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Spitallandschaft Aarau 2019

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Spitallandschaft

AARGAU2019 Aktuelle Einblicke

Kantonsspital Aarau S. 4 Onkologische Behandlungen als Teamleistung

Klinik Barmelweid S. 11 Kampf gegen Atemnot, Hustenattacken und Übergewicht

Asana-Spital Leuggern S. 18 Pluspunkte dank sauberer Diagnostik und Belegärzten

Hirslanden-Klinik Aarau S. 7 Integrierte Medizin für Patienten und Ärzte

Spital Muri S. 16 Bariatrie verhilft zu neuem Körpergefühl

Spital Zofingen S. 21 Mit Kraft und Kreativität für Schwerkranke da sein


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Vorwort  · 3

Fachlich und menschlich herausragend Geschätzte Leserinnen und Leser

Impressum Herausgeber: MetroComm AG, CH-9000 St. Gallen, Tel. 071 272 80 50, info@metrocomm.ch Gesamtleitung: Natal Schnetzer Chefredaktor: Dr. Stephan Ziegler Texte: Thomas Veser Anzeigenleitung: Oliver Iten Gestaltung: Andrea Hohl. November 2019

Nirgendwo sonst treffen komplexe fachliche Fragen und emotionale Aspekte so stark auf­einander wie bei der Gesundheit: Patienten wollen professio­nell betreut und behandelt werden, sich aufgehoben und sicher fühlen. Die Zeit der sterilen Praxen und Kliniken, in denen «Halbgötter in Weiss» Menschen von oben herab beurteilten, ist längst vorbei.

­ esundheit ist ein wichtiges Gut und wird deshalb G nachgefragt. Die Herausforderung, die Gesundheitsversorgung so zu gestalten, dass sie funktioniert und dennoch bezahlbar bleibt, ist gross; das ist aber ein Betätigungsfeld für die Politik. Sie muss die Leitplanken für ein finanzierbares Gesundheitswesen setzen.

Der Aargau ist reich an hervorragenden Gesundheitsinstitutionen, die sich untereinander ergänzen. Selbst Menschen aus anderen Regionen entscheiden sich für Anbieter aus der Gegend, weil sie hier fachlich und menschlich herausragend behandelt werden. Gleichzeitig ist der Wettbewerb wohltuend für die Gesundheitskosten: Keine Klinik kann es sich leisten, ungeachtet der Kosten zu arbeiten.

Dass Ihr Geld in Form von Krankenkassenprämien aber gut investiert ist, zeigt die vorliegende Momentaufnahme der Spitallandschaft Aargau: Sowohl in den öffentlichen wie auch in den privaten Kliniken können Sie sicher sein, die bestmögliche Prävention, Behandlung und Pflege zu erhalten. Was es hierzu aktuell zu berichten gibt, lesen Sie auf den nächsten Seiten.

Die Tatsache, dass wir trotzdem unter steigenden Gesundheitskosten leiden, zeigt in erster Linie:

Herzlich, Stephan Ziegler, Dr. phil. I Chefredaktor


4  ·  Kantonsspital Aarau

«Eine onkologische Behandlung ist immer eine Teamleistung» Als Chefarzt Onkologie und Vorsitzender des Onkologiezentrums Mittelland am Kantonsspital Aarau schildert Prof. Dr. med. Christoph Mamot die Vorzüge des Zentrums und erklärt die Bedeutung von «Tumorboards», bei denen Patienten mit der Neudiagnose Krebs interdisziplinär diagnostiziert werden.

Christoph Mamot, wie hat sich das 2013 ins Leben gerufene Onkologiezentrum Mittelland zwischenzeitlich entwickelt? Bereits vor der Gründung des OZM war ein Schwerpunkt am KSA die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie viele verschiedene Personen und Abteilungen an der Betreuung jedes einzelnen Patienten beteiligt sind. Durch die OZM-Gründung und die damit zusammenhängende Zertifizierung (DKG und ISO) wurden

Prof. Dr. med. Christoph Mamot

die internen Abläufe, beziehungsweise die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abteilungen nochmals genau betrachtet und konnten auch weiter optimiert werden. Die Gründung des OZM hat uns somit geholfen, die Qualität noch weiter zu steigern, und dies bei einem gleichzeitigen Erhalt der persönlichen individuellen Patientenbetreuung. Letzteres möchte ich an dieser Stelle trotz der doch sehr technischen Diskussion um die Zertifizierungen klar betonen: Der Patient steht unverändert im Mittelpunkt sämtlicher Bemühungen.


