AUSGABE 2/2026
Lucys
Herbst 2026 CHF 6.50 | € (D) 4,80 | € (A/LUX) 5,40
KU LT U R S P I R I T UA L I TÄT WISSEN GESUNDHEIT N AT U R
Lucys
Forum für veränderte Bewusstseinszustände
Alles, was deinen Geist bewegt
Hypes der psychedelischen Renaissance Schamanismus, Fliegenpilz und legale Substanzderivate
Cannabis und Bewusstsein Hanfanwendungen für innere Arbeit
Moderne Kakao-Rituale Interview zum globalen Trend
Psycholyse: Missbrauch und Abhängigkeit
Wenn Therapeuten ihre Macht ausnutzen
Lucys Nr. 2
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sychedelia-Retreats prasentiert ab diesemJahr ein
Moglichkeit zur Selbsterfahrung an. Die Veranstaltungen
fortlaufendes Programm psychedelischer Retreats zur Selbsterfahrung wie auch for Practitioner. In Kooperation mit der Psychedelia-Stiftung fohren wir bereits seit letztem Jahr Retreats im Zusammenhang mit Studien der Universitat
finden in den Niederlanden statt und werden mit legalen Psilocybe-Sklerotien ( »Triiffeln «) durchgefohrt. Alle Formate folgen einem klaren Bogen aus Vorbereitung, begleiteter Erfahrung und Integration. Begleitet von einem erfahrenen,
Ottawa durch und bieten nun auch weiteren Gruppen die
professionellen Team.
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REKREATIVER RE TREAT
Ritualbasierte Bewusstseinsarbeit im professionell begleiteten Rahmen. Erstes rekreatives Retreat-Format vom 26. bis 29. November 2026. Retreat-Leitung: Dr. Claudia Miiller-Ebeling und Markus Berger, mit gemeinsam iiber 80 Jahren Erfahrung. Drei Tage mit zwei begleiteten Ritualen, eingebettet in Meditation, Atemarbeit und Naturerfahrung. Retreat-Leitung: Dr. Claudia Muller-Ebeling und Markus Berger.
Ort: New Eden Center, Hemrik (NL)
Sprache: Deutsch
Neben unseren rekreativen Retreats fohren wir auch Retreats for Practitioner und Retreats im Rahmen wissenschaftlicher Studien durch. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter psychedelia-retreats.com Termine for 2027 werden ebenfalls zeitnah veroffentlicht. Reservieren Sie sich Ihren Platz iiber unser Kontaktformular.
ZUR WEBSITE
Lucys Nr. 2
EDITORIAL
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von Markus Berger
Wo Licht ist, ist auch Schatten
Markus Berger ist Drogenforscher, Autor zahlreicher Bücher und Chefredakteur von Lucys.
Außerdem überwiegen die positiven Seiten der Renaissance – wie Akzeptanz, Entstigmatisierung, Diversifizierung der Bewegung, vermehrte Forschung etc. – immer noch die negativen.
Das war eine Punktlandung. Die erste Ausgabe unseres relaunchten Magazins ist ein voller Erfolg gewesen. Das bestätigt unsere Annahme, dass eine solche Zeitschrift heute mehr denn je gefragt ist, im Angesicht der psychedelischen Renaissance. Ein riesiges Dankeschön an alle, die es möglich gemacht haben – an unser Team ebenso wie vor allem an alle unsere Leser. Apropos psychedelische Renaissance. Die bringt leider nicht ausschließlich Positives mit sich, was kein Wunder ist und zu erwarten stand, wenn ein Thema wie die Psychedelik plötzlich im Mainstream aufgeht. Und da wir realistisch und neutral sein wollen, entsprechen wir in Lucys auch den dunkleren Seiten des Phänomens. Deshalb haben wir in dieser Nummer Beiträge zu missbräuchlichem Verhalten innerhalb der illegalen wie legalen Substanz-gestützten Psychotherapie und zu den hervorstechendsten Hypes und Trends der Renaissance untergebracht. Im Rahmen von Untergrund-Behandlungen, innerhalb dessen alle Beteiligten Stillschweigen bewahren müssen, kann man sich vorstellen, dass so mancher verleitet wird, seinen egound triebbehafteten Instinkten nachzugeben. Aber auch in legalen Settings kann, zumindest theoretisch, leicht ein Machtgefälle entstehen, das womöglich und geradezu sprichwörtlich verführerische Auswirkungen mit sich zu bringen vermag.
Was die Hypes der Renaissance angeht, so beobachten alte Hasen der Psychonautik eine gewisse Verwässerung und Kommerzialisierung ebenso wie eine flächendeckende Marginalisierung eines Themenfeldes, das eigentlich außerordentlich tiefgründig ist. Doch tut das der Entwicklung keinen Abbruch. Immerhin war mit solchen Folgen zu rechnen, wenn die Psychedelik in der öffentlichen Mitte der Gesellschaft ankommt. Außerdem überwiegen die positiven Seiten der Renaissance – wie Akzeptanz, Entstigmatisierung, Diversifizierung der Bewegung, vermehrte Forschung etc. – immer noch die negativen. Wir zeigen damit lediglich auf, dass wir nicht romantisieren wollen und auch nicht schlichtweg «pro-Drogen» eingestellt sind. Im Gegenteil. Wir machen gerne darauf aufmerksam, wie sensibel unser Gebiet ist und wie sehr wir auf die entsprechende Außendarstellung achten sollten. Ich freue mich, in dieser Ausgabe neue Kolleginnen an Board begrüßen zu dürfen. Camilla Landbø und Nicole Maron zeichnen diesmal für hochwertige Beiträge über Ayahuasca in Peru und Cannabis verantwortlich, Camilla betreut außerdem die neue Kolumne «Nüchtern betrachtet», in der sie vielfältige Aspekte interessanter non-pharmakologischer Bewusstseinsthemen beleuchtet. Viel Spaß und Erhellung mit dieser zweiten Nummer deiner Lucys. Markus Berger, Chefredakteur
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Lucys Nr. 2
I N H A LT Seite
Editorial
Seite
Alles KI, KD oder KP?
Seite
Echt jetzt:
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Markus Berger
Seite Drug Checking
den Anfängen bis heute 34 Von Hans Cousto
5 Klartext von Roger Liggenstorfer
17 Ich lese schneller Nüchtern betrachtet von Camilla Landbø GESUNDHEIT
Seite
Iboga
10 Wie eine umstrittene Wurzel
N AT U R
Seite Neue psychoaktive
14 Pflanzen
Aus der Forschung: erstaunliche Kandidaten
neue Perspektiven für Parkinson eröffnet
Markus Berger
Tobias Erny
Seite
18
Übergriffe in Psycholyse TITEL und psychedelischer THEMA Therapie
Seite Berauschte Tierwelt –
Warum Vierbeiner 56 Katzenminze: in Ekstase gar nichts mehr juckt
Melanie Söchtig (Serie Teil 2)
Wenn Therapeuten ihre Macht ausnutzen
S P I R I T UA L I TÄT
Seite
32 Seite
Kiffen vor dem
40 18. Lebensjahr –
besser sein lassen Interview mit US-Psychologin Madeline Meier
Interview: Camilla Landbø
Cannabis und Bewusstsein
TITEL THEMA
Hanfanwendungen für innere Arbeit
Helmut Christof
Lucys Nr. 2
3
I N H A LT
Seite Bewusstseinsentwick-
Seite «Trennung ist eine
60 lung im Alltag
46 Illusion»
Essen als Achtsamkeitsübung
Gespräch mit Kakao-Mischa über rituellen Kakao, Spiritualität und das Geschäftsleben
Thomas Marthaler
Interview: Markus Berger
WISSEN
Seite Heilige Pflanze,
Seite Veränderte
52 globales Geschäft
40 Wahrnehmung durch
Ayahuasca und die psychedelische Wellness-Industrie
Lichtstimulation
Warum Nahtoderfahrung, Mystik und Psychedelika auf denselben Bewusstseinsprozess verweisen
Nicole Maron
Engelbert Winkler
RUBRIKEN K U LT U R
Seite
42
Hypes der psychedelischen Renaissance
TITEL THEMA
Die aktuellen Modeerscheinungen der zeitgenössischen Psychonautik
Seite
Lucys Mix
6 Aktuelle Nachrichten
Seite Das Lucys-Netzwerk – weltweite Kooperation
27
Seite
Lucys Kalender
Seite
Lucys Mediathek
Seite
Impressum
31 Veranstaltungen
38 Buchbesprechungen 63
Abo Lucys
Lucys Nr. 2
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Alles, was deinen Geist bewegt
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Lucys Nr. 2
KLARTEXT
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von Roger Liggenstorfer
Alles KI, KD oder KP? KI ist in aller Munde und in allen Köpfen. Wo man hinschaut und hinhört, geht’s um KI. Klar, auch ein Verlag kann nicht ohne sein, unsere neue Webseite wurde mit KI-Unterstützung umgesetzt. Beim Übersetzen von Texten und der Recherche kommt KI ins Spiel. Doch ist sie (oder er, der große Bruder, wie unser Programmierer zu sagen beliebt) tatsächlich so intelligent, wie sie vorgibt? Ich war letzthin in Berlin an einem erheiternden Abend mit Micky Remann im Weltraum von Tina Zimmermann zu Gast – das Thema war Schüttelreime versus KI. Es wurde diskutiert und anhand praktischer Beispiele getestet, inwieweit KI Schüttelverse umsetzen kann. Alle schüttelten sich vor Lachen ob der Unfähigkeit der KI, die von Micky Remann vorgegebenen Wörter in Schüttelreime umzusetzen. Fazit: Sie kann es nicht, der Lernbedarf ist noch sehr groß. Vor allem: Die sogenannte Intelligenz besitzt null Humor. KI steht für mich eher für künstliche Inspiration als für künstliche Intelligenz. Dafür ist sie hervorragend geeignet. Wenn man ihr 1:1 glaubt und sie ohne eigene Reflexion übernimmt, fördert sie in erster Linie das Mittelmaß: Die eigene Kreativität fehlt, ebenso Empathie – der Humor sowieso. Und ist sie denn auch geistbewegend oder sogar bewusstseinserweiternd? Eine spannende Frage für weitere Betrachtungen. Ich lästere gerne über die KI, nenne sie (oder ihn) oft eine KD (steht für Künstliche Demenz oder Dummheit) – sie ist eben nicht
intelligenter als diejenigen, die sie programmiert haben, und besitzt nur das Wissen, auf das sie zugreifen kann. Klar, sie lernt dazu, wie jedes kleine Kind. Doch könnte ich viele Beispiele nennen, bei der sich die Maschine geirrt hat. Und wofür steht dann KP? Etwa für Kommunistische Partei? Weithin bekannt und in westlichen konsum- und gewinnorientierten Gesellschaften weniger beliebt. Darum geht’s mir hier nicht, sondern um die künstlichen Paradiese, wie sie Charles Baudelaire 1925 in seinem gleichnamigen Roman beschrieben hat – ein Begriff, der sich für veränderte Bewusstseinszustände bis heute gehalten hat. Ich habe die KI gefragt, was sie dazu meint. Zuerst kam eine negative Aussage: Flucht aus der realen Welt, kurzer, intensiver Genuss, der aber oft in Abhängigkeit, Verarmung der Empfindung und Enttäuschung zurückführt. Auf die Frage, ob sich die KI auch Positives darunter vorstellen könne, kam immerhin Folgendes: Künstliche Paradiese stehen für eine echte menschliche Sehnsucht – und können, statt nur zu verderben, in die Richtung auf eine «wahrere» Erfüllung hinweisen. Wie auch immer: Wenn die künstlichen Paradiese mit der Sehnsucht nach dem Paradies verglichen werden, hat dann die Künstliche Intelligenz mit der Sehnsucht nach Intelligenz zu tun? Es wäre zu wünschen, dass sich auch diese Sehnsucht erfüllt – nötig hätten wir es jedenfalls, auch ohne KI.
Roger Liggenstorfer ist Gründer des Nachtschatten Verlags und Herausgeber von Lucys.
Die künstliche Intelligenz besitzt null Humor.
Lucys
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Lucys Nr. 2
MIX
Der US-Pharmagigant Eli Lilly steigt groß in das Geschäft mit psychedelischen Therapien ein und übernimmt das Biotech-Unternehmen AtaiBeckley. Das Gesamtvolumen der Transaktion beläuft sich auf bis zu 3,8 Milliarden US-Dollar, was die Übernahme zum bisher größten Deal in diesem Sektor macht. Die wichtigsten Details zur Übernahme: • Der Kaufpreis: Eli Lilly zahlt 6,75 US-Dollar pro Aktie in bar. Dies entspricht einem Aufschlag von rund 25 Prozent auf den letzten Schlusskurs und bewertet AtaiBeckley initial mit etwa 2,8 Milliarden US-Dollar.
• Erfolgsprämien: Weitere bis zu 1 Milliarde US-Dollar fließen als Meilensteinzahlungen, gekoppelt an klinische und regulatorische Fortschritte sowie die US-Zulassung der Wirkstoffe. • Die Hoffnungsträger: Im Fokus stehen zwei psychedelische Substanzen gegen therapieresistente Depressionen: BPL-003 (ein nasales 5-MeO-DMT vor der Phase-III-Studie) und der DMT-Kandidat VLS-01. www.lucys-magazin.com
Foto: iStockphoto/VPanteon
NEWS
Pharmariese Lilly kauft psychedelisches Biotech-Unternehmen
STUDIE:
Eine von der gemeinnützigen Psychedelia-Stiftung veröffentlichte wissenschaftliche Fallstudie beschreibt erstmals eine langfristig dokumentierte erfolgreiche Behandlung einer schweren Ketamingebrauchsstörung mit Ibogain. Der 30-jährige Patient war über fünf Jahre von Ketamin sowie Kokain und Alkohol abhängig. Nachdem herkömmliche Entzugsund Therapieansätze erfolglos geblieben waren, absolvierte er in Mexiko ein 13-tägiges, engmaschig medizinisch überwachtes Behandlungsprogramm mit Ibogain. Bereits unmittelbar nach der Behandlung berichtete der Mann über ein vollständiges Verschwinden des
Suchtdrucks für sämtliche konsumierten Substanzen. Über einen Zeitraum von rund 17 Monaten blieb er nachweislich abstinent, was durch regelmäßige Labortests bestätigt wurde. Gleichzeitig verbesserten sich seine psychische Gesundheit und Lebensqualität deutlich; auch die zuvor ausgeprägten depressiven Symptome gingen nahezu vollständig zurück. Nach Angaben der Autoren handelt es sich um den weltweit ersten medizinisch so detailliert dokumentierten Langzeitfall einer erfolgreichen Behandlung einer schweren Ketaminabhängigkeit mit Ibogain. www.psychedelia-stiftung,de
Foto: iStockphoto/ipopba
STUDIE
Ibogain bei Ketamin-Gebrauchsstörung
Lucys Nr. 2
Lucys
MIX Experten: Entkriminalisierung sämtlicher Drogen bietet Chancen Die Entkriminalisierung von Drogen kann nach Einschätzung von Fachleuten zu einer besseren öffentlichen Gesundheit beitragen, wenn sie mit einem Ausbau von Prävention, Suchthilfe und Schadensminderung verbunden ist. Zu diesem Schluss kommen Experten in einem SRF-Chat zur Drogenpolitik. Als Beispiel wird Portugal genannt, wo der Besitz kleiner Mengen sämtlicher Drogen für den Eigenkonsum seit 2001 entkriminalisiert ist. Der Suchtmediziner Ivo Krizic bezeichnet das Modell als weitgehend erfolgreich. Er verweist unter anderem auf einen Rückgang drogenbedingter Todesfälle und HIVInfektionen sowie auf eine höhere Inanspruchnahme von Behandlungs-
angeboten. Ausschlaggebend seien jedoch die begleitenden Investitionen in Therapie, soziale Reintegration und Angebote zur Schadensminderung gewesen. Nach Einschätzung der Fachleute ist diese Entwicklung vor allem historisch, kulturell und wirtschaftlich geprägt und nicht allein durch das jeweilige Schadenspotenzial der Substanzen zu erklären. Die Experten betonen, dass eine Entkriminalisierung den Drogenkonsum nicht automatisch erhöhe. Vielmehr müsse jede drogenpolitische Reform von wirksamer Prävention, Beratung und einer gut ausgebauten Suchthilfe begleitet werden. www.lucys-magazin.com
Keine Veränderungen beim Cannabiskonsum Jugendlicher Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat eine Auswertung veröffentlicht, die die Entwicklung des Cannabiskonsums junger Menschen in Deutschland über einen Zeitraum von 2008 bis 2025 untersucht und insbesondere den Zeitraum rund um die Teillegalisierung einordnet. Die Analyse der Konsumdaten liefert keine Hinweise darauf, dass die Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland innerhalb des ersten Jahres zu einem messbaren Anstieg des Konsums unter jungen Menschen geführt hat. Die 12-Monats-Prävalenz blieb zwischen 2023 und 2025 bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren sowie bei jungen Frauen zwischen 18 und 25
Jahren statistisch unverändert. Lediglich bei jungen Männern im Alter von 18 bis 25 Jahren wurde ein signifikanter Anstieg des Cannabiskonsums festgestellt. Nach Einschätzung der Forschenden handelt es sich dabei jedoch nicht um eine Folge der Teillegalisierung, sondern um die Fortsetzung eines bereits seit 2008 beobachteten langfristigen Trends. Insgesamt zeigen die Daten stabile Konsummuster in den meisten untersuchten Bevölkerungsgruppen und keinen statistisch nachweisbaren kurzfristigen Effekt der Gesetzesänderung. www.lucys-magazin.com
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GESUNDHEIT
Lucys Nr. 2
Iboga Wie eine umstrittene Wurzel neue Perspektiven für Parkinson eröffnet Tobias Erny
Eine psychedelische Pflanze Afrikas steht als Heilmittel im Fokus neuer Untersuchungen der Wissenschaft. Dabei geht es nicht nur um psychotherapeutische Anwendungen, sondern auch um die Behandlung besonders schwerwiegender Erkrankungen wie Morbus Parkinson.
Foto: iStockphoto/Nadiia Moiseyenko
Foto: iStockphoto/Dangsungnoen
Foto: iStockphoto/Doucefleur
Parkinson gilt als leise, aber gnadenlose Krankheit. Sie beginnt oft mit einem kaum wahrnehmbaren Zittern, einem Stocken in der Bewegung, einem Gefühl innerer Verlangsamung – und schreitet dann Jahr für Jahr voran. Die moderne Medizin kann Symptome lindern, Dopamin ersetzen und den Alltag stabilisieren. Doch das eigentliche Problem bleibt bestehen: Nervenzellen sterben ab, unwiederbringlich. Heilung? Bis heute Fehlanzeige.
Die im Journal of Psychedelic Studies veröffentlichte klinische Fallstudie beschreibt die Behandlung einer 52-jährigen Patientin mit Parkinson über einen Zeitraum von 80 Tagen. Der Ansatz war bewusst vorsichtig: keine hohen Dosen, keine visionären Zustände, kein klassischer psychedelischer Trip. Stattdessen erhielt die Patientin täglich maximal 75 Milligramm Ibogain – niedrig dosiert, eng überwacht und regelmäßig evaluiert.
