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Vivai 2014 1 de

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Das Wohlfühl- und Nachhaltigkeitsmagazin der

01/2014

Von nah statt von fern: Warum regionale Produkte so beliebt sind Fasten auf Zeit und andere Diättipps im Expertentest Asien inspiriert: Bewegungsformen für Körper und Geist

Upcycling! Aufwerten statt wegwerfen


Eine reife Leistung der Natur.

Ein Teil von


Die Experten im Heft

© Roland Tännler, Joschi Herczeg, Keiko Saile, Zukunftsinstitut GmbH Titelfoto: Katharina Lütscher, Regula Wilson (Styling), Helve Leal (Hair und Make-up), Vivien R. (Time Model), Edison K. (Scout Model), Kleider: er: Hudson Surplus, sie: Pretty Rad, Zürich

PD Dr. David Fäh

ist Ernährungsphysiologe. Der Forscher und Dozent am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich berät uns bei Ernährungsfragen. In dieser Ausgabe hat der Fachmann die Diättrends unter die Lupe genommen. Christina Daeniker

ist Spezialistin Ernährung und Gesundheit beim Migros-Genossenschafts-Bund. Sie verfügt über ein breites Fachwissen und Erfahrung mit Kundenanfragen. Sie berät uns bei Ernährungstexten, die mit Migros-Produkten in Zusammenhang stehen. Marianne Botta Diener

ist diplomierte Lebensmittelingenieurin und Fachlehrerin ETH. Die Mutter von acht Kindern hat sich in dieser Ausgabe mit der Frage beschäftigt, was genau Nährstoffe sind – und wie dringend wir sie brauchen. Hanni Rützler gehört zu den führenden Trendforscherinnen in Europa auf dem Gebiet der Ernährung. Wir haben uns mit der gebürtigen Bregenzerin über den Siegeszug regional produzierter Lebensmittel und unser Bedürfnis nach lokalem Bezug unterhalten.

Liebe Leserin,lieber Leser Wenn mir die Kindergärtnerin drei Klopapierrollen in die Hand drückte, steckte ich ein einfallsloses Fernrohr zusammen, das keine noch so sentimentale Tante in die Wohnwand gestellt hätte. Andere Kinder formten Häuser und Figuren. Später an der Uni sass ich neben Frauen, die Restbestände von Partys auftrugen in Form von Ketten aus Flaschenkorken oder Bierdosenverschlüssen als Armbändern. Damals nahm ich den Begriff Reycling zum ersten Mal bewusst wahr. Es war eine Sache der «Alternativen». Heute ist Recycling bei allen angekommen. Es ist quasi eine moralische Pflicht, vor dem Wegwerfen ans Wiederverwerten zumindest gedacht zu haben. Bereits gibt es Trendsetter, die das Ganze weiterführen: Upcycling heisst die neue Form der Müllvermeidung. Dabei wird ein Abfallprodukt nicht nur wiederverwertet, sondern aufgewertet (upcyclen) und erhält nebenbei jenen Chic, den ich bei den Korken-Frauen einst vermisste. Als Kopfmensch fasziniert mich allein der Gedanke, der hinter Upcycling steht: in Vorhandenem etwas Neues zu sehen. Alles bleibt, und einiges wird sogar noch besser. Wenn das keine philosophische Tiefenschärfe hat! Mein ironisches Lächeln wurde endgültig zu einem Ooooh des Erstaunens, als ich sah, was kreative Menschen alles aufwerten können. Wir stellen sie und ihre Produkte in dieser Ausgabe vor. Würde ich alles freiwillig ins Regal stellen! Viel Freude mit Vivai (auf dem Titelbild bereits wiederverwertet!)

Chefredaktorin

Vivai wird dieses Jahr fünf Jahre alt. Ein Grund, Sie, liebe Leserinnen und Leser, das Jahr hindurch zu beschenken. Das erste Präsent: unser neues Rätsel (Seite 56). Vivai 1/14

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Die Natur macht uns den Hof.

Ein Teil von


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10 Upcycling: Über die Kunst, Abfall als den Beginn von etwas Neuem wahrzunehmen 18 Her mit den Resten! Upcycling in der Küche 20 Wie die Migros aus Abfällen Biostrom macht 22 Interview: Food-Trendforscherin Hanni Rützler über die Popularität regionaler Nahrungsmittel 30 Was Nährstoffe sind, und warum wir sie brauchen 34 Fasten, makrobiotisch essen oder Kohlenhydrate weglassen? Unser Experte analysiert Diättrends

30

44 Yoga, Tai Chi, Qi Gong – Erfahrungsberichte von Anhängern fernöstlicher Bewegungsformen 50 Abseits der Piste: Für diese Winteraktivitäten braucht man keine Skiausrüstung 52 Gesichtsreinigung: Lassen Sie sich von Ritualen aus anderen Kulturen inspirieren

© Sylvan Müller, Armin Zogbaum, Illustration: Tina Berning

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7 9 26 28 38 40 56 58 I MPRESSUM

Das freut uns Das gefällt uns Was ist eigentlich …? Leicht & gesund Kultprodukt Wer kauft hier ein? Vivai-Wettbewerb Zu guter Letzt

ISSN: 1663-716X Gesamtauflage Vivai: 250 000 D: 173 000, F: 60 000, I: 17 000 Exemplare

Chefredaktorin: Susanna Heim Stellvertreterin: Christine Kunovits Koordination: Dagmar Madelung Text/Produktion: Lukas Hadorn, Sylvie Castagné (F), Alda Viviani (I) Art Direction: Dora Siegenthaler Bildredaktion: Cornelia Thalmann Bildbearbeitung: Reto Mainetti Korrektorat: Patrizia Villiger

Adresse Redaktion und Verlag: Vivai, Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich vivai@migrosmedien.ch www.migros.ch/vivai

Druck: Vogt-Schild Druck AG, CH-4552 Derendingen Papier: Holzfrei, FSC-Mix Zur CO ²-Kompensation wird ein FSC-Projekt in Brasilien unterstützt.

Herausgeber: Migros-Genossenschafts-Bund Publizistische Leitung: Monica Glisenti Leiter Migros-Medien: Lorenz Bruegger Verlagsleiter: Rolf Hauser

Bestellen Sie Vivai kostenlos: abo.vivai@migrosmedien.ch oder Tel. 0800 180 180 Vivai 1/14

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Fischgenuss ohne Nachgeschmack.

Ein Teil von


Hoch zu Ross ins neue Jahr

Wir sind ja nun nicht die grossen Verfechter der chinesischen Astrologie. Trotzdem freut es uns, dass am 31. Januar das Jahr des HolzPferdes beginnt. Schon alleine deshalb, weil es das in unserer Vorstellung deutlich unattraktivere Jahr der Wasser-Schlange ablöst. Das Holz-Pferd-Jahr ist das 31. im 60-Jahre-Zyklus des chinesischen Kalenders. Menschen, die im Erdzweig «Wu» geboren sind, dem das Tierkreiszeichen Pferd zugeordnet wird, gelten als kommunikativ, clever, aber auch als etwas stur.

© John Hogg, iStockphoto, Illustration: Sandro Fabbri

Flasche leer

Im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsprogramms Generation M hatte sich die Migros das Ziel gesetzt, ab 2014 alle Plastikflaschen anzunehmen und zu recyceln. Das Versprechen wurde gehalten, die Rückgabestellen in den Filialen wurden entsprechend ausgebaut. Passend zu diesem Meilenstein bietet die Migros neu Recycling-Taschen fürs bequeme Sammeln zu Hause.

Zeitgenössischer Tanz im Rampenlicht

Die unkonventionellen Neuinterpretationen klassischer Ballette durch die südafrikanische Tänzerin und Choreografin Dada Masilo gelten unter Tanzbegeisterten schon lange als Geheimtipp. Sie mit ihrer Version von «Schwanensee» als einen der Höhepunkte des Migros-Kulturprozent-Tanzfestivals «Steps 2014» zu bezeichnen, ist also sicherlich berechtigt. Das Festival umfasst 86 Vorstellungen auf 39 Bühnen in 35 Städten und dauert vom 24. April bis zum 17. Mai. Der Vorverkauf läuft bereits seit dem 14. Januar.

Schutz der Bienen in der Schweiz

Seit den späten Neunzigerjahren rätseln Fachleute weltweit über den dramatischen Rückgang der Bienenpopulationen. Vermutet wird ein Zusammenhang mit Chemikalien in Pflanzenschutzmitteln. Die Migros ist sich ihrer Verantwortung für den Schutz dieser für die Nahrungsmittelproduktion wichtigen Tiere bewusst und hat beschlossen, ab Ende 2014 nur noch Insekten- und Pflanzenschutzmittel anzubieten, die Bienen nicht gefährden. Die Umstellung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Vivai 1/14

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Š 2014 The Coca-Cola Company. Coca-Cola, the Contour Bottle and the Dynamic Ribbon Device are registered trademarks of The Coca-Cola Company.

Teilen ist Freude. 1-Liter-Flasche


Leichter leben lernen

Überzählige Kalorien verstecken sich gerne dort, wo man sie nicht vermutet. In Light-Produkten etwa, aber auch in unserem Ess- und Einkaufsverhalten. Die von VivaiErnährungsexperte Dr. David Fäh konzipierte App «iTipp Abnehmen» beleuchtet diese alltäglichen Fallgruben und zeigt, wie nachhaltiges Abnehmen gelingt. Sie bietet eine Vielzahl von Tipps zu Nahrungsmitteln und Nährstoffen, aber auch zu Fitness und Kalorienverbrauch im Alltag. Die Gratis-App gibts für Android und iPhone, Stichwort «iTipp».

Apfel-Anthologie

„Die Welt hat

© Illustrationen: Korbinian Aigner, Sandro Fabbri

Geschmacksbombe

Dass ausgewogene Ernährung ausgesprochen kreativ und sehr schmackhaft sein kann, beweist das MigrosLabel délifit. Unser Favorit ist der Blattsalat mit Quinoa, gerösteten Süsskartoffeln, Broccoli, rotem Kabis, Cranberries, Feta-Käse und frischem Oregano*. Eine absolut bombastische Fusion aus exotischen und heimischen Zutaten. * Sortiment ist regional unterschiedlich

eine Dichte erreicht, in der die Tat unmittelbar zum Täter zurückkommt.„

Diesen denkwürdigen Satz des deutschen Philosophen Peter Sloterdijk rezitierte die Wiener Food-Trendforscherin Hanni Rützler in unserem Gespräch über das Thema Regionalität in der Nahrungsmittelproduktion. Das ganze Interview finden Sie auf Seite 22 dieser Ausgabe.

In einer von Generalisten und Multitaskern geprägten Zeit mutet das 512 Seiten starke Werk «Äpfel und Birnen» von Korbinian Aigner seltsam eindimensional an. Vielleicht gefällt es uns genau deswegen. Knapp 800 Aquarelle von Sorten aus aller Welt zeichnete der 1966 verstorbene deutsche Seelsorger. Sie gelten dank ihrer Systematik und Exaktheit noch heute als Grundlage für pomologische Lexika (Verlag Naturkunden).

Einfacher durchs Leben mit «Life Hacks»

Es gibt Dinge, die kosten tagtäglich Energie, Zeit und Nerven. Manchmal sogar im Übermass. Zum Glück gibt es «Life Hacks». Wer nach diesem Begriff googelt, findet Tipps und Tricks zur cleveren Vereinfachung des Alltags. Wie man in fünf Sekunden ein T-Shirt faltet etwa (zu finden auf Youtube, Suchbegriff «Ninja Fold»). Vivai 1/14

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Patrik Ausderau, Salomé Gähwiler, Sandrine Simon, Géraldine Lüdi, Liter of Light, St. Gallen, machen Lampen aus PET-Flaschen Die Idee ist im wahrsten Sinne des Wortes einleuchtend: Man nimmt eine leere PET-Flasche, füllt sie mit Wasser und etwas Bleichmittel und steckt sie durch ein Loch im Dach eines unbeleuchteten Raumes. Fallen auf der Aussenseite Lichtstrahlen in die Flasche, werden sie ins Innere des Gebäudes gebrochen – mit dem Effekt einer 55-Watt-Glühbirne. Entstanden sind diese «liters of light» in den Armenvierteln der philippinischen Hauptstadt Manila. Dort bringen sie Licht ins Dunkel der Wellblechhütten, deren Bewohner sich keinen Strom leisten können oder ihn illegal beziehen müssen. Eine Gruppe von Masterstudenten der Universität St. Gallen hat sich 2011 der Aufgabe verschrieben, die Idee der PET-Lichter in andere Ecken der Welt zu tragen. «Derzeit laufen Projekte unter anderem in Indien, Tansania und Mexiko», sagt Salomé Gähwiler, die als HSG-Studentin zum Team gestossen ist und heute vollamtlich für die Organisation arbeitet. «Der Effekt ist riesig, gerade weil der Einstieg so leicht ist. Plastikflaschen sind auch in ärmeren Ländern leicht zu finden und kosten nicht viel. Upcycling bedeutet hier Lebensqualität.» www.literoflightswitzerland.org 10

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Upcycling

Am Ende steht ein neuer Anfang Upcycling ist der Gegenentwurf zur Wegwerfmentalität von heute. Anstatt Dinge zu entsorgen, werden sie umfunktioniert und weiter verwendet. Dabei entsteht, was Wohlstandsgesellschaften dringend brauchen: eine neue Abfallkultur. Text: Lukas Hadorn Fotos: Sylvan Müller

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s gibt einen guten Scherz, den man in Konversationen mit umweltbewussten Mitbürgern einbauen kann, wenn es ums Thema Abfallverwertung geht. «Müll kann man eh nicht trennen», erklärt man nonchalant und lässt das Gegenüber kurz in den roten Bereich drehen, bevor man augenzwinkernd hinzufügt: «Müll hat nur eine Silbe.» Der zweite Satz sollte einigermassen zügig kommen, schliesslich versteht man hierzulande nur wenig Spass, wenn das

helvetische Selbstbewusstsein gekitzelt wird. Und darum geht es, wenn wir Schweizer von Recycling reden: um nationalen Stolz. Zu Recht. Schliesslich sind wir die Weltmeister im Zurückbringen. Von den knapp 700 Kilogramm Müll, die ein jeder von uns jährlich produziert, schleppen wir rund die Hälfte brav zu Entsorgungsstellen, fein säuberlich getrennt nach Milchflaschen, Kaffeekapseln und Saftkartons. 96 Prozent aller in der Schweiz Vivai 1/14