Kantonsspital Aarau  · 5

Sie zählen mit Ihren acht Organzentren landesweit zu den grössten Krebsbehandlungszentren. Wie lässt sich dieser Aufstieg begründen? Das KSA bietet alle onkologischen Therapien an, bis hin zur autologen Stammzelltransplantation. Unser Einzugsgebiet ist relativ gross, und wir werden als Zentrumsspital wahrgenommen. Natürlich versuchen wir, diesen Ansprüchen auch gerecht zu werden. Wir sind überzeugt, dass Zertifizierungen einen positiven Einfluss auf die Abläufe und damit die Qualität haben. Wir haben versucht, alle für uns möglichen und sinnvollen Organzentren

«Der Patient steht unverändert im Mittelpunkt sämtlicher Bemühungen.»

zu zertifizieren. Voraussetzungen für die Zertifizierung eines Organzentrums sind auf der einen Seite eine Mindestfallzahl und auf der anderen Seite entsprechende Qualitätsanforderungen. Erfreulicherweise haben auch alle beteiligten Abteilungen sehr engagiert an den Zertifizierungen mitgearbeitet. In der Zukunft prüfen wir, ob noch weitere Organzenten hinzukommen können, wie beispielsweise die Kinderonkologie.

… die in der Regel wöchentlich durchgeführt werden, richtig. Aufgrund der relativ hohen Patientenzahlen kommen wir somit auf über zehn wöchentliche Tumorboards mit jeweils fünf bis 20 Patienten. Die Resultate beziehungsweise Empfehlung des Tumorboards werden den Patienten anschliessend in einem persönlichen Gespräch erläutert und dann das gemeinsame Prozedere festgelegt. Sollte es Abweichungen von den ursprünglichen Empfehlungen geben, muss der Fall nochmals am Tumorboard besprochen werden. Eine onkologische Behandlung ist immer eine Teamleistung. Der Begriff «OZM» ist geografisch sehr weit gefasst. Welche Absicht verbirgt sich dahinter? Wir haben uns damals in der Tat lange mit der Namensgebung befasst. Geographisch gibt es keine ganz eindeutige Definition und letztlich kamen wir zu dem Schluss, dass es recht gut zu uns passt: Das OZM am KSA befindet sich als Zentrumsspital genau in der Mitte zwischen den Universitätskliniken Basel, Bern und Zürich, und wir haben dort ein grosses Einzugsgebiet. Wir arbeiten in einigen Gebieten sowohl mit den Universitätskliniken als auch mit anderen Kliniken in der Umgebung, wie etwa der Hirslanden Klinik Aarau, dem Kantonsspital Baden oder auch dem Kantonsspital Olten eng zusammen. Diese Netzwerkbildung wird von uns sehr gepflegt und ist für die optimale Versorgung von Patienten mit Krebsdiagnose in meinen Augen unerlässlich.

Bild: KSA Text: Thomas Veser

Stichwort «Tumorboards»: Welche Aufgaben kommt Ihnen zu und inwieweit erleichtert das Ihre Arbeit? An Tumorboards müssen alle Patienten mit einer Neudiagnose Krebs interdisziplinär besprochen werden. Dies ist unbedingt notwendig, da an der Behandlung von Patienten mit Krebserkrankung immer mehrere Personen beziehungsweise Abteilungen mitwirken. So ist es für die richtige Therapie­ planung zwingend, dass die gesamte Diagnostik besprochen und die Therapie festgelegt wird. Tumorboards gab es natürlich auch schon vor der Gründung des OZM. Durch die Zertifizierung sind aber auch diese einheitlicher und qualitativ hochwertiger geworden. So wird alles vom Anmeldeprozess bis zur unmittelbaren Berichterstattung an den anmeldenden Arzt respektive Hausarzt genau festgelegt. Ebenso wird die Anwesenheit aller beteiligter Fachdisziplinen festgelegt und auch kontrolliert. Sie haben für jedes Organsystem ein eigenes Tumorboard?

Die acht vollzertifizierten Organzentren des OZM • Brustkrebszentrum • Gynäkologisches Krebszentrum mit Dysplasie-Sprechstunde • Darmkrebszentrum • Pankreaskrebszentrum • Hautkrebszentrum • Hirntumorzentrum • Kopf-Hals-Krebszentrum (neu) • Prostatakrebs- und uroonkologisches Zentrum Vollzertifiziertes Schwerpunktzentrum • Schwerpunktzentrum für Blutkrebserkrankungen


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Hirslanden-Klinik Aarau  · 7

Die Vorteile der Integrierten Medizin für Patienten und Ärzte Die private Klinik Hirslanden in Aarau konnte sich in den vergangenen drei Jahrzehnten als Aargauer Kompetenzzentrum auf dem Gebiet Herz- und Gefässchirurgie profilieren. Die Gründe dafür erläutert Prof. Dr. med. Markus Béchir, Leiter des Zentrums für Innere Medizin.

