AUSGABE 1/2026
Lucys
Sommer 2026 CHF 6.50 | € (D) 4,80 | € (A/LUX) 5,40
KU LT U R S P I R I T UA L I TÄT WISSEN GESUNDHEIT N AT U R
Lucys
Forum für veränderte Bewusstseinszustände
Alles, was deinen Geist bewegt
Pilze für inneres Wachstum
Psychedelische Rituale für Heilung und Wohlbefinden
Holotropes Atmen
Die Kunst der bewussten Atmung
Schweben als Menschenrecht
Reizentzug im Isolationstank
Serie
Berauschte Tiere
Lucys Nr. 1
Lucys Nr. 1
EDITORIAL
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von Markus Berger
Auf ein Neues: Lucys in frischem Gewand
Markus Berger ist Drogenforscher, Autor zahlreicher Bücher und Chefredakteur von Lucys.
Aber wir sehen die Dringlichkeit und Notwendigkeit – gerade jetzt in diesen Tagen. Denn der Hunger der Menschen nach friedvollen und transformativen Energien ist spürbar.
Als Roger Liggenstorfer und ich vor zwölf Jahren die erste Ausgabe des neuen Magazins Lucys Rausch geplant, umgesetzt und herausgebracht haben, war uns nicht klar, was in der Folge gesellschaftlich passieren würde. Als komplett eigenständiges Medium innerhalb des Nachtschatten Verlags haben wir eine Zeitschrift ins Leben gerufen, die schnell Kultstatus erlangte. Oft hörten wir, wie Kollegen und Leser Lucys Rausch als «bestes Psychedelik-Magazin der Welt» bezeichneten. Kein Wunder, stand es doch mit seiner anspruchsvollen grafischen Aufmachung und den vielen ausgewählten Beiträgen internationaler Protagonisten der Bewegung geradezu als Kunstwerk, das am Pressemarkt deutlich hervorstach. Heute treibt eine psychedelische Renaissance auf unserem Planeten ihre bunten Blüten, und unsere Szene ist offener als jemals zuvor. Auch eine neue Akzeptanz gegenüber dem Thema der Psychedelik ist eine der Randerscheinungen dieser erfreulichen Entwicklung. Das schreiben wir uns zu einem Teil mit auf unsere Fahne, haben wir die Entstehung dieser Wiedergeburt doch von Anfang an begleitet und vorangetrieben. Gleichzeitig hemmt uns – und vor allem unser Publikum – die politische Weltlage, die sich seit der CoronaPandemie und den zahlreichen Kriegsgeschehen in unserer ach so modernen und aufgeklärten Welt eingestellt hat. Pandemien, Soldaten und Raketen, irrsinnige Politiker und eine damit einhergehende Inflation stellen alle Menschen vor große
Probleme. Wer hätte gedacht, dass sich diese beiden einander diametral gegenüberstehenden Tendenzen gleichzeitig in unserer Gesellschaft manifestieren? Da ist es schon fast verrückt, in diesen Zeiten ein neues bzw. relaunchtes Magazin etablieren zu wollen. Aber wir sehen die Dringlichkeit und Notwendigkeit – gerade jetzt in diesen Tagen. Denn der Hunger der Menschen nach friedvollen und transformativen Energien ist spürbar. Dem wollen wir entsprechen und nicht den destruktiven Kräften das Feld überlassen. Aus Lucys Rausch, die von 2014 an als biannuales Periodikum den Markt der Printmagazine bereicherte, wird also nun ein Jahrbuch (Almanach) des Nachtschatten Verlags. Mit einer Rückschau auf das zurückliegende und einer Vorschau auf das jeweils bevorstehende Jahr. Lucys – Alles, was deinen Geist bewegt wird anstelle der bisherigen Zeitschrift als Quartalspublikation an den Kiosken stehen. Nun mit deutlich verringertem Umfang und damit wesentlich günstiger als zuvor. Damit sollen ab jetzt auch all jene in den Genuss unserer Veröffentlichung kommen, die sich Lucys bisher nicht haben leisten können. Unser neuer Online-Auftritt erweitert das Printprodukt um wertvolle Inhalte und mediale Zusatzangebote. Auch hier lohnt es sich zu schauen. Wir wünschen allen bisherigen und neuen Lesern viel Erhellung und Spaß mit dieser ersten RelaunchAusgabe unseres Magazins. Markus Berger, Chefredakteur
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Lucys Nr. 1
I N H A LT Seite
GESUNDHEIT
Editorial
1 Markus Berger
Seite
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Lucys Nr. 1
I N H A LT WISSEN
Seite Psycholytisches
Von Rausch, UntergrundChemikern und der Pharmaindustrie
3
TITEL THEMA
14 Microdosing
mit Amanita muscaria
Seite Holotropes Atmen
Kunst der bewussten 28 Die Atmung
K U LT U R TITEL THEMA
Seite «Ich glaube an den
42 Longevity-Aspekt von Psychedelika»
Brigitte Grof
Im Gespräch mit Anne Philippi Interview: André Steiner
Klartext von Roger Liggenstorfer N AT U R
Seite
10
Berauschte Tierwelt –
TITEL THEMA
ein evolutionärer Trip
Seite Psilocybin und
Melanie Söchtig (Serie Teil 1)
52 die Evolution
TITEL THEMA
Seite Lucy in the Sky with
56 Diamonds
Die Grenzen evolutionsbiologischer Erklärungsmodelle
Schlüsselworte der Rauschkultur
Philip Rebensburg
Seite
40
Psychoaktives aus aller Welt Giorgio Samorini
Seite «Jede fünfte Substanz
18 ist verunreinigt»
RUBRIKEN
Interview mit Kykeon Analytics
Interview: Roger Liggenstorfer
S P I R I T UA L I TÄT
Seite
38
Psychedelische Rituale für Heilung und Wohlbefinden
Seite
60
Françoise Bourzat
Hanf – Heilpflanze zwischen Ritual und Ekstase Markus Kellenberger
Claudia Müller-Ebeling (Serie Teil 1)
TITEL THEMA
Seite
Lucys Mix
Seite
Lucys Kalender
6 Aktuelle Nachrichten
22 Veranstaltungen
Seite Das Lucys-Netzwerk – weltweite Kooperation
23 Seite
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TITEL THEMA
Schweben als Menschenrecht Micky Remann
Seite DMT-Wesen
46 Begegnungen jenseits der
Seite
Lucys Mediathek
Seite
Impressum
32 Buchbesprechungen
gewöhnlichen Realität
Kevin Johann
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Abo Lucys
Lucys Nr. 1
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Begleite die psychedelische Renaissance mit einem Abo der Lucys !
Was wir in Zukunft bieten:
· tägliche Online-News auf unserer neu relaunchten Webseite · eine vierzehntägige Lucys TV auf Youtube · alle 3 Monate eine gedruckte Lucys · Präsenz auf allen gängigen Social-Medien · Regelmäßige vertiefende Podcasts
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Von Rausch, Untergrund-Chemikern und der Pharmaindustrie
Täglich geistbewegende News aus unseren diversen Rubriken sowie aus unserem weltweiten Netzwerk
Bereits ab € 20.bist du dabei!
KLARTEXT von Roger Liggenstorfer
Alles, was deinen Geist bewegt
Interessante Abo-Angebote - Print und Online!
Lucys Nr. 1
Unser Magazin trägt im Untertitel nicht mehr den Begriff «Rausch», obwohl viele Menschen sich gerne berauschen – sei es mit legalem Alkohol oder mit illegalisierten Substanzen. Dennoch möchte kaum jemand direkt mit diesem Thema in Verbindung gebracht werden. Das Thema Rausch scheidet noch immer die Geister, und Ängste werden geschürt. Unser Anliegen geht weit über den klassischen Rausch hinaus. Geistbewegende Erfahrungen umfassen nebst Substanzen alle weiteren Einflüsse, die unser Bewusstsein verändern können. Ob sportliche Aktivitäten, Reizüberflutungen, Reizentzug, Atemtechniken, Yoga, Meditation oder Trance-Tanz – viele Praktiken bewirken tiefgreifende Veränderungen. Die neue LUCYS steht für alles, was unseren Geist bewegt. Psychedelika werden heute zunehmend als Arzneimittel eingesetzt, etwa zur Therapie von Depressionen oder Traumafolgen – ihr einstiges Aussteiger-Image ist passé. Die drei Buchstaben LSD erzeugen nicht mehr die Ängste wie früher. Da viele Patente auslaufen oder neu angemeldet werden können, wächst das Interesse der Pharmaindustrie. Idealerweise sollen solche Mittel ohne unerwünschte psychedelische Effekte entwickelt werden. Traditionelle schamanische Anwendungen dienen als Inspirationsquelle, deren Nutzen meist – ungefragt – kommerziell ausgeschöpft wird. Es sind nicht nur die großen Pharmaunternehmen, die ein lukratives Geschäft wittern: Viele Neo-Psychedeliker haben anstelle des Bewusstseins
vor allem die Erweiterung ihres eigenen Egos und Kontostands im Blick. Geld zu verdienen ist grundsätzlich nichts Verwerfliches; in unserer Gesellschaft ist es sogar eine Lebensnotwendigkeit. Wenn es jedoch um Fragen des Bewusstseins geht, sollte es klare Regulierungen geben und kein verantwortungsloser Umgang mit unserer Psyche und unserem Körper zugunsten hoher Gewinne. Der Name LUCY ist auch Programm: Er steht für «Lucy in the Sky with Diamonds» (LSD) und für Lucy als einen der ersten Menschen und verkörpert damit Ursprünglichkeit – außerdem bedeutet Lucy im Lateinischen «lux» (Licht): eine weitere Bedeutung für Klarheit und Transparenz. Unser Redaktionsteam hat sich zum Ziel gesetzt, Entwicklungen kritisch zu begleiten, unseriöse Akteure zu benennen und konstruktive Impulse für die psychedelische Bewegung zu geben – und sich einer unabhängigen Berichterstattung verpflichtet. Mit über 40 Jahren Erfahrung und einem internationalen Netzwerk sieht sich der Nachtschatten Verlag in einer besonderen Position, fundierte Einblicke und Orientierung zu bieten. Lasst euch weiterhin durch unsere umfassenden und interessanten Beiträge berauschen! PS: Ein wichtiger Aspekt, der oft vergessen geht im Zusammenhang der gegenwärtigen Renaissance: Ohne die Pionierarbeit zahlreicher Untergrund-Anwender und -Hersteller wäre der aktuelle Hype wie die ganze Forschung undenkbar. Ihnen gebührt großer Respekt und Dank!
Roger Liggenstorfer ist Gründer des Nachtschatten Verlags und Herausgeber von Lucys.
Geistbewegende Erfahrungen umfassen nebst Substanzen alle weiteren Einflüsse, die unser Bewusstsein verändern können. Die neue Lucys steht für alles, was unseren Geist bewegt.
Lucys Nr. 1
Lucys Nr. 1
MIX
MIX
Das Konzept knüpft an frühere Erfahrungen der Schweiz an, etwa die kontrollierte Heroinabgabe seit den 1990er-Jahren, die gesundheitliche und soziale Schäden reduzierte. Befürworter sehen darin einen pragmatischen nächsten Schritt der Schadensminderung. Kritiker bleiben skeptisch und verweisen auf offene Fragen zu Wirkung, Kosten und Akzeptanz. Auch rechtliche Grauzonen und mögliche Normalisierungseffekte werden diskutiert. Das Genfer Projekt wird daher national wie international aufmerksam beobachtet. Quelle: Infosperber
STUDIE:
samt stabil bleibt, etwa bei weitgehend konstanten Straßenpreisen, beobachten Forschende bei anderen Substanzen eine gegenteilige Entwicklung. Insbesondere Kokain, Crack und Methamphetamin verzeichnen seit Jahren steigende Konsumzahlen. Die Teillegalisierung bleibt umstritten. Die Studienautorinnen halten ein erneutes Verbot jedoch für wenig wirksam und plädieren stattdessen für mehr Prävention und Aufklärung. Zugleich warnen sie davor, die wachsende Verbreitung anderer, teils gefährlicherer Drogen aus dem Blick zu verlieren. Quelle: DIW
Seit dem 12. April 2026 ist Lachgas (N₂O, Distickstoffmonoxid) in Deutschland nur noch stark eingeschränkt erhältlich. Grundlage ist eine Änderung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG), die bereits am 13. November 2025 vom Bundestag beschlossen wurde. Der Verkauf an Minderjährige ist nun verboten, ebenso der Onlinehandel mit dem psychoaktiven Gas. Ziel der Neuregelung ist es, den zunehmenden missbräuchlichen Konsum einzudämmen, der zuletzt durch eine breite Verfügbarkeit in Kiosken, Automaten und im Internet sowie durch öffentliche Inszenierungen in sozialen Netzwerken begünstigt wurde. Lachgas wirkt dissoziativ und wird sowohl medizinisch als Beruhigungsmittel als auch in Gastronomie, Tech-
nik und Haushalt genutzt, etwa in Sahnekapseln. Kartuschen mit bis zu 8 Gramm dürfen nur noch an Erwachsene und gegen Ausweiskontrolle verkauft werden. Die psychoaktive Wirkung wurde bereits 1772 vom Chemiker Joseph Priestley beschrieben. Neben Lachgas umfasst das Verbot auch die Stoffe GBL und BDO (Prodrugs von GHB, Liquid Ecstasy), die nur noch industriell gehandelt werden dürfen. Quelle: Bundesgesundheitsministerium
Trump unterzeichnet Lockerungen für Psychedelika-Forschung
Foto: iStockphoto/Johnce
STUDIE
Cannabis-Legalisierung ohne starken Konsumanstieg Deutschland – Zwei Jahre nach der Teil-Legalisierung von Cannabis zieht eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) eine gemischte Bilanz. Demnach ist der Konsum unter Erwachsenen entgegen früherer Befürchtungen zunächst nicht signifikant gestiegen. Deutlich verändert hat sich hingegen die Kriminalstatistik: Die Zahl der registrierten Cannabisdelikte sank stark – von rund 174.000 im Jahr 2023 auf etwa 62.000 im Jahr 2024. Grund ist vor allem, dass Besitz und Anbau kleiner Mengen seit der Reform nicht mehr strafbar sind. Während der Cannabismarkt insge-
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Lachgas nur noch eingeschränkt erhältlich
Foto: iStockphoto/nensuria
NEWS
Genf testet kontrollierte Kokainabgabe für Schwerabhängige Genf – Mit einem bislang einzigartigen Pilotprojekt will das Universitätsspital schwer abhängigen Crack-Konsumenten erstmals pharmakologisch kontrolliertes Kokain verschreiben. Der Ansatz folgt dem Schweizer VierSäulen-Modell und versteht Sucht primär als Gesundheitsproblem. Hintergrund ist die stark gestiegene Zahl von Betroffenen und eine zunehmend sichtbare Drogenszene. Projektleiter Daniele Zullino betont den therapeutischen Charakter: Die Substanz werde ärztlich verordnet und unter medizinischer Aufsicht abgegeben, auch in rauchbarer Form. Ergänzend sollen länger wirkende Amphetamine den Suchtdruck senken.
Lucys
Foto: iStockphoto/smartboy10
Lucys
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Du bist nicht im Universum. Das Universum ist in dir.
US-Präsident Donald Trump hat am 18. April eine Verordnung unterzeichnet, die die Forschung an psychedelischen Substanzen in den USA erleichtern soll. Ziel ist es, Studien zu möglichen therapeutischen Anwendungen von Wirkstoffen wie Psilocybin, LSD und Ibogain zu beschleunigen. Geplant ist der Abbau bürokratischer Hürden sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen der Arzneimittelbehörde FDA und dem Veteranenministerium, um klinische Studien effizienter durchzuführen und Daten schneller auszutauschen. Bei der Unterzeichnung im
Weißen Haus waren unter anderem Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sowie medizinische Experten anwesend. Auch Podcaster Joe Rogan unterstützte das Vorhaben. Obwohl die Substanzen in den Vereinigten Staaten weiterhin als missbrauchsanfällig gelten und nicht zugelassen sind, soll die Regelung langfristig eine Neubewertung ermöglichen. Hintergrund ist die Suche nach besseren Therapien für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Posttraumatische Belastungsstörungen, insbesondere bei Veteranen. Quelle: lucys-magazin.com
Spirituelles Wachstum, Sinnfindung und positive Lebensgestaltung: Markus Berger erschließt die transformierende Kraft von Psychedelika, um Räume für tiefe Selbsterkenntnis zu öffnen. Dieses umfassende Grundlagenwerk ist der verlässliche Kompass, um psychedelische Erfahrungen zu verstehen, sie nachhaltig in den Alltag zu integrieren und zum bewussten Schöpfer des eigenen Lebens zu werden. ISBN 978-3-7787-9340-4 | 320 Seiten | Geb. mit SU | 24,- € [D] Erscheint am 30.09.2026 jetzt vorbestellen!
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WHERE HOFMANN AND MCKENNA WOULD HANG OUT IN BERLIN.
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LSD • KRATOM • MUSHROOMS • BLUE LOTUS • KANNA • KAVA • IBOGA • B2B • BULK MICRODOSING PROTOCOLS FADIMAN PROTOCOL
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Berauschte Tierwelt –
SERIE (1)
ein evolutionärer Trip Melanie Söchtig
Zugedröhnte Bienen, aufgeputschte Ziegen, betrunkene Affen – die Lust, sich an psychoaktiven Substanzen zu berauschen, zieht sich durch das gesamte Tierreich und ist vermutlich älter als die Menschheit selbst. Was wir mit unseren tierischen Verwandten gemeinsam haben und in welchen «Disziplinen» sie uns sogar noch übertreffen, klären wir in dieser Reihe. Wir schreiben das 9. Jahrhundert nach Christus. Irgendwo im Hochgebirge des heutigen Äthiopiens wartet der Ziegenhirte Kaldi darauf, dass seine Schützlinge zur Ruhe kommen. Doch in dieser Nacht ist etwas anders: Statt sich wie sonst hinzulegen und die Beine auszustrecken, hüpfen die Ziegen rastlos umher, meckern aufgeregt und verdrehen wild die Augen. Von diesem merkwürdigen Verhalten neugierig geworden beobachtet Kaldi, wie seine Ziegen pausenlos die roten Früchte eines Strauches naschen und zählt eins und eins zusammen.
Wer hat‘s erfunden? So oder so ähnlich hat der moderne Mensch (Homo sapiens sapiens) laut einer Legende die stimulierende Wirkung des Kaffees (Coffea arabica) entdeckt. Ziegen waren vermutlich auch das Vorbild für den heute vor allem im Nahen Osten und in Ostafrika weit verbreiteten Kath-Konsum. Und es gibt noch viele weitere Beispiele von Tieren, welche die Menschheit durch ihr Verhalten zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen inspiriert haben.
So sollen Eingeborene in den Wäldern Gabuns und Kongos Überlieferungen zufolge auf die visionären Eigenschaften der Iboga (Tabernanthe iboga) aufmerksam geworden sein, weil sie Wildschweine, Stachelschweine und Gorillas dabei beobachtet haben, wie sie die Wurzeln der Pflanze ausgruben und verzehrten.
