26 SEP 2026
BALLET BC
Crystal Pite . Bobbi Jene Smith & Or Schraiber . Medhi Walerski
Obsidian © Michael Slobodian
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BALLET BC
Crystal Pite . Bobbi Jene Smith & Or Schraiber . Medhi Walerski sa 26/09 19.30 Uhr Großer Saal DAUER ca. 1 Std. 50 Min. (inkl. zwei Pausen) EINFÜHRUNG mit Bettina Masuch 18.30 Uhr, Kleiner Saal ÖSTERREICH-PREMIERE
„She is such an inspiration for our generation.“ Bobbi Jene Smith über Crystal Pite
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Besetzung
SWAY CHOREOGRAFIE, BÜHNE, KOSTÜME Medhi Walerski PROBENLEITUNG Emily Chessa MUSIK Komposition von Adrien Cronet; Johann Sebastian Bach: Nun komm der Heiden Heiland, Prelude BWV 659 LICHT Lisette van der Linden, Pierre Pontvianne TÄNZER:INNEN Luca Afflitto, Sidney Chuckas, Kiana Jung, Benjamin Peralta, Pei Lun Lai, Kaylin Sturtevant, Jacalyn Tatro
BALLET BC
URAUFFÜHRUNG 01. November 2019 (NDT 2) Premiere mit dem Ballet BC am 09. Mai 2024 Pause
Obsidian CHOREOGRAFIE, BÜHNE, KOSTÜME, LICHT Bobbi Jene Smith & Or Schraiber PROBENLEITUNG Emily Chessa, Alexis Fletcher MUSIK George Ivanovich Gurdjieff und Thomas de Hartmann: Armenian Song, Kurd Shephard Dance, Song of the Aisors, Song of the Fisherwomen, The Struggle of the Magicians (#3) PIANISTIN Perri Lo ASSISTENZ KOSTÜME Kate Burrows TÄNZER:INNEN Joziah German, Orlando Harbutt, Eduardo Jiménez Cabrera, Kiana Jung, Pei Lun Lai, Vivian Ruiz URAUFFÜHRUNG Mai 2025, Queen Elizabeth Theater, Vancouver Pause
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Besetzung
Frontier CHOREOGRAFIE Crystal Pite PROBENLEITUNG Renee Sigouin, Emily Chessa MUSIK Originalkomposition von Owen Belton; Eric Whitacre: Lux Aurumque und Sleep (Text von Charles Anthony Silvestri) BÜHNE Jay Gower Taylor LICHT Tom Visser KOSTÜME Nancy Bryant ASSISTENZ KOSTÜME Kate Burrows TÄNZER:INNEN Compagnie Ballet BC: Luca Afflitto, Sidney Chuckas, Emanuel Dostine, Imani Frazier, Michael Garcia, Joziah German, Orlando Harbutt, Eduardo Jiménez Cabrera, Kiana Jung, Pei Lun Lai, Kelsey Lewis, Kylie Miller, Benjamin Peralta, Vivian Ruiz, Kaylin Sturtevant, Jacalyn Tatro; Emerging Artists Ballet BC: Travon Carter, Kaitlin Cheung, Marcos Marqueta, Stan Tonin, Kailey Worontsoff, Jayda Zhu; Arts Umbrella Artists: Chloe Ohira, Nicole Powell URAUFFÜHRUNG 2008 (NDT) Premiere mit dem Ballet BC am 07. November 2024
Ballet BC KÜNSTLERISCHE LEITUNG Medhi Walerski GESCHÄFTSFÜHRUNG Kathy MacKenzie BÜHNENELEKTRIK Chengyan Boon LEITUNG KOSTÜME Kate Burrows BÜHNENBAU PRODUKTION William Detlaff ELEKTRIK PRODUKTION Taylor Janzen PRODUKTIONS-LEITUNG Derek Mack COMPAGNIEMANAGEMENT Kate McMillan LEITUNG LICHT Matthew Piton BÜHNENTECHNIK SOUND Gabriel Raminhos BÜHNEN MANAGEMENT Linzi Voth
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Einführung
WAS DEN KÖRPER BEWEGT Drei Choreografien, drei sehr unterschiedliche Bewegungssprachen und ein Abend, der sich von der zarten Hoffnung über die unmittelbare Begegnung bis an die Grenze des Unbekannten bewegt. Mit SWAY von Medhi Walerski, Obsidian von Bobbi Jene Smith & Or Schraiber und Frontier von Crystal Pite zeigt das kanadische Ballet BC zeitgenössischen Tanz in drei markanten Facetten. Ballet BC, 1986 in Vancouver gegründet, zählt zu den führenden zeitgenössischen Tanzcompagnien Kanadas. Die drei Choreografien verlangen nach unterschiedlichen Qualitäten, die zu den Stärken des hochkarätigen Ensembles zählen: nach Feinheit und Aufmerksamkeit, körperlicher Direktheit und einer Präsenz, die sich dem Sichtbaren und Unsichtbaren stellt. Walerski lässt die