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11. Oktober 2026
«Viele der erfolgreichen Angriffe hätten verhindert werden können» Cyberkriminelle attackieren in der Breite. Wappnen müssen sich deshalb alle Unternehmen. An Basismassnahmen zum Schutz kommen nicht einmal KMU vorbei, erklärt Christian Grob, Co-CEO des Zürcher IT-Sicherheitsunternehmens Avantec.
«Es geht darum, sich so aufzustellen, dass Schlimmeres verhindert werden kann – egal, ob jemand auf ein PhishingMail klickt oder nicht.»
PD
Für die meisten Unternehmen ist Cybersicherheit eher ein lästiges Muss als etwas, womit sie sich gerne beschäftigen. Was motiviert Sie, in dieser Branche zu arbeiten? CHRISTIAN GROB: Mich motiviert es, Unternehmen dabei zu helfen, dass sie nicht gehackt werden. Das ist letztlich unser Hauptziel: Wir sorgen dafür, Schäden so gering wie möglich zu hal ten. Und wenn ein Kunde verschont bleibt oder ein Angriff abgefangen wird, freut ihn das auch. Spüren Sie diese Dankbarkeit auch konkret? Ja, durchaus. Wir haben schon ganze Weinsortimente und Verpflegungs pakete erhalten (lacht).
Lohnt es sich für ein Unternehmen, ein eigenes SOC-Team aufzubauen, oder sollte man das als Service einkaufen? Für die meisten mittelständischen Unternehmen rechnet sich der Aufbau eines eigenen Teams nicht. Man braucht mehrere Spezialistinnen und Spezialis ten, die einen 24-Stunden-Betrieb garan tieren. Diese Kosten lassen sich im Normalfall nicht rechtfertigen. Oft ist es sinnvoller, diesen Dienst extern zu be ziehen. Das ist etwa um Faktor zehn günstiger, als wenn man ein eigenes SOC mit den entsprechenden Vollzeit stellen aufbauen würde.
Wenn Sie sich die schweizerische Unternehmenslandschaft anschauen: Wie gut ist sie geschützt? Mittel. Erstaunlich ist für mich, dass es vielleicht noch mit Ausnahme des Finanz- und Versicherungswesens in a llen Branchen sehr gut und sehr schlecht geschützte Unternehmen gibt. Wovon hängt es ab, ob ein U nternehmen gut aufgestellt ist – oder nicht? Ist das eine Frage des Security-Teams oder der Führungsebene? Grundsätzlich braucht es ein Bewusst sein für das Thema auf Führungsebene. Leider ist das bei vielen erst da, nachdem sie einen gröberen Vorfall hatten. Persön lich finde ich es bedauerlich, dass sich viele erst dann ernsthaft schützen, wenn sie betroffen waren. Das ist, als würde man Airbag und Gurt im Auto erst ein bauen, nachdem man schon mal durch die Windschutzscheibe geflogen ist. Das heisst: Weiterbildung für die Geschäftsleitungen? Ja, sie sollten sich mit dem Thema aus einandersetzen. Entscheidungsträger brauchen ein Verständnis für die aktuelle Bedrohungslage und wie man die nötige Abwehr disponiert. Es ist längst keine Frage mehr, ob man angegriffen wird, sondern nur noch, wann es passiert. An greifer suchen ihre Ziele nicht mehr ge zielt aus, sie greifen in der Breite an. Nie mand kann sagen, er sei nicht betroffen. Folglich sind kleinere Firmen nicht zu unbedeutend, um für Cyberkriminelle interessant zu sein? Es gehört zur Schweizer Art, sich selbst zu unterschätzen. Aber die meis ten Angriffe laufen stark automatisiert ab. Viele Angreifer suchen sich ihre Opfer gar nicht gezielt aus, sondern durchsuchen das gesamte Internet nach einer bekannten Sicherheitslücke oder einem offenen Eingangstor. Welche Aufgaben hat das SecurityTeam? Es muss aufzeigen, welches Sicher heitsniveau es braucht, um mit den Risiken umzugehen, die für die Firma relevant sind. Gewisse Risiken sind für alle Firmen gleich, andere sind sehr unternehmens- und geschäftsspezifisch.
