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BERICHTE AUS WIRTSCHAFT UND GESELLSCHAFT

Fest im Sattel

Schönebecker Manufaktur fertigt elegante Fahrräder im Retro-Stil Seite 16

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Landeshauptstadt Magdeburg IBA 2010

olietbttdoie e b l e Das Jahr 2010 ist das Jahr der Internationalen Bauausstellung (IBA) Stadtumbau Sachsen-Anhalt. 19 Städte unseres Bundeslandes zeigen, wie sie ausgewählte Quartiere entwickelt haben, damit sie lebenswert und gut gerüstet für die Zukunft sind. Das Magdeburger IBA-Thema „Leben an und mit der Elbe“ verdeutlicht, wie wichtig der Fluss für die Stadt und ihre weitere Entwicklung ist. Brachflächen entlang der Elbe werden reaktiviert, Räume zum Wohnen und Arbeiten entstehen.

Stadt und Fluss rücken wieder zusammen. Die Präsentation des Magdeburger IBA-Beitrages beginnt mit den Ausstellungen „IBA 2010 Magdeburg“ und „Kulturlandschaft Elbe“ ab 20. April im IBA-Shop in der Regierungsstraße 37. Am 24. April wird am Petriförder der IBA-Pfad mit zahlreichen Stationen im Umfeld der Elbe eröffnet. Der IBAPfad zeigt beeindruckend, wie positiv sich Magdeburg in den vergangenen Jahren an seinem Fluss entwickelt hat.


Aus meiner Sicht

Einen Turm wie den Burj Chalifa haben wir in Sachsen-Anhalt

Ich lade Sie ein zu Sachsen-Anhalts IBA. Fertige Lösungen dürfen

burger. Nicht einmal einen Stararchitekten gönnen wir uns. Weil

im 21. Jahrhundert. Schon stelle ich mir lebhaft vor, wie Italiener

nicht. Wir bauen auch keine neue Elbphilharmonie wie die Hamwir nicht können. Weil wir nicht wollen.

Sachsen-Anhalts Städte müssen nicht hoch hinaus, weil es unten genügend zu tun gibt. Sie haben zu wenig Einwohner für zu viele

Häuser. Die demographische Entwicklung sitzt unseren Kommunen gehörig im Nacken. Genauso wie vielen anderen europäi-

Sie nicht erwarten, jedoch ein Labor für die europäische Stadt

beim Pizzaitaliener in lutherischen Wittenberg leidenschaftlich

streiten, ob man auch in Venedig einen „Campo“ für Bildungstou-

risten schaffen könnte, damit sie nicht nur zwei Tage kurz bleiben. Wer einmal an einem Winterabend durch die Serenissima gegondelt ist weiß, was ich meine.

schen Städten jenseits der Metropolen. Ehrlich mal, der Ruhrpott

Klar wurde für die IBA auch gebaut. Aber Sachsen-Anhalts Städte,

Kulturhauptstadt feiert.

brauchen keine Renommierobjekte. Ein zweiter Dubai-Tower

stirbt seit Jahren aus, auch wenn er sich gerade als europäische

Ich finde es toll, dass wir in Sachsen-Anhalt bei diesem Problem

nicht weggucken und tatsächlich mal früher aufgestanden sind

etliche haben übrigens ein sehenswertes historisches Zentrum, könnte Probleme höchstens in der Weise lösen, dass man sie von oben nicht mehr sieht.

als andere. Seit acht Jahren hat unser Land eine Internationa-

Selbstverständlich gibt es Städte, die keine Abwanderungssorgen

mit immerhin auch rund einer Million Einwohnern zusammen

machen es auch nicht jedem leicht, dort zu leben. Übrigens ist

le Bauausstellung (IBA) zum Stadtumbau vorbereitet. 19 Städte

haben sich auf das spannende Experiment eingelassen, wie man sich schlank schrumpfen und dabei vitaler werden kann. Bei Men-

haben. Zum Beispiel München. Aber Weißwurst und süßer Senf Aschersleben sogar älter als München.

schen funktioniert das immerhin.

Ute Semkat, Redaktionsleiterin

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In diesem Heft

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Interview

Im Gespräch mit Prof. Dr. Arnulf Baring, Zukunft braucht Herkunft………..……….................….. 6

Städtebau

Mit dem Experimentierkasten in die Stadt Internationale Bauausstellung Sachsen-Anhalt macht Mut zu einem Umbau ohne Tabus.........10

Wirtschaft

Große Leidenschaft auf zwei Rädern Die Schönebecker Brüder Leue haben Omas Fahrrad wieder zur Weltmarke gemacht.........16

IT-Branche

Gelungenes Beispiel für lebendige Demokratie Seite 6 Die Aktivierung des bürgerschaftlichen Engagements sieht der Publizist Arnulf Baring als ein charakteristisches Merkmal der Internationalen Bauausstellung „Stadtumbau 2010“ in Sachsen-Anhalt. Neben den städtebaulichen Effekten und der historischen Dimension sei dieses Projekt auch ein Beispiel für lebendige Demokratie, meint er. Das Sachsen-Anhalt-Magazin fragte den gebürtigen Dresdner, der die IBA „Stadtumbau 2010“ als Kuratoriumsmitglied begleitet, nach der Bilanz einer achtjährigen Entwicklung, deren Ergebnisse in diesem Jahr öffentlich präsentiert werden.

Bits, Bytes und Bewegung Junge Branche in Sachsen-Anhalt braucht kreative Querdenker……………..........……....18

Chemieindustrie

Katalysator für die Kunststoffbranche Exzellente Forschungsinfrastruktur für Mittelständische Unternehmen……................. 22

Sponsoring

Gerstensaft zur WM kommt aus dem Harz Hasseröder ist Deutschlands offizielles WM-Bier.....………………….............................26

Tourismus

G2-Gipfel auf dem deutschesten aller Berge Brockenbotschafter seit 20 Jahren: Benno Schmidt und Hans Steinhoff………..........................28

Forschung

Offene Liebschaft mit Algen Prof. Dr. Carola Griehl ist Energie-Botschafterin des Wissenschaftsjahres 2010….………………...........33

Wissenschaft

Die Tropfenfänger in der Wische Warum Wissenschaftler in der Altmark in den Untergrund gehen………………………..…..............36

Nahverkehr

Neue Wege übers Land „Einkaufsbus“ soll Lebensqualität älterer Menschen verbessern…………………………..…..............38

IBA Sachsen-Anhalt: Umbau und Umdenken

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Ein See anstelle Marktplatz, ein virtueller Campus und Stadtplanung durch Homöopathie – die Internationale Bauausstellung Stadtumbau 2010 ist ein Labor voller ungewöhnlicher Experimente. Ab April zeigen 19 Städte in SachsenAnhalt, wie sie trotz Bevölkerungsrückgangs ihr urbanes Leben bewahren – schlank, attraktiv und vitaler als zuvor. An dieser „Kur“ beteiligt sich zum Beispiel in Naumburg die Interessengemeinschaft Wenzelsgasse mit dem Umbau eines Architektur- und Umwelthauses.


In diesem Heft

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Bildung

Fester Stand für die Leiter nach oben Sponsoren aus der Wirtschaft unterstützen Eliteförderung für junge Menschen…………........40

Orientierungsstark im Behördendschungel

Menschen

Als Weltenkenner auf Präzisionskurs Bernd Zorn: Globalplayer aus der Hansestadt Stendal………………………....…………….......42

Seite 18

Sachsen-Anhalts Wirtschaft befindet sich in einem starken Wandel. Hier hat sich ein kleiner, aber feiner Standort der IT-Branche entwickelt. Auf ihre Produkte kann weder Google-Earth noch Hessens Landesregierung verzichten. Die TSA Teleport SachsenAnhalt Service zum Beispiel hat einen „Zuständigkeitsfinder“ entwickelt, eine webbasierte Software, mit der Unternehmer sofort den richtigen Ansprechpartner für den jeweils gewünschten Verwaltungsservice finden können. Foto: TSA-Geschäftsführer Marco Langhof (rechts) und Thomas Patzelt

Briefe an die Redaktion

Stimmen zum Sachsen-Anhalt-Magazin…...........45

Impressum: HERAUSGEBER SAM. Sachsen-Anhalt-Magazin Verlag GbR Geschäftsführer: Michael Scholz, Wolfgang Preuß KONTAKT SAM. Sachsen-Anhalt-Magazin Verlag GbR Schilfbreite 3, 39120 Magdeburg Tel. 0391 63136-45, Fax 0391 63136-47 info@st-magazin.de www.sachsen-anhalt-magazin-verlag.de REDAKTIONSLEITUNG Ute Semkat, Christian Wohlt redaktion@st-magazin.de

Und täglich ruft der Berg

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Den Brocken hat er so oft bezwungen wie kein anderer. Jetzt stiefelt Brocken-Benno seinem 6  000. Gipfelsturm entgegen. Im Mai soll es soweit sein. Dann wird der Rekordhalter Benno Schmidt wieder von vielen Fernsehkameras auf dem 1   142 Meter hohen Gipfel erwartet. Er ist inzwischen eine lebende Legende, ebenso wie Brockenwirt Hans Steinhoff. Zusammen sind sie die perfekten Botschafter für den Harz.

Präzise navigiert

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140 Jahre Tradition, 140 Länder und 300   000 Kilometer – das alles sind Zahlen, die sich auf besondere Weise mit dem Stendaler Bernd Zorn verbinden. In vierter Generation hält der Globalplayer das Steuer des Familienunternehmens auf gutem Kurs und produziert für Kunden in der ganzen Welt präzise Prüf- und feinste Medizintechnik – eine Erfolgsgeschichte aus der Altmark.

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ANZEIGEN Ralf Harms Tel. 03943 5424-27 anzeigen@st-magazin.de FOTOGRAFIE Michael Uhlmann DRUCK Harzdruckerei GmbH, Wernigerode Schutzgebühr: 4,00 EUR Das Magazin und alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Der Nachdruck – auch auszugsweise – ist nur mit schriftlicher Genehmigung und Quellenangabe gestattet. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder wird keinerlei Gewähr übernommen. Die namentlich gekennzeichneten Beiträge stehen in der Verantwortung des jeweiligen Autors. 2. Jahrgang 2010 ISSN 1868-9639


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Interview

Zukunft braucht Herkunft! – Was man nicht nützt, ist eine schwere Last Der Historiker Prof. Dr. Arnulf Baring sieht die Internationale Bauausstellung Stadtumbau 2010 in Sachsen-Anhalt als aktiven Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Selbstwertgefühls in Deutschland

Hätte das Land die bekanntermaßen knappen öffentlichen Mit-

seiner oft einzigartigen Schönheit von großer Bedeutung. Für

einen oder anderen Gebäude eine neue Fassade zu geben?

Zeit weniger Wohnraum brauchen als früher, dann müssen die

tel anstatt für die IBA nicht besser dafür verwenden sollen, dem

Arnulf Baring: Nein. Ich fand das Vorhaben dieser Internationa-

mich und viele andere war völlig klar: Wenn wir auf absehbare Plattenbauten weg und nicht die historischen Stadtzentren.

len Bauausstellung von vornherein faszinierend, weil sie etwas

Abriss ist nicht gerade ein populäres Motto. Aber wie lässt sich

haben, so weit ich weiß, immer selbstverständlich Neubauten,

ser umreißen?

ganz Neues, Wegweisendes wollte. Bisherige Bauausstellungen

Neusiedlungen für ihr Thema gehalten und zur Diskussion gestellt. Die Thematik war hier von Anfang an eine andere. Es

das zentrale Thema dieser Internationalen Bauausstellung bes-

Arnulf Baring: Was ist unsere Antwort auf die Schrumpfung

ging um den Rückbau, der angesichts einer massiv schwinden-

der Bevölkerung? Was machen wir mit den vielen leer stehen-

Großteil unserer Landsleute, zumal in der alten Bundesrepublik,

Fragen haben weit über das Bauwesen und auch weit über die

den Bevölkerung unvermeidlich ist. Dieses Problem ist einem wo es sich erst in einiger Zeit wirklich stellen wird, noch nicht

bewusst. Im Westen will man bisher noch nicht wahrhaben, in

welchem Umfange die frühere DDR vom Bevölkerungsschwund befallen ist.

Und wie geht man in Sachsen-Anhalt mit diesem schwierigen Problem um?

Arnulf Baring: Am Anfang der Diskussion stand die Frage: Was

müssen wir eigentlich retten? An manchen Orten legten die neuen Eigentümer, Wohnungsbaugesellschaften, verständli-

den Häusern, die mehr und mehr überall zu sehen sind? Beide

Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus Bedeutung für ganz Deutsch-

land. Was heißt es für unsere Zukunft als Nation, wenn unsere wunderbaren Altstädte vor unseren erstaunten Augen einfach verfallen, wenn künftige Generationen gar nicht mehr anschau-

lich erfahren können, wie schön unser Land einmal gewesen ist, wie groß der bauliche Reichtum war, den uns die Vorfahren hinterlassen haben.

Was sehen Sie als besondere Stärken dieser IBA Stadtumbau 2010 an?

cherweise großen Wert darauf, die Plattenbauten, die sie gerade

Arnulf Baring: Es war ein glücklicher Gedanke, bei diesem Pro-

ner sich in ihnen wohl zu fühlen schienen. Auf der anderen Seite

durch Anweisungen von oben, aus der Landeshauptstadt, den

umfassend saniert hatten, zu erhalten, zumal viele der Bewoh-

standen alle, die alte Zentren, oft malerische Altstädte retten

wollten und daher für den Abriss der Plattenbausiedlungen plä-

jekt keine zentralen Auflagen zu machen. Hier wurde nicht

Gemeinden und Städten vorgeschrieben, was sie zu tun hätten.

dierten.

Für mich war von Anfang an vollkommen klar, dass die Rettung der Substanz der alten Stadtzentren auf jeden Fall oberste Priorität hatte. Anders als in Westdeutschland sind in der früheren

DDR viel mehr alte Städte vom Zweiten Weltkrieg verschont ge-

Prof. Dr. Arnulf Baring wurde 1932

in Dresden geboren. Der Historiker

blieben. Sie sind ein Schatz, an dem sich der kulturelle Reichtum

und Publizist lebt heute in Berlin und

tisch wertvoll. Auch für das historische und kulturelle Selbst-

Internationalen Bauausstellung

unserer Vergangenheit ablesen lässt. Das ist nicht nur touris-

wertgefühl der heutigen Deutschen ist unser bauliches Erbe in

ist Mitglied des Kuratoriums der

Stadtumbau 2010 in Sachsen-Anhalt.


Interview

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Interview

Niemand verlangte, bestimmte Fassaden neu zu streichen oder Marktplätze auf eine bestimmte Weise zu restaurieren. Ganz im

Gegenteil hat man die Städte aufgefordert, eigene Überlegungen anzustellen, sich auf lokale Stärken zu besinnen, spezifische

Zukunftskonzepte zu entwickeln. Wir leben in einer Demokra-

tie, was man manchmal vergisst. Der Staat baut sich von unten nach oben auf und nicht umgekehrt.

...was im Umkehrschluss heißt, dass dezentrale Lösungsansätze also gewollt sind?

Arnulf Baring: Wenn man die Ergebnisse der Anstrengungen

sieht, die in der Vorbereitung der IBA in den beteiligten Städ-

ten unternommen wurden, merkt man, wie unterschiedlich die Antworten auf ähnliche Herausforderungen waren. Ganz wich-

tig war, ob sich an einem gegebenen Ort gleichgesinnte, aktive Menschen zusammenfanden und gemeinsam ans Werk machten. In diesem Zusammenhang ist mir beispielsweise Bernburg

besonders aufgefallen. Es hat sich dort eine Gruppe tatkräftiger Bürger gebildet, die die Belebung des Zentrums und eine Konzentration des lokalen Schulwesens zu einem Gesamtkonzept

entwickelt haben. In Köthen wiederum hatte man den glückli-

anlage mit einem See in der Mitte – durchaus ansprechend ist.

thie in der Stadt zum Ausgangspunkt eigener akademischer

Zentrum, eine bewohnte Mitte, ein Kern für das Selbstgefühl der

chen Einfall, die Besinnung auf die Entstehung der HomöopaAktivitäten zu machen, einer neuartigen Fruchtbringenden Gesellschaft.

