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Gemeinwohl bauen

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Gemein-

wohl bauen

Unsere Ansätze und Projekte chancengerechter Stadtteilentwicklung

„Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die nicht das Trennende betont, sondern das Verbindende sucht.“
Carl Richard Montag

Vorwort

Gemeinwohlorientierte

Stadtteilentwicklung:

unsere Ansätze und Projekte

Die Montag Stiftung Urbane Räume: Ein Überblick über unsere aktuellen Ansätze, Projekte, Handlungsfelder und Publikationen gemeinwohlorientierter Stadtteilentwicklung.

18 Unsere Projekte nach dem Initialkapital-Prinzip

36 Standorte in Untersuchung

Gemeinwohl im Stadtteil verankern: Wir realisieren an bisher sieben Standorten Projekte nach dem Initialkapital-Prinzip, entwickeln Immobilien langfristig gemeinwohlorientiert und wirtschaftlich tragfähig.

Immobilien mit Potenzial: Zusätzlich zu unseren Initialkapital-Projekten im Betrieb oder in der Bauphase untersuchen wir vier weitere mögliche Projektstandorte in Köln, Duisburg und Bonn.

Vorwort

Liebe Leser*innen,

Gemeinwohl entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und Räume gemeinsam gestalten. Gerade in Quartieren, die von sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt sind, braucht es Orte, die verbinden, stärken, Perspektiven eröfnen und demokratische Aushandlungsprozesse ermöglichen.

Mit dieser Broschüre geben wir einen Überblick über unsere aktuelle Arbeit in der gemeinwohlorientierten Stadtteilentwicklung. Insbesondere anhand unserer Projekte nach dem Initialkapital-Prinzip zeigen wir, wie sich Immobilien dauerhaft gemeinwohlorientiert und zugleich wirtschaftlich tragfähig entwickeln lassen. Mit unseren Beispielen machen wir deutlich: Gemeinwohlorientierte Stadtteilentwicklung ist möglich – und sie wirkt. Sie lebt von Kooperation, von Beteiligung und vom Engagement vieler Menschen vor Ort.

Unser Dank gilt unseren Mitarbeiter*innen sowie allen Mitstreiter*innen und Partner*innen aus der Zivilgesellschaft, aus Kommunen und Ministerien sowie aus Wissenschaft und Wirtschaft, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gemeinsam mit uns für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung eingesetzt haben. Besonders danken wir

Carl Richard Montag, der unser Wirken durch seinen Weitblick und seine Großzügigkeit überhaupt erst möglich gemacht hat.

Das Wissen, das wir über die Jahre in zahlreichen Projekten gesammelt und weiterentwickelt haben, möchten wir teilen, um andere zu motivieren. Denn je mehr Orte des Gemeinwohls entstehen, desto stärker werden Zusammenhalt und Chancengerechtigkeit in unseren Städten. Und desto widerstandsfähiger werden Gesellschaft und Demokratie gegenüber Spaltung. Lassen Sie sich inspirieren!

Das Team der Montag Stiftung Urbane Räume

Gemeinwohlorientierte Stadtteilentwicklung: unsere Ansätze und Projekte

Die anfängliche Investition in eine Immobilie erzeugt eine Gemeinwohlrendite, die dauerhaft im Stadtteil wirkt.

Wir schafen Orte, die Menschen verbinden. Gemeinsam mit Nachbar*innen und Akteur*innen planen, bauen und verstetigen wir Gemeinwohl – um Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Damit noch mehr Menschen Stadtteile gemeinwohlorientiert entwickeln, teilen wir unser Erfahrungswissen.

Die Montag Stiftung Urbane Räume gAG ist unabhängig und gemeinnützig. Sie gehört zu den Montag Stiftungen in Bonn. Im Sinne des Leitmotivs der Stiftungen „Handeln und Gestalten in sozialer Verantwortung“ engagiert sie sich als unabhängige Partnerin von Kommunen, Verbänden und zivilgesellschaftlichen Initiativen für eine demokratische und chancengerechte Stadt- und Quartiersentwicklung.

Der Schwerpunkt unseres Handelns liegt auf gemeinwohlorientierten Immobilienprojekten nach dem Initialkapital-Prinzip. Die Idee dahinter: Die anfängliche, „initiale“ Investition in eine Immobilie erzeugt eine Gemeinwohlrendite, die dauerhaft im Stadtteil wirkt. Diese setzt sich zusammen aus Überschüssen, die durch die Vermietung der Immobilie

entstehen, Flächen zur freien oder kostengünstigen Nutzung und dem Engagement einer aktiven Community im Projekt.

Projekte als Reallabore

Wir erproben das Initialkapital-Prinzip in unterschiedlichen räumlichen, sozialen und wirtschaftlichen Kontexten und sammeln Erfahrungen und Wissen zur Umnutzung von Bestandsimmobilien, zum gemeinwohlorientierten Betrieb und zu partizipativen Prozessen. Von den bisher sieben umgesetzten Projekten sind einige Konversionen historischer Fabrikanlagen: die Nachbarschaft Samtweberei in Krefeld, die KoFabrik in Bochum, der BOB CAMPUS und die Wiesenwerke in Wuppertal. Andere betrefen die Sanierung einer alten Arbeiter*innensiedlung, das

HONSWERK in Remscheid, die Errichtung einer zivilgesellschaftlich betriebenen Freifäche, das FreiFeld in Halle an der Saale, oder die Entwicklung einer innerstädtischen Immobilie der Nachkriegszeit, das ECKHAUS Rheydt in Mönchengladbach. Weitere Standorte für mögliche Projekte in Köln, Bonn und Duisburg untersuchen wir.

Unsere Initialkapital-Projekte befnden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Jeder Standort und jeder Projektverlauf bringt eigene Herausforderungen mit sich und erfordert ebenso eigene Lösungsansätze. Die Menschen vor Ort, die Architektur und das Quartier machen die Projekte einzigartig, die Basis unserer Arbeit –das Initialkapital-Prinzip – ist hingegen überall gleich.

Chancengerechte Stadtteilentwicklung nach dem Initialkapital-Prinzip

Das Initialkapital-Prinzip defniert grundlegende Elemente und Ziele gemeinwohlorientierter Immobilienentwicklungen. Es ist ein lernendes Prinzip, das wir – auch aufgrund sich verändernder Rahmenbedingungen –stetig weiterentwickeln.

Wir handeln unternehmerisch: Um Gemeinwohl dauerhaft zu sichern, bauen wir wirtschaftlich tragfähige Fundamente. Die auf unsere Initiative hin gegründeten Projektgesellschaften investieren sowohl in Gebäude und Flächen als auch in die integral dazugehörigen Prozesse der Teilhabe und Gemeinschaftsbildung. Räumlicher Bezugspunkt sind Quartiere und Nachbarschaften, die durch schwierige soziale und ökonomische Rahmenbedingungen gefordert sind, in denen viele Menschen Armut und Ausgrenzung erfahren.

Zentrale Bedingung für einen geeigneten Standort (1) ist die Verfügbarkeit eines Grundstücks in einem vom Strukturwandel betrofenen Stadtteil. Darüber hinaus ist es wichtig, dass kommunale Verwaltung und Politik die Idee der gemeinschaftlichen Entwicklung mittragen.

Mit Nachbar*innen, Bestandsmieter*innen und engagierten Menschen vor Ort sowie kommunalen Mitarbeiter*innen, Planer*innen und Architekt*innen entwickeln wir ein gemeinsames Konzept (2). Es orientiert sich an den Bedarfen im Quartier und den im Rahmen einer technisch-wirtschaftlichen Machbarkeitsstudie analysierten Potenzialen der Gebäude. Ist eine gemeinschaftliche Vision gefunden, in

einer Gemeinwohl- und Immobilienentwicklungsstrategie festgehalten und die Machbarkeit bestätigt, schafen wir eine sichere Grundlage (3) für langfristig tragfähige Strukturen. Auf unsere Initiative hin wird eine gemeinnützige Projektgesellschaft gegründet: eine Urbane Nachbarschaft gGmbH. Sie kümmert sich vor Ort um die Umsetzung, ist Bauherrin, betreibt die Immobilie und schaft den Rahmen für vielfältiges Engagement.

Außerdem halten wir die Zusammenarbeit von Kommune, Stiftung und Projektgesellschaft in einer Kooperationsvereinbarung konkret fest und sichern die Immobilie über einen Erbbaurechts- und Kaufvertrag mit dem/der Eigentümer*in. Die Erbbaurechtsgeber*innen – in unseren bisherigen Projekten sind dies Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften und private Eigentümer*innen –werden dabei zu starken Partner*innen, denn sie verzichten auf die Erhebung des Erbbauzinses, solange das Projekt gemeinnützig bleibt. Das Erbbaurecht gewähren sie über viele Jahrzehnte, oft bis zu 99 Jahre.

