt, nach vielen Jahren in den Bündner Bergen.Warum war es Ihnen wichtig, mit der Wahl des Austragungsorts auch die Romandie und ihren Immobilienmarkt stärker einzubeziehen? Die Romandie ist ein dynamischer Wirtschaftsraum mit internationaler Ausstrahlung, starken Forschungsinstitutionen und hoher Innovationskraft. Die Region vom Genfersee bis ins Wallis zeigt beispielhaft, wie eng Standortqualität, Regulierung und internationale Nachfrage zusammenhängen. Genf etwa steht als globale Drehscheibe unter besonders hohem Preis- und Flächendruck. Montreux verbindet die Lebensqualität am See mit der Nähe zu den Entwicklungsräumen der Alpen. Die Westschweiz soll dabei nicht Kulisse sein, sondern Inhalte liefern. So stärken wir gezielt den Austausch zwischen den Sprachregionen. Lorenz Scheibli verantwortet das Programm der NZZ Real Estate Days.

derten Anforderungen an Arbeitsorte durch künstliche Intelligenz, Digitalisierung und neue Rollenbilder. Unterschätzt werden oft die harten Zahlen bis 2040: Rund 700 000 zusätzlichen Rentnerinnen und Rentnern stehen nur etwa 230 000 potenzielle Arbeitskräfte gegenüber. Demografie bedeutet somit weit mehr als «Wohnen im Alter». Sie beeinflusst den betrieblichen Fachkräftemangel, verlagert Konsummuster und verändert die Basis für Hypotheken-, Vorsorge- und Anlagelösungen sowie die gesamten Kapitalflüsse der Schweiz. Während Urbanisierung und Zuwanderung den Druck auf die Wachstums-

räume erhöhen, können andere Regionen mit sinkender Nachfrage und geringerer Marktliquidität konfrontiert sein. Wie muss die Immobilienwirtschaft mit diesen zunehmend unterschiedlichen Realitäten umgehen? Die Branche muss akzeptieren, dass Risiken, Bewertungen und Renditeprofile regional immer weniger einheitlich verlaufen. In urbanen Wachstumsregionen verlangen Zuwanderung und Nachfragedruck nach verdichtetem Bauen und politisch tragfähigen Lösungen. In peripheren Lagen stellen sich hingegen völlig neue Fragen zu Marktliquidität und Tragbarkeit, etwa wenn Liegenschaften kaum mehr Käufer fin-

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«Bauen, planen und finanzieren wir heute für eine Gesellschaft, die es morgen so nicht mehr gibt?»

Gesellschaftlicher Wandel lässt sich nicht planen wie ein Bauprojekt. Welche neuen Denkweisen braucht die Immobilienwirtschaft, damit sie Veränderungen nicht nur nachträglich auffängt, sondern frühzeitig erkennt und daraus Chancen entwickelt? Es braucht ein Umdenken von starrer Planung hin zu hoher Anpassbarkeit und Flexibilität über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie hinweg. Wir dürfen Räume, Finanzen und gesellschaftliche Bedürfnisse nicht mehr isoliert betrachten. Führungspersonen müssen den gesellschaftlichen Nutzwert als Schlüssel für langfristige Wertsicherung und Stabilität begreifen. Nur wer den demografischen und den technologischen Wandel frühzeitig in strategische Entscheide integriert, sichert nachhaltig die Qualität von Wohnen und Arbeiten in der Schweiz.

Die Immobilienbranche stellt sich dem Wandel Demografischer Wandel, globale Unsicherheiten und neue Anforderungen an Wohn- und Arbeitsräume: Die NZZ Real Estate Days 2026 beleuchteten die Zukunft der Schweizer Immobilienwirtschaft. CÉLINE THOMMEN

Die Schweiz verändert sich und mit ihr die Ansprüche an Immobilien. Bis 2040 wird die Zahl der Rentnerinnen und Rentner um rund 700 000 steigen, während die erwerbsfähige Bevölkerung deutlich langsamer wächst. Was bedeutet das für den Wohnungsmarkt, für Investitionen und für die Gestaltung unserer Lebensräume? Diesen Fragen gingen rund 400 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger an den NZZ Real Estate Days 2026 am 22. und 23. Oktober nach. Erstmals fand die zweitägige Konferenz in Montreux statt; sie betrachtete den gesellschaftlichen Wandel aus wirtschaftlicher, politischer und internationaler Perspektive.

Neue Impulse vom Genfersee Der Wechsel von Davos nach Montreux rückte die Romandie und ihre Immobilienmärkte stärker ins Blickfeld und förderte den Austausch zwischen den Sprachregionen. Wie unterschiedlich die Voraussetzungen für Immobilieninvestitionen in der Schweiz sind, zeigte der Programmpunkt «Röschtigraben bei

IMPRESSUM

Immobilieninvestment»: Giacomo Balzarini (PSP Swiss Property), Arno Kneubühler (Procimmo) und David Michaud (BCV) diskutierten regionale Besonderheiten, Marktbedingungen und gemeinsame Herausforderungen.

Zwischen Demografie und Weltgeschehen Michael Hermann (Sotomo) machte deutlich, dass nicht nur Neubauten zu Verdrängung führen, sondern auch fehlender Wohnungsbau. Gerade für jüngere Generationen werde der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum dadurch erschwert. Die globalen wirtschaftlichen Folgen einer alternden Gesellschaft erläuterte Manoj Pradhan (Talking Heads Macroeconomics), die frühere NatoStrategin Stefanie Babst ergänzte den Blick auf die geopolitischen Herausforderungen Europas. Welche Chancen und Risiken sich daraus für institutionelle Investoren ergeben, diskutierten Lukas Riesen (PPCmetrics), Marie Seiler (Pensimo) und Anastasius Tschopp (Swiss Prime Site Solutions) im Panel «Alternde Gesellschaft: Risiko oder Renditechance?». Die Debatte um eine Verschärfung der Lex Koller griffen Marcel Kucher (Swiss

Die NZZ Real Estate Days fanden erstmals in Montreux statt. Prime Site) und SP-Nationalrat David Roth auf: Standortattraktivität gegen regulatorische Einschränkungen. Weitere Akzente setzten der Unternehmer Christian Constantin und Yngve Slyngstad, ehemaliger CEO von Norges Bank Investment Management, mit ihren Perspektiven auf Unternehmertum und langfristige Investitionen.

SANDRA BLASER PHOTOGRAPHY

Die eigene Marke stärken Die RE.Visioneers-Masterclass widmete sich am 21. und 22. Oktober in Zusammenarbeit mit dem CUREM der Universität Zürich dem Thema «Profil zeigen: Personal Branding in der Immobilienwirtschaft». Unter der

Leitung von Alice Hollenstein und Jessica Brackmann (beide CUREM) sowie Fiona Bucher (NZZ Connect) reflektierten die Teilnehmenden ihre Stärken, Werte und Ziele. Carsten Sudhoff, Autor von «No One Wins Alone», vermittelte Methoden für eine wirkungsvolle Positionierung im persönlichen Austausch und in den sozialen Medien. Den Abschluss bildete ein Panel mit Claudio Saputelli (UBS Global Wealth Management), Marie Seiler (Pensimo) und Lars Sommerer (SwissPropTech). Dass die Immobilienwirtschaft vor komplexen Veränderungen steht, wurde in Montreux aus unterschiedlichen Blickwinkeln deutlich. Ebenso zeigte sich, wie wertvoll der Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ist. Mit dem neuen Standort am Genfersee setzte die Konferenz ein Zeichen für eine stärker vernetzte Schweizer Immobilienbranche. Save the Date: 28. und 29. Oktober 2027

Céline Thommen ist Junior Kommunikationsmanagerin bei NZZ Connect.

Real Estate Days ist eine Verlagsbeilage von NZZone in Kooperation mit NZZ Connect. Beilagen werden nicht von der Redaktion produziert, sondern von unserem Dienstleister für journalistisches Storytelling: NZZ Story Lab. Hinweis: Verlagsbeilagen sind komplett von einem Kunden finanziert; Redaktionsmitglieder des Unternehmens NZZ arbeiten freiwillig mit. Konzept: Dominic Lüthy, Céline Thommen (NZZ Connect). Realisation: Felix E. Müller, Alexander Vitolić. Layout: Armin Apadana, Sara Sparascio. Verkauf: NZZ Connect. Kontakt: NZZone, c/o Neue Zürcher Zeitung AG, Falkenstrasse 11, CH-8021 Zürich, +41 44 258 16 98, sales@nzzone.ch, nzzone.ch.


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«Staatliche Eingriffe sind eine schrecklich schlechte Idee»

Der Ökonom und Demografie-Experte Manoj Pradhan über die neue Weltwirtschaft, die spezielle Rolle der Schweiz und über Chancen und Risiken der Bauwirtschaft. Interview: Felix E. Müller Herr Pradhan, wie beurteilen Sie die demografischen Perspektiven der Schweiz? Die Demografie ist für die ökonomischen Perspektiven auf lokaler wie globaler Ebene wichtig. Das Problem ist, dass die Perspektiven schlecht sind. Die Welt altert. Und damit schrumpft der Pool verfügbarer Arbeitskräfte.Vor 30 Jahren gab es diese im Überfluss, was die Lohnentwicklung bremste und die Zinsen tief hielt. Nun kehrt sich dieser Trend, was zu anhaltend höheren Zinsen führen wird. Für die Schweiz hat dies ganz spezielle Folgen: Sie ist eines der ganz wenigen Länder mit tiefen Zinsen und tiefer Verschuldung. Deswegen ist sie für Anleger, die im Geschäft des Carry-Trades, der Zinsdifferenz-Spekulation, tätig sind, wichtig. So sind die Auswirkungen der globalen demografischen Entwicklung auf die Schweiz sehr speziell.

Zur Person Manoj Pradhan ist Ökonom und Gründer des Londoner Research-Unternehmens Talking Heads Macroeconomics. Zuvor war er bei Morgan Stanley als Managing Director für die globale Konjunkturanalyse zuständig. Gemeinsam mit Charles Goodhart veröffentlichte er 2020 das Buch «The Great Demographic Reversal», das wegen der Alterung der Weltbevölkerung eine Rückkehr von Inflation und höheren Zinsen voraussagt. Pradhan promovierte in Ökonomie an der George Washington University.

Verläuft denn auch die demografische Entwicklung der Schweiz anders? Hier gibt es einen besorgniserregenden und einen sehr guten Aspekt. Der gute Aspekt ist, dass die Demografie ein viel geringeres Problem darstellt als für die meisten anderen Länder. Der besorgniserregende Aspekt ist die Frage, wie die Schweiz die Betreuung und Pflege der alternden Bevölkerung organisiert. Es braucht dafür viel mehr Personal. Dies ist ein Problem in einem Arbeitsmarkt, der teilweise ausgetrocknet ist. Die Schweiz hat bisher die Probleme, die eine alternde Bevölkerung verursachen kann, durch mehr Zuwanderung entschärft. Doch überall werden Arbeitskräfte rar. Es könnte sein, dass diese eines Tages nicht mehr in die Schweiz kommen wollen. Was wären die Folgen? Man sieht etwa in Italien, dass sich in Ländern mit sinkender Bevölkerung die ländlichen Regionen entvölkern. Die Jungen ziehen in die Städte, wo das Leben spannender und der Lohn höher ist. Für die Schweiz spricht aber, dass das Land ein Zentrum der Innovation ist. Die Wirtschaft ist deswegen gut diversifiziert. Sie wird immer attraktiv für Fachkräfte sein. Die Frage stellt sich höchstens, ob genug kommen werden. Um dieser Gefahr vorzubeugen, müsste die Schweiz Innovation viel besser belohnen. Wenn man nicht einfach beliebig viele Leute in das Land holen will, muss man die Spezialisten anziehen, die innovativ sind und damit helfen, die Produktivität zu verbessern. Eine steigende Produktivität verringert die Nachfrage nach Arbeitskräften. Der Schweizerfranken wird tendenziell immer stärker. Schreckt dies nicht zunehmend Investoren etwa im Immobilienbereich ab, weil Immobilien immer teurer werden? Das Bild ist gemischt. Der starke Franken ist ja nicht einfach eine Folge der Entwicklung der nationalen Wirtschaft, sondern hat auch externe Ursachen. So hat die Entwicklung in Japan weitreichende Folgen für den Franken. Wegen der tiefen Zinsen war Japan das Zentrum für Zinsspekulationen. Seit die Zinsen dort aber gestiegen sind, weicht der Carry-Trade auf die Schweiz aus. Das übt weiter Druck auf eine Höherbewertung des Frankens aus. Also schreckt ein starker Franken Investoren im Immobiliensektor nicht ab? Der Franken mag teuer sein. Das wird aber kompensiert durch die unglaublich tiefen Kosten für Kredite, gerade im Vergleich mit den meisten anderen Ländern, wo das Zinsniveau schon viel höher ist und noch weiter ansteigen wird. Die Rechnung geht da immer noch auf. Kann sich die Schweiz aber längerfristig überhaupt den demografischen Entwick-

attraktiven Orten wie Zürich oder Auckland in Neuseeland zu wohnen. Dann sinkt in einer alternden Bevölkerung die Bereitschaft umzuziehen immer mehr. Wohnungen sind unterbelegt. Schliesslich kommt noch die Zuwanderung dazu, die aus ökonomischen Gründen und für die Betreuung der Älteren nötig ist. Man müsste also noch viel mehr Wohnungen bauen. Unter solchen Umständen keine höheren Mieten zu haben, ist unmöglich. Sehen Sie denn einen Ausweg aus diesem Dilemma? Man muss etwa mittels Steuergutschriften Investitionen in Regionen oder Orte lenken, wo noch viel Entwicklungspotenzial besteht. Das funktioniert aber nur, wenn der öffentliche Verkehr gut ausgebaut ist. Ich würde den Entwicklungsfokus auf den Rand der heutigen Agglomerationen richten. Dagegen ist Bauen im Grünen ein Rezept für tiefe Renditen und künftige Leerstände.

Manoj Pradhan, Ökonom und Gründer von Talking Heads Macroeconomics in London.

lungen entziehen, die in der gesamten westlichen Welt und in China ablaufen? Sie muss flexibel genug in Bezug auf diese Entwicklungen sein. Das politische System der Schweiz gibt die Möglichkeit, in der Bevölkerung einen Support für politische Massnahmen zu wecken. In der öffentlichen Meinung sollte das Bewusstsein für die Frage geschärft werden, dass man viel flexibler werden muss, wie man ausländische Arbeitnehmer anziehen will, und vor allem auch, welche. Eine fixe Obergrenze für die Bevölkerung ist zu starr. Sie prognostizieren unter anderem in einem Buch, dass die Weltwirtschaft in eine jahrelange Phase von hohen Zinsen eintritt. Hat dies einen Einfluss auf den Immobilienmarkt der Schweiz? Das Hauptproblem wird sein, dass die Schweiz immer mehr zu einem Instrument für Zinsspekulationen wird. Nur die Tatsache, dass die Verschuldung des Staats tief ist und sie damit nicht viel Geld aufnehmen muss, limitiert den Spielraum für den Carry-Trade. Die Schweiz wird im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in nächster Zeit vor allem deflationäre Tendenzen

PD

bekämpfen müssen. Investments in den Wohnungsbau sind immer lokal und hängen von den lokalen Zinsen ab. Das schützt die Schweiz stark vor ausländischen Entwicklungen. Was die Schweiz sicher braucht, sind mehr Immobilien, die der Betreuung und der Pflege einer alternden Bevölkerung dienen.

«Bauen im Grünen ist ein Rezept für tiefe Renditen und künftige Leerstände.»

Sind solche Investments auch für ausländische Investoren attraktiv? Ein Teil dieser Gelder muss aus dem Ausland kommen. Nur grosse Investoren im Bereich von Infrastrukturen für die Älteren verfügen über das Knowhow, wie man das am besten macht. Sie sind effizient und können eine standardisierte Pflege und damit ein gesichertes Qualitätsniveau garantieren. Doch ausländische Investitionen im Immobilienmarkt, speziell im Sektor Wohnungsbau, kommen politisch immer stärker unter Druck. Diese sollen schuld sein an den steigenden Mieten, weil sie ausschliesslich an der Rendite interessiert seien. Was sagen Sie zu dieser Kritik? Ich finde sie total verfehlt. Zunächst sind die Mieten eine Folge davon, dass es eine riesige Nachfrage gibt, um an

Die politische Debatte in der Schweiz, aber auch in Deutschland, konzentriert sich jedoch auf eine stärkere Regulierung des Wohnungsmarkts. Es wird gefordert, dass der Staat Mieten begrenzt und das Bauen stärker reguliert. In Berlin will man gar grosse Immobiliengesellschaften enteignen. Mit hohen Zinsen geht die Bereitschaft, Kredite zu vergeben oder Kredite aufzunehmen, stark zurück. Um die Investitionsneigung zu verbessern, müsste im grossen Stil neues Einkommen generiert werden, also Löhne in der Breite steigen. Doch dafür sind primär die Jungen zuständig. Diese haben neue Ideen, diese haben Energie, diese haben Risikobereitschaft. Doch der Anteil der Jungen an der Gesamtbevölkerung geht zurück. Deswegen kann man nicht auf diesen Ausweg hoffen. Somit versucht man es mit Behelfsmassnahmen, stopft hier ein Loch und erlässt dort einen Deckel. Das ist nicht erfolgversprechend. Denn es wird am Ende einfach niemand mehr investieren, weil die Rendite fehlt. Solche staatlichen Eingriffe sind eine schrecklich schlechte Idee, sicher so schlecht wie die Idee der Rechtsparteien, Immigration komplett zu unterbinden. Warum sind aber immer mehr Leute nicht mehr davon überzeugt, dass man einfach viel mehr bauen sollte? Einfach viel zu bauen, ist heikel. Wenn man für das heutige Einwohnerniveau baut, wird man wegen des Bevölkerungsrückgangs bereits in 15 Jahren grosse Leerstände haben. Immobilien werden aber für Jahrzehnte erstellt. Es ist offensichtlich, dass die Renditen langfristig einbrechen könnten. Wer einfach drauflos baut, investiert nicht unbedingt gut.


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Mit carbonvorgespannten Platten materialeffizient und zirkulär bauen Carbon Prestressed Concrete (CPC) ersetzt korrosionsanfälligen Stahl durch vorgespannte Carbonlitzen. Das Ergebnis sind 40 bis 70 Millimeter dünne, vorgefertigte Betonplatten mit hoher Tragfähigkeit, für Balkone, Decken, Brücken und Überdachungen.

Balkon in St.Gallen: Filigrane CPC-Platte auf Stahlkonstruktion. MICHA BRUNNER

Carbon Prestressed Concrete (CPC) ist eine weltweit patentierte Technologie, die den Betonbau revolutioniert. Anstelle von schwerem, korrosionsanfälligem Stahl werden hochfeste, vorgespannte Carbonlitzen genutzt. Da Carbon eine enorme Zugfestigkeit besitzt und nicht rostet, kann auf die Betondeckung zum Korrosionsschutz verzichtet werden. Das Ergebnis sind extrem dünne, industriell vorgefertigte

FOTOS: PD

Mühlesteg in Zürich:Der Fussgängersteg über die Limmat erhielt einen leichten CPC-Brückenbelag.

Betonplatten, die trotz minimalem Materialeinsatz eine enorme Tragfähigkeit und Langlebigkeit besitzen. WasalsForschungsprojektder Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) begann, hat sich als sicher planbares, marktreifes System für den modernen Hoch- und Infrastrukturbau etabliert, das durch umfassende Zertifizierungen und vielfältige Referenzprojekte im In- und Ausland überzeugt. CPC kommt überall zum Einsatz, wo Schlankheit auf hohe Tragfähigkeit

treffen muss und Materialästhetik eine zentrale Rolle spielt.

Breites Anwendungsspektrum Bei Balkonen sind filigrane, freitragende Platten bis 2 × 3 Meter ohne zusätzliche Zwischenträger realisierbar. Bei Brückenbelägen ermöglichen das geringe Gewicht und die niedrige Aufbauhöhe den Einsatz auf bestehenden Unterkonstruktionen, ideal für Sanierungen. Modulbrücken eignen sich für

den Ersatz bestehender Stahl-, Holzoder Betonbrücken sowie für den Neubau von Rad- und Fusswegbrücken bis 16 Meter Spannweite. Hinzu kommen individuell gestaltbare Treppen und Podeste für den Aussenbereich, frostbeständig und rutschfest, sowie filigrane Überdachungen, die ohne zusätzliche Beschichtung dauerhaft wasserdicht sind. Mithilfe spezieller Stecksysteme können zugeschnittene Platten zu einer kompletten Tragstruktur zusammengefügt werden. Diese Fügetechnik ermöglicht die Herstellung von vorgefertigten Hochbaudecken, welche durch massiven Materialverzicht sowie einen hohen Vorfertigungsgrad überzeugen.

Material- und CO2-Einsparungen CPC-Platten sind bis zu viermal dünner und leichter als herkömmlicher Stahlbeton bei gleichbleibender Leistungsfähigkeit; das entspricht bis zu 75 Prozent Materialeinsparung. Im Brückenbau minimiert das System den Wartungsund Erneuerungsaufwand und senkt die Lebenszykluskosten erheblich. Grund dafür: Carbon rostet nicht. Das bedeutet konkret nicht nur eine absolute Frostund Tausalzbeständigkeit, sondern auch geringste Wartungsarbeiten bei einer Lebensdauer von mehr als 100 Jahren.