Nicht alle Orte haben solche Chancen. Die Bilanz in den 19 beteiligten Städten wird unterschiedlich ausfallen. Insgesamt hat

die IBA in Sachsen-Anhalt viele lokale Aktivitäten angestoßen. Ich hoffe, dass man in ganz Deutschland von den Erfahrungen profitieren wird, die von der Magdeburger Regierung ausgelöst

worden sind. Denn die Probleme des Rückbaus werden sich auch anderswo bemerkbar machen.

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten: Welches sind denn die Schwächen dieser achtjährigen Bauausstellung?

Arnulf Baring: Die lokalen Gegebenheiten sind, wie gesagt, sehr

unterschiedlich. Um Wittenberg oder Eisleben muss man sich

mit Blick auf das Lutherjubiläum 2017 keine Sorgen machen, auch danach eigentlich nicht. Die haben ihren Luther und der

bleibt ihnen. Wenn in der Gegend von Eisleben allerdings nach 1990 rund 45 000 Arbeitsplätze verloren gegangen sind, kann

das auch die ambitionierteste Regionalentwicklung nicht ausgleichen.

Aber man merkt in dieser Stadt beklemmend, wie wichtig ein Bürger ist.

Ebenso ist Dessau für mich ein sehr kritisches Beispiel. Die

Stadt war wegen der Junkerswerke im Zweiten Weltkrieg ein

Angriffsziel sondergleichen. Sie ist fast völlig zerstört worden und wurde nach 1945 übertrieben großflächig aufgebaut. Jetzt

wird nach und nach wieder abgerissen. Man fährt durch die disparaten Teile Dessaus wie durch eine Wüstenei. Man hat-

te dort den Gedanken, das berühmte Gartenreich Wörlitz des

Fürsten Franz, das seit dem 18. Jahrhundert der ganzen Gegend eine unverwechselbare Identität verschafft hat, mehr und mehr

in die Stadt zu holen, den Brachflächen also durch Ensembles

von Grünanlagen, Bäumen und Büschen ein Gesicht zu geben. Aber wer den anspruchsvollen Begriff des „Gartenreichs“ in den

Mund nimmt, muss sich Gedanken darüber machen, wie man ihm unter den gegenwärtigen Bedingungen gerecht werden

kann. Die bisherigen Ansätze empfinde ich noch als etwas hilflos. Man darf von einer solchen Bauausstellung aber auch nicht

zu viel verlangen. Man kann mit ihren Anregungen allein nicht

ganze Regionen sanieren. Mit der IBA ist ein Anfang gemacht. Man muss abwarten, wie es in Zukunft weitergeht.

Auch Staßfurt hat es nicht leicht. Wenn ein ganzes Stadtzent-

Angesichts der immer knapper werdenden Gelder dürfte es nicht

nicht viel zu retten, obwohl die gefundene Lösung  – eine Grün-

stellung in die nächsten Jahre zu tragen?

rum in Folge des früheren Bergbaus im Boden versinkt, dann ist

ganz einfach werden, den Schwung der Internationalen Bauaus-


Interview

Eine gute Balance braucht man auf der Skaterbahn in Halle-Neustadt.

Der „Balanceakt Doppelstadt“ ist das

IBA-Thema der größten Stadt SachsenAnhalts.

Nehmen wir beispielsweise den Lutherweg in Eisleben, vom Geburtshaus zum vermeintlichen Sterbehaus. Da wünschte man

sich doch, dass Auswärtige, kulturell Wertbewusste, einzelne Häuser an diesem Wege als Paten übernehmen, bei der Restau-

rierung unterstützen. Es wäre schön, wenn diese Ausstellung in Sachsen-Anhalt andere Teile Deutschlands ermuntert, die IBA Stadtumbau 2010 als Modell nachzuahmen, zumal auch andere Bundesländer die hiesigen Probleme über kurz oder lang bekommen werden.

Haben Sie einen Favoriten unter den IBA-Städten? Arnulf Baring: Das ist natürlich völlig richtig. Aber es geht ja

Arnulf Baring: Nein, jede auf ihre Art hat mich beeindruckt. Der

nicht nur ums Geld. Außerdem hätten wir mehr davon, wenn

mitteldeutsche Raum – also Sachsen, Thüringen und Sachsen-

Städten der DDR erhalten geblieben ist. Denn dann würden wir

zu Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die Jahrhun-

uns bewusst wäre, welch kultureller Reichtum in den alten

auch eher bereit sein, ihnen bei der Erhaltung dieses Erbes zu helfen. Mich hat immer gewundert und ich habe es als Schwäche der westdeutschen Wahrnehmung der Wiedervereinigung

empfunden, dass sie immer nur unter finanziellen Aspekten

betrachtet wurde. Es wurde lediglich über Geld geredet, das in den Osten fließen sollte, um ihn wirtschaftlich wieder auf die

Beine zu bringen. Das war wichtig, blieb aber an der Oberfläche.

Anhalt – ist so reich an städtischen Schönheiten, im Gegensatz

derte lang wesentlich durch Großgrundbesitz geprägt wurden. Viele mitteldeutsche Städte haben ein wunderbar individuelles

historisches Gepräge. Unser aller wichtigste Aufgabe ist, den Menschen klar zu machen, wie viel bedroht ist, obwohl es bewah-

renswert wäre. Wie heißt es schon bei Goethe so treffend: Was du ererbt von deinen Vätern hast / Erwirb es, um es zu besitzen…

Es ist dabei eigentlich nie begriffen worden, welch großes Glück,

…Was man nicht nützt, ist eine schwere Last…

reichen kulturellen Erbes dieser Teile Deutschlands für uns alle

Arnulf Baring: Richtig, so geht die Stelle weiter. Die wunderbaren

erkannt, nicht als positive Herausforderung begriffen. Wir müs-

Perlen, die verdienen, von ihren Bewohnern, ja von allen Deut-

welches Geschenk für die jetzt vereinte Nation die Rückkehr des war und bleibt. Viele Westdeutsche haben das bis heute nicht

sen wieder lernen und den kommenden Generationen weiter-

geben, welche Kraft man aus der Vergangenheit, aus den Leis-

tungen unserer Vorfahren ziehen kann. Diese IBA hat solchen Einsichten den Boden bereitet.

Wie sehen Sie die Zukunft Sachsen-Anhalts in 50 Jahren? Arnulf Baring: Ich bin Historiker und kein Prophet. Es ist zu wün-

schen, dass die Bewohner, die Bürger, die unmittelbare Schönheit ihrer städtischen Umgebung neu entdecken, schätzen und erhalten wollen. Und nicht nur sie.

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Städte Sachsen-Anhalts sind das Gegenteil einer Last. Sie sind schen geschätzt zu werden. Ihre Schrumpfung im Raume ist

das eine. Das andere ist die Schrumpfung unseres Bewusstseins

ihrer Großartigkeit. Im kulturellen Gedächtnis der Deutschen kommen sie weithin nicht mehr vor. Das muss sich ändern. Da-

bei kann die IBA helfen, jeder Ort, jeder Bürger an seinem Platz. Hier gilt für uns Deutsche, was wiederum Goethe im Blick auf

die Aneignung der Klassik sagte: Jeder sei ein Grieche auf seine Weise! Aber er sei‘s.

Das Gespräch führte Jürgen Willinghöfer.

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Städtebau

Mit dem Experimentierkasten in die Stadt Internationale Bauausstellung Sachsen-Anhalt macht Mut zu einem Umbau ohne Tabus Von Ute Semkat Da stand das Rathaus. Und da die Kirche. Ihr Turm neigte sich

sich der Erdboden zu senken, unaufhaltsam. Im Umfeld des

ter liegt die historische Stadtmitte.

rissen werden, auch die Kirche und das Rathaus.

schief wie der in Pisa. Sie sehen nur Wasser? Stimmt, und darun-

So etwa könnte sich eine Stadtführung abspielen in Staßfurt, der Wiege des Kalibergbaus. Direkt unter dem Pflaster der alten Salzstadt wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Ab-

bauschächte geteuft. Schon wenige Jahrzehnte später begann

Marktplatzes bis um sieben Meter. 800 Häuser mussten abgeSeit dieser Zeit war das aufsteigende Grundwasser rund um die Uhr abgepumpt worden, anderenfalls wäre Staßfurt „unterge-

gangen wie Atlantis“, vergleicht Sonja Beeck. Die Architektin erzählt von einem Workshop im alten Staßfurter Kaufhaus vor


Städtebau

Nicht nur zum Hin-

und Gewerbetreibende im Seeumfeld haben die Gunst der neu-

„Lesezeichen“ im his-

Geschäfte. In einen Neubau am Ufer, dort wo früher das Rat-

sehen schön ist das

torischen Ortskern von Magdeburg-Salbke.

Mit dem IBA-Projekt

Bürgerbibliothek haben engagierte Bürger eine

Lücke sowohl im Stadtraum als auch in der

kulturellen Versorgung dieses Stadtteils geschlossen.

en Lage erkannt und sanieren die schmucken Bürgerhäuser und haus stand, werden Bibliothek, Stadtarchiv und Wohnungsbaugesellschaft einziehen. So ist es geplant.

Staßfurt ist eine von 19 IBA-Städten in Sachsen-Anhalt, die in

diesem Jahr der Welt etwas beweisen wollen: dass der demographische Wandel, der Bevölkerungsrückgang in weltweit vielen Städten, für diese kein Todesurteil sein muss. Dass eine Stadt

auch ohne ständiges Wachstum quicklebendig und wirtschaft-

lich leistungsfähig sein kann. Das setzt freilich ein Umdenken voraus – und einen mitunter radikalen Umbau.

„Als wir mit IBA begonnen haben, sind wir in ganz Deutschland

belächelt worden“, erinnert sich Karl-Heinz Daehre, SachsenAnhalts Minister für Landesentwicklung und Verkehr, an die ersten Reaktionen. Mit der Kampfansage gegen Wohnungsleerstand, überdimensionierte Infrastruktur und gegen den

drohenden Bankrott von Wohnungsgesellschaften hatte sich das ostdeutsche Bundesland früher als andere einem The-

ma gestellt, das in vielen Städten noch immer verdrängt wird. Christiane Thalgott, frühere Präsidentin der Deutschen Aka-

demie für Städtebau und heute Kuratoriumsmitglied der IBA, macht klar: „Sachsen-Anhalt hat einen Tabubruch gewagt.“

Das IBA-Büro hat seinen Sitz an einem Ort, an dem schon immer

der Zeit voraus gedacht wurde. Am Bauhaus Dessau beschäftigten sich seit Mitte der 1920er Jahre Architekten, Planer und Designer mit den Herausforderungen der Industriegesellschaft

an das Wohnen. Einige Generationen später haben viele Städte

den Zusammenbruch ihrer Industriebetriebe erlebt. Außerdem

verlieren sie seit Jahren an Einwohnern, nicht selten in zweistelliger Prozenthöhe. Für die IBA Stadtumbau haben die Erben

der Bauhäusler deshalb eine Forderung des früheren Direktors Ludwig Mies van der Rohe aufgegriffen: Weniger ist mehr. Das sechs Jahren. Zwölf Architektenteams brüteten Ideen aus, wie

dieser Stadt aus der Schieflage zu helfen sei. Dann wurden die Pumpen im Stadtzentrum abgestellt. Es soff ab – binnen zwei-

er Jahre hatten die Staßfurter einen Stadtsee. Eine neue Mitte. „Um das Trauern um Verlorenes zu beenden, mussten wir das

heißt zum einen: großzügiger Abriss vor allem an den Stadt-

rändern, also Schrumpfen von außen nach innen. Das bedeu-

tet zugleich einen planvollen Umbau in den Stadtzentren, der die Innenstadt wieder aufwertet und stärkt. „Jede Stadt braucht dazu ihr eigenes Profil“, erklärt Architektin Beeck.

Defizit in einen Vorteil ummünzen“, verteidigt Wolfgang Kauf-

Was macht uns aus?

sotherapie für seine Heimatstadt.

Ein eigenes Profil oder eine Klammer, welche die Stadt zusam-

„Aufheben der Mitte“ heißt Staßfurts Beitrag zur Internationa-

Zeit überdauernden weltweiten Bekanntheit verholfen. In der

mann, Fachbereichsleiter Bau im Staßfurter Rathaus, die Thalas-

len Bauausstellung (IBA) Stadtumbau 2010 in Sachsen-Anhalt. Die Therapie zeigt erste Wirkungen. Inzwischen gehen Staßfurts Einwohner zum See wie früher zum Markt. Hausbesitzer

SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 01/10

menhält: Der Reformator Martin Luther hat Wittenberg zu einer Altstadt wimmelt es tagsüber von Touristen, die an der Schlosskirche die berühmte „Thesentür“ besichtigen wollen. Abends

jedoch senkt sich Tristesse über die vereinsamten Straßen. Die

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Städtebau

Thalassotherapie für

die geschundene Mitte der alten Salzstadt

Staßfurt. Stadtumbau war hier auch Land-

schaftsbau. Anstelle des versunkenen Markt-

platzes entstand hier ein See.

Wittenberger überlegten, wie sie die Gäste länger in ihrer Stadt

ten Stadt mögliche Heilungschancen aufgezeigt. Köthen setzt

heit enthoben und wieder Arbeit und Geld in die Stadt gebracht

ge. Im vergangenen Herbst zog die Europäische Bibliothek für

halten können, wie die barocken Häuser ihrer nutzlosen Schönwerden können.

Das städtische Bürgertum hat sich mit der Schließung der Wittenberger Universität 1817 nie wirklich abfinden können. Und so

entstand die Idee eines neuen Campus: Die ansässigen kulturel-

len und konfessionellen Bildungseinrichtungen haben sich zu

einem virtuellen Campus vernetzt und holen mit ihrem vielfälti-

gen Angebot Bildungstouristen aus aller Welt nach Wittenberg. Für diese „Stadtbewohner auf Zeit“ wurden und werden histori-

sche Gebäude in der Innenstadt zu Aula, Wissenschaftszentrum, Werkstätten und Gästehaus des Campus umgebaut. So wird

Anfang Mai das „Colleg Wittenberg“ eröffnet, in der ehemali-

auf den boomenden Wirtschaftszweig der GesundheitsvorsorHomöopathie in das aufwändig sanierte frühere Spitalgebäude

des Klosters der Barmherzigen Brüder ein, und im gleichen Gebäude wird ein berufsbegleitender Masterstudiengang Homöopathie eingerichtet.

Aber auch die Stadtplaner interessieren sich für Hahnemanns alternative Behandlungsmethoden, vor allem für „seinen ganzheitlichen Ansatz, die ausführliche Anamnese und gezielte Im-

pulssetzung“, zählt Nadine Palme von der kommunalen Woh-

nungsgesellschaft auf. „Natürlich war ich erst sehr skeptisch“, gibt sie zu. Doch der Praxistest in einer Straße, in der herkömm-

gen Mädchenschule sollen US-amerikanische Studenten und

Professoren wohnen. Für Dr. Peer Pasternack, Vorstandsmitglied des Vereins Campus, ist es der grundsätzlich richtige Weg, „dass

„Denn die Stadt wird fallen hin…“

ner produktiven Idee verknüpft ist, wie Schrumpfung gestaltet

stehenden Hauses in der Köthener

ein sehr erfolgreicher städtebaulicher Reparaturprozess mit eiwerden kann.“

Die Stadt Köthen wurde auf ihrer Profilsuche ebenfalls in der Geschichte fündig. Von 1821 bis 1835 arbeitete hier der Begrün-

der der Homöopathie, Samuel Hahnemann. Sein alternativer Therapieansatz hat der vom Verlust großer Betriebe geschwäch-

warnen die Fenster dieses leer

Ludwigstraße. Doch der schon

beschlossene Abriss in der Häuser-

zeile konnte verhindert werden, nachdem die Stadtplaner der

Straße einen homöopathischen

Entwicklungsimpuls gaben.


Städtebau

liche Planungsinstrumente versagten und der radikale Abriss

lingt nur interdisziplinär, wenn man das Problem aus verschie-

Häuser konnten inzwischen verkauft und damit erhalten wer-

warum der Stadtumbau zum Beispiel in Aschersleben, Bernburg

unabwendbar schien, hat offenbar angeschlagen. Einige der den, die ganze Straße hat sich erholt.

