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Bericht zur Gleichstellung von Frauen und M채nnern in Vorarlberg
2014
Impressum: Autorin: Dr.in Susanne Feigl Medieninhaberin und für den Inhalt verantwortlich: Amt der Vorarlberger Landesregierung, Referat für Frauen und Gleichstellung, Arbeiterkammer Vorarlberg, Frauenreferat des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Vorarlberg Redaktion: Mag.a Angelika Nocker, Mag.a Sabine Rudigier, Mag.a Monika Lindermayr Bregenz, März 2014
Susanne Feigl
BERICHT ZUR GLEICHSTELLUNG VON FRAUEN UND MÄNNERN IN VORARLBERG Zahlen, Fakten, Probleme
Herausgegeben vom Amt der Vorarlberger Landesregierung, der Arbeiterkammer Vorarlberg und dem ÖGB Vorarlberg
Für wesentliche Informationen und grundlegendes Datenmaterial sei den MitarbeiterInnen folgender Stellen herzlichst gedankt: Innerhalb des Amtes der Vorarlberger Landesregierung dem Frauenreferat, der Personalabteilung,
der
Landesstelle
für
Statistik,
der
Landtagsdirektion,
der
Abteilung
Regierungsdienste, der Abteilung Schule, darüber hinaus: der Antidiskriminierungsstelle in der
Landesvolksanwaltschaft,
Krankenhausbetriebsgesellschaft,
Landesschulrat
Arbeiterkammer
für
Vorarlberg,
Vorarlberg,
ÖGB
Vorarlberg,
Arbeitsmarktservice Vorarlberg, Wirtschafts-kammer Vorarlberg, Studienzentrum Bregenz, Vorarlberger Tagesmütter gemeinnützige GmbH, IfS-Schuldenberatung, Landesverband Hauskrankenpflege, Arbeitsgemeinschaft Mobile Hilfs-dienste, Fraueninformationszentrum Femail,
IfS-FrauennotWohnung,
IfS-Gewaltschutzstelle,
Regionalanwältin
für
Gleichbehandlungsfragen in Innsbruck, Bundeskriminalamt, Bundes-ministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, Statistik
Austria,
Abteilung
Sozialversicherungsträger, Wirtschaftsforschung
Statistik
des
Arbeiterkammer
(WIFO),
Hauptverbandes Wien,
Wirtschaftskammer
Ärztekammer, Österreichische Zahnärztekammer.
2
der
Österreichisches Österreich,
österreichischen Institut
für
Österreichische
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS VORWORT ........................................................................................................................................ 11 ZUSAMMENFASSUNG .................................................................................................................. 14 GLEICHSTELLUNG IST DAS ZIEL. Einleitung ...................................................................... 19 BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN ........................................................... 23 Frauen- und Männeranteil ................................................................................................................ 23 Anteil der ausländischen und der eingebürgerten Bevölkerung .................................................. 24 Bevölkerungsprognose ...................................................................................................................... 25 Personenstand ..................................................................................................................................... 26 Ledig .......................................................................................................................................... 26 Verheiratet ................................................................................................................................. 26 Eingetragene Partnerschaft ...................................................................................................... 27 Verwitwet .................................................................................................................................. 28 Geschieden ................................................................................................................................ 28 Lebensgemeinschaften ...................................................................................................................... 29 AlleinerzieherInnen ............................................................................................................................ 29 Familienformen der Zukunft ............................................................................................................ 30 Geburtenentwicklung ........................................................................................................................ 31 Haushaltsgröße/ Haushaltszahl ....................................................................................................... 32 HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN .............. 35 Zum Thema Aufgaben- und Rollenverteilung ............................................................................... 35 Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit ........................................................................ 35 Verteilung des Haushaltseinkommens ................................................................................... 37 Haushaltsführung ............................................................................................................................... 38 Familiäre Kinderbetreuung ............................................................................................................... 40 Elternkarenz/ Elternteilzeit/Kinderbetreuungsgeld .......................................................... 42 Außerfamiliäre Kinderbetreuung ..................................................................................................... 48 Kleinkinderbetreuung .............................................................................................................. 52 Kindergärten ............................................................................................................................. 53 Betreuung von Schulkindern .................................................................................................. 54 Personal in Kinderbetreuungseinrichtungen ......................................................................... 55 3
INHALTSVERZEICHNIS
Unterstützung und Pflege hilfsbedürftiger Erwachsener .................................................. 56
AUSBILDUNG ................................................................................................................. 59 Ausbildungsniveau ............................................................................................................................. 59 Geschlechtsspezifische Ungleichheiten ................................................................................ 62 Genderspezifische Kompetenzunterschiede ......................................................................... 63 Herkunftsspezifische Ungleichheiten..................................................................................... 66 Schul-, Studien- und Berufswahl ...................................................................................................... 70 Technische Berufe ................................................................................................................... 74 Hauptschule – Neue Mittelschule - AHS ....................................................................................... 76 Polytechnische Schule ....................................................................................................................... 77 Keine weitere Ausbildung nach dem Ende der Schulpflicht .............................................. 78 Berufsschule/ Lehrausbildung ......................................................................................................... 78 Berufsbildende mittlere Schulen ...................................................................................................... 83 Berufsbildende höhere Schulen ........................................................................................................ 83 Berufsreifeprüfung ............................................................................................................................. 85 Studienberechtigungsprüfung ........................................................................................................... 85 Pädagogische Hochschulen .............................................................................................................. 86 Fachhochschulen ................................................................................................................................ 86 Universitäten ....................................................................................................................................... 87 Frauen und Männer im Lehrberuf ................................................................................................... 89 ERWERBSARBEIT .......................................................................................................................... 92 Wirtschaftsstruktur ............................................................................................................................. 92 Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern .............................................................................. 96 Erwerbsbeteiligung von AusländerInnen ........................................................................................ 98 Struktur der Erwerbstätigkeit ........................................................................................................... 99 Stellung im Beruf ................................................................................................................................101 Selbständig Erwerbstätige/Mithelfende Angehörige ..........................................................101 Unselbständig Erwerbstätige ..................................................................................................102 Arbeitszeit ...........................................................................................................................................104 Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse .............................................................................105 Teilzeitarbeit .............................................................................................................................106 Arbeitslosigkeit ...................................................................................................................................108 Gleichbehandlung in der Privatwirtschaft ......................................................................................109 Interessenvertretungen ......................................................................................................................110
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INHALTSVERZEICHNIS
EXKURS: FRAUEN UND MÄNNER IM LANDESDIENST .............................................. 113 Landesbedienstete .............................................................................................................................. 113 Landesverwaltung .................................................................................................................... 114 Landeskrankenanstalten ..........................................................................................................116 Landesschulen ..........................................................................................................................118 ÖKONOMISCHE SITUATION ...................................................................................................119 Einkommen, Geschlecht und Alter .................................................................................................119 Unselbständig Erwerbstätige ..................................................................................................120 Selbständig Erwerbstätige .......................................................................................................129 Arbeitslosengeld und Notstandshilfe ..............................................................................................132 Pensionen ............................................................................................................................................133 Ursachen der Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern ................................137 Schul- und Berufswahl ............................................................................................................138 Teilzeitarbeit .............................................................................................................................139 Qualifikationsniveau ................................................................................................................140 Familienstand/ Familienbedingte Berufsunterbrechungen ................................................140 Innerbetriebliche Benachteiligungen .....................................................................................142 Armutsgefährdung ..............................................................................................................................145 Schulden ..............................................................................................................................................151 Bedarfsorientierte Mindestsicherung ...............................................................................................153 Soziale Sicherheit? ..............................................................................................................................154 GESUNDHEIT/ KRANKHEIT .................................................................................................. 156 Geschlechtssensible Medizin ............................................................................................................ 156 Kaiserschnitt-Entbindungen .............................................................................................................. 157 Säuglingssterblichkeit ......................................................................................................................... 157 Lebenserwartung ................................................................................................................................ 157 Subjektiver Gesundheitszustand ....................................................................................................... 159 Lebensstil .............................................................................................................................................. 159 Rauchen ...................................................................................................................................... 159 Alkoholkonsum ......................................................................................................................... 160 Essstörungen/ Unter- und Übergewicht ............................................................................... 161 Sportliche Aktivitäten ............................................................................................................... 161 Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz ................................................................................................. 161 Vorsorgeuntersuchungen .................................................................................................................. 162 Krankenstände .................................................................................................................................... 163 Spitalsaufenthalte ................................................................................................................................ 163 5
INHALTSVERZEICHNIS
Die häufigsten Krebserkrankungen ................................................................................................. 164 Geschlechtsspezifische Todesursachen .......................................................................................... 164 Frauen und Männer in medizinischen Berufen ............................................................................. 165 Gehobene Dienste für Gesundheits- und Krankenpflege ................................................. 166 Medizinisch-technischer Dienst ............................................................................................. 166 Sanitätshilfsdienst und Pflegehilfe ......................................................................................... 166 Hebammen ................................................................................................................................ 166 Ärzte und Ärztinnen ................................................................................................................ 167 Zahnärzte und Zahnärztinnen ............................................................................................... 169 EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE ..................... 171 Anmerkungen zu Kriminalität und Geschlecht .............................................................................. 171 Gewalt im Speziellen........................................................................................................................... 171 Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld ........................................................ 176 FrauennotWohnung ............................................................................................................................ 179 Gewaltschutzgesetz ............................................................................................................................. 180 Gewaltschutzstelle ............................................................................................................................... 181 POLITIK ............................................................................................................................................ 183 Politische Vertretung ......................................................................................................................... 183 Gemeindevertretung ................................................................................................................ 183 Landtag und Landesregierung ................................................................................................ 184 Parlament .................................................................................................................................. 186 Vergabe von Ehrenzeichen ............................................................................................................... 186 AUF DEM WEG ZUR GLEICHSTELLUNG. Empfehlungen der Autorin .......................... 187 LITERATUR- UND DATENVERZEICHNIS .......................................................................... 191 DIE AUTORIN ................................................................................................................................. 198 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS .................................................................................................. 199
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TABELLENVERZEICHNIS
TABELLENVERZEICHNIS Tabelle 1: Bevölkerung Vorarlbergs nach Altersgruppen, Staatsangehörigkeit und Geschlecht 2012 Tabelle 2: Personenstand der Vorarlberger Bevölkerung nach Geschlecht 2012 Tabelle 3: Zahl der EinwohnerInnen, der Eheschließungen, Ehescheidungen und der Lebendgeborenen in Vorarlberg 1951 – 2011 Tabelle 4: Begründung eingetragener Partnerschaften in Vorarlberg und Österreich Tabelle 5: Familienformen 2001 – 2011 - 2050 Tabelle 6: Arbeitsteilung von Paaren mit Kindern unter 15 Jahren, Österreich 2010 Tabelle 7: Mittlere Bruttostundenverdienste nach Altersgruppen, Österreich 2010 Tabelle 8: BezieherInnen von Kinderbetreuungsgeld nach Varianten 2012/13 Tabelle 9: Väterbeteiligung nach Varianten des Bezugs von Kinderbetreuungsgeld 2012/13 Tabelle10: Bezug von Kinderbetreuungsgeld nach Geschlecht, März 2013 Tabelle 11: Kinderbetreuungsquoten nach Alter der Kinder 2012/13 Tabelle 12: Kinder in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen nach Berufstätigkeit der Mutter 2012/13 Tabelle 13: Kinder in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen nach Berufstätigkeit des Vaters 2012/13 Tabelle 14: Personal in Vorarlbergs Kinderbetreuungseinrichtungen nach Geschlecht Tabelle 15: Ausbildungsniveau der Vorarlberger Wohnbevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Geschlecht 1981 - 1991 – 2001 - 2010 Tabelle 16: Höchste abgeschlossene Ausbildung der Vorarlberger Wohnbevölkerung und der Vorarlberger Erwerbstätigen nach Geschlecht 2012 Tabelle 17: SchülerInnen in Vorarlberg nach Schulart und Geschlecht im Schuljahr 2011/12 Tabelle 18: Nicht aufstiegsberechtigte SchülerInnen nach Schulart und Geschlecht, Vorarlberg 2011/12 Tabelle 19: SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache in Vorarlberg nach Schulart im Schuljahr 2011/12 Tabelle 20: SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache in Vorarlberg nach Schulart und Geschlecht 2011/12 Tabelle 21: Schülerinnen und Schüler nach detaillierten Ausbildungsarten (Auswahl), Vorarlberg 2011/12 Tabelle 22: Vorgemerkte Arbeitslose in Vorarlberg nach Bildungsstand und Geschlecht 2012 Tabelle 23: SchülerInnen an Höheren technischen und gewerblichen Lehranstalten nach Geschlecht 1971/72 bis 2011/12 Tabelle 24: Anteil der Schülerinnen und Schüler in typisch „weiblichen“ Schulformen, Vorarlberg und Österreich 2011/12 Tabelle 25: Studien ordentlicher Studierender an öffentlichen Universitäten, Österreich Studienjahr 2011/12 Tabelle 26: Frauen- und Männeranteil an den MaturantInnen in Vorarlberg 1970 – 2011 Tabelle 27: Lehrlinge nach Sparten und Geschlecht, Vorarlberg 2012 Tabelle 28: Die zehn in Vorarlberg am häufigsten gewählten Lehrberufe nach Geschlecht im Jahr 2012 Tabelle 29: Bestandene Reifeprüfungen nach Schulart und Geschlecht, Vorarlberg 1987 – 1997 – 2007 – 2011 Tabelle 30: Lehramt-Studierende an Pädagogischen Hochschulen nach Studienart und Geschlecht, Österreich Wintersemester 2011/12 Tabelle 31: Studierende der Fachhochschule Vorarlberg nach Ausbildungsbereich
24 26 27 28 30 41 42 45 45 46 49 51 51 55 60 61 62 65 67 68 71 73 74 75 76 77 79 81 84 86
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TABELLENVERZEICHNIS
und Geschlecht, Wintersemester 2011/12 Tabelle 32: Inländische Studierende aus Vorarlberg an österreichischen Universitäten, Hochschulen und universitären Lehrgängen, Wintersemester 2011/12 Tabelle 33: Studienabschlüsse von inländischen Studierenden aus Vorarlberg an österreichischen Universitäten, Hochschulen und universitären Lehrgängen, Studienjahr 2011/12 Tabelle 34: LehrerInnen an Vorarlbergs Schulen nach Schulart und Geschlecht im Schuljahr 2012/13 Tabelle 35: DirektorInnen an Vorarlbergs Schulen nach Schulart und Geschlecht im Schuljahr 2012/13 Tabelle 36: Mitglieder der Schulaufsicht nach Schulart und Geschlecht, Schuljahr 2012/13 Tabelle 37: Wirtschaftsstruktur der Bundesländer 2010 Tabelle 38: Übernachtungen nach Bundesländern 2012 Tabelle 39: Bruttoregionalprodukt je EinwohnerIn nach Bundesländern 2010 Tabelle 40: Bruttowertschöpfung real 1996 – 2012 Tabelle 41: Entwicklung der unselbständig Beschäftigten, Vorarlberg und Österreich 1995 – 2012 Tabelle 42: Arbeitslosigkeit – Veränderungen, Vorarlberg und Österreich 2011/2012 Tabelle 43: Erwerbstätigenquote der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre), Vorarlberg und Österreich nach Geschlecht 2012 Tabelle 44: Inländische und ausländische unselbständig Beschäftigte in Vorarlberg nach Geschlecht und beruflicher Stellung 2012 Tabelle 45: Erwerbstätigenquoten der 15- bis 64-Jährigen in Vorarlberg nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht 2012 Tabelle 46: Vorarlberger UnternehmerInnen (Einzelfirmen) nach Sparten 2009 Tabelle 47: Atypische Beschäftigungen in Vorarlberg nach Geschlecht 2012 Tabelle 48: Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse in Vorarlberg 2012 Tabelle 49: Teilzeitquoten nach Geschlecht, Vorarlberg und Österreich 2012 Tabelle 50: Teilzeitbeschäftigte Frauen nach wöchentlicher Arbeitszeit, Vorarlberg und Österreich 2012 Tabelle 51: Arbeitslosenquote nach Geschlecht, Vorarlberg und Österreich Tabelle 52: Mitglieder und FunktionärInnen der Vorarlberger Arbeiterkammer nach Geschlecht 2010 Tabelle 53: Mitglieder und FunktionärInnen der Vorarlberger Wirtschaftskammer nach Geschlecht 2013 Tabelle 54: Anteil der Bediensteten der Landesverwaltung nach Funktionsbereichen und Geschlecht, 2012 Tabelle 55: Beschäftigte der Landesverwaltung nach Funktion und Geschlecht 2002 – 2012 Tabelle 56: Teilzeitbeschäftigte Verwaltungsbedienstete nach Funktionsbereich und Geschlecht, 2012 Tabelle 57: Bedienstete der Krankenanstalten nach Verwendungsgruppen und Geschlecht 2012 Tabelle 58 : Personal der Krankenanstalten in Leitungsfunktionen nach Geschlecht, 2012 Tabelle 59: Mittlere Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger nach Geschlecht, Vorarlberg und Österreich 2011
Tabelle 60: Mittlere Brutto-Jahreseinkommen ganzjährig vollzeitbeschäftigter ArbeitnehmerInnen nach Geschlecht, Vorarlberg und Österreich 2011 Tabelle 61: Mittlere Bruttojahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger nach Stellung im Beruf und Geschlecht, Vorarlberg und Österreich 2011 8
87 88 88 89 90 91 92 93 94 94 95 96 96 98 99 102 104 105 106 107 108 111 112 114 115 116 117 118 121 121 122
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 62: Netto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger in Vorarlberg und Österreich nach Geschlecht 2011 Tabelle 63: Mittlere Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger in Vorarlberg nach Branchen und Geschlecht 2011 Tabelle 64: Anteil der Niedriglohnbeschäftigten nach Geschlecht, Österreich 2010 Tabelle 65: Mittlere Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger in Vorarlberg nach Stellung im Beruf und Geschlecht 2011 Tabelle 66: Mittleres Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger nach Stellung im Beruf, Funktion und Geschlecht, Österreich 2011 Tabelle 67: Hohe Einkommen unselbständig Erwerbstätiger, Österreich 2011 Tabelle 68: Mittlere Jahreseinkünfte ausschließlich selbständig Erwerbstätiger in Vorarlberg und Österreich 2009 Tabelle 69: Jahreseinkünfte ausschließlich selbständig Erwerbstätiger nach Geschlecht, Vorarlberg und Österreich 2011 Tabelle 70: Mittlere Jahreseinkünfte (vor Steuerabzug) der ausschließlich selbständig Erwerbstätigen in Österreich nach ausgewählten Branchen und Geschlecht, 2009 Tabelle 71: Ablehnungen des Antrags auf Notstandshilfe mangels Vorliegen einer Notlage 2012 Tabelle 72: Anzahl der Personen ohne Pension und ohne Eigenpension, Österreich 2011 Tabelle 73: Durchschnittliches Pensionszugangsalter nach Geschlecht, Österreich 2012 Tabelle 74: Brutto-Jahreseinkommen der PensionistInnen nach Geschlecht, Vorarlberg und Österreich 2011 Tabelle 75: Mittlere Pensionen der Pensionsneuzugänge nach Sozialversicherungsanstalt und Geschlecht, Österreich 2011 Tabelle 76: Mehrfach-Ausgrenzungsfährdete nach Haushaltstyp, Bildungsabschluss und Staatsbürgerschaft, 2011 Tabelle 77: Bildungsstand und Armuts- bzw. Ausgrenzungsfährdung, 2011 Tabelle 78: Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen, 2011/12 Tabelle 79: Armutsgefährdung nach Erwerbsstatus, 2011/12 Tabelle 80: Arbeits-/Einkommenssituation der KlientInnen der IfS-Schuldenberatung, 2012 Tabelle 81: Lebenserwartung bei der Geburt, Vorarlberg und Österreich 2012 Tabelle 82: Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen, Vorarlberg und Österreich 2001 und 2011 Tabelle 83: FachärztInnen in Vorarlberg nach Fachrichtung und Geschlecht 2013 Tabelle 84: Verurteilte Gewaltdelikte nach Geschlecht, Österreich 2012 Tabelle 85 :Verurteilte Gewaltdelikte nach Geschlecht, Oberlandesgerichtssprengel Innsbruck 2012 Tabelle 86: Gewaltopfer nach Geschlecht, 2012 Tabelle 87: Vorarlberger GemeinderätInnen nach politischen Parteien und Geschlecht 1995 – 2010 Tabelle 88: Vorarlberger Landtagsabgeordnete nach politischen Parteien und Geschlecht 2013 Tabelle 89: Auszeichnungen nach Geschlecht
123 124 126 126 127 129 130 130 131 132 133 134 136 136 147 149 150 151 152 158 162 169 172 173 175 184 185 186
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VORWORT
VORWORT Der vorliegende Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern ist eine Fortsetzung unserer Frauensituationsberichte und zeigt die Entwicklungen im Bereich Gleichstellung von Frauen und Männern in Vorarlberg auf. Wirksame Strategien und Maßnahmen für die Chancengleichheit von Frauen und Männern setzen gute Kenntnisse über deren Situation der Lebens- und Arbeitsbedingungen voraus. So ist eine nach Geschlecht differenzierte Datenbasis für alle Politikbereiche eine zentrale Voraussetzung für gezieltes Handeln. Im Bestreben, Chancengleichheit für Frauen und Männer zu erreichen, sind in vielen Bereichen Verbesserungen gelungen. Gerade was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern oder die Aufstiegschancen für Frauen im Erwerbsleben betrifft, hat sich viel getan. Dennoch ist und bleibt es eine große Herausforderung, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern. Dazu gehört, die Einkommensschere von Frauen und Männern zu schließen, Erziehungs- und Betreuungszeiten für Mütter und Väter besser zu bewerten, jungen Mädchen die Motivation zu vermitteln, sich verstärkt auch in traditionell männlich dominierten Berufen zu versuchen, aber auch für junge Burschen die Möglichkeit schaffen, pflegende und pädagogische Berufe zu ergreifen. Vor allem ist es wichtig, die Kinderbetreuungsangebote weiter auszubauen. Das sind nur einige der wichtigsten Schritte, die es gilt, in Zukunft zu realisieren. Ich bin davon überzeugt, dass die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Beruf und Familie, die faire Verteilung der Funktionen, des Einkommens und der Familienpflichten der Motor der weiteren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung für unser Land ist.