Umso überraschender ist ein Impuls aus einer Richtung, die lange außerhalb des medizinischen Mainstreams lag – aus der Welt der psychedelischen Pflanzen. Im Zentrum steht Ibogain, ein Alkaloid aus der afrikanischen Wurzelrinde von Tabernanthe iboga. Im Westen wurde die Substanz vor allem als nicht ganz ungefährliche Behandlung von Suchterkrankungen bekannt. Nun aber rückt sie in einem völlig neuen Kontext ins Licht: als krankheitsmodulierende Therapie für Menschen mit Parkinson.
Beweglichkeit nimmt zu
Foto: iStockphoto/Iamnee
Die Ergebnisse sind bemerkenswert. In vier von fünf zentralen Bereichen zeigten sich deutliche Verbesserungen. Die Beweglichkeit nahm zu, Erschöpfung und depressive Symptome gingen zurück, die Lebensqualität stieg spürbar. Besonders relevant für den Alltag war die Reduktion sogenannter Freezing-Episoden – jener Momente, in denen Betroffene beim Gehen plötzlich wie eingefroren stehen bleiben. Unerwartete Nebenwirkungen traten nicht auf, lediglich der Schlaf verschlechterte sich leicht. Angesichts der bekannten stimulierenden Wirkung von Iboga(in) war diese Nebenwirkung nicht überraschend und wurde zugunsten der Symptomlinderung akzeptiert. Natürlich handelt es sich nur um eine einzelne Patientin – größer angelegte klinische Studien kommen hoffentlich bald. Doch gerade, weil Parkinson bislang fast ausschließlich symptomatisch behandelt wird, sorgt dieser Fallbericht für Aufmerksamkeit. Denn Ibogain könnte eventuell mehr tun als bisherige Therapien.
Lucys Nr. 2
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Foto: Giorgio Samorini
«Weibliche» Iboga-Frucht (Tabernanthe iboga)
Bei Parkinson gehen dopaminproduzierende Nervenzellen schrittweise verloren. Während gängige Medikamente das fehlende Dopamin ersetzen, könnte Ibogain theoretisch dazu beitragen, die betroffenen Zellen zu schützen und/oder ihre Funktion zu stabilisieren. Ein kleiner Paradigmenwechsel: weg von reiner Symptombehandlung, hin zu einem potenziell krankheitsmodifizierenden Ansatz.
Keine Halluzinationen durch Microdosing
Foto: Giorgio Samorini
Junger Bwiti-Harfenspieler neben einem Iboga-Strauch
So vielversprechend das alles klingt, Ibogain bleibt eine Substanz mit Risiken. Besonders bekannt sind mögliche Auswirkungen auf den Herzrhythmus, weshalb medizinische Überwachung unerlässlich ist. Selbst niedrige Dosen sind nicht harmlos, vor allem in Kombination mit anderen Medikamenten. Die Studie ist daher kein Aufruf zur Selbstmedikation, sondern ein Plädoyer für sorgfältig kontrollierte Forschung. Ibogain kann Parkinson nicht heilen. Doch dieser Fallbericht öffnet ein Fenster. Er deutet an, dass Heilpflanzen und psychedelische Wirkstoffe mehr sein könnten als exotische Randphänomene zwischen Ritual und Rausch. Vielleicht enthalten sie Bausteine für Therapien, die wir lange übersehen haben. Für Betroffene, Forschende und die Medizin insgesamt ist das eine leise, aber bedeutsame Botschaft: Manchmal liegt der nächste Fortschritt nicht in neuen Maschinen oder Molekülen – sondern in alten Wurzeln.
Foto: iStockphoto/peterschreiber_media
Da man der oftmals älteren Demografie der ParkinsonKranken keine mehrtägige Nahtoderfahrung zumuten möchte, ist in diesem Zusammenhang Microdosing ein idealer Ansatz – so gering dosiert, dass keine Halluzinationen oder beeinträchtigenden Rauschzustände auftreten. Stattdessen sollen subtile Effekte auf Stimmung, Motivation sowie motorische und neurobiologische Prozesse entstehen. Wissenschaftlich ist dieses Feld noch jung, für Ibogain existieren kaum systematische Daten. Diese Parkinson-Fallstudie bewegt sich genau an dieser Schnittstelle: niedrig dosiert, langfristig, nur subtil bewusstseinsverändernde Effekte – aber mit messbaren körperlichen Veränderungen.
Studie: Erny, T., Cano Montenegro, E.Y., Barth, J., Noller, G. (2026), Ibogaine for the treatment of Parkinson‘s disease: A case report, Journal of Psychedelic Studies 1/2026. doi.org/10.1556/2054.2025.00478
Tobias Erny kommt aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie Basels. Er ist Autor und Iboga-Forscher.
Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
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Berauschend Nr. 16 November 2023
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Cannabis: Politik, Erfahrungen, Medizin
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Das Ende des HanfVerbots?
Nr. 16 | November
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Das Magazin
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Nr. 17 | Mai 2024
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Rätsch: Christian Götter Rausch der
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Nr. 15 April
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Lucys Nr. 2
Neue psychoaktive Pflanzen Aus der Forschung: erstaunliche Kandidaten Markus Berger
Die Forschung an psychoaktiven Pflanzen ist eine wissenschaftliche Disziplin, die noch nicht besonders weit vorangeschritten ist. Die Kenntnis um psychotrope Anwendungen, Eigenschaften und Inhaltsstoffe von Pflanzen und Pilzen ist meist ein Abfallprodukt von Studien, die sich ganz anderen Fragestellungen widmen. Selten werden Gewächse auf diese Aspekte hin gezielt untersucht.
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Lactucopicrin, die beide beruhigend, schlaffördernd und schmerzlindernd sind. Das Gleiche gilt übrigens auch für den Kopfsalat Lactuca sativa, der eine Kulturform des Lattichs ist, aber von diesen Wirkstoffen geringere Mengen produziert. a rc
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Ich arbeite zurzeit an einem Manuskript, das die übersehenen psychoaktiven Pflanzen, Pilzen und anderen Organismen zusammenfasst. In diesem Zuge habe ich Kandidaten recherchiert, die in dieser Hinsicht in der Tat erstaunlich sind – weil wir sie alle kennen und nie auf die Idee gekommen wären, dass es sich bei diesen um psychotrope Gewächse handelt. Das hat mir so manchen Aha-Moment beschert. Hier ein kleiner Einblick in einige interessante Fälle.
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Wegwarte Da ist z.B. die Gemeine Wegwarte Cichorium intybus aus der Familie der Asteraceae (Korbblütler), auch als Gewöhnliche Wegwarte und Zichorie bekannt. Diese weithin und häufig als Salat- und Gemüsepflanze bekannte Art enthält die aus dem Giftlattich Lactuca virosa und anderen LattichArten bekannten psychoaktiven Sesquiterpenlactone Lactucin und
Engelwurz Die Engelwurz Angelica archangelica aus der Familie der Apiaceae (Doldengewächse), auch Arznei-Engelwurz, Brustwurz und Erzengelwurz genannt, ist bei uns als Heilpflanze wohlbekannt. Dass sie in Indien traditionell psychoaktiv, nämlich als Angstlöser, und das ätherische Öl aus der Wurzel volksmedizinisch bei Schlaflosigkeit benutzt wird, weiß bisher hingegen im Grunde niemand. Die Pflanze hat angstlösende, MAO-hemmende, antidepressive, beruhigende bis schlaffördernde, kognitionsfördernde, antidementive und krampflösende Eigenschaften. Der alkoholi-
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fristige Sterblichkeit herbei. Beim Tambacu-Fisch und beim Nilbuntbarsch war mit dem ätherischem Öl ebenfalls sowohl eine Sedierung wie auch Narkose möglich. Die verwandte Art Cymbopogon citratus hat angstlösende und beruhigende bis schlafanstoßende Eigenschaften. In der ganzen Gattung Cymbopogon kommen viele psychoaktive Terpene vor, z.B. Borneol, Citral, Geraniol, Geranylacetat, Limonen, Linalool, α-Pinen, α-Terpineol, Myrcen und andere.
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sche Auszug ist die effektivste Form. Dosis: 0,5 bis 2 ml der 1:3-Tinktur in 50 Prozent Alkohol. Alternativ, aber milder wirksam, können 0,6 bis 2 g des getrockneten Krauts in Pulverform oder als Aufguss eingenommen werden. Die Art enthält Cumarine, Terpene und andere Substanzen, so die psychotropen Verbindungen Angelicin, Bergapten, α- und β-Farnesen, Ferulasäure, Imperatorin, Isoimperatorin, Limonen, Pseudolimonen, β-Myrcen, α-und β-Pinen, Scopoletin sowie zahlreiche weitere.
Zitronengras Selbst das Zitronengras Cymbopogon flexuosus aus der Familie der Poaceae (Süßgräser) ist eine psychotrope Pflanze! Zitronengras ist jedem als Aromatikum bekannt und zählt heutzutage in dieser Hinsicht zum Mainstream. In Tierversuchen mit drei verschiedenen Fischarten stellte sich heraus, dass das Gras potente psychotrope Eigenschaften aufweist. Diese bekannte und beliebte Pflanze ist sowohl als Getränkearoma als auch als Gewürz in der Ernährung weit verbreitet. In der Lebensmittelindustrie wird sie zur Verarbeitung von Süßigkeiten verwendet. Das ätherische Öl der Pflanze hat sedative und narkotisierende Eigenschaften, wie in Studien mit den Fischen herausgefunden wurde. Das Öl führte bei Guatemala-Antennenwelsen eine wirksame Sedierung und Anästhesie ohne kurz-
Geranien Absolute Mainstream-Blumen, die so gut wie jede Großmutter und Mutter auf dem Balkon oder im Garten pflegt, sind die Geranien aus der Gattung Pelargonium, auch als Pelargonien bekannt, aus der Familie der Geraniaceae (Storchschnabelgewächse). Einige dieser aus Afrika stammenden Pflanzen werden traditionell als Sedativa verwendet, wobei über die psychoaktive Nutzung dieser Pflanzen nur wenig dokumentiert ist. Auf jeden Fall sind die bekannten Spezies Träger zahlreicher psychotroper Inhaltsstoffe und für die Psychoaktiva-Forschung von größerem Interesse. So hat die Rosen-Pelargonie Pelargonium graveolens angstlösende und antidepressive Wirkungen, die wahrscheinlich durch serotonerge Eigenschaften herbeigeführt wird. Das ätherische Öl der Pflanze hat anästhetische, antidepressive und
angstlösende Effekte. In einer Humanstudie mit 100 Frauen stellte sich heraus, dass die Inhalation des Geranienöl-Aromas von Pelargonium graveolens signifikante angstlösende Wirkungen herbeiführt. Eine weitere Untersuchung mit Pflegepersonal (84 Personen), das im Rahmen einer Aromatherapie den Duft des ätherischen Öls inhalierte, ergab, dass Pelargonium graveolens die Müdigkeit der Pflegekräfte auf der Intensivstation verringern kann. Eine Studie mit Mäusen, denen das Öl inhalativ verabreicht wurde, zeigte wiederum beruhigende Effekte. Diese scheinbar paradoxe Wirkung – stimulativ oder sedativ – ist bei Geranienöl sehr individuell, also von Person zu Person unterschiedlich. Die Pflanze enthält zahlreiche psychotrope Inhaltsstoffe, vornehmlich Terpene, so β-Caryophyllen, α-Pinen, β-Pinen, Myrcen, Linalool, Limonen, p-Cymen, p-Cymen-8-ol, (Z)-β-Farnesen, α-Terpineol, β-Elemen und Geraniol. Rosengeranienöl, das aus den Blättern verschiedener Pelargonium-Arten, vor allem aus Pelargonium graveolens, dampfdestilliert wird, wird in der Aromatherapie als Mittel zur Behandlung von Angstzuständen und Depressionen empfohlen. Das handelsübliche Öl enthält vor allem Linalool und Geraniol. Die Birkenblättrige Pelargonie Pelargonium betulinum, auch Kampferpelargonie genannt, enthält zahlreiche psychoaktive Inhaltsstoffe, unter anderem α-Pinen, p-Cymen und β-Caryophyllen, ebenso wie die Duftpelargonie Pelargonium capitatum (Rosenduftpelargonie), die Klebrige Pelargonie Pelargonium glutinosum, die Zitronenduftpelargonie Pelargonium crispum und etwa zehn weitere Arten.
Tannenbäume Was ich für völlig verblüffend halte und was so gut wie niemand weiß, ist, dass diverse Tannenbäume aus
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der Familie der Pinaceae in der Tat psychotrope Eigenschaften, Inhaltsstoffe und Anwendungen haben. Wer hätte das gedacht? Und wieso ist das in keinem einzigen Buch über psychoaktive Pflanzen aufgeführt? Antwort: Weil bislang niemand aus unseren Reihen bemerkt hat, dass der HimalayaTanne Abies spectabilis durch die Wissenschaft sedativ-hypnotische und angstlösende Eigenschaften bescheinigt wurden. Sie enthält das Flavonoid Abiesin und die Phenole Betulosid und Methylbetulosid. Und die KoreaTanne Abies koreana hat nachweislich gedächtnisfördernde Eigenschaften und könnte damit ein potenziell nützliches Therapeutikum gegen amnesieauslösende Erkrankungen wie Alzheimer und vaskuläre Demenz darstellen. Sie enthält psychoaktive Inhaltsstoffe, unter anderem αPinen, Terpinen-4-ol, α-Terpineol und γ-Terpinen. Doch damit nicht genug aus dem Reich der Tannenbäume. Denn die Weißtanne Abies alba und die Momi-Tanne Abies firma biosynthetisieren diverse psychoaktive Inhaltsstoffe, etwa Caryophyllen und β-Farnesen, ebenso wie die PurpurTanne Abies amabilis, die unter anderem Kaempferol- und Quercetin-Derivate produziert. Sogar die bei uns als Weihnachtsbaum überall beliebte Nordmann-Tanne Abies nordmanniana enthält psychoaktive Inhaltsstoffe, genau wie sechs weitere TannenArten. Markus Berger ist Chefredakteur von Lucys, Drogenforscher und Schriftsteller. www.markusberger.info
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NÜCHTERN BETRACHTET
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von Camilla LandbØ
Echt jetzt: Ich lese schneller Haben Sie schon einmal drei Jahre nüchtern gelebt? Nein? Ich auch nicht. Entweder habe ich regelmäßig Zigaretten oder Joints geraucht, ein Bier oder Weinchen getrunken. Irgendwie war sowas Berauschendes immer Teil meines Lebens. Zwischenzeitlich kam dann in den wilden Jahren des jungen Erwachsenenalters auch noch ein getrocknetes Pilzchen, ein bisschen MDMA oder ein zu beladenes Haschischgüetzli hinzu. Herrlich geisterweiternd – einige Lachanfälle schallen bis heute nach. In mehreren Etappen verabschiedete ich mich dann von den auf den Körper Einfluss nehmenden Substanzen. Kurzum: Nur noch Zigaretten und Alkohol waren Teil meines Alltags. Bis ich mich vor vier Jahren entschied: weg mit dem Nikotin. Einfacher gesagt als getan. In den letzten 20 Jahren meiner 27-jährigen Raucherkarriere hatte ich es unzählige Male versucht. Dafür zog ich mich ohne Zigaretten in ein abgelegenes Haus am Waldrand im Jura zurück. Ich ging in den bolivianischen Dschungel in eine Hütte mit Moskitos hausen. Oder bezog in der Stadt Freiburg für ein paar Tage ein Zimmer im Nonnenkloster Abbaye de la Maigrauge, ganz in mich gekehrt. Erfolg: nur kurzzeitig. Kein Wunder. Die Lungenliga Schweiz hält fest: Zwei Züge – und schon ist Nikotin im Gehirn angelangt. Bei rund 40 Zigaretten am Tag war meine Nikotinsucht also sehr stark. Abgesehen davon: Schreiben, diskutieren, denken,
all dies ging doch so wunderbar mit einer Zigarette in der Hand. Schließlich sperrte ich mich ein paar Tage ein, ging allen Versuchungen aus dem Weg und zog es erfolgreich durch. In diesen Tagen des Entzugs stellte ich fest: Ich konnte ohne Nikotin im Blut eine Buchseite schneller lesen und das Gelesene im Nu aufnehmen. Das irritierte mich, also googelte ich «Rauchstopp und Hirnforschung». Als erstes Wort fiel mir ins Auge: Hirnschrumpfung. Oh my God. Ich recherchierte weiter: Diese geistige Klarheit nach dem Rauchstopp ist auf die Rückkehr der normalen Sauerstoffversorgung des Gehirns zurückzuführen. Und Forschende in den USA machten 2024 publik: Je mehr und je länger eine Person rauchte, desto geringer war tendenziell ihr Hirnvolumen. Dieses vorzeitige Schrumpfen des Gehirns ist irreversibel und kann eine Demenzerkrankung beschleunigen. Shit. Die Nüchternheit gefiel mir. Das fehlende Nikotin gab mir das Gefühl, weniger benommen zu sein. Das inspirierte mich und feuerte mich an – und löste genau diese Frage aus: War ich schon mal ganze drei Jahre am Stück komplett substanzfrei? Jetzt bin ich es seit zwei Jahren. Cero. Nada. Nichts. Auch kein Alkohol mehr. Ich schaue immer wieder erstaunt in die Welt hinaus und denke: Wow. Ganz nüchtern betrachtet: Da sieht einiges anders aus. Mehr dazu und zu anderen Eskapaden – das nächste Mal.
Camilla Landbø ist freie Journalistin und redaktionelle Mitarbeiterin unseres Magazins.
Diese geistige Klarheit nach dem Rauchstopp ist auf die Rückkehr der normalen Sauerstoffversorgung des Gehirns zurückzuführen.
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GESUNDHEIT
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Übergriffe in Psycholyse und psychedelischer Therapie Wenn Therapeuten ihre Macht ausnutzen
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Bei allem Enthusiasmus, den die psychedelische Renaissance derzeit bei vielen erzeugt, darf man auch über die Schattenseiten nicht hinwegsehen: So öffnen die illegalen, Substanz-gestützten Psychotherapien neue Räume, in denen Patienten ungeschützt sein können.
Während die Substanz-gestützte Psychotherapie durch das Drogenverbot über Jahrzehnte und bis heute weitestgehend verunmöglicht wurde, haben doch diverse Therapeuten nicht auf die wertvollen psychoaktiven Werkzeuge verzichten wollen und ihre Patienten illegal und damit im Untergrund behandelt. So weit, so ehrenhaft. Immerhin setzt ein Therapeut damit seine Reputation, seine Freiheit, ja sein Leben aufs Spiel – auch wenn er seinen Patienten einfach nur helfen will. Wenn aber Behandelnde und
Klienten ein solch großes Geheimnis teilen und absolutes Stillschweigen vereinbart haben, kann es vorkommen, dass mancher verleitet wird, sich auf Abwege zu begeben. Wir sehen uns einige Beispiele an, die in den letzten Jahren mehr oder weniger an die Öffentlichkeit kamen.
Sexuelle Beziehung zum Therapeuten Ein zentraler Bezugspunkt der Debatte ist der Fall einer kanadischen Studienteilnehmerin, die im Rahmen einer
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Ein medial ebenfalls viel beachteter, aber anders gearteter Fall aus dem Vereinigten Königreich betraf einen Psychiater, der zugleich als prominenter Vertreter der psychedelischen Therapieforschung galt. An diesem Beispiel wird ersichtlich, wie wichtig es ist, die Sachlagen der einzelnen Vorfälle genauestens auseinanderzuhalten. Gegenstand eines berufsrechtlichen Verfahrens war eine
Berichte betreffen unter anderem sexuelle Übergriffe, emotionale Manipulation, problematische GuruDynamiken sowie institutionelles Wegsehen.