Für die IBA Sachsen-Anhalt stand kein zusätzliches Geld zur

Verfügung. Jedoch wurden vorhandene Fördertöpfe für Stadt-

umbau und Denkmalschutz vorrangig für die IBA-Piloten ausgeschüttet. Hinzu kamen Fördermittel zum Beispiel für Bildung und Wirtschaft. „Die Stabilisierung schrumpfender Städte ge-

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denen Blickwinkeln anpackt“, erklärt Architektin Sonja Beeck, und Weißenfels von Bildungsprojekten flankiert wird. Denn ge-

rade in Zeiten des Bevölkerungsrückgangs wird ein gut ausgebildeter Fachkräftenachwuchs zu einem wichtigen Standort-

faktor für Unternehmen, und Arbeitsplätze sind wiederum das stärkste Argument, damit sich Menschen für eine Stadt und eine Region entscheiden.

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Städtebau

Exportschlager Stadtumbau 2010 ist zwar das Zieljahr der IBA, aber nur eine Zwischenstati-

Bürger empfinden es wieder als etwas Schönes, in ihrer Stadt

giekonzepte und die Sicherung von Mobilität fordern Europas

wollte.“

on beim Stadtumbau. Neue Themen wie der Wandel der EnerStadtplaner heraus. Und manches braucht einfach Zeit zum Wachsen. Das neue Stadtgefüge von Dessau-Roßlau zum Beispiel. Nach Kriegszerstörung und verfehltem Wiederaufbau

hat Anhalts alte Residenzstadt kein klassisches Stadtzentrum

zu leben, während vor zehn Jahren noch jeder aufs Land ziehen Der umfangreiche Laborkasten, den die IBA dafür entwickelt hat, könnte zu einem Exportschlager von Sachsen-Anhalt werden.

www.iba-stadtumbau.de

mehr, zudem verlor sie seit 1990 rund 20 Prozent ihrer Einwohner. Deshalb entschieden sich die Dessauer für den radikalen Einsatz der Abrissbirne und einen beispiellosen Umbau. In ei-

Die Städte der IBA Stadtumbau

bestehen, voneinander getrennt und miteinander verbunden

Bernburg

nigen Jahren wird Dessau aus mehreren kompakten Kernen

Aschersleben

Magdeburg

durch Landschaftszonen, die auf Abrissflächen wachsen. Es ist

Bitterfeld-Wolfen

Naumburg

eine Hommage an das angrenzende Wörlitzer Gartenreich, mit

dem Anhalts Fürst Franz Ende des 18. Jahrhunderts die Ideale

der Aufklärung in die Sprache der Landschaftsgestaltung übertragen ließ.

„Wir haben es in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt

geschafft, trotz rückläufiger Bevölkerungszahlen die Attraktivität unserer Städte zu erhöhen“, zieht Bauminister Daehre wenige Wochen vor der Abschlusspräsentation der IBA Bilanz. „Die

Dessau-Roßlau Halberstadt Halle/Saale

Hansestadt Stendal Köthen

Lutherstadt Eisleben

Lutherstadt Wittenberg

Merseburg

Quedlinburg

Sangerhausen Schönebeck Staßfurt

Wanzleben

Weißenfels

Flüsternde Gärten auf einer Stadtbrache in

Eisleben erzählen vom

Leben des Reformators

Martin Luther. Entlang des Lutherwegs wird

Stadtumbau mit allen Sinnen erlebbar.


Wir sind

Sachsen-Anhalt

„Sachsen-Anhalt ist klasse, weil hier die Menschen das Herz auf dem rechten Fleck haben und es den größten Schalke-Fanclub außerhalb von Gelsenkirchen gibt.“ Mario A. Liese (50) ist Geschäftsführer und Programmdirektor von radio SAW. Mit durchschnittlich 306.000

Eine Gemeinschaftsaktion von Sachsen-Anhalt-Magazin und radio SAW. www.sachsen-anhalt-magazin-verlag.de www.radiosaw.de www.wir-sind-sachsen-anhalt.de

Hörern pro Stunde ist der Sender Marktführer in Sachsen-Anhalt und zugleich reichweitenstärkste private Hörfunkstation in Ostdeutschland. Radio SAW gehört laut „Media-Analyse 2010 / Radio  I“ zu den Top 5 der privaten Rundfunksender in ganz Deutschland.


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Wirtschaft

Große Leidenschaft auf zwei Rädern Die Schönebecker Brüder Leue haben Omas Fahrrad wieder zur exklusiven Weltmarke gemacht Von Sabine Tacke Bei ihm war es Liebe auf den ersten Blick. Diese fein geschwungenen Linien, die sanften Rundungen, die kühle Eleganz: Frank Leues Herz schlug höher, als er der klassischen Schönheit zum ersten Mal begegnete. Da war der Schönebecker noch ein Kind.

Heute ist der Mann 50 Jahre alt und seine Leidenschaft für das damalige Objekt seiner Begierde ungebrochen. Es ist ein Fahr-

rad. Für ihn und seinen Bruder René das schönste der Welt. Ganz passend trägt es den Namen Weltrad.

Ein alter Markenname mit gutem Klang. Von 1890 bis 1948 wur-

den in Schönebeck mehr als 2,5 Millionen davon produziert. Aber

irgendwann wurden sie rar. Auch wenn die Brüder alle reparier-

ten, die ihnen unter die Finger kamen, der Bestand schmolz da-

hin. Das gute alte Weltrad made in Schönebeck drohte von der Bildfläche zu verschwinden.

Warum die Tradition nicht wieder aufleben lassen, sagten sich

die Brüder. Am 1. Mai 2004 eröffneten sie ihre Weltrad-Manufaktur in Schönebeck-Frohse.

Leicht haben sie sich diese Entscheidung nicht gemacht. Acht

Jahre lang sind die Brüder mit ihrer Idee schwanger gegangen. „Zunächst bauten wir einen Prototyp. Ein ganzes Jahr haben

wir dafür gebraucht. Aber es hat sich gelohnt“, resümiert Frank Leue. Ihr Erstling zog alle Blicke auf sich. Mit ihm radelten die beiden in die Selbstständigkeit. Ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Leue erinnert sich: „Wir beide hatten ja zu der Zeit si-

chere Jobs und gutes Geld verdient. Mein Bruder als Entwick-

lungsingenieur bei Doppstadt. Ich hab‘ als Gas-, Wasser- und Heizungsmonteur gearbeitet. Und da gab es nach der Wende jede Menge zu tun. Trotzdem haben wir es gewagt.“ Bereut haben sie es bis heute nicht.


Wirtschaft

Doch was geschah eigentlich mit Frank Leues erster Liebe? „Das war

Mit großem Erfolg. Der Grundpreis für die Retro-Räder: 1   560 Euro.

bastelt. Heute steht es in einem großen deutschen Hotel als Ausstel-

Geschäft. Das gilt auch für die Umsatzahlen. Die liegen auf alle Fäl-

das Fahrrad meiner Oma. Ich hab ständig an dem Ding herumgelungsstück“, erzählt Frank Leue stolz.

Inzwischen hat das Weltrad Liebhaber rund um den Globus gefunden. Sie radeln damit durch Asien, Brasilien, Neuseeland, die USA und

Europa. Sogar ein Ölscheich soll wacker in die Weltrad-Pedale treten. Die Leues haben in der Werkstatt auf ihrem 2   400 Quadratmeter

großen Grundstück genug zu tun. Die Aufgaben haben sie sich ge-

teilt. Der 50-jährige Frank übernahm die Produktion, sein elf Jahre jüngerer Bruder René kümmert sich um den Verkauf. „Wir ergänzen

uns ideal. Mein Bruder ist ein begnadeter Verkäufer und Organisator. Ich bin eher der geduldige Typ und hab´ den handwerklichen Part

übernommen. Wenn etwas nicht gleich klappt, fange ich eben noch

mal von vorn an. Das bringt mich nicht aus der Ruhe“, erklärt der

Die Kundenliste – streng geheim. Diskretion gehört eben auch zum le im schwarzen Bereich, die Leues sitzen fest im Sattel. Denn die Weltrad-Manufaktur ist auf Wachstumskurs. Leue: „Ich denke, in ein bis zwei Jahren werden wir die Firma erweitern. Dann können wir vielleicht sogar unsere zwei Lehrlinge übernehmen.“

Bis dahin werden immer mehr Räder mit dem „W“ als Logo auf dem

Schutzblech über die Straßen dieser Welt rollen. Nicht nur eine Folge des zunehmenden Fahrradtourismus. Individualität ist wieder gefragt. Die Weltradkunden lassen auf ihren schicken Retro-Velos den Mainstream hinter sich. Das Oma-Rad aus Schönebeck – längst ist es ein Kultobjekt.

www.weltrad.de

Ältere.

Die Werkstatt ist sein Reich. Liebevoll, fast zärtlich berühren seine

Hände den bordeauxroten Rahmen eines 28er Damenfahrrads, während er die Details und technischen Finessen erklärt. Der Rahmen ist fertig, die pulverbeschichtete Farbe schon getrocknet. „Exakt

97 Einzelteile stecken allein im Rahmen. Wir geben 20 Jahre Garantie darauf. Ich verniete alles. Schrauben sind nicht so gut, wegen der

Korrosionsanfälligkeit.“ Ein gewöhnliches Fahrrad kommt mit 16

Einzelteilen im Rahmen aus und wird in vier Stunden montiert. Leue baut seine Räder in zwei bis drei Tagen, für ganz besondere Stücke braucht er auch schon mal ein halbes Jahr.

Im Ausstellungsraum der Firma steht zum Beispiel ein Hochrad. Ein

Werbegag? „Nein, nein. Das hat ein Kunde bestellt, aus Irland.“ Eine andere Rarität: der Halbrenner. Die Felgen sind aus Buchenholz. Leue hat das Rennrad nach einem Originalfoto von 1908 gebaut.

Auf Authentizität legen die Brüder allergrößten Wert. Sie arbeiten nach Skizzen und Bauanleitungen der ursprünglichen Marke „Welt-

rad“. „Es gibt noch vier bis fünf andere Fahrradbauer in Deutschland, die Ähnliches anbieten. Aber keiner ist so konsequent wie wir.“ Die Schönebecker verbinden Tradition mit feinster Technik und exzellenter Handwerkskunst. Tretkurbeln und Lenker bestehen aus verchrom-

tem Aluminium. Ein Material, das zum Beispiel der Autobauer BMW für sein Nobelmodell Rolls-Royce als Kühlergrill benutzt. Satteltaschen werden von der englischen Firma Brooks geliefert, die Buchen-

holzfelgen kommen aus Italien, die Sattel aus Frankfurt am Main. Rund 40 Prozent der Teile lässt die Manufaktur liefern. Dazu gehören auch Lampen, Gepäckständer, Bremsen, ungewöhnliche Helme oder Pedale. Alles erlesene Stücke, die nur noch von Mini-Firmen hergestellt werden. Allein die zu finden, war ein kleines Kunststück.

Während Frank Leue aus Einzelteilen ein Luxusrad baut, vermarktet

Bruder René die edlen Produkte auf Fahrrad- und Lifestylemessen.

SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 01/10

Fahrradbauer Frank Leue schwärmt von nüchterner Eleganz, geschwungenen Linien und klassischer Schönheit.

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IT-Branche

Querdenker zwischen Bits, Bytes und Bewegung IT-Branche in Sachsen-Anhalt setzt auf innovative Produkte und komplexe Lösungen Von Ute Semkat Softwarehersteller haben eher selten Produkte zum Anfas-

sen. Die Entwickler bei FrogSolutions in Schönebeck können

ihres schon bald in die Hand nehmen. „Unser Healthscanner sieht etwa so aus wie ein Autoschlüssel“, versucht Dirk Bartens eine Beschreibung. Und er funktioniere wie ein Barcode-

leser, den jeder aus dem Supermarkt kennt. Genau dort soll der

Healthscanner, auf deutsch in etwa: Gesundheitsprüfer, als mobiler Einkaufsassistent Zöliakie-Kranken helfen. An dieser Unverträglichkeit des Getreideeiweißes leiden allein in Deutsch-

land rund 40   000 Menschen. „Für sie kann ein falscher Griff ins Lebensmittelregal lebensbedrohlich sein“, sagt Bartens. Auf dem Healthscanner ist deshalb eine umfangreiche Datenbank

mit Produktinformationen insbesondere zu Fertigerzeugnissen gespeichert. Zöliakie-Betroffene können damit sofort am Supermarktregal sicher erfahren, ob ein Lebensmittel für sie geeignet

ist. Denn dann blinkt die LED-Anzeige beim Scannen grün, bei ungeeigneten oder nicht bekannten Lebensmitteln rot.

Um ständig auf dem aktuellen Stand zu bleiben, werden dem Besitzer des handlichen Assistenten die Daten neuer Lebensmittel entweder online oder über einen Dienstleister zur Ver-

fügung gestellt. Dirk Bartens hält Weiterentwicklungen für andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten, für Diabetes oder als „Kalorienzähler“ für Ernährungsbewusste für denkbar.

Der Kybernetiker hatte nach der Wiedervereinigung Deutsch-

lands wie viele junge Akademiker vor der Entscheidung gestanden: `rübermachen oder hier etwas aufbauen. Er blieb und ist

heute Miteigentümer und Geschäftsführer der Schönebecker Firmengruppe SBSK mit inzwischen vier Unternehmen. Zum

klassischen IT-Dienstleister „zum Ver- und Entsorgen von Informationen“, wie der 45-jährige das Kerngeschäft auf den Punkt

bringt, sind am Standort der SBSK die Softwareentwicklungsfirmen FrogSolutions und Socialmap sowie das „Breitband-Ar-

chitekturbüro“ I2KT hinzugekommen, das Kommunen und Un-

ternehmen beim Anschluss an die Kommunikationsautobahn berät.

Vor zehn Jahren gehörte Bartens zu den Initiatoren des bundesweit ersten regionalen Unternehmerverbandes in der Informa-

tionswirtschaft. Mit dem Verband der IT- und Multimediaindus-

Der Aufstieg des

Kybernetikers Dirk

Bartens führte vom EDV-Mitarbeiter zum Unternehmenschef einer

Firmengruppe und zum Verbandsvorsitzenden.


IT-Branche

Foto: GISA GmbH

19

Das GISA-Rechenzentrum entlastet Unternehmen von Verwal-

tungsarbeit. Die Geschäftsführer Michael Krüger (links) und Ste-

phan Drescher (rechts) wollen die GISA zu einem der größten deut-

schen IT-Dienstleister entwickeln.

trie Sachsen-Anhalt (VITM) wollte sich die junge IT-Branche die

maschine „Ecosia“. Mit jedem Zugriff leisten die Internetnutzer

Rahmenbedingungen sichern, und sie wollte das gleiche Image

Regenwald, denn die Werbeeinnahmen werden zum größten Teil

Mitsprache bei der Gestaltung politischer und wirtschaftlicher

aufbauen, wie es zum Beispiel der angestammte Maschinenbau genießt.

Der VITM startete kurz nach der Jahrtausendwende mit 14 Un-

einen kostenlosen Beitrag zum Schutz von zwei Quadratmeter für ein Regenwaldschutzprojekt des WorldWideFonds (WWF) gespendet.

„Wir brauchen Leute, die gern quer denken“, meint Dirk Bartens:

ternehmen. Heute zählt die Branche rund 520 Firmen im Land

„Nicht nur der klassische Informatiker ist gefragt, sondern Leute

beiter – das sind etwa so viele wie der geschrumpfte Maschi-

fachmanns.“

und beschäftigte Ende 2009 deutlich mehr als 12 000 Mitarnenbau. Allein in den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl

mit dem Know-how eines Mediziners, Juristen oder Verwaltungs„Sachsen-Anhalt hat sich zu einem kleinen, aber feinen Standort

der IT-Unternehmen um rund zehn Prozent vergrößert, und die

für Informations- und Kommunikationstechnologien entwickelt“,

Zeitraum sogar um gut ein Drittel.

