NEUE GRUPPE NEWS Heft 38 +++ Herbst 2012
38 2 Glückwünsche 3 Editorial KURSBERICHTE: 4 Workshop Veneers/Prof. Magne 6 Digitale Zahnmedizin – JT 2011 10 Berner Parodontologie... 13 Implantate: ästhetische Zone 14 Komposit Frontzahnkurs 16 Cerec 4 – Arbeitskurs 17 Kommunikation in der Praxis 18 Full Mouth adhesive rehabilitation, A to Z 19 Frühjahrstagung 2012 20 Vitoria 2012 22 Periodontology in Rom 24 S. Beuer: Augmentation mit allogenem, gefrästen Knochen 29 S.Paul/U.Held: Immediate supracrestal implant placement...
36 T.Bischof: Zahngesundheitsvorsorge beim Zahnarzt 38 D. Siebers: Sofortfunktion in der ästhetischen Zone 40 NEUE KURSE 42 NACHRUFE
TRADITION+INNOVATION WWW.NEUE-GRUPPE.COM
Glückwünsche Herzliche Glückwünsche zum 87. Geburtstag senden wir an Knud Schmidt-Diemel zum 15.02.2012. Seinen 86. Geburtstag feierte am 26.11.2011 Rüdiger Thümmel, auch hierzu unsere besten Wünsche, ebenso wie an Alfred Beck, der seinen 83. Geburtstag am 29.01.2012 feierte. Zum 75. Geburtstag gratulieren wir ganz herzlich den Jubiliaren Wolfram Hahn zum 30.10.2011, Wilhelm Beckenbach zum 20.01.2012, Hans Arkenbout zum 27.03.2012, unserem PastPräsidenten und Ehrenmitglied J. Peter Engelhardt zum 16.05.2012, sowie Jochen Gieseler, der seinen Geburtstag am 17.08.2012 feierte. Ihren 70. Geburtstag feierten am 18.11.2011 unser Past-Präsident Hartmut Hennies und die Freunde Ulrich Bube am 02.12.2011, Jürgen Dapprich, am 18.01.2012, Hans-Joachim Engelhardt am 02.03.2012, Lavinia Flores-de-Jacobi am 24.05.2012, Knut Schuppan am 30.07.2012, Jürgen Bretthauer am 23.08.2012 und Jürgen Schenk am 29.09.2012. Jürgen Dapprich gratulieren wir gleichzeitig zur Ernennung zum Ehrenmitglied in der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und –therapie. Zum 65. Geburtstag gehen unsere Glückwunsche an die Freunde Ulrich Klimberg (08.11.2011), Gerhard Müther (15.12.2011), Wolfgang Drücke (24.01.2012), Franz Meyer (19.02.2012), Norbert Grosse (13.09.2012), Wolfgang Bolz (22.09.2012), Walter Schneider (01.10.2012) und Jean – Francois Roulet (16.11.2012). Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag an Gerd Körner zum 18.02.2012, Angela Fischer zum 28.07.2012, Dieter Edinger zum 16.08.2012 und Christian Lohbeck zum 28.08.2012. Den 50. Geburtstag feierten am 02.05.2012 Ulrich Konter, am 21.08.2012 PP Alessandro Devigus, am 13.09.2012 Reiner Mengel, am 04.11.2012 VP Reinhold Rathmer und am 19.11.2012 Ernst Vöpel. Auch hierzu alle besten Wünsche. Die Freunde der NEUEN GRUPPE gratulieren allen Jubilaren von Herzen und wünschen ihnen Glück und Gesundheit!
Impressum Copyright 2012 NEUE GRUPPE News. Herausgeber: NEUE GRUPPE, wissenschaftliche Vereinigung von Zahnärzten. Redaktionelle Leitung: Dr. Walter Kaiser Das Journal und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. www.neue-gruppe.com E-Mail: mkg@kieferpraxis.de Konzeption, Gestaltung und Produktion: Graphicon GmbH, Frankfurt am Main
Editorial
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
3
Editorial
Liebe Freunde, Goethe fasst das Symbol auf als „aufschließende Kraft“, „die im Besonderen das Allgemeine (und im Allgemeinen das Besondere) darzustellen vermag“. Das ursprüngliche Emblem unseres Vereins leitet sich vom Posselt-Diagramm her, das die Grenzbewegungen des Unterkiefers beschreibt. Es symbolisierte damals die intensive Beschäftigung der Gruppe mit gnathologischen Themen. Später kamen dann andere Bereiche der Zahnmedizin dazu und besonders die Parodontologie nahm einen großen Raum ein. Mit dem Posselt-Diagramm konnten sich nicht mehr alle Mitglieder uneingeschränkt identifizieren. Ferdinand de Saussure beschreibt das Symbol als einen Bedeutungsträger, bei dem zwischen der Form des Zeichens und dem, was es ausdrückt, noch ein gewisser Ähnlichkeitsbezug, ein Rest einer natürlichen Verbindung besteht. Es wurde also diskutiert, unser Emblem zu verändern, um den veränderten Interessen unserer Mitglieder an dieser Stelle gerecht zu werden. Als Ergebnis fügten wir dem alten Symbol einen roten Punkt hinzu, der nicht etwa die Parodontologie, sondern vielmehr den Tropfen Herzblut wiedergibt, mit dem wir unseren Beruf betreiben wollen.
Meine erste Mitgliedsnadel war klein und grün/beige. Der rote Punkt fehlte, obwohl ich mich gerade mit ihm besonders identifizieren konnte. Es war noch eine alte Nadel. Es waren noch genug da. Es war noch nicht nötig, eine neue zu entwerfen. Auch das kleine Ringbuch mit den Adressen der Mitglieder war grün. Das Symbol war auch das Alte. Die dann folgende Mitgliedsnadel war anders: sie war größer, silber, trug aber das geänderte Emblem. Auch davon hatten wir jetzt keine mehr. Bei der nun notwendigen Neuanfertigung einer Mitgliedsnadel haben wir uns wieder an der ursprünglichen orientiert. Die Größe und das Grün haben wir wieder übernommen. Der nun ergänzte rote Punkt hat die Farbe „Ochsenblut“! Sie passt gut zu unserem Grün, ist blutig und die Bezeichnung stimmig. In der Philosophie beziehungsweise der Ästhetik ist ein Erkennungszeichen, einfach in der Form, reich und tief im Sinn. Wir hoffen, dass Euch unsere neue Mitgliedsnadel gefällt. Tragt sie in Ehren!
Euer
Jan Halben
4
Berichte: 45. Jahrestagung 2011 in Zürich
Veneers: State of the art. Adhäsive Versorgung von Frontzähnen. Workshop von Prof. Dr. Pascal Magne, 45. Jahrestagung der Neunen Gruppe in Zürich VON DR. WALTER DENNER, FULDA Workshop von Prof. Dr. Pascal Magne, 42. Jahrestagung der NEUEN GRUPPE in Zürich: Veneers: State of the art. Adhäsive Versorgung von Frontzähnen. Am 27. Oktober 2011 begann die NEUE GRUPPE ihre 45. Jahrestagung mit einem Highlight: Der Präsident der NEUEN GRUPPE, Dr. Alessandro Devigus präsentierte den Top-Referenten Prof. Dr. Pascal Magne. Magne hielt im Züricher Hotel Marriot einen sehr gut besuchten Workshop ab und berichtete einen Tag lang über die adhäsive Versorgung von Frontzähnen mit Veneers. Es sollte ein Update zu seinem 2002 erschienen Bestseller „Bonded Porcelain Restorations in Anterior Dentition – a Biomimetic Approach“ sein, welches mittlerweile in acht Sprachen erhältlich ist. Wenn man ein Schnäppchen machen wollte, so Magne, dann könne man sich die chinesische Ausgabe bestellen: Für nur 30 $ und mit halb so vielen, dafür aber fast durchsichtig dünnen Seiten sei es schon zu haben. Der gebürtige Schweizer aus La Chaux-de-Fonnier berichtete von seinen Wurzeln und würdigte seine Mentoren Prof. Belser aus Genf und Prof. Douglas aus Minnesota. Mit seinem Bruder Michel Magne ist er seit 2004 in Los Angeles an der University of Southern California als Associate Professor tätig. Mit ihm zusammen gibt er den Workshop „Four days with Magnes“. Diese Fortbildung komprimierte er für uns auf einem Tag mit einem Magne. Er begann sein Fortbildungsprogramm mit dem klinischen Fall einer Frontzahnneuversorgung mit einer Implantatkrone und Veneers. Für ihn ist es essentiell, zuerst die Zähne mit Veneers zu versorgen. Dadurch wird es erst möglich, die Farbe für die Implantatkrone exakt zu bestimmen und diese mit kleine Flügeln im Approximalbereich auszustatten („mini-wings“), um keine schwarzen Dreiecke entstehen zu lassen. Er stellte die minimal-invasive Zahnhailkunde als seinen höchsten Wert vor – die einzig wahren Konzepte seien die, welche die Pulpa am Leben lassen. Die in seinem Buch beschriebenen biomimetischen Prinzipen (Wechselwirkung zwischen Biologie, Mechanik, Funktion und Ästhetik) haben
nichts an ihrer Bedeutung verloren. Er verglich den Zahnaufbau mit verschiedenen Restaurationsmaterialien: Zahnschmelz mit Feldspatkeramik, Dentin mit Komposit und die Schmelz-Dentin-Grenze mit Bonding. Beim Thema Bonding macht er keine Kompromisse. Es gäbe weit über hundert verschieden Adhäsive am Markt, aber nur wenige würden richtig gut funktionieren. Die dentale Welt sei beim Adhäsiv in „totaletch“ und „self-etch“ geteilt, wobei er das erstgenannte für besser hält und OptiBond FL von KerrHawe benutzt. Beim „total-etch“ Verfahren wird immer vom Drei-Schritt-Adhäsivsystem gesprochen, jedoch wird dabei ein wichtiger Schritt vollkommen vergessen: das Lichthärten! Damit kommt er zur Frage, wann man beim Einsetzen von Keramikrestaurationen aushärten soll? Wenn man es unmittelbar vor dem Einsetzten aushärtet, passt die Keramik nicht mehr. Das Bonding mit Druckluft so auszudünnen, damit es nicht stört ist auch keine gute Lösung, da es dann aufgrund der Sauerstoffinhibitionsschicht gar nicht mehr aushärten kann. Seine Lösung ist: Härten Sie vor der Abformung! Er nennt es „immediate dentin sealing – IDS“. Er empfiehlt dies für jede indirekte Restauration. Zu diesem Thema wurde schon sehr viel Wissenschaft betrieben, vor allem in Japan, wo es unter dem Begriff „resin coated“ bekannt ist. Bei der Abformung mit Impregum ergeben sich dabei aber Probleme, da die gebondete Oberfläche damit verklebt. Besser seien dafür Abformmaterialien auf Silikonbasis. Zur Reaktivierung beim Einkleben strahlt er die versiegelte Oberfläche mit einem Feinstrahlmittel ab, ätzt die Zahnoberfläche an, trocknet gut und bringt eine zweite Phase des Bondings (OptiBond FL) auf. Pascal Magne bespricht die Indikationen für Veneers. Dabei schlägt er den Ausdruck „bonded porcelain restauration – BPR“ als besseren Begriff für Veneer vor. Im übrigen macht er keine „no-prep-veneers“, er sieht darin keinen tieferen Sinn. Er und sein Bruder als Zahntechniker haben gerne eine klar definierte Grenze (0,3 mm reichen bei einer Klasse IV Situation), an der die Restauration endet. Dadurch habe man zwar einen
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012 geringen zusätzlichen Substanzverlust, dafür aber eine perfekte Situation beim Einkleben und sehr wenig Probleme bei der Entfernung der Überschüsse. Des weiteren empfiehlt er, am Zahn keinen Opaker zu verwenden, da dies die Haftwerte deutlich verringere. Als Beispiel einer Standardversorgung eines Zapfenzahns zeigt er einen alten Fall und verdeutlicht an einem anderen Beispiel seine neue Herangehensweise. Bei palatinal eingeschränkten Platzverhältnissen geht er von bukkal mit Keramik und von palatinal mit einem Kompositveneer heran, um maximale Substanzschonung zu erzielen. In Belastungstests zeigt diese bilaminäre Versorgung aus Komposit und Keramik dieselbe Festigkeit wie ein natürlicher Zahn. Bei einem vitalen Zahn könne man mit Veneers die Natur kopieren, bei endodontisch behandelten oder parodontal geschädigten Zähnen sie nur simulieren. Zur Lösung dabei sprach er wieder die approximalen „mini-wings“ an. Dafür dürfe man aber die Schneidekanten niemals mit einer palatinalen Stufe überkuppeln. Durch den Zugang von frontal könne man viel schonender präparieren. Um bei diesem bukkalen Zugang die mini-wings nutzen zu können benutzt er das Komposit, mit welchem er die Veneers zementiert um Übergänge palatinal auszugleichen. An einem Fall mit einer Beobachtungszeit von 18 Jahren verdeutlicht er den Effekt der mini-wings. Er legt Fäden übrigens nur, wenn er schwarze Dreiecke mit den mini-wings schließen möchte. Sonst verzichtet er auf das Fadenlegen bei der Präparation. Bei der Umsetzung in Keramik werden die mini-wings dunkler und opaker gestaltet als der Rest des keramischen Zahnsschmelzes. Ein kleines Detail zur Perfektion der Ästhetik als Update zu seiner damaligen Behandlungsweise sei, mit Komopsit am Nachbarzahn ebenfalls mini-wings anzubringen. Zur Farbe schlägt er A4 oder dunkler bei einer Grundfarbe A2 vor. Dies sei eine weitere Möglichkeit, Keramikveneers mit direkter Komposittechnik zu kombinieren. Danach ging Pascal auf die Frage ein, um wie viel man die Schneidezähne verlängern könne? Er sagt, bis zu 2 mm seien möglich, jedoch dürfe man die palatinale Konkavität nicht in die Präparation mit einbeziehen. Eine intraorale Simulation mit einem Provisorium böte sich an. Es sei besser, dieses Provisorium solange zu wiederholen, bis die Situation passe, als den ganzen Fall neu machen zu müssen. Eine weitere interessante Möglichkeit um in der vertikalen Platz zu gewinnen, bietet ein aus Komposit angebrachter Jig auf der Palatinalfläche. Nach dem Dahl’s Prinzip kommt es zu einer Extrusion der Seitenzähne. Nach einem Monat Tragezeit haben bereits die Prämolaren wieder Kontakt. Die Molaren kommen ebenfalls mit der Zeit nach. Diese Vorgehensweise führte zu vielen Fragen bei der Diskussion. Bei Implantatfällen in Kombination mit Veneers zeigt er einen Fall mit einem individuellen metallkeramisch verblendeten Abutment, auf das ein Veneer aufgeklebt wurde. Dadurch kann man aus derselben Feldspatkeramik die Veneers und die Implantatkrone bzw. –veneer herstellen. In Bezug auf Implantate gibt er einen Ausblick in die Zukunft und berichtet von Komposit basierten Abutments. Diese zeigen in Versuchen dieselben Überlebensraten wie Zirkonabutments, fühlen sich
Berichte: 45. Jahrestagung 2011 in Zürich
5
aber beim Patienten eher als richtiger Zahn an. Als Material für die CAD/CAM gefrästen Kompositabutments wurden Lava Ultimate Blöcke von 3M benutzt. Um zu untermauern, dass anders denken zu neunen Erkenntnissen führen kann, zeigt er den berühmten Apple Werbefilm „Crazy ones“ zu deren Think different Kampagne aus dem Jahr 1997. Sein Pascal Manges Motto lautet: „Think biomimetic“. Magne zeigt in vielen weitern Fällen seine Herangehensweise. Zuallererst tauscht er alte Kompositfüllungen aus, danach werden Silikonabrücke für ein Wax-up genommen. Daraus wird ein Mock-up im Mund aus Provisoriumsmaterial gemacht. Der Patient bekommt aber keinen Spiegel, sondern ein ausgedrucktes Foto, damit er sich nicht seitenverkehrt sieht. Beim Wax-up gilt es, Volumen in den Zahn zu bringen, dadurch sieht er jünger und unverbrauchter aus. Beim perfekten Wax-up haben Wachs und Gipsmodell dieselbe Farbe. Als Tipp bei Zahnfehlstellungen (z.B. Drehstand mit Überlappung): Veneers nicht als schnelle KFO missbrauchen, das führt zum Misserfolg! Das Mock-up wird individualisiert, bemalt und glasiert. Hier zeigt sich Magnes Hang zum Perfektionismus. Bei der Präparation dient es auch als Tiefenmarkierungshilfe, wodurch unnötige Substanzverluste vermieden werden. Die Präparation ist immer rund, wobei man im Mund aufgrund von Transluzenzen dies nicht immer sieht. Er hat ein Präparationsset von Komet. Bei der Präparation belässt er seine eigenen Kompositrestaurationen. Nach der Präparation wird ggf. freigelegtes Dentin versiegelt, Stichwort IDS (= Immediate dentine sealing). Um das Bonding von OptiBond FL präzise aufzutragen, benutzt er eine PASonde. Magne benutzt IDS auch bei nicht retentiven, kurzen Kronenpräparationen. Durch IDS kann man die Retentivität um bis zu 55 % erhöhen. Provisorium: Magne nimmt keine provisorischen Zement, sondern nutzt die Schrumpfung des Materials zur Befestigung des Provisoriums. Den Halt steuert er über das Ausblocken der Approximalräume mit Wachs. Dadurch bekommt das Provisorium eine interdentale Verankerung. Einziger Nachteil ist die nur einmalige Verwendbarkeit, da es sich nicht mehr reponieren lässt. Einkleben: Pascal verwendet keinen speziellen Einsetzzement, sondern ein auf 55° erwärmtes Feinhybridkomposit, welches fluoreszierende Eigenschaften hat (Enamel HFO). Von fließfähigen oder dualhärtenten Kompositklebern rät er ab, da erste schlechte mechanische Eigenschaften und letztere eine schlechte Farbstabilität haben. Ebenfalls empfiehlt er das Angebot des Labors auszuschlagen, die Veneers im Labor ätzen und silanisieren zu lassen, da dies die Einprobe nicht übersteht. Vorbehandlung der Keramikveneers: Die Veneers werden nach der Einprobe mit Flusssäure geätzt, wobei Feldspatkeramik für 90 Sekunden mit 10 % HF-, andere Werkstoffe, wie z. B. Emax mit 5% HF- für 20 Sekunden. Danach mit Phosphorsäure abwischen und für 2-4 Minuten ins Ultraschallbad. Es dürfen keine weiß-opaken Verschmutzungen mehr auf der geätzten Keramikoberfläche zurückbleiben. Danach wird silanisiert,
6
Berichte: 45. Jahrestagung 2011 in Zürich
wobei dieser Vorgang nicht zu lange dauern darf, da nur eine monomolekuleare Schicht Silan auf der Oberfläche benötigt wird. Eine zu dicke Silanschicht kann auch mit heißem Wasser abgespült werden. Danach wird mit einem Fön für eine Minute getrocknet, bis kein Oberflächenglanz mehr vorliegt. Abschließend wird das Bonding von OptiBond FL aufgetragen. Vorbehandlung der Zähne: Die Oberflächen werden mit einem intraoralen Sandstrahler angeraut und danach mit 35 %-iger Phosphorsäure geätzt. Da das Dentin schon komplett versiegelt ist, kann vollständig getrocknet und das Bonding aufgetragen werden. Primer ist hier nicht mehr notwendig, da kein Dentin freiliegt. Die Veneers werden dann einzeln mit dem erhitzten Komposit beschickt und aufgeklebt. Die Überschüsse können bequem und ohne Zeitdruck entfernt werden, bevor die Lichthärtung über alle Flächen beginnt. Er härtet insgesamt 90 Sekunden von palatinal, je 60 Sekunden von mesio-bukkal und disto-bukkal. Auf dem letzten Dia präsentierte sich Magne als James Bond mit der „Licence to Opti-BOND und damit schloß Pascal Magne im „adhäsiven Sinne“ seinen Workshop. Im Anschuss an den Vortrag entsteht eine rege Diskussion unter anderem zu den Themen Einkleben, Vorbehandlung der Keramik und zum Dahl’schen Prinzip. Dr. Alessandro Devigus führte durch die Fragen und dankte am Ende dem Referenten für den tollen Vortrag.
Digitale Zahnmedizin Diagnostik, Planung und Umsetzung Jahrestagung der Neuen Gruppe in Zürich Vom 27. bis 29. Oktober 2011 tagte in Zürich zum 45. Mal die NEUE GRUPPE.Thema der Tagung war in diesem Jahr die digitale Zahnmedizin. Der Hauptkongress wurde am 28.10. eröffnet von
PD Dr. Ronald Jung der mit seinem Arbeitstitel “The Digital Race (Today and Tomorrow)“ auch gleich den Rahmen spannt, in dem sich die Referenten in den nächsten beiden Tagen thematisch bewegen sollten. Auf unterhaltsame Weise inszeniert Jung den Zweikampf des digitalen und analogen Workflow, beispielhaft im Bereich der Implantologie und Implantat Prothetik. Von der prothetischen Planung, dem Imaging, der 3-D Planung, über die Schablonen, die Implantation und schließlich die endgültige Versorgung. Diese einzelnen Abschnitte der komplexen Implantatversorgung analysiert er bis ins Detail und stellt der analogen die digitale Vorgehensweise gegenüber. Sein Ergebnis ist, das schon heute beide Techniken zumindest im Zeitbedarf mindestens gleichwertig sind. Für die Zukunft, auch die nahe Zukunft, stellt Jung eine deutliche Vereinfachung des digitalen Workflow in Aussicht. Das würde in einer deutlichen Zeitersparnis gegenüber der analogen Vorgehensweise resultieren.
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
„Digitale Farbkommunikation in der modernen Zahnmedizin: Ein Vorteil“ (PD Dr. Stefan Paul) Bedenkt man die Bedeutung der Farbnahme und deren Kommunikation mit dem zahntechnischen Labor in unserem täglichen Handeln, würde man modernste digitale Techniken zur Farbbestimmung als alltäglichen Gegenstand unseres zahnärztlichen Handelns als selbstverständlich erwarten. Allerdings vermittelt PD Dr. Stefan Paul eine ganz andere Realität. 80% aller Zahnärzte bestimmen die Zahnfarben anhand des Vitapan Classic Farbrings. Weiterentwickelte Systeme, die auf der 3dimensionalen Farbtheorie und gleichmäßigen Zwischenschritten beruhen, konnten sich bislang nicht durchsetzen. Grundsätzliche Probleme der Farbauswahl mit Kunststoff Farbschlüsseln bestehen in der subjektiven Farbwahrnehmung des Betrachters und in den teilweise erheblichen Abweichungen selbst bei Farbringen eines Herstellers. Auch die Zuhilfenahme digitaler Fotos bei der Farbkommunikation mit dem Labor liefert meist keine optimalen Ergebnisse, weil die Fotos häufig fehlbelichtet sind und die Monitore und Kameras der jeweiligen Parteien exakt aufeinander abgestimmt sein müssen. Digitale Farbbestimmung anhand spektrophotometrischer Geräte könnte hier die Lösung sein. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Geräte relativ teuer und die wissenschaftliche Datenlage noch sehr gering. Zudem geben die von der Industrie auf dem Markt erhältlichen Keramikmassen und Komposite noch nicht unbedingt die digital detektierten Farben auch letztlich wieder. Dennoch zeigen aktuelle Studienergebnisse einen deutlichen Hinzugewinn und Vorteile bei der adjuvanten Anwendung digitaler Farbmeßgeräte gegenüber der konventionellen visuellen Farbauswahl.
Berichte: 45. Jahrestagung 2011 in Zürich
7
für Paque vor allem die digitalen Evaluationstechniken in der Wissenschaft eine große Rolle. Paque, einer der weltweit renommiertesten Forscher auf dem Gebiet des Mikro-CT, stellt hier aktuelle Ergebnisse aus den Bereichen Kanalaufbereitung, mechanische und chemische Reinigung, und Mikroanatomie der Dentition vor. Vor allem die animierten detailgenauen Darstellungen seltener Anatomien und Überlagerungsdarstellung prägen sich ins Gedächtnis ein.
„Dynamische Okklusion und virtueller Artikulator“ (Prof. Dr. Albert Mehl) Einen ersten Überblick über den Stand der digitalen Abformung und der statischen und dynamischen Okklusionsregistrierung liefert Albert Mehl. Gute Ergebnisse zeigen die verfügbaren Verfahren bereits im Bereich der Einzelrestaurationen. Ebenfalls mit hoher Präzision werden kleinere Brücken dargestellt. Problematisch sind die digitalen Abformverfahren derzeit noch bei großen Brücken, vor Allem bei mehr als einem Quadranten, und Implantatabformungen. Darstellungen kompletter Kiefer sind zur Zeit noch mit zu großen Abweichungen behaftet. Die statische Okklusion lässt sich mithilfe des optischen Matchings schon sehr gut darstellen, in der dynamischen Okklusion bedient sich Mehl derzeit noch „Umwegen“ über mechanische Verfahren. Zukunftsweisend könnte hier die Zuordnung einer ultraschallgestützten Bewegungsregistrierung zu einem optisch gescannten Modell sein.