Hier sind wir alle gefordert, noch bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Frauen und Männer ihre „Balance der Lebensbereiche“ finden. Dr. Greti Schmid Landesrätin 11
VORWORT
D
er Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Vorarlberg 2014 ist eine Weiterentwicklung des Frauensituationsberichts, der in Jahren 2000 bis 2010 in
Vorarlberg insgesamt vier Mal erschienen ist, und der sich in diesen Jahren etabliert hat und zu einem nicht mehr wegzudenkenden Nachschlagewerk wurde. Der vorliegende Bericht ist eine gemeinsame Publikation des Frauenreferates der Landesregierung, des ÖGB Vorarlberg und der Arbeiterkammer Vorarlberg. Die drei Organisationen arbeiten seit 1998 zu frauen- und gesellschaftspolitischen Themen eng zusammen und haben es sich zur Aufgabe gemacht, Entwicklungen und Tendenzen zu durchleuchten und kritisch zu hinterfragen. Der Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Vorarlberg bietet aktuelles Zahlenund Datenmaterial über die Situation von Frauen und Männern in Vorarlberg liefern. So deckt er nicht
nur
die
Bereiche
Bevölkerungsstruktur,
Kinderbetreuung,
Pflege,
Ausbildung,
Erwerbsarbeit, ökonomische Situation, Gesundheit und Politische Vertretung ab, sondern versucht auch Entwicklungen im Bereich Gleichstellung von Frauen und Männern in Vorarlberg aufzuzeigen und bestehende Ungleichheiten sichtbar zu machen. Damit soll der Bericht eine Basis für notwendige Maßnahmen zur Gleichstellung bieten. Um eines aus dem Bericht 2014 an dieser Stelle vorwegzunehmen: es liegt noch einiges an Arbeit vor uns, damit Frauen und Männer in der Gesellschaft gleichgestellt sind. Zwar hat sich die Situation in vielen Bereichen verbessert. Die Daten zeigen aber auch, dass Frauen so gut ausgebildet sind wie nie zuvor und auch berufstätig sind wie nie zuvor. Demgegenüber stehen allerdings deutliche Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern und eine Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen. Frauen leisten nach wie vor den Großteil der unbezahlten Arbeit, unterbrechen häufiger ihre Erwerbstätigkeit auf Grund von Betreuungsund Pflegeaufgaben, arbeiten häufiger in Teilzeit und atypischen Beschäftigungsverhältnissen und haben eine deutlich geringere finanzielle Absicherung im Alter. 12
VORWORT
Bewegung kam in den letzten Jahren vor allem in den Bereich der Kinder- und SchülerInnenbetreuung in Vorarlberg. Das Angebot der Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und pflegebedürftige Menschen entscheidet häufig darüber, ob eine Frau/ein Mann mit Betreuungspflichten erwerbstätig ist und in welchem Ausmaß. Nur wenn der Anteil der Betreuungseinrichtungen erhöht wird, ist eine Erwerbstätigkeit beider Elternteile bzw. der pflegenden Angehörigen möglich. Die nun vorliegenden Daten und Fakten zeigen auf, wie wichtig die Gleichstellungsarbeit in Vorarlberg ist. Der Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Vorarlberg ist ein klarer Handlungsauftrag an alle politischen EntscheidungsträgerInnen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene sowie an alle Sozialpartner.
Mag. Monika Lindermayr
Mag. Angelika Nocker
Mag. Sabine Rudigier
Amt der Vorarlberger Landesregierung
Arbeiterkammer Vorarlberg
ÖGB Vorarlberg
13
ZUSAMMENFASSUNG
ZUSAMMENFASSUNG Obwohl Frauen und Männern einander in Österreich rechtlich gleichgestellt sind und Frauen den traditionellen Bildungsrückstand gegenüber Männern aufgeholt haben und ihre Erwerbsbeteiligung seit Jahrzehnten kontinuierlich steigt, ist das reale Leben durch ein relativ hohes Maß an Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern geprägt. Wesentliche Ursache dafür ist die ungleiche Verteilung unbezahlter und bezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern. LEBENSFORMEN: Den Schätzungen der DemografInnen zufolge wird bis zum Jahr 2050 in allen Bundesländern der Anteil der Familien ohne Kinder im Haushalt sowie jener der Lebensgemeinschaften (mit und ohne Kinder) ansteigen. Das „Ehepaar mit Kind/ern“ wird in Vorarlberg allerdings weiterhin der häufigste Familientyp sein. HAUSARBEIT/KINDERBETREUUNG/PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN: Die traditionelle Aufgaben- und Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern, der zufolge primär bis ausschließlich der Mann für die Erwerbsarbeit und damit für die finanzielle Sicherheit der Familie zuständig ist, die Frau hingegen primär für Hausarbeit und Kinderbetreuung, beeinflusst immer noch die Sozialisation von Kindern sowie die Aufgaben- und Rollenverteilung innerhalb von Paarbeziehungen. Laut der letzten Zeitverwendungserhebung von Statistik Austria übernehmen Frauen zwei Drittel der anfallenden Hausarbeit und Kinderbetreuung und 80 Prozent der familiären Pflege von Angehörigen. Die Beteiligung der Väter an der Betreuung von Kleinkindern ist minimal und wird auch kaum größer: Von den 3.782 Vorarlberger ArbeitnehmerInnen in Elternkarenz waren im Oktober 2013 76 Väter, das sind zwei Prozent. (2007 waren es 1,4 %). Ebenso gering ist der Prozentsatz der Väter, die – im Beobachtungszeitraum eines Monats - Kinderbetreuungsgeld beziehen. AUSBILDUNG: Geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich des Bildungsniveaus gehören in Vorarlberg ebenso wie im gesamten Bundesgebiet der Vergangenheit an. Frauen haben den traditionellen Bildungsrückstand gegenüber Männern aufgeholt. Es maturieren, und das bereits seit zwanzig Jahren, in Vorarlberg mehr Mädchen als Burschen und in der jüngeren Generation schließen ebenso viele Vorarlbergerinnen wie Vorarlberger ein Studium ab.
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ZUSAMMENFASSUNG
Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es aber nach wie vor was die Art der Ausbildung betrifft. Mädchen konzentrieren sich – wenn auch in geringerem Maß als in der Vergangenheit – auf „typisch weibliche“ Ausbildungswege, Burschen auf „typisch männliche“. Pädagogik, Gesundheit und Sozialwesen sowie Ausbildungen im Dienstleistungsbereich, zu diesem gehören auch die wirtschaftsberuflichen Schulen, sind weiblich dominiert, Informationstechnologie und Technik hingegen sind männlich dominiert. Tatsächlich sind in Vorarlberg mehr als 99 Prozent der SchülerInnen in wirtschaftsberuflichen Schulen ebenso wie in der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik Mädchen. ERWERBSARBEIT: Parallel zum Anstieg des Bildungsniveaus stieg auch der Anteil der berufstätigen Frauen (= die Erwerbstätigenquote) kontinuierlich an. 2012 war die Erwerbstätigenquote der Frauen in Vorarlberg etwas höher (68,5 %) als im Bundesdurchschnitt (67,3 %). Die Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern nähern sich einander an. Immer noch aber ist die Erwerbstätigenquote der Männer deutlich höher (Vorarlberg: 80,7 %; Österreich: 77,8 %). Eine steigende Erwerbsbeteiligung ist vor allem bei verheirateten Frauen und Müttern zwischen 25 und 54 Jahren zu beobachten. Es ist Ausdruck der sich verändernden Rolle der Frauen, die aufgrund qualifizierter Ausbildung immer weniger bereit sind, auf eigenständige Existenzsicherung (völlig) zu verzichten. Dazu kommt: Der konsequente Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen hat für Frauen die Möglichkeit, erwerbstätig zu sein, deutlich erhöht. Gleichzeitig schränken die Öffnungszeiten vieler Kinderbetreuungseinrichtungen nach wie vor das Beschäftigungsausmaß von Frauen ein. Aufgrund der Zuständigkeit der Frauen für die unbezahlten familiären Arbeiten, ist der Anteil der Frauen, die im Beruf Teilzeit arbeiten, um ein Vielfaches höher als jener der Männer. 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Anders gesagt: Die Hälfte (50,5 %) der erwerbstätigen Frauen Vorarlbergs arbeitet Teilzeit, aber nur 7,1 Prozent der erwerbstätigen Männer. Der Anteil der Frauen, die Teilzeit arbeiten, hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Teilzeitarbeit ist meist nicht existenzsichernd. Jedenfalls nicht, wenn die Wochenstundenzahl gering ist. In Vorarlberg arbeiten 40 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen weniger als 20 Wochenstunden (Österreich: 27 %). Die Tatsache, dass Frauen und Männer im Bereich Ausbildung häufig getrennte Wege gehen, führt in der Folge auch zu einer Teilung des Arbeitsmarkts in sogenannte Frauen- und Männerberufe. Diese Teilung ist insofern problematisch, als in den meisten Bereichen, in denen 15
ZUSAMMENFASSUNG
überwiegend Frauen tätig sind, das Einkommensniveau niedrig und das Risiko, arbeitslos zu werden, groß ist. ÖKONOMISCHE SITUATION: Vorarlberg ist das Bundesland mit den größten Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern, was – allerdings nur zum Teil – auch darauf beruht, dass in Vorarlberg Männer die höchsten Einkommen von allen Bundesländern beziehen. Das mittlere Jahreseinkommen der ganzjährig vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmerinnen liegt in Vorarlberg um 28 Prozent unter jenem der Männer. Die realen Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern sind allerdings viel höher, da nur ein geringer Teil der Frauen ganzjährig vollzeitbeschäftigt ist. Die tatsächlichen Einkommensunterschiede bei den mittleren Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger beträgt 51,9 Prozent. Diese Einkommensunterschiede haben auch Auswirkungen auf die Höhe des Arbeitslosengeldes, der Notstandshilfe und der Pension. Zentraler Punkt für die Selbstbestimmung von Frauen ist ihre ökonomische Unabhängigkeit. Von der sind Frauen weit entfernt. Etwa ein Drittel der erwerbstätigen Frauen in Österreich haben ein Einkommen, von dem sie allein nicht leben könnten. Und: Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern verringern sich nur minimal. Wesentliche Ursachen für die Einkommensunterschiede sind – neben der traditionellen Berufswahl und allfälligen innerbetrieblichen Benachteiligungen - der hohe Anteil teilzeitbeschäftigter Frauen mit relativ geringer Wochenstundenzahl sowie die familiär bedingten Berufsunterbrechungen von Frauen. Die Einkommen Teilzeitbeschäftigter sind nicht nur wegen der geringeren Zahl an Wochenstunden eher gering. Auch die Stundenlöhne für Teilzeitarbeit sind – jedenfalls im Produktions- und Dienstleistungssektor – um ein knappes Viertel niedriger als die Stundenlöhne für Vollzeitarbeit. Die Verdienststrukturerhebung von Statistik Austria zeigt deutlich, dass sich in der Altersgruppe der 25- bis 39-jährigenFrauen, einem Alter, in dem sehr viele Frauen mit Kinderbetreuung beschäftigt sind und besonders häufig Teilzeit arbeiten, die Einkommensunterschiede deutlich vergrößern und sich danach auch nicht mehr verringern. Erfahrungsgemäß beeinträchtigt Teilzeitbeschäftigung auch die Chancen auf beruflichen Aufstieg und damit auch auf höheres Einkommen.
16
ZUSAMMENFASSUNG
Alleinlebende Frauen sind aufgrund der Einkommensunterschiede auch deutlich armutsgefährdeter als Männer. GESUNDHEIT/KRANKHEIT: In Vorarlberg ist die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt sowohl für Frauen wie für Männer die höchste innerhalb von Österreich. Auch in Vorarlberg aber ist die Lebenserwartung von Frauen deutlich höher (84,6 Jahre) als die von Männern (79,1 Jahre). Zum Teil gibt es dafür offenbar biologische Gründe: Im ersten Lebensjahr sterben deutlich mehr männliche als weibliche Säuglinge. Zum anderen ist das Sterblichkeitsrisiko von Männern höher aufgrund risikoreichem Verhalten (Verkehrsunfälle, Drogenkonsum) sowie aufgrund eines ungesünderen Lebensstils: Männer trinken mehr Alkohol, rauchen mehr und ernähren sich weniger ausgewogen. Dazu kommt: Mehr Männer (67 %) als Frauen (51 %) sind am Arbeitsplatz häufig körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Rund 70 Prozent der BezieherInnen von Berufsunfähigkeitspensionen sind Männer und etwa gleich hoch ist der Anteil der Männer an den Personen, die Selbstmord begehen. Vorarlberg hatte was Vorsorgeuntersuchungen anlangt, eine Art Vorreiterrolle in Österreich. Allerdings waren Vorsorgenuntersuchungen traditionell eher Frauensache. Inzwischen ist es gelungen, den Anteil der Männer, die an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, deutlich zu erhöhen. GEWALT: Die Kriminalstatistik macht deutliche genderspezifische Ungleichheiten sichtbar. Der Anteil der Männer, die straffällig werden, ist etwa sechsmal so hoch wie jener der Frauen. Bei den Verurteilungen wegen Gewaltdelikten ist der Männeranteil noch größer. Je nach Art des Gewaltdeliktes betrug 2012 im Oberlandesgerichtssprengel Innsbruck (der für Tirol und Vorarlberg zuständig ist) der Anteil der Männer an den verurteilten Personen zwischen 91 und 97 Prozent. Im Bereich häuslicher Gewalt sind die Mehrzahl der Opfer (ca. 90 Prozent) Frauen, insgesamt aber sind die Mehrzahl der Opfer von Männergewalt Männer (69 %). Unter Männern und für Männer ist es ganz offensichtlich üblicher, Konflikte mittels Gewalt zu lösen. Tatsächlich werden Buben im krassen Unterschied zu Mädchen - denen die Opferrolle durchaus zugestanden wird – von klein auf dazu angehalten, ihre Kräfte zu messen, sich selbst zu behaupten, sich zur Wehr zu setzen und das auch körperlich. Aggressive Potentiale sind ohne Zweifel beiden Geschlechtern angeboren. Frauen und Männer unterscheiden sich jedoch – aufgrund unterschiedlicher Sozialisation und ihres unterschiedlichen Status – in der Art, wie sie ihre Aggressionen verarbeiten und äußern. 17
ZUSAMMENFASSUNG
POLITIK: Die Zahl der Frauen in politischen Gremien nahm in Vorarlberg im Lauf der letzten zwanzig Jahre sukzessive zu, nach wie vor aber sind Frauen, die Mehrheit der Bevölkerung, in der Politik eine Minderheit. Die Zahl der Gemeinderätinnen konnte zwischen den Gemeinderatswahlen 1995 und 2010 von 13,1 Prozent auf 20,7 Prozent erhöht werden. Der Frauenanteil im Vorarlberger Landtag stieg von 19,5 Prozent im Jahr 1994 auf derzeit 33 Prozent, war zwischendurch jedoch bereits höher (36 %). Der Frauenanteil in der Landesregierung stieg 2009 auf 28,9 Prozent, da von den sieben Mitgliedern der Landesregierung seither nicht nur eine, sondern zwei Frauen sind. Seit 2009 hat Vorarlberg auch eine Frau als Landtagspräsidentin.
18
EINLEITUNG
GLEICHSTELLUNG IST DAS ZIEL Einleitung Jahrhundertelang war das Geschlechterverhältnis ein hierarchisches. Frauen befanden sich gegenüber Männern in einer untergeordneten Position. Im Laufe der letzten 150 Jahre haben sich Frauen nach und nach gleiche Rechte erkämpft. Frauen erkämpften sich das Recht, höhere Schulen zu besuchen und an Universitäten zu studieren, sie erkämpften sich das aktive und das passive Wahlrecht, Mutterschutzbestimmungen und den Zugang zu Berufen, die bis dahin nur Männern zugänglich waren. Sie erkämpften sich ein partnerschaftliches Eherecht: Seit Mitte der 1970er Jahre kann ein Ehemann seiner Frau nicht mehr verbieten, berufstätig zu sein, und nicht nur Väter, sondern auch Mütter können den Passantrag oder den Lehrvertrag für ihr Kind unterschreiben. Frauen brauchen bei der Eheschließung nicht mehr den Namen des Mannes anzunehmen, und Kinder bekommen nicht mehr automatisch die Staatsbürgerschaft des Vaters. Seit den 1980er- Jahren werden Mädchen und Buben auch nach gleichen Lehrplänen unterrichtet. Bis dahin war beispielsweise Hauswirtschaft in den Hauptschulen nur für Mädchen ein Pflichtfach und Geometrisches Zeichnen nur für Buben. Parallel zur rechtlichen Gleichstellung glich sich das Bildungsniveau der Frauen jenem der Männer an, und ihre Erwerbsbeteiligung nahm kontinuierlich zu. Die rechtliche Gleichstellung aber ist keineswegs gleichbedeutend mit faktischer Gleichstellung. Zwischen den Lebensrealitäten von Frauen und Männern bestehen noch immer gravierende Unterschiede. Gleichstellung ist das Ziel. Aber nicht die Realität.
Männer leisten den Großteil der bezahlten Arbeit, sie sind üblicherweise vollzeitbeschäftigt; sie sind zwar kaum noch Alleinverdiener, aber doch Hauptverdiener.
Frauen leisten den Großteil der unbezahlten Arbeit (Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen) und sind daher, vor allem wenn sie Kinder haben, teilzeitbeschäftigt, sofern sie ihre Berufstätigkeit nicht überhaupt unterbrechen. Die Folge: Bei den Pensionsneuzugängen ist die mittlere Pension von Frauen nur halb so hoch wie jene der Männer. Und: 29 Prozent der Österreicherinnen ab 60 haben keinen Anspruch auf eine Eigenpension.
Zwischen Frauen und Männern gibt es deutliche Einkommensunterschiede, die zum Teil darauf beruhen, dass Frauen viel öfter Teilzeit arbeiten, aber nicht nur. Auch ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer verdienen nicht annähernd das Gleiche. Denn die „typischen Frauenberufe“, in denen die Mehrzahl der Frauen arbeitet, zumeist handelt es sich 19
EINLEITUNG
um reproduktionsnahe Erwerbstätigkeit, sind deutlich schlechter bezahlt als die „typischen Männerberufe“. Das ist eine Folge der immer noch existierenden grundsätzlichen Minderbewertung von Frauen und ihrer Leistungen. Tatsächlich folgt die Schul- und Berufswahl weitgehend traditionellen, um nicht zu sagen: anachronistischen Rollenklischees: -
Der Anteil der Männer, der in Österreich in Pflege- und Sozialberufen sowie im Bereich Kinderbetreuung tätig ist, beträgt nur knapp 15 Prozent.