Raum für Perspektiven Mühlebachstrasse 32, 8008 Zürich An der Mühlebachstrasse 32, im Herzen des Seefelds und in Gehdistanz zum Bahnhof Stadelhofen, entsteht im Zuge einer Gesamtsanierung eine hochwertige Büroliegenschaft für mehrere Mieter. Rund 2‘000 m² über sechs Geschosse, aufgeteilt in Mietflächen von rund 350 bis 420 m² – mit repräsentativer Architektur, moderner Infrastruktur und einem klaren Fokus auf die Bedürfnisse von morgen. PSP Swiss Property AG • Kolinplatz 2 • 6300 Zug 041 728 04 04 • www.psp.info

Die Gewichtseinsparung optimiert die gesamte Tragstruktur und senkt den CO2-Fussabdruck gegenüber konventionellen Bauweisen um bis zu 70 Prozent, belegt durch Produkt-EPDs (Umweltproduktdeklarationen). CPC-ElementesindCradle-to-Cradlezertifiziert (Stufe Bronze). Sie sind vollständig rückbaubar, wiederverwendbar und am Ende ihres Lebenszyklus zu 100 Prozent recycelbar. Industrielle Vorfertigung und CNC-gesteuerter Zuschnitt ermöglichen jede denkbare Geometrie, montagefertig geliefert.

Reduce, Reuse, Recycle Holcim Schweiz setzt sich das ambitionierte Ziel, bis 2050 Baustoffe vollständig rezyklierbar herzustellen, weil zirkuläre Baulösungen unverzichtbar für eine zukunftsfähige Wirtschaft, unsere Gesellschaft und unser Ökosystem sind.

Micha Brunner ist Manager New Solutions bei Holcim Schweiz.

Mehr über die Einsatzmöglichkeiten von CPCProdukten erfahren.


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Langlebigkeit als Investment

Die alternde Bevölkerung verändert die Nachfrage nach Wohnen, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur. Das eröffnet neue Anlagechancen.

Die Silver Economy verspricht keine Renditewunder, sondern langfristige Stabilität. Altersgerechtes Wohnen in durchmischten Quartieren gilt als Wachstumssegment.

KERSTIN HANSEN

Die Alterung der Bevölkerung gehört zu den am besten vorhersehbaren Megatrends unserer Zeit. Im Jahr 1970 lag die Lebenserwartung bei Geburt in der Schweiz bei rund 73 Jahren. Heute beträgt sie über 84 Jahre und ist damit eine der höchsten der Welt. Mit dem Renteneintritt der Babyboomer-Generation Quellen: Bundesmt für Statistik (Lebenserwartung; ESPOP 1970–2009, STATPOP seit 2010; Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung, April 2025, Referenzszenario)

UBS

erhält die Alterung der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit. 1970 lag der Anteil der Schweizer Bevölkerung ab 65 Jahren bei 11,5 Prozent. 2024 lag er bei 19,5 Prozent. Bis 2055 dürfte er gemäss dem Referenzszenario des Bundesamts für Statistik auf 25,5 Prozent ansteigen. In absoluten Zahlen bedeutet das einen Anstieg von rund 700 000 über 64-Jährigen im Jahr 1970 auf knapp 1,8 Millionen im Jahr 2024 sowie über 2,6 Millionen im Jahr 2055. Für die Immobilienwirtschaft bedeutet dies eine strukturelle Verschiebung der Nachfrage hin zu Angeboten, die auf die Bedürfnisse älterer

Menschen und deren Kaufkraft ausgerichtet sind.

Von der Nische zum Mainstream Von der demografischen Entwicklung profitieren Immobiliensegmente, die lange als Nischenmarkt galten. Zunächst rücken Freizeit, Komfort und altersgerechtes Wohnen für kaufkräftige Best Ager in den Fokus. Mit zunehmendem Alter werden Gesundheitsimmobilien, Ärztehäuser, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen so wie betreutes Wohnen oder Senior-LivingKonzepte wichtiger. Ein Hauptmerkmal

dieser Nutzungen ist ihre geringere Konjunkturabhängigkeit. Während Konjunkturzyklen, Zinsen und Migrationsbewegungen Schwankungen unterliegen, sind die Alterung der Gesellschaft und der Nachfrageanstieg in diesem Segment gut zu prognostizieren. Für Investoren können dadurch Ertragsprofile mit stabilen Auslastungen und langfristigen Mietverhältnissen entstehen.

Quartiere für ein langes Leben Besonders im altersgerechten Wohnen zeichnet sich ein stark wachsender Bedarf ab. Viele ältere Menschen leben in grossen Wohnungen oder Einfamilienhäusern, obwohl sich ihre Wohnbedürfnisse verändert haben. Barrierefreie Wohnungen an gut erschlossenen Standorten bleiben vielerorts knapp. Neue Wohnformen eröffnen Investitionschancen und können helfen, Fehlallokationen auf dem Wohnungsmarkt zu reduzieren, weil dadurch grössere Familienwohnungen frei werden. Mit dem demografischen Wandel verändern sich ganze Lebensumfelder. Altersgerechte Quartiere kombinieren barrierefreie Wohnungen mit Einkaufsmöglichkeiten, sozialen Angeboten und medizinischen Dienstleistungen. Zugleich gewinnen Mehrgenerationenkonzepte an Bedeutung, die unterschiedliche Altersgruppen bewusst zusammenführen. Die Zukunft des Alterswohnens liegt damit weniger in isolierten Einrichtungen als in integrierten Quartieren mit hoher Lebensqualität, die ihre

Durchmischung erhalten. Die Schweiz bietet dafür wegen der hohen Lebenserwartung und der verhältnismässig hohen Kaufkraft attraktive Rahmenbedingungen.

Defensiv, aber anspruchsvoll Risikofrei sind Investitionen in diesem Segment jedoch nicht. Anders als bei traditionellen Wohnimmobilien hängt der Anlageerfolg eng von der Qualität der Betreiber ab. Besonders in Pflegeund Betreuungsimmobilien ist das operative Umfeld ein zentraler Erfolgsfaktor. Regulatorische Anforderungen, Fachkräftemangel und technologische Veränderungen erhöhen die Komplexität. Investoren müssen daher nicht nur den Standort, sondern auch die Kaufkraft der Kunden sowie die Betreiberkonzepte beurteilen. Die Silver Economy verspricht in der Regel keine Renditewunder, sondern langfristige Stabilität. In einer zunehmend von Unsicherheit geprägten Welt können Segmente mit vergleichsweise stabilen Nachfragetreibern eine diversifizierende Rolle im Portfolio spielen. Für Immobilieninvestoren ist die alternde Gesellschaft deshalb nicht nur eine gesellschaftliche Herausforderung, sondern auch eine strategische Chance.

Dr. Kerstin Hansen ist Ökonomin und Head Investment Strategy & Research Real Estate DACH bei UBS Asset Management.

Eine 15-Minuten-Stadt für alle Volta Basel verbindet Wohnen, Arbeiten, Gewerbe, Freiräume und Angebote für den Alltag. So entsteht auf einem gut erschlossenen Areal ein Quartier, das Nähe, Durchmischung und Aufenthaltsqualität zusammendenkt. HEIKO MEYER

Im Norden Basels entwickelt sich das ehemalige Gewerbe- und Industrieareal Lysbüchel zu Volta Nord. Auf dem rund 19 000 Quadratmeter grossen Baufeld 2 realisiert SBB Immobilien unter dem Namen Volta Basel mehrere gemischt genutzte Gebäude mit Wohnungen, Büroflächen, Gewerbe und publikumsorientierten Erdgeschossnutzungen. Das Projekt ist Teil der Entwicklung von Volta Nord, zu der auch neue öffentliche Grün- und Freiräume wie der Lysbüchelplatz und der Saint-LouisPark gehören. Ein grosser Teil der Finanzierung erfolgt hier über den Mehrwertabgabefonds. So fliessen Mittel aus der Arealentwicklung auch in Freiräume, die dem Quartier zugutekommen.

Gemeinnütziges Wohnen und breites Angebot Die angestrebte Vielfalt und Durchmischung zeigen sich insbesondere im Wohnangebot. Ein Teilbaufeld wurde im Baurecht an Wohnbaugenossenschaften abgegeben; damit wird preisgünstiges und gemeinnütziges Wohnen langfristig im Quartier verankert. «Uns ist Vielfalt wichtig», sagt Salomé Mall, Leiterin SBB Immobilien Development. «Familien, Studierende, urbane Berufstätige und Menschen mit kleinerem Budget sollen hier genauso Platz finden wie Beschäftigte der umliegenden Betriebe.» Konkret entstehen bei diesem Projekt knapp 300 neue Wohnungen. Hinzu kommen rund 3000 Quadratmeter Fläche, die für gewerbliche Nutzungen, Dienstleistungen und Gastronomie vorgesehen sind. Der Nutzungsmix verbindet Wohnen, Arbeiten, Gewerbe, Gastronomie, Dienstleistungen sowie Spiel-

Bewohnerinnen und Bewohner können ihre täglichen Bedürfnisse bequem zu Fuss oder mit dem Velo abdecken.

Das Leitbild der 15-Minuten-Stadt sieht vor, dass Wohnen, Arbeiten und Freizeitangebote nah beieinanderliegen. und Aufenthaltsflächen. So folgt Volta Basel dem Leitbild der 15-MinutenStadt: Alltägliche Bedürfnisse sollen zu Fuss oder mit dem Velo erreichbar sein.

Begegnungsorte und Klimaanpassung Auch die Freiräume tragen zu der Qualität des neuen Stadtteils bei. Zusammen mit dem neuen Park und Platz sowie den Innenhöfen und Durchgängen auf Baufeld 2 entstehen Orte der Begegnung, Abkühlung und Erholung als wichtiger Beitrag zur Lebensqualität in einer verdichteten Stadtstruktur.

Volta Nord wird zudem nach dem Prinzip der Schwammstadt entwickelt: Die Freiflächen werden so gestaltet, dass sie Regenwasser zurückhalten und versickern lassen. Dadurch tragen sie zu einem besseren Stadtklima bei. Der Austausch mit dem Quartier begann bereits vor dem Baustart. Von Mitte 2021 bis Ende 2023 machte die Zwischennutzung «Lysa Büchels Garten» das Gelände mit sportlichen, kulturellen und gastronomischen Angeboten zugänglich. So wurde der Wandel früh sichtbar und der Ort bereits vor der Realisierung für die Nachbarschaft erlebbar.

SBB IMMOBILIEN

Volta Basel zeigt, wie gut erschlossene Standorte in wachsenden Städten weiterentwickelt werden können: dichter, gemischt genutzt, mit kurzen Wegen und mit Freiräumen, die zur Lebensqualität und zur klimaangepassten Stadt beitragen. Heiko Meyer ist Multimedia and Crossmedia Creator bei der SBB.

Mehr über das Projekt Volta Basel von SBB Immobilien erfahren.


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«Man sollte einen Brückenschlag versuchen»

Wohnen ist etwas sehr Emotionales, sagt Politgeograf Michael Hermann. Deswegen sei die Debatte so polarisiert. Doch statt weiter Feindbilder zu bedienen, sollte man endlich zusammensitzen. Interview: Felix E. Müller Herr Hermann, in den grossen Städten der Schweiz hat das Thema Wohnen das Thema Verkehr als Hauptsorge der Bevölkerung abgelöst. Wie kam es so weit? Spannend ist eigentlich, wie lange es kein grosses Thema war. Doch dann hat sich die Situation objektiv verschärft. Der Sog der Zentren und die Zuwanderung nahmen zu, mehr Menschen leben allein und benötigen dadurch mehr Wohnfläche. Dazu kam, dass zu wenig gebaut wurde. So stieg der Druck auf das Angebot und die Preise. Dass Wohnen aber wirklich zu einem grossen Thema wurde, hängt mit der Ausweitung des Problems auf Agglomerationen oder auf Tourismusorte zusammen. Auch in den Bergen begannen sich die Einheimischen zu beklagen, sie fänden keine Wohnungen mehr. Aber die Emotionalität, mit der diese Debatte geführt wird, fällt auf. Warum? Weil Wohnen etwas Emotionales ist. Die Wohnung ist der wichtigste Rückzugsort, man fühlt sich hier geborgen und verankert. Geht es um das Wohnen, sind wir zumeist konservativ. Für all die innovativen Wohnformen wie Alters-WGs, Gemeinschaftsräume, Gemeinschaftsküchen interessiert sich höchstens eine kleine Minderheit. Wenn plötzlich die Befürchtung aufkommt, dieser Schutzraum könnte einem gekündigt werden, reagieren die Leute sehr emotional. Dies, obwohl das Risiko für Leerkündigungen statistisch eigentlich klein ist. Und noch etwas trägt zur Emotionalisierung bei: Diejenigen, die über das Thema schreiben, also die Journalistinnen und Journalisten, sind meistens selbst betroffen. Mieterinnen und Mieter, vom urbanen Leben angetan, nicht sonderlich gut entlohnt. Das trägt zur grossen Präsenz von Wohnthemen in den Medien bei. Dennoch wirkt die permanente Forderung nach mehr Wohnraum überraschend. Die Leute können doch sagen: Ich habe ja eine Wohnung in Zürich. Warum muss ich mich für den Bau neuer Wohnungen engagieren? Das können die Eigentümer sagen. Doch die meisten Leute in der Stadt sind Mieter. Ihre Wohnung ist nicht garantiert. Auch wer eine Wohnung hat, braucht Alternativen, wenn sich die Lebenssituation verändert. Ich finde es eher überraschend, wie viele dennoch lieber weniger statt mehr Entwicklung wollen. Dies hat etwa die Abstimmung über neue Hochhausrichtlinien in Zürich gezeigt, bei der die restriktivere Variante für den Hochhausbau deutlich bevorzugt wurde. Auch in vielen anderen Gemeinden wurden Entwicklungsprojekte an der Urne verhindert. In dieser Debatte hat die Immobilienbranche einen schweren Stand. Entwickler oder Vermieter werden als rücksichtslos oder als gierig diffamiert. Haben sie es verpasst, den gesellschaftlichen Nutzen ihrer Tätigkeit zu erklären? Haben sie die politische Dimension ihres Handelns zu wenig erkannt? Die Immobilienwirtschaft eignet sich gut als Feindbild. Es sind häufig anonyme Bauherrschaften, hinter denen man viel anonymes Geld vermutet. Diese würden Mieter als blosse Objekte behan-

deln. Die Branche hat aber auch zu lange geglaubt, sie könne einfach bauen und Geld verdienen. Es war ihr zu wenig bewusst,wiesehrsiesichineinemkomplexen politischen Umfeld bewegt. Bauen ist stark reguliert. In einem solchen Umfeld muss man überzeugen, Mehrheiten gewinnen. In dieser Hinsicht hat man zu wenig getan. Einige institutionelle Investoren haben das mittlerweile besser begriffen. Oft sind es eher private Eigentümer, die sich nicht um die Branche scheren, einfach hingehen und etwa die Sugus-Häuser in Zürich vor Weihnachten leerkündigen. Das beschädigt den Ruf der ganzen Branche. Eine Verschärfung der Wohnproblematik ist sicher eine Folge der Magnetwirkung der grossen Städte für die Zuwanderung hochqualifizierter Expats. Das führte zu einer Verdrängung von Leuten in die Agglomeration. Führt das nicht zu einer Sortierung von Bevölkerungsgruppen nach Einkommen, zu einer Art Ghettoisierung? Verdrängung ist nicht einfach schlecht. Verdrängung führt etwa zur Aufwertung vorher vernachlässigter Quartiere oder Ortschaften. Diese Orte erhalten vielfältigere Angebote, städtische Infrastrukturen und damit urbane Qualität. Diese Zusammenhänge werden viel zu wenig gesehen. Für eine massive Segregation ist die Schweiz zu kleinteilig, und es gibt keine wirklich vernachlässigten Gebiete. Die Leute ziehen aber doch höchst ungern dorthin. Das sehe ich nicht so. Sicher ist, dass Zuwanderer oft in die Kernstädte ziehen. Sie kennen Zürich, aber nicht Schlieren, sie kennen Bern, aber nicht Köniz. Aber dabei bleibt es nicht. Es findet mit der Zeit eine Feinverteilung statt. Diejenigen, die im Zentrum wohnen, finden das auf die Dauer häufig gar nicht so toll. Es ist eine Fehleinschätzung, dass alle Leute in Zürich wohnen wollen. Die meisten wollen das gerade nicht. Dass es in Zürich besonders gedrängt ist auf dem Wohnungsmarkt, ist nicht die Folge eines massiven Sogs, sondern eines sehr knappen Angebots. Die meisten Schweizer wollen lieber in einer Agglomeration leben als in einer grossen Stadt. Viel zu wenig diskutiert wird, dass Wohnpolitik ein Schlüsselfaktor für die politische Macht ist. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Wohnangebot, den potenziellen Mieterinnen und Mietern für dieses Angebot und deren politischen Präferenzen. Warum erkennen die Linken besser als die Bürgerlichen, dass man Wohnungen für potenzielle Wähler baut? Man hat lange Zeit angenommen, dass Kernstädte durch die Gentrifizierung bürgerlicher werden. Je höher das Einkommen, desto bürgerlicher das Wahlverhalten. Doch das ist nicht passiert. Die Kernstädte werden im Gegenteil immer linker. Das hat einen einfachen Grund: Wenn man bürgerlich denkt, geht man lieber in die Agglomeration. Dort ist der Steuertarif oft tiefer, man hat mehr Platz fürs Auto und mehr Privatsphäre. Man will nicht mit

Michael Hermann, Politgeograf und Leiter des Forschungsinstituts Sotomo in Zürich.

Steuern zu einem politischen Programm beitragen, mit dem man nicht einverstanden ist. So spielt nicht einfach das Geld eine Rolle, sondern die Werte, die man hat. Umgekehrt fühlen sich Linke wegen dieser Werte von der städtischen Politik angezogen.

«Es ist eine Fehleinschätzung, dass alle Leute in Zürich wohnen wollen.»

Bei der Attraktivität von Städten für Linke spielen die Genossenschaften eine zentrale Rolle. Weshalb gibt es keine bürgerlichen Genossenschaften? Die gibt es schon. In Luzern etwa stehen viele Genossenschaften explizit in einer liberalen Tradition, und auch in Zürich sind einige, etwa in Schwamendingen, eher konservativ. Dennoch gelten sie heute oft als Synonym für links. Die Idee dahinter ist jedoch urliberal: Hilfe zur Selbsthilfe. Es gibt aber auch andere Modelle, die ein ähnliches Ziel verfolgen, etwa Wohn-AGs, von denen man Anteilscheine erwerben kann. Man könnte so schrittweise Wohneigentum erwerben. Wie weit verschärfen demografische Entwicklungen das Wohnproblem? Ist die Alterung der Bevölkerung ein zentraler Faktor? Das ist Teil der Herausforderung. Aber Demografie meint viel mehr. Gerade in der Schweiz ist sie stark von der Migration geprägt. Die verändert die Altersstruktur und lässt auch die Geburtenrate weniger rasch sinken. Und sie erschwert Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung, weil sich die Zuwanderung rasch verändern kann. Sicher ist aber, dass bald sehr viele Plätze fehlen für das Wohnen und die Betreuung der Älteren. Die Polarisierung in der Debatte um Bauen, Wohnen und Investieren ist eine Tatsache. Sehen Sie einen Weg, wie diese Blockade gebrochen werden könnte? Man sollte einen Brückenschlag versuchen. Mir kommt es vor wie Anfang der

PD

Zur Person Michael Hermann ist Politgeograf und leitet das Forschungsinstitut Sotomo in Zürich, das er mitgegründet hat. Er studierte Geografie, Wirtschaft und Soziologie an der Universität Zürich und promovierte dort. Sotomo erstellt Studien und Umfragen zu politischen und gesellschaftlichen Fragen, unter anderem das Wahlbarometer für die SRG sowie Untersuchungen zu Wohnen und Raumentwicklung. Hermann ist Autor mehrerer Bücher, darunter «Was die Schweiz zusammenhält» (2016), und ein gefragter Kommentator des politischen Geschehens.

1990er Jahre in der Drogenpolitik. Auch hier standen sich zwei Lager fast unversöhnlich gegenüber, Repression gegen Dekriminalisierung, weshalb es keine Fortschritte bei der Lösung des Problems gab. Schliesslich fanden sich Leute in beiden Lagern, die sagten: Wollen wir es nicht mit einem Kompromiss versuchen? Das führte zur Vier-Säulen-Politik, die grossen Erfolg hatte. Ähnliches wäre doch auch in der Wohnpolitik möglich. Jedes Lager müsste sich überlegen, was es geben könnte, um dafür etwas, was ihm besonders wichtig ist, zu erhalten. Also etwa: weniger Vorschriften, weniger Regulierung, dafür einen höheren Anteil an Sozialwohnungen. Man sollte auch die Ansässigen besser vor Verdrängung schützen. Und am Schluss müsste man auch noch eine ökologische Dimension in einen solchen Kompromiss einbringen. Dies ist vielleicht ein Ansatz, um die Blockade zu überwinden.


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Verdichten, ohne zu verdrängen

In Zürich-Oerlikon ersetzt Helvetia Baloise die Frohburg-Siedlung durch einen Neubau und zeigt, dass Verdichtung und soziale Verantwortung zusammengehören. TIM MENZEL

Es kommt selten vor, dass der Zürcher Mieterinnen- und Mieterverband ein Ersatzbauprojekt einer privaten Eigentümerin als vorbildlich bezeichnet. Beim Vorhaben der Helvetia Versicherungen in Zürich-Oerlikon macht er eine Ausnahme. Aus gutem Grund. Konkret geht es um die Gartensiedlung Frohburg an der Grenze zwischen Oerlikon und Schwamendingen. Die durchgrünte Überbauung aus den frühen 1950er-Jahren umfasst heute 307 Wohnungen. Die Gebäude sind mehr als 60 Jahre alt und entsprechen weder bei der Wärmedämmung noch bei den Grundrissen und Wohnflächen heutigen Ansprüchen. Eine blosse Sanierung würde den nachhaltigen Unterhalt über die nächsten Jahrzehnte nicht sicherstellen. Auf dem rund 39 000 Quadratmeter grossen Areal will Helvetia deshalb bis 2034 einen Neubau in der Tradition der Gartenstadt erstellen und die Zahl der Wohnungen auf rund 650 mehr als verdoppeln. Angesichts der Grösse des Areals ist das zugleich eine Chance, einen spürbaren Beitrag zur Linderung der Wohnungsknappheit in der Stadt Zürich zu leisten. Ein Café, ein Quartierladen, ein städtischer Kindergarten sowie grosszügige Grünflächen mit rund 220 Bäumen sollen das Quartier beleben.

