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Vivai 2015 4 de

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Das Wohlfühl- und Nachhaltigkeitsmagazin der

04/2015

ERNÄHREN Bei uns bereitet sich ein kulinarisches Hoch aus Skandinavien aus. Zurecht, denn das Essen ist gesund.

BEWEGEN Eine der gesündesten Arten, sich zu bewegen, ist Schwimmen. Warum es sich lohnt, an der Technik zu feilen.

Erlebnis Wald Ökosystem, Erholungsstätte, Arbeitsort : Der Wald ist voller Leben und ein magischer Ort — mehr denn je


oekom Rating 2015: Die Migros ist die nachhaltigste Detailhändlerin der Welt.

Wir versprechen Jay, Schweizer TierschutzVorschriften auch bei all unseren Produkten aus dem Ausland einzuführen. Bis spätestens 2020 sorgen wir zusammen mit Partnern wie dem Schweizer Tierschutz STS dafür, dass alle unsere Tiere artgerecht gehalten werden – auch im Ausland.

Mehr auf generation-m.ch


EDITORIAL

Liebe Leserin,lieber Leser

Lust auf Neues

© Titelfoto: Getty Images, © Roland Tännler, Shutterstock

Noch mehr Wald Da ich rechts keinen Platz mehr hatte, hier noch ein Waldtipp zum Träumen: Der Bambuswald im ArashiyamaPark in der Nähe von Kyoto. Ein Anblick von filigraner Schönheit. Interessant auch, was der österreichische Biologe Clemens Arvay über den Wald zu erzählen hat. Für ihn ein grünes Wundermittel gegen fast alles: Podcast anhören auf www.swr1.de (Sendung «Leute» vom Juni 2015). Arvay schreibt auch über den Wald. «Der Biophilia-Effekt – Heilung aus dem Wald».

Schnüffeln erlaubt Beim Kochen habe ich noch Luft nach oben. Wenn ich nicht gerade esse, stöbere ich durch Food-Blogs und denke: «Mensch, was man alles zaubern könnte!» Eine wahre Fundgrube kommt aus der Küche der MigrosMedien: Das Trüffelschwein. Schauen Sie selbst. www.dastrueffelschwein.ch

Leider bin ich nicht sehr mutig. Zumindest nicht in Situationen, die mehr erfordern als das Mundwerk. Allein im Wald zu sein beispielsweise, löst bei mir Beklemmung aus. An einem taufrischen Sommermorgen wagte ich es wieder und joggte durch den Wald am Züriberg. Zwar schien es mir, als hörte ich ein gleichmässiges, ruhiges Atemgeräusch um mich herum (die Bäume? ein wildes Tier?), doch unterm Strich war es ein schaurigschönes Erlebnis. Bis ich die beiden Hunde sah. Der eine links am Wegesrand kauernd, der andere rechts. Sie standen in Blick- und Knurrkontakt. Die Frauchen circa zwanzig Meter weiter am Reden. Meine Angst vor Hunden übersteigt meine Wald(ehr)furcht bei Weitem. Tapfer sagte ich mir, diese Hunde interessieren sich nicht für mich. Was auch stimmte, nur lief ich exakt in dem Moment durch ihr Blickfeld, als sie sich aufeinanderstürzten. Acht Hundebeine brachten mich zu Fall. Nichts passiert! Stattdessen wieder mal erfahren: Die Gefahr im Wald geht nicht von seinen Bewohnern, sondern von seinen Besuchern aus. Schauen wir noch kurz über die Baumgrenze hinaus nach Japan. Die Bäume sind den Japanern heilig. Intensiv erforscht man die gesundheitsfördernde Wirkung der Wälder. «Shinrin-yoku» – übersetzt: in der Waldluft baden – ist eine anerkannte Therapie. Studien belegen, dass der Aufenthalt im Wald das Immun- und das Nervensystem positiv beeinflusst. Bereits existieren in Japan über siebzig Wälder, die als «Waldtherapie-Zentrum» zertifiziert sind. Schweigen im Wald statt Klagen im Wartezimmer! In dieser Ausgabe sehen Sie vor lauter Wald hoffentlich auch die Bäume … Viel Freude beim Lesen!

Chefredaktorin Vivai 4/15

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F ast t k e f r pe cht. re i

Die Bio-Baby- und Kleinkinder-Produkte von Alnatura gibts in Ihrer Migros und bei LeShop.ch


INTERN

hnet! Ausgezeic Silber in Vivai holtsumgüterder Kon am KategorieWettbegrössten Firmenwerb für ionen in publikat Europa.

Impressum Herausgeber: Migros-Genossenschafts-Bund Leiter Migros-Medien: Lorenz Bruegger Verlagsleiter: Rolf Hauser Publizistische Leitung: Monica Glisenti Chefredaktorin: Susanna Heim Stellvertreterin: Christine Kunovits Koordination: Imelda Stalder Text/Produktion: Lukas Hadorn, Sylvie Castagné (F), Lino Bianchi (I) Art Direction: Dora Siegenthaler Bildredaktion: Cornelia Thalmann Bildbearbeitung: Reto Mainetti Korrektorat: Patrizia Villiger Redaktion und Verlag: Vivai, Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich vivai@migrosmedien.ch www.migros.ch/vivai Druck: Vogt-Schild Druck AG, CH-4552 Derendingen Papier: Holzfrei, FSC-Mix Zur CO2-Kompensation wird ein FSCProjekt in Brasilien unterstützt. ISSN: 1663-716X Gesamtauflage Vivai: 250 000 Exemplare D: 173 000 Ex., F: 60 000 Ex., I: 17 000 Ex.

Durften am «Best of Corporate Publishing 2015» Silber für Vivai entgegennehmen (v. l.): Andrea Schlenker (MGB), Susanna Heim (Chefredaktorin Vivai) und Dora Siegenthaler (Art Direction Vivai).

Ein Job für Schwindelfreie: Unser Fotograf Nik Hunger bei der Arbeit für die beliebte VivaiRubrik «Wer kauft hier ein?»

© Marion Nitsch, Ueli Bischof

Die Experten

Bestellen Sie Vivai kostenlos: abo.vivai@migrosmedien.ch oder Telefon 0800 180 180

Fabio Capraro doziert an der Uni Basel zum Thema Schwimmen. Er hat uns erklärt, worauf es beim Training im Wasser ankommt. S. 52

David Fäh ist Ernährungsphysiologe und Dozent an der Universität Zürich. Er steht uns als Experte in allen Fragen der Ernährung zur Seite.

Marianne Botta Diener ist Lebensmittelingenieurin und Autorin. In dieser Ausgabe befasst sie sich mit der nordischen Küche. S. 42

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Publireportage

Daner (4) ist endlich wieder gesund Der vierjährige Daner aus Bolivien hat das Schlimmste überstanden: Seine Durchfallerkrankungen, die ihn über Jahre nicht richtig wachsen liessen, gehören der Vergangenheit an. Spenden aus der Schweiz haben es möglich gemacht, in Daners Dorf eine Trinkwasserversorgung zu bauen. Daner ist klein und schmächtig für sein Alter – aber ein quirliger Lausbub mit Schalk in den Augen. «Seit wir sauberes Trinkwasser haben, geht es Daner gut», sagt die Mutter Graciela Flores (35). Sie berichtet: «Früher litten wir sehr. Wie die anderen Familien nutzten wir das Flusswasser für die Wäsche und das Geschirr. Wenn wir die Kinder wuschen, wurden sie krank. Und oft blieb uns nichts anderes übrig, als aus dem Fluss zu trinken.» Dann liess Graciela Flores das Schmutzwasser mit ein paar Pfirsich-

Erfahren Sie mehr von Daners Glück: dasrichtigetun.caritas.ch/daner

blättern eine halbe Stunde im Eimer stehen – damit sich der schlimmste Dreck auf den Boden senkte. Das Dorf Candial liegt in einem fruchtbaren Tal, umgeben von kargen Felsen und hohen Bergen. Das Wasser des Flusses genügt, um die Felder zu bewässern, aber als Trinkwasser ist es zu schmutzig. Zwar gab es im Dorf eine kleine Trinkwasserquelle, doch das Wasser reichte nicht aus und die Quelle versiegte immer wieder. Diese Zeiten sind jetzt vorbei: Mit Unterstützung von Caritas haben die Dorfbewohner ein Trinkwassersystem errichtet, das 64 Familien einen Hausanschluss verschafft. «Heute haben wir genügend sauberes Wasser zum Trinken, zum Kochen und auch für die Wäsche. Daner braucht nicht mehr dreckig zur Schule zu gehen», sagt seine Mutter glücklich. Die Kinder zeigen stolz, wie viel Wasser der neue Brunnen hergibt, und spritzen sich mit dem neu errungenen Element übermütig an.

Bolivien: Trinkwasser für die Ärmsten Im Bezirk Sapahaqui, südwestlich von La Paz, leben über 95 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Lediglich ein Viertel der Gemeinden verfügt über ein Trinkwassersystem mit Hausanschluss. Die prekäre Situation sowie mangelnde Hygienegewohnheiten begünstigen die Verbreitung von schweren Krankheiten und verhindern die Entwicklung in den Dörfern. Caritas Schweiz unterstützt die Partnerorganisation Caritas Corocoro seit 2013 beim Bau von Wassersystemen und bei der Gemeindeentwicklung der Dörfer im Bezirk Sapahaqui. Mit Spendengeldern aus der Schweiz schafft Caritas Zugang zu Trinkwasser und besseren sanitären Anlagen in Schulen. Zudem wird die Bevölkerung über Hygienefragen informiert und lokale Wasserkomitees werden so geschult, dass sie den Unterhalt und die Verwaltung der Anlagen in die eigenen Hände nehmen können. Spendenkonto: 60-7000-4 Für Online-Spenden: dasrichtigetun.caritas.ch/ bolivien


DAS FREUT UNS

So sehen Sieger aus Das Konsumentenmagazin «Saldo» hat Gesichtscremes getestet und das Migros-Produkt «Zoé Aqua Detox Schützende Tagescreme» zuoberst aufs Podest gehievt. Feuchtigkeit, UV-Schutz – top! Und das muss nicht teuer sein: Mit 15.80 Franken kostet die Creme deutlich weniger als andere getestete Produkte, die für die gleiche Menge mit bis zu 80 Franken (!) zu Buche schlagen.

© Getty Images, iStockphoto

Ohne Mikroplastik Wir kennen sie alle, die winzig kleinen Kügelchen in Zahnpasta oder Peeling-Lotionen. Doch deren angenehme Wirkung kann schädlich sein für unser Ökosystem. Oft ist Mikroplastik zu klein, um in Kläranlagen aus dem Abwasser gefiltert zu werden, und landet am Schluss im Meer. Die Mibelle hat nach den ersten Hinweisen auf die möglicherweise umweltschädigende Wirkung von Mikroplastik reagiert und stellt selbst nur noch Produkte ohne Mikroplastik her. Bestehende Rezepturen wurden angepasst. Neu werden jetzt Mikropartikel natürlicher Herkunft verwendet, etwa Kernschalen, Lavagestein oder Bimsstein.

AUSGEZEICHNETE EIER

Noch immer stammen 60 Prozent der weltweit verkauften Eier von Hühnern, die in Käfigen leben. Diese traurige Tatsache wird von Tierschützern immer wieder bemängelt, etwa von der Organisation Compassion in World Farming. Sie zeichnet Unternehmen aus, die sich für bessere Bedingungen für Tiere in der industriellen Nahrungsmittelproduktion einsetzen. 2015 wird die Ehre des Good Egg Award der Migros zuteil. In der ganzen MigrosGruppe gilt seit 2011 die Anforderung, dass keine Eier aus Käfighaltung verkauft oder in der Produktion benutzt werden dürfen.

V wie vertrauensvoll Good News für Vegetarierinnen und Veganer! Die Migros hat ihr Generation-M-Versprechen, mindestens 120 verarbeitete Lebensmittel mit dem anerkannten europäischen V-Label zu kennzeichnen, zwar schon Ende 2012 erfüllt. Seither kommen aber laufend neue Produkte hinzu, Ende Juni 2015 waren es bereits rund 200 Produkte. Treibende Kraft: die beliebte Vegi-Linie von Anna’s Best. En Guete! Vivai 4/15

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ES GIBT IMMER MEHR ALS NUR EINE GUTE LÖSUNG Energie 360° bietet das ganze Spektrum an Möglichkeiten für Ihre individuell beste Energielösung für heute und morgen.

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DAS GEFÄLLT UNS

Fitness unter Fichten Wenn Sie nach der Lektüre unseres Dossiers (ab Seite 10) so richtig Lust auf Wald verspüren, empfiehlt sich eine Runde auf einem der rund 500 Zurich vitaparcours der Schweiz. Unter dem kühlenden Dach der Bäume macht die körperliche Betätigung auch im Sommer richtig Spass. Besonders schön ist es in der Morgen- und in der Abenddämmerung, dann steht man sich an den Übungsposten auch nicht auf den Füssen rum. www.zurichvitaparcours.ch

© Illustration: Christopher Corr, Foto: Kulturprozent Migros Aare / Thomas Baumann

Noch mehr Gartenkinder

Erziehungshilfe für die Eltern Integration beginnt schon bei der Frühförderung. Basierend auf diesem Grundsatz hat das Migros-Kulturprozent die Plattform contakt-kind.ch lanciert. Sie widmet sich Themen der Erziehung und frühen Förderung und soll gerade sozial benachteiligte und zugewanderte Familien dafür sensibilisieren. Neben interessierten Eltern gehören Lehrpersonen und Leitende von Migrationsforen zur Zielgruppe. www.contakt-kind.ch

Im letzten Jahr lancierte die Kinderund Jugendförderung infoklick.ch das Projekt Gartenkind. Dabei erleben Primarschulkinder in Freizeitkursen und Schulprojekten eine ganze Saison im Garten. Sie bepflanzen eigene Beete und lernen so die Zusammenhänge und Kreisläufe in der Natur ken-

nen. Das Kulturprozent der Genossenschaft Migros Aare unterstützt das Projekt als Hauptpartnerin. Erfreulich: 2014 wurde mit 10 Gärten gestartet, aktuell sind weitere 25 bis 30 Gärten in allen Sprachregionen am Entstehen. Wir heben den grünen Daumen! www.gartenkind.ch

GENUSS MIT NUSS

Die Farmer-Riegel der «Nuts & Fruits»Reihe mögen wir schon lange: grosse Nuss- und Fruchtstücke, lang anhaltendes Sättigungsgefühl. Neu gibt es mit dem «aha! Nuts & Fruits Cranberry» auch einen für Menschen mit Nahrungsmittelallergien verträglichen Riegel. Glutenfrei und mit dem aha!-Label zertifiziert. So macht Snacken Spass! Vivai 4/15

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© mauritius images, iStockphoto (Ast: Montage Vivai)

DOSSIER WALD

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ÖKOSYSTEM


Im Wald Er schützt uns, er ernährt uns, er erfüllt uns mit Ruhe und Fantasie. Der Wald ist ein Ort von Mythen und Menschen, von urtümlicher Kraft und unbändiger Natur. Und er hat unsere Zivilisation stärker geprägt, als wir glauben. Illustrationen: Martin Burgdorff Vivai 4/15

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DOSSIER WALD

ÖKOSYSTEM

Ein Recht auf Wald Gehegt, gepflegt und gesetzlich geschützt: Unser Wald ist nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich wichtig. Sein Wert ist sogar in Franken festgelegt.

