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AUSGESCHLACHTET.

Ein Sieg wird in Szene gesetzt.

1474–1476: Karl der Kühne gegen die Eidgenossen 1476: Zwei Schlachten in der heutigen Westschweiz Nach 1477: Folgen

Wo findet die Schlacht statt?

Geordnete Bilder

Jubelfeier

Anfang

Wir sehen oft Bilder von Krieg.

Zum Beispiel hier beim Eingang der Ausstellung. Je nach Ausschnitt lesen wir eine andere Geschichte darin.

Solche Bilder können unsere Meinung beeinflussen. Menschen nutzen Bilder und Geschichten, damit wir die Welt auf eine bestimmte Weise sehen.

Ein Beispiel dafür ist die Schlacht bei Murten am 22. Juni 1476. Die Eidgenossen aus den Gebieten der heutigen Schweiz besiegen zusammen mit Verbündeten das burgundische Heer.

Die Ausstellung zeigt, wie dieser Sieg dargestellt wird: von 1476 bis heute.

Seit vielen Jahrhunderten feiern Menschen diesen Sieg. Aber in der Schlacht sterben etwa 10 000 Menschen. Auch daran erinnert die Ausstellung.

Welche

Geschichte siehst du?

Gehe die Treppe hinunter. Hier kannst du einen Film sehen.

Der Film hat viele Informationen und die Bilder folgen schnell aufeinander. Du kannst auch direkt am Vorhang vorbei in die Ausstellungshalle gehen.

Du kannst den Film auch auf dem Handy anschauen, indem du diesen QR-Code benutzt.

Zwischen-Raum

Du bist jetzt in einem Zwischen-Raum. Der dunkle Raum zieht sich durch die ganze Ausstellung.

Er wirkt ruhig, aber auch ernst. Er steht für Krieg, Gewalt und Tod. Und dafür, was Krieg mit uns Menschen macht.

Vielleicht hörst du das Herz schlagen?

Was macht das mit dir?

Der Zwischen-Raum lädt zum Nachdenken ein. Zum Beispiel: Was zeigen Bilder von Kriegen? Was zeigen sie nicht?

Der Zwischen-Raum ist ein Gegensatz zu den farbigen Räumen. In den farbigen Räumen siehst du, wie der Sieg bei Murten gezeigt wird.

Die Räume funktionieren wie Bühnen in einem Theater. Hier wird der Sieg bewusst dargestellt. Das nennt man Inszenierung. Der Sieg ist inszeniert.

Die Bühnen zeigen eine bestimmte Sicht auf. Du siehst, wie Menschen den Sieg später für ihre eigenen Ziele genutzt haben.

Welcher Krieg betrifft dich und warum?

In einem Zwischen-Raum findest du ein Buch. Dort kannst du die Frage beantworten.

Die Bühnen der Ausstellung

Du kannst wählen, in welcher Reihenfolge du die Bühnen anschaust. Die Seiten im Heft sind mit der gleichen Farbe markiert wie die Bühnen.

Terapixel-Panorama: Das neue digitale Erlebnis

Jubelfeier von 1876:

Die ganze Schweiz feiert mit einem Umzug

EXPO.02: Das Panorama im See 2002

Burgunder-Beute: Mit geraubten Gegenständen werden Geschichten erzählt

Realität und Inszenierung: Was wissen wir über die Schlacht von Murten?

Murten-Panorama von 1894: Das gemalte Rundbild

Inszenierungen 2026: Wie feiern wir das Jubiläum heute?

MurtenPanorama 1894

Mehr als 400 Jahre nach der Schlacht malen Louis Braun (1836–1916) und seine 40 Mitarbeiter das Panorama der Schlacht bei Murten.

Ein Panorama ist ein riesiges Rundbild.

Das Bild ist rundum auf Leinwand gemalt.

Es braucht dafür ein extra Gebäude.

Ein Teil des Bildes liegt hier ausgerollt.

Das Panorama wird von privaten Unternehmern bezahlt. Sie wollen damit Geld verdienen.

Das Rundbild soll viel Publikum anlocken.

Es zeigt die Schlacht aus der Sicht der stolzen Sieger. Es gibt fast kein Blut zu sehen.

Dafür gibt es viele spannende Details.

Es zeigt den Krieg weniger schlimm, als er ist.