Dass vor allem ältere Patienten gleich unter mehreren Erkrankungen leiden, gehört inzwischen zum Klinikalltag. Wenn beispielsweise bei einer anstehenden Hüftgelenkoperation zudem eine Herzschwäche vorliegt, ist Vorsicht geboten. Dann wird in der Aarauer Hirslanden-Klinik in der Regel zunächst die Herzschwäche stabilisiert, erst dann kann der Hüfteingriff stattfinden. «Dieser Schritt dient der Patientensicherheit und trägt dazu bei, postoperative Risiken so weit wie möglich zu verringern», sagt Professor Markus Béchir, als Facharzt für Innere Medizin und Intensivmedizin seit 2017 Leiter des Zentrums für Innere Medizin der Hirslanden-Klinik Aarau.

Prof. Dr. med. Markus Béchir

Herzchirurgie auf universitärem Niveau Gerade auf dem Gebiet der Herz- und Gefässchirurgie hat die Klinik mittler­ weile kantonsweit und darüber hinaus einen soliden Ruf erworben. Als einziges Aargauer Spital hatte Hirslanden schon vor über 20 Jahren den Leistungsauftrag erhalten, diese Kompetenz planmässig zu entwickeln. «Unsere Fachgruppe ist im Laufe der Zeit immer umfangreicher geworden, inzwischen arbeiten wir mit dem Berner Inselspital zusammen und können deshalb die Herzchirurgie auf universitärem Niveau gewährleisten», betont Markus Béchir.


8  ·  Hirslanden-Klinik Aarau

weniger Leerlauf», vermerkt er. Vorteilhaft sei ferner, dass der Patient während seines Aufenthalts ständig einen mit allen persönlichen Details vertrauten Ansprechpartner zur Seite habe. Klinikaufenthaltsdauer deutlich verkürzt Dank dieser sauberen Arbeitsteilung komme die Aarauer Klinik mit weniger Personal aus als andere Kliniken in dieser Grössenordnung, fügt Markus Béchir hinzu. Als wesentlichste Veränderung der vergangenen Jahre bezeichnet er die deutlich verkürzte Aufenthaltsdauer. «Es ist alles viel schneller geworden; oftmals bleiben die Patienten nur noch sechs bis sieben Tage im Spital.» In medizintechnischer Hinsicht sei das Angebot um neuartige Herzklappen und verbesserte Schrittmacher ergänzt worden.

Er umschreibt den in Aarau entwickelten Ansatz mit dem Begriff «Integrierte Medizin»: Trifft der Patient ein, nimmt ihn zunächst die Abteilung der Inneren Medizin in Empfang, koordiniert den gesamten Ablauf und bereitet den Patienten auf den medizinischen Eingriff vor. Dann kommen die Herzspezialisten zum Zug. «Wir legen grössten Wert darauf, dass sich die Kardiologen und Herzchirurgen schwerpunktmässig auf das Gebiet, auf dem sie stark sind, konzentrieren», erläutert Markus Béchir. Organisatorische Aufgaben, Visiten, Anmeldungen zur Reha oder Abklärungen mit den Krankenkassen übernehmen entweder Fachkräfte der Inneren

«Wir sind gewissermassen der verlängerte Arm der Hausärzte.»

Medizin oder die Klinikadministration. Auf diese Weise halte man dem Herzchirurgen, der sich voll und ganz seinen Kernaufgaben widmen kann, zum Wohl des Patienten den Rücken frei. «Wir verzeichnen deshalb deutlich

Die möglichst enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Hausärzten steht für Markus Béchir im Mittelpunkt. «Wir sind gewissermassen der verlängerte Arm der Hausärzte und führen im Spital die Betreuung der Patienten in ihrem Sinne weiter», sagt er. Mit den nötigen Hausarztinformationen versehen, stelle man in Form einer gesamtheitlichen Betrachtung fest, wie ausgeprägt der Schweregrad der Erkrankungen und deren Bedrohlichkeit sei und ob möglicherweise Einschränkungen zu beachten sind – und lege dann die individuell aussichtsreichste Therapie fest. Nach dem Eingriff gehe ein ausführlicher Bericht an die Hausärzte, die nachher weiterhin die Betreuung sicherstellen.

Bilder: Hirslanden-Klinik Aarau Text: Thomas Veser

Beliebte Fortbildungsstätte für Jungmediziner Inzwischen empfiehlt sich die Hirslanden-­Klinik Aarau auch als begehrte Fortbildungsstätten für den medizinischen Nachwuchs. So hat das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fort­ bildung (SIWF) das Zentrum für Innere Medizin in der mit 155 Betten ausgestattete Klinik unlängst für ihren Einsatz auf dem Gebiet der ärztlichen Facharztausbildung ausgezeichnet.