Wald bedeutet Leben. Wer für eine Weile zwischen den Bäumen still stehen bleibt, kann es sehen und hören. In der Ferne hämmert der Buntspecht mit seinem Schnabel an einen morschen Baumstamm. Er ist auf der Suche nach Insekten, die im Totholz leben. An der nächsten Fichte turnt ein Eichhörnchen aufgeregt herum. Es baut gerade sein Nest, irgendwo hoch oben im Geäst. Selbst auf dem Boden wuselt es. Hunderte von grossen schwarzen Waldameisen rennen auf der Suche nach Nahrung und Baumaterial umher. 40 Prozent aller Schweizer Tier- und Pflanzenarten nutzen den Wald als Lebensraum. Das schliesst uns Menschen ein. Der Wald ist der perfekte Ort, um zu entspannen, spazieren zu gehen, zu joggen oder um die Natur zu beobachten. Als Erholungsraum besitzt er einen Wert von durchschnittlich 440 Franken pro Person, wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) 2012 aufgrund einer Umfrage bei 3000 Personen berechnet hat. Dabei hat das BAFU unter anderem die Anzahl Waldbesuche pro Woche eruiert, die Anreisedauer und die Transportkosten erhoben. Daraus ergibt sich hochgerechnet ein Gesamtwert für die Bevölkerung von rund drei Milliarden Franken pro Jahr. 12

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Wir lieben den Wald so sehr, dass wir ihn mit einem der besten Gesetzestexte der Welt beschenkten: dem Bundesgesetz über den Wald. In ihm steht zum Beispiel, dass jeder Wald der Öffentlichkeit zugänglich sein muss. Mit anderen Worten: Schweizerinnen und Schweizer haben ein Recht auf Wald. Darum ist es auch verboten, Wald zu roden. Wer es trotzdem tut, kann mit Gefängnis bestraft werden. Von den Auswirkungen dieses rigorosen Gesetzes kann sich jeder überzeugen, wenn er Grossvaters alte Wanderkarte mit einer heutigen Ausgabe vergleicht. Städte und Dörfer haben sich massiv ausgedehnt, Agrarland ist unter Beton und Teer verschwunden, und Eisenbahnlinien und Autobahnen haben die Landschaft zerschnitten. Doch der Wald befindet sich immer noch genau dort, wo er schon vor fünfzig Jahren war. Damit stellt er einen unverrückbaren Wert in unserer Gesellschaft dar. So gut wie heute ging es ihm jedoch nicht immer. In den Achtzigerjahren war die Luft stark mit schwefelhaltigen Abgasen aus Strassenverkehr und Industrie verschmutzt. Der Regen wusch diese aus und trug sie in Form von Schwefelsäure in den Boden ein. Die einhergehende Bodenversaue-

© Keystone, iStockphoto

Text: Atlant Bieri


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DOSSIER WALD

ÖKOSYSTEM

Aussergewöhnliche

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das Bundesamt für Umwelt sagt. Wald reinigt auch einen Teil unseres Trinkwassers. Vierhundert von Zürichs Stadtbrunnen beziehen ihr Wasser direkt vom Wald. Es kommt von Quellfassungen auf den bewaldeten Hügeln rings um die Stadt. Regen wird im Waldboden naturgefiltert, in der Quellfassung gesammelt und danach allein durch die Schwerkraft trinkbereit in die Stadt geleitet. Damit der Wald alle seine Funktionen erfüllen kann, wird er intensiv gepflegt. Jeder Kanton führt dazu einen Waldentwicklungsplan. In ihm steht etwa, wie und wo seltene Baumarten wie Eiche und Eibe gefördert werden sollen, wie gross der Holzverbrauch sein darf und wo wie viel Totholz zu stehen hat. Doch trotz aller Fürsorge ist der Wald nicht vor neuen Gefahren gefeit. Heute bereiten den Forstingenieuren vor allem gebietsfremde Arten Sorgen. «Mit dem globalen Warenhandel gelangen fremde Organismen in unsere Wälder», sagt Rigling. Ein Beispiel ist die Eschenwelke, ein aus Asien eingeschleppter Pilz, der die Eschen lückenlos befällt und sie ganz oder teilweise absterben lässt. «Darum verliert die Esche heute leider an Bedeutung für die Waldbewirtschaftung», sagt Rigling. Ebenso drängen sich neue Baumarten in unsere Wälder. Der auch aus Asien stammende Götterbaum etwa, der bereits im 18. Jahrhundert als Ziergehölz nach Europa gelangte, ist heute auf der ganzen Welt verbreitet. Er wächst enorm schnell und gedeiht selbst in unwirtlichen Geröllhalden. Gegenwärtig breitet sich der Götterbaum massiv in der italienischsprachigen Schweiz aus. «Wir wissen heute noch nicht, was das für den Schutzwald bedeutet», sagt Rigling. Hält er etwa einen Steinschlag ebenso gut ab wie eine Schweizer Buche? Bei einer Sache ist sich Rigling allerdings sicher: «Der Wald wird sich verändern, aber er wird nicht verschwinden. Dafür ist er zu anpassungsfähig und zu stark.» l

Tamangur im Unterengadin: höchstgelegener Arvenwald.

© Bruno Augsburger, Daniel Fleuti, Keystone, LOOK / age-fotostock, iStockphoto

rung störte die Nährstoffaufnahme der Bäume und führte im Extremfall dazu, dass diese eingingen. Im deutschen Harz und im Erzgebirge gab es ganze Waldgebiete, die dahinsiechten. Die Medien sprachen vom Waldsterben. Auch wenn in der Schweiz die Bäume nur vereinzelt an den Säureeinträgen litten, schlug die Botschaft vom sterbenden Wald ein wie eine Bombe. «Das war der Beginn der modernen Umweltpolitik der Schweiz», sagt Andreas Rigling, Forstingenieur bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. In der Folge wurden die Abgasrichtwerte verschärft, Filter- und Entschwefelungsanlagen in Fabriken wurden Pflicht, und es folgte die Einführung des bleifreien Benzins und des Katalysators für Motorfahrzeuge. Vor der Zeit der Luftschadstoffe war die Abholzung das grösste Problem. Im 19. Jahrhundert erreichte die Waldnutzung in der Schweiz ihr Maximum. «Es gab damals Kahlschläge und Brandrodungen», sagt Rigling. Dieser Raubbau hatte Folgen. Der Boden an den kahlen Hügelflanken wurde bei Unwettern abgetragen. Wald speichert Wasser wie ein Schwamm. Ohne ihn rauschen die Wassermassen ungebremst in die Täler, wo Schlammlawinen und Hochwasser zu Schäden in Millionenhöhe führen. «Diese Katastrophen führten bei den Behörden zu einem Umdenken, das letztlich in die heutige Waldgesetzgebung mündete», sagt Rigling. Eine wichtige Erkenntnis daraus war auch, dass der Wald einen Service für die Gesellschaft erbringt. Heute sind 5820 Quadratkilometer Waldfläche als sogenannter Schutzwald ausgewiesen. Er bewahrt uns vor Schnee- und Schlammlawinen, Steinschlag und Hangrutschen. Von ihm profitieren ein Viertel aller Strassen und Bahnlinien und jedes sechste Wohnhaus. Die so geschützten Werte werden auf rund 200 Milliarden Franken geschätzt, wie

Toppwald im Emmental: Hier stehen einige der grössten Weisstannen.


Wälder der Schweiz

Jurasüdfuss: Sihlwald:

Mischwald

beeindruckender

mit grosser

Buchenwald.

Pflanzenvielfalt.

Tösswald im Bödmerenwald

Tössstock-Gebiet:

im Muotathal:

viele alpine

letzter

Pflanzenarten

Fichten-Urwald.

und Orchideen. Vivai 4/15

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DOSSIER WALD

ZAHLENDSCHUNGEL

Schweiz bestehen 30 % der aus Wald (1,26 Mio ha).

des Walds gehören der 71 % öffentlichen Hand.

sich 29 % befinden in Privatbesitz.

Bäumig ! Wir mögen ihn, unseren Wald. Aber wie viel wissen wir eigentlich über ihn ? Diese Zahlen und Fakten bringen etwas Licht ins Unterholz. Recherche: Lukas Hadorn Illustration: Martin Burgdorff

Die S chwei z Am stärk 13 schwäc sten / % Ba bewald hsten s e elRegion te S t ad en t

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Hier tobt das Leben In der Schweiz unterscheidet man rund 120 Typen von Wald, in denen mehr als 50 verschiedene Baumarten vorkommen und bis zu 30 000 Arten von Lebewesen zu Hause sind. Rund ein Drittel dieser Tier- und Pflanzenarten gelten als bedroht.

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7000 bekannte Pilzarten gibt es ungefähr im Schweizer Wald, die Gesamtzahl wird auf 15 000 geschätzt. Rund 200 sind für den Menschen giftig, einige wenige sogar tödlich.

Kleine Helfer Waldameisen haben wichtige Funktionen im Wald: Sie fressen Schädlinge, ernähren Vögel und transportieren pflanzliches Saatgut.

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1

Eichen

3

3

Föhren

Ahorne

4

Kastanie

Eschen

44 Fichten FIC

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Fichte oder Tanne? Fichten und Tannen unterscheidet man zum einen an ihren Nadeln: Fichtennadeln sind spitz und piksen, während Tannennadeln stumpf und weich sind. Zum anderen an den Zapfen, die bei der Fichte nach unten hängen, bei der Tanne aber nach oben wachsen.

Von

100

5

Bäumen

andere

in der Schweiz sind 19 Buchen. Insgesamt gibt es rund 500 Millionen Bäume. Pro Jahr werden rund 1,1 Millionen neu gepflanzt.

19

14

5

Buchen

Tannen

Lärchen

Wild,aber schüchtern

42 000

In den Schweizer Wäldern leben auch Wölfe. 2013 und 2014 wurden insgesamt 23 Individuen genetisch identifiziert. Auch Bären werden bisweilen gesichtet, allerdings sehr selten. Letztmals im Mai im Puschlav, am Fusse des Berninapasses.

Rehe

15 100 Füchse

10 400

Erlegt 2013 erlegten die knapp 30 000 aktiven Jägerinnen und Jäger der Schweiz:

Rothirsche

5 700 Wildschweine

3 000 Hasen Vivai 4/15

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DOSSIER WALD

HEILKUNDE

Dagegen ist ein Kraut gewachsen Wer sich auskennt und ein paar wichtige Regeln befolgt, trifft im Wald auf allerlei schmackhaftes und gesundes Gewächs an Sträuchern und Bäumen. Text: Simone Ott

k

ochbuchautor * und Wildpflanzen-Experte Maurice Maggi sammelt seit Jahrzehnten Wildwachsendes, das er in der Küche einsetzt. In letzter Zeit zieht es ihn dabei häufiger in den Wald. «Eine fantastische Wildpflanzen-Speisekammer», sagt er. Und wundert sich, wenn er gefragt wird, ob Waldpflanzen denn nicht ungeniessbar seien. «Sie sind ein Genuss und erst noch gesund», weiss Maggi. «Ungeniessbares gibt es kaum. Sogar die viel verschmähten Vogelbeeren kann man essen. Wenn man sie roh isst, sollte man einfach nicht allzu grosse Mengen vertilgen. Dann sind sie unverträglich.» Waldpflanzen werden generell in kleineren Mengen verzehrt. Das hat weniger mit «giftig» zu tun als damit, dass sie kräftiger und intensiver sind als gekauftes Gemüse. Nicht nur geschmacklich. Essbare Wildpflanzen haben eine geballte Ladung gesunder, wertvoller und bioaktiver Inhaltsstoffe. Moderne Gemüsesorten wurden vor allem für Eigenschaften wie Grösse, Aussehen, Lagerungsfähigkeit und Schädlingsresistenz gezüchtet. «Damit wurde auch die Nährkraft aus unserem Essen gezüchtet», erklärt die Naturheilärztin Sonja Wunderlin, die sich mit Heil- und essbaren Wildpflanzen auskennt. «Wildpflanzen enthalten mehr Spurenelemente, mehr Vitamine, Bitterstoffe und Gerbsäuren als gekauftes Gemüse.» So ist der Giersch, auch Zipperleinskraut genannt, als Spinat zu18

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bereitet eine reiche Vitamin-C- und Mineralstoffquelle. Und die Beeren des Holunders – er wächst bevorzugt in Waldlichtungen und am Waldrand – liefern extra viel Vitamin C, Kalium und verschiedene Flavonoide. Auch die Bitterstoffe und Gerbsäuren in den Wildpflanzen, die man heute nur noch in wenigen handelsüblichen Gemüsen und Salaten findet, tun uns gut: Bitterstoffe sorgen für eine gute Verdauung und für eine bessere Aufnahme von Nähr- und Vitalstoffen, weil sie etwa die Verweildauer der Nahrung im Magen verlängern. Gerbsäuren wirken antioxidativ, sie verringern also die schädliche Wirkung der freien Radikalen, die mit der Entstehung von Krebs und Arterienverkalkung in Verbindung gebracht werden. «Waldpflanzen sind mehr als einfach nur schön», sagt Sonja Wunderlin. «Sie sind auch gesund, voller Lebenskraft und vor allem köstlich.» Noch vor hundert Jahren waren Wald- und Wildpflanzen die erste Vitaminquelle nach dem Winter, lange bevor man Kulturpflanzen ernten konnte. Wenn bei den Waldlaubbäumen nach langen Wintermonaten die Blätter spriessen und noch viel Licht auf den Boden fällt, wachsen Pflanzen wie der Bärlauch, der Waldsauerklee und Keimlinge von Buchen, Eichen, Ulmen oder Linden. Diese sind, wenn sie noch ganz jung sind, eine Delikatesse. So wie die Sprossen des Waldweideröschens, die sich wie Spargeln kochen lassen.