«Wir tragen Verantwortung gegenüber unseren Versicherten und unserer Mieterschaft: Beides zählt.» Jean-Pierre Valenghi, Leiter Immobilien, Asset Management, Helvetia Baloise

So soll die neue Gartensiedlung Frohburg in Zürich-Oerlikon dereinst aussehen. VISUALISIERUNG: HELVETIA

Etappierung als Schlüssel Dass das Projekt überzeugt, liegt nicht allein an der Verdichtung, sondern am Vorgehen. Helvetia informierte die Mieterschaft bereits 2016, als die Planung erst angelaufen war, und sucht seither regelmässig das Gespräch, auch mit dem Mieterverband. Realisiert wird der Neubau in zwei Etappen: Die erste entsteht von 2027 bis 2029, die zweite folgt bis 2034. Diese Staffelung ist nur dank der Grösse des Areals möglich und bil-

det das eigentliche Herzstück des Konzepts. Langjährige Bewohnerinnen und Bewohner können während der Bauzeit innerhalb der Siedlung umziehen und müssen das vertraute Quartier nicht verlassen. «Bauen in Etappen ist teurer, als wenn man alles auf einmal erneuert», sagt Marco Ramstein, Leiter Immobilienentwicklung bei Helvetia. «Gleichzeitig haben wir während der ganzen Bauzeit einen Teil der Mieteinnahmen. Und vor allem bieten wir den Men-

schen eine verlässliche Perspektive.» Für Helvetia ist das kein Zufall: Das Unternehmen habe ein echtes, langfristiges Interesse daran, bestehende Mieterinnen und Mieter zu halten, statt sie zu verdrängen.

Vorrang für langjährige Mieter Langjährige Mieterinnen und Mieter, die vor 2016 eingezogen sind, erhalten ein Vorzugsrecht auf eine gleichwertige Wohnung im Neubau zu stark ver-

Schwedische Eleganz mit Charakter

Die neue origin ersetzt basico.

Die Designlinien «Matt Schwarz» und «SaphirMatt» von Electrolux stehen für zeitlose Ästhetik und dauerhafte Wertigkeit. ALAIN SCHAFROTH

Neben Lage, Architektur und Grundrissgestaltung beeinflusst auch die Innenausstattung die Attraktivität eines Objekts. Besonders der Küche kommt dabei eine strategische Rolle zu. Für Investoren und Projektentwickler stellt sich daher die Frage, wie sich langfristiger Werterhalt und eine hohe Marktattraktivität miteinander verbinden lassen. Antworten darauf liefern Ausstattungskonzepte, die Funktionalität, Designqualität und Langlebigkeit vereinen. Mit «Matt Schwarz» und «SaphirMatt» bietet Electrolux zwei Designlinien, die gezielt auf die Anforderungen hochwertiger Wohnprojekte ausgerichtet sind. Die Gestaltung orientiert sich an der skandinavischen Designtradition, die seit jeher für zeitlose Formensprache, Funktionalität und Beständigkeit steht. Statt kurzlebigen Trends zu folgen, setzen die Geräte auf eine reduzierte Ästhetik, die sich harmonisch in moderne Architektur integriert und über Jahre hinweg ihre Wirkung entfaltet. Die Linie «Matt Schwarz» erzeugt mit ihrer samtig matten Glasoberfläche eine elegante Tiefenwirkung, während die entspiegelte Materialität

für ein ruhiges und hochwertiges Erscheinungsbild sorgt. Gleichzeitig reduziert die widerstandsfähige Oberfläche sichtbare Gebrauchsspuren und Fingerabdrücke, wodurch die hochwertige Anmutung langfristig erhalten bleibt. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Induktionskochfeld «SaphirMatt». Die speziell entwickelte mattierte Glaskeramik überzeugt nicht nur durch ihre charaktervolle Optik, sondern auch durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Kratzern und Fingerabdrücken. Gerade in Wohnobjekten mit intensiver Nutzung leistet dies einen wichtigen Beitrag zum Werterhalt und reduziert den Aufwand für Unterhalt und Ersatzbeschaffung. Für Investoren entsteht daraus ein mehrfacher Nutzen: Hochwertige Ausstattungsstandards steigern die Attraktivität von Miet- und Eigentumsobjekten, unterstützen die Vermarktung und schaffen einen nachhaltigen Mehrwert für Bewohner wie Eigentümer. Design wird damit nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem wirtschaftlich relevanten Faktor in der langfristigen Immobilienstrategie.

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Tim Menzel ist Senior Project & Product Expert Real Estate bei Helvetia Baloise.

Mit origin führen wir das traditionelle Amacherund basico-Design in einer klaren, harmonischen Formsprache weiter. Die einheitliche Durchmesserdimension sorgt für ästhetische Schalterkombinationen.

Alain Schafroth ist Sales Director Kitchen Retail bei Electrolux.

Die Designlinie «Matt Schwarz» von Electrolux setzt auf entspiegelte, matte Glasoberflächen.

günstigten Konditionen. Voraussichtlich rund ein Drittel der heutigen Bewohnerschaft, etwa 90 Mietparteien, kann so in der Siedlung bleiben. Von den rund 650 Wohnungen sind 106 dem preisgünstigen Segment zugeordnet, weitere 36 dem studentischen Wohnen; die preisgünstigen Wohnungen werden bewusst zuerst erstellt. So müssen gerade jene Menschen, die am stärksten auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind, nicht weichen. Das Angebot ist freiwillig. Helvetia versteht es als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, ohne den unternehmerischen Auftrag aus den Augen zu verlieren. Der Neubau wird nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS 2.0) in der höchsten Stufe Platin zertifiziert und an das Fernwärmenetz angeschlossen. Damit leistet das Projekt zugleich einen wichtigen Beitrag zu den Klimazielen der Stadt Zürich. Dass sich der Einsatz lohnt, zeigt die breite Resonanz: Fachleute bezeichnen Frohburg als mögliches Vorbild für sozialverträgliches Bauen in Zürich. Für Helvetia ist es der Beweis, dass sich Verdichtung und Rücksicht auf die bestehende Mieterschaft nicht ausschliessen müssen, sondern Hand in Hand gehen können.


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Kollaboration als Erfolgsmodell Mit dem ALTO in Zürich-Altstetten hat HIAG erstmals ein Wohnhochhaus realisiert. Das Bauvorhaben markiert einen Paradigmenwechsel in der Projektabwicklung: weg von Kontrolle und Misstrauen, hin zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit.

Diese Ressourcen wurden in vordefinierten Zeitslots gebucht, um einen kontinuierlichen Materialfluss sicherzustellen, sozusagen ein Taktfahrplan für die Baustelle. Eine ähnliche Herausforderung stellte sich beim Erstbezug der Wohnungen. HIAG hatte sich zum Ziel gesetzt, dass die Wohnungen innerhalb eines Monats bezogen werden können. Um die zwei Aufzüge im Gebäude optimal auszulasten, gab es für jede Wohnung fixe Zeitvorgaben. An diese mussten sich die Mieterinnen und Mieter halten. Nur so konnte das Bezugskonzept erfolgreich umgesetzt werden, und die Möbeltransporte blockierten sich nicht gegenseitig.

ANDREA KLEMENZ

Dank neuer Ansätze in der Planung, Bauvergabe und Realisierung liess sich ein komplexes Bauprojekt sicher, effizient und in hoher Qualität umsetzen. Wer heute in Zürich-Altstetten an der Ecke Baslerstrasse/Freihofstrasse steht, sieht ein schlankes, zurückhaltend gestaltetes Hochhaus rund 80 Meter in den Himmel ragen. Davor spannt sich die geschichtsträchtige Shedhalle der ehemaligen Fiat-Garage auf. Sie wurde bewusst in den Neubau integriert und bewahrt dem Ort seine industrielle Prägung. Ursprünglich war hier eine klassische Wohnüberbauung mit sechs Etagen vorgesehen. Gemeinsam mit den Architekten gelang es HIAG, das Baukollegium, die städtische Baukommission, vom städtebaulichen Mehrwert eines Hochhausbaus zu überzeugen. Heute bieten 149 Mietwohnungen einen spektakulären Weitblick. Zusätzliche Belebung erfährt das Areal durch eine öffentlich zugängliche Stadtloggia sowie einen Gewerbesockel mit Detailhandel. Der Bau eines Hochhauses mitten in der Stadt Zürich ist anspruchsvoll, umso mehr, wenn bestehende Bausubstanz integriert werden soll. Um diesen Herausforderungen gut zu begegnen, beschritt HIAG beim Projekt einen innovativen Weg, sowohl bei der Planung und Vergabe der Bauleistungen als auch bei der Realisierung.

Moderne Baukunst, kleinerer Fussabdruck

Zusammenarbeit auf Augenhöhe Bauprojekte werden auch heute immer noch mehrheitlich konventionell nach dem SIA-Modell abgewickelt, das den Prozess in klar abgegrenzte Phasen von der Planung bis zur Ausführung teilt. Vereinfacht gesagt wird das Projekt dabei weitgehend fertig geplant und anschliessend für die Realisierung an die bestbietenden Anbieter vergeben. Die ausführenden Unternehmen kommen somit spät ins Projekt, haben dadurch wenig Spielraum für Optimierungen und tragen unter anderem auch deshalb hohe Risiken. Dieses Vorgehen birgt Konfliktpotenzial, was HIAG beim ALTO bewusst vermeiden wollte. «Wir haben in den letzten Jahren die Erkenntnis gewonnen, dass Bauprojekte kollaborativ organisiert werden sollten, um erfolgreich zu sein», erklärt Michele Muccioli, Leiter Entwicklung/ Realisation bei HIAG. «Erst recht bei einem Hochhausbau mitten in der Stadt Zürich, der hohe Anforderungen an Qualität, Kosten- und Terminsicherheit stellt.» Aufgrund dieser Erfahrungen entschied sich HIAG für das integrierte, kollaborative Projektvorgehen. Statt eines klassischen Bieterwettbewerbs wurden HIAG als Bauherrin, Planer und Ausführende frühzeitig zusammengebracht, um das Projekt gemeinsam weiterzuentwickeln. Vor der definitiven Vergabe konnte sich der Totalunternehmer während eines halben Jahres im Projekt einbringen, konkrete Optimierungsvorschläge erarbeiten und viele Projektrisiken gezielt abbauen. Diese frühe Einbindung der Ausführung verbesserte die technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit der Lösungen. Das Resultat waren transparente Prozesse, höhere Verlässlichkeit und mehr Verbindlichkeit. «Am Ende ist das eine Win-win-Situation und deutlich nachhaltiger als das traditionelle Modell,

Das ALTO-Hochhaus in Zürich-Altstetten: rund 80 Meter hoch, 149 Mietwohnungen, daneben die integrierte ZELJKO GATARIC IMHOFF Shedhalle der ehemaligen Fiat-Garage.

«Auf Augenhöhe zu arbeiten, erhöht nicht nur die Qualität der Resultate, sondern auch die Freude an der Zusammenarbeit.» Michele Muccioli, Leiter Entwicklung/Realisation bei HIAG

nicht nur für den Investor, sondern auch für die beteiligten Unternehmen», so Muccioli.

Taktfahrplan statt Baustellenchaos In der Realisierungsphase setzte das Projekt weiterhin auf Kollaboration. Um die Abläufe auf der Baustelle zu optimieren, kam das sogenannte «Lean Construction» zum Einsatz. Ziel dieser Methode ist es, Verschwendung zu reduzieren und Prozesse effizient zu gestalten: ein zentraler Hebel, da Stillstände bei Personal und Material hohe Kosten verursachen. Ein Kernelement ist das Last-Planner-System, das die ausführenden Teams aktiv einbindet. Wöchentlich treffen sich die beteiligten Handwerker im sogenannten Lean-Raum und pla-

nen anhand von grossformatigen Terminplänen den Bauablauf der kommenden Wochen minutiös durch. «Wir analysieren gemeinsam, was gut funktioniert hat, wo es harzt und wie wir uns verbessern können», erklärt Christoph Keller, Projekt-Coach und stellvertretender Niederlassungsleiter beim verantwortlichen Totalunternehmer HRS Real Estate AG. «So greifen die Abläufe zunehmend besser ineinander, und der Bauablauf wird ruhiger und effizienter.» Das System folgt dem Pull-Prinzip: Unter der Führung des Totalunternehmers definieren die Handwerkerteams selbst, wann sie ihre Arbeiten zuverlässig erbringen können. Diese Eigenverantwortung führt zu einem höheren Commitment gegenüber dem Projekt. Das Resultat: Es gibt weniger Abweichun-

gen. Keller, der seit rund zehn Jahren mit dieser Methode arbeitet, hebt den Wissensaustausch hervor: «Wenn 30 Fachleute mit je zehn Jahren Erfahrung zusammenkommen, entsteht ein enormer Mehrwert.»

Logistik wie ein Uhrwerk Eine besondere Herausforderung beim Bau des ALTO-Hochhauses war die Baustellenlogistik. Die Platzverhältnisse sind knapp, die Transportwege in die Höhe lang. Das Material musste deshalb exakt zum richtigen Zeitpunkt angeliefert und direkt ins jeweilige Geschoss transportiert werden. Logistikpersonal koordinierte die Anlieferungen, zwei Kräne und zwei Fassadenlifte sorgten für den vertikalen Transport.

Auch was Statik und Konstruktion angeht, steht ALTO für zeitgemässes Bauen. Die Geschossdecken sind mit 14 Zentimetern deutlich schlanker als die sonst üblichen 26 Zentimeter. Möglich macht dies ein optimiertes Tragwerk mit Betonunterzügen, die in den Wohnungen bewusst sichtbar bleiben. Diese Bauweise spart Material, reduziert den CO2-Fussabdruck und senkt das Gesamtgewicht des Gebäudes. Gleichzeitig profitieren die Mietenden von einer komfortablen Raumhöhe von 2,6 Metern. ALTO ist zudem das erste Wohnhochhaus im Kanton Zürich mit einer Photovoltaikfassade. Die Module wurden in umfangreichen Brandversuchen getestet, bevor sie bewilligt wurden. Mit dem Label SNBS Gold erfüllt das Projekt hohe Anforderungen an ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltiges Bauen. «Das ALTO-Hochhaus zeigt exemplarisch, wie ehemals industriell genutzte Liegenschaften in nachhaltige, lebendige Wohn- und Arbeitsquartiere transformiert und integriert werden können», sagt André Degelo, Projektleiter des ALTO und Bauherrenvertreter bei HIAG. «Es verbindet Geschichte mit Moderne und setzt ein Zeichen für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung.»

Ein Modell für die Zukunft Dank der innovativen Projektorganisation konnte das ALTO-Hochhaus innerhalb der Kosten- und Zeitvorgaben realisiert werden. Bei HIAG ist man überzeugt, dass der kollaborative Ansatz grosse Vorteile für alle Projektbeteiligten hat und dieser zukünftig Best Practice wird. «Unsere Erfahrungen beim ALTO beweisen, dass sich Bauprozesse effizienter gestalten lassen. Das ist ein deutlicher Mehrwert für die Planenden, die Unternehmer sowie auch für die Bauherrschaft», sagt Degelo. Und Michele Muccioli ergänzt: «Auf Augenhöhe zu arbeiten, erhöht nicht nur die Qualität der Resultate, sondern auch die Freude an der Zusammenarbeit.» Inhalt erstellt im Auftrag von HIAG.

Mehr zum Projekt ALTO und zum Thema «Kollaboration als Erfolgsmodell».


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Vom Waschplan zur App: Die Waschküche wird digital Reservation per App, Bezahlung ohne Münzen, Abrechnung automatisch: Die Siedlung Kasparstrasse in Bern betreibt ihre sieben Waschsalons mit dem Schulthess-washMaster. SYBILLE BRÜTSCH-PRÉVÔT

SchulthesswashMaster

Das Pflichtenheft von Immobilienverwaltungen ist umfassend und reicht vom Ausstellen von Mietverträgen über die Erstellung von Nebenkostenabrechnungen und das Beauftragen von Handwerkern bis zur Verwaltung von gemeinschaftlich genutzten Waschküchen. Letzteres ist besonders aufwendig: Organisation der Nutzung, Reinigung und Wartung der Geräte, Kontrolle der Ordnung, Abrechnung der Kosten, Behebung von Störungen sowie die Information und Betreuung der Nutzerinnen und Nutzer benötigen einiges an Ressourcen. Eigentlich seltsam:In jedem Businessbereich werden inzwischen längst digitale Tools genutzt, um Kosten und Aufwand zu sparen. Nur die Waschküche wird nach wie vor analog verwaltet.

Ideal für Mehrfamilienhäuser, Studentenwohnheime, Waschsalons, Jugendherbergen, Campingplätze. Funktioniert markenunabhängig. Die Waschküche wird über ein HeimWLAN oder SIM-Karten-Router mit dem Internet ausgestattet. Schulthess liefert neue Geräte oder rüstet bestehende auf. Schulthess verbindet die Geräte mit der washMaster-Plattform.

Digitale Waschküche von Schulthess Hier hat Schulthess die perfekte digitale Lösung: Der Schulthess-washMaster ist ein digitales Reservations- und Zahlungssystem für Gemeinschaftswaschküchen. Aber nicht nur das, der Schulthess-washMaster liefert auch zuverlässige Dashboards und weiss sogar, wenn eine Maschinenwartung ansteht. Mit dem washMaster gehört das umständliche Bezahlen von Wasch- und Trocknungsleistungen mit Münzen definitiv der Vergangenheit an. Die Mieterinnen und Mieter laden ihre washMaster-Karte online per Kreditkarte, E-Banking oder Twint auf oder nutzen die Auflademöglichkeit direkt am Gerät. Selbstverständlich stehen Personen, die digitale Zahlungsmethoden weniger nutzen, weiterhin alternative Lösungen wie Einzahlungsschein, Kreditkarten-Terminal oder Prepaid-Karte zur Verfügung. Das aktuelle Guthaben ist jederzeit auf der Karte ersichtlich. Der Schulthess-washMaster entlastet Immobilienverwaltungen spürbar, denn die manuelle Kontrolle von Kostenabrechnungen, die Erfassung von Waschleistungen sowie das Aufladen von Waschkarten entfallen. Die gesamte Bewirtschaftung der Gemeinschaftswaschküche erfolgt digital, effizient und bargeldlos. Gleichzeitig erhalten Verwaltungen einen schnellen Überblick über die vorhandenen Geräte, das Nutzungsverhalten der Mieterschaft und mögliche Verbesserungen bei der Auslastung und Effizienz.

Mieterinnen und Mieter registrieren sich über die washMaster-App selbstständig. Einer von sieben Waschsalons in der Siedlung Kasparstrasse in Bern: Reservation und Bezahlung laufen über die App.:

Sieben Waschsalons für 150 Haushalte Daniel Stebler ist Leiter Projektmanagement bei Dr. Meyer Immobilien AG und hat für die Baugenossenschaft Brünnen-Eichholz die grosszyklische Sanierung der Siedlung Kasparstrasse in Bern verantwortet. Für die 150 Wohnungen wurden neu sieben dezentrale Waschsalons geschaffen. Darin wurden 20 Waschmaschinen, 13 Wäschetrockner und acht Trockenschränke von Schulthess installiert. «Bei der Erstellung der Liegenschaft im Jahr 1973 wurde eine zentrale Waschküche für alle Mietparteien gebaut. Bei der jetzigen Sanierung haben wir dezentrale Waschsalons geschaffen, die jeweils bis zu 23 Wohnungen zusammenfassen. So wird das Waschen weniger anonym, und die Waschküche liegt viel näher bei den einzelnen Wohnungen», erklärt Daniel Stebler. Das bedeute allerdings, dass der Schallschutz der einzelnen Geräte besonders wichtig sei. Eine Anforderung, der die Schulthess-Maschinen gerecht würden, wie Stebler sagt. Nebst leisen Geräten waren dem Projektleiter aber auch Energieeffizienz und Nachhaltigkeit wichtig. «Wir sind der Erreichung der Nachhaltigkeits-

ziele der Baugenossenschaft BrünnenEichholz verpflichtet», präzisiert Daniel Stebler. Die legendäre Langlebigkeit von Schulthess-Maschinen habe aber noch weitere Vorteile: «SchulthessGeräte sind äusserst robust und ideal für die Nutzung von verschiedenen Personen.» Zudem schätzt er, dass die Maschinen wartungsarm sind. Das effiziente digitale Reservationsund Abrechnungssystem des SchulthesswashMaster ist transparent und ein-

Daniel Stebler von Dr. Meyer Immobilien leitete die Sanierung der Siedlung PD Kasparstrasse in Bern.

SCHULTHESS

fach im Handling. «Und doch bietet Schulthess für nicht digitale Personen nach wie vor die analoge Nutzung, das war uns wichtig», so Stebler.