Die Wurzeln der Trinkfestigkeit Auch der Verzehr von Alkohol ist keine Erfindung der Menschen. Zwar stammen die ältesten archäologischen Hinweise auf die kontrollierte Fermentation aus China und dem Nahen Osten und reichen 9000 bis 13000 Jahre zurück. Doch die Vorfahren des Homo sapiens könnten bereits vor rund zehn Millionen Jahren auf den Geschmack gekommen sein. So hat ein Forschungsteam herausgefunden, dass in der Entwicklungsgeschichte der Primaten zu dieser Zeit eine entscheidende Mutation stattgefunden hat, die mit einem verbesserten Abbau von Ethanol durch das Enzym Alkoholdehydrogenase 4 einhergegangen ist.
Lucys Nr. 1 sie dabei auf das Ergebnis, dass jeder Affe hochgerechnet 14 Gramm Ethanol täglich aufnimmt. Das entspricht in etwa einem Glas Wein (125 ml; 14 % Vol.). Bei diesem Vergleich ist allerdings zusätzlich zu beachten, dass Schimpansen nur ungefähr die Hälfte des Körpergewichts eines ausgewachsenen Menschen auf die Waage bringen. Dass auch andere Säugetiere dem Genuss von Alkohol nicht abgeneigt sind, legt der Dokumentarfilm «Die lustige Welt der Tiere» (Originaltitel: «Animals Are Beautiful People») des Regisseurs Jamie Uys aus dem Jahr 1974 nahe. Dort sieht man, wie unter anderem Paviane, Elefanten und Giraffen von den überreifen Früchten des Marula-Baums (Sclerocarya birrea) naschen und danach torkelnd von dannen ziehen.
Der «vierte Trieb» Im Gegensatz dazu haben Bienen nach dem Konsum von bis zu 20-prozentigem Ethanol ähnliche Ausfälle wie Menschen. Bienen bevorzugen zudem offensichtlich Nektar, der Nikotin und Koffein enthält gegenüber
Animalische Alkoholiker Erst kürzlich haben Forschende im Rahmen einer Studie wild lebende Schimpansen an der Elfenbeinküste und in Uganda dabei beobachtet, wie sie vergorene Früchte zu sich nehmen und daraus deren Alkoholkonsum berechnet. Ausgehend von einer durchschnittlichen Verzehrmenge von 4,5 Kilogramm Früchten pro Tag kamen Foto: iStockphoto/borchee
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solchem, der die begehrten Stoffe nicht enthält. Hoch im Kurs steht außerdem der Nektar der psychoaktiven Orchideen-Art Epipactis helleborine, der unter anderem das Opioid Oxycodon enthält. Wespen, Bienen, Hummeln und andere Insekten wurden dabei beobachtet, wie sie nach der Aufnahme des Nektars gelähmt und schläfrig wurden. Dadurch verweilten sie deutlich länger als gewöhnlich in der Blüte, was die Chance einer Bestäubung erhöht. Wie die Beispiele oben sowie viele weitere, von denen einige im Rahmen einer Serie in den nächsten Heften vorgestellt werden, veranschaulichen, finden sich in nahezu allen Stämmen des Tierreiches Vertreter, die dem Rausch frönen. «Dieses Verhalten ist so stark und hartnäckig, dass es wie ein Trieb funktioniert, genau wie unser Hunger-, Durst- und Sexualtrieb», schrieb der Psychopharmakologe Ronald K. Siegel (19432019). «Dieser ‹vierte Trieb› ist ein natürlicher Teil unserer Biologie und erzeugt das unbändige Verlangen nach Drogen.»
Melanie Söchtig ist Biologin und freie Journalistin. www.schreib-soechtig.de Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
Fotos: iStockphoto/egon69; undefined; Goran Safarek; Przemyslaw Iciak)
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Paul Stamets bei AT
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GESUNDHEIT
FALLBERICHT
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Die Frau nahm über mehrere Wochen täglich kleine Stücke des getrockneten Pilzes bzw. geringe Mengen eines Aufgussgetränks ein. Die Effekte waren von subtiler Natur, hatten aber stabilisierende Wirkung:
Psycholytisches Microdosing mit Amanita muscaria
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Die Depression und Angstzustände gingen deutlich zurück.
Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) ist eine der bekanntesten Pilzarten – und eines der ambivalentes-
•
Die Schlafqualität verbesserte sich spürbar.
•
Erinnerungsvermögen und Konzentration nahmen zu.
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Zwischenmenschliche Gespräche verliefen klarer und strukturierter.
•
Körperlich bemerkte sie leichte, vorübergehende Kopfschmerzen und Magenbeschwerden.
ten Gewächse überhaupt. Während er in der Volkskultur oft als Inbegriff für tödlich giftige Pilze gilt, ist er gleichzeitig ein geradezu universelles Glückssymbol. Darüber hinaus zeigen historische Quellen, pharmakologische Studien und jüngere Erfahrungsberichte, dass der Fliegenpilz in geringen Mengen auch therapeutisches Potenzial entfalten kann. Ein Fallbericht aus dem Jahr 2023 dokumentiert die Praxis des psycholytischen Microdosings mit Amanita muscaria und beleuchtet sowohl die potenziellen therapeutischen Möglichkeiten als auch deren Grenzen.
Ibotensäure und Muscimol In der Kulturgeschichte wurde und wird Amanita muscaria in Europa, Sibirien und möglicherweise sogar in vedischen Ritualen verwendet. Pharmakologisch entscheidend sind zwei Inhaltsstoffe: Ibotensäure und Muscimol. Während Ibotensäure neurotoxisch wirken kann, verwandelt sie sich durch Trocknen oder Erhitzen via Decarboxylierung teilweise in Muscimol (weshalb Ibotensäure auch Prämuscimol genannt wird). Muscimol entfaltet eine starke Bindung an GABA-Rezeptoren und wirkt sedativ, anxiolytisch und schlaffördernd. Studien zeigen zudem entzündungshemmende sowie neuro- und hepatoprotektive Eigenschaften.
Besonders auffällig war der völlige Wegfall ihrer zuvor ausgeprägten Zuckersucht: Der tägliche Konsum von Süßigkeiten und Fertigprodukten hörte abrupt auf. Stattdessen kochte sie frisch und gesund. Ein ärztlich veranlasster Bluttest zeigte keinerlei Organschäden; im Gegenteil: Die Leberwerte hatten sich signifikant verbessert.
Geprägt vom Kindheitstrauma Im Zentrum des wissenschaftlich verifizierten Fallberichts steht eine Frau Anfang dreißig, deren Leben von schwerer Kindheitstraumatisierung geprägt war. Sie litt seit ihrer Jugend unter Depressionen, Panikattacken, Angststörungen und Schlaflosigkeit. Konventionelle Medikamente wie Escitalopram, Propranolol und Quetiapin führten bei ihr gravierende Nebenwirkungen herbei und verstärkten eher das Gefühl von Entfremdung. Auch die spätere Behandlung mit Lisdexamfetamin aufgrund einer ADHS-Diagnose brachte nur begrenzte und zeitweilige Linderung.
Verdrängte Emotionen Die Probandin erlebte die Wirkung des Pilzes nicht in Form eines klassischen Rauschs, sondern eher als sanfte Unterstützung, die verdrängte Emotionen an die Oberfläche brachte. Immer wieder kam es zu kathartischen Episoden, in denen sie Bewegungen, Laute oder intensive Gefühle ausagierte. Dabei erlebte sie das Auftauchen des «inneren Kindes» und empfand das Pilzerlebnis als behutsame Begleitung bei der Traumaverarbeitung.
Der Pilz erscheint im Traum Nach dem Ende einer mehrjährigen Psychotherapie und nach Absetzen der Medikamente kam es zu einem massiven Burnout. In dieser Krise erlebte sie einen Traum, in dem ihr geraten wurde, Fliegenpilze in einem bestimmten Waldstück zu sammeln und in kleiner Menge einzunehmen. Tatsächlich fand sie die beschriebenen Pilze und begann – nach anfänglicher Furcht vor einer eventuellen Toxizität – vorsichtig zu experimentieren. Sie trocknete die Pilze in der Sauna, probierte einige Tropfen des austretenden Saftes und erlebte prompt eine tranceartige, aber positive Erfahrung, die sich in gesteigerter Sinneswahrnehmung, Auflösung von Angst und einer ersten Begegnung mit ihrem «inneren Kind» äußerte. Foto: iStockphoto/Vizerskaya
Ihre Haltung zu ADHS änderte sich ebenfalls: Statt ihre Vielwahrneh-
NACHTSCHATTEN
NEUHEITEN
Lucys Nr. 1
Option Psycholyse
Entwicklung alternativer Therapieansätze
Die Studie ordnet den Fall in größere Kontexte ein. Forschungen von Gabor Maté betonen, dass ADHS häufig Ausdruck frühkindlicher Traumata ist. Auch Diagnosen wie Hochsensibilität oder Autismus könnten teilweise traumabedingte Ausdrucksformen sein. Das psycholytische Arbeiten
Foto: iStockphoto/Frazao Studio Latino
Die Fallstudie zeigt exemplarisch, wie Menschen in einer von Überlastung und unzureichender psychiatrischer Versorgung geprägten Gesellschaft nach alternativen Heilwegen suchen. Selbstermächtigung, Intuition und
PAPER ZUM FALL: Turkia, M. (2023), Psycholytic dosing or ’microdosing’ of Amanita muscaria (red fly agaric) mushrooms—A retrospective case study, 10.13140/ RG.2.2.23803.90407
Hanf und Spiritualität ist eine Einladung, Cannabis als uralte Lehrerpflanze neu zu entdecken – nicht als Konsumgut, sondern als heilige, transformierende Kraft. Der Autor und Anwender Sun Dragon verbindet moderne Cannabisforschung mit indigenem Wissen, Ritualen und Archetypenarbeit. Er zeigt, wie das EndocannabinoidSystem als »spirituelles Organ« Körper, Geist und Seele verbindet, und bietet praktische Anleitungen für bewusste Rituale, Atemarbeit und Vitalstoffbegleitung. Hanf steht hier als Symbol für eine wilde, heilende und schöpferische Energie, die in jedem Menschen ruht. Mit historischen Hintergründen, spirituellen Impulsen und erprobten Methoden lädt dieses Werk dazu ein, alte Muster zu lösen, die eigene Urkra zu erwecken und Cannabis als
Brücke zwischen Mensch, Natur und Kosmos zu nutzen.
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Sun Dragon
Hanf und Spiritualität Handbuch für geistiges Wachstum und Transformation mit Cannabis
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Esther Steinmann
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Cannabis bei Multipler Sklerose Wie THC meine Beine beflügelte
Hanf und Spiritualität Handbuch für geistiges Wachstum und Transformation mit Cannabis
World Wide Weed Der große Cannabisführer. Tradition - Recht - Reise
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Psychonautik & Psychologie
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mit Amanita muscaria könnte hier eine Ressource sein, da die Substanz keine überwältigenden Halluzinationen hervorruft, sondern sanft an verdrängte Inhalte heranführt. Zugleich wird auf die Risiken hingewiesen: Hohe Dosen können zu Verwirrung, Krämpfen oder Koma führen. Nur durch sorgfältige Zubereitung – Trocknen, Erhitzen, Aufguss – lässt sich die unbekömmliche Ibotensäure reduzieren. Auch individuelle Kontraindikationen, etwa bei Psychosen, sind zu beachten.
Die Erfahrung der Probandin mit Amanita muscaria zeigt, dass der Pilz in sehr niedriger, bewusst eingesetzter Dosis ein bemerkenswertes Potenzial entfalten kann. Er erleichterte ihr den Zugang zu inneren Prozessen, stabilisierte ihre Stimmung und führte sogar zu messbaren gesundheitlichen Verbesserungen. Obwohl es sich nur um eine Einzelfallstudie handelt, wirft sie wichtige Fragen für zukünftige Forschung und die Entwicklung alternativer Therapieansätze auf. Amanita muscaria erscheint damit nicht als «gefährlicher Giftpilz», sondern als mögliches Werkzeug in der psycholytischen Selbsttherapie – eine Substanz, die mehr verdient als Angst oder romantisierende Mythen: nämlich wissenschaftliche, kulturelle und klinische Aufmerksamkeit. (red)
Hanf in allen Facetten Handbuch für geistiges Wachstum und Transformation mit Cannabis
naturbasierte Praktiken können dabei wichtige Rollen übernehmen. Der Fall verdeutlicht auch, dass Heilung oft weniger durch Unterdrückung von Symptomen geschieht als durch die Wiederverbindung mit verdrängten Gefühlen und inneren Anteilen.
Hanf und Spiritualität
mung pathologisch zu sehen, verstand sie diese als Teil ihrer Persönlichkeit. Medikamente, die sie «angepasst» hätten, erschienen ihr nun als unterdrückend. Sie bezeichnete Amanita muscaria als «Präzisionsmedizin» – vor allem gegen Panikattacken und Schlafstörungen.
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Sun Dragon
GESUNDHEIT
FALLBERICHT
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Beispiele von Kunst, die aus inneren Reisen hervorgegangen ist – von visionären Genies und großen spirituellen Traditionen der Welt bis hin zu kostbaren Höhlenmalereien
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einer äußeren, weltlichen Ausrichtung hin zu einer tieferen Verbindung mit der inneren heilenden Intelligenz und unserem wahren spirituellen Wesen.
Sprecherin: Christine Heidrich
Dieses Buch vermittelt Brigittes positive Botschaft anhand berührender persönlicher Geschichten und zahlreicher Beispiele schöner spiritueller Kunst. Ihre zentrale Erkenntnis: Die Antworten, die Führung und die Heilung, nach denen wir suchen, finden wir tief in uns selbst.
Bilder aus verborgenen Welten
ISBN 978-3-03788-712-7
Brigitte Grof
Holotrope Kunst - Paperback Cover v2.indd 1
Brigitte Grof
Katrin Schuster
Die letzte Reise Bewusstsein und das Mysterium des Todes
Holotrope Kunst Bilder aus verborgenen Welten
Die Nacht gehört den Geistern Die visionäre Welt einer blinden Seherin
ISBN 978-3-03788-715-8 342 Seiten, 14,8 × 21 cm, Softcover
Foto: iStockphoto/Lumezia
31/07/2025 13:14
Stanislav Grof
Hardcover: ISBN 978-3-03788-709-7 Softcover: ISBN 978-3-03788-712-7 196 Seiten, 18,5 × 26 cm
Nachtschatten Verlag Kronengasse 11 CH - 4500 Solothurn
ISBN 978-3-03788-802-5 144 Seiten, 14,8 × 21 cm, Softcover
TEL +41 (0)32 621 89 49 info@nachtschatten.ch www.nachtschatten.ch
INTERVIEW
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GESUNDHEIT
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«Jede fünfte Substanz ist verunreinigt» Interview mit Hans Oeri von Kykeon Analytics Interview: Roger Liggenstorfer
Fotos: zvg
Kykeon Analytics ist ein gemeinnütziges Unternehmen, das analytische Lösungen zur Schadensminderung im Bereich der psychoaktiven Substanzen bereitstellt. Das Projekt arbeitet mit Konsumenten und Organisationen zusammen, um sichere und wissenschaftlich fundierte Informationen zugänglich zu machen. Zur Unterstützung von Forschung und Prävention werden Spektralbibliotheken erstellt, die kostenfrei zur Verfügung stehen und Leben retten sowie den wissenschaftlichen Fortschritt fördern sollen. Zudem bietet Kykeon Analytics analytische Testdienstleistungen zu fairen Konditionen an. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der anonymen Marktüberwachung, um Verfälschungen, Fehldeklarationen und neuartige Substanzen frühzeitig zu erkennen. Bei der Entdeckung gefährlicher Stoffe werden entsprechende Warnungen und Hinweise veröffentlicht, um den Gesundheitsschutz der Öffentlichkeit zu unterstützen. Wir haben mit Gründer und CEO Hans Oeri gesprochen.
Was war die ursprüngliche Motivation, Kykeon Analytics zu gründen – und welche Lücke füllt ihr im Bereich Schadensminderung? Die ursprüngliche Idee hinter Kykeon war es, einen Service zu schaffen, der etwas Klarheit in den Bereich der neuen und semi-legalen psychoaktiven Substanzen (oft als Research Chemicals bezeichnet) bringt. Damals war mir bewusst geworden, dass es eine große Anzahl an Onlineshops gab, die Substanzen «zu Forschungszwecken» verkauften – obwohl klar war, dass es sich durchweg um
psychoaktive Substanzen handelte und die Kunden diese auch konsumierten. Zu dieser Zeit bestellte ich viele dieser Substanzen und brachte sie zu einem lokalen Drug-Checking-Service in Vancouver, wo mir jedoch gesagt wurde, dass deren Infrarotspektroskop (FTIR) die Substanz nicht identifizieren könne, da die erforderliche Spektrenbibliothek nicht verfügbar sei. Also beschloss ich, selbst etwas zu tun, und begann damit, eine eigene Spektrenbibliothek aufzubauen. Außerdem führte ich unabhängige Testkäufe und Analysen bei allen mir bekannten Onlinehändlern durch. Um dies auf legale Weise umzusetzen, gründete ich die Organisation Kykeon und begann, Substanzen systematisch zu testen. Ich erkannte auch, dass ich präzisere Werkzeuge als nur FTIR benötigte, und so bauten wir gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten ein High-TechLabor in Spanien auf, um Substanzen mittels Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) und Massenspektrometrie analysieren zu können. Auch wenn unsere Arbeit inzwischen erheblich ausgeweitet wurde, liegt ein besonderer Fokus nach wie vor auf neuartigen Substanzen. Wir veröffentlichen regelmäßig die Ergebnisse unseres VendorMonitorings auf unserer Website, sodass Nutzer sehen können, welche Händler es gibt, welche von ihnen reine Substanzen verkaufen und welche Betrug betreiben.