Das passt zur damaligen Zeit:

Um 1890 bereiten sich viele Länder in Europa auf neue Kriege vor.

Viele Länder rüsten ihre Armeen auf.

Neue Waffen werden entwickelt.

Diese Waffen können viel mehr zerstören als früher.

Was verschweigen Schlachtenbilder?

Schau dir das Modell des Gebäudes an.

Wie die kleinen Figuren standen die Besuchenden auf der Plattform in der Mitte und konnten sich im Bild umsehen.

Realität und Inszenierung

Was geschieht damals in Murten?

In diesem Raum geht es um drei Fragen:

– Was wissen wir heute über die Schlacht von 1476?

– Wo fand die Schlacht statt?

– Und wie wurde damals darüber berichtet?

Dabei wird deutlich: Was wirklich passiert ist und was Menschen später darüber erzählen, können wir oft nicht klar trennen.

Ein einzelner Bericht zeigt nur einen Teil der Geschichte. Erst mehrere Berichte zusammen geben ein genaueres Bild.

Wir fragen uns: Stimmt das wirklich?

Und aus welcher Sicht wird erzählt?

Jede und jeder erlebt eine andere Geschichte.

Willst du mehr

über die Schlacht wissen?

Ja, dann erfährst du auf den Seiten 12–19 viel darüber. Nein, dann gehe zu Seite 20.

Karl der Kühne gegen die Eidgenossen

Karl der Kühne lebt von 1433 bis 1477. Er ist Herzog von Burgund.

Sein Herzogtum liegt zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich. Karl will sein Gebiet vergrössern. Dabei geht er aggressiv vor.

Die Stadt Bern gehört zur Eidgenossenschaft. Bern möchte auch sein Gebiet vergrössern.

Bern fühlt sich durch Karl den Kühnen bedroht.

Darum schliesst sich Bern mit den Eidgenossen und weiteren Verbündeten zusammen.

Im Jahr 1474 beginnen die Eidgenossen den Krieg gegen Karl den Kühnen und sein Heer.

1476: Zwei Schlachten

in der heutigen Westschweiz

Die Eidgenossen überfallen Gebiete, die von Burgund kontrolliert werden.

Karl der Kühne will sich dafür rächen.

Am 2. März 1476 treffen die beiden Heere bei Grandson aufeinander.

Der Sieg der Eidgenossen und ihrer Verbündeten kommt überraschend.

Auch der Zufall spielt eine Rolle. Es gibt kaum Kämpfe.

Das ganze Lager des burgundischen Heeres fällt in ihre Hände.

Im Frühling 1476 stellt Karl der Kühne in Lausanne ein neues Heer auf. Karl der Kühne will die Stadt Bern erobern.

Auf dem Weg dorthin liegt die Stadt Murten. Anfang Juni belagert Karl der Kühne die Stadt. Sie war zuvor von Bern und Freiburg erobert worden.

Am 22. Juni 1476 kommt es zur Schlacht bei Murten. Sehr viele Menschen sterben.

Die Eidgenossen und ihre Verbündeten besiegen das burgundische Heer.

Nach 1477:

Folgen

Im Jahr 1477 stirbt Karl der Kühne in der Schlacht bei Nancy.

Maria von Burgund ist sein einziges Kind. Sie heiratet Maximilian von Habsburg. Er ist der Sohn des deutschen Kaisers.

Maximilian kann nur den östlichen Teil des Herzogtums Burgund behalten. Den westlichen Teil übernimmt Frankreich.

Langfristig hat das grosse Folgen für Westeuropa. Es entstehen zwei mächtige Gegenspieler: Frankreich und Habsburg.

Die Eidgenossen gewinnen kaum neues Gebiet. Aber ihr Ruf als Kämpfer wächst stark. Als Söldner werden sie in ganz Europa gefragt. Söldner kämpfen gegen Lohn für fremde Herrscher.

Die Eidgenossen streiten sich um die Kriegsbeute. Wie viel Einfluss haben die Städte wie Bern oder Zürich? Und wie viel die ländlichen Orte wie Uri, Schwyz, Unterwalden?

Wo findet die Schlacht statt?

Das Schlachtfeld vom 22. Juni 1476 liegt ausserhalb der Stadt Murten. Es befindet sich auf einem abfallenden Gelände zwischen Hügeln im Südwesten und dem Ufer des Sees.