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10  ·  Profil

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Die Privat-Klinik Im Park liegt inmitten einer gepflegten Parklandschaft und führt eine private Abteilung mit Einzelzimmern, eine halbprivate Abteilung mit Zweibettzimmern und eine allgemeine Abteilung mit Mehrbettzimmern. Die insgesamt 49 Zimmer mit 64 Betten sind funktionell und stilvoll in hohem Hotel-und Klinikstandard ausgestattet. Die klinisch-technische Infrastruktur ist unauffällig installiert. In allen Abteilungen werden die stationären Behandlungen von Krankenkassen anerkannt und die Kosten entsprechend den Vorgaben der jeweiligen Spitalversicherung übernommen. In den Pauschalen sind Übernachtung mit Vollpension, Mineralwasser, Kaffee, Tee und Zwischenmahlzeiten inbegriffen. Begleitpersonen profitieren von günstigen Sonderkonditionen bei Übernachtung im Begleitbett in der Privat-Klinik oder im Kurhotel Im Park. Im Therapiebad ist die wohltuende Wirkung des Thermalwassers der stärksten Schwefelquelle der Schweiz spürbar. Die Patienten erwartet Ambiente, Komfort mit Service eines Hotels sowie eine auf Menschlichkeit und Herzlichkeit basierende, kompe-

tente und individuell angepasste ganzheitliche Pflege. In der Privat-Klinik Im Park wird grosser Wert auf Qualität, Fachkompetenz und Professionalität gelegt, um bestmögliche Heilerfolge des Patienten während des Rehabilitationsaufenthaltes zu erzielen. Auch über die therapeutischen Massnahmen hinaus erhalten die Patienten Unterstützung. In Absprache mit Angehörigen, Ärzten und Pflege hilft der interne Sozialdienst bei der Organisation von eventuell notwendigen Anschlusslösungen. Moderne Rehabilitations-und Therapieangebote werden von einem erfahrenen Team aus spezialisierten Ärzten und Therapeuten individuell auf die Patientenbedürfnisse abgestimmt. Mit Ausnahme der Neuropsychologie werden dabei folgende Therapieformen sowohl stationär als auch ambulant angeboten: • • • • • •

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Klinik Barmelweid  · 11

Atemnot, Hustenattacken und Übergewicht müssen nicht sein Die Klinik Barmelweid zählt kantonsweit zu den führenden Reha-Kliniken auf dem Gebiet der Lungenheilkunde. Dr. med. Thomas Sigrist, Chefarzt Pneumologie, beschreibt Ablauf und Wirkung der pulmonalen Rehabilitation.

Hin und wieder zwangen plötzliche Atemnot oder Hustenattacken Martin A. bei seiner Arbeit innezuhalten. Der Schreinermeister vergass die unangenehmen Momente recht schnell. Erst als sich Jahre später im Ruhestand die Symptome verstärkten und Martin A. schon geringe Anstrengungen als Schwerstarbeit empfand, suchte er den Hausarzt auf.

Betroffene warten zu lange Um wieder zu einem normalen Leben zurückzufinden, traf Martin A. eine für passionierte Raucher schwere Entscheidung: Er entsagte zunächst dem blauen Dunst und durchlief eine pulmonale Rehabilitation. Diese Leistung wird auch von der privaten Klinik Barmelweid angeboten.

Die Diagnose war niederschmetternd: Chronisch obstruktive Lungen­ erkrankung (COPD). Zu ihren Ursachen gehören die Belastung des Atmungs­ ap­parats durch Feinstaub, bestimmte chemische Substanzen oder hoher Druck – aber auch Tabakrauch.

Bis sich die Betroffenen zu einer solchen Reha entschliessen, «verstreicht häufig wertvolle Zeit», informiert Dr. med. Thomas Sigrist, Chefarzt Pneumologie an der Klinik Barmelweid. Häufig werde die Bewegungseinschränkung mit dem Alter begründet. Furcht vor Atemnot veranlasse die Betroffenen,


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Klinik Barmelweid  · 13

die nicht selten unter Übergewicht leiden, sich sozial mehr und mehr abzuschotten. «Durch eine pulmonale Reha könnte erfolgreich gegengesteuert werden, allerdings wird das Angebot in der Schweiz viel zu wenig genutzt», bedauert Thomas Sigrist.

«Durch eine pulmonale Reha könnte erfolgreich gegengesteuert werden.»

Wer den Schritt wagt, findet sich zunächst zu einem Gespräch mit Arzt, Therapeuten, Krankenpflegern und bei Bedarf Nikotin- und Ernährungsberatern ein. «Dabei werden gemeinsam anzustrebende Ziele besprochen», erläutert Sigrist. Stationär dauert diese Reha drei Wochen, durchläuft man sie ambulant, dann ist mit zwölf bis 18 Wochen zu rechnen. Im vorigen Jahr hatten sich knapp 800 Patienten an der Klinik für die stationäre Variante entschieden. Fortschritte wirken ermutigend Neben dem Ausdauertraining spielt auch Fitness-Training eine wichtige Rolle. «Viele Betroffene haben sich kaum noch bewegt», berichtet Thomas Sigrist. Durch Physiotherapeuten bei Gymnastik, Fahrrad- und Krafttraining, Laufband und Wanderungen betreut, können die Patienten, überflüssige Pfunde loswerden und ihre Kondition verbessern. Das gilt selbst für eingefleischte «Couch Potatoes» – und erst recht für Patienten, die zuvor sportlich aktiv waren. Die manchmal schnell erzielten Fortschritte wirken Sigrists Worten zufolge ermutigend. Der jeweilige Erfolg werde regelmässig überprüft, dabei gehe es auch um die Frage, inwieweit sich die Gefühlswelt der Betroffenen geändert hat. Einzel­ therapien ergänzen das Erreichen individueller Ziele. Besonders beliebt sind die therapeutischen Wanderungen, wozu die Teilnehmer je nach Leistungsfähigkeit in Gruppen eingeteilt werden. Sie beginnen direkt vor der Eingangstüre der Klinik Barmelweid und führen in die weitgehend unberührte Natur der Aargauer Juralandschaft.