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verkauften Verpackungen aus Glas werden recycelt. Das muss man sich mal vorstellen. Beim Aluminium beträgt die Quote «nur» 92 Prozent. Das können wir noch besser. Kein Wunder, sagen wir auch nicht Müll, sondern Abfall. Als ob wir auch morphologisch beweisen möchten, dass eine Trennung sehr wohl möglich ist. Nicht nur das: Dass sie notwendig ist. Ein Gesetz. Dass es falsch ist, wenn man Abfall nicht trennt. Dennoch: Wie alle modernen Wohlstandsgesellschaften haben auch wir ein Abfallproblem. Es hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, von einem Hygieneproblem über ein Raumproblem zu einem Umweltproblem. Heute ist es ein Ressourcenproblem. Abfall bedeutet, dass wertvolle Stoffe nicht in Nutzungskreisläufe zurückfinden, dass sie verloren gehen. Abfall ist im 21. Jahrhundert vor allem eines: eine gigantische Verschwendung. Selbst Recycling hat in dieser Hinsicht Grenzen. Zwar werden die Rohstoffe dabei so lange wie möglich im Kreislauf gehalten, Wertschöpfung und Materialqualität nehmen aber bei jeder Nutzung ab. Experten sprechen von Downcycling, weil der ursprüngliche Rohstoff kontinuierlich an Wert verliert. Das prägt auch unseren Blickwinkel: «Recyclingprodukten haftet ein minderwertiges Image an», stellt Mirjam Hauser vom Gottlieb Duttweiler Institut fest. Sie hat im Rahmen einer Studie verschiedene Szenarien zur Zukunft der Abfallverwertung untersucht. Dabei kommt sie unter anderem zum Schluss, dass sich unsere Einstellung zum Thema Abfall ändern muss. «Bisher war Müll in den Köpfen der Konsumenten eher negativ behaftet», sagt Hauser. «Was verbraucht war und nicht mehr gebraucht wurde, galt meist als schmutzig, unhygienisch oder zumindest schmuddelig.» Hauser sagt, wir müssten lernen, Abfall als Rohstoff wahrzunehmen. Dann könnten wir ihn auch wertschätzen. Erste Vorreiter gibt es bereits. Menschen, die Abfall als potenziellen Beginn von etwas Neuem betrachten. Die PET-Flaschen in Lichtquellen umfunktionieren, aus Industrieblachen Taschen nähen oder altes Besteck in neue Schmuckstücke verwandeln. Upcycling nennt sich die Kunst, ein Abfallprodukt weder zu kübeln noch zu kompostieren, sondern ihm 12

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eine neue Funktion, im besten Fall sogar einen neuen Sinn zu geben. «Beim Upcycling entsteht mit jeder Nutzung etwas Höherwertiges. Das ist das Gegenkonzept zum Downcycling, bei dem ein Produkt stetig an Wert verliert», sagt Mirjam Hauser. «Es ist ein Perspektivenwechsel.» Darin liegt auch der soziale Wert und die revolutionäre Kraft des Upcyclings. Es bewirkt nicht weniger als ein radikales Umdenken, was unseren Bezug zu Abfall betrifft. Aber auch nicht mehr. Mit Upcycling alleine löst sich unser Abfallproblem nicht. Es verschwinden keine Müllberge, nur weil einige kreative Köpfe sich die alten Blumenkistchen als Bücherregal an die Wand nageln. «Upcycling ist nicht überall möglich, und es macht auch nicht überall Sinn», sagt Hauser. «Aber es führt uns vor Augen, wie viel Gutes im Abfall steckt.» Und das alleine birgt Sprengkraft. Eines der vier Zukunftsszenarien, die Hauser in ihrer Studie entwirft, nennt sich «Small is beautiful». Es antizipiert eine «stärkere Sensibilisierung der Gesellschaft in Bezug auf Abfall, Weiterund Wiederverwertung von Produkten». In vielen Bereichen betreffe es nur ganz kleine Veränderungen, die in der Masse und in ihrer Gesamtheit aber eine neue Abfallkultur bewirken. Die Experten, die Hausers Zukunftsszenarien auf Plausibilität prüften, erachten es als «wahrscheinlich» und «sehr erwünscht», dass wir auf dem Weg der kleinen Schritte zu einem neuen Umgang mit unserem Abfall finden. Es ist also eine gute Idee, dass wir uns ein Beispiel an den Menschen auf diesen Seiten nehmen. Dass wir upcyceln, bevor wir recyceln. Und dass wir Dinge erst dann wegwerfen, wenn wir uns gut überlegt haben, ob sie sich nicht einem der beiden Nutzungskreisläufe zuführen lassen. Gleichzeitig ist die Angebotsseite gefordert. Wenn Produkte schon so designt und konzipiert würden, dass sie am Ende ihrer Nutzungsdauer entweder in biologische Kreisläufe zurückgeführt oder in technischen Kreisläufen gehalten werden könnten, wäre der Einsparungseffekt maximal. Anders ausgedrückt: Die Frage nach der Entsorgung sollte am Anfang der Wertschöpfungskette beantwortet sein, nicht erst an deren Ende gestellt werden. ●

Wir feiern Geburtstag! Seit nunmehr fünf Jahren gibt es Vivai, und zur Feier des Jubiläums möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Möglichkeit geben, sich aktiv an Vivai zu beteiligen. Machen Sie es wie Natalie Kramer (rechts), die uns das Thema Upcycling vorgeschlagen hat, und schicken Sie uns Ihre Ideen! vivai@ migrosmedien.ch


Upcycling

Natalie Kramer, Zürich, macht Accessoires und Kinderspielzeug aus Haushaltsabfällen «Ich könnte Ihnen auch ein Haus bauen», sagt Natalie Kramer und schmunzelt. Sie ist sich der Ironie der Tatsache durchaus bewusst, dass sie sich als ausgebildete Architektin nicht mit Gips und Stahlbeton, sondern mit Plastikverpackungen, Papiertragtaschen und PET-Flaschen beschäftigt. Kramer ist eben auch Hausfrau und Mutter und damit «Entsorgungsverantwortliche des Haushalts», wie sie selbst sagt. Auf der Suche nach Bastel- und Spielideen für ihren mittlerweile achtjährigen Sohn stiess sie im Internet auf das Thema Upcycling. «Auf einigen Blogs, die mir sehr gut gefielen, wurde nach der einigermassen strikten Regel gearbeitet, dass Sachen zu verwenden sind, die sonst im Abfallkübel oder in der Recycling-Sammelstelle landen. Die Idee, Dinge zu verwenden, die man ohnehin zu Hause hat, gefiel mir sehr gut.» Heute betreibt Kramer selbst einen Blog und beliefert überdies andere Websites mit Do-it-yourself-Ideen. «Bevor ich eine Verpackung wegwerfe, frage ich mich stets, ob ich daraus nicht noch etwas machen kann», sagt sie. «Meistens kann ich das.» schaeresteipapier.blogspot.com

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Upcycling

Jeannette und Marco Brändle, Stallikon, machen Schmuck aus altem Silberbesteck «Das wäre auf deiner Liste von Dingen, aus denen man ein Business aufziehen könnte, etwa Position 150!» Marco Brändle lacht, als er sich an die Worte seiner Frau erinnert, ausgesprochen vor rund vier Jahren auf einem Markt in Deutschland. Dort trafen die beiden auf einen Besteckkünstler, der in Marco Brändle den Wunsch weckte, etwas Ähnliches selbst auszuprobieren. «Als gelernter Automechaniker bin ich das Tüfteln gewohnt, und ich habe begonnen, an altem Besteck herumzuwerkeln. Schwierig war die Aufgabe, das Metall zu biegen, ohne es zu zerkratzen.» Inzwischen beherrscht Brändle dieses Handwerk und ist der «Mann fürs Grobe» im Geschäft, während seine Frau Jeannette für die Feinarbeit zuständig ist: für Haken und Ösen, Details und Veredelungen. Seit drei Jahren sind sie mit ihren Kollektionen auf Märkten und Messen präsent, und ihre Schmuckstücke erfreuen sich wachsender Beliebtheit. «Bei vielen Leuten verstaubt das alte Silberbesteck irgendwo in einer Schublade oder landet im Brockenhaus», sagt Marco Brändle. «Das ist schade. Wir werten es auf, indem wir es in Schmuckstücke verwandeln.» www.besteckverdreher.ch

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Kevin Fries, Winterthur, macht Möbel und Accessoires aus Metallteilen und Restholz Für Kevin Fries bedeutet Upcycling, «aus der Not eine Tugend zu machen», wie es der Industriedesigner ausdrückt. «Bei unserer Arbeit fallen oft grosse Mengen von Abfall an, Holz und Metallteile etwa, die abgeschnitten oder aussortiert werden. Mich interessiert die Vorstellung, auch aus diesen Resten etwas Neues zu machen, den Dingen einen anderen Nutzen zu geben.» So entstehen aus Metalldrähten Kleiderbügel, aus Restholz ein Tisch, aus Geranienkistchen Wandregale. «Die Zweckentfremdung fasziniert mich», sagt Fries, der seine Karriere als Dekorationsgestalter begonnen hat. «In diesem Beruf gibt es keinen Funktionszwang. Die einzige Funktion, die ein Produkt zu erfüllen hat, ist jene der Dekoration. Als Designer ist das anders, da steht die Nutzung, also der Verwendungszweck, viel stärker im Vordergrund. Wenn man sich den Dingen mit diesem Blickwinkel nähert, öffnen sich unendlich viele Möglichkeiten.» Ein Migros-Wägeli ist dann plötzlich ein Stuhl, eine Häkeldecke wird zur Früchteschale. Und der Designer zum Upcycler. www.frieszumbuehl.ch Vivai 1/14

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Maria und Serge Meier, Opfikon, machen Geschirr und Accessoires aus gebrauchten Glasflaschen Dass ihre Hochzeitsreise in die USA nicht nur in Form von schönen Erinnerungen in ihrem Leben fortbestehen würde, hätten Maria und Serge Meier nie gedacht. An der berühmten Fisherman’s Wharf in San Francisco sahen sie zum ersten Mal die geschmolzenen Glasflaschen und kamen mit der Idee in die Schweiz zurück, etwas Ähnliches selbst auszuprobieren. Vier Jahre später besitzen sie ein Atelier mit Ladenlokal im Glattpark, dazu ein eigenes Label, in dessen Namen verschiedene UpcyclingProdukte verkauft werden, von ihren Glasprodukten bis hin zu Halsketten aus Fahrradschläuchen und Taschen aus Reissäcken und Feuerwehrschläuchen. Dazwischen liegt eine Serie von Versuchen, Fehlern und Erkenntnissen. «Heute wissen wir, welche Flaschen sich für die Weiterverarbeitung eignen, welche Etiketten verkleben und welches Glas allzu schnell bricht», sagt Serge Meier. «Aber wir mussten alles ausprobieren. Dazu haben wir eine Zeit lang jede Flasche aufbewahrt und auch die von Freunden und Nachbarn eingesammelt und in der Badewanne gelagert. Manch ein Besucher dachte wohl, wir hätten ein massives Alkoholproblem.» www.justbottle.com 16

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Upcycling

Nina Raeber, Lausanne, macht Taschen aus Industrieverpackung «Auch Dinge müssen einen Charakter haben, sie müssen eine Geschichte erzählen», sagt Nina Raeber. «Nur dann können wir eine emotionale Verbindung mit ihnen aufbauen und uns für sie interessieren.» Leider sei dies in Zeiten der modernen Massenproduktion immer seltener der Fall. «Manchmal scheint es, als fielen die Dinge direkt vom Himmel. Wir haben keine Ahnung, woraus sie gemacht sind, woher sie kommen und wer sie gefertigt hat.» Mit ihrem Upcycling-Label «coll.part.» will Raeber dieser Seelenlosigkeit der Industrieproduktion entgegentreten. Aus kambodschanischen Fischfutterverpackungen, Reissäcken aus Burkina Faso und ausrangierten Schweizer Armeedecken lässt sie Taschen und Accessoires herstellen. Meist direkt vor Ort schliesslich hat sie in diesen Ländern über viele Jahre selbst gelebt und kennt die oft prekären wirtschaftlichen Verhältnisse aus erster Hand. «Kreativität und ethisch verantwortungsvolles Handeln sind die Pfeiler, an denen mein Unternehmen festgemacht ist», sagt Raeber. Am Schluss kommen ebenjene Charakterdinge heraus. «Die Materialien, mit denen ich arbeite, haben bereits ein Leben hinter sich. Wir geben ihnen ein neues. Das finde ich unglaublich spannend.» www.collpart.com

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Food-Upcycling

Die besten Resten Upcycling beginnt im Kopf – und lässt sich in der Küche besonders gut praktizieren. Was beim Rüsten, Kochen und Essen übrig bleibt, kann man in den Kehricht oder auf den Kompost werfen. Oder man wertet den Abfall auf und verwendet ihn zum … Text: Lukas Hadorn

… Färben Der Upcycling-Klassiker: Legen Sie die rötliche oder bräunliche Aussenhaut ihrer Zwiebeln beiseite, und kochen Sie die Schalen vor Ostern in einem grossen Topf mit Wasser auf. In dem Sud lassen sich Eier ganz natürlich färben. Schöne Muster gibt es, wenn man vor dem Kochen Blätter oder Blüten auf die Eierschalen legt und mit einem Stück eines Strumpfs umhüllt.

… Anpflanzen Aus dem Blattschopf einer Ananas lässt sich einigermassen problemlos eine neue Ananaspflanze aufziehen, die nach einiger Zeit auch selbst Früchte trägt. Entsprechende Anleitungen finden sich

im Internet. Gleiches gilt übrigens für Stangensellerie. Ebenfalls beliebt ist die Aufzucht einer Avocadopflanze aus dem grossen Stein, der beim Aufschneiden der Frucht freigelegt wird. In einem Wasserglas keimen lassen, einpflanzen, und fertig ist das exotische Gewächs.

… Essen Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Rüstabfälle landen auf dem Kompost, obwohl man sie eigentlich noch essen könnte. Die geputzte Schale von Früchten etwa kann zu Konfitüre weiterverarbeitet werden, auch kandiert schmeckt sie hervorragend. Zu diesem Zweck kocht man beispielsweise von der Zitronenschale kleine Stücke in Zuckerwasser ein, bis die Flüssigkeit verdampft ist. Auch trockenes Brot hat eine grosse Upcycling-Tradition: Seit Jahrhunderten kommt es in neuer Form wieder auf den Tisch, als Vogelheu oder Fotzelschnitten, als Brotsuppe, Brottorte oder Brotsalat. Und sonst gibts ja immer noch die Enten.