Schließlich klären wir die Projektfnanzierung: Die Carl Richard Montag Förderstiftung, Gesellschafterin der Projektgesellschaft, bringt das erforderliche Eigenkapital für die bauliche Investition ein. Sie verzichtet zugunsten der Gemeinwohlrendite auf die Rückzahlung und Verzinsung des Eigenkapitals. Die Finanzierung basiert zudem auf Fremdmitteln und gegebenenfalls öfentlichen Fördermitteln, zum Beispiel Wohnraumoder Städtebauförderung.

Für die Umsetzung (4) des Projekts erhält die Projektgesellschaft von uns zusätzliche jährliche Mittel.

Diese sind für die ideelle Arbeit eines Projektteams vor Ort sowie für das Gemeinwohlmanagement, das die kooperativen, partizipativen und gemeinschaftsbildenden Prozesse gestaltet und damit den Aufau und die Verstetigung einer aktiven Community vor Ort fördert. Die Entwicklungsphase von der Planung über das Bauen bis zum Betriebsstartdauert erfahrungsgemäß zwischen vier und sechs Jahren.

Im Betrieb (5) trägt sich die Projektgesellschaft durch Mieteinnahmen selbst. Sie unterhält die Immobilie, erwirtschaftet die Gemeinwohlrendite und setzt sich für eine solidarische Gemeinschaft aus Mieter*innen, Nutzer*innen und Nachbar*innen ein. Sie kann weiterhin das Gemeinwohlmanagement verantworten oder es per Kooperationsvereinbarung mit einer gemeinnützigen, örtlichen Trägerorganisation teilen.

Wir verstehen unsere InitialkapitalProjekte als Orte der Demokratie auf Quartiersebene, die langfristig wirken und von vielen gemeinsam getragen werden – kooperativ, solidarisch und ofen.

Das Initialkapital-Prinzip

Geeigneten Standort finden

Sichere Grundlage schaffen

Umsetzung gestalten

G emeinwohlrendite wirkt dauerhaft im Stadtteil

Gemeins a mes Konzept erarbeiten

Demokratie stärken, Teilhabe für alle möglich machen

Gemeinwohlorientierte Stadtteilentwicklung ist immer eng mit Fragen sozialer Teilhabe und Chancengerechtigkeit verbunden. Denn nicht alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten, Angebote zu nutzen, sich einzubringen und ihr Umfeld mitzugestalten. Armut, Diskriminierung oder sprachliche Barrieren erschweren Zugänge und begrenzen Handlungsspielräume.

Es ist unser Anspruch, Stadtteilentwicklung so zu gestalten, dass alle Menschen an ihr teilhaben können. Dazu gehört, vielfältige Perspektiven und Lebensrealitäten sichtbar zu machen, Begegnungsräume zu schaffen, Beteiligung niedrigschwellig zu

ermöglichen und die eigene Praxis fortlaufend kritisch zu refektieren.

Selbstermächtigung, Repräsentation und Teilhabe sind für uns keine Ergänzungen, sondern zentrale Qualitätsmerkmale gemeinwohlorientierter Projektentwicklung – von Beginn an.

ankerte Beteiligung der Bürger*innen an Bauleitplanverfahren inklusiv gestalten können, um mehr Menschen zu erreichen. Alle Menschen im Stadtteil sollen ihre demokratischen Gestaltungsmöglichkeiten kennen und in der Lage sein, diese zu nutzen.

gemeinschaftliche Orte im Quartier übernehmen können. Beispiele wie die Nachbarschaftsetage des BOB CAMPUS in Wuppertal oder die Shedhalle der Nachbarschaft Samtweberei in Krefeld zeigen, wie sich ehemals brachliegende Flächen für gemeinschaftliche Nutzungen öfnen und gemeinsam mit Akteur*innen

vor Ort weiterentwickeln lassen. Es sind Orte ohne Konsumzwang, die verlässliche Strukturen und eine vertrauensvolle Atmosphäre bieten. Menschen begegnen sich hier, bringen sich ein und erfahren Selbstwirksamkeit. Solche Räume ermöglichen Austausch, alltägliches Lernen, gemeinsame Aktivitäten und bilden

damit eine zentrale Voraussetzung für konstruktive Aushandlungsprozesse, tragfähige Kompromisse und eine lebendige Demokratie.

Selbstermächtigung, Repräsentation und Teilhabe sind für uns keine Ergänzungen, sondern zentrale Qualitätsmerkmale gemeinwohlorientierter Projektentwicklung.

Im Projekt Zukunftsort Dransdorfer Berg in Bonn erproben wir, wie Bauherr*innen die im Baugesetzbuch ver-

Die Beteiligung von Bewohner*innen und lokalen Initiativen gestalten wir je nach Projekt und Entwicklungsphase. Sie umfasst Formate in der Planungsund Umsetzungsphase ebenso wie gemeinschaftliche Angebote im späteren Betrieb – vom Planungstrefen über Mitbau-Workshops bis hin zu Quartierstrefen, Garten-AGs oder Kochclubs. So entstehen sowohl ofene als auch geschützte Räume, in denen Menschen ihre Perspektiven einbringen, eigene Ideen weiterentwickeln, nachbarschaftliche Angebote mitgestalten und Verantwortung für

Gemeinsam lernen im Quartier

Gerade in der Kooperation unterschiedlicher Akteur*innen und dem Nutzungsmix liegt eine besondere Qualität unserer Initialkapital-Projekte. Wo Arbeiten, Wohnen, Bildungsangebote, Nachbarschaftsräume und gemeinschaftlich nutzbare Außenfächen zusammenkommen, entstehen nicht nur Räume für Teilhabe, sondern auch Orte des Lernens. Menschen lernen dort im Alltag auf unterschiedliche Weise: in organisierten Angeboten, im gemeinsamen Tun, im Austausch und in beiläufgen Situationen. Räume der nachbarschaftlichen Begegnung sind deshalb immer auch Orte des alltäglichen Lernens.

Unsere Initialkapital-Projekte verstehen wir als solche Lernorte. Hier wirken schulische und außerschulische Bildungsakteur*innen, wie etwa Stadtteilbibliotheken oder soziale Initiativen,

mit informellen Lerngelegenheiten zusammen, die sich der Nachbarschaft öfnen. Der BOB CAMPUS in Wuppertal etwa vereint eine Kita, Schulräume, eine Stadtteilbibliothek, Wohnungen, Gewerbefächen sowie mit der Nachbarschaftsetage und dem Nachbarschaftspark ofene Räume für die Menschen aus dem Quartier. Im Projekt HONSWERK in Remscheid entsteht mit der HONSWERKSTATT ein neuer handwerklicher und kreativer Bildungsund Begegnungsort.

Die Wirkung solcher Orte zeigt sich im Alltag: in der ehrenamtlichen Hausaufgabenhilfe, beim gemeinsamen Kochen oder in beiläufgen Lernmomenten, wie dem Beobachten der Gartenarbeit im Nachbarschaftspark. Für die nachhaltige Entwicklung der Projekte ist es wichtig, das Thema von Beginn an mitzudenken und Bildungsakteur*innen frühzeitig einzubinden. Als Ankermietende können diese zudem wesentlich zur wirtschaftlichen

Stabilität eines Projekts beitragen. Bildungsakteur*innen in die Projektentwicklung nach dem InitialkapitalPrinzip einzubeziehen, steht damit exemplarisch für das Zusammenspiel von sozialem Anspruch und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Unsere Erfahrungen aus der Wechselwirkung alltäglicher Lernprozesse und organisierter Bildungsangebote fießen kontinuierlich in die Weiterentwicklung unserer Projekte ein.

Neben der Entwicklung eigener Initialkapital-Projekte setzen wir uns für die Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen gemeinwohlorientierter Stadtteilentwicklung ein. Denn demokratische Teilhabe entscheidet sich nicht nur in der Nutzung und Gestaltung konkreter Orte, sondern bereits in den Verfahren, mit denen Flächen vergeben und Projekte ermöglicht werden.

Gemeinwohlorientiertes Konzeptverfahren:

Boden sichern für das Gemeinwohl

Im Rahmen des Prozesses Gemeinwohlorientiertes Konzeptverfahren haben wir gemeinsam mit einem interdisziplinären Fachbeirat, bestehend aus zwanzig Expert*innen aus verschiedenen Bereichen der Stadt- und Immobilienentwicklung, neue Ansätze für die gemeinwohl-

orientierte Vergabe von Grundstücken und Immobilien in Deutschland entwickelt. Im Zentrum steht dabei ein Paradigmenwechsel: Nicht der höchste Preis entscheidet darüber, wer (um-)bauen darf, sondern das überzeugendste Konzept. Gemeinsam mit dem Beirat haben wir Qualitätskriterien für gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung erarbeitet. Diese sollen zur Grundlage einesmusterhaften Vergabeverfahrens werden. Kommunen, Eigentümer*innen und

Initiativen unterstützen wir damit dabei, gemeinwohlorientierte Konzeptverfahren transparent und rechtssicher umzusetzen.