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Untersuchung über MDMA-gestützte Therapie behandlungsbezogene Grenzverletzungen und später eine sexuelle Beziehung zu einem Therapeuten öffentlich machte. Der Fall wurde durch Videoaufnahmen der Sitzungen dokumentiert und führte zu einer breiten internationalen Diskussion über Ethik, Aufsicht und Patientenschutz in der psychedelischen Therapie und Forschung. Die beteiligten Therapeuten wurden von weiteren Tätigkeiten ausgeschlossen, und der Fall wird heute häufig als Beispiel für die Risiken unzureichender professioneller Grenzen in besonders vulnerablen Therapiesituationen angeführt (Stone 2024).
debatte gilt das Beispiel daher nicht primär als Beleg für Fehlverhalten während einer substanzgestützten Therapiesitzung. Vielmehr lenkt es den Blick auf eine grundsätzliche Frage: Inwieweit können therapeutische Beziehungen – insbesondere bei psychisch hoch vulnerablen Menschen – auch nach dem formalen Ende einer Behandlung fortwirkende Machtasymmetrien und Abhängigkeitsdynamiken erzeugen? Gerade bei komplexen psychischen Erkrankungen kann die emotionale Bedeutung einer therapeutischen Beziehung über einen langen Zeitraum bestehen bleiben und die freie Willensbildung beeinträchtigen (Evans 2024; Worthington und Lloyd 2024).
Berichte über Grenzverletzungen sexuelle Beziehung zu einer Frau, die zuvor von ihm psychiatrisch behandelt worden war und als psychisch besonders vulnerabel galt. Die zuständige Aufsichtsinstanz kam zu dem Schluss, dass schwerwiegende professionelle Grenzverletzungen vorlagen, und verhängte berufsrechtliche Sanktionen. Nach den Feststellungen des britischen Tribunals handelte es sich dabei um eine Verletzung professioneller Grenzen im Rahmen einer ärztlich-psychiatrischen Behandlung. Es gibt allerdings hingegen keine belastbare Evidenz dafür, dass das Fehlverhalten während einer offiziellen MDMA-, Psilocybin- oder illegalen psycholytischen Therapie stattfand. Der Fall wird dennoch regelmäßig im Zusammenhang mit der Ethik psychedelisch unterstützter Therapien diskutiert, da der betroffene Psychiater zu den bekanntesten Vertretern dieses Forschungsfeldes gehörte. In der Fach-
Über diese prominenten Einzelfälle hinaus haben journalistische Recherchen und Podcasts in den vergangenen Jahren zahlreiche weitere Berichte über Grenzverletzungen in klinischen, halbprofessionellen und sogenannten «Underground»-Settings dokumentiert. Diese Berichte betreffen unter anderem sexuelle Übergriffe, emotionale Manipulation, problematische Guru-Dynamiken sowie institutionelles Wegsehen. Ihre Bedeutung liegt vor allem darin, auf mögliche Risiken aufmerksam zu machen und Betroffenen eine Stimme zu geben. Gleichzeitig erlauben solche Fallrecherchen keine verlässlichen Aussagen darüber, wie häufig derartige Vorfälle tatsächlich sind (Stone 2024).
Verletzliche Patienten Aus diesem pikanten Grund untersuchen Forscher seit einiger Zeit weniger die konkreten Einzelfälle als vielmehr die strukturellen Bedingungen psychedelischer Thera-
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pien. Sie argumentieren, dass sowohl klassische Psychedelika als auch MDMA Zustände hervorrufen können, die Patienten besonders verletzlich machen. Genannt werden unter anderem erhöhte Suggestibilität, veränderte Selbstwahrnehmung, zeitweise eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit, intensive emotionale Bindungen sowie erschwerte Möglichkeiten, unangemessenes Verhalten unmittelbar zu erkennen, zu bewerten oder später darüber zu berichten. Die Autoren betonen, dass diese Faktoren nicht automatisch zu Missbrauch führen, wohl aber die Verantwortung von Therapeuten und Institutionen erheblich erhöhen (Meikle et al. 2024).
dards, bevor solche Vorgehensweisen breit implementiert werden (Browne 2023).
Die derzeit belastbarste Evidenz legt nämlich nicht nahe, dass psychedelische Therapien per se missbrauchsanfälliger sind als andere psychotherapeutische Verfahren. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich zudem auf die psychotherapeutischen Verfahren selbst. Kritiker weisen darauf hin, dass einige in der Psychedelik-Szene verbreitete Praktiken – etwa bestimmte Formen therapeutischer Berührung («nurturing touch»), körperorientierte Interventionen oder die Arbeit mit Therapeutenpaaren – bislang nur begrenzt empirisch untersucht wurden. Daraus folgt nicht, dass diese Methoden grundsätzlich problematisch wären; die Fachliteratur fordert jedoch eine stärkere wissenschaftliche Evaluation und klarere ethische Stan-
Bestehende Machtgefälle verstärken Diese akkumulierte Diskussion über psychologische Abhängigkeit und Machtmissbrauch hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Dabei ist es wichtig, zwischen gesicherten Einzelfällen, wissenschaftlich begründeten Risikoanalysen und weitergehenden Behauptungen über die gesamte Therapierichtung zu unterscheiden. Die derzeit belastbarste Evidenz legt nämlich nicht nahe, dass psychedelische Therapien per se missbrauchsanfälliger sind als andere psychotherapeutische Verfahren. Allerdings weisen die beschriebenen spezifischen Eigenschaften dieser Behandlungen Bedingungen auf, die bestehende Machtgefälle verstärken und dadurch besondere Schutzmaßnahmen erforderlich machen (Meikle et al. 2024).
Unzureichende Erfassung negativer Ereignisse Die regulatorische Debatte um die Zulassung der MDMAgestützten Therapie in den USA hat diese Fragen schließlich unter einem Brennglas zusammengeführt. Im Zuge der Prüfung durch die US-amerikanische Lebensmittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) wurden neben methodischen Problemen der Studien auch Vorwürfe hinsichtlich unzureichender Erfassung negativer Ereignisse, möglicher Interessenkonflikte und einzelner Fälle von Fehlverhalten diskutiert. Die verfügbaren Quellen zeigen jedoch, dass die regulatorischen Bedenken deutlich breiter waren als die Frage einzelner Missbrauchsfälle; sie umfassten ebenso Studiendesign, Datenqualität
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und Sicherheitsbewertung. Daher wäre es arg verknappt, die regulatorischen Schwierigkeiten ausschließlich auf Missbrauchsvorwürfe zurückzuführen. Die derzeitige Datenlage reicht schlicht nicht aus, um belastbare Prävalenzschätzungen für Missbrauch im Vergleich zu anderen psychotherapeutischen Verfahren vorzulegen (Stone 2024).
Grenzverletzungen und Machtmissbrauch Zusammenfassend ergibt sich aus der gegenwärtigen Evidenzlage ein differenziertes Bild: Es existieren dokumentierte Fälle von Grenzverletzungen und Machtmissbrauch im Kontext psychedelisch unterstützter Therapien. Gleichzeitig gibt es überzeugende theoretische und klinische Argumente dafür, dass psychedelische Zustände aufgrund erhöhter Suggestibilität und emotionaler Offenheit besondere Anforderungen an Ausbildung, Ethik und Aufsicht stellen. Weniger gut belegt sind hingegen pauschale Behauptungen, wonach Missbrauch in diesem Feld außergewöhnlich häufig oder systematisch verbreitet sei. Der allgemeine Konsens bewegt sich derzeit eher in Richtung der Aussage, dass psychedelische Therapien nicht grundsätzlich einzigartig gefährlich sind, jedoch aufgrund ihrer spezifischen Wirkmechanismen besonders effiziente Schutzmaßnahmen, Transparenz und professionelle Kontrollstrukturen benötigen. (red) Foto: iStockphoto/CoffeeAndMilk
Das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch ist eine bundesweite, anonyme und kostenfreie Anlaufstelle. Unter der Rufnummer 0800 22 55 530 erhalten Betroffene, Angehörige und Fachkräfte professionelle Beratung und Unterstützung. In der Schweiz und Österreich ist die Polizei zu verständigen.
Literatur Browne, Grace (2023), The Therapy Part of Psychedelic Therapy Is a Mess, Wired Online: www.wired.com/story/psychedelic-therapymess/ Evans, Jules (2024), What are the ethical implications of the Ben Sessa case?, Ecstatic Integration, Online: www.ecstaticintegration.org/p/what-are-the-ethical-implications Meikle, S., Carter, O., Bedi, G. (2024), Psychedelic-assisted psychotherapy, patient vulnerability and abuses of power, Australian & New Zealand Journal of Psychiatry 58(2): 104-106. Stone, Will (2024), Transformation or trouble? Research into MDMA plagued with allegations of misconduct, KBPS Online: www.kpbs.org/news/health/2024/05/13/transformation-or-trouble-research-into-mdma-plagued-with-allegations-of-misconduct Worthington, Elise und Lloyd, Mary (2024), Leading psychedelic trainer Ben Sessa suspended over relationship with vulnerable former patient, ABC News Online: www.abc.net.au/news/202403-07/ben-sessa-psychedelic-trainer-suspended-relationship-patient/103553266
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INTERVIEW
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Kiffen vor dem 18. Lebensjahr – besser sein lassen Interview mit US-Psychologin Madeline Meier Camilla Landbø
Marihuana kann ein Segen sein: Nebst den vielen Produkten, die es hervorbringt, darunter Cannabisarzneimittel, verleiht das Kraut auch Flügel, wenn man es raucht oder anderweitig einnimmt. Für Jugendliche aber sind Joints eher ein Fluch: Marihuana beeinflusst deren Gehirnentwicklung und kann über die Jahre den IQ senken. Dies fand Wissenschaftlerin Madeline Meier in einer Studie in Neuseeland heraus, an der zwei Jahrgänge einer Stadt teilnahmen.
Nicht selten dauern Studien zu wenig lange, um besonders gesicherte Ergebnisse zu erhalten. Oder Probanden haben zu unterschiedliche Startbedingungen. Oder sie müssen als Studienteilnehmer lediglich Formulare ausfüllen, sprich: auf Fragen schriftlich antworten. In der Dunedin Multidisciplinary Health and Development Study, kurz Dunedin-Studie, die bis heute läuft, versuchte man, solche Faktoren zu berücksichtigen. In dieser Langzeitstudie begleiten Wissenschaftler bereits seit mehreren Jahrzehnten immer dieselben Menschen aus der neuseeländischen Stadt Dunedin und untersuchen sie multidisziplinär. Eine letzte Untersuchung wurde erst eben, diesen Mai abgeschlossen. Die Dunedin-Studie deckt eine Vielzahl von Forschungsbereichen ab, unter anderem physische Gesundheit, Lungenfunktion, Altersforschung oder Neuropsychologie und Kognition. Die Forschung von Madeline Meier basiert auf den Studiendaten von Ende 1970er bis zu den frühen 2010er Jahren. Die US-Wissenschaftlerin analysierte bei den ausgewählten Dunedin-Bewohnern die langfristigen Auswirkungen von Cannabiskonsum aufs Gehirn.
zu umfassenden Untersuchungen während der Kindheit, der Jugend und im Erwachsenenalter ein. Wann und wie oft in der Kindheit? Und was genau haben Sie untersucht? Im Alter von sieben, neun, elf und 13 Jahren wurde die Intelligenz mehrfach mithilfe standardisierter IQ-Tests ermittelt. Anstatt uns auf einen einzigen IQ-Wert aus der Kindheit zu stützen, haben wir den Durchschnitt dieser Messungen berechnet, um eine zuverlässige Schätzung des IQs jedes Teilnehmers zu erhalten. Der erste umfassende neurologische Test fand im Alter von 13 Jahren statt. Ist es überhaupt möglich, kognitive Fähigkeiten so präzise zu bestimmen?
Madeline Meier, Sie untersuchten mehr als 1000 Personen über 30 Jahre: Wie kamen Sie überhaupt an diese Probanden?
Richtig, bevor eine oder einer der Teilnehmenden erstmals in seinem Leben Cannabis konsumierte, führten wir weitgehende Untersuchungen durch. Tests, die das Gedächtnis, die Verarbeitungsgeschwindigkeit, die exekutiven Funktionen und andere kognitive Fähigkeiten bewerteten. Im Alter von 38 Jahren absolvierten die Teilnehmer wiederum einen IQ-Test und wiederum die umfassenden neuropsychologischen Untersuchungen. Und ja, diese Untersuchungen sind präzise, sie wurden eingehend geprüft, gelten als zuverlässige Messgrößen für die kognitiven Funktionen.
Madeline Meier: Genau genommen sind es 1037 Personen, die zwischen April 1972 und März 1973 in der Stadt Dunedin auf die Welt kamen. Nahezu alle Kinder, die in diesem Zeitraum in der Entbindungsklinik der Stadt, im Queen Mary Hospital, geboren worden sind und im Alter von drei Jahren noch in der Region lebten, wurden in die Studie aufgenommen. Die Forscher luden die Geburtskohorte dann
Einige Studienteilnehmer konsumierten nach diesen Tests in der Kindheit kein Cannabis, andere entwickelten über die Jahre sogar eine Abhängigkeit. Nach den fünf nächsten Befragungen zwischen 18 und 38 Jahren gruppierten die Forscher die Teilnehmer nach Kriterien: solche, die nie cannabisabhängig waren, andere, bei denen ein oder zwei Mal in einer Unter-
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suchungswelle Abhängigkeit diagnostiziert wurde, und die extreme Gruppe mit drei oder mehr Diagnosen über den Zeitraum von 20 Jahren. Fazit der Beobachtungen: Je beständiger die diagnostizierte Abhängigkeit war, umso stärker fiel der IQ zwischen dem Alter von 13 und 38 Jahren ab.
Dem Cannabis auf der Spur Madeline Meier ist Psychologin, Forscherin und Professorin an der Arizona State University, wo sie unter anderem auch das Labor für Substanzkon-
Woher kam eigentlich der Verdacht, dass Marihuana den IQ beeinflussen könnte? Vor unserer Studie gab es Gründe zur Annahme, dass starker Cannabiskonsum die kognitiven Funktionen beeinträchtigen könnte. Laborstudien hatten gezeigt, dass ein Cannabisrausch kurzfristige Beeinträchtigungen des Gedächtnisses und des Lernens verursacht. Tierstudien deuteten ebenfalls darauf hin, dass die Exposition gegenüber Cannabinoiden während der Adoleszenz die Gehirnentwicklung verändern könnte, da das jugendliche Gehirn noch ausreift.
sum, Gesundheit und Verhalten – Substance Use, Health and Behavior Lab – leitet. Als Hauptautorin der 2012 veröffentlichten Dunedin-Studie über den kognitiven Abbau durch Cannabiskonsum erhielt sie weltweite Anerkennung. Sie forscht bis heute zu Marihuana. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem «Cannabis und Parodontitis» (2016), das «Auswirken von frühem Konsum aufs kognitive Altern» (2022) und «Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum und psychischen Krisen» (2025).
Was ist anders an Ihrer Studie? Frühere Studien am Menschen lieferten widersprüchliche Ergebnisse, da in den meisten Fällen keine IQ-Messungen vor Beginn des Cannabiskonsums vorgenommen wurden. Es war also schwierig festzustellen, ob ein niedrigerer IQ möglicherweise durch den Cannabiskonsum verursacht wurde oder ob Menschen mit geringeren kognitiven Fähigkeiten einfach eher dazu neigten, Cannabis zu konsumieren. Unsere Studie wurde konzipiert, um diese Einschränkung zu beheben, indem wir den IQ der Teilnehmer vor Beginn ihres Cannabiskonsums mit ihrem IQ im Erwachsenenalter verglichen.
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Und dass Jugendliche besonders betroffen sind, ahnten Sie? Ja. Bereits vor der Studie gab es immer mehr Hinweise darauf, dass die Jugend eine besonders verletzliche Phase sein könnte, da sich das Gehirn bis Mitte 20 weiterentwickelt. Das Endocannabinoidsystem spielt eine wichtige Rolle bei der Gehirnentwicklung, weshalb die Forscher vermuteten, dass regelmäßiger Cannabiskonsum während der Jugend stärkere und länger anhaltende Auswirkungen haben könnte als ein Konsum, der erst im Erwachsenenalter beginnt. Im Erwachsenenalter wurden die Tests an der Dunedin-Kohorte im Alter von 18, 21, 26, 32 und 38 Jahren vorgenommen. Was die Studie im Vergleich zu anderen auch auszeichnet, ist, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wiederholt in Interviews, also mündlich, zu ihrem Konsum befragt wurden. Und da die Teilnehmenden den Forschern seit Jahrzehnten vertrauen und ihre Anonymität garantiert ist, geben sie sehr offen über sensible Themen wie Suchtgewohnheit Auskunft. Außergewöhnlich ist auch die Teilnehmerquote: Immer noch etwa 95 Prozent der Kohorte hat die Untersuchung im Alter von 38 Jahren abgeschlossen. Ist es überhaupt möglich, IQs von Personen über Jahre hinweg zu vergleichen? Vielleicht erhielt ja ein Proband über diese Zeit einen heftigen Schlag an den Kopf? IQ-Tests sind für verschiedene Altersgruppen standardisiert. Bei den Analysen wurden zudem verschiedene Faktoren berücksichtigt, die die kognitiven Funktionen beeinflussen könnten, darunter die Dauer der Schulbildung, Schizophrenie, Alkoholabhängigkeit und der Konsum anderer illegaler Drogen. Zwar ist es möglich, dass auch andere Faktoren, wie beispielsweise Kopfverletzungen, die kognitiven Funktionen beeinflussen könnten, doch wurden bei den Analysen die plausibelsten, alternativen Ursachen berücksichtigt. Nun zum Resultat: In Ihrer Studie heißt es, dass sehr starke Marihuana-Konsumenten bis zum Alter von 38 Jahren bis zu acht IQ-Punkte verloren. Was ist im Gehirn passiert? Ja, die Studie ergab, dass Personen, die über viele Jahre hinweg regelmäßig Cannabis konsumierten, im Vergleich zur Kindheit einen Rückgang des IQ um acht Punkte aufwiesen. Da die Studie jedoch keine direkten Untersuchungen zu Veränderungen im Gehirn oder den zugrundeliegenden Mechanismen durchführte, sind diese nach wie vor unklar und werden weiterhin erforscht.
Madeline Meier untersucht Menschen, die Cannabis konsumieren: «Wir haben deren Intelligenz über Jahre mehrfach ermittelt.»