Auch die jungen Blätter der Ährigen Rapunzel oder Teufelskralle, die als

«Waldspinat» verzehrt werden, schmecken köstlich. Kräfteaufbauend sind dank viel Vitamin C die Vogelmiere und das Scharbockskraut. Wenn die Blätter der FrühlingsLaubbäume immer noch jung und zart sind, kommen auch sie kulinarisch zum Einsatz. Dann schmecken sie besonders delikat. Aber wirklich nur dann. Ältere Blätter sind nämlich zäh und gar kein Genuss mehr. Auch sie unterstützen das Wohlbefinden: Sie enthalten verdauungsfördernde Nahrungsfasern, können aber auch mehr. So sollen junge Lindenblätter laut Sonja Wunderlin anregend und stärkend wirken. Eine ganz besondere Köstlichkeit sind junge Tannenspitzen, die viel Vitamin C enthalten und gut gegen Husten wirken. Delikat sind auch Ulmen- und Buchensamen, die man wie Nüsse isst. Der Star unter den Waldpflanzen ist aber die Brennnessel. Sie trumpft mit einem hohen Gehalt an Flavonoiden auf, mit Mineralstoffen wie Magnesium, Kalzium und Silizium sowie mit Eisen, Vitamin A und C. Brennnesseln zeigen, wie potent Wildpflanzen sein können: Sie enthalten die dreizehnfache Menge Kalzium, doppelt so viel Eisen und viermal mehr Magnesium als Kopfsalat. Der Einsatz in der Küche ist ebenfalls vielfältig: Man kann die haarigen Nesseln dämpfen, eine Nesselsuppe zubereiten oder die Blätter im Bierteig backen.


Keimling

Waldsauerklee

Brennnessel

Tannenspitzen

Vogelbeere

Vogelmiere

Getty Images, Dorling Kindersley ltd, Keystone, iStockphoto, Shutterstock, Zoonar.com

Elsbeere

Ährige Rapunzel

Scharbockskraut

Giersch

Kornelkirsche

Bärlauch

Holunder

Waldweideröschen

Walderdbeere Vivai 4/15

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HEILKUNDE

Damit es bei der Verarbeitung nicht brennt, die Blätter gut unter der Brause waschen und auswringen. Als getrocknete Blätter kommen sie als Tee zum Einsatz. «Auch Blüten und Samen der Brennnessel sind kulinarisch verwertbar», sagt Sonja Wunderlin. Der Wald ist auch ein guter Ort, um Wildbeeren zu sammeln. Himbeeren, Erdbeeren Brombeeren, Blaubeeren und die weniger bekannten, aber nicht minder köstlichen Kornelkirschen und Elsbeeren wachsen im Wald besonders geschmacksintensiv. Man kann sie einfrieren, trocknen, entsaften oder einkochen. Viele Beeren enthalten in grossen Mengen Stoffe, die auch in der Pflanzenheilkunde bekannt sind, etwa die Pflanzenfarbstoffe der Anthocyane. Sie schützen Zellen vor freien Radikalen.

Die Verbindung von Genuss und Heilmittel ist ein Geschenk der Natur: Man braucht einfach nur zuzugreifen. Lange vergessen, ist das Interesse an Wildpflanzen und dem Wald wieder erwacht: «Wir sind daran, uns auf unsere Kultur und Gewohnheiten zurückzubesinnen», sagt Maurice Maggi, der urbane Wildpflanzen-Sammler, der nun vermehrt Waldpflanzen-Kochevents organisiert. Auch bei Sonja Wunderlins Waldpflanzen-Kursen steigt die Teilnehmerzahl stetig. Und im Lötschental organisieren Restaurants und Hoteliers jährlich ein sogenanntes Waldkulinarium. Mit Erfolg. Denn nichts fühlt sich so gut an wie der Weg zurück zum Ursprung. Und genau das ist der Wald. l * Maurice Maggi, Juliette Chrétien: «Essbare Stadt» (AT Verlag), erhältlich bei www.exlibris.ch.

Unbedingt beachten ! Man sollte Waldpflanzen genau bestimmen können, bevor man sie

in der Küche einsetzt. Nicht alle sind gut verträglich. Für Novizen empfiehlt sich die Teilnahme an einem Waldpflanzenkurs. Beim Sammeln ist zudem Vorsicht geboten. Wildpflanzen, die man essen will, sollten nicht am Wegrand oder in der Nähe von Tierspuren gesammelt werden und am besten oberhalb der Kniehöhe. Pflanzen und Hände sollten immer gründlich gewaschen werden. So minimiert man etwa das Risiko, sich mit der seltenen, aber gefährlichen Fuchsbandwurm-Krankheit anzustecken. Wer auf Nummer sicher gehen will, isst nur gekochte Wildpflanzen. Das überlebt kein Fuchsbandwurm.

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Wider die Vernunft Der Wald belebt die Fantasie — jene von Dichtern, aber auch die von den Schaffern der Disneywelt. Götter und Ritter, Fabelwesen und natürlich Tiere bewohnen den Wald in Büchern und Filmen. Text: Nina Toepfer Illustrationen: Martin Burgdorff

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m Wald sieht man andere Dinge. Und man sieht die Dinge anders. Baumstämme zeichnen Vertikalen, dazwischen spielen Licht und Schatten miteinander. Ihre Kronen und Spitzen grenzen den Himmel aus, weit höher als ein Mensch je gewachsen ist. Der Vergleich mit der Kathedrale fällt oft. Bei beschränkter Sicht konzentriert sich das Auge auf das Naheliegende: was man «draussen» nicht oder übersieht. Im Wald lernt man Neues dazu. Aus dem Wald kommt man anders heraus, als man hineinging. «Man nahm den Wald nur wahr, wenn man sich in ihm befand. Gerade das macht ihn ja so besonders, dass man ihn betreten konnte wie einen Raum und dass man ihn nur dann erfasste und von ihm erfasst wurde.» Anja, eine Figur aus der Erzählung «Im Wald» vom Schweizer Schriftsteller Peter Stamm, geht zur Schule wie immer, aber danach versteckt sie sich in den Bäumen, drei Jahre lang. «Niemand verstand, dass sie nicht vor etwas weggelaufen war, sondern auf etwas zu», schreibt Stamm. Vivai 4/15

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INSPIRATION

Auf einem kurzen Streifzug durch den unendlichen Wald in der Literatur begegnet man einer gut gemischten Gesellschaft. Es geht im Wald wild, ausgelassen und frei zu. Dionysos höchstpersönlich etwa, der Gott des Weines, der Ausschweifung und der Ekstase, zieht sich dahin zurück, wenn er nicht gerade Chaos stiftet draussen. Bei den Grimm’schen Märchen versteckt der dunkle Wald unheilvolles, gefrässiges Treiben. Rumpelstilzchen tobt seinen trötzelnden Tanz und will der Königin Neugeborenes rauben. Der Wolf verschlingt Rotkäppchens Grossmutter. Im Wald lauert die böse Hexe mit ihrem Kochtopf auf Kinder fürs Festessen, wie freut sie sich über Hänsel und Gretel, das wohl berühmteste je an diesem Ort verlorene Paar. Luftiger, leichter umflattern Elfen und Feen ihr Terrain, wo Menschen, etwa bei Shakespeare, die Liebe leichter fällt: «Sind diese Wälder nicht sorgenfreier als der falsche Hof?» – «Drum, heissa, den Bäumen! Den lustigen Räumen!» Der Wald als Bühne, Befreiung und Sommernachtstraum, er bietet ihnen Idylle, Lust und Freiheit von Korsett und Konvention. Derweil Disney’s Fee Tinkerbell, personifizierte Wunderwelt und Vorstellungskraft bei Peter Pan, Zeichentrick-Zauberstaub sprüht. Drinnen und draussen Im Wald proben auch Helden den Edelmut oder den Aufstand wie Robin Hood in seinem Refugium Sherwood Forest, Merlin in den Wäldern von Brocéliande und König Artus’ ritterliche Tafelrunde. Und Jahrhunderte später haben auch Harry Potters Abenteuer gegen die dunklen Mächte den Wald als Schauplatz. Hier geht es eben anders zu als draussen. Hier walten Intuition, Vorstellungskraft, Leidenschaft. Derweil draussen Vernunft, Zivilisation, Ordnung herrschen, die Wirtschaft und die Stadt. Je moderner und technikgewandter die Menschen, desto verklärter ihre Sicht auf die Natur. Ausgiebig besingen 24

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die Romantiker wie Joseph von Eichendorff oder unser guter Gottfried Keller den Wald und die «Waldeinsamkeit». Bald aber kommt der Wald als Holzlieferant und Wirtschaftsfaktor ins Spiel. Nachhaltigkeit taucht nicht als Begriff auf, aber als Gedanke. In «Die Wassernot im Emmental» schreibt Jeremias Gotthelf gegen rücksichtsloses Abholzen und Holzflössen an. Und Gottfried Kellers Leute von Seldwyla, ein frohes, schlaues, aber wenig geschäftstüchtiges Völkchen, bringen sich selber um ihr Glück. Ihrem riesigen Wald verdanken sie das sorglose Dasein. Doch sie fangen an, mehr Holz zu schlagen als dafür nötig. Wie das endet? Das sollte man mal wieder nachlesen. l

Da war doch was So sehr wir den Wald mit seinen lieben Tierchen

Bücherwald Nahe Olso wächst seit Kurzem eine neue Bibliothek heran. Das heisst: Es werden Bäume gepflanzt, aus denen in hundert Jahren Bücher werden. Die Schriftstellerin Margaret Atwood hat das erste Buch verfasst, das erst in hundert Jahren erscheinen soll. Die Eröffnung der Bibliothek ist auf 2114 datiert. Dann sollen die eigens für sie verfassten Geschichten in Buchform vorliegen. Die preisgekrönte Autorin und Umweltaktivistin macht damit den literarischen Auftakt in diesem Kunstprojekt, jedes Jahr schreibt ein anderer Autor einen neuen Text hinzu. Mit dem Projekt Future Library richtet die schottische Künstlerin Katie Paterson eine Hommage an die Bibliothek der Bücher aus. Was man heute davon schon sieht? Einen Wald aus tausend für die Literatur gepflanzten Bäumen.

© Heinrich Gohl

DOSSIER WALD

als Ort der meditativen Ruhe verklären, bleibt die Tatsache, dass wir primär ein Gefühl mit ihm verbinden: Angst. Text: Lukas Hadorn


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eien wir ehrlich. Wenn es dämmert im Wald, wenn ein kühler Wind auffrischt und es im Unterholz zu rascheln und knacken beginnt, suchen wir gern schnell das Weite. So zauberhaft ruhig und friedlich es in einem sommerlichen, lichtdurchfluteten Wald auch sein mag, so unheimlich ist uns dieser Ort doch spätestens nach Einbruch der Dunkelheit. Wer mag uns da aus dem Schutz des Halbdunkels beobachten und begehren? Böse Menschen? Wilde Tiere? Oder gar das eine oder andere Fantasiewesen? Psychologisch betrachtet, erstaunt es nicht, dass wir uns nur unfreiwillig im dunklen Wald aufhalten. «Der Mensch ist auf Wahrnehmung angewiesen, um sich in seinem Umfeld orientieren und zielgerichtet handeln zu können», schreibt die Forstwissenschaftlerin Dr. Annette Braun in ihrem Buch «Wahrnehmung von Wald und Natur». Bei der Orientierung spiele der Sehsinn eine entscheidende Rolle, und sei dieser eingeschränkt wie eben im dunklen Wald, verursache dies Stress und führe dazu, dass wir den Ort vermeiden. Ist das nicht möglich, müsse die durch die eingeschränkte Sehfähigkeit fehlende Informationsaufnahme anhand anderer Wahrnehmungsformen kompensiert werden, so Braun weiter. Anders gesagt: Wir kneifen die Augen zusammen, spitzen die Ohren und richten die

