Gewonnene Jahre Thesis zur Bachelorarbeit Wohnen im Alter Spekulatives Formen von Konzepten zukĂźnftigen Zusammenlebens Michael Buchta Sommersemester 2020
TITEL
WOHNEN IM ALTER Spekulatives Formen von Konzepten zukünftigen Zusammenlebens BACHELORARBEIT im Studiengang Kommunikationsdesign
3 Michael Buchta Langenbacher Str. 3, 95126 Schwarzenbach S. noahtheodorewhale@gmail.com Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt Fakultät Gestaltung Sommersemester 2020 8. Fachsemester Erstprüfer: Prof. Christoph Barth Zweitprüfer: Prof. Erich Schöls Datum der Abgabe: 20. Juli 2020 Matrikelnummer: 5316009
Gewonnene Jahre
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
5
7
1 ZielfĂźhrung des Projektes
9
2 Altern in Deutschland
11 15 17 19
21
3 Konzept
25
4 Umsetzung
27 29 43 47 53
67
5 Fazit und Ausblick
69
6 Bibliographie
71
7 Eidesstattliche Erklärung
73
Anhang
2.1 Altersauffassung in Deutschland 2.2 Langlebigkeit 2.3 Lebensphasen statt Altersphasen 2.4 Schlussfolgerung
4.1 Zielgruppen 4.2 Inhaltliche Gliederung 4.3 Programm 4.4 Gestaltung und Wirkung 4.5 Fertige Arbeit
Anh. 1
Danksagungen
1
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE ZIELFÜHRUNG DES PROJEKTS
Es gibt weltweit Trends mit einer klaren Richtung und einem langfristigen Verlauf. Dazu zählen die Emanzipation der Frauen oder die allgemeine Tendenz zu immer weniger Kriegen. Ein weiterer nicht zu übersehender Trend ist eine immer höhere durchschnittliche Lebenserwartung.1 Davon betroffen sind vor allem Industrieländer wie England, Japan, Deutschland, Italien oder Spanien, doch auch in ehemaligen Entwicklungsländern wie China oder Indien sieht man klare Entwicklungen in dieselbe Richtung. Die Gründe sind vielschichtig, jedoch allgemein ersichtlich. Bessere Gesundheitsversorgung und -aufklärung, gesünderes Ess- und Konsumverhalten, bessere Arbeitssituationen und Umweltbedingungen, et cetera.
7
Das Altern von ganzen Gesellschaften ist ein hochaktuelles Thema. Geburtenstarke Alterskohorten nähern sich einem immer längeren Rentenalter während nicht viele Neugeborene nachkommen. Jedes betroffene Land geht anders damit um, der allgemeine Konsens ist aber überwiegend negativ ausgerichtet. Viele Politiker*innen und Forscher*innen teilen sich die Meinung, dass sich durchaus vielfältige Problemstellungen ergeben. Dabei kann eine andere Auffassung vom Altern, zusammen mit dem Umdenken von Normen, politischen Gestaltungssystemen und individuellen, persönlichen Einstellungen ein anderes Szenario schaffen. Diese Arbeit versetzt sich dafür in das Jahr 2060 und versucht auf ganz subjektiver Ebene dem Zustand „Alter“ näherzutreten. Wie wird eine Vertreterin der Generation des Autors (als Millenial) über ihr Altern nachdenken, wie wird sie sich verhalten, welche Rolle hat sie mit Mitte 60 in der Gesellschaft, was wird sich für sie ändern und welche Schlüsse können daraus gezogen werden? Dieser Dialog wird durch eine Interaktion mit einem intelligenten System möglich, das eine fiktiv gealterte Person aus 2060 darstellt, welche ihren Lebenslauf sowie damit verbundene Erfahrungen vermittelt. Diese subjektiven Eindrücke liegen aus heutiger Perspektive in der Zukunft, für die Akteurin jedoch bereits in der Vergangenheit. Aus dieser Perspektive sollen die positiven Aspekte des Alterungsprozesses dargestellt und Handlungsanweisungen für bessere Lebensführung und -planung geben.
1 vgl. Matthias Horx, Das Megatrend-Prinzip: Wie die Welt von morgen entsteht (DVA, 2011), 127ff.
2
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE ALTERN IN DEUTSCHLAND
Zuerst sollen wichtige Fakten der aktuellen demographischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland skizziert werden. So lebt die jetzige alte Generation gerade so gesund wie noch nie. Harte körperliche Arbeit wird immer mehr zum Randphänomen, traditionelles Essen wird an neue gesunde Essgewohnheiten angepasst und gesundheitsschädliche Angewohnheiten wie Alkohol- und Tabakkonsum sind stark rückläufig. Diese Aspekte tragen dazu bei, dass sich nach einer Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Bundesamtes „die Zahl der über 80-jährigen von heute knapp 4 Mio. auf rund 10 Mio. bis 2050 erhöhen [wird], was einer Steigerung von jetzt knapp 4% an der Gesamtbevölkerung auf dann etwa 12% entspricht (Statistisches Bundesamt 2006).“2 Um das besser zu verdeutlichen rechnet Matthias Horx in seinem Buch „Das MegatrendPrinzip“ in Jahre um: Durchschnittlich ein Anstieg von ganzen 8 bis 12 Wochen Lebenserwartung jedes Jahr.3
9
2 Gerhard Naegele und Britta Bertermann, Hrsg., Soziale Lebenslaufpolitik, 1. Aufl, Sozialpolitik und Sozialstaat (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2010), 43
3
Horx, Das Megatrend-Prinzip.
2.1
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE DIE ALTERSAUFFASSUNG IN DEUTSCHLAND
Anstatt diese Entwicklung positiv aufzufassen betrachten die betroffenen Industriestaaten diese aus einer sehr negativen Perspektive. Das Bild des Alterns wird gezeichnet von Senioren als schädlich für die gesellschaftliche Ordnung. Dieses Bild hält sich hartnäckig, angefangen auf der Ebene des Staates, der mit allen Mitteln versucht diesen Trend zu verlangsamen und wie Finnland europäische Mitgliedstaaten sogar von einer „tickenden Zeitbombe“ warnt.4 Weiter hin zu Unternehmen, die sich ernsthafte Sorgen über fehlendes Humankapital und sinkende Wirtschaftsleistung machen – und endend bei der individuellen Auffassung des Alterns. Eine Auffassung, stark geprägt von gefestigten Vorstellungen des Industriezeitalters, seit Generationen vorherrschend und stark belastet von dem früheren Tagwerk als „Maloche“.
11
Lebensläufe wurden seither indirekt dreigeteilt: In die Phase der Jugend mit Schule und Ausbildung, in der Regel oft die einzige Ausbildung im Leben. Danach die Phase der Arbeit, häufig harte körperliche Fabrikarbeit, vor allem für die männlichen Angehörigen des Hausstandes, über all die Jahre in derselben Fabrik und Branche. Als dritte und letzte Phase die Rente, die auch als Konsequenz auf die Industrialisierung eingeführt wurde. Jahre der Ruhe und des Stillstandes, die als verdient galten. Bezahlt durch ein noch funktionierendes Rentensystem und einem ungebrochenen sozialen Vertrag zwischen den Generationen. Ein Vertrag, der jüngeren Generationen verspricht, ihren Lebensabend genauso verbringen zu dürfen wie die Generationen vor ihnen.
4 vgl. Richard Milne, „Demographic timebomb: Finland sends a warning to Europe“, Financial Times, 3. April 2019.
Warum also wird das Alter als so etwas negatives angesehen? Der Ruhestand war in der Regel kurz und die aktiven Jahre nach der Arbeit überschaubar. Durch die oft ungesunde Art der Arbeit zusammen mit schlechten Lebensweisen wie ungesundem Essen oder Angewohnheiten wie dem Rauchen und dem Trinken stellten sich häufig schnell nach der Rente Krankheiten und andere Leiden ein. Sie wurden leicht pflegebedürftig und abhängig von der Hilfe der eigenen Verwandten oder Pflegeeinrichtungen. Diese Beobachtungen werden von den Nachkommen gemacht und auf das eigene Leben übertragen. Wenn es den eigenen Eltern und Großeltern in ihren letzten Jahren so schlecht ging, dann muss das im eigenen Leben doch sicherlich genauso sein. Es ergeben sich also eigene Erwartungshaltungen an das Altern, die sich deutlich bemerkbar machen. So wurde in einer Studie festgestellt, dass Menschen egal welchen Alters den Begriff „Senilität“ mit negativen Assoziationen verbanden und mit einem Zustand als den des körperlichen Verfalls, der Unzulänglichkeit oder des Realitätsverlustes beschrieben.5 Noch deutlicher wird das aber bei den Antworten auf die Frage nach der Einschätzung, ob sie selbst einmal senil werden würden. Während bei den Jüngeren noch 45% der Ansicht waren einmal selbst senil zu werden gab es bei den Alten einen Zuwachs dieser Sicherheit auf ganze 90%. Trotz der eigentlich sehr selten auftretenden Senilität im Alter, wobei nur etwa 4 Prozent der Menschen mit einem Alter über 64 Jahren davon betroffen sind.6
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE Dazu kommt, dass sich Altersstereotype durch das vorhin angesprochene dreistufige Leben mit der klaren Trennung zwischen Jugendlichen, Erwachsenen und Alten potenzieren. So vertreten zum Beispiel die Soziolog*innen Gunhild Hagestad und Peter Uhlenberg die Ansicht, dass sich durch diese institutionelle Trennung der Altersgruppen die typischen Verbindungen zwischen Alter und Lebensphasen verstärken. Teils auch, weil Bildungseinrichtungen und das Arbeitsumfeld so auf diese Segregation ausgelegt sind.7 Auch am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung kam man schon 2011 zum Schluss, dass „mit der Institutionalisierung dieser eigenständigen Lebensphase […] somit das Alter als passiver Ruhestand verallgemeinert [wurde]“.8 Und nicht nur negative Einstellungen gegenüber dem Alten und dem Altern, auch der Respekt vor Älteren nimmt dadurch ab.9 Solche, die im Alter nicht mehr an der Wirtschaft teilnehmen können oder wollen, werden pauschal als schädlich abgestempelt, weil sie nicht zu einem abmindern der „Alterslast“ beitragen.10 Diese Trennung in Verbindung mit der vorherrschenden Einstellung gegenüber den späten Lebensjahren lässt gewisse Mythen über das Alter also hartnäckig bestehen, obwohl sie nicht mehr zutreffen oder gar falsch sind.11 So hält sich zum Beispiel die Auffassung, dass mehr Lebensjahre nicht gleichzusetzen sind mit gesunden Lebensjahren. Bedeuten die zusätzlichen Jahre nicht einfach mehr Jahre, die mit Krankheit, Leid und Pflege verbracht werden? Hier muss man klar verneinen: Immer bessere präventive Maßnahmen und Therapien helfen, die Lebensqualität und Gesundheit noch bis ins späte Alter zu erhalten.12 So stellen zum Beispiel Linda Lux und Norbert Schneider fest, dass die durchschnittliche gesunde Lebenszeit von Senior*innen jenseits von 65. Jahren von den 1990ern bis zu den 2010ern um zweieinhalb Jahre bei Männern und um eineinhalb Jahre bei Frauen anstieg. Auch die Einschränkungen und Beeinträchtigungen, die Krankheiten oft begleiten, sind weniger gravierend. Bei chronischen Erkrankungen können Leben noch gut begangen werden.13 Und die Menschen fühlen sich auch besser als noch in den 90er Jahren. Effektiv beschreiben 74% der Menschen über 70 Jahre ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut, während dies in den 90er Jahren nur 64% der Befragten taten.14
13
5 vgl. Ellen Langer, Mindfulness: das Prinzip Achtsamkeit: die Anti-Burn-out-Strategie, übers. von Ilse Strasmann, Mindfulness: Das Prinzip Achtsamkeit, Jubiläumsausgabe (München: Verlag Franz Vahlen, 2015), 92, https://doi.org/10.15358/9783800649174-84. 6
vgl. Langer, 92.
7 vgl. Lynda Gratton und Andrew J. Scott, The 100-Year Life: Living and Working in an Age of Longevity (Bloomsbury Publishing, 2016), 100. 8 Ines Wickenheiser, „Die Potentiale einer älter werdenden Gesellschaft und das Leitbild ‚Produktives Alter(n)‘“, Bevoelkerungsforschung-Aktuell, April 2011, 2.
9
Gratton und Scott, The 100-Year Life, 100.
