

Weinviertler Kellergassen
Das Markenzeichen der Region.
WEINVIERTEL.AT/KELLERGASSEN


Weinviertler Kellergassen
Die Weinviertler Kellergassen – das Markenzeichen von Österreichs größtem Weinbaugebiet – sind ein weltweit einzigartiges Weinkulturgut und prägen seit vielen Jahren das Weinviertel. Früher waren die Keller Produktions- und Lagerstätten des Weines. Heute werden sie im Rahmen von Kellergassenfesten oder Kellergassenführungen wieder zum Leben erweckt.
© Doris Schwarz-König
Geschichtliches
So wie schon die mittelalterlichen Zehentkeller wurden auch die Kellergassen mit Vorliebe in der Nähe der Weingärten angelegt, um einen möglichst kurzen Weg vom Weingarten zum Press-

haus bzw. zum Keller zu haben. Deshalb befinden sie sich meist außerhalb des Ortes oder an dessen Rand. Vornehmlich wurden die Keller in den Löss von Weinbergen oder in die Seitenwände von Hohlwegen gegraben.
Der Großteil der Kellergassen stammt vor allem aus der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die von den Weinhauern errichteten Kellerröhren und vorgelagerten Presshäuser waren reine Zweckbauten, die ohne größere Planung errichtet wurden. Sie dienten allein der Weinproduktion und/oder der Lagerung von Wein oder anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Die Anlagen gliedern sich in drei wesentliche Teile: Presshaus oder „Vorkappl“ (wenn kein Presshaus vorhanden war), Kellerhals (im Wesentlichen der Abgang) und Kellerröhre. Die Wände der Presshäuser wurden hauptsächlich aus ungebranntem Lehm oder aus Ziegeln errichtet und gekalkt. Die weißen Wände und die blau-grüne Verfärbung der mit Kupfer-Sulfat eingestrichenen Holztüren geben den Kellergassen ihr charakteristisches Aussehen.
© Julius Hirtzberger
Kulturelle Bedeutung
Die Kellergassen waren nicht nur Arbeitsstätten. Durch die arbeitsbedingten Zusammenkünfte und die zumeist vom Ort abgelegene Lage entwickelte sich um sie auch ein reiches kulturelles Brauchtum. Vor allem für die männliche Ortsbevölkerung waren die Kellergassen auch ein Begegnungszentrum.
Kürzlich wurde die Weinviertler Kellerkultur auch in das nationale Verzeichnis des Immateriellen UNESCOKulturerbes in Österreich aufgenommen. Darunter versteht die UNESCO verschiedenste Künste, gesellschaftliche Praktiken, Bräuche, Feste, Naturwissen oder Handwerkstechniken, die von Menschen ausgeübt, weitergegeben und weiterentwickelt werden.

Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens entwickelt, heißt es von der UNESCO. Wesentlich ist das Zusammenkommen von Menschen in Presshäusern und Kellern.
Mit der Weinviertler Kellerkultur hat sich eine spezielle
Die Traditionen reichen vom „Köllamaunn“ (Kellermann) über die „Köllastund“ (Kellerstunde) und die „Köllapartie“ (Kellerpartie) bis hin zur „Köllajausn“ (Kellerjause).
© Sophie Menegaldo
Kellergassenführung
Um den Weinviertler Kellergassen so richtig auf die Spur zu kommen, empfiehlt sich die Teilnahme an einer Kellergassenführung. Ein eigens dafür ausgebildeter und zertifizierter Guide bietet dabei viele spannende und historische Fakten rund um die Kellergassen, ihre Kultur und den Weinbau im Weinviertel.
Erhaschen können Sie dabei auch einen Blick in die Presshäuser, die sich meist wie Perlen an einer Kette in der Landschaft aneinanderreihen und mit etwas Glück geht es auch hinab in eine der dunklen Kellerröhren, wo früher der Wein gelagert wurde.
Zum Abschluss darf ein Achterl Wein nicht fehlen!
Regelmäßige Kellergassenführungen werden beispielsweise in der Kellergasse „Galgenberg“ in Wildendürnbach, in der Kellergasse „Maulavern“ in Zellerndorf sowie in den Poysdorfer Kellergassen geboten.
Termine: www.weinviertel.at/kellergassenfuehrungen
Alljährlich wird am Freitag nach Christi Himmelfahrt die „Lange Nacht der Kellergassen“ gefeiert. Mit Fackeln und Laternen ausgestattet, können Sie dabei die Weinviertler Kellergassen in nächtlichem Ambiente erkunden.