Michael Wandersleb. Der Geschäftsführer der KID Kommunale

meisten haben kräftig Personal rekrutiert – es wuchs im gleichen

Ein kleiner aber feiner Standort Innovationen aus Sachsen-Anhalt wie der Healthscanner sind kein Ausnahmefall. Wer beim „Googeln“ im Internet mit Google-

Earth auf die Dächer fremder Städte schaut, nutzt die digitale

Luftbildkarte Deutschlands der Firma Geo-Content Magdeburg.

bekräftigt auch Bartens Stellvertreter im VITM-Vorstand, Dr. Informationsdienste Magdeburg sieht in und nach der Krise einen wachsenden Bedarf an IT-Lösungen. Denn Wirtschaftsunter-

nehmen, die jetzt über Umsatz- und Ertragsrückgänge klagen, können mit den neuen Technologien ihre betrieblichen Prozesse

optimieren und Kosten drücken: „Man sollte nicht an der IT, sondern mit der IT sparen.“

Das Unternehmen hat ein flächendeckendes Luftbildmosaik von

Für optimale Geschäftsprozesse sorgt zum Beispiel die GISA

stadt beheimatete icubic AG gehört mit ihrer Softwareentwick-

Energieversorgers, hat sich das Unternehmen zum größten un-

Deutschland aufgenommen. Die ebenfalls in der Landeshauptlung für das internationale Finanzgeschäft zu den Marktführern. Und der Wittenberger Christian Kroll entwickelte pünktlich zum Kopenhagener Klimagipfel im Dezember 2009 die grüne Such-

SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 01/10

in Halle/Saale. Entstanden als Ausgründung eines regionalen abhängigen IT-Dienstleister in Mitteldeutschland entwickelt: für Prozess- und IT-Beratung, Outsourcing sowie Implementierung

von IT-Lösungen. „Darunter können sich viele nichts Genaues vor-


20

IT-Branche

stellen“, ist die Erfahrung von Geschäftsführer Stephan Drescher. Von Haus aus Kybernetiker, ist er bei der GISA vor allem auch für

den Vertrieb zuständig. „Was tun wir hier also? Wir beraten zum

Beispiel unsere Kunden, wie sie ihre Geschäftsprozesse mit ITUnterstützung verbessern können. In Personalabteilungen häufen sich noch immer die Aktenberge. Diese können aber am PC

effizienter verwaltet werden. Damit beseitigt das Unternehmen zum einen die Papierflut und profitiert vor allem von einer rechtssicheren und immer aktuellen Datenlage, so dass es seine Personalprozesse schneller und besser steuern kann.“

Drescher ist in der Magdeburger Börde aufgewachsen und arbeitete nach 1990 bei Siemens und im Telekom-Management. Im Herbst 2008 trat er in die Geschäftsleitung der GISA ein, um ihr

deutschlandweites Wachstum voranzutreiben. Zu den mehr als

150 Kunden zählen Unternehmen aus der Energie- und Versor-

gungsbranche, dem Medienbereich, der Immobilienwirtschaft und der kommunalen Wirtschaft. Auf der Referenzliste stehen bekannte Namen wie die Berliner Flughäfen, der WDR oder der Freistaat

Sachsen. Als Entwicklungspartner von SAP arbeitet GISA auch an neuen Technologien für den deutschen Markt mit. „Darauf sind wir

wirklich stolz, weil wir damit eine Vorreiterrolle unter den mittelständischen IT-Dienstleistern einnehmen“, sagt Drescher.

1993 war das Unternehmen mit 73 Mitarbeitern gestartet. Jetzt

sind es fast 450, die meisten wären in der Region Halle-Leipzig zu

Hause, erzählt der Geschäftsführer. „Allein seit 2008 haben wir fast 120 neue Mitarbeiter eingestellt, und wir haben vor, diesen Trend fortzusetzen.“

Das sei wegen des bundesweiten Wettbewerbs um IT-Fachleute

Mit seiner Marke TSA Public Service bewegt sich das Unterneh-

sesprecherin Daniela Steffen: „Die GISA hat in der Region Mittel-

Nachfrage. Bürger und Wirtschaft erwarten von der öffentli-

nicht immer einfach, aber keineswegs unmöglich, bestätigt Pres-

deutschland und auch darüber hinaus einen erstklassigen Ruf. Zudem bieten wir sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten, leistungsgerechte Bezahlung über dem regionalen Durchschnitt

und eine individuelle Karriereplanung. Und als familienfreundlicher Arbeitgeber können wir unter anderem durch flexible Arbeitszeiten und Home-office-Vereinbarungen punkten.“

Magdeburger helfen Hessen beim Orientieren Personalsorgen gibt es 100 Kilometer weiter bei der TSA Teleport

Sachsen-Anhalt Service ebenfalls nicht. „Wir haben kaum Fluktuation“, sagt der technische Geschäftsführer Thomas Patzelt: „Zu-

friedene Mitarbeiter gehen nicht.“ Ihn selbst führte vor 14 Jahren die Faszination des jungen Internets zum beruflichen Wechsel

aus dem Maschinenbau in die IT-Branche. Meist arbeitet er in der Firmenniederlassung in Halle, aber seinen Hauptsitz hat TSA im

Innovations- und Gründerzentrum IGZ Barleben, einem Neubau von stahlkühler und glasklarer Eleganz im Norden Magdeburgs.

men im Bereich E-Government auf einem Markt mit großer chen Verwaltung zunehmend Dienstleistungen statt Bürokratie. Wer ein Gewerbe anmelden will, möchte nicht erst einen zeitraubenden Behördendschungel überwinden und dabei

womöglich in der Sackgasse landen. Schnelle Orientierung er-

möglicht der so genannte Zuständigkeitsfinder von TSA. „Das ist eine webbasierte Software, mit der ein Unternehmer wie

auch jeder Bürger schnell und unkompliziert seinen richtigen lokalen, regionalen oder überregionalen Ansprechpartner für

den jeweils gewünschten Verwaltungsservice finden kann“, beschreibt Patzelt ein Kernprodukt, das TSA in einem Projekt

mit Sachsen-Anhalts Innenministerium entwickelt hat. Im

Rahmen einer Länderkooperation ist es inzwischen bei sieben Landesregierungen im Einsatz.

Der Zuständigkeitsfinder vermittelt neben der Kontaktadres-

se auch weiterführenden Service wie Formulardienste und Antragsverfahren. „Wir besitzen damit eine Basiskomponente für E-Government und aktuell für die Umsetzung der EU-

Dienstleistungsrichtlinie und von D115“, erklärt Geschäftsfüh-


IT-Branche

Gerade umgezogen: Unternehmer

Klemens Gutmann richtet sich mit seinem prosperierenden IT-Dienstleister in der einstigen Schaltzentrale des größten Magdeburger Maschinenbauers ein.

Outsourcing-Partner für die Energiebranche entwickelt hat. Mehr als 2 000 Mitarbeiter erbringen Dienstleistungen in der

Kundenbetreuung und kaufmännischen

Sachbearbeitung für den Energiemarkt in

Deutschland, für die Schweiz, Österreich, Rumänien, Ungarn sowie Bulgarien, wo

regiocom eine Niederlassung unterhält. Mit eigenen Softwarelösungen unter-

stützt die Firma den Lieferantenwechsel im Strom- und Gasmarkt oder das Regulierungsmanagement.

Seit 2009 kann sich regiocom Offiziel-

ler Partner von SAP nennen. „Wir sind in Deutschland die einzigen, die den ausgelagerten Geschäftsbereich Energieab-

rechnung von SAP bei weltweiten Kunden betreuen“, erklärt Klemens Gutmann.

Auch er gehörte zu den Gründern des

VITM und ist seitdem einer der stellver-

rer Patzelt und verweist so auf ein brandaktuelles Thema. In

tretenden Vorsitzenden. Inzwischen nimmt er aber als Präsident

denrufnummer „115“ getestet, ein Projekt der Bundesregierung.

fende Verantwortung wahr. Für sein Unternehmen hat Gutmann

Deutschland wird zurzeit die bundesweit einheitliche Behör-

Außerdem ist seit Ende 2009 die EU-Dienstleistungsrichtlinie in Kraft, die Firmen die grenzüberschreitende Ansiedlung vereinfachen will. Ein digitaler Einheitlicher Ansprechpartner   (EA)

soll ausländische Unternehmer über die erforderlichen Ver-

waltungsabläufe in Deutschland informieren und ihnen Wege online abnehmen. Auch hier erweist sich die Software aus

Magdeburg und Halle als technischer Baustein, der sich beispielsweise im Hessen-Finder oder – als jüngstes Beispiel – im

Anfang Januar freigeschalteten EA-Portal und Bürger- und Unternehmensservice der Landesregierung Rheinland-Pfalz wiederfindet.

Häuserwechsel in Magdeburg Im IGZ Barleben ist auch die regiocom GmbH groß geworden. Der Informatiker Klemens Gutmann, gebürtiger Badener, kam

Mitte der 1990er Jahre nach Magdeburg und gründete hier ein Startup, das sich mittlerweile zu einem europaweit aufgestellten

SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 01/10

des Arbeitgeberverbandes Sachsen-Anhalt branchenübergreiim vorigen Jahr ein größeres Domizil gefunden, das geradezu

Symbolwert besitzt: Es ist ein Verwaltungsbau aus dem Industriezeitalter des 19. Jahrhunderts, hier hatten die Magdeburger

Krupp-Gruson-Werke ihren Sitz und zu DDR-Zeiten der Schwer-

maschinenbauer SKET. Die Schaltzentrale des einst mächtigsten Unternehmens in der Region schien am Ende des alten Jahrhunderts ausgedient zu haben. Nun richtet sich hier eine Branche ein, die im 21. Jahrhundert Karriere machen will.

www.sbsk.de

www.geocontent.de

www.gisa.de

www.tsa.de

www.regiocom.de

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Chemieindustrie

Katalysator für die Kunststoffbranche Das Fraunhofer-Pilotanlagenzentrum in Schkopau bietet Mittelständlern eine Forschungsinfrastruktur, wie sie bislang nur Großkonzernen vorbehalten war Von Frank Pollack Glas und Reifen: für Autofahrer ist das bislang eine durch und

Trovotech, „können wir Gummimischungen mit ganz neuen Ei-

bald ändern“, glaubt Professor Michael Bartke. Denn am Fraun-

rende Reifen.“

durch Unglück verheißende Kombination. „Das könnte sich aber

hofer Pilotanlagenzentrum für Polymersynthese und Verarbeitung (PAZ) in Schkopau, das der 37-Jährige leitet, werden derzeit

neue Kautschukmischungen erforscht, bei denen Glas zu den entscheidenden Bestandteilen gehört.

„Indem wir klassische Kautschuk-Füllstoffe wie zum Beispiel Ruß in bestimmtem Maß durch ein Glaspulver ersetzen,“ erklärt

Uwe Ferner von der am Projekt beteiligten Bitterfelder Firma

Neue Materialien wie dieses

flachsfaserverstärkte Polypropylen stehen im Mittelpunkt der Arbeit

des Pilotanlagenzentrums. Die

Fraunhofer-Forscher entwickeln

nicht nur geeignete Herstellungs-

verfahren, sondern untersuchen zum Beispiel auch, wie sich die

Stoffe weiterverarbeiten oder für ganz bestimmte Anwendungen

modifizieren lassen.

genschaften erzeugen, zum Beispiel für besonders energiespaDass der Industrierohstoff Synthesekautschuk ausgerechnet

in Schkopau, wo er vor mehr als 70 Jahren erstmals industriell

hergestellt wurde, nun neu erfunden wird, ist für Michael Bart-

ke kein Zufall: „Die Polymerforschung hat im mitteldeutschen Chemiedreieck nicht nur Tradition, sondern dank bedeutender Unternehmen wie Dow, dank erstklassiger Forschungseinrich-

tungen und einer Vielzahl mittelständischer Spezialfirmen


Chemieindustrie

auch ein modernes Gesicht“, attestiert der gebürtige Bonner, der Mitte der 90-er Jahre von der TU Dortmund zum Verfahrenstechnik-Studium an die hallesche Martin-Luther-Universität kam. Als er nach mehrjähriger Tätigkeit in einem finni-

schen Industrieunternehmen 2006 an die Saale zurückkehrte, erhielt er gleich doppelt Gelegenheit, diese Stärken der Region weiterzuentwickeln: als Universitätsprofessor für Polymerisa-

tionsreaktionstechnik und als Leiter des Pilotanlagenzentrums im Schkopauer Value-Park.

Das PAZ, eine gemeinsame Einrichtung der Fraunhofer-Insti-

tute für Angewandte Polymerforschung (IAP, Potsdam) und für Werkstoffmechanik (IWM, Halle), versteht sich als Dienst-

leister für die Polymer- und Kunststoffbranche: „Wenn es gilt, Projekte aus dem Labor in die Produktion zu überführen, sind

wir genau der richtige Ansprechpartner“, bringt Bartke das Konzept auf den Punkt: „Wir entwickeln, verfeinern und testen

Technologien und Werkstoffe in Pilotverfahren. Und zwar sowohl was die Synthese, als auch was die Verarbeitung betrifft.“

Für diese vielseitige Aufgabe kann

Bartkes 16-köpfiges Team auf Anlagen im Wert von über 20 Millio-

nen Euro zurück greifen, unterge-

bracht in zwei großen Hallen des Merseburger Innovations- und

Technologiezentrums II, nur einen Steinwurf vom Schkopauer DowWerk entfernt.

Allein im Synthesetechnikum ver-

knäueln sich auf vier Etagen rund

350 Aggregate, 850 Mess- und Regelstellen und unzählige Ki-

lometer Rohrleitungen zu einer hochkomplexen Anlage. Für den Uneingeweihten nicht identifi-

zierbar, verbergen sich in dem Gewirr „sieben flexible Syntheselinien“, wie Professor Bartke auf-

löst: beispielsweise eine Linie zur Lösungspolymerisation, wie sie für die Kautschukherstellung be-

nötigt wird, Linien für Emulsions-

und Suspensionsverfahren, die zur

PVC-Synthese verwendet werden können, eine Linie zur Massenpo-

lymerisation, die unter anderem für die Produktion von Polyestern einsetzbar ist.

SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 01/10

Der Clou dabei ist: „Bei Bedarf können wir Apparate der ver-

schiedenen Linien flexibel miteinander verschalten, sie modifizieren oder neue Apparate einfügen“, ergänzt der Verfahrens-

techniker. Auf diese Weise lasse sich in vergleichsweise kurzer Zeit und mit überschaubarem Aufwand „fast jedes denkbare Polymerisationsverfahren abbilden“, schwärmt der promovierte Ingenieur.

„Etwas Vergleichbares gibt es europaweit, vielleicht sogar

weltweit bestenfalls in einigen Großkonzernen“, zeigt sich der Nürnberger Peter Putsch, Inhaber einer Firma für Spezialkunst-

stoffe, begeistert über das hoch spezialisierte Angebot: „Für uns als Mittelständler ist das einmalig.“ Dabei profitiere sein

Unternehmen nicht nur von den erstklassigen technischen

Voraussetzungen, sondern auch vom Know-how des Teams aus Chemikern, Ingenieuren, Laboranten, einem Schlosser und Spezialisten für die Projektsteuerung. „Eine kleine, aber schlag-

kräftige Truppe, die auch bei unerwarteten Problemen immer eine praktikable Lösung parat hat“, lobt Putsch.

Gegenwärtig bereitet er bereits sein drittes gemeinsames

Projekt mit den Schkopauern vor. Erklärtes Ziel dabei sei es, „einen technischen Kunststoff mit Nanopartikeln zu verstärken.“ Dafür sollen mehrere Herstellungsverfahren miteinan-

der verglichen werden. „Ein aufwändiger Test, der ohne das Pilotanlagenzentrum für uns kaum realisierbar wäre“, bekennt

der Unternehmer. „Wir müssten dafür Fertigungslinien im eigenen Betrieb umbauen, also die Produktion für längere Zeit

anhalten. Undenkbar“, wischt der Franke den Gedanken beiseite. Er hat einen effizienteren Weg gefunden, seine Forschung

anzukurbeln: 2008 ließ er sich mit seiner Tochterfirma Exipnos auf dem halleschen Weinberg-Campus nieder.

„Wir arbeiten mit Mittelständlern aus der Region ebenso wie mit Weltkonzernen wie BASF oder Dow zusammen. Rund ein Drittel unserer Kunden kommt aus dem Ausland“, blickt

Michael Bartke auf die ersten vier Jahre zurück, „unser allerers-

ter Auftraggeber war zum Beispiel eine holländische Firma.“ Mit dem Kunststoffhersteller DSM entwickelte das Fraunho-

fer-Team zum Auftakt 2006 die Produktionstechnologie für ein Hochleistungsthermoplast, das im Branchenblatt „K-Zeitung“ später als erstes „neues Polymer des Millenniums“ gefeiert

wurde und inzwischen in Fahrzeugen und Computern die Märkte erobert.