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Viele Menschen wissen nicht, was tatsächlich in den Substanzen steckt, die sie konsumieren. Kannst du ein Beispiel nennen, wo eure Analysen möglicherweise Leben gerettet haben? Leider sind Verfälschungen sehr häufig. Über 20 Prozent aller Muster, die wir testen, enthalten Verunreinigungen oder Streckmittel. Stell dir das einmal vor: Das bedeutet, dass du jedes fünfte Mal, wenn du eine ungetestete Substanz konsumierst, wahrscheinlich etwas mit einer Verunreinigung oder Verfälschung einnimmst! Eines der deutlichsten Beispiele ist unsere Gesundheitswarnung vom Juni 2024, als wir Etomethazen, ein starkes Nitazen-Analog-Opioid, in einem Produkt nachwiesen, das als Gidazepam (ein Benzodiazepin) verkauft worden war. Dieser Fall war besonders alarmierend, da
Leider sind Verfälschungen sehr häufig. Über 20 Prozent aller Muster, die wir testen, enthalten Verunreinigungen oder Streckmittel. sich die erwarteten Wirkungen von Gidazepam und Etomethazen grundlegend unterscheiden. Jemand, der glaubte, ein Anxiolytikum einzunehmen, hätte nicht mit der starken Atemdepression gerechnet, die durch ein potentes Opioid ausgelöst wird. Das Risiko einer Überdosierung war extrem hoch – insbesondere in Kombination mit anderen dämpfenden Substanzen wie Alkohol oder echten Benzodiazepinen.
währungen zu bezahlen, wenn du völlig anonym bleiben möchtest. Natürlich können aber auch traditionelle Zahlungsmethoden gewählt werden. Anschließend verpackst du eine kleine Menge deiner Probe (~50 mg) in einem Ziplock-Beutel, legst diesen Beutel in einen Umschlag und sendest ihn an unser Labor in Spanien. Über unser Onlineportal kannst du den Fortschritt deiner Analyse verfolgen und nach etwa einer Woche erhältst du deine Ergebnisse. Die Ergebnisse werden in Form eines detaillierten Analyseberichts ausgegeben, der einen klaren Überblick über die Befunde sowie alle analytischen Daten enthält. Standardmäßig sind alle Ergebnisse privat und werden nur mit dem Nutzer geteilt, der die Analyse in Auftrag gegeben hat. Wir bieten jedoch auch einen kostenlosen «Resultsharing»-Service an, bei dem Nutzer ihre Ergebnisse anonym mit der Öffentlichkeit teilen können – falls sie dies wünschen.
Ihr bietet anonyme Tests für Nutzer an. Wie läuft so ein Prozess ab – vom Einsenden der Probe bis zum Ergebnis? Der Ablauf ist sehr einfach und vollständig anonym. Du gehst in den Shop auf unserer Website und wählst eine Analyse-Option aus. Dabei kannst du je nach Budget und je nachdem, ob du nur qualitative oder vollständig quantitative Ergebnisse möchtest, aus vielen Optionen wählen. Beim Checkout musst du lediglich eine gültige E-MailAdresse angeben (damit wir dir die Ergebnisse zusenden können). Außerdem besteht die Möglichkeit, mit Krypto-
Hans Oeri, CEO von Kykeon Analytics
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Warum ist es euch wichtig, eure Spektrenbibliothek kostenlos zur Verfügung zu stellen, obwohl diese Daten eigentlich sehr wertvoll sind? Von Anfang an war Kykeons Mission, Schadensminderung (Harm Reduction) zu fördern und zu unterstützen. Spektrenbibliotheken sind ein erheblicher Kostenfaktor, der es vielen Drug-Checking-Gruppen erschwert, ihre Arbeit fortzuführen. Deshalb wollten wir etwas kostenlos zur Verfügung stellen, um Drug-Checking-Gruppen weltweit dabei zu helfen, Leben zu retten und sichereren Drogenkonsum zu fördern. Unsere offene Spektrenbibliothek ist genau dafür gedacht, diese Einschränkungen zu überwinden. Indem wir die Daten kostenlos zugänglich machen, können Organisationen neue Substanzen schneller identifizieren – ohne finanzielle Hürden und auf eine Weise, die sich an die Realität des Marktes anpasst. Genauso wichtig ist, dass unsere Bibliothek partizipativ ist: Wir laden Dienste und Labore aktiv dazu ein, neue Spektren vorzuschlagen, damit die Datenbank direkt als Reaktion auf das wächst, was den Menschen im Feld tatsächlich begegnet. Wie seht ihr die Zukunft: Wird die Nachfrage nach Substanztests und unabhängiger Marktüberwachung eher wachsen oder abnehmen?
Ihr beobachtet anonym den Markt. Wie oft stoßt ihr dabei auf Falschdeklarationen oder gefährliche Verunreinigungen? Während des Vendor-Monitorings entdecken wir in etwa 14 Prozent aller Fälle verfälschte oder falsch deklarierte Produkte. Das liegt zwar etwas unter der Verfälschungsrate von Straßendrogen, ist aber dennoch erheblich. Oft stellen wir fest, dass die Händler selbst gar nicht wissen, dass sie etwas Verfälschtes verkaufen. Deshalb gilt: Überprüfe immer die Ergebnistabelle auf unserer Website und lasse deine Substanz testen, bevor du sie konsumierst. Welche Rolle spielt Technologie wie NMR (Kernspintomografie) und LC-MS (Liquid-Chromatografie-Massenspektometrie) dabei, Menschen vor Risiken zu schützen? LC-MS ist eine hochsensitive Analysemethode, die es uns ermöglicht, Verunreinigungen selbst in Spurenmengen
nachzuweisen. So können wir zum Beispiel Fentanyl und Nitazene in Proben identifizieren. Sie ist außerdem sehr nützlich für die Analyse von Ethnobotanika wie Pilzen und Ayahuasca. NMR hingegen ist eine Technik, die uns hilft, die Struktur von Molekülen zu bestimmen und die Reinheit von Proben zu messen. Zusammen eingesetzt, zeigen NMR und LC-MS dem Nutzer, wie rein seine Substanz ist und ob sie etwas Unerwartetes enthält.
Ganz sicher, ja – Drug Checking wächst jeden Tag, da immer mehr Städte und Kommunen dessen Bedeutung erkennen. Doch es braucht eine klarere rechtliche Absicherung für Drug-Checking-Dienste und mehr öffentliche Finanzierung, damit alle Menschen, die es benötigen, auch Zugang dazu haben. In diesem Sinne glauben wir, dass Drug Checking sich von etwas Außergewöhnlichem zu etwas Selbstverständlichem entwickeln wird – so normal wie Qualitätskontrollen bei Lebensmitteln und Medikamenten. Solange Drogen unreguliert bleiben, wird Drug Checking eine entscheidende Rolle spielen. Drogenkonsum hat es immer gegeben und wird es auch weiterhin geben – was bedeutet, dass es immer eine Zielgruppe für diese Dienste gibt. Gleichzeitig wird der Drogenmarkt selbst immer komplexer, was Tests unverzichtbar macht. Menschen, die Drogen konsumieren, sind sich auch zunehmend der Risiken bewusst, sodass mit einer wachsenden Nachfrage nach Analysen zu rechnen ist. Es gibt schlicht mehr Sensibilität und Nachfrage nach verlässlichen Informationen als je zuvor. Wenn du eine Botschaft direkt an Menschen richten könntest, die neue Substanzen ausprobieren wollen – was wäre dein wichtigster Rat? Neugier ist menschlich, doch Vorsicht ist Weisheit. Selten
sind Drogen selbst die Hauptursache für Todesfälle – es ist die Unwissenheit, die tötet. Und wenn wir über neue psychoaktive Substanzen sprechen, ist das Problem noch größer, da nur sehr wenig wissenschaftliche Forschung über ihre Wirkungen, Risiken und sichere Dosierungen existiert. Deshalb ist der erste Schritt, so viele Informationen wie möglich zu suchen. Auch wenn akademische Studien rar sind, gibt es dennoch wertvolle gemeinschaftsgetragene Ressourcen wie PsychonautWiki, Erowid, den Nachtschatten Verlag und andere Harm-Reduction-Plattformen, auf denen Wissen geteilt wird. Doch ebenso wichtig ist die Information über die Zusammensetzung: Vertraue niemals einer Substanz nur aufgrund ihres Namens, ihres Aussehens oder der Aussage des Händlers. Teste sie immer vor dem Konsum und gehe vorsichtig damit um – insbesondere bei unbekannten oder neuartigen Substanzen. Dieser zusätzliche Schritt der Vorsicht kann tatsächlich Leben retten. Lucys Nr. 2
Ein Beitrag zur Geschichte des Drug Checkings erscheint in der nächsten Ausgabe.
Mehr zu diesem Thema? Eine Langfassung des Artikels findet sich auf www.lucys-magazin.com
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KALENDER
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Das Lucys-Netzwerk – weltweite Kooperation
17. - 19. Juli
Cannafest Karlsruhe Hanfmesse
www.cannafestival.de
15. - 17. September
25. - 27. September
CB Expo Dortmund
CannaFriends Ilsede
www.cb-expo.com
www.canna-friends.de
Hanfmesse
Unser Lucys-Netzwerk-Verzeichnis bietet internationalen Stiftungen, Organisationen, Retreatanbietern und Vereinen eine eigene Plattform – hier im Magazin wie auch digital. Das Verzeichnis wird als Gemeinschaftsproduktion des Magazins Lucys, des Nachtschatten Verlags und der Psychedelia-Stiftung präsentiert. Es dient als Wegweiser für weltweite Angebote rund um psychedelische Themen.
Hanfmesse
Das Lucys-Netzwerk wird über alle Kanäle von Lucys und dem Nachtschatten Verlag verbreitet (u.a. Social Media, TV, Podcast, Newsletter) und erscheint in deutscher und englischer Sprache.
Auch dabei sein? Organisationen, die an einem Eintrag interessiert sind, schreiben eine E-Mail:
2. - 4.
9. - 10.
Oktober
Oktober
Cultiva Wien Hanfmesse
www.cultiva.at
ALPS Conference, Aarau (CH)
Aktuelle Termine auf der Webseite www.lucys-netzwerk.com
Psychedelik-Symposium www.alpsconference.com
Köstliche Kräuterkicks für jede Gelegenheit! Energetisch, schwerelos oder sinnlich.
Die Lucys-Redaktion garantiert, an dieser Stelle nur ausgesuchte, seriöse und vertrauenswürdige Organisationen vorzustellen.
Die Psychedelia-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung in Deutschland für Bildung, Forschung und kulturellen Dialog zum verantwortungsvollen Umgang mit psychedelischen Erfahrungen und deren Potenzial für Gesellschaft, Gesundheit und Kultur. Zentrale Themenfelder • Unterstützung und Initiierung interdisziplinärer Forschung zu Wirkmechanismen, Anwendungssicherheit und ge-
Die pflanzlichen Erfrischungen aus unserer Berliner Manufaktur. www.sensatonics.de
Weitere Einträge online:
www.lucys-netzwerk.com
Psychedelia-Stiftung
Sensatonics
auf Instagram
Foto: iStockphoto/luchezar
redaktion@lucys-magazin.com
sellschaftlicher Relevanz psychedelischer Substanzen sowie deren evidenzbasierter Nutzung im wissenschaftlichen Diskurs.
klärung, Entstigmatisierung und gesellschaftlichen Akzeptanz von Psychedelika in Medizin, Kultur und Persönlich-
• Durchführung von Workshops, Tagungen und Seminaren für Fachpublikum und Interessierte, um aktuelles Wissen und praktische Ansätze mit Fokus auf Sicherheit und Professionalität zu vermitteln.
www.psychedelia-stiftung.de
• Förderung eines offenen, sachlichen und verständlichen Dialogs über veränderte Bewusstseinszustände zur Auf-
keitsentwicklung.
→Siehe hierzu auch Seite 27
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NETZWERK
ALPS Foundation
OPEN Foundation
PsyDAO
Die Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) ist eine führende gemeinnützige Organisation mit Sitz in den USA, die sich seit 1986 der Förderung von wissenschaftlich fundierter und ethisch verantwortungsvoller psychedelischer Forschung, Therapie und politischen Reformen widmet. MAPS feiert dieses Jahr ihren 40. Geburtstag.
Die ALPS Foundation (Awareness Lectures on Psychedelics in Switzerland) ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in der Schweiz, die sich darauf spezialisiert hat, Fachleute und die breite Öffentlichkeit durch evidenzbasierte Forschung und Bildung zu psychedelischer Therapie sowie Bewusstseinsbildung zu informieren.
Die OPEN Foundation ist eine führende gemeinnützige Organisation mit Sitz in den Niederlanden, die sich seit 2007 der Förderung von wissenschaftlich fundierter und ethisch verantwortungsvoller psychedelischer Forschung und Therapie widmet.
PsyDAO ist eine dezentrale autonome Organisation, die darauf abzielt, Forschung, Kultur und Innovation im Bereich der Psychedelika voranzubringen – sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch. Dies geschieht über dezentralisierte Finanzierung, Crowdfunding und die gemeinschaft-
Zentrale Themenfelder
Zentrale Themenfelder
1) Forschung und klinische Studien zu psychedelisch unterstützten Therapien, insbesondere für psychische Gesundheitsstörungen.
1) Vermittlung von evidenzbasierter psychedelischer Bildung und die Förderung community-orientierten Lernens für Fachleute und die Öffentlichkeit durch die ALPS-Konferenz, eine Summer School und Studentenforen.
3) Internationale und interdisziplinäre Vernetzung durch die MAPS Psychedelic Science Conference – das weltweit größte Fachtreffen zur psychedelischen Wissenschaft. 4) Politische Advocacy-Arbeit zur Reform der Drogengesetze und Förderung eines wissenschaftlich fundierten und humanen Psychedelika-Umgangs. 5) Entwicklung und Förderung von Konzepten zur Schadensminimierung («Harm Reduction») und Integration mit Informationsmaterial, OnlineRessourcen und Community-Angeboten.
www.maps.org
2) Die Stiftung agiert in drei gleichwertigen Sektoren: Professionelle Beratung/ Forschung, Community Building und frei zugängliche Medienangebote. 3) Ziel ist die sichere, legale und breit zugängliche Anwendung psychedelischer Therapien und die menschenfreundliche Entwicklung einer aufgeklärten Gesellschaft.
www.alps.foundation
TERMINE: ALPS-Konferenz 9. Oktober 2026 Aarau/Schweiz
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NETZWERK
MAPS
2) Wissenschaftlich-ethische Ausbildung für zukünftige Therapeuten und Integrationsbegleiter.
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liche Steuerung von geistigem Eigentum. Ziel ist es, psychedelische Kultur allgemein zugänglich zu machen und kollektiv und verantwortungsvoll zu verwalten – weg von traditionellen, zentralisierten Forschungs- oder Unternehmensstrukturen. Zentrale Themenfelder
• Kollektive Verwaltung von geistigem Eigentum – Forschungsdaten, Publikationen und Patente sollen frei gehandelt und gemeinschaftlich verwaltet werden, statt in Händen einzelner Firmen zu liegen. • PsyDAO vergibt regelmäßig Förderbeträge für Forscher, Künstler und Projekte der psychedelischen Bewegung.
• Dezentrale Finanzierung für psychedelische Wissenschaft und Kunst – PsyDAO organisiert Mittelvergabe nicht über klassische Institutionen, sondern über Gemeinschaftsentscheidungen.
www.psydao.io
PsychedeliCare
Nectara
ONAYA Science
Die PsychedeliCare-Initiative ist eine europaweite Bürgerbewegung, die sich für die Verbesserung der psychischen Gesundheit und den Zugang zu psychedelisch-assistierten Therapien (PATs) im europäischen Gesundheitssystem einsetzt.
Nectara ist eine öffentliche Benefit Corporation, die sich darauf spezialisiert hat, Menschen und Organisationen mit Ressourcen, Bildungsprogrammen und individueller Begleitung im Bereich psychedelischer Erfahrungen zu unterstützen.
ONAYA Science ist eine unabhängige Forschungsorganisation, die sich der Übersetzung indigenen Wissens über Pflanzenmedizin – insbesondere Ayahuasca und andere amazonische Heilpflanzen – in wissenschaftliche Terminologie widmet.
Zentrale Themenfelder
Zentrale Themenfelder
Zentrale Themenfelder
• Entwicklung europäischer Standards und Erhöhung der EU-Forschungsförderung für die rechtlich regulierte und qualitätsgesicherte Anwendung psychedelischer Therapien durch Experten und Vertreter von Patienten.
• Care-Plattform, Mentoring-Modelle, Fallstudien und Beratungsdienste zur Entwicklung verantwortungsvoller und integrativer Ansätze in der psychedelischen Betreuung.
• Erforschung der Wirkungen von Ayahuasca und anderen amazonischen Pflanzenmedizinen in enger Zusammenarbeit mit indigenen Heilern.
Zentrale Themenfelder 1) Wissenschaftlich-ethische Ausbildung für zukünftige psychedelisch arbeitende Therapeut:innen (ADEPT). 2) Internationale und interdisziplinäre Vernetzung von Wissenschaftler:innen, Kliniker:innen, Studierenden und Politikexpert:innen. 3) Organisation der Interdisciplinary Conference on Psychedelic Research (ICPR), Europas größter Fachkonferenz zu psychedelischer Wissenschaft und Therapie. 4) Durchführung und Förderung von Projekten zur klinischen Forschung und Implementierung von Therapieformen, etwa das PsyPal-Projekt zu Psilocybin in der palliativen Versorgung.
www.open-foundation.org
• Die EU-Länder sollen eine gemeinsame Haltung zur rechtlichen Klassifikation psychedelischer Substanzen einnehmen und internationale Konventionen mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft in Einklang bringen, um Therapien zugänglich zu machen.
www.psychedelicare.eu
• Sechs-Wochen-Kurse, Einzelbegleitungen, Seminare, Wissenstransfer und Zugang zu einer Community erfahrener Guides.
• Entwicklung und Durchführung von Forschungsprojekten zu therapeutischen Ansätzen, insbesondere für psychische Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung.
www.nectara.co
www.onaya.science
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Psychonautische Gemeinnützigkeit:
die Psychedelia-Stiftung
SÄPT
Chacruna Foundation
DGPFT
Die Schweizerische Ärztegesellschaft für psycholytische Therapie (SÄPT) ist eine interdisziplinäre Fachgesellschaft in der Schweiz, die seit 1986 besteht. Sie versammelt Experten aus unterschiedlichen medizinischen Disziplinen, unter anderem aus Psychiatrie, Psychotherapie, Neurologie, Palliativmedizin und Allgemeinmedizin.
Die Chacruna Foundation ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in den USA, die sich der Förderung von Gerechtigkeit, Vielfalt und dem Schutz von Traditionen im Bereich psychedelischer Pflanzenmedizin widmet.
Deutsche Gesellschaft für Psychedelische Forschung und Therapie e.V.
Zentrale Themenfelder • Qualität der medizinischen Versorgung im Bereich der psychedelika-assistierten Therapie sichern. • Fachlicher Austausch, wissenschaftliche Forschung und Förderung des beruflichen Nachwuchses. • Persönlicher Austausch, konstruktiver Umgang mit Konflikten, Bereitschaft zur Selbstreflexion.
www.saept.ch
Zentrale Themenfelder • Vermittlung von Bildung zu psychedelischer Wissenschaft, Ethik und Integration. • Förderung von Psychedelic Justice durch die gezielte Unterstützung und Sichtbarmachung der Stimmen von Frauen, queeren Menschen, indigenen Völkern, People of Color und Vertretern des Globalen Südens.
Die DGPFT ist eine Fachgesellschaft für Ärzte, Psychologen und weitere Forschende, die sich der wissenschaftlichen und klinischen Erforschung sowie Anwendung psychedelischer Substanzen in Psychiatrie und Therapie widmet. Zentrale Themenfelder • Förderung von klinischer und empirischer Forschung zu psychedelischen Substanzen wie LSD, Psilocybin und MDMA.