Was bedeutet das im Alltag für eine Person? Sind acht IQ-Punkte spürbar? Oder fällt das nur auf, wenn man mich in einem Labor vor einen Rechner setzt? Es sind spürbare Einbußen bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit, sprich: wie schnell du neue Informationen aufnimmst und darauf reagierst. Wir haben uns aber nicht nur auf die Selbsteinschätzung verlassen, sondern auch Leute aus dem direkten Umfeld der Testpersonen befragt. Etwa einen Ehepartner, einen engen Freund oder einen Kollegen. Die Ergebnisse deckten sich fast komplett mit den Labortdaten. Probleme waren: Ständiges Verlegen von Gegenständen, völliges Vergessen von festen Terminen oder auch Schwierigkeiten bei komplexen Anweisungen wirklich zuzuhören. Das Alter beim ersten Joint ist also nach der Dunedin-Studie entscheidend, wie und ob Cannabis auf den IQ wirkt. Die Forscher unterscheiden klar und teilen die Teilnehmenden in zwei Gruppen auf: diejenigen, die vor 18 Jahren anfingen zu kiffen, und solche, die erst im Erwachsenenalter begannen. Die kritische Phase ist die zwischen 13 und 18 Jahren. Quelle Meier, M.H., Caspi, A., Ambler, A., Harrington, H., Houts, R., Keefe, R.S. et al. (2012), Persistent cannabis users show neuropsychological decline from childhood to midlife. Proceedings of the National Academy of Sciences 109(40): E2657-E2664.
Camilla Landbø ist Journalistin, Kolumnistin und Buchautorin. Sie berichtet vor allem über soziale, politische und gesellschaftliche Themen. www.camillalandboe.ch Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
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Das Lucys-Netzwerk – weltweite Kooperation Unser Lucys-Netzwerk-Verzeichnis bietet internationalen Stiftungen, Organisationen, Retreatanbietern und Vereinen eine eigene Plattform – hier im Magazin wie auch digital. Das Verzeichnis wird als Gemeinschaftsproduktion des Magazins Lucys, des Nachtschatten Verlags und der Psychedelia-Stiftung präsentiert. Es dient als Wegweiser für weltweite Angebote rund um psychedelische Themen.
Das Lucys-Netzwerk wird über alle Kanäle von Lucys und dem Nachtschatten Verlag verbreitet (u.a. Social Media, TV, Podcast, Newsletter) und erscheint in deutscher und englischer Sprache.
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Psychedelia-Stiftung Die Psychedelia-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung in Deutschland für Bildung, Forschung und kulturellen Dialog zum verantwortungsvollen Umgang mit psychedelischen Erfahrungen und deren Potenzial für Gesellschaft, Gesundheit und Kultur. Zentrale Themenfelder • Unterstützung und Initiierung interdisziplinärer Forschung zu Wirkmechanismen, Anwendungssicherheit und ge-
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Das California Institute of Integral Studies (CIIS) ist eine Universität in San Franciso, die seit 1968 eine ganzheitliche Bildung verfolgt. Im Fokus stehen Bewusstseinsforschung, Tiefenpsychologie und Spiritualität, vereint in einem integralen Bildungsansatz. Das CIIS verbindet östliche, westliche und indigene spirituelle sowie intellektuelle Traditionen mit innovativer Forschung und Lehre, um die Potenziale des Menschen ganzheitlich und transdisziplinär zu erschließen.
Eleusis ist ein gemeinnütziger Verein, der in der Schweiz tätig ist und sich mit der sogenannten «psychedelischen» Bewegung (aus dem Griechischen: «die Psyche sichtbar machen») befasst. Der Verein ist ein offenes Netzwerk und eine Plattform für alle.
Zentrale Themenfelder • Spiritualität und Weisheitstraditionen aller Kulturen stehen im Mittelpunkt; die Förderung von Diversität, sozialer und ökologischer Gerechtigkeit und Feminismus ist fest im Curriculum und der Institution verankert. • Das Institut pflegt vielfältige Lernformen und Modalitäten, integriert emotionale, kreative, somatische und soziale Entwicklungsdimensionen und fördert transformative Bildung jenseits klassischer akademischer Grenzen. • Die Hochschule engagiert sich für nachhaltige Innovationen und die Schaffung kreativer Alternativen für eine gerechte und lebenswerte Zukunft.
www.ciis.edu/
Zentrale Themenfelder • Informationen zu psychedelischen Substanzen und Ansätzen. • Förderung des Verständnisses psychedelischer Substanzen durch Forschung, Dialog und Schadensminderung, um eine objektive öffentliche Debatte in der Schweiz zu ermöglichen. • Entwicklung von Anwendungspraktiken und -protokollen unter Berücksichtigung ihrer individuellen und gesellschaftlichen Herausforderungen und Auswirkungen. • Besseres Verständnis der Psychedelika durch Dialog und die Forschung, insbesondere in der Schweiz. Daraus können Empfehlungen zur Verringerung der mit ihrem Gebrauch verbundenen Risiken, Erfahrungsberichte sowie Unterstützung angeboten werden.
www.eleusis-society.ch
CIRCE – Collaboration for Interdisciplinary Research on Conscious Experience e.V. Die gemeinnützige Wissenschaftsorganisation CIRCE befasst sich mit der empirischen Bewusstseinsforschung und legt dabei den Fokus auf pharmakologisch und nicht-pharmakologisch induzierte veränderte Bewusstseinszustände. Im Sinne von Open Science teilt CIRCE Daten, Werkzeuge und wissenschaftliches Wissen weltweit. Zentrale Themenfelder • Das „Altered Xperience Project“ (AXP) erfasst und analysiert subjektive Erfahrungsberichte (https://alteredxproject. com/). • Das Consciousness Assessment Repository (CAR) erweitert diese Infrastruktur und stellt Informationen zu psychometrischen Fragebögen in einer frei zugänglichen Mediathek bereit (https://resources.asdb.info/). • Die „Altered States Database“ (ASDB) ist ein globales Repositorium für quantitative Forschungsdaten (https://asdb. info/).
CIRCE erforscht also veränderte Bewusstseinseinzustände, teilt methodisches und wissenschaftliches Know-How zur ASC-Forschung und stellt offen, qualitätsgesicherte Daten über Bewusstseinsveränderung transparent für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit bereit. www.circe-science.de
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NETZWERK
PsyDAO PsyDAO ist eine dezentrale autonome Organisation, die darauf abzielt, Forschung, Kultur und Innovation im Bereich der Psychedelika voranzubringen – sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch. Dies geschieht über dezentralisierte Finanzierung, Crowdfunding und die gemeinschaft-
Psychedelic Student Network Germany (PSNG) Deutschlands erstes bundesweites studentisches Netzwerk für psychedelische Wissenschaft. Das Psychedelic Student Network Germany (PSNG) bringt engagierte Studierende zusammen und baut eine starke Community auf, die gemeinsam an einer verantwortungsvollen Zukunft dieses Forschungsfeldes arbeitet. Zentrale Themenfelder • Förderung studentischer Forschungsprojekte und Zusammenarbeit mit akademischen Institutionen. • Gründungsdokumente, Vorlagen, Kontakte und organisatorische Hilfsmittel für lokale Gruppen. • PSNG verbindet bestehende Studierendeninitiativen und unterstützt neue Hochschulgruppen bei ihrer Gründung. • Regelmäßige Lectures, Community Calls und Journal Clubs zu psychedelischer Wissenschaft und Therapie.
www.psng.info
liche Steuerung von geistigem Eigentum. Ziel ist es, psychedelische Kultur allgemein zugänglich zu machen und kollektiv und verantwortungsvoll zu verwalten – weg von traditionellen, zentralisierten Forschungs- oder Unternehmensstrukturen. Zentrale Themenfelder
• Kollektive Verwaltung von geistigem Eigentum – Forschungsdaten, Publikationen und Patente sollen frei gehandelt und gemeinschaftlich verwaltet werden, statt in Händen einzelner Firmen zu liegen. • PsyDAO vergibt regelmäßig Förderbeträge für Forscher, Künstler und Projekte der psychedelischen Bewegung.
• Dezentrale Finanzierung für psychedelische Wissenschaft und Kunst – PsyDAO organisiert Mittelvergabe nicht über klassische Institutionen, sondern über Gemeinschaftsentscheidungen.
www.psydao.io
New Health Institute
Fundación Lobeliana
Internationale Plattform an der Schnittstelle von Wissenschaft, Medien und gesellschaftlichem Wandel, die sich für die evidenzbasierte Etablierung psychedelischer Therapien als Antwort auf die globale MentalHealth-Krise einsetzt.
Gemeinnützige Stiftung, die 2022 in Santiago de Chile gegründet wurde. Ihr erklärtes Ziel ist die Erforschung, Bewahrung und Vermittlung von Wissen über psychoaktive Pflanzen, Pilze und Substanzen. Diese Themen sollen enttabuisiert und wissenschaftlich sowie kulturell zugänglich gemacht werden.
Zentrale Themenfelder • Entwickelt skalierbare Communityund Fundraising-Formate, die die kulturelle und finanzielle Infrastruktur psychedelischer Medizin stärken. • Strategien zur plattformübergreifenden Distribution und zur Etablierung psychedelischer Therapie als evidenzbasierte Antwort auf die Mental-Health-Krise. • Fundraising-Dinners, die Wissenschaft, Kapital und Entscheidungsträger vernetzen und in langfristige Partnerschaften überführen.
www.thenewhealthinstitute.org
Zentrale Themenfelder • Aufbau der Biblioteca Lobeliana sowie eines Centro de Estudios Lobeliana (CEL) in der Region Araucanía am Lago Tinquilco nahe des Nationalparks Huerquehue. • Aufbau einer öffentlichen Spezialbibliothek, Forschungs- und Künstlerresidenzen, Gewächshäuser, Seminare und Bildungsprogramme. • Erhaltung kompletter wissenschaftlicher Privatbibliotheken.
www.fundacionlobeliana.org
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McKenna Academy
Psychedelic Alpha
GaiaMedia-Stiftung
Gemeinnützige Bildungsorganisation aus den USA, die sich der Förderung eines harmonischen Zusammenlebens mit der Natur durch ethnobiologische Forschung, Bildung und einen respektvollen Austausch mit indigenem Wissen widmet. Hier treffen Wissenschaft, Tradition und unmittelbare Erfahrung aufeinander – damit Menschen von Pflanzen und Ökosystemen lernen und dieses Wissen in positive Veränderungen für ihr eigenes Leben und für unseren Planeten umsetzen können.
Psychedelic Alpha ist eine unabhängige Analyse- und Medienplattform an der Schnittstelle von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, die evidenzbasierte Einblicke in die Entwicklung der psychedelischen Industrie bereitstellt. Psychedelic Alpha trägt damit zur analytischen und informativen Grundlage bei, die notwendig ist, um die Entwicklung psychedelischer Medizin fundiert zu begleiten und langfristig in regulierte Gesundheits- und Wirtschaftssysteme zu integrieren.
GaiaMedia ist eine 1993 in Basel gegründete gemeinnützige Stiftung mit dem Zweck Informationen zu vermitteln, die zu einem ganzheitlichen Verständnis der Natur und des menschlichen Daseins beitragen.
Zentrale Themenfelder
• Aufbau einer spezialisierten Wissensinfrastruktur, die als Referenzpunkt für Marktanalysen, Forschungsübersichten und strategische Orientierung in der psychedelischen Industrie dient.
• Transformative Symposien, Kurse und Retreats, die das Verständnis von Natur, Bewusstsein und Kultur vertiefen. Durch feldbasierte Studien, Naturschutzprojekte und den Dialog über Disziplingrenzen hinweg fördern wir einen Wandel von Konkurrenz zu Symbiose – in uns selbst, in unseren Gemeinschaften und in der Biosphäre. • Förderung eines harmonischen Zusammenlebens mit der Natur durch ethnobiologische Forschung, Bildung und einen respektvollen Austausch mit indigenem Wissen. • Vernetzung internationaler Experten und Hüter traditionellen Wissens, um Ethnopharmakologie, Ökologie und Spiritualität auf eine Weise zu erforschen, die wissenschaftlich fundiert, menschlich und praxisorientiert ist.
www.mckenna.academy
Zentrale Themenfelder
• Bereitstellung fundierter, datengetriebener Inhalte für Fachöffentlichkeit, Investoren und politische Entscheidungsträger, um informierte Entscheidungen entlang wissenschaftlicher und ökonomischer Entwicklungen zu ermöglichen. • Systematische Aufbereitung und Analyse von Daten zu klinischer Forschung, regulatorischen Entwicklungen und Marktbewegungen im Bereich psychedelischer Substanzen und Therapien.
www.psychedelicalpha.com
Zentrale Themenfelder • Mitarbeit am globalen Bewusstseinswandel durch Bildungsinhalte und Vernetzung von Menschen. • Nachrichten, positive Entwicklungen und hilfreiche Erkenntnisse, sowohl aus deutsch- als auch aus englischsprachigen Quellen. Die Stiftung ist überzeugt, dass ein achtsames und respektvolles Handeln gemeinsam mit unseren Mitmenschen und in Einklang mit der Natur erstrebenswert ist und allen ein gerechtes, friedliches und erfülltes Leben ermöglicht. • Auf der Website und in einem monatlichen elektronischen goodnewsletter verweist GaiaMedia auf eine Auswahl erfreulicher Informationen, lesenswerter Publikationen sowie Links zu sinnvollen Initiativen und Organisationen.
www.gaiamedia.org
Weitere Einträge online: www.lucys-netzwerk.com
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KALENDER 11. bis 13. 9. 2026
15. bis 17. 9. 2026
2. bis 4. 10. 2026
World Ayahuasca Conference
Hanfmesse CB-Expo
Cultiva Hanf-Expo
Dortmund
Karl-Marx-Halle Wien
Girona, Spanien
www.cb-expo.com
www.cultiva.eu
www.ayahuasca2026.com
9. bis 10. 10. 2026
10. bis 13. 6. 2027
ALPS Conference Psychedelische Tagung
Tryp Expo Funkhaus Berlin
Kultur & Kongresshaus Aarau
www.tryp.de
www.alpsconference.com
Aktuelle Termine auf der Webseite
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Cannabis und Bewusstsein Hanfanwendungen für innere Arbeit
Was wäre, wenn wir alles, was wir je über Cannabis gehört haben, über Bord werfen müssten? Wenn die uralte Hanfpflanze nicht bloß ein Schmerzmittel, kein Lifestyle-Produkt, kein Rauschmittel wäre – sondern ein lebendiges Bewusstseinswerkzeug? Cannabis ist kein Freizeitspaß und kein bloßes Naturheilmittel – sie ist eine Lehrerin. Eine Verbündete. Eine sakrale Intelligenz. Wir brauchen eine neue Definition. Eine, die nicht aus der Pharmabranche stammt oder aus politischen Debatten – sondern aus der Tiefe menschlicher Erfahrung. Eine, die auf indigener Weisheit, spiritueller Praxis und moderner Neurobiologie beruht. Eine Definition, die Cannabis in den Raum zurückholt, den sie nie hätte verlassen sollen: den Raum der rituellen, heilenden und bewusstseinserweiternden Nutzung. Was macht eine Pflanze «sakral»? Es ist nicht ihre chemische Struktur – es ist ihre Wirkung auf das Bewusstsein. Eine sakrale Pflanze ist ein Brückenwesen. Sie verbindet uns mit etwas Größerem. Sie ist kein Ersatz für Spiritualität – aber sie ist ein Weg hinein. So wie ein Tor keine Straße ist, aber das Hindurchgehen zur Reise gehört.
Der Hanf spricht zu dir Cannabis wurde in vielen Kulturen verehrt. In Indien wurde sie Shiva geweiht. In alten chinesischen Texten galt sie als Yin-tragende Heilerin. In Sufi-Traditionen vertiefte sie die mystische Innenschau.
Heute kehrt sie langsam in diesen Raum zurück. Leise, aber bestimmt. Und mit ihr kommt die Möglichkeit, unser Verhältnis zu dieser Pflanze völlig neu zu denken. Wenn du mit Cannabis arbeitest – bewusst, rituell, ausgerichtet – wirst du feststellen: Sie spricht zu dir. Nicht in Worten, sondern in Empfindungen, Bildern, Einsichten. Sie hilft dir, Blockaden zu lösen, Emotionen zu klären, deinen Atem zu vertiefen. Sie lädt dich ein, still zu werden. Aber wie jedes Sakrament wirkt sie nicht automatisch. Ohne Respekt wird sie zur Falle. Ohne Struktur wird sie zum Fluchtmittel. Darum ist Ritual so wichtig. Darum ist Intention entscheidend. Und darum braucht es neue Wege, neue Schulen, neue Lehrer, die diese Arbeit begleiten – Menschen, die das alte Wissen mit Achtsamkeit verbinden. Lass mich also einen Vorschlag machen. Vielleicht ist Cannabis keine Droge und kein Medikament. Vielleicht ist sie eine Bewusstseinsbrücke. Nicht jeder wird sie so erleben. Das hängt davon ab, wie du ihr begegnest. Aber wenn du dich öffnest – wenn du das Ritual achtest, den Raum klärst, deinen Atem vertiefst, eine klare Intention setzt – dann wird sie dich berühren.
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Helmut Christoph
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Eine sakrale Pflanze, ein Entheogen, das • das menschliche Energiesystem aktiviert (insbesondere das Endocannabinoid-System), • spirituelle Prozesse verstärken kann (wenn bewusst eingesetzt), • emotionale und körperliche Heilung unterstützt, • kreative und visionäre Zustände öffnet • mit seiner sanften, weiblichen Intelligenz den Körper und das Wesen des Menschen neu aufeinander abstimmt und in Kohärenz bringt.
Wenn du Cannabis wirklich kennenlernst, dann beginnst du, ihre Intelligenz zu spüren. Ich spreche hier nicht metaphorisch. Ich meine: Cannabis ist lebendig. Und sie weiß, wer du bist, wenn du mit ihr in Kontakt trittst.
Der Pflanzengeist – mehr als Mythos In vielen indigenen Kulturen spricht man von «Pflanzengeistern». Man begegnet einer Pflanze nicht wie einem Werkzeug, sondern wie einem Lehrer. Wenn du mit einer sakralen Pflanze arbeitest – sei es Ayahuasca, Tabak, Peyote oder eben Cannabis –, dann bist du in Beziehung mit einem Wesen. Du bittest um Erlaubnis. Du bringst ein Opfer. Du hörst zu. Und genau das verändert alles. Die Pflanze spricht nicht in Sätzen. Sie spricht in Bildern, Körperempfindungen, Ahnungen. Du sitzt in Stille, nimmst deinen ersten Zug – und
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plötzlich verändert sich etwas. Dein inneres Feld wird durchlässiger. Dein Denken weitet sich. Du hörst deinen Herzschlag, deinen Atem, den Raum zwischen den Gedanken. Das ist der Moment, in dem Cannabis dich berührt. Vielleicht zeigt sie dir ein Bild aus deiner Kindheit. Vielleicht bringt sie eine alte Wunde nach oben. Vielleicht öffnet sie einfach dein Herz. Was sie dir zeigt, ist nicht immer angenehm – aber es ist fast immer heilsam, wenn du bereit bist zu fühlen. Das ist nicht bloß eine psychoaktive Wirkung. Es ist eine Form der Kommunikation.
Helmut Christoph aka Sun Dragon ist Buchautor und Begründer des GaiaSchamanismus. Er ist u.a. auf die Arbeit mit Cannabis spezialisiert. www.gaia-schamanismus.org Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren Literatur Bennett, C. (2018). Liber 420: Cannabis, magickal herbs and the occult. Walterville, OR: Trine Day. Schultes, R.E., Hofmann, A. und Rätsch, C. (2001). Pflanzen der Götter: Die magischen Kräfte der berauschenden Pflanzen. Aarau: AT Verlag. Wasson, R. G. (1968). Soma: Divine mushroom of immortality. New York, NY: Harcourt Brace Jovanovich. Carhart-Harris, R. L., Leech, R., Hellyer, P. J., Shanahan, M., Feilding, A., Tagliazucchi, E. et al. (2014). The entropic brain: A theory of conscious states informed by neuroimaging research with psychedelic drugs. Frontiers in Human Neuroscience, 8(20), 1–22. https://doi. org/10.3389/fnhum.2014.00020
Dieser Text ist dem Buch «Hanf und Spiritualität» von Sun Dragon (Nachtschatten Verlag 2026) entnommen.