-
Der Anteil der Frauen, die von Berufs wegen Anlagen oder Maschinen bedienen, beträgt knapp 13 Prozent.1
Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene gibt es klare Vorgaben, die Herstellung der faktischen Gleichstellung zwischen Frauen und Männern zu beschleunigen. Gleichheit ist einer der fünf Grundwerte der Europäischen Union. Die Gleichstellung von Frauen und Männern stellt nach Artikel 2 und Artikel 3 Absatz 2 des EG-Vertrages sowie nach der Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs ein grundlegendes Prinzip dar.2 In diesen Vertragsbestimmungen wird die Gleichstellung von Frauen und Männern als Aufgabe und Ziel der Gemeinschaft bezeichnet, und es wird eine positive Verpflichtung begründet, sie bei allen Tätigkeiten der Gemeinschaft zu fördern. 2010 hat die Europäische Kommission eine Frauen-Charta verabschiedet und im Interesse der Verwirklichung der formulierten Ziele eine eigene Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern herausgegeben. Bereits 1982 ratifizierte Österreich die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung
(CEDAW).
Diese
Konvention
ist
das
wichtigste
internationale
Menschenrechtsinstrument für Frauen: Es enthält einerseits das Verbot der direkten und indirekten Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres
-
biologischen oder sozialen Geschlechts einschließlich ihres Familienstandes anderseits das Gebot der – nicht nur gesetzlichen, sondern faktischen - Gleichberechtigung,
-
der Gleichbehandlung und der Gleichstellung von Frauen mit Männern. Die Konvention stellt auch klar, dass zeitlich befristete Sondermaßnahmen, die speziell Frauen fördern, erlaubt bzw. sogar notwendig sind, um die Herstellung der faktischen Gleichstellung zu beschleunigen.
1 2
Scambor u.a., 252. Siehe dazu auch Richtlinie 2002/73/EG des Europäischen Parlaments und des Rates.
20
EINLEITUNG
Auch die österreichische Bundesverfassung bekennt sich seit 1998 ausdrücklich zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Sie verpflichtet Bund, Länder und Gemeinden außerdem, bei der Budgeterstellung die tatsächliche Gleichstellung von Frau und Mann anzustreben. Gleichstellung ist ein umfassendes demokratie- und verteilungspolitisches Konzept. Eine mögliche Definition von Gleichstellung lautet: Gleichstellung von Frauen und Männern ist die auf gleichen Rechten und gleichen Ressourcen basierende Partizipation beider Geschlechter in allen Bereichen und auf allen Ebenen der Gesellschaft sowie der Anspruch auf gleiches Ansehen. In der Praxis bedeutet dies, erst einmal die Voraussetzungen für Gleichstellung zu schaffen mittels gezielter Frauenförderung, Gleichbehandlung auf Bundes- und auf Landesebene, Gender Mainstreaming und Gender Budgeting. Vorarlberg ist in all diesen Bereichen aktiv. Gleichstellung bedeutet jedoch nicht Anpassung an männliche Normen, Eigenschaften, Verhaltensmuster und Lebensformen, vielmehr ist es notwendig, neue Normen jenseits einer patriarchalen Gesellschaft zu finden, die Frauen und Männern ein Höchstmaß an Freiheit und Gleichheit garantieren und Solidarität überhaupt erst ermöglichen. Gleichstellung bedeutet gleichzeitig auch die Anerkennung von Differenzen zwischen den Geschlechtern sowie der Differenzen innerhalb der Frauen und jene innerhalb der Männer. Im Juni 2013 publizierte die Europäische Union erstmals einen Gender Equality Report und einen Gender Equality Index, erstellt vom Europäischen Institut für die Gleichstellung der Geschlechter. Dieser Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Europäische Union erst auf halbem Weg zur Gleichstellung befindet. Auf einer Skala von 1 (keine Gleichstellung) bis 100 (volle Gleichstellung) erreichen die EU-Mitgliedsländer insgesamt einen Index von 54. Österreich liegt mit 50,4 unter dem europäischen Durchschnitt.1 Die Länder mit den höchsten Indices sind Schweden, Finnland und Dänemark, die alle einen Index über 70 haben. Der vorliegende Bericht versucht Entwicklungen im Bereich Gleichstellung von Frauen und Männern in Vorarlberg aufzuzeigen und bestehende Ungleichheiten sichtbar zu machen, um eine Basis für Gleichstellungsaktivitäten zu schaffen.
1
EIGE, Country Profiles 106.
21
22
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN FRAUEN- UND MÄNNERANTEIL In Vorarlberg hatten am 31. Dezember 2012 - laut Landesstatistik – 373.849 Personen ihren Hauptwohnsitz. Das sind 4,4 Prozent der österreichischen Bevölkerung. Die Zahl der EinwohnerInnen Vorarlbergs stieg in den zehn Jahren zwischen der Volkszählung 2001 und der Registerzählung 2011 um 5,5 Prozent. Dies ist im Wesentlichen auf eine positive Geburtenbilanz zurückzuführen und nur zu einem relativ geringen Teil auf Zuwanderung. Nach politischen Bezirken teilt sich die Bevölkerung wie folgt auf:
Bezirk Bregenz 34 Prozent
Bezirk Feldkirch 27 Prozent
Bezirk Dornbirn 22 Prozent
Bezirk Bludenz 17 Prozent
Etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung Vorarlbergs, nämlich 50,7 Prozent, sind Frauen (= 189.646). Dieses – verglichen mit anderen österreichischen Bundesländern - zahlenmäßig ziemlich ausgewogene Geschlechterverhältnis ist o
zum einen die Folge der Zuwanderung in den vergangenen Jahrzehnten, da Migranten („Gastarbeiter“) mehrheitlich Männer waren,
o
zum anderen darauf zurückzuführen, dass Vorarlberg das kinderreichste österreichische Bundesland und das Durchschnittsalter der Bevölkerung daher relativ niedrig ist, und es innerhalb der jüngeren Bevölkerung generell mehr Männer als Frauen gibt.
Frauen sind nämlich keineswegs in allen Altersgruppen in der Mehrheit. Bis zum Alter von 50 Jahren sind Männer in Vorarlberg ebenso wie österreichweit in der Überzahl. Dies ist darauf zurückzuführen, dass grundsätzlich mehr Buben als Mädchen geboren werden. (2012 kamen in Vorarlberg auf 100 Mädchengeburten 106,9 Knabengeburten.) Mit steigendem Alter wird der Anteil der Frauen – aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung - in der Bevölkerung immer größer. Das gilt für Österreich ebenso wie für Vorarlberg. Während in der Vorarlberger Bevölkerung unter 15 Jahren die Angehörigen des männlichen Geschlechts laut Registerzählung 2011 51 Prozent ausmachen, sind von den Personen, die älter sind als 65 Jahre, 57 Prozent Frauen. Der Anteil der Frauen an den Personen über 85 beträgt sogar 71 Prozent.
23
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
ANTEIL DER AUSLÄNDISCHEN UND DER EINGEBÜRGERTEN BEVÖLKERUNG Der Anteil der ausländischen Bevölkerung mit Hauptwohnsitz in Vorarlberg betrug mit Jahresende 2012 knapp 14 Prozent. Vorarlberg ist – nach Wien (Ausländeranteil: knapp 22 %) das österreichische Bundesland mit dem zweithöchsten Anteil an Personen, die eine andere als die österreichische Staatsbürgerschaft haben (Österreich: 11 %). Die drei größten Gruppen innerhalb der AusländerInnen in Vorarlberg sind Personen mit o
deutscher Staatsbürgerschaft (27 %)
o
türkischer Staatsbürgerschaft (26 %)
o
der Staatsbürgerschaft eines Nachfolgestaates des ehemaligen Jugoslawiens (16 %).
Stark zugenommen hat seit der Jahrtausendwende die Gruppe der in Vorarlberg lebenden und arbeitenden Deutschen, die 1999 lediglich 13 Prozent der ausländischen Bevölkerung ausgemacht hat. Tabelle 1: Bevölkerung Vorarlbergs nach Altersgruppen, Staatsangehörigkeit und Geschlecht 2012 Alter in Jahren 0 bis 15
Frauen + Männer 53.843
15 bis 60 60 und mehr Gesamt
InländerInnen in % Frauen
Männer
17
26.389
27.454
Frauen + Männer 7.054
195.912
61
97.081
98.831
71.756
22
40.271
321.511
100
163.741
AusländerInnen in % Frauen
Männer
14
3.436
3.618
35.827
71
18.085
17.742
31.485
7.305
15
3.465
3.840
157.770
50.186
100
24.986
25.200
Quelle: Statistik Austria - Demographisches Jahrbuch 2012; eigene Berechnungen
Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist deutlich höher als der Anteil der ausländischen Bevölkerung; er beträgt in Vorarlberg 21,3 Prozent. Als Personen mit Migrationshintergrund werden Zuwanderer der 1. und 2. Generation bezeichnet1 – unabhängig von ihrer aktuellen Staatsbürgerschaft. Durch die zunehmende Einbürgerung von AusländerInnen ab den 1990-er Jahren, wurden viele von ihnen zu InländerInnen. Die Zahl der Einbürgerungen ging seit 2006 aufgrund des neuen Fremdenrechtes, das strengere Bestimmungen für die Einbürgerung 1
Definition der Personen mit Migrationshintergrund: Beide Elternteile wurden im Ausland geboren, wobei Angehörige der 1. Generation selbst im Ausland geboren wurden und Angehörige der 2. Generation in Österreich zur Welt gekommen sind.
24
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
vorsieht, sukzessive zurück. Im Jahr 2012 betrug die Zahl der Einbürgerungen 430. Im Vergleich zum Jahr 2002, dem Jahr mit den meisten Einbürgerungen, ist dies ein Rückgang um 86 Prozent. Anders als in der inländischen waren in der ausländischen Bevölkerung Frauen jahrzehntelang in der Minderheit, und zwar in allen Altersgruppen. Diese Situation hat sich geändert (Tab. 1) Der Anteil der Frauen an der ausländischen Bevölkerung erhöhte sich seit Beginn der neunziger Jahre von 44 auf knapp 50 Prozent - in erster Linie durch den Familiennachzug, in zweiter Linie durch die sogenannte Feminisierung der Migration, das heißt durch die Tatsache, dass die Migration von Frauen zunimmt, und zwar weltweit. In der Altersgruppe 15 – 60 Jahre ist der Frauenanteil inzwischen höher als jener der Männer.
BEVÖLKERUNGSPROGNOSE Die von Statistik Austria erstellte Prognose für die Bevölkerungsentwicklung in den Jahren 2012 bis 2060 geht vereinfacht gesagt von der Annahme aus, dass -
die Lebenserwartung weiter steigt, und zwar die der Männer mehr als die der Frauen, wodurch sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede bezüglich Lebenserwartung verringern
-
die Geburtenzahlen mittelfristig weiterhin leicht ansteigen
-
trotz steigender Lebenserwartung die Sterbefälle infolge des Alterungsprozesses deutlich zunehmen
-
der Wanderungsgewinn (= Saldo aus Zu- und Wegzügen) weiterhin zum Bevölkerungswachstum beiträgt, vorerst etwa + 30.000 Personen pro Jahr umfassen und langfristig auf +25.000 Personen zurückgehen wird.
Dies würde – was Vorarlberg betrifft – zu folgender Änderung der Bevölkerungsstruktur führen: Die Bevölkerung Vorarlbergs wird wachsen, und zwar bis 2055 um elf Prozent. Neben Wien und Tirol wird Vorarlberg das dritte Bundesland sein, das 2030 noch eine positive Geburtenbilanz (= mehr Lebendgeborene als Gestorbene) aufweist. Der Anteil der EinwohnerInnen Vorarlbergs unter 20 Jahren wird bis 2060 von 23 auf 19 Prozent zurückgehen, der Anteil der Bevölkerung im Alter zwischen 20 und 65 Jahren wird sich von 61 auf 52 Prozent reduzieren, und der Anteil derer, die über 65 Jahre alt sind, von 16 Prozent auf 29 Prozent erhöhen. Das Durchschnittsalter der Vorarlberger Bevölkerung würde unter dieser Annahme von derzeit 40 Jahren bis 2060 auf 47 Jahre steigen. Vorarlberg hätte damit nach Wien (44 Jahre) das niedrigste Durchschnittsalter, Burgenland und Kärnten hätten mit rund 50 Jahren das höchste.
25
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
PERSONENSTAND Nicht von ungefähr bezeichnen Demografen die späten fünfziger und frühen sechziger Jahre als die Jahre des „Heirats- und Babybooms“. Zu heiraten (und Kinder zu kriegen) war zu dieser Zeit fast eine Selbstverständlichkeit. Weder die Generationen davor, noch die danach waren bzw. sind zu einem so hohen Prozentsatz verheiratet. 1963 war auch das Jahr mit der höchsten Geburtenrate der Zweiten Republik. Tabelle 2: Personenstand der Vorarlberger Bevölkerung nach Geschlecht 2012 Geschlecht ledig Frauen Männer Gesamt
41,7 48,6
45,1
Personenstand verheiratet verwitwet in % 43,2 7,6 43,7 2,0
43,4
geschieden
4,8
7,5 5,7
6,7
Quelle: Statistik Austria - Mikrozensus 2012; eigene Berechnungen.
Mitte der sechziger, Anfang der siebziger Jahre setzten neue Entwicklungen ein, und zwar nicht nur in Österreich, sondern in allen vergleichbaren Ländern. Die Trends, die im Wesentlichen bis heute anhalten, sind:
Rückgang der Geburten
Zunahme der Personen, die ledig sind (und damit auch des Anteils unehelicher Kinder)
Anstieg des Heiratsalters
Zunahme der Scheidungen (jedenfalls bis zum Jahr 2008)
Hinsichtlich des Familienstandes gibt es auch auffallende Unterschiede zwischen den Geschlechtern (Tab. 2). LEDIG Insgesamt beträgt der Anteil der Ledigen an der Vorarlberger Bevölkerung im Jahr 2012 laut Mikrozensus 45,1 Prozent. Von den Frauen ist ein deutlich geringerer Prozentsatz ledig (41,7 %) als von den Männern (48,6 %), da Männer traditionellerweise später heiraten. 2012 war bei 71 Prozent der in Vorarlberg geschlossenen Ehen der Bräutigam älter als die Braut. VERHEIRATET 2012 betrug der Anteil der Verheirateten an der gesamten Vorarlberger Bevölkerung 43,4 Prozent. Die Zahl der Eheschließungen ging – trotz Zunahme der Wohnbevölkerung – 26
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
langfristig zurück, und zwar bis zum Jahr 2001. Seither steigt sie - allerdings mit einigen Schwankungen – leicht an. 2012 wurden in Vorarlberg 1.635 Ehen geschlossen (2002: 1.514). Auf 1.000 EinwohnerInnen (Hauptwohnsitz) kamen 2012 in Vorarlberg 4,4 Eheschließungen (Österreich: 4,6). Langfristig gesehen wird jedoch nicht nur weniger, sondern auch später geheiratet. Das durchschnittliche Erstheiratsalter steigt weiter an. Zwischen 1988 und 2012 stieg es bei den Frauen in Vorarlberg von 24 auf 29,7 Jahre, bei den Männern von 26 auf 32,2. Wurde in der Vergangenheit in Vorarlberg etwas früher geheiratet als im Österreichdurchschnitt, so entspricht das Erstheiratsalter sowohl von Frauen als auch von Männern in Vorarlberg inzwischen nahezu dem Österreichdurchschnitt. Nichts ändert sich jedoch daran, dass das Erstheiratsalter von Männern im Durchschnitt um drei Jahre über dem der Frauen liegt. Der Anteil der Eheschließungen, bei denen sowohl Braut als auch Bräutigam die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, betrug 2012 in Vorarlberg 85 Prozent. Knapp 20 Prozent der Frauen, die eine Ehe eingingen, hatte eine ausländische Staatsbürgerschaft, aber nur 15 Prozent der Männer. Das heißt, Trauungen zwischen einem Mann mit österreichischer Staatsbürgerschaft und einer Frau mit einer anderen als der österreichischen Staatsbürgerschaft sind wesentlich häufiger sind als umgekehrt. Tabelle 3: Zahl der EinwohnerInnen, der Eheschließungen, Ehescheidungen und der Lebendgeborenen in Vorarlberg 1951 - 2011
EinwohnerInnen Eheschließungen Ehescheidungen Lebendgeborene
1951 193.657 1.686 134 3.730
1961 226.323 2.085 131 5.729
1971 277.154 1.880 256 5.298
1981 305.164 1.888 555 4.775
1991 331.472 2.002 663 4.643
2001 351.095 1.324 991 3.990
2011 370.833 1.513 736 3.759
Quelle: Volkszählungsergebnisse; Statistik Austria - Demographisches Jahrbuch 2011
EINGETRAGENE PARTNERSCHAFT Seit Jahresbeginn 2010 ist es in Österreich möglich, dass zwei Personen gleichen Geschlechts eine eingetragene Partnerschaft begründen. Damit gehen sie offiziell eine Lebensgemeinschaft mit gegenseitigen Rechten und Pflichten ein. Die Eintragung einer Partnerschaft erfolgt vor der zuständigen
Bezirksverwaltungsbehörde
(Bezirkshauptmannschaft
bzw.
Magistrat).
Die
eingetragenen Partnerinnen bzw. Partner sind einander zur umfassenden partnerschaftlichen Lebensgemeinschaft und Vertrauensbeziehung verpflichtet. Sie müssen einander beistehen und ihre Lebensgemeinschaft unter Rücksichtnahme aufeinander gestalten. Eine eingetragene 27
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
Partnerschaft hat in etlichen Bereichen die gleiche Wirkung wie eine Eheschließung, allerdings gibt es auch einige gravierende Unterschiede. Beispielsweise dürfen gleichgeschlechtliche Paare nicht gemeinsam ein Kind adoptieren; eine Stiefkindadoption ist jedoch seit August 2012 möglich. Tabelle 4: Begründung eingetragener Partnerschaften in Vorarlberg und Österreich Region Vorarlberg Österreich
2010 12 705
2011 3 433
2012 7 386
Quelle: Statistik Austria
Insgesamt wurden in Vorarlberg in den Jahren 2010 bis 2012 in Vorarlberg 22 eingetragene Partnerschaften begründet. Bei zehn Paaren handelte es sich um Männer, bei zwölf um Frauen. VERWITWET 1.091 Ehen wurden 2012 in Vorarlberg durch den Tod geschieden. Die Zahl der verwitweten Frauen – im Jahr 2012 waren dies in Vorarlberg 14.196 - ist um ein Vielfaches höher als die der verwitweten Männer (3.627). Diese Diskrepanz ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen zumeist jünger als ihr Ehepartner sind, überdies eine höhere Lebenserwartung haben und nach dem Tod des Partners viel seltener eine neue Ehe eingehen als Männer. GESCHIEDEN Die Zahl der Scheidungen stieg langfristig gesehen deutlich an (Tab. 3). Den Höchststand an Scheidungen gab es in Vorarlberg 2001. In diesem Jahr betrug die Zahl der Scheidungen 991 und die Gesamtscheidungsrate 52 Prozent. Danach ging die Zahl der Scheidungen zurück. 2012 wurden in Vorarlberg nur 712 Ehen geschieden, die Gesamtscheidungsrate sank auf 42,3 Prozent. Die mittlere Ehedauer betrug 2012 in Vorarlberg 14,4 Jahre (Österreich: 13,1). Mehr als die Hälfte (55,5 %) der 2012 in Vorarlberg geschiedenen Ehen war kinderlos. Betroffen von der Scheidung ihrer Eltern waren 2012 in Vorarlberg 506 Kinder unter 14 Jahren. Die Bundeshauptstadt Wien weist das höchste Scheidungsrisiko auf, gefolgt von den Bundesländern Niederösterreich und Vorarlberg, in den übrigen sechs Bundesländern liegt die Gesamtscheidungsrate unter dem Österreichdurchschnitt. Österreichweit weisen Ehen, bei denen die Frau zum Zeitpunkt der Heirat noch keine 20 Jahre alt ist, das höchste Scheidungsrisiko auf. Innerhalb von fünf Jahren ist jede dritte dieser Ehen
28
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
und innerhalb von zehn Jahren jede zweite dieser Ehen geschieden. Die Gesamtscheidungsrate bis zu einer Ehedauer von 25 Jahren liegt für diese Ehen bei 73 Prozent. Auch in Vorarlberg gibt es deutlich mehr geschiedene Frauen (2012: 13.935) als Männer (2012: 10.473). Das hat zum Teil mit der höheren Lebenserwartung von Frauen zu tun, vor allem aber mit der Tatsache, dass geschiedene Frauen, denen in den allermeisten Fällen die Kinder zugesprochen werden, deutlich seltener eine neue Ehe eingehen als geschiedene Männer. Parallel zur Zunahme der Scheidungen in den letzten Jahrzehnten stieg auch die Zahl der Wiederverheiratungen an. Der Anteil der Eheschließungen, in denen sowohl die Frau als auch der Mann erstmals heiraten, geht längerfristig aufgrund von Wiederverheiratungen zurück. Er beträgt in den vergangenen Jahren zwischen 67 und 70 Prozent.