Nicht der höchste Preis entscheidet darüber, wer (um-)bauen darf, sondern das überzeugendste Konzept.

Wissen und Erfahrungen teilen

Wir möchten Menschen dazu motivieren, sich für chancengerechte und demokratische Stadtteilentwicklung zu engagieren. In unseren Projekten nach dem Initialkapital-Prinzip haben wir viel gelernt. Dieses Erfahrungswissen sammeln wir, bereiten es in unterschiedlichen Formaten auf und teilen es mit anderen Projektmacher*innen –ganz im Sinne des Leitbilds der Montag Stiftungen, in dem das nutzenorientierte Teilen von Wissen als ein wesentlicher Handlungsgrundsatz verankert ist.

Buchreihe Gemeinwohl bauen

Mit der Buchreihe Gemeinwohl bauen vertiefen wir ausgewählte Themen aus unseren Projekten und veran-

schaulichen sie durch persönliche Einblicke und unterschiedliche Perspektiven, die unsere prozessorientierte Arbeit prägen.

Band 1 BOB CAMPUS – Transformation einer stillgelegten Textilfabrik (2023) widmet sich beispielhaft den Bau-und Gestaltungsprozessen eines Initialkapital-Projekts. Im Zusammenspiel aus wertschätzendem Umgang mit dem historischen Ort und der vorhandenen Bausubstanz, innovativen Lösungen für architektonische Herausforderungen und einem kooperativen Vorgehen ist ein Ort der Arbeit, des generationenübergreifenden Lernens, des Wohnens und der Nachbarschaft entstanden.

Band 2 BOB CAMPUS – von der Magie des Gemeinsinns (2026) beschreibt die sozialen und partizipativen Prozesse in der Entstehung und

Gemeinwohl bauen praktisch: eine Web-Plattform für Stadtmacher*innen

In über zehn Jahren gemeinwohlorientierter Immobilienentwicklung nach dem Initialkapital-Prinzip, in denen wir verschiedene Projekte geplant, umgesetzt und in den Betrieb begleitet haben, haben wir viel Wissen gesammelt. Dieses stellen wir auf der Web-Plattform Gemeinwohl bauen praktisch kostenfrei zur Verfügung. Hier fnden gemeinwohlorientierte Stadtmacher*innen Erfahrungsberichte, Methoden und

erprobte Arbeitsmittel. Konkretgibt es dort Muster-Verträge, Vereinbarungen, Checklisten und Tabellen zum Herunterladen.

Die Plattform bietet detaillierte Einblicke in komplexe Themen wie Partizipation, Finanzierung, Gemeinnützigkeit, Organisationsstruktur undBetrieb.Über sie teilen wir unser Wissen, damit andere von unseren Erfahrungen proftieren und Immobilien zukünftig einfacher gemeinwohlorientiert entwickeln können. Das Angebot richtet sich an Kommunen, Planer*innen, Projektentwickler*innen, Grundstückseigentümer*innen, Ini-

tiativen und Kirchengemeinden. Seit der Veröfentlichung im September 2025 aktualisieren wir die Inhalte der Web-Plattform regelmäßig.

Neugierig geworden? Dann schauen Sie vorbei: www.gemeinwohl-bauen-praktisch.de

Aneignung des Ortes. Neben unserer eigenen Perspektive bündelt das Buch Schilderungen aus Sicht der Nachbarschaft, des Ehrenamts, von Non-Proft- und Migrant*innenselbstorganisationen sowie der Wuppertaler Stadtverwaltung – und verdeutlicht, wie Menschen, die sich für das Gemeinwohl engagieren, wichtige Veränderungen der Gesellschaft bewirken können. Fachliche Einschätzungen aus Stadtentwicklung, Sozial- und Bildungswissenschaften ergänzen die persönlichen Beiträge.

Wir möchten Menschen dazu motivieren, sich für chancengerechte und demokratische Stadtteilentwicklung zu engagieren.

Unsere Projekte nach dem Initialkapital-

Prinzip

Ausgehend von Bestandsgebäuden oder Grundstücken schafen wir in kooperativen Prozessen Orte der Gemeinschaft und des Engagements. Seit 2014 realisieren wir an bisher sieben Standorten Projekte nach dem InitialkapitalPrinzip. Das heißt, wir entwickeln Immobilien langfristig gemeinwohlorientiert und wirtschaftlich tragfähig.

Obwohl jedes Projekt anders ist in Bezug auf lokale Rahmenbedingungen, bauliche Herausforderungen, Kooperationspartnerschaften sowie Nutzungskonzepte, funktionieren sie alle nach dem gleichen Prinzip. Wir zeigen: Gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung ist möglich – an unterschiedlichen Standorten und bei unterschiedlichen Voraussetzungen.

Nachbarschaft Samtweberei

Engagement mit Wirkung – unser Pilotprojekt

Die Alte Samtweberei liegt zentral in der südwestlichen Innenstadt Krefelds, einem durch Wohngebäude geprägten Stadtteil. Früher wurde hier gewebt, dann folgte Leerstand. Wir entwickelten unser erstes Projekt nach dem Initialkapital-Prinzip. Heute wohnen, arbeiten und engagieren sich hier die Menschen aus der Nachbarschaft.

Am deutlichsten zeugt die Shedhalle von der industriellen Vergangenheit des Ortes. Sie liegt im Hinterhof, umschlossen von Hofächen, einem ehemaligen Verwaltungsgebäude und dem denkmalgeschützten Gebäuderiegel. Nach Zwischennutzungen und Leerstand hat die Stadt Krefeld die Gebäude 2014 im Erbbaurecht an die eigens dafür gegründete gemeinnützige Projektgesellschaft Urbane Nachbarschaft Samtweberei gGmbH übergeben und verzichtet auf die Erhebung des Erbbauzinses.

Seit der Idee zu dem Pilotprojekt ist viel passiert: In der ehemals leerstehenden Samtweberei wohnen, arbeiten, handwerken und gärtnern inzwischen zahlreiche Menschen. Zu unterschiedlichsten Anlässen trift sich hier die Nachbarschaft.

Als erstes eröfneten wir bereits im September 2014 das Pionierhaus –mit kleinen Gewerbefächen für junge Unternehmen. Wir konnten auch des-

halb so schnell den ersten Betrieb aufnehmen, weil nur die nötigsten Umbauten erfolgten. Die Mieter*innen hatten die Möglichkeit, den Innenausbau nach ihrem Geschmack zu bestimmen.

Nach und nach eröfneten wir auch die anderen Gebäudeteile: das Torhaus mit weiteren Gewerbefächen sowie den denkmalgeschützten Bereich zum Wohnen. Das Projektteam der Urbanen Nachbarschaft Samtweberei startete einen gemeinschaftlichen Prozess, um gemeinsam mit engagierten Akteur*innen aus dem Viertel Shedhalle, Nachbarschaftsgarten und Holzwerkstatt zu dem zu machen, was sie heute sind: lebendige und einladende Orte der Nachbarschaft.

Immer wieder trefen hier Ideen auf Macher*innen, die sie umsetzen. Seien es Spieletrefs oder Fortbildungen, Flohmärkte oder Nähcafés. Insbesondere das Nachbarschaftszimmer spielt eine tragende Rolle für das Zusam-

Das

27 Gewerbeeinheiten, 37 Wohnungen (davon 1/3 gefördert), Shedhalle, Nachbarschaftszimmer

Lage Lewerentzstraße 104 und 106, Tannenstraße 69 und 79, 47798 Krefeld-Südweststadt

Größe

4.700 m² Nutzfäche, 3.000 m² Freiraum

Projektgesellschaft

Urbane Nachbarschaft Samtweberei gGmbH

Baufertigstellung

menkommen der Nachbarschaft –ob zum Spielen, Lernen oder gemeinsamen Essen. Tauschboxen stehen ganzjährig allen ofen, die etwas mit anderen tauschen wollen – ob Bücher, Kleidung oder Lebensmittel.

Nach dem Prinzip sogenannter Viertelsstunden leisten allein die Gewerbemieter*innen pro Jahr bis zu 1.100 Stunden ehrenamtlich für die Gemeinschaft. Einige Menschen und Akteur*innen haben sich zusammengefunden und 2021 die NachbarschaftStiftung Samtweberviertel Krefeld gegründet. Sie erhält die Überschüsse aus der Vermietung der Immobilie für den Betrieb der Gemeinwohlfächen und stellt einen Projektfonds zur Verfügung. Nachbar*innen können Ideen einbringen und Projektbudget bis zu 500 Euro erhalten, um beispielsweise Materialien für ihre vor Ort organisierten Sport- oder Kunstangebote zu kaufen.