„Einsatz moderner 3D – Techniken in der Kieferorthopädie“ (Prof. Dr. Christos Katsaros) „Die Endodontie im Zeitalter der digitalen Zahnmedizin“ (Dr. Frank Paque) Frank Paques Einleitungssatz „Jetzt wird’s ein bisschen schmutziger“ ließ das Publikum schmunzeln. Paques Aufgabe war es, zu beleuchten welche Fortschritte der Endodontie in den letzten Jahren der digitalen Revolution zu verdanken sind. Neben digitalen Instrumenten und Geräten in der täglichen Praxis wie die digitale Röntgentechnik oder die digitale Längenmessung sowie digital gesteuerten Motorsystemen spielen
Eine umfassende, konsequente Digitalisierung der kieferorthopädischen Praxis stellt Katsaros vor. Das beginnt hier schon mit der Verwaltung: Ein self-check-in erwartet den Business-Class-verwöhnten KFO Patienten. Die Erstellung von digitalen dreidimensionalen Fotografien mit unterschiedlichen Systemen liefert beeindruckende Aufnahmen, Matching mit Röntgendaten, Überlagerungen, und Morphing werden möglich. Dies ist wichtig für Verlaufskontrolle und Forschung aber auch für die chirurgische Planung und die Epikrise. In näherer
8
Berichte: 45. Jahrestagung 2011 in Zürich „Implantat Navigation (Planung)“ (Dr. Pascal Marquardt & Dipl.-Ing. Florian Schober)
Zukunft will Katsaros auch die 4 D Fotografie, d.h. mit integrierter Bewegung und Funktion, einführen. Digitale Röntgentechnik ist Katsaros ebenso selbstverständlich. Standardmäßig plant er eher über 2D Aufnahmen. Für eine 3D-Kephalometrie liegen derzeit noch keine Vergleichsdaten vor. In selektionierten Fällen erstellt er auch ein DVT, lässt aber nicht unerwähnt dass aufgrund der hohen Strahlenbelastung eine enge Indikationsstellung nötig ist, zum Beispiel vor chirurgischer Therapie, bei Zahnverlagerungen oder zur Abklärung einer Ankylose. In Katsaros Praxis werden auch die Modelle digitalisiert. Das ermöglicht eine schlanke Praxisorganisation, bessere und einfachere Messmethoden und ein digitales Setup. Auch in der Behandlung selbst greift Katsaros auf digitale Verfahren zurück. Beispielhaft erwähnt er hier CadCam gefräste Apparaturen für die Lingualtechnik.
„DVT – Aktuelle Anwendungsgebiete und Limitationen“ (PD Dr. Dirk Schulze) Der Freiburger PD Dr. Dirk Schulze führt in seinem Vortrag anhand zahlreicher klinischer Patientenfälle anschaulich die Vorteile der DVT gegenüber der PSA auf. Während in den 2DProjektionen, bedingt durch die Überlagerungen nicht selten Fehldiagnosen oder nur Verdachtsdiagnosen resultieren, erlaubt die überlagerungsfreie Aufnahmetechnik der DVT klare Diagnosen, sofern der Betrachter über die dazu notwendigen Sachkenntnisse verfügt. Die Indikationen für DVT-Aufnahmen gehen weit über die Implantologie hinaus und erhalten immer mehr Einzug in der Kieferhöhlen-, Kiefergelenks-, Endo- und Paro-Diagnostik. Von geschätzten 20.000 weltweit im Einsatz befindlichen DVT-Geräten, befinden sich ca. 1300 Geräte im deutschsprachigen Raum, Tendenz steigend. Dem Referenten zufolge wird die Zukunft den „Flat Panel“-Geräten gehören, wobei überwiegend Kombinationsgeräte in die Praxis Einzug halten werden, bestehend aus PSA und DVT mit kleinem FOV (field of view).
Zum Auftakt am Samstag Vormittag präsentieren Dr. Pascal Marquardt und Dipl. Ing. Florian Schober als Team den aktuellen Standpunkt der schienengeführten Implantologie. Retrospektiv betrachten die beiden Referenten die Entwicklungen repräsentativer Planungsprogramme, wie zum Beispiel Nobel Guide und Med 3D, aber auch ihre persönlichen Lernkurven mit diesen Systemen anhand ausgewählter klinischer Patientenfälle über die vergangenen Jahre. Der heutige Stand der Implantat Navigation und 3D-Planung wird insbesondere unter den Aspekten der möglichen und notwendigen Präzision einzelner Systeme beleuchtet. Die Präzision wird letztlich nicht nur bestimmt von der Planungssoftware und dem Schienensystem an sich, sondern auch maßgeblich vom verwendeten Implantatdesign, der Knochenanatomie, der anatomischen Ausgangslage und natürlich der radiologischen Qualität. Während laborgefertigte Schienensysteme sich in ihrer Gestaltung häufig komplex und personal- bzw. zeitintensiv gestalten, sind fabrikgefertigte Schienensysteme meist noch zu kostenintensiv, langsam in der Erstellung und benachteiligt durch die zentrale Fertigung. Basierend auf der Erfahrung der vergangenen Jahre wird ein neues Planungssystem „smop“, der Firma „swissmeda AG“ ausführlich vorgestellt. Herausragende Merkmale dieses neuen Systems sind eine intuitive Benutzerführung und die Möglichkeit Modelle mit einem vorab erstellten DVT zu matchen und so digital eine Bohrschablone zu designen. Diese wird mit Hilfe eines 3D-Druckers produziert. Erste Vorabuntersuchungen der Abteilung von Prof. Hämmerle, Zürich, lassen schon sehr positive Ergebnisse erkennen.
„Digitale Abformung – Möglichkeiten und Grenzen eines neuen Workflows“ (PD Dr. Irena Seiler) PD Irena Seiler leitet mit ihrem Vortrag „Möglichkeiten und Grenzen eines neuen Workflows“ den Hauptteil der Samstags Session ein. Nach einer umfassenden Marktübersicht bewertet sie einzelne Systeme hinsichtlich der Richtigkeit und Präzision der Umsetzung. Sie stellt wiederum den analogen Workflow dem digitalen Workflow gegenüber und bewertet die Effizienz und Präzision. Laut Frau Seiler lässt sich eine sehr hohe Präzision erzielen allerdings ist dies sehr techniksensitiv. Nachteile der digitalen Techniken sind die teils noch recht sperrigen Kameras, Weichteillimitationen, eingeschränkte Platzverhältnisse im Molarenbereich, die Trockenlegung und die Dimensionsabweichungen bei Herstellung von Zahnersatz über große Spannen. Die einzelnen Systeme wurden dann von den Herstellern präsentiert.
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
„Innovative Restaurationsmöglichkeiten unter Einsatz der CAD/CAM-Technologie“ (Prof. Dr. Daniel Edelhoff) Zum Abschluss der Tagung präsentiert Herr Prof. Dr. Daniel Edelhoff aus München beeindruckende komplexe Patientenfälle, deren prothetische Rehabilitationen mit Hilfe von CAM/CAM gefertigten Werkstoffen hergestellt wurden. Besonders der Aspekt der minimalinvasiven Versorgung von natürlichen Zähnen mit geringem oder keinem Substanzverlust wird hervorgehoben. Beeindruckende erste Ergebnisse bei der langzeitprovisorischen Versorgung von funktionsgestörten Patienten mit CAM/CAM gefertigten PMMA-Kunststoffen auf entweder unpräparierten oder nur minimalinvasiv präparierten Zähnen in Form von „table-top“-Versorgungen lassen einen deutlichen Wendepunkt in der herkömmlichen prothetischen Versorgung erahnen. Interessant erscheint hierbei der Aspekt der Weiterverwendung dieser langzeitprovisorischen CAM/CAM gefertigten PMMA-Kunststoffversorgungen als Kunststoffaufbauten für die anschließende definitive Restauration. Deutlich erkennbar an den Ausführungen des Referenten ist der Wandel von analogen Vorgehensweisen in der restaurativen Zahnheilkunde zu digitalem Vorgehen, unter Verwendung biokompatibler Materialien und minimalinvasiveren Methoden. Insgesamt stellte die Tagung einen hervorragenden Überblick über die „digitale Zahnheilkunde“ dar. Der zu Anfang gespannte Bogen wurde mit den Vorträgen komplett geschlossen. Die digitale Zahnheilkunde hat auf breiter Front bereits jetzt in den Behandlungsalltag Einzug gehalten. Für die Zukunft sind noch große Schritte, vor Allem hin zu einfacherer Anwendbarkeit und größerer Wirtschaftlichkeit, zu erwarten.
Berichte: 45. Jahrestagung 2011 in Zürich
9
10
Kursberichte: Das Behandlungskonzept der Berner Parodontologie – Prof. Dr. Anton Sculean
Das Behandlungskonzept der Berner Parodontologie mit Prof. Dr. Anton Sculean 25./26. November 2011 Zu praxisgewohnten Öffnungszeiten begrüßte Prof. Dr. Anton Sculean um 8:15 die 19 Teilnehmer und stellte uns in einer kurzen Übersicht die Historie und verschiedenen Forschungsschwerpunkte der parodontologischen Sektion der Berner Universität dar. In einer anschließenden Führung durch die Klinik wurden uns insbesondere die parodontologische und oralhistologische Abteilung gezeigt. Insbesondere die Größe und moderne Ausstattung des Laborbereiches unter Leitung von PD. Dr. Bosshard beeindruckte sehr. Im ersten LiveOP Fall des Tages wurde durch Prof.Dr.G. Salvi eine Periimplantitis regio 12 behandelt. Das 2004 gesetzte Implantat wies präoperativ 7-8 mm Sondierungstiefe buccal auf. Die Darstellung des Defektes erfolgte mit einer Mikroskalpellklinge und kleinen vertikalen Entlastungsinzisionen. Die weitere Darstellung der Defektmorphologie und die Entfernung des Granulationsgewebes erfolgte mit Hilfe von Titanküretten. Das Kontaminierungsprotokoll erfolgte über Perioflow, H2O2 3% und abschließender Kochsalzlösung. Die Defektauffüllung wurde mit BioOss® und abschließender doppelschichtiger Abdeckung mittels einer BioGuide® Membran durchgeführt. Der Wundverschluss erfolgte spannungsfrei mit 6-0 Polypropylen-Fäden welche nach 10 Tage entfernt werden. Postoperativ sieht das Berner Protokoll neben der guten Plaquekontrolle eine Antibiotikagabe mit Amoxicillin und Metronidazol vor. Nach einer kleinen Kaffeepause erfolgte durch Prof. Dr. Anton Sculean die zweite Operation. Der Patient mit dünnem Gingivaphänotyp wies Rezessionen im Bereich regio 41,31 auf. Mit-
VON C. SAMPERS
tels Tunneltechnik und Bindegewebstransplantat sollte eine Rezessiondeckung, Weichgewebeverdickung und Verbesserung der Ästhetik erzielt werden. Nach Mobilisation des vestibulären Weichgewebes erfolgte die Entnahme des Bindegewebetransplantates im Gaumenbereich. Am Transplantat erfolgte keine Entfernung des Fettgewebes, allerdings wurden zusätzlich Schmelzmatrixproteinen auf das Transplantat appliziert. Den Grund für die zusätzliche Applikation von Schmelzmatrixproteinen auf das Bindegewebe sieht Prof. A. Sculean in der besseren Vitalitätserhaltung des Bindegewebes und verbesserten Proliferation der Fettzellen. Die zusätzliche Applikation von EDTA und Schmelzmatrixproteinen auf der Wurzeloberfläche soll mehr Attachment und eine bessere Wundheilung erzielen. Anschließend wurde das Transplantat in den vestibulären Tunnel eingezogen. Der abschließende Wundverschluß erfolgte mit einer Umschlingungsnaht mit gleichzeitiger Fassung des Transplantates. Postoperativ erfolgen Chlorhexidinspülungen, keine Antibiotikagabe und wöchentliche supragingivale Plaquekontrolle in der Klinik für die nächsten 4 Wochen. Den Nachmittag eröffnete Prof. Dr. G. Salvi mit dem Thema Behandlungsstrategie und Planung nach dem „Berner Konzept“. Anhand eines Patientenfalles erläuterte er uns das synoptische Konzept. Dieses sieht vier Phasen vor: Systemische Phase; nichtchirurgische Parodontaltherapie, chirurgische Parodontaltherapie, Erhaltungsphase mit den jeweiligen Reevaluationen. Der Einsatz von Antibiotika erfolgte an der Berner Universität im Wesentlichen nur bei fortgeschrittener chronischer oder aggressiven Parodontitis.
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012 Im zweiten Vortrag des Nachmittags referierte Dr. C. Ramseier zum Thema: Moderne Strategien zur Verbesserung der Patientenmotivation. Die Compliance der Patienten ist von vielen Faktoren abhängig. Besonders der Aufbau des Vertrauensverhältnisses führt zur Verbesserung der Compliance. Das Implementierungsmodell zum Aufbau einer guten Compliance, erfolgt über Schaffung eines Vertrauensverhältnis, Information, Motivierung und letztendlich Instruktion. Der anschließende Hands-On Kurs mit dem Ziel einer Rezessionsdeckung und Transplantatentnahme war perfekt vorbereitet und die Teilnehmer hatten die Möglichkeit Schnitt- und Nahttechniken durchzuführen und zu diskutieren. Der abendliche Ausklang fand dann in gemütlicher Runde in der Berner Altstadt statt. Auf Grund der gut bebilderten Speisekarte war es auch jedem Teilnehmer möglich die individuellen sprachlichen Hürden der Schweizer Sprache zu überwinden. Leider war wegen der vorgerückten Stunde und der fehlenden Hotelbar ein Ausklang im Hotel nicht mehr möglich, was auf Grund des langen Fortbildungstages und des geplanten frühen Beginns am Samstagmorgen aber auch durchaus begrüßt wurde. Am Samstagmorgen begann PD. Dr. Bosshard mit dem Thema „Biologie der parodontalen Wundheilung“. Nach einer Einführung in die verschiedenen Strukturen des gesunden Parodonts wurde die Biologie des erkrankten Parodonts besprochen. Idealerweise sollte natürlich ein neuer Wurzelzement mit neuem azellulärem Zement entstehen. Diese proliferative Phase dauert 3-15 Tage. Für den Erfolg der parodontalen Regeneration ist von daher die Stabilität des Blutkoagulum innerhalb der ersten 2 Wochen von entscheidender Bedeutung. Um diese funktionelle Integrität zu erreichen, ist die Schnittführung, die Größe des freigelegten Gebietes und die Stabilisierung des Gingivalappens durch entsprechende Nahttechnik (Cortellini & Tonetti; 2007,2009) wesentlich am Erfolg des Ergebnisses beteiligt. Im folgenden Vortrag stellte Dr. Sigrun Eick neue Entwicklungen in der antimikrobiellen Therapie vor. Die Zusammensetzung des Biofilm hat einen bedeutenden Einfluß auf Entstehung und Verlauf parodontaler und peri-implantärer Erkrankungen. Allerdings sind sogenannte Superinfektionserreger eher von untergeordneter Bedeutung. In einer Übersichtsarbeit (Allaker RP; 2009) wurden die verschiedenen Möglichkeiten der antimikrobiellen Therapie dargestellt. Neben den klassischen Behandlungsstrategien (Mundhygiene SRC, Antiseptika, Antibiotika) wurden auch alternative Vorgehensweisen wie pflanzliche Bestandteile (essent. Öle), Modifikation der oralen Flora (Probiotika), photodynamische Therapie, funktionelle Hemmung (Proteaseinhibitoren) und Ozon aufgezeigt. Interessant war, dass die antimikrobielle Wirkung von Chlorhexidin je nach Präparat und Konzentration sehr unterschiedlich ist. Wahrscheinlich sind es Zusatzstoffe welche zum Teil die Wirksamkeit des Chlorhexidins inhibieren. 0,2 % CHX ist weiterhin der Goldstandard und unterstützt neben dem mechanische Debridement die Entfernung des Biofilms. Auf Grund der Zytotoxizität des Chlorhexidin auch auf die Wirtszellen ist Ihrer
Kursberichte: Prof. Dr. Anton Sculean
11
Ansicht nach eher eine kurze Einwirkzeit zu bevorzugen. Auf Grund der guten Wirksamkeit könnte Taurolidin (Abkömmling der Aminosäure Taurin) eine zukünftige Alternative sein. Im Rahmen der Therapie mit systemischer Antibiotikagabe, ist die zunehmende Resistenzentwicklung gegenüber Metronidazol und abnehmende Resistenzentwicklungen gegenüber Doxycyclin. Die lokale Anwendung von Antibiotika ist weiterhin problematisch, da keine ausreichend hohen Konzentrationen auf Grund der hohen Sulcusfliessgeschwindigkeit erzielt werden können. Auf Grund der schwierig zu vergleichenden Daten und zu weniger Studien ist eine Empfehlung für ein bestimmtes Protokoll oder Präparat zur Zeit nicht möglich. In der Diskussion wann der beste Zeitpunkt zur Einnahme von Antibiotika ist, besteht indirekte Evidenz, dass der Beginn der Antibiotikagabe zu Beginn des mechanischen Debridements erfolgen sollte. Deutliches Interesse fand sich bei den Fragestellungen ob Rotwein oder Honig eine antiinflammatorische Wirkung haben. Entäuschenderweise wurden aber keine wesentlichen Einflüße gefunden. Der dritte Vortrag des Vormittags von Prof. Dr. G. Salvi beschäftigte sich mit den Indikationen für die regenerative Parodontaltherapie. Anfänglich wurden verschiedene Klassifikationen parodontaler Knochendefekte dargestellt. Die Indikation wird u.a. bestimmt durch die Defekttiefe, den Defektwinkel, die Weichgewebeanatomie und die Anzahl der Knochenwände. Die Patientenauswahl über entsprechende Infektionskontrolle, Patientenmitarbeit, Langzeitbetreuung, Rauchen und auch eventuell genetische Parameter haben Einfluss auf den Erfolg der regenerativen Therapie. Anschließend beantwortet uns PD Dr. Bosshard wesentliche Fragen zur Biologie der Schmelzmatrixproteine (SMP/EMD). Mittlerweile gibt es mehr als 150 Publikationen welche die Wirkung von SMP/EMD auf biologische Systeme untersucht haben. Durch den Einfluss von SMP/EMD auf die Zellproliferation, Zellmetabolismus, Zellmigration, Zelldifferenzierung, Mineralistion und die Wundheilung können die regenerativen Prozesse positiv beeinflußt werden. Durch z.B. eine Verlangsamung der Zellproliferation und zytostatisch nicht aber zytotoxisch Wirkung erfolgt durch EMD eine Eindämmung der Epithelzellen und gingivalen Fibroblasten. Die positive osteogene Wirkung durch Stimulierung der Zellproliferation, Einfluss auf Zelldifferenzierung, Anstieg der Exprimierung von Kollagen Typ I, OPN, BSP, ALP etc., wie auch die positiven Effekte auf desmodontale Fibroblasten und auf Zemtoblasten sind Wirkung nachgewiesen. In einer Übersicht zum Thema Knochenersatzmaterialien in der Parodontologie stellte uns Prof. Dr. Anton Sculean dar, welche verschiedenen Möglichkeiten zum gegenwärtigen Zeitpunkt bestehen. Da nur wenige humanhistologische oder größerer randomisierte Studien vorhanden sind, ist die Evidenz vieler Materialien nicht gegeben. Die osteokonduktive nicht aber die osteoinduktive Wirkung boviner Knochenersatzmaterialien ist nachgewiesen. Limitierte Evidenz besteht im Rahmen der Parodontologie für Knochenersatzmaterialien als Trägermaterialien oder breite Defekte zu Stabiliserung. Nur autologer Knochen,
12
Kursberichte: Das Behandlungskonzept der Berner Parodontologie – Prof. Dr. Anton Sculean
DFDBA und bovines Knochenersatzmateriel (Bioss®) haben teilweise ein regeneratives Potential. Der zweite Teil seines Vortrages beschäftigt sich mit Schmelzmatrixproteinen (SMP) und der gesteuerten Geweberegeneration. Die Adhäsion von SMP wird beeinflußt durch Blut auf der Wurzeloberfläche und/oder eine Trocknung der Wurzeloberfläche. Hierbei stellte sich heraus, dass die größte Wirkung durch Spülen und Trocknung entstand und nicht durch das EDTA. Blutung auf der Wurzeloberfläche beeinflußt die Adhäsion der SMP/EMD negativ. Die SMP/EMD waren noch 4-6 Wochen auf der Wurzeloberfläche nachweisbar. Eine nichtchirurgische Schmelzmatrixproteinverwendung ist nicht empfehlenswert. Im Vergleich von SMP versus Membranen waren die Ergebnisse bezüglich des Attachmentgewinnes gleich, allerdings die Komplikationsrate bei der Verwendung von Membranen deutlich höher (Sanz). In einer vergleichenden Studie (Cairo; 2008) wurden die besten Ergebnisse im Rahmen von Rezessionsdeckung gezeigt mit Emdogain oder Bindegewebstransplantaten. Eine Gabe von Antibiotika ist nicht indiziert. Zukünftig Forschungen werden sich auch mit der Wirkung von EMD bei horizontalen (supraossären) Defekten und der Wirkung von EMD auf Bindegewebstransplante bei Rezessionsdeckungen beschäftigen. Nach dem Mittagessen in der Kantine der Inselklinik mit beeindruckender Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau startete die Nachmittagsveranstaltung mit dem Thema: Kombinationstherapien und klinische Konzepte in der regenerativen Parodontitistherapie. Nur bestimmte Knochenersatzmaterialien liefern in der Kombination mit Schmelzmatrixproteinen verbesserte Ergebnisse, bioaktive Gläser sind z.B. schlechter im Ergebnis als EMD alleine. Für die klinische Anwendung ist es empfehlenswert, zuerst die Schmelzmatrixprotein mit dem Knochenersatzmaterial zu vermischen und dann erst zu applizieren, da der vorzeitige Kontakt mit Blutserum die Anhaftung auf der Oberfläche verschlechtert. Zwischen BioOssKollagen® und BioOss® gab es keine nachweisbaren Unterschiede in der Regeneration. Allerdings ist die Applikation von BioOssKollagen® evtl. einfacher durch zuführen. Zur Entnahme von autologem Knochen empfiehlt sich eher ein Bonescraper als eine piezochirurgische Entnahme, da mit dem Bonescraper mehr vitale Knochenzellen erhalten bleiben. Kontraindikationen bestehen für Klasse III Furkationen und horizontalem Knochenverlust. Den letzten Teil der Vortragsreihe von Prof. Dr. A. Sculean widmete sich dem Behandlungskonzept bei multiplen Rezessionen. Die Indikationen zur Rezessionsdeckung sind Ästhetik, Überempfindlichkeit oder Verbesserung der Hygienemöglichkeiten. Nach einer systematischen Übersichtsarbeit (Hwang & Wang; 2006) wurde nochmals die Dicke des Lappens als wesentlicher Parameter für den Erfolg der Rezessionsdeckung hervorgehoben. Eine Metaanalyse (Cambrone; 2009) zeigte signifikant schlechtere Ergebnisse bei Rauchern. Rezessionsdeckung am Implantat und Rekonstruktion der Papille sind weiterhin nicht vorhersagbar. Die Anwendung mit Mucograft® sieht Prof. Dr. A. Sculean als mögliche Alternative, aber als technisch sehr sensibel und die Ergebnisse im Vergleich zu
Bindegewebstransplantaten weisen eine geringere Dicke und schlechtere Rezessionsdeckung auf. Prof. Dr. G. Salvis Vortrag mit dem Thema „Biologische Implantatkomplikationen“ ergänzte die LiveOperation des Vortages. Die Prävalenz der periimplantären Mucositis liegt nach der aktuellen Studienlage je nach Studie zwischen 39,4% bis 79 %. Eine einheitliche Definition der Periimplantitis ist weiterhin in der Literatur nicht gegeben. In einer sehr interessanten Studie (Wilson TG; 2009) hatten 81 % der Implantate mit zementierten Einzelkronen Zementüberschüsse am Kronenrand, welche verantwortlich waren für die deutlichen Entzündungsanzeichen. Parodontitispatienten haben in einer 10 Jahresstudie (Karoussis; 2003) eine Erfolgsrate von nur 71,4 %. Die Überlebensrate unterschied sich allerdings mit 90,5% nicht wesentlich gegenüber Nicht-Parodontitspatienten (96%). Trotzdem war die Komplikationsrate bei Parodontitispatienten deutlich erhöht. Als therapeutische Optionen wird nach dem Berner Konzept unterschieden in nichtchirurgische und chirurgische Maßnahmen differenziert. Dabei können mechanische (Pulverstrahl, Küretten, Ultraschall) oder chemische (CHX, Kochsalzlösung, H2O2, EDTA 24%) Verfahren verwendet werden. Implantate mit supramukosalen Kronenrändern erweisen in der Therapie bessere Ergebnisse. Die zusätzliche Applikation von CHX Spüllösungen oder Gelen erbrachte nur geringe Vorteile. Die Behandlung einer Mukositis ist erfolgreich durch mechanisches Debridement in der Kombination mit/ohne Antispetika. Die Behandlung einer Periimplantitis ist nichtchirurgisch insuffizient. Therapieansätze der Kontaminierung über Laser, photodynamische Therapie (PDT) oder Ozon haben eine sehr schwache Evidenz. Neuere Ansätze (Rocuzzo; 2011) in der antispetischen chirurgischen parodontalen Therapie verwenden die Kombination von EDTA 24% und CHX 1%. Das Berner Behandlungskonzept sieht bei „früher“ Periimplantitis mit Knochenverlust < 2mm eine mechanische Reinigung, Politur, Desinfektion mit CHX und Antibiose vor. Fortgeschrittene Periimplantitis mit Knochenverlust > 2mm wird offen behandelt mit Dekontaminierung der Implantatoberflächen und optionaler Knochenregeneration oder Knochenresektion und begleitender systemischer Antibiose. Netterweise stellte Prof. Dr. A. Sculean den Teilnehmern seine Präsentationen noch in elektronischer Form zur Verfügung. Unser Dank gilt dem ganzen Team von Prof. Dr. Sculean welches sich in den vergangenen zwei Tagen herzlich um uns gekümmert hat und stets mit Rat und Tat zur Seite stand.