10 vgl. Wickenheiser, „Die Potentiale einer älter werdenden Gesellschaft und das Leitbild ‚Produktives Alter(n)‘“, 2. 11 vgl. Jürgen Kocka und Ursula M. Staudinger, Altern in Deutschland, Nova acta Leopoldina, n. F., Bd. 99-106, Nr. 363-371 (Halle (Saale) Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, 2009), 25ff. 12
vgl. Kocka und Staudinger, 27.
13 vgl. Linda Lux (BiB) und Norbert F. Schneider (BiB), „Zukunftsoptimismus im höheren Lebensalter“, Bevoelkerungsforschung Aktuell, Mai 2013, 11–18. 14
vgl. Horx, Das Megatrend-Prinzip, 137.
Ein weiterer tief verankerter Mythos ist die Meinung, dass das Alter schon mit dem Renteneinstieg eintritt. Auch hier erweist sich diese Aussage als Falsch.15 Nicht nur werden Lebensläufe immer vielschichtiger und verzweigter, halten sich also nicht mehr an das klassische Drei-StufenMuster, die neuen Alten fühlen sich auch immer jünger, haben mehr Lust neue Dinge anzugehen, sich neu fortzubilden und zu lernen. Altersforscher sprechen dabei auch von einem Lebensabschnitt des „Un-Ruhestands“16 und kommen zum Ergebnis, dass etwa jeder zweite Mensch, der im Rentenalter noch erwerbstätig ist, diese Beschäftigung sogar als Bestandteil eines guten Ruhestandes sieht.17
2.2
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE
LANGLEBIGKEIT
Langlebigkeit kann einerseits den Trend zu einem immer längeren Leben bedeuten, mehr aber noch als Tendenz zu immer aktiveren Jahren im Alter, mit weniger Krankheiten und mehr aktiver Teilhabe in der Gesellschaft. Laut Andreas Mergenthaler eine große Entwicklung, dass der „Lebensabschnitt ‚Alter‘ durch einen Wandel von Sozialstruktur und Kultur geprägt [ist]. Der Lebensabschnitt [wird] vielfältiger, die Grenze zum Erwerbsalter verschwimmt. Nicht mehr EINE ‚Lebensphase Alter‘, sondern […] Lebensphasen im Alter mit einem dritten, vierten und teilweise sogar einem fünften Lebensalter.“18 Die Übergänge sind also verschwommener und zeichnen sich bei jedem Individuum anders ab. Diese Erkenntnis gilt es zuallererst vor allem für sich selbst zu Erfassen und sich nicht zu sehr von Prägungen und traditionellen Ansichten leiten zu lassen. ab. Diese Erkenntnis gilt es vor allem zuallererst für sich selbst zu Erfassen und sich nicht zu sehr von Prägungen und traditionellen Ansichten leiten zu lassen. Die US-Amerikanische Psychologin Ellen Langer, die schon seit den siebziger Jahren über das Altern und auch über die Auswirkungen der persönlichen Altersauffassung forscht, schreibt dazu: „Wir wissen nicht, wie viele von den ‚Gebrechlichkeiten des Alters‘ tatsächlich genetisch in uns vorprogrammiert sind und wie viele auf frühkindlichen Festlegungen beruhen. Wir wissen nicht, wie viele erfreulichere oder anregendere Möglichkeiten für das Leben in höherem Alter geschaffen werden könnten, wenn unser Denken dafür offen wäre.“19
18 Andreas Mergenthaler, „Auf den Spuren des ‚Dritten Alters‘: Befunde zur Dauer eines Lebensabschnitts auf der Grundlage der Third Age Life Expectancy (TALE)“, Bevoelkerungsforschung-Aktuell, Mai 2013, 32.
19
Langer, Mindfulness, 90.
Sie beruft sich auch auf eigene klinische Studien, bei denen älteren Menschen in Altenheimen bewusst wieder mehr Autonomie und Eigenverantwortung behandelt werden und die nachweislich physisch und psychisch verjüngen.20 Das ist freilich kein Rezept für einen ewigen Jungbrunnen, zeigt aber gut wie stark die persönlichen beschränkenden Annahmen über das scheinbare Altern den tatsächlichen Verlauf des eigenen Altersprozesses beeinflussen können. Mit diesem Hintergrund lassen sich bei einem Blick auf ältere Kohorten auch die schon sichtbaren Zeichen einer Lücke zwischen dem tatsächlichen, kalendarischen Alter und gefühltem, nach außen getragenem Alter besser verstehen. Matthias Horx spricht von einem Eintritt ins Zeitalter einer „polychronen Biografie“21, bei der das kalendarische Alter nur noch wenig über den physischen und psychischen Zustand eines Menschen aussagt. Manche finden sich im Laufe des Lebens neu, werden aktiver und fangen wieder an sich jünger zu fühlen. Andere arbeiten früh im Leben schon viel und hart, denken nicht an ihre Gesundheit und fangen schnell an zu Altern.
2.3
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE
LEBENSPHASEN STATT ALTERSPHASEN Um einem schnellen körperlichen Verfall und in späteren Lebensabschnitten beschwerlichen Jahren der Krankheit vorzubeugen empfehlen Lynda Gratton und Andrew Scott in ihrem Buch „The 100-Year Life“ das Leben in ausgewogene Abschnitte zu unterteilen. Sie haben sich die Frage gestellt, wie ein langes Leben am besten begangen werden könnte und was für ein 100-jähriges Leben Sinn macht. Lebensphasen an Stelle der drei Altersphasen sind für sie ein essenzieller Teil des neuen Alterns. Für wiederum diese ist es entscheidend einen Mittelweg zu finden zwischen der Herausforderung ein langes Leben zu finanzieren, gesund sowie entsprechend geistig trainiert zu bleiben und gleichzeitig langfristig attraktiv für den Arbeitsmarkt zu sein.22
20
vgl. Langer, 81–86.
21
Horx, Das Megatrend-Prinzip, 142.
22 vgl. Gratton und Scott, The 100-Year Life, 127 ff. 23
vgl. Gratton und Scott, 68 ff.
Dafür reicht es ihrer Ansicht nach nicht aus, den Fokus auf lebenslanges Geldverdienen und Anhäufen von materiellen Vermögenswerten zu legen, um im Alter ausgesorgt zu haben.23 Vielmehr kommen noch weitere, nicht materielle Vermögenswerte hinzu. Diese gliedern sie in drei Kategorien. Produktive Vermögen, unter anderem der Erwerb von neuem Wissen und Fähigkeiten. Vermögen der Vitalität, die vor allem die geistige und physische Gesundheit und das Wohlempfinden umfassen. Dazu gehören Freundschaften, Partnerschaften oder die persönliche Fitness. Außerdem transformative Vermögen, wie das Aufbauen von Selbstkenntnis, Erschließen von neuen privaten und beruflichen Netzwerken oder dem Erlangen neuer Erfahrungen.24
2.4
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE
SCHLUSSFOLGERUNG Es muss also ein Paradigmenwechsel bei der Auffassung des Altern stattfinden. Und zwar als das Leben, das Tag für Tag zum Alter führt, nicht als auf das Alter im Sinne des Ruhestandes, Nichts-Tuns und Zerfalls. Und das ist mehr als überfällig in einer alternden Gesellschaft mit höherer Lebensdauer und mehr Jahren des gesunden Lebens. Es ist falsch, sich an den drei unsinnigen und nicht mehr zeitgemäßen Lebensphasen der Ausbildung, Arbeit und Rente festzuhalten und sich von ihnen das Handeln, Fühlen und Denken diktieren zu lassen.
19
Gerade im Hinblick darauf, dass der Umgang mit dem Älterwerden und den eigenen Altersbildern sich direkt auf das eigene Altern auswirken. Aktives Entscheiden, Selbstkenntnis und Teilhabe bis ins späte Alter sind nicht nur notwendiges Element in einer altersgerechteren Gesellschaft, sondern auch evidenzbasiertes Mittel zur Verjüngung und Prävention vor den Krankheiten und Leiden des Alters. Institutionen und Unternehmen werden der Entwicklung des neuen Alterns immer nachhängen und die Letzten sein, die etwas verändern. Es gilt daher für Jeden etwas für sich persönlich zu ändern, beziehungsweise finden diese Umbrüche gerade schon mit einer heranwachsenden Generation statt. Und zwar eine, die oft aktiver, mit mehr Selbstbewusstsein und Selbstreflektion durchs Leben geht, Ansprüche stellt, neue Wege probiert und mit mehr Mut zur Ungewissheit und zu Neustarts durch Leben geht. Das ist eine gute Startposition für ein gelungenes und gut genutztes langes Leben.
24
vgl. Gratton und Scott, 71–72.
25 vgl. Ellen J. Langer, Counterclockwise: Mindful Health and the Power of Possibility (Random House Publishing Group, 2009).
3
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE KONZEPT Interessant für diese Arbeit ist also eher die Betrachtung des eigenen Alters aus subjektiver Perspektive. Wie jeder mit sich selbst mit diesem unausweichlichen Prozess umgeht. Dafür wird hier ein Blick auf eine potentielle Zukunft geworfen und in das Jahr 2060 in Deutschland gedacht. Dabei wird aber nicht klassisch prognostiziert, sondern von der Zukunft zurück in die Vergangenheit geblickt, es wird sozusagen ein fiktiver Rückblick betrieben. Der Zukunftsforscher und Publizist Matthias Horx spricht auch von einer Rückwärts-Prognose, oder einer „Re-Gnose“.26 Mit diesem Blick aus der Zukunft heraus kann über mögliche Veränderungen nachgedacht werden. Der Vorteil dabei ist, dass sich dieser Blick rückwärts oft unverfälschter und realer darstellt, weil in der Erzählung nicht so sehr zu Ausschweifungen und Übertreibungen geneigt wird.
21
Diese Erzählung kann höchst individuell und organisch sein und sich mit jeder Person ändern, die in Interaktion mit dem eigenen Zukunfts-Orakel tritt. Während sich allgemeine Entwicklungen und Trends stark ähneln werden sind persönliche Einstellungen, Erfahrungen und Lebensläufe nie gleich. Attraktiv wäre in diesem Kontext ein selbstlernendes System als künstliche Intelligenz das anhand von Eckdaten und neurologischen Auswertungen entsprechende Zukunftsbilder erstellen kann. Mit den gegenwärtigen Möglichkeiten der Technik ist das freilich schlecht umsetzbar. In dieser Form ebenfalls schwer als Studierendenarbeit. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein fiktionales Gedankenexperiment auf der Linie zwischen „Wahrscheinlich“ und „Plausibel“.27 Wichtig ist nicht unbedingt, wie machbar es ist, sondern wie wünschenswert. Unter diesen Gesichtspunkten bleibt das Projekt also eher in einer Konzeptphase, sieht sich mehr als ein Prototyp.
26 vgl. Matthias Horx, „48 – Die Welt nach Corona – Matthias Horx“, zugegriffen 11. Juli 2020, https://www.horx. com/48-die-welt-nach-corona/.
27 Anthony Dunne und Fiona Raby, Speculative Everything: Design, Fiction, and Social Dreaming
Das Ergebnis ist ein intelligentes System, das persönliche Präferenzen, Charakteristika und Eigenschaften auswertet und dann darauf aufbauend persönliche Zukunftsstränge entwirft. Die Interaktion erfolgt dabei auf zwei Ebenen: Die erste Ebene bleibt in einer Narrative und mimt eine ältere Ausführung der interagierenden Person, gealtert bis ins Jahr 2060. Dadurch soll der Eindruck von einem Gespräch mit seinem*ihren zukünftigen Selbst entstehen. Dieses gealterte Selbst ist nicht nur älter, sondern auch weiser, kann also nicht nur über die eigene schon erlebte „zukünftige Vergangenheit“ und über alles Erfahrene und Begangene sprechen, sondern auch über Weisheiten. Diese werden kategorisiert in Transformationsfeldern, die dazu dienen das breite Spektrum an zukünftigen Veränderungen in Lebensbereiche gliedert Arbeit, Lernen und Weiterbildung, Freundschaften und Beziehungen, Familie, Freizeit und Regeneration, Gesundheit, Wohnen und Besitz und Finanzen. Dazu kommen die höchst subjektiven und regenerativen Lebensläufe, die das Programm entwirft und der Versuchsperson als Erzählung transportiert. Heutige Millenials werden sich 2060 im gerade aktuellen Rentenalter befinden, jedoch noch weit vom Ruhestand entfernt sein. All das wird in einer explorativen Konversation vermittelt, die einem Anruf gleicht und mit einem dafür entwickelten Objekt durchgeführt wird. Um dieses Objekt befindet sich ein Display in zylindrischer Form, welches die Konversation aufgreift und ergänzt.