Fabrikgebäude einschließlich Wohnungen 2017, Shedhalle 2018

Preise und Auszeichnungen

• 2018 Deutscher Bauherrenpreis, Themenbereich „Umnutzung für das Wohnen“, Nominierung

• 2017 NRW-Landespreis für Architektur, Wohnungs- und Städtebau, Kategorie „Gutes Bauen im öfentlich geförderten Wohnungsbau“

• 2016 polis Award, Kategorie „Soziale Quartiersentwicklung“

• 2016 polis Award, Kategorie „Öfentliches Engagement“, Anerkennung

• 2016 Deutscher Städtebaupreis, Sonderpreis, Belobigung

• 2015 Ort des Fortschritts NRW

Kooperationspartner*innen

Stadt Krefeld, NachbarschaftStiftung

Samtweberviertel Krefeld

www.samtweberviertel.de

FreiFeld

Ein Freiraum für alle

Das FreiFeld liegt hinter dem Hauptbahnhof von Halle an der Saale im Stadtteil Freiimfelde. Bis vor zehn Jahren prägten viel Leerstand und wenig Grün den Stadtteil. Gemeinsam mit der Stadt und vielen Engagierten entwickelten wir die einstige Brache zu einem vielfältigen Freiraum für die Nachbarschaft.

Das Stadtviertel Freiimfelde in Halle an der Saale nannte sich früher selbst das „leerstehendste Viertel Deutschlands“. Das Quartier ist von der übrigen Innenstadt durch eine Schallschutzwand im Westen, stark befahrene Verkehrswege im Süden und Osten sowie ein leerstehendes ehemaliges Schlachthofareal begrenzt. Mit dem InitialkapitalPrinzip und dank des Engagements von Anwohnenden sowie der Stadtverwaltung konnten wir die ungenutzte Brache im Viertel zu einem bunten, frei zugänglichen Park und neuem festen Trefpunkt für die Nachbarschaft entwickeln.

Auf dem FreiFeld gibt es eine große Freifäche zum Toben, einen Bolzplatz, eine Skate-Bowl und Gemeinschaftsbeete. Ein sozialer Träger betreibt zudem einen Bauspielplatz und eine

Fahrrad-Selbstbau-Werkstatt, die insbesondere Kinder aus dem Stadtteil rege nutzen. In der sogenannten „langen Halle“ können Nachbar*innen Werkstattboxen mieten, um nach Lust und Laune zu werkeln, Dinge zu reparieren oder Kunstwerke zu erschafen. Im hinteren Teil des FreiFelds gibt es zudem einen Apotheker*innengarten. Ein Experte für Heilkräuter vermittelt in Kursen Wissen über die Heilsamkeit von Pfanzen. In den Gemeinschaftsbeeten nebenan legen Nachbar*innen selbst Hand an und bringen sich gegenseitig etwas über das Gärtnern bei.

Besonders beliebt ist zudem der Bolzplatz. Hier lässt sich nach Herzenslust Fußball spielen. Ab und zu tragen Mannschaften auch schon mal kleinere Turniere aus. Sogar eine Tribüne gibt es. Kreative haben sie im Rahmen

eines Kunstprojektes mit kleinen Mosaiken verschönert. Das Herzstück des FreiFelds ist das sogenannte Habibi-Haus. Es steht mittig auf dem Gelände und hält alle möglichen Utensilien für kleinere Veranstaltungen wie Tische und Stühle, aber auch Werkzeuge sowie Spielgeräte, Roller, Laufräder und Fahrräder für Kinder parat. Hier gibt es außerdem eine kleine Teeküche, um sich aufzuwärmen.

Seit 2020 ist der Freiimfelde e. V. Grundstückseigentümer und betreibt das FreiFeld eigenverantwortlich. Die Vereinsmitglieder trefen Entscheidungen gemeinsam mit den Nutzer*innen und bauen das FreiFeld im Rahmen regelmäßiger Bautage weiter.

Öfentliches Gelände mit Bolzplatz, Bauspielplatz, Skate-Bowl, Lehmbackofen, Apotheker*innengarten

Lage

Landsberger Straße 29, 06112 Halle (Saale), Freiimfelde

Größe

6.000 m² Freiraum

Eigentümer*in

Freiimfelde e. V.

Projektfertigstellung

Schenkung des Grundstücks an den Verein Freiimfelde e. V. 2020 und seitdem im Betrieb durch den Verein

Preise und Auszeichnungen

• 2023 Deutscher Nachbarschaftspreis, Kategorie „Öfentlicher Raum“

• 2020 polis Award, Kategorie „Lebenswerter Freiraum“, 2. Platz

www.freiimfelde-ev.de

KoFabrik

Kooperatives Arbeiten und nachbarschaftliche Begegnungen

Die KoFabrik in der Bochumer Innenstadt entwickelten wir in zum Teil denkmalgeschützten Gebäuden. Nachdem sie einige Jahre leer standen, bieten sie mit den umgebenden Freifächen heute Raum für eine bunte Mischung aus Büro und Gewerbe, Gastronomie und Kultur sowie nachbarschaftlicher Begegnung.

Die Gebäude der KoFabrik haben eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich produzierte an dem Standort eine Eisenhütte. Später besetzten junge Menschen das Areal mit dem Ziel, einen Kulturort in der Bochumer Innenstadt zu schafen – mit dem Namen „BoFabrik“. Anschließend nutzte die Bochumer Stadtverwaltung die ehemaligen Verwaltungsgebäude bis sie dann für einige Jahre komplett leer standen. Zwischen 2018 und 2021 hat die auf unsere Initiative hin gegründete Projektgesellschaft Urbane Nachbarschaft Imbuschplatz gGmbH die KoFabrik im innerstädtischen Bochumer Imbuschviertel gemeinsam mit unseren Kooperationspartner*innen und den Menschen vor Ort zu einem vielfältigen Ort des Gemeinwohls entwickelt.

Die KoFabrik umfasst insgesamt rund 2.000 Quadratmeter Nutzfäche, darin Büro-, Werkstatt-, Probe- und Atelierräume, ein Physio-Studio, ein Café, ein Buchladen und als Herzstück die Quartiershalle. Hier begegnen sich Menschen aus der Nachbarschaft, Projektmacher*innen, kooperativ tätige Unternehmen, Freiberufer*innen, Kreative, Engagierte sowie Gewerbe-

treibende aus dem Stadtteil. Gemeinsam entwickeln sie soziale, kulturelle und nachbarschaftliche Projekte, gestalten den öfentlichen Freiraum und das gute Miteinander im Viertel. Die Einbindung von Menschen mit der Bereitschaft, Verantwortung gegenüber der Immobilie und dem Quartier zu übernehmen, war von Anfang an wichtiger Bestandteil des Projekts.

Ende 2020 gründete sich der Quartiershalle in der KoFabrik e. V. aus engagierten Mieter*innen und Nachbar* innen. Gemeinsam erarbeiteten sie das Betriebsmodell, das heute erfolgreich besteht. Der Verein koordiniert die Nutzungen der Quartiershalle, vergibt Patenschaften für die Beete rund um die KoFabrik und führt immer wieder eigene Veranstaltungen durch. Die Nutzung der Quartiershalle erfolgt nach dem solidarischen „Bezahl, was du kannst“-Prinzip. So können auch Menschen die Quartiershalle nutzen, die sich lediglich eine kleine oder gar keine Miete leisten können. Andere Nutzer*innen geben nach ihren Möglichkeiten mehr und ermöglichen so die Nutzung für alle. Allein im Jahr 2025 fanden rund 300

Veranstaltungen mit kostenfreier Nutzung für die Nachbarschaft, Initiativen und Gruppen statt, an denen 6.000 Menschen teilnehmen konnten. Anwohner*innen und Mieter*innen nutzen zudem die umliegenden Außenund Grünfächen dank der gemeinsam gebauten Tische und Bänke mittlerweile rege und die Terrasse lädt als Bühne zu kleinen nachbarschaftlichen Veranstaltungen ein. Nachbar*innen bepfanzen und pfegen Hochbeete und Verkehrsinseln.

Im Jahr 2023 hat die Stadt Bochum die Straße vor der KoFabrik verkehrsberuhigt und damit eine qualitative Verbindung zu den Grünfächen vor dem Gebäude geschafen. Neben dem Engagement des Vereins leisten die Gewerbemieter*innen sogenannte Viertelsstunden und engagieren sich ehrenamtlich im Stadtteil, beispielsweise mit der Organisation von Festen, Workshops oder anderen Angeboten für die Nachbarschaft. Auf diese Weise schenkt das Projekt dem Quartier pro Jahr gut 700 Stunden Zeit und Kompetenz von Menschen, die sich mit dem Imbuschviertel identifzieren und es weiterentwickeln wollen.