LEBENSGEMEINSCHAFTEN Der Anteil der Paare, die unverheiratet zusammenleben, ist in den letzten Jahren weiter gestiegen (Tab. 5). Insgesamt sind derzeit 14,4 Prozent der Familien in Vorarlberg Lebensgemeinschaften (Österreich: 14,6 %). 1991 waren in Vorarlberg 5,6 Prozent der Familien Lebensgemeinschaften, 2001 waren es 9,6 Prozent. In 46 Prozent der Lebensgemeinschaften in Vorarlberg, in Zahlen sind das rund 6.800, leben Kinder. Waren Lebensgemeinschaften noch Anfang der neunziger Jahre eher eine Vorstufe für eine spätere Ehe, und deshalb auch zwei Drittel davon kinderlos, stieg in den letzten zwei Jahrzehnten vor allem die Zahl der Lebensgemeinschaften mit Kindern unter 15 Jahren.
ALLEINERZIEHER/INNEN Kinderbetreuung ist fast ausschließlich Frauensache. Das zeigen auch die Daten betreffend EinEltern-Familien. Rund 12 Prozent aller Familien in Österreich sind – laut Mikrozensus 2012 - Familien mit nur einem Elternteil. In Vorarlberg beträgt der Anteil der Familien mit einem Elternteil (das sind 10.600 Familien) rund zehn Prozent. Die überwiegende Mehrheit, nämlich 86 Prozent - der Vorarlberger ebenso wie der österreichischen - AlleinerzieherInnen sind Frauen. In den 10.600 Teilfamilien Vorarlbergs leben rund 6.000 Kinder unter 15 Jahren. Der Großteil dieser Kinder, nämlich 98 Prozent, wächst bei der Mutter auf. Etwa die Hälfte der alleinerziehenden Mütter ist geschieden, ein knappes Drittel ist ledig, die restlichen Alleinerzieherinnen sind verwitwet bzw. verheiratet, aber getrennt lebend.
29
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
Erfahrungsgemäß bleiben nach einer Scheidung – unabhängig von der Obsorgeregelung - die Kinder vorwiegend im Haushalt der Mutter, da deren Betreuung auch davor im Wesentlichen Sache der Mutter war. Dem Vater wird das Recht eingeräumt, zu seinen Kindern Kontakt zu halten. Seit Februar 2013 hat das Gericht eine Obsorgeregelung zu treffen, wenn -
Eltern sich nach Auflösung der Ehe oder der häuslichen Gemeinschaft nicht auf eine Obsorgeregelung einigen können
-
ein Elternteil die Übertragung der alleinigen Obsorge verlangt oder eine Beteiligung an der Obsorge beantragt (z.B. der getrennt von der Kindesmutter lebende Vater eines unehelichen Kindes).
Für die Entscheidungsfindung des Gerichtes sieht das Gesetz eine „Phase der vorläufigen elterlichen Verantwortung“ vor. Konkret hat der mit der Obsorge betraute Elternteil ein halbes Jahr lang das Kind in seinem Haushalt zu betreuen. Dem anderen Elternteil wird ein ausreichendes Kontaktrecht eingeräumt, damit auch er die Möglichkeit hat, sich ausreichend um die Pflege und Erziehung des Kindes zu kümmern. Aufgrund der in dieser Phase gewonnen Erfahrungen entscheidet das Gericht dann über die endgültige Obsorgeregelung. Erfahrungen, ob und was sich dadurch für AlleinerzieherInnen und deren Kinder ändert, stehen derzeit noch aus.
FAMILIENFORMEN DER ZUKUNFT Den Prognosen der DemografInnen zufolge wird die Zahl der Familien insgesamt in Vorarlberg bis zum Jahr 2050 steigen, allerdings nicht die aller Familienformen (Tab. 5). Die Zahl Tabelle 5: Familienformen 2001 – 2011 - 2050 Region
Familien gesamt absolut
Vorarlberg 2001 2011 2050 Österreich 2001 2011 2050
Paare Ehepaare Lebensgemeinschaften ohne Kind mit Kind ohne Kind mit Kind in %
AlleinerzieherInnen
95.642 100.497 106.283
24,8 26,9 33,2
50,4 44,3 34,6
5,3 6,9 7,9
4,1 6,0 6,7
15,4 15,9 17,6
2,206.151 2,281.372 2,358.500
29,4 31,6 37,2
44,6 38,2 29,2
5,6 7,4 8,6
4,5 6,3 7,2
15,9 16,5 17,8
Quelle: Volkszählung 2001 und Familienprognose 2012; eigene Berechnungen
der Ehepaare ohne Kinder, die der Lebensgemeinschaften (mit und ohne Kinder) und die Zahl der AlleinerzieherInnen wird zunehmen. Die Zahl der Ehepaare mit Kind/ern und die Zahl der 30
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
Kinder werden jedoch zurückgehen. Nach wie vor allerdings wird das „Ehepaar mit Kind/ern“ in Vorarlberg der häufigste Familientyp sein. Während die DemografInnen für Österreich insgesamt schätzen, dass die Zahl und der Anteil der Ehepaare mit Kind/ern im Jahr 2050 geringer sein wird als die Zahl und der Anteil der Ehepaare ohne Kinder, sollen in Vorarlberg die Zahl und der Anteil der Ehepaare mit Kindern auch im Jahr 2050 größer sein. Der Anteil der Familien ohne Kinder im Haushalt soll in Vorarlberg von derzeit 34 auf 41 Prozent steigen (Österreich: von 39 auf 46 %). Diese Entwicklungen sind einerseits eine Folge des Geburtenrückganges und der Zunahme von Scheidungen, andererseits aber auch des Trends zu alternativen Lebensformen. Zu diesen gesellschaftlichen Entwicklungen kommen demografische Fakten, die mit der Alterung der Bevölkerung zusammenhängen (z.B. steigende Lebenserwartung).
GEBURTENENTWICKLUNG Österreich hat mit 9,4 Lebendgeborenen auf 1.000 EinwohnerInnen seit Jahren eine eher niedrige Geburtenziffer. Die niedrigsten Geburtenziffern der Europäischen Staaten hatten 2011 Ungarn (8,8) und Deutschland (8,1). Die höchsten Geburtenziffern haben die Staaten Kosovo (19 Lebendgeborene auf 1.000 EinwohnerInnen), Irland (17) und Island (14), gefolgt vom Vereinigten Königreich, Frankreich, der Russischen Förderation und Norwegen (zwischen 12 und 13). Der Anteil der unehelich geborenen Kinder schwankt innerhalb Europas zwischen 6,5 Prozent (Griechenland) und 55 Prozent (Norwegen). Vorarlberg gehört zu jenen österreichischen Bundesländern, die eine positive Geburtenbilanz haben (= mehr Geburten als Sterbefälle). Im Jahr 2012 kamen in Vorarlberg auf 1.000 EinwohnerInnen 10,3 Geburten (Österreich 9,4). Mit dieser Geburtenziffer liegt Vorarlberg nach Wien (10,6) an der Spitze der österreichischen Bundesländer. Längerfristig gesehen ging auch in Vorarlberg die Zahl der Geburten etwas zurück (Tab. 3), 2012 allerdings stieg sie gegenüber dem Jahr davor auf 3.836. In Vorarlberg wird auch, so die Prognose von Statistik Austria, die Gesamtfertilitätsrate (= durchschnittliche Kinderzahl pro Frau) in den nächsten Jahrzehnten über dem Österreichdurchschnitt liegen. Nahezu alle der in Vorarlberg geborenen Kinder kommen in einer Krankenanstalt zur Welt (98,6 %). Von den 2012 in Vorarlberg geborenen Kindern waren etwas mehr als die Hälfte (51,6 %) Buben. 1.418 der neugeborenen Kinder waren unehelich. Das heißt, die Unehelichenquote liegt in Vorarlberg (37 %) unter dem Österreichdurchschnitt (41,5 %).
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BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
Nicht selten holen Eltern unehelicher Kinder eine Eheschließung nach. Von den 1.513 Paaren, die 2011 in Vorarlberg heirateten, hatten 402, das ist mehr als ein Viertel (26,6 %), mindestens ein gemeinsames voreheliches Kind. Die Gesamtfertilitätsrate betrug im Jahr 2012 österreichweit 1,44. In Vorarlberg ist sie höher als in allen anderen Bundesländern (1,56). Der Anteil der lebend geborenen Kinder, die eine andere als die österreichische Staatsbürgerschaft haben, betrug 2012 in Vorarlberg knapp 14 Prozent. Das Alter, in dem Frauen ihr erstes Kind zur Welt bringen, stieg in den letzten Jahrzehnten sukzessive an. Das durchschnittliche Alter der Mutter bei der Geburt des ersten Kindes betrug in Vorarlberg
1988: 25 Jahre
1998: 26,7 Jahre
2008: 28,1 Jahre
2011: 28,4 Jahre
Dass zunehmend später geheiratet und später Kinder geboren werden, ist eine Folge der qualifizierteren (und länger dauernden) Ausbildung und der damit verbundenen stärkeren Berufsorientierung sowie einer gezielten Familienplanung. Die Mehrheit der Kinder, die 2012 in Vorarlberg zur Welt kamen (63 %), wurden von Frauen zwischen 25 und 35 Jahren geboren, 15 Prozent der Kinder von Frauen zwischen 15 und 25 Jahren und 22 Prozent der Kinder von Frauen zwischen 35 und 45 Jahren. In den 103.100 Familien, die es 2012 in Vorarlberg gab, lebten insgesamt 60.600 Kinder unter 15 Jahren. Die durchschnittliche Zahl der Kinder unter 15 Jahren pro Familie liegt in Vorarlberg (1,7) minimal über dem Österreichdurchschnitt (1,6).
HAUSHALTSGRÖSSE/ HAUSHALTSZAHL Österreichs Haushalte wurden in den vergangenen Jahrzehnten zusehends kleiner. In Vorarlberg sank die durchschnittliche Zahl der in einem Haushalt lebenden Personen zwischen 1991 und 2009 von 2,9 auf 2,4 (Österreich: 2,3). Seither hat sich die durchschnittliche Größe der Haushalte nicht verändert.
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BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
Der Trend, dass Kinder länger im elterlichen Haushalt wohnen bleiben, hält an. Allerdings gibt es diesbezüglich deutliche geschlechtspezifische Unterschiede: Von den 20- bis 24-jährigen Frauen leben 55,2 Prozent noch in der elterlichen Wohnung, von den 20- bis 24-jährigen Männern 70,4 Prozent. Nach Herkunft (Geburtsland) der HaushaltsrepräsentantInnen allerdings variiert die durchschnittliche Haushaltsgröße. Die Haushalte von ÖsterreicherInnen in Vorarlberg umfassen im Durchschnitt knapp 2,4 Personen. Die Haushalte von Nicht-ÖsterreicherInnen sind größer (2,7), die größten unter diesen sind die Haushalte von TürkInnen, in denen im Schnitt 3,9 Personen leben. Während sich österreichweit und auch in Vorarlberg die Zahl der in einem Haushalt lebenden Personen ständig verringert, steigt die Zahl der Haushalte kontinuierlich an und wird den Prognosen der StatistikerInnen zufolge aufgrund wachsender Bevölkerungszahlen bis 2060 weiter ansteigen. Überdurchschnittlich stark ansteigen werden allerdings nur die Ein- und Zweipersonenhaushalte, die Drei- und Vierpersonenhaushalte werden voraussichtlich in naher Zukunft noch ansteigen und dann stagnieren, die Haushalte mit fünf und mehr Personen kontinuierlich weniger werden. Die Zahl der Einpersonenhaushalte wird bis zum Jahr 2030 in Vorarlberg um 29 Prozent ansteigen. 2060 wird der Anteil der Einpersonenhaushalte in Vorarlberg um 50 Prozent höher sein als 2011. Die Zahl der Zweipersonenhaushalte wird in Vorarlberg bis 2030 um mehr als 16 Prozent ansteigen und diese Entwicklung wird sich im Wesentlichen bis 2060 fortsetzen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße wird sich in Vorarlberg von derzeit 2,4 auf 2,2 Personen verringern. Für das Jahr 2012 weist Statistik Austria für Vorarlberg 154.500 Haushalte aus. Von diesen sind o
32 Prozent Einpersonenhaushalte (Österreich: 36 %); in der Mehrzahl dieser Haushalte (57 %) leben Frauen
o
29 Prozent Zweipersonenhaushalte (Österreich: 29 %)
o
16 Prozent Dreipersonenhaushalte (Österreich: 15 %)
o
15 Prozent Vierpersonenhaushalte (Österreich: 13 %)
o
8 Prozent Haushalte mit fünf oder mehr Personen (Österreich: 7 %)
Die Tatsache, dass immer weniger Personen in einem Haushalt leben, hat mehrere Ursachen. Sie ist zum einen die Folge des Anstiegs der Einpersonenhaushalte, zum anderen die Folge des Rückganges der Geburten und die Folge von Scheidungen. 33
BEVÖLKERUNGSSTRUKTUR/ LEBENSFORMEN
Der Trend zum Alleinleben zeigt sich vor allem bei jungen Erwachsenen im Alter von 25 bis 34 Jahren. In 43 Prozent aller Einpersonenhaushalte leben allerdings Menschen über 60, und zwar überwiegend Frauen (72 %). Insgesamt sind in Vorarlberg ebenso wie im gesamten Bundesgebiet 57 Prozent aller Einpersonenhaushalte Frauenhaushalte, allerdings gilt dies nicht für alle Altersgruppen. Unter den 25- bis 54-Jährigen leben mehr Männer allein als Frauen. Die Ursachen: Erstens gibt es in dieser Altersgruppe mehr Männer, überdies heiraten Männer später, und drittens bleiben im Falle einer Trennung oder Scheidung Kinder eher bei der Mutter. Ab dem Alter von 55 leben mehr Frauen als Männer allein. Denn zum einen haben Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung kombiniert mit der Tatsache, dass sie üblicherweise jünger sind als ihr Partner, ein höheres Risiko, verwitwet zu sein. Zum anderen gehen Frauen nach einer Scheidung oder nach dem Tod des Partners seltener eine neue Ehe ein.
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HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN ZUM THEMA AUFGABEN- UND ROLLENVERTEILUNG Die sogenannte traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, der zufolge der Mann für den Unterhalt der Familie sorgt und die Frau sich ausschließlich um Haushalt und Kinder kümmert, hat sich in dieser Form erst im 19. Jahrhundert herausgebildet, und sie hatte nie für alle sozialen Schichten Geltung. In den unteren Sozialschichten mussten Frauen immer auch erwerbstätig sein, weil das Einkommen des Mannes nicht ausreichte, eine Familie zu erhalten. Und ab der oberen Mittelschicht haben Frauen sich nicht mit Hausarbeit und Kinderbetreuung abgegeben, sondern diese Tätigkeiten weitgehend an Personal delegiert. Realisiert wurde das bürgerliche Familienideal des Alleinverdieners und der Vollhausfrau vor allem in der unteren Mittelschicht. Diesen Frauen garantierte die Ehe (geschieden werden können Ehen in Österreich erst seit 1938) die materielle Versorgung und ihren Männern garantierte sie die Entlastung von jeglicher Reproduktionsarbeit (= gesamte unbezahlt geleistete Hausarbeit sowie die Betreuung von Kindern). Die Männer konnten sich so voll auf den Beruf konzentrieren, was auch notwendig war, hatten sie doch die komplette Familie zu erhalten. Frauen hatten im 19. Jahrhundert kaum Zugang zu einer Berufsausbildung; höhere Schulen und erst recht Hochschulen waren ihnen verschlossen, ebenso der Zugang zu den meisten Angestelltenberufen und zur selbständigen Erwerbstätigkeit. VERTEILUNG BEZAHLTER UND UNBEZAHLTER ARBEIT Im Laufe des vorigen Jahrhunderts hat sich diesbezüglich vieles grundlegend geändert. Immer mehr Frauen haben eine qualifizierte Ausbildung und die Zahl der Kinder pro Familie hat sich deutlich verringert. Die Berufstätigkeit der Frauen, auch der verheirateten Frauen, ist inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Es ist allerdings auch eine Selbstverständlichkeit geblieben, dass sich Frauen trotzdem weiterhin um den Haushalt kümmern und, sofern sie Kinder haben, auch um deren Betreuung. Das heißt, Frauen haben ihren Aufgabenbereich um die Erwerbstätigkeit erweitert. Sie erledigen nicht nur die unbezahlte Reproduktionsarbeit (Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege älterer Angehörigen), sondern sind auch erwerbstätig. Der Aufgabenbereich der Männer ist hingegen weitgehend gleich geblieben. Männer sind voll erwerbstätig. Frauen versuchen, unbezahlte Reproduktionsarbeit und bezahlte Erwerbsarbeit zu vereinen. Die allermeisten Männer beschränken sich weiterhin auf die bezahlte Erwerbsarbeit. Das heißt, bezahlte und unbezahlte Arbeit sind zwischen Frauen und Männern höchst ungleich verteilt. 35
HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
Laut 2. Österreichischen Männerbericht spielt für 40 Prozent der Frauen, aber nur für 25 Prozent der Männer in Zusammenhang mit der Familienplanung die berufliche Tätigkeit eine Rolle. Das zeigt, dass für Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie um einiges schwieriger ist.1 Frauen können, da ihnen die unbezahlte Reproduktionsarbeit geblieben ist, häufig nur Teilzeit arbeiten. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von der „modernisierten Versorgerehe“. Der Mann ist zwar nicht mehr der Alleinverdiener, aber er ist es, der mittels Vollzeitarbeit die Familie im Wesentlichen finanziell versorgt, während die Ehefrau nach der Geburt von Kindern ihre Erwerbstätigkeit einschränkt bzw. aus zeitlichen Gründen einschränken muss (sofern sie diese nicht ganz aufgibt) und damit eine deutliche Schlechterstellung auf dem Arbeitsmarkt sowie hinsichtlich sozialer Sicherung in Kauf nimmt.2 Ihr Einkommen zählt bestenfalls als Zuverdienst. Die ökonomische Schieflage zu ungunsten der Frauen ist durch die immer noch weitgehend traditionelle Aufgaben- und Rollenverteilung bedingt. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung fordert nachdrücklich eine „Forcierung der Chancengleichheit der Geschlechter“: „Die derzeitige Verteilung der Arbeitszeit, der Berufstätigkeit und der Einkommen zwischen den Geschlechtern ist ineffizient, wachstumshemmend und nicht gerechtfertigt. Obwohl sich die Qualifikationsstruktur der Frauen laufend verbessert hat, hat der Aufholprozess am Erwerbsmarkt nicht im selben Ausmaß stattgefunden. Eine bessere Nutzung des Potentials der Frauen würde – neben dem Gleichheitspostulat – die Effizienz der österreichischen Wirtschaft heben, zu höherer Wirtschaftsleistung, höherer Beschäftigung und größerer Wohlfahrt beitragen. Eine verstärkte Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben würde nicht nur zu einem verbesserten Einsatz der Humankapitalressourcen und damit zu einer Produktivitätssteigerung und zu einer Forcierung des Dienstleistungssektors beitragen, sondern auch zu einer nachhaltigen Finanzierung der Renten- und Gesundheitssysteme sowie zu einer Stärkung des sozialen Zusammenhalts führen.“3 Unter den Maßnahmen, die das Wirtschaftsforschungsinstitut in dem Zusammenhang vorschlägt, findet sich auch die „Förderung eines stärkeren Engagements der Väter in der Betreuungsarbeit“. Dass die Versorgungsarbeit (Care-Arbeit) vorrangig Frauensache ist, steht nicht zuletzt in Widerspruch zum österreichischen Eherecht. Dieses hält eindeutig fest, dass sich Ehepaare die anfallenden Arbeiten partnerschaftlich („in voller Ausgewogenheit“) zu teilen haben, und stellt
1
IFES, 372. Vgl. Statistik Austria – Familien- und Haushaltsstatistik, 32. 3 WIFO-Weißbuch, 89. 2
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HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
klar, dass auch der berufstätige Ehegatte verpflichtet ist, den nichtberufstätigen im Haushalt zu unterstützen.1 Ein Verstoß gegen diese normierten Verpflichtungen gilt rechtlich als Eheverfehlung. VERTEILUNG DES HAUSHALTSEINKOMMENS Zur Ungleichverteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit kommt erschwerend die Ungleichverteilung des Haushaltseinkommens. Neue Untersuchungen zeigen, dass das Haushaltseinkommen keineswegs allen Personen innerhalb eines Haushalts gleichermaßen zur Verfügung steht, sondern dass die Verteilung des Haushaltseinkommens und die Entscheidung über diese Verteilung auch geschlechtsspezifisch erfolgt. Seit einem Jahr liegen erstmals Informationen2 darüber vor, wie Einkommen innerhalb eines Haushalts verteilt werden bzw. wer innerhalb eines Haushalts die Entscheidungen bezüglich Ausgaben trifft und welchen Einfluss Einkommen, Bildung und Geschlecht in dem Zusammenhang haben. Wesentliche Ergebnisse: Die häufig auch in wissenschaftlichen Studien getätigte Annahme, dass alle Personen eines Haushalts gleichermaßen über das Haushaltseinkommen verfügen und über dessen Verwendung mitbestimmen, entspricht nicht der Realität. Großen Einfluss auf die Entscheidungsmacht hat das (männliche) Geschlecht. Für welche Art von Entscheidungen wer zuständig ist, folgt zumeist den traditionellen Rollenstereotypien. Grundsätzlich wissen Männer (88%) eher über das Einkommen ihrer Partnerin Bescheid, als Frauen (85%) über das ihrer Partner. Unter Nicht-Erwerbstätigen (Personen, die sich in Ausbildung befinden oder den Haushalt führen) ist der Anteil derer, die die Höhe des Partnereinkommens kennen, noch geringer. Gemeinsam über das Haushaltseinkommen wird am ehesten in Haushalten verfügt, wo das Haushaltseinkommen gering ist – beispielsweise in armutsgefährdeten Haushalten, in Haushalten von Personen, die maximal Pflichtschulabschluss haben, in Haushalten mit arbeitslosen Personen. Je höher das Bildungsniveau und das Einkommen, desto eher verfügen Paare getrennt über ihr Einkommen. Nicht in allen Fällen hat die Person, die das höhere Einkommen hat, mehr Entscheidungsmacht. Das gilt vor allem für Frauen. Haushalte, in denen die Frau mehr verdient, treffen Entscheidungen eher gemeinsam. Die allermeisten Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, wenn die Frau Alleinverdienerin in der Partnerschaft ist. Auch wenn das Einkommen der beiden ziemlich gleich ist, nimmt die Zahl der gemeinsamen Entscheidungen zu. Ist hingegen das Einkommen des Mannes deutlich höher als jenes der Frau, so wird getrennt entschieden. Das
1 2
§§ 91 und 95 ABGB. Sondermodul der EU-SILC-Erhebung 2010. Vgl. Mader u.a.