Nackenhaare auf. Und plötzlich scheint der Wald durchdrungen von schemenhaften Gestalten und unheimlichen Lauten. «Die Identifikation der Geräusche ist weniger sicher als bei der visuellen Wahrnehmung. So entsteht Unsicherheit, die die Angst verstärkt.» Bilden wir uns also alles nur ein? Fürchten wir uns vor dem Wald, weil wir seine Geräusche und Gerüche und seine Bewohner nicht klar identifizieren können? Mehrheitlich schon, sagt die Psychologin Katharina Gaudlitz vom Zentrum für Angst und Depressionsbehandlung Zürich. «Das Alarmsystem des Körpers interpretiert die unbekannten Signale als potenzielle Gefahr. Da wir uns immer seltener im Wald aufhalten, ist er uns als Ort fremd geworden.» Es gebe aber auch eine kognitive Verzerrung, was das subjektive Bedrohungsempfinden im Wald betreffe, so Gaudlitz: «In vielen Märchen und Filmen ist der Wald ein dunkler, finsterer Ort, an dem sich entsprechend dunkle, finstere Gesellen herumtreiben. Diese Information ist in unserem Gehirn gespeichert und kommt an die Oberfläche, wenn wir uns im Wald fürchten.» Annette Braun schreibt gar vom Wald, der «als Raum ausserhalb der Gesellschaft» verstanden werde, in dem davon ausgegangen werden könne, «dass die Regeln der Gesellschaft keine Gültigkeit besitzen.» Jeder Bericht über

ein Verbrechen, das im Wald begangen wurde, bestätigt unser Vorurteil gegenüber dem rechtsfreien Raum. «Die Angst im Wald wird also sowohl von genetischer wie von mittelbarer Information beeinflusst», so Braun. Es gebe sicher objektive Gründe, den Wald zu meiden oder nicht alleine zu besuchen, findet auch Psychologin Gaudlitz. Allein die Tatsache, dass er ein schwer zugängliches Gebiet sei, auf dem sich oft nur wenige Menschen aufhalten, gebiete zur Vorsicht. Man müsse aber aufpassen, dass die Gefahr nicht zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung werde, die sich mit jedem Medienbericht zu bestätigen scheine. «Würden wir mehr darüber hören, wie schön, sicher und erholsam es im Wald ist, hätten wir vermutlich ein anderes Bild von ihm.» Bei der Polizei misst man dem Wald als Ort des Verbrechens jedenfalls keine besondere Bedeutung bei. Klar, es gebe Gruppen, die Waldstücke als Drogenbunker benützten, räumt Daniel Schnyder, Mediensprecher der Kapo Zürich ein. «Aber diese Leute sind in der Regel für die Waldbenützer nicht gefährlich.» Weder die Abteilungen Sexualdelikte/ Kinderschutz noch Leib/Leben hätten sich in der Vergangenheit mit Delikten befassen müssen, die explizit im Wald begangen worden seien, so Schnyder. «Der Wald als Erholungsraum für Mensch und Tier gilt also als sicher.» Vivai 4/15

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DOSSIER WALD

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© Pablo Tyss, Getty Images

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DOSSIER WALD

MENSCHEN

Heger und Pfleger Diese Menschen kennen den Wald nicht nur als Jogger oder als Spaziergängerin. Wir wollten mehr wissen. Text: Petra Koci Fotos: Roland Tännler

Was gefällt Ihnen an der Jagd, Frau Muggli ? Mir gefällt, dass ich dank der Ausbildung zur Jägerin viel gelernt habe und heute ganz anders durch den Wald gehe. Ich betrachte die Natur aus einer anderen Perspektive. Die Jagd selbst, das Erlegen eines Wildes, ist nur ein kleiner Teil der Aufgaben eines Jägers. Unsere Jagdgesellschaft betreut verschiedene Projekte, etwa den Pflanzenparcours und die Renaturierung dreier Weiher. An der Jagd schätze ich das Beobachten der verschiedenen Wildtiere und die steigende Spannung, wenn die Möglichkeit zum Schuss besteht. Das ist ein ganz besonderes Gefühl. Karin Muggli ist Kauffrau in Luzern. Im Frühling hat sie ihre Jagdprüfung erfolgreich bestanden.

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Wie geht eine Waldbestattung, Herr Sauter ? Asche darf man in Schweizer Wäldern nicht ohne Weiteres vergraben.* Die Friedwälder sind im Grundbuch eingetragene Wälder. Wer sich «seinen» Baum aussucht, erwirbt ein Nutzungsrecht für bis zu 99 Jahre. Markiert ist der Baum mit zwei Buchstaben. Namensschilder, Kreuze, Blumen und Bilder sind nicht erlaubt oder erwünscht. Der Friedwald ist für alle frei zugänglich und bleibt somit als öffentlicher Wald bestehen. Die Grabpflege übernimmt die Natur. Ueli Sauter aus Mammern TG hat mit der Friedwald GmbH vor über zwanzig Jahren die Waldbestattungen initiiert.

Wie wird man Waldbesitzerin, Frau Markart ? Man kann einen Wald kaufen oder erben – ich habe den Eindruck, meist läuft dies über die Familie oder Bekannte. Ich habe meine Parzelle von meinem Vater gekauft. In Absprache mit dem Förster habe ich das Recht, Holz zu fällen oder Bäume zu pflanzen. Wichtig ist die Sicherheit. Umstürzende Bäume etwa muss ich gleich entfernen lassen. Theoretisch könnte ich meinen Wald verwildern lassen. Doch ich möchte meine Freude daran teilen und plane nun Themengebiete wie einen Lichtwald oder eine Altholzinsel. Ingrid Markart, Oberuzwil SG, hat das Stück Wald gekauft, in dem sie früher Zeit mit ihrem Grossvater verbracht hatte.

Herr Andermatt, was ist eine Waldkorporation ? Eine Organisation mit einem gewählten Rat und Korporationsbürgern. Bei uns besteht diese aus den Nachkommen von vierzehn Baarer Dorfgeschlechtern, alles alteingesessene Landbesitzer. Unser Ziel ist es, das Landgut aller vereint zu verwalten, nachhaltig zu bewirtschaften und als gemeinsames Gut zu erhalten. Unsere Forstbetriebsmitarbeiter bewirtschaften den Korporations-

wald, der Naherholungs-, aber auch Naturschutz- und Schutzwaldgebiete sowie Wirtschaftswald umfasst. Da wir wie ein kleines Unternehmen funktionieren, sind wir auf Einnahmen aus dem Verkauf von Nutzholz und Energieholz angewiesen. Weitere Leistungen erbringen wir mit dem Betrieb von drei eigenen Holzheizzentralen auch im Bereich Holzenergie und senken somit die CO2-Emissionen. Zudem fördern wir den Naturschutz und die Biodiversität und bekämpfen invasive Arten und gebietsfremde Pflanzen. Walter W. Andermatt aus Baar ZG ist Präsident der Korporation Baar-Dorf.

* Das Bestattungswesen ist kantonal geregelt. Für das Aschestreuen im Wald kann eine Erlaubnis nötig sein.


DOSSIER WALD

MENSCHEN

Herr Professor Krech, Zecken rauben uns die Lust am Wald. Zecken scheinen im Zuge der globalen Erwärmung tatsächlich auf dem Vormarsch und so auch die durch Zecken übertragenen Krankheiten Lyme-Borreliose und FrühsommerMeningoenzephalitis (FSME). Ich lege allen, die im FSME-Gefahrengebiet leben – also im gesamten Mittelland, im Rheintal von St. Margrethen bis Landquart, um den Vierwaldstädtersee sowie im Wallis – die bewährte FSME-Impfung ans Herz. Wichtig ist, den Körper nach Gängen in Laubwäldern und über Wiesen immer gut abzusuchen. Denn am häufigsten sind die millimeterkleinen Zecken im Larvenstadium, die wir mehr spüren als sehen. Auch injizieren Zecken ein Betäubungsmittel, viele Stiche merken wir also gar nicht. Zecken müssen sofort entfernt werden, denn nach zwei bis drei Tagen beginnt der Saugakt. Falls eine Hautrötung oder Fieber auftritt, sollte man sofort den Arzt aufsuchen. Prof. Dr. med. Thomas Krech ist Spezialist für medizinische Analytik FAMH und Spezialist für Infektionsdiagnostik beim Labor Medica in Zürich und bei Santémed, Kreuzlingen.

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Kann man im Wald überleben, Gion Saluz De Salugo ? Ja, sofern sich dort Wasser findet, also feuchter Boden oder ein Rinnsal. Um zu überleben, müssen wir Prioritäten setzen: Erstens benötigen wir Wärme, also Feuer, und müssen aus Ästen und Laub eine Schutzhütte bauen. Zweitens sind wir auf Wasser angewiesen. Als dritte Priorität kommt die Nahrung: essbare Wildpflanzen, Beeren und Nüsse, im Winter auch tierische Notnahrung. Fallen stellen ist in Notlagen zwar erlaubt, für Laien führt aber die Suche nach Käfern, Maden, Schnecken und Fröschen eher zum Erfolg. Gion Saluz De Salugo aus Stäfa ZH bietet Survival-Trainings im Wald und in der Wildnis an.


Mit Sonne Glace k端hlen? F端r uns kein Problem. In unserem Besucherzentrum zeigen wir Ihnen, wie. Besuchen Sie uns in einem unserer 7 Besucherzentren. Wir zeigen Ihnen, wie aus Sonne, Wind, Wasser und Atomen Strom wird. Weitere Informationen und Anmeldung auf www.bkw.ch/besucher


DOSSIER WALD

Respekt: Der Berliner Forst Grunewald umfasst 3000 Hektar.

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REISEN


Wer einen Wald erleben will, der nicht der Logik der Ökonomie, sondern den Regeln der Natur gehorcht, wird in Ostbayern fündig. Hier erstreckt sich auf 25 000 Hektar der Nationalpark Bayerischer Wald, eine der letzten grossen Wildnisse Mitteleuropas.

Reise ins Grüne Es ist klar, warum so viele Märchen der Gebrüder Grimm im Wald spielen. Deutschland ist das Land der Dichter und Bäume. Wir haben uns in die Tiefen von zwei verschiedenen Wäldern begeben. Text/Fotos: Harald Braun / Malte Jäger (Grunewald) und Lukas Hadorn (Bayerischer Wald) Illustrationen: Martin Burgdorff Vivai 4/15

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DOSSIER WALD

REISEN

Ein Wald in der Stadt oder eine Stadt im Wald? Fest steht: Die Aussicht ist grandios.

Ein Wald für Städter

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chon als ich auf dem Teufelsberg stehe und den fantastischen Blick über die Stadt geniesse, beschleicht mich leises Vergnügen. Klar, der Grunewald ist gross, dehnt sich weit aus, das kann man von hier oben gut erkennen. Das kann ein langer, mühsamer Weg werden. Aber genauso deutlich ist zu sehen, dass sich da unten offenbar eine 3000 Hektar grosse Grünfläche in eine weitgehend zerklüftete Stadtlandschaft geschmuggelt hat, die sich nur an einigen wenigen Stellen völlig aus der Natur zurückgezogen hat. Sogar eine Autobahn schlängelt sich durch das Grün! Das passt zu den Informationen, die ich 34

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vor meiner Tageswanderung durch den grössten Berliner Wald von einheimischen Freunden erhalten habe. Niemand wies mich auf verwunschene Stellen hin, wusste von tiefen Tälern und versteckten Gefahren. Stattdessen: «Zu welchem See willst du denn?», fragte der eine. «Unbedingt auf den Grunewaldturm klettern!», riet der andere. Und einer schwärmte: «Die Villen im Grunewald sind eine Augenweide!» Offenbar also besteht die Faszination des Grunewalds in seinen touristischen Attraktionen, die mit den Primärtugenden eines Waldes nur indirekt zu tun haben. Nach einem schnöden Baum- und Kleintier-

paradies hörte sich das jedenfalls nicht an. Eher nach einer überzeugenden Natursimulation für Leute wie mich, die alle fünfzehn Minuten nach neuen Reizen gieren. Vielleicht ist der latente Rummelcharakter des Grunewalds ja auch schon ein Erklärungsansatz für den Fakt, dass er gerade vom Bund Deutscher Forstleute zum Waldgebiet des Jahres 2015 gewählt worden ist. Ich starte meinen Marsch auf den Teufelsberg am frühen Morgen unterhalb des Drachenbergs, südlich der Heerstrasse, ohne Karten oder GPS – verloren gehen kann man im Grunewald vermutlich nicht. Schon nach dreissig Minuten auf einem kleinen Waldweg stehe ich vor einer futuristisch anmutenden, ziemlich heruntergekommenen, ehemaligen Abhörstation. Der Komplex sieht aus wie eine Mischung aus Brüsseler Atomium und Moschee, jedenfalls nach einer ziemlichen Attraktion, die unbedingt erkundet werden muss. Ein Verein hat das Gelände gepachtet und versucht, die Station vor dem totalen Verfall zu bewahren und sie zu einer modernen, überregionalen Austauschplattform und Denkfabrik für Kultur, Geschichte, Technik, Natur und neue Wirtschaftsmodelle zu entwickeln. Auf dem Gelände sind bereits erste Anzeichen solcher Aktivitäten zu erkennen; der Industriedesigner Sebastian Müllauer klettert gerade aus dem selbst errichteten «Pizzaofensaunabaumhaus», als ich vorbeikomme. Er erklärt, dass er zu What Everest gehört, einer Gruppe von Umweltaktivisten, die sich auf dem Gelände eine Werkstatt gesichert haben. Ich schaffe es bis hinauf in die zweite Kuppel der ehemaligen Abhörstation, der Blick über Berlin und den Grunewald ist von hier oben unvergleichlich. Auch nach dem kleinen Ausflug auf den Teufelsberg komme ich nur langsam voran, überall stosse ich auf Seen, Bootsverleihe, Kneipen und kleine urbane Inseln – Ablenkungen jedenfalls, die ich bereitwillig erkunde und die das Eintauchen in tiefere Wald-


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Bobby McFerrin | Rondò Veneziano | Barbara Wussow Peter Kraus mit Band | Orchestra Filarmonica Italiana Philharmonie Baden-Baden | Moskauer Kathedralchor Mozart Festival Orchestra London | Glenn Miller Orchestra Wiener Opernball Orchester | China Traditional Orchestra Württembergische Philharmonie | Zürcher Konzertchor Aurelius Sängerknaben | Luzerner Kantorei | Furbaz Blaskapelle Rigispatzen | Konzertchor Pro Arte | Lisa Stoll Christoph Walter Orchestra | Ensemble Cant' animato Zürich Chinese Drum Company | Jodlerchörli Lehn | Jasmine Choi Swiss Army Central Band | Maryland Jazz Band Of Cologne Die Egerländer Musikanten | The Sinatra Revival Orchestra Nicolas Senn | The Band Of The Royal Regiment Of Scotland The Royal Band Of The Belgian Navy | Classic Festival Chor Engadiner Ländlerfründa | The Pipes And Drums Of Basel David Juritz | Stichting Pasveerkorpsen Leeuwarden Orchester der Suworow Militärakademie Moskau Orchester Fink & Steinbach München | Boston Brass

Sollte die Broschüre mit vielfältigen Konzertangeboten fehlen, können Sie diese auf unserer Website im PDF-Format downloaden.