Seit 2007 laufen im PAZ auch die Fäden des Innovationsclusters Polymertechnologie zusammen, in dem Unternehmen

und wissenschaftliche Einrichtungen aus dem Chemiedreieck

gemeinsam an neuen Materialien und Herstellungsverfahren forschen. Zu den Projekten, die im Rahmen der Initiative auf

den Weg gebracht wurden, zählt auch die Entwicklung neuer Kautschuktypen auf der Basis glasbasierter Füllstoffe.

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Chemieindustrie

Uwe Ferner von der Bitterfelder Firma Trovotech zieht bei Halbzeit bereits eine überaus positive Bilanz dieser Zusammenarbeit: „Allein die Kontakte, die wissenschaftlichen Erfahrungen

und Anregungen, die wir aus der Zusammenarbeit mitnehmen, sind Gold wert.“ Das sei nicht zuletzt der interdisziplinären Zu-

sammensetzung der Arbeitsgruppe zu danken, findet der For-

schungsleiter des 14 Mitarbeiter zählenden Unternehmens: „Da bringt jeder seine Kompetenzen ein – die Spezialisten von Dow

ihre aus der Kautschukherstellung, wir unsere aus dem Einsatz

der Glaspartikel, das PAZ-Team seine aus der Verfahrenstechnik, und Arbeitsgruppen der Martin-Luther-Universität ihr Know-

how zum Test der erzeugten Gummimischungen.“ Die bisherigen Ergebnisse machten allen Beteiligten Lust auf Mehr: „Erste Patente“, freut sich Ferner, „sind schon auf den Weg gebracht.“

Das Fraunhofer-Innovationscluster „Polymertechnologie“ Halle-Leipzig Ziel: Regionale Kompetenzen stärken, Innovationen beschleunigen

Weg: Langzeit-Kooperationen zwischen Industrie, Universitäten und Forschungsinstituten

Finanzierung: Industrie, Land Sachsen-Anhalt und

Fraunhofer-Gesellschaft zu jeweils einem Drittel

Budget (für das Verbundprojekt): 6 Millionen Euro Projektdauer: 4 Jahre Start (des Verbundprojektes): 2007 Laufende Projekte: 1) Polymer-/ Nanopartikelblends

2) Neue Kautschuktypen und innovative Synthese

verfahren

www.innovative-polymertechnologie.de

3) Biopolymere und Naturfaserkomposite


Chemieindustrie

Sieben Fertigungslinien, die flexibel miteinander verschaltet werden können: Mit dem modernen Synthesetechnikum bieten Prof. Michael Bartke

und sein 16-köpfiges Team ihren Auftraggebern

erstklassige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Forschungsarbeit.

Das Pilotanlagenzentrum im Überblick: Gründung: 2005 Mitarbeiter: 16

Betriebshaushalt: 2,3 Millionen Euro/ Jahr

Serviceangebot Forschung und Entwicklung bei der Synthese und Verarbeitung von Polymeren im Pilotmaßstab

Kompetenzen 1) Synthese neuer Polymere und Kunststoffprodukte 2) Verfahrensentwicklung und -optimierung 3) Materialanalyse und -bewertung

Ausstattung Bereich Polymersynthese: -

Sieben flexible Polymerisationslinien

-

Betriebsdruck: -1 bis 100 bar

- - -

Reaktorvolumina: 50 bis 1   000 Liter Betriebstemperatur: -25 bis 330 °C Durchsatz: 5 bis 100 kg/h

Bereich Polymerverarbeitung: -

-

Doppelschneckenextruder für verschiedene

Granuliersysteme und Verfahren mit einem Durchsatz von bis zu 400 kg/h

Injection Molding Compounder (ermöglicht Mischung und Spritzguss in einem Arbeitsschritt)

mit einer Schließkraft von 1   300 t für Werkzeuge -

mit einem Gewicht von bis zu 29 t

Zweikomponenten-Spritzgießmaschine mit einer Schließkraft von 200 t

Anschrift: Value Park A74, 06258 Schkopau

SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 01/10

www.polymer-pilotanlagen.de

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Sponsoring

Am laufenden Band: 90   000 Flaschen pro Stunde und

Lkw-Transporte im Minutentakt.

Gerstensaft zum Fußballfest kommt aus dem Harz Hasseröder Brauerei produziert Deutschlands offizielles Bier zur Weltmeisterschaft in Südafrika Von Nicole Bosold

1:0 für den Harz: Wenn am 11. Juni im südafrikanischen Johan-

worben“, erklärt Verkaufsleiter Christian Neuhäuser. „Und für

wonnen: die Hasseröder Brauerei GmbH in Wernigerode. Das

den Stadien.“ Möglich wurde dieser Coup durch die Zugehö-

nesburg das erste Spiel angepfiffen wird, hat einer bereits ge138 Jahre alte Unternehmen braut Deutschlands offizielles

Bier zur FIFA Fußball-Weltmeisterschaft am Kap. Der Auerhahn wird als Markenzeichen eingeflogen und vom Spielfel-

drand lächeln. „Wir haben für alle gängigen Veranstaltungen in Deutschland, zum Beispiel Public Viewing, die Rechte er-

die ersten drei Spiele die Rechte für die Bandenwerbung in

rigkeit zur internationalen Brauereigruppe InBev. Was für die derzeit 320 Mitarbeiter in Anbetracht der geplanten Einsparungen im Konzern eher Fluch sein könnte, ist für die Marke Hasse-röder geradezu ein Segen.


Sponsoring

Mit einer nationalen Kampagne sowie einem neuen TV-Werbe-

gebraut, in die 65 Gär- und Lagertanks passen 4  000 Hekto-

samkeit in der relevanten Zielgruppe erregen: Männer, vorwie-

das Bier in den Tanks, bevor es filtriert wird, also die Hefe ver-

spot wollen die Brauer aus dem Harz hierzulande die Aufmerkgend im mittleren Alter. Im Osten der Republik ist das schon

der Fall. Hier liegt der Marktanteil des Gerstensaftes bei 14,6

liter – das sind 800 000 Halbliter-Flaschen. Drei Wochen reift

schwindet. Dann ist es mindestens ein halbes Jahr lang haltbar.

Prozent. In Gesamtdeutschland ist das Pils immerhin das dritt-

90 000 Flaschen verlassen pro Stunde die 1   270 Quadratmeter

fähig, meinen die Marketingstrategen.

Tag, eine Strecke von 137 Kilometern, reiht man Flasche an Fla-

beliebteste Premium-Pils, Marktanteil 6,6 Prozent. Steigerungs-

Und Männer, die Fußball gucken, trinken dazu Bier. Zudem ver-

bindet Hasseröder seit Jahren geschickt Sport und Genuss. Die

große Abfüllhalle – das sind zwei Millionen Flaschen Bier pro

sche. In der Logistik werden Lkw im Minutentakt abgefertigt, 150 sind es täglich.

Brauerei gehört zu den zehn bekanntesten Sportsponsoren in

Mit Aktionen und Zugaben will Hasseröder in den nächsten Mo-

das Unternehmen auch zahlreiche kleinere Vereine aller Leis-

gen, Reisen zur Fußball-WM und das 2009 gestartete „Männer-

Deutschland. Neben Spitzenvereinen wie Hannover 96 fördert

tungsstufen. Allein in Sachsen-Anhalt engagiert sich Hasseröder bei mehr als 60 Vereinen.

Seit zehn Jahren wird das Pils samt Export und Radler in einer der

modernsten Produktionsanlagen Europas gebraut – energieund umweltfreundlich. „Alles

wird mehrfach verwendet“, erklärt Brauereiführer Michael Weiß. Schmutzwasseraufbereitung, zwei eigene Block-

heizkraftwerke, alte Etiketten

werden kompostiert, der Treber, Rückstandsprodukt bei

der Bierherstellung, wird Futter für die Rinderzucht.

Michael Weiß, Meister seines Faches, jongliert gern mit beeindruckenden Zahlen: 200 bis 220 Tonnen Malz werden

täglich verarbeitet. Auf zwei

Sudlinien wird gleichzeitig

Christian Neuhäuser,

Verkaufsleiter bei InBev

Deutschland, hofft, dass die

deutsche Mannschaft es ins

Finale schafft, damit das

Fußballfieber den Bierdurst

anheizt.

SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 01/10

naten seinen Absatz ankurbeln. Aktionspreise, Trikot-VerlosunCamp“ – eine Art Big-Brother-Event ohne Kameras – sollen dafür

sorgen, dass Deutschland beim Mitfiebern um die Tore nur noch an eines denkt...

www.hasseroeder.de

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Tourismus

G2-Gipfel auf dem deutschesten aller Berge Brockenbotschafter seit 20 Jahren: Extremwanderer Benno Schmidt und Gastwirt Hans Steinhoff Von Sabine Tacke Meine Lunge pfeift. Ich verfluche all die Zigaretten, die ich je

Ebenso wie der Rekordhalter ist Steinhoff eine lebende Harzer

herläuft, ist 30 Jahre älter als ich. Seine Schritte so gleichmäßig

Glückszahl“, strahlt er. Er hat sich ein kleines Imperium rund

geraucht habe. Demütigend: Der Mann, der sportlich vor mir

Legende. Er ist der 13. Brockenwirt in der Geschichte. „Meine

wie die Schläge eines Metronoms. Sein Puls scheint sich auf ge-

um den deutschesten aller Berge geschaffen. Drei Hotels und

180 vor sich hinrast.

nach der Wende in Schierke investiert. „Und alles ohne Förder-

mütliche 80 eingepegelt zu haben, während meiner mit flotten

Benno Schmidt ist ein Mann, mit dem niemand Schritt halten

kann. Seit 20 Jahren kraxelt er fast täglich den Brocken hoch und wieder runter. So oft wie kein anderer. Das ist auch doku-

ein Café besitzt die Familie, drei Millionen D-Mark haben sie mittel“, betont der Geschäftsmann. Ehefrau Ursel betreibt die

Baude am Brockenbahnhof. Sohn Daniel ist Geschäftsführer des Brockenhotels, das die Familie gepachtet hat.

mentiert – im Guinness-Buch der Rekorde: 1997, 1998 und 2000.

Angefangen hatte alles im Februar 1990 mit einer Gulaschka-

lerdings kennt ihn unter seinem bürgerlichen Namen kaum

cken hoch. Nach 28 Jahren Ruhe die erste Versorgungsstation

„Einmal will ich da noch rein“, sagt der 77-jährige Schmidt. Al-

jemand. Aus Benno Schmidt ist längst Brocken-Benno gewor-

den: ein Aushängeschild für den Harz, fast ein Maskottchen. Der Mann mit den strammen Waden und dem fast faltenlosen Ge-

sicht ist prominent, begegnet den Mächtigen und Berühmten auf Augenhöhe. Reinhold Messner und Extrembergsteiger Hans

Kammerlander hat er schon getroffen, mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer und dem Ex-Bundespräsi-

denten Roman Herzog geplaudert. Moderator Carlo von Tiedemann war sogar Gast bei ihm zuhause. In 30 Fernsehsendungen

war Benno Schmidt bis heute zu sehen. Zeitungsartikel über ihn füllen drei dicke Aktenordner.

none. Die zog Steinhoff mit seinem Trabi den verschneiten Brofür hungrige Wanderer. Inzwischen sei er Millionär, so geht das

Gerücht in Schierke. Steinhoff winkt ab. „In den ersten Jahren hab ich an den Wochenenden 3  000 Portionen Erbenssuppe verkauft, heute sind es gerade mal 300.“ Den Leuten sitze das

Geld nicht mehr so locker in der Tasche. „Nur 30 Prozent der

Brockenbesucher kehren bei mir ein.“ Hinzu kommen die extremen Witterungsverhältnisse auf dem Berg. „Der Brocken ist

das Tourismusziel Nummer Eins, wenn wir blauen Himmel haben. Aber wann haben wir das schon mal.“ An 300 Tagen ist die

Brockenspitze in Nebel gehüllt, an über 100 Tagen gibt es Schnee und Frost mit Temperaturen bis zu minus 28 Grad.

Jetzt wandert er beherzt seinem 6  000. Gipfelsturm entgegen.

Das sind die Tage, an denen Hans Steinhoff um 4.30 Uhr aus

Meter hohen Plateau wieder einige Kamerateams auf den Wan-

die Brockenstraße wühlt. Der Berg ruft. Bis spätestens 6 Uhr

Im Mai soll es soweit sein. Dann werden oben auf dem 1  142 dersmann warten. Unglücklich ist Brocken-Benno über seine Medienpräsenz nicht: „Ich bin ein Botschafter der Region. Das ist

doch gut für den Tourismus.“ Und in der Tat ist der Brocken mit

mehr als 1,4 Millionen „Aufsteigern“ jährlich der meistbesuchte Berg Deutschlands.

den Federn muss, die Schneefräse startet und sich damit durch muss er geräumt sein. Dann wollen die Meteorologen hoch auf ihre Wetterstation. Die Steinhoffs haben den Winterdienst

übernommen. Schließlich müssen die Lieferanten nach oben. In

manchen Jahren muss der Wirt von Oktober bis April räumen, oft mehrmals am Tag.

Doch ohne den Schierker Hans Steinhoff wäre vielleicht alles

Ob er Brocken-Benno kennt? „Aber natürlich, schon seit mehr

die Idee mit dem Brockenpass. Ein orangefarbiges Klappkärt-

Steinhoff im Ferienhotel der DDR-Gewerkschaft FDGB, was

ganz anders gekommen. Denn er hatte gleich nach der Wende chen, nach jedem Brockenmarsch gab’s einen Stempel. Brocken-

Benno zeigt stolz seinen 167. Pass. Doch die Stempel spornten auch andere an. Die Karte sollte schließlich voll werden. Schmidt

ist ganz sicher: „Das hat die Wanderbewegung so richtig in Schwung gebracht.“

als 30 Jahren.“ Schmidt war damals im Handel beschäftigt, Freier Deutscher Gewerkschaftsbund heißt: „Benno ist unser bester Werbeträger.“ Beide sind seit 20 Jahren mit Leidenschaft

und Engagement im Dienste des Brockens unterwegs. Der eine

bringt die Touristen in die Natur, der andere versorgt sie anschließend. Eine perfekte Symbiose.


Tourismus

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Tourismus

Rauf und runter: Während Hans Steinhoff die Straße in Richtung Brocken freischiebt, ist BrockenBenno bereits wieder auf dem Weg nach Hause.

Und mit dem Tourismus im Harz geht’s immer weiter bergauf. Natürlich nicht nur wegen der beiden Brocken-Legenden. „Seit

der Wende sind in Schierke und Wernigerode viele neue Hotels

und Pensionen entstanden, alte FDBG-Heime wurden saniert.

Neu ist auch der Hasseröder Ferienpark mit fast 700 Betten, Erlebnisbad, Spielewelt und Wellness- sowie Freizeitanlagen“, berichtet die Geschäftsführerin der Wernigerode Touris-

mus GmbH Erdmute Clemens. Wer nicht wandern will, kann sich in Wernigerode zum Beispiel den Miniaturpark „Kleiner

Harz“ anschauen, altes Schmiedehandwerk in der Krellschen

Schmiede erleben oder das Schloss Wernigerode besuchen.

Schierke setzt voll auf Sport, hat ein sehr gut ausgebautes, rund 40 Kilometer langes Loipennetz und eine Sommer-

rodelbahn. Die Harzreisenden kommen in Scharen. Allein in

Schierke haben sich die Gästezahlen seit 1992 fast verdoppelt, wuchsen von 38  492 auf 70  652 an. In Benno Schmidts Heimatstadt Wernigerode sind die Übernachtungen von 197  050

im Jahr 1993 auf 741  907 gestiegen.

Viele Touristen hat Brocken-Benno mit seiner Leidenschaft

für den Berg schon angesteckt. „Sie sprechen mich an, wollen ein Foto mit mir und ein Autogramm.“ 4  000 davon

verteilt er jährlich. Als geschulter Wanderführer gibt der Wernigeröder den Gästen auch wertvolle Tipps mit auf den Weg. Zum Beispiel, dass der Aufstieg durchs Eckerloch

nicht ganz ungefährlich ist: „Hier liegen allerhand lose Steine und Geröll.“ Oder dass es die beste Sicht beim Aufstieg von Torfhaus aus gibt, beim Abstieg in Richtung Bad Harzburg.