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HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
heißt, das Geschlecht hat einen stärkeren Einfluss auf die Entscheidungsmacht als die Höhe des Einkommens. Trifft in einem Haushalt eine Person allein Entscheidungen über Ausgaben, so sind es zumeist die Frauen, die über alltägliche Einkäufe und über Ausgaben für Kinder allein entscheiden, und die Männer, die allein über die Anschaffung von Möbeln und teuren Konsumgütern, die Aufnahme von Krediten und Ratenzahlungen sowie die Verwendung von Ersparnissen entscheiden. Das heißt die Entscheidungsmacht der Frauen beschränkt sich weitgehend auf ihre traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter. Paare, deren Einkommen gleich hoch ist bzw. bei denen der Einkommensunterschied geringer als 25 Prozent ist, treffen Entscheidungen über Ausgaben eher gemeinsam. In diesen Haushalten werden 61 Prozent der Entscheidungen im Allgemeinen, 87 Prozent der Entscheidungen über Kreditaufnahme oder Ratenzahlungen und 92 Prozent der Entscheidungen über die Verwendung von Ersparnissen zusammen getroffen. Geringe Einkommensunterschiede scheinen egalitäre Entscheidungsfindungsprozesse zu begünstigen.
HAUSHALTSFÜHRUNG Bei Befragungen1 stimmen 80 Prozent der ÖsterreicherInnen – 83 Prozent der Frauen und 76 Prozent der Männer - der Ansicht zu, dass Männer genauso viel Verantwortung für Haushalt und Kinder übernehmen sollten wie Frauen. Realität ist die partnerschaftliche Teilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung (und damit auch der Erwerbsarbeit) nur sehr selten. In der Mehrzahl der Fälle helfen Männer bestenfalls ein wenig mit. Frauen tragen die Hauptverantwortung für den Haushalt und leisten den Großteil der anfallenden Arbeit. Daran hat sich in den letzten 20 Jahren kaum etwas geändert. Zu diesem Schluss kommt die von Statistik Austria im Auftrag der Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen Dienst durchgeführte aktuelle Zeitverwendungserhebung von Statistik Austria. Wurden 1992 69 Prozent der unbezahlten familiären Arbeit von Frauen erledigt, so waren es 2008/09 66 Prozent. Fürs Wäschewaschen sind zu 85 Prozent Frauen zuständig, fürs Bügeln der Wäsche zu 89 Prozent. Frauen verrichten laut der letzten von Statistik Austria durchgeführten Zeitverwendungserhebung zwei Drittel der unbezahlten Arbeit (Hausarbeit, Kinderbetreuung, Pflege sowie ehrenamtliche Tätigkeiten), Männer ein Drittel. Umgekehrt ist die Situation bei der bezahlten Arbeit: 39 Prozent der gesamten für Erwerbsarbeit aufgewendeten Zeit entfällt auf Frauen, 61 Prozent auf Männer.
1
Friesl/ Polak/ Hamachers-Zuba, 133.
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HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
Diese Ungleichverteilung von Haus- und Erwerbsarbeit zwischen Frauen und Männern ist in Österreich, so zeigt der Vergleich der EU-Länder, besonders ausgeprägt. Die Folgen dieser Ungleichverteilung: geringere Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt, geringere berufliche Aufstiegschancen
und
Einkommensnachteile
sowohl
hinsichtlich
der
Höhe
des
Erwerbseinkommens, des Arbeitslosengeldes und der Pensionen. Auch der EU-Gender Equality Index zeigt, dass Österreich im Bereich Zeitverwendung besondere Gleichstellungsdefizite hat. Im Detail betrachtet liegt dies vor allem an der ungleichen Verteilung der Versorgungsarbeit (Care), die zu mehr als 75 Prozent von Frauen geleistet wird. In diesem Teilbereich erreicht Österreich auf einer Skala von 1 (keine Gleichstellung) bis 100 (Gleichstellung erreicht) lediglich einen Wert von 35,6 (EU-27: 45,5).1 Ein qualitative Studie zum Thema „Arbeitsteilung in Partnerschaften mit Kindern“, durchgeführt vom Österreichischen Institut für Familienforschung2 , kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass trotz der deutlich gestiegenen Erwerbsbeteiligung von Frauen und der immer wieder vertretenen Ansicht, dass es nur fair sei, wenn sich PartnerInnen die familiäre Arbeit halbe/halbe teilen, die familiäre Realität diesem Anspruch nicht einmal ansatzweise entspricht. Dies zeigt, wie tief geschlechtsspezifische Rollenklischees – sei es aufgrund unterschiedlicher Sozialisation, sei es aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen - verankert sind. Wenn Paare das Thema Aufteilung der Hausarbeit (und damit auch Aufteilung der Erwerbsarbeit) nicht ganz bewusst thematisieren, grundsätzliche Regelungen treffen und diese je nach Lebenssituation immer wieder adaptieren, landen sie eher früher als später und nahezu automatisch in einer Situation, in der die Frau vorrangig für den Haushalt und der Mann vorrangig fürs Geldverdienen zuständig ist. Auch wenn dies keineswegs ihre ursprüngliche Absicht war. Damit aber setzt sich die soziale Hierarchie der Geschlechter fort. Delegierung der Hausarbeit innerhalb der Frauen: Die unbezahlte, meist von Frauen geleistete Hausarbeit ist Voraussetzung für die bezahlte Erwerbsarbeit. Da einerseits immer mehr Frauen erwerbstätig sind, Männer ihre Partnerinnen nicht wirklich entlasten, sondern sich nur rudimentär an der Hausarbeit beteiligen, und sich die Hausarbeit auch nicht von selbst erledigt, kommt es zunehmend zu einer Delegierung der Hausarbeit von einheimischen Frauen zu Migrantinnen.
1 2
EIGE, Country Profiles, 107. Buchebner-Ferstl/ Rille-Pfeifer.
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HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
Die zunehmende Beschäftigung von Migrantinnen als Haushaltshilfen ist - jedenfalls für Angehörige der Mittelschicht - erschwinglich, da es sich sehr häufig um Schwarz-Arbeit handelt. Und Migrantinnen haben oft keine legalen Möglichkeiten, erwerbstätig zu sein, benötigen aber Geld. Die Zahl der in Österreich im Haushaltsbereich Beschäftigten wird auf 60.000 bis 300.000 geschätzt. Offiziell in diesem Bereich beschäftigt sind jedoch nur etwas mehr als 10.000 Personen. 90 Prozent davon sind Frauen.1 Das heißt, die Mehrzahl der Beschäftigungsverhältnisse in Haushalten sind keine regulären Arbeitsverhältnisse. Die Übertragung der Hausarbeit an Migrantinnen erspart - unter Umständen konfliktträchtige – innerfamiliäre Auseinandersetzungen zwischen Frau und Mann betreffend Gleichverteilung der Hausarbeit. Das Problem der geschlechtsspezifischen Ungleichheit ist damit nicht gelöst, es wird ausgelagert. Tatsächlich sind es wiederum Frauen, die den Männern und nun auch einem Teil der Frauen den Rücken freihalten, damit diese sich nicht um Hausarbeit zu kümmern brauchen und einer regulären Beschäftigung nachgehen können. Zu den Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen gesellen sich damit zunehmend (soziale) Ungleichheiten zwischen den Frauen. Die Geschlechterordnung bleibt unangetastet. Die Rolle der Männer wird dadurch jedenfalls nicht tangiert.
FAMILIÄRE KINDERBETREUUNG Spätestens nach der Geburt eines Kindes müssen Paare entscheiden, wie sie sich in Hinkunft Hausarbeit, Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit aufteilen. Die letzte Untersuchung zu diesem Thema zeigt, dass sich diesbezüglich nur wenig ändert und kommt unter anderem zu dem Schluss, dass in Österreich „das seit den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts etablierte Rollenmodell des „male breadwinners“ unverändert stark verankert“2 ist. Lediglich die Konstellation „Mann Vollzeit/ Frau Teilzeit“ ist langfristig gesehen gestiegen, während in früheren Jahren Frauen eher nicht teilzeitbeschäftigt, sondern überhaupt nicht erwerbstätig waren. Tatsächlich entscheiden sich etwas mehr als 63 Prozent der Paare mit Kind dafür, dass der Vater weiterhin Vollzeit arbeitet und die Mutter nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbstätigkeit einschränkt oder ganz aufgibt. (Tab. 6) In diesem Zusammenhang spielen abgesehen von grundsätzlichen Überlegungen, wer vorwiegend die Kinder betreuen soll, auch finanzielle Überlegungen eine Rolle, die realen Möglichkeiten flexibler Arbeitszeiten und das
1 2
Zitiert nach Pirklbauer/ Völkerer, 135. Hirschbichler/Klapfer, 502.
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HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
Angebot (bzw. das Fehlen) an geeigneten Einrichtungen der Kinderbetreuung inklusive Ganztagsschulen. Der Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt jedenfalls eindeutig, dass die Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben am größten ist bei teilzeitbeschäftigten Vätern und teilzeitbeschäftigten Müttern und am geringsten bei Vätern, die Überstunden leisten.1 Tabelle 6: Arbeitsteilung von Paaren mit Kindern unter 15 Jahren, Österreich 2010 Arbeitszeitformen Frau Teilzeit Nicht erwerbstätig Vollzeit Elternkarenz Erwerbstätig Nicht erwerbstätig Teilzeit
Anteil der Paare in %
Mann Vollzeit Vollzeit Vollzeit Erwerbstätig Nicht erwerbstätig Nicht erwerbstätig Teilzeit
39,9 23,3 17,4 9,9 3,5 3,1 2,9
Quelle: Statistik Austria – Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Mit steigendem Alter des jüngsten Kindes steigt die Erwerbstätigenquote der Frauen an. Allerdings arbeitet der überwiegende Teil der Mütter mit Kindern unter 15 Jahren, auch wenn die Kinder längst zur Schule gehen, Teilzeit. Insgesamt lag 2010 die Teilzeitquote von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren bei 43,4 Prozent, jene der Männer betrug lediglich vier Prozent. Markante geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich auch in Bezug auf die Häufigkeit und die Dauer von Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit wegen Kinderbetreuung. Nur 6,4 Prozent der erwerbstätigen Väter, aber 87,3 Prozent der erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter acht Jahren unterbrachen ihre Erwerbstätigkeit. Bei drei Viertel dieser Väter war die Unterbrechung kürzer als ein Jahr. Von den Frauen haben hingegen 87 Prozent die Erwerbstätigkeit länger als ein Jahr unterbrochen. Diese ungleiche Aufteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern hat enorme Auswirkungen auf die Einkommenssituation, auf die beruflichen Aufstiegschancen und auf die soziale Absicherung im Alter. In der Altersgruppe der 25- bis 39Jährigen, einem Alter, in dem sehr viele Frauen mit Kinderbetreuung beschäftigt sind und besonders häufig Teilzeit arbeiten, vergrößern sich die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern deutlich und verringern sich danach auch nicht mehr. Im Gegenteil. Das gilt jedenfalls für den Produktions- und Dienstleistungsbereich. (Tab. 7). 1
IFES, 419.
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HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
Tabelle 7: Mittlere Bruttostundenverdienste nach Altersgruppen, Österreich 2010 Altersgruppen*) 15 – 19 Jahre 20 – 29 Jahre 30 – 39 Jahre 40 – 49 Jahre 50 – 59 Jahre 60 Jahre und mehr
Bruttostundenverdienste**) in EUR Frauen Männer 7,81 9,00 10,00 11,70 11,77 14,47 11,79 15,44 11,45 15,95 10,00 14,66
Differenz in % 13,2 14,5 18,7 23,6 28,2 31,8
*) Ohne
Lehrlinge Mehr- und Überstunden Quelle: Statistik Austria – Verdienststrukturerhebung 2010 **) Exklusive
Die ungleiche Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern hat für beide negative Auswirkungen. Für Frauen hat das familiäre Engagement zumeist beträchtliche berufliche und speziell finanzielle Nachteile zur Folge. Für Männer gewinnt die Erwerbsarbeit nach der Geburt von Kindern oft noch an Bedeutung. Üblicherweise reduzieren Männer ihre Arbeitszeit in dieser Lebensphase nicht, sondern machen eher noch Überstunden, um die Familie finanziell abzusichern. Eine Familie erhalten zu können, mag zwar bis zu einem gewissen Grad das Selbstbewusstsein stärken, aber das Wissen, dass einem nichts passieren darf, weil man als Alleinverdiener für das Wohl und Wehe der gesamten Familie zuständig ist, kann auch zu einer andauernden Belastung werden und gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben. Daneben bleibt oft wenig Zeit für den Kontakt mit den eigenen Kindern, die mit allem was sie bewegt, eher zur Mutter kommen, weil die Beziehung zu ihr eine engere ist. Nicht selten haben Väter in der eigenen Familie eher eine Randexistenz, und nicht wenige verheiratete Mütter fühlen sich de facto als „Alleinerzieherinnen“. Eine ausgewogenere Aufteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern wäre ohne Zweifel für alle Beteiligten ein Gewinn. Für Frauen, für Männer und auch für die Kinder, die nicht nur die Mutter, sondern auch den Kontakt zu Gleichaltrigen brauchen. Allerdings braucht es dafür auch entsprechende gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
ELTERNKARENZ/ ELTERNTEILZEIT/ KINDERBETREUNGSGELD ArbeitnehmerInnen haben die gesetzliche Möglichkeit, bis zum zweiten Geburtstag ihres Kindes in Elternkarenz zu gehen. Die Teilung der Karenzzeit zwischen der Mutter und dem Vater des Kindes ist seit 1990 möglich. Von der Möglichkeit, in Elternkarenz zu gehen, machen Väter zwar mehr Gebrauch als vor zehn Jahren. Ihr Anteil hat sich in diesem Zeitraum erhöht, allerdings auf 42
HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
sehr niedrigem Niveau. Im Jahr 2011 betrug der Anteil der Väter an den karenzierten Personen 8,4 Prozent. 2002 hatte der Anteil der Väter nur 2,3 Prozent betragen. Gestiegen ist die Anzahl der Väter in Karenz vor allem in den Jahren 2008 und 2009, als für den Bezug von Kinderbetreuungsgeld neue Varianten eingeführt wurden (kürzere Bezugsdauer und höhere Geldleistung). Danach begann die Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung zu stagnieren. Aus der Perspektive einer gerechten Aufteilung der Kinderbetreuung zwischen Müttern und Vätern ist allerdings nicht nur entscheidend, wie viele Väter in Karenz gehen, sondern auch wie lange sie in Karenz gehen. Und hierbei zeigen sich noch gravierendere Ungleichheiten: Von allen in Anspruch genommenen Karenztagen entfielen 2011 nur 4,2 Prozent auf Väter (2002: 1,7 %), 95,8 Prozent jedoch auf Mütter. Verglichen mit Müttern gehen Väter nur für sehr kurze Zeit in Karenz. Eine Erhebung zur Situation von Akademikern in Väterkarenz1 (Akademiker gehen überdurchschnittlich oft in Väterkarenz) zeigt, dass zwar mehr Väter in Karenz gehen als 2002, die Dauer der Karenz sich jedoch verkürzt hat. 2002 gingen akademisch gebildete Väter durchschnittlich 159 Tage in Karenz bis 2010 sank die durchschnittliche Dauer der Väterkarenz von Akademikern auf 128 Tage. Weitere Ergebnisse dieser Erhebung: Mehr als die Hälfte der akademisch gebildeten Karenzväter arbeitet während der Karenz, versucht also, allfällige berufliche Nachteile einer Karenz so gering wie möglich zu halten. Tatsächlich hat die Karenzzeit für den Großteil der Akademiker keine Einkommensverschlechterung zur Folge. Mehr als die Hälfte erhalten sogar nach dem Wiedereinstieg ein höheres Einkommen als davor. Der Anteil der Männer an den ArbeitnehmerInnen in Elternkarenz (korrekt: an den BezieherInnen von Kinderbetreuungsgeld, die sich in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis befinden) betrug im Oktober 2013 österreichweit 3,6 Prozent, in Vorarlberg 2,0 Prozent (2007: 1,4 %). Konkret: Von den 3.782 Vorarlberger ArbeitnehmerInnen, die sich im Oktober 2013 in Elternkarenz befanden, waren 76 Väter und 3.706 Mütter. Als Alternative zur Karenz oder im Anschluss an die Karenz haben Mütter und Väter die gesetzliche Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, und zwar längstens bis zum 7. Geburtstag des Kindes. Die Möglichkeit der Elternkarenz und die der Elternteilzeit ist im Mutterschutzgesetz bzw. im Väter-Karenzgesetz geregelt. Eine Evaluierung der Elternteilzeit durch eine Fragebogenerhebung2 kommt zu dem Ergebnis, dass österreichweit der Anteil der Väter, die sich im Rahmen der Elternteilzeit an der Kinderbetreuung beteiligen, höher ist (14 %) als jener, die Elternkarenz in Anspruch nehmen (3,6 %). Männer nützen die Elternteilzeit allerdings deutlich kürzer als 1 2
Vgl. Reidl/Schiffbänker, 15. Vgl. Österreichisches Institut für Familienforschung 2012.
43
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Frauen, und sie reduzieren das Ausmaß der Wochenstunden in geringerem Maß als Frauen: Während drei Viertel der Frauen, die Elternteilzeit in Anspruch nehmen, weniger als 20 Stunden pro Woche erwerbstätig sind, arbeiten Männer in Elternteilzeit mehrheitlich (57 %) mehr als 25 Wochenstunden in ihrem Beruf. Andernfalls wäre, so die Argumentation, der Einkommensverlust für die Familie zu groß. Die überwiegende Mehrheit derer, die Elternteilzeit in Anspruch nehmen, findet, dass Elternteilzeit sowohl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als auch den Wiedereinstieg (von Müttern) ins Erwerbsleben nach einer Karenz erleichtert. Probleme, die in dem Zusammenhang genannt werden: Mehr als die Hälfte der befragten Eltern wünscht sich in Hinblick auf den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben mehr Kinderbetreuungseinrichtungen, die mit der Erwerbstätigkeit der Eltern kompatibel sind. (Zum Vergleich: Nur ein Viertel der Eltern wünscht sich mehr finanzielle Unterstützung.) Klar zeigt sich in dem Zusammenhang: „Lage und Ausmaß der Arbeitszeit werden in erster Linie an die Kinderbetreuungsmöglichkeiten angepasst.“ Kinderbetreuungseinrichtungen, die nur am Vormittag geöffnet sind, sind nicht nur für Eltern, sondern auch für Betriebe problematisch: Die Konzentration der Teilzeitarbeit auf den Vormittag wird in allen Branchen und Tätigkeitsfeldern als beeinträchtigend empfunden, vor allem aber o
im Produktionsbereich
o
im Handel, wo dies der Zeitraum mit der geringsten Kundenauslastung ist
o
bei Tätigkeiten mit Schichtarbeit.