97 Prozent nutzen die App, analog bleibt möglich Die Mieterinnen und Mieter der Kasparstrasse nutzen jedoch zu 97 Prozent die App, «die digitale Lösung funktioniert absolut reibungslos». Auch Stebler sieht den primären Vorteil des SchulthesswashMaster in der Zeitersparnis und Aufwandminimierung für Verwaltungen: «Waschkarten bedeuten einen Mehraufwand für Verwaltungen oder die Hauswartung.» Und wie ist das Feedback der Mieterinnen und Mieter? «Wir bekommen wenige Rückmeldungen von der Mieterschaft, das werten wir als positiv», antwortet Stebler. Mit dem washMaster könnten sie besser planen oder auch mal spontan waschen, Reservationen auf Vorrat seien nicht mehr nötig, und die Maschinen würden nicht unnötig blockiert. «Zudem schätzen unsere Mieterinnen und Mieter die Kostenübersicht, sie wissen jederzeit, was ein Wasch- oder Trocknungsgang kostet», präzisiert Stebler.

schulthess.ch/digital/washmaster

Ausser Waschmaschinen und Wäschetrocknern sind in den Waschsalons an der Kasparstrasse auch SchulthessTrockenschränke im Einsatz. «Die Trockenschränke haben Tradition in unseren Siedlungen und werden wegen der schonenden Trocknung und der Optimierung der Platzverhältnisse eingesetzt», sagt Stebler. Bei 150 Wohnungen reiche der Platz für Wäscheleinen kaum, die Trockenschränke seien eine super Lösung.

Der washMaster funktioniert auch mit anderen Maschinen Auch wenn an der Kasparstrasse ausschliesslich Schulthess-Maschinen im Gebrauch sind, schätzt Stebler die Möglichkeit, dass sich der washMaster auch für Fremdmarken eignet. «In anderen Liegenschaften stehen auch andere Maschinen, die Option des SchulthesswashMaster für Fremdmarken finde ich eine gute Lösung.» Zu guter Letzt:Wie hat er die Zusammenarbeit mit Schulthess erlebt? «Sehr professionell», sagt er, «die Beratung war direkt und unkompliziert, und der Service ist lobenswert. Inhalt erstellt im Auftrag von Schulthess.

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Stefanie Babst arbeitete mehr als 20 Jahre für die Nato, zuletzt als Leiterin der strategischen Vorausschau.

Frau Babst, Sie sagen seit Jahren, Europa denke zu wenig strategisch. Welches ist heute der gefährlichste blinde Fleck der Europäer: Russland, China, die USA oder etwas ganz anderes? Über die radikale Verschiebung der tektonischen Platten im internationalen System ist bereits viel gesagt worden. Komplett blinde Flecken dürfte es eigentlich nicht geben. Mir scheint jedoch, dass viele Menschen die Bereitschaft zur Gewalt unterschätzen, mit der einige autoritär-populistische Führer die regelbasierte Ordnung zerstören wollen. Wenn wir nicht wenigstens die Grundregeln des Miteinanders gegen sie verteidigen, besteht die reale Gefahr, dass wir in einem gesetzlosen Dschungel landen. Deutschland war lange der politische und wirtschaftliche Stabilitätsanker in Europa. Heute fragmentiert sich die Parteienlandschaft. Es scheint immer schwieriger zu werden, handlungsfähige Regierungen zu bilden. Die wirtschaftliche Stagnation ist mit Händen zu greifen und wirkt sich auch auf die Schweiz aus. Was ist los mit Deutschland? Wie Millionen anderer Menschen auf der Welt verlieren sich auch viele Deutsche in Zukunfts- und Verlustängsten. Die sozialen Medien heizen die Flut von Emotionen, vor allem diffuse Ängste vor einer ungewissen und bedrohlichen Zukunft, massiv an. Was wir seit einiger Zeit in Deutschland sehen, sind nicht nur die üblichen sozialen und gesellschaftlichen Verteilungskämpfe, sondern eine wachsende Kritik am Staat, von dem sich viele wünschen, er möge das «alte Deutschland» aufrechterhalten. Aber das kann und sollte er natürlich nicht. Ohne tiefgreifende Strukturreformen wird die deutsche Wirtschaft nicht weiter wettbewerbsfähig sein; ohne schmerzhafte Reformen der teuren Sozialsysteme werden diese zusammenbrechen; ohne Investitionen in neue Wachstumsbereiche, in unsere Bildungssysteme, Infrastruktur und Verteidigung wird sich Deutschland nicht modernisieren können. Und: Deutschland ist keine Insel, auf der man sich vor den Gefahren und Bedrohungen der Welt weiter verstecken kann. Diese Gemengelage enthält viel gesellschaftliche und politische Sprengkraft, von der die rechtsextreme AfD, aber auch die Linken profitieren. Vor allem die Propaganda der AfD ist auf einen disruptiven «Befreiungsschlag» ausgerichtet, den sich diejenigen wünschen, die die Unsicherheit und

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«Frieden wird es mit einem putinschen Russland nicht geben können» Die frühere Nato-Strategin und deutsche Publizistin Stefanie Babst über die strategischen Herausforderungen Europas und der Schweiz in einer sich rasch verändernden Welt. Interview: Felix E. Müller

Volatilität unserer Zeit nicht ertragen können oder wollen. Vor diesem Hintergrund erwarte ich, dass es auf absehbare Zeit politisch in Deutschland äusserst unruhig bleiben wird. Die europäische Sicherheitsordnung beruhte jahrzehntelang auf der Annahme, dass die USA im Ernstfall für Europa einstehen. Wie muss sich Europa sicherheitspolitisch aufstellen, nachdem die USA zu einem zweifelhaften Sicherheitspartner geworden sind? Es gibt in meinen Augen nur zwei Optionen: Entweder sind die Europäer und Kanadier zusammen mit der Ukraine in der Lage, die Nato zügig politisch und militärisch zu europäisieren und mit ihrer Hilfe die uneingeschränkte Verantwortung für Europas Sicherheit zu übernehmen, oder es bilden sich Koalitionen der Willigen, die schrittweise versuchen, mehr Sicherheit, Verteidigungsfähigkeit und Abschreckung in Europa herzustellen. Momentan sehen wir von beidem etwas, aber die bisherigen Schritte dahin sind nicht konsequent und mutig genug. Fakt ist, dass die «alte» Nato in der gegenwärtigen politischen Konfiguration, also mit Trump in ihren Reihen, immer weiter an politischer Kohäsion und damit an strategischer Gestaltungskraft verliert. Washingtons Versuche, die Europäer zu spalten, sind klar erkennbar. Die Europäer, Kanadier und Ukrainer sollten sich davon nicht beeindrucken lassen und ihre eigene politische Gruppe innerhalb des Bündnisses bilden, um ihre nationalen Interessen und Aktivitäten abzustimmen. Aber der langjährige Instinkt, über jeden Stock zu

springen, den die Amerikaner den Europäern hinhalten, ist noch bei vielen tief ausgeprägt. Sie haben die europäische Russlandpolitik wiederholt kritisiert. Was wäre heute eine realistische strategische Zielsetzung gegenüber Russland? Ich bleibe unverändert der Meinung, dass es in keiner Form erstrebenswert ist, in Zukunft mit einem höchst gewalttätigen und revanchistischen Putin-Russland in Europa zu koexistieren. Moskau muss seinen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine verlieren und die Konsequenzen seines Handelns tragen. Verloren hat Putin die Ukraine ohnehin jetzt schon, denn die Ukrainer werden Moskaus Terror gegen sie über Generationen in ihrem nationalen Bewusstsein abspeichern. Aber ganz generell: Wenn wir den toxischen Putinismus nicht in jeder Form und mit allen Mitteln schwächen, wird er weiter versuchen, Europas Stabilität zu untergraben. Wir haben also die Wahl: Entweder wir begrenzen Russlands Expansionismus aktiv mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln und versuchen, das Regime zu schwächen, oder wir geben uns weiterhin der Illusion von Frieden in Europa hin. Frieden wird es aber mit einem putinschen Russland nicht geben können. Die Schweiz ist militärisch neutral, wirtschaftlich aber stark mit Europa und mit der Welt vernetzt. Wie wirkt diese Positionierung aus ausländischer Sicht? Die starken geopolitischen Turbulenzen lassen auch das Erfolgsmodell der

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Zur Person Stefanie Babst, Politikwissenschafterin und Publizistin, arbeitete von 1998 bis 2020 in leitenden Funktionen für die Nato in Brüssel, unter anderem als stellvertretende beigeordnete Generalsekretärin für Public Diplomacy und zuletzt als Leiterin der strategischen Vorausschau des Generalsekretärs. Heute berät sie Regierungen, Institutionen und Unternehmen zu geopolitischen und sicherheitspolitischen Fragen und schreibt für internationale Medien. 2023 erschien ihr Buch «Sehenden Auges. Mut zum strategischen Kurswechsel».

Schweiz nicht unberührt. Als Land in der Mitte Europas stellt sich für die Schweiz nicht nur die Frage, wie sie ihre Stellung als attraktiver Wirtschaftsund Finanzstandort in Zukunft behaupten kann, sondern auch, wie sie sich an der sicherheits- und verteidigungspolitischen Emanzipation der EU beteiligen könnte. Ich finde es daher sehr wichtig, dass Bern und Brüssel nun Gespräche darüber begonnen haben. Wenn die Schweiz auch zukünftig von einem stabilen sicherheitspolitischen Umfeld in Europa profitieren will, muss sie sich auch an dessen Entwicklung beteiligen. Neutralität kann ja nicht heissen: Wir bedauern den labilen Zustand der Welt zwar, aber wir wollen uns weiter aus allem heraushalten.

Die Welt bewegt sich von Freihandel und globaler Arbeitsteilung wieder stärker in Richtung Protektionismus. Die Zollpolitik von Donald Trump hat diese Entwicklung beschleunigt. Was bedeutet diese Rückkehr zum Protektionismus langfristig für die Weltwirtschaft, insbesondere für ein kleines, exportbasiertes Land wie die Schweiz? Amerika durchlief in seiner Geschichte schon immer protektionistische Phasen, aber die jetzige unterscheidet sich von früheren darin, dass es auf beiden Seiten des politischen Spektrums in Washington einen Konsens darüber gibt, den Schutz der heimischen Industrie und nationale Sicherheit als zwei Seiten derselben Medaille zu sehen. Für USPräsident Trump sind Strafzölle eine willkürliche Allzweckwaffe, die er weiter nach Belieben einsetzen wird. Mal davon abgesehen, dass er damit nicht nur Amerikas Wirtschaft und das multilaterale Welthandelssystem schwächt, ist der trumpsche Protektionismus natürlich auch eine enorme Belastung für den transatlantischen Handel und damit für die Schweiz. Ich fürchte, wir werden damit leben müssen und verstärkt nach neuen Märkten suchen. Die halbe Welt erwartet, dass die hohen Zollschranken, die Donald Trump für den amerikanischen Markt errichtet hat, von einem Nachfolger wieder abgebaut werden. Könnte es sich dabei nicht um eine Illusion handeln? Selbst wenn es einen Donald Trump nicht mehr im Weissen Haus geben sollte, wird die MAGA-Bewegung an den Grundsätzen seiner Politik festhalten. «Make America Great Again» ist ja nicht nur ein wirtschaftliches Postulat, sondern vor allen Dingen der feste Vorsatz, die strategische Auseinandersetzung mit China gewinnen zu wollen und gleichzeitig Amerikas strategischen Einflussbereich in der westlichen Hemisphäre zu erweitern. Europa spielt in diesen Überlegungen nur eine untergeordnete strategische Rolle. Diese Grundhaltung würde sich auch unter einer demokratischen Präsidentschaft nicht wirklich ändern. Wir Europäer sollten endlich begreifen, dass die Pax Americana der Vergangenheit angehört. Die Auseinandersetzung um den Zugang zu Ressourcen, Märkten und politischem Einfluss wird ungleich komplexer und komplizierter werden. Je schneller sich Europa darauf einstellen kann, umso besser.


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Samstag, 24. Oktober 2026

Real Estate Days

NZZ-Verlagsbeilage

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Das Gipfeltreffen der Schweizer Immobilienbranche Am 22. und 23. Oktober 2026 trafen sich in Montreux 400 Entscheiderinnen und Entscheider zu den NZZ Real Estate Days, um die Zukunft der Immobilienbranche aktiv zu gestalten.

Carlo Staub, Inhaber, Staub Immobilien Treuhand Stephan Lüthi, Head Real Estate, Zürcher Kantonalbank

BILDER: SANDRA BLASER PHOTOGRAPHY

Carolin Roth, Moderatorin Stefan Dambacher, Chief Development Officer, Allreal Corine Blesi, Leiterin NZZ Experience, Neue Zürcher Zeitung

Paolo Di Stefano, Head Real Estate Switzerland, Swiss Life Asset Managers Jens Vollmar, CEO, Implenia Schweiz Daniel Baumann, CEO, bonainvest Holding

Nadia von Veltheim, CEO, Post Immobilien Vuk Stokanic, Portfolio Manager, UBS Fund Management Beatrice Landolt, Leiterin Portfoliomanagement, Post Immobilien

Stefan Regez, Partner, furrerhugi Felix Graf, CEO, Neue Zürcher Zeitung

Béatrice Gollong, Mitglied der Geschäftsleitung, HIAG Andrea Fuhrer, Vice President, JLL Andrea Boller-Cloetta, Real Estate Asset Managerin, Zürcher Kantonalbank

Raymond Cron, Verwaltungsrat, Rhystadt Marcel Kucher, CEO, Swiss Prime Site Daniel Gebhardt, VR-Präsident, Central Real Estate Holding

Sabahattin Kuleli, Head Large Corporates, BCV Maik Neuhaus, CEO, Halter Reto Grunder, CIO, PSP Swiss Property

Philip de Hesselle, Area Sales Manager, USM Oliver Hauri, Vice President Europe, Middle East & Africa, Haworth Simon Flückiger, CEO/Co-Owner, Teo Jakob Daniel Kallay, Verwaltungsratspräsident, Red Bull

Alexis Leuthold, Leiter Bewirtschaftung, SBB Daniel Ducrey, CEO, Mobimo Management Beatrice Bichsel, Leiterin Immobilien, SBB


Die Immobilienbranche bewegt sich.

Bleiben Sie einen Schritt voraus.

Der NZZ Real Estate Newsletter liefert regelmässig fundierte Berichte, Analysen und Experteneinschätzungen zu den Entwicklungen, welche die Branche bewegen.

Themen, die aktuell beschäftigen

Beiträge von Jürg Zulliger, Wirtschaftsredaktor NZZ

Warum könnte die Zinsentwicklung zum Wendepunkt für den Immobilienmarkt werden?

Wohnungsmarkt Mehr Angebot – aber noch keine Entwarnung: Wohin entwickelt sich der Schweizer Wohnungsmarkt?

Fundiert. Relevant. Mit Blick auf das, was als Nächstes kommt.

Zinsen & Finanzierung

Investment Immobilien bleiben gefragt – doch wo liegen Chancen und Risiken für Anleger?

Zonenpläne, Vorschriften und Bewilligungen Wo kann die Schweiz beim Bauen neue Spielräume schaffen und wo steht sie sich selbst im Weg?

Büro & Gewerbe Weniger Neubau, stabile Nachfrage: Wie robust ist der Schweizer Markt für Geschäftsimmobilien?

Energie & Dekarbonisierung

Lesen Sie unseren Immobilien-Newsletter und bleiben Sie auf dem Laufenden. Sie erhalten Marktinfos, Hintergrundberichte sowie News zu Projekten und Events.

Raffaello D‘Andrea Gründer, Verity Als Pionier an der Schnittstelle von Wissenschaft und industrieller Praxis gründete er Kiva Systems (heute Amazon Robotics) mit und revolutionierte damit die Logistik in bislang unerreichtem Ausmass.

Praxisnahe Lösungen aus der Forschung für die Energiewende im Gebäudesektor.

KI & Automatisierung Wie Robotik und smarte Algorithmen Prozesse im Asset- und Facility- Management revolutionieren.

Christoph Furler Partner, Energy Transformation, Emerald Technology Ventures

Branchenübergreifendes Matchmaking

Als Experte für globale Energiesysteme begleitet er die Markteinführung wegweisender Cleantech-Technologien und kann die direkten Auswirkungen der Energiewende auf den Immobiliensektor aufzeigen.

Gezielte 1:1-Meetings mit Innovatoren, Start-ups und Tech-Pionieren Mehr Infos und Tickets unter open-i.swiss

4 Stages und über 1200 Teilnehmende Content Partner

26. November 2026 Kongresshaus Zürich Innovation Partner

Initiativpartner


Real Estate Days

Samstag, 24. Oktober 2026

NZZ-Verlagsbeilage

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Hoch hinaus: Verdichten mit Weitblick Hochhäuser feiern in Zürich ein Comeback. Doch wie effizient ist das Bauen in die Höhe wirklich? Und warum könnten mittelhohe Quartiere die bessere Lösung sein? JÖRN SCHELLENBERG

Hochhaus: Effizienz trifft auf Grosszügigkeit

Hochhäuser erleben in Zürich eine Renaissance. Nach Jahrzehnten der Hochhausabstinenz kehren sie seit den 2000er Jahren zurück, vor allem in Quartieren wie Altstetten, Seebach, Escher-Wyss und Affoltern. Auch Nachbargemeinden wie Dübendorf und Regensdorf setzen auf diese Bauform. Doch während die Türme in den 1960er und den 1970er Jahren vor allem günstigen Wohnraum für Familien schaffen sollten, dominieren heute hochpreisige Designerwohnungen.

Land- und Wohnfläche pro Person mit m2 nach Etagenzahl der Gebäude

Hochhäuser sind keine Universallösung für die städtische Verdichtung.

Der Aufstieg zur Exklusivität Im Bauboom der 1960er und 1970er Jahre dienten Hochhäuser als eine Art bauliches Notprogramm: Sie sollten schnell und effizient modernen Wohnraum schaffen, auch für Menschen mit begrenztem Budget. Das Zürcher Lochergut (1966, 22 Geschosse) und die Siedlung Hardau (1976, 33 Geschosse) stehen exemplarisch für diese Phase. Beide boten Hunderte von Wohnungen zur Kostenmiete und richteten sich vor allem an Familien. In den 1980er Jahren kippte die Stimmung: Hochhäuser wurden als anonyme, seelenlose Fremdkörper wahrgenommen. Eine Volksinitiative beendete 1984 den Hochhausbau in der Zürcher Innenstadt. Erst mit der Lockerung der Bauund Zonenordnung in den 2000er Jahren

Hochhäuser sparen Boden, ab zehn Geschossen steigt die Wohnfläche pro Kopf aber ZKB/BFS wieder. kehrten Hochhäuser zurück, diesmal mit einem exklusiveren Image. Heute prägen Glasfassaden, Panoramaaussichten und luxuriöse Wohnungen die neuen Türme.

Weniger Boden pro Kopf Die Argumente für das Bauen in die Höhe sind seither jedoch ähnlich geblieben: Auf wenig Boden sollen möglichst viele Menschen Platz finden. Doch wie effizient ist das Hochhaus wirklich?

Hochhäuser sparen Fläche. Laut Bundesamt für Statistik sinkt der Bodenverbrauch pro Person mit zunehmender Gebäudehöhe deutlich. In einem viergeschossigen Gebäude benötigt eine Person nur 38 Prozent der Landfläche, die ein Bewohner eines Einfamilienhauses beansprucht. In einem 20-geschossigen Hochhaus reduziert sich der Bodenverbrauch pro Kopf auf 4,8 Quadratmeter, etwa ein Zwölftel der Fläche eines eingeschossigen Hauses.

Mehr Diversifikation in Immobilienportfolios

Wohnliegenschaften bleiben wegen ihrer stabilen Nachfrage und langfristig planbaren Erträge ein zentraler Portfoliobaustein, besonders für Versicherungen. Gleichzeitig schränken hohe Preise, tiefe Nettorenditen, regulatorische Vorgaben und langwierige Bewilligungsverfahren den Handlungsspielraum ein. Toplagen sind kaum verfügbar und oft wenig rentabel. Wer auf B- und C-Lagen oder Entwicklungsgebiete ausweicht, nimmt höhere Leerstands- und Wertverlustrisiken in Kauf. Institutionelle Anleger erweitern deshalb ihr Anlageuniversum. Logistik-, Gewerbe- und Industrieflächen versprechen zusätzliche Renditen und Diversifikation. Zugleich eröffnen frei werdende Industrieareale Chancen für neue, auf KMU zugeschnittene Nutzungsmöglichkeiten. Diese Segmente reagieren jedoch stärker auf Konjunkturzyklen. Entscheidend sind daher ein realistischer Einstiegspreis, gute Verkehrsanbindungen, flexible Grundrisse und eine klare Transformationsidee. Wertschöpfungentstehtzunehmenddurchaktives Asset Management. Leerstände werden reduziert, grosse Single-Tenant-Objekte in kleinere Einheiten

Hochhäuser sind keine Universallösung für die städtische Verdichtung. Ab etwa zehn Geschossen werden sie häufig zum Luxusprodukt mit entsprechend hoher Wohnfläche pro Person. Die grössten Effizienzgewinne bringen die ersten zusätzlichen Geschosse. Quartiere mit vier bis acht Geschossen bieten eine gute Balance zwischen hoher Dichte und alltagsnaher Wohnqualität, auch für Familien. Sie kombinieren überschaubare Gebäudehöhen mit kurzen Wegen, fördern die soziale Durchmischung und schaffen Raum für Grünflächen. Hochhäuser sollten daher gezielt dort eingesetzt werden, wo sie städtebaulich überzeugen, gut erschlossen und sozialverträglich sind.

Jörn Schellenberg arbeitet in der Immobilienanalyse der Zürcher Kantonalbank.