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE
Die zweite Ebene hat die Funktion die Konversation visuell zu unterstützen. Dafür entwirft es regenerative Grafiken, die auf das Erzählte abgestimmt sind. Auch die Herausforderungen und Transformationsfelder werden hier aufgegriffen und nochmal gemeingültiger erklärt. Auf diese Felder wird das Modell der Vermögenswerte von weiter oben im Text angewandt, sodass der Betrachter einen Eindruck von der Wichtigkeit eines abwechslungsreichen und vielschichtigen Lebens bekommt.
23
Als Ziel setzt sich dieses Experiment in erster Linie eine optimistische Motivation für die Möglichkeiten und die Vielfältigkeit des zukünftigen Alterns. Es soll inspirieren, das Leben anders zu begehen und aktiv auf ein gesundes, langes Leben hinzuarbeiten. Darüber hinaus stellt es sich die Aufgabe zum Umdenken anzuregen und gefestigte Einstellungen über die eigene Zukunft infrage zu stellen und Diskussionen dazu anzuregen. Deshalb auch die Entscheidung für den Projekttitel „Gewonnene Jahre“.
4
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GEWONNENE JAHRE UMSETZUNG
Um das Konzept im Rahmen dieser Arbeit sinngemäß zeigen zu können wird die Interaktion auf einen Prototyp dieser zukünftigen vielschichtigen Gesellschaft beschränkt. Dieser steht exemplarisch für das große potentielle Anwendungsspektrum und wird hier Emmet Keskin getauft. In ihrem Lebenslauf, vor und nach 2020, wird sie wesentliche Merkmale ihrer Generation vorkommen lassen. Emmet Keskin steht exemplarisch als Vertreterin ihrer Generation. Sie ist in vielerlei Hinsicht typisch im Auftreten und der Lebensauffassung. Sie zeichnet eine geringe Scheu vor neuen Herausforderungen und dem Unbekannten aus, ist hoch flexibel und anpassbar und in der Welt zuhause. Sie legt sich nicht gerne fest und spricht gerne offen und direkt aus was sie denkt. Ihre Wurzeln sind ihr trotz des ungebundenen Lebens wichtig und sie sieht sich als „global local“.
25
Emmet Keskin ist zum Zeitpunkt des Telefonates 66 Jahre alt und im Oktober 1995 geboren, kommt aus Veitshöchheim bei Würzburg. In Würzburg hat sie auch ein Gymnasium besucht und später im selben Ort Betriebswirtschaftslehre studiert. Mehr zu Eckdaten ihres Lebens finden sich im Anhang (siehe Anhang 1).
4.1
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Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE ZIELGRUPPEN
Zuallererst ist diese Arbeit an die Vertreter der Generation Z (im Geburtenzeitraum von 1997 – 2012) und Generation Y (von 1981 – 1996) gerichtet. Mit diesen Kohorten trifft man auf Menschen, die schon jetzt andere Standards für sich festlegen und freier und ungebundener agieren, sich nicht gerne an Normen halten oder sich in Schubladen stecken lassen. In so jungem Alter wirken sich Umstellungen noch viel merklicher aus als später.
27
Die Zielgruppen haben noch ein ganzes Leben vor sich und befinden sich gerade in Phasen der Selbstfindung und Orientierung. Ihnen können hier die unzähligen Facetten ihres Lebens vermittelt. Des Weiteren kann verdeutlicht werden, dass die bisherige Homogenität von Lebensläufen nur noch in Köpfen stattfindet. Auch die Chancen und Risiken eines so langen Lebens sollten ihnen bewusster werden. Dazu werden sie aufgerufen, sich mehr mit dem Alter zu beschäftigen und besser vorzubereiten und zu planen. Gleichzeitig wird versucht sie dazu zu bringen, Stereotypen über andere Altersgruppen beziehungsweise negative Einstellungen und Gefühle gegenüber dem Alter zu hinterfragen und mit homogenen Altersbildern aufzubrechen. Aber auch an die Kohorten der Generation X (von 1965 – 1979) und der Babyboomer (von 1946 – 1964) wird sich gewendet. Bei ihnen sind Denkweisen und Altersbilder zwar schon viel gefestigter. Vielleicht können diese trotzdem noch etwas geöffnet werden. Für das Starten eines bewussteren Lebens ist es jedenfalls nie zu spät. Dazu befinden sie sich gerade in Positionen in Wirtschaft und Politik, in denen Veränderung im großen Maße jetzt stattfinden kann. Wenn dort anders mit dem Alter umgegangen würde, könnten Projekte den Umgang mit dem Alter schneller in eine andere Richtung treiben. Mit Maßnahmen wie die Förderung des intergenerationellen Austauschs, der Bildungsoptionen des lebenslangen Lernens auch spät im Leben oder die bessere Integration von älteren Arbeitnehmern in die Firmenkultur, um nur einige Perspektiven zu nennen.
4 vgl. Richard Milne, „Demographic timebomb: Finland sends a warning to Europe“, Financial Times, 3. April 2019.
4.2
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GEWONNENE JAHRE INHALTLICHE GLIEDERUNG
Unterteilt wird in zwei wesentliche Elemente, die beide ganz eigene Aufgaben haben. Einerseits ein narratives Element, mit dem die Interaktion stattfindet und das direkt mit der Zukunft konfrontiert. Auf der anderen Seite das Visuelle Element, das weitere Fakten zum Gehörten bietet, visuell untermalt und eine informative Ebene zum Nachlesen schafft.
29
Narratives Element Zuerst zum narrativen Teil: Dort kommt der Betrachter mit Emmet Keskin in Kontakt und hat die Möglichkeit sich mit ihr über ihr Leben und ihren Einstellungen und Erlebnissen auszutauschen. Emmet basiert auf der Kommunikation mit der artifiziellen Intelligenz Wit.ai von Facebook, die mithilfe von natürlicher Sprachverarbeitung (NLP)28 gesprochene Sprache verstehen, Absichten und sogar Emotionen erkennen und darauf aufbauend selbstlernend auslesbare Werte für die Weiterverarbeitung liefern kann. Solche Systeme finden vor allem in Chatbots oder zum Beispiel Smart-Home-Geräten wieder, die organisch und möglichst natürlich auf Nutzer eingehen wollen. Mehr zum technischen Teil folgt in Punkt 4.4. Für den Zweck des Gesprächs sind Emmets Antworten in zunächst vier große Kategorien unterteilt. Darunter: „Harte“ Fakten, mit denen unveränderliche Punkte in ihrem Lebenslauf beschrieben werden. Gerade ihr Leben von Geburt bis zum Jahr der Interaktion, also 2020, sind damit angesprochen. Dazu gehört zum Beispiel ihr Geburtsort und -datum, die besuchten Schulen, ihre Eltern, ihre Geschwister oder ganz einfach ihr Name. „Semi-Fluide“ Fakten, die relativ gefestigt sind und im Laufe der Konversation dementsprechend gleichbleiben. Darunter ihre politische, religiöse und ökonomische Denkweise, beziehungsweise ihre Einstellung zu diesen grundlegenden Themen.
28 „Natural Language Processing“, in Wikipedia, 13. Juli 2020,
„Weisheiten“, die von ihren gewonnenen Erkenntnissen handeln und bei denen sie auf Fragen in den Kategorien (oder in der Arbeit auch Transformationsfeldern genannt) „Generell“, „Finanzen“, „Arbeit“, „Lernen“, „Beziehungen“, „Familie“, „Re-Kreation“, „Gesundheit“ und „Eigentum“ eingeht. Hier spiegeln sich die Erkenntnisse der zukunftstheoretischen und spekulativen Arbeit wider, auf denen das Projekt fußt, sie bekommen jedoch einen sehr subjektiven Anstrich. Emmet verbindet diese vor allem mit ihrem eigenen Leben und findet gute Beispiele und Referenzen aus ihren eigenen Lebensphasen, Beziehungen oder ihrer Arbeit. Hin und wieder kann sie auf das Display um sie herum verweisen, wo die Transformationsfelder noch einmal allgemeiner und detaillierter aufgelistet werden. Hier ein Auszug aus ihrem Antwortspektrum des Bereichs „Lernen“:
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Wird sie etwa danach gefragt, ob man bei so vielen Jahren der Arbeit auch einfach mal die Reißleine ziehen kann, um sich komplett neu auszurichten, antwortet sie: „Ja, also unterbewusst weiß ich wie die Meisten, dass wir viel mehr Zeit haben als unsere Eltern noch. Und, dass sich in so einer langen Arbeitsphase viel ändern wird. Viele gehen damit im vornherein schon gut damit um. Aber all die Zeit gibt auch viel mehr Chancen einfach mal Neuanfänge zu wagen. Gerade wenn man es versteht, sich finanziell irgendwie abzusichern, oder durch eine Partnerin, die arbeitet, geht so ein Neustart super klar.“ Fragt man sie über die Trennung der Generationen aus und ob sich etwas in der Hinsicht ändern wird, antwortet sie:
31
„Interessant, dass du das ansprichst. Sagen wir es so, durch das lebenslange Lernen vermischen sich Altersgruppen auf einmal viel mehr. Man sieht ältere Menschen auf Universitäten oder in Junior-Positionen von Unternehmen, umgekehrt auch junge Menschen zum Beispiel in SeniorPositionen. Die aktuelle Position sagt eigentlich nur noch etwas über die individuelle Lebensphase aus, nichts mehr über das Alter. Das ist wunderbar. Hält ältere jung und vernichtet Vorurteile.“ Bei der Frage, ob das Studium als junger Erwachsener reicht, oder ob es sonst schwierig auf dem Arbeitsmarkt relevant zu bleiben: „Ich habe es schon mal angesprochen, aber einmal im Leben eine Ausbildung reicht nicht mehr. Dafür dreht sich die Welt zu schnell. Dazu kommt, dass mittlerweile jede Zweite unserer Generation um die 100 wird. Irgendwie muss sich so ein langes Leben finanzieren. Es soll ja nicht nur lang, sondern auch gut werden.“
„Fluide“ Fakten – als die vielschichtigste und komplexeste der vier Kategorien. Diese stellen ihren Lebensablauf nach dem Zeitpunkt des Gesprächs, also für die Zukunft des Betrachters dar. Fluide deshalb, weil diese Antworten im Gesamtbild immer wieder variieren und sich neu strukturieren werden. Im Vordergrund steht der Versuch deutlich zu machen, dass trotz der bis zum Gespräch identischen Person mit gleichbleibenden biografischen Eckdaten und Erlebnissen nach dem Gespräch, da in der Zukunft befindlich, noch alles veränderbar und variabel ist. Es ist zwar immer noch Emmet Keskin am anderen Ende der Leitung, mit einem Draht aus dem Jahr 2060, gealtert um 40 Jahre, ihre Biografie wird sich jedoch im Laufe des Anrufs immer wieder verändern. Ausschlaggebend können kleinste Entscheidungen während ihrer gelebten Jahre sein, die sich schnell zu großen Unterschieden kumulieren können. Selbst das Gespräch könnte ihr Leben durch kleinste Änderungen im Gefüge verändern. Wie der Schmetterlingsschlag, der durch eine Kette von Ereignissen der Auslöser eines Unwetters sein könnte. Die Zukunft ist noch nicht definiert und birgt deshalb unzählig viele Versionen. Die fluiden Fakten sind in Lebensphasen strukturiert, die aufeinander aufbauen, voneinander abhängen und sich ineinander weben. Die Lebensphasen sind getrennt von fünf Wendepunkten, die große Einschnitte in Emmets leben darstellen, geprägt von Neustarts, Umschwüngen oder Pausen zur Regeneration. Es gibt drei biographische Hauptstränge, die weitgehend parallel verlaufen und voneinander unabhängig sind. Daneben gibt es für die einzelnen Lebensphasen noch Mischformen aus allen drei Biografien. So ergeben sich für jede Lebensphase wenigstens drei und höchstens sieben verschiedene Versionen. Für sechs Lebensphasen, fünf vor dem Jahr 2060 und eine danach (Emmet erzählt dort vor allem über ihre Zukunftspläne), werden insgesamt 36 Versionen von Lebensabschnitten erzeugt. Dadurch ergeben sich bei zufälliger Aneinanderreihung unzählig29 viele Gesamtbiografien.