Obwohl die Beteiligung beider Elternteile an der Kinderbetreuung die Bezugsdauer des Kinderbetreuungsgeldes verlängern würde, lassen die allermeisten Väter die Monate, die ihnen bzw. dem zweiten Elternteil zustehen, verfallen. In Vorarlberg entschieden sich – Beobachtungszeitraum: April 2012 bis April 2013 – die Eltern, die das Kindergeld im ersten Jahr nach der Geburt in Anspruch nahmen, folgendermaßen: Die am häufigsten gewählten Bezugsvarianten (Tab.8) sind in Vorarlberg ebenso wie österreichweit nach wie vor die beiden Langzeitvarianten (30 + 6, 20 +4); allerdings wurde der Anteil der Eltern, die sich dafür entscheiden, aufgrund der inzwischen zusätzlich angebotenen kürzeren Varianten deutlich geringer. In den letzten drei Jahren ging in Vorarlberg die Variante 30+6 um sechs Prozentpunkte zurück, die Variante 20+4 um 4,5 Prozentpunkte und die Variante 15+3 um vier Prozentpunkte. Im gleichen Zeitraum stieg die Inanspruchnahme der Paulschalvariante 12+2 um 5,5 Prozentpunkte und die der einkommensabhängigen Variante 12+2 um neun Prozentpunkte. Das heißt, der Trend bei der Kinderbetreuung geht eindeutig in 44
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Richtung kürzerer bzw. einkommensabhängiger Berufsunterbrechung. Die beiden Kurzvarianten 12+2-Monate sind sowohl in Vorarlberg als auch im gesamten Bundesgebiet jene, an denen sich Väter am stärksten beteiligen. Tabelle 8: BezieherInnen von Kinderbetreuungsgeld nach Varianten Region
Varianten des Kinderbetreuungsgeldes Pauschalvarianten in %
Einkommensabhängige Variante in %
30+6-Monate
20+4-Monate
15+3-Monate
12+2-Monate
12+2-Monate
Vorarlberg
57
21
4
6
12
Österreich
53
23
5
5
14
Beobachtungszeitraum April 2012 bis April 2013. Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend.
Tabelle 9: Väterbeteiligung nach Varianten des Bezugs von Kinderbetreuungsgeld Region
Varianten des Kinderbetreuungsgeldes
Gesamt
30+6-
20+4-
15+3-
12+2-
12+2-Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
(einkommensabhängig)
Väterbeteiligung in % Vorarlberg
3,4
7,9
13,9
15,7
16,1
7,0
Österreich
11,8
19,0
27,9
30,5
26,2
17,2
Beobachtungszeitraum April 2012 bis April 2013. Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
Der Anteil der Väter, die sich im Laufe eines Jahres eine Zeitlang der Betreuung ihres Kindes widmen (= Kinderbetreuungsgeld beziehen) ist österreichweit sehr unterschiedlich. Am höchsten ist sie in Wien, wo sich 29,2 Prozent der Väter zumindest eine kurze Phase lang der Betreuung des Kindes widmen, am geringsten ist sie in Vorarlberg, wo dies lediglich sieben Prozent der Väter machen (2011: 7,5 %) Vorarlberg ist nicht nur insgesamt, sondern bei jeder der Varianten des Bezugs von Kindergeld, das Bundesland mit der geringsten Väterbeteiligung (Tab. 9). Tabelle 9 informiert darüber, wie hoch der Anteil der Väter ist, die sich an der Kinderbetreuung beteiligen (konkret: Kinderbetreuungsgeld beziehen), sie sagt aber nichts darüber aus, wie lange 45
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Väter die Betreuung eines Kindes übernehmen. Und dieser Zeitraum ist offenbar zumeist kurz bemessen. Andernfalls wäre es nicht möglich, dass der Anteil der Väter an den BezieherInnen von Kinderbetreuungsgeld (Beobachtungszeitraum: 1 Monat) österreichweit noch nie den Anteil von fünf Prozent überschritten hat. Österreichweit betrug der Väteranteil an den BezieherInnen von Kinderbetreuungsgeld im März 2013 4,5 Prozent, in Vorarlberg lediglich zwei Prozent (Tab. 10). Diese Anteile haben sich in den letzten drei Jahren nicht erhöht, im gesamten Bundesgebiet sogar etwas verringert. (März 2010: Österreich 5 %, Vorarlberg 2 %). Tabelle 10: Bezug von Kinderbetreuungsgeld nach Geschlecht, März 2013 Region
Fälle insgesamt
davon Frauen
davon Männer
Männeranteil in %
Vorarlberg
6.768
6.634
134
2,0
Österreich
134.107
128.137
5.970
4,5
Zeitraum: März 2013 Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft, Jugend und Familie, Abt.II/33
Nach Berufsgruppen differenziert findet sich österreichweit die mit Abstand höchste Väterbeteiligung beim Bezug von Kinderbetreuungsgeld bei den Bauern und bei den Selbständigen. In diesen beiden Berufsgruppen machen die Bezieher von Kinderbetreuungsgeld 19 bzw. 20 Prozent aus. Gefolgt werden diese beiden Berufsgruppen von den BeamtInnen, bei denen der Väteranteil an den BezieherInnen von Kinderbetreuungsgeld elf Prozent beträgt. Erklärbar ist dies durch die Tatsache, dass Bauern und Selbständige mehr Gestaltungsmöglichkeiten in Hinblick auf die Zuverdienstgrenze haben als unselbständig Erwerbstätige und Beamte aufgrund der besseren dienstrechtlichen Absicherung kaum mit negativen Auswirkungen an ihrer Dienststelle konfrontiert sind. Für öffentlich Bedienstete (Landes- und Gemeindebedienstete) gibt es in Vorarlberg darüber hinaus – in Anlehnung an die gesetzliche Regelung für Bundesbedienstete – die Möglichkeit, in Väter-Frühkarenz zu gehen. Das heißt, Väter können unmittelbar nach der Geburt eines Kindes einen Urlaub gegen Entfall der Bezüge (= Karenz) in Anspruch nehmen, sofern dem keine wichtigen dienstlichen Interessen entgegenstehen. Die Dauer der Karenz kann zwischen einer Woche und maximal vier Wochen betragen. Der mögliche Zeitraum reicht von der Geburt des Kindes bis zum Ende der Mutterschutzfrist nach der Entbindung. Voraussetzung ist, dass der Vater mit dem Kind im gemeinsamen Haushalt lebt. Der Anteil der Väter, die sich in Vorarlberg der Kinderbetreuung widmen bzw. Kinderbetreuungsgeld beziehen, liegt deutlich unter dem Österreichdurchschnitt. Die Tendenz ist jedoch in Vorarlberg und im gesamten Bundesgebiet die gleiche: Je kürzer die Bezugsdauer der 46
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einzelnen Varianten desto höher ist der Anteil der Väter, die sich an der Kinderbetreuung beteiligen. Die geringe Inanspruchnahme der Karenzzeit durch Väter dürfte, so wurde jedenfalls in der Vergangenheit argumentiert, zu einem Teil die Folge des Einkommensunterschiedes zwischen Männern und Frauen sein. Da zumeist der Mann das höhere Einkommen erzielt, tendieren junge Eltern eher dazu, auf das geringere Einkommen - und das ist meist jenes der Frau - (teilweise) zu verzichten und Kinderbetreuungsgeld in Anspruch zu nehmen, obwohl dies im Großteil der Fälle kein Äquivalent zu einem Erwerbseinkommen darstellt. Aus diesem Grund wurde die ursprüngliche (Langzeit-)Variante des Kinderbetreuungsgeldes durch Varianten mit kürzerer Bezugsdauer und mit Jahresanfang 2010 auch um eine einkommensabhängige Variante (12+2-Monate) ergänzt. Evaluierungen der Einführung des Kinderbetreuungsgeldes (Langzeitvariante) kamen zu dem Ergebnis, dass aufgrund der Möglichkeit, Kinderbetreuungsgeld länger zu beziehen als in der Vergangenheit das Karenzgeld, Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf hinausschieben.1 Gleichzeitig ist bekannt, dass der Verdienstrückgang bzw. Verdienstverlust der Frauen während der ersten Lebensjahre eines Kindes auch langfristig nicht mehr aufgeholt werden kann.2 Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind jedoch nicht die alleinige Ursache für die geringe Zahl der Väter in Karenz. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang auch die Wirkung traditioneller Verhaltensmuster, kultureller Normen und Werte. Denn zum Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes sind Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen zwar vorhanden, aber doch noch deutlich geringer als in späteren Jahren. Trotzdem sind nur wenige Männer bereit, ihre Erwerbstätigkeit zugunsten der Kinderbetreuung einzuschränken. Zum einen aus Karrieregründen, zum anderen weil es schlicht bequemer ist, sich rollenkonform zu verhalten. Es erspart jegliche Diskussionen am Arbeitsplatz, sei es mit dem Chef oder mit Kollegen. Für Frauen hingegen ist es, selbst wenn sie ein relativ hohes Einkommen beziehen, fast selbstverständlich, dass sie ihre Berufstätigkeit nach der Geburt eines Kindes unterbrechen oder beruflich zurückstecken. Mit all den negativen Folgen, die das für die berufliche Karriere und die Einkommensentwicklung hat. Dies zeigt, dass Gesetzesänderungen allein noch kein Umdenken bewirken, geschweige denn eine Veränderung des Verhaltens. Um Rollenverhalten zu verändern, bedürfen Gesetzesänderungen der kontinuierlichen Begleitung durch bewusstseinsbildende Maßnahmen. Ein Beispiel dafür ist die
1 2
Lutz 2004 sowie Riesenfelder u.a. Guger u.a., 6.
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Plakat- und Inseratenaktion „NEUDENKEN eröffnet Potentiale“ des Landes Vorarlberg, deren Ziel es, das traditionelle Berufswahlspektrum von Mädchen und Burschen zu erweitern. Im Zusammenhang mit Kinderbetreuung kann es jedenfalls nicht zielführend sein, die Interessen von Frauen und Kindern gegeneinander auszuspielen – und die Männer weiterhin aus der Diskussion auszuklammern. Durch die Pensionsreform 2003 werden Kindererziehungszeiten nun zwar maximal bis zum vierten Lebensjahr des Kindes als Beitragszeiten in der Pensionsversicherung angerechnet. Gleichzeitig aber wird der Durchrechnungszeitraum für die Berechnung der Pension von den besten 15 Jahren schrittweise auf die besten 40 Jahre, also de facto auf das gesamte Erwerbsleben ausgedehnt. Dies bedeutet, dass auch Zeiten, in denen Beschäftigte – beispielsweise infolge von Teilzeitarbeit wegen Kinderbetreuung - nur ein geringes Einkommen erzielen, sich in der Pensionsberechnung niederschlagen und die Höhe der Pension beeinträchtigen. Um die Auswirkungen auf Frauen mit Kindern etwas zu mildern, verkürzte der Gesetzgeber für diese den Durchrechnungszeitraum um drei Jahre pro Kind. Arbeitet eine Frau in Hinkunft jedoch länger als drei Jahre pro Kind Teilzeit, geht dies – was die Höhe der zu erwartenden Pension betrifft – voll zu ihren Lasten. Einseitig von Frauen zu erwarten, dass sie im Interesse der übrigen Familienmitglieder beruflich zurückstecken und dafür bis an ihr Lebensende Einkommenseinbußen in Kauf nehmen, ist mit Gleichstellungspolitik nicht zu vereinbaren. Die gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderung besteht eher darin, jene Rahmenbedingungen zu schaffen, die erwerbstätige Eltern brauchen, um ihrer Rolle als Mütter und Väter gerecht zu werden. Möglicherweise wäre es sinnvoller, dafür zu sorgen, dass es aus Gründen der Kinderbetreuung erst gar nicht zu einem vollständigen Ausstieg aus der Erwerbstätigkeit kommt anstatt große Summen in den späteren beruflichen Wiedereinstieg von Frauen zu investieren, um die durch den beruflichen Ausstieg verursachte Dequalifizierung auszugleichen. Gleichstellung bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass Männer nicht alleinverantwortlich sind für die materielle Absicherung der Familie, sondern dass sich Mütter und Väter Erwerbsarbeit ebenso wie Kinderbetreuung einigermaßen redlich teilen.
AUSSERFAMILIÄRE KINDERBETREUUNG Außerfamiliäre Kinderbetreuung dient der Unterstützung und Ergänzung familiärer Erziehung, der professionellen Förderung und Betreuung von Kindern und gleichzeitig der Entlastung von Eltern. In einer Zeit, in der es in den einzelnen Familien immer weniger Kinder gibt und immer mehr Kinder als Einzelkinder aufwachsen, haben Kindergruppen auch in Hinblick auf die Möglichkeit sozialen Lernens Bedeutung. 48
HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
Außerdem belegen zahlreiche Studien, dass im Sinne der Erhöhung der Chancengleichheit von Kindern mit unterschiedlichem familiären Hintergrund Maßnahmen zum Ausbau finanziell erschwinglicher und qualitativ hochwertiger vorschulischer Bildungs- und Betreuungseinrichtungen von großer Bedeutung sind. Denn hinsichtlich des Erwerbs von Bildung – und damit auch von Einkommenschancen – spielen die ersten Lebensjahre in der Entwicklung eines Menschen eine nicht zu unterschätzende Rolle.1 Vor allem für Alleinerziehende und Paare, die sich nicht an der traditionellen Rollenverteilung orientieren, sondern sich die familiäre Arbeit ebenso wie die finanzielle Verantwortung für die Familie partnerschaftlich teilen wollen, aber auch für Familien mit Migrationshintergrund, ist ein Defizit an Kinderbetreuungseinrichtungen problematisch. Tatsächlich ist im Bereich Kinderbetreuung in Vorarlberg ab dem Jahr 2000 sehr viel in Bewegung gekommen. Auf Initiative von Eltern, Vereinen, Land und Gemeinden entstanden zunehmend (Klein-)Kindergruppen. Tabelle 11: Kinderbetreuungsquoten nach Alter der Kinder 2012/13 Region 0 bis unter 3 Jahre Vorarlberg Österreich
19,0 20,8
Altersgruppen der Kinder 3-Jährige 4-Jährige *) in % 77,3 100,0 81,5 94,3
5- Jährige 98,1 95,9
*)
Anteil der Kinder in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen im Vergleich zur gleichaltrigen Wohnbevölkerung Quelle: Statistik Austria –Kindertagesheimstatistik 2012/13
Die Betreuungsquote der Dreijährigen ist in Vorarlberg laut Bundesstatistik2 deutlich angestiegen, allein zwischen den Kindergartenjahren 2006/07 und 2012/13 von 48,8 auf 77,3 Prozent Tab. 11), also um 28,5 Prozentpunkte. Während Vorarlberg 2006/07 bei den Dreijährigen noch die niedrigste Betreuungsquote aller Bundesländer hatte, ist diese in Vorarlberg inzwischen höher als in den Bundesländern Kärnten und Steiermark. Das Angebot an außerfamiliärer Betreuung für Kinder von 0 bis unter drei Jahren ist laut OECD österreichweit „unzulänglich“. Das sogenannte Barcelona-Ziel der Europäischen Union lautet, 1
Vgl. Altzinger u.a.. Die Bundesstatistik (Kindertagesheimstatistik von Statistik Austria) zählt nur Einrichtungen, die mindestens an vier Tagen und nicht weniger als 15 Stunden pro Woche geöffnet sind zu den institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen. Das aber trifft nur auf einen Teil der Vorarlberger Spielgruppen zu. Die Vorarlberger Landesstatistik berücksichtigt hingegen alle vom Land geförderten Kinderbetreuungseinrichtungen unabhängig von den Öffnungszeiten und weist daher für Dreijährige eine deutliche höhere Betreuungsquote aus (86,4 %). 2
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HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren auf 33 Prozent zu erhöhen. Dieses Ziel wird in Österreich nur in Wien erreicht. Die Betreuungsquote der Kinder unter drei Jahren hat sich in Vorarlberg in den letzten sechs Jahren zwar mehr als verdoppelt, sie stieg von 9,4 Prozent im Kindergartenjahr 2006/07 auf 19 Prozent im Kindergartenjahr 2012/13 (Tab. 11). Sie liegt damit nur unwesentlich unter dem Österreichdurchschnitt (20,8 %), aber um rund 12 Prozentpunkte unter dem Barcelona-Ziel. Was die Betreuung von Kindern im dritten Lebensjahr (= Kinder zwischen zwei und drei Jahren) anlangt, liegt Vorarlberg (40,9 %) nach dem Burgenland, Wien und Niederösterreich an vierter Stelle der Bundesländer. Seit dem Jahr 2008 sind aufgrund einer Novellierung des Kindergartengesetzes auch in Vorarlberg so wie in all übrigen Bundesländern Kindergärten für Kinder ab drei Jahren zugänglich. In der Übergangsphase sind die Gemeinden dazu angehalten, Bedarfserhebungen durchzuführen. Wenn Eltern Bedarf für einen Kindergartenplatz für Dreijährige anmelden, muss die Gemeinde eine Betreuungsmöglichkeiten finden – in Zusammenarbeit mit Kindergärten von Nachbargemeinden, (Klein-)Kinderbetreuungseinrichtungen oder Tagesmüttern. Das Land stellt sicher, dass die Betreuung für Dreijährige, unabhängig davon, wo sie erfolgt, nicht teurer ist als in einem Kindergarten. Die Erwerbstätigenquote von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren ist in Vorarlberg etwa gleich hoch (76,8 %) wie im Österreichdurchschnitt (76,6 %), der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen (78,5 %) ist in Vorarlberg aber höher als im Österreichdurchschnitt (71,8 %). Während bei Frauen das Vorhandensein und das Alter der Kinder (bzw. das Vorhandensein entsprechender Kinder-betreuungseinrichtungen) Einfluss darauf haben, ob und in welchem zeitlichen Ausmaß sie erwerbstätig sind, hat das Vorhandensein von Kindern bzw. Kinderbetreuungseinrichtungen so gut wie keinen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung von Männern. Einschlägige Untersuchungen zeigen gleichzeitig die Notwendigkeit, die institutionelle Kinderbetreuung im Interesse von Kindern und Eltern weiter auszubauen und den speziellen Bedürfnissen unterschiedlicher Berufs- und Bevölkerungsgruppen gezielt anzupassen. Was die Kinderbetreuungsquoten betrifft, so liegt Vorarlberg bei den Kindern unter vier Jahren innerhalb Österreichs etwa im Mittelfeld, was die Betreuung der vier- und fünfjährigen Kinder betrifft, liegt die Quote in Vorarlberg über dem Österreichdurchschnitt. Trotzdem gibt es, das zeigen einschlägige Befragungen, Probleme, und zwar vor allem hinsichtlich der Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen. Vorarlberg hat von allen Bundesländern den höchsten Anteil (27,6 %) an halbtägig geführten Betreuungseinrichtungen (Österreich: 10 %). Insgesamt sind etwas mehr als die Hälfte (51 %) der 50
HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
außerfamiliär betreuten Kinder in Vorarlberg nur am Vormittag in einer Betreuungseinrichtung (Österreich: 41 %). Eine Mittagsbetreuung für Kinder in außerfamiliären Einrichtungen ist in Vorarlberg nach wie vor relativ selten. Zwar ist der Anteil der Kinder, die in einer Betreuungseinrichtung ein Mittagessen einnehmen, in Vorarlberg von 19 Prozent im Jahr 2006/07 auf 26,8 Prozent im Jahr 2012/13 gestiegen. Vorarlberg hat aber verglichen mit den übrigen Bundesländern diesbezüglich immer noch den geringsten Anteil (Österreich: 58,2 %). Am größten ist der Anteil der Kinder, die zu Mittag verköstigt werden, in Vorarlberg in den Schülerbetreuungseinrichtungen. In diesen essen 66 Prozent der SchülerInnen zu Mittag (Österreich: 90,3 %). Tabelle 12: Kinder in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen nach Berufstätigkeit der Mutter 2012/13 Region
Vorarlberg Österreich
Mutter berufstätig Mutter nicht berufstätig Vollzeitbeschäftigt Teilzeitbeschäftigt Anteile der Kinder in Betreuungseinrichtungen in % 12,3 54,6 32,5 25,8 38,9 34,7
Quelle: Statistik Austria - Kindertagesheimstatistik 2012/13