Bilder: Klinik Barmelweid Text: Thomas Veser

Dr. med. Thomas Sigrist

Von der «Volksheilstätte» zur modernen Reha-Klinik Auf Liegen von Kopf bis Fuss in dicke Kleidung gehüllt, verbrachten einst an Tuberkulose Erkrankte auf Sanatoriumsterrassen eine Kur in der Hoffnung, ihr Leiden durch gesunde Gebirgsluft und die Sonneneinstrahlung zu überwinden. Die nur bedingt effiziente Methode begründete seit dem 19. Jahrhundert den Aufstieg zahlreicher Schweizer Sanatorien – darunter auch Barmelweid, im Sommer 1912 als «Volksheilstätte» eröffnet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte nach jahrzehntelanger Forschung ein wirksames Antibiotikum entwickelt werden. Viele Lungen-Sanatorien stellten damals ihren Betrieb ein, andere orientierten sich auf dem Gebiet der Lungenheilkunde um. Dazu zählt auch die Klinik Barmelweid, zu deren Leistungsaufträgen neben Kardiologie, Psychosomatik und Schlafmedizin auch die Pneumologie gehört.


14  ·  Profil

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Modernstes Know-how bei orthopädischen Hilfsmitteln Prothetik – Komplettservice bei Beinprothesen (Ober-, Unterschenkel) Hochtechnisch und industriell hergestellte Passteile wie Füsse oder Kniegelenke werden optimal zusammengestellt und auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt. Auch verschiedene Verschluss-Systeme, darunter das BOA-System, gehören zu einer komplexen Versorgung. Von der Anpassung bis zur Gehschulung bietet marcosteffen den Kunden einen Komplettservice. Orthetik – Hightech-Hilfsmittel für mehr Bewegungsfreiheit Mithilfe von massgeschneiderten Orthesen werden verlorene oder beeinträchtigte Funktionen des Halte-Bewegungsapparates wiederhergestellt oder ersetzt. Die häufigsten Indikationen sind ein Fallfuss bei Neuropathien oder Schlaganfall, Knieverletzungen, Arthrose oder Gelenkschmerzen.

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16  ·  Spital Muri

Bariatrie verhilft zu neuem Körpergefühl Warum Menschen mehr Nahrung aufnehmen als ihr Körper benötigt und mit der Zeit immer schwerer werden, geht auf vielerlei Ursachen zurück. Oftmals sind seelische Leiden dafür verantwortlich, etwa Dauerstress am Arbeitsplatz oder anhaltende Krisen in Beziehung oder Familie. Möglicherweise spielt bei dieser Krankheit aber auch die genetische Veranlagung eine Rolle. Das Spital Muri hat den Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit aufgenommen.

Übersteigt der Körpermasseindex BMI 30 Kilogramm pro Quadratmeter, spricht man nicht mehr von Übergewicht, sondern von krankhafter Fett­ leibigkeit. Die überflüssigen Pfunde sind nicht nur der Lebensqualität abträg-

«Das Ziel, das Übergewicht um 60 Prozent zu reduzieren, wird in den allermeisten Fällen erreicht.»

lich und leisten eventuell einer sozialen Vereinsamung Vorschub, weil sich die Betroffenen als stigmatisiert empfinden: Wer nicht abspeckt, muss Folge­ erkrankungen wie Gelenkschäden, Diabetes oder kardiovaskuläre Probleme, darunter Hirnschlag oder Herzinfarkt, gewärtigen. Auch das Spital Muri hat den Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit auf seine Fahnen geschrieben und auf diesem Gebiet inzwischen kantonsweit sein Profil geschärft. Dazu entstand ein interdisziplinäres Adipositas­ zentrum, dem der Bauchchirurg Dr. med. Markus von der Groeben als Leitender Arzt vorsteht. «Bariatrische Eingriffe werden auch an unserer Klinik immer wichtiger», berichtet er. Im Schnitt betreut das Zentrum jährlich an die 200 Personen. Sorgsame individuelle Abklärung Bevor die Chirurgen zum Skalpell greifen, klärt das aus Chirurgen, Gastro­ enterologen, Kardiologen, Internisten, Lungenärzten sowie Ernährungsberatern bestehende Team drei Monate lang die individuelle Ausgangslage ab.