Buchempfehlung: Health behavior change in dental Practice – C. Ramseier
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
Kursberichte: Implantate in der ästhetischen Zone
13
Zwei mal Implantate in der ästhetischen Zone Bericht über 2 Tage, 2 Konzepte, mit Robert Nölken und Tidu Mankoo bei Arndt Happe in Münster Es waren die letzten schönen Sommertage im September, die wir in einem Hörsaal verbringen sollten! Implantate in der Front, ein Thema, das schon oft erörtert wurde und doch sollten die beiden Tage neue interessante Einblicke bringen. Der Kurs begann am Freitag mit Robert Noelken aus Lindau am Bodensee: Selbst Praktiker und Wissenschaftler verfügt er über große eigene Erfahrungen mit Implantaten in der ästhetischen Zone. Sein Konzept umfasst sowohl Sofortimplantationen als auch ein zweizeitiges Vorgehen und beruht im Wesentlichen auf optimaler Anpassung an biologische Grenzen und mikroinvasives Vorgehen. Nach der Erörterung der biologischen Prozesse um Zähne, an Extraktionstellen, und um Implantate und Abutments, folgte die Darstellung von Implantationen mit Astra-OsseoSpeedProfile-Implantaten in zweizeitigem Vorgehen. Die Implantate wurden mit dem abgeschrägten Anteil nach buccal und zu der lingualen Wand passend in den lingualen Knochenrand gesetzt. Sei wurden initial mit einem transgingivalen Gingivaformer versorgt. Die folgenden Abutments wurden im Bereich des Gingivadurchtritts klein gewählt und wurden aus vorgefertigten Titanabutments individuell konfektioniert. Nach primärer Versorgung mit einer provisorischen Krone, folgte die Versorgung mit der definitiven Krone auf dem selben Abutment nach intraoraler Abformung. Es zeigten sich stabile Gingivaverhältnisse an den Implantaten und eine Zunahme von keratinisierten Bereichen innerhalb der gezeigten Beobachtungszeiträume von bis zu zwei Jahren. Der Grund für die guten Ergebnisse sieht Dr. Nölken im atraumatischen Vorgehen (Mikrochirurgie/Mikroskop) im Bereich der gingivalen Strukturen, in der günstigen Form im Bereich der Implantatschulter und der Abutments. Im weiteren Verlauf zeigte Dr. Noelken Sofortimplantationsfälle mit diversen Implantaten. Die Implantate wurden an die linguale Wand der Extraktionsalveole gesetzt, im bukkalen Bereich
VON MATTHIAS MÜLLER
wurde mit autologem Knochen augmentiert und das Implantat sofort mit einem individualisierten Abutment und einer provisorischen Krone versorgt. Zur Stabilisierung wurden die Implantatkronen mit den Nachbarzähnen adhäsiv geschient. Am Nachmittag konnten die Kursteilnehmer dann selbst an Modellkiefern implantieren. Es standen OP-Sets und Implantate der Firma Astra zur Verfügung und der Referent konnte Bohrprotokoll und Platzierung der Implantate demonstrieren und überwachen. Am Abend konnten wir dann doch noch den Sommer genießen, auf der Terrasse eines italienischen Restaurants in der Innenstadt von Münster genossen wir einen lauen Sommerabend zusammen mit beiden Referenten in familiärer Atmosphäre. Am Samstag Morgen setzte Tidu Mankoo dann den Kurs mit der Vorstellung seines Konzeptes für Implantatonen in der ästhetischen Zone fort. Auch er ist Praktiker, selbst niedergelassen in Windsor in der Nähe von London, zusammen mit vier spezialisierten Kollegen in eigener Praxis. Er führt sowohl die chirurgische Behandlung als auch die prothetische Versorgung durch. Das Eingangsstatement seines Vortrages lautet: Form+Funktion+Biologie+Präzision=Ästhetik. In der folgenden detaillierten Ablaufbeschreibung zeigte er die Details seines Vorgehens bei der Versorgung komplexer Fälle. In inderdisziplinärer Zusammenarbeit von Chirurg, Kieferorthopäde, Parodontologe, Endodont und Prothetiker wird ein Behandlungsplan erstellt. Für die Positionierung von Implantaten wurden unter Beachtung der allgemein üblichen Parameter vor allem die Beachtung biologischer Parameter hervorgehoben auf der Grundlage von Untersuchungen am Menschen und abhängig vom Ort der Implantation. Besondere Beachtung gilt dabei dem gingivalen Interface am Abutment. Nach Auswertung einer Literaturstudie aus der Arbeitsgruppe von E.Rompen aus
14
Kursberichte: Implantate in der ästhetischen Zone /
2006 und einer klinischen Pilot-Studie zur Abutmentform aus der selben Gruppe aus 2007 ergaben sich Hinweise für das klinische Vorgehen: Dr. Mankoo reinigt die Oberflächen von Abutments vor dem Einbringen mechanisch und desinfiziert sie. Es wird angestrebt, Abutments wenig zu wechseln. Jeder Abutmentwechsel führte zum Abriss des verklebten Saumepithels und in der Folge zu Verlust von periimplantärem Knochen. Als Oberflächen bewährten sich Titan und ZiO am besten, Kunststoffe hatten negative Aspekte. Eine konkave zierliche Abutmentform zeigte klinisch bessere Ergebnisse. Als Schlüsselfaktoren benannte er: korrekte dreidimensionale Positionierung der Implantate, ausreichend und stabiler Knochen um die Implantate, ausreichend dicke Schleimhaut im Bereich des transmucosalen Durchtritts, frühes Plazieren des finalen individuellen Abutments, Form und Material des Abutments und der Krone, Entwicklung und Erhalt entsprechender Weichgewebskonturen. Eine wesentliche Rolle spielt Form und Handling der Abutments sowie der sehr vorsichtige Umgang mit den periimplantären Geweben in dem Konzept. Nach Mankoo bestimmt nicht der Knochen sondern das periimplantäre Gewebe langzeitstabile Ergebnisse. Das angewendete klinische Protokoll umfasste somit die sehr frühe Versorgung mit definitiven Abutments, versorgt mit provisorischen Kronen und bei Bedarf im Munde nachpräpariert und konventionell abgeformt für eine spätere definitive Versorgung. Nach detaillierter Darstellung der Methode zeigte der Referent eine beeindruckende Vielzahl von gut dokumentierten Fällen von einfach bis sehr komplex mit Nachuntersuchungszeiträumen von oft mehr an 5 Jahren. Nach zwei Tagen in familiärer Kurs-Atmosphäre blieben viele detaillierte Ideen zum Umsetzen am Montag und viele Aspekte zum diskutieren mit den Kollegen.
Komposit Frontzahnkurs
„Komposit Frontzahnkurs“ mit Prof. Dr. Bernd Klaiber und Team am 03.-04. Februar 2012 in Bochum VON MALTE SCHULZ Wie schon der Komposit Seitenzahnkurs erstreckte sich der diesmal ganz der Front gewidmete Kurs über gewohnte 2 Tage. Am Freitag begann der theoretische Kurs um 13:00 Uhr. Teilnehmer aus verschiedenen Teilen Deutschlands (vornehmlich NEUE GRUPPE Mitglieder oder deren Assistenzzahnärzte) und der Schweiz versammelten sich in der stillgelegten Zeche Holland in Bochum-Wattenscheid, um sich das theoretische und praktische Wissen von Prof. Klaiber, D-Würzburg, anzueignen und an Modellen zu üben. Unterstützt wurde der Kurs von der Dentalfirma Loser. Der Samstag konzentrierte sich auf praktische Übungen an Modellen zur Herstellung eines Frontzahnaufbaus, der Reduktion eines schwarzen Dreiecks sowie dem Verschluss eines Diastemas. Aufbauend auf dem Seitenzahn Komposit Kurs vom selben Referenten ein Jahr zuvor wurden die Grundlagen der Komposite in Bezug auf Ihre Bestandteile, Einteilungen und Eigenschaften sowie die bevorzugten Adhäsivsysteme nicht behandelt, so dass ein Besuch des Seitenzahnkurses im Vorfeld empfehlendswert ist. In medias res wurde deshalb auch in erstem Kursteil am Freitag nachmittag direkt mit der Versorgung von massiv zerstörten Frontzähnen, Aufbau von para-
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
Kursberichte: Prof. Dr. Klaiber: Komposit Frontzahnkurs
plastisch veränderten Zähnen (z.B. Turner Zahn), Lückenschluss von Diastemata und der optischen Verjüngung durch Reduktion oder Verschluss von schwarzen Dreiecken begonnen.
Grundlagen: Im theoretischen Kursteil wurden folgende Grundlagen besprochen: Die anzuwendende minimal-invasive Präparation definiert sich aus dem Verhältnis der notwendigen Fläche, die abgetragen werden muss und dem Prozentsatz der Zerstörung des Zahnes. Die Indikation zu einem direkten Veneer mit Komposit oder einem laborgefertigtem Werkstück (Veneer, Krone u.a.) ist jedoch häufig schleichend und abhängig von den Erfahrungen und manuellen Geschicklichkeiten des Behandlers. Grundsätzlich betont Prof. Klaiber, dass die Wahl des Komposits sekundär ist (er selbst benutzt Enamel Plus HFO) und nur die Skills des Zahnarztes von Bedeutung sind. Zum Verschluss von Diastemata eignen sich Komposite am besten. Das Verfahren bei Aufbauten von Oberkiefer-Frontzähnen mit palatinalen und approximalen Wänden basiert auf der anatomischen Schichttechnik nach Prof. Lorenzo Vanini (Italien) mit diversen Dentinfarben und abschließenden Schmelzmassen. Voraussetzung für eine ästhetisch erfolgreiche Komposition ist die Matrizentechnik am Anfang jeder Behandlung. Dafür verwendet Prof. Klaiber hochkant gestellte, transparente Matrizenbänder, die nach erreichter Biegung gut in den Sulkus des entsprechendes Zahnes rutschen. Modifikation mit der Schere können nötig sein. Die Fixierung der Matrizen erfolgt mit Keilen, die Adaption der Matrizen an die Kavitätenränder respektive Zahnform wird mittels Telio, Fa. und einem Doppelendspatel gesichert. Zu lange Matrizen müssen 1cm oberhalb des Zahnes gekürzt werden, da sonst eine Biegung nur schwer möglich ist. Generell gilt bei der Anwendung der direkten Kompositrestaurationen im Frontzahnbereich folgende Regeln einzuhalten: Beachten der bindenden Kräfte, Symmetrie mit kleinen Variationen zur optischen Entspannung (keine spiegelbildliche
15
Symmetrie), Einhaltung der Proportionen (1er sind niemals unterschiedlich breit = Todsünde), Dunkelräume erhalten, approximale Kontakträume durch spreizen und schleifen optimieren und den Kontaktpunkt mehr nach palatinal legen, Dominanz beachten. Kantenlinien, vor allem die häufig vergessenen interinzisalen Dreiecke geben dem Zahn verbreitende oder verschmälernde Wirkung. Bei der Farbgebung ist entscheidend, dass die Dentinmassen die Farbe bringen und die Schmelzmassen nur Aufhellen. Zu beachten ist, dass nach Trockenlegung die Zähne dehydrieren und erst nach Stunden die normale Farbe zurückerhalten. Je nach Zahnbeschaffenheit können Besonderheiten wie Mamelons, „Halo-Effekt“, Schmelzflecken, Fenster, Kämme, labiale Eindellungen, und Kanten manuell eingearbeitet werden. Gemäß Vaninis Schichttechnik nimmt die Intensität der Farbe bei einem Frontzahn von inzisal nach zervikal zu. Die Ausarbeitung der Füllungen erfolgt mit Soflex-Scheiben, Brownis und Greenies, Occlubrush und einem Schwabel mit Diamantpolier- und Al2O3-Pasten. Bei Bedarf kann auch ein Evakopf mit Bevel- / Proxoshapes benutzt werden. Der 2. Kurstag beschäftige sich mit praktischen Übungen am Modell. Prof. Klaiber und sein Mitarbeiter Dr. Bibel begleiteten uns und leiteten uns auf außerordentlich freundschaftliche und konstruktive Weise an. Herrn Prof. Klaiber war es nicht zu schade, bei jedem Teilnehmer die Übungen eigenhändig zu kontrollieren und zu testieren, wobei man wertvolle Tipps und Tricks erlernen konnte. Die witzige und offene Vortragsweise schafft eine ungezwungene und familiäre Atmosphäre und macht den Kurs neben den fachlichen Aspekten so empfehlenswert. Die erste Übung befasste sich mit einem Schneidezahnaufbau. Hier empfiehlt Prof. Klaiber bei großen Substanzdefekten die Anfertigung eines Silikonputty zur Erstellung der palatinalen Wand, vorerst ohne Matrize. Nach Applikation und Konturierung der Matrize mittels Telio CS Onlay von inzisal nach zervikal (CAVE keine Telio am Approximalkontakpunkt!), erfolgt die Aufstellung der approximalen Schmelzwand und anschließender Schichtung gemäß Prof. Vaninis Schichttechnik. Die Ausarbeitung betrifft die Formgebung am zervikalen Übergang, den Labialflächen, der Schneidekante, den lateralen Kantenlinien, den interinzisalen Dreiecken und ggf. vertikalen Rillen. Überschussentfernung gelingt am besten mit einem sichelförmigen Skalpell 12 , da nur ein Skalpell selektiv Überschüsse und keine Zahn- oder Kompositflächen abträgt. Die 2. Übung bestand aus der Reduktion von schwarzen Dreiecken. Bei gleicher Matrizentechnik ist von Bedeutung, dass Prof. Klaiber die Rückwand in diesen Fällen mit einem FlowableKomposit von palatinal unter Spreizung des Zahnes anfertigt. Den Abschluss bildete der Lückenschluss bei einem Diastema mit ähnlicher Vorgehensweise wie bei der Reduktion der schwarzen Dreiecke. Nach zwei intensiven und füllungsreichen Tagen merkten die Teilnehmer deutlich, dass die Konzentration langsam nachließ. Der Tagungsveranstalter Dr. Ernst Vöpel, D-Remscheid, und alle Teilnehmer bedankten sich herzlich bei Prof. Klaiber und seinem Team für hochinteressante und gelungene Fortbildungstage.
16
Kursberichte: Cerec 4 – praktischer Arbeitskurs mit Dr. Alessandro Devigus
Die NEUE GRUPPE als Gast bei Sirona „Cerec 4 – praktischer Arbeitskurs“ mit Dr. Alessandro Devigus in Bensheim VON SASKIA SUPPIG
Das Seminar fand am Samstag 17.03.2012 in den modernen und zukunftsorientierten Räumen der Firma Sirona in Bensheim statt. Auf Einladung von Sirona trafen wir uns schon am Vortag und verbrachten einen schönen Abend bei gutem Essen, interessanten Diskussionen und in Erwartung eines lehrreichen Kurses. Organisiert wurde der 1-tägige Kurs, zu dem sich 14 Teilnehmer einfanden, von Nicole Eloo, Sirona und Ernst Vöpel. Durch den Tag führten uns Alessandro Devigus, sowie Nicole Eloo, Wiebke Halfar und Philipp Schulze zur Wiesch von Sirona. Am Samstag wurden wir pünktlich um 9 Uhr herzlich bei Sirona willkommen geheißen und step by step in die digitale Welt zur Herstellung von Inlays, Onlays, Kronen, Veneers, und multiplen Restaurationen eingeführt. Augenmerk wurde an diesem Tag vor allem auf die ChairsideLösung gelegt. Ziel ist es in nur einer Sitzung den zu versorgenden Zahn zu präparieren und den definitiven Zahnersatz einzusetzen. Die Lösung beruht dabei auf der intraoralen optischen Abformung mittels eines Bluecam-Scanners (Cerec 3D-Kamera) und dem Cerec AC-System zur direkten Herstellung des Zahnersatzes in der Praxis oder Eigenlabor. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, einen simulierten Patientenfall am Modell herzustellen, d.h. der präparierte Zahnstumpf nebst Nachbarzähnen, der Gegenkiefer sowie der Kieferschluss wurden gescannt, eine Krone wurde am PC konstruiert und anschließen an einer Schleifeinheit gefräst. Die Passgenauigkeit auf dem Modell war überzeugend! Dadurch entstehen folgende Patientenvorteile: nur ein Behandlungstermin, nur eine Anästhesie, keine Abformung und kein Tragen von Provisorien. Und auch der Behandler hat einen entscheidenden Vorteil: Es macht einfach Spaß!
Chairside-Lösung Schritt für Schritt: Zu Beginn der Behandlung werden der Gegenkiefer sowie die Bukkalflächen in Okklusion gescannt, dies dient als digitale Bissnahme. Dank des biogenerischen Verfahrens können intakte Okklusalflächen, entweder des gegenüberliegenden
oder des restaurativen Zahnes, gescannt und zur natürlichen Gestaltung des Zahnersatzes verwendet werden. Nach der Präparation erfolgen der optische Abdruck und die virtuelle Modellation der zu fertigen Restauration mit der Cerec 4.0 Software. Zunächst setzt man beide gescannten Kiefer in Okklusion zusammen, danach legt man die Präparationsgrenze und Einschubsrichtung fest. Für die Gestaltung der Restauration kann man entweder auf vorgegebene Designs zurückgreifen und individuell verändern oder die vorher gewonnene Biogenerik verwenden. Die Möglichkeiten der Software sind beeindruckend. Dank der 3-dimensionalen Darstellung kann man das Modell und die Restauration von allen Seiten betrachten und die Krone mit der Maus virtuell konstruieren. Den Möglichkeiten scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein, so lassen sich z.B. der Platz für den Spacer wie auch die Größe des Randschlusses in Mikrometern voreinstellen und vieles mehr. Ist die Gestaltung des Werkstücks abgeschlossen kann dieses nun von der Schleifeinheit gefertigt werden. Für das Chairside-Verfahren stehen monochrome oder mehrschichtige Cerec-Blöcke aus Feldspatkeramik wie auch aus Komposit oder auch Kombinationen aus Komposit und Keramik zur Verfügung. Nach dem Schleifprozess wird der Restauration entweder durch Politur oder Verarbeitung von Glanzbrand zur Individualisierung der letzte „Schliff“ verliehen. Im weiteren Verlauf stellte uns Alessandro Devigus weitere Möglichkeiten von Cerec unter anderem auch in der Einbindung des DVT´s bei Implantatversorgungen vor. Hier eröffnet sich ein großes Potential für die Zukunft. Herr Schulze zur Wiesch beendete die Vorträge mit Themen zur Abrechnung und der Wirtschaftlichkeit. Nach diesem Tag war allen Teilnehmern, auch den Bedenkenträgern unter uns klar, dass man mit Cerec sehr passgenaue und auch ästhetische Versorgungen zum Wohle unserer Patienten herstellen kann. Der Firma Sirona und ganz besonders Frau Eloo gilt unser Dank für einen eindrucksvollen und lehrreichen Tag in Bensheim.
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
Kursberichte: Aus der Trickkiste der Kommunikation
17
Aus der Trickkiste der Kommunikation: „Elegante Psychologie für die Praxis und das halbe Leben“ mit Herbert Prange in Lembach VON OLIVER HARTMANN Vom 30. Bis 31. März 2012 hatte Jürgen Menn die Freunde und Mitglieder der NEUEN GRUPPE zum Kurs nach Lembach eingeladen. Der Referent Herbert Prange studierte zunächst Sport- und Kunsterziehung, später Psychologie, Pädagogik und Soziologie. Neben Kurs- und Referententätigkeit begleitet Prange als Mentaltrainer Spitzensportler und Führungskräfte. Mit 21 Teilnehmern war das Seminar in erfreulich kurzer Zeit vollständig ausgebucht. Die Initiative zum Kursort Lembach verdanken wir unserem Ehrenmitglied Pit Beyer, der gleichzeitig Ehrenbürger der Stadt ist. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass Qualität und Niveau des Kursprogrammes dem kulinarischen nicht nachstehen. Zu unserer besonderen Freude kamen Pit Beyer und Gattin zusammen mit dem Bürgermeisterehepaar am Freitag Abend in die traditionelle Elsässer Flammkuchen Stube.
Das Seminar mit einer „Reise in das innere ich“ Teils erstaunliche Fakten der modernen Gehirnforschung wurden dargelegt und an Hand von Verhaltens- und Gesprächsbeispielen erläutert und ergänzt. Die Teilnehmer lernten Ihre Sinne zu schärfen für die eigenen körperlichen Symptome zwischen der individuellen Wahrnehmung von Unzufriedenheit bis Zufriedenheit, Harmonie und Glück. Eine Unzahl von Informationen nehmen wir in jeder Sekunde wahr und speichern Sie abrufbar ab, aber nur ein Bruchteil von Ihnen dringt in unser Bewusstsein. Dabei sind Gestik und Mimik ebenso wie Körpersprache, Augenbewegungen und Tonfall Botschaften, die in das Gehirn des Empfängers transportieren, verstärken können und auch glaub- oder unglaubwürdig erscheinen lassen können. Wer sich dessen bewusst ist, gleichzeitig authentisch bleibt und sowohl die eigenen Zeichen als auch die seines Gesprächspartners deuten kann, ist zu einer höheren Ebene der Kommunikation fähig. Die Erwartungshaltungen von zufriedenen Patienten an unsere Praxen wurden genauso hinterfragt, wie die Ansprüche
unserer Mitarbeiter auf den Prüfstand gestellt wurden. Begriffe wie Engagement, Kompetenz, Training und Lob verzahnten sich zusehends und wurden in den Bezug zur Leistung gestellt. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass niemand absichtlich Fehler macht. Entscheidend aber ist es in Team Meetings nie über Fehler alleine zu diskutieren, ohne nicht auch direkt mögliche Lösungen dafür zur Diskussion zu stellen. Schon viele kleine Ansätze können hier erstaunlich zielführend sein. So beispielsweise das Etablieren eines „füreinander arbeiten“ statt nur „miteinander arbeiten“. Wichtig sind auch klar definierte Arbeitszyklen, für die ein einzelner von Anfang bis Ende verantwortlich ist. Immer wieder erscheinen Hinweise so selbstverständlich wie gleichzeitig bemerkenswert. So forderte uns Prange auf, unsere Erwartungshaltung an die Deutsche Bundesbahn in Worte zu fassen. Es folgten Begriffe wie: Pünktlichkeit, Sicherheit, Komfort, Schnelligkeit, Information, Freundlichkeit. Alle diese Erwartungshaltungen lassen sich 1:1 auf unsere Praxen übertragen und spiegeln die Erwartungshaltung zufriedener Patienten wieder. Vor dem Abschluss des zweiten Tages machte jeder Teilnehmer einen Test, ein sogenanntes „Struktogramm“ an dessen Ende ein klarer Hinweis auf die persönlichen Stärken und Fähigkeiten der jeweiligen Persönlichkeit standen. Hier wurden auch Chancen und Möglichkeiten in der Interaktion mit anderen Persönlichkeitstypen aufgezeigt. Beide Kurstage endeten damit, dass sich jeder Teilnehmer drei Erfahrungen, Veränderungen oder Verbesserung für die Umsetzung in der eigenen Praxis und Kommunikation vornahm. Fazit: Lembach auf die Gaumenfreuden zu reduzieren ist ungerecht. Ein sehr gelungenes Seminar in guter und offener Atmosphäre des Freundeskreises macht doppelten Spaß. Bei allem blieb auch noch Zeit für Persönliches und Privates. Das Prange Seminar wäre auch ohne das Elsass eine Reise wert gewesen. 21 zufrieden heimreisende Teilnehmer hatten das Glück von beidem gemeinsam profitieren zu können.