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DOSSIER WALD

REISEN

sphären zuverlässig verhindern. Die Verlockungen der Zivilisation lauern halt überall. Ich treffe Jean Schöneberger, einen Berliner Tour-Guide, und frage ihn, wo wohl der schönste Wanderweg im gesamten Forst zu finden sei. «Das könnte der Havelhöhenweg sein», vermutet der Mann und kratzt sich am Kinn. Rund zehn Kilometer sei der lang, und dass man am S-Bahnhof Pichelsberg anfangen und am Bahnhof Nikolassee dann wieder in die Bahn steigen könne. Und nein, Wildschweine seien auf dem Höhenweg nicht zu erwarten. Stattdessen aber sichtbare Zeichen eines Old-School-Glamours, den man in Berlin seit jeher mit dem Grunewald verbindet. «Die Villen an der Normannenstrasse oder der Gerkrathstrasse, die müssen Sie sich ansehen. Da steckt das alte Geld drin!» Überhaupt sei der Grunewald ein eher exklusives Vergnügen. Wörtlich sagt Jean Schöneberger: «Hier kommen meistens die edleren Leute hin.» Ich fahre mit der Bahn nach Nikolassee und trotte los, bewundere die erhabenen Villen und lande schon nach ein paar Minuten wieder mitten in der Zivilisation. Einige Kilometer weiter – umsäumt von kleinen Waldwegen – liegt südlich der schmucken Halbinsel Schwanenwerder mit dem Strandbad Wannsee, der «Badewanne der Berliner», die nächste Attraktion für ablenkungsbereite Wanderer wie mich parat. Nur mit Mühe kann ich ein paar Minuten später einen Fährmann abwimmeln, der mich mit dem Versprechen auf kulinarische Köstlichkeiten mit auf die Restaurantinsel Lindwerder mitnehmen möchte. Ich besichtige stattdessen den Grunewaldturm, diese Mischung aus Denkmal, Backsteinkamin und Ausflugsziel an der Havel. Ein ereignisreicher Tag, der sich ein wenig anders gestaltete als erwartet: Vielleicht ist der Grunewald ja die perfekte Lösung für Menschen, die eigentlich keine einsamen Wälder mögen. Ich komme wieder.

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Old-SchoolGlamour: typisch für den Grunewald.

Der Wannsee gilt als Badewanne der Berliner.

Der Grunewald Der rund 3000 Hektar grosse Forst Grunewald ist das grösste Waldgebiet in West-Berlin. Nach Westen hin wird er von der Havel begrenzt und von einer Kette kleinerer Seen durchzogen. Der Grunewald wird alljährlich von rund hundert Millionen Menschen besucht, seine Wahrzeichen sind der 1899 fertiggestellte Grunewaldturm sowie der mit 121 Meter zweithöchste Berg Berlins, der Teufelsberg. Zu den seltenen Pflanzen des Grunewalds gehören das Blaugrüne Schillergras und die Kleine Wiesenraute, zu den geschützten Tieren zählen diverse Fledermausarten, Marderhunde sowie der seltene Wespenbussard. Allgemeine Infos: www.berlin.de/ orte/sehenswuerdigkeiten/grunewald Auf der Seite des offiziellen Hauptstadtportals sind die grundlegenden Informationen über den Grunewald und seine Attraktionen stets aktuell abrufbar. Bei 3000 Hektar Grösse sollte man sich schon überlegen, welchen Teil des Grunewalds man erkunden möchte. Eine schöne Wanderung ist zum Beispiel die Strecke von Nikolassee bis zum Grunewaldturm. Dauer: 8 Kilometer, knapp 3 bis 4 Stunden (je nach Ablenkung und Marschtempo), Start am S-Bahnhof Nikolassee, Ziel am S-Bahnhof Wannsee.

ESSEN UND TRINKEN Küche der gehobenen Qualität

Reinhards Landhaus Koenigsallee 56 14193 Berlin-Wilmersdorf

Hausmannskost, gutbürgerlich

Scheune Eichkampstrasse 155 14055 Berlin

Restaurantinsel mit gutbürgerlicher Küche

Gaststätte Insel Lindwerder Havelchaussee 14193 Berlin-Wilmersdorf

Biergartenkost und mehr

Restaurant im Grunewaldturm Havelchaussee 61 14193 Berlin FÜHRUNGEN

Der Stadtnavigator Berlin bietet spezielle Stadtführungen an, gern auch nach individuellen Wünschen. Es gibt auch eine Führung mit dem Titel «Villenkolonie Grunewald». Info: http://goo.gl/pm1ZwA Weiterhin bietet auch der aktuelle Pächter des Geländes am Teufelsberg Führungen an, unterschieden werden «Stille Begehung» und «Historische Führung». Info: http://goo.gl/JbHWDC MIT DEM FAHRRAD

Der Grunewald ist ein guter Ort für Fahrradfahrer: Zahlreiche Velowege führen durch den Park, es gibt diverse ausgewiesene Touren. Die besten Infos sind bei «Route you» abrufbar, inklusive dazugehöriger Karten. Info: http://goo.gl/sALVpx


Diesen Wald kümmern weder Borkenkäfer noch Landesgrenzen.

Ein Wald mit Geduld

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elten habe ich mich einsamer gefühlt als auf dem 1373 Meter hohen Lusen. Ausser mir steht nur ein grosses Kruzifix auf dem Gipfel dieses bizarren Bergs, der eigentlich ein riesiger Haufen flechtenüberwachsener Granitblöcke ist, die der Teufel persönlich hier aufgetürmt haben soll, um die Schätze der Welt darunter zu verstecken. Kalter Nebel hängt in der Luft, vor mir liegt Tschechien, das unendliche Dickicht des Böhmerwalds. Irgendwo hier oben entspringt die Moldau. Zuvor war ich durch geräuschvolle, dampfende Bergmischwälder gewan-

dert, mutterseelenalleine, stundenlang. Je höher ich stieg, desto karger wurde die Landschaft. Die letzte halbe Stunde des schmalen, begehbaren Pfads auf den Lusen führt durch eine verwüstete Ebene. Tote Bäume, so weit das Auge reicht. Kahle, graue Stämme, umgekippte Wurzelstöcke, dazwischen Moos und Morast. Einst stand hier ein lichter Bergfichtenwald, bevor in den Neunzigern zuerst Stürme und dann der Borkenkäfer darüber hinwegfegten. Aber so ist das halt, hier im Nationalpark Bayerischer Wald, dem ersten und ältesten Nationalpark Deutschlands,

dessen Motto lautet: Natur Natur sein lassen. Rund zwei Drittel der riesigen Anlage im Südosten des Landes sind sich selbst überlassen. Es ist einer der letzten Rückzugsorte in Mitteleuropa für Tiere und Pflanzen, die nur abseits der Zivilisation überleben können. Auerhühner wackeln hier durchs Unterholz, Luchse durchqueren die Bergflanken und an lichten Stellen blühen Siebenstern und Gemswurz. Nicht überall ist die Schönheit des Waldes auf den ersten Blick ersichtlich. Oft erschliesst sie sich erst nach einer Weile, wie in den vom Borkenkäfer Vivai 4/15

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DOSSIER WALD

REISEN

Haus zur Wildnis im Nationalparkzentrum Falkenstein.

Um einen ersten Eindruck vom Nationalpark zu erhalten, bieten sich die zwei Besucherzentren an. An beiden Orten gibt es moderne Museen und Ausstellungen, ausserdem finden ganzjährig tägliche Führungen statt. Ein absolutes Muss ist der Baumwipfelpfad beim Nationalparkzentrum Lusen.

Auf dem Baumwipfelpfad lässt sich der Wald aus einer neuen Perspektive erleben.

Der Bayerische Wald Die Region Bayerischer Wald liegt in Ostbayern, an der Grenze zu Tschechien und Österreich, südlich begrenzt von der Donau. Grösste Städte der Region sind Straubing, Deggendorf und Passau. Das ganze Gebiet ist ca. 6000 Quadratkilometer gross, rund 250 Quadratkilometer entfallen auf den Nationalpark. Dieser beheimatet fast einen Viertel aller in Deutschland bekannten Arten und wird jährlich von rund 1,3 Millionen Menschen besucht. www.ostbayern-tourismus.de www.bayerischer-wald.de www.nationalpark-bayerischer-wald.de Die Anreise in die Region empfiehlt sich entweder mit dem Auto via München und Deggendorf oder mit dem Zug via Passau oder Regensburg und von dort aus weiter mit der Waldoder Ilztalbahn. Zusätzlich erschliesst der Igelbus die Region und bringt die Besucher zu den Hauptwanderzielen und Besuchereinrichtungen im Nationalpark. www.bayerwald-ticket.com 38

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Viele weitere Tipps und Infos gibt die App «Nationalpark Bayerischer Wald» (iPhone/Android, gratis). Rund 10 000 Kilometer Rad- und Wanderwege durchziehen die Region Bayerischer Wald, darunter der 660 Kilometer lange Qualitätswanderweg Goldsteig. Im Winter locken Langlaufloipen und Schneeschuhwanderwege aktive Besucher in den Wald. HOTELLERIE UND GASTRONOMIE

Das Biohotel Pausnhof in St. Oswald besticht als erstes zertifiziertes Biohotel Deutschlands nicht nur mit edlem, schlichtem Design, sondern mit einem nachhaltigen, ökologischen Konzept, das sowohl Speisekammer und Hotelküche als auch die Einrichtung und die Energieversorgung des Hauses umfasst. Das Waldgeschichtliche Museum ist nur wenige Gehminuten entfernt. www.pausnhof.de Ebenfalls empfehlenswert ist das sympathische Landhotel Koller in Ringelai, von wo aus die Schlucht Buchberger Leite erkundet werden kann. Das Dorf wird aufgrund des angenehmen Klimas auch als Meran des Bayerischen Waldes bezeichnet. www.landhotel-koller.de Wildbret von der Perlesreuter Jägerschaft und frisches Brot aus der benachbarten Kumpfmühle: Im Wirtshaus Hafner in Perlesreut werden Regionalität und Saisonalität gross geschrieben. www.hafner-perlesreut.de

hinweggerafften Lusenwäldern. Plötzlich bemerkt man das neue Leben, das unter dem Totholz erwacht. Und versteht, dass nicht der Wald stirbt, sondern nur seine Individuen. «Der Borkenkäfer ist kein Zerstörer, sondern ein Erneuerer», sagt denn auch Siegfried Schreib, der als Nationalpark-Ranger über die urtümliche Natur und deren Besucher wacht. Man merkt, dass er diese Diskussion schon unzählige Male geführt hat. Mit Wanderern und Aktivisten, die im Waldsterben eine Umweltkatastrophe sehen, keinen natürlichen Prozess des Werdens und Vergehens. Schreib hatte mich zuvor im Besucherzentrum am Eingang zum Nationalpark empfangen. Hier zeigt sich der Bayerische Wald von seiner imposanten Seite. Auf dem Baumwipfelpfad, einem 1300 Meter langen Holzsteg in den Baumkronen, erlebt man den Wald aus einer anderen Perspektive. Am höchsten Punkt, 44 Meter über dem Boden, schweift der Blick über ein endloses Meer aus Fichten, Rotbuchen, Weisstannen, Bergahornen. Gemeinsam bilden der Bayerische Wald und der auf der tschechischen Seite liegende Nationalpark Šumava die grösste zusammenhängende Waldwildnis Europas. Im Mittelalter, als Schmuggelpfade und Säumerwege das Gebiet zwischen dem Herzogtum Bayern und dem Königreich Böhmen durchzogen, hiess das ganze Gebiet Böhmerwald. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts spricht man auf deutscher Seite vom Bayerischen Wald. Wer es genau wissen will, besucht das Waldgeschichtliche Museum von Wolfgang Bäuml in St. Oswald. Bäuml, eine Eiche von einem Mann, spricht ohne Punkt und Komma, dafür mit Schalk in den Äuglein. Nur einmal unterbrechen ihn zwei einheimische Spaziergänger, die von einem auffälligen «Schwammerl» berichten wollen, das sie an einer Lichtung entdeckt hatten und das in kein Bestimmungsbuch passen will. Bäuml verspricht, es sich nach Dienstschluss anzusehen. Man


Ranger Siegfried Schreib (links) und Forstwart Erwin Pauli (rechts).

ahnt, dass er es benennen wird, ohne ein Buch mitzunehmen. Am nächsten Tag fahre ich ins Landesinnere, weg von der Grenze. Die Region Bayerischer Wald umfasst in der Oberpfalz und Niederbayern insgesamt sechs Landkreise. Nach Westen hin wird die Landschaft offener. Ich fahre durch kleine Orte mit lustigen Namen, in denen Kirche und Maibaum noch im Dorf stehen. Hier grüsst der Wurzelsepp, da gibt es Riesenwindbeutel, dort einen Biergarten. Grüss Gott! Pfiat di!