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GEWONNENE JAHRE
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Was soll damit vermittelt werden? Einerseits, dass Emmet trotz all dieser Änderungen, Möglichkeiten und Varianzen, die in ihrem Leben stattfinden können, trotz aller Winkel, Sackgassen, Pausen und Umwegen, immer irgendwie da ankommt, von wo sie gerade mit dem Betrachter spricht: Dem Jahr 2060. Andererseits, dass, wie oben angesprochen, kein Lebenslauf mehr dem anderen gleichen wird und nicht mehr pauschal von einem gewissen Alter wie dem Rentenalter gesprochen werden kann. Zusätzlich zu den Lebensphasen sind die Teilstücke so organisiert, dass sich die verschiedenen Vermögenswerte nach Gratton und Scott balanciert über das Leben verteilen. Es ist wichtig alle immer wieder zu reaktivieren und zu stärken, denn nur so ist ein langes und gesundes Leben möglich. Im Folgenden einer der biographischen Stränge, komplett von der Ausgangssituation 2020 bis zum letzten Wendepunk 2060.
29
3,719933267899012e41 an der Zahl
2020 – 2026: “Also nach dem Studium wollte ich erstmal die Welt kennen lernen. So jung und ungebunden hat man noch so wenig Verpflichtungen! Ich bin ein, zwei Jahre gereist und bin letztendlich in der Türkei geblieben. Da stammt mein Vater her. Deswegen und wegen meiner Verwandtschaft konnte ich auch ein paar Wörter Türkisch. Ich kam irgendwann bei Verwandten auf dem Land unter und arbeitete in einem Malerbetrieb von meinem Onkel und auf Plantagen von anderen Freunden. Die körperliche Arbeit hat mir echt gutgetan und ich habe viel über Landwirtschaft und die Malerei gelernt. Naja, genau. Soll ich weitererzählen?“ *weiter, bitte* „Okay! Mh, Geld gab es genug, um mich irgendwie über Wasser zu halten und genug zum Leben. Mit der entfachten Lust für das Handwerk ging ich nach Istanbul. Dort hab‘ ich mich arg in der Künstlerszene involviert und viele Kreative und gleichgesinnte kennengelernt. Irgendwann hab‘ ich auch selbst mit eigener Kunst auf Ausstellungen mitgemacht und bin sogar einem Kollektiv beigetreten. Nebenbei hab‘ ich bei einem fairen Auktionshaus für Straßenkunst gejobbt. Wenn ich dort eins gelernt hab, dann das organisieren und sparen. Wird dir schon langweilig? Oder kann ich weiter machen?“ *weiter, bitte* „Gut, gut, hehe. Das war jedenfalls ‚ne gute Zeit. Dort hab‘ ich mich erst richtig kennenlernen können. Das hat mir eine Richtung gegeben. Trotzdem wusste ich im Hinterkopf immer, dass es so nicht ewig weitergehen kann.“
2027 – 2033: “Mh, nach dem recht brotlosen Künstlerdasein im Kollektiv hab‘ ich mich dafür entschieden ein bisschen an meine Zukunft zu denken. Damit meine ich richtig Geldverdienen. Um in die Zukunft finanzieren, und so weiter. Noch in Istanbul hab mich also nach gut bezahlten Jobs umgesehen, die ich mit meiner bisherigen Ausbildung angehen konnte. Letztlich bin ich in einem großen Global-Payment-Konzern gelandet, PayPal. Und nicht nur die Bezahlung war gut, die haben mir auch Fortbildungen in zum Beispiel Strategieentwicklung gezahlt. Jo. Soll ich weitererzählen? Ist schon doch viel zu erzählen.“
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Michael Buchta
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*weiter, bitte“ „Super! Okay, also Geldverdienen war angesagt und so ging es die Karriereleiter nach oben. Am Ende wurde ich Senior Management Consultant für Kleinunternehmen. Nebenbei habe ich mir trotzdem mein Hobby bewahrt und eine Auktionsseite mit meiner Marke aufgebaut. Und auf Instagram und Co. Hab‘ ich junge Istanbuler Kunst kuratiert. Sogar zur Kunstsammlerin bin ich mutiert. Gesundheitlich hat die harte Arbeit und das alles mir natürlich gar nicht gutgetan. Auch wenn es nur so sechs Jahre waren. Es hat sehr an mir gezehrt. Ich traf also irgendwann eine Entscheidung. Aber das ist eine andere Geschichte. Naja.“
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2034 – 2040: „Sicher doch! Mh... Ich habe mir reichlich Zeit gelassen für diese harte Entscheidung. Schließlich kündigte ich ‚33 doch bei PayPal. Die Gesundheit ging vor. Und es waren erst mal genug Rücklagen da und ich konnte was riskieren. Ich habe mich also erstmal wieder meiner Karriere in der Kunst verschrieben. Ich war noch recht gut mit den Istanbuler Leuten aus meinen 20ern verbunden, es ist mir also nicht schwer gefallen da wieder rein zu finden. Mit Freunden aus dem Kollektiv hab‘ ich irgendwann ein faires Kunsthaus für unbekannte Kleinkünstler gegründet das auch Wanderausstellungen durch ganz Europa organisiert hat. Interessiert dich das noch?“
*weiter, bitte* „Wie du willst, hehe. Also, das war jedenfalls eine verrückte und aufregende Zeit. In so vielen Ländern habe ich Freunde kennen lernen dürfen. Das ist ein echtes Geschenk. Nebenbei war auch noch in bei einer Organisation für Frauenrechte tätig. Aber das nur am Rande. In einer unserer Ausstellungen in Düsseldorf habe ich dann zufällig Tolga kennengelernt. Er war selbst Deutsch-Türke und hat dort Architektur und Kunst betrieben. Wir waren und sind auf einer Wellenlänge und haben uns schnell verliebt. Dann ging es irgendwie recht schnell. Genau. Immer noch Interesse am weiterhören?“ *weiter, bitte* „Na dann, wunderbar... Wie gesagt, Schlag auf Schlag. Mit 41 habe ich Zwillingstöchter bekommen, drei Jahre später gleich einen Sohn. Hätte nicht gedacht, dass es gleich drei Kinder werden. Aber die sind jetzt selbst schon überall auf der Welt unterwegs. Mit der Mutterschaft jedenfalls hatten Tolga und ich viel Zeit zum Nachdenken, wie wir die nächsten Jahre verbringen sollten. Aber wie das weitergeht ist eine andere Geschichte.“ 2041 – 2046 “Okay, gerne doch! Mh, also meine Schwangerschaft und die Pause vom Berufsleben hat meinem Partner und mir viel Zeit zum Überlegen gegeben. Was wollten wir, während wir die Kinder hatten, vom Leben? Die erste große Entscheidung war, zurück nach Deutschland zu ziehen, wo wir ja auch beide viele Verwandte hatten, die mal auf die Kinder aufpassen konnten. Ansonsten haben wir uns in der Betreuung abgewechselt. Mal angekommen war die nächste Frage, was ich beruflich als Nächstes mache. Da habe ich mich für ein Portfolio entschieden, mit verschiedenen Dingen, die ich angehen wollte. Naja, interessiert dich das noch?“
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*weiter, bitte“ „Na dann erzähl ich weiter! Flexibilität war mir ungeheuer wichtig, gerade mit den Kindern. Dafür habe ich einerseits einen kleinen Zweig vom Auktionshaus aus Istanbul aufgemacht. Da war das meiste eigentlich Online und dadurch flexibel und unabhängig. Nebenbei war ich mich immer wieder freiberuflicher Consultant für kleine lokale Betriebe. Für viele Unerfahrenere in dem Bereich war ich ein wichtiger Ansprechpartner in ihrem Netzwerk. So war das Einkommen gesichert und die Balance trotzdem noch da. Und auch meine Kunst musste ich nicht aufgeben, ich habe meine Werke weiter in meinem Webshop verkauft und auf Instagram vermarktet. So lief das für ein paar Jahre vor sich hin. Bis dann was Größeres auf mich zukam. Aber soviel erstmal dazu!“
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2047 – 2059: „Na sicher! Also, 52 hat sich so einiges verändert. Mein Online-Auftritt, ich glaub es war auf LinkedIn, hat ein paar größere Firmen aufhorchen lassen. Naja, und auch eine Möbelfirma war begeistert von meinen Präferenzen und dem Portfolio. Die haben mich als Creative Direktor eingesetzt. Meine bisherigen Erfahrungen im Team-Leading und in der Kunst haben sich da gut ausgezahlt. Später bin ich sogar noch ins Management aufgestiegen. Auf einmal habe ich mich also in der Welt der Konzerne wiedergefunden! Verrückt. Naja, soll ich weitererzählen?“
*weiter, bitte* „Super! So habe ich also für um die 12 Jahre, ich glaub bis 2059, für große Unternehmen in der Möbelbranche gearbeitet und da viel einbringen können. Ich bin öfter zwischen Firmen in der Branche gewechselt und hab wunderbare Gehälter eingestrichen. Nur, und das war mir auch klar, tat das meinen Beziehungen schlecht. Auch die Ehe mit Tolga hat gelitten. Mein Privatleben ging flöten und meine Gesundheit ist von all der Arbeit den Bach herunter. Erfolgreich wie ich war habe ich also trotzdem eine Entscheidung getroffen: Erstmal Auszeit. Zeit für eine Umstellung. Das war Anfang dieses Jahrs. Und da steh‘ ich jetzt nun.“ Ab 2060:
„Ja, also gerade bin ich mitten in einer längeren Pause. Und die brauch‘ ich wirklich, nach der harten Arbeit zuletzt. Ich habe mir aber auch schon meine Gedanken gemacht. Wenn ich nun mal genügend erholt bin will ich unbedingt wieder etwas anfangen. Mit weniger Verantwortung und ohne zu viel Zeit in Anspruch zu nehmen. Mein Partner und ich haben schon überlegt in eine Finka zurück in die Türkei zu ziehen. Ich werde mich wahrscheinlich mit meinen alten Künstlerfreunden aus Istanbul zusammentun und das Kollektiv wiederaufleben lassen. Nebenbei halte ich dann Kurse und Seminare für Kreative, besonders jungen Künstlerinnen. Und da gibt es diese Organisation für Minderheitenrechte, dort werde ich mich Engagieren. Außerdem! Ganz aufregend. Mein Mann und ich wollen einen eigenen kleinen Obstanbau betreiben. An Ruhestand denke ich jedenfalls noch lange nicht. Der soll irgendwann mit 80 Jahren mal kommen. Vielleicht. Hahaha.“ Eine vollständige Auflistung der Antworten findet sich neben allen weiteren Gesprächs-Bausteinen im Anhang (siehe Anhang 1).
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Visuelles Element Der visuelle Teil hat primär drei wichtige Funktionen: Er dient der weiterführenden Information über das Gesagte von Emmet Keskin und über das Thema im Allgemeinen. Er dient als Untermalung der angesprochenen Transformationsfelder mit einfachen Grafiken und einer Immersion des Betrachters, das vor allem der Form geschuldet ist. Diese würde von einem zylindrisch aufgebauten Bildschirm erreicht werden, der im Umfang von drei Metern um das mittige Objekt für die Konversation aufgebaut ist. Der Betrachter steht also im Zylinder. Dadurch befände er sich in der Variante der Bildschirme mitten in seinem regenerativen Informationsfluss, der ihn komplett in das Thema Eintauchen lässt. In der Umsetzung für diesen Prototypen dienen Plakate in Din-A0Größe als Platzhalter dafür. Die Visualisierung der Transformationsfelder erfolgt durch perspektivischen Liniengrafiken, mehr dazu aber später bei der Stilistik der Arbeit.
Die Informationen über das Thema und Emmet sind grob wieder dreiteilig gestaffelt. Durch die Innenform des Zylinders und der mittigen Platzierung des Objektes gibt sich eine Laufrichtung von rechts nach links im Kreis, der auch der Informationsfluss folgen wird. Der Zylinder aus Plakaten besteht in Blickrichtung auf den Aufbau aus einem Einzelplakat rechts, einem langen Plakatband mittig und einem Einzelplakat links. Das rechte Einzelplakat gibt dem Betrachter eine Einführung in das Thema und der Zielführung des Projektes, gibt Aufschluss über die Chancen und Herausforderungen eines langen Lebens und erklärt die Benutzung des Objekts und Interaktion mit Emmet Keskin. Das mittige Plakatband ist mit Abstand am größten und besteht aus sieben hochformatigen Plakaten, horizontal in der Kreisform aneinandergereiht. Dieses enthält mit der Blickrichtung von vorne auf den Aufbau vor allem links und rechts kumuliert weitere allgemeine Erläuterungen für die Transformationsfeldern, zu denen Emmet Weisheiten abgibt. Dafür werden hier nochmal die Beispiele von vorhin Aufgegriffen:
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Zu dem Thema“ Neustarts wagen“: „Der Zugewinn an Zeit gibt Möglichkeit, öfter komplette Neuanfänge zu wagen. Finanziell abgefedert durch vorherige Ersparnisse oder den Partner wird das gut möglich werden. Es wird für die Meisten ersichtlich sein, dass sich in der langen Arbeitsphase viel verändern wird. Menschen werden also im vornherein besser damit planen und umzugehen wissen, und weniger Angst davor haben.“ Zu dem Thema „Lebenslanges Lernen“: „Eine Ausbildung am Anfang des Lebens wird nicht mehr reichen. Die Arbeitswelt rotiert immer schneller und früh erworbene Fähigkeiten sind schnell nicht mehr aktuell. Dazu kommt die Tatsache, dass Viele länger arbeiten wollen und müssen, allein schon, um sich zu finanzieren, das heißt die Zeit des aktiven Arbeitslebens wird weiter ausgedehnt. Lernen schließt Fort- und Weiterbildungen, aber auch Neuausrichtungen wie einem neu begangenen Studium mit ein.“
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Diese auf dem ganzen Plakatband verteilten Informationsblöcke werden von den perspektiven Liniengrafiken unterstützt, die später noch genauer erklärt werden. Dazu ist jedes mit kleinen orangefarbenen Punkten bestückt, die auf die Legende auf dem linken Plakat verweisen und mit deren Funktion sich dort weiter auseinandergesetzt wird.