Tabelle 13: Kinder in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen nach Berufstätigkeit des Vaters 2012/13 Region
Vorarlberg Österreich
Vater berufstätig Vater nicht berufstätig Vollzeitbeschäftigt Teilzeitbeschäftigt Anteil der Kinder in Betreuungseinrichtungen in % 84,1 1,4 3,4 78,1 1,6 6,9
Quelle: Statistik Austria - Kindertagesheimstatistik 2012/13
Die
Probleme
hinsichtlich
Öffnungszeiten
betreffen
auch
die
Betriebssperren
von
Kinderbetreuungseinrichtungen. Im Österreichdurchschnitt haben institutionelle Kinderbetreuungseinrichtungen 28 Betriebstage pro Jahr geschlossen. Steiermark und Vorarlberg haben von allen Bundesländern die meisten Schließtage (Steiermark: 55; Vorarlberg: 48 Tage). 32,5 Prozent der Kinder, die in Vorarlberg Betreuungseinrichtungen besuchen, haben derzeit eine nicht berufstätige Mutter (Tab. 12). Im Kindergartenjahr 2006/07 war dieser Prozentsatz noch deutlich höher (47 %). Parallel dazu ist der Anteil der Kinder mit teilzeitbeschäftigten Müttern deutlich gestiegen – von 40,6 Prozent im Kindergartenjahr 2006/07 auf derzeit 54,6 Prozent. 51
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12,3 Prozent der Kinder in Betreuungseinrichtungen haben derzeit eine vollzeitbeschäftigte Mutter: Dieser Anteil hat sich gegenüber 2006/07 praktisch nicht verändert. Der Anteil der Kinder in Betreuungseinrichtungen, die eine vollzeitbeschäftigte Mutter haben, ist in Vorarlberg nur knapp halb so hoch wie im Österreichdurchschnitt (25,8 %). Das dürfte nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dass der Anteil der ganztägig geführten Kinderbetreuungseinrichtungen, die über Mittag geöffnet sind, in Vorarlberg mit 59 Prozent deutlich geringer ist als in anderen Bundesländern (Österreich: 89 %) Mit der Vollzeitarbeit von Eltern bzw. mit einer Teilzeitarbeit mit hoher Wochenstundenzahl sind solche Regelungen nicht ohne weiteres vereinbar. Tatsächlich ist, wie sich zeigt, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Realität ein „Frauenproblem“. Frauen mit Kindern stecken beruflich zurück; der Anteil der Frauen, die der Kinder wegen auf die Berufstätigkeit ganz verzichtet, wird zwar geringer. In zunehmenden Maß sind Frauen mit Kindern teilzeitbeschäftigt. An der Vollzeitarbeit von Männern ändert hingegen das Vorhandensein von Kindern nichts: Von den in Kinderbetreuungseinrichtungen betreuten Kindern hat nur eine Minderheit (12,3 %) eine vollzeitbeschäftigte Mutter; die überwiegende Mehrheit (84,1 %) aber hat einen vollzeitbeschäftigten Vater. Eine partnerschaftliche Teilung der unbezahlten und der bezahlten Arbeit gibt es bestenfalls ansatzweise. Elf Prozent der in Vorarlberger Kinderbetreuungseinrichtungen betreuten Kinder haben eine alleinerziehende Mutter, aber nur 0,7 Prozent einen alleinerziehenden Vater. KLEINKINDERBETREUUNG Spielgruppen: 1.460 Kinder besuchten 2012/13 in Vorarlberg sogenannte Spielgruppen. Bei diesen betreuten Gruppen handelt es sich zumeist um Elterninitiativen. Sie bieten Kindern vor allem im Alter zwischen zwei und unter vier Jahren die Möglichkeit, regelmäßig mit Gleichaltrigen zu spielen. Allerdings haben nicht alle Gruppen täglich Betrieb. Diese Spielgruppen – insgesamt gibt es derzeit 73 solcher Initiativen - erfreuen sich großer Beliebtheit, lösen jedoch nicht die Betreuungsprobleme erwerbstätiger Eltern. Tatsächlich haben 55 Prozent der Kinder, die Spielgruppen besuchen, nicht berufstätige Mütter und nur vier Prozent vollzeitbeschäftigte Mütter. Der Anteil der Kinder mit nicht deutscher Muttersprache in den Spielgruppen beträgt nur knapp neun Prozent. Allgemeine (Klein-) Kinderbetreuungseinrichtungen: 2012/13 wurden rund 3.000 Kinder in 94 allgemeinen (Klein-) Kinderbetreuungseinrichtungen betreut (2006/07: 1.860 Kinder in 55 Einrichtungen). 92 Prozent der in (Klein-)Kinder52
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betreuungseinrichtungen betreuten Kinder sind zwischen einem und vier Jahre alt. Die meisten dieser Einrichtungen werden von Vereinen oder Gemeinden organisiert. Die Gruppen müssen Montag bis Freitag mindestens fünf Stunden und ganzjährig geöffnet sein bzw. für eine eigene Ferienregelung vorsorgen, um seitens des Landes eine Förderung von 50 Prozent der Personalkosten zu erhalten. Die Kategorie allgemeine (Klein-)Kindergruppen umfasst außer Kleinkindergruppen auch kindergartenähnliche Gruppen für Kinder bis sechs Jahre sowie altersgemischte Gruppen. 18 Prozent der in diesen Einrichtungen betreuten Kinder haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Tagesmütter: Insgesamt waren im Jahr 2012 in Vorarlberg 149 Tagesmütter aktiv (1999: 221; 2003: 202; 2009: 181). Sie betreuten zusammen 446 Kinder (1999: 400; 2003: 290; 2009: 520). Die Vermittlung erfolgt über die gemeinnützige GmbH Vorarlberger Tagesmütter, bei der die Tagesmütter auch alle angestellt sind. Das Alter der von Tagesmüttern betreuten Kinder: 0 – 2 Jahre: 39 Prozent 3 – 5 Jahre: 31 Prozent 6 – 9 Jahre: 23 Prozent 10 Jahre und älter: 7 Prozent. Nach Bezirken teilt sich die Zahl der betreuten Kinder folgendermaßen auf: Bezirk Bregenz: 31 Prozent Bezirk Feldkirch: 28 Prozent Bezirk Bludenz: 21 Prozent Bezirk Dornbirn: 20 Prozent Um die Qualität der Ausbildung sicherzustellen, erhalten die Tagesmütter eine berufsbegleitende Ausbildung, die drei Semester dauert, zusätzlich ist eine Abschlussarbeit zu erstellen und ein Praktikum zu absolvieren. KINDERGÄRTEN Im Kindergartenjahr 2012/13 wurden in den 250 Vorarlberger Kindergärten 9.370 Kinder betreut. 30 Prozent der Kindergartenkinder haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Das heißt, Kindergärten sind – zusammen mit den Schülerbetreuungseinrichtungen - jene 53
HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
Einrichtungen, in denen Kinder mit nicht deutscher Muttersprache am stärksten vertreten sind. 1.195 Kindergartenkinder (knapp 13 %) haben eine andere als die österreichische Staatsbürgerschaft. Von den Kindern mit ausländischer Staatsbürgerschaft haben 29 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft und 27 Prozent die türkische. Die Zahl der Kindergärten stieg in Vorarlberg zwischen den Kindergartenjahren 2006/07 und 2012/13 von 234 auf 250, die Zahl der Kindergärtnerinnen von 727 auf 1.125. Letzteres erwies sich als notwendig aufgrund der zunehmenden Aufnahme dreijähriger Kinder, der gezielten Sprachförderung speziell für Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, sowie der Führung von Integrationsgruppen. Die Quote der in Kindergärten betreuten Dreijährigen stieg von 18 Prozent im Jahr 2006/07 auf 42,1 Prozent im Jahr 2012/13. Die Quote der in Kindergärten betreuten Vierjährigen beträgt 96,5 Prozent und die der Fünfjährigen 97 Prozent. Kinderbetreuung über Mittag hat in Vorarlberg wenig Tradition. Insgesamt essen elf Prozent der Kinder in Vorarlbergs Kindergärten zu Mittag. (Österreichweit sind es 45 % und in Wien 77 %). BETREUUNG VON SCHULKINDERN Die Tatsache, dass Österreichs Schulen traditionell Halbtagsschulen sind – ein für die deutschsprachigen Länder charakteristisches Phänomen - ist speziell für Mütter bzw. berufstätige Eltern schulpflichtiger Kinder ein Problem. Denn diese Regelung setzt stillschweigend voraus, dass am Nachmittag jemand zu Hause ist, der die Kinder versorgt und sich darum kümmert, dass sie ihre Hausübungen machen. Tatsächlich aber sind inzwischen etwas mehr als drei Viertel der Vorarlbergerinnen mit Kindern unter 15 Jahren erwerbstätig. Im Bereich der Nachmittagsbetreuung von Kindern im Pflichtschulalter hat Vorarlberg in den vergangenen Jahren enorme Leistungen vollbracht. Schülerbetreuungseinrichtungen hatten in Österreichs westlichstem Bundesland keine Tradition. Erst in den 1990er-Jahren entstand in Vorarlberg eine erste Schülerbetreuungseinrichtung, die etliche Jahre hindurch die einzige blieb. Im Schuljahr 2006/07 gab es bereits 129 Schülerbetreuungsangebote, in denen 5.617 Kinder betreut wurden. Inzwischen beträgt die Zahl der Einrichtungen 144, und die Zahl der betreuten SchülerInnen stieg auf über 7.800. Soweit die Daten der Vorarlberger Landesstatistik betreffend das Schuljahr 2012/13.
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HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
Von diesen 144 Einrichtungen entsprechen 69 den Vorgaben von Statistik Austria bezüglich institutioneller Kinderbetreuung1 und scheinen daher auch in der bundesweiten Kindertagesheimstatistik auf. In diesen 69 Einrichtungen wurden im Schuljahr 2012/13 4.412 Vorarlberger SchülerInnen betreut. 2006/07 hatte die Zahl der Schülerbetreuungseinrichtungen, die zumindest an vier Tagen und 15 Stunden pro Woche geöffnet hatten, 51 betragen und die Zahl der betreuten SchülerInnen 2.466. Das heißt, die Zahl der entsprechend den Kriterien von Statistik Austria betreuten SchülerInnen ist um fast 80 Prozent gestiegen. Die Schülerbetreuungseinrichtungen werden von Kindern aus Migrantenfamilien in Relation zu ihrem Anteil innerhalb der Bevölkerung ebenso genutzt wie von Kindern mit deutscher Muttersprache. Rund ein Drittel der betreuten SchülerInnen hat eine andere Muttersprache als Deutsch. Diese Kinder erhalten in den Einrichtungen Lernhilfe, eine Unterstützung, die ihnen die eigene Familie meist nicht geben kann. PERSONAL IN KINDERBETREUUNGSEINRICHTUNGEN Kinderbetreuung war traditionell Frauensache und daran hat sich offenbar wenig geändert. Tabelle 14: Personal*) in Vorarlbergs Kinderbetreuungseinrichtungen nach Geschlecht Betreuungseinrichtung Allgemeine Kinderbetreuungseinrichtung Spielgruppe Kindergarten Schülerbetreuung Gesamt
Frauen 497 198 1.507 686 2.888
Frauenanteil in % 98,6
Männer
Männeranteil in %
7
1,4
99,5 99,6 80,9
1 6 162 176
0,5 0,4 19,1
94,3
5,7
ohne „Reinigungs- und Hauspersonal“ Quelle: Vorarlberger Landesstatistik – Kindertagesheimstatistik 2012/13
*)
Weder im familiären noch im institutionellen Bereich. Im Bereich Spielgruppen, allgemeine Kinderbetreuung und Kindergärten beträgt der Männeranteil am Personal nicht einmal ein Prozent (0,6 %). Einzig im Bereich Schülerbetreuung, wo das Personal überwiegend aus Lehrpersonen besteht, beträgt der Lehreranteil 19,1 Prozent, das heißt Männer stellen ein knappes Fünftel des Personals (Tab. 14).
1
Das heißt, sie haben an mindestens vier Tagen und an mindestens 15 Stunden pro Woche geöffnet.
55
HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
UNTERSTÜTZUNG UND PFLEGE HILFSBEDÜRFTIGER ERWACHSENER Ebenso wie Hausarbeit und Kinderbetreuung ist auch die Pflege hilfsbedürftiger Erwachsener vorwiegend Frauensache. Der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre), die regelmäßig hilfs- und pflegebedürftige erwachsene Familienangehörige oder Verwandte betreuen, beträgt österreichweit 7,7 Prozent. Das ergab eine Erhebung von Statistik Austria aus dem Jahr 2010. Für Vorarlberg liegen diesbezüglich keine speziellen Daten vor. Der Großteil der Pflegenden sind weibliche Familienangehörige. Jede zehnte Frau (9,8 %), aber nur knapp jeder 18. Mann (5,7 %) leisten regelmäßig unentgeltlich Pflegearbeit. An diesen Zahlen hat sich seit Jahren so gut wie nichts geändert. Eine Erhebung fünf Jahre davor war zu einem fast identen Ergebnis gekommen: Zehn Prozent der Frauen und 6,3 Prozent der Männer leisteten 2005 regelmäßig familiäre Pflegearbeit. Tatsächlich ist der Anteil der unentgeltlich pflegenden Familienangehörigen, und zwar vor allem der weiblichen, größer, da die Erhebungen von Statistik Austria sich nur auf pflegende Personen im Alter zwischen 15 und 64 beziehen. Personen, die regelmäßig hilfs- und pflegebedürftige Erwachsene betreuen, sind jedoch oft selbst bereits 65 Jahre oder älter. Die Tatsache, dass für die Betreuung pflegebedürftiger Erwachsener primär Frauen zuständig sind, bedeutet für Männer ein hohes Maß an Absicherung. Für Frauen hingegen ein doppeltes Risiko: Solange Frauen gesund sind, pflegen sie hilfsbedürftige und ältere Angehörige. Wenn sie in höherem Alter selbst Pflege benötigen, lebt möglicherweise kein Familienmitglied mehr in der Nähe, das die erforderlichen Pflegeleistungen erbringen könnte. Tatsächlich ist das Geschlechterverhältnis bei den Pflegebedürftigen ähnlich asymmetrisch wie bei den Pflegenden. 64 Prozent der PflegegeldbezieherInnen sind – aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung - in Vorarlberg Frauen (Österreich: 66 %). Aufgrund der demografischen Alterung der Gesellschaft wird der Anteil älterer Menschen in den kommenden Jahrzehnten steigen, während sich der Anteil jüngerer Menschen verringern wird. Das heißt, die Zahl der Personen, die aufgrund körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen auf Unterstützung angewiesen ist, nimmt zu, während sich die Zahl der Jüngeren, die Hilfe leisten könnten, verringert. Auch aufgrund der zunehmenden Erwerbstätigkeit von Frauen wird die Nachfrage nach außerfamiliären Pflegeleistungen (z. B. mobile Sozialdienste) steigen. Die Bedeutung der Mobilen Hilfsdienste und des Hauskrankenpflege-Fachdienstes nimmt stetig zu. Diese ambulanten Dienste tragen in Vorarlberg wesentlich dazu bei, dass alte und 56
HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich in der ihnen vertrauten Umgebung bleiben können. 2012 betrug die Zahl der örtlichen Mobilen Hilfsdienste in Vorarlberg 51. Die Anzahl der betreuten Personen stieg im Zeitraum 1996 bis 2012 kontinuierlich von 832 auf 4.458 und die der HelferInnen von 488 auf 2.015 (68 davon waren Männer). Die Anzahl der Einsatzstunden erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 89.455 auf 584.621. Die betreuten Personen sind zu 71 Prozent Frauen; 56 Prozent der Betreuten sind älter als 80 Jahre. 96,3 Prozent der im Rahmen der Mobilen Hilfsdienste tätigen Personen sind Frauen. Es handelt sich zumeist um „Laien“-Helferinnen, die aber für ihre Tätigkeit eine Grundschulung erhalten. Die Beschäftigungsformen der HelferInnen: o
67 Prozent sind Neue Selbständige (Vermittlungsverträge)
o
31 Prozent sind Freie DienstnehmerInnen, davon 68 Prozent mit einer Bezahlung unter der Geringfügigkeitsgrenze, aber angemeldet bei der Vorarlberger Gebietskrankenkasse, also auch kranken- und pensionsversichert,.
o
1,3 Prozent haben fixe Dienstverhältnisse (meist Gemeindeangestellte mit einer Bezahlung unter der Geringfügigkeitsgrenze)
o
0,7 Prozent sind ehrenamtlich tätig
Die Hauskrankenpflege Vorarlberg umfasste im Jahr 2012 66 Krankenpflegevereine. Pro 2.200 EinwohnerInnen ist im Durchschnitt eine vollbeschäftigte Pflegekraft tätig. In den Krankenpflegevereinen waren 299 Pflegekräfte angestellt (255 diplomierte PflegerInnen und 44 PflegehelferInnen). 93 Prozent davon sind Frauen. Sie betreuten 7.927 pflegebedürftige Menschen und führten rund 375.000 Hausbesuche durch. 66 Prozent der PatientInnen waren Frauen, 65 Prozent davon über 80 Jahre alt. Obwohl es in Relation zur Einwohnerzahl in Vorarlberg zunehmend mehr Pflegefachkräfte gibt, sich die Pflegedichte also kontinuierlich erhöht, ist der weitere Ausbau bestehender Sozialdienste unumgänglich – einerseits zur Entlastung privater Betreuungspersonen, andererseits zur Sicherstellung der Pflege und Betreuung hilfsbedürftiger Menschen. Denn allein aufgrund der demografischen Entwicklung wird das familiäre Pflegepotential geringer, gleichzeitig aber kommen auf diesen Personenkreis infolge der Alterung der Bevölkerung vermehrt Pflegeaufgaben zu. 2007 wurde bundesweit die Möglichkeit geschaffen, die illegalen Beschäftigungsverhältnisse in der häuslichen 24-Stunden-Pflege, die in den davor liegenden 15 Jahren immer zahlreicher geworden waren, zu legalisieren. Die zum allergrößten Teil aus süd- und osteuropäischen EULändern stammenden Pflegekräfte arbeiten zum weit überwiegenden Teil als Selbständige (mit Werkvertrag). Im Mai 2012 waren in Vorarlberg 1.800 Personen als selbständige PersonenbetreuerInnen registriert, das bedeutet einen Anstieg von mehr als 50 Prozent in den Jahren 2010 57
HAUSARBEIT/ KINDERBETREUUNG/ PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
bis 2012. 92 Prozent der registrierten selbständigen PersonenbetreuerInnen sind Frauen. Zumeist wird im Rahmen der 24-Stunden Pflege eine pflegebedürftige Person von zwei verschiedenen selbständigen Pflegerinnen betreut, die sich im Zwei-Wochen-Rhythmus abwechseln. Liegt das monatliche Netto-Einkommen der pflegebedürftigen Person unter € 2.500,-, erhält diese für die Finanzierung der 24-Stunden-Pflege aus Mitteln des Unterstützungsfonds für Behinderte eine finanzielle Unterstützung. 2012 gewährte das Bundessozialamt 958 VorarlbergerInnen (2009: 623), die im Rahmen der 24-Stunden-Pflege betreut wurden, eine Unterstützung. Fast alle der unterstützten Pflegepersonen wurden von selbständig tätigen PersonenbetreuerInnen gepflegt. So sehr pflegebedürftigen Personen mit dieser Regelung geholfen ist, wird sie von den Interessenvertretungen der ArbeitnehmerInnen auch kritisch gesehen, denn nach dem Stand der Judikatur ist häusliche Betreuung eine geradezu typische Form abhängiger Beschäftigung. „Die Senkung geltender arbeits- und sozialrechtlicher Standards wurde als Preis für geringere Kosten bewusst in Kauf genommen.1 Als Ergänzung zu den Mobilen Hilfsdiensten und der Hauskrankenpflege nahm im Oktober 2007 in Vorarlberg ein Betreuungspool, der selbständig tätige Personenbetreuerinnen vermittelt, seine Arbeit auf. 2012 waren in diesem Rahmen 341 BetreuerInnen im Einsatz (2009: 148). Von diesen 341 BetreuerInnen sind o
311 Frauen und 30 Männer (Männeranteil: 8,8 %)
o
42 VorarlbergerInnen und 299 EU-AusländerInnen (zum größten Teil mit Hauptwohnsitz in der Slowakei).
Der Betreuungspool bietet sowohl Kurzzeitpflege an, beispielsweise zur Entlastung pflegender Angehöriger (Wochenende, Urlaub) als auch Langzeitpflege im Ausmaß von vier bis 24 Stunden pro Tag. Case- und Caremanagement sind die maßgeblichen Instrumente mit denen das Land Vorarlberg seit 2011 ganz gezielt dafür sorgt, dass auch in Zukunft in allen Regionen des Landes eine optimale Versorgung pflege- und betreuungsbedürftiger Menschen sichergestellt und laufend weiterentwickelt wird.