… Kochen Was übrig bleibt, wenn ein Gericht zubereitet oder verspiesen ist, kann die Basis für ein neues Gericht darstellen. 18

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Klein gehackte Pouletknochen, die man zusammen mit etwas Gemüse (auch Rüstabfällen) in Butter andünstet und dann mit Weisswein und Wasser ablöscht und einkocht, ergeben eine schmackhafte Hühnerbouillon. Bleibt


die Reinigung auch mit Resten von Essig oder – wirklich wahr – Ketchup. Wer Angst um die edle Kupferpfanne hat, kann den Effekt zuerst an einer Fünf-Eurocent-Münze testen. Glanzvolle Resultate liefert auch die Innenseite einer Bananenschale ab, und zwar auf der Oberfläche von Lederschuhen.

… Pflegen Schwarztee hilft bekanntlich gegen Müdigkeit, dass dies aber gleich in doppeltem Sinne stimmt, geht oft vergessen. Während der Aufguss die Lebensgeister von innen weckt, wirkt der – abgekühlte! – Teebeutel auf verschwollenen Augen in nur zehn Minuten Wunder. Für den Rest des Gesichts empfiehlt sich die Pfirsichschale. Mit etwas Zucker bestreut, eignet sich das fleischige Innere der Schale als Peeling. Und selbst Kartoffelschalen können in der Schönheitspflege verwendet werden: Werden sie in Wasser aufgekocht, kann der Aufguss zum Ausspülen von Shampoo genutzt werden. Dabei sollen graue Haare auf natürliche Weise wieder dunkler werden.

© bab.ch, ddp images, GettyImages, iStockphoto, Shutterstock

… Basteln

von einem anderen Gericht – zum Beispiel Fondue chinoise – Bouillon übrig, kann man diese im Eiswürfelbehälter einfrieren und später portionenweise beim Kochen verwenden. Auch Weinreste lassen sich gut einfrieren. So muss für die nächste Bolognese keine neue Flasche geöffnet werden (es sei denn, das ist ihr erklärtes Ziel).

… Reinigen Zitronensaft kann zum Reinigen von oxidiertem Messing oder Kupfer verwendet werden. Alternativ funktioniert

Kleine Schiffchen aus Nussschalen, Kirschsteine als Füllung für Stofftiere, ausgehöhlte Kürbisse als gespenstische Halloween-Fratzen: Zum Basteln oder Spielen mit Kindern lassen sich viele Lebensmittelabfälle verwenden. Das ist nachhaltiger, natürlicher und nicht zuletzt um einiges günstiger.

Schnecken. Diese kriechen nämlich nur ungern über scharfe Kanten und machen lieber einen Bogen um den Salat.

… Aufbewahren Die Schalen von Avocados, aber auch jene von Eiern oder Nüssen, eignen sich sehr gut als praktische kleine Behältnisse für die Küche, etwa um an der Wärme Samen keimen zu lassen oder Kresse zu ziehen. Wer Kinder hat, kann darin auch kleine Kitchen-Science-Experimente veranstalten, beispielsweise Kristalle wachsen lassen.

… Erfrischen Gerade in der kalten Jahreszeit ist der Duft von Zitrusfrüchten in der guten Stube beliebt. Die Schalen von Orangen, Mandarinen oder Zitronen sollte man aus diesem Grund nicht wegwerfen, sondern trocknen und einem – gekauften oder selbst hergestellten – Potpourri beigeben. Ist die Schale noch frisch, wirken einige Spritzer der zwischen den Fingern gepressten Schale als Raumdeo. Wer mag, kann auch ein paar Stücke in den Luftbefeuchter geben oder die ausgequetschte Zitrone offen in einem Topf mit Wasser kochen und im wahrsten Sinne des Wortes verduften lassen. ●

… Gärtnern Wer ein Schneckenproblem im Garten hat, sollte Eier- oder Nussschalen nicht achtlos auf den Kompost werfen. In kleine Stücke zerbrochen und um Setzlinge oder Blumen gestreut, wirken sie als natürlicher Abwehrstoff gegen Vivai 1/14

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Abfall-Upcycling

So kommt der Apfel in die Birne In Zürich betreibt die Migros eine Anlage, die Abfälle trennen und in Biomasse verwandeln kann. Am Schluss wird Ökostrom daraus. Upcycling par excellence. Text: Lukas Hadorn Illustration: Martin Burgdorff

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ans Frischknecht spricht nicht gern von Abfall. Er sagt «Wertstoffe», wenn er den Inhalt der grasgrünen Container meint, die tagtäglich aus allen Ecken der Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) zu ihm in die Verteilzentrale Herdern im Westen der Stadt Zürich geliefert werden. Die Container sind gefüllt mit Speiseresten und Rüstabfällen, mit abgelaufenen Lebensmitteln und verwelkten Blumen. Mit organischem Abfall oder eben mit Wertstoffen, wie Frischknecht es ausdrückt.

100 Filialen und 50 Restaurants auf dem Gebiet der GMZ sammeln ihren Abfall und geben ihn den Lastwagen mit, die täglich neue Waren anliefern.

Dass dem obersten Retourenlogistiker der GMZ dieser Unterschied am Herzen liegt, ist verständlich. Schliesslich ist er dafür verantwortlich, dass die Verwertung all dessen, was aus dem grossen Genossenschaftsgebiet zurückkommt, reibungslos funktioniert und sich auch ökonomisch rechnet. Aus Sicht der Logistik ist eine intelligente Abfallverwertung nicht minder wichtig als die effiziente Auslieferung frischer Ware. «Biogene Masse ist ein Produkt, das einen Wert hat wie jedes andere auch»,

Die organischen Abfälle können mitsamt Verpackung abgegeben werden, einzig Glas und Metall werden vorher ausgesondert. Früher mussten die Verpackungen von Hand entfernt werden.

sagt Frischknecht. Die Wertschöpfung, also die Umwandlung von organischem Abfall in Biomasse, ist indes nicht ganz einfach. Das grösste Problem dabei sind die Verpackungen. Viele Lebensmittel sind heute in Plastik gehüllt und kommen daher für die Verarbeitung zu Biomasse nicht infrage. Es sei denn, man packt sie aus. «Lange wurde das in den Filialen von Hand gemacht», so Frischknecht. Ein unverhältnismässiger Aufwand – und einer mit Grenzen: Bei abgelaufenen Joghurt zum

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Tonnen organische Abfälle werden in Zürich durchschnittlich pro Tag in wertvolle Biomasse verwandelt.

4% 20

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entfallen auf die Verpackung und kommen in den Kehricht.


Was einst ein fauler Apfel war oder ein welker Blumenstrauss, ist am Schluss Ökostrom.

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Tonnen fasst der Tank, aber schon bei einer Füllmenge von 30 Tonnen geht automatisch ein SMS an den Abnehmer, mit der Aufforderung, die Masse abzusaugen.

96 % werden durch kleinste Löcher gepresst und kommen als flüssige Biomasse in den Tank.

Beispiel lohnte sich das Auspacken nicht. Sie wanderten stattdessen direkt in den Kehricht. An dieser Stelle tritt die Firma Hybag auf den Plan. Das Unternehmen im Emmental stellt «Systeme für die organische Abfallverwertung» her. Einfacher ausgedrückt: Maschinen, die zwischen Verpackung und Inhalt unterscheiden können. «Vor zwei Jahren kam uns die Idee, eine solche Anlage anzuschaffen», sagt Frischknecht. Dabei spielten nicht nur ökologische Überlegungen eine sehr wichtige Rolle, auch wirtschaftlich muss die Rechnung aufgehen. Das tut sie: «Die Investitionen haben wir in wenigen Jahren amortisiert.» Seit Mai ist die Anlage in Betrieb. Rund zwanzig Tonnen Wertstoffe werden ihr täglich zugeführt, in einer Hammermühle werden sie in kleinste Teilchen zerschlagen. Die Störstoffe, wie etwa Plastik, werden per Druckluft ausgeblasen und landen im Kehricht. Der Rest wird mit wenig Wasser vermischt und durch kleine Löcher ausgepresst. Was jetzt aussieht wie gebundene Bratensauce, ist ein begehrter Rohstoff. Fast täglich kommt ein Tanklastwagen der Firma Recycling Energie aus dem aargauischen Nesselnbach und pumpt die Brühe ab. Später

Fast täglich kommt der Tanklastwagen, um die Biomasse abzupumpen. Er fährt sie in die Biogasanlage.

wird die Biomasse erhitzt und von Keimen befreit, dann lässt man sie gären, womit Biogas entsteht. Dieses wiederum wird in Motoren verbrannt, die einen Generator antreiben, der CO2-neutral Ökostrom produziert. Und das nicht zu knapp: Eine Tonne Speisereste entspricht dem energetischen Wert von ungefähr 300 Litern Heizöl. Dass man in Anbetracht dieses Kreislaufes von Wertstoffen spricht, leuchtet ein. Im wahrsten Sinne des Wortes. ●

Zwei Drittel retourniert Recycling à la Migros Grundsätzlich versucht die Migros, Abfall gar nicht erst entstehen zu lassen und Stoffkreisläufe nach Möglichkeit zu schliessen. Von den Betriebsabfällen, die dennoch anfallen, schafft sie es, siebzig Prozent wiederzuverwerten. Im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsprogramms Generation M hat die Migros die Gesamtumweltbelastung der 250 meistverkauften Verpackungen in den letzten zwei Jahren um sieben Prozent reduziert.

In der Biogasanlage wird die Biomasse erhitzt, beim Gären entsteht Biogas.

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Regionalität

Regionales wird als „ umweltverträglicher und gesünder wahrgenommen„ Wir kaufen Produkte aus der Region, weil uns in Zeiten der Globalisierung nicht nur die Kontrolle, sondern auch die Identität abhandenkommt: die Ernährungswissenschafterin und Gesundheitspsychologin Hanni Rützler über den Siegeszug von Nahrung, die aus der Nähe kommt. Interview: Lukas Hadorn Foto: Roberto Greco

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Alltagsspeise. Anders als in vielen Weltregionen haben wir in Europa hinsichtlich Fleisch keinen Nachholbedarf, den man mit künstlichem Fleisch decken müsste.

Frau Rützler, Sie haben kürzlich den Frankenburger probieren dürfen, über den heftig diskutiert wurde. Wie schmeckt künstliches Fleisch?

Überraschend gut, ehrlich gesagt. Ein kulinarisches Highlight war es nicht, aber mit etwas Sauce und ein paar frischen Beilagen macht ein anständiger Koch daraus einen guten Hamburger. Den liesse ich mir vermutlich unterjubeln, ohne etwas zu merken.

© Zukunftsinstitut GmbH

Ist es das, was uns in Zukunft erwartet? In-vitro-Nahrung, die täuschend echt aussieht und schmeckt?

Ich denke nicht, dass sich im alpinen Raum in absehbarer Zeit künstlich hergestelltes Fleisch durchsetzen wird. Es gibt ja stets ethisch-moralische, aber auch kulturelle Hürden, die solchen Entwicklungen im Weg stehen. In unserem Kulturraum ist eher Letzteres der Fall – Fleisch hat keine lange Tradition als

Selbst wenn es von Tieren stammt, hat Fleisch einen zunehmend schweren Stand. Sie prognostizieren ein Zeitalter der Flexitarier, die sich hauptsächlich vegetarisch ernähren.

Hanni Rützler Die 51-jährige Ernährungswissenschafterin und Gesundheitspsychologin gilt als eine der führenden Food-Trendforscherinnen Europas. Rützler stammt aus Bregenz, lebt aber heute in Wien, wo sie 2004 ihr futurefoodstudio gegründet hat.

Wie haben den sogenannten Meat-Peak erreicht. In Europa nimmt der Fleischkonsum nicht weiter zu. Als Flexitarier verzichten wir zwar nicht auf Fleisch, stellen es aber auch nicht mehr ins Zentrum unserer Ernährung. Statt immer mehr Fleisch zu essen, geht es darum, besser zu essen. Wir hinterfragen die Art und Weise, wie unsere Nahrungsmittel produziert werden und wollen uns auch gesünder ernähren. Und wir achten mehr auf Herkunft und Qualität. Das tut uns gut – und unserer Umwelt auch. Vivai 1/14

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Regionalität

Küche ethnischer Minderheiten, die ganz stark regional und sogar lokal geprägt ist. Und in den USA tauchten schon vor einigen Jahren die «locavores» auf, Verbraucher, die sich über den Konsum lokaler Produkte definieren.

Steckt dieser Bewusstseinswandel auch hinter dem Trend zu regional produzierten Nahrungsmitteln?

Auf jeden Fall. Regionale Produkte werden von den Konsumenten als gesünder und umweltverträglicher wahrgenommen. Im deutschsprachigen Europa, dessen Kulturraum ich primär erforsche, stellen wir fest, dass der Wunsch der Konsumenten nach einem nachhaltigen, verantwortungsvollen Lebensstil wächst. Regionale Produkte kommen diesem Wunsch entgegen. Erfüllen Produkte aus der Region auch das Bedürfnis nach Kontrolle über die genaue Herkunft und Zusammensetzung unserer Nahrung?

Das auch, wobei ich glaube, dass dieser Faktor etwas überschätzt wird. Unsicherheit ist ein gutes Geschäft für die Politik und die Medien, da werden gewisse Ängste auch gezielt geschürt. Und weil wir in einer hochvernetzten Welt leben, kriegen wir jeden Skandal in Echtzeit mit. Dabei muss man nüchtern feststellen, dass die Lebensmittelsicherheit nie höher war als heute. Gleichzeitig macht uns die globale Vernetzung natürlich auch unsicher. Wenn wir im Supermarktregal eine Knoblauchzehe aus China entdecken, dann macht uns das schon ein wenig ratlos. Es ist uns lieber, wenn der Bauer im Dorf sie geerntet hat.

Oder jener im Nachbardorf. Jedenfalls erscheint es uns zunehmend absurd, dass wir Produkte, die in der eigenen Region produziert werden könnten, aus entfernten Winkeln der Welt importieren. Diese Auswüchse der Globalisierung haben den Trend zu regionalen Produkten weiter gestärkt. Fühlt man nur bei uns so, oder ist Regionalität ein globaler Trend?

Das beobachten wir auf der ganzen Welt. In Thailand etwa, wo vor rund 25 Jahren die Fusionsküche begründet wurde, besinnt man sich heute wieder auf die

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Seit wann besinnt man sich bei uns wieder auf seine nähere Umgebung?