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Drug Checking Von den Anfängen bis heute Hans Cousto
Das Wochenende steht vor der Tür, die Partydroge liegt bereit. Aber: Wie sauber ist die Substanz und wie viel der jeweiligen Komponenten ist drin? Drug Checkings bringen Antworten – das hat Holland schon vor über 40 Jahren erkannt. Vorläufer in Amsterdam und Berlin Die Notwendigkeit, Drogenkonsumenten vor Überdosierungen oder vor der Einnahme von ungewollten Substanzen mittels Kontrollen zu schützen, wurde in den Niederlanden bereits vor mehr als 40 Jahren erkannt. 1988 begann in Amsterdam das Institut von August de Loor (Stichting Adviesburo Drugs), die auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Produkte systematisch auf ihre chemische Zusammensetzung hin zu untersuchen. Das Institut installierte ein Netz von Beratungszentren, in denen Konsumenten nicht nur ihre Drogen zur Analyse abgeben, sondern bei Bedarf auch sachliche Informationen bezüglich Wirkungen und Nebenwirkungen der entsprechenden Substanzen erhalten konnten. Die im Rahmen des Drug-Checking-Programms ermittelten Analysendaten wurden von 1993 an in einem nationalen MonitoringSystem (DIMS) erfasst und dienten als Informationsgrundlage für ein ebenfalls das ganze Land abdeckendes Frühwarnsystem. 1995 begann in Berlin der Verein zur Förderung der Party- und Technokul-
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tur und zur Minderung der Drogenproblematik Eve & Rave ein eigenes Drug-Checking-Programm zu installieren. Ziel dieses Angebots war nicht nur die Minderung gesundheitlicher Risiken für Konsumierende, sondern auch die Förderung von Drogenmündigkeit, die langfristig zu einem geringeren Bedarf an Unterstützung durch das Drogenhilfesystem beitragen sollte. Der Analyseservice von Eve & Rave e.V. Berlin musste aufgrund staatlicher Repressionsmaßnahmen September 1996 eingestellt werden.
Drug Checking in der Schweiz In der Schweiz hat das Drug Checking für die Ecstasy-Szene seinen Ursprung in Zürich. Die Zürcher Arbeitsgemeinschaft für Jugendprobleme (ZAGJP) bot im Sommer 1995 einen für die gesundheitliche Prävention sehr förderlichen Service an, bei dem Ecstasy-Gebraucher ihre Pillen nach Inhaltsstoffen wie deren Mengenanteile analysieren lassen konnten. Dieser Analyse-Service musste ein paar Monate später desselben Jahres wegen einer Anzeige eingestellt werden. Bereits ab November 1995 gab es also in der Schweiz wiederum keine
Drug Checking hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer umstrittenen Praxis zu einem zentralen Instrument der Gesundheitsprävention entwickelt.
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Entscheidung beim Technoworkshop in Solothurn Die endgültige Entscheidung, in der Schweiz einen Eve & Rave-Verein zu etablieren, wurde am internationalen Technoworkshop Ende 1995 in Solothurn getroffen. Die Jugendherberge von Solothurn war für diesen Tag in einen Multimedia-Techno-Tempel verwandelt worden – zur Betrachtung von zahlreichen kulturellen Darbietungen aus dem Space der Technowelt. Nach einem Festakt wurden unter diesen günstigen Voraussetzungen die letzten Vorbereitungen zur Gründung eines Eve & Rave-Vereins in der Schweiz getroffen und wenige Wochen später die Einladungen zur Gründungsversammlung versendet. 18 Personen aus verschiedenen Städten der Schweiz, respektive aus deren Agglomeration, und aus Deutschland folgten dieser Einladung und trafen am 16. Februar 1996 in der Buchhandlung Dogon in Solothurn zur Gründungsversammlung ein.
Aus für Berlin Während in Berlin das Drug-CheckingProgramm 1996 eingestellt werden musste, begann also das Pharmazeu-
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tische Institut der Universität Bern, für Eve & Rave Schweiz Proben zu analysieren. Das Institut vereinbarte mit Eve & Rave, Ecstasy-Pillen im Rahmen eines Pilotversuchs qualitativ und quantitativ zu analysieren. Die Laborkosten wurden von der öffentlichen Hand, während Eve & Rave die Kosten für die damit verbundene Infrastruktur trug. Dazu gehörten unter anderem die Entgegennahme, Kodierung, Katalogisierung und Vermessung der Pillen sowie die Veröffentlichung der Analyseresultate in Listen. Im Jahr 1997 wurden weit über 250 Proben zur Untersuchung in das Institut weitergeleitet.
Pillen, Pappen, Pulver Etwa zehn Jahre lang ließ Eve & Rave Schweiz Pillen, Pappen und Pulver von Drogenkonsumenten analysieren und veröffentlichte die Resultate. Da ab 1998 im Kanton Bern (Stiftung Contact) und später auch in Zürich (Safer Party) analoge Dienstleistungen angeboten wurden, stellte Eve & Rave Schweiz diesen Service ein. Die Arbeit von Eve & Rave Schweiz erfolgte ehrenamtlich, die Dienstleister in Bern und Zürich werden jedoch von der öffentlichen Hand (Steuergelder) finanziert. Eve & Rave Schweiz veröffentlicht jedoch immer noch die Ergebnisse der Analysen, organisiert auch weiterhin Infostände auf Partys und Raves und betreibt das inzwischen am meisten besuchte und am besten gepflegte Forum zum Themenkomplex Drogen im deutschsprachigen Raum auf seiner
Foto: iStockphoto/IvanPantic; Adventure Photo; Jun
Möglichkeit, Ecstasy-Pillen bezüglich der darin enthaltenen Wirkstoffmengen untersuchen zu lassen. Dieser Missstand war mit ein Grund, in der Schweiz eine Eve & Rave-Gruppe zu gründen, damit ein funktionierendes Drug-Checking-Programm aufgebaut und etabliert werden konnte.
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Webpräsenz. Über 65.000 Mitglieder haben dort etwa zwei Millionen Beiträge veröffentlicht. Die ersten mobilen Drug-CheckingAngebote der Schweiz, will heißen: Vor-Ort-Analyse auf Partys und Festivals, gab es ab 1998 in Bern, ab 2001 in Zürich und ab 2014 in Basel. Die stationären Angebote sind 1996 in Solothurn, 2006 in Zürich und 2014 in Bern entstanden. Heute gibt es solche Angebote auch in Biel, Luzern, St. Gallen, Lausanne und Genf.
Drug Checking in Österreich In Zusammenarbeit mit dem klinisch toxikologischen Labor der Medizinischen Universität Wien wurde 1997 das wissenschaftliche Forschungsprojekt checkit! gegründet. Auf Festivals und Partys wird Freizeitdrogenkonsumenten kostenlos und anonym seit 1997 etwa einmal im Monat die Möglichkeit geboten, ihre psychoaktiven Substanzen analysieren zu lassen und Information und Beratung in Anspruch zu nehmen. Und in diesem Jahrzehnt hat das Projekt Trip Talks in Graz ein stationäres Drug-Checking-Programm gestartet wie auch das Vorarlberger Projekt koje (Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung) in Dornbirn und Bludenz.
Drug Checking in Deutschland Nachdem 1996 das Drug-CheckingProgramm von Eve & Rave Berlin aus politischen Gründen eingestellt werden musste, haben die Behörden in Deutschland ein Vierteljahrhundert gebraucht, um zu erkennen, dass Drug Checking eine Möglichkeit
zur Risiko- und Schadensminimierung sowie zur Schwarzmarktüberwachung darstellt. Die Raver in Berlin haben schnell gepeilt, dass Drug Checking eine vernünftige Interventionsstrategie für den Gesundheitsschutz ist, die Regierenden und die zuständigen Behörden waren jedoch zu verpeilt, dies wahrzunehmen. Erst im Jahr 2021 startete wieder ein DrugChecking-Projekt in Deutschland. Ein Team der Suchthilfe Thüringen und des Jenaer Unternehmens Miraculix (LeadiX GmbH) bietet seit 2021 auf Partys und auf Festivals die Analyse von illegalen Substanzen an.
Änderungen im Betäubungsmittelgesetz 2023 wurden in Deutschland durch Änderungen im Betäubungsmittelgesetz (§10 BtMG) die rechtlichen Rahmenbedingungen für Modellvorhaben zum Drug Checking geschaffen. Somit konnte auch wieder in Berlin Drug Checking durchgeführt werden. Die Landesverordnung über die Durchführung von Modellvorhaben zu Substanzanalysen in Mecklenburg-Vorpommern, mit der die Vorgaben von §10b BtMG umgesetzt worden sind, ist Ende Mai 2024 in Kraft getreten. Dadurch wird in Mecklenburg-Vorpommern auch die Durchführung von mobilem Drug Checking auf Festivals ermöglicht.
Hans Cousto ist Sachbuchautor, Musikwissenschaftler und Mitbegründer von Eve & Rave Berlin. www.drogenkult.net/
Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
Drug-Checking Schweiz: www.saferparty.ch Drug-Checking Österreich: www.checkit.wien Drug-Checking International: www.kykeonanalytics.com
Substanzcheck für zuhause funktioniert mit den Test-Kits von Miraculix: www.miraculix-lab.de
Mehr zu diesem Thema? Eine Langfassung des Artikels findet sich auf www.lucys-magazin.com
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NEUHEITEN
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2026
Psychedelik
Fundierte Fachbücher vom Sachverlag NEU
Andrew Feldmár
Radikale Abenteuer
Erfahrungen in der psychedelischen Therapie
auch als Hörbuch (Download) erhältlich:
nachtschatten.ch/produkt/ die-letzte-reise-hoerbuchdownload/
Sprecherin: Christine Heidrich
Andrew Feldmár Radikale Abenteuer Erfahrungen in der psychedelischen Therapie
die hohe Bedeutung von u. a. auch Tom Tykwer Film Das Licht inspirierte, ische Neurostimulator e spielt.
nheit des Lebens enn sonst?“
– für Erkenntnis, Heilung Tradition. … Mit der Entler und Dirk Proeckl einen gleichsweise einfachen en geschaffen haben, der zt wird – von persönlicher Anwendungen. …“
Engelbert J. Winkler • Dirk W. Proeckl
Die letzte Reise Bewusstsein und das Mysterium des Todes
Coming Home Psychedelische Erfahrungen nachhaltig integrieren
ISBN 978-3-03788-715-8 342 Seiten, 14,8 × 21 cm, Softcover
ISBN 978-3-03788-717-2 144 Seiten, 18 × 25,4 cm, Softcover, 4-farbig, illustriert
Christopher M. Bache
LSD
Das Erbe von
Eleusis
Stella Schaller, Felix Hoch
und das Bewusstsein des Universums Diamanten des Himmels
Psychedelische Lichterfahrungen: Vom Mysterienkult zur Neuropsycholyse
NEU Vorwort von Erwin Laszlo
AUTOREN
Edition
www.nachtschatten.ch
AUTOREN
Edition
Flicker-Forscher, FU-Berlin
Engelbert J. Winkler • Dirk W. Proeckl
he Geschichte einer Folgen für Kunst, ualität.
Das Erbe von Eleusis
ISBN 978-3-03788-728-8 92 Seiten, 14,8 × 21 cm, Softcover
Stanislav Grof
AUTOREN
Edition 23.07.2026 17:13:39
Engelbert Winkler
Christopher M. Bache
Katrin Schuster
Das Erbe von Eleusis Psychedelische Lichterfahrungen: Vom Mysterienkult zur Neuropsycholyse
LSD und das Bewusstsein des Universums Diamanten des Himmels
Die Nacht gehört den Geistern Die visionäre Welt einer blinden Seherin
ISBN 978-3-03788-713-4 342 Seiten, 17 x 24 cm, Softcover
ISBN 978-3-03788-802-5 144 Seiten, 14,8 × 21 cm, Softcover
Nachtschatten Verlag Kronengasse 11 CH - 4500 Solothurn
TEL +41 (0)32 621 89 49 info@nachtschatten.ch www.nachtschatten.ch
ISBN 978-3-03788-803-2 212 Seiten, 14,8 × 21 cm, Softcover
Lucys
Lucys Nr. 2
Stanislav Grof über psychedelisches Sterben
Psychedelika und Sexualität
Leitfaden für psychedelische Spiritualität
Der Meister Stan Grof erweitert in Die letzte Reise seine jahrzehntelange Forschung zu Geburt, Bewusstsein und Spiritualität um eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Tod und Sterben. Er verbindet Erkenntnisse aus moderner Wissenschaft, Psychologie und alten spirituellen Traditionen, um den Tod als natürlichen und sinnstiftenden Teil des Lebens zu verstehen. Grof zeigt, wie eine bewusste Auseinandersetzung mit der Endlichkeit nicht nur Ängste mindern, sondern auch zu innerer Transformation, Mitgefühl und einem umfassenderen Verständnis des Lebens führen kann. Das Buch beleuchtet traditionelle Rituale und spirituelle Praktiken ebenso wie aktuelle Forschung zu Nahtoderfahrungen, psychospirituellem Tod und Wiedergeburt sowie Grofs Arbeiten zur psychedelischen Therapie, zum holotropen Atmen und zu psychospirituellen Krisen. Seine zentrale Botschaft lautet, dass die Integration von Geburt, Leben und Tod zu einer universellen Spiritualität und einem verantwortungsvolleren Umgang mit Mensch und Welt beitragen kann.
Dieses englischsprachige Buch zeigt, wie psychedelische Erfahrungen dazu beitragen können, emotionale und sexuelle Traumata zu heilen, die Verbindung zum eigenen Körper wiederherzustellen sowie Freude, Lust und zwischenmenschliche Nähe neu zu entdecken. Die US-Psychotherapeutin und Expertin für psychedelische Integration Dee Dee Goldpaugh verbindet aktuelle Traumaforschung mit Fallbeispielen aus ihrer langjährigen klinischen Praxis und ihrer eigenen Heilungsgeschichte. Sie erläutert das therapeutische Potenzial von Substanzen wie MDMA, Psilocybin, Ayahuasca, Meskalin und 5-MeO-DMT und beschreibt, wie diese in einem sicheren und achtsamen Rahmen zur persönlichen Entwicklung beitragen können. Ergänzt wird das Buch durch praxisnahe Integrationsmethoden, somatische Übungen und Hinweise zur sicheren Anwendung. So entsteht ein fundierter Leitfaden, der aufzeigt, wie Psychedelika Heilung, Selbstannahme, erfüllte Sexualität und tiefere Verbundenheit mit sich selbst und anderen fördern können.
Psychedelisches Bewusstsein von Markus Berger verbindet jahrzehntelange Forschung mit spirituellen und schamanischen Traditionen, um das Potenzial psychedelischer Erfahrungen für Selbsterkenntnis und Bewusstseinsentwicklung zu beleuchten. Das Buch zeigt, wie Substanzen wie LSD, Psilocybin und DMT bei einem verantwortungsvollen und gut informierten Umgang neue Perspektiven auf Geist, Seele und die eigene Existenz eröffnen können. Berger erläutert die historische und kulturelle Bedeutung von Psychedelika und entwickelt eine verständliche Kosmologie, die außergewöhnliche Bewusstseinszustände einordnet und ihre Integration in den Alltag unterstützt. Im Mittelpunkt steht die Erfahrung von Verbundenheit und Einheit als Grundlage für persönliche Entwicklung, Sinnfindung und spirituelles Wachstum. So bietet das Buch einen fundierten Leitfaden für alle, die sich mit den psychologischen, kulturellen und transpersonalen Dimensionen psychedelischer Erfahrungen auseinandersetzen möchten. Erscheint Ende September.
Stanislav Grof, Die letzte Reise – Bewusstsein und das Mysterium des Todes, Nachtschatten Verlag 2026
Dee Dee Goldpaugh, Embrace Pleasure – How Psychedelics Can Heal Our Sexuality, Inner Traditions 2025
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MEDIATHEK
Markus Berger, Psychedelisches Bewusstsein – Erkenne das Universum in dir, Integral Verlag (Penguin Random House) 2026
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Lucys
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MEDIATHEK
Praktische Psychonautik und Integration
Verantwortungsvoller Umgang mit Psychedelika
Geschichte der Magic Mushrooms
Dieses liebevoll gestaltete Journal des bekannten psychedelischen YouTubers Maximilian Wüsten und seiner Partnerin begleitet dich durch alle Phasen einer psychedelischen Erfahrung – von der Vorbereitung über die Reise bis hin zur Integration. Es bietet Raum für persönliche Notizen, Reflexionen und Journaling, um Erlebnisse bewusst zu verarbeiten und nachhaltig in den Alltag zu integrieren. Ergänzt wird das Journal durch inspirierende visuelle und spirituelle Impulse, praktische Übungen für Körper und Geist sowie fundiertes Wissen zu Safer Use und Harm Reduction. Kuratierte digitale Inhalte wie Meditationen, Playlists und weiterführende Informationen vertiefen den Prozess und unterstützen eine achtsame Begleitung. Ob auf Festivals, in der Natur, bei Retreats oder zu Hause – das Journal dient als persönlicher Reisebegleiter und Ritual-Objekt, das Orientierung gibt, Selbstreflexion fördert und dabei hilft, psychedelische Erfahrungen bewusst, sicher und mit nachhaltigem Nutzen zu gestalten. Ein Tipp der Redaktion für alle Praktiker.
Dieser englischsprachige Band bietet einen ausgewogenen und wissenschaftlich fundierten Überblick über die Chancen und Risiken psychedelischer Substanzen. Der klinische USPsychologe Richard Louis Miller fasst aktuelle Forschung, Interviews mit Fachleuten und Fallstudien zusammen, um die therapeutischen Möglichkeiten ebenso wie potenzielle Nebenwirkungen von LSD, Psilocybin, MDMA, Ketamin, Ayahuasca, DMT, Meskalin und weiteren Psychedelika zu beleuchten. Das Buch beschreibt kurz- und langfristige körperliche sowie psychische Effekte, erläutert Sicherheitsaspekte und geht auf mögliche Risiken wie Angstreaktionen oder belastende Erfahrungen ein. Ergänzt wird der Inhalt durch ausführliche Profile der wichtigsten psychedelischen Substanzen mit Informationen zu chemischer Zusammensetzung, Wirkweise, rechtlichem Status und Anwendungsaspekten. Damit dient das Buch als fundierter Leitfaden für einen verantwortungsvollen, informierten und ethischen Umgang mit psychedelischen Medikamenten und Therapien.