Das linke Einzelplakat beschreibt Emmet und erklärt die Eigenheiten ihres Lebenslaufes, spricht die Vielschichtigkeit des zukünftigen Alterns an und kommt zusammen mit einer Legende auf das Modell der Vermögenswerte von Gratton und Scott zu sprechen, nach denen die Transformationsfelder auf dem Plakatband organisiert sind.30 Abschließend werden noch drei Ratschläge gegeben, die für ein gesundes langes Leben essenziel sein werden.
30
Gratton und Scott, The 100-Year Life, 68.
4.3
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GEWONNENE JAHRE PROGRAMM
Wie schon angesprochen basiert der Kern von Emmet Keskin auf der Interaktion mit der natürlichen Sprachverarbeitung von Wit.ai. Diese bietet eine Schnittstelle für die Kommunikation mit eigenen Anwendungen oder Scripten, wie es hier der Fall ist. Für die Umsetzung sind drei Bestandteile notwendig. In chronologischer Reihenfolge der Teil eines Scripts, der als Sender agiert und Daten in Form von WAVDateien an Wit.ai schickt, Wit.ai selbst, das diese Daten mit vorher eintrainierten Eingaben auswertet und ein weiterer Script-Teil, der die Ergebnisse von Wit.ai verwertet und mit Audiodateien verknüpft und diese spezifisch je nach Intention abspielt. Der Code zur Interaktion ist mit Python programmiert und wird vom Terminal eines MacBooks gestartet. Der erste Teil des Scripts erstellt eine WAV-Datei sobald ein Input vom angeschlossenen Mikro über den eingegebenen Lautstärke-Schwellenwert kommt und hört die Aufnahme mit einer kleinen Latenzzeit wieder auf, sobald kein Input mehr kommt. Bei nochmaliger Aufnahme wird die erste gespeicherte Datei einfach überschrieben. Ein weiterer Teil des Scripts erkennt eine Veränderung in der Datei und sendet diese an die API22 von Wit.ai. Eine elegantere Lösung wäre das direkte Streamen von Audio-Chunks, also den kleinen Bausteinen der Audio-Aufnahme, weil sie durch das simultane Hochladen noch während der Aufnahme weniger Latenzzeit verursacht und dadurch natürlicher wirkt. Durch Komplikationen mit der Core Audio33 Schnittstelle des Macs konnte diese Lösung aber nicht mehr rechtzeitig realisiert werden.
43
31
Ein Containerformat für Audio-Dateien
32 „Programmierschnittstelle“, in Wikipedia, 14. Juni 2020, https://de.wikipedia.org/w/ index.php?title=Programmierschnittstelle&oldid=200957000.
33 „Core Audio“, in Wikipedia, 19. Juni 2020, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Core_Audio&oldid=201108050.
Wit.ai versucht nach der Spracherkennung vor allem „Intents“, also Absichten, zu erkennen. Dafür müssen diese Absichten vorher benannt und eingepflegt werden. Die Absichten sind noch weiter untergliedert in „Roles“ also Rollen, damit können sie weiter kategorisiert und unterteilt werden. Als Beispiel: Gibt man Wit.ai den Input „Verrate mir doch mal bitte deinen Rufnamen!“ und hat ihm vorher den Intent „eigener-name“ programmiert und ihm vorher schon ähnliche Sätze zum Training gegeben haben wird er als Absicht mit einer in Prozent angegeben „Confidence“ (dem Vertrauen in die richtige Erkennung) sagen können, dass man einen Namen wissen will. Gäbe es jetzt weiter zwei verschiedene Rollen, zum Beispiel „eigener-vorname“ und „eigener-nachname“ und hat man ihn vorher schon mit ähnlichen Satzkonstruktionen konfrontiert, wird er jetzt zusätzlich das Wort „Rufnahmen“ als Rolle „eigener-vorname“ erkennen. So ist eine sehr kleinteilige Abstufung möglich, die sogar das Erkennen von Emotionen zulässt. Die Kommunikation mit diesem Prinzip funktioniert für Emmets Zweck auf einer für dieses Projekt ausgelegten Struktur. Zuallererst werden die Intents in Kategorien unterteilt. Diese sind „Smalltalk “, „Hard Facts “, „Semi-fluid Facts “, „Wisdom “, „General” und “Fluid Facts”. Neben den bereits bekannten Kategorien kommen hier noch „General“ und „Smalltalk“ hinzu. Ersteres hat die Aufgabe generelle Absichten, wie Zustimmung und Ablehnung zu erkennen, oder Absichten, die „Out of Scope“, also nicht im Bereich des Erfahrungsbereiches des Bots, sein sollen. Letztere Kategorie bezieht sich, wie der Name schon sagt, auf leichte Unterhaltung, wie Begrüßungsfloskeln oder Ähnlichem.
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Mit diesen Prinzipien des Trainings im Hintergrund sendet Wit.Ai nun Werte, die in Form der „Intents“, „Roles“ und der „Confidence“ im Empfänger-Teil des Scripts aufgegriffen und verwertet werden. Dort werden diese jeweils mit einer oder mehreren Audio-Dateien verknüpft, die entweder ganz spezifisch, in einer gewissen Reihenfolge oder nach einem Zufallsprinzip abgespielt werden. Die genaue Struktur am Beispiel der „fluiden Fakten“ findet sich als Ausschnitt im Anhang (siehe Anhang 1) und als komplette Version auf der beigelegten CD-ROM. Die Audio-Dateien sind kategorisiert und archiviert, sodass ein einfaches Zugreifen möglich ist. So bekommen die Kategorien römische Ziffern, der erste Absicht einen Buchstaben, die zugehörige Rolle eine Nummer und die verschiedenen Versionen des Outputs Ziffern von A – Z. Daraus ergeben sich Dateinamen wie „V-A_1-e“, mit denen sich die Output-Dateien leicht bestimmen lassen. Falls Outputs aus mehreren Teilen bestehen, wird noch einmal eine Ziffer von a – z hinzugefügt, etwa „III-A_1-b_a“.
4.4
Abb. 1: Dieter Rams - Loudspeaker L2 (1958) „eponge.bleue (@nicola.campri) • InstagramFotos und -Videos“. Zugegriffen 14. Juli 2020. https://www.instagram.com/nicola.campri/.
Abb. 2: Love Hultén - B O B 1 8 0 Love Hultén. „Bob180“. Zugegriffen 14. Juli 2020. http://www.lovehulten.com/bob180.html.
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GEWONNENE JAHRE Gestaltung und Wirkung
Auch bei der äußeren Gestaltung des Projektes wird inhaltlich in die Narrative und das Visuelle getrennt. Erstere wird vor allem im mittigen befindlichen Objekt vermittelt. Es dient hauptsächlich zur Kommunikation mit der Zukunft und ist dafür in den bereits beschriebenen Sender und Empfänger zweigeteilt. Bei der Form-Wahl also steht in erster Linie das eindeutige Erkennen ihrer Funktion im Vordergrund. Dazu sollte es auch möglichst zeitlos wirken. Als dafür geeignetsten hat sich die klare und zeitlos moderne Formensprache des frühen Industriedesigns aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erwiesen. Mit ihrer Eindeutigkeit, Konsequenz und Unaufdringlichkeit sowie der verständlichen Ästhetik wirkt sie wie ein Bindeglied zwischen den Epochen.
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Inspirieren lassen hat sich davon auch Love Hultén, der mit seinen Konzepten von Videospiel-Apparaten die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet. Auch er setzt auf einfache Formen und erkennt die Wichtigkeit sofort erkennbarer Funktionalität. Dabei entstehen ausgefallene audiovisuelle Apparate, die das Organische und das Elektronische miteinander verbinden.34
34 „The Funky Audiovisual Contraptions of Designer Love Hultén“, Wired, zugegriffen 15. Juli 2020, https://www.wired.com/story/my-space-love-hulten/.
Abb. 2: Zeichnungen von Sender und Empfänger
Abb. 4: Rendering von Sender und Empfänger
Abb. 5: Details des Empfängers
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Darauf aufbauend sollten die beiden Objekte eine Balance zwischen eine Formsprache finden, die dem Betrachter einerseits klar die eigene Funktion vermittelt, andererseits dabei trotzdem neu anmutet und sich nicht zu sehr mit bereits bekannten Dingen assoziieren lässt. Der Sender hat eine zylindrische Form und ist an einem Eisenstab befestigt. An diesem lässt er sich in der Höhe verstellen, damit eine bequeme Position zum unterhalten gefunden werden kann. Er lässt durch den schwarzen Stoff auf der Vorderseite wie ein Mikrofon anmuten, besitzt jedoch das starre Erscheinungsbild auch einen eigenen Charakter. Der Empfänger besteht aus einem Unterbau aus gebogenen Eisenrohren, die in der gewählten Form Stabilität mit wenig Materialaufwand und eine optische Simplizität erzeugen. Darüber ist eine Holz-Box mit 30x30x 30 Zentimetern Größe angebracht, an der vorne auch eine Seite aus schwarzem Stoff befestigt ist.
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A
Abb. 6: Liniengrafik des Aufbaus der Raumgestaltung
Der visuelle Bereich besteht in dieser Umsetzung wie oben angesprochen aus einer Plakathängung mit neun Plakaten in Din-A0-Größe, davon zwei Einzelplakate, und eine Plakatreihe aus sieben hochformatigen Plakaten, horizontal in der Kreisform aneinandergereiht. Diese bilden gemeinsam einen begehbaren Raum, der von vorne durch eine Lücke begehbar ist. Die zwei Einzelplakate befinden sich links und rechts vom Eingang, die Plakatreihe mittig (siehe Abb. 6). Sender und Empfänger befinden sich mittig davon. Die Hängung der Plakate hat die Immersion des Betrachters (die sich auch bei einer Realisierung mit Bildschirmen wirklich zur Geltung kommt) zum Zweck. Außerdem schafft sie durch die Abgrenzung zur Umgebung eine intime und für die Konversation angebrachte Atmosphäre und gibt das Gefühl sich im Inneren des Erfahrungsraums von Emmet Keskin zu befinden. Die Funktion der Installation wurde oben schon angesprochen. Diese würden (mit den Bildschirmen) mit dem regenerativen Informations- und Bildfluss organisch ins Leben gerufen werden. Dafür sollen auch die Plakate ein digital anmutendes Aussehen bekommen, ähnlich alten ein- oder zweifarbigen Computergrafiken.
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Als Hintergrundfarbe dient deshalb ein mooriges Dunkelgrün (#23443f). Die Informationsebene, also Text und Liniengrafiken, trägt ein grelles, technisch wirkendes Hellgrün (#32af7c). Akzente und sich auf die Narrative Beziehendes, wie die Punkte als Verweis auf das Asset-Modell, sind in einem warmen Orange gehalten (#ec7525). Auch die gewählten Schriftarten sollen dem Charakter dienlich sein. Der Fließtext ist deshalb in einer Mono-Schrift (Monosten A, 20pt) mit nur feinem Mono-Charakter für bessere Lesbarkeit mit gleicher Wirkung (Anmutung früher Computer) gehalten. Auch die Subline benutzt Monosten (Monosten B, 25pt) und ist nur im Schnitt etwas dicker. Die Headlines (Gosha Sans Bold) greifen diesen Stil durch die abgeflachten Horizontalen der x-Linie subtil auf. Diese werden zur Unterstützung des Informationsflusses in den zwei Größen 66 und 99 Punkt eingesetzt.