Bewegungen fließen und zirkulieren, Smith & Schraiber verdichten sie zu unmittelbaren Begegnungen, Pite setzt sie einem Bild aus, das sich zugleich entzieht. Den Auftakt macht SWAY. Medhi Walerski, Künstlerischer Leiter des Ballet BC, beschäftigt sich darin mit dem Thema Hoffnung, inspiriert von Emily Dickinsons Gedicht Hope is the thing with feathers. Hoffnung erscheint hier als etwas Fragiles, das verschwinden und wiederkehren kann und dennoch selbst in Momenten der Unsicherheit bestehen bleibt. Diese Ambivalenz spiegelt sich in einer Choreografie, die zwischen Nähe und Distanz, Ruhe und Bewegung, Individuum und Gruppe changiert. Die Tänzer:innen begegnen einander in verschiedenen Konstellationen. Berührung, Gewicht, Atem und Rhythmus werden zu Mitteln der Verständigung. Eine Bewegung scheint von einem Körper auf den nächsten überzugehen, wird aufgenommen, verändert und weitergetragen. Wiederholungen machen kleinste Verschiebungen sichtbar. Ein anderer Impuls, eine veränderte Spannung oder ein neuer Rhythmus genügt, um Bekanntes anders erscheinen zu lassen. So wird Gemeinschaft in SWAY nicht als fertiger Zustand verstanden – sie entsteht immer wieder 6
Einführung
neu – im gemeinsamen Tun. Auch die verwendete Musik des belgischen Komponisten Adrien Cronet folgt keiner eindeutigen Erzählung. Ihre Feinheit und Vielschichtigkeit lassen Raum für Schwebezustände und Ungewissheit. Hoffnung wird so zu einer körperlichen Erfahrung, die sich zwischen Menschen fortsetzt. Mit Obsidian verschiebt sich der Blick von der Hoffnung auf die Beziehung selbst. Bobbi Jene Smith & Or Schraiber entwickeln ihre erste Arbeit für das Ballet BC aus einem offenen Prozess, der stark von der Begegnung mit den Tänzer:innen geprägt ist. Bewegung entsteht aus Bewegung: Ein Impuls setzt einen weiteren in Gang, wird aufgenommen, verändert und weitergegeben oder bricht unvermittelt ab. Der Körper ist dabei nicht nur ausführendes Instrument, sondern Ausgangspunkt und Resonanzraum. Obsidian ist von einer Spannung zwischen Explosivität und Sensibilität geprägt. Impulse schießen aus der Körpermitte hervor, erfassen ihn und entladen sich mitunter mit großer Wucht. Dann fallen die Körper zurück in Ruhe, die Bewegungen werden kleiner und tastender. Nähe und Distanz, Hingabe und Kontrolle werden fortwährend neu ausgehandelt. Beziehungen entstehen nicht über eine Handlung, sondern mittels Blicken, Berührungen, im Timing und in der Art, wie Körper aufeinander reagieren. Eine besondere Rolle spielt dabei in dieser Arbeit die Musik. Klavierwerke von George Gurdjieff und Thomas de Hartmann aus den 1920er-Jahren werden live auf der Bühne interpretiert. Geistliche Lieder und Volksrhythmen schaffen eine Atmosphäre, in der sich Vertrautes und Fremdes überlagern und werden zum musikalischen Gegenüber des Tanzes. Obsidian erzählt vom Bedürfnis nach Nähe, von Verständigung und Verlust, von romantischen ebenso wie nicht-romantischen Formen von Verbundenheit. Vor allem aber erzählt es von Gesten, durch die Menschen miteinander in Kontakt treten. Mit Frontier von Crystal Pite öffnet sich der Abend schließlich einer anderen Dimension. Wo SWAY nach einer Kraft sucht, die zwischen Menschen entstehen kann, und Obsidian die Komplexität menschlicher Beziehungen untersucht, richtet Frontier den Blick auf jene Kräfte, die sich unserem bewussten Zugriff entziehen. Ausgangspunkt war Pites persönliche Auseinandersetzung mit Zweifel. Auf der Bühne nimmt dieser Zweifel Gestalt an: als Schatten. Der Schatten ist Abbild und Verfremdung, An7
Obsidian © Michael Slobodian