Aus der Region direkt in die Migros Was als Tipp für Beziehungssuchende gilt, hat auch in der Produktewelt seine Gültigkeit: Das Gute liegt so nah. Produkte aus der Region stehen für eine Nähe zwischen Hersteller und Konsument, die gerade in Zeiten der Globalisierung an Bedeutung gewonnen hat. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt kommt hinzu: Einheimische Produkte geniessen bei den Kunden häufig grösseres Vertrauen. Und wer regional einkauft, fördert zugleich die Produzenten der Region. Ein Nebeneffekt, der gewünscht wird. Dieser Gedanke liegt auch dem Migros-Label «Aus der Region. Für die Region.» zugrunde. Regionalität gehörte in der genossenschaftlich organisierten Migros schon immer zum Selbstverständnis. Geboren wurde die Idee eines eigenen Labels für Regionales einst in der Genossenschaft Migros Luzern, mittlerweile hat jede Genossenschaft ihr eigenes regionales Sortiment. Insgesamt gehören rund 8000 Produkte zum Label «Aus der Region. Für die Region.», die schweizweit von rund 7500 Produzenten an die Migros geliefert werden. Um das Label mit den blauen Bergen und der gelben Sonne tragen zu dürfen, müssen die Hersteller einen aufwendigen Zertifizierungsprozess durchlaufen. Damit wird nicht zuletzt die Qualität des Produkts sichergestellt. Am liebsten kauft die Migros-Kundschaft übrigens Obst und Gemüse aus der Region.

Auch schon seit ein paar Jahren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als in Zürich das erste Lokal eröffnete, in dem ausschliesslich mit Schweizer Produkten gekocht wurde. Interessant ist ja, dass die regionale Küche schon durch die Nouvelle Cuisine in den Siebzigerjahren Auftrieb erhielt. Damals waren die Köche aber nur an den Rezepten und an regional unterschiedlichen Zubereitungsarten interessiert. Woher eine Zutat kam, war zweitrangig. Erst mit der Zeit hat sich diese Entwicklung auch auf die Produkte ausgedehnt.

Wird die Bedeutung regional produzierter Lebensmittel noch zunehmen?

Davon ist auszugehen, ja. Wir entwickeln ganz grundsätzlich ein neues Bewusstsein für das, was uns glücklich macht und uns guttut. Dafür, was Lebensqualität wirklich bedeutet. In Bezug auf die Ernährung heisst das, dass man die Geschichte eines Produkts kennt oder dessen Hersteller. Das Bedürfnis nach dieser neuen Form von alltäglichem Luxus wird weiter wachsen. Sie propagieren Ernährungskompetenz ganz grundsätzlich als Lebenskompetenz. Warum?

Weil wir viel Zeit unseres Lebens damit verbringen, Nahrung zu beschaffen, zuzubereiten und aufzunehmen. Wer sich besser und bewusster ernährt, hat mehr vom Leben. Es ist doch traurig, dass wir so ambivalent geworden sind, was unser Essen betrifft. Wenn wir schon im Überfluss leben, dann sollten wir ihn wenigstens bewusst geniessen und verantwortlich damit umgehen. Das setzt Ernährungskompetenz voraus. l


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Dies ist ein Medizinprodukt. Bitte lassen Sie sich von einer Fachperson beraten und lesen Sie die Gebrauchsanweisung.

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Bewegt Menschen.


Was ist eigentlich … Klimaneutralität ? Wer Treibhausgase entstehen lässt, die unser Klima schädigen, soll dafür geradestehen und die Sache wieder ins Lot bringen. Was aber bedeutet Umweltbelastung nach dem Verursacherprinzip? Vivai hat nachgefragt. Umfrage: Bernhard Raos

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Frage & Antworten

Wer das globale Klima überdurchschnittlich belastet, soll den Überschuss anderswo ausgleichen. Auf diesem Prinzip gründet die Klimaneutralität.

„CO -Emissionen, die sich 2

nicht vermeiden lassen, werden woanders reduziert, und zwar in nachhaltigen Klimaschutzprojekten weltweit. So handeln wir klimaneutral.

„

Kathrin Dellantonio, Leiterin Sales, Marketing, Kommunikation, Myclimate

„

Bei Klimaneutralität geht es erstens darum, Verantwortung für seine eigenen Emissionen zu übernehmen, zweitens um die Vermeidung solcher Emissionen im selben Umfang dort, wo es wirtschaftlich am effizientesten ist, und drittens um einen Beitrag zu einer weltweit CO2-armen Entwicklung.

„

Antje Baertschi, Leiterin Kommunikation, Staatssekretariat für Wirtschaft Seco

„ Klimaneutral heisst, die Belas-

tung des Klimas durch die eigenen Tätigkeiten möglichst klein zu halten. Bei der Schweizerischen Post unter anderem dadurch, dass wir Effizienzpotenziale ausschöpfen und unseren Strom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energiequellen (naturemade basic) aus der Schweiz beziehen. © Mauritius Images

„

Anne Wolf, Leiterin Nachhaltigkeit Schweizerische Post

„ Klimaneutralität bedeutet in

erster Linie, eigene CO2-Emissionen zu verhindern, nachhaltig zu reduzieren oder wenigstens zu kompensieren. Idealerweise wird die Emission ganz verhindert, in der Realität ist oft schon eine nachhaltige Reduktion ein schöner Erfolg. Die Migros engagiert sich seit Langem für einen schonungsvollen Umgang mit der Umwelt und nimmt ihre soziale Verantwortung wahr.

„

Lorenz Bruegger, Leiter Direktion, Migros-Medien

„Wir haben unser Klima-Budget

überzogen. In der Schweiz emittieren wir pro Kopf mehr als fünfmal so viel, wie die Atmosphäre verkraftet. Ein sorgsamerer Umgang mit Energie und ein beschleunigter Umstieg auf erneuerbare Energien bringen unseren Haushalt wieder ins Lot.

„

Rolf Wüstenhagen, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie, Universität St. Gallen

„ Mit unserer nahezu CO -freien 2

Stromproduktion aus Wasserkraft, Kernkraft und neuen Energien unterstützen wir unsere Kunden, die Kantonswerke, auf ihrem Weg zur Klimaneutralität.

„

Christian Capello, Leiter Nachhaltigkeitsmanagement, Axpo Vivai 1/14

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Leicht & gesund

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Vanille-Milchschaum (1)

Ausgekratzte Vanilleschote zur heissen Milch geben und mit einem Schwingbesen zu einem Schaum aufschlagen. Bündnerfleisch-Chips (2)

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Bei 180 Grad in der Mitte des Backofens eine Viertelstunde knusprig backen. Kräuter-Knobli-Croutons (3)

Gewürfelter Vollkorntoast mit Knoblauch in wenig Öl anbraten und mit Kräutersalz und Pfeffer würzen.

Die lässt sich toppen Wer Gästen eine heisse Suppe serviert, punktet nicht nur kulinarisch. Einfache Garnituren garantieren zudem, dass das Gericht auch optisch etwas hergibt. Text: Lukas Hadorn Rezept: Lina Projer Foto: Ruth Küng

© iStockphoto (Montage: Vivai)

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laubt man dem Volksmund, ist die Suppe ein wahres Wundermittel. Gross und stark soll sie machen, schlank und satt, glücklich und gesund – je nach Situation und Empfänger der Botschaft. Selbst soziales Potenzial wird ihr nachgesagt. Amerikanische Forscher haben jedenfalls herausgefunden, dass die Entscheidung, ob uns jemand sympathisch ist, massgeblich von der Temperatur des Getränks beeinflusst wird, das uns in diesem Moment gereicht wird. Es empfiehlt sich also, seinem Gegenüber eine Suppe zu servieren, wenn man nicht nur mit seinen Kochkünsten punkten will. Vorliegendes Rezept erfüllt natürlich beide Ansprüche gleichzeitig. Eine pürierte Gemüsesuppe ist schnell gemacht, und damit sie auch für den Auftritt vor Gäs28 28

Vivai Vivai1/14 1/14

ten taugt, gibt es ein paar einfache Toppings dazu. Was die berechtigte Frage betrifft, warum ein Gericht, das uns attraktiver machen soll, ausgerechnet mit Knoblauch-Croutons kombiniert wird, sei an dieser Stelle vorweggenommen, dass auch reichlich Petersilie darübergestreut gehört. Diese enthält Apiol, ein ätherisches Öl, welches unangenehmen Körpergeruch neutralisiert.

bel darin circa 5 Minuten anbraten. Restliches Gemüse und eine gute Prise Salz dazugeben und kurz weiterbraten. Den Ingwer fein dazureiben. Die Bouillon dazugeben, Suppe während 30 Minuten zugedeckt köcheln lassen. Mit dem Stabmixer fein pürieren (falls nötig, mit etwas Wasser oder Bouillon ergänzen), salzen und pfeffern. Peterli beigeben.

Zutaten und Zubereitung (4 Personen)

Gern geht vergessen, dass die Kartoffel zu den besten einheimischen Vitamin-CLieferanten gehört, was gerade im Winter wichtig ist. Karotten liefern pflanzliches Betacarotin, während der Ingwer entzündungshemmend wirkt und mit seiner warmen Schärfe Erkältungskrankheiten entgegenwirkt. ●

1 Zwiebel, 150 g mehligkochende Kartoffeln, 600 g Karotten, 2 EL Olivenöl, Salz, 20 g Ingwer, 1 l Gemüsebouillon, Pfeffer, gehackte Petersilie. Zwiebel, Kartoffeln und Karotten in Würfel schneiden. Das Öl erhitzen, Zwie-

Das Gesundheitsplus


Lus t auf Bas teLn? Wussten Sie, dass Getränkekartons nicht nur Lebensmittel schützen, sondern sich auch ideal als Bastelmaterial eignen? Aus leeren Verpackungen können witzige Armketten, Schnurspender und Stiftehalter entstehen. Zehn kreative Vorschläge gibts in unserem Bastelheft. Entdecken Sie jetzt die Vielseitigkeit von Getränkekartons und bestellen Sie das Bastelheft mit dem Talon oder laden Sie es von unserer Website herunter: www.tetrapak.com/chde/pages/kreatives.aspx.

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2

PS: Tetra Pak setzt sich aktiv für Getränkekarton-Recycling in der Schweiz ein. Mehr erfahren Sie unter: www.getraenkekarton.ch.

Bitte senden Sie mir das Bastelheft 2 kostenlos zu. Vorname, Name: Strasse/Nr.: PLZ/Ort: Talon ausschneiden und bis 31. März 2014 einsenden an: Tetra Pak (Schweiz) AG, «Bastelheft», Europastrasse 30, CH-8152 Glattbrugg


Nährstoffe

Stoff fürs Leben Angaben zu Nährstoffen findet man auf jeder Verpackung und in Rezepten. Doch was genau sind Nährstoffe? Wie viel brauchen wir davon? Was feststeht: Wir können nicht ohne sie. Text: Marianne Botta Diener Fotos: Armin Zogbaum

d

er Blick fällt auf ein gut bestücktes Salatbuffet. Was soll man auf den Teller laden? Liefern diese Salate das, was wir brauchen, um uns gut zu fühlen und gesund zu bleiben? Alle enthalten verschiedene Nährstoffe. Das hilft allerdings kaum weiter. Denn eine kurze Umfrage im Bekanntenkreis zeigt: Die wenigsten wissen, was genau unter Nährstoffen zu verstehen ist. Der Ernährungswissenschafter und VivaiExperte David Fäh erklärt sie so: «Die Ernährung des Menschen umfasst Mikround Makronährstoffe sowie Wasser. Sie alle erfüllen verschiedene Aufgaben.» Makronährstoffe sind demzufolge Koh30

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lenhydrate und Fette. Sie liefern uns Energie. Proteine können ebenfalls als Brennstoff verwendet werden, sind dafür aber zu schade. Proteine sind vor allem notwendig für das Wachstum und für den Aufbau von Gewebe. Zu den Mikronährstoffen gehören Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Sie erfüllen spezifische Funktionen. Wird der Köper damit nicht ausreichend versorgt, drohen Mangelerscheinungen. Ein Zuviel davon kann im schlimmsten Fall zu Vergiftungserscheinungen führen, die Aufnahme anderer Nährstoffe konkurrenzieren oder eine Mehrbelastung für die Nieren bedeuten. Aus diesem Grunde


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In diesen Lebensmitteln steckt viel Gesundes: von Proteinen bis zu Vitaminen. Wer sich abwechslungsreich ern채hrt, nimmt ausreichend N채hrstoffe zu sich.

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Nährstoffe

sagt auch Ernährungsexperte Fäh: «Es ist nicht sinnvoll, ohne Grund Vitamin- und Mineralstofftabletten einzuwerfen.» Ausserdem ist in einem hoch entwickelten Land wie der Schweiz die Versorgung mit den wichtigsten Makronährstoffen in der Regel ausreichend. Dennoch kann es bei einzelnen Nährstoffen mangeln. Gemäss dem 6. Schweizerischen Ernährungsbericht zählen dazu etwa die Folsäure sowie Vitamin D in den Wintermonaten. Ausserdem ist der Bedarf an Nährstoffen individuell verschieden. Säuglinge und alte Menschen brauchen meist mehr Vitamin D. Folsäure ist vor allem für Frauen, die schwanger werden wollen, wichtig. Überdies gilt für Menschen, die sich vegan ernähren, dass sie zusätzlich Vitamin B12 zu sich zu nehmen sollten. Abwechslung ist gesund

Was ist der beste Tipp, um die tägliche Nährstoffzufuhr zu sichern? Die Antwort vom Ernährungsfachmann ist einfach und einleuchtend: «Studien zeigen, dass eine ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen dann möglich ist, wenn wir sehr abwechslungsreich und vielseitig essen», so Fäh. Heisst also: von allem etwas, von nichts zu viel. Es empfiehlt sich die mediterrane Ernährungsweise mit verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Salat, Nüsse, Obst. Dazu Olivenöl als Hauptfettquelle, Fisch und mageres Geflügel, dafür wenig rotes Fleisch. Lebensmittel sollten schonend zubereitet werden (siehe Spalte ganz rechts). Zurück zum Salatbuffet: Wer sich so bedient, dass möglichst verschiedenfarbige Salate auf den Teller gelangen, dazu Nüsse, ein Ei, Käsesalat oder eine andere Proteinquelle, muss sich um seine Nährstoffversorgung keine Gedanken machen.