«Erst wenn zweifelsfrei feststeht, dass bislang ausprobierte herkömmliche Methoden der Gewichtsabnahme, etwa Diäten oder Sport, nicht greifen und der Operation keine gesundheitlichen Probleme entgegenstehen, kann grünes Licht gegeben werden», fügt Markus von der Groeben hinzu. Danach beginnt eine Phase der intensiven Nachbetreuung gemäss den Richtlinien der «Swiss Society fort he Study of Morbid Obesity and Metabolic Disorders» (SMOB). Zunächst finden Nachkontrollen alle drei Monate, dann jährlich statt. Vorgegeben sind Kontrollen über mindestens fünf Jahre, Muri strebt eine lebenslange Überprüfung an. «Das angestrebte Ziel, dank Operation das Übergewicht um 60 Prozent zu reduzieren und das verringerte Gewicht langfristig zu halten, wird in den allermeisten Fällen erreicht», versichert von der Groeben. Die Folgen des veränderten Geschmacksempfindens Für die Mehrheit der verschlankten Zeitgenossen beginne ein völlig neues Leben. «Das Geschmacksempfinden verändert sich, oftmals bildet sich eine Aversion gegen Fleisch und Süsses, dafür wächst die Lust auf Obst und Gemüse», weiss Markus von der Groeben. Von überflüssigen Pfunden befreit, entwickeln seinen Worten zufolge viele ein völlig neues Körpergefühl und entdecken ihre Leidenschaft für sportliche Betätigungen. Gelenkschmerzen, Atemnöte und Rückenschmerzen gehören nun der Vergangenheit an. Waren einst Korpulente aus Scham lieber zuhause geblieben, nehmen sie heute mit gestärktem Selbstbewusstsein an öffentlichen Anlässen statt.

Bild: Spital Muri Text: Thomas Veser

Magenbypass oder Schlauchmagenbildung? Die Magenbypass-Operation ist der international am häufigsten angewendete Eingriff im Kampf gegen Adipositas. Dabei wird der Magen in eine kleine Magentasche und in den viel grösseren Restmagen geteilt. Da die Magentasche nur wenig Nahrung aufnehmen kann, die dann in den ein­ gefügten Dünndarm gelangt, werden einerseits die Essensportionen verringert und andererseits durch die Dünndarmumleitung ein Teil der Nährstoffe und Kalorien nicht im Verdauungstrakt verwertet. Zudem entfalten veränderte Hormone eine positive Wirkung. Wird die Technik der Schlauch­ magenbildung angewandt, entfernen die Chirurgen einen grossen Teil des Magens. Dieser Vorgang lässt sich im Gegensatz zum Magenbypass nicht rückgängig machen. Fanden 2011 in der Schweiz 1681 bariatrische Eingriffe statt, lag diese Zahl 2016 schon bei 5371.


Spital Muri  · 17

Dr. med. Markus von der Groeben (rechts) mit Dr. med. Gery Teufelberger


18  ·  Asana-Spital Leuggern

Pluspunkte dank sauberer Diagnostik und Belegärzten Die Sternstunde des Jahres 2018 wird man im Asana-Spital Leuggern noch lange in Erinnerung bewahren: Eine Entzündung der Mundschleimhaut hatte die 15 jährige Cynthia veranlasst, sich im Sommer in der dortigen Notfallstation untersuchen zu lassen. Nachdem die Laboranalyse ausgewertet war, erhärtete sich der Verdacht auf Leukämie.

In der Aarauer Kinderklinik wurde aus dem Verdacht Gewissheit: Cynthia litt unter akuter Leukämie und wurde zur weiteren Behandlung unverzüglich in das Basler Universitätsspital verbracht. Nach einem Aufruf in den Sozialen Medien hätten sich damals spontan beeindruckend viele Menschen gemeldet, um dem Mädchen durch eine Knochenmarkspende das Leben zu retten, berichtet Dr. med. Manfred Gartner, am Asana-Spital Leuggern Chefarzt und Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie Kardiologie. Dass Cynthia letztlich überlebte, sei zu einem guten Teil der sicheren Einschätzung durch die Notfallstation zu verdanken.

«Wir können auf ein gut funktionierendes Netzwerk an Partnerspitälern im gesamten Kanton zurückgreifen.»