Die «Waidla», wie sich die Einheimischen nennen, sind unaufgeregte, nette und direkte Menschen. Wie die Kollers, die mich in ihrem Landhotel in Ringelai in Empfang nehmen. Bevor ich mich auf den nächsten Waldspaziergang in die Buchberger Leite begebe, schmiert mir Frau Koller noch schnell zwei Semmeln mit Leberkäs. Auf den ersten Kilometern begleitet mich Forstwart Erwin Pauli, ein sympathischer Mann, welcher viel über Flora und Fauna, aber auch über die Geschichte des Dorfes weiss. Er erzählt von den Kelten, die sich einst hier niederliessen, und von der lebensgefährlichen Trift, bei der die wilden Waldbäche geflutet wurden, um Baumstämme in Richtung Donau zu transportieren. Ich durchsteige die Schlucht in Richtung

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der Ortschaft Freyung, während ein Gewitter losbricht. Es rauscht und kracht, der Wald dampft und atmet, und einmal mehr bin ich ganz allein unterwegs, auf moosbedeckten Steinen, glänzenden Wurzeln und feuchtem Laub. Nach drei Tagen im Bayerischen Wald bin ich angenehm entspannt. Das Gefühl, in einer Gegend unterwegs zu sein, die sich weder von Blitzschlag noch vom Borkenkäfer aus der Ruhe bringen lässt, geschweige denn von der Frage, ob sie zu Bayern oder Böhmen gehört, überträgt sich auf Geist und Glieder und lässt den Alltag augenblicklich verschwinden. Der Bayerische Wald besitzt, was uns heutzutage fehlt: Zeit. Und davon so viel, dass sich irgendwann auch am Lusen wieder die Fichten im Wind wiegen werden. l


MIGROSKIND

Hier sind alle so freundlich Auch im benachbarten Ausland gibt es Migroskinder. Etwa die angehende Lehrerin Patricia Schmidt aus Lauchringen bei Waldshut (D). Für eine Packung Blévita hüpft die 21-Jährige schon mal über die Grenze. Text: Lukas Hadorn Foto: Christian Schnur (Montage: Vivai)

Seit wann sind Sie ein Migroskind, Frau Schmidt?

Ich kann mich nicht an den genauen Zeitpunkt erinnern. Aber schon von Kindsbeinen an. Immer samstags fuhren Oma und Mama nach Zurzach, um in der Migros einzukaufen. Und meine Schwester und ich durften sie begleiten. Durften? Seit wann begleiten Kinder ihre Eltern gern zum Einkaufen?

Das hat wohl damit zu tun, dass wir immer mit einem Croissant und einem Schoggistengeli belohnt wurden. Das gehörte fest zum Ritual dazu. Diesen pädagogischen Winkelzug kennen wir auch in der Schweiz. Wobei zum Branchli eigentlich ein Weggli gehört, kein Gipfeli.

Das sind diese Milchbrötchen? Die mag ich auch sehr. Etwas Vergleichbares gibt es bei uns nicht. Nein, bei uns gabs ein Croissant dazu. Kann ich nur empfehlen. Warum fuhren sie überhaupt zum Einkaufen in die Schweiz? Was gibt es in der Migros in Zurzach, was es bei Edeka in Lauchringen nicht gibt?

Soweit ich mich erinnern kann, fuhren wir nicht zur Migros, um da den grossen Wocheneinkauf zu tätigen. Meist ging es um spezifische Dinge, die in der Schweiz besser oder anders schmecken. Schokolade zum Beispiel oder Teigwaren. An die

Schokolade erinnere ich mich besonders gern. Ich konnte mich kaum sattsehen, alle diese verschiedenen Sorten, fein säuberlich aufgereiht im Regal. Ihre Lieblingssorte?

Die Milchschokolade von Chocolat Frey. Die mit der Milchkanne drauf. Von der kauften wir immer ein paar Tafeln.

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”

den Proben

Als Saxofonistin ist Migroskind

Patricia Schmidt gleich in zwei

Orchestern vertreten. Wenn es zwischen den Proben nicht für eine Mahlzeit reicht, muss eben eine Packung Blévita herhalten.

Jetzt schmeissen Sie den Haushalt als Studentin selber – kaufen Sie immer noch in der Migros ein?

Inzwischen wohne ich in Freiburg, das ist etwas weiter für einen Ausflug über die Grenze. Aber wenn ich übers Wochenende bei meinen Eltern bin, schnappe ich mir regelmässig das Auto und fahre rüber. Was steht auf dem Einkaufszettel?

Ganz oben: Blévita. Die habe ich mir als Snack für Zwischendurch angewöhnt, da muss ich stets eine ganze Ladung mitnehmen. Ich mag die klassischen, gelben Blévitas, aber auch die in der dunkelblauen Verpackung mit Meersalz und Thymian. Und Schoggistängeli.

(Lacht.) Natürlich, die dürfen noch heute nicht fehlen. Wobei ich sagen muss, dass ich nicht nur der Produkte wegen hinfahre. Ich kaufe einfach gern in der Schweiz ein, weil die Menschen da so freundlich sind. An der Kasse find ichs immer besonders nett. l

Sind auch Sie ein Migroskind? Melden Sie sich! vivai@migrosmedien.ch

40

”Zwischen

Facts

& Figures

Ein echter Achtundsechziger: Pünktlich zur ersten Diätwelle in den späten Sechzigern entwickelte die zur M-Industrie gehörende Midor in Meilen den Blévita-Keks. Ohne Zucker, dafür mit vielen Vitaminen und sättigenden Ballaststoffen – das Konzept schlug ein. Und funktioniert heute besser denn je.


Beeren enthalten bioaktive Substanzen, welche die Zellen schützen.

Roggenbrot ist reicher an Ballaststoffen als Brot aus Weizen und macht länger satt.

«Gute» Fettsäuren und viel Eiweiss machen den Konsum von Fisch zu einer Alternative zu Fleisch. 42

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NORDISCHE KÜCHE

ERNÄHREN

Ein Hoch aus dem Norden Die Küche Skandinaviens ist gut, gesund und erfolgreich. Die Rückbesinnung auf die regionalen Wurzeln zahlt sich aus. Text: Marianne Botta Diener Fotos: Claudia Linsi Styling: Monika Hansen

Essen wie die Wikinger So geht die neue nordische Küche Essen Sie häufig: Früchte, Beeren, Gemüse (Wurzel-

gemüse, Kohlsorten), Salat, Pilze, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Vollkornbrot und -gerichte (Roggen, Hafer), Nüsse, Samen, Fisch und Meeresfrüchte, fettarme Milchprodukte, Kräuter, Gewürze, Rapsöl. Essen Sie mässig: Rentier und Wild, tiergerecht gehaltenes Geflügel und Schwein, Freilandeier, Käse und Joghurt. Essen Sie selten: anderes rotes Fleisch wie Rind und tierische Fette. Verzichten Sie auf: gesüsste Getränke, Zucker, Fertiggerichte, Zusatzstoffe, Fast Food. A propos Roggenbrot

Es liefert im Gegensatz zu Weissbrot aus hochgezüchteten Industrieweizen wesentlich mehr Ballast- und Mineralstoffe sowie sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Ist daher sehr sättigend. Verzögert den Anstieg des Blutzuckerspiegels. Enthält probiotische Milchsäurebakterien. A propos Wild

Fleisch von frei lebenden Wildtieren ist bezüglich aller Inhaltsstoffe wertvoller als das domestizierte Pendant. Wild enthält weniger Fett, weniger gesättigte Fettsäuren, dafür mehr (mehrfach) ungesättigte Fettsäuren, mehr Eiweiss mit besserer Zusammensetzung und mehr Mikronährstoffe (Eisen, Zink, Vitamine etc.). A propos Beeren

Sie sind reich an zellschützenden bioaktiven Substanzen und erhöhen den Blutzuckerspiegel im Gegensatz zu anderen Obstsorten nur schwach. Haben sich als wirksam in der Vorbeugung von Krebs erwiesen.

s

chon seit geraumer Zeit wird von der neuen nordischen Küche geschwärmt, die weltweit zu einer der besten und gesündesten gehören soll. Das war nicht immer so. Es bedurfte der Initiative skandinavischer Spitzenköche, die vor zehn Jahren das «Manifest der neuen nordischen Küche» definierten. Gemeinsam beschlossen sie, eine eigenständige, auf die einheimische Natur zugeschnittene Kochkultur zu etablieren. Der nordische Ministerrat integrierte das Manifest in ein politisches Programm, das seither länderübergreifend nordische Kulinarikprojekte fördert. Die neue nordische Küche ist fast schon radikal regional und soll gemäss Manifest den Wechsel der Jahreszeiten in den Gerichten sichtbar machen. Gegessen werden Fisch, Wild wie Elche, Wildschweine oder Rentiere, aber auch in der freien Natur gesammelte Beeren, Moos, Heu, Tannenspitzen, Farntriebe, Knospen, wild wachsende Kräuter oder Algen aus dem Meer. Im hohen Norden gilt das Recht für jeden, die Natur und ihre Früchte zu geniessen, ganz egal, wem der Grund und Boden gehört. Deshalb ist das Sammeln von Pilzen, Kräutern und Beeren eine beliebte Freizeitbeschäftigung. «Bei uns wachsen und reifen die Pflanzen und ihre Früchte ganz gemächlich vor Vivai 4/15

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NORDISCHE KÜCHE

sich hin, manche nehmen sich sogar Zeit bis Anfang Herbst. So entsteht ein ausserordentlich intensiver Geschmack», sagt die Schwedin Margareta Schildt-Landgren, Autorin des neu erschienenen Buchs «Die neue nordische Küche». Das freut auch den Körper: «Diese pflanzlichen Geschmacksstoffe gehören zu den bioaktiven Substanzen, die meistens zellschützend wirken», weiss die diplomierte Ernährungsberaterin HF, Dominique Rémy. Schildt-Landgren betont, dass auch traditionelle Zubereitungsarten eine wichtige Rolle spielen. Etwa einmachen, entsaften, trocknen, räuchern über Heu, milchsauer vergären oder schmoren bei niedrigen Temperaturen. Mittlerweile gilt die New Nordic Diet als klar definierte Ernährungsweise (siehe Infobox). Sie liefert – verglichen mit einer normalen westlichen Ernährung – weniger Zucker und Fett, dafür doppelt so viel Fisch und Meeresfrüchte und doppelt so viele Nahrungsfasern. Viele anerkannte Studien haben gezeigt, dass sie das Abnehmen unterstützt und das Risiko für Krebs- und Herz-KreislaufErkrankungen senkt. In einer Studie mit rund 57 000 normalgewichtigen Dänen zeigte sich, dass jene Teilnehmer, die sich auf die traditionelle Küche mit Beeren, Kernobst, Kohl- und Wurzelgemüse, Hafer und Roggen sowie Fisch und Rapsöl besannen und dabei den Konsum von

ERNÄHREN

Roggenbrot, Gemüse, Meeresfrüchte: Die neue nordische Küche schmeckt — und sieht gut aus! Butter, fettigen Milchprodukten und Zucker einschränkten, deutlich gesünder waren und länger lebten als jene, die der modernen westlichen Küche frönten. Ein Zaubermittel gegen alles und jedes ist auch die neue nordische Ernährungsweise nicht. «Sie funktioniert, weil Fertiggerichte durch vollwertige, frische und naturbelassene Lebensmittel ersetzt werden», so Rémy. In letzter Zeit werde vielerorts eine Rückbesinnung auf die eigene, regionale Küche eingeläutet. Zurück zu den Wurzeln mit möglichst nach-

haltig erzeugten Lebensmitteln aus der Region, mit an der Pflanze ausgereiften Früchten und Gemüse, mit Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren. Wir können das auch hierzulande: weniger Zucker, weniger Fertigprodukte, weniger Wurstwaren. Und wir können die nordische Küche ein wenig einschweizern: mit Hirsch und Reh etwa statt Rentier und Elch, mit Forellen statt Makrelen, Erdbeeren und Himbeeren statt Moltobeeren, Joghurt statt Schwedenmilch, Walliser Roggenstatt Knäckebrot. l

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Sonniges Burgenland – in Vielfalt vereint Aktiv erholen und mit allen Sinnen geniessen: So erlebt man das Burgenland, den sonnigsten Winkel Österreichs. Sind wir hier wirklich in Österreich? Die Frage drängt sich auf, wenn man zum ersten Mal das Burgenland besucht, Österreichs jüngstes und östlichstes Bundesland. Nicht Almwiesen und Skipisten prägen dieses Gebiet, sondern weite Horizonte, hügelige Wälder und ein mildes Klima. Rund 300 Sonnentage verbucht das Burgenland jährlich für sich, womit es sich stolz als Sonnenstube Österreichs bezeichnen darf. Entsprechend einzigartig und unvergleichlich ist die Landschaft. Der grösste Steppensee Mitteleuropas ist hier zu bewundern, in dessen Schilfgürtel rund 340 Vogelarten ihren Lebensraum finden. Gemeinsam mit den angrenzenden Ortschaften und Kulturgütern zählt die Region um den Neusiedler See seit der Jahrtausendwende zum Unesco-Weltkulturerbe. Einst durchzogen die Handelswege der mystischen Bernsteinstrasse dieses wunderschöne Gebiet, weshalb die Gegend schon früh besiedelt war und bis heute mit malerischen Städtchen, prunkvollen Bürgerhäusern und prächtigen Schlössern gesprenkelt ist.

Die pannonische Tiefebene, benannt nach den Römern, die sich vor 2000 Jahren hier niederliessen, bietet viele Vorteile. Die flache Topografie macht das Burgenland zum Paradies für Radfahrer. 2500 Radkilometer führen durch die Region, vorbei an stillen Gewässern und idyllischen Wiesen, an schmucken Orten und durch die Wälder auf den sanften Hügeln im Süden. Die Infrastruktur ist topmodern, was etwa auf dem kürzlich eröffneten Festivalradweg unter Beweis gestellt wird. Die Strecke verbindet einige der schönsten Fest-


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Es gibt kaum einen Flecken im Burgenland, auf dem der erstklassige Rebensaft nicht gedeiht. Nicht weniger vielseitig und wohlschmeckend ist das kulinarische Angebot. Die pannonischen Schmankerlwirte überzeugen mit exzellenter, bodenständiger Küche und verkörpern die Authentizität und Naturverbundenheit, die das Burgenland ausmacht. Regionale Zutaten, nachhaltiger Anbau und ein hohes Mass an Qualität und Kreativität sind für die Gastronomen des Burgenlands selbstverständlich. Wer je einen saftigen Braten vom Zickentaler Moorochsen probiert, in einen sonnengereiften «Paradeiser» gebissen oder einen südburgenländischen Kräutergarten besucht hat, wird sich für immer daran erinnern. Dieses Wechselspiel aus aktiver Erholung und genussvoller Entspannung macht das Burgenland zu einer einzigartigen Destination für bewegungsfreudige und naturverbundene Feriengäste. Unser Geheimtipp: Der goldene Herbst mit seinen leuchtenden Farben und dem tiefblauen Himmel ist hier besonders schön.