Das gibt es hier

15 Gewerbeeinheiten, Quartiershalle für Nachbarschaft und Kultur, Buchladen, Café, Bewegungsräume, Büros für kooperatives Arbeiten, aktiv gestaltete Grünfäche Lage

Stühmeyerstraße 33, 44787 Bochum-Mitte

Größe

2.000 m² Nutzfäche, 1.500 m² Freiraum

Projektgesellschaft

Urbane Nachbarschaft

Imbuschplatz gGmbH

Baufertigstellung 2021

Preise und Auszeichnungen

• 2025 Westfälischer Preis für Baukultur, Anerkennung

• 2024 Real Estate Social Impact Investing Award, Nominierung

• 2023 Architekturpreis Bochum des BDA NRW

• 2022 polis Award, Kategorie „Soziale Quartiersentwicklung“, 1. Preis

Kooperationspartner*innen Stadt Bochum, Quartiershalle in der KoFabrik e. V.

www.kofabrik.de www.quartiershalle.de

BOB CAMPUS

Ehemalige Textilfabrik

wird zum Stadtteilcampus

Bis 2012 wurde in der ehemaligen Textilfabrik in Wuppertal-Oberbarmen noch produziert. Anschließend standen die Fabrik, die Shedhallen sowie der historische Wohn- und Fabrikationshof leer, das Gelände verfel. Gemeinsam mit der Stadt Wuppertal und den Menschen vor Ort entwickelten wir mit dem BOB CAMPUS einen Ort des gemeinsamen Lernens, Arbeitens und Lebens.

Im Jahr 2017 übergab die Unternehmer*innenfamilie Bünger der neu gegründeten Projektgesellschaft Urbane Nachbarschaft BOB gGmbH das Grundstück ihres ehemaligen Unternehmensstandorts im Erbbaurecht und ebnete damit den Weg für mehr Gemeinwohl im Quartier.

Auf den Außenfächen des Areals entwickelte die Projektgesellschaft in Kooperation mit der Stadt Wuppertal, dem Landschaftsarchitekturbüro atelier le balto sowie engagierten Nachbar*innen einen Park für die Nachbarschaft. Mit Fördermitteln in Höhe von etwa zwei Millionen Euro aus dem Bund-Länderprogramm „Sozialer Zusammenhalt – Oberbarmen/ Wichlinghausen“ und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) setzte die Stadt Wuppertal den Bau des in Terrassen angelegten Parks um. Heute gärtnern Einzelpersonen und Gruppen auf den BOB-Terrassen in Kräuter- und Gemüsebeeten sowie in einem Färbergarten. Bänke laden zum Verweilen ein und neue Wege verbinden den Park und den BOB CAMPUS mit der angrenzenden Nordbahntrasse sowie zwei Straßen.

Vom Park aus sticht das große Fabrikgebäude mit dem gelben Aufzug- und Treppenturm ins Auge. In dem Gebäude aus den 1970er Jahren befnden sich heute Büroräume, eine Kita, eine ofene Ganztagsschule sowie Räume der benachbarten Realschule. Die Projektgesellschaft hat sich während der Planungs- und Bauphase eng mit den heutigen Nutzer*innen zu deren Raumbedarfen abgestimmt.

In den angrenzenden Shedhallen bestehen Gewerbefächen, die Unternehmen als Seminarräume und Büros nutzen. Zwei benachbarte Wohnhäuser standen zu Projektbeginn größtenteils leer. Nach umfassender Sanierung zogen neue Mieter*innen in insgesamt elf renovierte Wohnungen. Acht der elf Wohnungen sind gefördert und fünf barrierefrei erschlossen. Neue Grundrisse bieten vermehrt Platz für Familien und Wohngemeinschaften, die im Stadtteil einen erhöhten Bedarf an Wohnraum haben. Eine Besonderheit während der Umbauphase: Durch die Zusammenarbeit mit dem lokalen Jobcenter und der Gesellschaft für berufiche Aus- und Weiterbildung (GBA) konnten Men-

schen im Zuge der vielfältigen Sanierungsarbeiten eine Berufsperspektive erhalten.

Im BOB CAMPUS gibt es viele Gemeinwohlfächen: Als Herzstück des Campus öfnet sich die Nachbarschaftsetage im Erdgeschoss der Fabrik zum Nachbarschaftspark. Die Stadtteilbibliothek Oberbarmen lockt mit einer großen Auswahl an Büchern, Vorleseaktionen sowie einem sogenannten Makerspace mit 3D-Drucker, Plotter und Stickmaschine Jung und Alt gleichermaßen in die Etage. Diese bietet als außerschulischer Lernort außerdem Raum für die vielen Akteur*innen, die dort eigeninitiativ gemeinnützige Aktivitäten wie Lernförderung, Tanzkurse, Fotoausstellungen und Kulturabende organisieren. In der BOB Quartiersküche, die sich ebenfalls in der Nachbarschaftsetage befndet, kommen zudem regelmäßig Nachbar*innen zum gemeinsamen Kochen zusammen. Einmal im Monat trefen sich die Nutzer*innen zu einem Plenum und besprechen, was für die gemeinschaftliche Nutzung, gemeinsame Projekte und den Stadtteil wichtig ist.

Zehn Bürolofts, zwei Wohnhäuser mit elf Wohnungen (davon acht gefördert) und Gemeinschaftsraum, Schulräume, Kita, Ganztagsbetreuung, Nachbarschaftsetage mit Stadtteilbibliothek und Quartiersküche, Nachbarschaftspark

Lage

www.bob-campus.de Das gibt es hier

Max-Planck-Straße 19, Krühbusch 9, 9b und 11, 42277 Wuppertal-Oberbarmen

Größe

5.500 m² Nutzfäche, 5.000 m² Freiraum

Projektgesellschaft

Urbane Nachbarschaft BOB gGmbH

Baufertigstellung

Gebäude 2022, Park 2023

Preise und Auszeichnungen

• 2025 Deutscher Städtebaupreis

• 2024 Deutscher Bauherrenpreis, Kategorie „Bauen im Bestand“, Nominierung

• 2024 Architekturpreis NRW, Auszeichnung

• 2023 polis Award, Kategorie „Urbanes Flächenrecycling“, 1. Platz

• 2023 EU Mies Award, Nominierung

• 2023 Schulbaupreis NRW

• 2023 Architekturpreis Wuppertal des BDA NRW

• 2019 polis Award, Kategorie „Soziale Quartiersentwicklung“, 2. Platz

Kooperationspartner*innen

Stadt Wuppertal, BOB Kulturwerk e. V.

HONSWERK

Leerstehende Arbeiter*innensiedlung erhält neue Wohn- und Lernräume

Das HONSWERK liegt im Remscheider Stadtteil Honsberg, der ältesten Arbeiter*innensiedlung der Stadt. Gemeinsam mit der GEWAG Wohnungsaktiengesellschaft und der Stadt Remscheid wollen wir dem Wohnungsleerstand entgegenwirken und einen Ort schafen, an dem Menschen gernebleiben.

Die Projektplanung sieht insgesamt drei ineinandergreifende Bausteine vor: 15 sanierte Wohnhäuser mit insgesamt 39 geförderten Wohnungen und mehreren Gewerbeeinheiten, eine neu gebaute HONSWERKSTATT und einen Gemeinschaftsgarten. Zur Umsetzung des Projekts hat die kommunale Wohnungsgesellschaft GEWAG, der auf unsere Initiative hin gegründeten gemeinnützigen Projektgesellschaft Urbane Nachbarschaft Honsberg gGmbH die Siedlungshäuser der Baujahre 1919/1920 im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags überlassen.

39 geförderte Wohnungen, neue Werkstatt- und Bürofächen für lokale

Unternehmen, Ladenlokal, HONSWERKSTATT, Allmendewiese, Gemeinschaftsgarten Lage

Siemensstraße 9–19, 25–39, 42857 Remscheid-Honsberg

Größe

4.300 m² Nutzfäche, 3.500 m² Freiraum

Projektgesellschaft

Urbane Nachbarschaft Honsberg gGmbH

Baufertigstellung

Die Reihen- und Doppelhäuser in der Siemensstraße standen zum Zeitpunkt der Übergabe zum Großteil leer. Die Projektgesellschaft saniert sie in 2026 in zwei Bauabschnitten rundum und stattet sie mit einer neuen Energieversorgung durch Wärmepumpen aus. Dabei verändern sie zum einen die Grundrisse, sodass in Zukunft vielfältige Wohnkonstellationen von Alleinwohnenden bis Großfamilien einziehen können. Zugleich ermöglicht die Projektgesellschaft den Bestandsmieter*innen während der gesamten Bauzeit in ihrer Straße wohnen zu bleiben. Möglich machen dies temporäre Umzüge innerhalb der Bestandsgebäude sowie die zeitliche Aufteilung der Baumaßnahmen. Anschließend können sie dann in die sanierten Wohnungen zurückziehen. Darüber hinaus werden einzelne Wohnungen zu Gewerbeeinheiten, damit auch neue Arbeitsplätze auf dem Honsberg entstehen können.

ofen, zum Beispiel für gemeinsame Gartenaktionstage, Kräuterworkshops oder um im Lehmbackofen gemeinsam Brot oder Pizza zu backen. Die Garten-AG der benachbarten Ofenen Ganztagsschule nutzt das Angebot regelmäßig und hat bereits einen Färbergarten angelegt.