18
Kursberichte: „Full mouth adhesive rehabilitation, A to Z“
„Full mouth adhesive rehabilitation, A to Z“ mit Dr. Francesca Vailati und Dr. Linda Grütter
Mit Francesca Vailati ist die dentale Welt um eine Visionärin im Bereich der rekonstruktiven Zahnheilkunde reicher. Als „Bondistin“ geht sie über die gefühlten Grenzen der Haftkraft unserer Adhäsivsysteme hinaus. Jan Hendrik Halben erkannte dies bereits früh und wusste, dass die „Full mouth“-Rehabilitation mit Composite von Francesca Vailati mit der NEUEN GRUPPE die passende Anwendergruppe anspricht. Mittlerweile ist Francesca Vailati eine gefragte internationale Referentin und Jan Halben hat sie auch dieses Jahr für einen Kurs in Hamburg gewinnen können. Francesca Vailatis Vortrag und praktische Übungen sind ebenso perfekt organisiert und von beeindruckender Praktikabilität wie ihre „3 Step“-Technik der „Full mouth adhäsiven rehabilitation“. Durch eine immer gleiche Strategie und Abfolge erscheint die Vorgehensweise gleich am Montag in der eigenen Praxis anwendbar. Unterstützt wird dies durch die minimalinvasive Behandlung der Zahnhartsubstanz, bei der iatrogene Schäden von vornherein verhindert werden. Bei den praktischen Übungen wurde sehr viel Wert auf Details gelegt und dank der Unterstützung von Linda Grütter erhielt jeder Kursteilnehmer direkt eine Rückmeldung zu seinen eigenen praktischen Arbeiten. An diesen Details ist erkennbar, wie viele Gedanken sich Francesca Vailati bezüglich jedes einzelnen Schrittes gemacht hat und dies schult den eigenen Blick für das Wesentliche. Selbst etwas vermeintlich Banales wie ein Silikonvorwall wird auf diese Weise zu einem Präzisionswerkzeug. Den zweiten Schritt nicht vor dem ersten zu machen und vor jedem nächsten Schritt den letzten zu überprüfen sind Grundsätze, die jedem bekannt sind und insbesondere in der zahnmedizinischen Behandlung den Unterschied ausmachen. Dies zeigt Francesca Vailati auf beeindruckende Art und Weise und ist auch in diesem Punkt ein Motivator für einen selbst. Es ist aber nicht nur ein durchdachtes Behandlungskonzept, das uns aus diesem Kurs etwas für unsere tägliche Praxis mitnehmen lässt, sondern auch ein erweiterter Blick auf erosive und abrasive Veränderungen an der Zahnhartsubstanz. Neben Karies und Parodontitis ist dies ein immer häufiger bei unseren Patienten zu beobachtendes Problem. Es ist genauso ein schleichender Prozess, der oftmals früh beginnt und nur lang-
sam fortschreitet. Anders als bei Karies und Parodontitis setzten bei Erosionen und Abrasionen bestehende Behandlungskonzepte jedoch erst sehr spät an. Ein zahnärztlich kontrolliertes Voranschreiten der Degeneration ist die Folge, mit zum Teil verheerenden Konsequenzen für die Rehabilitation. An dieser Stelle macht die „Full mouth adhesive rehabilitation“ einen großen Unterschied und stellt eine Bereicherung für die Behandlung dar. Durch Francescas Vailatis Sensibilisierung fühlte sich jeder Kursteilnehmer in diesem Punkt angesprochen und wird vermutlich gleich Montag Erosionen und Abrasionen weniger passiv begegnen. Die Diskussionen gingen in der Folge weit über das Thema der Veranstaltung hinaus und wurden am Abend beim Italiener um die Ecke fortgesetzt. Dieser Italiener war aber nicht irgendein italienisches Restaurant, sondern das älteste Hamburgs und man munkelt sogar ganz Deutschlands. Das Ambiente in St. Pauli, in unmittelbarer Nähe zum alten Fischmarkt und dem windschiefen Haus in dem seit über 100 Jahren italienische Köstlichkeiten zubereitet werden, waren damit das i-Tüpfelchen der Veranstaltung. Für alle, die im letzten oder diesem Jahr noch nicht an diesem Kurs teilnehmen konnten, bleibt zu hoffen, dass Jan Halben auch 2013 wieder seinen Charme bei Francesca Vailati spielen lässt.... Der Kurs war in vielerlei Hinsicht mehr als zu erwarten war und vor allem mehr als nur eine ästhetische Betrachtung der Oberkieferfront. Das „3 Step“-Konzept der „Full mouth adhäsive rehabilitation“ ist primär eine funktionelle Therapie zum Schutz der Zahnhartsubstanz, die darüber hinaus eine Basis für ästhetischen Rekonstruktionen der Oberkiefer-Front bietet.
VON ART TIMMERMEISTER
Fotos: Peter Wetseler und Miranda Wetseler-Glas
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
Kursberichte: Frühjahrstagung 2012
19
Frühjahrstagung 2012 – Anmerkungen VON JÜRGEN KOOP Foto: Alessandro Devigus
Anmerkungen für die, die nicht da waren... Wie es war? Waren viele da? Das Wetter war doch sicher scheußlich!? Gab’s Erfrierungen oder Deichbrüche wegen Sturm? Diese oder ähnliche Fragezeichen mögen Euch von der Reise in den hohen Norden abgehalten haben. Nun, nichts dergleichen! Der Tagungsort St.Peter-Ording war mit großer Kenntnis und Weitsicht von Christiane und Jan Halben ausgesucht, lange im voraus auch infolge sehr guter örtlicher Kenntnisse bestens geplant und mit der Liebe zum Detail ausgeführt worden. In allem spürte man das Herzblut der Planer. So fanden die vielen Reisemüden einen putzigen Willkommensgruß in Platt („Nüdschanix“ ) und „Schafsköttel“ in ihrem Zimmer vor, das schon die Mitgliederversammlung zu einer heiteren und lockeren Veranstaltung machte. Für die Kinder – und es waren viele mitgekommen – war mit Liebe gesorgt worden, die vier „Halben-Engel“ waren nicht nur dort engagiert und mit Freude die Unterstützter des Präsidenten und seiner lieben Frau. Überall spürte man im Detail die vielen umgesetzten Gedanken der beiden, sodass die Vorfreude auf die Veranstaltungen permanent stieg. Das urige Restaurant „Gosch“ in Steinwurfnähe zu den Hotels am Küstenrand mit seiner maritimen Ausstattung und Speisenauswahl in Büffetform wirbelte die NG-Mitglieder mit ihren Familien ordentlich durcheinander und erlaubte, nahezu jeden mindestens ein Mal im Arm zu halten. Die lockere Atmosphäre und Stimmung, die manchen erst weit nach Mitternacht ins Bett finden ließ, war ein viel versprechender Auftakt. Das Rahmenprogramm mit Fahrten nach Husum und Friedrichstadt, der Besuch der alten sehenswerten Kirchen auf der Halbinsel Eiderstedt mit sehr origineller Führung, einer Bäuerin im Ruhestand, mit guten Geschichtskenntnissen und vielen Döntjens, der gemeinsame Spaziergang durchs Watt zum alten Leuchtturm mit friesischem Imbiss und zum sportlichen Abschluss der Strandsegelkurs auf dem breiten und Kilometer langen vorgelagerten Sandstrand waren von vielen wahrgenommene Highlights. Das während der Tage auf dem Sandstrand für die NG auch noch genügend Strandkörbe reserviert waren, lässt Euch vielleicht ahnen, das Christiane und Jan an wirklich alles gedacht hatten.
Das wissenschaftliche Programm bot einer zahlreichen Teilnehmerzahl interessante Vorträge in hoher Qualität und eine dreistündige Spitzenpräsentation von Sepp Diemer und Clemens Bargholz zum Thema „Die endodontische Revision“. Keiner verspürte Siesta-Gelüste bei diesem Feuerwerk! Am Abend dann ein langer Spaziergang über die Holzbrücke zur auf dem Sandstrand liegenden „Sansibar Arche Noah“ bei langsam ins Meer versinkenden roter Sonne. In dem auf Holzstelzen gebauten rustikalen Restaurant war von Beginn die Bombenstimmung mit bestens gelungener Mischung von Jung und Alt schon in der Lautstärke festzustellen. Ein exzellentes Menü mit wunderbaren Weinen war von Christiane und Jan ausgesucht worden. Der Heimweg war lang, für manche der Abend länger als geplant, die Morgenröte war nicht zu übersehen. Die Seeluft tat gut, der Schlaf war abgrundtief. Nur die natürlichen Geräusche der Möven und der allzu früh klingelnde Wecker waren zu vernachlässigende Störungen im Wohlbefinden. Das immer wärmer werdende Wetter mit strahlendem Sonnenschein und nachlassendem Wind trieb die Super-Stimmung schließlich zum Höhepunkt. Der genussreiche Abend im „Roten Haubarg“, einem ca. fast vierhundert Jahre alten riesigen, Reet gedeckten Bauernhof, über den der Pächter in launigen Worten im hauseigenen Museum berichtete, war nur zeitweise vom Championsliga-Finale in München überschattet und führte wieder viele junge und alte NG-Mitglieder mit den Kandidaten der NEUEN GRUPPE und ihren Familien in bäuerlichem Ambiente zusammen. Auf der erstaunlich ruhigen Busheimfahrt waren alle glücklich und zufrieden, aber auch ein wenig geschafft von den kurzen Nächten und den intensiven Erlebnissen der vergangenen Tage. Viele sind bis zuletzt geblieben, haben Ferientage angehängt oder sind schon früher gekommen, teilweise miteinander verabredet oder auch nicht. Was bleibt, ist Christiane und Jan von Herzen Dank zu sagen für eine tolle, stimmungsvolle und bestens gelungene Frühjahrestagung. Möge sie und vielleicht auch diese Anmerkungen diejenigen anregen, die nicht gekommen waren, den Norden in Hamburg und im nächsten Frühjahr die Ostsee in Augenschein zu nehmen.
20
Kursberichte: Vitoria 2012
Vitoria 2012 zu Gast in der grünen Stadt! VON MAIK GEORG PILLICH, PINNEBERG „Implantologie Update: Der atrophierte Kieferkamm“ so lautete der Titel dieses herausragenden Kurses, zu dem Eduardo Anitua in sein “Education and Training Institute“ vom 30. Mai bis 3. Juni 2012 nach Vitoria ins Baskenland eingeladen hatte. Also startete am Mittwoch Mittag die erste Vorhut mit Dieter Edinger, Jan Halben, Walter Kaiser, Maik Georg Pillich, Christian von Schilcher, Marcus Simon und Ernst Vöpel vom Airport Düsseldorf nach Bilbao. Perfekt organisiert wurden wir dort eingesammelt und zu unserem Hotel nach Vitoria gebracht. Bei herrlichem Sonnenschein spazierten wir ins Zentrum dieser typisch baskischen Stadt und ließen uns auf dem Marktplatz nieder, um einen ersten Eindruck von Land und Leuten zu bekommen. „So...! Haben wir wieder alles richtig gemacht!“ hieß es dann auch unisono, der Slogan dieses Kurses.Die blaue Madonna in der Kirche Santa Maria begleitet von leisen gregorianischen Gesängen in unmittelbarer Nähe war bereits ein erstes kleines Highlight, von denen noch einige folgen sollten... Bei traditionell warmen und kalten Pinxtos (baskischen Tappas) ging es am Abend in der Bar Sabardi weiter, wo sich die Gruppe unter anderem mit Josef Diemer, Reinhold Rathmer, Derk Siebers, Guido Singer und Dirk Zipprich vervollständigte. Die Stimmung war ausgezeichnet und so konnte es losgehen.
Nach unserem ersten gemeinsamen Frühstück am Donnerstag marschierten wir alle zum nahe gelegenen neuen Institut von Eduardo. Dort führte uns nach einer herzlichen Begrüßung im Seminarraum unser BTI-Betreuer Oscar vor Ort mit einem kleinen Film sehr eindrucksvoll in die Arbeit und Forschung von BTI ein. Ein späterer Rundgang schloss sich an. Pünktlich erschien Eduardo, um sofort in die Behandlungsplanung mit tagesaktuellen Fällen einzusteigen, welche er mit uns diskutierte und anschließend direkt operierte. Dabei präsentierte er uns sein Behandlungs-Konzept für den hochatrophierten Kieferkamm (hier speziell die Freiendsituation im Ober- und
Unterkiefer) bei dem er routinemäßig seine längen- bzw. durchmesserreduzierten Implantate verwendete, um aufwendige augmentative Techniken wie Sinuslift oder Anlagerungsplastiken zu vermeiden. Diese Verfahren werden ergänzt durch die PRGF®-Endoret® Technologie (Plasma Rich in Growth Factors), einem Verfahren, welches auf der Aktivierung der autologen Thrombozyten des Patienten basiert, um das Gewebe zu stimulieren und dessen Regeneration zu beschleunigen. Nach Eigenblut-Entnahme wird mittels Zentrifuge die Spende letztlich in zwei Fraktionen (F1 und F2) zerlegt. Diese haben bakteriostatische Eigenschaften und wirken u.a. verbessernd auf die Zellproliferation und –migration, sind antiinflammatorisch und haben einen antifibrotischen Effekt. Sie enthalten weder Leukozyten noch die für den Knochenabbau verantwortlichen Metallo-proteasen. Die Wundheilung soll um bis zu 50% reduziert werden können. Mit Hilfe dieser Fraktionen können dann intraoperativ verschiedene Einsatz-gebiete genutzt werden (s.u.). Während alternierend Vierergruppen Eduardo in sein beeindruckendes OP-und Therapie-Zentrum folgten und bei den jeweiligen Eingriffen direkt zusahen, plante der Rest die nächste Implantation mittels DVT mit der BTI Scan II Software am eigens dafür bereitgestellten Laptop oder verfolgte die LiveÜbertragung an der Leinwand. Weder jetzt noch später bei den Hands-On-Kursen fehlte es uns an etwas. Zwischen den einzelnen Eingriffen kehrte Eduardo entweder zurück zu uns, um Fragen zu diskutieren oder er plante kurzerhand den darauffolgenden Eingriff. Alles war dabei perfekt durchorganisiert: Bevor Eduardo in den OP-Raum kam, wurde der OP-Situs des bereits sedierten Patienten von einer Zahnärztin, einer sogenannten „Näherin“, dargestellt und eröffnet und war bereit zur eigentlichen Implantation. Die Sedierung erfolgte i.v. mittels Dormicum, Propofol, Fentanyl und nasaler Sauerstoffgabe durch eine Anästhesistin. Eduardo implantierte stets von distal nach mesial, wobei er um ein Maximum an Überblick zu behalten, ohne Lupenbrille arbeitete. Wurde es schwierig, griff er zum OP-Mikroskop. Er arbeitete ohne Wasserkühlung und niedrigster Umdrehung, so dass er den anfallenden Knochenspan kollektierte, um ihn später wieder zu verwenden. Bei stark atrophierten Kieferkämmen kamen sogenannte “frontal cutting drills“ zum Einsatz. Mit diesen sehr langsam
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012 drehenden (75-100 U/min) Bohrern und mit Hilfe des OPMikroskops fensterte er zum einen das Dach des Canalis Mandibularis für extrakurze Implantate und zum anderen den Kieferhöhlenboden für einen internen Sinuslift. Wenn nötig arbeitete er anschließend piezo-chirurgisch weiter. Er achtete sehr genau darauf, wie hoch die Hounsfield-Einheiten sowohl koronal als auch apikal des Implantates waren, um Spannungsspitzen zu vermeiden. Zur Förderung der Freisetzung von Wachstumsfaktoren des endogenen Systems wurden nach der Präparation des Implantat-Lagers Bohrloch und Implantat-Oberfläche mit nicht aktivierter Fraktion 2 benetzt. Das Einbringen des Implantates erfolgte mit einem manuellen Winkelstück bei 30-45 Ncm. Extraktionswunden wurden gereinigt und ebenfalls benetzt (F2 nicht aktiviert). Anschließend erfolgte ein Wundverschluss mit einer Fibrinmembran aus aktivierter Fraktion 1. Wann immer möglich, strebte Eduardo bei Freiendsituationen mit längenreduzierten Implantaten eine trianguläre verblockte Abstützung an, wobei er darauf achtete, dass das erste Implantat in Position des ersten Prämolaren gesetzt wurde, das zweite im Bereich der mesialen Wurzel von M1 und das dritte in Position der distalen Wurzel von M2. Diese Technik untermauerte er mit einer dreijährigen Verlaufsstudie an 191 Patienten. Nach einer kurzen aber schönen Mittagspause ging es intensiv bis zum Abend weiter. Danach vergnügten wir uns in einem traditionell baskischen Restaurant mit landestypischen Speisen. Stets war zwischendurch genügend Zeit, sich mit allen Teilnehmern freundschaftlich und kollegial auszutauschen. Freitag früh wurde stramm weiter operiert. Besonders im Focus standen diesmal extrem schmale Kieferkämme, die er mit Hilfe seiner Crest Expansoren und der PRGF®-Technik verbreiterte. Als kleinen Tipp zeigte er uns, wie er den Knochendeckel des Sinusfensters entfernte und lateral an den zahnlosen Kieferkamm augmentierte. Bei Bedarf formierte er auto- und heterologe Grafts aus Fraktion 2, die wiederum mit einer Fibrinmembran (F1) überdeckt wurden. Nachmittags besuchten wir seine eindrucksvolle Forschungsabteilung und erhielten Einblick, mit wieviel Technik und Manpower hier geforscht und publiziert wurde. Danach widmeten wir uns selbst der Theorie und Praxis der PRGF®-Technik. Mit Hands-On-Übungen konnten alle Teilnehmer Fibrin-Membranen herstellen (hier noch einmal ein großes Dankeschön an den edlen Blutspender, lieber Sepp!) und die gesamten Technik üben. Es standen für alle sowohl Piezo-Geräte als auch Implantologie-Sets zur Verfügung. Erwähnenswert ist noch das Explantations-System, welches typenunabhängig einsetzbar ist und einen guten Eindruck hinterließ. Parallel operierte Eduardo fleißig weiter.
Kursberichte: Vitoria 2012
21
Später erzählte er uns, dass pro Jahr ca. 2500 Implantate in seinem Institut inseriert werden. Bei der perfekten Organisation und Effizienz ist dies kein Wunder! Es folgte eine feierliche Übergabe der Teilnehmer-Urkunden durch Eduardo persönlich. Den letzten Abend in Vitoria verbrachten wir gemeinsam mit Eduardo im Restaurant El Portalon einer ehemaligen Poststation aus dem 15. Jahrhundert. Es war herrlich! Doch unsere Mission war noch nicht zu Ende: Am nächsten Morgen brachte uns unser Bus von Vitoria in die wunderschöne Küstenstadt San Sebastian. Wir stiegen ab im Hotel de Londres mit einem direktem Blick auf die Küste und das Wahrzeichen der Stadt. Nun kam der kulinarische Höhepunkt: Wir speisten am frühen Nachmittag im wohl bekanntesten Restaurant Spaniens: dem ARZAK. Molekulare Küche in ihrer Perfektion!!! Von diesen Nachmittag werde ich noch lange erzählen. Der Chefkoch persönlich beehrte uns kurz. Was mich am meisten neben dem unbeschreiblich guten Essen faszinierte, war das Ineinandergreifen der Abläufe, das dezente aber stets gedankenlesende Personal und die Leidenschaft, die man spüren konnte. Rückblickend traf dies für beide Teams zu: das im Restaurant ARZAK und das von Eduardo! Bravo! Wer jetzt noch nicht genug hatte, der wurde am nächsten Morgen zurück in Bilbao kurz vor unserem Abflug mit einem letzten Sahnehäubchen verwöhnt: Das Museo Guggenheim de Bilbao wartete für zwei Stunden mit seiner Sonderausstellung „“A Bigger Picture“ von David Hockney auf uns. Wir waren fasziniert und beschwingt von all diesen Eindrücken. Es war genial. Abschließend sei dem Organisator und Mann im Hintergrund Reinhold Rathmer ganz herzlich gedankt: Lieber Reinhold, diesen Kurs sollte sich niemand entgehen lassen! Wir hatten neben einem hochkarätigen Referenten genügend Raum für viele freundschaftliche und kollegiale Gespräche und kamen auch kulinarisch und kulturell auf unsere Kosten. Oder um es mit den Worten des Kollegen aus Wismar zu sagen: „Reinhold ist ein Garant für Qualität, wer nicht dabei war, hat etwas verpasst!“
22
Kursberichte: Periodontology
„Periodontology – Winning is modern“ Zu Gast bei: Dott. Gianfranco Carnevale in Rom VON STEPHAN REBELE
„An update to resective surgical techniques in periodontology“ – nicht mehr, vor allem aber auch nicht weniger versprach der Untertitel dieses herausragenden Intensiv-Seminars, zu welchem der italienische Altmeister Dott. Carnevale in sein Studio di Parodontologia e Implantologia nördlich der römischen Altstadt einlud. 22 Teilnehmer – auf der Warteliste standen wohl noch einige mehr, die gerne mitgekommen wären – folgten vom 20. bis zum 22. September 2012 dieser verheißungsvollen Einladung in die italienische Hauptstadt – und sollten nicht enttäuscht werden. Die Entwicklung regenerativer Techniken hat die Parodontologie in den vergangenen Dekaden zweifelsohne revolutioniert und bestehende therapeutische Konzepte teilweise erheblich verändert. So hat der zunehmende Erfolg in der parodontalen Regeneration nicht zuletzt auch das Indikationsspektrum für resektive parodontalchirurgische Techniken verringert und weiter dazu beigetragen, dass über die Bedeutung der resektiven Therapie im Rahmen eines systematischen parodontalen Behandlungskonzeptes kontrovers zu diskutieren ist. Nichtsdestotrotz ist die resektive Parodontaltherapie auch heute noch in bestimmten klinischen Situationen indiziert – mehr noch ist sie in Fällen perioprothetischer Behandlungsaufgaben mit Indikation zur chirurgischen Kronenverlängerung geradezu alternativlos und gehört daher zum handwerklichen Rüstzeug eines jeden parodontalchirurgisch tätigen Kollegen. Eine bessere Möglichkeit als sich bei Dott. Carnevale in diesen Techniken zu schulen mag es kaum geben, zählt er ohne Frage zu den ambitioniertesten Parodontalchirurgen unserer Zeit und ist sein Name untrennbar mit der Entwicklung der resektiven Therapie verbunden. Er hat die resektive Methode entscheidend weiterentwickelt und perfektioniert, so dass sie heute nur noch wenig mit der Invasivität klassischer Beschreibungen nach dem Vorbild der Lehre Schlugers gemein hat und bei genauer Betrachtung sogar die Grenzen zwischen resektiver und regenerativer Parodontaltherapie zu verwischen scheint. Nachdem bereits ein Großteil der Gruppe am Vortag angereist war, traf man sich dann am Morgen des ersten Kurstages erstmals in großer Runde in den Räumen der in einem nördlichen Vorort von Rom gelegenen Praxis von Dott. Carnevale, wo uns dann auch der Gastgeber selbst herzlich begrüßte. Das Kursprogramm sah an allen drei Kurstagen jeweils für den Vormit-
tag theoretische Inhalte respektive Vorlesungen vor, denen sich an den Nachmittagen dann immer eine von Dott. Carnevale durchgeführte Live-Operation anschließen sollte. Der erste Kurstag widmete sich zunächst den theoretischen Grundlagen der resektiven Parodontaltherapie und zeichnete dabei auch einen kurzen historischen Abriss der Entwicklung dieser Techniken in der Fachliteratur. Daneben wurden grundlegende Aspekte der parodontalen Anatomie, der Ätiopathogenese parodontaler Destruktion sowie wesentliche Prinzipien der parodontalen Wundheilung diskutiert, ehe wir uns dann schon sehr technikbezogen mit der Thematik der chirurgischen Kronenverlängerung beschäftigten. In der Konsequenz zeigte Dott. Carnevale in der ersten Live-Operation am Nachmittag dann auch eine apikale Lappenreposition mit chirurgischer Kronenverlängerung an zwei Prämolaren im Oberkieferseitenzahngebiet. Dabei wartete unser Gastgeber mit einem ganz besonderen Highlight auf, hatte er sich doch für diesen Kurs ganz neu mit einer 3D-fähigen Kameraübertragungstechnik ausgerüstet. Mit den entsprechenden Brillen bestückt waren wir so dann im wahren Sinne des Wortes mittendrin statt nur dabei und konnten in beeindruckender Weise dem chirurgischen Geschehen aus dem nebenliegenden Behandlungszimmer folgen. In der dentalen Szene im Augenblick sicherlich einmalig und an dieser Stelle unbeschreiblich, wie es uns dadurch beispielsweise möglich wurde, die einzelnen chirurgischen Instrumente auf ihrem Weg in die Furkation eines Molaren zu begleiten. Nicht nur einmal konnten wir dabei auch den Eindruck gewinnen, mitunter näher als der Operateur selbst am Geschehen zu sein – sensationell! Dott. Carnevale selbst wiederum begeisterte gleichermaßen durch Ergonomie und Ökonomie am Arbeitsplatz und selbstredend durch eine beneidenswerte chirurgische Routine. Im Anschluss an den ersten Kurstag begaben wir uns am späten Nachmittag auf eine gemeinschaftliche Stadtführung, die uns zunächst in die nähere Umgebung der Praxis und bei einsetzender Dämmerung dann in die römische Altstadt führte, ehe wir den Abend bei herrlich unspektakulären italienischen Spezialitäten und bei ausgelassener Stimmung in einer Trattoria am Ufer des Tiber ausklingen ließen. Der zweite Kurstag stand dann ganz im Zeichen der Fibre Retention Osseous Resective Surgery bzw. der Fibre Reten-
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
tion Technique. Es ist zuvorderst an dieser Stelle, wo sich Dott. Carnevale um die Weiterentwicklung und Perfektion der resektiven parodontalchirurgischen Techniken verdient gemacht hat (Originalliteratur: Carnevale G. Fibre retention osseous resective surgery: a novel conservative approach for pocket elimination. J Clin Periodontol 2007; 34: 182-87). Zwar fand der Begriff der Fibre Retention schon in der Publikation des modifizierten Widmannlappens durch Ramfjord und Nissle Erwähnung, doch war es Carnevale, der das Wissen um die im gesunden wie im erkrankten Zustand stets über dem Knochen zu liegen kommende Zone bindegewebigen Attachments verinnerlichte und in ein konsequentes chirurgisches Konzept implementierte. Ein grundlegender Gedanke ist in diesem Zusammenhang, sich die Zone an bindegewebigem Attachment als lediglich demineralisierte Knochenmatrix vorzustellen und das chirurgische Vorgehen entsprechend der individuellen Anatomie daran anzupassen. Auf diese Weise gelingt ein gegenüber der weitverbreiteten klassischen bzw. konventionellen Herangehensweise weit weniger invasives chirurgisches Vorgehen, welches am Ende auch die Grenzen zwischen resektiver und regenerativer Parodontaltherapie aufzulösen scheint. Vor diesem Hintergrund war dann während der LiveOperation am Nachmittag – Dott. Carnevale führte unter der Prämisse der Fibre Retention Technique eine Hemisektion an einem unteren ersten Molaren durch – schon im Zuge des Nahtverschlusses das sensationelle Outcome dieser soeben durchgeführten chirurgischen Maßnahme zu erahnen. Der zweite Kurstag endete mit zum Teil lebhaften Diskussionen sowohl über die Fibre Retention Technique als auch über die grundsätzliche Entscheidungsfindung Zahn vs. Implantat – beiden Diskussionspunkten begegnete der Referent mit einer Fülle von Daten aus seinen eigenen Langzeituntersuchungen, und mit viel italienischer Gelassenheit. Den Abend verbrachten wir schließlich gemeinsam mit Gianfranco und dessen Frau Maria Pia bei bester Stimmung in einem Restaurant mit traditionell römischer Küche – der Gastgeber empfahl dankenswerterweise auch gleich selbst die Auswahl der Speisen, und so gab es neben Coda alla Vaccinara viele weitere kulinarische Klassiker der Region, welche wir sonst vielleicht nie gewagt hätten, uns selbst zu bestellen. Es war ausgezeichnet! Am dritten und letzten Tag des Kurses beschäftigten wir uns dann mit den technisch anspruchsvollsten Aspekten resektiver
Kursberichte: Periodontology
23
Parodontalchirurgie – mit der Behandlung von Furkationen im Sinne der Wurzelamputation bzw. der Hemisektion oder Trisektion. Nicht nur bei der Live-Operation, die bereits am Morgen stattfand, sondern insbesondere dann auch bei den theoretischen Ausführungen am Nachmittag zeigte sich einmal mehr die große Expertise und die langjährige klinische Erfahrung von Dott. Carnevale. Auch wenn die segensreichen Fortschritte in der dentalen Implantologie dazu beigetragen haben, dass diese Techniken heute noch seltener als früher ihre Anwendung finden, so werden immer auch klinische Szenarien denkbar sein, in welchen sie als eine echte Behandlungsalternative herangezogen werden können. Dott. Carnevale hat uns gezeigt, was in diesen Situationen dann zu tun ist und worauf es ankommt! Noch bevor Dott. Carnevale sein Resümee ziehen konnte, mussten sich die ersten Mitglieder der Kursgruppe bereits auf den Weg zurück nach Hause machen, und so fand ein wirklich beeindruckender und unvergesslicher Kurs sein allmähliches Ende. Manch andere blieben noch bis zum darauffolgenden Tag und genossen noch etwas länger den Spätsommer in der ewigen Stadt. Vielen mag es bei der Heimreise von Rom dann vielleicht ganz ähnlich wie schon Theodor Fontane zwei Jahrhunderte zuvor ergangen sein „Jetzt werden wir Rom verlassen. Wir tun es mit dem Gefühl, nur einen Zacken vom Baumkuchen, allerdings wohl die vorstehendste, braunste und schmackhafteste Stelle genossen zu haben. An Fleiß und Eifer haben wir es nicht fehlen lassen, aber der Stoff ist endlos.“
24
Dr. Beuer: Augmentation mit allogenem, gefrästen Knochen
Eine schonende Methode im atrophierten Kieferkamm Augmentation mit allogenem, gefrästen Knochen Ein Beitrag von DR. STEPHAN BEUER, M.SC., Landshut Originalarbeit im Journal of Continuing Dental Education 5/2012.