Wie konnte ein unscheinbarer Pilz die Sicht auf Bewusstsein, Kultur und Wissenschaft verändern? Der Roman Kleine Dinge zeichnet den erstaunlichen Weg der psychedelischen Pilze nach – von ihrem jahrhundertealten Gebrauch in den spirituellen Ritualen indigener Gemeinschaften in Mexiko bis zu ihrem Einfluss auf die Gegenkultur der 1960er Jahre. Im Zentrum stehen außergewöhnliche Menschen, deren Neugier und Entdeckergeist eine verborgene Welt ans Licht brachten: Forschende, Reisende und die berühmte mexikanische Curandera María Sabina, die ihr traditionelles Wissen mit Außenstehenden teilte. Aus einer zunächst kaum beachteten Entdeckung entwickelte sich ein weltweites kulturelles Phänomen, das Kunst, Forschung und gesellschaftliche Debatten prägte. Das Buch verbindet, obwohl es sich um einen Roman handelt, historische Fakten mit lebendig erzählten Biografien und zeigt, wie ein kleines Naturphänomen eine überraschend große Wirkung entfalten konnte.
Lucie Hecking und Maximilian Wüsten, Das psychedelische Reise-Journal, Selbstverlag 2026
Richard Louis Miller, The Adverse Effects and Therapeutic Potential of Psychedelic Medicines, Inner Traditions 2026
Benoît Coquil, Kleine Dinge, Berlin Verlag 2025
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Veränderte Wahrnehmung durch Lichtstimulation Warum Nahtoderfahrung, Mystik und Psychedelika auf denselben Bewusstseinsprozess verweisen Engelbert Winkler
Nahtoderfahrungen, psychedelische Zustände und mystische Lichterlebnisse gelten gewöhnlich als völlig unterschiedliche Phänomene. Doch was, wenn sie auf denselben neuropsychologischen Mechanismus zurückgehen? Es gibt Erfahrungen, nach denen das Leben nicht mehr dasselbe ist. Nicht deshalb, weil sich die Welt verändert hätte, sondern weil sich der Blick auf sie unwiderruflich wandelt. Menschen mit Nahtoderfahrung berichten übereinstimmend von einem intensiven Licht, einem Gefühl existenzieller Gewissheit und tiefgreifenden Veränderungen ihres Lebens. Angst vor dem Tod nimmt ab, Werte verschieben sich hin zu Verbundenheit und Sinn. Solche Erfahrungen sind keineswegs selten, sondern kulturübergreifend dokumentiert und strukturell erstaunlich ähnlich. Besonders bemerkenswert ist dabei die erstaunliche Übereinstimmung der Berichte. Obwohl keine Nahtoderfahrung der anderen vollständig gleicht, tauchen immer wieder dieselben Kernelemente auf: das Gefühl, den eigenen Körper zu verlassen, eine tunnelartige Bewegung, die Begegnung mit einem überwältigend hellen Licht, eine kaum beschreibbare Schönheit und schließlich die Rückkehr mit dem Empfinden, etwas Wesentliches erkannt zu haben.
Kein anerkanntes Erklärungsmodell Ein allgemein akzeptiertes neurobiologisches Erklärungsmodell existiert bis heute nicht. Weder Sauerstoffmangel noch neurochemische Hypothesen können die Bandbreite der Berichte vollständig erklären. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit anderen Forschungsfeldern ein bemerkenswertes Bild: Ähnliche Lichterfahrungen treten auch unter Psychedelika, in tiefer Meditation, bei sensorischer Isolation oder extremen körperlichen Zuständen auf. Aus dieser Perspektive erscheint die Nahtoderfahrung nicht länger als einmalige Ausnahme des Sterbens, sondern als Ausdruck eines neuropsychologischen Programms, das unter außergewöhnlichen Bedingungen aktiviert werden kann. Der Sterbeprozess wäre dann le-
diglich einer von vielen möglichen Zugängen zu einem Bewusstseinsmodus, den Menschen seit Jahrtausenden kennen.
Die Entwicklung der hypnagogen Lichterfahrung Ein konkreter Zugang zu diesem Zustand wurde in den letzten Jahren technologisch entwickelt. Der österreichische Psychologe, Psychotherapeut und Nahtod-Forscher Engelbert Winkler selbst durch ein Nahtoderlebnis in der Kindheit geprägt, entdeckte eine lichtbasierten Methode zur Induktion genau solcher Zustände. Gemeinsam mit dem Neurologen Dirk Proeckl entwickelte er die Lucia N°03, einen Neurostimulator zur gezielten Auslösung hypnagoger Lichterfahrungen, mit der die beiden Forscher international Aufmerksamkeit erregt haben. Proeckl, spezialisiert auf die Wechselwirkung von Psyche und Nervensystem, brachte dabei seine Forschung zu EEG-Dynamiken, die die Veränderungen der elektrischen Aktivität des Gehirns beschreiben, und neurophysiologischen Prozessen ein. In gemeinsamen Untersuchungen zeigte sich, dass die Anwendung der Lucia N°03 Gehirnwellenmuster erzeugen kann, die sonst erst nach langjähriger meditativer Praxis auftreten. Damit wird ein bemerkenswerter Zusammenhang greifbar: Zustände, die traditionell durch Religion, Askese oder Psychedelika erreicht wurden, lassen sich auch technisch induzieren. Von schamanischen Ritualen über Mysterienkulte bis hin zu meditativen Praktiken – alle zielen auf die Transformation von Bewusstsein ab. Vielleicht liegt gerade darin der Ursprung vieler Religionen. Nicht in theologischen Spekulationen, sondern in unmittelbar erfahrenen Bewusstseinszuständen.
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Zugleich eröffnet sich ein neuer Zugang zur Psychotherapie und Bewusstseinsforschung. Winkler verbindet klinische Praxis, subjektive Erfahrung und künstlerische Exploration zu einem Ansatz, der grundlegende Fragen neu stellt: Was ist Bewusstsein? Was bedeutet Gesundheit?
Und was geschieht im Erleben des Sterbens? Gerade in der Verbindung von Wissenschaft und radikal subjektiver Erfahrung zeigt sich dabei ein zentrales Moment: Bewusstseinsforschung ist nicht nur Beobachtung, sondern auch Teilnahme. Betrachtet man Nahtoderfahrungen, psychedelische Erfahrungen und mystische Überlieferungen gemeinsam, entsteht ein überraschend konsistentes Bild. Die Gemeinsamkeiten reichen weit über zufällige Ähnlichkeiten hinaus. Sie betreffen die Struktur des Erlebens ebenso wie seine langfristigen Folgen. Immer wieder berichten Menschen von einer tiefgreifenden Neuorientierung ihres Lebens, von einer größeren Gelassenheit gegenüber dem Tod und von einer intensiveren Wahrnehmung der Wirklichkeit. Das Licht erscheint dabei nicht nur als Symbol. Es wird erlebt.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, wodurch diese Zustände ausgelöst werden, sondern was sie über die Struktur des Bewusstseins selbst verraten. Mit dieser Frage beginnt die eigentliche Reise.
Dieser für den Vorabdruck modifizierte Text ist dem Buch «Das Erbe von Eleusis: Psychedelische Lichterfahrung - Vom Mysterienkult zur Neuropsychologie» von Engelbert Winkler entnommen. Erscheint 2026 im Nachtschatten Verlag.
Engelbert Winkler ist Psychologe, Psychotherapeut und rechtlicher Berater für Kinder und Jugendliche in Wörgl, Tirol, Österreich. www.mycoverse-foundation.org
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Gemeinsamkeiten des Erlebens
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Hypes der psychedelischen Renaissance Die aktuellen Modeerscheinungen der zeitgenössischen Psychonautik
Wir müssen uns daran gewöhnen, dass mit dieser neuen Akzeptanz des Mainstreams gegenüber der Psychedelik auch eine gewisse Verwässerung der Kultur einhergehen muss. Die Szene ist deutlich diverser und größer als noch vor kurzer Zeit – und unbedarfter. Insbesondere die Protagonisten und Anhänger von Selbstoptimierung und Wellness verwachsen zusehends mit der psychedelischen Bewegung. Hier eine kritisch kommentierte Übersicht über eine Auswahl der derzeitig angesagtesten Trends.
Microdosing Manche Menschen konsumieren Psychedelika und andere psychoaktive Substanzen in so geringen Mengen, dass keine Wahrnehmungsveränderung resultiert. Es handelt sich um Mikrodosierungen, weshalb die Methode auch Microdosing genannt wird. Die Anwendungen des Microdosings von LSD, Psilocybin, Ketamin und anderen Psychoaktiva sind unterschiedlicher Natur. Geringste Dosen (man sagt, etwa ein Zehntel der vollwirksamen Dosis) sollen unter anderem stimmungsaufhellende, konzentrationsfördernde, belebende, antidepressive und kreativitätsfördernde Effekte begünstigen oder herbeiführen. Ob das wirkt? Nun, die eine sagt so, der andere so. Fakt ist, dass das Phänomen des Microdosings das Thema der Psychedelika mit am meisten wieder in die Mitte der Gesellschaft
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geholt hat. Viele Menschen interessieren sich für diese Form der Selbstoptimierung. Und – Hand aufs Herz – vor zehn Mikrogramm LSD muss auch niemand Angst haben. Das ganze Ding mit dem Microdosing nahm Anfang der 2000er Jahre seinen Anfang. Damals fanden Psychonauten, die unter Migräne und Cluster-Kopfschmerzen litten, heraus, dass mit geringen Dosierungen psychedelischer Stoffe die Schweregrade, Symptome und Verläufe der Erkrankungen abgemildert werden können. Manche berichteten, dass sie durch Microdosing mit Pilzen oder LSD die Attacken gänzlich losgeworden sind oder diese nur noch selten erlebten. Das ist in der Tat eine sinnvolle Anwendung mikrodosierter Psychedelika. Selbst wenn die Behandlungserfolge auf dem Placebo-Effekt beruhen sollten, kann das den Betroffenen herzlich egal sein.
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Die sogenannte psychedelische Renaissance treibt derzeit ihre bunten Blüten auf diesem Planeten und bringt Gewohnheiten und Phänomene hervor, die selbst erfahrenen Psychonauten der alten Schule fremd oder neu sind. Und nicht immer sind diese Trends im Zeichen der psychedelischen Kultur heilsam und dem psychedelischen Gedanken entsprechend.
Psychedelische Medizin und Therapie Psychedelika werden zunehmend als therapeutische Werkzeuge untersucht, ermöglichen sie doch unter anderem den kurzzeitigen Zugriff auf verdeckte Seeleninhalte und verdrängte Emotionen. Die substanzgestützte (psycholytische) Psychotherapie ist eine bewährte Methode, die jedoch durch die Drogengesetze bisher verunmöglicht wurde. Allmählich öffnen sich diese Kanäle aber, weshalb sowohl die Behandlung mancherorts im Einzelfall möglich ist, wie auch die Wissenschaft sich der Thematik breiter zuwendet. Auch die Behandlung von chronischen und schwerwiegenden Depressionen, Angststörungen und Substanzgebrauchsstörungen mit LSD, Psilocybin und Ketamin, aber auch DMT, 5-MeO-DMT und Ibogain wird vermehrt beforscht und praktiziert. Es ist interessant: Wurden bis vor wenigen Jahren die Drogen alle als Teufelszeug, Suchtgifte und Geißel der Menschheit betrachtet, halten viele dieselben heute alle für Allheilmittel und Wundermedizin. Eine Auswirkung der menschlichen Gewohnheit, immer den Extremen zu verfallen. Sicherlich können psychedelische Substanzen in vielerlei Form wert-
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volle therapeutische Hilfsmittel sein. Für alles und jeden sind sie aber genauso sicher nicht geeignet. Wir müssen auch aufpassen, dass mit diesem Imagewechsel nicht die andere Seite der Medaille auch in Forschung und Wissenschaft überbewertet wird. Waren viele Forscher bis vor Kurzem durch die vielen Vorurteile noch voller Abschätzigkeit, wenn es um Psychedelika und Co. ging, so neigen heute doch einige in ihrem Bestreben, die bahnbrechende neue therapeutische Option entdeckt zu haben, dazu, die Substanzen plötzlich zu überschätzen. Jetzt tritt das Wunschdenken auf den Plan. Nur unvoreingenommene Forschung wird da noch vieles ans Licht bringen. Und die wird jetzt mehr und mehr möglich.
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Schamanismus und AyahuascaTourismus
Kambô
Im Zuge der psychedelischen Renaissance hat sich auch ein neues Interesse für den Schamanismus entfacht. Das mag an unterschiedlichen Faktoren liegen, beispielsweise daran, das schamanische Ethnien oft ein uns geradezu unbekanntes Gemeinschaftsgefühl pflegen und eine damit verbundene lebendige Spiritualität, dass sie unbedarft beziehungsweise ohne gesetzliche Reglementierung mit psychoaktiven Pflanzen Pilzen und Substanzen arbeiten und dass sie eine Ritualkultur erhalten haben. Leider führt unser Interesse dazu, dass die letzten noch existierenden Stammesgemeinschaften nun auch der Ausrottung anheimgefallen sind. Unsere Art des psychedelischen Tourismus in Gebiete indigener Völker und unser Bedürfnis, deren Rituale zu erleben und somit auch deren psychoaktive Substanzen zu konsumieren, hat dazu geführt, dass schamanische Leistungen nun nach Art unserer Konsumkultur für Geld an die Kunden gebracht werden. Ein Umstand, den es in den originären Kulturen nie gab. Wir nennen dies Kolonialismus 2.0, auch wenn die meisten der Protagonisten sich dessen überhaupt nicht bewusst sind, dass sie gerade an der letztendlichen Zerstörung dieser Völker aktiv beteiligt sind.
Das Kambô-Ritual ist eine indigene Praxis aus dem Amazonasgebiet, bei der das Hautsekret des Riesenmakifroschs Phyllomedusa bicolor auf kleine Brandpunkte der Haut aufgetragen wird, um intensive körperliche Reaktionen wie Erbrechen, Schwitzen und Kreislaufveränderungen auszulösen. Traditionell wird es von einigen indigenen Gruppen zu rituellen, jagdbezogenen oder reinigenden Zwecken verwendet, während seine gesundheitlichen Wirkungen und Risiken wissenschaftlich weiterhin untersucht und diskutiert werden. Wer schon mal gesehen hat, auf welche Weise dem Tier das Sekret entnommen wird, der kann sich bestenfalls einreden, dass diese Methode dem Wesen völlig lieb und recht ist. Der Frosch wird mit allen vier Extremitäten an kleine Holzpfähle gebunden und auseinandergespreizt. Den Rest der Ernte erkläre ich an dieser Stelle nicht. Freilich vermag ein erfahrener indigener Kambô-Praktiker dies so vorzunehmen, dass dem Tier tatsächlich kein Leid geschieht. Er geht dafür auch geistig mit dem Frosch in Kontakt und übernimmt die volle Verantwortung für das Lebewesen, das anschließend auch unversehrt wieder dem Wald übergeben wird. Das ist aber etwas ganz anderes, als wenn ein unausgebildeter selbsternannter Neoschamane aus Europa ein solches Ernten in Eigenregie versucht.
Fliegenpilz
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Er ist der legale und angesagte Rauschpilz: Amanita muscaria, der Fliegenpilz. Alle wollen ihn nehmen, viele halten sich für Experten. Der FliPi hypt sich derzeit durchs Internet, dass es einem schwindelig werden kann. Leider hat auch dies seine Schattenseiten. Durch das vermehrte Begehren der modernen Psychonauten und deren Ge-
wohnheit, alles kaufen und bestellen zu können, wird nun auch Raubbau an natürlichen Beständen des Fliegenpilzes betrieben. Dies gilt vor allem für osteuropäische Gebiete. Denn der Pilz lässt sich bis heute nicht anbauen, was dazu führt, dass die Exemplare in den Wäldern regelrecht ausgerottet werden, da häufig unsachgemäß geerntet wird – nämlich mitsamt des Mycels aus dem Boden. Ein echtes Elend, insbesondere im Angesicht der Tatsache, dass der Fliegenpilz überall bei uns ein heimischer und häufiger Pilz ist, dessen Hüte man ganz einfach ernten und zubereiten kann. Wenn man das denn weiß und will. Übrigens hat dieser Trend auch eine ironische Nebengeschichte. Der hauptwirksame Inhaltsstoff des Fliegenpilzes, das Muscimol, ist natürlich ebenfalls Gegenstand des allgemeinen Interesses. Weil der Pilz legal ist, ist auch Musicmol nicht illegalisiert. Und so werden auf dem Markt der legalen Drogen auch Muscimol-Gummibärchen angeboten, die aber schon für so manchen Zwischenfall gesorgt haben. Das könnte dazu führen, dass der Fliegenpilz und seine Wirkstoffe in Kürze ebenfalls verboten werden (was zum Beispiel in den Niederlanden schon lange der Fall ist). Der Witz: Chemiker haben diese sogenannten MuscimolGums schon diverse Male untersucht und in den meisten Fällen feststellen müssen, dass die Produkte überhaupt kein Muscimol enthalten, sondern stattdessen eine wilde Mischung aus synthetischen Cannabinoiden, Cathinonen und anderen Substanzen.
Legale Substanzderivate Ein neues Phänomen der Renaissance sind die allgegenwärtigen legalen Drogen. Kursierten nicht reglementierte neue Substanzen früher lediglich in eingeweihten Kreisen als sogenannte Research Chemicals, so ist eine wachsende Vielzahl dieser Moleküle heute an jeder Ecke für alle verfügbar, manche sogar in Automaten am Straßenrand. Wir sprechen von Derivaten, also Ableitungen und Modifikationen illegalisierter Substanzen, die nicht in den Betäubungsmittelgesetzen aufgeführt und damit nicht verboten sind. Solche Kandidaten gibt es von LSD, Psilocybin, MDMA, DMT, Ketamin, PCP, Cathinonen und vielen anderen Drogen. Es gibt auch Abwandlungen legaler
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Stoffe, wie zum Beispiel. von Cannabinoiden, Benzodiazepinen und Opioiden. Manche dieser Derivate werden offen verkauft – sowohl im Internet wie auch in spezialisierten Geschäften mit Ladenlokalen. Andere findet man eher im Darknet oder auf dem Straßenschwarzmarkt. Was die Wirkung bzw. Pharmakologie dieser Stoffe angeht, so ist zu unterscheiden. LSD-Derivate sind beispielsweise meist Prodrugs, also Vorläufersubstanzen des originären LSD, die sich nach Einnahme im Körper in dieses umwandeln. An das LSD-Molekül angehängte Ketten bzw. Reste werden verstoffwechselt und abgespalten, womit LSD entsteht. Andere Derivate sind daneben keine solchen Prodrugs, sondern weisen eine ganz eigene, oft dem Original abweichende Pharmakologie auf. Sie wirken also anders als die bekannten Stammsubstanzen. Das gilt zum Beispiel für Ketamin- und PCP-Derivate, aber auch für legale Abwandlungen von MDMA und DMT. Die Stoffe sind immer so lange verfügbar, bis sie den Drogengesetzen unterstellt werden. Anschließend werden die nun verbotenen Substanzen von findigen Chemikern durch neuartige andere ersetzt, die dann wieder legal sind. Es ist ein Kreislauf. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass die Stoffe natürlich nicht wissenschaftlich am Menschen getestet werden und man daher nie weiß, wie sie wirklich wirken – auch in der Langzeitauswertung. (red)
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INTERVIEW
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«Trennung ist eine Illusion» Gespräch mit Kakao-Mischa über rituellen Kakao, Spiritualität und das Geschäftsleben Interview: Markus Berger
Mischa Levit alias Kakao-Mischa hat sein Leben und sein Unternehmen dem Kakao gewidmet. Nicht solchem, den wir im Supermarkt um die Ecke erwerben können. Mischa befasst sich mit rituellem Kakao, der von originären indigenen Anbaugemeinschaften hergestellt wird.