51
Die Liniengrafiken kommen vor allem auf dem langen Plakatband zur Verwendung. Prinzipiell soll der Blick beim Betreten der Rauminstallation erst ungetrübt sein, weshalb vom Blick auf den Eingangsbereich wenig bis keine Getaltungselemente zu sehen sind. Diese bauen sich beim Betreten der Installation erst nach rechts und links auf. Die Linien sind durch die gewählten Strichstärken von 1 – 2 Punkt unaufdringlich, um den sauberen und klaren Gesamteindruck nicht zu trüben. Aus der Nähe sind sie aber gut zu erkennen. Die Texte der Transformationsfelder unterstützen sie auf dem Plakatband mit sich in beide Richtungen ausbreitenden Perspektiven, welche durch die verwobenen abstrakt dargestellten Situationen und Erklärungen die Informationen der Texte visuell unterstützen.
Ein langes Leben: Zeit für mehr Chancen und Herausforderungen.
Schon die Vorstellung ist respekteinflößend: Jedes zweite oder dritte Neugeborenes wird vielleicht schon hundert Jahre alt werden. Ein unübersehbarer Trend zu einem immer längeren Leben. Andererseits gibt es die Tendenz zu immer aktiveren Jahren im Alter, mit weniger Krankheiten und mehr aktiver Teilhabe in der Gesellschaft. Altersforscher sprechen hier von Langlebigkeit. Das bringt viele neue Fragen mit sich. Um an den gewonnenen Jahren jedoch nicht zu verzweifeln sollte man sich aktiv über das ganze Leben hinweg damit auseinandersetzen.
geschlagen haben war das zwar ärgerlich, jedoch im Vergleich zu heute mit viel mehr aktiven Arbeitsjahren weniger ein Problem. In den Tag hineinleben und alles auf sich zukommen zu lassen wird geradezu fahrlässig. Doch wie plant man ein so langes Leben? Höchstwahrscheinlich nicht dem einen Masterplan, sondern mit konstantem Hiterfragen und reflektieren was als Nächstes Sinn macht. Die gewonnene Zeit bietet die Möglichkeit öfter im Leben auf Pause zu drücken, vielleicht den ungeliebten Job zu kündigen und zu experimentieren. Sich neu auszurichten.
Entscheidungen haben eine viel größere Tragweite. Wenn vorherige Generationen zum Beispiel einen falschen Karrierepfad ein-
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Einführung und allgemeine Informationen
2
Felder der Transformation
3
Wer ist Emmet Keskin? Das Leben neu Gedacht
A
Objekt zur Konversation
2
2 A
3
1
Willkommen im Jahr 2060. Irgendwann müssen wir uns alle mit unserem Alter beschäftigen. Und das macht mehr Sinn als jemals zuvor: Die Zahl der 80-jährigen wird sich bis schon zum Jahr 2050 von jetzt etwa 4 Millionen auf dann 10 Millionen erhöhen. Wir werden im Schnitt jedes Jahr 8 bis 12 Wochen älter. Und auch die gesunde Lebenszeit im hohen Alter wächst, Krankheiten und Leiden setzen immer
Mittig in diesem Raum stehen zwei Objekte, ein Sender und ein Empfänger. Um mit der Zukunft in einen Dialog zu treten ruft man einfach an. Dazu spricht man in das kleinere Teil, den Sender, und bekommt Antworten aus dem größerem, dem Empfänger. Die Person am anderen Ende der Leitung benutzt die gleiche Installation. Sie wird bereitwillig aus ihrem Leben, den verschiedenen Lebensphasen und über ihre zahlreichen Beobachtungen und Erlebnisse sprechen. Dazu kann man ihr auch Fragen zu allen Lebensbereichen stellen.
kürzer vor dem Tod ein. Großartige Neuigkeiten also. Doch trotzdem bleibt das Image des Alterns belastet von Assoziationen wie Stillstand, Gebrechen, Zerfall, Ballast und Senilität. Große Schuld daran hat die klassische dreistufige Trennung des Lebens in Ausbildung, Arbeit und Rente. Doch Lebensläufe werden bunter, die Arbeitswelt wird sich schneller drehen, Menschen werden flexibler sein und ein hohes Maß an Selbstreflektion besitzen. Den klassischen Ruhestand wird es so nicht mehr geben, Menschen
werden länger arbeiten wollen und müssen. All das setzt Aktivität und Veränderung bis ins hohe Alter voraus. Es ist also falsch, sich an diesen drei unsinnigen und nicht mehr zeitgemäßen Lebensphasen festzuhalten und sich von ihnen das Handeln, Fühlen und Denken diktieren zu lassen. Wie wird es also stattdessen sein? Wir versetzen und dafür das Jahr 2060 und versuchen uns ganz subjektiv mit der Altersauffassung zu befassen. Wie wird ein Millenial über ihr Alter nachdenken, wie wird sie sich verhalten, welche Rolle hat sie mit Mitte 60 noch in der Gesellschaft, was wird sich für sie ändern und welche Schlüsse können wir daraus ziehen?
Wie interagiere ich mit meiner Zukunft?
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Informationen
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Felder der Transformation
3
Wer ist Emmet Keskin? Das Leben neu Gedacht
A
Objekt zur Konversation
2 A
FERTIGE ARBEIT 3
Willkommen im Jahr 2060. Irgendwann müssen wir uns alle mit unserem Alter beschäftigen. Und das macht mehr Sinn als jemals zuvor: Die Zahl der 80-jährigen wird sich bis schon zum Jahr 2050 von jetzt etwa 4 Millionen auf dann 10 Millionen erhöhen. Wir werden im Schnitt jedes Jahr 8 bis 12 Wochen älter. Und auch die gesunde Lebenszeit im hohen Alter wächst, Krankheiten und Leiden setzen immer
Mittig in diesem Raum stehen zwei Objekte, ein Sender und ein Empfänger. Um mit der Zukunft in einen Dialog zu treten ruft man einfach an. Dazu spricht man in das kleinere Teil, den Sender, und bekommt Antworten aus dem größerem, dem Empfänger. Die Person am anderen Ende der Leitung benutzt die gleiche Installation. Sie wird bereitwillig aus ihrem Leben, den verschiedenen Lebensphasen und über ihre zahlreichen Beobachtungen und Erlebnisse sprechen. Dazu kann man ihr auch Fragen zu allen Lebensbereichen stellen.
Abb. 8: Rechtsseitiges Plakat, Detail
Abb. 7: Rechtsseitiges Plakat, Komplett
kürzer vor dem Tod ein. Großartige Neuigkeiten also. Doch trotzdem bleibt das Image des Alterns belastet von Assoziationen wie Stillstand, Gebrechen, Zerfall, Ballast und Senilität. Große Schuld daran hat die klassische dreistufige Trennung des Lebens in Ausbildung, Arbeit und Rente. Doch Lebensläufe werden bunter, die Arbeitswelt wird sich schneller drehen, Menschen werden flexibler sein und ein hohes Maß an Selbstreflektion besitzen. Den klassischen Ruhestand wird es so nicht mehr geben, Menschen
werden länger arbeiten wollen und müssen. All Aktivität und Veränderung bis ins hohe Alter ist also falsch, sich an diesen drei unsinnig nicht mehr zeitgemäßen Lebensphasen festzuhal sich von ihnen das Handeln, Fühlen und Denken zu lassen.
Wie wird es also stattdessen sein? Wir verset dafür das Jahr 2060 und versuchen uns ganz su der Altersauffassung zu befassen. Wie wird ei über ihr Alter nachdenken, wie wird sie sich welche Rolle hat sie mit Mitte 60 noch in der schaft, was wird sich für sie ändern und welc se können wir daraus ziehen?
Wie interagiere ich mit meiner Zukunft?
Lebensläufe werden vielstufig und bunt. Ganz im Gegensatz zum dreistufigen Leben, das mit der Rente praktisch zum Erliegen kommt. Statt vierzig Jahre demselben Job nachzugehen werden sich immer wieder neue Wege und Situationen auftun. Altersphasen werden abgelöst durch individuelle Lebensphasen, die sich nicht mehr am biologischen Alter festmachen. Mal werden Jahre genutzt, um viel Geld zu verdienen und für das Alter vorzusorgen. Mal wird sich spät im Leben noch für ein Studium entschieden. Wichtig ist nur, eine gute Balance zu finden. Zwischen etwas, das hier mit Vermögenswerten definiert wird.
Auf der einen Seite die klassischen, messbaren Vermögenswerte. Dazu zählen etwa Vermögen, Anlagen, Ersparnisse oder Eigentümer. Andererseits die unmessbaren Vermögenswerte, schwer zu greifen, aber ebenso wichtig. Darunter: Produktive Vermögen, unter anderem der Erwerb von neuem Wissen und Fähigkeiten. Dann Vermögen der Vitalität, die vor allem die geistige und physische Gesundheit und das Wohlempfinden umfassen. Zum Beispiel Freundschaften, Partnerschaften oder die persönliche Fitness. Außerdem transformative Vermögen, wie das Aufbauen von Selbstkenntnis, das Erreichen von neuen Netzwerken oder Machen neuer Erfahrungen. Bei den vielen Veränderungen in einem langen Leben werden diese von besonderer Bedeutung sein.
Es wird vielschichtiger. Was wird wann wichtig werden?
Messbare Vermögenswerte
Unmessbare Vermögenswerte: Produktiv Vitalität Transformativ
Freut mich, dich zu sprechen. Emmet Keskin steht exemplarisch als Vertreterin ihrer Generation. Sie ist in vielerlei Hinsicht typisch im Auftreten und der Lebensauffassung. Sie zeichnet eine geringe Scheu vor neuen Herausforderungen und dem Unbekannten aus, ist hoch flexibel und anpassbar und in der Welt zuhause. Sie legt sich nicht gerne fest und spricht gerne offen und direkt aus, was sie worüber denkt. Ihre Wurzeln sind ihr trotz des ungebundenen Lebens wichtig und sie sieht sich als „global local“.
Zum Zeitpunkt des Telefonats ist 66 Jahre alt. Sie ist im Oktober 1995 geboren und kommt aus Veitshöchheim bei Würzburg. In Würzburg hat sie dann auch BWL studiert. Sie erzählt auf Nachfrage auch gerne noch mehr über ihr frühes Leben. Nach 2020 ging es für sie dann in die Weite. Hier wird es interessanter. Wenn sie von ihrer Biografie seit dem Zeitpunkt des Telefonats erzählt, VOR unserer erfahrenen Zukunft also, bleibt keine Erzählung
gleich. Ständig ändern sich Eckdaten, mal reist sie in dieses Land, mal entscheidet sie sich für jenen Job. Ein wildes Durcheinander. Und trotz all dieser Änderungen, Möglichkeiten und Variationen, die in ihrem Leben stattfinden können, trotz aller Winkel, Sackgassen, Pausen und Umwegen, kommt Emmet immer irgendwie da, von wo sie gerade mit uns spricht: Dem Jahr 2060.
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Tipps für das gute Altern. An die neue alte Generation.
Experimentieren. Das ist nicht nur für die Jugend. Es wird für alle Altersgruppen entscheidend sein. Es sind Experimente, die uns dorthin führen, wo wir als Nächstes hinwollen, und die uns zeigen, wie wir Übergänge meistern sollten.
1 Reflektieren. Die Zeit nutzen, um zu erforschen, wer man ist. Das wird nicht nur für eine erfüllende Arbeit wichtig sein, sondern auch, um zu einer Lebensweise zu gelangen, die den eigenen Werten und Hoffnungen näherkommt als etwa Traditionen.
Planen. Die Auswirkungen von Fehlern werden länger andauern. Auch, wenn es mehr Zeit gibt, begangene Fehler auszubessern. Fehlende Planung und Vorbereitung hat das Potential aufgebaute Vermögenswerte schnell wieder zu zerstören.
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Freut mich, dich zu sprechen. GEWONNENE JAHRE
Vertreteelerlei er Lebens-
erausfordeexibel und sich nicht kt aus, was otz des ungeals „global
Zum Zeitpunkt des Telefonats ist 66 Jahre alt. Sie ist im Oktober 1995 geboren und kommt aus Veitshöchheim bei Würzburg. In Würzburg hat sie dann auch BWL studiert. Sie erzählt auf Nachfrage auch gerne noch mehr über ihr frühes Leben. Nach 2020 ging es für sie dann in die Weite. Hier wird es interessanter. Wenn sie von ihrer Biografie seit dem Zeitpunkt des Telefonats erzählt, VOR unserer erfahrenen Zukunft also, bleibt keine Erzählung
gleich. Ständig ändern sich Eckdaten, mal reist sie in dieses Land, mal entscheidet sie sich für jenen Job. Ein wildes Durcheinander. Und trotz all dieser Änderungen, Möglichkeiten und Variationen, die in ihrem Leben stattfinden können, trotz aller Winkel, Sackgassen, Pausen und Umwegen, kommt Emmet immer irgendwie da, von wo sie gerade mit uns spricht: Dem Jahr 2060.