Tourismus

Spielt das Wetter mal wieder verrückt, schickt Benno die Ur-

Am 3. Dezember 1989 öffnet sich das Tor zum Brocken, und

Vielfalt und Magie des Berges. Für den Rekordhalter spielen

anderthalb bis zwei Stunden rauf, ein und eine Viertelstunde

lauber lieber ins Brockenmuseum auf eine Reise durch die

Schmidt fing an zu laufen. Durchschnittlich 333 Mal im Jahr,

Schnee, Regen und Kälte dagegen keine Rolle. „Manchmal,

wieder runter, je nach Route zwölf bis 15 Kilometer und 500 Hö-

dann geb‘ ich mir einen Ruck und laufe doch los. Ich bin nun

seine Hartnäckigkeit und leise Verrücktheit sogar das Leben ge-

wenn es in Strömen regnet, hab ich auch keine Lust. Aber mal kein Schönwetter-Wanderer.“

Dazu hat er den Brocken viel zu lange entbehren müssen. „Am 13. August 1961 saß ich gerade im Zug, wollte Heidel-

beeren sammeln gehen. Da hörte ich die Durchsage, dass der Zug nicht mehr auf den Brocken fährt.“ Die Grenze war

dicht. Er konnte es kaum glauben. 28 Jahre lang durfte er seinen Berg nur sehnsüchtig vom Dachfenster aus anschauen, der Weg hinauf war versperrt. „Was ich in dieser Zeit versäumt habe, musste ich doch nachholen.“

henmeter. Bei Wind und Wetter. Aber wer weiß, vielleicht hat ihm rettet. 2009 sauste ein Schicksalsschlag auf ihn nieder, brachte

seinen Lebensrhythmus ins Wanken. Ein Arzt stellte Krebs bei ihm fest. Schmidt musste sofort unters Messer. Keine ungefährliche Operation bei einem 77-Jährigen. Doch er brauchte weder Che-

motherapie noch Bestrahlung. „Meine Werte sind wie die eines jungen Mannes.“ Sieben Woche nach der OP stiefelte er schon wie-

der auf seinen geliebten Brocken. So als wäre nichts geschehen. Die Einzige, die ihren Benno vom Brocken fernhalten kann, ist

Ehefrau Helga. Aber das auch nur einmal im Jahr, zur Urlaubs-

zeit. „Naja, anfangs musste sie mich schon überreden. Aber

schließlich war ich doch neugierig auf die Welt. Bloß an die See wollte ich nicht. Da waren wir doch zu DDR-Zeiten schon immer.“ Wo geht’s also

hin? Natürlich in die Berge: in die österreichischen und Schweizer Alpen oder in die Dolomiten. Doch

schon vor der Rückfahrt wird er ganz kribbelig vor Sehnsucht nach seinem Brocken.

„Das ist eben mein Berg. Ich bin mit ihm aufgewachsen. Als ich am 3. Dezember 1990 den Brocken

zum ersten Mal wieder unter meinen Füßen hatte, war das ein einmaliges Glücksgefühl. Das werd‘ ich nie vergessen.“ Deshalb hat er sich 1994 dafür stark

gemacht, dass an der Stelle des ehemaligen Grenztores ein Gedenkstein aufgestellt wird. Und er hat den Harzer Grenzweg initiiert.

Hans Steinhoff nennt den Brocken Schicksalsberg. „Wir hatten ihn so dicht vor Augen und konnten

doch niemals hoch.“ Manchmal sitzen die beiden bei Ursel Steinhoff in der Brockenbaude zusammen und erzählen sich Geschichten – von damals, von heute und was vielleicht noch werden kann. Dann genehmigt sich sogar Brocken-Benno mal ein Schnäpschen – natürlich Schierker Feuerstein, was sonst!

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www.brocken-benno.de

www.brockenwirt.de

www.wernigerode-tourismus.de

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Forschung

Offene Liebschaft mit glitschig-grünen Algen Prof. Dr. Carola Griehl von der Hochschule Köthen ist Energie-Botschafterin des Wissenschaftsjahres 2010 Von Kirsten Hoffmann

„Das sind meine Algenreaktoren“, sagt Carola Griehl und breitet

Die Forscherin von der Köthener Hochschule lebt diese Über-

zieht die Besucher sofort in den Bann ihrer gläsernen Säulen,

– neben der zu ihrem Mann natürlich. Aber der ist als Bauinge-

die Arme weit aus, öffnet mit der Geste ihr grünes Reich und

Ballone und Rohre. In den Behältern sprudeln, blubbern, fließen Flüssigkeiten in sämtlichen Grün-Schattierungen. Die Augen

der Laborleiterin sprühen vor Begeisterung. Frau Professor Dr. „Alge“ ist sie kürzlich scherzhaft genannt worden. Der Anlass

war ein feierlicher: Carola Griehl, Algenbiotechnologin an der Hochschule Anhalt in Köthen, wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zu einer von vier Botschaftern des

Wissenschaftsjahres 2010 ernannt. „Wenn es in diesem Jahr

thematisch um die Zukunft der Energie geht, dann sind Algen

als Wertstoffproduzenten und Energieträger von riesigem Interesse“, sagt sie – und legt Temperament in diesen Satz: „Forschung muss mit Leidenschaft zu tun haben.“

zeugung. Seit rund zehn Jahren gilt ihre Leidenschaft den Algen nieur viel unterwegs, hat sich mit den „grünen Nebenbuhlern“

arrangiert und auch damit, dass seine Frau ihr Forschungsthe-

ma nach Feierabend nicht einfach auf dem Schreibtisch ablegt. Sie nimmt es mit nach Hause und mit in die Freizeit. Und wa-

rum sollte Professor Dr. Alge gerade im Urlaub von ihrer (Vor)

Liebe lassen – seit Jahren schon geht’s an die Nordsee. In ihrem

Denken und Tun sind die äußerlich eher wenig attraktiven Grüngewächse stets präsent. Die Familie nimmt es nicht übel. Der

zwölfjährige Christoph will, wie die Mutter, Algenforscher werden und der 18-jährige Philipp als Lehrer quasi in Mutters Fuß-

stapfen treten. Im Vermitteln von „Botschaften“ ist Carola Griehl erfolgreich. Mittlerweile sind etliche Mitschüler der Jungs ganz heiß auf chemische Experimente.

In gläsernen Säulen und Rohren sprudeln Flüssigkeiten in sämtlichen GrünSchattierungen. Im „grünen Labor“ des Centers of Life Sciences an der Hochschule Anhalt in Köthen werden Algenkulturen zu Forschungszwecken gezüchtet.

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Forschung

Mit Leidenschaft „knackt“ Prof. Dr. Carola Die Tür in die spannende Welt der Naturwissenschaften müs-

Griehl die grünen Zellen, entlockt ihnen

Wirkstoffe gegen Bakterien und Viren,

se schon in der Grundschule aufgeschlossen werden, sagt die

gegen Krankheiten wie Krebs und Alzhei-

allein das wortwörtliche „Anfassen“, das „mit den Fingern rein

nen Algen immer mehr an Bedeutung.

Wissenschaftlerin-Mutter-Elternsprecherin. Weil die Schule greifen“ nicht leisten könne, findet Carola Griehl solche Schü-

mer. Aber auch als Energieträger gewin-

lerprojekte wie „Chemie zum Anfassen“ toll. Seit Jahren schon leiste hier die Hochschule Merseburg erfolgreiche Nachwuchs-

arbeit – in Kooperation mit dem Dow Olefinverbund und der Total Mitteldeutschland Raffinerie, sagt sie. Das Engagement der

eine Berufswelt, in der sie ihren künftigen

sich in ihrer Botschafterin-Funktion auch als Vermittlerin zwi-

dium an der Martin-Luther-Universität

Industrie – auch finanziell – sei unerlässlich. Darum versteht sie schen Schule, Hochschule und der Wirtschaft.

Vor etwa zehn Jahren, als die Wissenschaftlerin bei biotechnologischen Firmen „die Klinken putzte“, um in der Wirtschaft Part-

ner zu finden für die angewandte Forschung, rümpften viele noch die Nase ob der „ekligen“ Algen. Heute kann sie sich vor

Anfragen kaum retten. „Der Vorteil der Algen ist nicht nur, dass sie klimaschädliches Kohlendioxid als Nahrung auch aus Kraft-

werksabgasen aufnehmen und daraus Biomasse aufbauen, die man zu Biodiesel oder anderen Energieträgern umwandeln

kann. Mikroalgen wachsen zudem auch noch schneller als an-

dere Energiepflanzen und bilden dabei wichtige Fette, Proteine und Kohlenhydrate“, kommt Carola Griehl geradezu ins Schwärmen. Sie brennt darauf, den Algen Wirkstoffe gegen Bakterien

und Viren, gegen Krankheiten wie Krebs und Alzheimer zu ent-

locken. Und sie weiß: Es stecken noch viele Geheimnisse in den grünen Zellen. Die Zelle „knacken“, das ist ihr Stichwort. Äußerst

spannend findet sie die immer wieder neue Suche nach dem Code für eines der vielen Schlösser des grünen Tresors. Aus dieser Spannung zapft sie ihre Energie.

Platz sah. 1978 begann sie ihr Chemiestu-

Halle, promovierte 1987 mit Auszeichnung. Sehr genau kann sich die Profes-

sorin an die erschwerenden Umstände ihrer Arbeit erinnern. Sie hatte an der Uni

keine Stelle als wissenschaftliche Assistentin bekommen, weil sie den Kontakt

zur „West“-Tante nicht aufgeben wollte. „Diese Tante hatte mich mein ganzes

Studium lang mit Fachliteratur versorgt. Die zu lesen, verlangten die Professoren

von uns, aber eines der raren Bibliotheksexemplare zu ergattern, war so gut wie

aussichtslos“, beschreibt sie einen schizophrenen Auswuchs der mangelwirtschaftenden DDR.

Sie machte sich auf die Suche nach einer

Praxisaspirantur. Und fand im Volkseigenen Betrieb VEB Berlin-Chemie einen, der nicht so genau hinsah bei der Westverwandtschaft.

Das Geheimnis also löst den Drang zum Forschen aus. Aller-

Im Büro der Wissenschaftlerin hängen gerahmte Aufnahmen

sie schon im Chemie-Unterricht beherrscht hätte. Nach dem Abi

rum leckt. Carola Griehl mag ihre Urlaubsinsel wegen der Ruhe.

dings kann sich Carola Griehl nicht erinnern, dass dieser Drang wusste die gebürtige Dessauerin erst gar nicht, welchen beruf-

lichen Weg sie gehen wollte. Ein Jahr der Findung war damals, in

den 1970er DDR-Jahren, eher unüblich. Die Erfahrungen aber, die sie als Praktikantin auf der Frühgeburten-Station im Dessauer Krankenhaus machte, waren ihr ein wichtiges Rüstzeug für den Weg ins Leben. „Zu entscheiden lernen, sich selbst zu organisie-

ren, Verantwortung zu übernehmen...“, Carola Griehl sieht an ihren Studenten, wie schwer es jene haben, die noch nicht mit

diesen Kompetenzen ausgestattet sind. Seit 1997 ist sie Professorin für Biochemie an der Hochschule Anhalt.

Die Tür ins Krankenhauslabor, in das sie als junge Schwestern-

helferin Blutproben brachte, eröffnete ihr damals den Einblick in

vom Meer, das mit seinen blauen Zungen am Strand von AmSelbstredend auch wegen der Algen, die das Meer mitbringt

und hier achtlos liegen lässt. Dem gemeinen Urlauber „stinken“

die modrigen Fußschlingen ziemlich unappetitlich in der Nase. Die Wissenschaftlerin aber ist fasziniert von dem Seetang: „Als

erste Organismen spalteten die Algen das Wasser in Sauerstoff

und Wasserstoff, ermöglichten somit heterotrophes Leben auf dem Land.“ Den Ursprung allen irdischen Lebens also zupft der

Badegast mit spitzen Fingern von seiner Haut. Die Professorin findet, dass dieses Urgewächs sehr zu Unrecht von der Wissenschaft lange unbeachtet blieb.

Schnell hat sie Blatt und Stift zur Hand, zeichnet zur besseren Anschauung den Verwertungskreislauf von Algen auf, betont


Forschung

den Unterschied zwischen den Makroalgen im Meer und den

hängt. „Damit ich die wichtigen Dinge immer im Blick behalte“,

re nämlich ließen sich schwer züchten. Bislang jedenfalls. „Den

Im aufmerksamen Blick hat sie auch die eingehenden E-Mails

mikroskopisch kleinen Mikroalgen in Seen oder Flüssen. ErsteOrganismus überlisten“ ist ein Motto, das die Forscherin oft im Munde und ebenso oft zum Erfolg führt. Ihrem Labor ist es als

erstem bundesweit gelungen, die Meeresalge auf eine Zelle zurück zu führen und damit kultivierbar zu machen. Die Forscher sind damit unabhängig von der Ernte im Meer oder in den Algenfarmen an der Küste.

Der Feierabend zieht ein ins Algenlabor. Künstliche Sonnen

scheinen jetzt nur für die Zuchtkulturen. Im bewegten Wasser wird ihnen Meerlust vorgegaukelt. Auf die Laborleiterin wartet

noch Büroarbeit – gut sortiert in übereinander gestapelten Ab-

lagen. Längs über den Tisch hat Carola Griehl eine Wäscheleine

gespannt, beschriebene und bedruckte Blätter daran aufge-

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verrät sie augenzwinkernd.

– solche, wie die Einladung einer Grundschule in Friedland an die Energie-Botschafterin. Da fährt sie natürlich hin, um sich mit

den Mädchen und Jungen über den Energiemix der Zukunft zu unterhalten.

Dann sind da auch Mails aus der Industrie, die wollen die erfolgreiche Wissenschaftlerin für sich gewinnen. „Meine Algen-

projekte, meine Ideen immer zu verwirklichen, ist nicht leicht. Aber meistens gelingt es“, blickt die Hochschulprofessorin auf

erfüllte Jahre des Experimentierens und Entdeckens. Und diese Freiheit ihres Forschergeistes weiß sie hoch zu schätzen.

www.hs-anhalt.de

www.zukunft-der-energie.de

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Wissenschaft

Die Tropfenfänger in der Wische Warum Wissenschafter im altmärkischen Dörfchen Falkenberg in den Untergrund gehen Von Andreas Müller In Falkenberg bei Seehausen in der Altmark zählt jeder Tropfen,

Inzwischen wurde in der Schweiz eine der größten Lysimeteran-

Wurzeln von Gras und Getreide einen Tunnel bauen lassen, um

Bislang sind auf dem Kontinent mehr als 300 Lysimeter nach

der im Boden versickert. Wissenschaftler haben tief unter den dem Grundwasser ganz nahe zu sein.

In der so genannten Lysimeterstation des Helmholtz-Zentrums

lagen Europas gebaut, deren Prototypen in der Altmark stehen. altmärkischem Vorbild im Einsatz.

für Umweltforschung – UFZ untersuchen sie, wie sich die Be-

Entsprechend sind die Kenntnisse des 57-jährigen Wissenschaft-

auswirkt. Welche Unterschiede gibt es bei Sand, Lehm oder Löß?

ner wirkte beispielsweise an einem internationalen Projekt in

wirtschaftung einer Fläche auf das wertvolle Nass im Boden Auf einem Messfeld in der Altmärkischen Wische wurden dafür Dutzende kleine Versuchsflächen mit unterschiedlichen Kulturen und Böden angelegt. Im Tunnel darunter fangen Techniker

das Sickerwasser tropfenweise auf, damit es gewogen und im

Labor analysiert werden kann. Die Experten machen damit bislang im Verborgenen ablaufende Transportprozesse sichtbar.

Beeinträchtigt die landwirtschaftliche Düngung das Grundwas-

ser? Wie wirkt die von Bauern ausgebrachte Gülle auf den Boden und das Grundwasser? Wie verändert der verstärkte Anbau von Mais das ökologische Gleichgewicht? In welchem Umfang spült

Hochwasser Schadstoffe frei? Mit der Beantwortung solcher Fragen leistet das Team um Professor Ralph Meißner Pionierarbeit

für einen nachhaltigen Umgang mit dem Wasser als Quell allen Lebens.