Mischa Levit fördert mit seinem Kakao nicht nur eine traditionelle Substanz als neu wahrgenommenen Bewusstseinsbildner, sondern gleichzeitig auch die Bauern, die von der Kultivierung des Kakaobaums Theobroma cacao bzw. vom Verkauf der sogenannten Kakaobohnen leben. Wir haben mit Mischa über Kakao, sein Verhältnis zu tradiertem Pflanzenbau und sein Geschäft gesprochen. Heute werden zunehmend Kakao-Rituale (Kakao-Zeremonien) angeboten, dabei gibt es aber keine originären traditionellen indigenen Kakaorituale. Woher kommt der Trend? Bevor ich mein Business mit Kakao gestartet habe, wollte ich wissen, wo er wirklich herkommt und wie innerhalb der indigenen Stammesgemeinschaften mit Kakao ge-
arbeitet wird. Also habe ich eine Reise nach Mittelamerika gemacht, dorthin, wo früher und auch heute noch die Maya lebten, einst die Azteken und davor die Olmeken sowie andere Kulturen waren, die nachweislich rituell mit Kakao gearbeitet hatten. Dort wollte ich herausfinden, wie man ein echtes Kakaoritual macht. Als ich mit den Maya an ihrem heiligen Feuer saß, merkte ich sehr schnell, dass Kakao dort gar keine zentrale Rolle spielt. Ich hatte erwartet, dass die Menschen zum Kakao beten und ihn trinken, so wie wir das hier in unseren Kreisen machen. Doch das war nicht der Fall. Teilweise wurden Kakaobohnen als Opfergaben ins Feuer gegeben oder als rituelle Gegenstände verwendet, aber der Kakao wurde nicht getrunken. Zunächst war ich enttäuscht, weil ich dachte, dass das ja irgendwie alles ein Fake ist. So hat sich das für mich ange-
Kakaoschoten: Der Rohstoff für anspruchsvolle Kakao-Träume.
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Lucys Nr. 2 fühlt. Später durfte ich jedoch feststellen, dass die Art von Kakaozeremonie, wie wir sie heute zelebrieren, ein neuzeitlicher Trend ist. Es handelt sich um etwas, das wir in unserer modernen Konsumgesellschaft für uns entdeckt haben und aus dem viele Menschen einen großen Mehrwert ziehen. Für die Maya, die noch aktiv in ihrer MayaKosmologie leben, gibt es die Kakaozeremonie als solche jedoch nicht. Kakao wird dort gerne nach einem Ritual gereicht, allerdings ohne eine besondere spirituelle Intention. Er dient vielmehr als nährendes Getränk, das nach dem Ritual Gemeinschaft und Verbindung fördert. Darüber hinaus wird ihm in diesem Kontext keine besondere Bedeutung zugeschrieben. Was ist der Unterschied zwischen originärem und hiesigem Kakao? Was uns hier als Kakao verkauft wird, ist eigentlich eine Abspaltung bzw. ein Restprodukt des ursprünglichen Kakaos. In den Früchten des Kakaobaums befinden sich die sogenannten Kakaobohnen. Werden diese richtig verarbeitet – also fermentiert, getrocknet, geschält und geröstet –, entstehen die sogenannten Kakaonibs, die man mittlerweile in vielen Biomärkten kaufen kann. Zermahlt man die Kakaonibs, erhält man die sogenannte Kakaomasse. Das sind fein zermahlene Kakaonibs und da-
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mit hundert Prozent reiner Kakao. Diese Kakaomasse wird sowohl von indigenen Gemeinschaften als auch von den Menschen vor Ort genutzt, um beispielsweise Trinkschokolade herzustellen. Sie bildet im Prinzip den Ursprung aller Schokolade – hier beginnt die gesamte Verarbeitung. Die westliche Industrie hat jedoch einen anderen Weg eingeschlagen. Sie hat festgestellt, dass sich der Kakaomasse die Kakaobutter entziehen lässt. Dadurch entsteht ein Pulver. Der Vorteil dieses Pulvers liegt darin, dass es sich sehr leicht in Getränke einrühren lässt, sogar in kalte. Außerdem kann es unkompliziert mit Zucker oder anderen Zutaten vermischt werden, um verschiedene Produkte herzustellen. Gleichzeitig lässt sich die extrahierte Kakaobutter separat vermarkten – beispielsweise in der Kosmetikindustrie und eben in der Schokoladenherstellung. Dort wird sie häufig wieder der Schokolade zugesetzt, um deren Konsistenz und Qualität zu beeinflussen. Auf diese Weise entstehen aus einer einzigen Kakaobohne zwei verschiedene Produkte, die jeweils eigenständig vermarktet werden können. Das bedeutet letztlich auch mehr Profit. Wichtig ist außerdem zu wissen, dass die Kakaobohne zu mehr als 50 Prozent aus Kakaobutter besteht. Der größte Teil dieses Lebensmittels ist also tatsächlich Fett in Form dieser Butter. Wenn man der Kakaobohne bzw. der Kakaomasse die Kakaobutter entzieht, bleibt im Grunde nur ein
Mischa (links) pflegt authentische indigene Kontake, um die beste Kakao-Qualität zu sichern.
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Dann wird dem Kakao heutzutage natürlich auch massiv Zucker zugesetzt. Wir haben es vor allem mit einem Süßgetränk zu tun, das häufig für Kinder vermarktet wird. Im ursprünglichen Sinne war jedoch gar kein Zucker enthalten. Stattdessen wurden Zutaten wie Chili oder Mais verwendet – so etwa im traditionellen Xocolatl. Ganz genau. Die Kakaomasse, von der wir gesprochen haben, enthält keinen Zucker. Sie besteht im Wesentlichen aus Kakaobutter sowie einer Vielzahl von Mineralstoffen und sogenannten Polyphenolen, die im Körper antioxidativ und entzündungshemmend wirken. Darüber hinaus enthält sie verschiedene Stoffe, die dem Körper Bausteine für die Produktion eigener Glückshormone liefern. Das ist gewissermaßen die Reinform des Kakaos. Die damaligen Kulturen tranken ihn lediglich mit Wasser, da ihnen keine anderen Möglichkeiten zur Verfügung standen. Ergänzt wurde das Getränk mit dem, was regional verfügbar war, etwa Chili, Mais, Vanille und wildem Honig. Und in Europa? In Europa entwickelte sich die Geschichte des Kakaos jedoch anders. Als die spanischen Eroberer in die so-
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Rest übrig. Genau dieser Rest ist das, was wir heute als Kakaopulver kennen und was die meisten Menschen für «Kakao» halten. Tatsächlich ist dieses Pulver jedoch nur ein Teil des ursprünglichen Lebensmittels. Vom eigentlichen Kakao ist es daher deutlich weiter entfernt, als vielen bewusst ist.
genannte Neue Welt kamen, beobachteten sie, welche Bedeutung die Kakaobohnen für die Azteken hatten. Sie probierten den Kakao selbst, empfanden ihn jedoch als viel zu bitter. Auch als die Kakaobohnen einige Jahrzehnte später an den spanischen Königshof gebracht wurden, konnte man dort wenig mit dem Geschmack anfangen. Deshalb begann man, Zucker hinzuzufügen. Aus dem ursprünglichen Kakao entwickelte sich daraufhin an den europäischen Königshöfen eine Trinkschokoladenkultur. Vor allem die adeligen Damen verfügten über aufwendige Schokoladenservices und konsumierten stark gezuckerte Schokoladengetränke. Von dort aus verbreitete sich diese Form des Kakaokonsums nach und nach in der breiten Bevölkerung. Deshalb verbinden wir Kakao heute vor allem mit Süße und Zucker. Die europäische Kultur hat Kakao nie in seiner ursprünglichen Form kennengelernt, sondern von Anfang an in einer bereits gesüßten Variante. Wahrscheinlich hätte sich die originäre, deutlich bittere Form hier auch kaum durchgesetzt. Interessanterweise gab es in Europa zeitweise die Möglichkeit, reinen Kakao weiter auf Seite 50 >
Eine familiäre Atmosphäre zwischen Kako-Liebhaber und -Produzenten.
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in Apotheken oder pflanzenkundlichen Geschäften zu erwerben. Dort wurde er nicht als Genussmittel, sondern als Heilmittel betrachtet. Er wurde beispielsweise zur Unterstützung von Herz und Verdauung eingesetzt sowie bei Antriebslosigkeit, Müdigkeit und anderen Beschwerden. Dennoch konnte sich diese medizinische Verwendung nie in größerem Umfang etablieren. Menschen, die an Kakaoritualen teilgenommen haben, berichten manchmal, dass die Wirkung auf das Herzgefühl mit der von MDMA vergleichbar sei. Auch du beschreibst Kakao als einen Weg, die Herzen der Menschen zu öffnen. Was ist aus deiner Sicht der eigentliche Zweck der modernen rituellen Anwendung von Kakao? Die rituelle Anwendung hat viele Facetten. Im Kern würde ich jedoch sagen: Kakao hilft Menschen dabei, wieder in Verbindung mit ihrem Herzen zu kommen. Wir leben in einer sehr verstandesorientierten Gesellschaft, in der wir versuchen, nahezu alle Probleme rein rational zu lösen. Gleichzeitig zeigt sich, dass dabei oft Wesentliches unbeachtet bleibt – insbesondere unsere Gefühle. Als Menschen sind wir fühlende Wesen, doch in unserer Gesellschaft gibt es nur wenige Räume, in denen Gefühle wirklich willkommen sind. Viele Emotionen aus der Kindheit, aus familiären Beziehungen oder aus aktuellen Lebenssituationen finden keinen Ausdruck. Sie werden unterdrückt und können dadurch langfristig psychische oder sogar körperliche Beschwerden begünstigen. Durch die rituelle Einnahme von Kakao entsteht ein Raum, in dem Fühlen ausdrücklich erwünscht ist. Die Teilnehmenden werden eingeladen, ihren Emotionen Aufmerksamkeit zu schenken und ihnen Ausdruck zu verleihen. Der Kakao selbst unterstützt diesen Prozess nach Ansicht vieler Anwender durch seine Inhaltsstoffe. Häufig wird dabei insbe-
sondere das Theobromin genannt. Im Gegensatz zu Koffein, das vor allem auf das zentrale Nervensystem wirkt, wird Theobromin oft mit Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System in Verbindung gebracht. In diesem Zusammenhang sprechen viele Menschen davon, dass Kakao das Herz «öffnet» – nicht unbedingt im wörtlichen, sondern vor allem im übertragenen Sinn. Wenn dazu ein geschützter Rahmen geschaffen wird, in dem Weinen, Lachen, Fühlen und auch das Ausdrücken intensiver Emotionen willkommen sind, entsteht ein Raum, in dem verborgene Gefühle sichtbar werden können. Für viele Menschen wird das zu einer Möglichkeit, innere Prozesse bewusst wahrzunehmen und Emotionen zuzulassen, die im Alltag oft keinen Platz finden. Diverse Teilnehmer berichten deshalb, dass sie solche Rituale als heilsam und ausgleichend erleben. Sie empfinden sie als Gegenpol zu einem stark rational geprägten Alltag. Kakao wird dabei zu einer Art emotionalem Anker oder einer kleinen «Gefühlsinsel», auf der Raum entsteht, ehrlich wahrzunehmen und mitzuteilen, wie es einem tatsächlich geht – jenseits der automatischen Antwort: «Mir geht’s gut.» So verstanden, dient die moderne Kakaozeremonie weniger dem Kakao selbst als vielmehr der bewussten Begegnung mit den eigenen Gefühlen und der Förderung von Verbindung – sowohl zu sich selbst als auch zu anderen Menschen.
www.kakaomischa.de
Mehr zu diesem Thema? Eine Langfassung des Artikels findet sich auf www.lucys-magazin.com
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Heilige Pflanze, globales Geschäft Ayahuasca und die psychedelische WellnessIndustrie Nicole Maron
Immer mehr Menschen suchen im Amazonasgebiet nach Heilung, spiritueller Erkenntnis oder Grenzerfahrungen. Doch die Praktiken in teilweise luxuriösen Retreat-Zentren haben mit der Jahrhunderte alten indigenen Tradition oft nicht mehr viel zu tun. Die Pflanzenmedizin ist zum Geschäft geworden. Für viele Backpacker gehört die Teilnahme an einem Ayahuasca-Ritual inzwischen auf die Bucket List einer Südamerika-Reise. Ganz nach dem Motto «Been there, done that» – ohne sich vorher groß mit dem kulturellen Hintergrund oder der spirituellen Bedeutung auseinanderzusetzen. Andere bereiten sich monatelang und gewissenhaft auf dieses Ritual vor und unternehmen eigens dafür die lange Reise über den Atlantik. So oder so läuft die Suche nach einem passenden Ort meist über das Internet, wo man jedoch auf derart viele Angebote stößt, dass man gar nicht recht weiß, anhand von welchen Kriterien man sich entscheiden soll. Denn die Webseiten und Programme der RetreatZentren ähneln sich, und praktisch alle werben mit den Fotos von lokalen indigenen Schamanen und Curanderas. Betrieben werden die Zentren jedoch oft von Ausländerinnen und Ausländern. Die Preise schwanken zwischen ein paar Hundert und ein paar Tausend Dollar pro Woche, wobei nebst Ayahuasca meist auch andere psychedelische und rituell verwendete Substanzen wie San Pedro (meskalinhaltiger Kaktus), Kambô (Sekret des Riesenmakifrosches Phyllomedusa bicolor), Yopo (DMT-haltiges
Schnupfpulver) oder Rapé (Mischung von Tabak, anderen Pflanzen und Pflanzenasche) zum Einsatz kommen. Diese Art der Anwendung der so genannten «Pflanzenmedizin», wie sie in den Retreats oft genannt wird, ist allerdings oft weit entfernt von der ursprünglichen Praxis in indigenen Gemeinden. Dort wird das Gebräu aus der Liane Banisteriopsis caapi und einer Pflanze, die die psychedelische Substanz DMT enthält – zum Beispiel Chacruna (Psychotria viridis) – schon seit vielen Jahrhunderten eingesetzt. Und zwar nicht unbedingt, um «einfach so» spirituelle Grenzerfahrungen zu erleben, sondern zum Beispiel, um Krankheiten diagnostizieren und gezielt behandeln zu können. In diesem Fall – und anders als bei den Ritualen in Touristen-Retreats – nimmt nicht der Patient Ayahuasca ein, sondern der Schamane, um eine Anleitung zur Behandlung des Patienten zu erhalten.
Wie Pflanzen Wissen vermitteln Natürlich verfügen ausgebildete Schamanen über vertiefte Kenntnisse zu medizinischen Pflanzen und deren
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Anwendung sowie zu anderen traditionellen Heilmethoden. Doch wenn es zum Beispiel um neue Krankheiten geht, wie während der Covid-Pandemie, nutzen sie Ayahuasca – vor Ort oft als Yagé bezeichnet –, um Wissen über die Krankheit und ihre Behandlung zu erlangen. So erzählt es Tomas, ein Schamane aus dem ecuadorianischen Putumayo-Gebiet: «Da es ein neues Virus war, wussten wir nicht, wie es behandelt werden muss. Also trank ich Yagé und erhielt genaue Anweisungen darüber, welche Pflanzen wie kombiniert und zubereitet werden mussten. Tatsächlich starb in unserer Gemeinde niemand an Covid, obwohl sich viele ansteckten – ich selbst war der erste.» Doch darüber, ob durch schamanische Heilmethoden alle Krankheiten behandelbar sind, gehen die Meinungen auseinander. Tomas macht hier einen klaren Unterschied: «Unsere Pflanzen wirken nur bei hiesigen Beschwerden. Westliche Krankheiten wie Krebs und Diabetes sind jedoch eine ganz andere Geschichte. Wir können sie zwar diagnostizieren, aber nicht heilen. In diesen Fällen müssen die Leute ins Krankenhaus. Die Leiden der Zivilisation müssen auch mit der Medizin der Zivilisation kuriert werden.» Doch wie war es möglich, dass die Schamanen aus den Zigtausenden von Pflanzenarten im Amazonasgebiet genau die beiden Pflanzen ausfindig machen konnten, die kombiniert werden müssen, um die Wirkung von Ayahuasca zu erzielen, obwohl sie weder über chemische noch über psychologische Kenntnisse verfügten? Diese Frage stellte sich auch der Anthropologe und Buchautor Jeremy Narby («Die kosmische Schlan-
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Querschnitt: Ayahuasca-Liane
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ge»). Und bekam zur Antwort, dass «das Wissen direkt von den Pflanzen stammt».
Die Schamanen-Ausbildung dauert Jahrzehnte Für indigene Schamanen hat Ayahuasca eine ganz andere Bedeutung als für Europäer und Amerikaner, die oft auf der Suche nach spiritueller Erkenntnis oder Hilfe in schwierigen Lebenssituationen sind – unter anderem, weil sie einen anderen kulturellen Hintergrund und eine andere spirituelle Verbindung zu den Pflanzen haben. Tatsächlich wird die Art und Weise, wie gewisse Retreat-Zentren Rituale durchführen, immer wieder kritisiert. Es ist von kultureller Aneignung, von psychedelischer Wellness-Industrie und von der Kommerzialisierung indigener Praktiken die Rede, an denen vor allem die Ausländer verdienen. Während viele Zentren eine respektvolle Zusammenarbeit mit erfahrenen Schamaninnen und Schamanen pflegen, gibt es auch Anbieter, die Rituale von Personen durchführen lassen, denen die notwendige Ausbildung fehlt. In der indigenen Tradition dagegen kommt es vor, dass angehende Schamaninnen und Schamanen schon im Alter von zehn Jahren beginnen, Yagé zu trinken und sich spirituelle Kenntnisse sowie Pflanzenwissen anzueignen. Meist lernen sie von einem Eltern- oder Großelternteil, denn die Rolle des Schamanen wird oft innerhalb einer Familie weitergegeben. Als Tomas mit zwölf Jahren zum ersten Mal Yagé trank, sah er wunderschöne Blumen und Schmetterlinge, wie man ihnen im Urwald oft begegnet, und war fasziniert von dieser Welt, deren Türen sich ihm erst gerade einen Spalt weit öffneten. In einer
seiner nächsten Vision sah er jedoch einen Jaguar, der langsam auf ihn zukam, und erschrak. Doch sein Großvater sagte: «Das ist ein Test. Denn nur, wenn du mutig genug bist, dem König des Dschungels Auge in Auge gegenüberzustehen, kannst du ein echter Schamane werden.» Auf diesen Test folgten viele weitere, vor allem in Form der Einnahme von immer stärkeren pflanzlichen Substanzen, deren psychedelische Wirkung um ein Vielfaches stärker ist als die von Ayahuasca. Erst mit 40 ließ ihn sein Großvater zu seiner Abschlussprüfung zu, das in der Einnahme eines Pflanzengemischs bestand, welches einen «entweder tötet oder endgültig zum Meister macht». Von einem ähnlichen Werdegang erzählt auch Juanita aus dem peruanischen Pucallpa, rund tausend Kilometer weiter südlich. Erst nach jahrelanger Erfahrung mit der Einnahme von Pflanzengemischen sei sie den stärksten unter ihnen gewachsen gewesen. Dabei haben sie so genannte Pflanzendiäten gemacht: «Man nimmt zwei oder drei Monate lang jeden Tag eine bestimmte pflanzliche Substanz ein, um sie kennenzulernen und sich mit ihr zu verbinden. In dieser Zeit träumt man intensiv von dieser Pflanze, ihrer Wirkung und der Art und Weise ihrer Anwendung. In den letzten zwei Wochen der Diät nimmt man zusätzlich Ayahuasca, was einem ermöglicht, die Kenntnisse noch zu vertiefen.»