Grosse Bandbreite an Beschwerden In der Tat spielt diese Abteilung im Asana-Spital Leuggern, medizinischer Mittelpunkt im «Zurzigebiet» zwischen Baden und Brugg unweit des Kurortes Bad Zurzach, eine tragende Rolle. Manfred Gartners Worten zufolge nehmen jährlich im Schnitt 8‘500 Patienten das klinische Angebot in Anspruch. «In der Notfallstation melden sich etwa Personen mit Nierenschmerzen, Kopf-

weh, Übelkeit, Brechreiz oder verschiedenen Infektionen. Die Bandbreite ist gross, es gibt nichts, was es nicht gibt», informiert Gartner. Werden etwa Lungenentzündungen, Knochen- oder Leistenbrüche oder ein entzündeter Blinddarm diagnostiziert, dann lasse sich die Behandlung meist in Leuggern durchführen. Auch die im Fall von Durchblutungsstörungen des Herzens oder Herzschwäche nötigen Schritte können dort erfolgen, «vorausgesetzt die Erkrankung ist nicht zu stark ausgeprägt», fügt der Arzt hinzu. «Eine zielgerichtete und schnellstmöglich ausgeführte und häufig interdisziplinäre Diagnostik» beurteilt Manfred Gartner als stärksten Trumpf. Dichtes Netz an Aargauer Partnerspitälern Kann im Asana-Spital Leuggern keine Abhilfe geschaffen werden oder liegt eine komplizierte und möglicherweise lebensbedrohliche Situation vor, erfolgt die Überweisung in ein Zentrumsspital, meistens ins Kantonsspital Baden. Da in derartigen Fällen manchmal jede Minute zählt, werden gelegentlich auch Hubschrauberverlegungen nach Aarau oder zu den Unispitälern Zürich und Basel notwendig. «Wir können auf ein gut funktionierendes Netzwerk an Partnerspitälern im gesamten Kanton zurückgreifen», betont Manfred Gartner. Insgesamt verfügt Leuggern derzeit über 40 ausgewiesene Experten, die überwiegend im Belegarztsystem für chirurgische Eingriffe verantwortlich

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Asana-Spital Leuggern  · 19

sind. Sie übernehmen Operationen unter anderem in den Bereichen Orthopädie, Bauchchirurgie, HNO oder plastische Chirurgie sowie Urologie und Gynäkologie. Dank der Belegärzte, von denen einige eigene Praxen an anderen Orten betreiben und tageweise an der Klinik operieren, ermöglicht die Asana-Gruppe, die zudem in Menziken ein Spital betreibt, Gartners Worten zufolge auch im ländlichen Raum beispielsweise hochspezialisierte handund fusschirurgische Eingriffe, die sonst an grösseren und entfernt liegenden Kliniken stattfinden müssten.

Bild: Asana-Spital Leuggern Text: Thomas Veser

Grenzübergreifende Geburtshilfe Mit 825 Geburten stellte das Asana-Spital Leuggern 2018 bezogen auf die Grösse der Klinik landesweit einen Rekord auf. Das ist nicht nur in der Schweiz lebenden Müttern zu verdanken, sondern auch Frauen, die jenseits der Landesgrenze wohnen: Ihre Zahl beläuft sich jährlich auf etwa 180. Weil es zwischen Lörrach und Singen inzwischen keine adäquaten Geburtshilfezentren mehr gibt, entbinden sie im nahegelegenen Leuggern. Erleichtert wird dieser Schritt, weil die werdenden Mütter aus Südbaden im Schweizer Spital zum deutschen Tarif betreut werden. Darauf hatte sich Leuggern mit den deutschen Krankenkassen verständigt. Das Modell zahlt sich für die Eidgenossen dennoch aus, denn die deutschen Frauen sichern damit einen Beitrag zu den Fixkosten, die das Spital so oder so hat. Dr. med. Manfred Gartner (2. v. r.)

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Spital Zofingen  · 21

Mit Kraft und Kreativität für Schwerkranke da sein Auf ein Wort mit Dr. med. Gaby Fuchs, die als Oberärztin mit besonderer Funktion für die ärztliche Leitung des Kompetenzzentrums Palliative Care Mittelland am Spital Zofingen verantwortlich ist.

Gaby Fuchs, warum hatten Sie 2015 als Standort für das Kompetenzzentrum Palliative Care das Spital Zofingen gewählt? Es bestand seitens der Geschäftsleitungen der Spital Zofingen AG und der Kantonsspital Aarau AG der Wunsch, das Projekt «Palliative Care Mittelland» an beiden Standorten zu etablieren. Das Fachgebiet ist ein integraler Bestandteil der Gesamtorganisation der Kantonsspital Aarau AG und der Spital Zofingen AG und somit auch des Onkologiezentrums Mittelland. Des Weitern war das Projekt «Neubau Pflegezentrum» dafür wie geschaffen – und es wurde so eine auf das Fachgebiet zugeschnittene Station mitein­ geplant und errichtet. Wie ist Ihr Zentrum aufgebaut? Das Kompetenzzentrum Palliative Care ist eine Kooperation des Spitals Zofingen und des Kantonsspitals Aarau. Wir führen am Standort Zofingen eine zertifizierte spezialisierte Palliativstation mit acht Betten, die heuer ihr fünfjähriges Bestehen feiern konnte. Am Kantonsspital Aarau besucht der Palliative Konsiliardienst auf Anfrage Patienten in komplexen Situationen auf der Station und berät die jeweiligen Behandlungsteams. Der Konsiliardienst besteht nach Möglichkeit aus einem Zweierteam mit Ärztin und Pflegefach-