Königsweg mit Fallstricken für erfolgsabhängige Finanzierungen von Immobilienentwicklungen.

gegliedert und Flächen an wechselnde Bedürfnisse angepasst. Modulare Gewerberäume wie im Streetbox-Modell von Procimmo lassen sich mit überschaubaren Investitionen und flexiblen Mietbindungen vermarkten.Auch energetische Aufwertungen zahlen sich aus: Eine grosse Solaranlage auf einem ehemaligen Logistikzentrum von Procimmo erhöhte die Standortattraktivität und erleichterte die Neuvermietung. Mit der Mehrheitsübernahme von Procimmo ergänzen die Vaudoise Versicherungen ihre Immobilienfonds-Plattform um Kompetenzen in Logistik, Light Industrial und Gewerbe. Das eigene Portfolio der Versicherungsgesellschaften bleibt dagegen auf Wohnliegenschaften ausgerichtet und folgt weiterhin einem langfristigen Buy-and-Hold-Ansatz zur Deckung der Versicherungsverpflichtungen. Wohnimmobilien bleiben somit der Kern institutioneller Portfolios. Erfolgreich ist, wer sie mit aktivem Management, Transformationskompetenz und lokaler Marktkenntnis um Logistik und Gewerbe ergänzt. Christoph Borgmann ist CFO der Vaudoise Versicherungen und Verwaltungsratspräsident der Procimmo.

Flexible Gewerbe- und Logistikflächen gewinnen für institutionelle Anleger an Bedeutung.

Mittelhohe Alternativen

Steueraspekte partiarischer Darlehen

Wohnliegenschaften bleiben ein Anker. Doch Logistik, Gewerbe und Industrie schaffen neue Chancen. CHRISTOPH BORGMANN

Auch die Wohnfläche pro Person sinkt tendenziell mit zunehmender Geschosszahl, zumindest bis etwa zehn Geschosse. Darüber kehrt sich der Trend um: Der Wohnflächenverbrauch pro Person steigt wieder an. Grund dafür sind grosszügige Zimmergrössen und der hohe Anteil an Kleinwohnungen, die vor allem für Singles und kinderlose Paare konzipiert sind. In Zürcher Hochhäusern mit mehr als 15 Geschossen liegt der Anteil der Ein- bis Dreizimmer-

wohnungen bei über 80 Prozent, und die durchschnittliche Zimmergrösse beträgt fast 31 Quadratmeter, rund fünf Quadratmeter mehr als im Rest der Schweiz. So entsteht ein paradoxes Bild: Ausgerechnet in Hochhäusern, wo Verdichtung am sichtbarsten ist, stehen den Bewohnern meist besonders grosse Zimmer zur Verfügung. Statt Wohnraum für möglichst viele Menschen entstehen oft luxuriöse, loftartige Wohnungen mit Panoramablick.

PROCIMMO

Partiarische Darlehen: flexibel, aber steuerlich heikel. MAXIM DOLDER, MARCO E. VITALI

Mit Basel III hat sich die Vergabe von Bankkrediten erschwert. Immobilienentwickler greifen deshalb zunehmend auf andere Kapitalgeber zurück, die hochverzinste oder mit Erfolgsbeteiligungen ausgestaltete Finanzierungen gewähren. Der Königsweg führt häufig über sogenannte partiarische Darlehen. Partiarische Darlehen werden nicht (oder nicht nur) mit einem festen Zins vergütet, sondern ausschliesslich (oder zusätzlich) durch eine Beteiligung am Entwicklungserfolg. Sie verbinden flexible Gestaltung und steuerliche Optimierung. Bei der konkreten vertraglichen Ausgestaltung sowie der tatsächlich gelebten Umsetzung ist Umsicht geboten, insbesondere bei den Mitsprache- und Mitwirkungsrechten, den Kontroll- und Überwachungsrechten, der Gewinn- und (allenfalls auch nur impliziten) Verlustbeteiligung sowie den Beendigungsmodalitäten. Partiarische Darlehen von Dritten sollten von den Steuerbehörden als Darlehen anerkannt werden, das heisst, der variable Zins wird bei der Entwicklungsgesellschaft als steuermindernder Aufwand zugelassen und beim Investor

ISTOCK

mit den ordentlichen Gewinn- oder Einkommenssteuern erfasst. Dieser Ansicht folgen aber nicht alle Steuerbehörden. Schnell kann ein vermeintliches Darlehen ungewollt zur einfachen Gesellschaft werden, weil die Abgrenzung fliessend ist. Dies kann äusserst unangenehme steuerliche Folgen nach sich ziehen. Der Investor kann unter Umständen eine steuerliche Präsenz am Ort der Immobilie begründen und diesfalls für seinen Anteil am Entwicklungserfolg zur Besteuerung herangezogen werden, was zu Doppelbesteuerungskonflikten führen kann. Überdies kann er solidarisch für die Grundstückgewinnsteuer der Entwicklungsgesellschaft haften. Bei natürlichen Personen führt dies regelmässig zur Qualifikation als gewerbsmässiger Liegenschaftenhändler, womit auch Sozialversicherungsabgaben auf dem Entwicklungsgewinn anfallen. Investoren sind deshalb gut beraten, ihre Struktur mit Bedacht zusammen mit einem Steuerberater aufzusetzen. Maxim Dolder ist Partner bei Tax Partner. Marco E. Vitali ist Counsel bei Tax Partner.


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Real Estate Days

Samstag, 24. Oktober 2026

Destination Jelmoli: modern im Wandel Im Herzen von Zürich wird das Traditionshaus zum urbanen Begegnungsort transformiert: Implenia baut nachhaltig im historischen Bestand.

VALERIA HAPPEL

Das ikonische Gebäude erwacht als «Destination Jelmoli» zu neuem Leben. Die Baudienstleisterin Implenia transformiert das Bauwerk unter Einhaltung höchster Ansprüche an Nachhaltigkeit und Denkmalschutz. Derzeit wird die historische Liegenschaft energieeffizient umgebaut. Neu entsteht Raum für einen vielfältigen Nutzungsmix:Auf sieben Geschossen werden Läden, Restaurants, Büros und Freizeiteinrichtungen zu finden sein. Mit dem Modernisierungsprojekt setzt Implenia ihre Erfolgsgeschichte als Pionier für nachhaltiges Bauen fort.

Nachhaltiger Umbau im grossen Stil Durch fragmentiertes Bauen im Bestand gilt das Grossbauprojekt als Paradebeispiel für eine nachhaltige Transformation. Als Totalunternehmerin übernimmt Implenia die Planung sowie die schlüsselfertige, betriebsbereite Erstellung des Bauwerks «Destination Jelmoli» an der Seidengasse 1, der Sihlstrasse 4 und 6 sowie der Uraniastrasse 25. Ein Balanceakt: Implenia vollzieht die Kernsanierung schrittweise unter Einhaltung strikter Nachhaltigkeitsanforderungen und strenger Auflagen des

Denkmalschutzes. In den unteren Geschossen entstehen neu gestaltete, hochwertige Retailflächen auf rund 13 000 Quadratmetern sowie modernste Büround Dienstleistungsflächen auf rund 20 000 Quadratmetern, für anspruchsvolle Nutzerinnen und Nutzer mit Fokus auf Qualität und Innovation. «Ein solches Modernisierungsprojekt erfordert fachliche Expertise, eine hohe Spezialisierung sowie Kontrollprozesse mit digitalen Mess- und Koordinationstools. Nur so können wir verschiedene regulatorische Kriterien einhalten, kostenoptimiert bauen und auch für die Sicherheit sorgen», sagt Adrian Wyss, Head Division Buildings bei Implenia.

Die Ikone wird baulich neu interpretiert Die Transformation des traditionsreichen Einkaufszentrums hat zum Ziel, das Gebäude belebter für die Stadt zu gestalten, gleichzeitig die historische Bedeutung zu bewahren und neue Massstäbe in Sachen Nachhaltigkeit zu setzen. Mitten im pulsierenden Stadtkern wird das Gebäude zum Treffpunkt. So entsteht ein Ort, an dem Tradition und Zukunft vereint werden. Gesellschaftlich steht das gemeinsame Entdecken, Erleben und Geniessen

Das Jelmoli-Gebäude an der Zürcher Seidengasse wird bis zur Wiedereröffnung zur «Destination Jelmoli» transformiert.

Kernsanierung mitten in der Innenstadt, Denkmalschutz und Nachhaltigkeitsvorgaben inklusive.

im Mittelpunkt. Architektonisch übersetzt sich dies in eine komplexe Schnittstelle zwischen Shopping,Work und Lifestyle mit hohen Qualitätsansprüchen hinsichtlich des Ausbauniveaus. Realisiert wird das Konzept durch fortschrittliche technische Installationen innerhalb einer anspruchsvollen Raumplanung. Zugleich stehen Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Zukunftsfähigkeit an erster Stelle. Die Lage in der Innenstadt wird hinsichtlich der Materialbeschaffung zum logistischen Parcours. Implenia meistert diesen ebenso wie die umweltschonende Entsorgung gemäss den Anforderungen des Nachhaltigkeitsstandards DGNB/ SGNI Gold. Weitere Herausforderun-

JELMOLI

gen liegen in der Gewährleistung eines prozessorientierten Baufortschritts: Es erfolgt eine simultane Ausführung von Grundausbau und Mieterausbau. «Dies gelingt, indem alle Prozesse zeitlich und logistisch miteinander verzahnt werden. Wir starten planmässig und mit viel Elan in die nächsten baulichen Etappen», sagt Projektleiter Johannes Hasenbank. Die Umsetzung des Transformationsprojekts erfolgt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Eigentümerin Swiss Prime Site Immobilien und dem Architekturbüro Ilmer Thies Architekten. Inhalt erstellt im Auftrag von Implenia.

Erfolgreich bleibt, wer entscheiden kann Die Herausforderungen unserer Zeit sind gross. Handlungsfähig bleibt ein Land nur, wenn Menschen bereit sind, zu entscheiden und Verantwortung zu tragen. So, wie es in unserer Branche jeden Tag geschieht.

Wer baut, entscheidet für Jahrzehnte: Städte entstehen durch Entscheidungen, nicht ADOBE STOCK durch Abwarten. MARTIN SCHMID, KARIN BÜHRER

Kriege und geopolitische Spannungen, eine kritische Sicherheitslage, eine Energieversorgung, die nicht mehr selbstverständlich ist, ein sich rasch änderndes Klima und, mit der künstlichen Intelligenz, eine technologische Entwicklung, die Wirtschaft und Gesellschaft in hohem Tempo umwälzt: Die Herausforderungen sind gross – für Menschen, Unternehmen und Staaten. In einer Welt, in der Kapital, Unternehmen und Talente neu abwägen, wo sie investieren, arbeiten und leben wollen,

wird Handlungsfähigkeit zum Standortfaktor. Sie zeigt sich nicht allein in der Analyse, sondern in der Fähigkeit, daraus Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für deren Folgen zu übernehmen. Denn jede Entscheidung birgt Risiken. Nicht zu entscheiden, wirkt oft sicherer. Auf Dauer aber ist es verheerend.

Verantwortung übernehmen Risiken eingehen und tragen, weiterdenken, entscheiden: Unsere Branche der Immobilien-Gesamtleister kann das.Wer den gebauten Raum entwickelt, muss

heute überlegen, was in 20 oder 30 Jahren gebraucht wird. Unternehmen investieren Kapital, planen unter hoher Unsicherheit und treffen Entscheidungen, deren Auswirkungen weit in die Zukunft reichen. Sie tun dies mit eigenem Geld, eigener Verantwortung und eigenem Namen. Wer nicht vorangeht, baut nichts. Das ist unser Beitrag zur Handlungsfähigkeit dieses Landes. Und er reicht weit über die Immobilienwirtschaft hinaus. Denn ein erfolgreicher Standort braucht nicht nur gute steuerliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Er braucht eine hochwertige Infrastruktur, lebenswerte Quartiere und nicht zuletzt Wohnungen für eine wachsende Bevölkerung sowie Raum für Unternehmen und Arbeitsplätze. Damit all das entstehen kann, braucht unsere Branche den notwendigen Handlungsspielraum. Dafür setzt sich unser Verband Entwicklung Schweiz als Branchenverband ein. Gerade bei der Anpassung an das sich verändernde Klima zeigt sich, was Handlungsfähigkeit im gebauten Raum bedeutet. Wir müssen unsere Städte und Siedlungen auf höhere Temperaturen und neue klimatische Bedingungen ausrichten. Kühlere Städte entstehen aber nicht dadurch, dass auf jeder einzelnen Parzelle mehr Grün gefordert oder Versiegelung verboten wird. Sie entstehen, wenn wir über die Parzelle hinausdenken und gemeinsam grössere Räume entwickeln. So können Freiräume, Gebäude und Quartiere entstehen, die unterschiedliche Ansprüche zusammenführen und in denen Menschen auch in Zukunft gerne wohnen, arbeiten und leben, während die Schweiz weiterwächst, älter wird und sich verändert. Entwicklung bedeutet deshalb nicht einfach, möglichst viel zu bauen. Sie bedeutet, vorausschauend zu gestalten und konkrete Lösungen für die

bestehenden Herausforderungen anzubieten. Genau das tun unsere Mitglieder.

Rahmenbedingungen gestalten Als Branche setzen wir uns dafür ein,dass der notwendige Handlungsspielraum für die Unternehmen erhalten und verbessert wird. Dass politisches Engagement Wirkung entfalten kann, haben wir in diesem Jahr gesehen: In Zürich ist eine weitere Verschärfung des Mieterschutzes an der Urne gescheitert, national die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Beim Ortsbildschutz wurden die Rahmenbedingungen auf Verordnungsebene verbessert, und im Parlament sind Vorstösse gegen missbräuchliche Rekurse endlich auf Zustimmung gestossen. Das sind wichtige Signale. Doch die nächsten Vorlagen stehen bereits vor der Tür, und der regulatorische Druck bleibt hoch. Rahmenbedingungen sind nicht einfach gegeben. Sie werden politisch verhandelt. Wer gute Rahmenbedingungen will, darf sie deshalb nicht nur einfordern. Er muss bereit sein, an ihnen mitzuwirken. Genau darin sieht der Verband Entwicklung Schweiz seine Aufgabe. Entscheiden kann die Branche nicht allein. Es braucht Menschen in Verwaltung und Politik, die Verantwortung übernehmen, Projekte bewilligen statt verhindern und auch bei Widerstand zu ihren Entscheidungen stehen.Widerstand entsteht oft aufgrund der stetig wachsenden Komplexität. Deshalb zeigen wir bei komplexeren Immobilienprojekten immer wieder die Vorteile unseres Modells der Gesamtleistung auf. Doch auch damit: Als Grundlage für Entwicklung und Wohlstand braucht es eine Gesellschaft, die Veränderungen mitträgt. Die Schweiz hat mit der direkten Demokratie und ihrem Milizsystem ein aussergewöhnlich starkes Modell. Dieses

lebt aber davon,dass Menschen aus unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten ihr Wissen einbringen. Ein Milizsystem, aus dem sich die Wirtschaft zurückzieht, verliert an Praxiswissen.Als Verband plädieren wir deshalb dafür, dass sich auch unsere Branchenpersönlichkeiten einbringen.Weil es da, wo über die Rahmenbedingungen für unsere Zukunft entschieden wird, Menschen braucht, die wissen, wie Unternehmen investieren, Arbeitsplätze entstehen und eine gesunde Volkswirtschaft funktioniert.

Zukunft bauen Die künstliche Intelligenz verändert auch unsere Branche. In Planung, Kalkulation und Betrieb ist das längst spürbar.Bemerkenswert ist aber ebenso, was bleibt: Ein Haus wird noch immer gebaut, nicht generiert. Ein Quartier lebt von Menschen, nicht von Modellen. Unsere Unternehmen verbinden digitale Werkzeuge mit Wissen, Erfahrung und Handwerk. Darin liegt eine Chance für die nächste Generation. Unsere Branche bietet Aufgaben, deren Resultate sichtbar sind und die morgen ebenso gebraucht werden wie heute. Vor allem aber bietet sie die Möglichkeit, an etwas mitzuwirken, das grösser ist als das einzelne Projekt: an der Frage, wie wir in diesem Land künftig leben und arbeiten wollen. Die Vorstellung gemeinsam mit Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu entwickeln und den Mut aufzubringen, sie auch umzusetzen, ist unsere eigentliche Aufgabe als Verband. Denn die Zukunft der Schweiz wird nicht beschlossen. Sie wird gebaut. Martin Schmid ist Präsident Entwicklung Schweiz und Ständerat FDP Graubünden. Karin Bührer ist Geschäftsführerin Entwicklung Schweiz.


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Samstag, 24. Oktober 2026

NZZ-Verlagsbeilage

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Das Playground-Büro – wie die Pandemie die Immobilienwelt dauerhaft verändert hat Vor fünf Jahren galt die Stadt als erledigt. Heute sind die Zentren wieder voll, doch Büros und Läden haben ihren Zweck verändert: Gefragt sind Orte der Begegnung, nicht der Erledigung. Der Architekt Carlo Ratti über das «Playground-Büro».

CARLO RATTI

Fünf Jahre sind vergangen, seit die meisten Lockdowns weltweit aufgehoben wurden. Das ist lange genug, um dauerhafte Veränderungen von einem vorübergehenden Schrecken zu unterscheiden. Die Covid-19-Pandemie hat fast alles durcheinandergebracht, den Immobiliensektor stärker als die meisten anderen Bereiche. Eine Zeit lang wusste niemand so recht, wozu ein Büro, ein Geschäft oder überhaupt eine Stadt eigentlich noch gut sein sollte. Beginnen wir mit dem, was nicht eingetreten ist. Als sich die Pandemie 2020 ausbreitete, erklärten viele die Stadt für erledigt. Die Bürotürme würden leer stehen, und das Land würde sich nach zwei Jahrhunderten des Bedeutungsverlusts an den Städten rächen. Ich gehörte zu den wenigen, die widersprachen. Städte haben weitaus Schlimmeres überstanden. Venedig verlor durch die Pest von 1348 mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung und erlebte danach seine grösste Blütezeit. Die magnetische Kraft, die Menschen zusammenführt, hat seit Jahrtausenden jede Epidemie und jeden Krieg überdauert. So ist es gekommen: Die grossen Städte sind wieder voller Leben. Dennoch hat es tiefgreifende Veränderungen gegeben, die bleiben werden. Wir arbeiten und kaufen nicht mehr ein wie 2019. Deshalb gehören Büros und Ge-

takte einen grossen Teil der Informationen vermitteln, die uns erreichen. Unsere Daten deuteten darauf hin, dass diese Beziehungen auf einen gemeinsamen physischen Raum angewiesen sind. Sie stellten sich erst wieder ein, als die Menschen auf den Campus zurückkehrten.

schäfte nach wie vor zu den Schwachstellen des Immobilienmarkts, und dieser Markt zeigt den Wandel deutlicher als jede Umfrage.

New York zeigt den Bruch Ein Blick nach New York genügt. Viele ältere Bürogebäude haben Mühe, Mieter zu finden, und seit 2019 erheblich an Wert verloren. Es sind Gebäude, in die Menschen einst kamen, um Aufgaben am Schreibtisch zu erledigen, Aufgaben, die sich heute ebenso gut am Küchentisch erledigen lassen. Gleichzeitig war das oberste Marktsegment noch nie so teuer. In diesem Herbst verpflichtete sich der Hedge-Fund Castle Hook Partners, für die obersten Geschosse eines geplanten Hochhauses an der 625 Madison Avenue einen Mietpreis von 375 Dollar pro Quadratfuss und Jahr zu zahlen, wie berichtet wurde. Damit wurde ein neuer Höchstwert für Büromieten in New York gemeldet. In derselben Stadt, im selben Jahr gibt es Büros, die niemand haben will, und solche, die kaum zu bekommen sind, egal zu welchem Preis. Worin liegt der Unterschied? Am Senseable City Lab des MIT untersuchten wir den anonymisierten E-Mail-Verkehr an unserer eigenen Universität vor und nach der Schliessung des Campus im März 2020. Die Menschen schrieben ihren engen Arbeitskollegen weiterhin ungefähr so häufig wie zuvor. Was ein-

Was kein Bildschirm kann

Carlo Ratti, Architekt und Professor am MIT, Leiter des Senseable City Lab. ANDREA AVEZZU

brach, waren die sogenannten «weak ties»: ein Begriff, den der amerikanische Soziologe Mark Granovetter geprägt hat, um lose soziale Beziehungen ausserhalb des unmittelbaren Umfelds zu beschreiben, zum Beispiel zu einem Kollegen aus einer anderen Abteilung, dem man auf der Treppe begegnet. Granovetter zeigte bereits vor einem halben Jahrhundert auf, dass solche Kon-

Ein Büro, in dem jeder an seinem Tisch eine separate Aufgabe erledigt, hat seinen Zweck verloren, denn ein solcher Tisch kann überall stehen. Ein Büro hingegen, in dem Menschen einander zufällig begegnen, miteinander diskutieren und gemeinsam essen, ist wertvoller geworden als zuvor. Genau das verkaufen die teuren Bürotürme Manhattans. An der 9 West 57th Street, dem Hochhaus in Midtown, das zuvor den Mietrekord hielt, hat der Eigentümer ein ganzes Stockwerk mit Besprechungsräumen, einer Kaffeebar und einem Speiseraum ausgestattet. Ich würde es als «PlaygroundBüro» bezeichnen: einen Ort, der in erster Linie Begegnungen ermöglicht und erst in zweiter Linie der Arbeit dient. In der Praxis bedeutet das: Weniger Fläche für Schreibtische – mehr Raum für Orte,an denen sichWege kreuzen wie Besprechungsbereiche, Lounges, Küchen oder Terrassen. Im traditionellen Büro waren solche Flächen Restflächen, die zugunsten von Arbeitsplätzen mög-

lichst klein gehalten wurden. Im neuen Büro sind sie der eigentliche Daseinszweck des Gebäudes. Der Schreibtisch wird zu etwas, das man sich für eine Stunde ruhiger Arbeit ausleiht. Dasselbe gilt über die Arbeitswelt hinaus. Heute lässt sich fast alles bis vor die Haustür liefern, auch das Abendessen. Trotzdem gehen wir weiterhin aus, wegen der Gesellschaft und der Möglichkeit, jemandem zu begegnen. Ein Geschäft oder Restaurant, das nur Waren oder Speisen anbietet, konkurriert mit dem Lieferdienst und zieht dabei meist den Kürzeren.Wer hingegen ein Erlebnis bietet, hat keinen solchen Konkurrenten. Architektur hatte schon immer die Aufgabe, Menschen zusammenzubringen. Lange Zeit gelang ihr das quasi automatisch, weil es schlicht keine andere Möglichkeit gab, als ausserhalb der eigenen vier Wände zu arbeiten oder einzukaufen. Heute sind jene Gebäude erfolgreich, die den Menschen einen Grund geben, sich auf den Weg zu machen. Vielleicht ist das der einfachste Massstab für gute Architektur: nicht, was ein Gebäude dem Einzelnen erlaubt, sondern was es erst möglich macht, weil wir zusammenkommen.