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Einführung
wesenheit und Abwesenheit zugleich. Er folgt dem Körper und entzieht sich ihm, ist vollkommen an ihn gebunden und doch nicht greifbar. Licht macht ihn sichtbar und bestimmt zugleich seine Form. Eine kleine Veränderung der Position kann ihn verschieben, verzerren oder verschwinden lassen. Aus dieser Beziehung entsteht eine Choreografie, in der das Sichtbare ständig auf etwas Unsichtbares verweist. Frontier kreist um die Grenze zwischen Denken und Sein, Intellekt und Instinkt. Der Schatten erscheint wie eine physische Entsprechung des Unbewussten, schneller als der bewusste Gedanke. Crystal Pite lässt bewusst Raum für Risiko und Unvorhersehbares: für das, was sich erst im Moment der Bewegung zeigt. Das Unbekannte wird nicht erklärt, sondern bekommt eine Form, mit der sich die Tänzer:innen auseinandersetzen. So führt der Abend von Hoffnung über Nähe und Beziehung bis zu den unsichtbaren Kräften, die in uns wirken. Die drei Choreografien erzählen diese Bewegung nicht als Geschichte. Sie lassen sie körperlich erfahrbar werden. In SWAY entsteht Bedeutung aus dem Miteinander, in Obsidian aus der Begegnung von Körpern, in Frontier aus dem Verhältnis von Körper, Licht und Schatten. Mal ist Bewegung eine Form der Verständigung, mal Ausdruck von Verlangen, Unsicherheit oder Vertrauen, mal eine Spur, die auf etwas verweist, das sich nicht benennen lässt. Vielleicht liegt genau darin die Verbindung dieses Triple Bills: in der Bereitschaft, dem Körper zu folgen, ohne seine Antworten sofort erklären zu wollen. Zwischen Hoffnung und Zweifel, Nähe und Distanz, Bewusstem und Unbewusstem entsteht ein offener Raum; ein Raum, in dem Tanz nicht alles beantwortet, aber etwas sichtbar macht, das sonst leicht verborgen bleibt. Marlene Jann, Redaktion Festspielhaus St. Pölten
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Notizen
HOFFNUNG ALS STILLE KRAFT
Choreograf Medhi Walerski über SWAY Für mich verkörpert SWAY die Essenz der Hoffnung und fängt deren zarte und zugleich widerstandsfähige Natur ein. Inspiriert von Emily Dickinsons Gedicht Hope is the thing with feathers war diese Komposition meine erste Zusammenarbeit mit dem belgischen Komponisten Adrien Cronet. Das entstandene Stück ist intim, geheimnisvoll und mitunter schwer fassbar. Mich interessierte es, Hoffnung nicht nur als etwas Feststehendes oder Gewisses zu erforschen, sondern als etwas Zerbrechliches, das wir in uns tragen – eine stille Kraft, die verschwinden und wiederkehren kann und die auch in Momenten der Ungewissheit weiterbesteht. Die Tänzer:innen begeben sich auf eine fließende Reise aus Gestik und Wiederholung und wechseln dabei zwischen intimen Soli, Duetten und gemeinsamen Passagen. Es besteht ein ständiger Dialog zwischen dem Einzelnen und der Gruppe, zwischen Verletzlichkeit und Stärke sowie zwischen Momenten der Stille und der Bewegung. Ein Großteil dieses Dialogs findet durch Berührung, Gewichtsverteilung, Atem, Rhythmus und den einfachen Akt des gemeinsamen Bewegens statt. Ich wollte, dass sich die Choreografie fast wie eine Strömung anfühlt – etwas, das von einem Körper zum anderen fließt und allmählich zu etwas Gemeinsamen wird. Die Musik bildet eine ebenso wichtige Ebene dieser Welt. Ihre Vielschichtigkeit und Feinheit lassen die Bewegung atmen und schaffen zugleich ein Gefühl von Geheimnis und Ungewissheit. Gemeinsam schaffen Musik und Choreografie eine Atmosphäre, in der Bedeutung nicht immer sofort offenbart, sondern vielmehr gefühlt wird. SWAY verlangt den Tänzer:innen ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Sensibilität ab. Wiederholungen werden zu einem 10