Dr. med. Gaby Fuchs (2. v. r.)

frau, beide mit spezifischer Weiterbildung in Palliative Care. Aktuell gibt es keine Männer in unserem Team. Ebenfalls bietet das KSA eine Palliativsprechstunde an, bei der Patienten und ihre Angehörigen ambulant von unseren Spezialistinnen beraten werden können. Und nach welchen Gesichtspunkten erfolgt die Betreuung? Sie erfolgt immer nach bio-psycho-sozialen und spirituellen Gesichtspunkten. Mit jedem Patienten und seinen begleitenden Angehörigen führen wir, also Arzt und Pflegende gemeinsam, bereits ein ausführliches Eintrittsgespräch. Neben Symptomen werden immer auch Entscheidungsfindung, Netzwerk und Support angesprochen. Das Eintritts-Assessment erfolgt nach dem SENS-Modell (Struktur, Entscheidungsfindung, Netzwerk, Support), das alle Themenbereiche der gängigen Ziele, Definitionen und Modelle integriert. Dies ermöglicht es uns, einen individualisierten Behandlungsplan zu erstellen. Sowieso ist die Palliative Care eine sehr individualisierte Medizin, die es uns gestattet, auf den Einzelnen mit seinen Wünschen und Problemen einzugehen und seine Ziele in den Fokus zu rücken. Die Betreuung danach erfolgt im interdisziplinären Team, das sich mindestens einmal während des Aufenthaltes mit dem Patienten und seinen Angehörigen im Rahmen des Rundtischgesprächs zu einer Standortbestimmung trifft.


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Von der englischen Ärztin und Krankenpflegerin Cicely Saunders, Pionierin der Palliativmedizin, stammt das Zitat «Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben». Auf welche Weise versuchen Sie, diesem Anspruch gerecht zu werden? Das individuelle Eingehen auf den jeweiligen Patienten ist sicher der Schlüssel dazu, dass man ihm dabei behilflich sein kann, seinen Tagen mehr Leben zu geben. Themen wie etwa: Wer sind Sie? Was gibt Ihnen Kraft? Und was sind Ihre Ziele? sind uns ein genauso grosses Anliegen wie die Behandlung von Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit. Ausserdem werden in der Palliative Care ganz gezielt auch die Angehörigen des Patienten, sofern sie es wünschen, mit einbezogen. Wie werden die Fachkräfte darauf vorbereitet? Alle Mitarbeitenden auf der Palliativstation, im Konsiliardienst und in der palliativen Sprechstunde haben eine spezifische Weiterbildung abgeschlossen oder sind dabei, diese zu absolvieren. Genauso wichtig ist aber in der Zusammenarbeit die sogenannte «palliative Haltung» mit dem Bedürfnis, sich mit seiner Kraft und Kreativität für unsere Schwerkranken einzusetzen und auch in sehr belastetenden Situationen etwas Gewinnbringendes für den Patienten und seine Angehörigen «herauszuholen». Wir ziehen für unsere Patientinnen und Patienten am gleichen Strick; dies verbindet uns als interdisziplinäres Team am meisten.

Bilder: Spital Zofingen Text: Thomas Veser

Der Schweizer Palliativmediziner Gian Domenico Borasio bezieht sich im vorliegenden Werk speziell auf das hiesige Gesundheitssystem und Möglichkeiten der Versorgung und Begleitung Schwerstkranker und Sterbender. Er geht auf das neue Erwachsenenschutzrecht ebenso ein wie auf die Nationale Strategie Palliative Care. Gian Domenico Borasio: Über das Sterben, Schweizer Ausgabe. Was wir wissen, was wir tun können, wie wir uns darauf einstellen. dtv 2019. 192 Seiten, CHF 13.50.

Dr. med. Gaby Fuchs

Eine möglichst hohe Lebensqualität sichern Unter Palliativmedizin versteht man die «aktive, individuelle und ganzheitliche Behandlung von Patientinnen und Patienten und deren nahestehenden Bezugspersonen mit einer voranschreitenden, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung». Diese Patienten sprechen auf eine kurative, also auf eine Genesung abzielende Behandlung nicht mehr an. Bei der Betreuung geht es insbesondere darum, Schmerzen zu lindern und auf psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse einzugehen. Nicht eine Verlängerung der Lebenszeit um jeden Preis steht im Vordergrund, sondern eine möglichst hohe Lebensqualität. Die Palliativmedizin ist ein Teilbereich des Gesamtkonzepts Palliative Care.


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