Fallbeispiel Gerade im atrophen Kieferkamm bewährt sich die Behandlungstechnik mittels individualisierten Knochenblöcken. Die computerunterstützte CAD/ CAM- Planung und Umsetzung von humanem, gefrästem Knochen bietet sowohl dem Patienten als auch dem Chirurgen zahlreiche Vorteile. Die Methode verkürzt die Operationszeit und reduziert die Entzündungs- und Schwellungsneigung sowie die postoperativen Schmerzen. Ein weiteres Plus: Es wird keine Spenderregion beim Patienten benötigt.
Die 53-jährige Patientin wurde von ihrem Hauszahnarzt mit dem Anliegen einer implantologischen Versorgung im Unterkieferseitenzahnbereich rechts überwiesen. Der Zahn 46, der als Brückenpfeiler der dreigliedrigen Brücke auf Zahn 44 diente, musste vor zirka einem Jahr aufgrund einer Fraktur alio loco entfernt werden. Es sollte wieder eine Bezahnung bis zum ersten Molaren angestrebt werden. Die Patientin war Nichtraucherin und befand sich in einem guten körperlichen Allgemeinzustand.
Indizes: allogene, gefräste Knochenblöcke, atrophierter Kieferkamm, Augmentat, Implantation
Ausgangsbefund
Einleitung „The tissue is the issue“ but „the bone sets the tone!“ Ein suffizientes Knochenangebot ist für eine erfolgreiche Implantologie von entscheidender Wichtigkeit. Ohne ausreichendes Hartgewebe werden wir es nicht schaffen, dauerhaft Implantate stabil zu verankern. Gerade im extrem atrophierten Kieferkamm wird der Aufbau des Knochenniveaus oft zur Herausforderung für jeden chirurgisch tätigen Kollegen. Insbesondere hinsichtlich der Spenderregion, der präzisen Anpassung des Augmentats für die Empfängerregion, des spannungsfreien primären Wundverschlusses und des Komplikationsmanagements, müssen zahlreiche Aspekte bedacht werden. Was Patienten und Behandler gleichermaßen bewegt, ist die Frage der Spenderregion. So fürchten die Patienten, dass der Knochen außerhalb der Mundhöhle entnommen werden muss – Patienten denken dabei meist an das Becken. Den Behandler hingegen beschäftigt die Problematik, genügend Knochenmaterial intraoral ernten und dieses bestmöglich anpassen zu können und schließlich auf keine Beeinträchtigungen im Entnahmebereich zu stoßen. Leider stellt sich oftmals heraus, dass die Morbidität im Bereich der Entnahmestelle sehr viel höher ist als im Bereich der Empfängerregion. Zur Lösung dieser Problematik wenden wir ein innovatives Konzept mit humanen, gefrästen Knochenblöcken (Cells and Tissuebank Austria) an, das unter dem Namen bonebuilder Konzept bekannt ist. Nachfolgend wird das klinische Vorgehen bei der Behandlung eines stark atrophierten Kieferkamms im Unterkiefer mit einem individualisierten allogenen Knochenblock gezeigt.
Das Gebiss der Patientin war prothetisch und konservierend versorgt. Zusätzlich zur Freiendsituation im Unterkieferseitenzahnbereich rechts bestanden weitere behandlungsbedürftige Stellen im gesamten Gebiss, die durch den Hauszahnarzt zu versorgen waren. Klinisch zeigte sich eine Freiendlücke im Unterkieferseitenzahnbereich rechts. Distal von Zahn 44 fehlte die Bezahnung. Die Alveolarkammbreite war sichtbar eingeschränkt. Der interalveoläre Abstand betrug in regio 45 zirka 7 mm und in regio 46 zirka 8 mm. Der Zahn 44 stand im doppelten Höckerbiss. In regio 45 und 46 war das Angebot an attached Gingiva leicht eingeschränkt. Zahn 44 war mit einer provisorischen Krone versorgt. Die Patientin zeigte eine mittelhohe Lachlinie bei einem leichten „gummy smile“ und einem Gingiva Biotyp A2. Die Schleimhäute stellten sich unauffällig dar (Abb. 1 und 2).
Behandlungsplan Im Unterkieferseitenzahnbereich rechts wurden in regio 45 und 46 Implantate angestrebt. Aufgrund der stark atrophierten Kieferkammverhältnisse musste zu- nächst das Knochenlager horizontal aufgebaut werden. Nach mindestens sechs Monaten Einheilung des Knochens könnten dann die Implantate inseriert werden. Dabei muss ein zirkuläres Band von attached Gingiva um die Implantate sichergestellt sein. Sollten die Hartund Weichgewebsverhältnisse es zulassen, erfolgt eine offene Einheilung der Implantate.
Bonebuilder Konzept: Planung des Knochenblocks Eine Besonderheit dieser Therapiemethode ist, dass der spongiöse Fremdspenderknochen passgenau und verbrauchsfertig industrieseits geliefert wird, sodass er nach entsprechender kurzer Vorbehandlung sofort verwendet werden kann.
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
Dr. Beuer: Augmentation...
Ausschlaggebend und unverzichtbar für ein gutes Ergebnis sind zunächst gute Dicom-Daten, die entweder durch CT- oder DVT-Aufnahmen gewonnen werden können (Abb. 3 und 4).
Abb. 5 Dreidimensiona ? le Visualisierung der Ausgangssi ? tuation mit der Planungssoftwa ? re Simplant
Nach der Extraktion der Dicom-Daten wird der Knochenblock geplant. Die Planung kann mit entsprechender Planungssoftware, zum Beispiel Simplant (Materialise Dental), selbst in der Praxis oder alternativ direkt über botiss, Berlin, erfolgen (Abb. 5 bis 8). Sehr hilfreich ist dabei die Planungsunterstützung durch botiss. Der Planungsvorschlag kann bei Bedarf verändert werden. Hat man sich auf das Design des individuellen Knochenblocks geeinigt, erfolgt dessen Herstellung. Der Spenderknochen kommt dabei aus Oberschenkelköpfen von humanen Lebendspendern, die aufgrund eines orthopädischen Gelenkersatzes diesen Knochen nicht mehr benötigten. Der Knochen wird in der österreichischen Knochenbank C+TBA, Austria gesammelt und nach einem strengen Protokoll aufbereitet. Nach Ultraschall, chemischer Reinigung, oxidativer Behandlung und Trocknung ist ein bedenkenloser
Abb. 1 Die Ausgangs ? situation zeigt einen Defekt im Unter kiefer? Seitenzahn? bereich rechts
Abb. 2 Die Freiendl cke im Unterkiefer ? seitenzahnbe ? reich: Im Detail wird die klinisch ?ein geschr nkte Alveolarkamm? breite sichtbar
25
Abb. 6 Planung des Knochenblocks
Abb. 7 Planung der Implantate D
Abb. 8 Der drei ? dimensional geplante
Gebrauch sichergestellt. Die dreidimensionale Fräsung erfolgt nach den vorher festgelegten Daten. Anschließend wird die gamma-Sterilisation durchgeführt und alles doppelt steril verpackt. In diesem Zustand erreicht der passgenaue Knochenblock die Praxis zirka vier Wochen nach dem Beginn der Planung.
Das chirurgische Vorgehen
Vorbereitung der Empfängerregion Nach der Leitungsanästhesie des Nervus alveolaris inferior und des Nervus buccalis rechts erfolgte die Inzision im Unterkieferseitenzahnbereich (rechts) krestal (leicht nach lingual), Abb. 3 Der transversale senkrecht zum Kieferkamm und unter Knochenkontakt. Eine Schnitt vertikale Entlastung wurde nur distal in regio 47 durchgeführt, veranschaulicht um eine Narbenbildung im sichtbaren Bereich unbedingt zu das vermeiden. Approximal wurde in regio 43 und 44 die Inzision Hartgewebe? mit einem Papillenerhaltungslappen abgeschlossen. Danach defizit erfolgte die Präparation eines MukoperiostLappens (Volllappen) mit Abb. 4 diversen RaspaDie H lsen zeigen die torien (Abb. 9). sp tere Implantat?
Abb. 9 Die Inzision erfolgte krestal, senkrecht zum Kieferkamm unter Knochen kontakt. Der Mukoperiostlappen wurde mit diversen
26
Dr. Beuer: Augmentation mit allogenem, gefrästen Knochen
Abb. 10 Der individuell gefr ste ? Kno Abb. 11 Nach der Entnahme aus der? Ver chenblock wird doppelt steril verpackt
Abb. 12 ... wird das Augmentat an die ? ent sprechende Stelle angebracht, um die ? Pass genauigkeit zu u?berpu?fen
Abb. 13 Die Rehydrierung des ?Kno chenblocks geschieht mittels ?Unter druck — je nach Gr §e des AugmentatsAbb. 14 Die Osteosyntheseschraube wird Abb. 15 Der final befestigte Knochenblock — mit einer 10 mloder einer 20 ml? in den fixierten Knochenblock eingedreht nach dem Entfernen der Fixierzange
Nach der Darstellung des Empfängerbereichs wurde die vestibuläre Kompakta mit einem spitzen Bohrer perforiert, um eine bestmögliche Durchblutung des Augmentats zu gewährleisten. Bis weitere Schritte unternommen wurden, empfahl es sich, eine in Kochsalzlösung getränkte Kompresse in die Tasche zwischen Lappen und Knochen zu legen, um die Schrumpfung des Lappens so gering wie möglich zu halten. Vorbereitung des Augmentats Nachdem der individuell gefräste Knochenblock aus der doppelt sterilen Verpackung (Abb. 10 und 11) entfernt worden war, wurde das Augmentat zunächst auf Passgenauigkeit überprüft. Dabei wurde es an die Empfängerstelle gebracht und das Spaltmaß kontrolliert. (Abb. 12). Idealerweise liegt das Augmentat vollständig auf, ohne jegliches Kippen. Sollten wider Erwarten Störstellen vorliegen, so können diese leicht mit dem Rosenbohrer beseitigt werden. Sobald die Passung des Augmentats gegeben war, wurde der Knochenblock rehydriert. Dies geschieht je nach Größe des Blockes am besten in einer 10 ml- oder 20 ml-Einmalspritze. Dabei wird der Stempel der Spritze abgezogen, um den Knochenblock einzubringen. Danach wurde der Stempel wieder aufgesetzt, sodass Spritze zu finden ist. Im Anschluss daran wurde mit der Spritze 0,9-prozentige Kochsalzlösung aufgezogen. Mit dem Aufrichten der Spritze wurde durch dosierten Druck mit dem Stempel die überschüssige Luft aus dem Lumen entfernt. Nun erfolgte die eigentliche Rehydrierung: Dabei verschließt der Behandler mit einem Finger die Öffnung der Spritze und erzeugt einen Unterdruck mit dem Stempel, indem er diesen rückwärts anzieht. Der Unterdruck wird für einige Sekunden gehalten, bevor der Stempel wieder losgelassen wird. Dieser Ablauf wurde so lange wiederholt, bis keine
Luftblasen mehr bei dem Erzeugen des Unterdrucks aus dem Augmentat aufgestiegen sind. Danach konnte das Augmentat in der Empfängerregion befestigt werden (Abb. 13). Transplantation Nachdem die angefeuchtete Kompresse entfernt worden war, konnte das fertig vorbereitete Augmentat in Position gebracht werden. Ein präzise passender Knochenblock fügt sich dabei fast selbstständig in die Endposition ein. Sobald das Augmentat definitiv positioniert worden war, wurde es zunächst mit der Knochenfixierzange nach Stricker (Aesculap) befestigt. Danach erfolgte die Befestigung mittels zweier Osteosyntheseschrauben (Aesculap), um eine vollständige Immobilisation des Augmentates zu gewährleisten. Die Schraubenköpfe wurden dabei bündig zum augmentierten Knochen positioniert. Danach wurde die Knochenfixierzange wieder entfernt (Abb. 14 und 15). Finishing der Augmentation Nach Befestigung des Augmentats musste dieses mit einer resorbierbaren Kollagenmembran (RCM6) bedeckt werden. Dabei wurde sichergestellt, dass die langsam resorbierbare Membran (vollständige Resorption nach 26 bis 38 Wochen) das Augmentat mindestens 2 mm an den Grenzflächen überragt. Je nach den klinischen Verhältnissen kann eine Befestigung der Membran mit Pins notwendig sein, worauf hier verzichtet werden konnte (Abb. 16). Danach erfolgte das Schlitzen des Periosts mittels einer 15C5/2012 | 4 Klinge, um eine optimale Mobilität des Mukoperiost-Lappens zu gewährleisten. Anschließend wurde ein spannungsfreier primärer Wundverschluss mit nicht-resorbierbaren Fäden 5/0 Supramid (Resorba) und 6/0 Seralene (Serag Wiessner) durch-
5
Dr. Beuer: Augmentation...
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
27
Abb. 16 Das fixierte Augmentat wird mit Abb. 17 Horizontale Matrazenn hte einer resorbierbaren Kollagenmembran nehmen die Spannung aus dem Lappen. Der finale Verschluss erfolgt mit ? Einzel
Abb. 20 Transversale Schichtaufnahme nach der Integration des Augmentats
Abb. 19 In der Detailansicht k nnen die Abb. 18 Sieben Monate postoperativ zeigt Schraubenk pfe der Osteosynthese ? sich ein gut ausgeformter Alveolarkamm
Abb. 21 ... und der Implantat planung mit der Simplant Planungssoftware
geführt. Dabei kamen zum einen horizontale Matrazennähte zur Anwendung, um die Spannung aus dem Lappen zu nehmen. Zum anderen wurden Einzelknopfnähte für den finalen Verschluss gewählt (Abb. 17).
6/0 Nahtmaterial Seralene (Serag Wiessner) mittels Einzelknopf- und Laurell-Nähten. Es wurden drei Monate Einheilzeit vereinbart (Abb. 25 bis 28).
Diskussion Entfernung des Osteosynthesematerials und Implantation Nach gut sieben Monaten erfolgte der Re-entry. Dabei stellte sich klinisch ein gut ausgeformter Alveolarkamm dar (Abb. 18 und 19). Vor der Implantation wurde eine digitale Volumentomograhie angefertigt, um die Integration und die Dimension des Knochens beurteilen zu können. Dabei zeigten sich homogene Verhältnisse (Abb. 20 bis 22). Eine Grenzschicht zwischen ortsständigem und augmentiertem Knochen war nicht zu erkennen (Abb. 23). Die Osteosyntheseschrauben, die zirka 1,5 bis 2,0 mm aus dem Augmentat hervorragten, zeigten eine geringradige Resorption auf (Abb.24). Nach dem Entfernen des Osteosynthesematerials wurden Promote Implantate (Camlog) mit einem Durchmesser von 3,8 mm schablonengeführt inseriert. Das Hart- und Weichgewebsangebot ermöglichte eine offene Einheilung und einen Wundverschluss mit
Der vorliegende Fall veranschaulicht eine suffiziente Wiederherstellung des Alveolarkamms mit allogenem Knochenmaterial von humanen Spendern. Noumbissi et al. [1] konnten zeigen, dass zwei Jahre nach der Augmentation im Sinus maxillaris kein Unterschied zwischen Puros-Knochen (mineralized bone allografts) und DFDBA (demineralized freeze-dried bone allografts) und xenogenem (deproteinized bovine bone xenografts) Knochen bestehen. Dabei wurden nach zehn Monaten Biopsien entnommen. Beide Testgruppen lieferten exzellente Ergebnisse, gleichwohl die Knochenbildung in der PurosGruppe schneller voran ging. Beim Vergleich von Puros (mineralized, cancellous bone allografts (MCBA)) und Bio-Oss (anorganic bovine bone matrix (ABBM)) zeigte Froum et al. [2] bei der Augmentation des Sinus, dass beide Materialen gut funktionieren, wobei in der
Abb. 22 Dreidimensionale Darstellung des neu formierten Knochens mit Implantatpositionierung
Abb. 23 Es ist keine Grenzschicht zwischen Abb. 24 Die Osteosytheseschrauben ragen dem ortsst ndigen und dem augmentierten zirka 1,5 bis 2mm aus dem Augmentat Knochen erkennbar hervor und zeigen eine geringgradige
28
Dr. Beuer: Augmentation mit allogenem, gefrästen Knochen
Abb. 25 Das Einbringen der? Pro mote Implantate erfolgt schablo ?
Abb. 26 Die Implantate sind zirkul r von Knochen gefasst
Abb. 27 Der Wundverschluss geschieht im Sinne einer offenen
Gruppe, in der mit MCBA augmentiert wurde, mehr vitaler Knochen zu finden war. Die Arbeitsgruppe um Keith et al. [3] untersuchte den Erfolg von Puros-Blöcken (mineralized block allografts) im Zeitraum von drei Jahren. Teilbezahnte Patienten wurden mit diesen Knochenblöcken behandelt und nach vier bis sechs Monaten Einheilzeit mit Implantaten versorgt. Obwohl die Techniksensitivität höher ist als bei der Versorgung mit autologen Blöcken, kann dem Verfahren eine hohe Vorhersagbarkeit attestiert werden. Langzeitstudien stehen noch aus. Derzeit befinden sich diverse Untersuchungen zum bonebuilder Konzept in Arbeit. Hierzu sind vielversprechende Studienergebnisse zu erwarten.
Zusammenfassung Die gezeigte Therapieoption ist eine suffiziente Möglichkeit zum Aufbau des Alveolarkamms. Im Vergleich zu früheren Therapiekonzepten bietet sie mehrere Vorteile. Zum einen muss keine Spenderregion eröffnet werden, was die Morbidität für die Entnahmestelle ausschaltet. Zum anderen wird die Operationszeit deutlich verkürzt, da ein Anpassen des Knochens an die Empfängerregion nicht notwendig ist. Das reduziert die Entzündungs- und die Schwellungsneigung sowie die postoperative Schmerzhaftigkeit deutlich. Die CAD/CAMPlanung und Umsetzung findet hier eine besonders sinnvolle Anwendung zum Wohle von Patient und Behandler. Aus meiner Sicht sich hierbei um eine Therapieoption mit Zukunft. „The bone sets the tone!“
Danksagung Mein Dank gilt den Kollegen und Freunden, die mich bei meiner chirurgischen Arbeit unterstützen und begleiten. Besonders möchte ich dabei Dr. Fritz Maier hervorheben, bei dem ich meine Vorbereitungsassistenzzeit verbringen durfte und der in mir die Leiden schaft zur Chirurgie weckte. Außerdem gilt mein großer Dank Dr. Dr. Hubert Grau, der mir die Weiten der „großen und kleinen” Chirurgie aufzeigte und mich väterlich in allen Belangen und Vorhaben unterstützte. Dr. Markus Schlee und Peter Neumeier danke ich für ihr Wissen um die dreidimensionale Knochenkonstruktion und für ihre Freundschaft. Meinem Bruder PD Dr. Florian Beuer danke ich für die Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilian-Universität in München.
Abb. 28 Die radiologi ? sche Ansicht der inserierten Implantate
Über den Autor Dr. Stephan Beuer, M.Sc., studierte in Regensburg von 1997 bis 2003 Zahnmedizin. Nach zwei Jahren Vorbereitungsassistenzzeit in einer allgemeinzahnärztlichen Praxis absolvierte er in einer Praxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie die Fachzahnarztausbildung zum Oralchirurgen. 2006 schloss er seine Promotion bei Prof. Dr. Michael Christgau ab. Den Titel Master of Science (M.Sc.) erwarb Dr. Stephan Beuer, M.Sc., Ende 2009 im Fach Kieferorthopädie. Im Februar 2010 eröffnete er gemeinsam mit Dr. Christian A. Kaes die Praxisklinik Münchnerau. Seine Behandlungsschwerpunkte sind Hart- und Weichgewebsaugmentation, plastische PA-Chirurgie und Implantologie. Dr. Stephan Beuer, M.Sc., ist neben seiner Praxistätigkeit als Referent und Autor tätig. Er ist Mitglied in diversen wissenschaftlichen Gesellschaften. Literatur beim Verfasser oder im Internet unter www.teamwork-media.de in der linken Navigationsleiste unter „Literaturverzeichnis“.
Korrespondenzadresse Dr. Stephan Beuer, M.Sc. Praxisklinik Munchnerau Weiherbachstraße 2 84034 Landshut Fon +49 871 9658600 stephan@beuer.de www.praxisklinik-muenchnerau.de
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
Immediate supracrestal implant placement...
29
Immediate supracrestal implant placement with immediate temporization in the anterior dentition: a retrospective study of 31 implants in 26 patients with up to 5.5-years follow-up Key words:
STEFAN PAUL, ULRIKE HELD
flapless, immediate implants, supracrestal
Abstract Aim: To assess the stability of the peri-implant bone, the peri-implant soft tissues and the esthetic success of immediately placed implants. Materials and methods: In this retrospective study, scalloped-shaped implants were placed immediately and 1.5 mm supracrestally after single-tooth extraction. All implants were immediately restored with an implantsupported temporary crown. Clinical and radiographic parameters were assessed on the day of tooth extraction with subsequent implant placement and temporization, after 6 months at delivery of the final crown, and after 1, after 3, and up to 5 years after crown delivery.
Results: All 31 implants were clinically successful and in function during the observation period (mean 3.4 years). The peri-implant soft tissues were clinically healthy as indicated by a low mean plaque (below 0.5) and sulcus bleeding index (below 0.24) values. The distance between the implant shoulder and the first visible bone-to-implant contact (DIBrx) was measured at the mesial and distal aspects of each implant using periapical radiographs. Mean values for DIBrx of 1.73 ± 0.59 mm directly after implant placement and 2.25 ± 0.66 mm after the observation period demonstrated stable peri-implant bone levels. The mean distance from the implant shoulder to the gingival margin on the labial aspect (DIM vestibular) was 2.21 ± 1.09 mm directly after implant placement. Respective values at 1 year, at 3 years and at 5 years after crown delivery remained stable thus demonstrating little if any gingival recession. The assessed mean values for the pink (PES) and white (WES) esthetic score (0 = 0–33% score, 1 = 34–66% score, 2 = 67–100% score) were 8/4 directly after implant placement and 9/10 after 1.5–5.5 years of observation.
Conclusions: After an observation time of 1.5–5.5 years all implants demonstrated very stable soft tissue levels with little if any recession on mesial, distal and labial aspects and an esthetic score that was reasonable directly after temporization and developed toward maximum scores over time.