Diese Lage ist für die Burgunder schwierig. Die Eidgenossen schneiden ihnen die Fluchtwege ab.

Im christlichen Mittelalter ist es üblich, nach einer Schlacht zu beten. Deshalb beten die Sieger für die Seelen aller gefallenen Kämpfer.

Wenige Jahre später wird zum Gedenken eine Kapelle gebaut.

Dort werden die Knochen der Toten aufbewahrt. Diese Kapelle wird Beinhaus genannt. Sie wird weit über die Region hinaus bekannt.

Im Jahr 1798 marschieren französische Truppen in die Schweiz ein. Sie zerstören das Beinhaus. Für sie ist es ein Symbol ihrer Niederlage. Die Knochen werden wieder in der Erde begraben.

Seit 1822 steht an dieser Stelle ein Denkmal für den Sieg. Noch heute besuchen Menschen den Ort bei Gedenkfeiern zur Schlacht bei Murten.

Spüre das Gewicht des Kettenhemds. Das Eisenhemd wiegt rund zwölf Kilogramm. Viele Menschen ertrinken im Murtensee, weil sie mit der schweren Rüstung nicht schwimmen können.

Geordnete

Bilder

Die Berichte über den Sieg der Eidgenossen verbreiten sich schnell.

Augenzeugen berichten von der Schlacht. Andere erzählen weiter, was sie gehört haben. Alle wollen verstehen, was passiert ist. Dabei betonen sie oft die eigenen Taten.

So entstehen viele verschiedene Berichte.

Einige Angaben widersprechen sich. Das betrifft – den Ablauf der Schlacht, – die beteiligten Personen – oder die Zahl der Toten.

Einige Jahre nach der Schlacht

lassen die Stadträte von Freiburg, Bern und Solothurn grosse Schlachtenbilder anfertigen. Diese Bilder sind jedoch nicht erhalten, sondern nur spätere Kopien. Du kannst sie in diesem Raum sehen.

Die Bilder zeigen die Schlacht als klares und geordnetes Bild. Sie erinnern an den Sieg. Und sie zeigen, wie man eine Schlacht plant.

Schaue dir die Bilder zu den Burgunderkriegen in den alten Chroniken an. Du findest sie bei den eingelegten Papierstreifen.

Jubelfeier 1876

Zum 400-Jahr-Jubiläum der Schlacht findet im Jahr 1876 in Murten eine grosse Feier statt.

Die Feier dauert mehrere Tage. Es wird viel Aufwand betrieben. Die Idee zur Feier kommt von Menschen aus Murten. Bald beteiligt sich die ganze Schweiz an den Vorbereitungen.

Die alten Eidgenossen werden als Helden gefeiert. Es gibt grosse Festumzüge mit Kostümen. Diese Feiern sollen helfen, dass sich die Menschen als Teil der Schweiz fühlen.

1848 wird die Schweiz als Bundesstaat gegründet. Die Kantone fühlen sich aber noch nicht stark verbunden. Es gibt Streit zwischen den katholischen und protestantischen Gebieten.

Eine Wirtschaftskrise macht vielen Menschen Sorgen. Auch neue Technik verändert das Leben stark. Die Jubelfeier soll den Menschen Mut machen und Zusammenhalt schaffen.

Was feierst du an einem Schlachtenjubiläum?

Probiere ein Kostüm an. Wie fühlst du dich darin?

TerapixelPanorama

An der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne arbeiten Sarah Kenderdine und ihr Team mehrere Jahre an einem neuen Panorama.

Sie fotografieren das Originalbild.

Das Bild ist etwa 1000 Quadratmeter gross. Dafür machen sie etwa 27 000 einzelne Fotos.

Diese Fotos setzen sie zu einem digitalen Bild zusammen. So entsteht das bisher grösste Digital-Bild eines echten Objekts weltweit.

Das Ergebnis ist mehr als ein stilles Gemälde. Es ist ein Erlebnis zum Eintauchen.

Du kannst es selbst erkunden:

Du kannst das Bild drehen und Details vergrössern, und das Bild immer wieder neu ansehen. Dabei hörst du auch Geräusche.

Wie gross ist zu gross?

Entdecke das Digitalbild.

Gehe zum Stab in der Mitte des Raumes. Mit dem Steuerknopf kannst du dich durchs Bild bewegen und Ausschnitte vergrössern.