Notizen
wichtigen Bestandteil der Reise; sie lassen kleine Verschiebungen und Nuancen zum Vorschein kommen und verleihen der Bewegung ein Gefühl der Kontinuität. Für mich spiegelt dies den Geist des kollektiven Optimismus wider – die Vorstellung, dass Hoffnung zutiefst persönlich sein kann, aber auch etwas ist, das wir gemeinsam schaffen und aufrechterhalten. Übersetzung Marlene Jann
„Hope is the thing with feathers – That perches in the soul – And sings the tune without the words – And never stops – at all – And sweetest – in the Gale – is heard – And sore must be the storm – That could abash the little Bird That kept so many warm – I’ve heard it in the chillest land – And on the strangest Sea – Yet – never – in Extremity, It asked a crumb – of me.“ Hope is the thing with feathers by Emily Dickinson
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SWAY © Millissa Martin
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Notizen
BEDÜRFNIS NACH NÄHE Über Obsidian
Auf einer weiten Bühne begegnen einander Körper, Blicke und Bewegungen. Nähe entsteht, löst sich wieder auf, wird gesucht und verhandelt. In Obsidian, ihrer ersten Auftragsarbeit für das Ballet BC, entwerfen Bobbi Jene Smith & Or Schraiber eine körperlich intensive, beinahe filmische Welt, in der sich vieles nicht über eine Geschichte, sondern über Gesten, Rhythmen und Beziehungen erzählt. Im Tanzstudio beginnt die Arbeit an Obsidian nicht mit einer fertigen Choreografie, sondern mit einem offenen Prozess. Smith & Schraiber vertrauen darauf, dass sich das Material aus der Begegnung mit den Tänzer:innen selbst entwickelt. Sie beobachten, reagieren, greifen Impulse auf und lassen Bewegungen weiterwandern. So formt sich die Choreografie Schritt für Schritt im Raum. Eine Bewegung setzt eine andere in Gang, ein Impuls wird aufgenommen, verändert und weitergegeben oder bricht unvermittelt ab. Daraus entsteht eine Bewegungssprache, die zugleich kraftvoll und hochsensibel ist. Aus der Körpermitte schießen Impulse hervor, die den ganzen Körper erfassen, Bewegungen beschleunigen sich, entladen sich und finden wieder in die Ruhe zurück. In diesen explosiven Momenten sind Spuren von Bobbi Jene Smiths langjähriger Auseinandersetzung mit der Gaga-Bewegung zu erkennen, ebenso wie in der besonderen Aufmerksamkeit für Gewicht, Atem und innere Wahrnehmung. Nähe und Distanz, Hingabe und Kontrolle werden dabei ständig neu austariert. Wiederholung wird zum Motor der Veränderung. Bewegungen kehren wieder, sind dabei aber niemals vollkommen ident. Gerade in kleinen Verschiebungen, einem anderen Timing oder einer veränderten Spannung werden Nuancen sichtbar. Was zunächst vertraut erscheint, beginnt sich zu verwandeln. Die Tänzer:innen bleiben in einem gemeinsamen Fluss, ohne ihre Individualität darin aufzulösen. Eine ebenso wichtige Ebene bildet die Musik. Für Obsidian wählten Smith & Schraiber selten gespielte Klavierwerke aus den 1920er-Jahren von George Gurdjieff und Thomas de Hartmann. 14
Notizen