Die Falkenberger Lysimeterstation mit dem Tunnelgang aus Be-

ton wurde schon zu DDR-Zeiten angelegt. „Wir haben unsere Forschungen nun darauf konzentriert, das Verfahren auch für

andere Standorte nutzbar zu machen“, berichtet der Experte

lers aus Sachsen-Anhalt im In- und Ausland gefragt. Ralph Meiß-

Israel mit, um den See Genezareth zu sanieren. Dort hatte die

Phosphorkonzentration im Wasser beängstigende Werte erreicht. Mit Lysimetern wird nun in einem israelischen Niedermoorgebiet

ermittelt, was den von dort gespeisten See aus dem Gleichgewicht gebracht hat.

„Eine wichtige Erkenntnis war es, dass ausgetrocknete Moore auf

keinen Fall mit einer raschen Flutung repariert werden können“, sagt der Wissenschaftler. Dabei würden nur noch zusätzliche

Schadstoffe in die umliegenden Gewässer gespült. Die Renaturierung des Moores müsse äußerst vorsichtig über einen Zeitraum von Jahrzehnten angelegt werden.

Die Falkenberger sind auch in das deutsch-russische Projekt „Wol-

ga-Rhein“ einbezogen. Dort wird untersucht, welche Folgen der

Strukturwandel in der Landwirtschaft für große Fluss- und Seen-

landschaften hat. Erstmals wird mit der Lysimetertechnik messbar, in welchem Maße Phosphor und andere Nährstoffe durch Erosion in das Wasser gelangen.

für den Landschaftswasserhaushalt, der auch an der Martin-

Die jüngste Herausforderung für den Experten des Helmholz-

Gemeinschaftsarbeit mit der UGT – Umwelt-Geräte-Technik

te muss sich dringend um die Wasserversorgung der Mega-City

Luther-Universität Halle-Wittenberg lehrt. Entstanden sind in GmbH in Müncheberg mobile Stationen, die inzwischen euro-

paweit für die Erfassung von Wasser- und Stofftransportprozessen in Böden eingesetzt werden.

Die Wissenschaftler versenken dabei einen aus dem jeweiligen

Zentrums für Umweltforschung kam aus China. Das Reich der Mit-

Peking kümmern. Mit dem Know-how aus der Altmark soll nun untersucht werden, woher die Belastung des Wasserreservoirs in einer riesigen Talsperre stammt und wie das Wasser geschützt werden kann. Denn: Jeder Tropfen zählt.

Erdboden geschnittenen tonnenschweren Brocken in einer Spezialhülle. Zusammen mit Wäge- und Messtechnik bietet dieser

„eingesperrte“ Originalboden dann beste Möglichkeiten, die

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ

gen zu studieren. Bei einem Erdblock von fünf Tonnen können

Dorfstraße 55 , 39615 Falkenberg, Tel.: 0391 / 810 97 7

Veränderungen im Sickerwasser unter naturnahen Bedingun-

die Forscher beispielsweise bis auf 20 Gramm genau wiegen, wie viel Tau sich an der Oberfläche gebildet hat.

Department Bodenphysik, Lysimeterstation Falkenberg

www.ufz.de


Wissenschaft

Pflanzen, Böden und Computer. Ver-

suchstechniker Robert Lüdtke liest in

Falkenberg in der Altmärkischen Wische die Messdaten eines Lysimeters aus.

Das Gerät erfasst unter Laborbedingungen Transportprozesse, wie sie sich in der Natur zutragen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 28  000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 16

Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltfor-

schung wurde 1991 unter dem Namen UFZUmweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH gegründet. Es beschäftigt an den

Standorten Leipzig, Halle/Saale und Mag-

deburg knapp 900 Mitarbeiter. Das Institut

erforscht die komplexen Wechselwirkungen

zwischen Mensch und Umwelt insbesondere in Ballungsräumen und naturnahen Landschaften. Die Wissenschaftler entwickeln

Konzepte und Verfahren, die helfen sollen,

die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.

Lysimeter sind Experimentieranlagen zur

Erfassung von Transportprozessen im Boden

unter weitgehend naturnahen Bedingungen.

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Nahverkehr

Neue Wege übers Land „Einkaufsbus“ soll Lebensqualität älterer Menschen in der dünn besiedelten Region Jessen verbessern Von Sabine Tacke Auch zwischen Zeitz und Arendsee hat die Medaille zwei Seiten: Einerseits ist

Sachsen-Anhalt so mobil wie nie zuvor. Rund 1,18 Millionen Pkw rollen heu-

Für den 62-jährigen Peter Boy aus Seyda kommt das Angebot gera-

de zur rechten Zeit. Zwar fährt der rüstige Vorruheständler die zwölf Kilometer nach Jessen für gewöhnlich mit dem Fahrrad. „Doch an dem Tag, als der Einkaufsbus zum ersten Mal bei uns angehalten hat, regnete es in Strömen. Da bin ich einfach eingestiegen“, erzählt

er. Und inzwischen ist dieses zusätzliche Nahverkehrsangebot, das

sich speziell an ältere und mobilitätseingeschränkte Bürger wendet, für ihn „eine feste Plangröße.“

te durchs Land. Statistisch gesehen ist damit jeder zweite Sachsen-Anhalter

„Ich fahre jeden Dienstag und Freitag“, erzählt er. Dann inspiziert er

rung den öffentlichen Personennahverkehr. Und das trifft besonders ältere

dabei auch nach Schnäppchen. Denn die gibt es im kleinen Tante-

stolzer Autobesitzer. Anderseits schwächt die rasant gewachsene Motorisie-

Menschen auf dem Land. Für sie ist der Linienbus oft die einzige Chance, mal Stadtluft zu schnuppern. In vielen ländlichen Gegenden aber rollen meist

sorgfältig die vier Supermärkte in der Innenstadt von Jessen, schaut Emma-Laden seines Heimatdorfes nur höchst selten.

nur Schulbusse frühmorgens in die Stadt und nachmittags wieder zurück.

Beim ersten Mal stand der Frührentner noch ziemlich allein an der

und die Lebensqualität in kleinen Landgemeinden verbessern.

Vorzüge des Einkaufsbusses für sich entdeckt.

Mit dem Modellprojekt „Einkaufsbus“ will das Land jetzt gegensteuern

Haltestelle. Inzwischen aber haben auch andere Dorfbewohner die

Im Dezember vergangenen Jahres startete das Vorhaben zunächst mit

Das Modellvorhaben ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, wird

nehmen jeweils dienstags und freitags die Bewohner aus 39 Dörfern mit

Region seit August 2000 auch Rufbusse, die telefonisch vorbestellt

drei Linien in der Region Jessen. Die Busse kommen zweimal in der Woche, in die Stadt. Der Freitag ist praktisch für den Wochenendeinkauf, dienstags

haben die Behörden bis 16 Uhr geöffnet. Hinter der Projektbezeichnung „Einkaufsbus“ verbirgt sich also weitaus mehr als nur die Fahrt in den nächsten Supermarkt.

vom Land jährlich mit 50 000 Euro gefördert. Zwar verkehren in der werden können. „Der Einkaufsbus ist aber eine Verbesserung für die-

jenigen, die ein festes Angebot vorziehen“, fasst Busunternehmer Wolfdietrich Vetter seine Eindrücke aus den Gesprächen mit Fahrgästen zusammen.

Auch wenn das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt, zeichnen sich

schon jetzt Gestaltungsmöglichkeiten ab. In der Region Jessen zum Beispiel

hat sich bereits nach dreimonatiger Testphase gezeigt, dass es sinnvoll

ist, künftig weitere vier Ortschaften anzusteuern. Und in anderen ländli-

chen Gegenden ist das Interesse groß, das „Einkaufsbus“-Modell auch in der eigenen Heimatregion zu erproben.

www.mlv.sachsen-anhalt.de

www.nasa-netz.de

www.vetter-bus.de

Vorruheständler Peter Boy: Mit dem „Einkaufsbus“ zur

Schnäppchenjagd nach Jessen.


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Bildung

Fester Stand für die Leiter nach oben Sponsoren aus der Wirtschaft unterstützen Eliteförderung für junge Menschen Von Kirsten Hoffmann Neuankömmlinge ziehen ihre Rollkoffer durch die Hotelhalle, An-

Tim spricht beeindruckt von seinen Begegnungen mit Men-

Teppichboden dämpft die Geräusche. Das Maritim-Hotel Magde-

Lebensmaxime gemacht haben. Der Abiturient hat erfah-

zugträger zeigen mit ihren Aktentaschen Wichtigkeit. Der dicke burg ist das „erste Haus am Platze“, wenn es um Geschäftsreisen

geht. Mittendrin sitzt Tim in einem schweren Club-Sessel – und lässt über dem karierten Hemdkragen kein bisschen Unbehagen erkennen. Sicheres Auftreten hat der 18-jährige Abiturient

aus dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Halberstadt gelernt. Tim

Wappenhans gehört zu den 45 Schülerinnen und Schülern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die 2009 eine „Elite-

förderung“ genießen durften. „Jugend Aktiv Mitteldeutschland“, kurz „ja.m“ heißt der Verein, der leistungswilligen jungen Menschen ein ideelles Rüstzeug mitgibt für den Weg in führende Positionen ihres künftigen Berufslebens.

Was überhaupt bedeutet „Elite“? Tim lächelt in sich hinein. „Ich konnte viele Erfahrungen und Einsichten sammeln, die ich jetzt

meinen Mitschülern voraus habe“, sagt er mit sympathischer Bescheidenheit. Tims Blick wandert zu seinem Tischnachbarn, der

schen, die Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Fairness zu ihrer ren: „Solche Werte lassen sich durchaus mit geschäftlichem Erfolg, mit Gewinnstreben vereinbaren.“

Ja.m wendet sich jedes Jahr an weiterführende Schulen mit

besonders guten Abiturergebnissen, die von den Kultusmi-

nisterien der mitteldeutschen Länder empfohlen werden. Die Schulleiter können dem Verein im Durchschnitt vier förderwürdige Mädchen und Jungen aus dem Abiturjahrgang vorschlagen. Hatte es mit Glück zu tun, dass Tim ausgewählt

wurde? „Im Gegenteil. Die Schüler, denen die Eliteförderung

zukommt, zeichnen sich durch sehr gute Leistungen und soziale Kompetenzen aus“, sagt Helge Fänger. „Wir suchen nach jungen Menschen, die ihre Begabungen und Fähigkei-

ten für das Gemeinwohl einsetzen, ohne nach dem eigenen Vorteil zu fragen.“

für ihn wohl zur „Elite“ gehört. Dr. Helge Fänger ist Vorstandsvor-

Zustimmend nickt Lutz Rätz, Geschäftsführer einer Mag-

Betriebsdirektor und leitet heute eines der führenden Unterneh-

neue Medien: Nicht jede Stunde Arbeit, die man der Ge-

sitzender der Serumwerk Bernburg AG, war schon vor 1990 dort

men in der Produktion von Arzneimitteln für die Human- und Veterinärmedizin.

Seit kurzem hat Fänger ein Ehrenamt mehr: Er ist der neue Vor-

sitzende des Elitefördervereins, zu dessen Hauptsponsoren das Serumwerk gehört. „Elite,“ sagt der Vorstandschef, „das sind die Führungskräfte von morgen. Das sind die Menschen, die

befähigt sind, mehr zu können, und die auch mehr tun wollen als das Alltägliche – deren Verhalten geprägt ist durch Humanität, Toleranz und Verantwortung.“

Ja.m verzichtet auf staatliche Förderung, um unabhängig zu sein. „Wir, das heißt die Wirtschaft selbst, muss in die Bildung

ihres Führungskräftenachwuchses investieren“, betont Helge Fänger, was längst nicht in jedem Konzern als selbstverständlich gilt. „Wir Unternehmer sind auch dem Allgemeinwohl ver-

pflichtet, tragen Verantwortung für die Gesamtgesellschaft.“

Fänger spricht von Selbstsucht, von Managerverfehlungen, durch die das Wertegerüst einer gerechten Wirtschaftsordnung zerstört worden sei. Das müsse wieder aufgebaut wer-

den. Aus diesem Grunde nehmen „Schlüsselkompetenzen für

das Leben“ einen breiten Raum ein in dem Seminarangebot, das ja.m den jungen Leuten unterbreitet.

deburger Fachakademie für Informationstechnologien und sellschaft zur Verfügung stellt, müsse „Kohle“ bringen, ist

seine Einstellung. Hinter Rendite und Gewinn stecke nach landläufiger Meinung immer knallharte Kalkulation. Hier

sei ein Umdenken angesagt: „Moralische Werte, Toleranz und Empathie könnten sich auch in der Wirtschaft entfalten,“ sagt Rätz und meint: „Ohne soziale Kompetenz der

Führungscrew wird ein Unternehmen in Zukunft nicht bestehen können.“

Die Akademie, deren breites Weiterbildungsangebot Jobchancen verbessern will, ist ebenfalls Partner von „Jugend

Aktiv Mitteldeutschland“. Jede ehrenamtliche Minute, die Lutz Rätz damit verbringt, Kontakte für Praktika in der Wirt-

schaft anzubahnen, wieder einen Knoten mehr ins Netzwerk für die Eliteförderung zu knüpfen, verbucht er als

Gewinn. „Doch nur, wenn wir den Abiturienten die Leucht-

türme der Wirtschaft zeigen, sie auf die wissenschaftlichen Leistungen in dieser Region aufmerksam machen, vermitteln wir ihnen eine Ahnung, dass es sich lohnt, hier zu blei-

ben. Aber auch, wenn sie am Ende gar ins Ausland gehen, im besten Falle mit wertvollen Erfahrungen und hoch motiviert zurückkehren, verbuchen wir das als Erfolg.“


Bildung

„Wer die Wirtschaft hinter sich hat, hat die Zukunft vor sich“, das war schon vor gut zehn Jahren Christine Schönefelds

Motto. Als Schulleiterin des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums in Halberstadt (heute nicht wirklich im Ruhestand, weil unter anderem Schatzmeisterin und Koordinatorin von ja.m) ver-

folgte sie die ehrgeizige Vision, Absolventen für leitende Posi-

tionen in führenden Unternehmen der Region zu befähigen. 1997 hob sie das Projekt „Gymnasium-Wirtschaft“ aus der Taufe. Klopfte bei Unternehmen in Stadt und Umgebung an, um

ihren Schülern Praktika in den Leitungsetagen zu ermöglichen. Damals bedurfte das noch einer Genehmigung durch das Kultusministerium, heute ist das Fach Wirtschaft fest in der Stundentafel verankert.

„Wenn die jungen Menschen die Strukturen der Wirtschaft

kennen, haben sie ein höheres Allgemeinwissen und können auch gesellschaftliche Verhältnisse besser durchschauen“, sagt

die Pädagogin. Sie hat sich für den Verein zum Coach ausbilden lassen. Das Coaching ist für die jungen Leute eine Art Lebens-

beratung, die (sich) kaum ein Elternhaus leisten kann: Auflistung von Begabungen, Neigungen und Fertigkeiten sowie Ana-

lyse und Beratung, welche davon zum Beruf gemacht werden... „Solch ein Gespräch an der Schwelle zwischen Schule und Berufsleben ist super hilfreich“, weiß Tim jetzt. Zwischen

Journalismus, Geschichte oder Soziologie konnte er sich

lange nicht entscheiden und bereitete sich in spannender

Erwartung auf das 90-minütige Gespräch vor. Notierte neben den in Frage kommenden Studienrichtungen auch

seine Interessen für Englisch, Italienisch und Latein, ebenso seine musikalischen Begabungen: „Ich singe, spiele Klavier

und Gitarre“, Tim errötet leicht. Seine Vielseitigkeiten aufzuzählen, ist ihm etwas peinlich.

Verblüfft war er über die interessanten Anregungen, die Verknüpfungsmöglichkeiten, die ihm während des Gesprächs

aufgezeigt wurden. Tim hat sich für ein Soziologiestudium

entschlossen. Doch vorher will er ein Jahr durch Australi-

en jobben, um sein Englisch aufzubessern. Vor allem aber möchte er eine für ihn wichtige Erfahrung machen: Er will

körperlich arbeiten. „Ich will wissen,“ sagt er, „wie schwer es sein kann, das tägliche Brot zu verdienen.“

Wenn Menschen wie Tim in die „weite Welt“ hinaus ziehen, über nationale und kulturelle Grenzen hinweg Menschen

begegnen, „werden sie mehr und mehr global gültige Wertevorstellungen prägen“, schaut Unternehmer Helge Fänger in die Zukunft.