• Schutz und Würdigung von heiligen Pflanzen und deren kulturellen Traditionen.
• Entwicklung und Mitgestaltung von Richtlinien, Standards und Leitlinien für die sichere und fundierte Anwendung Psychedelika-assistierter Therapien in Deutschland.
• Gestaltung und Durchführung von Kursen, Workshops und Community-Events mit Fokus auf interkulturellen Austausch und kritische Debatten rund um Pflanzentraditionen und spirituelle Praxis.
• Aufbau eines sektorenübergreifenden Netzwerks für Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen Fachkräften, Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern.
chakruna.net
• Organisation von Veranstaltungen für Fachpersonal sowie Aufklärung und fachliche Beratung von politischen und medizinischen Gremien.
Die Psychedelia-Stiftung ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Berlin, die den gesellschaftlichen Umgang mit psychedelischen Erfahrungen neu etablieren und fördern will. Sie ist fester Partner des Nachtschatten Verlags und unseres Magazins Lucys.
Im Zentrum der Stiftungsarbeit steht die Überzeugung, dass veränderte Bewusstseinszustände ein relevanter Bestandteil menschlicher Kultur sind – und dass ihr Potenzial verantwortungsvoll erforscht und diskutiert werden sollte.
Die Stiftung versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft, Kultur und Öffentlichkeit. Sie fördert Forschungsprojekte, die therapeutische, psychologische und neurowissenschaftliche Aspekte psychedelischer Substanzen untersuchen. Dabei geht es nicht um schnelle Heilsversprechen, sondern um evidenzbasierte Erkenntnisse. Gleichzeitig betrachtet die Organisation Psychedelika nicht ausschließlich durch die medizinische Linse. Auch kulturelle und gesellschaftliche Dimensionen spielen eine zentrale Rolle. Künstlerische Projekte, interdisziplinäre Veranstaltungen und öffentliche Dialogformate sollen zeigen, dass psychedelische Erfahrungen seit Jahrhunderten in Ritualen, Kunst und spirituellen Traditionen verankert sind. Die Stiftung argumen-
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Bildungsarbeit. Mit Vorträgen, Workshops und Fachveranstaltungen richtet sich die Psychedelia-Stiftung sowohl an Experten als auch an eine breitere Öffentlichkeit. Ziel ist ein Diskurs jenseits von Sensationslust und Stigmatisierung. Aufklärung, Risikokompetenz und ethische Reflexion stehen dabei im Vordergrund. Psychedelische Substanzen werden weder verherrlicht noch verteufelt, sondern als komplexes Forschungs- und Gesellschaftsthema behandelt. Organisatorisch setzt die Stiftung auf interdisziplinäre Zusammenarbeit. Fachleute aus Medizin, Psychologie, Neurowissenschaft, Kulturwissenschaft und weiteren Disziplinen bringen unterschiedliche Perspektiven ein. Diese Vernetzung spiegelt den Anspruch wider, ein vielschichtiges Thema nicht eindimensional zu betrachten. Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren stärken zusätzlich die Reichweite der verschiedenen Projekte. Das Gründungs- und Vorstandsteam besteht aus Lucys-Chefredakteur Markus Berger, dem Arzt und Wissenschaftler Sergio Pérez Rosal und dem psychedelischen Unternehmer Dan Becker.
www.dgpft.de
Weitere Einträge online: www.lucys-netzwerk.com
tiert: Wer das Phänomen verstehen will, muss es in seiner kulturellen Tiefe begreifen.
Das Gründungs- und Vorstandsteam (v.l.): Dan Becker, Sergio Pérez Rosal und Markus Berger.
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Holotropes Atmen Die Kunst der bewussten Atmung Brigitte Grof
Das Holotrope Atmen wurde 1974 von Stanislav Grof und seiner inzwischen verstorbenen Frau Christina Grof am Esalen-Institut in Big Sur, Kalifornien, entwickelt. Es beruht auf seinszustände und kombiniert eine schnellere Atmung mit evokativer Musik, lösender Körperarbeit, Mandala-Malen und dem gemeinsamen Austausch der Erfahrungen in der Gruppe.
Im Jahr 1973 nahm sich Stan Grof ein Sabbatjahr von seiner psychedelischen Forschung am Psychiatrischen Forschungszentrum in Maryland, um Bücher über LSD zu schreiben, die seine Beobachtungen während der psychedelischen Sitzungen beschreiben sollten. Er erhielt von Michael Murphy, dem Mitbegründer des Esalen-Instituts, die Möglichkeit, sein Sabbatjahr dort zu verbringen. Murphy bot ihm Unterkunft und Verpflegung an, im Gegenzug hielt Grof mehrere Seminare und hatte genügend Zeit zum Schreiben. In diesen Seminaren präsentierte Grof seine psychedelischen Forschungen aus Prag und Baltimore. Er beschrieb seine neue Kartografie der Psyche, in der Psychologie, Spiritualität und seine Entdeckungen der perinatalen Matrizen, COEX-Systeme und transpersonalen Erfahrungen miteinander verbunden werden. Bei seinen Vorträgen zeigte Grof Projektionen von Bildern seiner Patientinnen und Patienten, die während Erfahrungen mit LSD, Psilocybin und Meskalin entstanden waren.
Foto: iStockphoto/Vizerskaya
dem heilenden Effekt holotroper Bewusst-
begann daher, nach alternativen Wegen zu suchen, wie man holotrope Bewusstseinszustände ohne Psychedelika erreichen könnte. Er erinnerte sich an mehrere Patientinnen und Patienten, die nach dem Abklingen ihrer LSD-Erfahrung noch Schmerzen oder Spannungen in bestimmten Körperbereichen spürten – etwa im Bauch oder in den Schultern. Wenn Grof dort Druck ausübte, intensivierte sich das Unwohlsein, bis die blockierte Energie sich durch Schreien, Zittern oder Erbrechen löste. Dieser Ausdruck führte oft zu tiefer Entspannung und innerer Befreiung.
Alternative Wege Viele Seminarteilnehmende wollten selbst ähnliche Erfahrungen machen, doch der Einsatz psychedelischer Substanzen war in Esalen rechtlich nicht möglich. Grof
Manche zeigten auch spontan stoßartige Atemrhythmen, vergleichbar mit der yogischen Bhastrika-Atmung.
Innere Prozesse Auf Grundlage dieser Beobachtungen und der Verwendung von Musik während psychedelischer Sitzungen begannen Stan und Christina Grof, mit ihren Gruppen in Esalen zu experimentieren. Die Teilnehmenden lagen auf dem Rücken, atmeten intensiv und hörten Musik. Schon bald erlebten sie starke innere Prozesse – bis hin zum Wiedererleben ihrer eigenen Geburt. Wenn sich der Prozess nicht von selbst vollzog, boten die Grofs Körperarbeit an, um die Erfahrungen zu integrieren. Eines Tages, kurz vor Beginn eines großen Workshops mit 46 Teilnehmenden aus aller Welt, verrenkte sich Stan Grof beim Heben eines Holzbalkens den Rücken und konnte sich kaum noch bewegen. Da der Workshop nicht abgesagt werden konnte, entschieden sie sich für eine kreative Lösung: Die Teilnehmenden wurden in Paare aufgeteilt und arbeiteten unter Aufsicht der Grofs miteinander.
«Sitter» und «Atmer» Foto: iStockphoto/miniseries
So entstanden die Rollen der «Sitter» und «Atmer». Dieses Setting erwies sich als äußerst wirksam und wurde
Foto: iStockphoto/Freshsplash
zum Kern der Methode des Holotropen Atmens. In jeder Sitzung durchlaufen die «Atmer» kraftvolle Erfahrungen, während die «Sitter» ihre Partner achtsam begleiten und unterstützen. Für die Atmenden ist die bedingungslose Aufmerksamkeit ihrer Sitter von großem Wert – und die Sitter selbst empfinden tiefe Dankbarkeit, an den inneren Prozessen ihrer Partner teilhaben zu dürfen. Das Holotrope Atmen integriert Elemente der transpersonalen Psychologie, der Tiefenpsychologie und der Bewusstseinsforschung ebenso wie ursprüngliche Heil-
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Alles über
praktiken und östliche spirituelle Traditionen. Es handelt sich um eine nonverbale, erfahrungsorientierte Form der Psychotherapie, die sich von Gesprächsformen wie der Psychoanalyse unterscheidet und eher den humanistischen Therapien wie der Neo-Reichianischen oder der Gestalttherapie verwandt ist. Im Mittelpunkt steht der direkte Ausdruck von Emotionen und die Arbeit mit dem Körper, nicht das intellektuelle Analysieren. Das Holotrope Atmen ist die einzige therapeutische Methode, die gezielt mit dem heilenden Potenzial holotroper Bewusstseinszustände und der neuen Kartografie der Psyche arbeitet.
Transformative Kraft Solche Zustände sind jedoch keineswegs neu: Schon seit Jahrtausenden wurden sie in alten und indigenen Kulturen genutzt – in spirituellen, rituellen und heilenden Praktiken. Die moderne Bewusstseinsforschung hat die transformative Kraft dieser Zustände in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wissenschaftlich bestätigt. Die wiederentdeckten heiligen Praktiken des Atmens, Singens, Trommelns, der Körperarbeit und des künstlerischen Ausdrucks wurden seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte in Heilritualen verwendet und sind heute im Holotropen Atmen vereint. So verbindet das Holotrope Atmen beschleunigte Atmung, evokative Musik und lösende Körperarbeit, um
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kraftvolle holotrope Bewusstseinszustände mit ihren heilenden und transformierenden Wirkungen hervorzurufen. In diesem Prozess der Selbsterforschung wird die Psyche aktiviert, und das Material, das der Oberfläche am nächsten liegt, kann erstmals vollständig erlebt und integriert werden. Dieser Text ist dem Buch Holotrope Kunst von Brigitte Grof, 2025 Nachtschatten Verlag, entnommen. Brigitte Grof ist Dipl.-Psychologin, Psychotherapeutin und Künstlerin
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MEDIATHEK
Psychedelische Therapie vom Meister
Biografie von Terence McKenna
Diese neue, aus dem Englischen übersetzte Ausgabe eröffnet einen tiefen Einblick in die transpersonale Psychotherapie, wie sie Ralph Metzner über mehr als fünf Jahrzehnte praktiziert hat. Anhand von fünfzehn eindrucksvollen Fallgeschichten zeigt das Werk, wie psychische Probleme auf prä- und perinatale Prägungen, karmische Verstrickungen und auf unbewusste Bindungen an die Ahnen zurückgehen können – Faktoren, die in der klassischen Psychotherapie oft unbeachtet bleiben. Metzner beschreibt, wie geführte Visualisationen, yogische Licht- und Feuerpraktiken sowie die behutsame Integration entheogener Erfahrungen Prozesse anstoßen, die tiefgreifende Heilung ermöglichen. Das Buch verbindet psychologische, spirituelle und energetische Perspektiven und verschafft ein ganzheitliches Verständnis der menschlichen Entwicklung. Es lädt dazu ein, die eigenen Wurzeln und inneren Zusammenhänge neu zu erforschen.
Terence McKenna (1946–2000) war ein unerschrockener Forscher des Bewusstseins, ein Stand-up-artiger Philosoph und eine der prägendsten Figuren der psychedelischen Kultur des 20. Jahrhunderts. Seine Gedanken über Evolution, Sprache, Zeit und die Rolle bewusstseinsverändernder Pflanzen machten ihn zu einem visionären Außenseiter, dessen Charme ebenso berüchtigt war wie seine kompromisslose Neugier. Auch Jahrzehnte nach seinem Tod übt McKenna eine bemerkenswerte Anziehungskraft aus – in digitalen Räumen, sozialen Netzwerken und der globalen Popkultur. Strange Attractor, die erste umfassende Biografie von Graham St John, zeichnet McKennas Leben, sein Werk und sein Nachwirken nach. Gestützt auf seltene Dokumente, Fotos und zahlreiche Zeitzeugnisse entsteht das lebendige Porträt eines Menschen, dessen Ideen weiterhin inspirieren, irritieren und die Vorstellungskraft herausfordern.
Ralph Metzner: Entheogene Psychotherapie – Spiritualität, Reinkarnation und der Einfluss unserer Ahnen, Nachtschatten Verlag 2025
Graham St John: The Strange Attractor – The Hallucinatory Life of Terence McKenna, MIT Press 2025
Cannabis als Medizin
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MEDIATHEK
Psychedelische Pflanzen aus dem königlichen Garten
Der Herba-Press-Verlag präsentiert ein umfassendes Nachschlagewerk für Heilberufe und Patienten, das den aktuellen Stand der Forschung zu therapeutischem Cannabis abbildet. Gestützt auf mehr als 3000 ausgewertete Studien zeigt das Buch, wie cannabinoidbasierte Medizin bei über 200 chronischen Erkrankungen eingesetzt wird und welche wissenschaftlichen Fortschritte seit der Legalisierung zu verzeichnen sind. Im Mittelpunkt stehen u.a. die Rolle von Entzündungen, oxidativem Stress und chronischen Schmerzen sowie das Endocannabinoid-System als zentrales Regulativ des Körpers. Das Werk erläutert, wie die vielfältigen Inhaltsstoffe der Cannabispflanze synergistisch wirken und zur Stärkung von Resilienz, Entspannung und Homöostase beitragen können. Zudem gibt es Orientierung bei der Wahl geeigneter Cannabis-Strains und bietet einen klaren Überblick über Forschungsergebnisse, die helfen, therapeutische Möglichkeiten besser einzuordnen.
The Psychedelic Garden entführt in die faszinierende Welt bewusstseinsverändernder Pflanzen und erzählt ihre Geschichte zwischen Mythos, Spiritualität und moderner Popkultur. Von Ayahuasca-Ritualen tief im Amazonas bis zu den ekstatischen Festen des Summer of Love zeigt das Buch, wie psychoaktive Gewächse seit Jahrtausenden genutzt werden – als spirituelle Werkzeuge, Heilpflanzen und Mittel zur Erweiterung der Wahrnehmung. Mit fundierten Texten und prachtvollen botanischen Illustrationen aus den Archiven der Royal Botanic Gardens, Kew, erschließt dieses Werk die kulturelle Bedeutung, aber auch Legenden und botanische Besonderheiten jener Pflanzen, die unser Verständnis von Bewusstsein und Realität nachhaltig geprägt haben. Dass die Royal Botanic Gardens ein solches Buch herausgeben, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die psychedelische Renaissance in unserer Gesellschaft angekommen ist.
Uwe Blesching: Bei welchen Krankheiten hilft Cannabis? Cannabis anwenden bei über 200 Krankheiten, Herba Press 2025
Sandra Lawrence: The Psychedelic Garden – A history of mind-altering plants in folklore, superstition and popular culture, Royal Botanic Gardens, Kew 2025
Sohn von Tim Leary Dieses aus dem Englischen übertragene Buch (orig. «Your Extraordinary Mind») zeichnet die bewegende Reise von Zach Leary nach, der als Sohn des berühmten Timothy Leary tief in die Welt der Psychedelika hineingeboren wurde – und sich dennoch erst nach Irrwegen und persönlichem Absturz wieder ihrem transformativen Potenzial zuwandte. Das Buch verbindet Learys eigene Lebensgeschichte mit einem reflektierten Blick auf die kulturelle Entwicklung rund um Substanzen wie LSD, Psilocybin, MDMA und Ayahuasca. Es zeigt, wie psychedelische Erfahrungen Menschen seit Jahrzehnten prägen, therapeutische Prozesse anstoßen und spirituelle Fragen neu beleuchten. Inklusive eines Seitenblicks auf traditionelle, schamanische Anwendungen der Psychoaktiva. Gleichzeitig thematisiert Leary den verantwortungsvollen Umgang mit solchen Erfahrungen und ihre Integration in den Alltag. Das erste Buch des Sohns von Timothy Leary. Schön zu lesen. Zach Leary: Mein psychedelisches Erbe, Goldmann 2025
Mikrokosmen: Einblicke in Zauberpflanzen Dieser prachtvolle großformatige Bildband verbindet Kunst, Wissenschaft und Technologie und gewährt einen eindrucksvollen Blick in die verborgenen Welten heiliger Pflanzen. Mit einem Konfokalmikroskop erzeugte, leuchtende Aufnahmen offenbaren Strukturen, die sonst unsichtbar bleiben, und werden von Texten zu wissenschaftlichen, historischen und kulturellen Hintergründen begleitet. Das Buch würdigt psychoaktive Pflanzen, die in indigenen Traditionen Amerikas seit Jahrhunderten verehrt werden – als spirituelle Verbündete, kulturelle Wegweiser und ökologische Lehrmeister. Diese außergewöhnlichen Porträts zeigen nicht nur die Schönheit und Komplexität der Pflanzenwelt auf. Sie bieten zugleich eine neue Perspektive auf unser bedrohtes Ökosystem. Uns eröffnet sich ein Mikrokosmos, der sowohl Staunen macht als auch daran erinnert, wie eng unsere Zukunft mit dem Wohlergehen aller Lebensformen verknüpft ist. Jill Pflugheber und Steven White: Microcosms – Sacred Plants of the Americas, Papadakis 2025
GESUNDHEIT
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Schweben als Menschenrecht Wo ist der Boden, wo die Decke? Wo Halt suchen, wenn niemand ihn braucht? Beim Schweben in Oberluft und Unterwasser sind die Übergänge schwingend, fließend, der Horizont verschiebt sich ins Randlose. Musische Leichtigkeit mischt sich in die von der Schwerkraft befreiten Sphären. Das Wandern ist des Müllers Lust, das Schweben ist ein Menschenrecht. Oder: Immer schön auf dem fliegenden Teppich bleiben! (Hadschi Halef Omar).