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das gute die Generation.
Experimentieren. Das ist nicht nur für die Jugend. Es wird für alle Altersgruppen entscheidend sein. Es sind Experimente, die uns dorthin führen, wo wir als Nächstes hinwollen, und die uns zeigen, wie wir Übergänge meistern sollten.
1 Reflektieren. Die Zeit nutzen, um zu erforschen, wer man ist. Das wird nicht nur für eine erfüllende Arbeit wichtig sein, sondern auch, um zu einer Lebensweise zu gelangen, die den eigenen Werten und Hoffnungen näherkommt als etwa Traditionen.
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Abb. 10: Linkssseitiges Plakat, Detail
Abb. 9: Linksseitiges Plakat, Komplett
Planen. Die Auswirkungen von Fehlern werden länger andauern. Auch, wenn es mehr Zeit gibt, begangene Fehler auszubessern. Fehlende Planung und Vorbereitung hat das Potential aufgebaute Vermögenswerte schnell wieder zu zerstören.
Irgendwas zu Wohnen * Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit, sed diam nonummy nibh euismod tincidunt ut laoreet dolore magna aliquam erat volutpat. Ut wisi enim ad minim veniam, quis nostrud exerci tation ullamcorper suscipit lobortis nisl ut aliquip ex ea commodo consequat.
Alter und geistige Fitness * Während Studien darauf hindeuten, dass die Gene für etwa ein Drittel der Rate des geistigen Verfalls verantwortlich ist, hängt der Rest vom Lebensstil ab: von täglichen Handlungen, Engagement in der Gemeinschaft, starken Beziehungen, körperlicher Fitness und Ernährung. Das Gehirn ist als ein Muskel, bei dem wiederholter Gebrauch und Übung seine Funktionsweise verändern und ihm helfen kann, sich zu erholen.
Neustarts wagen * Der Zugewinn an Zeit gibt Möglichkeit, öfter komplette Neuanfänge zu wagen. Finanziell abgefedert durch vorherige Ersparnisse oder den Partner wird das gut möglich werden. Es wird für die Meisten ersichtlich sein, dass sich in der langen Arbeitsphase viel verändern wird. Menschen werden also im vornherein besser damit planen und umzugehen wissen, und weniger Angst davor haben.
Vermischung der Generationen * Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit, sed diam nonummy nibh euismod tincidunt ut laoreet dolore magna aliquam erat volutpat. Ut wisi enim ad minim veniam, quis nostrud exerci tation ullamcorper suscipit lobortis nisl ut aliquip ex ea commodo con
Macht sich ein langes Leben bezahlt? * Die Finanzierung eines langen Lebens wird immer schwieriger. Die neugewonnenen Jahre bedeuten eine längere Zeit der Zeit nach dem bisherigen Rentensystem, die Relation von Arbeitsjahren zu Jahren im Stillstand werden immer kürzer. Entweder arbeitet man also länger oder man schafft es gute Rücklagen zu bilden, parallel zur Rente. Das schließt auch Investments und Anlagen mit ein. Es wird zwar schwieriger, ist aber mit genug Weitsicht hinzubekommen.
Neuer Umgang mit dem Alter * Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit, sed diam nonummy nibh euismod tincidunt ut laoreet dolore magna aliquam erat volutpat. Ut wisi enim ad minim veniam, quis nostrud exerci tation ullamcorper suscipit lobortis nisl ut aliquip ex ea commodo consequat.
Heirat kein Auslaufmodell * Jüngere Menschen legen sich weniger gerne fest. Das Behalten von Optionen und Wahlmöglichkeiten wird dagegen immer wertvoller. Das macht die Heirat aber keineswegs zu einem unattraktiven Bund. Immer mehr entscheiden sich zwar später zu heiraten. Es überwiegen jedoch trotzdem die Vorteile. Das Erneuern von Fähigkeiten, mehr Kapazität für neue Herausforderungen, das alles ist viel einfacher mit einem Partner. Und auch finanziell macht die Heirat vieles entspannter.
Lebenslanges Lernen * Eine Ausbildung am Anfang des Lebens wird nicht mehr reichen. Die Arbeitswelt rotiert immer schneller und früh erworbene Fähigkeiten sind schnell nicht mehr aktuell. Dazu kommt die Tatsache, dass Viele länger arbeiten wollen und müssen, allein schon, um sich zu finanzieren, das heißt die Zeit des aktiven Arbeitslebens wird weiter ausgedehnt. Lernen schließt Fort- und Weiterbildungen, aber auch Neuausrichtungen wie einem neu begangenen Studium mit ein.
Kinder keine Lebensaufgabe * Die Geburtenrate in Deutschland bleibt relativ niedrig. Ein Faktor neben den finanziellen ist die Masse der Zeit, die dafür aufgewendet werden muss und die viele vorm Kinderkriegen zurückschrecken lässt. Doch mit dem Gewinn an neuen Lebensjahren wird ein immer kleinerer Teil des Lebens dafür bestimmt sein, Kinder groß zu ziehen. Es bleibt mehr Zeit ohne die Verantwortung gegenüber seinem Nachwuchs, wenn die Kinder schon auf eigenen Beinen stehen.
Gender-Pay-Gap noch ein Gap? * Gehälter zwischen den Geschlechtern erfahren ein graduelles Angleichen. Der Gap wird also geringer, jedoch nicht komplett verschwinden. Prognosen aus einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) "Women and the Future of Work" (Frauen und die Zukunft der Arbeit) vom Jahr 2015 gehen davon aus, dass es bei den derzeitigen Veränderungsraten mindestens siebzig Jahre dauern wird, bis ein geschlechtsspezifischer Lohnausgleich erreicht sein wird.
Die Rolle der Partnerschaft * Statt mit der Heirat nur Traditionen und Gepflogenheiten pflichtbewusst zu erfüllen und Erwartungen der Familie zu begegnen bekommt sie ganz neue Zwecke. Das Erneuern von Fähigkeiten, Kapazität für neue Herausforderungen und investieren in neue Netzwerke viel einfacher mit einer Partnerin. Sie bietet emotionaler Support, eine Plattform für Diskussion, Unterstützung bei schweren Entscheidungen wie bei Arbeit, Reisen, dem Haushaltsmanagement und kann ehrliche Kritik geben.
Freundschaft durch Generationen * Die Familie wird weiter ein Bestandteil nachhaltiger Beziehungen sein. Es wird aber auch immer mehr Wert auf mehrgenerationelle Freundschaften gelegt. Menschen verschiedener Altersgruppen werden öfter gemeinsame Aktivitäten teilen und Lebensabschnitte miteinander verbringen. Das ist der beste Weg gegen Stereotype und Vorurteile gegenüber Menschen anderen Alters.
Gewonnenene Jahre
Zwei essenziele Eigenschaften * Zwei zentrale Begriffe für ein gut begangenes langes Leben sind Planung und Experimente. Planung ist wichtig, da die Auswirkungen von Fehlern immer länger andauern. Auch, wenn es mehr Zeit gibt, begangene Fehler auszubessern haben diese das Potential Aufgebautes und Erreichtes schnell wieder zu zerstören. Auch Experimente werden für jedes Alter entscheidend sein. Es sind Experimente, die uns dorthin führen, wo wir als Nächstes hinwollen.
Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE
Gewonnenene Jahre
Zwei essenziele Eigenschaften * Zwei zentrale Begriffe für ein gut begangenes langes Leben sind Planung und Experimente. Planung ist wichtig, da die Auswirkungen von Fehlern immer länger andauern. Auch, wenn es mehr Zeit gibt, begangene Fehler auszubessern haben diese das Potential Aufgebautes und Erreichtes schnell wieder zu zerstören. Auch Experimente werden für jedes Alter entscheidend sein. Es sind Experimente, die uns dorthin führen, wo wir als Nächstes hinwollen.
Abb. 11 - 12: Plakatband in der Mitte, Komplett
Regenerative Beziehungen * Das Kultivieren eines Netzwerks enger und regenerativer Freunde während des gesamten Lebens ist essenziell für ein aktives, gesundes und positives Leben und die eigene Psyche. In Phasen der Auszeit oder weniger Arbeit können Verbindungen zu Freunden gestärkt werden, so halten sie dem Test der Zeit stand. Und ihr Wert wird höher, da einige dieser Freundschaften den roten Faden bilden werden, der die Grundlage einer Lebensidentität definiert.
Im Wissen bleiben * Die Lebenszeit,
Partnerschaft auf Augenhöhe * Es wird immer weniger traditionelle Eheverträge geben, sondern eher pure Beziehungen, darauf basierend, was diese wirklich für beide Partner bringt. Sie werden reflektierter organisiert und offen für konstante Erneuerung und Infrage stellen sein. Dabei lassen sie Raum für Exploration. Lebenspartner werden ausgeglichenere Partnerschaften führen, Aufgaben werden entsprechend verteilt und sich oft im Leben ändern. Viel wird immer wieder auf die Waage und in Frage gestellt.
die man mit Arbeit verbringt, wird für viele sehr viel länger werden. In all diesen Jahren wird sich viel ändern und erneuern. Wissen ist schnell nicht mehr aktuell. Es wird also auch eine Herausforderung, sich so weiterzubilden oder aktuell mit dem Wissen zu bleiben, dass man nicht irrrelevant für den Markt wird. Das aktive und bewusste Suchen nach neuen Trends und Möglichkeiten wird fester Bestandteil des gesamten Arbeitslebens.
Re-Creation als neue Wunderwaffe * Längere Auszeiten werden normaler werden und sind in einem langen Arbeitsleben sogar essenziel für die Gesundheit. Diese werden aber nicht nur zum Zweck der Erholung, auf Englisch „recreation“ benutzt. Dazu komm die Aufgabe der Re-Creation, also dem eigenen Neukreieren im wörtlichen Sinn. So können diese Zeiten des Umbaus zum Beispiel für Neuausrichtungen, Erlernen neuer Fähigkeiten, Schaffen eines anderen Lebensstils oder dem Wandel der Identität verwendet werden
Umgedrehte Emanzipati
pation bedeutet nicht mehr sich an die getaktete Arbeit Männer anzupassen haben. Au sich häufiger um Kinder küm nicht auf fixe Arbeitszeiten wollen. Typischerweise mit F te Wünsche für zum Beispiel tät oder für Familie, Freun werden also immer wichtiger müssen sich dem bei der ger von potentiellen Arbeitnehm
Neustarts wagen * Der Zugewinn an Zeit gibt Möglichkeit, öfter komplette Neuanfänge zu wagen. Finanziell abgefedert durch vorherige Ersparnisse oder den Partner wird das gut möglich werden. Es wird für die Meisten ersichtlich sein, dass sich in der langen Arbeitsphase viel verändern wird. Menschen werden also im vornherein besser damit planen und umzugehen wissen, und weniger Angst davor haben.
Macht sich ein langes Leben bezahlt? * Die Finanzierung eines langen Lebens wird immer schwieriger. Die neugewonnenen Jahre bedeuten eine längere Zeit der Zeit nach dem bisherigen Rentensystem, die Relation von Arbeitsjahren zu Jahren im Stillstand werden immer kürzer. Entweder arbeitet man also länger oder man schafft es gute Rücklagen zu bilden, parallel zur Rente. Das schließt auch Investments und Anlagen mit ein. Es wird zwar schwieriger, ist aber mit genug Weitsicht hinzubekommen.
Abb. 12: Plakatband in der Mitte, Detailaufnahme zu Neustarts
Zwei essenziele Eigenschaften * Zwei zentrale für ein gut begangeLebenslanges Lernen *Begriffe Eine Ausbilnes des langes Leben Planung dung am Anfang Lebens wirdsind nicht mehr und ExperiPlanung ist wichtig, da die Auswirreichen. Diemente. Arbeitswelt rotiert immer schneller und früh von erworbene Fähigkeiten kungen Fehlern immer länger andauern. sind schnellAuch, nichtwenn mehres aktuell. Dazugibt, begangene mehr Zeit kommt die Tatsache, dass Viele länger Fehler auszubessern habenardiese das Potenbeiten wollen und müssen, allein schon, um tial Aufgebautes und Erreichtes schnell sich zu finanzieren, das heißt die Zeit wieder zu zerstören. Auch Experimente des aktiven werden Arbeitslebens wird weiter ausfür jedes Alter entscheidend sein. gedehnt. Lernen schließt Fort- und WeiterEs sind Experimente, die uns dorthin bildungen, aber auch Neuausrichtungen wie führen, wo wir als Nächstes hinwollen. einem neu begangenen Studium mit ein.