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1. Kohlenhydrate Versorgen den Körper mit Energie, sind aber nicht lebensnotwendig. Sie sind vor allem in Reis, Teigwaren, Kartoffeln, Brot und Süssigkeiten enthalten. Beispiel für ein Kohlenhydrat: Lactose (Milchzucker). Diese ist Energielieferant und Futter für nützliche Darmbakterien. Enthalten in Milch, Joghurt, Rahm. Zu beachten: Etwa jeder sechste Erwachsene in der Schweiz reagiert nach dem Genuss von Milch und gewissen Milchprodukten mit Bauchschmerzen und Blähungen, weil das Milchzucker spaltende Enzym fehlt (Lactoseintoleranz). Die gute Nachricht: Es gibt eine Vielzahl guter lactosefreier Milchprodukte als Alternative. Kleine Mengen lactosehaltiger Milchprodukte werden meist vertragen.

Beispiel für ein Protein: Tryptophan. Dies ist ein wichtiger Baustoff für das Glückshormon Serotonin. Zu beachten: Bei sehr proteinreichen Mahlzeiten gelangt weniger Tryptophan ins Gehirn. Sobald jedoch etwas Insulin im Blut ist, was nach dem Essen von Kohlenhydraten der Fall ist, gelangen andere Aminosäuren vermehrt in die Muskulatur und das Tryptophan kann ungehindert ins Gehirn transportiert werden.

2. Proteine

3. Lipide

Versorgen den Körper mit acht lebensnotwendigen Aminosäuren und sind Baustoffe für Enzyme, Gewebe und Organe sowie Hormone und fürs Immunsystem. Gute Proteinlieferanten sind Fleisch und Fisch, Eier, Milchprodukte und vor allem auch Nüsse.

Versorgen den Körper mit Energie und den lebensnotwendigen Fettsäuren für den Aufbau. Sie sind beispielsweise in Butter, Pflanzenölen, tierischen Fetten enthalten. Beispiel für ein Lipid: Omega-3-Fettsäuren. Sie wirken entzündungshemmend


4

Schonender Umgang Nährstoffe schützen Kaufen Sie regionale und saisonale •Frischprodukte möglichst kurz vor der

5

Verwendung. Ist dies nicht möglich, greifen Sie auf Tiefkühlgemüse zurück.

•

Achten Sie bei Tiefkühlprodukten auf eine intakte Kühlkette. Lassen Sie Tiefgekühltes nicht langsam auftauen, sondern verwenden Sie es sofort. Je abwechslungsreicher und farben•froher Sie essen, umso eher decken Sie Ihren Bedarf an allen benötigten Nährstoffen ab.

•

Rohe und gekochte Gemüse ergänzen sich gut. Während empfindliche Nährstoffe wie Vitamin C bei Rüebli und Tomaten beim Kochen verloren gehen, werden andere wie Karotine durch das Erhitzen besser verfügbar.

•

Lagern Sie Salate und Gemüse lichtgeschützt und eingepackt bei maximal vier Grad im Kühlschrank oder im Keller.

und sind wichtiger Bestandteil von Gehirn und Nerven. Sie schützen vor HerzKreislauf-Erkrankungen. Gute Quellen dafür sind Meeresfische wie Lachs, Hering, Makrele, Sardine, Sardelle, aber auch Forelle, grünes Gemüse, Raps-, Lein-, Baumnussöl. Zu beachten: Der Körper benötigt sowohl Omega-3-Fettsäuren als auch Omega-6-Fettsäuren. Es empfiehlt sich, zweimal pro Woche Fisch zu essen oder auf pflanzliche Quellen zurückzugreifen.

4. Vitamine Sind lebensnotwendig und haben verschiedenste Aufgaben im Körper. Beispiel für ein wichtiges Vitamin: Vitamin B 12 / Cobalamin. Es wird für die Blutbildung benötigt. Bei einem Mangel droht Blutarmut mit Müdigkeit oder Herzklopfen. Gute Vitamin-B-12-Quellen sind

Fleisch, Innereien wie Leber, Fisch, Austern, Eigelb und Milchprodukte. In Spuren kommt B 12 auch in fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut und Bier vor. Zu beachten: Vitamin B 12 findet sich fast nur in tierischen Lebensmitteln.

5. Mineralstoffe Auch sie sind lebensnotwendig, weil die Mineralstoffe für verschiedenste Funktionen benötigt werden. Beispiel eines wichtigen Mineralstoffes: Jod. Es ist an der Produktion der Schilddrüsenhormone beteiligt. Gute Quellen dafür sind Kochsalz mit Jod, Meeresfische, Meeresfrüchte, Algen. Zu beachten: Die Schweiz ist ein sogenanntes Jod-Mangel-Gebiet. Deshalb wurde bereits 1922 das jodierte Speisesalz eingeführt, was die Bildung von Kröpfen verhindert hat. l

Waschen Sie Gemüse, Obst und •Salate kurz und möglichst nicht unter fliessendem Wasser.

Sie die Lebensmittel erst •kurzZerkleinern vor der Verwendung. Marinieren Sie Salate und Gemüse •nach dem Schneiden rasch mit Essig

oder Zitronensaft, das stoppt den enzymatischen Vitamin-C-Abbau. Decken Sie bereits zerkleinerte •Lebensmittel gut zu, um sie vor Luftund Lichtzutritt zu schützen.

Je grösser die Gemüsestücke beim •Kochen belassen werden, umso weniger Mikronährstoffe gehen verloren.

Dämpfen − zum Beispiel in einem •Steamer − schont Nährstoffe. Die asia-

tische Küche ist hier ein gutes Vorbild. Sie das Gemüse bissfest. •MitGaren jedem Übergaren werden weitere Vitamine zerstört.

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Diättrends

Kalorienfreie Zeit Jetzt reden wieder alle vom Abnehmen. Und wie jedes Jahr verspricht eine neue Methode den grossen Erfolg. Derzeit im Gespräch ist das Zwischendurch-Fasten. Der Ernährungsexperte David Fäh erklärt es.

n

eues Jahr, neue Chance: Ich nehme ab! Die grossen Vorsätze kommen meist leicht über die Lippen, liegen dann aber schwer auf dem Magen. Diäten gibt es zahlreiche, und es kommen laufend neue hinzu. Anstatt auf jeden Diät-Zug aufzuspringen, sollten Abnehmwillige vor allem eines tun: vernünftig bleiben und nachhaltig ansetzen. Das ist zunächst der wichtigste Rat. Bevor wir den neusten Trend genauer anschauen, gilt es festzuhalten: Regelmässig essen und trinken sind überlebenswichtig. Wer zu viel oder das Falsche zu sich nimmt, kann aber vorzeitig altern, dick oder krank werden. Hier setzt eine neue Diätform an: das sogenannte intermittierende Fasten, also ein zwischenzeitliches Fasten. Grundlage dieser neuen Diät sind Experimente, die zeigen, dass Tiere, die begrenzt Nahrung bekommen, gesünder und länger leben als solche, die so viel fressen können, wie sie wollen. Das funktioniert sogar dann, wenn die Tiere einfach nur jeden zweiten Tag kein Futter bekommen, sonst aber uneingeschränkt fressen dürfen. Diese Art des intermittierenden Fastens brachte der Diät auch die Bezeichnung «Jeden-Zweiten-Tag-Diät» ein. Das kulinarische Intermezzo hielt auch die Ratten-Taille in Form. So hatten die fastenden Tiere nicht nur bessere Blutwerte, sondern nahmen im Gegensatz zu ihren Friss-so-oft-und-so-viel-du34

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willst-Kollegen nicht zu. Lässt sich das auf den Menschen übertragen? Vielleicht. Immerhin haben sich Blutwerte wie Zucker, Insulin und Leberwerte sowie vorhandene Krankheitssymptome bei den Probanden verbessert, die zwischen den Ess-Tagen fasteten. Wie funktioniert das? Wie fast alles, was Spass macht, setzt uns auch die Todsünde Völlerei zu. Kalorien lösen ein Feuerwerk an Reaktionen in unserem Körper aus. Fett, Zucker oder Eiweiss zu verwerten, bedeutet Arbeit für den Körper und stresst die Zellen. Energie lässt sich nicht vernichten, nur umwandeln. Essen wir mehr, als wir brauchen, müssen wir den Überschuss speichern. Auch das ist nicht ohne. Als Erstes muss unsere

Leber daran glauben. Sie verfettet und versucht verzweifelt, das Fett über das Blut loszuwerden. Das freut unsere Speckpolster, die sogleich ihre Reserven vergrössern können, und führt uns zu der brennenden Frage: Hilft intermittierendes Fasten, um abzunehmen? Es ist denkbar, doch wissenschaftliche Beweise dafür fehlen weitgehend. Unklar bleibt vor allem, ob das Gewicht nach dem Abnehmen schön da bleibt, wo es ist. Denn was nützt es, zwanzig Kilo zu verlieren, wenn das Jo-Jo gnadenlos zurückspringt? Kritiker dürfen zu Recht am Dauererfolg zweifeln, denn Fasten ist nicht unbedingt familientauglich und sozialverträglich. Diese Diät zwingt uns, noch mehr nach Plan zu leben. Also, Dienstag keine Verabredung, da Fastentag, Donnerstag geht leider auch nicht … und so weiter. Bezüglich Langzeiterfolg steht eine andere Ernährungsform auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament: die mediterrane Ernährungsweise. Sechs Jahre nach Beginn der Ernährungsumstellung hatte die mediterrane Gruppe im Schnitt ein niedrigeres Körpergewicht als zu Studienbeginn, während die Vergleichsgruppen mit der fett- und kohlenhydratreduzierten Diät ihr Ausgangsgewicht ganz oder fast wieder erreicht hatten. Mediterran essen bedeutet hingegen Genuss und einen Gewinn an Lebensqualität. Gemeinsam geniessen oder einsam fasten? Entscheiden Sie selbst. l

© GettyImages, iStockphoto (Montage Vivai), Plainpicture

Text: David Fäh


Intermittierendes Fasten Das sind die leichteren Versionen Nutzen Sie die Zeit zwischen Abend•essen und Zmorge für ein «Minifasten».

Die kalorienfreien zehn bis zwölf Stunden geben dem Körper Gelegenheit, Zuckerreserven aufzubrauchen. Bedeutet: früher abendessen, später frühstücken.

•

Sie sind nicht der Frühstückstyp? Kein Problem, verschieben Sie die erste Mahlzeit des Tages aufs Znüni. Aber Achtung: danach nicht zwischendurch naschen!

Sie zwischen den Völlerei-Tagen nach dem Sport nicht gleich etwas •malLegen •isst,Werverlängert einen Tee-Tag ein. die Fettverbrennung des

Körpers. Allerdings sollte Bewegung mindestens eine halbe Stunde dauern, damit den Schwimmringen die Luft ausgeht.

Sonntag: Endlich Zeit zum Ausschlafen! •Guter Nebeneffekt: Für den verkürzten Tag genügen zwei Mahlzeiten, sprich am besten ein Brunch von elf bis zwölf Uhr und ein Abendessen gegen achtzehn Uhr.

vor dem Frühstück verbrennt extra- • Haben Sie schon mal «dinner cancel•vielSport ling» ausprobiert? Wer das Abendessen Fett. Weil sich die Zuckerreserven

über Nacht leeren, kommt das Fett beim Training schneller an die Reihe.

auslässt, fastet bis zu zwanzig Stunden am Stück.

Verzichten Sie, wenn es geht, auf •Zwischenmahlzeiten. Fünf kalorienfreie

Stunden zwischen den Hauptmahlzeiten sind optimal. Ungesüsster Tee oder Kaffee zwischendurch sind aber kein Problem. schaffen Sie nicht? Dann greifen •SieDaslieber zu einem Gemüsesnack anstatt zu Früchten. Cherry-Tomaten, Gurken, Sellerie oder Fenchel lassen den Insulinspiegel kalt und hindern so unseren Körper nicht daran, Reserven abzubauen.


Diättrends

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Wie sie heisst

Intermittierendes Fasten

Basenfasten

Um was geht

Darunter versteht man verschiedene Formen des Fasten über einen kurzen Zeitraum hinweg: beispielsweise das Fasten jeden zweiten Tag oder die 16-Stunden-Pause zwischen zwei Mahlzeiten.

Verzicht auf Nahrungsmittel, die den Körper übersäuern. Wird häufig auch als Frühlingsputz für den Organismus bezeichnet.

Gesundheitseffekt

Bisher belegt: Bei Gesunden verbessern sich Blutwerte für Fett und Zucker.

Je nachdem, wie man sich vor der Diät ernährt hat, ist eine Verbesserung der Risikofaktoren denkbar.

Risiken

Tierstudien lassen vermuten, dass die Diät gefährlich ist für Personen mit vorbestehenden Erkrankungen, zum Beispiel Diabetes.

Man muss auf potenziell gesunde Lebensmittel wie Fisch oder Tee verzichten. Keine Daten zur Langzeitwirkung auf die Gesundheit verfügbar.

Einfluss auf das Gewicht

Es gibt bisher keine Studien, die die Langzeitwirkung auf das Körpergewicht untersucht haben. Folglich bleibt hier noch ein Fragezeichen.

Je nachdem, auf welche Nahrungsmittel konkret verzichtet wird, ist eine Gewichtsreduktion denkbar. Studien fehlen aber.

Nachhaltige Wirkung

Wenn eine Diät nicht fix in den Alltag eingebaut werden kann, bestehen wenig Aussichten auf nachhaltigen Erfolg. Das gilt auch für das Fasten.

Vermutlich gering. Eingeschränkte Sozialverträglichkeit, da viele alltägliche Lebensmittel wie Pasta oder Fleisch vom Essensplan gestrichen sind.

Genuss

Eindeutig genussfeindlich. Auch wenig sozial, denn an jedem zweiten Tag zu fasten, macht einen vermutlich eher einsam.

Ganz klar genussfeindlich.

Verzicht

Ganz offensichtlich muss man auf vieles verzichten. Hier gilt: alles oder nichts. Es gibt aber kein Verbot für spezifische Nahrungsmittel.

Hier muss man darben. Denn Fleisch, Fleischprodukte, Fisch, Milchprodukte, Weissmehlprodukte, Süsses, Schwarztee und Alkohol sind verboten.

Beweis für die Wirkung

Bis jetzt ungenügend.

Kaum wissenschaftliche Evidenz. Weder für das Konzept noch für dessen Wirkung.

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Bekannte Diäten,vom Experten bewertet


Low Carb

Makrobiotisch

Mediterran

Hinter dem englischen Begriff steht der weitgehende Verzicht auf Lebensmittel, die Kohlenhydrate enthalten. Derzeit eine sehr beliebte Diätform.