Replacing lost teeth with implant-supported restorations has become a standard of care in today’s dental practice. For over 30 years osseointegrated implants have been used and documented in various clinical indications (Buser et al. 1990, 1997; Lekholm et al. 1994; Behneke et al. 2000; Weber et al. 2000; Bornstein et al. 2005). Single-tooth replacement with an implant-supported restoration has become a routine procedure in many sites that previously required a fixed partial denture. In posterior sites, the main objective of implant therapy is restoring chewing function. In anterior sites, however, restoring the esthetic appearance is equally important. Loss of teeth is usually associated with a loss of hard and soft tissue volume particularly in the anterior maxillary sector. This decrease is most pronounced in the first 4 months after one or several teeth were lost (Schropp et al.2003a) and renders the predictability uncertain if reestablishing soft tissue esthetics comparable to a perfect natural situation is the aim (Kois 2004). Various treatment modalities have been described for implant therapy in the anterior zone such as delayed (after 6 months or more) (Mayfield 1999), delayed immediate (after 8 weeks) (Polizzi et al. 2000), and immediate implant placement (Wöhrle 1998; Kan et al. 2003b; Schropp et al. 2003b; Chen et al. 2004). If teeth are still in place and an extraction is indicated due to limited trauma or limited apical infection (Truninger et al. 2010), then hard and soft tissue volume and contours usually are intact. In such cases extraction, immediate implant placement, and immediate temporization can be advocated. Although immediate-immediate techniques are gaining interest (Mankoo 2004), the delayed immediate approach is the most commonly used technique (Buser et al. 2008). The predictability appears to be very good with reasonable esthetic result (Buser et al. 2008). However, a clinical result comparable to a perfect natural dentition remains difficult to obtain. The purpose of the current retrospective case-series study was to evaluate the treatment outcomes of 31 implants in 26 patients up to 5 years after single-tooth replacement in the anterior maxilla using the concept of immediate supracrestal implant placement with immediate temporization.
30
Stefan Paul, Ulrike Held: Immediate supracrestal implant placement...
Materials and methods Patient criteria Between 2003 and 2009, 33 scalloped-shaped implants were placed in 28 patients immediately after single-tooth extraction. 31 implants in 26 patients were available for follow-up examinations. Two patients had moved abroad and could not participate. The group consisted of 16 female patients and 10 male patients with a mean age of 44.8 years (range 18–84 years) at implant placement. The treatment sites included 19 central incisors, 9 lateral incisors, and 3 canines. All patients were free of systemic disease, six patients were smokers with 욷10 cigarettes per day.
Surgical and restorative treatment Prior to tooth extraction biotype and parallelism of zenith points to the true horizontal plane were verified on the tooth needing extraction and the similar type neighboring tooth using standardized photographic pictures. Study casts were used to create a vacuum implantation stent and an acrylic shell for a temporary restoration. The surgical technique comprised tooth extraction and implant placement without flap elevation. Implants were placed immediately after tooth extraction in a correct threedimensional position using a prefabricated vacuum implantation stent with an access hole on the oral aspect. Only titanium screw-type, root-shaped implants with a scalloped neck design were used (Nobel Perfect Implant, Nobel Biocare, Gothenburg, Sweden). All implants had a rough, anodized surface throughout. Directly after tooth extraction the mesiodistal and buccal-oral width of the extraction socket was measured in the crestal area using a periodontal probe (Aesculap PCP 11, www. aesculap.de). Implant widths were chosen so that an implant-tobone gap of 1.5–2.5 mm resulted on the buccal aspect with implants always being placed in contact with the oral wall of the socket. If the implant-to-bone gap was 욷 2 mm deproteinized bovine bone mineral (BioOss, Geistlich, Wohlhusen, Switzerland) was used to fill the gap by packing the particles densely and a connective tissue graft was used to increase the thickness of the marginal tissue above the facial bone crest. In addition, the vertical dimension of the soft tissue above the crestal bone was measured on the mesial, distal, buccal, and palatal aspect prior to implant placement. As a rule, the scalloped-shaped implants were placed with the mesial (and distal) peak of the scallop surmounting the mesial (distal) bone crest for 1.5 mm. Using 16 mm long implants in all circumstances guaranteed good primary stability. After implant placement vertical soft tissue dimensions above the implant shoulder were measured to the nearest millimeter at four aspects with a PCP 11 periodontal probe resulting in a DIM value (distance implantto-mucosa). In the same way the vertical distance of the implant shoulder to the crestal bone was measured at four aspects resulting in a DIB value (distance implant-to-bone). Finally, a prefabricated temporary titanium abutment (Nobel
Perfect temporary titanium abutment, Nobel Biocare, Gothenburg, Sweden) was adjusted to host the prefabricated shell of a temporary restoration held into the correct position over the freshly placed implant with the vacuum implantation stent. The sandblasted inner surface of the shell was fixed to the adjusted and equally sandblasted surface of the temporary abutment using flowable composite. After unscrewing this unit from the freshly placed implant, a concave shaped emergence profile was created at the interface of the temporary shell and the temporary abutment using flowable composite and carbide burs. This concaveshaped emergence profile followed the scallop of the implant neck. This procedure could comfortably be carried out, outside the patient’s mouth. Particular attention was given to a highly polished surface finish. The temporary restoration was adjusted to a nonfunctional occlusion; i.e. contacts in centric occlusion and all excursion movements were eliminated and patients were strictly advised to avoid any chewing forces during the first 2 months after implant surgery. Directly after final seating of the immediate temporary restoration, using a PCP 11 probe mesial and distal papilla heights were measured to a line perpendicular to the incisal cant line of the adjacent teeth. Similarly, crown length above the newly created zenith point of the temporary crown was measured on a line perpendicular to the incisal cant line. Finally, the pink (PES) and the white esthetic scores (WES) (Belser et al. 2009) were evaluated adopting the following ranges for the suggested values of either 0, 1 or 2. A “0” value corresponds to a 0–33% result, a “1” value corresponds to a 34–66% result and a “2” value corresponds to a 67–100% result. For the pink esthetic score validated parameters were: 1. mesial papilla, 2. distal papilla, 3. curvature of facial mucosa, 4. level of facial mucosa, and 5. root convexity/soft tissue color and texture. For the white esthetic score validated parameters were: 1. tooth form, 2. outline/volume, 3. color (hue/value), 4. surface texture, and 5. translucency/characterization. Both, pink and white esthetic scores are calculated by adding up the individual outcomes (0, 1, or 2) for each of the five parameters, resulting in a score ranging from 0 to 10. Peri-operative antibiotic prophylaxis was initiated 1 h prior to surgery and maintained for 5 days post-surgically (amoxicillin, 3 9 750 mg/day orally). Post surgical medication included also a 0.1% chlorhexidine digluconate mouth rinse three times per day for 7 days. Checkups were carried out 7 days and 3 months post-surgically. After 6 months impressions were taken with standardized, screw-type impression copings. Impression copings were customized to the exact emergence profile of the temporary crown by a simple reduplication technique. The temporary crown was unscrewed from the patient’s mouth and mounted on a lab analogue that was fixed in a plaster serving as a holder. Using putty impression material the concave emergence profile of the temporary crown was recorded. Exchanging the temporary crown with a standardized impression coping allowed the negative void to be filled with self-curing acrylic thereby reduplicating the exact emergence profile of the temporary crown on the impression coping. Wax-up and biscuit try-ins
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012 completed the course of the treatment to create an esthetic restoration with an emergence profile that would exactly fit the matured soft tissue profile that had formed around the temporary restoration. Standardized final titanium abutments with a 6° conical internal fit were screwed into the implants with a torque of 35 Ncm. All final crowns were cemented onto these definitive abutments using resin cement (Panavia TC, Kuraray, Tokio, Japan). Standardized periapical radiographs (Weber et al. 1992) using the long cone parallel technique with the patient being adjusted to a holding device (Kerr Hawe Super-Bite Anterior, KerrHawe.com) were taken immediately after surgery and immediate temporization, after 6 months at delivery of the final crown, after 1 year, after 3 years, and after 5 years post crown delivery.
Follow-up examination In 2011, the 26 patients were recalled for a clinical and radiographic examination. This examination represented the 1 year follow-up for 11 implants, the 3 year follow-up for 12 implants, and the 5 year follow-up for 8 implants. The following parameters were assessed: Modified plaque index (mPI) and modified sulcus bleeding index (mSBI) (Mombelli et al.1987) were recorded at four aspects around the implant-retained restorations. Probing depth (PD) and the distance between the implant shoulder and the mucosal margin (DIM) were measured to the nearest millimeter at four aspects around the implant-retained restoration. Since all crowns had been cemented with definitive resin cement clinical attachment level was calculated at four aspects around the implant (CAL = DIBcalc = PD-DIM) and corresponded to DIBcalc for 1 year, 3 year, and 5 year follow-up examination. The distance between the implant shoulder and the first visible bone-toimplant contact (DIBrx) was measured at the mesial and distal aspects of each implant using periapical radiographs with the long cone technique. The measurements to evaluate the esthetic outcome included measurement of the distance of the mesial and distal papilla tip to the incisal cant of the neighboring tooth as described above as well as measurement of the crown length (distance zenith to incisal cant). Pink and white esthetic score were recorded as described above.
Immediate supracrestal implant placement...
31
second implant for those patients who had more than one implant to keep the observations independent. All data were analyzed with the statistical software R 2.13 (R: A Language and Environment for Statistical Computing, R Development Core Team, R Foundation for Statistical Computing, Vienna, Austria, 2011, http://www.R-project.org).
Results Clinical findings Detailed results of all clinical parameters at crown delivery are listed in Table 1. At the time of examination all implants were firmly osseointegrated. None of the patients presented with a suppuration at the implant. All patients exhibited good oral hygiene, documented by a mean mPI and standard deviation (SD) of 0.44 ± 0.29 at crown delivery. The peri-implant soft tissues appeared healthy which corresponded with a mean mSBI of 0.20 ± 0.22 at the time of crown delivery. The mean PD ranged between 3.87 ± 0.68 at implant placement and 4.64 ± 0.73 after 5 years. Mean DIM was 2.56 ± 0.76 and 2.49 ± 0.63, respectively. Mean DIBcalc (PD-DIM) was 1.32 ± 0.56 at implant placement and 2.11 ± 0.40 after 5 years. Mean radiographically assessed DIB values (DIBrx) on mesial and distal aspects were 1.73 ± 0.59 and 2.25 ± 0.66 after 5 years (Table 2). A representative clinical case is shown in Figs 1–4. Variable n (a) mPI 31 mSBI 31 PD (mm) 31 DIM (mm) 31 DIB (mm) 31 DIB rx (mm) 31 Crown length (mm) 31 Mes Pap (mm) 31 Dis Pap (mm) 31 (b) PD mesial 31 PD distal 31 PD vestibular 31 DIM mesial 31 DIM distal 31 DIM vestibular 31 SD, standard deviation
Mean
SD
Median
Range
0.44 0.20 4.24 2.74 1.49 2.06 10.74 7.48 6.86
0.29 0.22 0.80 0.84 0.64 0.74 1.21 1.65 1.25
0.50 0.25 4.13 2.63 1.38 2.00 10.50 7.00 6.50
0.00–1.50 0.00–1.00 2.50–5.88 1.13–4.50 0.25–3.13 0.75–4.00 8.00–13.50 5.50–11.50 5.00–10.50
4.74 4.65 3.77 2.82 2.69 2.48
1.20 0.95 1.37 1.17 1.02 1.14
4.50 4.50 4.00 3.00 3.00 2.00
2.50–7.50 3.00–6.50 1.00–7.50 0.50–6.00 1.00–5.00 0.50–4.50
Table 1. Clinical parameters (a) and soft tissue parameters of the 31 implants at crown delivery.
Statistical analysis The variables PD, DIM, DIBrx, and CAL = DIBcalc were measured on the mesial, distal, buccal, and palatal aspect. The mean value was calculated per variable based on these four measurements and for each implant. We assessed the correlation between DIBcalc and DIBrx for the interproximal (mesial and distal) and the esthetically more important vestibular values with Spearman’s rank correlation coefficient. Paired t-tests were used to compare variables over time. To assess the level of agreement between DIBcalc and DIBrx beyond the coefficient of correlation, we compared these two measurements with a Bland–Altman plot. Histograms were used to show the development of DIBcalc and DIBrx over time. The level of significance for all tests was 0.05, and we excluded the
Fig. 1. Fracture of the right ?maxil Fig. 3. Three years after lary incisor. delivery of final crown.
Fig. 2. Six months after implant Fig. 4. Five years after placement. delivery of final crown.
32
Stefan Paul, Ulrike Held: Immediate supracrestal implant placement... Implant placement, n = 31
Variable Mean mPI – mSBI – PD (mm) 3.87 PD (vestib.) 3.37 2.56 DIM (mm) DIM (vestib.) 2.21 DIM (mes.) 2.65 DIM (dist.) 2.53 DIB (mm) 1.32 DIB calc. (mm) – DIB rx (mm) 1.73 Crown (mm) 10.60 MesPap (mm) 7.57 DisPap (mm) 6.94 SD, standard deviation
SD – – 0.68 1.41 0.76 1.09 1.10 1.01 0.56 – 0.59 1.19 1.58 1.21
Crown delivery, n = 31
Median Mean 0.44 0.20 3.75 4.24 3.00 3.77 2.50 2.74 2.00 2.48 3.00 2.82 2.50 2.69 1.13 1.49 – – 1.50 2.06 11.00 10.74 7.00 7.48 6.50 6.86
SD 0.29 0.22 0.80 1.37 0.84 1.14 1.17 1.02 0.64 – 0.74 1.21 1.65 1.25
1 y post crown, n = 31
3 y post crown n = 19
Median 0.50 0.25 4.13 4.00 2.63 2.00 3.00 3.00 1.38 – 2.00 10.50 7.00 6.50
Mean 0.39 0.19 4.40 3.74 2.84 2.44 3.02 3.03 – 1.56 2.16 10.76 7.36 6.63
Mean 0.44 0.17 4.32 4.00 2.69 2.47 2.61 2.87 – 1.64 2.17 10.66 7.68 6.71
Median 8.00 9.00 4.00 10.00
Range 5.00–10.00 5.00–10.00 2.00–5.00 8.00–10.00
SD 0.37 0.24 0.82 1.36 0.89 1.12 1.21 1.03 – 0.60 0.66 1.26 1.65 1.26
Median 0.25 0.25 4.38 4.00 2.88 2.50 3.00 3.00 – 1.50 2.00 11.00 7.00 6.50
SD 0.34 0.19 1.00 1.58 1.02 1.21 1.17 1.20 – 0.61 0.54 1.49 1.82 1.38
5 y post crown,, n=8 Median 0.25 0.25 4.00 4.00 2.63 2.50 3.00 3.00 – 1.63 2.00 10.50 7.50 6.50
Mean 0.45 0.20 4.64 3.81 2.49 1.94 3.13 2.50 – 2.11 2.25 10.94 7.38 7.19
SD 0.23 0.19 0.73 1.41 0.63 0.91 0.79 0.89 – 0.40 0.66 1.95 1.94 2.20
Median 0.50 0.25 4.43 3.50 2.56 2.00 3.00 2.50 – 2.13 2.00 10.75 7.00 7.50
Table 2. Clinical parameters over time.
Variable n† Mean SD PES at implant placement 26 7.73 1.25 PES last observation 26 8.39 1.33 WES at implant placement 26 3.96 0.45 WES last observation 26 9.50 0.65 †one implant per patient only, ‡paired t-test, SD, standard deviation; PES, pink esthetic score; WES,
P-value‡ 0.047
Difference, 95% CI 0.65 (0.01; 1.30)
<0.001
5.51 (5.19; 5.89)
white esthetic score.
For the validation of the esthetic outcome PD and DIM values as well as crown length on the vestibular aspect and mesial/distal papilla heights were of particular interest. At crown delivery DIMvestib was 2.48 ± 1.14 mm, PDvestib was 3.77 ± 1.37, and crown length was 10.74 ± 1.21. At 5 years these values were 1.94 ± 0.91, 3.81 ± 1.4,1 and 10.94 ± 1.95, respectively. Paired t-tests revealed no significant difference between any of these pairs. Mesial and distal papilla heights mainly demonstrated equally stable values over the 5 year observation period (Table 2). Mean values for the pink (PES) and white esthetic score (WES) were 8/4 directly after implant placement and 9/10 after 1.5– 5.5 years of observation (Table 3). A paired t-test showed significant improvement for both of these scores over time.
Table 3. Summary statistics for pink and white esthe ?
Fig. 5. 씰 Periapical radiograph immediately after implant placement.
Fig. 6. 씰씰 Periapical radiograph 5 years after implant placement.
Radiographic findings None of the 31 implants revealed circumferential radiolucency. If implants showed crestal bone resorption on the mesial and distal aspect it was predominantly v-shaped (Figs 5 and 6). All crowns were cemented and could not be removed for ease of assessment of clinical measurements. To verify the accurateness of the calculation of vestibular and oral DIBcalc values (DIBcalc = PD – DIM) after final crown delivery DIBrx values (which represent only mesial and distal values) were analyzed for correlation with DIBcalc values using the Spearman’s rank correlation coefficient. The correlation coefficient showed good to very good correlation at time of implant placement and delivery of crown, ranging between 0.86 and 0.91. These findings were confirmed by the Bland–Altman plot which demonstrated that 91% (85/93) of all pairs lay within the 95% confidence interval when plotting the differences against the means of DIBcalc and DIBrx (Fig. 7).
Fig. 7. Bland Alt ? man plot for the compari ? son of DIBcalc and DIBrx.
The mean DIBrx and DIB/DIBcalc values gently increased from 1.73 ± 0.59/1.32 ± 0.56 at implant placement to 2.25 ± 0.66/2.11 ± 0.40 mm after 5 years. Mean changes from implant placement to crown delivery,1 year, 3 years and 5
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
Immediate supracrestal implant placement...
33
years post crown were -0.33, -0.43, -0.44, and -0.52 mm for DIBrx, and -0.17, -0.24, -0.32, -0.79 mm for DIB/DIBcalc., respectively. The frequency analysis of all DIB values (histograms DIBrx vs. DIBcalc) demonstrated that over the 5 y observation period DIB values peak between 1.25 and 2.25 mm (Fig. 8).
Discussion The present retrospective study evaluated the clinical performance of 31 single-tooth implants over a follow-up period of 1.5–5.5 years post extraction, using the concept of immediate implant placement with subsequent immediate application of a temporary restoration (Wöhrle 1998; Kan et al. 2003a). Delayed and late implant placement implies an extended treatment time for the patient with a high risk for atrophic ridge alterations of hard and soft tissues particularly on the labial aspect that initiates already 8 weeks after tooth extraction. Therefore, these techniques often require additional grafting procedures to rebuild the lost contour prior to implant placement. In contrast, the immediate-immediate approach offers a treatment modality that requires only one surgical appointment and appears to be able to preserve well the original height of adjacent papillae, position of zenith point and labial soft tissue height (Wöhrle 1998; Kan et al. 2003a). Although osseointegration of immediately placed implants and survival is well documented (Rosenquist & Grenthe 1996; Schwartz-Arad & Chaushu 1997; Polizzi et al. 2000), the risk for labial soft tissue recession has been described as a disadvantage for the immediate approach (Kan et al. 2007; Chen et al. 2007; Lindeboom et al. 2006; Evans & Chen 2008; KKan et al. 2011) as well as for the delayed approach (Galluci et al. 2011). In a retrospective study (Evans & Chen 2008) on 42 patients with a mean follow-up period of 18 months, vestibular recession of 1 mm was reported in 40% of patients. A similar observation was made in a prospective study (Kan et al. 2007) of 23 patients in which 욷1.5 mm of facial recession was reported in 35% of the cases. Finally, a very recently published follow-up study reported a mean facial recession of 1.13 mm after an average observation period of 4 years (Kan et al. 2011). Factors that may have contributed to these recessions were described in these publications such as the shape of the facial bone defect that was described to have significant influence on the development of gingival recession (Kan et al. 2007). In addition, malpositioning the implant in a facial direction seemed to have caused significantly more gingival recession than implants placed in a more palatal position (Buser et al. 2004; Chen et al. 2007; Evans & Chen 2008). The present retrospective study with a 1.5–5.5 year follow-up (mean follow-up was 3.4 years) aimed at providing clinicians with more information about a treatment modality that may allow highly esthetic results with little if any risk for gingival recession on the labial aspect and preservation of osseointegration in the anterior dentition. Different from the above-mentioned studies, however, attention was given in the present study to preserve an intact buccal bone wall after tooth extraction.
Fig. 8. Histograms of DIBcalc. (a) and DIBrx (b) over time. IP, implant placement; CD, crown delivery; 1, 3, 5 years
At the last follow-up examination all 31 implants were firmly osseointegrated and free of peri-implant infections. This was confirmed by the clinical and radiographic evaluation. The very low mean mPI and mSBI values indicated a good home care and periimplant soft tissue health. Over the observation period mean PD values showed an increase of ~0.77 mm. Mean DIBrx values increased ~0.52 mm and mean DIBcalc values ~0.79. This was in accordance with findings in similar studies (Rosenquist & Grenthe 1996; Schwartz-Arad & Chaushu 1997; Polizzi et al. 2000; Buser et al. 2008). In these studies, however, implants with a flat neck design usually were placed epicrestally to the labial bone crest resulting in a subcrestal position in the interproximal area. A subcrestal implant position in the interproximal area, however, is prone to induce bone remodeling because no space is left for the reestablishment of a connective tissue attachment around the implant until the circumferential bone is resorbed (Ericsson et al. 1996; Hermann et al. 2001; Sanz et al. 2010). Saucer-
34
Stefan Paul, Ulrike Held: Immediate supracrestal implant placement...
type interproximal bone resorption then is a frequent radiographic finding. In contrast, in the present study with a 1.5 mm supracrestal placement of the implant shoulder only few defects were registered in the interproximal area and they were rather v-shaped and very moderate in depth over time. For the evaluation of the esthetic result DIM and crown length values were the relevant parameters. In the present study they remained very stable over the observation period (DIM ~ -0.07 mm, crown length ~ -0.2 mm) indicating that the moderate circumferential bone loss did not necessarily coincide with soft tissue recession. Hermann et al. (2001) reported that – like on natural teeth – a biologic width develops around implants at the interface between implant and restoration and that more hard and soft tissue recession occurred, the deeper the implant was placed into the bone. In addition, Kan et al. (2003b) reported that the dimensions of peri-implant soft tissues have quite constant dimensions. In a recent prospective controlled study (Cordaro et al. 2009) on 30 patients, implants with a flat neck design were placed immediately after tooth extraction in an epicrestal position to the buccal bone resulting in a 1 mm soft tissue recession after 1 year. The scalloped neck design implants used in the present study allowed a circumferential 1.5 mm supracrestal placement of the implant shoulder yet leaving on average 2 mm of circumferential soft tissue height on top of the implant shoulder. This 1.5 mm supracrestal placement very likely provided the necessary space for the establishment of a peri-implant mucosa which, thereby, caused little bone remodeling and almost no soft tissue recession up to 5 years postoperatively which is in contrast to the above-mentioned studies with epior subcrestal implant placement. Analyzing esthetic outcomes in even more detail in the present study, DIMvestib values showed a decrease of ~0.21 mm between implant placement and after 5 years and were not statistically different. Mesial and distal papilla heights showed modifications of ~ -0.19 mm and ~ +0.25 mm, respectively, which was again not statistically different. If crown length after the observation period was compared with the measurement at crown delivery 5 implants showed a decrease of ~0.5 mm, 17 implants remained unchanged, and 9 implants showed an increase of ~0.55 mm. The esthetic pink and white indices, finally, attempted to describe the numerically difficult to assess overall esthetic outcome. The assessed mean values for the pink and white esthetic score were 8/4 immediately after implant placement. Naturally the soft tissue adaptation had yet to establish itself to the immediately inserted temporary restorations. The esthetic appearance of the temporary restorations was generally assessed as a low “4” because they could not score on criteria such as “color”, “surface texture”, and “translucency”. However, the criteria “tooth form” and “outline/volume” were met very well serving as a basis for the very favorable soft tissue development as described. Starting from crown delivery and until the end of the observation period in general 9/10 scores were registered demonstrating that newly established zenith points remained stable and that papillae filled interproximal spaces with no black triangles visible.
Summarizing the clinical and radiographic results, all 31 implants can be considered successfully integrated according to strict success criteria (Heitz-Mayfield 2008). DIBrx values showed a maximum decrease of ~0.52 mm thereby demonstrating very little and less than average bone loss over time. The mean DIM value of ~2.5 mm after the observation period indicated that the peri-implant soft tissues were very stable. If compared over time (i.e. directly after implant placement vs. crown delivery vs. 1-year, 3-year, and 5-year results) DIM and Crown length values remained stable on labial and interproximal aspects with little if any signs of apical recession. In addition, pink and white esthetic values demonstrated high and over time increasing scores. Providing an immediate temporary restoration directly after implant placement helped to stabilize the marginal soft tissues and provided a naturally concave contour on which the marginal tissues could readapt after removing the natural cementoenamel junction by extracting the tooth.
Conclusion The present retrospective case-series study examined the treatment outcome of the concept of immediate supracrestal implant placement with immediate temporization directly after tooth extraction for 31 implants in the anterior maxilla of 26 patients. After an observation period of 1.5–5.5 years (mean 3.4 years) all implants were successful demonstrating highly satisfactory esthetic results. With this treatment concept little if any apical recession of the vestibular soft tissue could be observed. Due to the retrospective nature of the study the level of evidence for the predictability of this treatment modality, however, is limited. Therefore, the presented data serve as baseline for a prospective study with ongoing periodic assessment of the currently presented data.
Acknowledgements We express our gratitude to Mr. Nicolas Pietrobon and Mr. Walter Gebhard, both CDT’s in Zurich for their excellent implant-supported restorations and to our staff members for their very valuable contributions with the assessment of the clinical data.
References Behneke, A., Behneke, N. & d’Hoedt, B. (2000) The longitudinal clinical effectiveness of ITI solid-screw implants in partzially edentulous patients: a 5-year follow-up report. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants 15: 633–645. Belser, U.C., Grütter, L., Vailati, F., Bornstein, M. M., Weber, H.P. & Buser, D. (2009) Outcome evaluation of early placed maxillary anterior single-tooth implants using objective esthetic criteria: a crosssectional, retrospective study in 45 patients with a 2- to 4-year follow-up using pink and white esthetic scores. Journal of Periodontology 80: 140–151. Bornstein, M.M., Schmid, B., Belser, U.C., Lussi, A. & Buser, D. (2005) Early loading of non-submerged titanium implants with a sandblasted and acid-etched surface. 5-year results of a prospective study in partially edentulous patients. Clinical and Oral Implants Research 16: 631–638.