Carlo Ratti ist Professor am MIT und am Politecnico di Milano sowie Gründer des Designund Innovationsbüros Carlo Ratti Associati.

Zwei Formate, ein Netzwerk Neben der Leitkonferenz im Oktober pflegt NZZ Connect den Austausch der Bau- und Immobilienwirtschaft das ganze Jahr über: mit Dinners für etablierte Führungskräfte und einer Community für die nächste Generation. JULIA KOCHER

Bei NZZ Connect stehen wir im ständigen Austausch mit Entscheidungsträgern der Schweizer Wirtschaft. Dabei hat sich in den vergangenen Jahren eine deutliche Entwicklung abgezeichnet: Die NZZ Real Estate Days im Oktober sind als nationale Leitkonferenz der Bau- und Immobilienwirtschaft begehrt. Zugleich wuchs das Bedürfnis nach einem kontinuierlichen Diskurs unter dem Jahr, um drängende Fragen rasch und im vertrauten, kleineren Rahmen mit Menschen in vergleichbaren Positionen zu besprechen. Wir haben unser Angebot auf dieses Bedürfnis abgestimmt und schrittweise ausgebaut: Um Talente frühzeitig einzubinden, gründeten wir bereits 2021 die Community der Real Estate Visioneers, kurz RE.Visioneers: ein Netzwerk junger, engagierter Fach- und Führungskräfte für die Zukunft des Bauens. Anfang 2026 folgte mit den NZZ Real Estate Dinners zudem ein Format für etablierte Führungskräfte zu Bau- und Immobilienthemen.

Real Estate Dinners im Foyer der NZZ Zweimal jährlich laden wir Verwaltungsräte, CEOs und führende Persönlichkeiten der Immobilienwirtschaft in das Foyer am Hauptsitz der Neuen Zürcher Zeitung ein. Die Wirtschaftsjournalistin Carolin Roth führt durch ein pointiertes Interview, ein vertiefendes Panel und einen Fireside Chat. Eine ausführliche Fragerunde bindet die Gäste direkt in den Diskurs ein. Zwischen den inhaltlichen Blöcken serviert die Brasserie Schiller ein Dinner, sodass die Impulse von der Bühne sogleich an den Tischen im Kreis der

70 Gäste weitergedacht und diskutiert werden können. Inhaltlich tauchen die Gäste in die Praxis ein: Beim Real Estate Dinner im Frühjahr ging es um den Spagat zwischen baulicher Verdichtung und wirtschaftlicher Machbarkeit. Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger und Nadia von Veltheim, CEO von Post Immobilien, beleuchteten das Thema aus politischer und unternehmerischer Perspektive, «The Market»-Chefredaktorin Gabriella Hunter hinterfragte es kritisch. Im August stand die Planungssicherheit im Zentrum: SNB-Präsident Martin Schlegel gab eine makroökonomische Einordnung. Die politische Realität, vertreten durch den Zürcher Baudirektor Martin Neukom, traf auf die Bauund Infrastrukturpraxis von AllrealEntwicklungschef Stefan Dambacher und Astra-Direktor Jürg Röthlisberger. Die nächsten Zusammenkünfte folgen im März und August 2027.

RE.Visioneers: Denkfabrik der nächsten Generation Während die Dinners den Raum für heutige Entscheider öffnen, bündeln wir mit den RE.Visioneers die Perspektiven der kommenden Führungskräfte. Rund 60 ausgewählte Talente zwischen 30 und 45 Jahren bilden hier eine Denkfabrik, die vor Ort sowie in Workshops an den Themen der Zukunft arbeitet. Die Gruppe besichtigte zuletzt etwa den Chipperfield-Neubau des Kunsthauses Zürich, um die anspruchsvolle Gebäudetechnik zu analysieren, und debattierte auf einer Berner Baustelle über den Konflikt zwischen Denkmalschutz und Rentabilität. In Workshops widmete sich die Community zudem Megatrends: Wie verändert künstliche Intelligenz die Planungsprozesse? Welche

SNB-Präsident Martin Schlegel am NZZ Real Estate Dinner im August im Foyer der NZZ.

Ein nachhaltiges Netzwerk wächst durch gemeinsame Erlebnisse, inhaltliche Tiefe und exzellente Gastgeberschaft.

Immobilienkonzepte braucht es für eine alternde Gesellschaft?

Inspiration auf der Wirtschaftsreise Ein prägendes Element für den Zusammenhalt der Gruppe ist die mehrtägige Wirtschaftsreise. Nach Wien im Vorjahr führte der Weg diesen Frühling nach Belgrad, mitten hinein in die stadtplanerischen Umbrüche einer Metropole im Wandel. Ihren jährlichen Höhepunkt erlebte die Community bei den NZZ Real Estate

NZZ CONNECT

Days, 2026 erstmals in Montreux. Zuvor stand eine zweitägige Masterclass mit dem CUREM der Universität Zürich zum Personal Branding auf dem Programm und ein Dinner in Chaplin’sWorld in Corsier-sur-Vevey. Ob am Genfersee oder anderswo: Ein nachhaltiges Netzwerk wächst durch gemeinsame Erlebnisse, inhaltliche Tiefe und exzellente Gastgeberschaft. Genau dafür stehen diese beiden Formate. Julia Kocher ist Project Manager bei NZZ Connect. Sie betreut die RE.Visioneers und die NZZ Real Estate Dinners.


24 NZZ-Verlagsbeilage

Real Estate Days

Samstag, 24. Oktober 2026

Wie Bauabfall, Recycling und Zement die Bauwende einläuten

Digitaler Schub für den Schweizer Immobilienmarkt

Kreislaufwirtschaft in der Baubranche löst zwei drängende Probleme: die Abhängigkeit von Primärrohstoffen und den Mangel an Deponieraum.

Wer Immobilien vermarktet, konkurriert um Aufmerksamkeit. Digitale Plattformen entscheiden mit, wer sichtbar ist.

CHRISTOPHE BERSET

MARTIN WAEBER

Jährlich werden in der Bau- und Gebäudewirtschaft in der Schweiz rund 70 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe verbraucht, während etwa 75 Millionen Tonnen Bauabfälle anfallen. Weder der verfügbare Deponieraum, der bis anhin für nicht wiederverwertbare Materialien als Endlager dient, noch unsere natürlichen Vorkommen an Stein, Kies und Sand für die Beton- und Zementproduktion sind unerschöpflich. Genau hier setzt Holcim Schweiz an, um aus vermeintlichen Baustoffabfällen neue Ressourcen und damit einen geschlossenen Baustoffkreislauf zu schaffen.

Die Digitalisierung ist auch in der Immobilienbranche allgegenwärtig. Gleichzeitig steigen Kundenerwartungen und Wettbewerbsdruck. Dies stellt Maklerinnen und Makler sowie Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter vor neue Herausforderungen. Um dabei erfolgreich sein zu können, sind verlässliche Partner für eine bestmögliche Effizienz in der Immobilienvermarktung essenziell. Hier setzt SMG Real Estate mit gezielten Investitionen in das Ökosystem an, um Immobilienprofis fit für die digitale Zukunft und damit langfristig erfolgreich zu machen.

Die zirkuläre Zement-Produktlinie

KI für Effizienz und maximalen Schutz

Die Rückführung mineralischer Materialien ist bereits voll im Gange: Allein im Jahr 2025 hat Holcim Schweiz eine Million Tonnen Materialien aus dem Gebäuderückbau sowie mineralischen Aushub aufbereitet und als wertvolle Rohstoffe in neue Anwendungen zurückgeführt. Das konsequente Recycling und Wiederverwenden von Bauabfällen schont nicht nur natürliche Ressourcen und entlastet Deponien, sondern senkt auch effektiv den CO2Fussabdruck von Baustoffen. Holcim Schweiz entwickelt Zement- und Betonrezepturen laufend weiter und forscht an neuen innovativen Ansätzen, um emissionsärmere Produkte herzustellen. Die jüngsten Fortschritte präsentiert Holcim demnächst mit der Lancierung weiterer Zementsorten der neuesten Generation unter ihrer Produktlinie ECOPlanet. Entscheidend für den Einsatz von zirkulären Baustoffen bleibt die Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungskette. Es ist unerlässlich, alle Fachkräfte der Baubranche im Bereich der ökolo-

In der Recycling Center Ostschweiz wird Bauschutt mit modernsten Technologien zu neuem, hochwerPD tigem Baumaterial aufbereitet

Besonders in der Vermarktung ermöglichen Funktionen auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) völlig

Mehr Reichweite dank Marketingpower Neben der effizienten Arbeitsweise ist die Sichtbarkeit von Immobilienangeboten ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor. Dafür optimiert SMG Real Estate laufend ihre Marketingaktivitäten mit dem Ziel, dass die richtigen und relevanten Interessenten auf Inserate aufmerksam werden. Dies erhöht die Marktchancen für Kundinnen und Kunden und positioniert ImmoScout24 sowie Homegate dauerhaft als Top-Immobilienplattformen der Schweiz. Und spezialisierte Teams gewährleisten, dass die dafür relevanten Systeme leistungsstark laufen und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

gischen Bauplanung auszubilden, damit die zirkuläre Baustelle Realität wird.

«Go Circular» bis 2050 Holcim Schweiz setzt sich das ambitionierte Ziel, bis 2050 Baustoffe vollständig rezyklierbar herzustellen, weil zirkuläre Baulösungen unverzichtbar für eine zukunftsfähige Wirtschaft, unsere Gesellschaft und unser Ökosystem sind. Christophe Berset ist Leiter Zementverkauf Deutschschweiz und Spezialösungen bei Holcim Schweiz

Die besten Gespräche enden nicht mit dem Applaus. Die spannendsten Gespräche unserer

neue Effizienzgewinne. Eine schnelle Ausspielung der Inserate sowie fundierte Datenanalysen führen zu einem spürbaren Zeitgewinn im Arbeitsalltag, mehr qualifizierten Leads und einer noch professionelleren Vermarktung.Aber auch Suchende können etwa dank einer dialogbasierten Immobiliensuche noch gezielter vorgehen. In der Kombination führt dies zu bestmöglichen Erfolgschancen für Makler und Bewirtschafter in ihrer Region. Gleichzeitig ist auch das Thema Daten- und Systemsicherheit von zentraler Bedeutung, in das die SMG Swiss Marketplace Group angesichts steigender Cyberangriffe umfassend investiert. Neben modernsten Schutzmechanismen, darunter eine Zwei-Faktor-Authentifizierung für den zuverlässigen Schutz der Kundendaten, spielt auch an dieser Stelle die KI eine immer wichtigere Rolle. Dadurch können sich Immobilienprofis darauf fokussieren, ihre Immobilien schnell, sicher und erfolgreich zu vermarkten.

Martin Waeber.

SMG

Martin Waeber ist Managing Director Real Estate, SMG Swiss Marketplace Group.

KI, Preisdruck und die Zukunft der Immobilienplattformen: Wohin steuert die SMG? Wie verändert künstliche Intelligenz die Immobiliensuche? Werden Plattformen wie Homegate und ImmoScout24 durch neue KI-Anwendungen verdrängt? Und wie rechtfertigt die SMG ihre umstrittenen Preisanpassungen gegenüber der Immobi-

Konferenzen gibt es jetzt auch als Pod-

lienbranche?

cast. Mit Konferenzdialog bringt NZZ

Im Gespräch mit Carolin Roth gibt Christoph Tonini spannende Einblicke in die Strategie der SMG nach dem Börsengang. Er spricht offen über die Chancen und Risiken

Connect die Highlights seiner Konferenzplattformen direkt auf die Kopfhörer. Inspirierende Persönlichkeiten, kontroverse Diskussionen und neue Perspektiven auf die Themen, die Wirtschaft und Gesellschaft bewegen – zum Nachhören, Weiterdenken und Mitnehmen.

der KI, den zunehmenden internationalen Wettbewerb und die Kritik an der Preispolitik seiner Plattformen. Dabei zeigt er auf, weshalb die digitale Transformation der Immobilienbranche gerade erst begonnen hat. Ein aufschlussreiches Gespräch über Innovation, Marktmacht und die Zukunft der Schweizer Immobilienwirtschaft. Jetzt reinhören und neue Perspektiven entdecken.

Jetzt zur Podcastfolge Christoph Tonini | CEO der SMG Swiss Marketplace Group Aufgezeichnet an den NZZ Real Estate Days 2025


Real Estate Days

Samstag, 24. Oktober 2026

NZZ-Verlagsbeilage

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«Immobilien bleiben auch für Kassen mit hohem Rentneranteil eine attraktive Anlageklasse» Lukas Riesen, Partner beim Beratungsunternehmen PPCmetrics, über den demografischen Wandel, das unterschätzte Zinsrisiko und die Frage, wie viel Immobilien eine Pensionskasse verträgt. Interview: Felix E. Müller

Herr Riesen, die alternde Gesellschaft verändert die Wohnbedürfnisse. Sehen Sie den demografischen Wandel für den Schweizer Immobilienmarkt insgesamt als eher positiven Nachfragetreiber, oder droht durch die Überalterung langfristig eine Stagnation des Gesamtmarktes? Der wichtigste demografische Faktor für den Immobilienmarkt ist die Nettoeinwanderung. Selbstverständlich wird mit dem demografischen Wandel die Bevölkerung zunehmend älter. Ursache dafür sind die im Vergleich zur Nachkriegsgeneration wesentlich tiefere Geburtenrate und die Zunahme der Lebenserwartung. Diese Entwicklung kann zwar zu gewissen Verschiebungen bei der Nachfrage nach Immobilien führen. So könnte dadurch beispielsweise die Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen an zentralen Standorten mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr zunehmen. Genau diese Eigenschaften gelten aber bei der Beurteilung der Qualität einer Liegenschaft generell als positiv, ungeachtet des Alters der Bewohner. Der demografische Wandel kann zu gewissen Akzentverschiebungen bei der Nachfrage führen, im Vergleich zum Wachstum der Wohnbevölkerung ist dies allerdings von untergeordneter Bedeutung. Die entscheidende Frage für den Schweizer Immobilienmarkt ist in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich weniger, wie alt die Bevölkerung wird, sondern wie stark sie wächst. Neben dem Thema Alterung muss sich die Immobilienbranche zunehmend auch mit den Folgen der historisch tiefen Geburtenraten beschäftigen, die zu einer Stagnation oder gar Schrumpfung der Bevölkerung führen. Droht dem Schweizer Immobilienmarkt wegen dieses Doppeleffekts langfristig ein deutlicher Nachfrageeinbruch und damit eine fundamentale Abwertung der Portfolios von Vorsorgeeinrichtungen? Zurzeit deutet wenig auf eine Abnahme der Wohnbevölkerung hin, und eine mögliche Abnahme läge erst weit in der Zukunft. Die verschiedenen Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung des Bundes zeigen selbst bei der tiefsten Schätzung für die nächsten 30 Jahre nur eine Stagnation. Diese Prognosen sind jedoch stark von den Annahmen zur Nettoeinwanderung abhängig, die sich rasch verändern kann. Sollte sich die wirtschaftliche Situation in der Schweiz im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern in den nächsten Jahrzehnten deutlich verschlechtern, dann wäre ein Nachfragerückgang denkbar. Das meistdiskutierte Risiko bei Vorsorgeeinrichtungen ist zurzeit allerdings eine Bewertungskorrektur, die aus einem Zinsanstieg resultieren kann. Eine solche Korrektur zeigte sich ein-

Lukas Riesen, Partner bei PPCmetrics, berät Pensionskassen bei der Anlagestrategie.

drücklich im Jahr 2022. Der Anstieg des Zinsniveaus um rund 1,5 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres führte zu erheblichen Bewertungskorrekturen bei den Immobilien. Am eindrücklichsten zeigte sich dies bei börsenkotierten Immobilienfonds, die in jenem Jahr im Durchschnitt um etwa 15 Prozent an Wert verloren.

«Ein Zinsanstieg würde für die meisten Kassen die ökonomische Situation weiter verbessern.»

Zur Person Lukas Riesen ist Partner der PPCmetrics und Chartered Financial Analyst (CFA). Das 1991 gegründete Beratungsunternehmen mit Standorten in Zürich und Nyon berät institutionelle Anleger, vor allem Pensionskassen und andere Vorsorgeeinrichtungen, unabhängig von Produktanbietern bei Anlagestrategie, Asset-Liability-Management, Anlageorganisation und Investment Controlling. Riesen befasst sich dabei schwerpunktmässig mit Immobilienanlagen und der Festlegung der Anlagestrategie von Vorsorgeeinrichtungen.

Wegen der demografischen Entwicklung geraten Pensionskassen unter Druck, stabile Renditen zu erwirtschaften. Können Schweizer Immobilien dazu überhaupt noch einen relevanten Beitrag leisten, wenn doch die Renditen relativ tief sind, die Zinsen potenziell steigen und die Demografie sich rapide verändert? Die zweite Säule basiert auf dem Kapitaldeckungsverfahren. Solange eine ökonomisch korrekte Finanzierung der Leistungsversprechen vorliegt, ist die Zunahme des Rentneranteils bei einer Vorsorgeeinrichtung kein Problem. Vorsorgeeinrichtungen mit hohem Rentneranteil zahlen mehr Geld aus, als durch Beiträge der Kasse zufliessen. Diese Geldabflüsse werden, zumindest teilweise, durch laufende Einnahmen auf den Vermögensanlagen gedeckt. Gerade Immobilien sind eine Anlageklasse, die regelmässig Einnahmen generiert. Immobilien bleiben damit auch für Kassen mit hohem Rentneranteil eine attraktive Anlageklasse. Die von Ihnen angesprochenen eher tiefen Renditeerwartungen sind in direktem Zusammenhang mit dem Schweizer Zinsniveau zu sehen. Entscheidend ist dabei immer der Vergleich mit anderen Anlagemöglichkeiten. Die Renditen für Schweizer Bundesanleihen liegen deutlich tiefer als die durchschnittliche Renditeerwartung von Liegenschaften. Generell kann festgehalten werden, dass sich die Vorsorgeeinrichtungen gut an das tiefe Zinsniveau in der Schweiz angepasst haben. Ein Zinsanstieg würde zudem für die meisten Kassen, insbesondere für diejenigen mit einem hohen Anteil an Rentenbeziehenden, die ökonomische Situation weiter verbessern. Generell vereinfacht ein höheres

PD

Zinsniveau die Finanzierung von langfristigen Rentenverpflichtungen. Viele Investoren flüchten in HealthcareImmobilien, Alters- oder Pflegewohnungen. Ist dieses Segment für institutionelle Anleger eine nachhaltige Renditechance, oder wird das Risiko von Betreiberausfällen und regulatorischen Eingriffen unterschätzt? Immobilienanlagen sind immer mit regulatorischen Risiken verbunden. Dies betrifft sowohl die Angebotsseite mit neuen Bauvorschriften oder Bewilligungsprozessen als auch die Nachfrageseite. Man denke da beispielsweise an die Wohnschutz-Initiative, über die kürzlich im Kanton Zürich abgestimmt wurde. Bei Healthcare-Immobilien,Alters- oder Pflegewohnungen kommt ein weiteres Regulierungsrisiko dazu. Zudem besteht das Risiko, dass Betreibergesellschaften in Konkurs gehen oder umstrukturiert werden. Dennoch spricht a priori nichts gegen Investitionen in diese Nischen des Immobilienmarkts. Die Investoren berücksichtigen die zusätzlichen Risiken vor jedem Anlageentscheid. Je mehr regulatorische Risiken bestehen, desto höher werden die Renditeanforderungen der Investoren. Dies wirkt sich negativ auf die Bewertung solcher Immobilienanlagen aus. Eine ältere Versichertengemeinschaft verkürzt den Anlagehorizont einer Pensionskasse, da liquide Mittel für Rentenauszahlungen bereitstehen müssen. Wie verträgt sich eine geringere Risikofähigkeit mit der hohen Illiquidität von Anlagen in Immobilien? Zwar ist der Anlagehorizont bei einer Vorsorgeeinrichtung mit hohem Rentneranteil kürzer, aber auch besser planbar. Eine Kasse mit einem hohen Anteil an aktiven Versicherten verändert sich wesentlich dynamischer. Bei bestimmten Ereignissen, man denke beispielsweise an Stellenabbau oder den Verkauf von Unternehmensteilen, kann der unmittelbare Liquiditätsbedarf höher sein als bei rentnerlastigen Kassen. Der mögliche Anteil an illiquiden Anlagen ist daher immer beschränkt.Wird diese Quote

bereits durch andere illiquide Anlagen, wie beispielsweise Private Equity oder Infrastruktur, beansprucht, dann bleibt weniger Spielraum für Immobilien übrig.Aber selbst Kassen mit einem hohen Rentneranteil verfügen noch über einen langen Anlagehorizont, denn im Schnitt sind die Kapitalien der Rentner weit über zehn Jahre gebunden. Eine Anpassung der Immobilienquote erfolgt daher schrittweise und über mehrere Jahre. Müssen deswegen Schweizer Pensionskassen ihre Immobilienquote strategisch senken, um liquide zu bleiben? Die Diskussion um die Illiquiditätsquote ist bei der Strategiefestlegung immer ein Thema. Der Anteil an Immobilien im Anlageportfolio einer Vorsorgeeinrichtung muss auf die Verpflichtungsstruktur abgestimmt werden. Vorsorgeeinrichtungen mit ausgeprägtem Rentneranteil müssen meist im Lauf der Zeit gewisse Immobilien verkaufen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass viele Vorsorgeeinrichtungen mit einem hohen Anteil an aktiven Versicherten wachsen. Dort steht bei der strategischen Planung oft der Zukauf von Immobilien im Vordergrund. Welche Regionen oder welche Immobiliensegmente werden wegen der Demografie verlieren? Wo sehen Sie die besten Voraussetzungen für weiterhin stabile Cashflows für Vorsorgeeinrichtungen im Immobilienbereich? In peripheren Regionen muss gemäss den Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung mit einem Rückgang gerechnet werden, während die grossen Agglomerationen zu den Gewinnern gehören. Der Immobilienmarkt in Ballungszentren ist liquider und wird von den Investoren als weniger risikoreich wahrgenommen. Dementsprechend sind die Renditen tiefer als in peripheren Regionen, die ein höheres Anlagerisiko aufweisen. Die Ursache für höhere Immobilienpreise in den Agglomerationen liegt in der Erwartung von langfristig stabilen Cashflows. Der Fokus von Vorsorgeeinrichtungen liegt bei Immobilienanlagen auf Wohnliegenschaften in den grossen Agglomerationen.