Schweben wie Lilly John Lilly, Erzengel der FloatationBewegung, war überzeugt, dass nicht er das Gehirn der Delfine erforschte, sondern dass jene ihn auf Fragen brachten, die er ohne Anschub durch delfinische Intelligenz gar nicht gestellt hätte. Die Vorstellung, dass die Meere von Wesen bevölkert sind, die ihre begriffsstutzigen Verwandten zu Lande, also uns, gelegentlich mit Inspirationen umspülen, um unsere durch Ungeduld, Hass und Übellaunigkeit verdörrten Gehirne zur Räson zu bringen, diese Vorstellung ist verlockend. Was können wir tun, um sie zu stärken? Lilly wollte wissen, was das Gehirn macht, wenn ihm alle Außenreize entzogen werden. Ist das Bewusstsein bei «sensorischer Deprivation» ausgeschaltet oder funkt noch ein Licht? Um das herauszufinden, bekommt das Auge im Lilly-Tank außer
Dunkelheit nichts zu sehen, das Ohr außer Stille nichts zu hören, der Tastsinn nichts zu fühlen und auch das Gefühl der Schwerkraft verschwindet im körperwarmen Salzwasser. Den Wert des Experiments konnte Lilly eindrucksvoll bestätigen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Vielen sinkt das Herz in die Badehose, wenn sie gleich nichts mehr sehen, hören, spüren werden – gar nichts. Man muss schon sehr Sarg-affin sein, um unter der sich schließenden Klappe des Lilly-Tanks ein munteres Lied zu pfeifen. Über die Schwelle helfen die Gründe der Vernunftwellness auch nur bedingt, wie: Entlastung von Wirbelsäule, Muskulatur und Gelenken, Lösung hartnäckiger Verspannungen, Reduzierung von stressbezogenen Biochemikalien, Steigerung der Immunfunktion, Minderung von JetlagSymptomen usw. Nicht über, sondern in den Schatten springen, Zeuge der eigenen Selbstverschwindung sein, eine mentale Tabula rasa werden und dabei die Ahnung nicht loswerden, dass die vollendete Entspannung der Tod ist – solche Angebote lassen sich dem Ego nicht so gut verkaufen wie vegane Wurstsuppe. «Glück ist nicht immer lustig», hat Wolfgang Neuss gesagt und der sensorischen Deprivation damit ein ehrliches Mantra vorgelegt. Der Versuch aber, des Pudels Kern konsumfreundlich abzumildern, den Augen ein paar tröstliche Lichter und den Ohren ebensolche Töne anzubieten,
Foto: iStockphoto/studiodav
Micky Remann
entwertet die Logik des Experiments. Aus Respekt vor dem Begründer, der nichts Geringeres als eine Neukonstituierung des Bewusstseins aus dem erlebten Nichts anstrebte, entfaltet das Lilly-Schweben die größte Wirkung, wo es puristisch genossen wird.
Schweben im Flüssigklang Foto: iStockphoto/Romolo Tavani
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Am anderen Ende desselben Spektrums weist das Liquid-Sound-Konzept mit Baden in Licht und Musik in Richtung «sensorische Stimulation». Auch hier ist das Schweben im warmen Salzwasser die Basis; Dreh- und Angelpunkt ist jedoch die sinnliche Synästhesie, mit dem im Wasser lau-
schenden Ohr als Zentrum. Da ich für solche Inszenierungen Mitverantwortung trage, fällt die Darstellung hier nicht ganz objektiv aus. Am Anfang der Geschichte stand nicht die Suche nach Innovationen im Bäderwesen, sondern der Traum, mit wilden Walen wilde Musik zu machen. Der Musiker Jim Nollman und einige Freunde, mit Wollpullis und lose baumelnden Unterwasserlautsprechern mehr schlecht als recht ausgerüstet, sendeten Versuchsakkorde in den kalten Nordpazifik. Tatsächlich kamen die Wale herbei, meistens nachts, um unser Geklimper mit ihren aquatischen Arien anzureichern. Keiner wusste, was es bedeutete, alle
waren gebannt von der Jam-Session zwischen Mensch und Wal, vom Biosphärenklang unterm Sternenmeer auf schwankendem Boot in eiskalter Nacht. Ich weiß nicht, ob Außerirdische Saxophon spielen, aber oft hörten sich die Wale an, als wollten sie außerirdische Saxophonisten veräppeln. War das ihre Botschaft? Andere auf dem Boot sangen, rasselten und geigten für die Wale und gegen die Kälte. Je länger wir spielten, desto drängender wurde der Wunsch, selbst ins Element einzutauchen, in dem die Wale sangen. Doch die Temperatur des Nordpazifiks gestattete keine Bäder, und so blieb die Frage,
wie sich das Konzert auf der Wasserseite mit Wal-Ohren anhört, vorerst unbeantwortet. Es folgten Experimente – von mit Plastik– tüten überzogenen Stereoboxen in der Badewanne ist abzuraten –, mit dem Ziel, den Klangraum Wasser für das menschliche Gehör zu erschließen, als Liquid Sound Club, Performance-Bad und immersiven Klangsalon. Über kurz oder lang entstanden die mit Thermalsole gefüllten Wasserkonzertsäle der ToskanaThermen in Bad Sulza, Bad Schandau und Bad Orb. Die Zahl der Flüssigklang- und Unterwasser-Livemusikbei-Vollmond-Genießer geht längst in die Millionen. Wer in Licht und Klang schwebt wie eine meditierende Makrele, muss an unparadiesischen Verkrustungen von Kopf und Körper nicht festhalten. Die Gesichtsmuskeln kapieren das meist schneller als das misstrauische Ego. Der Begriff des «Festkörpers» löst sich auf wie Zucker im Kaffee. Es sei denn, «fest» wird nicht als Härte, sondern als Feier verstanden. Klangbadende sind sich nahe, auch wenn sie mit sich allein sind. Weil das Schweben ein unveräußerliches Menschenrecht ist, steht es nicht in Gegnerschaft zu anderen Zuständen. In seiner Souveränität lädt
es ein zur friedlichen Teilhabe: fähiger fühlen, komplexer kommunizieren, Horizonte sichten, die weiter reichen als die unsrigen, sich träumen lassen. Vom Recht auf Schweben machen, je nach Budget und Neigung, Astronauten, Leichter-als-Luft-Schamanen, entheogene Flaneure, Lilly-Floater oder Liquid-Sound-Badende Gebrauch. Die Frage, ob solche Übungen zur transzendenten Flug-Ekstase oder zur realistischen, weil kosmischen Weltsicht führen, darf mit «Ja!» beantwortet werden. PS: Das Recht zu schweben hat übrigens nichts mit dem breit getretenen Traum vom Fliegen zu tun, seit der von den Heavy-Metal-Airline-Maschinisten okkupiert wurde.
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Förderkreis Nachtschatten Verlag
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Dieser Artikel erschien erstmals in Lucys Rausch - Magazin für psychoaktive Kultur 4 Micky Remann ist Germanist, Musiker, Schriftsteller, Journalist, Übersetzer, Weltreisender, Medienkünstler sowie Kurator und Erfinder des Liquid-Sound-Badens www.mickyremann.com www.liquidsound.com
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Erweiterte Bewusstseinszustände
einzelne Organismen, die sich durch den Raum bewegen – abwechselnd zufrieden, unzufrieden oder gelangweilt, je nachdem, ob wir uns in diesem Moment angezogen, abgestoßen oder gleichgültig fühlen. In dem eher archaischen Bestreben, das Bewusstsein zu erforschen, entwickelten die Menschen Wege, um ihren Bewusstseinszustand durch verschiedene Techniken und Praktiken zu verändern. Wahrscheinlich trommeln, rasseln und singen Menschen seit Jahrtausenden zusammen, schaffen Kunst, fasten, schwitzen und reinigen sich, meditieren, erforschen Schlafentzug, begeben sich auf Visionssuche, verbringen längere Zeit allein in der Abgeschiedenheit, tanzen und singen gemeinsam bei Ritualen, Übergangsriten und spirituellen Anlässen.
Psychedelische Rituale für Heilung und Wohlbefinden Françoise Bourzat
Bewusstsein ist grundlegend Viele zeitgenössische Philosophen und Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass das Bewusstsein im Gehirn entsteht, irgendwann im Mutterleib beginnt und mit dem Tod endet. Diese Anschauung betrachtet unser Bewusst-
sein als Ergebnis von Chemikalien und elektrischen Impulsen, die auf innere und äußere Einflüsse reagieren. Nach einer anderen Auffassung dienen das Gehirn und das Nervensystem als organische Antennen, die Informationen wie ein Radioempfänger aufnehmen, während wir uns durch einen Ozean des Bewusstseins bewegen. In östlichen Traditionen wird angenommen, dass das Bewusstsein aus einem leeren, aber erkennenden Feld des Gewahrseins entsteht, das die Quelle aller Phänomene ist. Es mag überraschen, dass auch der Physiker Max Planck in gewisser Weise an dieser Überzeugung festhielt und bekanntlich sagte: «Ich betrachte das Bewusstsein als grundlegend. Ich betrachte die Materie als Ableitung des Bewusstseins. Wir können nicht hinter das Bewusstsein gelangen. Alles, worüber wir sprechen, alles, was wir als existent betrachten, setzt Bewusstsein voraus.» Unser Bewusstsein hat Zugang zu einem breiten Spektrum an spezifischen Erfahrungen, die von unserem jeweiligen Zustand abhängen. Meistens fühlt sich jeder von uns auf zufriedenstellende Weise getrennt, als wären wir
Schamanische Rituale Die berühmten Höhlenmalereien von Lascaux im Südwesten Frankreichs, die weniger als vierzig Kilometer von meinem Elternhaus entfernt liegen, stellen anscheinend Menschen dar, die vor 17.000 Jahren an schamanischen Ritualen teilnahmen. Dieser Entdeckergeist war vermutlich die Inspiration der Menschen, Früchte und Getreide zu Alkohol zu vergären und Pflanzen und Pilze mit psychotropen Verbindungen in ihren Samen, Rinden, Blättern, Blüten, Wurzeln und ihrem Fleisch zu verzehren. Bewusstseinsverändernde Verbindungen wurden sogar im Gift und in den Ausscheidungen bestimmter Amphibien gefunden. Die Menschen erforschten alles, was in ihrer Umgebung wuchs. Meskalinhaltige Kakteen wachsen in großer Zahl in heißen, trockenen Klimazonen. AyahuascaReben und Blattpflanzen gedeihen im Dschungel, während Psilocybin-Pilze in feuchten oder bewaldeten Klimazonen wachsen.
in Zentralafrika wahrscheinlich schon seit Tausenden von Jahren für Initiationen verwendet, zuletzt auch von der Bwiti-Gesellschaft in Gabun. Obwohl niemand weiß, wie lange Ayahuasca bereits ein zentraler Bestandteil der Heiltraditionen der Ureinwohner und Mestizen Südamerikas ist, reichen die archäologischen Beweise für die Verwendung von DMT – einem Tryptaminderivat, das in vielen Pflanzen und Tieren natürlich vorkommt – bis ins Jahr 2000 v. Chr. zurück. Meskalinhaltige Kakteen werden seit der präkolumbianischen Zeit in ganz Südamerika und Mexiko verwendet, während die dokumentierte Nutzung von Cannabis in Indien bis ins Jahr 2000 v. Chr. zurückreicht. Im mittelalterlichen Europa wurden Bilsenkraut, Tollkirsche und andere psychotrope Pflanzen von Kräuterkundigen und Medizinfrauen für Wahrsagerei und Astralreisen genutzt. Es gibt zwar keine formellen Untersuchungen, doch Anthropologen haben vermutet, dass es in europäischen Kirchen der Renaissance Buntglasfenster gab, die Jesus und Heilige mit Pilzen darstellten, von denen angenommen wurde, dass sie zur Gattung Psilocybe gehören. Die Einbeziehung psychotroper Pflanzen in die Erforschung des Bewusstseins ist also allen Kulturen und Gesellschaften schon immer immanent.
Aus dem Buch Psychedelische Medizin, Nachtschatten Verlag 2025 Françoise Bourzat ist Heilpraktikerin, psychedelische Beraterin und Autorin von der San Francisco Bay Area. www.francoisebourzat.com Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
Psychoaktive Gewächse
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Über viele Jahrtausende hinweg haben Menschen die Weiten unseres Planeten erforscht – seine Wüsten, Ozeane, Gebirgsketten und Wälder. Im Laufe unserer Evolution haben wir zahlreiche Zivilisationen, Kulturen, Sprachen, Waffen und Nahrungsmittel entwickelt. Wir haben Tiere, Pflanzen, Pilze und Mineralien entdeckt und erforscht. Während wir unsere äußere Welt erkundeten, haben wir uns auch mit den ebenso faszinierenden Bereichen unserer inneren Welt beschäftigt. Es gibt Belege dafür, dass Menschen seit Tausenden von Jahren das Bewusstsein erforschen. Doch trotz jahrhundertelanger Spekulationen und Untersuchungen über die Ursprünge und die Natur des Bewusstseins bleibt diese innerste Grundlage unseres Seins für die moderne Wissenschaft schwer fassbar.
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Es gibt Belege für den rituellen Verzehr psychoaktiver Pflanzen und Praktiken auf Pilzbasis an fast jedem Ort, an dem Menschen auf diesem Planeten gelebt haben. In ganz Mexiko und Mittelamerika wurden geschnitzte Steinpilz-Abbilder gefunden, die auf das Jahr 1000 v. Chr. zurückgehen. In Algerien, Spanien und Bulgarien gibt es Höhlenmalereien, die Psilocybin-Pilze darstellen und laut ethnobotanischer Forschung aus der Jungsteinzeit stammen. Der Gebrauch des Fliegenpilzes, Amanita muscaria, wurde als Teil der indigenen schamanischen Traditionen des alten Sibiriens, Litauens und des nördlichen skandinavischen Lapplands dokumentiert. In Afrika gibt es viele einheimische psychoaktive Pflanzenheilmittel, die noch erforscht werden müssen. Die bekannteste, Iboga, wird
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Psychoaktives aus aller Welt
SERIE
Giorgio Samorini
Boophone disticha
ARCHÄOLOGIE LESHOMA – Chemische Spuren einer Pflanze aus der Familie der Amaryllidaceae, höchstwahrscheinlich der halluzinogenen Pflanze Leshoma (Boophone disticha), wurden in Südafrika auf einer Pfeilspitze gefunden, die auf ein Alter von etwa 60.000 Jahren datiert wird. Diese Pflanze hat eine lange Geschichte der Nutzung als visionäres Entheogen sowie als Jagdgift. Obwohl der archäologische Fund auf eine Verwendung dieser Pflanze zu Jagdzwecken hindeutet, ist es schwer zu glauben, dass der paläolithische Mensch, der sie zum Vergiften seiner Pfeile einsetzte, ihre berauschenden Eigenschaften nicht bereits bemerkt hätte; vielmehr ist es plausibel, dass ihre Entdeckung als Rauschmittel der Entdeckung als Jagdgift vorausging. Dies ist die bislang älteste weltweit bekannte Verbindung des Menschen mit einer berauschenden Substanz. Sven Isaksson et al., 2026, Direct evidence for poison use on microlithic arrowheads in Southern Africa at 60,000 years ago, Sciences Advances eadz3281.
EPHEDRA – Ein weiteres sehr altes Zeugnis stammt aus einer Höhle in Marokko, wo Überreste einer EphedraArt in Verbindung mit Bestattungen sowie mit anderen, nicht-funerären menschlichen Kontexten gefunden wurden. Die älteste Datierung dieser Funde liegt bei etwa 15.000 Jahren. Auf Grundlage der Verteilung der Pflanzenreste in der Höhle haben Archäologen die Hypothese aufgestellt, dass diese Pflanze über einen langen
PILZE PSILOCYBIN-PILZE – Eine neue psilocybinhaltige Pilzart, Psilocybe caeruleorhiza, wurde in den US-Bundesstaaten Iowa, Ohio und Pennsylvania entdeckt. Sie wächst auf Mulch und wurde auch in städtischen Gebieten gefunden. Die psilocybinhaltigen Arten der Gattung Pluteus wurden mithilfe moderner genetischer Rekonstruktionstechniken taxonomisch neu geordnet. Exemplare von P. salicinus, die in Nordamerika gefunden wurden, gelten nun als zur Art P. americanus gehörig; P. caeruleovirescens wird inzwischen der Art Leucoagaricus leucothites zugeordnet. Die seltene Art Pluteus izurum, die 2014 in Spanien entdeckt wurde, wurde mittlerweile auch in der Tschechischen Republik nachgewiesen und enthält PsilocybinAlkaloide in einer Konzentration von 0,06 Prozent des Trockengewichts.
Zeitraum hinweg kontinuierlich genutzt wurde, möglicherweise über mehrere Jahrtausende. Morales J. et al., 2024, Late Pleistocene exploitation of ephedra in a funerary context in Morocco, Nature Scientific Reports 14: 26443.
CEBIL – An der archäologischen Stätte des Tulán-Tempels in der chilenischen Atacama-Wüste wurden Bufotenin sowie mit Schoten von Prosopis verbundene Verbindungen in einem steinernen Becher gefunden, der auf ein Alter von etwa 3.000 Jahren datiert wird. Diese Schoten wurden – und werden bis heute – zur Herstellung eines alkoholischen Getränks verwendet, in dem die halluzinogenen Samen des Cebil (Anadenanthera) mazeriert wurden. Dies liefert weitere Hinweise auf die orale Aufnahme von Bufotenin in einem fermentierten Getränk. Wie der Archäologe Manuel Torres angemerkt hat, könnte diese Kombination eine der archaischen Prototyp-Formeln darstellen, die Jahrtausende später zur Entdeckung der AyahuascaMischung führten. Núñez L. & J. Echeverría, 2024, Rituales de entierros de infantes, uso de plantas sagradas y bebidas fermentadas en el templete formativo de Tulán (Circumpuna de Atacama, norte de Chile), Chungara 56(1): 1-18.
Psilocybe caeruleorhiza
Kyle Canan et al., 2024, Psilocybe caeruleorhiza: a new, cold weather fruiting species of psilocybin containing mushroom from the midwest in section Aztecorum, McIlvainea 33: 1-16. Ševčiková Hana et al., 2025, European Pluteus with greenish blue tinges: taxonomic novelties and notes on distribution, ecology and psychotropic status of Pluteus izurum, Sydowia 77: 81-92.
FLIEGENPILZ – Die Ethnomusikologin Ekaterina Tiron untersuchte die «Fliegenpilzlieder», die bei den sibirischen Korjaken noch heute verwendet werden. Es gibt zwei Arten: solche, die beim Finden der Pilze gesungen werden, und solche, die unter dem Einfluss des Pilzes gesungen werden. Erstere sind fröhliche und enthusiastische Lieder, da eine gute
Stimmung zu den Voraussetzungen gehört, die der Begegnung mit diesen Pilzen begleiten muss. Die Lieder, die unter dem Einfluss des Pilzes gesungen werden, sind entweder persönliche Lieder der singenden Person oder Lieder der eigenen Familie und Vorfahren. Jede Familienlinie gibt ihre eigenen Lieder weiter. Thematisch kreisen diese Lieder um die Existenz eines mythischen Stammes tanzender Fliegenpilzfrauen sowie um die Verbindung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Tiron L.E., 2023, Fly agaric songs of the Koryaks-Nymylans, Siberian Journal of Philology 1: 26-44.