© Sophie Menegaldo


Tradition der Geselligkeit
Anno dazumal gehörte die tägliche Kellerstunde für die Weinbauern zum Alltag. Es entwickelte sich in den Kellern und Presshäusern eine eigene Kultur, bei der neben dem Wein gemeinsames Essen und Trinken, sowie Singen und Feiern im Vordergrund standen.
Die Tradition der Geselligkeit in der Kellergasse besteht bis heute! Zahlreiche Kellergassen- und Weinfeste laden zum gemütlichen Beisammensein und zum Genuss regionaler Köstlichkeiten und Weinviertler Weine ein.
Kellergassenfeste
Weinfeste gibt es viele. Ganz besonders ans Herz legen möchten wir Ihnen jedoch jene, die in den Weinviertler Kellergassen stattfinden.
Umgeben von Presshäusern etwa in den Kellergassen „Oagossn“ in Falkenstein, „Große Kellertrift“ in Haugsdorf oder in Pillichsdorf lässt es sich ideal feiern & genießen!
www.weinviertel.at/ kellergassenfeste
© Michael Reidinger
Weinviertler Kellergassenkulinarium
Der perfekte Sommerabend:
Schlendern Sie mit Gleichgesinnten in einer romantischen Kellergasse von einem Keller zum nächsten und lassen Sie sich von Spitzen-Köchen kulinarisch verwöhnen.
Jeder Gang wird in einem anderen Keller eingenommen und jedes der Presshäuser hat seinen eigenen Charme.
www.weinviertel.at/ kellergassenkulinarium
Advent in der Weinviertler Kellergasse
Die malerischen Kellergassen des Weinviertels verwandeln sich in der Vorweihnachtszeit in stimmungsvolle Advent-Kulissen. Verführerische Düfte dringen aus dem Inneren der Weinkeller und locken die Besucher hinab in die unterirdische Welt der Kellerröhren, etwa im Kellerdorf „Loamgrui“ in Unterstinkenbrunn, in der längsten Kellertrift des Landes in Hadres oder „Am Kellerberg“ in Mannersdorf.
www.weinviertel.at/advent


Aktiv in der Kellergasse
Ob zu Fuß mit Wanderschuhen oder per Fahrrad: Die malerischen Kellergassen des Weinviertels lassen sich auch sportlich-aktiv erkunden. Vor allem die zahlreichen Weinradrouten führen neben den schönsten Weinlagen häufig auch durch Kellergassen.
www.weinviertel.at/radfahren
Halten Sie nach den Weinviertler Radlerrasten Ausschau, hier können Sie eine Pause einlegen!

Unser Tipp
Urlaub mit Weinblick
Urlaub im Weinviertel bedeutet Urlaub beim Wein. Für das i-Tüpfelchen oder die pfeffrige Note - wie wir im Weinviertel sagen - sorgen außergewöhnliche Unterkünfte. Inmitten einer charmanten Kellergasse oder mit Blick auf die Weite der mit Weinreben durchzogenen Landschaft sind Weinliebhaber an der richtigen Adresse!
Einen exklusiven, unvergesslichen Urlaub garantieren zu Unterkunftsmöglichkeiten umgebaute Presshäuser. Die Premium-Hideouts als wahre Rückzugsoasen finden Sie beispielsweise in der Kellergasse „Zipf“ in Mailberg, in der Kellergasse in Grub an der March sowie in der Roseldorfer Kellergasse.
Adressen im Überblick: www.weinviertel.at/ urlaub-mit-weinblick