Wenn Ayahuasca zum Geschäft wird Dieser Grad an Vertiefung kontrastiert stark mit gewissen selbsternannten Ayahuasca- und PflanzenmedizinGurus, die in Luxus-Retreat-Zentren teilweise fahrlässige Zeremonien
Der ecuadorianische Schamane Tomas Grefa begann mit zwölf Jahren, Ayahuasca zu trinken.
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Der Gründer Alberto Varela, ein argentinischer Unternehmer, entwickelte ein Konzept, das Ayahuasca völlig entkontextualisierte und das spezifisch auf den westlichen Markt zugeschnitten war. «Er entledigte die Zeremonie ihrer religiösen Konnotationen und vermarktete sie neu in der New-Age-Sprache der Selbstverwirklichung», so der Guardian. Ende der 2010er Jahre habe Inner Maestry laut eigenen Angaben jährlich tausend Retreats mit insgesamt 30‘000 Teilnehmenden durchgeführt. Varela machte ein Vermögen, die Mitarbeitenden dagegen wurden unterbezahlt und verschuldeten sich sogar bei der Organisation, da sie ihre Ausbildung zahlen mussten. Traditionelle Praktikerinnen und Heiler protestierten, Varela ginge es nur ums Geschäft, er bringe ihre Praxis in Verruf und gefährde die Gesundheit der Teilnehmer. Sie bezeichneten ihn als Betrüger, der sich ohne Absprache auf sie berufen und in ihrem Namen Geld einzogen habe, ohne dass sie je etwas davon bekamen. Varela wies jegliche Anschuldigungen zurück. Doch obwohl Inner Maestry auch riskante Substanzenkombinationen, sexuelle Grenzüberschreitungen, Gehirnwäsche und Manipulation sowie die Mitschuld an mehreren Todesfällen vorgeworfen wurde, bietet die Organisation auch heute noch Retreats an.
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durchführen. Ein extremes Beispiel ist der Fall des internationalen Retreat-Netzwerks Inner Maestry, über den die englische Tageszeitung The Guardian 2025 ausführlich berichtete. Die Organisation kam schwer in Verruf, unter anderem, weil Rituale von kaum ausgebildetem Personal durchgeführt wurden, das auch die Sicherheit der Teilnehmenden nicht gewährleisten konnte, so dass es zu gefährlichen Zwischenfällen kam.
Ayahuasca muss mehrere Stunden lang gekocht werden, bis ein starkes Konzentrat entsteht.
In indigenen Gemeinden gehört Ayahuasca zum Alltag Allerdings setzen auch indigene Schamanen Ayahuasca nicht nur zur eigenen Wissenserweiterung und zum Diagnostizieren von Krankheiten ein. Einige arbeiten, wie gesagt, mit Retreat-Zentren zusammen, andere führen Rituale bei sich zu Hause durch, an denen teilweise Einheimische und Ausländer gemeinsam teilnehmen. Der größte Unterscheid besteht wohl in der expliziten spirituellen Einbettung des Rituals: In den Retreat-Zentren ist es üblich, sich vorher über Erwartungen und Befürchtungen auszutauschen, und am Tag nach der Zeremonie werden die Erfahrungen meist miteinander geteilt und besprochen. Bei den Ritualen, die außerhalb von Retreat-Zentren direkt von Schamanen durchgeführt werden und an denen fast nur Einheimische teilnehmen, gibt es praktisch nichts an Kontextualisierung oder Austausch. Man kommt an, richtet sich in seiner Hängematte ein, wird einer nach dem anderen aufgerufen, um den Becher
mit dem bitteren Gebräu überreicht zu bekommen, trinkt, legt sich wieder hin und gibt sich seiner Vision hin. Am nächsten Morgen brechen alle individuell auf, wenn sie sich fit genug fühlen, und verabschieden sich im besten Fall kurz vom Schamanen oder den anderen Teilnehmern. Wenn man Fragen hat, Hilfe braucht oder einen Ratschlag möchte, sind die Schamanen gerne für ein Gespräch oder ein zusätzliches Reinigungsritual bereit. Hier wird nichts explizit zelebriert, denn Ayahuasca gehört einfach zum Alltag.
Nicole Maron ist Journalistin, Autorin und digitale Nomadin. Sie berichtet seit zehn Jahren aus Lateinamerika. www.nicolemaron.ch Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
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Berauschte Tierwelt – Katzenminze: Warum Vierbeiner in Ekstase gar nichts mehr juckt Melanie Söchtig
Viele Miezen und Kater sind geradezu verrückt nach der Katzenminze. Forschende haben herausgefunden, dass ihnen diese Vorliebe einen evolutionären Vorteil bietet: Die Pflanze hält ihnen lästige Ungeziefer vom Leib. Was genau hinter dem faszinierenden Phänomen steckt. Was wir Menschen als einen zarten, frischen Duft wahrnehmen, lässt manche unserer Haustiere die Beherrschung verlieren. Das Aroma der Echten Katzenminze (Nepeta cataria) zieht Katzen magisch an: Die Tiere beschnuppern die Pflanze ausgiebig, reiben sich leidenschaftlich an ihr und wälzen sich darauf genüsslich auf dem Boden.
Die Chemie der Euphorie Hauptauslöser für diesen 5 bis 15 Minuten anhaltenden «Trip» ist Nepetalacton, Kernbestandteil des ätherischen Öls der Katzenminze. Das Molekül bindet an Rezeptoren in der Nasenschleimhaut der Katzen und löst dort ein Nervensignal aus, das in das Gefühls- und Hormonzentrum des Gehirns (Amygdala und Hypothalamus) weitergeleitet wird. Das Gehirn schüttet daraufhin körpereigene Glückshormone (β-Endorphine) aus, die an Opioid-Rezeptoren binden und die Tiere in euphorische Erregung versetzen. In einer japanischen Studie haben Forschende herausgefunden, dass der Rausch wie ein Belohnungssignal für das auffällige Verhalten der Katzen wirkt. Hierfür haben sie Experimente mit der Katzenminze und dem in Japan weiter verbreiteteren Silberwein (Actinidia polygama) durchgeführt. Die in ihrer Heimat «Matatabi» genannte Pflanze enthält
das chemisch eng mit Nepetalacton verwandte Nepetalactol, welches die gleiche biochemische Reaktion im Katzenhirn auslöst. Den Beweis für den Belohnungseffekt lieferte die Verabreichung von Naloxon, einem Opioid-Antagonisten. Die so behandelten Katzen nahmen den Duft von Nepetalactol zwar noch wahr, zeigten sich jedoch desinteressiert und bemühten sich nicht weiter, mit dem zuvor so heiß begehrten Wirkstoff in Berührung zu kommen.
High und mückenfrei Die Studienautorinnen und -autoren bewiesen, dass der ausgiebige Körperkontakt mit den Pflanzen über den reinen Lustgewinn hinausgeht: Er hat eine wichtige biologische Funktion, die auf Nepetalacton beziehungsweise Nepetalactol basiert. Dass sich Katzen gezielt mit den Wirkstoffen einbalsamieren, zeigte ein Versuch mit Filterpapieren, die in isoliertem Nepetalactol getränkt worden waren. Befanden sich die Papiere auf dem Boden, rollten die Katzen darüber, waren sie nur an Wänden und Decken angebracht, unterließen die Tiere das Wälzen und streckten sich stattdessen, um ihre Köpfe und Wangen zu imprägnieren. Die letzte und spannendste Frage war jedoch: Wie belohnt die Natur Katzen für dieses Verhalten? Die Ant-
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Verteidigung mit Biss Während manche Katzen damit zufrieden sind, an der Katzenminze oder dem Silberwein zu riechen und sich daran zu reiben, brauchen andere offensichtlich mehr: Sie lecken und kauen das Kraut. Damit brechen sie winzige Drüsen (Trichome) auf, in denen sich Nepetalacton beziehungsweise Nepetalactol befinden. So steigt die Freisetzung der Abwehrstoffe um mehr als das 20-Fache an. Im Gegensatz zum synthetischen Mückenmittel Diethyltoluamid (DEET) entfaltet sich die insektenabwehrende Wirkung von Nepetalacton nicht erst beim direkten Kontakt, sondern bildet eine unsichtbare Barriere in der Luft, die Blutsauger bereits im Anflug vertreibt. Im Labor wies das natürliche Mittel eine zehnmal effektivere Abwehr auf als DEET. Erst im März dieses Jahres wurde eine Studie veröffentlicht, in der eine sechsprozentige Lotion aus ätherischem Katzen-
Foto: iStockphoto/borchee
minzenöl im Feldtest in Uganda eine gleichwertige Schutzwirkung erzielte wie eine 15-prozentige DEET-Lotion.
Minze-Muffel und Plan B Genetisch bedingt reagieren 60 bis 70 Prozent aller Hauskatzen auf Katzenminze. Die Nervennetzwerke, die für die Reaktion verantwortlich sind, bilden sich erst mit der Geschlechtsreife vollständig aus, weshalb Katzenwelpen unter drei bis sechs Monaten nicht auf die Pflanze anspringen. Die Anziehungskraft des Silberweins wirkt auf bis zu 90 Prozent aller Katzen – darunter auch auf etwa Dreiviertel der Tiere, die gegen Katzenminze immun sind. In einer aktuellen Freilandstudie bevorzugten Katzen den Silberwein gegenüber der Katzenminze, obwohl letztere eine 170-mal höhere Konzentration der mückenabwehrenden Wirkstoffe (Nepetalacton bzw. Nepetalactol) enthält. Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass den Vierbeinern die Katzenminze schlicht zu intensiv sein könnte. Durch seine Kombination verschiedener aktiver Wirkstoffe, darunter auch das Alkaloid Actinidin, wirkt der Silberwein möglicherweise etwas subtiler als «Breitband-Lockmittel». Ebenfalls auf den hohen Actinidin-Gehalt zurückzuführen ist die Vorliebe von rund jeder zweiten Hauskatze für Baldrian.
Quellen: 1. Uenoyama R et al. Sci Adv 2021; 7(4): eabd9135. 2. Uenoyama R et al. iScience 2022; 25(7): 104455. 3. Peterson CJ, Coats JR. ACS Symposium Series 2011; 1090(4): 59-65. 4. Batume C et al. Sci Rep 2026; 16(1): 13272. 5. Bol S et al. BMC Vet Res 2017; 13(1): 70. 6. Uenoyama R et al. J Chem Ecol 2026; 52(3): 43.
Melanie Söchtig ist Biologin und freie Journalistin. www.schreib-soechtig.de Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
Fotos: iStockphoto/Lord Henri Voton; iiievgeniy; Gyro; BasieB; ikuyan
wort: Die Pflanzeninhaltsstoffe wirken wie ein Insektenabwehrmittel, das die Tiere vor Angriffen von Blutsaugern sowie vor Krankheiten und Parasiten, welche diese übertragen, schützt. Katzen, die sich im Experiment in Katzenminze, Silberwein, Nepetalacton oder Nepetalactol gewälzt hatten, wurden durchschnittlich halb so häufig von Mücken angegriffen wie Tiere ohne diesen Schutz.
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SERIE
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Bewusstseinsentwicklung im Alltag Essen als Achtsamkeitsübung Thomas Marthaler
Spirituelles Erleben kann nicht nur durch psychoaktive Substanzen katalysiert werden, sondern auch durch non-pharmakologische Achtsamkeitsmethoden. Thomas Marthaler führt in dieser kleinen Reihe in effektive Bewusstseinsübungen ein. Ein Beitrag aus unserem Lucys-Archiv.
Unser Bewusstsein ist das zentrale Element unseres Lebens. Es entsteht, indem wir Informationen über unsere Sinne aufnehmen, indem wir sehen, hören, fühlen und diese Informationen laufend mit unseren Erinnerungen, Erfahrungen, Gedanken und Träumen verbinden. So gewinnen wir ein Bild davon, was wir sind, was uns umgibt und wie wir damit interagieren. Bewusstsein ist jedoch keine feste Größe. Es lässt sich entdecken, erweitern und entwickeln – mit oft überraschend einfachen Techniken. Um sein Bewusstsein zu erforschen und zu formen, hat der Mensch über die Jahrtausende verschiedenste Methoden entdeckt, genutzt und weiterentwickelt: tranceerzeugende Tänze, die Nutzung psychedelischer Pflanzen, schamanistische Rituale, Meditation, Yoga und Fasten sowie Hypnose, Psychoanalyse und die Nutzung elektronischer Geräte zur Einleitung luzider Träume. In dieser kleinen Serie werde ich Ihnen einige einfache, aber effektive Techniken vorstellen, die sich bestens dafür eignen, das Bewusstsein im Alltag zu entdecken, zu erweitern und zu entwickeln. Dabei achte ich darauf, Ihnen die Techniken in einer klaren, verständlichen und neutralen Art und Weise zu präsentieren. Zudem verzichte ich darauf, Ihnen ein vorgefertigtes Glaubenssystem zu vermitteln. Vielmehr werde ich Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, Ihre Wahrnehmung selbstständig und unabhängig zu erweitern, um mit den dadurch gewonnenen Erfahrungen ein individuelles, für Sie stimmiges Glaubenssystem zu entwickeln. Der Versuch lohnt sich. Denn wenn wir lernen, uns bewusst zu machen, wer wir sind und was wir tun, werden wir auch die Kraft finden, uns den Aufgaben zu stellen, die das Leben für uns bereithält.
gen, hat nicht nur einen immensen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, sondern wirkt sich auch auf das gesamte Ökosystem aus. Nicht von ungefähr heißt es: «Du bist, was du isst.» Wenn Sie sich einen achtsameren Umgang mit Ihrer Nahrung angewöhnen möchten, Ihrem Körper etwas Gutes tun und dabei auch zu mehr Ruhe und Genuss im Alltag finden wollen, dann machen Sie den Versuch und nehmen Sie für ein bis zwei Wochen wenigstens eine Mahlzeit täglich in der folgenden Art und Weise zu sich. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und sorgen Sie für Ruhe in Ihrer Umgebung. Nehmen Sie sich Ihre Mahlzeit und ein Getränk und setzen Sie sich an einen Tisch. Schalten Sie mögliche Störquellen wie Radio oder Fernseher aus und legen Sie Smartphones, Tablets oder Zeitschriften außer Reichweite. Sobald Sie dies getan haben und Ihre Nahrung vor Ihnen liegt, schließen Sie kurz Ihre Augen und achten Sie nur auf Ihre Atmung, bis Sie sich ein wenig entspannt und den Kopf frei haben. Öffnen Sie dann Ihre Augen und betrachten Sie kurz Ihre Nahrung. Beginnen Sie dann ganz langsam zu essen. Langsamkeit ist der Schlüssel. Auch wenn Sie glauben, bereits lang-
Achtsamkeit gegenüber Nahrung Wie wir mit unserer Nahrung umgehen, welchen Stellenwert wir ihr geben, wie viel Achtung wir ihr entgegenbrin-
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Kauen Sie ausgiebig und langsam.
Welche Konsistenz hat es?
Wie schmeckt es? Ist es salzig, süß, bitter, scharf?
sam zu essen: Halbieren Sie Ihr Tempo. Achten Sie darauf, alle Ihre Bewegungen ganz langsam und mit nur gerade so viel Energie, wie dazu nötig ist, auszuführen. Lassen Sie Ihre Bewegungen fließen, so sanft und gleichmäßig wie möglich. Kauen Sie ausgiebig und langsam. Sobald Sie kauen und sich die Nahrung in Ihrem Mund verteilt, achten Sie genau darauf, was es in Ihnen auslöst. Wie schmeckt es? Ist es salzig, süß, bitter, scharf? Welche Temperatur hat es? Heiß, lauwarm, kalt? Welche Konsistenz hat es? Knusprig, zäh, breiig oder dünnflüssig? Welche Erinnerungen ruft das in Ihnen hervor? Erinnerungen an die Kindheit oder an ferne Länder und Kulturen?
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Was essen Sie überhaupt? Haben Sie es selbst gekocht oder fertig gekauft? Woher kommt es? Was enthält es? Wie wurde es hergestellt? Wenn Sie schlucken, fühlen Sie, wie es Ihren Hals passiert und Ihren Magen erreicht. Wärmt es Ihren Bauch? Halten Sie nach einigen Bissen inne. Trinken Sie einen Schluck und versuchen Sie, die Achtsamkeit, die Sie Ihrer Nahrung entgegengebracht haben, auszuweiten. Wie fühlen Sie sich? Was fühlen Sie? Ist es warm oder kühl im Raum? Geht vielleicht ein Luftzug durch den Raum? Was für Geräusche hören Sie? Wie verhält sich das Licht um Sie herum? Versuchen Sie, sich für einen kurzen Moment als Teil eines großen Ganzen, als Ausdruck eines universellen Bewusstseins zu fühlen. Essen Sie so lange weiter, bis Sie ein angenehmes Sättigungsgefühl wahrnehmen, und beenden Sie dann Ihre Mahlzeit. Diese Übung ist ausgezeichnet dazu geeignet, mit einfachen Mitteln zu erfahren, wie sich der Zustand der Achtsamkeit anfühlt. Sie führt auch dazu, dass Sie Ihre Essgewohnheiten kritisch hinterfragen. Zudem führt die langsame Nahrungsaufnahme zu einem soliden Sättigungsgefühl und hilft dem Körper, die Nahrung effizienter und schonender zu verarbeiten. Wie viele Bewusstseinstechniken erscheint auch diese auf den ersten Blick schon fast lächerlich simpel. Doch wenn Sie sich auf den Versuch einlassen, werden Sie schnell merken, wie viel es wirklich braucht, um diese Übung tatsächlich täglich anzuwenden. Natürlich hat es keinen Sinn, sich darauf zu versteifen, immer so zu essen. Man hat nicht immer Zeit und Ruhe, und in Gesellschaft wird das Essen oft zur Nebensache. Es
reicht schon, wenn Sie hin und wieder in dieser Art und Weise essen. Bereits diese kleine Veränderung Ihrer Achtsamkeit kann durchaus dazu führen, dass Sie nur noch so viel essen, wie gut für Sie ist.
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Sie werden mit der Zeit auch beginnen, vermehrt darauf zu achten, wo Ihre Nahrung herkommt. Sie werden gesünder und genussvoller essen und Ihre Mahlzeiten als eine Oase der Ruhe nutzen können. Ohne Diättipps und Ernährungspläne, ohne Schuldgefühle und Druck durch vorgefertigte Glaubenssysteme können Sie selbstständig erkennen und zu sich nehmen, was gut für Sie ist – allein durch die Erweiterung Ihrer Wahrnehmung, durch die simple und doch so mächtige Kraft Ihres Bewusstseins.
Thomas Marthaler erforscht mit Herzblut die Tiefen des Bewusstseins und die mannigfaltigen Wege, die dorthin führen. Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
Erschienen in Lucys Rausch Nr. 1
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Herausgeber Roger Liggenstorfer Nachtschatten Verlag AG Kronengasse 11 CH-4500 Solothurn Fon: +41 32 621 89 49 info@nachtschatten.ch www.nachtschatten.ch www.lucys-magazin.com
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