Christian Grob, Co-CEO des Zürcher IT-Sicherheitsunternehmens Avantec: Er hat dort das Cyber Defense Center aufgebaut, das er nach wie vor verantwortet.
Authentifizierung, Schwachstellen- und Patch-Management und sicheren Konfi gurationen zu schützen. Darüber hinaus geht es um die Etablierung einer Detek tion. Also darum, Angriffe frühzeitig zu erkennen und darauf richtig reagieren zu können. Sind die Mitarbeitenden selbst nicht auch ein Sicherheitsrisiko, beispielsweise mit schwachen Passwörtern oder dem Post-it am Bildschirm? Natürlich ist die entsprechende Schu lung der Mitarbeitenden wichtig, aber man sollte sich nicht darauf verlassen, dass sie funktioniert. Es wird immer jemand auf eine Phishing-Mail klicken und seine Anmeldedaten eingeben oder verseuchte Software herunterladen. Es geht darum, sich so aufzustellen, dass
Zur Person
Christian Grob ist Co-CEO des Zürcher IT-Sicherheitsunter nehmens Avantec und leitet dort den Bereich Security Services. Zuvor war er bei einem führenden Welche Risiken sind für alle gleich, Schweizer Kreditkartenanbieter als und wie schützt man sich dagegen? Director und Leiter der Abteilung Jedes Unternehmen nutzt einen E- IT Security & Risk tätig. Der Mail-Dienst oder betreibt eine Website gelernte Informatiker mit einem sowie Portale für den Fernzugriff. Typi Master in Information Systems sche Angriffe erfolgen oft über genau Management der Fachhochschule diese exponierten Systeme. Diese gilt es Nordwestschweiz arbeitet seit mit Massnahmen wie Multifaktor- über 20 Jahren in der Branche.
Schlimmeres verhindert werden kann – egal, ob jemand auf ein Phishing-Mail klickt oder nicht. Wie beeinflussen hybride Arbeits modelle mit privaten Geräten das Sicherheitsdispositiv? Private Geräte lassen sich schlechter kontrollieren, Angriffe, die über solche Geräte geschehen, können oft nur über Identitäten und Anomalien erkannt wer den. Zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter in der Schweiz arbeitet und eine halbe Stunde später in einem anderen Land an gemeldet ist. In solchen Fällen sollte das Sicherheitssystem dies erkennen und der Benutzer proaktiv gesperrt werden. Das funktioniert aber nur mit 24-stündiger Überwachung. Richtig. Im Idealfall überwacht ein Se curity Operations Center, kurz SOC, rund um die Uhr den Datenverkehr innerhalb eines Unternehmens und registriert Auf fälligkeiten oder echte Cyberangriffe. Ist ein SOC eine technische Lösung? Nicht nur. Ein SOC besteht aus Menschen, Prozessen und Technologien. Letztere erkennen, ob ein Angriff statt findet, Menschen analysieren die Angriffe und entscheiden, wie darauf zu reagieren ist, und nicht zuletzt braucht es entspre chende Prozesse, damit das Zusammen spiel funktioniert. Schliesslich ist die Re aktionszeit entscheidend: Aufgrund der vermehrten Nutzung von KI durch Cyber kriminelle bleiben oft nur wenige Minu ten, um einen Angriff zu unterbinden.