Begriffe rund um die Kellergasse
HIATAHITTN, WEINGARTHITTN
Die Weingartenhütten oder Hüterhütten hatten zwei Funktionen. Einerseits waren sie Unterstand für die lange Zeit bis in die 1950er Jahre eingesetzten Weingartenhüter, zum anderen dienten sie auch als Unterstand bei den Lesearbeiten. Sie konnten verschiedene Formen haben. Manche (darunter auch die ältesten) wurden in die Lössböschung gegraben, andere wurden aus Holz errichtet. In späterer Zeit wurden sie auch gemauert.
HOHLWEG
Durch die Zusammenwirkung von witterungsbedingter Erosion und langjähriger Benutzung als Viehtrift schnitten viele Wege tief in den Löss. Dadurch entstanden Hohlwege, die von seitlich aufragenden Lösswänden gesäumt aus den Ortschaften bzw. zu den ehemaligen Weiden und Weingärten führen. In die Lösswände wurden bevorzugt Kellerröhren gegraben. Im Weinviertel gibt es viele solcher Hohlweg-Kellergassen, beispielsweise den „Radyweg“ in Poysdorf sowie die Kellergasse in Oberkreuzstetten.
KALMUCK/KALMUCK-JANKER
Bezeichnung für ein BaumwollDoppelgewebe. Der Name leitet sich der Überlieferung nach von den Kalmücken ab, welche den
Stoff als Satteldecken verwendet hätten. Der Kalmuck-Janker (Jacke aus diesem Stoff) wurde von der Wachau ausgehend zur traditionellen Tracht der Weinhauer.
KÖLLASCHLIESSL, KELLERSCHLÜSSEL
Meist ein ziemlich großer Metallschlüssel, manchmal verziert, welcher die Tür zum Keller und/ oder zum Presshaus davor sperrt. Der Schlüssel hatte nicht nur eine praktische Funktion, sondern besaß auch einen hohen Symbolgehalt. Er war quasi das „Zepter“ des Weinhauers. Das Überreichen des Kellerschlüssels an den Sohn des Weinhauers hatte eine wichtige Bedeutung und hob die soziale Stellung des Sohnes.
KÖLLAZÖGA, KÖLLAZEGA, KÖLLAKÖRBL
Zumeist aus Leder oder fallweise auch Stroh gefertigtes, verschließbares röhrenförmiges Behältnis, in welchem ein oder zwei Flaschen Wein – häufig „Doppler“ (Doppelliterflasche) – transportiert werden konnten.
DOPPLER
Doppelliterflasche Wein; war früher im Weinviertel die häufigste Flaschenform im Weinhandel. In Wirtshäusern und beim Heurigen wurde darin oft der Schankwein angeboten.
KÖLLAGATSCH
Traditioneller Brotaufstrich, der vornehmlich bei „Offenen Kellertüren“ und Heurigen angeboten wird. Die Zusammensetzung variiert zwischen den Weinbauregionen des Weinviertels. So werden neben Essiggurken und Pfefferoni im Osten Surbraten, Eier und Käse mit Salz und Pfeffer und im Westen (Pulkautal) Speck und/oder Schweinsbraten, Zwiebel, Knoblauch und Topfen mit Pfeffer aber ohne Salz fein zerhackt und mit Mayonnaise, Senf und Ketchup bzw. nur mit Ketchup verrührt und auf das Brot gestrichen.
STURM
Bezeichnung für den vergärenden Traubensaft im Stadium zwischen Traubenmost und Wein.
GAITLOCH, GAITTÜRL, SCHOSSKOA-TÜRL
Meist rechteckige Öffnung in der Presshauswand in Bodennähe, durch die die Maische mittels einer Rutsche (Gait, Schoßkoar) in das Presshaus eingebracht wurde.
HAUER, WEINHAUER
Der Name leitet sich vom „Hauen“, der häufigsten Arbeit im Weingarten, ab. Die Bezeichnung Winzer hat heute die alte Berufsbezeichnung weitgehend verdrängt.
KÖLLAMAUNA
Männer (Hauer, Winzer, Käufer, Händler etc.), die sich in den Kellergassen und Kellern trafen, um Geschäftliches und anderes zu besprechen (Köllapartien). Frauen waren davon ausgeschlossen.
KÖLLAKOTZ, KELLERKATZE
(1) Es heißt, dass sich in jenem Fass, auf welches sich die Katzen legten oder setzten, der beste Wein befand - der Inhalt des Fasses gärte am längsten. Somit wurde es zu einem Brauch, eine aus Holz geschnitzte Kellerkatze auf das Fass mit dem besten Wein zu setzen.
(2) Ein weicher, meist schwarzer Kellerschimmel, der sich wie Katzenfell anfühlt. Durch die Luftfeuchtigkeit und Dämpfe in vielen Kellern bildet sich an den Kellerwänden häufig schwarzer Kellerschimmel, der ideal zur Luftfilterung beiträgt und gleichzeitig ein Indikator für optimale Lagerbedingungen ist.
KÖLLASTUND
Die Keller und Presshäuser dienten nicht nur der Weinproduktion, sondern häufig auch den Weinhauern und ihren Bekannten als Aufenthalts- und Rückzugsort. Wenn sich Leute zum Verkosten von Wein und dem Austausch von Gedanken in den Kellern und Presshäusern treffen, spricht man von den „Köllapartien“ oder der „Köllastund“ (die Dauer war freilich zumeist um ein Vielfaches länger als eine Stunde).

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Stand: Oktober 2024
© Sophie Menegaldo