Gender-Pay-Gap noch ein Gap? * Gehälter zwischen den Geschlechtern erfahren ein graduelles Angleichen. Der Gap wird also geringer, jedoch nicht komplett verschwinden. Prognosen aus einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) "Women and the Future of Work" (Frauen und die Zukunft der Arbeit) vom Jahr 2015 gehen davon aus, dass es bei den derzeitigen Veränderungsraten mindestens siebzig Jahre dauern wird, bis ein geschlechtsspezifischer Lohnausgleich erreicht sein wird.
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Bachelor-Thesis
Michael Buchta
GEWONNENE JAHRE
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Im Wissen bleiben *
Die Lebenszeit, die man mit Arbeit verbringt, wird für viele sehr viel länger werden. In all diesen Jahren wird sich viel ändern und erneuern. Wissen ist schnell nicht mehr aktuell. Es wird also auch eine Herausforderung, sich so weiterzubilden oder aktuell mit dem Wissen zu bleiben, dass man nicht irrrelevant für den Markt wird. Das aktive und bewusste Suchen nach neuen Trends und Möglichkeiten wird fester Bestandteil des gesamten Arbeitslebens.
Abb. 14: Plakatband in der Mitte, Detailaufnahme zu „Im Wissen bleiben“
teilt und sich oft im Leben ändern. Viel wird immer wieder auf die Waage und in Frage gestellt.
Re-Creation als neue Wunderwaffe * Längere Auszeiten werden normaler
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werden und sind in einem langen Arbeitsleben sogar essenziel für die Gesundheit. Diese werden aber nicht nur zum Zweck der Erholung, auf Englisch „recreation“ benutzt. Dazu komm die Aufgabe der Re-Creation, also dem eigenen Neukreieren im wörtlichen Sinn. So können diese Zeiten des Umbaus zum Beispiel für Neuausrichtungen, Erlernen neuer Fähigkeiten, Schaffen eines anderen Lebensstils oder dem Wandel der Identität verwendet werden
Macht sich ein langes Leben bezahlt? * Die Finanzierung eines langen Lebens wird immer schwieriger. Die neugewonnenen Jahre bedeuten eine längere Zeit der Zeit nach dem bisherigen Rentensystem, die Relation von Arbeitsjahren zu Jahren im Stillstand werden immer kürzer. Entweder arbeitet man also länger oder man schafft es gute Rücklagen zu bilden, parallel zur Rente. Das schließt auch Investments und Anlagen mit ein. Es wird zwar schwieriger, ist aber mit genug Weitsicht hinzubekommen.
Abb. 15: Plakatband in der Mitte, Detailaufnahme zu Regeneration
Umgedrehte Emanzipation * Emanzipation bedeutet nicht mehr nur, dass Frauen sich an die getaktete Arbeitswelt der Männer anzupassen haben. Auch Männer werden sich häufiger um Kinder kümmern oder sich nicht auf fixe Arbeitszeiten festlegen wollen. Typischerweise mit Frauen assoziierte Wünsche für zum Beispiel mehr Flexibilität oder für Familie, Freunde und Hobbies werden also immer wichtiger. Und Firmen müssen sich dem bei der geringen Auswahl von potentiellen Arbeitnehmern anpassen.
Abb. 16: Plakatband in der Mitte, Detailaufnahme zum Thema Gender-Pay-Gap
Lebenslanges Lernen * Eine Ausbildung am Anfang des Lebens wird nicht mehr reichen. Die Arbeitswelt rotiert immer schneller und früh erworbene Fähigkeiten sind schnell nicht mehr aktuell. Dazu kommt die Tatsache, dass Viele länger arbeiten wollen und müssen, allein schon, um sich zu finanzieren, das heißt die Zeit des aktiven Arbeitslebens wird weiter ausgedehnt. Lernen schließt Fort- und Weiterbildungen, aber auch Neuausrichtungen wie einem neu begangenen Studium mit ein.
Gender-Pay-Gap noch ein Gap? * Gehälter zwischen den Geschlechtern erfahren ein graduelles Angleichen. Der Gap wird also geringer, jedoch nicht komplett verschwinden. Prognosen aus einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) "Women and the Future of Work" (Frauen und die Zukunft der Arbeit) vom Jahr 2015 gehen davon aus, dass es bei den derzeitigen Veränderungsraten mindestens siebzig Jahre dauern wird, bis ein geschlechtsspezifischer Lohnausgleich erreicht sein wird.
Abb. 1: Dieter Rams - Loudspeaker L2 (1958)
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Regenerative Beziehungen * Das Kultivieren eines Netzwerks enger und regenerativer Freunde während des gesamten Lebens ist essenziell für ein aktives, gesundes und positives Leben und die eigene Psyche. In Phasen der Auszeit oder weniger Arbeit können Verbindungen zu Freunden gestärkt werden, so halten sie dem Test der Zeit stand. Und ihr Wert wird höher, da einige dieser Freundschaften den roten Faden bilden werden, der die Grundlage einer Lebensidentität definiert.
Abb. 17: Plakatband in der Mitte, Detailaufnahme zu regenerativen Beziehungen
Re-Creation als neue Wunderwaffe * Längere Auszeiten werden normaler werden und sind in einem langen Arbeitsleben sogar essenziel für die Gesundheit. Diese werden aber nicht nur zum Zweck der Erholung, auf Englisch „recreation“ benutzt. Dazu komm die Aufgabe der Re-Creation, also dem eigenen Neukreieren im wörtlichen Sinn. So können diese Zeiten des Umbaus zum Beispiel für Neuausrichtungen, Erlernen neuer Fähigkeiten, Schaffen eines anderen Lebensstils oder dem Wandel der Identität verwendet werden
Abb. 18: Raummodell in Vogelperspektive
Abb. 19: Detail vom Einzelplakat
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Die fertige Installation wird als begehbare Installation ausgestellt und misst in ihrem Gesamtumfang drei Quadratmeter.
Abb. 20: Blick auf den Projekttitel
Abb. 20: Betrachtung der rechten Seite
Abb. 21: Details des linken Einzelplakats
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Abb. 21: Blick von rechts auf Sender und Receiver
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GEWONNENE JAHRE FAZIT UND AUSBLICK
Trotz dem Verbleib in der Konzeptphase vermittelt die Installation auf vielfältige Art und mit großer Weite die Chancen und Risiken eines langen Lebens und macht damit auf die Wichtigkeit und Dringlichkeit neuer Altersauffassungen aufmerksam. Wie bereits erwähnt kann mit dem geschaffenen Kosmos aus dem Jahr 2060 im Idealfall Begeisterung für die Möglichkeiten und die Vielfältigkeit des zukünftigen Alterns geschaffen werden. Sie sind nicht monotone Jahre des Verfalls und des Verlustes, sondern gewonnene Jahre, die je nach Lebensgestaltung anders aussehen werden. Dazu soll es dazu anregen das Leben anders zu begehen und aktiv auf ein gesundes, langes Leben hinzuarbeiten. Umzudenken und gefestigte Einstellungen über die eigene Zukunft infrage zu stellen.
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Mit den entstandenen Diskussionen werden neue Blickwinkel und Möglichkeiten eröffnet und neue Wege geboten, die auch auf politischer Ebene weitergedacht werden können. Gerade, was die derzeitigen Perspektiven dort betrifft, wäre eine Politik für einen aktiven Lebenslauf statt Alterspolitik eine bessere Umfangsweise mit der Alterung der Gesellschaft. Letztendlich wird es aber vor allem die eigene Anschauung darüber sein, die den größten Unterschied macht. Das kleinste Glied in der Kette mit dem größten Potential für Veränderung, aber darauf angewiesen unabhängig zu sein und sich nicht an vergangenen Denkweisen zu richten. Oder wie es Langer treffend formuliert: Wenn wir uns nicht genötigt fühlten, diese einschränkenden Einstellungen umzusetzen, hätten wir vielleicht bessere Chancen, die Jahre des Verfalls durch Jahre der Zunahme und Entwicklung zu ersetzen.“35
35 vgl. Richard Milne, „Demographic timebomb: Finland sends a warning to Europe“, Financial Times, 3. April 2019.
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Love Hultén. „Bob180“. Zugegriffen 14. Juli 2020. http://www.lovehulten. com/bob180.html. „Core Audio“. In Wikipedia, 19. Juni 2020. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Core_Audio&oldid=201108050. Dunne, Anthony, und Fiona Raby. Speculative Everything: Design, Fiction, and Social Dreaming. Cambridge, Massachusetts ; London: The MIT Press, 2013. „eponge.bleue (@nicola.campri) • Instagram-Fotos und -Videos“. Zugegriffen 14. Juli 2020. https://www.instagram.com/nicola.campri/. Gratton, Lynda, und Andrew J. Scott. The 100-Year Life: Living and Working in an Age of Longevity. Bloomsbury Publishing, 2016. Horx, Matthias. „48 – Die Welt nach Corona – Matthias Horx“. Zugegriffen 11. Juli 2020. https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/. Horx, Matthias. Das Megatrend-Prinzip: Wie die Welt von morgen entsteht. DVA, 2011. Kocka, Jürgen, und Ursula M. Staudinger. Altern in Deutschland. Nova acta Leopoldina, n. F., Bd. 99-106, Nr. 363-371. Halle (Saale) Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, 2009. Langer, Ellen. Mindfulness: das Prinzip Achtsamkeit: die Anti-Burnout-Strategie. Übersetzt von Ilse Strasmann. Mindfulness: Das Prinzip Achtsamkeit. Jubiläumsausgabe. München: Verlag Franz Vahlen, 2015. https://doi.org/10.15358/9783800649174-84. Langer, Ellen J. Counterclockwise: Mindful Health and the Power of Possibility. Random House Publishing Group, 2009.
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GEWONNENE JAHRE BIBLIOGRAFIE
Lux (BiB), Linda, und Norbert F. Schneider (BiB). „Zukunftsoptimismus im höheren Lebensalter“, Bevoelkerungsforschung Aktuell, Mai 2013, 11–18. Mergenthaler, Andreas. „Auf den Spuren des ‚Dritten Alters‘: Befunde zur Dauer eines Lebensabschnitts auf der Grundlage der Third Age Life Expectancy (TALE)“, Bevoelkerungsforschung-Aktuell, Mai 2013, 32. Micheel, Frank, und Maximilian Tergeist. „Die Neigung zur Erwerbstätigkeit im Ruhestand“, Bevoelkerungsforschung-Aktuell, Mai 2019, 12. Milne, Richard. „Demographic time-bomb: Finland sends a warning to Europe“. Financial Times, 3. April 2019.
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Naegele, Gerhard, und Britta Bertermann, Hrsg. Soziale Lebenslaufpolitik. 1. Aufl. Sozialpolitik und Sozialstaat. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2010. „Natural Language Processing“. In Wikipedia, 13. Juli 2020. https://en.wikipedia. org/w/index.php?title=Natural_language_processing&oldid=967451396. „Programmierschnittstelle“. In Wikipedia, 14. Juni 2020. https://de.wikipedia. org/w/index.php?title=Programmierschnittstelle&oldid=200957000. „The Funky Audiovisual Contraptions of Designer Love Hultén“. Wired. Zugegriffen 15. Juli 2020. https://www.wired.com/story/my-space-love-hulten/. Wickenheiser, Ines. „Die Potentiale einer älter werdenden Gesellschaft und das Leitbild ‚Produktives Alter(n)‘“, Bevoelkerungsforschung-Aktuell, April 2011, 30.
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GEWONNENE JAHRE EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG
Hiermit versichere ich, Michael Timo Buchta, die vorliegende Bachelorarbeit mit dem Titel „Wohnen im Alter – Spekulatives Formen von Konzepten zukünftigen Zusammenlebens“ selbstständig verfasst und keine anderen Quellen und Hilfsmittel, als die angegebenen, benutzt zu haben. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus Veröffentlichungen entnommen sind, habe ich als solche kenntlich gemacht.
9 9.1
Bachelor-Thesis
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GEWONNENE JAHRE ANHANG ANHANG I: AUSZUG AUS DER KONVERSATIONSSTRUKTUR-TABELLE
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GEWONNENE JAHRE DANKSAGUNGEN
Vielen Dank an Prof. Christoph Barth für die weitreichende Unterstützung und die Fähigkeit zu begeistern und zu motivieren, gerade in herausfordernden Zeiten wie einer Pandemie. Des Weiteren ein Dank an Pamela Ngui für die umfassende Hilfe beim Programmieren mit Python und der moralischen Stütze.