Unterdessen hält die „weite Welt“ Einzug ins Hotel – mit

Rollkoffern und gewichtigen Aktentaschen. Teilnehmer einer internationalen Konferenz checken ein.

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Menschen

Als Weltenkenner auf Präzisionskurs Bernd Zorn: Globalplayer aus der Hansestadt Stendal Von Cornelia Heller Es liegt Schnee dieser Tage in der Altmark. Viel Schnee auf viel flachem Land, der zusammengeschoben unerwartet hohe Berge

in die Landschaft formt. Viel Schnee auch auf zwei großen, roten Buchstaben, einem O und einem N am ersten Gebäude links der

Stendaler Benzstraße. Bernd Zorn lacht herzlich über die Frage, ob zum Namen ZORN nicht eigentlich vier Buchstaben gehören? „Der Frost hat die Farbe zum Abblättern gebracht. Das Z und

das R sind seit heute morgen zur Reparatur“, sagt der gebürtige

Stendaler, den man sich ohne den ans Berlinerische erinnernden

Jargon nicht vorzustellen vermag. In seinem Büro gibt es heißen schwarzen Kaffee – und viel zu sehen: Segelschiffe, als Modell und in Bildern an den Wänden, einen großen Globus, ein Porträt

von ihm in Öl. Alles erinnert eher an einen Reeder als an den Chef

eines Produktionsbetriebes. Da passt auch der dunkelblaue An-

zug, mit dem er gegenüber am langen Besprechungstisch Platz

genommen hat: Bernd Zorn, Inhaber der Firma Zorn Instruments, einem Unternehmen mit Weltruf aus dem Altmärkischen, mit einer 140 Jahre währenden Tradition und Sitz in der Hansestadt

Stendal, hat Sinn fürs Maritime, zwar weit weg von Meer und See, dafür nahe der Elbe.

Gummi- und Metallhärteprüfer, Papierprüfgeräte, Pendelschlagwerke – 23 verschiedene Prüfgeräte für noch einmal so viele verschiedene Einsatzgebiete im Erd-, Straßen- und Gleisbau gehören

zum Profil des Unternehmens ebenso wie feinste Medizintech-

nik, sprich Instrumente für die hochmoderne Endoprothetik. Das Wort „Präzision“ schiebt sich wie eine Brille vor alle diese Produkte

von zwei so unterschiedlichen Geschäftsfeldern, auf denen Bernd Zorn mit seinen Mitarbeitern im Laufe der Jahre unglaublich

viel entwickelt und manches Produkt zu internationalem Erfolg geführt hat. Dazu könnte es auch das alufarbene Aktiv-Skalpell

für die Hirnchirurgie bringen, das auf dem Tisch vor uns in seiner

Plexiglashalterung wie ein Miniraumschiff zu schweben scheint. „Unsere Produkte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Pro-

fessoren von Universitäten und Forschungsinstituten. Sie sind die geistigen Urväter. Wir setzen ihre Ideen um“, erklärt Bernd Zorn und lässt dabei auf Knopfdruck den scharfen Messerkopf eindrucksvoll vibrieren. „Unser jüngstes Projekt ist ein Operationssimulator, der als Gemeinschaftsprojekt von Magdeburger Uniklinik und Fraunhofer Institut entstand.“

Nicht immer waren die Produkte der Traditionsfirma derart filigran, entsprachen aber stets dem Trend der Zeit. Vor 140 Jahren begann alles mit Nähmaschinen und Velozipeden, Laufrädern, deren Idee dem Fahrrad Pate stand. „Mein Urgroßvater hat die in der Altmark eingeführt.“ In seiner Fabrik produzierte Wilhelm Schließer aber auch sehr Unterschiedliches. Zum ersten Exportgut avancierten Geldschränke und Tresore. „Das war schon einer,“ zeichnet Bernd Zorn das Bild von einem Mann, „von dem behauptet wird, dass er einen Geldschrank selber weggetragen hat.“


Menschen

Bernd Zorn, Inhaber von Zorn Instruments, einem altmärkischen Unternehmen mit

Weltruf und einer 140 Jahre

währenden Unternehmenstradition.

Überhaupt scheint die Familien- und Unternehmensgeschichte

Werkstätten“ 1981 vom Vater. „Dass die Firma in vierter Generation

von solchen Begebenheiten, aber auch Zufällen geprägt. Wie jener,

immer in privater Hand war, mit allen Höhen und Tiefen“, macht

als Vater Zorn 1955 mit seinen Füßen im Ostseewasser stehend die

den Mechanikermeister und Ingenieur besonders stolz: „Die Unter-

Bekanntschaft eines Leipziger Ingenieurs und späteren Partners

lippe is’ immer über’m Wasser geblieben“. Auch, als nach der politi-

für die Produktion von Prüfmaschinen macht. Damit begann eine

schen Wende 1989 der osteuropäische Markt zusammenbrach und

neue Ära in der Firmengeschichte, man exportierte wieder – in 36

Bernd Zorn – nun im Wettbewerb mit den Großen der Welt und

Länder übrigens bis nach Südamerika – und konnte durch das er-

einem veralteten Maschinenpark – bei Null anfangen musste. Der

folgreiche Devisengeschäft gar den Bestrebungen der DDR trotzen,

Durchbruch gelang mit den ersten Fallgewichtsgeräten ZFG 01 und

verstaatlicht zu werden. Bernd Zorn übernahm die „Mechanischen

ihrer amtlichen Zulassung durch die Bundesanstalt für Straßenwe-

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Menschen

Das Wort „Präzi-

sion“ schiebt sich wie eine Brille

vor die Prozesse im Produkti-

onsbetrieb Zorn Instruments.

sen. Die von der Stendaler Firma bis heute über 5  000 hergestellten

„Das Unternehmen ist fast ein Jahr ohne seinen Kapitän gefahren“,

und weltweit verkauften Prüfgeräte sind eine Erfolgsstory für sich.

schaut er auf das Jahr 2002 zurück. „Ohne meinen Fertigungs- und Produktionsleiter Ronald Könnecke und meine gut vierzig Leute, die

Zwischen dem glücklichen Neuanfang damals und dem Heute lie-

wir hier selber ausbilden und immer wieder schulen, wäre das nicht

gen eine Vielzahl neuer, innovativer und überraschender Produkte,

gegangen.“ Dabei streicht er fast liebevoll über ein blitzblankes

eingereichter Patente und Gebrauchsmuster, neue Generationen

Edelstahlteil, das eine der hochmodernen CNC-Maschinen soeben

von Fallgewichtsgeräten von ZFG 2 000 bis zum ZFG 3 000 GPS

verlassen hat. „Wir haben immer gesagt, wir möchten gerne das

und die Eröffnung einer gänzlich neuen Produktionslinie für die

machen, was keiner kann und keiner will“, beschreibt Bernd Zorn

Herstellung der Präzisionsmedizintechnik.

mit ungespieltem Frohsinn, leicht überspitzt und mit seinem brei-

Dazwischen liegen aber auch 300  000 Kilometer, die der Mann

ten typischen Lächeln die Maxime seines Unternehmens. Damit ist

aus Stendal Jahr für Jahr rund um den Globus zurücklegte und

der Globalplayer bisher richtig gut gefahren. Nicht im Fahrwasser

den seine Reisen zu unzähligen Messen und Gesprächen mit Ge-

der anderen, oft gegen den Strom, mit dem Steuer fest in der Hand.

schäftspartnern in 140 Länder führte. „Davon leben wir heute, wir exportieren in über 100 Länder.“ Export, sagt er, bedeutete für ihn immer Freiheit. Und dazwischen liegt eine schwere Erkrankung, die den scheinbar nimmermüden wendigen und flexiblen Unternehmer für fast ein Jahr von seinem Schreibtisch fernhielt. Früher, sagt er, hatte er nie Zeit, „heute nehme ich sie mir“, und führt mit Lust durch eine pieksaubere Produktionshalle mit hochmodernster CNC-Technik.

www.zorn-online.de


Briefe an die Redaktion

Starke Bildmotive

Die „Kleinen“ ganz groß

Nachricht aus Brüssel

Außerordentlich ansprechend ist die Auf-

Die Mischung der Themen im Sach-

Präsident Barroso hat mich ersucht, Ihnen

lem das Layout mit starken fotografischen

den nicht nur die ganz großen, sondern

Sachsen-Anhalt-Magazins sehr herzlich zu

machung des Magazins, in welchem vor al-

Motiven sowie die journalistische Band-

breite überzeugen. Dadurch wirkt die Ausgabe überaus lebendig.

n Prof. Dr. Dietmar Enderlein, Vorstandsvorsitzender Medigreif Unternehmensgrup-

pe, Greifswald

sen-Anhalt-Magazin ist prima! Es wer-

auch kleinere Unternehmen dargestellt. Das finde ich wichtig, denn unter dem

Strich machen gerade die „Kleineren“ den größten Anteil am „Ganzen“ aus.

für die Übersendung der ersten Ausgabe des danken.

n Henning Klaus, Kabinett des Präsidenten

der Europäischen Kommission, Brüssel

n Marc Günther, Altena

Berührender Artikel Sachsen-Anhalt hat mit

Chancen und Risiken Stärken deutlich machen Wir

Niedersachsen

ha-

ben viele Verbindungen zu

Sachsen-Anhalt. Uns eint, dass wir von vielen unterschätzt werden. Daher fin-

de ich es toll, wenn die eigenen Stärken deut-

lich und in farblicher Vielfalt hervorgehoben werden.

n Christian Wulff, Niedersächsischer Minis-

terpräsident, Hannover

Als

ehemaliger

Landesrechnungshof-

präsident, der zwar jetzt außerhalb des

Landes lebt, aber immer noch gern nach

Herzlichen Dank für die interessante Erstausgabe

ganz anders dar – interessant, zukunftsorientiert und hoffnungsvoll. Die Chancen, aber auch die Risiken der Zukunfts-

entwicklung Sachsen-Anhalts werden im

Magazin sehr qualifiziert dargestellt und anschaulich geschildert. Machen Sie wei-

präsident a. D., Königswinter

ner Gestaltung sind die ersten Eindrücke, die ich von Ihrem Magazin hatte. Thema-

n Prof. Dr. Dr. h. c. Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung, Halle (Saale)

SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 01/10

fall, kein Schwerpunkt in den Lehrplänen. Das Sachsen-Anhalt-Magazin hat mit

diesem Beitrag auch mein Geschichtsbild

um ein wichtiges Fragment erweitert. n Rüdiger Fischer, CDU-Fraktion im Landtag

Brandenburg, Potsdam

ich in der Vergangenheit leider häu-

voll, sich thematisch auf bestimmte Be-

liegen.

auch heute, 20 Jahre nach dem Mauer-

Als gebürtige Magdeburgerin hatte

geben. Langfristig wäre es vielleicht sinn-

ganz bestimmten Stellen bevorzugt aus-

die Ewigkeit“ hat mich besonders tief

Kein unbeschriebenes Blatt

Lesefreundlich

gazin zu bestimmten Problemlagen an

Der

n Horst Schröder, Landesrechnungshof-

haben Sie einen gelungenen Überblick ge-

menorientiert, und dann könnte das Ma-

Erbe.

berührt. In Brandenburg ist das Thema

teresse gelesen. Es stellt das Land einmal

Schaufenster für Neues

klassische Kommunikation läuft eher the-

sonderes

sen-Anhalt-Magazin mit besonderem In-

gazins. Meines Erachtens

Magazins darauf auszurichten. Denn die

Grenze ein ganz be-

Artikel „Dreieinhalb Steinwürfe durch

zum Land pflegt, habe ich das neue Sach-

des Sachsen-Anhalt-Ma-

reiche zu fokussieren, zumindest Teile des

gen innerdeutschen

Sachsen-Anhalt kommt und den Kontakt

ter so!

Einzelthemen stärker in den Mittelpunkt stellen

einem Teil der ehemali-

mit

erfrischend

moder-

tisch sind Sie breit aufgestellt: Bleiben Sie so offen. Abwechslung und Vielfalt sind

wichtige Elemente für ein solches Magazin. Ich sehe es als Schaufenster, in dem es

immer wieder Neues zu entdecken gibt. Ich wünsche Ihnen weiterhin eine glückliche Hand bei der Auswahl der Themen und gu-

tes Gelingen für dieses Magazin in Zukunft. n Dieter Krüger, Verband der Kali- und Salz-

industrie e. V., Berlin

fig den Eindruck, dass Sachsen-Anhalt

ein doch sehr negatives Image hat. Umso erfreulicher, dass das Magazin eine andere Seite unseres Landes

zeigt: erfolgreicher Wirtschaftsstand-

ort mit interessanter Geschichte und auch im kulturellen Bereich kein unbeschriebenes Blatt. Und dazu die Men-

schen, die dahinter stehen. Dies alles

verpackt in gut geschriebene Artikel

mit interessanten Titeln, die schon im

Inhaltsverzeichnis neugierig machen. Die Fotos sind gut, könnten aber in manchen Fällen noch ein bisschen spon-

taner und weniger gestellt sein. Sorry,

45


Briefe an die Redaktion

aber nur Lorbeeren gibt´s nicht. Insge-

Die Gestaltung des Sachsen-Anhalt-Ma-

Die veröffentlichten Meinungen müssen

gen. Weiter so!

Überschriften sollten etwas größer darge-

ben. Die Redaktion behält sich vor, Zuschrif-

samt aber ist das Magazin sehr gelun-

gazins ist überaus ansprechend, aber die

stellt werden. Dadurch wären die Beiträge

n Romy Schirrmeister, Berlin

besser voneinander zu unterscheiden.

n Holger Gebhardt, Bürgerbündnis Altmark,

Hintergründe im Blick Das Heft zeigt sehr anschaulich,

was

Stendal

nicht die Meinung der Redaktion wiedergeten – bitte stets mit Namen und Anschrift   –

gekürzt und auch elektronisch zu veröffent-

lichen. Die Zuschriften können per Post oder

elektronisch an leserbriefe@st-magazin.de übermittelt werden.

Sachsen-Anhalt alles zu bieten hat. Mir gefällt dabei, dass nicht nur die wirtschaftli-

Blickwinkel erweitert

wird, sondern auch der familiäre und per-

tikel „Hart im Nehmen“ zur Firma Schu-

che Seite eines Unternehmens dargestellt

Besonders erstaunt war ich von dem Ar-

sönliche Hintergrund wie zum Beispiel in

berth. Ich bin selbst Formel-1 Fan, aber

der Reportage über das Winzerpaar Frölich. Der Artikel aus meiner Heimatstadt Stendal zeigt, dass es sich auch für internationale Unternehmen lohnt, in Sachsen-Anhalt

zu investieren. Das einmal kurz vor dem Aus stehende Reichsbahn-Ausbesserungswerk wurde vor einigen Jahren von der Fir-

ma Alstom übernommen und bietet heute Arbeitsplätze für immerhin rund 160 Menschen.

dass eines der wichtigsten Sicherheitsutensilien, der Helm, in meiner Heimat

Sachsen-Anhalt hergestellt wird, davon hatte ich bisher keine Ahnung. Das verändert einmal mehr den Blickwinkel und bewirkt zumindest bei mir, in Zukunft wieder mehr den Blick nach links und rechts schweifen zu lassen.

n Stefan Hofmann, Magdeburg

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in ganz Sachsen-Anhalt Taxi-Ticket zum halben Preis erwerben und abfahren gültig nur für die Fahrt von der Disco nach Hause für alle von 16 – 26 Jahren am Freitag und Samstag jeweils ab 20 Uhr bis 6 Uhr des Folgetages sowie vor und an gesetzlichen Feiertagen Vorverkaufsstellen Die Tickets sind in den Sparkassenfilialen in Sachsen-Anhalt und in Kundencentern der ÖSA-Versicherungen erhältlich.

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Kostenfreie Hotline: 0800 / 56 007 57 E-Mail: beratung@ib-lsa.de www.ib-sachsen-anhalt.de

sam. Sachsen-Anhalt-Magazin  

Sachsen-Anhalt-Magazin, Ausgabe März 2010

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