© Burgenland Tourismus / Peter Burgstaller, Getty Images, Corbis/Dukas, TVB-Purbach

Auch das ist Österreich. spielstätten und Orte des Landes. Denn nicht nur die beeindruckende Naturlandschaft, auch die Kulturhighlights und das grossartige kulinarische Angebot des Bundeslands lassen sich mit dem Velo auf ganz besondere Weise «erfahren». Alleine der Wein ist einen Besuch wert. Quer durchs Land laden Weinkeller, Vinotheken und Schenken (sogenannte «Heurige») zum Verweilen und Degustieren ein. Die lokalen Spezialitäten sind vielseitig, vom Eiswein über die Trockenbeerenauslese bis zum legendären «Uhudler».

Das Burgenland ist täglich mehrmals mit dem Flugzeug von Zürich, Basel und Bern nach Wien oder auch direkt von Zürich nach Graz erreichbar. Von da an geht es weiter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Mietauto. Wer mit dem Auto anreist, hat die Möglichkeit, den Autoreisezug ab Feldkirch zu benutzen. Alle Informationen rund ums Burgenland gibt es im Internet unter www.burgenland.info.


WER KAUFT HIER EIN ?

DER PSYCHOLOGE RÄTSELT . . .

Eingekauft wurde in der Migros des Shopping-Centers Schönbühl in Luzern.

Würzig und ausgewogen Neun verschiedene Gewürze? Für unseren Einkaufspsychologen ein Hinweis auf einen wenig eingespielten Haushalt. Auch sonst fehlen die eindeutigen Indizien. Einzig die Haarfarbe der Frau des Hauses steht fest. Oder? Fotos: Nik Hunger

d

a mir der Einstieg meist schwerfällt, zeige ich das Laufbandfoto unserem Sohn Dominik. Er antwortet mir prompt, ohne zu zögern: «Papa, bist du blind? Hier wurde für eine junge Familie mit einem Baby eingekauft. Schoppen, Nuggi und Nivea Baby zeigen das doch eindeutig.» Mehr will er mir nicht verraten, weil gerade ein spannendes Fussballspiel läuft. Den Steilpass unseres Jüngsten nehme ich gern auf. 48

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Zweifellos lebt ein Säugling im Haushalt. Doch gibt es heutzutage unterschiedliche Familienformen und Lebenssituationen, in denen ein Kleinkind aufwächst. Deshalb vertiefe ich mich – trotz spannenden Fussballspiels – in die genauere Analyse der erkennbaren Ernährungsmuster. Interessant sind zunächst mal die vielen Gewürze und Gewürzmischungen. Weshalb wurden gleich neun Gewürze gekauft? In einem eingespielten Haushalt

wäre zu erwarten, dass höchstens zwei bis drei Gewürze aufs Mal gekauft werden. Beim Kauf eines zu ersetzenden Gewürzes kommt vielleicht spontan das eine oder andere dazu, aber kaum ein halbes Dutzend. Ich deute darum die Vielfalt der Gewürze als Indiz, dass der Haushalt entweder noch jung ist oder kürzlich eine Person eingezogen ist, welche regelmässig kocht und das Gewürzrepertoire erweitern wollte. Sie weiss, wo Kardamom


und Gewürznelken eingesetzt werden, und vermutlich versteht sie es auch, Bulgur oder grüne und rote Linsen richtig abzuschmecken. Der ausgewogene Einkauf erfüllt die Anforderungen der Ernährungspyramide ziemlich genau. Auffallend ist jedoch, dass die Etage der Genussmittel leer ist. Weshalb das so ist, bleibt Spekulation. Vielleicht werden sie bewusst gemieden. Es könnte aber auch sein, dass noch genügend Genussmittel vorrätig sind oder diese woanders eingekauft werden. Insgesamt stelle ich eine interessante Kombination unterschiedlicher Ernährungsstile und Geschmackspräferenzen fest. Jemand im Haushalt bevorzugt rezente und schärfere Speisen, benutzt Tabasco und mag gefüllte scharfe Paprika und Greyerzer Käse. Jemand anderes trinkt gern Brombeer-Sanddorn-Tee und liebt Erdbeeren und frisches Gemüse.

„Hier wurde

sehr ausgewogen eingekauft. Aber wo bleiben die Genussmittel?

„

Der Ernährungspsychologe Dr. Robert Sempach ist Projektleiter Gesundheit beim Migros-Kulturprozent. Sein aktuelles Projekt: «Tavolata» – Tischrunden für ältere Menschen. Infos: www.tavolata.net

Vermutlich fallen die Mahlzeiten unterschiedlich aus, je nachdem, wer kocht und wie viel Zeit verfügbar ist. Muss es schnell gehen, werden die fixfertigen Käseplätzli oder die marinierten Grill-Pouletschenkel in den Backofen geschoben. Ist hingegen genügend Zeit vorhanden, werden aufwendigere Gerichte mit frischem Gemüse und Vollkornprodukten zubereitet. Wenn ich alle Fakten einbeziehe, ernährt dieser abwechslungsreiche Einkauf am ehesten ein berufstätiges Paar Mitte dreissig, welches samt Kleinkind seit Kurzem in eine neue Wohnung eingezogen ist. Das Schätzen des Alters ist wie jedes Mal äusserst delikat. Dafür kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Haarfarbe der Mutter braun ist. Das hängt nicht mit ihren Ernährungsgewohnheiten zusammen, sondern dafür gibt es ein anderes eindeutiges Indiz. Wer wars? Zur Auflösung umblättern. Vivai 4/15

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WER KAUFT HIER EIN ?

d

Die Auflösung Eingekauft hat Mignote Haile (29). Die Pflegerin mit äthiopischen Wurzeln lebt mit ihrem Mann, Restaurationsfachmann Wondante (33), und dem gemeinsamen Sohn Amron (4 Monate) in Luzern.

ie Gewürze haben Dr. Sempach auf eine falsche Fährte gelockt. Unser Haushalt ist nicht neu, wir wohnen schon seit sechs Jahren in dieser Wohnung und seit fünfzehn Jahren in der Schweiz. Wir brauchen die Gewürze für die vielen Tassen Tee, die wir täglich trinken. Nach dem Einkauf mische ich Zimt, Thymian, Kardamom und Gewürznelken. Davon gebe ich jeweils einen Kaffeelöffel ins kalte Wasser, koche es auf und übergiesse damit den Schwarzteebeutel. Unter der Woche essen wir meist europäisch, aber ich bin auf die äthiopische Küche spezialisiert. Linsen und Pelati benötige ich für Meser Wet, einen scharfen Eintopf mit Rindsgeschnetzeltem. Bulgur ist unser Sonntagsbrunch. Wir achten auf eine gesunde Ernährung. Süssigkeiten kaufen wir keine, ich würde sie alle auf einmal essen. Haben wir dennoch einmal Süssigkeiten zu Hause, versteckt sie zum Glück der grosse Wondante vor der kleinen Mignote auf dem hohen Schrank. Den Punkt mit der Haarfarbe hätten wir Dr. Sempach gern gegeben. Doch meine Haarfarbe ist schwarz. Mit der braunen Farbe wird der Kontrast zu meinem grauen Haaransatz nicht zu stark. l Aufgezeichnet von Ueli Bischof.

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Dass wir jemanden «riechen können» – oder eben nicht –, kommt nicht von ungefähr. Der Geruch eines Menschen ist mit entscheidend, ob wir sie oder ihn sympathisch finden und in unserer Nähe haben möchten. Mit 400 Riechrezeptoren ist die Nase eines der wichtigsten Sinnesorgane unseres Körpers. Wissenschaftler glauben, dass sie rund 10 000 verschiedene Gerüche wahrnehmen kann.

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Nun sind bekanntlich nicht alle Düfte, die der menschliche Körper ausströmt, gleich angenehm. Wer scharfe oder stark gewürzte Nahrungsmittel zu sich nimmt, Alkohol oder Tabak konsumiert, trägt diesen Geruch auch über die Poren der Haut an die Öffentlichkeit. Das kann in Momenten trauter Zweisamkeit, aber auch im sozialen oder beruflichen Umfeld als störend empfunden werden und sich nachteilig auf die Ausstrahlung einer Person auswirken. In diesen Situationen helfen die 1001 Blattgrün ® Tabletten und Dragées. Sie enthalten Chlorophyllin, einen Wirkstoff, der aus dem grünen Farbstoff der Pflanzen gewonnen wird.

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BEWEGUNG

SCHWIMMSPORT

Vom Widerstand geformt Schwimmen gilt als die technisch anspruchsvollste Ausdauersportart. Dank der minimalen Belastung ist sie auch eine der gesündesten. Text: Petra Koci

b

ald geht die Badisaison zu Ende. Wer sich der Vorteile des Schwimmsports besinnt, wird seine Aktivität im Wasser aber nur zu gern ins Hallenbad verlegen. Schwimmen ist ein gelenkschonender Ausdauersport. «Im Wasser wiegen wir nur etwa ein Zehntel unseres Gewichts, der Auftrieb sorgt für Leichtigkeit. Wir haben – im Gegensatz zum Laufen etwa – fast keine Belastungen», sagt Turn- und Sportlehrerin Sabine Schnurrenberger, die an der Universität Basel doziert. Auch werden Muskelgruppen im ganzen Körper beansprucht. Mit den Armen ziehen wir uns im Wasser nach vorne, während die Beine den Körper stabilisieren. «Schwimmen ist ein relativ ganzheitliches Training, das auch sanft Kraft aufbaut, wenn man die Bewegungen richtig ausführt.» Dabei erzeugt die Dichte des Wassers Widerstand. Unsere Bewegungen sind langsamer, aber kraftvoller als im Trockenen. Gestärkt werden in erster Linie Rücken, Schultern und Arme. Bei den Schwimmprofis ist oft die typisch 52

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v-förmige Figur mit ausgeprägtem Latissimus- und Trapezmuskel, welche den oberen Rücken formen, erkennbar. «Temperatur und Wasserdruck beeinflussen die Aktivität des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung. So ist etwa die Herzfrequenz im Wasser bei einer vergleichbaren Belastung tiefer als an Land. Auch muss die Atemmuskulatur wegen des Drucks stärker arbeiten», erklärt Fabio Capraro, Dozent für Schwimmen an der Uni Basel. Er rät vor einem Sprung ins kühle Nass ab. «Abruptes Eintauchen in kaltes Wasser führt zu einem kurzfristigen Blutdruckanstieg», so der Experte. Der Körper sollte sich langsam angewöhnen. Auch der Ausstieg sollte nicht zu hastig erfolgen, damit der Kreislauf nicht kollabiert, wenn sich die Gefässe wieder erweitern. Gespür für Wasser entwickeln

Bei längeren Einheiten empfinden wir eine Wassertemperatur von 24 bis 26 Grad als angenehm. Bei 26 Grad liegt der Wärmeaustausch von Körper und Wasser

im Gleichgewicht. Ist das Wasser kälter oder wärmer, muss der Körper zusätzliche Energie mobilisieren, um die Temperatur des Körpers zu regulieren. Er verbraucht Kalorien und zapft dabei auch Fettdepots an. «Der Kalorienverbrauch beim Schwimmen liegt theoretisch in etwa zwischen Laufen und Radfahren», so Fabio Capraro: «Ob wir mehr oder weniger Kalorien verbrauchen, hängt nicht so sehr von den verschiedenen Schwimmstilen ab, sondern in erster Linie von der Qualität der Technik und der Intensität der Bewegung.» Schwimmen gilt als die technisch anspruchsvollste Ausdauersportart. Wer es als figurformendes Training einsetzen und eine Art meditative Entspannung erleben möchte, muss sich mit der Technik vertraut machen. «Dazu sollte man ein Gefühl für das Wasser entwickeln», ergänzt Sportlehrerin Sabine Schnurrenberger: «Es gilt, den Widerstand wahrzunehmen und zu lernen, sich an ihm vorwärtszuziehen. – Wir müssen mit dem Wasser zusammenarbeiten, es ist unser Trainingspartner.» l


Schwimmstile: Darauf kommt es an

© Getty Images, iStockphoto

Brustschwimmen

Richtig ist es, das Gesicht in der Gleitphase ins Wasser zu senken und dabei auszuatmen, statt den Kopf über Wasser zu halten und dabei den Nacken nach hinten zu überstrecken. Brustschwimmen ist koordinativ anspruchsvoll, denn die Armzüge und Beinschläge laufen leicht versetzt. Die korrekte symmetrische Beinbewegung ist technisch eines der schwierigsten Schwimmelemente überhaupt.

Kraul

Anspruchsvoll beim Kraul ist die Koordination der Armzüge mit der Atmung: Es wird wechselseitig bei jedem zweiten oder dritten Armzug zur Seite ein- und ins Wasser ausgeatmet. Dazu koordiniert man den Armzug, sodass er den Wasserwiderstand optimal für den Vortrieb nutzt. Die Beinschläge sorgen für Antrieb und stabilisieren die Wasserlage, damit die Hüfte nicht zu stark seitlich hin- und herkippt.

Rückenkraul

Der Vorteil ist, dass Mund und Nase permanent über Wasser bleiben. Diese Technik stärkt besonders die obere Rückenmuskulatur, denn hier zieht man mehr über die Körperrückseite. Der Beinschlag stabilisiert und gibt Antrieb. Manchen Schwimmern fällt es schwer, Kontrolle abzugeben, weil sie nicht sehen, wohin sie schwimmen.