PFLANZEN SILENE CAPENSIS – Silene capensis wird heute als S. undulata subsp. undulata bezeichnet. Eine jüngste chemische Analyse hat Harmala-Alkaloide in ihren Wurzeln nachgewiesen. Dies erklärt ihre Verwendung als Oneirogen (traumerzeugende Substanz). Dieselbe Analyse soll zudem Ibogaïn identifiziert haben; dieser Befund ist jedoch überraschend und bedarf weiterer Bestätigung. Alhawarri M.B. & S. Olimat, 2024, Potential serotonin 5-HT2A receptor agonist of psychoactive components of Silene undulata Aiton: LC-MS/MS, ADMET, and Molecular Docking studies, Current Pharmaceutical Biotechnology 268855154. Fotos: zvg Giorgio Samorini ist Ethnopharmakologe, Autor und Drogenforscher aus Italien. Er lebt heute auf den Balearen. www.samorini.it Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
Silene capensis
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INTERVIEW
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«Ich glaube an den LongevityAspekt von Psychedelika» Im Gespräch mit Anne Philippi Interview: André Steiner
Anne Philippi gehört zu den prägenden Stimmen an der Schnittstelle von Medien, Psychedelik und moderner Gesundheitskultur. Neun Jahre lang arbeitete sie im internationalen Spitzenjournalismus und berichtete über Hollywood und Technologie für renommierte Magazine wie GQ, VOGUE und Vanity Fair. Heute treibt sie ein anderes Thema an: die gesellschaftliche und medizinische Neubewertung psychedelischer Substanzen.
2020 gründete die Journalistin und Unternehmerin Anne Philippi den Podcast The New Health Club, der sich rasch zu einer zentralen Plattform für fundierte Gespräche über mentale Gesundheit, neue Therapieverfahren und Bewusstseinsforschung entwickelte. Philippis Arbeit folgt einer klaren Mission: der Entstigmatisierung psychedelischer Medizin und neuer Heilmethoden. Tief im globalen psychedelischen Ökosystem verwurzelt, denkt sie zugleich über Branchengrenzen hinaus und entwickelt Inhalte an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kultur, Entertainment und Creator-Welt. Wir haben mit der Aktivistin und Gründerin der US-Non-Proft «The New Health Institute» gesprochen. Anne, wenn du heute auf deinen ersten Kontakt mit Psychedelika zurückblickst – war das Neugier, Verzweiflung oder eine stille Ahnung, dass das bisherige Leben zu eng geworden war? Es war eine stille Ahnung und trotzdem ein Schritt, den ich niemals vorausgeahnt hatte. Auch nach 20 Jahren Gesprächstherapie hatte ich nicht das Gefühl, Fortschritte gemacht zu haben. Vielmehr empfand ich, keine wirklichen Erkenntnisse über mich selbst gewonnen zu haben. Dann gab mir jemand das Buch von Michael Pollan «How to change your mind», und nach dem Kapitel über LSD klappte ich es zu, weil ich wusste: Das ist die Erfahrung, die ich machen möchte. Ich fand einen Psychiater, der mich darauf vorbereitete und mich durch meinen ersten LSDTrip führte. Danach war mir klar: Ich weiß nicht, wer ich bin – und ich muss es herausfinden. Das war der Tag, an dem meine Reise begann, und auf der ich mich natürlich heute noch befinde.
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macht? Dein Gesicht, alles an dir sieht anders aus, das, was du hast, wollen wir auch.» Ich erzählte es ihnen, und am Nachmittag schaute ich dann etwa zehn Jahre alte Fotos von mir an. Auf denen war ich also biologisch jünger, aber ich hatte da einen Blick drauf, der eine Schwere von damals in mir zeigte, die ich vorher nicht gesehen hatte. Seit der LSD-Session und vielen Magic-Truffle-Sessions in den Niederlanden gehe ich quasi gefühlt rückwärts, was mein Alter betrifft. Ich gehe zu Momenten in meinem Leben zurück, die diese Schwere erzeugten, und kann sie in den Trips umdefinieren. Daher glaube ich ganz stark an den Longevity-Aspekt von Psychedelika. Man kann unter dem Einfluss quasi zu den Altlasten, die man in sich trägt, hingehen und sie bearbeiten und verarbeiten. Darauf reagiert dann auch der Körper. Ich habe mich in meinem Körper noch nie so real und aufgehoben gefühlt wie jetzt, rund fünf Jahre nach den ersten Trips. Der Morgen danach ist also ein sehr reales Erlebnis.
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Die Transformation, die kommt. Sie ist irreversibel.
In deinen Gesprächen betonst du immer wieder die Bedeutung von Integration. Fast klingt es so, als sei die eigentliche Arbeit nicht die Reise – sondern das Danach.
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Ich glaube, es ist beides wichtig – und beides leicht und beides schwer. Ich würde sagen, es ist 50 zu 50. In der Integrationsphase tauchen natürlich nochmal andere Themen auf, und nach den Trips ist es wie eine Achterbahnfahrt. Das Wichtigste in der Integrationsphase ist es, mich wie ein wissenschaftliches Projekt zu betrachten: Was passiert, wenn ich dies oder jenes mache? Was ist das Ergebnis? Wie kann ich es evaluieren? Ich finde, es ist toll, wenn man in der Integrationsphase mit sich selbst experimentiert, vielleicht sogar mehr als sonst meditiert. Das bringt mir echten Fortschritt.
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/akinb.
Was unterschätzen Menschen am meisten?
Gab es einen Moment, in dem du wusstest: Jetzt gibt es kein Zurück mehr? Ja, nach der ersten LSD-Session. Mir war klar, jetzt muss ich mehr wissen. Viele sprechen von einer lebensverändernden Erfahrung. Aber was war konkret anders am Morgen danach? Am Morgen danach bin ich in mein Café um die Ecke gegangen und traf auf zwei Freunde. Sie wussten nichts von der LSD-Session. Sie sagten zu mir: «Was hast du ge-
Die Transformation, die kommt. Sie ist irreversibel. Sie ist unter Umständen komplett unvorhersehbar. Und trotzdem so leidenschaftlich gewünscht von vielen, die ein Psychedelikum einnehmen möchten. Das ist wohl ein grundlegendes menschliches Dilemma. Aber es ist es wert, sich darauf einzulassen. Hundert Prozent.
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Gibt es Erfahrungen, die man besser nicht gemacht hätte? Oder gehört auch das Scheitern zum Prozess? Ehrlich gesagt, alles, was bei mir während der Trips sichtbar wurde, war es wert, und vor allen Dingen war es wahr. Ich finde, die Trips sind niemals ein Scheitern. Es dauert einfach, bis man manches versteht oder bis dein Gehirn
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mit den Krisen? Mit psychotischen Episoden, Retraumatisierung, spirituellem Narzissmus? Sprechen wir genug darüber?
oder System es zulässt, das zu akzeptieren, was dir während des Trips geschehen ist. Und ganz ehrlich: War es jemals zu viel?
Ich glaube, diese Themen kommen jetzt automatisch. Mein Gefühl ist, dass sich das Ökosystem und die Industrie professionalisieren, und das ist gut. Seit Epstein ist das Bewusstsein für Missbrauch und Misshandlungen schnell deutlich angestiegen. Und auch das ist gut.
Interessante Frage. Ich habe gerade eine hohe Dosis Magic Truffles in Holland genommen, in einem sehr guten Setting. Ich konnte voll eintauchen und hatte große und tiefe Einsichten. Vor zwei Jahren hatte ich dieselbe Dosis in einem schlechten Setting und danach sechs Monate keine Ahnung, was ich davon halten soll. In dem Moment, in dem der Körper sich sicher fühlt, ist es möglich, sich alles anzuschauen.
Hast du selbst Zweifel erlebt – nicht an der Substanz, sondern an der Bewegung? Zweifel an der Substanz habe ich nicht. Aber ich denke, jede Erfahrung ist sehr individuell. Und daher kommt ja auch das Skalierungsproblem für Retreats. Die Substanz ist immer sie selbst. Sie war immer da und wird immer da sein. Ihr ist es egal, was wir über sie denken. Zweifel an der Bewegung? Am Anfang war ich etwas gutgläubiger, weil es alles so neu und aufregend war. Jetzt sehe ich ein paar Strukturen, die ich von früher aus meiner JournalistenZeit kenne. Und kann entsprechend reagieren. Aber ich fühle mich durch meine eigene Arbeit an mir selbst ready to go und viel selbstbewusster.
Wir erleben einen psychedelischen Frühling. Start-ups, Investoren, Konferenzen, Microdosing-LinkedIn-Posts. Ist das Aufbruch – oder Aneignung? Und ehrlich zu sein, wüsste ich nicht, was daran Aneignung sein sollte. Das Ziel muss doch sein, dass möglichst alle Menschen, die diese Behandlungen brauchen, irgendwann Zugang dazu haben. Und dass solche, die mit ihrem Unterbewusstsein kommunizieren möchten, dazu in der Lage sind.
Du bist eine der sichtbarsten weiblichen Figuren im deutschsprachigen Raum. Spürst du Verantwortung?
Du bewegst dich zwischen spiritueller Tiefe und wirtschaftlicher Realität. Wie navigierst du diesen Spannungsraum? Mit der Gründung einer Non-Profit-Organisation in den USA. The New Health Institute, jetzt eine anerkannte Non-Profit-Organisation, ist die erste gemeinnützige Organisation im psychedelischen Bereich, die sich mit Content und KI-inspirierter Content-Produktion beschäftigt. Denn, wie viele nicht wissen, Content mit dem Thema Psychedelika ist auf allen Social-Media-Plattformen vom sogenannten «Shadowban» betroffen. Will heißen: Die Algorithmen zeigen große Teile dieser Inhalte nicht an. Zudem kann dein Account über Nacht verschwinden, weil man gegen sogenannte «Community-Richtlinien» verstößt. Um den Content über Psychedelika aber zu kreieren, braucht man Spenden, da man mit dem üblichen Creator Model kein Geld verdienen kann. Mir ist es aber wichtig, dass möglichst viele Leute diese Inhalte sehen, die von uns erstellt werden, die eher Lifestyle-inspiriert sind und gut aussehen sollen. Das ist für mich derzeit die beste Navigation: Spenden für Themen, die alle interessieren. Open AI hat auch als Stiftung angefangen. Kann Bewusstsein skaliert werden – oder verraten wir es in dem Moment, in dem wir es vermarkten? Ich glaube daran, dass es für viele psychedelische Thera-
Ich spüre vor allem Motivation und Energie, das Thema voranzubringen. Das ist meine Art von Verantwortung.
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pien und Wirkstoffe einen Markt geben wird. Ich glaube, die Idee, dass der Markt immer das Böse ist, ist überholt. Ich denke nicht so. Ich glaube aber, dass wir für den Vertrieb ein neues Marktsystem finden müssen. Und ich glaube, dass Länder und Staaten, die Psychedelika und den Vetrieb nicht entkriminalisieren, sich eine ganze Industrie entgehen lassen. Deutschland ist vorsichtig. Reguliert. Skeptisch. Und gleichzeitig hungrig nach Sinn. Ist dieses Land bereit für einen verantwortungsvollen Umgang mit Psychedelika? Ich weiß nicht, ob ich unbedingt die Richtige bin, das zu beantworten. Ich scheitere oft an deutschem Denken. Mein Netzwerk und Engagement ist hauptsächlich in den USA. Was ich weiß, ist, dass in Deutschland alles zu lange dauert und die Angst vor allem groß ist. Und das wird immer schlimmer. Das ist ein echtes Problem.
Was müsste sich politisch, therapeutisch und gesellschaftlich ändern, damit wir nicht denselben Fehler wie in den 60ern machen? Ich finde, wir leben gerade auch ein wenig wie in den Sixties: Alles bricht auf, und das ist gut so. Trotzdem, keine Zeit kann exakt dieselben Fehler machen. Meine pragmatische Antwort dazu ist: Wenn ich einen Vortrag halte oder einen Talk moderiere, ziehe ich mich immer so an, als wäre ich im Vorstand der Deutschen Bank. Das irritiert viele erstmal, weil ich ohne Federn am Hut und mit MakeUp komme. Aber genau dann hören sie mir zu. Die Erzählung ist oft hell: Heilung, Verbundenheit, Neuroplastizität, darüber wird viel gesprochen. Aber was ist
Stell dir vor, wir schreiben das Jahr 2045. Was ist dein bestes Szenario? Wie sieht eine gereifte psychedelische Kultur aus? Sie ist vielfältig. Microdosing ist erlaubt. Man kann in einer Klinik zu einem Psychiater gehen und dort mit einer psychedelischen Substanz arbeiten oder zu einem Retreat gehen und dort mit sich selbst und einer Gruppe arbeiten. Das alles wird erschwinglich und ist nicht mehr illegal. Website: www.thenewhealthinstitute.org André Daiyû Steiner ist Zenlehrer, Autor und Managementtrainer. www.andre-steiner.com Autorenvitas auf lucys-magazin.com/autoren
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Lucys Nr. 1
S P I R I T UA L I TÄT
Lucys Nr. 1
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DMT-Wesen
Insektoide Wesen:
Substanz DMT (N,N-Dimethyltryptamin) eröffnet Erfahrungen, die unsere Vorstellung von Wirklichkeit radikal verändern. Psychonauten berichten von Begegnungen mit seltsamen, unfassbaren Wesenheiten, die nicht einfach als Halluzinationen abgetan werden können. Für die Betroffenen erscheinen diese Entitäten als absolut real; als lebendige Intelligenzen, die meistens einer eigenen Logik und Ordnung folgen. Sicherlich handelt es sich bei diesen Wesen nicht bloß um phantastische Erscheinungen, sondern vielmehr um Gestalten, die u.a. archetypische Funktionen übernehmen und tief im kollektiven Unbewussten verwurzelt sind. In DMT-Erfahrungen erscheinen sie häufig als Lehrer, Schwellenhüter oder Trickster und vermitteln dabei den Eindruck, über eigene Absichten, Regeln und eine innere Logik zu verfügen, die sich der vertrauten menschlichen Rationalität entzieht.
pern archetypisch das Fremde, das Unbekannte und die Schwelle zu neuen Erkenntnissen. Sie sind das transzendente Andere, das den Reisenden in unbekannte Dimensionen führt. In der DMT-Erfahrung fungieren Aliens oft als Vermittler: Sie überbringen Botschaften oder öffnen Zugänge zu neuen Bewusstseinsebenen. Gleichzeitig können sie Angst auslösen. Berichte von Psychonauten reichen von intensiver Faszination bis zu tiefer Furcht. Manche fühlen sich von diesen Wesen entführt oder für experimentelle Untersuchungen missbraucht. Dieses ambivalente Auftreten, zugleich faszinierend und bedrohlich, spiegelt letztlich auch die archetypische Angst vor dem Unbekannten wider.
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Die Einnahme der psychedelischen
Elfen: Hüter der Natur und des Geheimwissen
Aliens: Botschafter des Unbekannten Ein auffällig häufiger Inhalt einer DMT-Erfahrung sind Begegnungen mit Wesenheiten, die an Außerirdische erinnern. Sie haben große, ovale Köpfe, mandelförmige Augen, schlanke Körper und oft eine graue Hautfarbe. Die sogenannten «Aliens» verkör-
In DMT-Visionen können auch elfengleiche Wesen auftauchen. Sie sind klein, zart und von einer fast übernatürlichen Anmut. Ihre Körper leuchten in intensiven Farben, oft mit funkelnden Augen oder schimmernden Flügeln. Archetypisch stehen diese Elfen für die Verbindung des Menschen zur Natur sowie für das Geheimnisvolle, das jenseits des Offensichtlichen liegt. In vielen Kulturen gelten Elfen als Hüter der elementaren Kräfte – Wasser, Luft, Erde und Feuer –, die das fragile Gleichgewicht der Natur wahren. Sie tragen altes Wissen in sich, das oft intuitiv, geheimnisvoll und der Logik des Verstandes entzogen ist. Im Rahmen von DMT-Erfahrungen lehren sie den Respekt vor der Natur, verdeutlichen die Gegenwärtigkeit lebendiger Kräfte und erinnern daran, dass die Welt voller Geheimnisse ist, die weder kontrolliert noch vollständig verstanden werden können.
Insektoide Wesen erscheinen in DMTVisionen oft als mit sogenannten Facettenaugen bestückte, segmentierte Entitäten, die an Insekten wie Bienen, Ameisen oder Gottesanbeterinnen erinnern. Diese Erscheinungen symbolisieren archetypisch die kollektive Intelligenz sowie Arbeitsteilung und evolutionäre Anpassung. Ihre Erscheinung erinnert daran, dass Veränderung oft durch systemische, vernetzte Prozesse geschieht. Eine Begegnung mit insektoiden Wesen im DMT-Raum kann eine tiefgreifende Erfahrung sein, die den Reisenden mit Fragen zur eigenen Existenz, zum Bewusstsein und zur Natur der Realität konfrontiert. Ihr oft mechanisch anmutendes Aussehen und das Fehlen menschlicher Emotionen kann sowohl faszinierend als auch beunruhigend wirken. Dennoch vermitteln diese Wesen häufig ein Gefühl der Ordnung und Struktur, das jedoch weit über das menschliche Verständnis hinausgeht.
Reptiloide Wesen: Urkräfte von Instinkt und Kontrolle Reptiloide Wesen erscheinen oft als humanoide Entitäten mit schuppiger Haut, schmalen Augen und einer kühlen, emotionslosen Aura. Ihr Erscheinungsbild erinnert an Echsen oder Schlangen und vermittelt Macht, Kontrolle und Unnahbarkeit. Archetypisch verkörpern sie die Urkräfte von Instinkt, Überleben und Machtstrukturen. Reptilien symbolisieren in vielen Kulturen sowohl Weisheit als auch das Dunkle und Verdrängte. Im DMT-Raum fordern diese Wesen den Reisenden auf, sich mit tiefen, urtümlichen Aspekten der eigenen Psyche auseinanderzusetzen. Sie mahnen in gewisser Weise zur Integration von Schattenanteilen.
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Kevin Johann
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Meister von Ordnung und Transformation
Begegnungen jenseits der gewöhnlichen Realität
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Lucys Nr. 1
S P I R I T UA L I TÄT
Engel, Lichtwesen und göttliche Entitäten: Verkörperung des Heiligen Viele DMT-Erfahrungen beinhalten Begegnungen mit Engel- oder Lichtwesen, was zutiefst berühren kann. Diese strahlenden Entitäten symbolisieren das Göttliche, das Heilige und die reinste Form des Bewusstseins. Sie vermitteln bedingungslose Liebe, Mitgefühl und spirituelle Führung. Menschen berichten von intensiven Gefühlen der Einheit, Heilung und des Friedens; nicht selten auch in Kombination mit Tränen der Rührung. Engel und göttliche Wesen wirken wie Botschafter universeller Harmonie und verbinden den Reisenden mit einem größeren Ganzen. Solche Begegnungen können das Gefühl entstehen lassen, Teil eines umfassenden Bewusstseinsfeldes zu sein.
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Der Clown:
Weise und vertraute Seelenbegleiter
Heiliger Narr und TricksterArchetyp
Manchmal begegnen Psychonauten im DMT-Raum auch menschenähnlichen Geistführern, die als weise Lehrer, spirituelle Führer oder helfende Begleiter erscheinen. Sie symbolisieren archetypisch die innere Weisheit und einen Aspekt des höheren Selbst, der den Reisenden durch die unbekannten Gefilde der Anderswelt navigiert und begleitet. Ihre Erscheinung variiert von vertrauten menschlichen Gestalten bis zu lichtvollen oder energetischen Formen. Dennoch vermitteln sie stets ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit. Sie dienen als Führer durch die komplexen Landschaften des Bewusstseins und stehen für Schutz, Orientierung und die Verbindung zur eigenen Lebensaufgabe.