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012 Buser, D., Bornstein, M.M., Weber, H.P., Grütter, L., Schmid, B. & Belser, U.C. (2008) Early implant placement with simultaneous guided bone regeneration following single-tooth extraction in the esthetic zone: a cross-sectional, retrospective study in 45 subjects with a 2to 4-year follow-up. Journal of Periodontology 79: 1773–1781. Buser, D., Martin, W. & Belser, U.C. (2004) Optimizing esthetics for implant restorations in the anterior maxilla: anatomic and surgical considerations. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants 19 Suppl.: 43–61. Buser, D., Mericske-Stern, R., Bernard, J.P., Behneke, A., Behneke, N., Hirt, H.P., Belser, U.C. & Lang, N.P. (1997) Longterm evaluation of nonsubmerged ITI implants. Part 1: 8-year life table analysis of a prospective multi-center study with 2359 implants. Clinical and Oral Implants Research 8: 161–172. Buser, D., Weber, H.P. & Lang, N.P. (1990) Tissue integration of nonsubmerged implants. 1-year results of a prospective study with 100 ITI hollow-cylinder and hollow-screw implants. Journal of Clinical and Oral Implants Research 1: 33–40. Chen, S.T., Darby, I.B. & Reynolds, E.C. (2007) A prospective clinical study of non-submerged immediate implants: clinical outcomes and esthetic results. Clinical and Oral Implants Research 18: 552–562.
Immediate supracrestal implant placement...
35
Kois, J. (2004) Predictable single-tooth peri-implant esthetics: five diagnostic keys. Compendium 25: 895–905. Lekholm, U., van Steenberghe, D., Hermann, I., Bolender, C., Folmer, T. & Gunne, J. (1994) Osseointegrated implants in the treatment of partially edentulous jaws: a prospective 5-year multicenter study. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants 9: 627–635. Lindeboom, J.A., Tjiook, Y. & Kroon, F.H. (2006) Immediate placement of implants in periapical infected sites: a prospective randomized study in 50 patients. Oral Surgery, Oral Medicine, Oral Pathology, Oral Radiology and Endodontology 101: 705–710. Mankoo, T. (2004) Contemporary implant concepts in aesthetic dentistry – Part 2. Immediate singletooth implants. Practical Procedures & Aesthetic Dentistry 16: 61–68. Mayfield, L.J.A. (1999) Immediate, delayed and late submerged and transmucosal implants. In: Lang, N.P., Karring, T. & Lindhe, J., eds. Proceedings of the 3rd European Workshop on Periodontology: Implant Dentistry, 520–534. Berlin: Quintessence. Mombelli, A., van Oosten, M.A., Schurch, E. Jr & Lang, N.P. (1987) The microbiota associated with successful or failing osseointegrated titanium implant. Oral Microbiology and Immunology 2: 145–151.
Chen, S.T., Wilson, T.G. Jr & Ha¨ mmerle, C.H. (2004) Immediate or early placement of implants following tooth extraction: review of biologic basis, clinical procedures, and outcomes. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants 19 Suppl.: 12–25.
Polizzi, G., Grunder, U., Goene, R., Polizzi, G., Grunder, U., Goene, R., Hatano, N., Henry, P., Jackson, W.J., Kawamura, K. , Renouard, F., Rosenberg, R., Triplett, G., Werbitt, M. & Lithner, B. (2000) Immediate and delayed implant placement inti extraction sockets: a 5-year report. Clinical Implants in Dentistry & Related Research 2: 93–99.
Cordaro, L., Torsello, F. & Rocuzzo, M. (2009) Clinical outcome of submerged vs. non-submerged implants placed in fresh extraction sokkets. Clinical and Oral Implants Research 20: 1307–1313.
Rosenquist, B. & Grenthe, B. (1996) Immediate placement of implants into extraction sockets: implant survival. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants 11: 205–209.
Ericsson, I., Nilner, K., Klinge, B. & Glatz, P.O. (1996) Radiographical and histological characteristic of submerged and nonsubmerged titanium implants. Clinical and Oral Implants Research 7: 20–26. Evans, C.D. & Chen, S.T. (2008) Esthetic outcomes of immediate implant placements. Clinical and Oral Implants Research 19: 73–80.
Sanz, M., Cecchinato, D., Ferrus, J., Pjetursson, E. B., Lang, N.P. & Linghe, J. (2010) A prospective, randomized-controlled clinical trial to evaluate bone preservation using implants with different geometry placed into extraction sockets in the maxilla. Clinical and Oral Implants Research 21: 13–21.
Galluci, G.O., Gru¨ tter, L., Chuang, S.K. & Bleser, U.C. (2011) Dimensional changes of peri-implant soft tissue over 2 years with singleimplant corwns in the anterior maxilla. Journal of Clinical Periodontology 38: 293–299.
Schropp, L., Kostopoulos, L. & Wenzel, A. (2003a) Bone healing following immediate versus delayed placement of titanium implants into extraction sockets: a prospective clinical study. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants 18: 189–199.
Heitz-Mayfield, L.J.A. (2008) Peri-implant diseases: diagnosis and risk indicators. Journal of Clinical Periodontology 35 Suppl. 8: 292–304.
Schropp, L., Wenzel, A., Kostopoulos, L. & Karring, T. (2003b) Bone healing and soft tissue contour changes following single-tooth extraction: a clinical and radiographic 12-month prospective study. International Journal of Periodontology and Restorative Dentistry 23: 313–323.
Hermann, J.S., Buser, D., Schenk, R.K., Schoolfield, J.D. & Cochran, D.L. (2001) Biologic width around one- and two-piece titanium implants. A histometric evaluation of unloaded nonsubmerged and submerged implants in the canine mandible. Clinical and Oral Implants Research 12: 559–571. Kan, J.Y., Rungcharassaeng, K. & Lozada, J. (2003a) Immediate Placement and provisionalization of maxillary anterior single implants: 1-year prospective study. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants 18: 31–39. Kan, J.Y., Rungcharassaeng, K., Lozada, J. & Zimmermann, G. (2011) Facial gingival tissue stability following immediate placement and provisionalization of maxillary anterior single implants: a 2- to 8-year follow up. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants 26: 179–187. Kan, J.Y., Rungcharassaeng, K., Sclar, A. & Lozoda, J.L. (2007) Effects of the facial osseous defect morphology on gingival dynamics after immediate tooth replacement and guided bone regeneration: 1-year results. Journal of Oral and Maxillofacial Surgery 65: 13–19. Kan, J.Y., Rungcharassaeng, K., Umezu, K. & Kois, J.C. (2003b) Dimensions of peri-implant mucosa: an evaluation of maxiallary anterior single implants in humans. Journal of Periodontology 74: 667–562.
Schwartz-Arad, D. & Chaushu, G. (1997) Placement of implants inti fresh extraction sites: 4 to 7 years retrospective evaluation of 95 immediate implants. Journal of Periodontology 68: 1110–1116. Truninger, T.C., Philipp, A.O.H., Siegenthaler, D. W., Roos, M., Hämmerle, C.H.F. & Jung, R.E. (2010) A prospective, controlled clinical trial evaluating the clinical and radiological outcome after 3 years of immediately placed implants in sockets echibiting periapical pathology. Clinical and Oral Implants Research 22: 20–27. Weber, H.P., Buser, D., Fiorellini, J.P. & Williams, R.C. (1992) Radiographc evaluation of crestal bone levels adjacent to nunsubmerged titanium implants. Journal of Clinical and Oral Implants Research 3: 181–188. Weber, H.P., Crohin, C.C. & Fiorellini, J.P. (2000) A 5-year prospective clinical and radiographic study of non-submerged dental implants. Clinical and Oral Implants Research 11: 144–153. Wöhrle, P.S. (1998) Single-tooth replacement in the aesthetic zone with immediate provisionalization: fourteen consecutive case reports. Practical Periodontics & Aesthetic Dentistry 10: 1107–1114.
36
Thomas Bischof: Zahngesundheitsvorsorge beim Zahnarzt
Zahngesundheitsvorsorge beim Zahnarzt THOMAS BISCHOF
2 3 2 1 2 3 4 5 1 3 4 1 2
1 2 2 1
-3
Punkte Erwachsene
Parameter Plaque Index von 15 bis 40 Plaque Index über 40 verminderte Motivation 1 – 2 kariöse oder gefüllte oder überkronte Zähne 3 - 5 kariöse oder gefüllte oder überkronte Zähne 6 - 10 kariöse oder gefüllte oder überkronte Zahne 11 – 17 kariöse oder gefüllte oder überkronte Zähne über 17 kariöse oder gefüllte oder überkronte Zähne 1 wurzelbehandelter oder extrahierter Zahn 2 - 3 wurzelbehandelte oder extrahierte Zähne mehr als 4 wurzelbehandelter oder extrahierter Zahn Streptococcus mutans Test Ergebnis 1 oder 2 Streptococcus mutans Test Ergebnis 3 Alter zwischen 70 und 80 Alter über 80 Berufsrisiko wie Bäcker, Müller Einzelzahnengstand massiver Engstand festsitzende KFO abnehmbare KFO Metallgerüstprothese Kunststoffprothese Punkteabzug nach 5 kariesfreien Jahren
Punkte Kind
Es ist eines der höchsten Ziele unserer Zahnarzttätigkeit den Patienten zu gesunden Zähnen ohne Karies und Parodontitis zu verhelfen. Um die richtigen Betreuungsmaßnahmen für dieses Ziel zu finden habe ich im Rahmen der ISO 9000 Zertifizierung meiner Praxis (1995) ein System zur Ermittlung des individuellen Risikos an Karies oder Parodontitis zu erkranken entwickelt. Diese Risikoeinschätzung beruht auf verschiedenen, unterschiedlich gewichteten Parametern und wird bei jeder Mundhygienesitzung (Vorsorgebehandlung) als erstes durchgeführt. Sie bestimmt das Intervall des folgenden Recalls und der Anfertigung von neuen Röntgenbildern. Die folgende Tabelle gibt die verschiedenen Parameter und ihre Bewertung für das Kariesrisiko an.
1 2 2 0 1 2 3 4 1 3 4 1 2 1 2 2 1 2 2 1 1 2 -2
RisikoMa§nahme de gering Vorsorgebehandlung Softchemotherapie: Fluoridlack Bissflügelröntgen Panoramaröntgen mittel Vorsorgebehandlung Softchemotherapie: Fluoridlack Bissflügelröntgen Panoramaröntgen hoch Vorsorgebehandlung Softchemotherapie: Fluoridlack CHX-Lack Bissflügelröntgen Panoramaröntgen
Je nach Kariesrisiko werden die Patienten in unterschiedlichen Recallabständen wieder zur Vorsorgebehandlung eingeladen.
alle alle alle alle alle alle alle alle alle alle alle alle alle
12 Monate 12 Monate 6 Jahre 6 Jahre 6 Monate 6 Monate 4 Jahre 4 Jahre 3 Monate 3 Monate 3 Monate 2 Jahre 4 Jahre
Auch die Maßnahmen, zu denen die Patienten für zuhause angeleitet werden, um kariesfrei zu bleiben, unterscheiden sich je nach Kariesrisiko: RisikoMa§nahme gering Zahnreinigung
mittel
Fluoride Zahnreinigung
Fluoride hoch
Zahnreinigung
Fluoride In einer einfachen Excel Tabelle werden die Ergebnisse der Untersuchung und Befunderhebung eingegeben und diese berechnet automatisch das Kariesrisiko. So haben Patienten, die 0 – 2 Punkte erreichen ein geringes, jene die zwischen 3 und 6 Punkten erreichen ein mittleres und alle die über 7 Punkten liegen ein hohes Kariesrisiko.
Recallabst ?n
Ernährungslenkung
zeitlichen Abst nde Speiserestentfernung nach dem Frühstück und Abendessen mit Zahnbürste und Zahnpasta fluoridierte Zahnpasta Speiserestentfernung nach dem Frühstück und Abendessen mit Zahnbürste und Zahnpasta Speiserestentfernung nach jeder anderen Mahlzeit zumindest mit Kaugummi Zahnzwischenraumreinigung gelegentlich fluoridierte Zahnpasta (einmal wöchentlich Elmex-Gel) Speiserestentfernung nach jeder Mahlzeit mit Zahnbürste und Zahnpasta möglichst häufiges Kaugummikauen Zahnzwischenraumreinigung einmal täglich am Abend fluoridierte Zahnpasta einmal wöchentlich Elmex-Gel Reduktion von süßen Getränken Beschränkung von Süßigkeiten nach Möglichkeit auf die Hauptmahlzeiten
Mit Hilfe dieser Systematik ist es uns gelungen, neue Karies bei unseren Patienten beinahe vollständig zu eliminieren. Daher können wir unseren Patienten beim Einhalten ihrer individuellen Recallabstände neue Karies kostenlos behandeln.
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012 Als Folge haben wir seit 1996 bei unseren Patienten jährlich nur zwischen 3 und 11 Füllungen, im Schnitt 6 Füllungen pro Jahr kostenlos anfertigen müssen. In einer ganz ähnlichen Weise ermitteln wir das individuelle Risiko an Parodontitis zu erkranken und führen die geeigneten Vorsorgemaßnahmen durch.
Zahngesundheitsvorsorge bei Kindern in Vorarlberg 1988 ergab eine epidemiologische Untersuchung der Zwölfjährigen in Vorarlberg, dass nur etwas mehr als 8 % der Kinder kariesfrei waren. Der Befund der Sechsjährigen war etwas besser, aber mit nur 17% kariesfreien Kindern trotzdem sehr schlecht. Dieses Ergebnis und der Vergleich mit den Schweizer Kindern haben die Vorarlberger Landesregierung und die Sozialversicherungsträger veranlasst, uns zu beauftragen, ein Programm zur Verbesserung von Erkrankungen der Zähne bei Kindern zu erarbeiten. Dieses Programm führen wir nun seit beinahe 25 Jahre in ganz Vorarlberg in den verschiedenen Altersstufen durch.
Zahngesundheitsvorsorge beim Zahnarzt
37
Mittelschulkinder: In den Mittelschulen ist der Zugang zu den Kindern schon deutlich schwieriger, ein einmaliger Besuch pro Jahr der Zahngesundheitserzieherinnen soll sie aber trotzdem an ihre Möglichkeiten erinnern, kariesfrei zu bleiben und sie motivieren, diese einfachen Maßnahmen auch einzuhalten. Untersuchungen: Neben dieser direkten inhaltlichen Betreuung der Kinder werden auch beinahe alle Vorarlberger Kinder einmal jährlich in einer fahrbaren Zahnarztpraxis, dem Dentomobil, von einem Zahnarzt/einer Zahnärztin untersucht. Diese Dentomobile besuchen jeden Tag eine andere Schule, einen anderen Kindergarten und die Kinder werden in Kleingruppen zu je fünf Kinder einzeln bei optimalen Untersuchungsverhältnissen auf Karies und Zahnfehlstellungen untersucht. Ergibt diese Untersuchung einen krankhaften Befund, werden die Eltern aufgefordert, ihren Zahnarzt zu besuchen und das Kind behandeln zu lassen. Evaluation: Diese Maßnahmen haben nun in den letzten 25 Jahren – wie das Diagramm zeigt – zu einem deutlichen Rückgang der Karies bei Kindern geführt.
Neugeborene: Um bei den Kindern gesunde Zähne zu erhalten, beginnen wir mit der Aufklärung schon von Wöchnerinnen in allen Vorarlberger Krankenhäusern. Zahngesundheitserzieherinnen besuchen zweimal wöchentlich die neuen Mütter und erklären ihnen Entstehung und Vermeidungsmöglichkeit von Karies. So erreichen wir etwa 80 % der Wöchnerinnen. Eine Untersuchung von Greiner, e.a. 2007 ergab, dass nur 35% der fünfjährigen Kinder, deren Mütter in den Vorarlberger Krankenhäuser diese Kurzinformation erhalten haben, Karies aufwiesen. Im Gegensatz dazu zeigten 56% der Fünfjährigen Karies, deren Mütter diese Information nicht erhalten haben. Kleinkinder: In Österreich werden alle Kinder im Alter von 6 Monaten, einem, zwei und drei Jahren zu einer Mutter-KindPass-Untersuchung eingeladen. Diese Untersuchung betrifft leider nicht die Zähne, aber in Vorarlberg bekommt jedes Kind beziehungsweise dessen Eltern bei diesen Untersuchungen eine Zahnbürste, Zahnpasta und Informationsmaterial zu Karies und Zahngesundheitsvorsorge. Kindergartenkinder: Im Kindergarten besuchen die Zahngesundheitserzieherinnen alle Kinder ab 4 Jahren zweimal jährlich für zwei Stunden und bringen ihnen spielerisch das Gefühl für gesunde und saubere Zähne und dabei auch manche Information über Karies und Zähneputzen bei. Das Zähneputzen wird auch bei jedem Besuch mit Zahnbürste und Zahnpasta eingeübt. Volksschulkinder: Ähnlich, aber nun schon mit mehr theoretischer Wissensvermittlung, bringen die Zahngesundheitserzieherinnen den Kindern in der Volksschule bei zweimal jährlichen, einstündigen Besuchen jeder Klasse Grundwissen über Nahrung, Mundhygiene, Fluoride und Karies bei. Auch hier werden immer wieder mit den Kindern in Kleingruppen die Zähne angefärbt und geputzt.
Bis 2002 war die Anzahl der Migrantenkinder noch vernachlässigbar klein, daher wurden diese bei den Statistiken herausgefiltert. 2008 hingegen hatten mit steigender Tendenz etwa 1/4 der Kinder einen Migrationshintergrund, daher haben wir diese in die Untersuchung mit einbezogen. Das Ergebnis ist für uns alle sehr frustrierend, denn dadurch konnte die hohe Anzahl kariesfreier Kinder bei den Sechsjährigen nicht gehalten werden, sondern nahm im Gegenteil die letzten Jahre noch weiter ab. Daher konzentrieren wir uns momentan vor allem darauf, einen Zugang zu Migrantenfamilien zu finden, um mit diesen gemeinsam die Kariesanfälligkeit Ihrer Kinder zu reduzieren.
38
Dr. Derk Siebers: Sofortfunktion in der ästhetischen Zone – ein funktionierendes Konzept?
Sofortfunktion in der ästhetischen Zone – ein funktionierendes Konzept? DR. DERK SIEBERS MSC. Bereits der Titel enthält 2 Begriffe, die definiert werden müssen: Die Sofortfunktion und die ästhetische Zone: Sofortfunktion bedeutet, dass ein Implantat unmittelbar nach der Insertion bzw. innerhalb eines Zeitraumes von spätestens 48 Stunden mit definitivem oder provisorischem Zahnersatz versorgt wird. Bei der ästhetischen Zone handelt es sich um einen klar definierten Bereich. Objektiv nämlich sind das diejenigen dentoalveolären Bereiche, die bei voll entfaltetem Lächeln sichtbar sind. Subjektiv beinhaltet die ästhetische Zone aber alles, was dem Patienten ästhetisch wichtig ist. Wir kennen in der Implantologie fünf verschiedene Belastungsprotokolle, die sich nach dem Restaurationszeitpunkt unterscheiden lassen: die späte und „verspätete“ (late – delayed) Belastung, mit einem Belastungszeitpunkt nach 3-6 Monaten oder später, die frühe Belastung nach 2 Tagen bis 3 Monaten und die Sofortfunktion, die wiederum in die Sofortversorgung und Sofortbelastung unterteilt wird. Bei der Sofortbelastung wird das Implantat innerhalb von 48 Stunden in direkte Okklusion – also vollen Kontakt zur Gegenbezahnung – gebracht, wohingegen bei der Sofortversorgung keinerlei Kontakte zur Gegenbezahnung vorhanden sein dürfen. Konzepte der frühen Implantation (innerhalb von 2 Tagen bis 5 Wochen) sind heute aufgrund unseres Wissens um die knöchernen Heilungsvorgänge am Implantat weitgehend verlassen worden. Insbesondere bezüglich des Implantationszeitpunkts wird allerdings kontrovers diskutiert. Eine Konsensuskonferenz von 2006 definierte die Implantationszeitpunkte wie folgt: die Spätimplantation (Typ 4) mit konsolidiertem knöchernen Lager, später als 16 Wochen nach Extraktion; die Frühimplantation (Typ 3) mit beginnender Knochenregeneration, 8 bis 16 Wochen nach Extraktion; die verzögerte Sofortimplantation (Typ 2), mit einem Implantationszeitpunkt innerhalb der ersten 8 Wochen nach Extraktion - die Entzündung ist abgeklungen und die Weichgewebe sind ausgeheilt und die Sofortimplantation
(Typ1) mit der Implantation unmittelbar post extractionem. Insbesondere die Sofortimplantation wird kontrovers diskutiert, da sie viele Risiken auf einen Zeitpunkt zentriert. Allerdings gibt es auch gute Argumente für die Sofortimplantation, wie den Patientenkomfort, Zeitaufwand, Kosten und nicht zuletzt beim bimodalen Ansatz (Kombination Sofortimplantation mit Sofortfunktion) den Erhalt der gingivalen Strukturen (siehe Tabelle 1). Viele Argumente gegen die Sofortimplantation und Sofortversorgung wie z.B. das höhere Risiko gingivaler, mukosaler Rezessionen oder von Komplikationen und höheren Misserfolgsraten können durch die aktuelle Literatur nicht gestützt werden. So besteht nur insuffiziente wissenschaftliche Evidenz für alle bekannten Augmentationsprozeduren. Alveolenerhaltungsprotokolle reduzieren alveoläre Dimensionsveränderungen nach Extraktion, sind aber nicht in der Lage Resorptionen zu verhindern. Umgekehrt scheint die gingvale Resorption nach Extraktion völlig unabhängig vom Implantationszeitpunkt zu sein, Ästhetisch Vorteile für Sofortprotokolle sind nachweisbar. Das Weichgewebe ist ein wichtiger Parameter, der in die Überlegungen mit einbezogen werden muss. Die Literaturlage ist auf Metaanalysenebene (Evidenzlevel 1) äußerst kontrovers. Die Autoren von Literaturübersichten und Metaanalysen fordern regelhaft mehr und wissenschaftlich besser angelegte Studien. Anders verhält es sich für die Sofortfunktion. Hier gibt es eine bessere Literaturlage. Die Sofortfunktion hat vergleichbare Überlebens- und Erfolgsraten wie alle anderen Belastungsprotokolle. Neuere Studien untersuchten die Kombination von Sofortimplantation mit der Sofortfunktion – den sogenannten bimodalen Ansatz. Sie fanden ein höheres Implantatverlustrisiko für diese Kombination. Die Überlebensrate sank um etwa 10%. Allerdings konstatierten sie auch ein hohes ästhetisches Potential für den bimodalen Ansatz. Es ließen sich vorteilhafte Knochenveränderungen in der Gruppe der Sofortfunktion nachweisen.
Tabelle 1: Vor? und Nachteile unterschiedlicher Therapieproto ? kolle SI+SF: Kombination Sofortimplantation mit —funktion, ? bimoda ler Ansatz Tabelle 2: Entscheidungsfindung beim bimodalen Ansatz
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
Sofortfunktion in der ästhetischen Zone
39
Behandlungsfall 1: Ausgangssituation:ªChairside angefertigte provisorische Definitive prothetische Versorgung 2 Jahre 22j hrige Patientin, Zahn 21 aufgrundSofort versorgung unmittelbar nach post implantationem einer L ngsfraktur nicht zu erhalten Extraktion und Implantation
Behandlungsfall Ausgangssituation, 2: 24j hrige Patientin mit nicht erhaltungsf? hi gem Zahn 11 aufgrund extrener Resorption 왘 Korrekte prim rstabile, dreidimensionale
Chairside angefertigte provisorischeDefinitive Metallkeramikkronenversorgung Seitliche Ansicht der Rekonstruktion und Sofortversorgung unmittelbar Sofortim ? 3 Jahre in situ umgebender mukosaler Gewebe
Eine Untersuchung des Autors am eigenen Patientenklientel, das die Sofortimplantation und die Sofortfunktion in einer retrospektiven Fall-Kontrollstudie nachuntersuchte, konnte ebenfalls die Sofortfunktion und die Sofortimplantation als Risikofaktoren für die Überlebensrate von Implantaten identifizieren. Anhand von mehreren exemplarischen Fallbeispielen wurde das exakte Vorgehen für nachhaltigen und vorhersagbar ästhetischen Erfolg mit der Sofortfunktion erläutert. Einige der wichtigsten Faktoren für diesen Erfolg sind: die extrem schonende, lappenlose Extraktion des Zahnes, die Erhaltung der knöchernen Strukturen (besonders der bukkalen Lamelle), die exakte dreidimensionale Positionierung des Implantates, eine ausreichende Primärstabilität und ein adäquates initiales prothetisches Versorgungskonzept. Regeln für den bimodalen Ansatz sind in der Tabelle 2 dargestellt. Grundvoraussetzung für die Etablierung von Sofortfunktionskonzepten ist aber immer eine exakte Risiko-Nutzen-Abwägung für den einzelnen Patienten. Eine akribische individuelle Risikoanalyse ist obligat, um das persönliche Risiko jedes einzelnen
Implantates für den Patienten zu bestimmen, das Implantat nicht auf einen unangemessen hohen Risikolevel zu setzen und so eine möglichst hohe – anderen Therapieprotokollen gleichwertige – Erfolgsrate zu garantieren. Sofortprotokolle sind ein sinnvolle und geeignete zusätzliche Therapieprotokolle dürfen aber nicht „um jeden Preis“ durchgeführt werden. Schlussfolgernd kann festgestellt werden, dass die Sofortfunktion in der Praxis des Autors mit einer Erfolgsquote von mehr als 96 % assoziiert ist und deshalb als vorhersagbar erfolgreiche Therapievariante angesehen werden muss. Allerdings weist sie ein leicht erhöhtes Misserfolgsrisiko auf. Ein besonderes Risiko per se stellt dabei die Kombination von Sofortimplantation mit Sofortfunktion – der bimodale Ansatz – dar. Diese Kombination muss in die Kategorie der komplexen Therapieformen (S-A-C-Klassifikation) eingeordnet werden. Deshalb und aufgrund der noch nicht vollständig geklärten Voraussetzungen gehören Sofortprotokolle als komplexe und anspruchsvolle Behandlungseingriffe in die Hände von geschickten und erfahrenen, praktisch tätigen Implantologen“.