Die zwischen geistlicher Musik, Volksrhythmen und freieren, beinahe improvisatorisch wirkenden Passagen angesiedelten Kompositionen erklingen live. Die Pianistin Perri Lo, die das Ballet BC bereits seit vielen Jahren als Proben-Pianistin unterstützt, begleitet die Tänzer:innen nun auch auf der Bühne. So wird die Musik nicht zum Hintergrund, sondern zu einem Gegenüber der Bewegung. Sie gibt ihr Raum, setzt Impulse und schafft eine Atmosphäre zwischen Vertrautheit und Fremdheit, Vertrauen und Unsicherheit. Gemeinsam erzeugen Musik und Choreografie eine Welt, deren Bedeutung sich nicht sofort erschließt, sondern erst allmählich spürbar wird. „Am einfachsten wäre es zu sagen, es geht um Liebe. Aber so einfach ist es gar nicht. Das wissen wir alle“, sagt Smith. Obsidian nähert sich der Liebe nicht als eindeutiger Erzählung, sondern als Erfahrung: als Bedürfnis nach Nähe, als Versuch, einander zu verstehen, als Begegnung und als Verlust. Romantische Liebe ist dabei nur eine mögliche Form. Im Zentrum steht die Frage, wie Menschen miteinander in Beziehung treten und was Gesten ausdrücken können, lange bevor Worte ins Spiel kommen. Marlene Jann, Redaktion Festspielhaus St. Pölten
„Ich möchte dem Publikum sagen: Ihr wisst, wie man das betrachtet. Vertraut euch selbst! Ihr wisst, was Gesten für euch bedeuten – wie wir nonverbal miteinander kommunizieren können. Wie wir einander in die Augen schauen, wie wir uns die Hand geben – diese Gesten kennen wir alle. Ich hoffe, dass sie sich selbst vertrauen können, um loszulassen.“ Bobbi Jene Smith 15
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Obsidian © Millissa Martin
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Notizen
MEIN SCHATTEN IST ÜBERSETZUNG MEINES KÖRPERS Choreografin Crystal Pite über Frontier
Ein Großteil meiner Arbeit dreht sich um die Frage, was uns bewegt. Frontier ist vielleicht der deutlichste Ausdruck davon. Als ich Frontier 2008 erstmals für das Netherlands Dance Theater schuf, entstand es aus einem persönlichen Kampf mit Zweifeln. Ich dachte, dass ich vielleicht eine bessere Beziehung zu diesen Zweifeln aufbauen könnte, indem ich ihnen eine physische Form gab. Doch als die Schattenfigur Gestalt annahm, dehnte sich ihre Bedeutung über das Neurotische ins Kosmische aus. Ich sah darin eine Möglichkeit, das Nichtwissen zu verkörpern – eine Chance, das Unwissbare zu personifizieren und zum Tanzen zu bringen. Ich liebe Schatten. Damit meine ich echte Schatten, die entstehen, wenn Licht abgeblockt wird. Form und Inhalt eines Schattens sind untrennbar miteinander verbunden. Mein Schatten ist eine Übersetzung meines Körpers; eine Abstraktion, verzerrt, zweidimensional und ungreifbar. Er steht sowohl für Abwesenheit als auch für Anwesenheit. Ich liebe es, wie er endlich und feststehend ist und doch wie Wasser über das Gelände fließt. Mein Schatten gleitet lautlos mit mir in perfekter Harmonie dahin, mühelos und sanft. Seine Klarheit hängt von der Position und der Qualität des Lichts ab, das er ausblendet. Der Schatten, als Symbol meines Unbewussten, wirkt weiser und schneller als ich. In der Choreografie suche ich stets nach einem Weg, mich zwischen den Erfahrungen von Intellekt und Instinkt, zwischen Denken und Sein zu bewegen. Ich arbeite bewusst und gezielt daran, Raum für die Risiken und Chancen der Improvisation zu schaffen. Je mehr ich schaffe, desto mehr erkenne ich die Notwendigkeit dieses Raums in der Arbeit. Das Unbekannte braucht etwas Platz. 18
Notizen
Beim Schaffen geht es für mich darum, mich auf unbekanntes Terrain zu begeben und zu versuchen, eine fruchtbare Beziehung zum Zweifel aufzubauen. Ich finde eine reizvolle Parallele zwischen dem, was wir über das Universum nicht wissen, und dem, was wir über das Bewusstsein nicht wissen. Frontier ist ein Porträt der unsichtbaren Kräfte, die uns bewegen. Und ich liebe es, zu versuchen, etwas darzustellen, das sich nicht darstellen lässt. Übersetzung Marlene Jann
„Wir können uns das Unbekannte nur anhand des Bekannten vorstellen.“
Frontier © Michael Slobodian
Anne Michaels
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Frontier © Millissa Martin