26 NZZ-Verlagsbeilage

Real Estate Days

Samstag, 24. Oktober 2026

Vom Papier zur Zukunft: Das Papieri-Areal in Biberist als Cleantech-Labor Wo früher Papier produziert wurde, entsteht Schritt für Schritt ein Ort für Innovation, Unternehmertum und nachhaltige Technologien. IRENE M. WRABEL

Wer heute das Papieri-Areal in Biberist betritt, spürt noch die industrielle Wucht der Vergangenheit und gleichzeitig den Aufbruch in eine neue Zeit. Für HIAG ist das Areal mehr als ein Entwicklungsprojekt. «Das Papieri-Areal in Biberist ist das grösste Areal im Portfolio von HIAG und verdeutlicht die Kompetenz des Unternehmens in der Transformation komplexer Industrieflächen», sagt Dominik Ulrich, verantwortlicher Projektentwickler. Arealentwicklung gehört zu den drei tragenden Säulen von HIAG. In Biberist zeigt sich exemplarisch, wie das Unternehmen Industrieareale ganzheitlich weiterdenkt und neu entwickelt: städtebaulich, ökologisch und wirtschaftlich. Die zentrale Lage, die gute Erreichbarkeit und die umfassende Infrastruktur schaffen ideale Bedingungen für Unternehmen im wachsenden Cleantech-Sektor. Mit dem entstehenden Kreislaufzentrum für Elektromobilität formiert sich auf dem Papieri-Areal ein starkes Innovationsökosystem. Unternehmen wie Librec, das bis zu 9000 Tonnen Lithium-Ionen-Batterien jährlich recycelt, oder Libattion, das Batteriesysteme für stationäre Anwendungen herstellt, setzen hier bereits heute Massstäbe im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Einen weiteren Meilenstein markiert die Ansiedlung des Swiss Battery Technology Center Solothurn. Das Zentrum

können. Genau dafür bieten wir die besten Voraussetzungen.» Für Grensol war dies entscheidend. «Für unser Geschäftsmodell ist ein Industrieareal im Mittelland essenziell», sagt Ocskay. Kurze Transportwege, ein grosses Fachkräftepotenzial und ein wirtschaftsfreundlicher Kanton erleichterten die Entscheidung zusätzlich.

ist eine Tochter des Switzerland Innovation Park Biel/Bienne und entwickelt industrielle Lösungen für die Zerlegung von E-Batterien.

Kreislaufwirtschaft im industriellen Massstab Ein weiteres Beispiel ist Grensol. Mit der fertiggestellten und in Betrieb genommenen Recyclinganlage nutzt auch dieses Cleantech-Startup die Standortvorteile des Papieri-Areals. «Der zentrale Standort ist ideal für die Anlieferung unserer Rohstoffe und den Verkauf unserer recycelten Produkte», sagt Marc Ocskay, CFO von Grensol. Die Verkehrsanbindung im Mittelland ermöglicht effiziente Wege, gleichzeitig entwickelt sich das Areal zu einem Zentrum für Kreislaufwirtschaft. «Wir haben hier genau die richtigen Nachbarn für unser Ökosystem.» In Biberist wird Grensol jene rund 20 Prozent der Autoabfälle verarbeiten, die bisher verbrannt wurden. So werden CO2-Emissionen reduziert und wertvolle Rohstoffe zurückgewonnen. «Wir starten mit der Metallrückgewinnung. Mineralien und gemischte Kunststoffe folgen dann Schritt für Schritt.» Die Verkehrsinfrastruktur des Areals ist auf industrielle Prozesse ausgelegt: Anlieferung,Verarbeitung und Abtransport lassen sich effizient organisieren. «Die Materialflüsse sind kurz, die Wege auf dem Areal sind bereits heute über-

Ein Ort für Arbeit und Begegnung

Librec und Libattion sind Teil des Kreislaufzentrums für Elektromobilität (KEM) auf SELINA MEIER dem Papieri-Areal. sichtlich und nachvollziehbar», bestätigt Ben Schuler, Betriebsleiter des neuen Grensol-Standortes. Gleichzeitig bietet die Grösse des Areals Raum für Wachstum. «HIAG ist eine professionelle Partnerin, die uns als Startup konstruktiv begleitet», sagt Schuler.

Raum, Flexibilität und Partnerschaft Während des Anlagenbaus stand HIAG bei logistischen, regulatorischen und technischen Fragen beratend zur Seite.

«Wir können so unsere Produktionskapazitäten modular erweitern und neue Prozesslinien integrieren», ergänzt Ocskay. Ein zentraler Erfolgsfaktor für HIAG ist die Möglichkeit, Entwicklungen zügig umzusetzen. Während gewerblichindustrielle Neubauten auf der grünen Wiese jahrelange Planungsprozesse erfordern, erlaubt das Areal in Biberist einen schnellen Start. «Unternehmen stehen oft unter Zeitdruck und können nicht jahrelang auf die Fertigstellung eines neuen Standorts warten», sagt Ulrich. «Sie wollen und müssen rasch umsetzen

Neben Industrie und Gewerbe öffnet sich das Papieri-Areal zunehmend für die Öffentlichkeit. Mit einer PadelAnlage, einem Trampolin-Park, der P9Eventhalle und einem Fitnessstudio entsteht ein vielfältiges Freizeit- und Begegnungsangebot. Damit entwickelt sich das Areal zu einem lebendigen Ort und zu einem zusätzlichen Treffpunkt für die Gemeinde Biberist und die Region. Das Papieri-Areal soll sich zu einem attraktiven, lebenswerten Quartier entwickeln, in dem Arbeiten, Freizeit und Erholung zusammenfinden. Inhalt erstellt im Auftrag von HIAG.

Für Ihr Unternehmen zählt jede Baustelle. Mit dem richtigen Schutz bauen wir gemeinsam mit Ihnen die Zukunft Ihres Unternehmens.

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Real Estate Days

Samstag, 24. Oktober 2026

NZZ-Verlagsbeilage

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Wie Albisrieden Arbeiten und Wohnen verbindet Zürich wächst und verdichtet sich. Damit steigt der Druck auf Flächen für Gewerbe und Produktion. Der YOND Campus in Albisrieden verbindet industrielle Tradition, flexible Arbeitswelten und die Öffnung zum Quartier. MARA RICCI

Eine Stadt benötigt mehr als Wohnhäuser und Büros. Sie braucht auch Orte, an denen produziert, repariert, entwickelt und ausgebildet wird. Doch mit zunehmender Verdichtung verschärfen sich die Nutzungskonflikte: Wohnen, Arbeiten, Produktion, Verkehr und Freiräume konkurrieren um denselben begrenzten Boden. Insbesondere Gewerbe- und Produktionsflächen geraten durch steigende Bodenpreise und die Konkurrenz ertragsstärkerer Nutzungen unter Druck. Werden sie an den Stadtrand oder in die Agglomeration verdrängt, verliert die Stadt nicht nur wirtschaftliche Vielfalt. Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Wertschöpfung verlagern sich, Pendelwege werden länger. Gleichzeitig drohen monofunktionale Quartiere, die nur zu bestimmten Tageszeiten belebt sind. Durchmischte Quartiere hingegen bleiben den ganzen Tag belebt und sorgen für kurze Pendel- und Verkehrswege. Albisrieden steht exemplarisch für eine solche Entwicklung: vom ländlich geprägten Dorf zum Industrieund Wohnstandort. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte sich auf dem späteren Siemens-Areal die industrielle Produktion.

Ein Industrieareal entwickelt sich weiter Das damalige Albiswerk beschäftigte zeitweise über 2000 Mitarbeitende und

prägte das Quartier wesentlich. Mit dem YOND Campus soll diese historisch gewachsene Durchmischung von Arbeiten und Wohnen im Quartier zeitgemäss weitergeführt werden. Auf dem Albis-Areal führt die Eigentümerin Swiss Prime Site die industrielle Tradition weiter und ermöglicht eine Neuinterpretation. Ergänzend zum bereits seit 2020 in Betrieb stehenden Gebäude YOND.01 entstehen zwei Neubauten, YOND.02 und YOND.03. Zudem wird ein Bestandsgebäude, YOND.04, saniert und in das Gesamtkonzept eingebunden. Insgesamt sind rund 35 000 Quadratmeter zusätzliche Mietfläche vorgesehen, vorwiegend für Unternehmen aus Produktion, Gewerbe und Logistik sowie Handel und Dienstleistungen. Wie vielfältig dieser Mix sein kann, zeigen bestehende und künftige Nutzungen: Im YOND produziert die Turicum Distillery Gin, Lokales Wasser 37 füllt Trinkwasser aus dem historischen Zürcher Wassernetz ab, und die aMA Pasticceria Gelateria Italiana ergänzt das gastronomische Angebot. Auch Züriwerk zählt zu den künftigen Mietenden. Die etappierte Inbetriebnahme der Neubauten ist ab 2028 geplant. Ein zentrales Element ist die Flexibilität. Hohe Räume und modulare Strukturen sollen unterschiedliche betriebliche Anforderungen aufnehmen und spätere Anpassungen ermöglichen. Damit können Gebäude länger genutzt und auf veränderte Bedürfnisse ausgerichtet werden.

Mehr als eine Adresse für Unternehmen

Eine Stadt braucht auch Orte, an denen produziert, repariert, entwickelt und ausgebildet wird.

Gleichzeitig soll sich der Campus stärker mit Albisrieden verzahnen. Aufenthaltsbereiche, Begegnungszonen und eine durchlässigere Gestaltung öffnen das Areal gegenüber dem Quartier. Statt eines abgeschirmten Gewerbegebiets soll ein Ort entstehen, an dem unterschiedliche Unternehmen, Tätigkeiten und Menschen aufeinandertreffen. Die Entwicklung steht zugleich für einen Ansatz, bei dem Transformation nicht als radikaler Bruch mit dem Bestand verstanden wird. Bestehende Bausubstanz bleibt im Sinne der Kreislauf-

wirtschaft, wo sinnvoll, erhalten; neue Gebäude ergänzen das Areal um zeitgemässe Flächen. So bleibt die industrielle Identität des Standorts sichtbar und erlebbar, ohne seine künftige Nutzung einzuengen. Der YOND Campus zeigt damit, dass Verdichtung nicht zwangsläufig zur Verdrängung von Produktion führen muss. Zusätzliche Flächen und gewerbliche Nutzungen können auch im urbanen Raum miteinander verbunden werden. So bleibt wirtschaftliche Vielfalt Teil der Stadt. Mara Ricci ist Manager Communications & CorporateEngagement bei SwissPrime Site.

Im YOND Campus treffen Wohnen, Arbeiten und Freizeit aufeinander.

Zukunftsfähige Elektro-Systeme

Massgeschneiderte Gesamtlösungen aus einer Hand Unsere Lösungen sind als offene Systeme konzipiert und installiert, die in sich funktionieren und vernetzt arbeiten, die flexibel sind und den zukünftigen Bedürfnissen jederzeit angepasst werden können.

Gebäudeautomation

Schalter und Steckdosen

Energiemonitoring / Optimierung

hager.ch Leitungsführung Unterverteilung

Stromschienen

Hauptverteilung

Energiespeicher

Ladeinfrastruktur

PD


28 NZZ-Verlagsbeilage

Real Estate Days

Samstag, 24. Oktober 2026

Generationenwohnen: Wenn Demografie zur Standortchance wird Die Schweiz wird älter. Damit verändern sich auch die Anforderungen an den Wohnraum. Wer generationentaugliche Wohnangebote gemeinsam mit Gemeinden entwickelt, schafft Mehrwert für die Gesellschaft, die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Angehörigen sowie für Investoren. MICHAEL GARNIER

Der Anteil älterer Menschen in der Schweiz wächst stetig: Bis 2050 wird jede vierte Person über 65 Jahre alt sein, über 1,1 Millionen Menschen sogar über 80. Dieser langfristige Strukturwandel hat direkte Folgen für den Wohnungsmarkt und stellt Gemeinden vor grosse Herausforderungen. Zugleich wollen Seniorinnen und Senioren möglichst lange selbstbestimmt, sicher und sozial eingebunden leben. Generationentaugliches Wohnen bedeutet deshalb weit mehr als schwellenfreie Zugänge: Architektur, Dienstleistungen und soziale Vernetzung müssen ineinandergreifen. Die Immobilienprojekte von bonainvest verbinden moderne Grundrisse, hochwertige Ausstattung und intelligente Haustechnik. Die Wohnungen

Auf einen Blick Die bonainvest Holding mit Sitz in Solothurn ist Schweizer Pionierin für generationentaugliches, vernetztes Wohnen. Per 30. Juni 2026 weist das Unternehmen eine Bilanzsumme von 717,6 Millionen Franken und ein Eigenkapital von 322,7 Millionen Franken aus. Der Wert des gesamten Immobilienportfolios beträgt 684,3 Millionen Franken mit über 900 Wohneinheiten. bonainvest.ch

werden nach ökologischen Kriterien und wo immer möglich hindernisfrei gebaut. Ergänzt wird das Wohnangebot durch individuell wählbare Dienstleistungen von bonacasa, vom 24-Stunden-Notruf über Reinigungs- und Wäscheservices bis hin zum Concierge.

zu Standorten, an denen generationentauglicher Wohnraum gebraucht wird. Für Investoren eröffnet sich damit die Möglichkeit, in Wohnangebote mit langfristiger Nachfrage und gesellschaftlichem Nutzen zu investieren. Unterägeri, Langnau am Albis und weitere Gemeinden zeigen, wie solche Kooperationen den demografischen Wandel zur Chance machen. Dieses Modell will bonainvest gemeinsam mit weiteren Gemeinden umsetzen.

Partnerschaften mit Mehrwert für alle Zum Angebot gehören je nach Projekt Gemeinschaftsräume, Gemeinschaftsküchen und Fitnessbereiche, teilweise ergänzt durch eingemietete Arzt- oder Physiotherapiepraxen vor Ort. So entstehen Lebensräume, die selbstständiges Wohnen bis ins hohe Alter unterstützen und zugleich Komfort, Sicherheit und Möglichkeiten zur Begegnung bieten. Das schafft auch für Angehörige Entlastung und die Gewissheit, dass bei Bedarf Unterstützung verfügbar ist. Generationentaugliches Wohnen entsteht dort, wo Gemeinden und private Investoren gemeinsam Lösungen entwickeln. Wenig oder gar nicht genutzte Flächen können so zu Standorten für zukunftsorientierte Wohnprojekte werden. Für Gemeinden schliessen solche Angebote eine wachsende Lücke zwischen der angestammten Wohnung und dem Pflegeheim: Ältere Menschen erhalten bedarfsgerechte Unterstützung, die ihnen helfen kann, länger selbstständig zu wohnen. Gleichzeitig können sie in ihrem vertrauten Umfeld bleiben, bestehende soziale Kontakte pflegen und am Leben in der Gemeinde teilhaben.

Erfahrung als Schlüssel

Überbauung Q34 in Burgdorf: Wohnraum, Dienstleistungen und Gemeinschaft unter BONAINVEST einem Dach.

Für Gemeinden schliessen solche Angebote die Lücke zwischen der eigenen Wohnung und dem Pflegeheim.

Wir haben einen für alles

WATER YOUR WAY

Begrüssen Sie den neuen Mythos Water Hub, eine innovative 6-in-1 Multifunktionsarmatur, mitderSieganzeinfachzwischenheissemoderkaltemWasserund4besonderenFunktionen für gefiltertes Wasser wählen können: sofort kochendes, gekühltes, raumtemperiertes und sprudelndes Wasser. “Water your Way“ – ganz einfach auf Knopfdruck. *gültig für Bestellungen über den Schweizer Fachhandel bis 30. Januar 2027 mit dem Code: NZZ RED2026. Die Installation erfolgt an bauseits vorhandene sanitäre und elektrische Installationen und wird durch Franke abgewickelt.

Langnau am Albis (ZH) zeigt, wie dies gelingt: Die im Baurecht erstellten Liegenschaften an der Wolfgrabenstrasse und in Langmoos bieten vernetztes Wohnen für ein selbstbestimmtes Leben, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Gemeinde. Diese profitiert von einer partnerschaftlichen Planung und vorteilhaften Finanzierungslösungen. Einheimische erhalten ein Mietvorrecht. Für bonainvest ist die Zusammenarbeit mit den Gemeinden ein Kernelement des Geschäftsmodells. Der frühe Dialog mit Gemeinden schafft Zugang

Generationentaugliche Wohnprojekte erfordern Erfahrung, verlässliche Partner und ein ganzheitliches Konzept. Als Schweizer Pionierin stimmt bonainvest ihre Vorhaben auf die lokalen Gegebenheiten und die Bedürfnisse der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner ab, von der Standortanalyse über die Architektur bis zum Dienstleistungsangebot. Dabei ergänzen sich die Kompetenzen von bonainvest und bonacasa: bonainvest entwickelt und hält die Immobilien, bonacasa erbringt die wohnbegleitenden Dienstleistungen und unterstützt die soziale Vernetzung vor Ort. Das Zusammenspiel von Wohnraum, Service und Gemeinschaft schafft die Grundlage für ein Wohnangebot, das Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen begleitet. Michael Garnier ist Leiter Kommunikation und Vermarktung bei bonainvest.

PROMO Inklusive gratis Installation im Wert von CHF 450.00*


Real Estate Days

Samstag, 24. Oktober 2026

NZZ-Verlagsbeilage

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«Für den Investor verpackt die Fassade nur den Mietvertrag»

Marc Pointet ist CEO von La Foncière in Lausanne. Als diplomierter Architekt kennt er die Ästhetik des Städtebaus ebenso wie das Kalkül von Zinsen, Renditen und Kapitalmarkt. Interview: Jürg Zulliger

Richti-Areal in Wallisellen: Mit dem neuen L-QIF plant La Foncière rund 400 Mietwohnungen für den Mittelstand.