Zum Beispiel bei Ihnen. Allerdings sind Sie nicht der einzige Anbieter, der dies ermöglicht. Was unterscheidet Ihren Ansatz von der Konkurrenz? Wir verzichten auf mehrere Eskala tionsstufen und setzen auf ein erfahre nes Expertenteam, in dem jeder Alarm von Anfang an durch einen spezialisier ten Analysten behandelt wird, der auch direkt reagieren kann. Es gibt keine interne Übergabe während des Angriffs, das zuständige Team behandelt den Vorfall von Anfang bis zum Schluss, ohne Reibungsverluste. Inwiefern unterstützt KI Ihre internen Prozesse? Nicht nur die Angreifer setzen auf KI, natürlich auch die Verteidiger. KI ist auf verschiedenen Stufen bereits heute im Einsatz. Sie kann viel Vorarbeit leisten und für den Menschen aufbereiten, was passiert ist, und ihm so einen Teil der Arbeit abnehmen. Aber am Ende haben wir immer eine Expertin oder einen Experten, der überprüft, validiert und entscheidet. Können Sie von einem schweren Angriff erzählen, den Sie abwehren konnten? Der IT-Dienstleister eines Kunden wurde gehackt. Da dieser über privi legierte Admin-Rechte verfügte, blieben uns nur wenige Minuten, um den Angriff zu erkennen und zu unterbinden. Es handelte sich dabei um eine berühmte Ransomware-Gruppierung, die dafür bekannt ist, Daten abzuziehen und zu verschlüsseln. Trotzdem: Ist die Investition in ein SOC eine Absicherung gegen ein Risiko, das oft gar nicht auftritt? Mittlerweile ist den meisten Kunden bewusst, dass das Risiko real ist. Allein die vorhin erwähnten Angreifer atta ckierten letztes Jahr erfolgreich in der Schweiz über 200 Unternehmen. Dabei liegen die Schäden in der Schweiz im Millionenbereich und im Ausland im Bereich von Hunderten von Millionen – nur durch diese eine kriminelle Gruppe. Viele Unternehmen beziehen über ihre Microsoft-Lizenzen bereits gewisse
Sicherheitskomponenten. Warum braucht es trotzdem einen z usätzlichen Anbieter? Es stimmt, dass gewisse Sicherheits lösungen in den gängigen Microsoft- Paketen inkludiert sind. Was indes nicht dazugehört, sind die Spezialisten, die rund um die Uhr die Alarme triagieren, analysieren und Massnahmen einleiten. Gibt es Grenzen dessen, was ein SOC leisten kann? Sprich Angriffsarten, bei denen es nicht die richtige Abwehr methode ist? Für die allermeisten bekannten Angriffsarten ist ein SOC das Mittel der Wahl. Ein SOC kann aber nur effektiv schützen, was es sieht. Es ist demnach wichtig, eine Abdeckung über alle End geräte, Identitäten, Netzwerke und Cloud-Dienste sicherzustellen. Was sind die wichtigsten Massnahmen, um sich besser zu schützen? Es gibt Basismassnahmen, die jeder umsetzen kann und sollte. Dazu gehört eine konsequente Multifaktor-Authenti fizierung bei externen Diensten sowie privilegierten Benutzern. Zudem sollten Systeme regelmässig aktualisiert wer den, und ganz wichtig: Es genügt nicht, ein Back-up zu haben, dieses sollte man auch regelmässig testen. Es gibt viele Firmen, die zwar Back-ups haben, diese aber noch nie getestet haben und erst im Ernstfall merken, dass sie nicht zurück spielen können. Generell empfehle ich, nicht nur auf Vorbeugung zu setzen, sondern ebenso in eine schnelle, zuver lässige Erkennung von Angriffen und in eine Abwehr zu investieren. Wer das vernachlässigt, ist also selbst schuld? Das sind harte Worte, die nicht auf alle zutreffen. Aber viele der erfolgreichen Angriffe hätten mit einfachen Mass nahmen verhindert werden können. Viele Unternehmen machen es An greifern zu leicht. Was ist Ihre Botschaft an Unternehmen, die das alles beherzigen sollen? Die IT-Sicherheit und insbesondere die Reaktion auf tatsächliche Cyber angriffe sollte keinesfalls dem Zufall überlassen werden, da es schliesslich um die Aufrechterhaltung des Geschäfts betriebs geht. Die Sicherheitsmass nahmen müssen aber laufend an die sich verändernde Bedrohungslage angepasst werden. Nur so lassen sich negative Schlagzeilen oder schlimmere Szenarien vermeiden.
Dieser Inhalt wurde von NZZ Story Lab im Auftrag von Avantec erstellt.