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Anoush Abrar
Marcus Eriksson
Biografien
MEDHI WALERSKI Medhi Walerski wuchs in Frankreich auf und erhielt seine Tanzausbildung in der Normandie sowie am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris. Nach Engagements an der Pariser Oper und am Ballet am Rhein wechselte er 2001 zum Nederlands Dans Theater – NDT, wo er über ein Jahrzehnt lang als prägender Tänzer des Ensembles wirkte. Als Tänzer arbeitete Medhi Walerski mit international führenden Choreograf:innen wie Jiří Kylián, William Forsythe, Ohad Naharin, Crystal Pite und Wayne McGregor zusammen. Sein eigenes choreografisches Debüt gab er 2008 für das NDT 2. Seither entstanden zahlreiche erfolgreiche Werke für renommierte Compagnien in Europa und Nordamerika. Seit 2020 ist Walerski Künstlerischer Leiter des Ballet BC. Unter seiner Leitung steht die Compagnie für künstlerische Innovation, internationale Präsenz und die konsequente Förderung kreativer Exzellenz. CRYSTAL PITE In ihrer 35-jährigen Karriere als Choreografin hat Crystal Pite mehr als 60 Werke für Ensembles wie das Ballett der Pariser Oper, das Royal Ballet und das Nationalballett von Kanada geschaffen. Sie ist derzeit assoziierte Künstlerin an drei Institutionen: dem Nederlands Dans Theater (Den Haag), Sadler’s Wells (London) und dem National Arts Centre (Ottawa) und außerdem Mitglied des Order of Canada und Trägerin des französischen Ordens Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres. Crystal Pite ist bekannt für Werke, die sich mutig mit Themen wie Trauma, Sucht, Konflikt, Bewusstsein und Sterblichkeit auseinanderset22
Biografien
John Gress
Maria Baranova
zen. Ihre kühne und originelle Herangehensweise hat ihr internationale Anerkennung eingebracht und eine ganze Generation von Tanzkünstler:innen inspiriert. Im Jahr 2002 gründete sie in Vancouver ihre eigene Compagnie Kidd Pivot.
BOBBI JENE SMITH & OR SCHRAIBER Bobbi Jene Smith & Or Schraiber verbindet eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit, die die Grenzen zwischen den Künsten ausloten. Beide prägten als Tänzer:innen über Jahre die Arbeit der Batsheva Dance Company und entwickelten daraus eine eigenständige choreografische Sprache. Gemeinsam schufen sie Werke für renommierte Compagnien und Institutionen wie das Ballett der Pariser Oper, das Königlich Dänische Ballett, das Ballet BC, das Batsheva Dance Company und die GöteborgsOperans Danskompani. Bobbi Jene Smith, ausgebildet an der Juilliard School sowie an den renommierten Ballettschulen von North Carolina und Winnipeg, ist zudem Gründungsmitglied der American Modern Opera Company (AMOC). Or Schraiber arbeitet neben seiner Tätigkeit als Choreograf auch als Schauspieler, Regisseur und Filmemacher. Seine Arbeiten umfassen Produktionen für Bühne und Film ebenso wie Regiearbeiten für Musikvideos. Gemeinsam entwickeln Smith & Schraiber Werke, die durch ihre physische Intensität, emotionale Tiefe und erzählerische Kraft geprägt sind. 23
Herman Sorgeloos
UNSERE HIGHLIGHTS
Tanz Triple Bill
ANNE TERESA DE KEERSMAEKER . OPERA BALLET VLAANDEREN Bartók / Beethoven / Schönberg Drei Werke, drei musikalische Welten, eine unverwechselbare choreografische Handschrift: Das Opera Ballet Vlaanderen präsentiert drei frühe Arbeiten von Anne Teresa De Keersmaeker. Zwischen komplexen Rhythmen, kontrapunktischer Strenge und romantischer Intimität entsteht ein faszinierendes Wechselspiel von Musik und Bewegung. Ein Abend, der zeigt, wie unmittelbar Tanz Musik körperlich erfahrbar machen kann.