Der Clown ist eine moderne Verkörperung des uralten Trickster-Archetyps. Er gilt als ein Grenzgänger zwischen Lachen und Wahnsinn sowie zwischen Tiefsinn und Absurdität. Wie es für einen Trickster charakteristisch ist, bringt der Clown durch Ironie, Übertreibung und gezielte Regelbrüche verborgene Wahrheiten ans Licht. Auch Psychonauten berichten von Clown-Begegnungen im DMT-Raum und beschreiben dieses Wesen als lachend und zwischen Humor und Unheimlichkeit oszillierend. Allerdings lachen diese Clowns nicht nur, denn häufig scheinen sie auch etwas zu «wissen». Sie scheinen uns zu durchschauen, enthüllen Schwä-
Ob Aliens, Elfen, Insektoide, Reptiloide, Engel oder andere Wesenheiten, sie alle sind Erfahrungen, die archetypische Strukturen widerspiegeln, die tief im kollektiven Unbewussten verankert sind ...
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Menschenähnliche Geistführer:
Lucys Nr. 1 chen und blinde Flecken mit einer Mischung aus Spott und Fürsorge. Sie verkörpern jenes Bewusstsein, das unsere Masken zerreißt und unser Ego auf die Schippe nimmt, allerdings nicht, um uns zu zerstören, sondern, um uns aus starren Identitäten zu befreien. Der Clown-Trickster bringt Erkenntnis durch das Lachen, das zwar oft zuerst wehtut oder Angst macht, aber im Nachgang sehr befreiend wirkt.
Begegnung mit DMT-Wesen und transpersonalen Entitäten eröffnet EinFazit Die blicke in Dimensionen des Bewusstseins, die jenseits der gewöhnlichen Realität liegen. Ob Aliens, Elfen, Insektoide, Reptiloide, Engel oder andere Wesenheiten, sie alle sind Erfahrungen, die archetypische Strukturen widerspiegeln, die tief im kollektiven Unbewussten verankert sind und den Reisenden nicht selten an die Grenzen seines eigenen Verstehens führen. Unabhängig davon, ob diese Wesen objektiv existieren oder Ausdruck innerpsychischer Prozesse sind, laden sie dazu ein, Fragen über die Natur des Bewusstseins, die Mehrdimensionalität der Wirklichkeit und die Beziehung zwischen innerer und äußerer Welt zu stellen. Die wissenschaftliche Forschung kann diese Phänomene bislang nicht abschließend erklären und Philosophie, Mythologie und Schamanismus deuten darauf hin, dass unsere Realität weitaus komplexer ist, als wir sie gewohnt wahrnehmen. Psychedelische Erfahrungen wie die mit DMT eröffnen somit nicht nur faszinierende Visionen, sondern ermöglichen eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den fundamentalen Fragen des Seins, der Spiritualität und der eigenen Existenz. Sie zeigen, dass die Grenzen zwischen Innenwelt und Außenwelt fließend sind. Kevin Johann ist Ethnobotaniker, Referent, Autor und Sozialpädagoge (M.A.). www.kevinjohann.de Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
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NACHTSCHATTEN
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NEUHEITEN
Lucys Nr. 1
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2026
Psychedelik
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Die Therapeutin Françoise Bourzat und die Heilerin Kristina Hunter stellen ein ganzheitliches Modell vor, das sich auf den dreifachen Prozess der Vorbereitung, Reise und Integration konzentriert. Das Buch liefert eine kohärente Landkarte für die Navigation in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen und leistet damit einen unschätzbaren Beitrag auf dem Gebiet der Heilung und Transformation.
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Kristina HunterEntheogene Psychotherapie Die Erkenntnisse und Anekdoten aus der Praxis des einflussreichen transpersonalen Psychotherapeuten Ralph Metzner zeigen auf, wie psychologische Probleme oft von Faktoren herrühren, z.B. von pränatalen Prägungen und Verbindungen mit den Vorfahren, die in der konventionellen Psychotherapie nicht berücksichtigt werden.
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In 15 detaillierten Fallgeschichten aus der mehr als 50-jährigen Praxis von Ralph Metzner beschreibt er u.a., wie geführte visualisierende Meditationen, yogische Licht-Feuer-Praktiken und die selektive Verwendung entheogener Substanzen in die transpersonale Psychotherapie integriert werden können und tiefe Heilung bewirken. Auf der Grundlage seiner Erfahrung als transpersonaler Psychotherapeut erforschte Ralph Metzner die spirituellen Assoziationen, karmischen Verquickungen sowie die Ahnenverbindungen, die unsere individuelle Psychologie prägen.
Indigenes Wissen, Entheogene Ralph Metzner (1936–2019) promovierte in den 60er Jahren in Oxford und Harvard zum Doktor der Philosophie und der klinischen Psychologie. Metzner war ein Urgeund Bewusstseinserweiterung stein der psychedelischen Forschung: Zusammen mit Timothy Leary und Richard (Ram Dass) war er an einer Studie im Rahmen eines Psilocybin-Forschungsals Weg zurAlpert Heilung
projekts an der Harvard-Universität beteiligt. Während der 70er Jahre widmete er sich zehn Jahre lang intensiv dem Agni Yoga, einem Meditationssystem, bei dem das Prinzip von Feuer und Licht in geistige Energie verwandelt wird. Er schrieb in den letzten dreißig Jahren zahlreiche Bücher und Publikationen zur psychedelischen Bewusstseinsforschung und war ein profunder Kenner dieser Szene.
Ralph Metzner
Entheogene Psychotherapie Spiritualität, Reinkarnation und der Einfluss unserer Ahnen
Entheogene Psychotherapie
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Psilocybin-Pilze, Ayahuasca und LSD sowie andere bewährte Techniken zur Bewusstseinsveränderung wie Trommeln, Meditation und Visionssuche werden heute als wirksame Katalysatoren für Veränderung und Heilung anerkannt. Aber wie stellen wir sicher, dass wir sie effektiv einsetzen?
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War Timothy Leary der »gefährlichste Mann der USA«, weil er wie Sokrates andere Menschen dazu aufforderte, sich selbst und die Gesellschaft zu hinterfragen? Warum war es für ihn ausgerechnet in den 1960er Jahren so wichtig, dass die Menschen Gurus und Anführer meiden und ihr Leben selbst bestimmen?
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Der Ruf des berüchtigten Harvard-Psychologen Timothy Leary basiert auf dessen Begeisterung für Psychedelika – auf das Bewusstsein einwirkende Substanzen wie Psilocybin, LSD, Meskalin und DMT, die fundamentale Wahrnehmungsveränderungen und spirituelle, lebensweisende Erfahrungen bewirken können. Leary wurde von Tausenden junger Menschen als der psychedelische Bewusstseinsforscher und als philosophisches sowie spirituelles Sprachrohr einer subversiven sozialen Gruppe verstanden.
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WISSEN
Lucys Nr. 1
Pflanzen, und auch bei Pilzen sind toxische und aversive Substanzen weit verbreitet. Vor diesem Hintergrund erscheint es zunächst plausibel, Psilocybin in dieselbe Kategorie einzuordnen.
Psilocybin und die Evolution Die Grenzen evolutionsbiologischer Erklärungsmodelle Philip Rebensburg
Diese Deutung wird durch ein Experiment gestützt, das jüngst im New Scientist Schlagzeilen machte. In dieser Laborstudie zeigten Fruchtfliegen nach der Aufnahme psilocybinhaltigen Materials Verhaltensänderungen: reduzierte Aktivität, Desorientierung, verminderte Fraßleistung. Solche Effekte lassen sich leicht als Abschreckung interpretieren, insbesondere wenn sie isoliert betrachtet und aus dem Kontext komplexer ökologischer Beziehun-
Psilocybin wird heutzutage überwiegend als eine bewusstseinsverändernde Substanz mit therapeutischem Potenzial betrachtet. Im aktuellen Konsens der biologischen Forschung hingegen wird es häufig auf eine deutlich einfachere Rolle reduziert: als chemische Abwehr von Pilzen; entwickelt, um Insektenfraß zu verhindern. Diese Erklärung wirkt auf den ersten Blick elegant und anschlussfähig, greift aber zu kurz.
Foto: iStockphoto/peterschreiber media
Die entscheidende Frage ist nämlich nicht, ob Psilocybin wirkt, sondern wie seine Wirkung evolutionsbiologisch einzuordnen ist. Psilocybin ist kein klassisches Fraßgift. Es blockiert weder physiologische Funktionen noch führt es zu unmittelbarer Letalität. Vielmehr greift es in neuronale Signalprozesse ein und verändert Zustände der Wahrnehmung, der Reizverarbeitung und des Verhaltens, und das bei sehr unterschiedlichen Organismen und auf jeweils spezifische Weise. Genau diese veränderten neuronalen Zustände stehen im Zentrum der evolutionsbiologischen Fragestellung, der ich in einer wissenschaftlichen Publikation nachgehe und über die dieser Artikel berichtet. Ich nähere mich dieser Frage als Biologe mit einem weiten, systemischen Blickwinkel, der sich für Muster, Beziehungen und Selektionsdynamiken interessiert. Aus dieser evolutions(bio)logischen Sicht scheint es naiv, ein so komplex wirkendes Molekül wie Psilocybin primär als Waffe zu interpretieren. Evolution ist keine zielgerichtete Optimierung einzelner Funktionen; sie formt Interaktionen, häufig über indirekte, nichtlineare und kontextabhängige Wege. Vor diesem Hintergrund drängt sich eine andere Lesart auf, nämlich, dass Psilocybin weniger als Abwehrstoff zu verstehen ist, sondern als Modulator von Zuständen, die ökologische Beziehungen beeinflussen. Psilocybin als chemische Abwehr zu deuten, fügt sich nahtlos in ein etabliertes biologisches Erklärungsmuster ein. Viele Organismen produzieren sekundäre Metaboliten, die Fraßfeinde abschrecken, lähmen oder töten. Alkaloide, Terpene und Phenole erfüllen diese Funktion in
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gen herausgelöst werden. Allerdings hat man ihnen kein reines Psilocybin verfüttert, sondern Zubereitungen aus Pilzmaterial und Extrakten, was eine eindeutige Zuordnung der beobachteten Effekte erschwert. Auch methodisch ist das Abwehrmodell attraktiv. Es erlaubt eine klare Ursache-Wirkungs-Zuordnung: Ein Molekül wirkt auf einen Organismus, das Verhalten ändert sich, die Fitness sinkt. Damit passt es gut zu experimentellen Designs, die auf Kontrolle, Reproduzierbarkeit und eindeutige Outcomes angewiesen sind, und so wird Psilocybin zu einem funktionalen Element innerhalb eines überschaubaren Modells geformt.
Foto: iStockphoto/gilaxia
Nicht zuletzt bietet diese Interpretationsebene auch eine konzeptionelle Bequemlichkeit. Sie ordnet Psilocybin in eine gewohnte Kategorie ein und erspart die Auseinan-
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dersetzung mit komplexeren Fragen nach Wahrnehmung, Kontextabhängigkeit und Interaktion. Dass diese Sichtweise lange Zeit kaum hinterfragt wurde, ist daher eher Ausdruck ihrer Anschlussfähigkeit an bestehende biologische Erklärungsmuster als ein Zeichen von Nachlässigkeit. So plausibel das Abwehrmodell zunächst erscheint, zeigt es doch bei genauerer Betrachtung deutliche Schwächen, die vor allem die Übertragbarkeit experimenteller Befunde betreffen. Ein Großteil der Evidenz stammt aus stark vereinfachten Laborsituationen, in denen Verhalten unter künstlichen, hochkontrollierten Bedingungen gemessen wird. Solche Settings erlauben zwar klare Beobachtungen, bilden jedoch die ökologische Realität ungenügend ab. Ein verändertes Bewegungs- oder Fressverhalten in einer reduzierten Umgebung sagt wenig darüber aus, wie sich ein Organismus in komplexen, dynamischen Lebensräumen mit Lernmöglichkeiten, Ausweichstrategien und Konkurrenz verhält.
Die beobachtete Wirkung eines Moleküls wird direkt mit seiner evolutionären Funktion gleichgesetzt. Damit verbunden ist eine begriffliche Verkürzung: Verhaltenseffekte werden häufig implizit mit Fitnessverlust gleichgesetzt. Desorientierung, reduzierte Aktivität und veränderte Reizverarbeitung sind jedoch keine toxischen Wirkungen im engeren Sinne. In evolutionsbiologischen Kontexten ist entscheidend, ob ein Effekt die Reproduktionswahrscheinlichkeit systematisch senkt. Für Psilocybin ist ein solcher Zusammenhang bislang nicht belastbar belegt. Dazu kommt ein konzeptioneller Kurzschluss: Die beobachtete Wirkung eines Moleküls wird direkt mit seiner evolutionären Funktion gleichgesetzt. Dass eine Substanz eine Wirkung entfaltet, bedeutet jedoch nicht, dass genau diese Wirkung der Grund für ihre Selektion war. Evolution operiert über langfristige Wechselwirkungen zwischen
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Foto: iStockphoto/fatido
Organismen, Umwelt und Zeit. Wirkung und Funktion fallen dabei nicht zwangsläufig zusammen. Letztlich bleibt noch die Frage der Spezifität. Psilocybin greift über den Serotonin-2A-Rezeptor in neuronale Signalwege ein, die über viele Tiergruppen hinweg hochgradig konserviert sind. Eine Substanz, die so unspezifisch in Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse eingreift, lässt sich nur schwer als gezielte Abwehrwaffe gegen eine klar definierte Gruppe von Fraßfeinden interpretieren. Das Abwehrmodell beschreibt Effekte, erklärt aber nicht ihre biologische Einbettung. Vor diesem Hintergrund rückt eine andere Perspektive in den Fokus, nämlich Psilocybin als Modulator veränderter neuronaler Zustände. Der zentrale Gedanke ist hier, dass evolutionäre Relevanz nicht allein aus toxischen oder abschreckenden Effekten entsteht, sondern ebenso aus der Fähigkeit, Wahrnehmung, Entscheidungsfindung und Verhalten zu verschieben. Pilze sind auf besondere Weise in solche Prozesse eingebunden. Sie agieren als Knotenpunkte in ökologischen Netzwerken, die Pflanzen, Mikroorganismen und Tiere miteinander verbinden. Ihre sekundären Metaboliten wirken daher selten eindimensional. Vielmehr modulieren sie Zustände, statt Prozesse abrupt zu blockieren. Psilocybin fügt sich in dieses Bild ein, indem es neuronale Aktivitätsmuster verändert, ohne den Organismus unmittelbar zu schädigen. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist eine solche Modulation plausibel. Verhalten ist ein zentraler Hebel der Selektion. Schon kleine Verschiebungen in Wahrnehmung, Aufmerksamkeit oder Reaktionsmustern können darüber entscheiden, wie lange ein Organismus an einem Ort verbleibt, welche Ressourcen er nutzt oder
welchen Risiken er ausgesetzt ist. Ein Molekül, das solche Parameter beeinflusst, kann ökologische Dynamiken verändern, ohne als klassisches Gift zu wirken. Besonders deutlich wird diese Perspektive im sogenannten Gastropodenmodell. In bisher wenig dokumentierten Experimenten mit Schnecken zeigt Psilocybin keine letalen oder stark aversiven Effekte. Stattdessen verändert es Aktivitätsmuster und insbesondere den zirkadianen Rhythmus. Diese Verschiebung ist ökologisch relevant. Die normalerweise nachtaktiven Tiere werden tagaktiv, bewegen sich anders durch ihre Umwelt und werden so mit erhöhter Wahrscheinlichkeit von Vögeln oder anderen tagaktiven Prädatoren (Fressfeinden) erbeutet. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Pilzsporen über Verdauungstrakte weiterverbreitet werden. Psilocybin schreckt hier nicht ab, sondern verändert Zustände so, dass ökologische Interaktionen in eine andere Richtung gelenkt werden. Dieses Modell ist hier ausdrücklich als Hypothese zu verstehen. Es zeigt exemplarisch, wie sich die Wirkung von Psilocybin evolutionslogisch schlüssig einordnen lässt, ohne auf das Abwehrparadigma zurückzugreifen. Philip Rebensburg ist Diplom-Biologe mit dem Spezialgebiet Mikrobiologie, Ökologie und Ökotoxikologie sowie Autor. www.philiprebensburg.de Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
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Lucy
Lucy in the Sky with Diamonds Schlüsselworte der Rauschkultur
in the sky LSD with
Claudia Müller-Ebeling
Rausch ist eine deutsche Spezialität – was den Begriff betrifft. Der ungewöhnlich genussreiche deutsche Bedeutungshorizont von Rausch in Saus und Braus erlaubt es, physische Ekstase, Geistesblitz, visionäre Erkenntnis und emotional ekstatischen Natur und Kunstgenuss als Rauschzustand zu bezeichnen. Weshalb sich (der Ekstase eher unverdächtige) tumbe Teutonen und Teutoninnen begeistert an Musik, Malerei, Poesie und Postkartenidyllen berauschen und trunken von Genüssen aus dem Vollen schöpfen dürfen; wie Gott in Frankreich (auch ohne Rotwein und Villa an der Côte d‘Azur). Im Gegensatz zum sonst meist geläufigen Verständnis Vergiftung (intoxication), Trunkenheit (drunkenness) und Umnebelung der Sinne (inebriation) – da übermäßiger Alkoholgenuss medizinisch eine Vergiftung ist, die kognitive Fähigkeiten beeinträchtigt, das Bewusstsein benebelt und Blackout bewirkt. Doch Alkohol ist die falsche Fährte zur Rauschkultur.
Unerwartet tiefgründig Schauen wir der deutschen Sprache in den Schlund. Das Substantiv Rausch (rūsch, mittelhochdeutsch 1563 belegt) wurzelt lautmalerisch in den Verben sausen und rauschen, die «eilen, stürmen, rasen» bedeuten (in der Schweiz assoziiert mit «munter, lustig»). Stürmische Worte, die – mit lärmen, heulen, toben, Taumel, Trance, Verzückung auf psychische Erregung und veränderte Bewusstseinszustände übertragen – mythisch unerwartet tiefgründig sind. Wenn Buchenblätter und Eschenlaub im Wind des hohen Nordens rauschen und Monsun-Winde vom Himalaya bis zum Golf von Bengalen übers Wasser des heiligen Ganges sausen, vereint das Götter, die sich nahestehen. Ihre elementare Expertise für Rausch und Trance machte Shiva zum verehrten Heuler Rudra und gab
Ekstase
Rausch
Verzückung
Trance
dem nordgermanischen Odin seinen südgermanischen Namen Wotan; abgeleitet von wōðaz: «wütend» im Sinne von ekstatisch, begeistert, inspiriert. Weshalb kosmisch mythische Dimensionen absoffen, der ehrfurchtgebietende griechische Gott Dionysos zum besoffenen römischen Bacchus degenerierte und Wotans germanische Nachfahren im irdisch-kollektiven Bewusstsein zu biertrinkenden Saufkumpanen verkamen – das wäre guter Stoff für ne andere Lucys-Nummer.