Weitgehender Verzicht auf tierische Nahrungsmittel. Möglichst naturbelassene Produkte und auch wenig behandelte Vollkornprodukte. Gemüse erlaubt, dafür nur wenig Obst.

Täglich reichlich Obst, Nüsse und Gemüse, häufig Fisch, gelegentlich Geflügel. Olivenöl als Hauptfettquelle. Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, wenig Süssigkeiten. Regelmässig, aber mässig Wein.

Blutzucker- und Fettwerte sowie das Insulin verbessern sich bei vielen.

Bei einer zuvor sehr fleischreichen Ernährung ist eine Verbesserung gewisser Blutparameter (Cholesterin) denkbar.

Nachweislich werden Risikofaktoren verbessert sowie das Erkrankungsrisiko verringert.

Wer bei dieser Diät auf zu viel rotes Fleisch setzt, erhöht sein Risiko für Krebs oder Herzinfarkt.

Eindeutig ein relativ hohes Risiko für Mangelerscheinungen.

Keine bekannt.

Anfänglich ist der Erfolg gross: Es kommt zu raschem Gewichtsverlust. Doch aufgepasst: grosses Risiko, dem Jo-Jo-Effekt zu verfallen.

Nicht erforscht. Wahrscheinlich wenig geeignet, da hoher Kohlenhydrat- und geringer Eiweissanteil die Diät bestimmen.

Gut erforscht. Eine eher mässige, dafür aber nachhaltige Gewichtsreduktion ist die Erfolgsbilanz.

Hat wohl nur bedingt nachhaltige Wirkung, da diese Form der Ernährung stark einschränkend ist.

Mögliche positive Wirkung bei Personen, die diese Ernährungsweise als Philosophie verinnerlicht haben. Ansonsten eher geringe Chancen.

Die Wirksamkeit dieser Form von Ernährung ist über eine Dauer von sechs Jahren erwiesen.

Hängt von der persönlichen Präferenz ab. Ist aber unter dem Strich wohl eher wenig genussfreundlich.

Genussfeindlich, da die Verarbeitung vieles, was wir essen, schmackhafter und geniessbarer macht.

Genuss ist ein wichtiger Aspekt beim Essen und wird hier nicht vernachlässigt. Was diese Diät auch leicht umsetzbar macht.

Langer Verzichtskatalog. Das alles darf nicht gegessen werden: Früchte, Pasta, Pizza, Brot, Kartoffeln etc.

Lange Liste: Fleisch, Milchprodukte, Eier, Zucker, Kartoffeln, auch Genussmittel wie Alkohol und Kaffee sind tabu. Ebenso Konserven, Tiefkühlkost.

Nichts ist grundsätzlich verboten. Süssigkeiten, Butter, Rahm nicht täglich essen. Rotes Fleisch und Wurstwaren maximal zwei- bis dreimal pro Woche.

Studien zeigen, dass sich Risikofaktoren zwar verbessern. Wer die Diät aber jahrelang konsequent einhält, erhöht möglicherweise sein Erkrankungsrisiko.

Das Konzept entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Einzelne Studien zeigen, dass Mangelerscheinungen und Entwicklungsstörungen bei Kindern auftreten können.

Zahlreiche aussagekräftige Studien zu Risikofaktoren, Erkrankungsund Sterberisiken und zur Gewichtskontrolle.

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Rösti

Die Reibungslose Rösti gehört zur Schweizer Küche wie Streuwürze und Cervelats. Nur bei der Zubereitung gehen die Meinungen im Land auseinander. Deshalb gibts die unkomplizierte Variante: Rösti aus dem Beutel!

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gria, Charlotte, Urgenta, Lady Christl oder doch lieber Bintje? Bei der Frage, welche Kartoffelsorte sich am besten für eine perfekte Rösti eignet, sind sich die Experten in der West- und der Deutschschweiz einig: Alle oben erwähnten Sorten passen hervorragend. Dann aber ist Schluss mit der helvetischen Eintracht. Die Romands schwören bei der Zubereitung auf die Verwendung von rohen Kartoffeln und Öl zum Braten. Auf der anderen Seite der Saane hingegen ist man überzeugt, dass es gekochte Kartoffeln und viel Butter braucht. Die Frage spaltet die Schweiz seit Langem und ist als Röstigraben zum Sinnbild des Mentalitätsunterschieds zwischen den Sprachregionen geworden. Machen wir aus einer Mücke einen Elefanten? Ein kurzer Blick ins Ausland zeigt zweierlei: Erstens gilt die Rösti bis weit über die Grenzen hinaus als Inbegriff der authentischen bodenständigen Schweizer Küche, egal, ob sie nun aus rohen oder gekochten Kartoffeln gemacht und ob sie in Butter oder Öl gebraten wurde. Und zweitens sind die geraffelten Kartoffeln, die ursprünglich als nahrhaftes Frühstück für den Bauernstand gedacht waren, weltweit beliebt. Aber ob in Vietnam, in Kanada oder in England, die Frage nach dem perfekten Rezept, das ein butterzartes Inneres und ein knuspriges Äusseres garantiert, ist allgegenwärtig. Die britische «Guardian»-Bloggerin Felicity Cloake etwa hat sich vor ein paar Jahren auf einer Wandertour durch die Schweizer Alpen nachhaltig in das Gericht 38

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Rösti-Varianten Weltweit beliebt

Ostschweizer Rösti

Butter in einer Pfanne zergehen lassen, vier bis fünf hauchdünne Speckscheiben knusprig anbraten, einen halben Apfel in dünne Scheiben schneiden, beifügen und warten, bis sie leicht karamellisiert sind. Einen Beutel «Original Rösti» beigeben und gemäss Packung zubereiten.

Marokkanische Rösti

Knoblauch in Olivenöl andünsten, ein Pfund Spinat beifügen und anbraten, bis er zusammengefallen ist. Mit wenig Kreuzkümmel und Muskatnuss würzen, «Original Rösti» beigeben und gemäss Packung zubereiten. Das Ganze mit gesalzenem Joghurt (oder Sauerrahm) und ein paar Granatapfelkernen garnieren.

Schweden-Rösti

«Original Rösti» gemäss Packung knusprig braten, mit geräuchertem Lachs und einem Klacks Dill-Sauerrahm garnieren.

verliebt. Zu Hause recherchierte und experimentierte sie so lange, bis sie nach gut zwanzig Versuchen ihren Lesern das perfekte Rezept (aus gekochten Kartoffeln!) verkünden konnte. Es geht allerdings auch ganz einfach, unkompliziert und schnell. Schliesslich haben heute nur noch die wenigsten Zeit und Musse, eine Rösti von A bis Z selbst zuzubereiten. Vor allem wenn uns eine so pragmatische und wohlschmeckende Variante wie die «Original Rösti» zur Verfügung steht. Seit 1967 gibt es die Fertigrösti in unveränderter Rezeptur in der Migros, und sie erfreue sich «stetiger Beliebtheit», wie Helen Treier, die Kommunikationsverantwortliche der Herstellerin Bina AG, sagt. Auch vorgefertigt begeistert die Rösti übrigens bis weit über die Grenzen hinaus: Ausländische Kollegen berichten, wie sie vor dem Heimaturlaub den halben Koffer mit diesem besonderen Mitbringsel füllen müssen. Ob die «Original Rösti» genauso gut schmecke wie eine selbst gemachte – dazu sagt Treier: «Wenn man es richtig macht – Beutel aufschneiden, Rösti in der Packung lockern und anschliessend in einer antihaftbeschichteten Pfanne ohne Fettzugabe bei mittlerer Hitze goldbraun braten – ganz bestimmt.» Die diesjährigen Besucher der St. Galler Olma auf jeden Fall waren begeistert: An jedem der zehn Ausstellungstage hat die Bina AG rund 3600 Portionen Rösti verteilt – Röstigraben hin oder her. l

© Illustrationen: Christopher Corr

Text: Monique Rijks Fotos: Yves Roth


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„Einig ist man

sich nur, was die besten Sorten „ betrifft.


Der Psychologe rätselt …

Flexibler Familieneinkauf Wer hier eingekauft hat, dürfte in der heimischen Küche Spontaneität walten lassen. Der Psychologe vermutet eine Familie mit sportlichen männlichen Jugendlichen. Das wichtigste Indiz: die viele Milch. Fotos: Nik Hunger

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eine Kollegin Pamela steht zufällig beim gemeinsamen Printer, als ich das neue Laufbandfoto ausdrucke. Sie wirft einen kurzen Blick darauf und meint: «Interessant, so könnte unser Wochenendeinkauf aussehen. Wir kaufen meistens so ein, dass wir verschiedene Optionen haben und kombinieren können. Hier könnte zum Beispiel Poulet oder Fisch gekocht werden, mit Fenchel oder Spinat und mit 40

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Teigwaren, Ebly oder Reis als Beilage. Aber auch eine Kürbissuppe mit Brot und Käse und dann ein Joghurt mit Früchten zum Dessert könnte es geben. Je nach Zeit und Lust.» Pamela kauft für einen Zwei-Personen-Haushalt ein. Damit habe ich einen guten Einstieg gefunden und einen Hinweis erhalten, dass ein Paar eingekauft haben könnte. Aber kann von einem ähnlichen Einkauf zwingend auf eine ähnli-

che Lebenssituation geschlossen werden? Keineswegs. Nach Erscheinen des letzten Vivai habe ich ein Mail von einer anderen Arbeitskollegin erhalten, die meine Analyse des Einkaufs eines jungen Pärchens ziemlich amüsiert hatte. Warum? Weil sie nach eigenen Angaben praktisch dasselbe für ihre vierköpfige Familie einkauft. Ähnlich strukturierte Einkäufe stammen also längst nicht immer von Personen aus vergleichbaren Wohn- und


Getätigt wurde dieser reichhaltige und farbenfrohe Einkauf in der Migros in Marin NE.

Lebenssituationen. Und jede rasche Schlussfolgerung kann mich auch auf den Holzweg führen. Mit diesem Mahnfinger vor Augen versuche ich mich auch bei diesem Bild möglichst präzis an die Realität heranzutasten. Sechs Poulet-Schnitzel und zwölf Liter Milch deuten auf einen grösseren Haushalt hin. Eine Familie mit zwei bis drei Kindern würde eigentlich ziemlich genau passen. Denkbar wäre auch eine gut organisierte Wohngemeinschaft, in der es gemeinsame Mahlzeiten gibt. Das Gesamtmuster spricht jedoch mehr für eine Familie, wahrscheinlich mit sportlichen männlichen Jugendlichen. Die zwölf Liter Milch sind für mich ein Indiz, dass mehr Männer als Frauen im gesuchten Haushalt leben. Ich vermute, dass am Abend und an den Wochenenden aufwendigere Menüs gekocht werden und alle gemeinsam essen. Vielleicht sind jedoch manchmal

„Fehlt noch die Er-

klärung, weshalb kein grösseres Brot eingekauft wurde.„

Der Ernährungspsychologe Dr. Robert Sempach ist Projektleiter Gesundheit beim Migros-Kulturprozent. Sein aktuelles Projekt: «Tavolata» – Tischrunden für ältere Menschen. Infos: www.tavolata.net

einzelne Familienmitglieder abwesend, oder die Zeit ist knapp, und es gibt eine rasch zubereitete Mahlzeit. Das kommt in der Flexibilität und der Kombinationsvielfalt dieses Einkauf zum Ausdruck, auf die mich Pamela hingewiesen hat. Jetzt fehlt mir nur noch eine plausible Erklärung, weshalb kein grösseres Brot eingekauft wurde. Das Fit-Brot würde zwar die Sportlichkeit der Jugendlichen unterstreichen, die ich vermute, doch wenn ich mir ihren Appetit vorstelle, frage ich mich, weshalb nicht zwei Brote gekauft wurden. Bevor sich aber ein neuer Zweifel ausbreiten kann, greife ich zur naheliegenden Antwort, die mir aus meinem eigenen fünfköpfigen Familienhaushalt bestens vertraut ist: Der Brotkorb zu Hause ist noch nicht ganz leer, und niemand in dieser lebhaften und dynamischen Familie mag altes Brot. Wer wars? Zur Auflösung umblättern. Vivai 1/14

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Die Auflösung Eingekauft haben Nathalie Jouval, 46, und Ueli Schiess, 38, mit Antoine, 11, und Hugo, 8. Für die Familie aus Saint-Blaise darf unter der Woche auch mal schnell und unkompliziert gekocht sein. Hauptsache, es essen alle gemeinsam.