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OHAD NAHARIN . BATSHEVA DANCE COMPANY Sadeh21 In Ohad Naharins Sadeh21 wird der Körper zum Ausdrucksfeld menschlicher Komplexität. Die Tänzer:innen der Batsheva Dance Company bewegen sich zwischen messerscharfen Formationen, fragilen Momenten und überraschender Unordnung. Ein elektrisierender Abend! 19.30 Uhr, Großer Saal
Joris-Jan Bos
fr 20/11
NEDERLANDS DANS THEATER – NDT 1 Jiří Kylián . Crystal Pite . Hofesh Shechter Erinnerung wird zum Echo, ein Machtspiel gerät außer Kontrolle, der Körper wird zum pulsierenden Instrument: Jiří Kylián, Crystal Pite und Hofesh Shechter bringen mit dem außerordentlichen NDT 1 drei höchst unterschiedliche choreografische Perspektiven auf die Bühne. fr 02/04 19.30 Uhr, Großer Saal sa 03/04 19.30 Uhr, Großer Saal 25
WIR TEAM/IMPRESSUM
AHMET BAYAZIT ANDREAS DRÖSCHER ANDREAS GREMEL ANDREAS PRIELING ANNA SONNTAG AYBEN KARADAG AYNUR TUNA BERND NEUWIRTH BETTINA MASUCH CHRISTIAN HAHNL-BICHLER CHRISTIAN ZÖRNER CHRISTINA EBNER CONSTANZE EISELT
DERYA POLAT ELKE CUMPELIK EREN KARABULUT ERHARD BIEGLER GABRIELLE ERD GERLINDE HÖGEL GÜLCAN SIMSEK HERBERT BAIREDER ILONA HIESBERGER ISOLDE IHM JULIA BIEDER JULIA DORNINGER
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Herausgeber, Verleger und Medieninhaber Niederösterreichische Kulturszene Betriebs GmbH, Kulturbezirk 2, 3100 St. Pölten, T: +43 (0) 2742/90 80 80, www.festspielhaus.at. Fü r den Inhalt verantwortlich Thomas Gludovatz, Andreas Gremel. Kü nstlerische Leiterin Bettina Masuch. Musikkuratorin Constanze Eiselt. Redaktion Marlene Jann. Foto Cover Millissa Martin. Druck Walla GmbH. Produziert in Wien. Termin-, Programm- und Besetzungsänderungen vorbehalten. Fotografieren, Ton- und Videoaufzeichnungen nicht gestattet. Preis des Programmheftes Euro 3,20.
FREUEN UNS JÜRGEN WESTERMAYR KATARZYNA RAUSCH KATHARINA SCHOBER-DUFEK LEONIE HUMITSCH LOTTE FORSTNER MARLENE JANN MARLIES EDER MARTIN SCHMIDT MATHILDE DE WAILLY MATOUS HORINEK MICHAELA KOGLER-TROLL MIRCAN ADTAKAN MONIKA HOLZGRUBER MÜNEVVER KARABULUT NURGÜL POLAT OLIVER KLENKHART OLIVER MAUS OMEZZINE HADJ-AMOR PENELOPE PATOCKA RENATE BRAUN ROBERT SOMMER SAMANTHA SUPPINGER SIMON NUSSBAUMER SOPHIE PACHNER STEPHANIE SERLES THOMAS GLUDOVATZ ULLI ROTH
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SEPTEMBER 2026 mo 28 19.30 Uhr Großer Saal
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OKTOBER 2026 sa 03 19.30 Uhr so 04 18.00 Uhr Großer Saal
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HERBERT PIXNER PROJEKT . TONKÜNSTLER-ORCHESTER Symphonic Alps Reloaded 2026
sa 10 19.30 Uhr Großer Saal
Tanz
BENJAMIN ABEL MEIRHAEGHE Chapters of Celebration
do 15 19.30 Uhr Großer Saal
Musik
ELIADES OCHOA FROM BUENA VISTA SOCIAL CLUB
NOVEMBER 2026 mo 02 19.30 Uhr Großer Saal
Klassik
TONKÜNSTLER-ORCHESTER Kodály/Bartók/Schubert
sa 07 19.30 Uhr Großer Saal
Tanz
ANNE TERESA DE KEERSMAEKER . OPERA BALLET VLAANDEREN Bartók/Beethoven/Schönberg
do 12 19.30 Uhr Großer Saal
Tanz/Familie
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OHAD NAHARIN . BATSHEVA DANCE COMPANY Sadeh21
fr 27 sa 28 16.00 Uhr Bühne
Tanz/Familie
ROTKÄPPCHEN Sylvain Huc
mo 30 19.30 Uhr Großer Saal
Klassik
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