Drei Häuser in der parallel zur Siemensstraße verlaufenden Halskestraße wurden aufgrund hoher Schadstofelastung zurückgebaut. An ihrer Stelle errichtet die Projektgesellschaft die HONSWERKSTATT, ein Werkstattgebäude, das durch Landes- und Bundesmittel im Rahmen der Förderrichtlinie Stadterneuerung sowie durch einen kommunalen Eigenanteil der Stadt Remscheid fnanziert wird. Hier entsteht ein Ort, an dem sich die Nachbarschaft handwerklich und künstlerisch betätigen sowie Wissen und Fertigkeiten mit anderen teilen kann.

Unterhalb der HONSWERKSTATT liegt der Gemeinschaftsgarten. Er steht bereits während der Bauphase allen

Vor und besonders während der Bauphase schaft das Projektteam vor Ort viele Möglichkeiten für die Nachbarschaft, sich einzubringen und im HONSWERK aktiv zu sein. Ein Höhepunkt war das Mitmachfestival 2024, bei dem zukünftige Nutzer*innen mögliche Angebote der HONSWERKSTATT, unter anderem aus den Bereichen Solartechnik, Siebdruck, Tischlerei und Landschaftsgärtnerei, im Rahmen von Mitmachangeboten erproben konnten.

Inzwischen ist der erste Bauabschnitt fertiggestellt. Im April 2026 konnten Mieter*innen bereits erste sanierte Wohnungen beziehen.

Siedlungshäuser 2026, HONSWERKSTATT 2027

Kooperationspartner*innen GEWAG Wohnungsaktiengesellschaft Remscheid, Stadt Remscheid

www.honswerk.de

Wiesenwerke

Industriedenkmal bietet Raum

für Arbeit, Kultur und Gemeinschaft

Die Wiesenwerke liegen im Quartier Mirke in Wuppertal-Elberfeld. Durch die Sanierung des Industriedenkmals, das in weiten Teilen leer stand, sowie den Umbau seiner Außenfächen, geben wir vielfältigen Nutzungen in den Bereichen Arbeit, Kultur, Gesundheit, Lernen und Begegnung Raum.

Das rund 8.000 Quadratmeter große Gelände der ehemaligen Gummibandweberei Gold-Zack ist Teil von Wuppertals Geschichte als Zentrum der Kurzwarenindustrie. Als die neu gegründete Projektgesellschaft Urbane Nachbarschaft Mirke gGmbH das Grundstück übernahm, nutzten lokale Unternehmen einzelne Bereiche der Immobilie, größtenteils stand sie jedoch leer. Im laufenden Betrieb ziehen hier nun Mieter*innen, Nachbar*innen und Akteur*innen sowie das Team der Projektgesellschaft an einem Strang, um das an der Nordbahntrasse gelegene Industriedenkmal zu erhalten.

Möglich macht das Projekt die Stadt Wuppertal, die das Grundstück 2022 im Erbbaurecht an die Projektgesellschaft übertragen hat. Damit ist die Stadt dem Anliegen der Mieter*innen nachgekommen, eine langfristige Perspektive für Handwerk, Sport und kulturelle Nutzungen im Quartier zu schafen. Zugleich besteht im Stadtteil ein hoher Bedarf an sozialen Angeboten – insbesondere für Kinder, Jugendliche und Alleinerziehende, die in Armut leben. Das Projektteam setzt hier an, indem es soziale Träger*innen vernetzt und mit Schulen vor Ort zusammenarbeitet.

Mit der Sanierung der Wiesenwerke bringt die Projektgesellschaft leerstehende Flächen wieder in Nutzung. Sie erhält ein Museum, eine Boulderhalle, eine Gastronomie sowie Flächen für das lokale Handwerk. Zudem schaft sie neben Bürofächen zusätzliche Räume für das ansässige Theater sowie für soziale Nutzungen für Kinder und Jugendliche, wie das Fanprojekt des Wuppertaler SV und das Jugendzentrum für mentale Gesundheit SoulSpace. Außerdem gibt es einen Projektraum für die Nachbarschaft. Den Raum nutzen bereits in der laufenden Umbauphase unterschiedliche Mieter*innen, Akteur*innen und die Nachbarschaft. Zu letzteren gehören selbst organisierte Gruppen wie beispielsweise feministische Organisationen, ein Improvisationsclub, Selbsthilfegruppen, ein Kreativtref oder eine Kochgruppe.

Das ehemalige Fabrikgebäude beeindruckt durch große, lichtdurchfutete Räume mit bis zu sechs Meter hohen Decken und riesigen Fenstern. Besonders am Umbau ist neben der umfassenden energetischen Sanierung die ressourcenschonende Wiederverwendung gebrauchter Materialien wie

Systemtrennwände, Türen sowie Ziegel und Pfastersteine aus der Region. Dafür haben an Planung und Bau Beteiligte auf ihre lokalen Netzwerke zurückgegrifen und viele Materialien von Abbruchprojekten aus der Region beschaft. Darüber hinaus wurde die Wuppertaler Gesellschaft für berufliche Aus- und Weiterbildung (GBA) maßgeblich am Innenausbau beteiligt: Rund 15 Personen qualifzierten sich über 18 Monate in Vollzeit handwerklich im Rahmen der Sanierungsarbeiten.

Nachdem die Grundmauern trockengelegt und Flächen im Unter-, Obersowie Dachgeschoss saniert wurden, steht nun die bauliche Fertigstellung der Außenfächen an, die gut vernetzte Bewohner*innen aktiv mitgestalten. Die Flächen werden mit Städtebaufördermitteln und einem kommunalen Eigenanteil fnanziert: Es entstehen ein Quartiersplatz sowie ein neuer Weg zur Nordbahntrasse mit Sitzgelegenheiten und Fahrradstellplätzen. Eine begrünte Fläche hinter der Fabrik entwickelt das Projektteam zu einem zugänglichen Freiraum. Als „Bergischer Regenwald“ lädt er zukünftig zum Entschleunigen ein. Im September 2026 fndet die Einweihung der neuen Flächen statt.

Das gibt es hier

Büro- und Atelierräume, Theater, Bandwebereimuseum, Werkstätten, Lage Wiesenstraße 118 und 120, Boulderhalle, Gastronomie, gemeinnützige Projekte für Wuppertal-Elberfeld Kinder- und Jugendliche, Größe

6.500 m² Nutzfäche, Innen- und Außenfächen für die Nachbarschaft

2.700 m² Freiraum

Projektgesellschaft

Urbane Nachbarschaft Mirke gGmbH

Baufertigstellung 2026

Kooperationspartner*innen Stadt Wuppertal

www.wiesenwerke.de

ECKHAUS Rheydt

Leerstehende Innenstadtimmobilie

wird lebendiges Zentrum

Im Zentrum von Mönchengladbach-Rheydt, in Sichtweite des Marktplatzes, liegt unser jüngstes Initialkapital-Projekt: das ECKHAUS Rheydt. Nach Jahren des Leerstands wollen wir hier einen Ort für die Nachbarschaft mit verschiedenen Nutzungen entwickeln. Das Projektteam hat ein Projektbüro vor Ort eingerichtet und die Arbeit aufgenommen.

Wo früher eine Wirtschaftsschule, eine Apotheke und zuletzt gefüchtete Menschen untergebracht waren, sind die letzten Bewohner*innen 2022 ausgezogen. Seitdem stand das ECKHAUS leer. Im Dezember 2025 hat die städtische Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach (EWMG) das Grundstück im Erbbaurecht an die neu gegründete gemeinnützige Projektgesellschaft Urbane Nachbarschaft Rheydt gGmbH übertragen.