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portliche männliche Jugendliche? Da hat Herr Sempach ins Schwarze getroffen, auch wenn er sich unsere Jungs vermutlich etwas älter vorgestellt hat. Aber sie greifen gern richtig zu am Tisch, was vermutlich auch daran liegt, dass sie die beiden Kleinsten unserer Patchwork-Familie sind und früh lernen mussten, sich gegen drei ältere Halbgeschwister zu behaupten. Diese sind inzwischen mehrheitlich ausgeflogen, meistens essen wir nur mehr zu viert. In unserem Haushalt gilt allerdings die Regel, dass wer zu Hause ist, gemeinsam mit den anderen isst. Während der Woche kochen wir eher einfach, Café complet mit einem grossen Salat zum Beispiel. Richtig, da gehört auch Brot dazu, dieses kaufen wir aber meistens vom Boulanger bei uns im Dorf. Sowieso kommt es häufig vor, dass wir auf dem Heimweg von der Arbeit noch einzelne Zutaten einkaufen, auf die wir gerade Lust haben. Den Wocheneinkauf gestalten wir dann so, dass er uns möglichst viele Optionen offenhält. Das hat die Kollegin von Herrn Sempach genau richtig interpretiert. Aufwendiger gekocht wird bei uns vor allem am Wochenende, das kann ein Lammgigot sein, eine Dorade in der Salzkruste, im Sommer auch mal ein frisches Ceviche. Nathalie kocht gern französische und mediterrane Gerichte, ab und zu lassen wir aber auch mit Rahmschnitzeli und Chnöpfli den Deutschschweizer Teil der Familie hochleben. Die viele Milch war übrigens purer Zufall, es hätte auch Orangensaft sein können, solche Dinge kaufen wir meist der Einfachheit halber in grösseren Mengen. Warum Milch für Herrn Sempach ein klares Indiz für mehr männliche Familienmitglieder ist, würde uns aber brennend interessieren. Hoffentlich nicht wegen der sprichwörtlichen Milchbubis? Dem müssten wir vehement widersprechen! ● Aufgezeichnet von Lukas Hadorn

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Körper & Geist

West-östlicher Energiefluss Wenn der gestresste Europäer Entspannung sucht, wendet er sich bevorzugt nach Osten. Yoga, Tai Chi oder Qi Gong haben hierzulande eine stetig wachsende Anhängerschar. Man praktiziert es in gestylten Studios der Städte ebenso wie in Turnhallen auf dem Lande. «Alles fliesst» könnte über den drei Bewegungsformen als gemeinsamer Nenner stehen. Dabei werden Körper und Geist gleichermassen trainiert. Der nutzungsorientierte Laie fragte ja gerne: Und was bringts? Darauf drei persönliche Antworten. Illustrationen: Tina Berning

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Yoga: Du sollst nicht wollen

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or etwa zehn Jahren warf mir der Zeitgeist Yoga vor die Füsse. In den Städten bekam man den Eindruck, Yogastudios sind die Coffeeshops für Körperbewusste. Spirit to go. Mittlerweile macht die halbe westliche Welt Yoga, und kaum bricht eine Prominenten-Ehe auseinander, versucht sie ihre Abfindung mit einer Yoga-Kollektion aufzustocken. Trendwellen schwemmen stets auch Unrat an. Dafür leuchten die Muscheln umso heller. Das gilt besonders für Yoga. Was als Meditationsübungen vor Tausenden von Jahren in Indien begann, hat sich von vielen Strömungen beeinflussen lassen und umfasst heute eine Vielzahl von Formen. Yoga steht im mehrfachen Wortsinne für eine flexible Lebenshaltung. Meine Beziehung zu dieser geistigkörperlichen Bewegungsform begann indes mit einer falschen Haltung. Ich stellte Ansprüche. Es sollte ein «Sport» sein, der den Körper trainiert, ortsunabhängig praktizierbar, ausstattungsmässig unaufwendig, abwechslungsreich und in meinem Alter erlernbar ist. Die Bilder der geschmeidigen Yogalehrer/ -innen-Körper waren die beste Werbung: Genau das wollte ich auch. Doch bereits die ersten Übungsstunden erwiesen sich als Schnelldurchlauf durch die Gefühlslagen des Lebens: Verzweiflung (wenn der Bewegungsapparat zittert), Mutlosigkeit (das kann ich nie!), Stolz (ich kanns ja doch!), Erleichterung (überlebt!), aber auch Monotonie (x-mal den «Hund nach unten»). Aber immer wieder Euphorie, wenn sich die Spannung in Entspannung löst und alles «fliesst». Ein Zustand, vergleichbar mit dem Eintauchen in ein warmes Bad. Über die Weisheiten, mit denen einen die Lehrer im Verlauf einer Stunde beglücken (wer gut verwurzelt ist, kann wachsen – einer meiner Lieblingssätze) mag man draussen lächeln, auf Vivai 1/14

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Körper & Geist

Susanna Heim, VivaiChefredaktorin, glaubt, dank Yoga an Flexibilität gewonnen zu haben – körperlich und geistig. Sie mag den Kopfstand wegen des Perspektivenwechsels.

Qi Gong: Die Kraft liegt in deiner Mitte

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ewegungen in Zeitenlupenform haben mich schon immer fasziniert. Bei einem Essen mit Bekannten kam das Gespräch darauf. Jemand sagte, für diese Vorliebe gäbe es eine Bewegungsform namens T’ai Chi Ch’uan. Sofort war ich interessiert und buchte einen Kurs. Das ist jetzt mehr als drei Jahrzehnte her! Die Ästhetik der Bewegungen begeistert mich bis heute. Mehr noch, ich machte es zum Beruf und liess mich bei verschiedenen Lehrern in Tai Chi ausbilden. Bei Tai Chi handelt es sich um eine Form des Qi Gongs. Es orientiert sich mehr an Kampfbewegungen. In den letzten zehn Jahren habe ich mein Interesse mehr auf das rein Energetische, wie es im Qi Gong gepflegt wird, gerichtet. Um es einfach zu erklären: das bewegte Qi Gong (Qi: Vitalenergie, Gong: Studium und Pflege des Qi) ist eine aus China stammende meditativ ausgeführte Bewegungsform, in der darauf geachtet wird, dass Achtsamkeit, Atem und Bewegungsausführung eine Einheit bilden, wobei das Empfinden des Qi das Verbindende ist. Und wie muss man sich das praktisch vorstellen? Qi Gong beginnt immer damit, dass ich mental, emotional und körperlich loslasse und bereit bin für die Bewegungsabläufe, die Namen tragen wie «Den Himmel stützen» oder «it dem Bogen schiessen». Was leicht und poetisch klingt, ist das Ergebnis einer langen Meditationspraxis: Der Geist soll klar, offen, ruhig und frei sein. Das Hauptenergiezentrum liegt im Bauch. Von dort stellen sich Kraft, Stabilität und Sicherheit ein. Qi Gong stärkt das Standvermögen. Und es geht darum, das Qi, die Energie, in belebenden Fluss zu bringen. Mir hilft das ungemein im Alltag. Wenn man dank der jahrelangen Übungspraxis (ohne regelmässiges Üben gelangt man nicht dorthin) einmal gespürt hat, wie die Kraft aus dem Becken aufwärtsströmt, die Wirbelsäule sich streckt und man viel aufrechter im Leben steht, ist man begeistert. Oft werde ich gefragt: «Wie wirkt Qi Gong?» Meine Antwort: Es belebt, stärkt und weitet. Durch die verschiedenen Übungen öffnet sich nämlich der Brustraum, der Atem vertieft sich. Mir verleiht das jedes Mal ein angenehmes Selbstwertgefühl. Qi Gong erhöht das mentale, emotionale und körperliche Wohlbefinden, und das kann man – bei entsprechender Achtsamkeit – auch im Alltag beibehalten. Ronald Haller, lic. phil., gibt Kurse an der Meditationsschule Basel und unterrichtet Qi Gong auch an der Migros Klubschule. Er praktiziert Qi Gong seit dreissig Jahren. www.lotus-akademie.ch

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© Roland Tännler

der Matte «spürt» man sie. Wer spürt, ist meist nicht mehr weit weg von der nächsten Stufe: dem Spirtuellen – oder bildlicher ausgedrückt der Bergspitze, von der aus alle Anstrengung nur noch ein Atemhauch im Tal ist. Gelingt selten. Zumindest mir. Aber ich bin auf einem Weg, und an dessen Ende steht nicht Perfektion, sondern so etwas wie Bewusstwerdung. Im Grunde hege ich meine Zweifel daran, dass westliche Wesen jemals zum spirituellen Kern des Yogas vordringen können. Trotzdem ist es für mich mehr als nur ein äusseres Fitnessprogramm mit etwas geistigem Firlefanz. Ich eigne es mir mit meinem kulturellen Hintergrund an. Es ist eine Art Gefäss, in das Körper und Geist fliessen können. Auffällig ist jedenfalls: Nach einer Yogastunde tragen die Teilnehmer jene entspannten Gesichtszüge, die auch Menschen haben, die gerade eine Kirche verlassen. Ein geistiges Leuchten. Klingt zu abgehoben? Jedenfalls führt es dazu, dass man zehn Minuten lang nicht gehässig oder genervt sein kann. Was Yoga hingegen nicht ist: Wettbewerb. Darin liegt womöglich für viele die grösste Herausforderung. Auf der Matte sollte man nicht kämpfen. Am wenigsten gegen sich selbst. Man darf dafür streben – nach Harmonie, Weite oder sonst einem Ziel. Das richtige Mass für sich selbst immer neu zu finden, ist einer der beglückendsten Momente, den die Yogapraxis zu verschenken hat.


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Körper & Geist

Tai Chi: So löst du Blockaden

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ls ich vor fünf Jahren angefangen habe, Tai Chi* zu üben, hatte ich keine Ahnung, dass dies eine der ältesten Kampfkünste der Welt ist. Ja doch, Karate war mir ein Begriff. Schliesslich trainierte ich es in meinen Zwanzigern sehr intensiv. Es war also mit 43 Jahren höchste Zeit, mich wieder einmal sportlich zu betätigen. Und da eine Bekannte unbedingt dieses Tai Chi ausprobieren wollte, ging ich mit. Ich hatte – wie sich im Nachhinein zeigte – das Glück, auf einen Lehrer zu treffen, der Tai Chi als ganzheitliche Kampfkunst versteht und den theoretischen Hintergrund vermitteln wollte. So wurde mir schnell klar, dass es sich nicht um eine inhaltslose Choreografie handelt, die im besten Fall dem körperlichen Wohlbefinden förderlich ist. Langsam realisierte ich die tiefere Bedeutung von Yin und Yang, denen im Tai Chi eine wichtige Bedeutung zukommt. Mir erscheint es einleuchtend, dass das Leben diesem polaren Prinzip folgt. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr spürte ich eine Veränderung. Mit wachsendem Verständnis wurde ich gelassener und geduldiger. Allerdings fiel es mir immer schwerer, gegen meine Bedürfnisse zu handeln. Tai Chi ist natürlich auch Körperarbeit, und die Effekte zeigten sich auch bei mir: Ich gewann schnell Beweglichkeit und Geschmeidigkeit zurück. Ein Erfolgserlebnis! Und ich habe in vielen Trainingsstunden begriffen: Nur ein entspannter, von Blockaden freier Körper kann die Energie Qi gut und richtig leiten und somit ein Höchstmass an Effizienz erzielen; sei es als Kampfkunst zur Selbstverteidigung oder ganz einfach in Bezug auf die Gesundheit. Meine Blockaden sind dank der vielen Korrekturen durch meine jetzige Lehrerin fast gelöst! Klar, es braucht Geduld und nicht zu hohe Erwartungen,

wenn man Tai Chi lernt. Und doch, das Ergebnis beeindruckt mich: Meine Migräneanfälle sind so gut wie verschwunden. In der langen Schlange vor der Kasse oder im Stau stehen? Kein Problem mehr für mich. In Grundübungen wie der «Stehenden Säule» habe ich gelernt, meine Energien abzusenken und zu zentrieren, mich also zu erden. Ich habe auch festgestellt, sowohl mein Körper als auch mein Geist reagieren schneller auf unliebsame Situationen. Für mich ist Tai Chi ein ganzheitliches System, das mir zu einem gesteigerten psychischen und physischen Wohlbefinden verholfen hat. Das Beste daran: Jeder übt, so gut er kann. Leistungsdruck gibt es hier nicht. Junge Schüler sind meistens mehr an der kämpferischen Seite interessiert. Aber alle Aspekte dieser Kampfkunst gehen miteinander Hand in Hand. Und wenn mir meine Mitschüler/ -innen, die erst mit Ende sechzig mit Tai Chi angefangen haben, erzählen, dass ihre Muskelzuckungen verschwunden sind, wie sie mühelos hohe Stufen überwinden oder andere Zipperlein weg sind, dann blicke ich zuversichtlich auf die nächsten Jahre. l * Die Bezeichnung lautet korrekt: Taijiquan und bezeichnet die komplette Kampfkunst. Da sich die Abkürzung Tai Chi in der Schweiz eingebürgert hat, wird sie hier der Vereinfachung halber verwendet.

Anita Wetzel lebt in der Nähe von Luzern. Die gelernte Gärtnerin ist von Tai Chi so begeistert, dass sie seit einiger Zeit eine Ausbildung zur Tai- Chi-Lehrerin macht.

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Wintersport-Alternativen

Abschnallen! Rummel auf den Pisten und Trubel an der Après-Ski-Bar? Vergessen Sie nicht: Der Winter gehört nicht nur den Skifahrern. In der kalten Jahreszeit kann man sich auch auf andere Art verzaubern lassen. Text: Petra Koci

Wie im vorletzten Jahrhundert

Im Schlepptau der Bernhardiner

Durch wildromantische verschneite Landschaft stapfen – in ungewöhnlicher Begleitung macht es noch viel mehr Spass: In Champex-Lac sind gutmütige Bernhardinerhunde mit von der Partie. Hier dürfen sich Kinder auch vom vierpfotigen Schlittengespann ziehen lassen. Und im Bündner Safiental bietet Familie Bandli kleine Lamatreks an – durch den Schnee zum Biobauernhof für einen Verpflegungsstopp. Infos: www.fondation-barry.ch oder Tourismusbüro Champex-Lac, Telefon 027 775 23 83; www.bandli.ch

Wie war das erholsam, anno dazumal, als man in die Berge fuhr, um frische Luft und ein wenig Einsamkeit zu tanken. Als Hotels vor allem Orte des Innehaltens waren. In der Kulisse einer historischen Alpin-Oase wird jeder Wintermuffel zum Bergromantiker. Und der Schnee? Dem kann man auch vom Sessel vor dem knisternden Kaminfeuer aus zuschauen. Im Grandhotel Bella Tola in Saint-Luc (Bild unten) erwartet den Gast ein Teesalon. Im Hof Zuort im Unterengadin gibt es einen PferdeSkilift und im «Bellevue des Alpes» auf der kleinen Scheidegg liegt einem die Bergwelt zu Füssen. Infos: www.swiss-historic-hotels.ch

Lernen von einem der besten

Markus Neff im Hotel Fletschhorn hat achtzehn Gault-Millau-Punkte und einen Michelin-Stern. In seiner Küche lässt er sich Ende Januar und Anfang April – oder ab sechs Personen auf Anfrage – gerne in die Töpfe gucken. Die Kochkurse finden jeweils von 15 bis 18 Uhr statt, mit anschliessendem Abendessen. So bleibt genügend Zeit und Musse, um die Alpenwelt in Saas-Fee zu erkunden. Infos: www.fletschhorn.ch

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Eiskalte Putts und gefrorene Birdies

Leidenschaftliche Golfer können beim Schneegolf ihre Bälle einfach im White statt im Green abschlagen. Die Golfbälle zeigen sich in Neonfarben, und auch mit dem Dresscode nimmt man es sportlich – Moonboots und Skijacken sind erlaubt. Schneegolf wird unter anderem in Gstaad und in St. Moritz angeboten.