Code für LSD Hier geht es um dionysische Wort-Diamanten der Rauschkultur, die als nicht mehr salonfähig im Mainstream versunken waren, der sie dann unvermittelt nach oben spülte. Im globalen Underground der psychedelischen Ära der 1960er bis 80er Jahre zirkulierten angelsächsische Slogans und Schlüsselworte wie on the bus, bicycle ride, trip, angeknallt, high. Nicht nur Hippies klingt Lucy in the
Diamonds Foto: iStockphoto/Melpomenem
Hi folks – meldete sich jovial der Captain vom Cockpit – und verwies auf spectacular northern lights to your right. Nordlichter? Yippee hurray! Ein selten sichtbares Naturphänomen, einst beim TransatlanticFlug LA-Frankfurt. Unverhofft berauschend – wie das einzigartige deutsche Wort Rausch. Wer hätte das vermutet, hi folks? Dieser erste Lucys-Beitrag zur Rauschkultur stellt Codes und Schlüsselworte vor. In weiteren Teilen der Serie geht´s um zentrale Bilder, Symbole und Zeichen.
LSD
Sky with Diamonds noch im Ohr, buchstabiert als Code für LSD. Am 1. März 1967 in London, in den Abbey-RoadStudios aufgenommen, zählt der populäre Hit zum achten Beatles-Album «Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band», das als allgegenwärtiger Summer-of-Love-Soundtrack zeitlosen Ruhm erlangte. Nach Veröffentlichung am 1. Juni 1967 als erstes Konzept-Album der Rockgeschichte gefeiert, war es in mannigfaltiger Hinsicht ein Meilenstein: tontechnisch einzigartig, akustisch überraschend, künstlerisch hip und visuell revolutionär informativ. Denn (nach längerer Funkstille) erschien die erste primär für Stereo konzipierte Platte der Beatles mit erstmals abgedruckten Liedtexten auf dem rückseitigen Klappcover. Wo immer sich die Scheibe in Endlosschleife drehte, drifteten angetörnte Fans im Fluss der Musik weltweit weg. Grenzenlos high with a little help from my friends – dank international verfügbarer Songstrophen vor (Kaleidoskop-) Augen – von Lucy in the Sky with Diamonds.
Lucy in the Sky with Diamonds Der Songtitel sei von einer Kinderzeichnung seines Sohnes Julian inspiriert, betonte John Lennon stets. Der vierjährige Julian habe seine Freundin Lucy gemalt, am Him-
LSD mel mit Sternen, gezackt wie Diamanten; und rechts oben hingekrakelt Lucy in the Sky with Diamonds. «Was für ein toller Songtitel! Das kam uns abgefahren vor, irgendwie tripmäßig», weshalb Paul und John sofort mit dem Song begannen – wie Olaf Benzinger Paul McCartney in den Mund legt (im Beatles-Beitrag zur «Meisterwerke»-Serie bei Piper). Tripmäßig war auch das unbestritten psychedelisch gestaltete Cover von Peter Blake. Mit Wachsfiguren ihrer selbst, als ironischer Image-Zäsur, präsentierten sich die vier Pilzköpfe in eigens angefertigten Fantasie-Uniformen als fiktive Band nach einem Konzert im Park. Inmitten einer Collage von Persönlichkeiten, die sich jedes Bandmitglied (laut Wunschliste) im Publikum erhofft hätte. Darunter auch William Burroughs, Aldous Huxley, Edgar Allen Poe, Lewis Carroll. Dezidierte Protagonisten der Rauschliteratur, die Pforten der Wahrnehmung erweiterten und das kollektive Bewusstsein um Alice im Wunderland bereicherten. (Egal was deren Raupe rauchte und ob ihr Autor überhaupt irgendwas.)
Kindliche Fantasie Zurück von Carrolls Alice zu Julian Lennons Lucy. Das kleine Mädchen, das mit einem Haufen Sternen und kind-
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licher Fantasie die Beatles beeindruckte, ist nach wie vor umstritten, doch eine geile Story, die durch alle Medien geistert. In kontrovers kolportierten Varianten, die Zeit und Raum mühelos ignorieren und die vierjährige Sandkasten-Freundin Lucy O‘Donnell munter zur Klassenkameradin Lucy Vodden verwandeln (wie sie erst nach ihrer Heirat hieß). Ob Julian den Titel wirklich schon als Kleinkind kritzelte, ist zu bezweifeln. Was der (gänzlich auf gesicherte Quellen verzichtende) Hype ins Visier nimmt, ist die infantile Inspirationsquelle. Ist also nur kindliche Fantasie erlaubt? Die Beatles wussten, was medial genehm ist – oder gefährlich. Sie bestritten, drogenverdächtige Assoziationen im Sinn gehabt zu haben. Ihr Songtitel suggeriere keinen Geheimcode für L-S-D. Diese Lesart der Anfangsbuchstaben sei ihnen erst später aufgefallen, betonten sie stets in Interviews. Psychedelische Stimuli dementierte 1971 insbesondere John Lennon vehement. Aus guten Gründen.
auf dem man sich bewegt. En vogue ist, was jeweils passt und schick ist, sonst ist man out. Deplatzierte Worte sind brandgefährlich, wusste John Lennon als gebranntes Kind.
Synonym der Rauschkultur Nichtsdestotrotz machte Lucy in psychedelischen Kreisen Karriere. Ihr nach Licht, Lust, Erleuchtung klingender Name wurde zum Synonym der Rauschkultur. Deshalb heißt dieses Magazin auch so. Der nach Lucy betitelte Beatles-Song begleitete Dropouts, Sessions, Sit-ins und kreisende Joints mit Sound und Klang. Vereinte Spirits und Souls in a boat on a river. Lockte Beatles-Fans und Hippies nach Swinging London. Ließ Anglophile von MandarinenBäumen und Marmelade-Himmeln träumen ... Lucy in the sky with diamonds inspirierte 1974 sogar den Australopithecus-Fund solider Wissenschaftler. Lucy tauften sie das fossile weibliche Skelett unserer 3,2 Millionen Jahre alten Urahnin. Erstaunlicherweise verweist Wikipedia bei Lucy auf dinkinesh «Du Wunderbare» der äthiopischen Amtssprache Amharisch. Bei paläontologischen Grabungen in Äthiopien auf ein weibliches Individuum unserer Vormenschen zu stoßen, ist eine berauschende Erfahrung. Ein wirkliches Wunder unseres uralten Seins. Das schließt den Kreis zum eingangs erwähnten Rausch als ekstatisch, begeistert, inspiriert und erlöst die allzu gerne infantilisierte Lucy vom Dornröschenschlaf, die zum Glück wunderbar berauschend blieb.
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Auch Worte sind Kleider Im Februar 1966 hatte Lennon der Journalistin Maureen Cleave privaten Zutritt gewährt, für ihre Reportage «Wie lebt ein Beatle». Seine beiläufige Bemerkung, die Popularität der Beatles und Rockmusik verdränge allmählich sogar den Glauben an Jesus, überlas die britische Leserschaft des Evening Standard. In den USA aber entzündete die Veröffentlichung während ihrer Tournee (!) Feuer im Bible Belt, wo wütende Christen Beatles-Platten verbrannten und Radiostationen ihre Hits verbannten, weil sie Lennons Vergleich als Blasphemie verstanden und klärende Interviews nicht anerkannten. Der Eklat verdeutlicht: Auch Worte sind Kleider. Ob sie schützen, zieren, verhüllen oder entblößen entscheidet das Parkett,
Claudia Müller-Ebeling ist Ethnologin, Kunsthistorikerin, Autorin und Psychedelik- und Schamanismus-Expertin. www.claudia-mueller-ebeling.de Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
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Hanf eine Heilpflanze zwischen Ritual und Ekstase Markus Kellenberger
Über Hanf als Heilpflanze wird viel geschrieben. Dass Cannabis aber auch ein ebenso wirksames Mittel ist, um vertiefte spirituelle Erkenntnisse zu erleben, und darüber hinaus ein starkes Aphrodisiakum ist, wird dabei gerne unterschlagen. Das hat viel mit kirchlichen Machtansprüchen und Moralvorstellungen zu tun. Das ist schade, denn genau diese wunderbaren Kräfte haben Menschen schon immer genutzt. Foto: iStockphoto/ilbusca
Sobald nicht mehr nur von Hanf, sondern von einem seiner vielen Namen wie Marihuana, Shit, Weed, Hasch, Pot, Piece oder Gras die Rede ist, dann denken viele an bekiffte Jugendliche, an klebrige, stark duftende Blüten, an genussvolle Abende oder an politische Debatten über die Legalisierung. Bei all dem geht vergessen, dass unsere Urgroßväter noch eine völlig andere Hanfkultur kannten. Bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts lagen in vielen Bauernstuben völlig unbeschwert die Knasterpfei-fen herum. Abends wurde darin neben Tabak auch Hanf geraucht. Das Rauchen der «Sonntagspfeife», wie sie Jeremias Gotthelf in einigen seiner Geschichten nannte, diente nach der Arbeit der Belohnung, aber nicht um die Sinne zu benebeln, sondern um Körper und Geist zu entspannen und die Gedanken in friedliche Bahnen zu lenken.
Verbot aus rassistischen Gründen Hanf war nicht nur eine der wichtigsten Nutzpflanzen, aus der neben Heil- und Nahrungsmittel auch Fasern für die Kleiderherstellung gewonnen wurden, sondern er war immer auch ein willkommenes Entspannungs- und Rauschmittel. Über Tausende von Jahren hinweg gehörte Hanf zum Alltag der Menschen, wie der Ethnobotaniker Christian Rätsch mit seinen Recherchen nachwies. Der dem Hanf bis heute anhaftende bis heute anhaftende schlechte Ruf wurde erst vor rund hundert Jahren in den USA mit einem radikalen Hanfverbot begründet. Einerseits schaltete damit die neu entstandene Nylonindustrie ihren größten Konkurrenten aus, andererseits zielte das Verbot aus rassistischen Gründen auf die afroamerikanische Bevölkerung, die Hanf als Genussmittel ebenso gerne nutzte wie die Schweizer Bauern. Hanfgenuss mache faul und aufmüpfig, hieß es, führe zu sexueller Enthemmung, sei ein Mörderkraut und das Ein-stiegstor in härtere Drogen. Gerade letztes Vorurteil hält sich bis heute hartnäckig,
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auch wenn das Bundesamt für Gesundheit BAG dies offiziell längst widerlegt hat.
kaum ein Zweifel, dass Cannabis im Judaismus eine Rolle gespielt hat.»
Das Hanfverbot der USA schwappte innert Kürze über die ganze westliche Welt, und so ging nicht nur ein Stück uralte Volkskultur verloren – sondern es wurde auch eine Pflanze kriminalisiert, die über Jahrtausende hinweg in spirituellen und sinnlichen Kontexten immer weit mehr war als nur eine «Droge».
Neue spirituelle Erfahrungen
Das Tor zum Göttlichen Seit Urzeiten sucht der Mensch den Kontakt zu Geistern, höheren Mächten und zum Heiligen, und fast überall auf der Welt spielen dabei Pflanzen mit psychoaktiver Wirkung eine wichtige Rolle. Cannabis, also Hanf, gehört zu den in Fachkreisen als entheogen bezeichneten Pflanzen, die dank ihrer Wirkung bei spirituellen Ritualen das Göttliche im Inneren erfahrbar machen können. In Indien beispielsweise wird Hanf seit jeher verehrt, und gilt in den hinduistischen Veden als eine der fünf heiligen Pflanzen, die als «Quelle der Freude» auch von Ängsten befreit. Zum Holi-Fest, das jeweils im Frühling gefeiert wird, trinken Gläubige bis heute ein Getränk namens Bhang, das aus Milch und Hanfblättern zubereitet wird. Mit diesem Getränk ehren sie Shiva, den Gott der Transformation, und suchen mit Hilfe der psychoaktiven Wirkung des Hanfs bewusst einen Zustand zu erlangen, der jenseits der alltäglichen Wahrnehmung liegt. In Tibet wird Hanf von Mönchen genutzt, um bei der Meditation länger in stiller Versenkung verweilen zu können. Und auch im Judentum wurde Hanf als Bestandteil in heiligen Ölen und Räucherwerken verwendet, wie Carl A. P. Ruck, Professor für klassische Mythologie an der Universität Bosten, im Rahmen seiner Forschungen feststellte: «Es besteht
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Warum also ist gerade die Kirche im Westen Cannabis gegenüber so skeptisch? Ein Teil der Antwort liegt in der Geschichte des Christentums selbst. Schon früh entwickelte sich hier eine Kultur der Lustfeindlichkeit, und Rausch, Ekstase und körperliche Lust galten als potenziell gefährlich für das Seelenheil. Der Ethnologe Wolf-Dieter Storl sagt es so: «Die Kirche hatte immer Angst vor allem, was den Menschen unabhängig von der kirchlichen Autorität zum Göttlichen führen könnte.» Pflanzen wie Hanf bedrohten also nicht nur die Moral – sondern vor allem die Macht. Das führte über Jahrhunderte hinweg zu einer Stigmatisierung pflanzlicher Rauschmittel – eine Haltung, die sich bis in unsere Zeit fortsetzt.
Neue Formen von Spiritualität Heute suchen aber immer mehr Menschen nach neuen Formen von Spiritualität auch außerhalb der Kirchen, und so erlebt Cannabis in diesem Zusammenhang eine stille Renaissance. Studien der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, USA, zeigen, dass Cannabis in moderaten Mengen mystische Erfahrungen verstärken kann. Das bedeutet aber nicht, dass Hanf automatisch «erleuchtet». Aber er kann, bewusst und massvoll genutzt, zu neuen spirituellen Erfahrungen führen. Wichtig dabei ist, wie Christian Rätsch in seinen Büchern betont, «die Absicht, mit der man einer Pflanze und deren Geist begegnet». Ohne Ritual, ohne innere Haltung, meinte er, bleibe es beim Rausch.
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63 Lucys - Alles, was deinen Geist bewegt Nr. 1 Juni 2026 ISSN 3043-0801 Herausgeber Roger Liggenstorfer Nachtschatten Verlag AG Kronengasse 11 CH-4500 Solothurn Fon: +41 32 621 89 49 info@nachtschatten.ch www.nachtschatten.ch www.lucys-magazin.com
Die Lust an der Lust Ein anderer Grund, weshalb Hanf vielen Religionshütern suspekt ist, ist seine Wirkung auf die Sexualität. Hanf ist nachweislich ein hochwirksames Aphrodisiakum. Anders als Alkohol, der oft enthemmt, aber zugleich abstumpft, kann Hanf die körperliche und seelische Wahrnehmung verfeinern. Unter seinem Einfluss werden Berührungen intensiver, Geräusche und Gerüche sinnlicher empfunden und der eigene Körper empfänglicher. Eine vor drei Jahren im Journal of Cannabis Research veröffentlichte Studie zeigt: Mehr als zwei Drittel der Befragten, die vor einer sexuellen Begegnung Cannabis zu sich nahmen, berichten darin von erhöhter Lust, intensiveren Orgasmen und gesteigerter Nähe zum Partner. Besonders Frauen gaben an, dass Cannabis sie «mehr in den Körper» brachte, weg von Leistungsdruck und Kopfkino und hin zu mehr Präsenz.
Chefredaktion Markus Berger markus@lucys-magazin.com Redaktion Camilla Landbø camilla@lucys-magazin.com Roger Liggenstorfer roger@lucys-magazin.com Layout, Bildredaktion & Webdesign Hedda Reinhardt hedda@lucys-magazin.com reinhardt-grafikdesign.com
Sexuelle Zufriedenheit Eine Studie der Stanford University School of Medicine in Kalifornien kam zu ähnlichen Ergebnissen. Moderate Mengen Cannabis verbessern Erregung, Orgasmusfähigkeit und sexuelle Zufriedenheit. Und auch die Universität Zürich stellte bei einer Untersuchung zum Thema Paarsexualität fest, dass Substanzen, die Angst und innere Spannungen reduzieren, Frauen und Männern helfen können, leichter in ihre Lust zu finden. Das Fazit dieser Untersuchung: Cannabis kann hier, ähnlich wie Entspannungsübungen und naturheilkundliche Präparate, eine sanfte Unterstützung sein. Damit Hanf diese Wirkung heilsam entfalten kann, braucht es Klarheit zwischen den Partnern. Beide müssen der Verwendung zustimmen und sich bewusst sein, dass dazu wenige Tropfen oder Züge von einem Joint genügen, denn in hohen Dosen, warnen die Fachleute, schlage der Effekt ins Gegenteil um. Richtig und maßvoll angewendet kann Cannabis aber zu einem Lustverstärker werden, der Körper und Seele verbindet – nicht als Ersatz, sondern als Verstärker für wohltuende und erfüllte Nähe.
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Markus Kellenberger ist Journalist und ehemaliger Chefredakteur der Zeitschrift Natürlich. markuskellenberger.ch Autorenvitas auf www.lucys-magazin.com/autoren
Mitarbeit an dieser Ausgabe Françoise Bourzat, Brigitte Grof, Kevin Johann, Markus Kellenberger, Claudia Müller-Ebeling, Philip Rebensburg, Tom Saborowski, Giorgio Samorini, Melanie Söchtig, André Steiner Onlineredaktion Mirko Berger, Tom Saborowski Social Media Geraldine Kiewes geraldine@lucys-magazin.com Nicole Maron nicole@lucys-magazin.com Korrektorat Camilla Landbø Inga Streblow
Technische Betreuung (Webmaster) Roland Sager rosa-web Medienagentur hello@rosa-web.de rosa-web.de Bankverbindungen Schweiz Regiobank Solothurn Konto-Nr.: 443.213.16.114 IBAN: CH20 0878 5044 3213 1610 8 BIC: RSOSCH22 Deutschland Postbank Hamburg Konto-Nr. 969 792 202 IBAN: DE35 2001 0020 0969 7922 02 BIC: PBNKDEF, Vermerk: Lucys Rausch Druck Druckerei & Verlag Steinmeier, Deiningen. Printed in Germany Vertriebe IPS Pressevertrieb GmbH 53334 Meckenheim www.ips-pressevertrieb.de Buchhandel Schweiz AVA Verlagsauslieferung, Merenschwand avainfo@ava.ch Head- & Hanfshops Schweiz Nachtschatten Versand versand@nachtschatten.ch Buchhandel, Head- & Hanfshops Deutschland & Österreich LKG, Rötha/Leipzig Eric.Falkner@lkg.eu Vertreterin Deutschland/Österreich Ines Schäfer service@verlagsvertretung-schaefer.de Verkaufsstellen lucys-magazin.com/verkaufsstellen
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Erscheint am 8. September 2026 !
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Rauchen ist tödlich – hören Sie jetzt auf. Fumer tue – Arrêtez maintenant. Il fumo uccide – Smetti subito.
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