Im Rahmen von Schlüsselgesprächen und einer größeren Werkstattveranstaltung brachten sich Bewohner*innen, Akteur*innen aus dem Stadtteil und Mitarbeiter*innen der kommunalen Verwaltung mit konkreten Ideen für die Nutzung der leerstehenden Flächen ein. Seit Februar 2026 über-

nimmt ein kleines Projektteam vor Ort den weiteren Planungsprozess. Dieser sieht verschiedene Möglichkeiten zur Beteiligung und Mitgestaltung vor. Gemeinsam mit allen Beteiligten entwickelt die Projektgesellschaft derzeit ein tragfähiges Betriebsmodell, das später einen selbsttragenden Betrieb ermöglichen soll.

Das Projektteam hat gemeinsam mit Architekt*innen eine Planung erstellt, die in sieben Wohneinheiten zum Teil geförderte Zimmer für Studierende und Auszubildende im Rahmen von Wohngemeinschaften schafen sowie mit drei frei fnanzierten Wohnungen Raum für Familien bieten soll. Zudem sollen Büros, Ladenlokale, soziale Beratungsangebote und eine Bildungseinrichtung das Gebäude beleben. Darüber hinaus

plant die Projektgesellschaft einen Gemeinschaftsraum, den die Nachbarschaft für unterschiedliche Aktivitäten nutzen kann. Die Außenfächen werden gemeinsam mit den Menschen vor Ort so gestaltet, dass sie zu mehr Miteinander einladen und zu einer grüneren Innenstadt beitragen. Insgesamt soll das ECKHAUS Rheydt ein belebter Ort in der Innenstadt werden.

Besonders ist das stiftungsübergreifende Engagement vor Ort: Unsere Schwesterstiftung Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft ermöglicht im Rahmen ihres Programms „übenübenüben“ künstlerische Residenzen in einem benachbarten Wohnheim. Kooperationen mit Künstler*innen lotet das Projektteam derzeit aus.

den

Das gibt es hier

Zehn Wohneinheiten (davon sieben gefördert), Büro- und Atelierfächen, Bildungseinrichtung, Ladenlokale, Nachbarschaftszimmer, Hof- und Gartenfächen Lage

Mühlenstraße 61–63, Brucknerallee 7, 41236 Mönchengladbach-Rheydt

Größe 2.700 m² Nutzfäche, 700 m² Freiraum

Projektgesellschaft Urbane Nachbarschaft Rheydt gGmbH

Baufertigstellung 2029

Kooperationspartner*innen Stadt Mönchengladbach

www.eckhaus-rheydt.de

Standorte in Untersuchung

Zusätzlich zu unseren sieben Projekten im Betrieb oder in der Bauphase, untersuchen wir vier weitere potenzielle Projektstandorte: den Klingelpütz im Kölner Stadtteil Altstadt-Nord, den Krebelshof in Köln-Worringen, das Theisen-Areal in Duisburg-Hochfeld sowie den Zukunftsort Dransdorfer Berg in Bonn-Dransdorf.

Sie unterscheiden sich stark in Größe, Bestand und Vornutzung, bieten aber jeweils viel Gestaltungsspielraum für mehr Gemeinwohl im Stadtteil. Bewohner*innen, Architektur und lokale Besonderheiten machen jedes Projekt einzigartig.

Wir erarbeiten gemeinsam mit vielen Beteiligten passgenaue Nutzungskonzepte, die lokale Bedarfe aufgreifen und Chancengerechtigkeit stärken. Zugleich prüfen wir die Wirtschaftlichkeit: Ziel ist, dass sich alle Projekte nach dem Initialkapital-Prinzip langfristig selbst tragen.

Klingelpütz

Wohn- und Bildungsort für junge Menschen

Lage

Vogteistraße 17, 50670 Köln, Altstadt-Nord

Größe

625 m² Grundstücksfäche, 690 m² Mietfäche, 235 m² Erweiterungspotential durch Aufstockung

Gebäudetypus

Viergeschossiges BlockrandVorderhaus sowie mehrere eingeschossige Anbauten Das könnte hier entstehen Das Jugendzentrum bekommt neue Räume: Vorder- und Hinterhaus werden aufgestockt. In den Obergeschossen des Vorderhauses entstehen zudem drei Wohnungen mit 16 geförderten Wohnplätzen für Studierende und Auszubildende.

Status

Die Projektgesellschaft ist gegründet und die Machbarkeitsstudie abgeschlossen. In 2026 beschäftigt sich das Team mit der technischen Planung. Die Bauphase soll in 2027 beginnen.

Auf dem Grundstück am Klingelpützpark im Kölner Stadtteil Altstadt-Nord befndet sich ein Wohnhaus mit Anbauten und Innenhof, das zu einem großen Teil durch das Jugendzentrum 670 genutzt wird. Auf dessen Anfrage hin haben wir geprüft, ob sich der Standort für eine Entwicklung nach dem Initialkapital-Prinzip eignet. Aus unserer Sicht hat die Immobilie das Potenzial für eine tragfähige und gemeinwohlorientierte Entwicklung. Die Stadt Köln ist bereit, uns das Grundstück im Erbbaurecht zu übergeben.

Das Jugendzentrum 670 gehört zur Bildungslandschaft Altstadt-Nord (BAN), einem Verbund von acht Bildungseinrichtungen, die nah beieinander liegen und seit 2013 organisatorisch zusammenwachsen. Die BAN ist eines der ersten Projekte unserer Schwesterstiftung Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft im Bereich Pädagogische Architektur. Gemeinsam mit dem Jugendzentrum haben wir die Idee entwickelt, das Hofgebäude

aufzustocken, um die Räume des Zentrums neu zu organisieren. Zudem wollen wir das weitgehend leerstehende Wohnhaus sanieren und aufstocken, um neben der bestehenden Mietpartei neuen Wohnraum für Studierende und Auszubildende zu schafen. Eine gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss könnte – als Scharnier zwischen Jugendzentrum und Wohnen – einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt für junge Menschen in den Bereichen Beratung, Therapie, Bildung oder Training ergänzen.

Auf Basis der bereits entwickelten Gemeinwohlstrategie verstetigen wir die Kooperation mit der Stadt Köln. Ziel ist, gemeinsam mit den Menschen aus dem Quartier, einen Ort zu erhalten und zu entwickeln, der Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in den Mittelpunkt rückt, sie dauerhaft im Quartier sichtbar macht und ihnen eine Stimme gibt. Das zeigt sich auch im Bauprozess: Kinder und Jugendliche können die neuen Räume aktiv mitgestalten.

Vielfältige Nutzungen für alte Hofanlage

Der Krebelshof ist ein historischer Vierkanthof in Köln-Worringen, umgeben von einer Streuobstwiese und weiteren Grünfächen. Weit im Kölner Norden gelegen, weist Worringen eine suburbane Struktur auf und ist zugleich mit einem eigenen S-BahnHalt an die Innenstadt von Köln angebunden. Angrenzend liegt der dicht besiedelte Stadtteil Roggendorf/ Thenhoven.

Der Krebelshof ist Eigentum der Stadt Köln. Zurzeit nutzt ein Jugendzentrum Teile der Gebäude. Es bietet Kindern und Jugendlichen unter anderem einen Gemeinschaftsraum, PC-Zugänge, ein Tonstudio und eine Werkstatt. Die weiteren Gebäude des Krebelshofs stehen leer. Zum Teil liegt eine erhebliche Schadstofelastung vor, die umfassende Sanierungsmaßnahmen notwendig macht.

Sofern technisch und wirtschaftlich machbar, wollen wir den Krebelshof gemeinsam mit der Nachbarschaft nach dem Initialkapital-Prinzip ent-

wickeln. Erste Workshops, Besichtigungen vor Ort und Befragungen in der Nachbarschaft haben bereits stattgefunden. Eine durch uns beauftragte Quartiersstudie hat drei mögliche Handlungsfelder identifziert, die zentrale Bedarfe aus der umliegenden Nachbarschaft aufgreifen: Räume für vielfältige Begegnungen und Austausch, kooperatives Lernen sowie bedarfsgerechte Wohn- und Gewerberäume.

Ofene Fragen sind: Wie lässt sich der denkmalgeschützte Hof im Außenbereich zukünftig nutzen? Wie können wir die hochwertigen Grünfächen schützen und mit Blick auf den Naturschutz weiterentwickeln? Welches Betriebsmodell ist für die Umsetzung geeignet? Derzeit arbeiten wir an der Klärung dieser zentralen Fragen unter anderem im Rahmen einer Machbarkeitsstudie und der Entwicklung eines Nutzungskonzepts.

Lage

Further Weg 1, 50769 Köln-Worringen

Größe

2.000 m² Mietfäche, 12.000 m² Außenfäche, 1.300 m² Innenhof

Gebäudetypus

Ehemaliger Vierkanthof mit Grünfächen

Das könnte hier entstehen Das ansässige Jugendzentrum kann ergänzt werden um Wohnfächen sowie kulturelle, gewerbliche und weitere soziale Angebote. Die hochwertigen Außenfächen wollen wir erhalten und schützen.