BurgunderBeute

In den Burgunder-Kriegen macht die Schweiz grosse Beute. Diese Beute wird Burgunder-Beute genannt.

Ein grosser Teil dieser Beute stammt aus der Schlacht bei Grandson. Bis ins 19. Jahrhundert glaubt man: Die meisten Beutestück kommen aus dem bekannteren Sieg bei Murten.

Die Verteilung der Beute führt zu Streit. Menschen aus Kirche und Politik warnen davor.

Sie sagen:

Der Luxus passt nicht zur Eidgenossenschaft.

Trotzdem bleiben die Beutestücke sehr beliebt. Die kostbaren Gegenstände werden gesammelt, gut aufbewahrt und manchmal gezeigt. Geschichten werden darüber erzählt.

Damals denkt man:

Alle diese Stücke stammen direkt aus dem Zelt von Karl dem Kühnen und gehören ihm persönlich. Heute wissen wir, dass das nicht stimmt.

Mit der Zeit verändert sich ihre Bedeutung: Aus Beutestücken werden bewunderte Kulturgüter.

Was gewinnst du mit Kriegsbeute?

Das Panorama im See 2002

An der Landesausstellung Expo.02 wird das Murten-Panorama wieder gezeigt. Zuvor war das Bild über 80 Jahre lang eingelagert.

Im Sommer 2002 wird das Rundbild besonders eindrucksvoll präsentiert. Es befindet sich im Inneren eines grossen Metall-Würfels. Der rostrote Würfel steht mitten im Murtensee. Er ist nur mit einem Boot erreichbar.

Die Expo.02 zeigt an mehreren Orten in der Westschweiz eine offene und moderne Schweiz. Rund zehn Millionen Menschen besuchen die Ausstellung.

Der Würfel im See gehört zu den Orten mit den meisten Besuchenden. Seitdem konnte man das Murten-Panorama nicht mehr öffentlich sehen.

Hält ein Sieg eine Nation zusammen?

Inszenierungen heute 2026

550 Jahre nach der Schlacht bei Murten wird das Ereignis wieder gefeiert.

Es gibt Feste, Theaterstücke und Ausstellungen – auch diese hier.

Der Sieg von 1476 wird neu dargestellt. Und du bist Teil davon.

Diese Bühne ist noch im Aufbau.

Sie lädt dich ein, die neuen Inszenierungen zu entdecken. Jede und jeder erzählt eine andere Geschichte. Und viele Geschichten werden nicht gezeigt.

Wie berichten Zeitungen, Fernsehen und andere Medien darüber?

Welche Personen machen mit?

Warum?

Und ganz wichtig: Was denkst du darüber?

Was feierst du in Zukunft?

2076 wird das Jubiläum der Schlacht bei Murten zum 600. Mal gefeiert.

Möchtest du in Zukunft weiterhin dieses Ereignis feiern oder hast du andere Ideen?

Hinterlasse deine Antwort

oder lass dich von den Gedanken anderer inspirieren.

Wer hat dieses Heft gemacht?

Konzept und Projektleitung:

Reto Boschung, Laura Company Mercado

Ausstellungstexte:

Reto Boschung, Susan Marti, Daniel Schmutz

Beratung und Übersetzung der Ausstellungstexte in einfache Sprache (Deutsch):

Sara Stocker Steinke, Inkluseum GmbH (Bern)

Lektorat:

Daniel Schmutz

Französische Übersetzung:

France Santi, Textoh (Zürich)

Lektorat französische Übersetzung:

Vanessa Haussener, Élodie Maître (Fully)

Englische Übersetzung:

Laura Company Mercado

Lektorat englische Übersetzung:

Chantale Schmid

Gestaltung:

Equipo – Visuelle Kommunikation (Basel)

Fotografie:

Christine Moor

Legende zu Irakbild auf Seite 2: Itsuo Inouye, Irak, 21. März 2003. Keystone/AP.

Legende zu Coverbild:

Laura Company Mercado, 2025. «Schatten im Zwischenraum». Bern, BHM.

Murten, ausgeschlachtet. Ein Sieg wird in Szene gesetzt. 25.2.2026–9.5.2027 bhm.ch/murten

© 2026 Bernisches Historisches Museum, Helvetiaplatz 5, 3005 Bern

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