Unterwegs wie im hohen Norden

Die Jurabuckel erinnern manch einen Besucher an die skandinavische Landschaft. Vielleicht bieten sich gerade deshalb die Hänge des Chasseral an, um für einen halben Tag die Rolle des «musher» zu übernehmen und ein Hundeschlittengespann zu lenken. Wer nach dem Einspannen der Huskys mit der Karawane über den Schneetrail zieht, wo nur das Knirschen des Schlittens im Schnee und das Hecheln der Hunde die Stille unterbrechen, ist gedanklich ganz weit weg – mindestens in Skandinavien. Hundeschlittenabenteuer werden auch auf dem Flumserberg (Bild oben), im Obergoms, Muotathal und an anderen Orten der Schweiz angeboten. Geradeaus auf Eis

Wer sich auf dem Eisfeld nicht nur im Kreis drehen will, nimmt den drei Kilometer langen Natureisweg über dem Albulatal unter die Kufen, wo verschneite Tannen Spalier stehen. Die Muskeln lockern und wunderbar entspannen kann man danach im kleinen Wellnessbad Bad Alvaneu. Infos: www.skateline.ch


© GettyImages, BlueWaterCom.ch, Jojo Hepfer, Iris Kuerschner

Abtauchen statt aufsteigen

Im herrlich warmen Thermalwasser unter freiem Himmel liegen, frische Bergluft atmen und dabei die Augen über schneebedeckte Hänge wandern lassen – so macht der Winter Spass! Aussenpools mit prächtigem AlpinPanorama bieten etwa das von Mario Botta erbaute Mineralbad & Spa auf Rigi-Kaltbad (Bild rechts), die Walliser Alpentherme in Leukerbad, Les Bains d’Ovronnaz oder Les Bains de la Gruyère in Charmey. Kein Pool, sondern nur ein Mini-Jacuzzi – dafür auf 3000 Metern über Meer – steht auf der Diavolezza. Infos: www.mineralbad-rigikaltbad.ch, www.alpentherme.ch, www.thermalp.ch, www.bainsdelagruyere.ch, www.diavolezza.ch

Im Schlitten bergauf

„ Im warmen

Wasser, an der frischen Luft, so macht der Winter Spass.

Vom bündnerischen Langwies aus gehts bergauf ins Berggasthaus Heimeli, zu Fuss oder nach Anmeldung per Motorschlitten. Auf der Terrasse des sonnenverbrannten Walserhäuschens schweift der Blick über die Gipfel der Surselva. Im Stübli duftet es nach Capuns und Gletscher-Fondue. Danach steht der Davoser Schlitten für die Abfahrt bereit. l Infos: www.heimeli.ch

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Rein macht schön Jedes Model weiss: Abschminken ist wichtiger als auftragen! Tatsächlich besteht das Geheimnis schöner Haut in ihrer Reinigung. Finden Sie Ihr eigenes Pflegeritual, und wenden Sie es täglich an. Inspirationen liefern die Japanerinnen. Text: Annette Frisch

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Reinigung

© Andrea Diglas

Ein bisschen Wasser genügt? Zum Wachmachen eine gute Methode, doch für die Haut gibt es noch bessere.

d

ie Europäerinnen geben viel Geld für Cremes und Make-up aus. Dabei wird der Grundstein für schöne Haut viel früher gelegt: bei der Reinigung. Für Fachleute ist eine sanfte und effiziente Reinigung der Garant für eine gesunde, schöne Haut. Schliesslich kann die beste Creme nur auf einer sauberen Haut ihre volle Wirkung erzielen. Eine Feststellung, die für die Haut von Kopf bis Fuss gilt. Wahre Meisterinnen in Sachen Reinigung sind die Japanerinnen. Sie zelebrieren seit Generationen sowohl die Körper- als auch die Gesichtsreinigung. Und zwar morgens und abends. Marietta Budiner arbeitet für die japanische Kosmetikmarke Shiseido und erklärt das asiatische Ritual so: «Es beginnt mit der Doppelreinigung. Man gibt Creme, Gel oder Milch auf einen Wattebausch und schminkt sich damit ab. Anschliessend befeuchtet man Gesicht, Hals und Dekolleté mit Wasser und trägt mit einem grossen Pinsel einen reinigenden Schaum auf die Haut. Schaum und Schmutz werden mit Wasser und einem weissen Waschlappen entfernt. Ja, weiss muss er sein! Nur so ist man sicher, dass die Haut blitzsauber ist. Als letzten Schritt trägt die Japanerin ihr Tonic mit einem leichten Tätscheln auf. Das Gesichtswasser wirkt erfrischend, die Klopfbewegungen regen die Zirkulation an.» Das Gute für die Europäerin ist: Es braucht dafür keine teuren Luxusmarken. Ein effizientes Reinigungsritual funktioniert auch bestens mit Supermarktprodukten. Noch ein Blick über die Grenzen: Im arabischen Kulturkreis wird ebenfalls grosser Wert auf traditionelle Reinigungsrituale gelegt, häufig werden sie in einem Hamam praktiziert. Der Hamam gilt als Ort des Wohlbefindens und der Sauberkeit. Ein Beispiel ist das Rasulbad. Man «cremt» sich selbst oder das Gegenüber an Gesicht und Körper mit exfolierendem Schlamm ein, der wertvolle Spurenelemente und Mineralstoffe enthält. Anschliessend begibt man sich in einen Raum, wo heisser Dampf mit wohlVivai 1/14

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Reinigung

tuenden Kräutern den Schweiss rinnen lässt. Nur wenig später sieht man das Ergebnis: Die Haut ist gut durchblutet und seidig zart. Und auch hier gilt: Das ist auch bei uns zu haben. Die Hamams in unseren Breitengraden bieten Rituale der orientalischen Bäderkultur an. Einfache Schritte zu reiner Haut

Effizient und sanft soll die Reinigung sein, und man muss das Produkt mögen. Derzeit sehr beliebt sind wasserlösliche Reinigungsprodukte. Das kann Milch, Schaum, Creme, Öl oder Syndet sein. «Syndets sind Seifen mit synthetischen Inhaltsstoffen, die hautschonend sind», erklärt die Pharmazeutin Ramona Lehmann. Sie beeinflussen im Vergleich zum klassischen Seifenstück den schützenden Säureschutzmantel der Haut nicht. Ist dieser nämlich gestört, können Rötungen, ja sogar Allergien auftreten. Wichtig: Nach der Reinigung mit Wasser die Haut gut abtrocknen, denn paradoxerweise entzieht Wasser der Haut Feuchtigkeit. Es kann zu einem unangenehmen Spannungsgefühl führen. Die Erfrischung danach

Gesichtswasser, auch Tonic genannt, ist der letzte Schritt der Reinigung. Nötig

oder unnötig? Das ist individuell zu entscheiden. Im Idealfall ist das Tonic aufs Reinigungsprodukt und die Creme abgestimmt. Es kann hautbelebende oder -beruhigende Wirkstoffe enthalten oder solche, die bei öliger Haut die Talgproduktion reduzieren. Gerade in der warmen Jahreszeit tut es gut, ein erfrischendes Tonic direkt mit den Händen auf Gesicht, Hals und Dekolleté zu klopfen. Oder man gibt das Tonic einfach auf einen Wattebausch und verwöhnt die Haut. Aus der Haut schlüpfen

Warum überhaupt ein Peeling? Eigentlich erneuert sich die Haut von selbst. In jungen Jahren geschieht dies im optimalen Rhythmus von 28 Tagen. Dabei werden Zellen an die Oberfläche transportiert und abgestossen. Ab dreissig verlangsamt sich der Prozess, mit fünfzig kann er durchaus vierzig Tage in Anspruch nehmen. Das heisst, dass verhornte, also abgestorbene Hautschüppchen den Teint fahl aussehen lassen. Dagegen hilft ein wöchentliches Peeling. Es verleiht eine ebenmässige, strahlende Haut. Ob mit Körnern, Schleifpartikelchen, Enzymen oder Fruchtsäuren, danach darf die Haut nicht gerötet sein. Nur dann kann sie auch strahlen. l

Wie mögen Sie es? Gel, Schaum, Seife? Das Reingungsprodukt muss zur Haut passen.

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Saubere Sachen

für Gesicht und Körper

Einschäumen kann man sich zu Hause in der Badewanne. Oder Sie gehen mal in einen Hamam.

Ein japanisches Onsenbad ist ein Erlebnis. Auch ein heimisches Thermalbad tut gut.

© Corbis, GettyImages, Plainpicture

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Lösungswort der letzten Ausgabe: Ameise Gewonnen hat: Esther Allenspach aus Tägerwilen

Die Gewinnerin / der Gewinner wird ausgelost und schriftlich benachrichtigt. Keine Barauszahlung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeitende des Migros-Genossenschafts-Bundes sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Die Auflösung und den Namen des Gewinners finden Sie im Vivai 2/14.

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Mit Wilhelm Schmid

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Wilhelm Schmid lebt als freier Philosoph in Berlin. Er ist einer der bekanntesten Philosophen im deutschsprachigen Raum und Autor zahlreicher erfolgreicher Bücher. Jahrelang arbeitete er auch als «philo­ sophischer Seelsorger» im Spital Affoltern am Albis. Schmid verbindet die Philoso­ phie mit dem Alltag der Menschen. 2012 erhielt er den Meckatzer­Philosophie­ Preis für besondere Verdienste bei der Ver­ mittlung von Philosophie. Sein neues Buch: «Dem Leben Sinn geben. Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen und der Welt», Verlag Suhrkamp, Berlin 2013. www.lebenskunstphilosophie.de

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eilig? Hat das nicht immer etwas mit Religion zu tun? Ein heiliges Ding, so erinnern sich zumindest die Katholiken, ist die Monstranz in der Kirche. Auch das von einer Oblate symbolisierte Brot. Mit dem Ausdruck heilig ist gemeint, dass solche Dinge wesentlich, unentbehrlich, unantastbar sind, wichtiger als alles andere, jedenfalls in den Augen derer, die daran glauben. Das gehört zu den erstaunlichen Phänomenen des Lebens, aber was hat das mit Ihnen zu tun? Die Alltagssprache verrät, dass Heiliges auch im weltlichen Leben tief verankert ist. Alle Menschen kennen heilige Dinge, unabhängig von einem religiösen Bekenntnis; daher die Aussage, genauer gesagt die Ansage: «Das ist mir heilig!» Mir zum Beispiel ist mein Frühstück mit der Zeitung heilig, auch mein Espresso morgens im Café. Und Ihnen? Ist es Ihre Uhr? Ihr klappriges oder Ihr neues Fahrrad? Ihr bequemes Auto? Ah, ich verstehe, es ist nichts Profanes, Materielles, sondern etwas Anspruchsvolles, Ideelles: Die Liebe? Die Freundschaft? Die Familie? Die Ruhe für die Lektüre eines Buches? Jeder braucht etwas Heiliges. Und es spielt keine Rolle, ob es religiös oder weltlich ist: Es ist unantastbar. Eine Beziehung kann zerbrechen, wenn einer

der beiden nicht respektiert, was dem anderen heilig ist. Ein anderer Ausdruck für heilig ist: schön. Schönheit an der Schwelle zur Erhabenheit. In allem, was schön ist, zumindest so erscheint, wird die Energie intensiv spürbar, die offenkundig das Eigentliche des Lebens ist. Der Sprachgebrauch rückt das Schöne bedenkenlos in eine religiöse Sphäre: «Ist das nicht göttlich?» Wenn ein Mensch aber nichts Schönes hat, ist er von Gleichgültigkeit umgeben. Alles gähnt ihn an. Nichts ist vertrauenswürdig. Das Leben wird schwer, denn es gibt nichts, was ihn beflügeln könnte. Daher ist die Frage wichtig: Was ist für Sie schön? Ist es ein Bild, ein Buch, ein Gesicht, eine Liebe, eine Nacht, eine Freundschaft, eine Landschaft, ein Gespräch, eine Fantasie, eine Jacke, ein Kleid, ein Wein, ein Kaffee, ein Reiseziel? Jeder Mensch kennt etwas Schönes, das ihm heilig ist. Und sollte das bei Ihnen nicht so sein: Was könnte es sein? Und was könnten Sie selbst dafür tun? Nicht irgendwann, sondern jetzt, die Gelegenheit ist günstig: Ein neues Jahr sucht nach neuen Ideen. Nur eines sollten wir alle beim Umgang mit unseren heiligen Dingen beherzigen: ihre Bedeutung mit einem ironischen Augenzwinkern auch wieder etwas abzumildern. l

© Foto: Gregor Hohenberg

Was heutzutage alles heilig ist


Man kann es allen recht machen. Auch dem Gaumen.

Ein Teil von


Müde, müde, müde, müde, müde...

Eisenmangel Frauen aufgepasst! Lustlos, keine Energie? Die Mehrheit erschöpfter Frauen im Menstruationsalter leidet an einem Eisenmangel bei einem normalen Hämoglobin, sagt Dr. Beat Schaub, Facharzt für Innere Medizin. Das muss nicht sein! Leere Batterien Eine junge Frau (32) sagt: «Es ist mir alles zu viel, meine Batterien sind leer, ich könnte immer einschlafen.Oft fühle ich mich grundlos niedergeschlagen und mein Selbstwertgefühl ist im Keller. In letzter Zeit vertrage ich die Kinder nicht mehr, es herrscht eine Unruhe in der Familie, weil ich keine Nerven mehr habe. Es tut mir ja so leid, ich wünsche mir, es wäre anders. Mittlerweile kann ich nachts nicht mehr gut schlafen, sodass ich am Tag erst recht kaputt bin und sogar tageweise nicht mehr arbeiten kann. Ich hoffe, es gibt deswegen keine Kündigung. Mein Chef fragt mich, was ich habe. Was soll ich antworten?»

Eisenspeicher auffüllen Ein patientenorientiertes Forschungszentrum in Binningen bei Basel hat herausgefunden, dass die aufgezählten Symptome in den meisten Fällen durch einen Eisenmangel im Körper verursacht werden. Der Körper verliert Eisen, wenn er Blut verliert. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn hauptsächlich Frauen im Menstruationsalter an einem Eisenmangel leiden. Sie bluten in ihrem Leben zusammengezählt über fünf Jahre lang. Der Eisenspeicher des Körpers ist oft schon wenige Jahre nach der ersten Regelblutung leer. Das sogenannte Eisenmangelsyndrom bei Frauen im Menstruationsalter kann in wenigen

Wochen erfolgreich behandelt werden, indem der Eisenspeicher wieder aufgefüllt wird. Anschliessend empfiehlt sich das erneute Absinken des Ferritinspiegels durch ein gut verträgliches, flüssiges Eisen-Präparat aus der Apotheke, Drogerie oder Reformhaus zu verhindern. So gelingt es, Frauen, die schon immer dem «schwachen Geschlecht» zugeordnet wurden, «lebendig» zu machen. Am besten konsultieren Sie Ihren Arzt oder eines der spezialisierten ärztlichen Eisenzentren. www.eisenzentrum.net

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