40
Neue Kurse
Praxistag
Praxistag
Dr. Maik Georg Pillich, M.Sc. Freitag, 11. Januar 2013
Dr. Stephan Beuer Freitag, 15. Februar 2013
Nur für Mitglieder.
Nur für Mitglieder.
Ort: Rübekamp 25 25421 Pinneberg Telefon: 04101-24499 Telefax: 04101-204130 www.zahnarzt-drpillich.de
Ort: Praxisklinik Münchnerau Weiherbachstraße 2 84034 Landshut / Stadtteil Münchnerau Telefon: 0871 – 965860 0 Telefax: 0871 – 965860 10 www.praxisklinik-muenchnerau.de
Anmeldung: E-Mail: info@zahnarzt-drpillich.de
Anmeldung: E-Mail: info@praxisklinik-muenchnerau.de
Wege zur Praxiskultur der Zukunft (Praxis 2020)
von Zeit? Was bedeutet das sich derzeit stark verändernde Arbeitsverständnis von Mitarbeitern für die Praxis der Zukunft? Und vor allem auch: welche Folgen ergeben sich aus den neuen Kommunikations-und Informationsnetzwerken? Auf diese höchst differenzierten Struktur- und Wertentwicklungen müssen auch Ärzte entsprechende Antworten zu finden. Daher sind Zahnärzte, ob sie es so wünschen oder nicht, verstärkt mit Fragen konfrontiert wie: Welche Vorstellungen, Zustimmungen und Vorbehalte der Patienten, Mitarbeiter und der Öffentlichkeit werden an uns adressiert? Was bedeutet beispielsweise der schleichende Vertrauensverlust von Expertenmeinungen für die Praxis vor Ort? Wie soll darauf reagiert werden? Die Veranstaltung im Elsaß fungiert gleichsam als eine Art Frühwarnsystem, das Veränderungen öffentlicher Wertansprüche diagnostiziert, ihre Relevanz für die Zahnarztpraxen beurteilt und gegebenenfalls Konsequenzen ableitet. Gleichzeitig hilft dieser Seismograph den Zahnärzten, die eigene strategische Praxiskonzeption auf neue grundlegende Wertentwicklungen in Deutschland abzustimmen.
Prof. Dr. Eugen Buß Freitag, 19. April 2013 (09.00 – 17.00 Uhr) Samstag, 20 April 2013 (09.00 – 15.00 Uhr) Die Wert- und Anspruchskultur der Menschen in Deutschland hat sich in vielen Bereichen so gravierend verändert, dass aus dieser Veränderung neue Bewertungsmaßstäbe der Öffentlichkeit auch für Zahnarztpraxen hervorgegangen sind. Die Einstellung zur ärztlichen Kompetenz, zum Stellenwert von medizinischer Qualität, zu technischen Praxis-Innovationen, zur Bedeutung von Behandlungsrisiken, zur Verfügbarkeit einer bestimmten zahnärztlichen Leistung, zum Komfort einer Praxis, zur Praxiskultur, zum Individualitätsanspruch der Patienten, aber auch das Selbstverständnis der Mitarbeiter in einer Praxis und nicht zuletzt auch die Identität der Zahnärzte selbst– all dies ist in Bewegung geraten. Und all dies verändert die Gründe, warum Patienten und Mitarbeiter eine Praxis schätzen und welche Praxis-Strategie in Zukunft Erfolg verspricht. Aus diesem Grund ist es interessant, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Die Entwicklung in Deutschland nötigt die Ärzte zu Antworten auf neue Fragen: Wie verändern sich die Werte, Ansprüche und Erwartungen der Patienten und Mitarbeiter, aber auch der Zahnärzte selbst? Welche Rückwirkungen haben beispielsweise demographische Veränderungen, ein allgemein steigendes Bildungsniveau, der wachsende Flexibilisierungsdruck, ein deutlich zunehmendes Risikobewußtsein oder die wachsende Bedeutung der neuen sozialen Netzwerke auf die künftige Praxiskultur, die künftige Praxisstrategie? Welche Rolle spielt der neue Individualismus, die wachsende Erlebnisorientierung im Selbstverständnis von Patienten, Ärzten und Mitarbeitern? Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem beschleunigten Lebensrhythmus in Deutschland, aus einem neuen Zeitempfinden, aus der wachsenden Knappheit
Ort: Lembach / Elsaß Gebühr: MG: 450,-- €; NMG: 550,-- € Anmeldung: Dr. Jürgen Menn Dammstr. 6 57271 Hilchenbach Tel. 02733-89620 Fax 02733-896289 E-Mail: juergen@dr-menn.de Punkte: Für dieses Seminar erhalten Sie 12 Punkte gemäß der Punktebewertung der BZÄK/ DGZMK
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012
Praxistag PD Dr. med. dent. Stefan Paul Freitag, 8. März 2013 Nur für Mitglieder. Ort: Stadelhoferstrasse 33 8001 Zürich Telefon: +41 (0)44 253 7000 www.drpaul.ch Anmeldung: http://www.drpaul.ch/Contact.aspx?lang=deutsch
Curriculum CAD/CAM für die „Neue Gruppe“ Modul mit praktischen Übungen Prof. Dr. D. Edelhoff, OA PD Dr. F. Beuer, Dr. J-F. Güth, ZT J. Schweiger, ZT M. Eichberger, ZTM J. Ramberger FOA Dr. Pho-Duc Freitag, 17. Januar 2014 Samstag, 18. Januar 2014 Theoretischer Teil: • Einführung in die CAD/CAM-Technologie • Innovative Behandlungskonzepte in der Restauration komplexer • Innovative Behandlungskonzepte in der Implantatprothetik • Digitaler Workflow, digitale Verblendung Demonstration von CAD/CAM-Materialien • Aktueller Status und zukünftige Perspektiven in der Computer gestützten Zahnmedizin (Schwerpunkt Scanner und CAD) Praktischer Teil: Präparation Krone 26 Vollkeramik • Scannen der Präparation Krone 26, Konstruktion der Kronenrestauration CAD an max. 2 Stationen • Charside: Cadent iTero, CARA Trios, Cerec Omnicam, Lava C.O.S. oder MHT • Konstruktion: Cerec AC, ExoCAD, 3Shape • Demonstration: 3D Gesichtsscanner • Demonstration: Virtueller Artikulator, Freecorder Bluefox • Zusammenfassung und anschließende Diskussion
Neue Kurse
41
Innovatives und minimal-invasives Weich- und Hartgewebemanagement Dr. Gerhard Iglhaut Freitag, 07. Juni 2013 (09.00 – 18.00 Uhr) Samstag, 08. Juni 2013 (09.00 – 17.00 Uhr) Das Weich- und Hartmanagement in der Implantattherapie wird mehr und mehr von minimal invasiven, chirurgischen Techniken beeinflußt. Das Ziel in der ästhetisch relevanten Region ist heute der Erhalt des natürlichen Aussehens von alveolären Gewebestrukturen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Vermeidung von oberflächlichen Inzisionen mit Lappenbildung und Verschieben von Weichgewebe. Dies gelingt erfolgreich mit Einsatz von kombinierten freien und gestielten Transplantaten. Die präsentierten Techniken ermöglichen einen atraumatischen und vorhersehbaren Wundverschluß von Sofortimplantaten sowie gleichzeitig eine Verdickung des parodontalen Morphotyps. Hartgewebeaugmentationen von ausgeprägten Alveolarkammdefekten sind meist schwierige chirurgische Techniken, die für Chirurg und Patient eine große Herausforderung darstellen. Seit 2005 kommt ein neues Ultraschall aktiviertes, resorbierbares System in der kraniofazialen Ostheosyntese zum Einsatz. Eine innovative Weiterentwicklung und Technik des Referenten, basierend auf formstabilen, resorbierbaren Materialien mit Ultraschallapplikation, lässt in vielen Fällen eine Knochenblockfixation für augmentative Zwecke als nicht mehr notwendig erscheinen und erspart dem Patienten einen OP-Zweiteingriff, welche ansonsten eine zusätzliche physische und psychische Belastung bedeutet. Die SonicWeld Rx®-Ultraschallaktivierung bewirkt eine Verflüssigung und dreidimensionale Infiltration von Pins in die Knochenstrukturen. Dieser Verriegelungsmechanismus zwischen Membrane/Platten und Pin verzeichnet eine außerordentlich hohe Ursprungsfestigkeit und ermöglicht eine lagerstabile, dreidimensionale Rekonstruktion des Alveolarkammes. In diesem Kurs und Workshop präsentiert der Referent multimedial die wissenschaftliche Basis und entsprechende klinische Fälle dieser innovativen Implantatchirurgie. Im praktischen Teil werden diese Techniken am Modell eingeübt und umgesetzt sowie das Weichgewebemanagement umfangreicher 3D-Augmentationenen am Schweinekiefer trainiert. Weiter wird diese Technik in einer Live OP am Patienten demonstriert.
Anmeldung: Dr. Alessandro Devigus, Gartematt 7, CH 8180 Buelach, Tel.: +41 (0) 44-886 30 44, Fax: +41 (0) 44-886 30 41, E-Mail: devigus@dentist.ch
Ort: Memmingen Gebühr: MG: 600,--€; NMG: 750,--€ Anmeldung: Institut für ZahnÄrztlicheFortbildung Dr. Gerhard Iglhaut z. Hd. Frau Greiner Steinbogenstr. 26, 87700 Memmingen Tel. (08331) 9258000, Fax (08331) 984913 E-Mail: institut@dr-iglhaut-praxis.de
Punkte: Für dieses Seminar erhalten Sie 14 Punkte gemäß der Punktebewertung der BZÄK/ DGZMK
Punkte: Für dieses Seminar erhalten Sie 24 Punkte gemäß der Punktebewertung der BZÄK/ DGZMK
Max. 25 Teilnehmer. Ort: Universitätskliniken München Gebühr: MG: 900,--€; NMG: 1100,--€
42
Nachrufe
Wolfgang Mösch *1923 † 2011 Wolfgang Mösch ist in eine süddeutsche Familie mit starkem schwäbischen Wurzeln geboren. Sein Vater, Jurist, und seine Mutter, Künstlerin mit abgeschlossenem Studium, erkannten früh die technische Begabung ihres Sohnes Wolfgang. Denn das Interesse und Talent für technische Entwicklungen war in der väterlichen Linie über mehrere Generationen weitergereicht worden. Nach dem Notabitur 1942 in Aalen, BadenWürttemberg, meldete sich Wolfgang Mösch freiwillig zum Kriegsdienst bei der Panzertruppe. Zur Bewährung für die Offizierskarriere kam er zunächst zum Fronteinsatz nach Rußland. In der Schlacht bei Orel, Ukraine, im Juli 1943 (WestfrontAngriff der russischen Armee und Rückzug der deutschen Wehrmacht) schleppte Wolfgang Mösch sich, knapp dem Tod entkommen, schwerverwundet bei strömendem Regen zum Hauptverbandsplatz. Von dort nahm ihn schicksalshaft ein drei-Personen-Flugzeug (Fiseler Storch) über Königsberg und Breslau nach Tübingen ins Lazarett. Wiederholte plastische Gesichtsoperationen erlaubten dennoch das Studium der Mathematik, Physik und Elektrotechnik ab Februar 1944 an der Eberhard-Karls-Universtität in Tübingen. Das Studium wurde durch erneut lebensbedrohende Einsätze als Wehrmachtskurier nach Wien wiederholt unterbrochen. Nach Kriegsende im Mai 1945 führten Umwege zum Studium der Zahnmedizin (1946-1950) an der Eberhard-Karls-Universtität in Tübingen. Zum Studiumende promovierte Wolfgang Mösch mit dem Thema „Die Gewinnung orthodontoskopischer Diagramme von kieferortopädischen Modellen zur Unterstützung der Diagnostik“. Schon als Student kaufte er vor der Währungsreform (1948) eine komplette Praxiseinrichtung aus den Einnahmen seiner Abendvorstellungen als Zauberer (im „magischen Zirkel“ seit dem 16. Lebensjahr). Die Einrichtung kommt bei seiner Praxisgründung 1951 in Ulm zum Einsatz. Im eigenen Geschäftshaus (1963) vergrößerte er die Praxis von drei auf später fünf Behandlungszimmer und ergänzte sein Team mit Assistenten. Das erweiterte Praxislabor beschäftigte einen Meister und drei Zahntechniker. Mit der eigenen feinmechanischen Werkstatt konnten Kooperationen mit Produktionsfirmen wie Siemens erfolgreich werden. Es entstanden zahlreiche zahnärztliche Innovationen mit Patentanmeldungen für internationale Rechte in der Zeit von 1956-1975. Die Erfindung der innovativen Mischkapsel (erstmalige Direktapplikation von Kunststoffen) wird über die Firma Espe/3M bis heute weltweit vertrieben. Bernhard Seidler, sein Patentanwalt und späterer
Freund aus München, setzte die Patentrechte bis vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe mehrfach erfolgreich durch. Auf Fortbildungsveranstaltungen entwickelten sich weiterführende Verbindungen. In Meran entsteht Anfang der 60ger Jahre die lebenslange Freundschaft mit dem international ausgewiesenen Prof. Dr. med. Frederico Singer, der Wolfgang Mösch vielseitig fördert. Er schlägt ihn als neues Mitglied für den „International College of Dentists“ vor. Wolfgang Mösch war der 10te Deutsche, der er in Paris am 12. 7. 1967 als ordentliches Mitglied aufgenommen wurde. Der rege fachliche Austausch mit Dr. med. dent. Günter Wunderling und anderen Kollegen führte zur Gründung der NEUEN GRUPPE in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund-und Kieferheilkunde. Am 01. Nov. 1965 formulieren 45 Gründungsmitglieder, darunter Wolfgang Mösch, die Ziele der NEUEN GRUPPE. Im Protokoll ist nachzulesen: „Sie ist um eine Verbindung von Praxis zur Hochschule und sonstigen Städten der Forschung bemüht. Das verbindende Medium ist das Gespräch und die Demonstration im kleinen Kreis. Sie erstrebt den Kontakt mit ausländischen Zahnärzten und natürlich den mit ostdeutschen Kollegen ...“ Wolfgang Mösch war Mitglied in vielen wissenschaftlichen Gesellschaften wie Gesellschaft für Funktionsdiagnostik, The European Academy of Gnathology, International Dental Federation und dem Freien Verband Deutscher Zahnärzte. Bei den Ausstellern der deutschen Dentalschau, an der Wolfgang Mösch mit Freude regelmäßig teilnahm, war er wegen seiner weiterführenden Kommentare gern gesehen. Wolfgang Mösch war vielseitig interessiert. Sein „elektronisches Notizbuch“, das er Prof Singer im Jahr 1965 schenkte, war der Zeit weit voraus. Wolfang Mösch visualisierte bereits eine Roboterhand am Behandlungsstuhl als teilweisem Ersatz der zahnärztlichen Helferin. Die Dunkelkammer zur Bildentwicklung der Schwarz-Weißphotographie enthielt alle zeitgemäß verfügbaren technischen Finessen. Wolfgang Mösch war unterwegs, die Geheimnisse der Akupunktur naturwissenschaftlich zu begründen. Stets fand er Menschen zum geistigen Austausch wie Prof. Gerhard Binder, Historiker, mit dem er politische und wirtschaftliche Zusammenhänge analysierte. Im Austausch mit Prof. Max Lüscher vertiefte Wolfgang Mösch seine Kenntnisse zur Psychologie, vor allem der Farbenpsychologie. Er schaffte sich Freiräume, bevorzugt nachts; aktuelle und klassische Literatur zu lesen. Das „Handorakel und die Kunst der Weltklugheit“ von Baltasar Gracián (1601-1658) war
Nachrufe
NEUE GRUPPE NEWS / Heft 38 / Herbst 2012 griffbereit in der Kitteltasche von Wolfgang Mösch, der die moralethischen Vorstellungen und Erfahrungen des Vorläufers der französischen Moralisten für die Gegenwart sehr schätzte. Als Familienmensch verbrachte er glückliche Ferienwochen über fünf Jahrzehnte im Tessiner Refugium mit seiner lieben Frau Lotte. Die grandiose Berg- und Seenlandschaft im Wechsel der Jahreszeiten war für Wolfgang Mösch immer wieder Anlass, die Wunder der Natur bis ins hohe Lebensalter ehrfürchtig zu bestaunen. Mit Freunden, insbesondere Dr. Günther Stehle mit seiner Frau Gina als auch Prof. Sigfried Schreiber mit seiner Frau Doris, teilte Familie Mösch wiederholt sein Tessiner Paradies. Freundschaften außerhalb des Fachgebietes
43
hielten sich seit der Studienzeit mit Prof. Karl Brecht, Muskelphysiologe, auch über die Verbindung „Virtembergia“ und bilden die Brücke zur nachfolgenden Generation. Bis sechs Monate vor seinem Tod schaute Wolfgang Mösch jeden Tag in seiner Praxis vorbei. Für seinen großen Lebensbogen war er bis zum letzten Tag dankbar. Die Praxis, die 60 Jahre im Juni 2011 besteht, wird von seiner Tochter, Dr. med. dent. Eva Mösch von Scharfenberg, weitergeführt. geschrieben in Ulm im September 2011 zusammen mit Dr. Eva Mösch von PROF. DR. MED. KATHARINA SPANEL-BOROWSKI in Erinnerung an ihren ersten Zahnarzttermin bei Wolfgang Mösch im September 1970
Prof. Dr. Franklin S. Weine † 10. Juli 2012 Prof. Dr. Franklin S. Weine, ehemaliger Direktor der endodontischen Postgraduierten-Ausbildung an der Zahnklinik der Loyola Universitiy in Chicago, Gastprofessor zahlreicher Universitäten in aller Welt, internationaler Referent und Autor verstarb am 10. Juli 2012 im Alter von 78 Jahren. Wir verlieren einen großartigen Menschen, exzellenten Endodontologen, Wissenschaftler und Lehrer … und nicht zuletzt einen aufrichtigen Freund. „Frank“ studierte in den 1950er Jahren zunächst Zahnheilkunde und später Endodontologie. Angesichts kompromissbehafteter Behandlungsergebnisse hatte er eine Vision: Statt den Kanälen eine den Instrumenten entsprechende Form aufzuzwingen, strebte er danach, die Instrumente so zu verfeinern und zu modifizieren, dass auch komplizierte Kanalsysteme unter Erhalt der vorgegebenen Anatomie aufbereitet werden konnten. Und während hierzulande stärker gekrümmte Wurzelkanäle als kaum behandelbar galten, war es ihm Herausforderung und Vergnügen, auch die letzten Krümmungen und Verästelungen aller Kanäle oberer Molaren vollständig aufzubereiten und abzufüllen.
Ganze Generationen amerikanischer Endodontologen wurden von ihm geprägt und ausgehend von Chicago zog es ihn hinaus in die Welt. Er war gefragter Referent auf allen Kontinenten und sein richtungsweisendes Lehrbuch „Endodontic Therapy“ erschien in sechs Auflagen. Seit Anfang der 1970 Jahre war er ständiger Referent in Deutschland, über 30 Jahre lehrte er vor allem am Karl-Häupl-Institut in Düsseldorf, teilweise mehrmals im Jahr. Viele Tausend deutsche KollegInnen gingen durch seine Schule und folgerichtig gründete sich vor 15 Jahren in Düsseldorf die „Endodontische Studiengruppe F. S. Weine“, eine Vereinigung, die Frank besonders am Herzen lag. Noch im Frühjahr 2010 besuchte er seine Studiengruppe, um Behandlungskonzepte und schwierige Fälle zu diskutieren – offen, ehrlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wie es seine geschätzte Art war. Mit seinem Tod verliert die internationale endodontische Familie einen ihrer ganz Großen. Wir verneigen uns in Trauer und Anerkennung seiner Verdienste. Frank lebt weiter in seinen Werken und unserer Arbeit – seine Vision ist uns Verpflichtung. Unser Mitgefühl gilt seiner Witwe Dorothy, seinen drei Söhnen Perry, Kenneth und Alan und ihren Familien.
U. SCHULZ-BONGERT, DÜSSELDORF
44
Nachrufe
Prof. Dr. Dr. Ralf E. Mutschelknauss *25.05.1931 † 26.04.2012 Ralf Mutschelknauss starb nach schwerer Krankheit kurz vor seinem 81.Geburtstag. Mit Ralf haben wir eine Persönlichkeit verloren, die die Zahnheilkunde und insbesondere sein Spezialgebiet die Parodontologie nachhaltig geprägt hat. Hochbegabt, ehrgeizig und ausgestattet mit einem unerschöpflichen Tatendrang, studierte er Zahnmedizin und Medizin in Frankfurt, Lausanne und München. Nach seinen Promotionen und einer Facharztausbildung zum Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen im Katharinenhospital Stuttgart, habilitierte er 1965, erst 34 Jahre alt. Zwei Jahre später wurde er Leiter der ersten eigenständigen Abteilung für Parodontologie in Deutschland an der Universität Münster. 1968 erhielt er den wissenschaftlich angesehenen ARPA-Preis. 1971 ging aus der ARPA die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, DGP, hervor. Ralf Mutschelknauss war bis 1974 ihr erster Präsident. Im Jahr zuvor hatten sich die Hochschullehrer für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde für eigene Lehrstühle für das Fach Parodontologie an den deutschen Universitäten ausgesprochen. Eine geradezu bahnbrechende Entscheidung, die Ralf sehr befürwortete. Ralf engagierte sich darüber hinaus in der DGZMK als Vorstandsmitglied, in der AG Grundlagenforschung und als Dozent der APW der DGZMK. Mehr als hundert wissenschaftliche Publikationen und Buchbeiträge aus dem Gebiet der Kiefer- und Gesichtschirurgie und der klinischen und experimentellen Parodontologie und mehr als dreihundert Vorträge, Seminare, klinische Kurse in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Dänemark, Niederlande, USA u.a. an der Tufts University (Professor Glickman), Boston University (Professor Goldman), University of Philadelphia (Professor Cohen), University of Baltimore (Professor Bowers) zeugen von seiner internationalen Reputation. 1973 ließ sich Ralf in einer Privatpraxis in Stuttgart nieder. Auch danach setzte er seine Lehrtätigkeit an der Universität Münster fort. Ralf Mutschelknauss stellte höchste Ansprüche an seine und die Arbeit seiner Mitarbeiter und suchte stets den Austausch mit engagierten Kollegen. So trat er 1970 in die NEUE GRUPPE ein. Hier hatte Ralf nicht nur eine berufliche Heimat gefunden. 1984 und 1985 war Ralf Präsident unserer Vereinigung, 2001
wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Als Präsident führte er die NEUE GRUPPE ganz im Sinne ihrer Zielsetzung des Brückenschlages von außergewöhnlichem beruflichem Engagement und freundschaftlichem Zusammenhalt Gleichgesinnter, die miteinander, voneinander lernen wollen. Zu seinen Jahrestagungen in Stuttgart lud er hochkarätige international renommierte Referenten auf dem Gebiet der Parodontologie ein. Legendär sind die von Ralf Mutschelknauss 1983 bis 1998 primär für die Mitglieder der NEUEN GRUPPE initiierten und organisierten, jährlichen klinischen Wochen in Swampscott USA bei Dr. Kramer und Dr. Nevins, geworden. Bei ihnen wurde klinische und operative Parodontologie und Implantologie in absoluter Spitzenqualität gezeigt. Ich lernte Ralf 1984 kennen, als er mich als junge Zahnärztin direkt nach dem Examen in seiner Privatpraxis einstellte. In vier Behandlungsräumen wurden an fünf Tagen der Woche zum Teil bis spät abends Patienten auf höchstem zahnärztlichen Niveau behandelt. Auch an Tagen, an denen Ralf am Nachmittag auswärts Vorträge oder Seminare hielt, kam er selbstverständlich in die Praxis und widmete sich seinen Patienten. Unvergesslich ist mir, wie er an einem solchen Tag durch alle Behandlungsräume wirbelte und Patienten und Mitarbeiterinnen auf durchzuführende Behandlungen einstimmte, diese teilweise auch begann, um dann in höchster Eile zu entschwinden mit den Worten: „Es ist alles fertig, es muss nur noch gemacht werden.“ Das Machen habe ich bei ihm gelernt. So konnte ich die Realisierung seines großen Projektes, des sechsbändigen Videokompendiums Parodontologie (erschienen 1996) und die Krönung seines Werkes, sein Lehrbuch der klinischen Parodontologie (erschienen 2000 im QuintessenzVerlag) hautnah miterleben. Mit Ralf haben wir heiße Fachdiskussionen geführt, aber auch zusammen mit unseren Familien glänzende Feste gefeiert. Seine Freunde wissen, dass Ralf nicht nur exzessiv arbeiten, sondern auch genauso gern und ausgelassen feiern konnte. Wir, seine Kollegen und Freunde trauern um ihn. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie, besonders seiner Frau Jonny.
BRIGITTE SIMON, STUTTGART