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"Haste mal 'ne Mark?"

„Haste mal ´ne Mark?“

… oder ein paar Schilling, Francs, Gulden, Rubel oder Yuan? Uwe Seils nimmt sie alle und er hatte sie auch schon alle. „Es gibt eigentlich fast keine Währung, die ich in den letzten 40 Jahren nicht in den Händen hatte“, erzählt Seils, als er Ende Januar in der Melanchthonkirche zu Gast ist.

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Uwe Seils ist im Ruhestand. Zuvor arbeitet er für viele Jahre im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf. Seine Arbeit bringt ihn damals in Kontakt mit dem Diakonischen Werk und hier schlummert ein Schatz: gut 50 kg Münzen aller Art und aller Herkunft. Schnell erkennt Seils: „Kleinvieh macht auch Mist.“ Das war der Anfang einer langen Geschichte, die Uwe Seils mit Münzen und Banknoten aus aller Welt verbindet.

Uwe Seils beim Sortieren der Münzen

Immer wieder landen im Landeskirchenamt, bei der Diakonie und bei Kirchengemeinden fremde Münzen und Banknoten. Findet sich eine solche Münze in der Kollekte, landet sie meist in einer Schale, einem Glas oder einer Ablage in der Sakristei. Über die Zeit sammeln sich hier kleine Schätze an. Uwe Seils kümmert sich um diese Schätze. Er sammelt diese fremden Münzen und sortiert sie. Darin ist er nach all den Jahren geübt. „Für ein Kilogramm Münzen brauche ich knapp 5 Minuten“, erzählt Seils. „99% der Münzen erkenne ich sofort. Für den kleinen Rest schaue ich in Kataloge“.

Und was passiert mit all dem Geld?

„Alles, was noch gültiges Zahlungsmittel ist, verkaufe ich an Menschen, die in die jeweiligen Länder reisen“, sagt Seils. Eine Win-win-Situation, denn Seils verkauft das Geld zu 75% des aktuellen Kurses. So füllt sich die Reisekasse für die Käufer, allerdings meist mit vielenMünzen. Das eingenommene Geld geht als Spende an die Evangelische Schulstiftung, zur Förderung der zehn Schulen in landeskirchlicher Trägerschaft.

Seils findet auch immer wieder Münzen und Scheine, die zwar nicht mehr gültiges Zahlungsmittel sind, die man aber noch in den Banken vor Ort umtauschen kann. Etwa Deutsche Mark oder Österreichische Schilling, aber auch alte Schweizer Franken oder Norwegische Kronen. Ein großes Netzwerk unterstützt Uwe Seils. Wer z.B. in die Schweiz reist, nimmt die alten Franken mit und tauscht sie vor Ort gegen die aktuell gültigen. Die wiederum können in Euro umgetauscht werden. „Einmal hat mir eine Gemeinde einen ganzen Umschlag alter Franken geschickt. Als ein Bekannter die Scheine in der Schweiz umgetauscht hat, haben wir nicht schlecht gestaunt. 13.000€ waren die alten Scheine wert“, erzählt Seils von einem absoluten Highlight der letzten Jahre.

Alle übrigen Münzen und Banknoten schaut sich Seils ganz genau an. Neben alten ungültigen Münzen und Geld aus Ländern, die gar nicht mehr existieren, findet er immer wieder auch richtige Raritäten: römische und byzantinische Münzen, historische Notgeldscheine und einfach wunderschöne Einzelstücke. Die verkauft Seils an Sammler.

Eine ganze Menge kommt so für die Schulstiftung zusammen. „In der Pandemie kommt nicht so viel rein. Die Menschen reisen ja kaum. Aber gut 2.000€ kamen davor schon jedes Jahr zusammen“, berichtet Seils. „Die besten Jahre waren direkt nach der Euroumstellung. Da konnten es auch mal 35.000€ im Jahr sein.“

Banknoten aus aller Welt

Was findet sich bei Ihnen?

Sicher hat jeder von uns irgendwo eine Dose, ein Glas oder eine kleine Kiste, die sich im Laufe der Jahre gefüllt hat. Restliches Kleingeld aus dem Urlaub, ein paar alte DM-Münzen oder vielleicht auch ein paar Banknoten, die man zur Erinnerung aufgehoben hat. Das Team der Melanchthonkirche möchte Uwe Seils unterstützen. So haben wir alle unsere Schubladen ausgemistet und sind überrascht, wie viel zusammengekommen ist. Schauen doch auch Sie mal nach! Sicher findet sich auch bei Ihnen ein lang vergessener kleiner Schatz. So können Sie Uwe Seils und die Schulstiftung unterstützen. Münzen und Banknoten können im Gemeindebüro abgegeben oder in einem Umschlag in den Briefkasten geworfen werden. In den kommenden Wochen steht nach den Gottesdiensten auch eine gesonderte Sammeldose am Ausgang bereit. Wir danken schon jetzt sehr herzlich für die Unterstützung.

Sollten Sie ins Ausland fahren und schon ein wenig Bargeld mitnehmen wollen, melden Sie sich gerne im Gemeindebüro. Wir stellen gerne einen Kontakt zu Uwe Seils her. Auch so können Sie das Projekt unterstützen.

„Haste mal 'ne Mark?“ – Ich schaue direkt mal nach.

Oliver J. Mahn

Münzen aus aller Welt

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