Status

Wir erarbeiten eine Machbarkeitsstudie, ein Nutzungskonzept, eine Gemeinwohlstrategie und ein Betriebsmodell für das Projekt.

Theisen-Areal

Urbane Transformation einer Industriebrache

Lage

Musfeldstraße 120a, 47053 Duisburg-Hochfeld

Größe

3,4 Hektar Grundstücksfäche, 1,7 Hektar mit 10.000 m² Bruttogeschossfäche in Untersuchung durch uns

Gebäudetypus

Ehemaliger Schlachthof, später als Kabelwerk genutzt mit großen Hallen, Büro- und Wohngebäuden Das könnte hier entstehen 35 moderne Ein- bis Fünf-ZimmerWohnungen mit barrierefreiem Zugang, Büros, Ateliers, Werkstattfächen für das Handwerk und die Kreativwirtschaft sowie Räume für Sport und Kultur

Status

Wir entwickeln im Austausch mit potenziellen Nutzer*innen, lokalen Akteur*innen und Vereinen ein Nutzungskonzept. Parallel prüfen wir die technische und wirtschaftliche Machbarkeit der Sanierung des Gebäudebestands.

Auf dem mehrere Fußballfelder großen Areal des ehemaligen Kabelwerks

Theisen im Grenzbereich der Duisburger Stadtteile Hochfeld und Dellviertel befndet sich ein Mix aus großen Hallen, Verwaltungs-, Werkstatt- und Wohngebäuden, die seit mehreren Jahren leer stehen. 2024 haben wir in einer gemeinsamen Absichtserklärung mit der Stadt Duisburg vereinbart, die weitläufge Brache zu einem Ort für das Gemeinwohl zu entwickeln. Unser Projekt nach dem Initialkapital-Prinzip soll dabei einen wesentlichen Baustein bilden.

In enger Kooperation mit der Stadt haben wir ein Entwicklungskonzept erarbeitet, das neben unserem Projekt die städtischen Infrastrukturbedarfe bezüglich einer geplanten Grundschulerweiterung und einem Neubau für die Freiwillige Feuerwehr verortet und die Grundlage für die weitere Planung bildet. Im Rahmen eigener Untersuchungen haben wir die Bedarfe des Quartiers analysiert und den Beteiligungsprozess im Stadtteil gestartet.

Mit potenziellen Nutzer*innen und Vereinen sind wir in den Austausch über mögliche Nachnutzungen der Gebäude gegangen. Im Fokus standen die Themen urbane Produktion, Handwerk sowie Sport und Bewegung. Denkbar sind zudem Flächen für Kultur- und Bildungsarbeit, welche über Wege und öfentliche Plätze mit den städtischen Bausteinen verbunden werden und das heute umschlossene Areal in die Nachbarschaft hinein öfnen und erlebbar machen.

Parallel zum Beteiligungsprozess führen wir in 2026 eine technische Machbarkeitsuntersuchung und wirtschaftliche Berechnungen für ein tragfähiges Betriebsmodell durch. Konkrete Planungen gibt es bereits für die Sanierung von vier leerstehenden Wohngebäuden an der Friedenstraße. Dort sollen 35 barrierefrei erschlossene Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen mit Balkon entstehen. Dafür haben wir Ende 2025 einen Antrag auf Wohnraumförderung gestellt.

Zukunftsort Dransdorfer Berg Brachflächenentwicklung am Stadtrand

Die Alte Stadtgärtnerei befndet sich in einem Wohngebiet in Bonn-Dransdorf. Sie liegt seit über 20 Jahren weitgehend brach. Nur einen kleinen Teil nutzt die Biologische Station. Alte Heizkeller, Beetstrukturen sowie die Grundmauern alter Gewächshäuser sind überwuchert; rund 70 Prozent der Fläche sind versiegelt.

Im Herbst 2022 beschloss der Rat der Stadt Bonn, das Grundstück im Erbbaurecht an die Initiative Neue Stadtgärtnerei e. V. und uns zu vergeben. Der Verein engagiert sich seit 2018 für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt mit bezahlbaren Wohnungen für rund 100 Menschen sowie urbaner Landwirtschaft. Ergänzend planen wir, die Biologische Station zu erhalten und Räume für Begegnung, Bildung und Gewerbe zu schafen – etwa Büros, Seminarräume, eine integrative Pfegeeinrichtung, Ausbildungsfächen sowie Wohnungen für Auszubildende und Studierende.

Das Projekt erfordert einen Bebauungsplan, der ein formales Verfahren mit Öfentlichkeitsbeteiligung durchläuft. Wir unterstützen die Stadt dabei und ergänzen das Verfahren um zusätzliche Beteiligungsmöglichkeiten. Gemeinsam führten wir in Vorbereitung auf den Bebauungsplan einen städtebaulichen Wettbewerb durch. Eine Fachjury kürte 2025 den Siegerentwurf. Wir begleiteten dies mit mehreren Informations- und Dialogveranstaltungen.

Im Austausch mit der Nachbarschaft sowie im Rahmen einer Quartiersstudie ermittelten wir zentrale Bedarfe der Menschen vor Ort. Auf dieser Basis entwickeln wir nun ein tragfähiges Betriebsmodell. Die Stadt plant, den Bebauungsplan bis 2028 aufzustellen. Parallel starten wir ein kooperatives Verfahren zur architektonischen Ausarbeitung mit dem Ziel, das Projekt bis Ende 2031 baulich umzusetzen.

Lage

Auf dem Dransdorfer Berg 76, 53121 Bonn-Dransdorf

Größe

28.400 m² Grundstücksfäche, 8.800 m² Bruttogeschossfäche geplant (davon 4.400 m² entwickelt durch uns)

Gebäudetypus

Über 70 % versiegelte und teilweise unterkellerte Brachfäche mit Gewächshäusern einer alten Stadtgärtnerei

Das könnte hier entstehen Bezahlbarer Wohnraum, integrative Pfege- und Ausbildungsangebote, Umweltbildung sowie urbane Landwirtschaft

Status

In 2026 entwickeln wir gemeinsam mit der Stadt Bonn und der Initiative Neue Stadtgärtnerei den Bebauungsplanentwurf und bereiten die für 2027 geplante Ofenlage vor.

Abbildungen

Simon Erath

Jann Höfer

Ilja Höpping / Stadt Duisburg

Magdalena Jooss

Paul Kremershof

David Meister / TalTonTheater

Marcus-Andreas Mohr

Montag Stiftung Urbane Räume

Opposition Studios

Stephan Retzlaf

Marcel Rotzinger-Damm

Thomas Schäkel

Alexander Schneider

Wolf Sondermann

William Veder

Simon Veith

Jens Willebrand

Cover, S. 13

S. 2 oben, S. 27 Mitte, S. 29 oben, S. 31 Mitte

S. 40

S. 33 oben, S. 33 unten

S. 15

S. 31 oben

S. 23 oben, S. 23 unten

S. 8/9

S. 34/35

S. 23 Mitte

S. 3 Mitte, S. 21 Mitte, S. 21 unten

S. 33 Mitte, S. 38, S. 39

S. 25 oben

S. 5, S. 12, S. 31 unten

S. 41

Rückseite, S. 2 unten, S. 3 oben, S. 3 unten, S. 7, S. 10, S. 11, S. 14, S. 19, S. 21 oben,

S. 25 Mitte, S. 25 unten, S. 27 oben, S. 27 unten, S. 29 Mitte, S. 29 unten, S. 37

S. 16/17

Impressum

Herausgeberin

Montag Stiftung Urbane Räume gAG Raifeisenstraße 5, 53113 Bonn

Die Buchreihe „Gemeinwohl bauen“ und „Gemeinwohl bauen –eine Initiative der Montag Stiftung Urbane Räume“ sind eingetragene Marken der Montag Stiftung Urbane Räume.

Für viele Projekte nach dem Initialkapital-Prinzip sind

Fördermittel ein wichtiger Bestandteil des Finanzierungsmixes.

Vorstand

Johanna Debik, Dr. Robert Winterhager

Kontakt

+49 (0)228 26 716 470 urbane-raeume@montag-stiftungen.de www.montag-stiftungen.de/mur

LinkedIn: Montag Stiftung Urbane Räume

Instagram: @montagstiftungurbaneraeume

YouTube: Montag Stiftung Urbane Räume (@UrbaneRäume)

Ges taltung und Satz

Urban Media Project GmbH & Co. KG, Gladbacher Straße 15, 50672 Köln

Druck und Bindung

Druck- und Verlagshaus Zarbock GmbH & Co. KG, Sontraer Straße 6, 60386 Frankfurt am Main

Bonn, Juni 2026

Montag Stiftung Urbane Räume

www.montag-stiftungen.de/mur

Montag Stiftung Urbane Räume

@montagstiftungurbaneraeume

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