Herr Pointet, Sie sind diplomierter ETH-Architekt. Wie viel «Architekt» steckt heute noch in Ihrem Alltag als CEO, wenn Sie sich hauptsächlich mit Renditen, Finanzierungen und Strategien von Fonds beschäftigen? Schon während meines Architekturstudiums an der ETH Zürich in den Neunzigern interessierte mich vor allem eine Frage: Wer bestellt eigentlich all die Pläne, die wir zeichnen? Im Studium ging es um Raum, Entwürfe und Städtebau. Die ökonomischen Hintergründe blieben weitgehend ausgeblendet. Dass ich schliesslich auf Investorenseite landete, war daher kein Zufall. Heute, gut 25 Jahre später, ist dieses Fundament ein enormer Vorteil. Wenn ich ein Areal oder eine Transaktion beurteile, sehe ich das Objekt völlig anders als ein Manager, der vor allem ökonomisch denkt. Der Investor blickt von innen nach aussen: Für ihn liegt der wahre Wert einer Immobilie im Mietvertrag, die Fassade verpackt im Grunde nur diese Ertragsfläche. Der Architekt denkt umgekehrt, von aussen nach innen. Weil ich beide Welten verstehe, vereinfacht das den Austausch mit Architekturbüros, Fachspezialisten und Jurys bei Wettbewerben massiv. Selbst renommierte Stararchitekten hören ganz anders zu, wenn man ihr Handwerk versteht. Was sind Gebäude oder Orte, an denen Sie sich wohlfühlen und die Sie von A bis Z überzeugend finden? Ich bin ein urbaner Mensch. Wohl fühle ich mich an Orten, die rund um die Uhr leben und wo sich unterschiedliche Nutzungen durchmischen. Ganz konkret zum Beispiel das NZZ-Gebäude hier an der Falkenstrasse in Zürich mit Restaurant, Café und ständig besetztem Newsroom. Oder das Areal um die Hardbrücke in Zürich-West, wo gearbeitet,

gefeiert und gewohnt wird. In Lausanne durfte ich früher das Quartier du Flon mitentwickeln, ein ehemaliges Lagerhausareal, das sich in ein pulsierendes Viertel verwandelte. Auch Brooklyn in New York fasziniert mich. Solche Orte sind organisch gewachsen, sie repräsentieren urbanes Leben. Die historischen Gebäude strahlen Patina aus. Es erweist sich als wesentlich schwieriger, diese besondere Qualität mit neuen Projekten auf der grünen Wiese zu schaffen. Sterile Retortenquartiere, in denen alle Gebäude dieselbe Höhe und Anmutung haben, scheitern oft: Es gibt zwar Läden, aber es fehlen die Menschen und die Frequenz an den Ladenpassagen. Der Schweizer Immobilienmarkt ist derzeit sehr aussergewöhnlich. Es ging fast 20 Jahre lang aufwärts. Macht das nicht auch blind für Risiken? Als ich 1995 mein Studium begann, herrschte eine tiefgreifende und anhaltende Immobilienkrise. Unser Professor meinte damals schon in der ersten Vorlesung, wer nicht 24 Stunden für 2000 Franken im Monat arbeiten wolle, solle zu den Juristen oder Ökonomen wechseln. Seit meinem Abschluss 2001 kenne ich beruflich jedoch praktisch nur den Aufschwung. Selbst die Finanzkrise 2008 wirkte in der Schweiz schliesslich als Booster für Immobilien. Dieses Wachstum hängt eng mit dem starken Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum unseres Landes zusammen. Hinzu kam die jahrelange Tief- und Negativzinsphase: Pensionskassen gerieten unter Anlagedruck, weil Staatsanleihen keine Erträge mehr brachten. Immobilien wurden als risikoarme Anlageklasse quasi «alternativlos», wie man zu sagen pflegt. Was heisst das konkret, zum Beispiel für Projektentwicklungen?

Früher machte der Landwert 20 Prozent der Investition aus, 80 Prozent entfielen auf Baukosten. Heute liegt der Landanteil in urbanen Zentren oft bei 50 Prozent und mehr. Nicht das Bauen wurde drastisch teurer, sondern der Boden. In den Landwerten spiegeln sich das Wachstum und die Dynamik.

«Nicht das Bauen wurde drastisch teurer, sondern der Boden.»

Immobilien in der Schweiz gelten unter anderem wegen der tiefen Zinsen und des Anlagenotstandes als hoch bewertet. Auch wer einen Fondsanteil von La Foncière an der Börse kaufen will, zahlt aktuell einen hohen Preis. Zu Recht? Das Agio, also die Prämie an der Börse gegenüber dem Net Asset Value (NAV), bewegt sich bei La Foncière meist zwischen 30 und 50 Prozent. Das ist zugegebenermassen hoch. Wir müssen bei der Bewertung allerdings zwei Faktoren berücksichtigen: zum einen den starken Nachfrageüberhang nach Wohnraum auf Mieterseite und zum anderen den hohen Bedarf an Kapitalanlagen. Man muss zudem zwischen Markt- und Bilanzwert unterscheiden. La Foncière existiert seit 72 Jahren und besitzt 147 Liegenschaften mit über 4500 Wohnungen an Toplagen in Genf und Lausanne, meist im mittleren Mietpreissegment. Das Agio spiegelt somit die Qualität des Substanzwertes wider. Wer langfristig investiert, ist bereit, einen angemessenen Preis dafür zu bezahlen. Ihre Fondsgesellschaft ist schon lange ein wichtiger Akteur auf dem Markt. Was hat sich in all den Jahren bei den Kollektivanlagen verändert? Der Markt hat sich enorm professionalisiert. Früher gab es nur eine Handvoll Immobilienfonds, heute existieren rund 50 an der Börse kotierte Immobilienfonds. Hinzu kommen eine Vielzahl an Anlagestiftungen und weiteren

VISUALISIERUNG: HALTER

Spezialgefässe. Die Palette reicht von Logistik- bis zu Nischenfonds. Dennoch bleibt das Wohnsegment das solide Fundament. Für die Strategie von La Foncière ist genau dies essenziell. Wohnen gilt als stetig und sicher. Es ist im Grunde ein schwerfälliges, langwieriges 3-Prozent-Geschäft. Aber genau diese Stabilität schätzen Investoren in unsicheren Zeiten. Bauen in der Schweiz ist bekanntlich nicht einfach: Es gibt viele Vorschriften, in den Städten ist man exponiert, und viele Projekte dauern Jahre, wenn sie nicht durch Einsprachen ganz verhindert werden. Wie gehen Sie bei Ihrer Fondsgesellschaft damit um? Die Vorschriften an sich sind kalkulierbar. Was Investoren wirklich bremst, ist das Ändern der Spielregeln während des laufenden Projekts, etwa plötzliche Praxisänderungen bei Bewilligungen. Hinzu kommt das NIMBY-Phänomen («not in my backyard»):Alle fordern Verdichtung, Fortsetzung auf Seite 30

Was ist L-QIF? Der Limited Qualified Investor Fund (L-QIF) ist seit März 2024 im Schweizer Kollektivanlagengesetz verankert. Er richtet sich ausschliesslich an qualifizierte Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen, braucht keine Bewilligung der Finanzmarktaufsicht (Finma) und kann deshalb rascher lanciert werden. Bei Immobilien ist eine Fremdfinanzierung bis zu 50 Prozent des Verkehrswerts zulässig, bei klassischen Publikumsfonds sind es 33 Prozent.


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Real Estate Days Fortsetzung von Seite 29 aber niemand will eine Veränderung vor der eigenen Haustür.

«Alle fordern Verdichtung, aber niemand will eine Veränderung vor der eigenen Haustür.»

Würden Sie es unterstützen, am Stadtrand oder an der Peripherie neues Bauland einzuzonen? In den historisch gewachsenen Zentren, in Grünzonen und Erholungsgebieten halte ich eine massive Aufzonung oder solche Eingriffe nicht für sinnvoll. Das echte Potenzial liegt in Zonen wie «New Zurich» in der Flughafenregion und am Stadtrand. Entlang der Thurgauerstrasse in Zürich-Nord stehen zum Beispiel veraltete Gewerbebauten im grossen Massstab leer. Würde die Politik dort Umzonungen ermöglichen, stünden Investoren Schlange, um Tausende Wohnungen zu bauen.An Geld mangelt es nicht. Die Flächen sind bereits erschlossen und asphaltiert. Man müsste keine grüne Wiese opfern. Wenn es um die politische Kultur geht, sehen Sie Unterschiede zwischen Westund Deutschschweiz? Durchaus. Auch beim Verhandeln gibt es Kulturunterschiede: In Lausanne findet man selbst mit einer linken Stadtregierung oft pragmatische Deals, etwa einen fairen Kompromiss mit Gewerbeflächen im Erdgeschoss gegen Wohnnutzung oben. In der Deutschschweiz wird der politische Kampf dagegen verbissener geführt. In Deutschschweizer Städten ist es schwieriger, einen Konsens zu erreichen. Zugleich drohen aber auf allen politischen Ebenen mehr Eingriffe, mehr Regulierung. Was sagen Sie zum Dossier Lex Koller? Der Zugang für ausländische Investoren würde erschwert. Die Debatte um eine Verschärfung der Lex Koller ist eine populistische Schein-

lösung. Es ist erwiesen, dass eine Verschärfung keine einzige zusätzliche Wohnung baut. Im Gegenteil: Verprellt man ausländisches Kapital, verlangsamt sich die Bautätigkeit, es wird weniger gebaut, und das Wohnen verteuert sich weiter. Vor allem wären die Einschränkungen und Kontrollen auch zum Nachteil inländischer Investoren.Wer Wachstum will, muss das Bauen und Projektentwicklungen ermöglichen, statt neue Hürden aufzubauen. Immer öfter verlangen die Behörden in den Städten einen Mindestanteil Wohnungen in Kostenmiete und im preisgünstigen Segment. Ihre Meinung dazu? Wenn solche Vorgaben von Anfang an feststehen, ist das für uns kein Problem. Ein Beispiel ist unser Entwicklungsprojekt auf dem Richti-Areal in Wallisellen, wo 20 Prozent der Wohnflächen in Kostenmiete vorgeschrieben sind. Weil diese Auflage vor dem Kauf bekannt war, wurde sie exakt in den Landpreis und die Projektentwicklung einkalkuliert. Das Grundstück war entsprechend günstiger, und die Rechnung geht auf. Problematisch sind nur unvorhersehbare, nachträgliche Auflagen. Sie expandieren neuerdings in die Deutschschweiz. Weshalb? Wären nicht Genf und Lausanne weiterhin Topstandorte? Unser Stammfonds La Foncière besitzt seit 72 Jahren ein erstklassiges Portfolio in der Romandie. Würden wir mit diesem Fonds nun fertige Renditeliegenschaften in der Deutschschweiz zu den aktuell extrem hohen Preisen kaufen, würde das die Bruttorendite unserer Anleger verwässern. Deshalb haben wir im Juni 2026 ein neues Gefäss lanciert: «La Foncière Urban Development, L-QIF». Dieser sogenannte Limited Qualified Investor Fund richtet sich

Samstag, 24. Oktober 2026

an qualifizierte Anleger wie Pensionskassen. Er erlaubt uns, bereits in frühen Entwicklungsphasen vor Baubewilligung einzusteigen und bis zu 50 Prozent Fremdkapital zu nutzen. Auf dem Richti-Areal in Wallisellen bauen wir mit diesem Anlagegefäss rund 400 Mietwohnungen für den Mittelstand. Nach etwa fünf Jahren Entwicklungsund Bauzeit soll der L-QIF in einen klassischen börsenkotierten Publikumsfonds umgewandelt werden. Das verbindet modernen Städtebau mit verlässlicher Kapitalanlage. Sie bewegen sich im Spannungsfeld von Mietern, Geschäftspartnern, Politik und Öffentlichkeit. Ist diese Vielfalt für Sie manchmal eher eine Belastung oder doch eine Bereicherung? Für mich persönlich ist dies eine ganz grosse Bereicherung und mit ein Grund, warum ich meinen Beruf liebe. Ansonsten hätte ich am Zeichenbrett bleiben können.

Marc Pointet, CEO von La Foncière, studierte Architektur an der ETH Zürich. PD

Zur Person Marc Pointet, 52, wuchs zweisprachig in Zürich auf. Er studierte Architektur an der ETH Zürich und absolvierte einen Executive MBA der Universität St.Gallen. Er leitete die Region Suisse Romande bei Mobimo und führte anschliessend die Immobiliengesellschaft Ina Invest. Seit Sommer 2025 ist er CEO von La Foncière in Lausanne. Der 1954 gegründete und seit 1996 an der SIX Swiss Exchange kotierte Immobilienfonds ist auf die Westschweiz fokussiert und verwaltet über 4500 Wohnungen im Wert von über zwei Milliarden Franken.

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Real Estate Days

Samstag, 24. Oktober 2026

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Wir müssen bereit sein, Städte neu zu denken Die Wohnungsknappheit ist in Schweizer Grossstädten eine grosse Herausforderung. Um sie zu lösen, braucht es Dialogbereitschaft, Pragmatismus und Mut. GABRIELA THEUS

Die Nachfrage nach Wohnraum wächst in Schweizer Grossstädten seit Jahren stärker als das Angebot. Gleichzeitig erschweren langwierige und komplexe Bewilligungsverfahren, zahlreiche Rekurse, zunehmend anspruchsvolle regulatorische Rahmenbedingungen sowie begrenzte Möglichkeiten zur Verdichtung die Schaffung neuer Wohnungen. Das Resultat ist ein angespannter Wohnungsmarkt mit steigenden Mieten. Breite Bevölkerungsschichten haben immer grössere Mühe, geeigneten Wohnraum zu finden. Für Bauherren und Investoren ist Planungssicherheit zentral. Ein wichtiger Hebel zur Verbesserung der Situation liegt in den Bewilligungsverfahren. Diese sollten deutlich vereinfacht und beschleunigt werden. Bauprojekte durchlaufen heute oft eine Vielzahl von Verfahrensschritten, an denen verschiedene Behördenstellen beteiligt sind. Eine bessere Koordination der zuständigen Stellen, klare Verantwortlichkeiten, eine pragmatische Interessenabwägung und der Mut zu entscheiden könnten die Prozesse effizienter machen und die Verfahren spürbar verkürzen.

Rekurse als Kostenrisiko Wohnbauprojekte werden über Jahre hinweg sorgfältig vorbereitet und erfordern erhebliche finanzielle Investitionen. Werden Projekte aber durch ungerechtfertigte oder missbräuchliche Rekurse

verzögert, entstehen hohe Zusatzkosten und beträchtliche Risiken. Dies kann dazu führen, dass Investitionen in dringend benötigten Wohnraum gar nicht erst getätigt werden. Wir begrüssen deshalb den Vorstoss auf Bundesebene, der Lösungen gegen missbräuchliche Einsprachen vorschlägt.

Die Lösung der Wohnraumproblems gelingt nur, wenn ideologische Gräben überwunden werden.

Überzeugende Lebensräume Bestehender Wohnraum verdient grundsätzlich Schutz, denn viele Gebäude prägen das Bild unserer Städte und Quartiere. Dieser Schutz darf aber die notwendige Weiterentwicklung nicht verhindern. In gewissen Fällen ist es sinnvoll und nötig, bestehende Bauten abzubrechen und durch neue Gebäude zu ersetzen, die mehr Wohnraum schaffen, nachhaltiger sind und mehr Wohnkomfort bieten. Solche Erneuerungen entlasten nicht nur den Wohnungsmarkt, sondern bringen den Bewohnern auch einen Mehrwert. Bei der Weiterentwicklung unserer Städte spielen baukulturelle Fragen eine wichtige Rolle. Wir sollten die Diskussion über die «hohe Baukultur» nicht als intellektuelle Polemik oder Bremsklotz für den Bau von zusätzlichem Wohnraum verstehen, sondern als Chance, denn baukulturelle Qualität schafft Akzeptanz. Letztlich geht es darum, mit geeigneten Prozessen qualitativ hochwertige, funktionale und ästhetisch überzeugende Lebensräume zu schaffen. Neubauten und Quartierentwicklungen sollen nicht nur genügend Wohnraum bereitstellen, sondern auch

Für Bauherren und Investoren ist Planungssicherheit zentral, sagt Gabriela Theus. PD zu einem lebenswerten städtischen Umfeld beitragen.

Offen für neue Lösungen Gleichzeitig müssen wir bereit sein, Städte neu zu denken, und offen für innovative Lösungen bleiben. Die Anforderungen an urbane Räume verändern sich laufend. Neue Wohnformen, gemischte Nutzungen, nachhaltige Mobilitätskonzepte und moderne Bauweisen bieten Chancen, den vorhandenen Raum besser zu nutzen und die Lebensqualität zu steigern. Ein Beispiel, wie das gelingen kann, ist die Arealentwicklung Wankdorfcity 3 in Bern. Dort

wird Stadt «gestapelt», und so entsteht attraktiver Raum für rund 1000 Bewohner, 1500 Arbeitsplätze und 1000 Schüler. Die neu entstehenden Gebäude sind sorgfältig in ihr Umfeld eingebettet und bilden neue Nachbarschaften. Dank umsichtiger Planung und einer hochwertigen architektonischen Umsetzung leisten auch hohe Gebäude einen wichtigen Beitrag zur qualitätsvollen Verdichtung. Die Lösung der Wohnraumfrage gelingt nur, wenn ideologische Gräben überwunden werden. Nötig ist eine offene und sachliche Diskussion. Gefragt sind pragmatische und tragfähige Mehrheitslösungen. Dafür braucht es die Be-

reitschaft aller Beteiligten, am gleichen Strick zu ziehen: der Staat mit effizienten Rahmenbedingungen, die Privatwirtschaft und institutionelle Investoren mit der Bereitstellung von Kapital und Know-how sowie die Mieter und die Bevölkerung mit der Offenheit gegenüber notwendigen Entwicklungen. Nur mit einem gemeinsamen Verständnis der Herausforderungen und konstruktiver Zusammenarbeit lässt sich ausreichend Wohnraum schaffen.

Gabriela Theus ist Geschäftsführerin von Immofonds Asset Management.

Stadtentwicklung ist ein Aushandlungsprozess Verdichtung scheitert selten an der Technik, sondern am Umgang mit Interessen. Wer Projekte voranbringen will, muss Positionen in Bedürfnisse übersetzen, Optionen verhandeln und dafür neue Kompetenzen aufbauen. aus gemeinsamen Zielen gemeinsames Handeln entsteht.

MARTIN KÜNG-RAGETH

Der Moment der Wahrheit kommt um 23 Uhr 07 im Interregio von Basel nach Zürich: Wenn die Standortfrage bis im Herbst nicht geklärt sei, dann sei er am Areal nicht mehr interessiert, sagt der Investor, mit dem ich soeben aus einem Sitzungsmarathon gekommen bin. Klare Ansage. Nur leider zu spät. Früher wäre das eine wertvolle Information gewesen. Sie hätte Klarheit gebracht, vielleicht eine Weiche gestellt. Politik, Verwaltung, Investoren, Eigentümer, Bevölkerung und Gewerbe verfolgen unterschiedliche Ziele. Stadtentwicklung findet im Bestand und damit in einem von vielfältigen Interessen geprägten Kontext statt. Je mehr Akteure beteiligt sind, desto weniger lässt sie sich als linearer Prozess verstehen. Sie wird zur Führungs- und Managementaufgabe. Und sie verlangt Transparenz. Bevölkerungswachstum, sozialverträgliche Innenentwicklung, Klimawandel oder neue Mobilitätsbedürfnisse erfordern planerische Instrumente, belastbare Datengrundlagen und gute Konzepte. Doch die entscheidende Herausforderung liegt zunehmend darin, die Akteure zu koordinieren und ihre Interessen und Ressourcen in tragfähige Umsetzungsprozesse zu überführen.

Gemeinsames Verständnis schaffen Am Anfang steht ein gemeinsames Verständnis der relevanten Themen. Wie entwickelt sich die Bevölkerung? Welcher Wohnraum und welche Wirtschaftsflächen werden benötigt? Wie wirken sich Entwicklungsvorhaben mittel-

Neue Kompetenzen aufbauen

Je mehr Akteure beteiligt sind, desto weniger lässt sich Stadtentwicklung als linearer Prozess verstehen.

Stadtentwicklung findet im Bestand statt: In bestehenden Wohnsiedlungen treffen die ALBIN HOLLENSTEIN Interessen von Bewohnern, Eigentümern und Gemeinde aufeinander. und langfristig auf Infrastrukturbedarf, Verkehr und Gemeindefinanzen aus? Daten, Analysen und Modelle können dafür eine gemeinsame Diskussionsgrundlage schaffen. Im nächsten Schritt müssen Positionen von den dahinterliegenden Interessen unterschieden werden. Wer sich für den Erhalt von Parkplätzen im Zentrum einsetzt, kämpft möglicherweise weniger um den Parkplatz an sich als um Erreichbarkeit, Kundenfrequenz und ein funktionierendes Zentrum. Wird dieses Interesse zum Ausgangspunkt, erweitert sich die Diskussion: Plötzlich geht es nicht mehr nur um die Anzahl Parkplätze, sondern um die Frage, mit wel-

chen Massnahmen Erreichbarkeit, Belebung und Attraktivität des Zentrums gestärkt werden können. Bleibt die Diskussion auf Positionen beschränkt, droht sie zum Verteilkampf zu werden. Werden die zugrunde liegenden Interessen hingegen transparent gemacht, entstehen neue Lösungsoptionen.

Optionen entwickeln und verhandeln Genau darin liegt eine zentrale Aufgabe des Urban Managements. Statt früh eine vermeintlich optimale Lösung festzulegen, gilt es, unterschiedliche Optionen zu entwickeln. Neue Ansätze der Nut-

zungsplanung, städtebauliche Verträge und Organisationsmodelle eröffnen Spielräume. Dann wird verhandelt: Welchen Mehrwert erhält die Öffentlichkeit? Welche Planungssicherheit benötigen Eigentümer und Investoren? Wie lassen sich Anliegen der Bevölkerung integrieren? Und wer trägt welche Kosten und Risiken? Stadtentwicklung wird damit zu einem Prozess, in dem öffentliche und private Interessen nicht gegeneinander ausgespielt, sondern transparent gemacht, verhandelt und zu tragfähigen Lösungen verbunden werden. Urban Management verbindet Planung und Umsetzung und trägt dazu bei, dass

Dieses Verständnis stellt neue Anforderungen an Fach- und Führungskräfte. Planerisches und immobilienwirtschaftliches Fachwissen bleibt zentral. Entscheidend wird aber zunehmend die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, zusammenzuführen und Entwicklungsprozesse über institutionelle und disziplinäre Grenzen hinweg zu führen. Das CAS in Urban Management am CUREM, dem Center for Urban & Real Estate Management der Universität Zürich, greift diesen Ansatz mit den drei Kursen Urban Economics, Urban Development und Urban Leadership auf. Es vermittelt Fach- und Führungskräften aus Gemeinde- und Stadtentwicklung, Raumplanung und Immobilienwirtschaft das interdisziplinäre Verständnis und die Managementkompetenzen, die für komplexe Transformationsprozesse erforderlich sind. Die Qualität unserer gebauten Umwelt wird nicht allein davon abhängen, wie gut wir sie planen, sondern auch davon, wie gut es uns gelingt, ihre Entwicklung gemeinsam zu organisieren und umzusetzen. Martin Küng-Rageth ist Programmleiter Urban Management am CUREM, Universität Zürich.

Programm und Termine des CAS Urban Management.


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