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PFLEGEN

HAUTREINIGUNG

Im Reinen sein Ein bisschen Disziplin brauchts für einen frischen Teint. Mit täglicher Reinigung und dem passenden Saubermacher ist schon viel getan. Text: Gisela Femppel

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angewendete Reinigungsprodukt rückfettende Substanzen enthält. Was die morgendliche Reinigung angeht, so gibt es Dermatologen, die eine Katzenwäsche für ausreichend halten. Vorausgesetzt, die Haut ist auch am Vorabend gründlich gereinigt worden. Andere Experten empfehlen, lediglich ein Wattepad zu verwenden, getränkt mit einem Tonic. Dies ist jedenfalls eine nützliche Variante, wenn es um den Abschluss der Hautreinigung geht. Tonics entfernen Make-up-Rückstände, befreien die Poren von Schmutzresten, spenden Feuchtigkeit und verfeinern den Teint. Manchmal brauchen Frauen schnelle Lösungen: Alleskönner sind Produkte mit Mizellen-Technologie. Sie entfernen das Make-up, reinigen gleichzeitig die Haut und spenden Feuchtigkeit. Reinigungstücher und -pads sind ebenfalls eine unkomplizierte Alternative für das tägliche Reinigungsritual. Bei fettiger Haut empfiehlt es sich, ein- bis zweimal pro Woche eine Intensivreinigung mit einem Peeling zu machen. Auch Reinigungsmasken befreien die Haut von überschüssigem Hautfett und Unreinheiten. Bei empfindlicher Haut ist es zu empfehlen, einen Enzympeeling-Puder wie beispielsweise jenen von Kneipp zu verwenden. Er ist auf sanfte Art und Weise für ein glattes Hautbild besorgt. l

Beste Mittel gegen Unreinheiten Angenehm aufzutragen

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t

atsache ist: Wer seine Gesichtshaut nicht täglich und gründlich reinigt, der kann sich teure Cremes und Gesichtsbehandlungen sparen. Denn in eine schöne und gesunde Haut will zuerst Selbstdisziplin investiert sein. Ob Makeup oder nicht: Abends verlangt die Haut danach, porentief gereinigt zu werden, damit sie, von allem befreit, atmen kann. Mit der Reinigung werden nicht nur Schmutz und Schminke entfernt, sondern auch Talg und Schweiss. Die Haut mag kein zu aggressives Vorgehen, deshalb sind ein paar Grundregeln zu beachten: Gereinigt soll zweimal täglich werden, mit warmem und keinesfalls heissem Wasser, um die Haut nicht auszutrocknen. Nehmen Sie sich Zeit, um das Reinigungsprodukt mit kreisenden Bewegungen einzumassieren. Derzeit gross im Trend sind elektrische Reinigungsbürsten. Sie reinigen die Haut besonders gründlich und sorgen zudem für einen rosigen Teint, da sie Hautschüppchen entfernen und die Durchblutung anregen. Allerdings sollten sie nicht täglich angewendet werden. Ob Gel, Milch, Lotion oder Schaum, ob Cremes, Peeling-Pads oder ein Cleansing-Balm: Entscheidend ist vor allem, dass das Produkt dem Hauttyp entspricht und einen möglichst neutralen pH-Wert aufweist. Vor allem bei trockener Haut sollte darauf geachtet werden, dass das


” Die Reinigung soll vor allem zum Hauttyp passen.„ Olivenöl Retter in der Not Auf eine ganz natürliche Reinigungsart, die auch in Notsituationen von Nutzen sein kann, schwören derzeit Hollywoodstars und Beauty-Bloggerinnen. Ist mal kein Reinigungsprodukt zur Hand, lässt sich das Gesicht auch mit Olivenöl reinigen. Dazu das Öl reichlich auf die Handflächen geben und auf der trockenen Gesichtshaut verreiben. Mit den nassen Händen emulgiert man das Olivenöl anschliessend und massiert es schonend in die Haut ein. Zum Schluss wieder abgewaschen. Am einfachsten und angenehmsten mit einem feuchten, warmen Tuch.

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Müde, müde, müde, müde, müde...

Eisenmangel Frauen aufgepasst! Lustlos, keine Energie? Die Mehrheit erschöpfter Frauen im Menstruationsalter leidet an einem Eisenmangel bei einem normalen Hämoglobin, sagt Dr. Beat Schaub, Facharzt für Innere Medizin. Das muss nicht sein! Leere Batterien Eine junge Frau (32) sagt: «Es ist mir alles zu viel, meine Batterien sind leer, ich könnte immer einschlafen.Oft fühle ich mich grundlos niedergeschlagen und mein Selbstwertgefühl ist im Keller. In letzter Zeit vertrage ich die Kinder nicht mehr, es herrscht eine Unruhe in der Familie, weil ich keine Nerven mehr habe. Es tut mir ja so leid, ich wünsche mir, es wäre anders. Mittlerweile kann ich nachts nicht mehr gut schlafen, sodass ich am Tag erst recht kaputt bin und sogar tageweise nicht mehr arbeiten kann. Ich hoffe, es gibt deswegen keine Kündigung. Mein Chef fragt mich, was ich habe. Was soll ich antworten?»

Eisenspeicher auffüllen Ein patientenorientiertes Forschungszentrum in Binningen bei Basel hat herausgefunden, dass die aufgezählten Symptome in den meisten Fällen durch einen Eisenmangel im Körper verursacht werden. Der Körper verliert Eisen, wenn er Blut verliert. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn hauptsächlich Frauen im Menstruationsalter an einem Eisenmangel leiden. Sie bluten in ihrem Leben zusammengezählt über fünf Jahre lang. Der Eisenspeicher des Körpers ist oft schon wenige Jahre nach der ersten Regelblutung leer. Das sogenannte Eisenmangelsyndrom bei Frauen im Menstruationsalter kann in wenigen

Wochen erfolgreich behandelt werden, indem der Eisenspeicher wieder aufgefüllt wird. Anschliessend empfiehlt sich das erneute Absinken des Ferritinspiegels durch ein gut verträgliches, flüssiges Eisen-Präparat aus der Apotheke, Drogerie oder Reformhaus zu verhindern. So gelingt es, Frauen, die schon immer dem «schwachen Geschlecht» zugeordnet wurden, «lebendig» zu machen. Am besten konsultieren Sie Ihren Arzt oder eines der spezialisierten ärztlichen Eisenzentren. www.eisenzentrum.net

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Die Gewinnerin / der Gewinner wird unter sämtlichen korrekten Einsendungen aller Sprachausgaben von Vivai ausgelost und schriftlich benachrichtigt. Keine Barauszahlung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Gewinne, die nicht bis spätestens drei Monate nach Ziehung durch den Gewinner bezogen werden, verfallen ersatzlos. Mitarbeitende des Migros-GenossenschaftsBundes sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Die Auflösung und den Namen des Gewinners finden Sie im Vivai 5/15.

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MEIN ORT

LENA-LISA WÜSTENDÖRFER

«Die Bühne steht im Mittelpunkt – das ist ein sehr energiereicher Ort.» Die Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer leitet das Uniorchester Bern, das Junge Orchester Basel, den Berner BachChor, den Messias-Chor Zürich und ist als Gastdirigentin beim Luzerner Sinfonieorchester engagiert.

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ein Arbeitsplatz ist tatsächlich auch mein Lieblingsort. Ich trenne nicht wirklich zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Musik ist meine Leidenschaft, mein Leben. Musikalisch habe ich einen weiten Horizont. Mich interessiert alles, vom Barock bis zu zeitgenössischen Kompositionen. Zum temporären Lieblingsmusikstück wird jeweils dasjenige, mit dem ich mich aktuell beschäftige – einfach weil ich mich so hineinlebe, dass es «meins» wird. Die Bühne ist ein sehr energiereicher Ort – ein Ort, der im Mittelpunkt steht. 58

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Ich habe kein Lampenfieber, wenn ich dort stehe, ich denke nicht ans Publikum. Ich blende die Umgebung aus. Meine Aufgabe ist es, zu fokussieren. Für die Musiker und für mich ist es wichtig, dass ich die Musik im Moment lebe. Manchmal laufe ich vor dem Auftritt durch den Saal, lasse den Raum, der allein schon mächtig ist, kurz wirken. Ein ganz anderes Gefühl ist es, wenn der Konzertsaal voll besetzt ist. Hier in der Tonhalle Zürich etwa habe ich letztes Jahr den Messias von Händel dirigiert. Das Haus war schon Wochen im Voraus ausver-

kauft. Der Zuschauerraum musste sogar nach hinten erweitert werden. Mit so viel Publikum war das ein magisches, berührendes Erlebnis. Überhaupt habe ich nur gute Erinnerungen an die Tonhalle und freue mich jedes Mal auf einen Auftritt. Eine Lieblingsbühne habe ich nicht. Jeder Saal hat seinen eigenen Charme, sein eigenes Flair. Mir gefallen schöne Konzertsäle sehr. Ich möchte möglichst viele wunderbare Säle sehen. So kann ich viele verschiedene Momente von «meinem Ort», dem Bühnenrand, aus erleben. l Aufgezeichnet von Petra Koci.

© Ornella Cacace

Auf der Bühne zu Hause


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8. Tag Luxor–Kairo–Zürich Ausflug zum Tempel von Karnak.* Ausschiffung und Transfer zum Flughafen. Flug mit Egypt Air nach Kairo und mit Swiss nach Zürich. Individuelle Heimreise.

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Wohl schönstes Suiten-Schiff auf dem Nil Tal der Könige – Grabstätte der Pharaonen Karnak- und Hatshepsut-Tempel Grandioser Totentempel von Ramses II

Reisedaten 2015 Es het solangs het Rabatt 02.11.–09.11. 200 23.11.–30.11. 200 07.12.–14.12. 200 09.11.–16.11. 200 30.11.–06.12. 200

1. Tag Zürich – Luxor Flug mit Swiss nach Kairo, mit Egypt Air nach Luxor. Einschiffung. Willkommen an Bord. 2. Tag Dendera/Luxor Nach dem Frühstück Ausflug zum Tempel der Hathor* in Dendera. Besichtigung des Tempels von Luxor.* 3. Tag Luxor/Kom Ombo Busausflug* zur West Bank des Nils. Besuch des Tempels der Hatshepsut. Weiterfahrt zum Tal der Könige. Rückkehr zum Schiff und Fahrt nach Kom Ombo, wo eine Galabeya-Party (Galabeya: orientalische Kleidung) gefeiert wird. 4. Tag Kom Ombo Besuch des Tempels von Kom Ombo.* Weiterfahrt auf dem Nil nach Assuan mit Staudamm, gigantischen Obelisken und Philae Tempel. Abend- Show einer Live Band mit nubischer Musik. 5. Tag Assuan Ausflug zu den Tempeln von Abu Simbel (fak.). Besichtigung des grandiosen Totentempels von Ramses II. Rückkehr zum Schiff. Ausflug* mit einer traditionellen Feluke (Segelboot) um Assuans Botanischen Garten. Abend-Show einer Live-Band mit nubischer Musik. 6. Tag Assuan–Edfu Geniessen Sie nochmals die malerische Gegend von Kom Ombo während der Fahrt nach Edfu. Am Abend Galabeya-Party. 7. Tag Edfu–Luxor Besuch des Horus-Tempels.* Während des Mittagessens Weiterfahrt nach Luxor.

MS River Tosca – Ihr Suitenschiffbbbbb Exklusives Suitenschiff mit 39 Suiten (ca. 30 m2) in 4 Kategorien und 2 Presidential-Suiten (ca. 60 m2) mit zusätzlichem Wohnzimmer, Privat-Terrasse. Alle Suiten mit franz. Balkone, Einbauschränken, Schminkspiegel, Föhn, Safe, TV, Direktwahl-Telefon, iPod-Dockingstation und individuell regulierbare Klimaanlage. Badezimmer mit Badewanne und separater Dusche. Bordeinrichtung: stilvolle Lounge mit Bar, Bibliothek und Boutique, Fitness und Wellness im Gymnastik- und Massageraum. Sonnendeck mit Liegestühlen und Swimmingpool. Die Mahlzeiten werden in einer Sitzung eingenommen. Reichhaltiges Frühstücks- und Mittagsbuffet. Das Abendessen wird am Tisch serviert. Internationale und orientalische Küche. WLAN gegen Gebühr. Ein Arzt ist an Land kurzfristig erreichbar. Nichtraucherschiff (Rauchen auf dem Sonnendeck erlaubt).

Unsere Leistungen • Flüge Zürich–Kairo v.v. mit Swiss, Kairo–Luxor v.v. mit Egypt Air inklusive Flughafengebühren und Sicherheitszuschlägen (höhere Klassen gegen Zuschlag) • 7 Übernachtungen in einer Suite mit französischem Balkon in der gebuchten Kategorie • Vollpension mit täglich 3 Mahlzeiten • Kaffee/Tee nach dem Mittag- und Abendessen an Bord • Sämtliche Transfers in Ägypten • Deutschsprachige Reiseleitung in Ägypten

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Preise pro Person in Fr. (vor Rabattabzug) Suite Kategorie 4 2190 Suite Kategorie 3 2390 Suite Kategorie 2 2590 Suite Kategorie 1 2690 Presidential Suite 3190 Zuschlag zur Alleinbenutzung* auf Anfrage Ausflugspaket (7 Ausflüge) 185 Ausflug Abu Simbel (inkl. Flug) 285 *exklusive Presidential Suiten

* im Ausflugspaket enthalten, vorab buchbar | Programmänderungen vorbehalten | Partnerfirma: Spring Tours

Reisedaten 2016 Es het solangs het Rabatt 07.03.–14.03. 200 28.03.–04.04. 200 18.04.–25.04. 200 14.03.–21.03. 200 04.04.–11.04. 200 21.03.–28.03. 200 11.04.–18.04. 200

Nicht inbegriffen : Trinkgelder, Getränke, Ausflüge, obligatorisches Touristenvisum 28 USD (bei Einreise in bar zu bezahlen), Versicherungen (wir empfehlen eine Jahresversicherung von Allianz Global Assistance), Treibstoffzuschläge vorbehalten, Auftragspauschale Fr. 35.– pro Auftrag (entfällt bei Buchung über www.thurgautravel.ch).

Zur Einreise nach Ägypten benötigen Schweizer BürgerInnen einen bis 6 Monate nach der Rückreise gültigen Reisepass.

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