1
Pirklbauer /Völkerer, 139.
58
AUSBILDUNG
AUSBILDUNG Bildung ist nicht nur Selbstzweck, sondern ein ganz wesentliche Voraussetzung für die Realisierung von Chancengleichheit vor allem in den Bereichen Erwerbstätigkeit und Einkommen sowie gesellschaftliche und politische Teilhabe. Welche Möglichkeiten bietet das Bildungssystem, geschlechtsbedingten und sozialen Ungleichheiten entgegenzuwirken? Was sind die Ursachen für die geschlechtsspezifisch unterschiedliche Nutzung von Bildungschancen? Diese Fragen sind ein grundlegendes Thema der Gleichstellungspolitik.
AUSBILDUNGSNIVEAU Das Ausbildungsniveau der Vorarlberger Bevölkerung hat sich ebenso wie jenes der österreichischen Bevölkerung insgesamt in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. Allein zwischen 1981 und 2010 ist der Anteil der VorarlbergerInnen zwischen 25 und 64 Jahren, die maximal Pflichtschulausbildung haben, um 21,4 Prozentpunkte zurückgegangen. Der Anteil der VorarlbergerInnen mit einem Tertiärabschluss (Universität, Fachhochschule, Akademie oder Kolleg) stieg im gleichen Zeitraum um 21,6 Prozentpunkte. Geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich des Bildungsniveaus gehören in Vorarlberg ebenso wie im gesamten Bundesgebiet der Vergangenheit an. Bereits seit den 1990-er Jahren maturieren in Vorarlberg mehr Mädchen als Burschen, 2011 betrug der Frauenanteil an den MaturantInnen 58 %. Der Anteil der Frauen an den aus Vorarlberg stammenden Studierenden an öffentlichen Universitäten in Österreich beträgt 50 Prozent, der Frauenanteil an den StudienabsolventInnen 51 Prozent. Das heißt, Frauen haben den traditionellen Bildungsrückstand aufgeholt. Jedenfalls in der jüngeren Generation. Die Vorarlberger Bildungssituation weist jedoch einige Besonderheiten auf:
Vorarlberg hat von allen Bundesländern den höchsten Anteil an Personen, die „nur“ Pflichtschulausbildung haben. 24,7 Prozent der in Vorarlberg lebenden Personen zwischen 25 und 64 Jahren haben maximal Pflichtschulausbildung (Österreich: 19,4 %). Dies dürfte zum Teil jedenfalls - auf den relativ hohen Anteil an MigrantInnen an der Wohnbevölkerung zurückzuführen sein (oder richtiger: auf die Tatsache, dass in der Vergangenheit vorwiegend Arbeitskräfte für Tätigkeiten mit geringen Qualifikationserfordernissen ins Land kamen bzw. geholt wurden und der Bildungsstatus von Kindern in Österreich stärker als in anderen Staaten vom Bildungsniveau der Eltern abhängig ist). Österreichweit zeigt sich, dass nur ein relativ kleiner Anteil der SchülerInnen mit deutscher Umgangssprache nach Beendigung der 59
AUSBILDUNG
Sekundarstufe I keine weitere Ausbildung erhält (3,4 %), von den SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache sind es hingegen knapp elf Prozent.
Nur 23 Prozent der VolksschulabgängerInnen treten in Vorarlberg in eine AHS-Unterstufe über (Österreich: 33,4 %). Damit hat Vorarlberg die niedrigste AHS-Übertrittsrate aller Bundesländer. Erklärbar ist dies im Wesentlichen durch die Siedlungsstruktur Vorarlbergs. Grundsätzlich gilt in diesem Zusammenhang: Je größer der Wohnort, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, nach der Volksschule in eine AHS-Unterstufe überzutreten. In Wien tritt die Hälfte der VolkschülerInnen in eine AHS über, in Städten mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.000 und 100.000 sind es 39 Prozent. In kleineren Städten und Orten sind es rund ein Viertel der VolksschülerInnen. Das heißt, in ländlichen Gebieten ist die Wahrscheinlichkeit, eine AHS-Unterstufe zu besuchen, nur halb so groß wie in einer Großstadt. Dieser Trend setzt sich – allerdings in abgeschwächter Form - in der Sekundarstufe II fort: In der 9. Schulstufe besucht die Hälfte der Vorarlberger Jugendlichen eine höhere Schule (Österreich: 60 %).
Tabelle 15: Ausbildungsniveau der Vorarlberger Wohnbevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Geschlecht 1981 - 1991 – 2001 - 2010 Höchste abgeschlossene Ausbildung Pflichtschule*)
Lehre
Berufsbildende mittlere Schule (BHS)
Höhere Schule (AHS + BHS)
Hochschulverwandte Lehranstalt und Universität/Hochschule
*) Inklusive
Jahr 1981 1991 2001 2010 1981 1991 2001 2010 1981 1991 2001 2010 1981 1991 2001 2010 1981 1991 2001 2010
Frauen in % 65,8 52,5 40,0 29,1 13,9 20,1 25,1 28,1 15,0 17,9 20,1 20,1 3,5 5,2 7,6 11,6 1,7 4,3 7,3 11,2
Personen ohne Pflichtschulabschluss Quelle: Statistik Austria - 1981, 1991, 2001 Volkszählung, 2010 Bildungsstandregister
60
Männer in % 43,1 33,4 26,4 20,4 34,3 40,8 46,3 41,4 11,1 11,5 9,4 15,1 6,7 7,7 8,9 11,1 4,7 6,5 9,0 12,1
AUSBILDUNG
Der Anteil der Personen mit einem Sekundarabschluss (= Abschluss einer Lehre, mittleren oder höheren Schule) liegt in Vorarlberg mit 62,9 Prozent um nicht ganz drei Prozentpunkte unter dem Österreichdurchschnitt (65,7 %).
Was den Anteil der Studierenden betrifft, so liegt Vorarlberg gemäß österreichischer Schulstatistik - unter allen Bundesländern an letzter Stelle. Das ist nicht nur eine Folge davon, dass in Vorarlberg weniger SchülerInnen eine höhere Schule besuchen und abschließen, sondern auch daran, dass es in Vorarlberg selbst keine Universität gibt und manche Studierende ins benachbarte Ausland ausweichen. Die Erstimmatrikulationsquote an Universitäten (18- bis 21-jährige Inländerinnen) beträgt in Vorarlberg lediglich 16,8 Prozent (Österreich: 26,1 %). Als Folge davon ist auch der Anteil der UniversitätsstudentInnen (18bis 25-jährige InländerInnen) deutlich geringer (16,9 %) als im Österreichdurchschnitt (28,5 %). Statistisch nicht erfasst sind jedoch Studierende aus Vorarlberg, die im benachbarten Ausland studieren. Die Studierendenquote an Fachhochschulen ist für Vorarlberg mit 3,3 Prozent ebenfalls geringer als im Österreichdurchschnitt (4,7 %).
Tabelle 16: Höchste abgeschlossene Ausbildung der Vorarlberger Wohnbevölkerung und der Vorarlberger Erwerbstätigen nach Geschlecht 2012 Höchste abgeschlossene Ausbildung Pflichtschule Lehre Berufsbildende mittlere Schule (BMS) Allgemeinbildende höhere Schule (AHS) Berufsbildende höhere Schule (BHS) Hochschulverwandte Lehranstalt, Universität und Hochschule Gesamt
Wohnbevölkerung ab 15
Erwerbstätige (ILO- Konzept*) Frauen in % Männer in % 17,7 17,1 30,9 47,0 22,3 11,2
Frauen in % 32,3 25,3 21,2
Männer in % 23,5 44,4 11,2
4,2
3,0
5,0
3,0
7,3
7,3
10,2
8,7
9,7
10,6
13,9
13,0
100
100
100
100
Erwerbstätige sind Unselbständige und Selbständige sowie mithelfende Angehörige inklusive Personen in Elternkarenz und BezieherInnen von Kinderbetreuungsgeld mit aufrechtem Dienstverhältnis, ohne Präsenz- und Zivildiener sowie Arbeitslose. Das ILO-Konzept erfasst alle Personen, die zumindest eine Stunde pro Woche in der Referenzwoche Bezahlung arbeiten. Quelle: Statistik Austria - Arbeitsmarktstatistiken 2012; eigene Berechnungen
*)
61
AUSBILDUNG
Der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss (= Abschluss einer hochschulverwandten Lehranstalt, Universität oder Hochschule) liegt in Vorarlberg mit 12,4 Prozent um zweieinhalb Prozentpunkte unter dem Österreichdurchschnitt (14,9 %).
GESCHLECHTSSPEZIFISCHE UNGLEICHHEITEN Das Bildungsniveau der Frauen stieg in den letzten Jahrzehnten stärker an als jenes der Männer. Das heißt, die traditionellen Unterschiede im Bildungsniveau von Frauen und Männern verringerten sich deutlich (Tab. 15 und 16). Frauen haben aber bis dato nicht völlig gleichgezogen mit den Männern. In der jüngeren Generation sind Frauen jedoch sowohl bei den MaturantInnen und den Studierenden als auch bei den StudienabsolventInnen in der Mehrzahl. Tabelle 17: SchülerInnen in Vorarlberg nach Geschlecht und Schulart im Schuljahr 2011/2012 Schulart
Volksschule Hauptschule Neue Mittelschule Sonderschule Polytechnische Schule Allgemeinbildende Höhere Schule (AHS) Berufsschule Berufsbildende mittlere Schule (BMS) Berufsbildende höhere Schule (BHS) Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik
Zahl der Schülerinnen
Zahl der Schüler
Anteil der Schüler in %
8.632 1.323 5.268 722 827 3.574
Anteil der Schülerinnen in % 48,8 48,0 48,3 37,1 36,8 54,4
8.212 1.223 4.929 426 482 4.265 2.636 1.259
4.687 1.006
36,0 55,6
64,0 44,4
3.367
2.497
57,4
42,6
324
2
99,4
0,6
51,2 52,0 51,7 62,9 63,2 45,6
Quelle: Statistik Austria – Bildung in Zahlen 2011/12; eigene Berechnungen.
Die wesentlichen Unterschiede zwischen Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern hinsichtlich Bildungsniveau und Schulwahl (Tab. 16 und 17):
Der Anteil der Vorarlbergerinnen, die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung hat, ist in den letzten Jahrzehnten zwar kontinuierlich gesunken, ist aber – innerhalb der gesamten Wohnbevölkerung – immer noch 8,8 Prozentpunkte höher als jener der Männer.
Innerhalb der jüngeren Generation allerdings ist das Bildungsniveau der Frauen höher als jenes der Männer: Von den 1.766 aus Vorarlberg stammenden MaturantInnen des Jahres 2011 waren 57,5 % Frauen und nur 42,5 % Männer.
62
AUSBILDUNG
Von den aus Vorarlberg stammenden inländischen Studierenden, die 2011 ihr Studium an einer öffentlichen Universität in Österreich abschlossen, sind 51,1 Prozent Frauen und 48,9 Prozent Männer (Österreich: 55,2 % Frauen, 44,8 % Männer).
In Berufsschulen sind fast zwei Drittel der SchülerInnen (64 %) männlich, ähnlich ist das Geschlechterverhältnis in den Polytechnischen Schulen. Umgekehrt ist das Geschlechterverhältnis in den berufsbildenden mittleren Schulen, die mehrheitlich von Mädchen besucht werden.
In den höheren Schulen überwiegen die Mädchen. Das gilt nicht nur für die AHS-Unterstufe, sondern auch für die AHS-Oberstufe und die berufsbildenden höheren Schulen. In der 9. Schulstufe besuchen 55 Prozent der Mädchen eine höhere Schule, aber nur 45 Prozent der Burschen. Die deutlichsten Unterschiede zwischen Mädchen und Burschen zeigen sich jedoch nicht bei der Wahl der Schulart, sondern bei der Wahl der jeweiligen Fachrichtung – beginnend bei den Lehrberufen über die berufsbildenden mittleren bis zu den berufsbildenden höheren Schulen. Hier zeigt sich, dass die Mehrheit der SchülerInnen bei Berufs- bzw. Schulwahl traditionellen Rollenklischees folgt. (Siehe dazu den Abschnitt „Schul-, Studien- und Berufswahl“).
Eine zentrale Aufgabe von Bildungssystemen ist es, Chancengleichheit für junge Menschen zu gewährleisten; das würde – laut Nationalem Bildungsbericht 2009 - bedeuten, genderspezifische Kompetenzmuster nicht zu forcieren, sondern auszugleichen. Das aber ist offensichtlich nicht der Fall. GENDERSPEZIFISCHE KOMPETENZUNTERSCHIEDE Internationale ebenso wie nationale Studien zeigen, dass in Österreich (für Vorarlberg liegen diesbezüglich keine Daten vor) die Kompetenzunterschiede von Mädchen und Buben in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaft, Lesen und Sprache im Vergleich zu anderen EULändern relativ groß sind.1 Mathematik: Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich in Mathematik keineswegs in allen EU-Ländern. Sind solche Leistungsunterschiede jedoch vorhanden, so schneiden die männlichen Schüler immer besser ab. Im EU-Schnitt ist die Kompetenz der Burschen im Bereich Mathematik minimal höher als jene der Mädchen. In Österreich (und auch in Deutschland) gibt es im Bereich Mathematik hingegen signifikante Kompetenzunterschiede zwischen Mädchen und Burschen, und zwar sowohl in der Volksschule als auch in der 1
Vgl. Nationaler Bildungsbericht Österreich 2012, Bd. 1. 160 f.
63
AUSBILDUNG
Sekundarstufe II. Die 2013 erschiene PISA-Studie 2012 zeigt überdies, dass diese Komptenzunterschiede zwischen Mädchen und Burschen im Bereich Mathematik in Österreich nicht geringer werden, sondern sich kontinuierlich vergrößern. Naturwissenschaft: Im Bereich Naturwissenschaft ist in vielen EU-Staaten kein Leistungsunterschied zwischen den Geschlechtern feststellbar. Sofern es doch Leistungsunterschiede gibt, fallen diese - jedenfalls im Bereich der Volksschule - immer zugunsten der Buben aus. In Österreich (und Deutschland) sind bereits in der vierten Klasse Volksschule die Leistungen der Buben signifikant besser als jene der Mädchen; die Kompetenzunterschiede sind im EU-Vergleich relativ groß. Bei den 15-/16-Jährigen ist die Situation innerhalb der EU völlig uneinheitlich. Es gibt Länder mit einem signifikanten Vorsprung der Mädchen als auch Länder mit einem signifikanten Vorsprung der Burschen. In Österreich (und Deutschland) zeigen sich in dieser Altersgruppe keine signifikanten Geschlechtsunterschiede. Tendenziell schneiden allerdings in den PISA-Studien die Burschen besser ab. Lesen: Die stärksten geschlechtsspezifischen Unterschiede zeigen sich im Bereich Lesen, wo die Ergebnisse konträr sind zu jenen in Mathematik und Naturwissenschaft. In keinem Land lesen Burschen besser als Mädchen. In der 4. Klasse Volksschule ist der Vorsprung der Mädchen beim Lesen noch vergleichsweise gering Dieser Vorsprung verdoppelt sich jedoch bis zum Ende der Sekundarstufe I. In Österreich ist der Rückstand der 15-/16-jährigen Burschen im Bereich Lesen größer als im EU-Durchschnitt. Die Lesekompetenz aber ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die Kinder während ihrer ersten Schuljahre erwerben. Sie bildet die Voraussetzung für das Lernen in anderen Unterrichtsgegenständen ebenso wie für die lebenslange Weiterbildung. Deutsch und Englisch: Was die sprachliche Kompetenz anlangt, so sind die Leistungen der Mädchen deutlich besser als jene ihrer männlichen Mitschüler. Der Leistungsvorsprung der Mädchen in den sprachlichen Kompetenzbereichen des Deutschunterrichts vergrößert sich zwischen vierter und achter Schulstufe kontinuierlich. Ebenso groß sind die Unterschiede beim Schreiben – sowohl in Deutsch als auch in Englisch haben Mädchen beim Schreiben eine deutlich höhere Kompetenz. Das Geschlecht bzw. die Geschlechtsrollen sind allerdings nur eine der Ursachen für Kompetenzunterschiede; stärkeren Einfluss haben in diesem Zusammenhang die im Alltag gesprochene Sprache, das Bildungsniveau, der soziale Status der Eltern sowie die regionale Herkunft.
64
AUSBILDUNG
Tabelle 18: Nicht aufstiegsberechtigte SchülerInnen nach Schulart und Geschlecht, Vorarlberg 2010/11 Schulart Hauptschule + Neue Mittelschule Zahl der SchülerInnen Anteil der Schülerinnen in % Anteil der Schüler in % Nicht aufstiegsberechtige SchülerInnen Anteil der Schülerinnen in % Anteil der Schüler in % AHS-Unterstufe Zahl der SchülerInnen Anteil der Schülerinnen in % Anteil der Schüler in % Nicht aufstiegsberechtige SchülerInnen Anteil der Schülerinnen in % Anteil der Schüler in % AHS-Oberstufe Zahl der SchülerInnen Anteil der Schülerinnen in % Anteil der Schüler in % Nicht aufstiegsberechtige SchülerInnen Anteil der SchüleriInnen in % Anteil der Schüler in % Berufsbildende mittlere Schule (BMS) Zahl der SchülerInnen Anteil der Schülerinnen in % Anteil der Schüler in % Nicht aufstiegsberechtige SchülerInnen Anteil der Schülerinnen in % Anteil der Schüler in % Berufsbildende höhere Schule (BHS) Zahl der SchülerInnen Anteil der Schülerinnen in % Anteil der Schüler in % Nicht aufstiegsberechtige SchülerInnen Anteil der Schülerinnen in % Anteil der Schüler in %
Schuljahr 2010/11 13.126 48,7 51,3 189 44,4 55,6 4.016 52,1 47,9 165 38,2 61,8 3.860 55,6 44,4 323 48,6 51,4 2.060 58,2 41,8 233 50,6 49,4 5.111 58,2 41,8 398 44,0 56,0
Quelle: Statistik Austria - Bildung in Zahlen 2011/12
Unter den SchülerInnen sind die Mädchen erfolgreicher. Das gilt für alle Schularten (Tab. 18). Der Anteil der Mädchen an den nicht aufstiegsberechtigten SchülerInnen ist zwischen vier und vierzehn Prozentpunkte geringer als ihr Anteil an den Schülerinnen der jeweiligen Schulart. Der 65
AUSBILDUNG
Anteil der Buben an den nicht aufstiegsberechtigten SchülerInnen der jeweiligen Schulart ist um vier bis 15 Prozentpunkte höher als ihr Anteil an den SchülerInnen der jeweiligen Schulart. Lediglich in einer einzigen Fachrichtung (Technisch-gewerbliche mittlere Schulen) schneiden die Burschen etwas besser ab. Im EU-Vergleich fällt Österreich durch relativ große Geschlechtsunterschiede in allen Kompetenzbereichen auf. Besonders groß sind die Unterschiede was die sprachliche Kompetenz betrifft. Hier erbringen Mädchen weit bessere Leistungen. HERKUNFTSSPEZIFISCHE UNGLEICHHEITEN Nicht nur das Geschlecht, sondern auch die (vor allem die soziale) Herkunft hat wesentlichen Einfluss auf den Bildungsverlauf von Kindern und Jugendlichen. Das zeigt sich sehr deutlich bei Kindern aus Migrantenfamilien. Allerdings ist die nicht selten geäußerte Feststellung, leseschwache Kinder seien Kinder von MigrantInnen oder aus bildungsfernen Familien eine unzulässige Vereinfachung, denn sie verstellt den Blick auf die Wechselwirkungen der einzelnen Risikofaktoren. Ein Beispiel aus dem Nationalen Bildungsbericht 2012: Schülerinnen mit nichtdeutscher Alltagssprache haben zwar das größte Risiko für eine Leseschwäche, machen aber insgesamt nur ein Viertel der leseschwachen SchülerInnen in der 4. Schulstufe aus. Hingegen haben rund zwei Drittel der leseschwachen Kinder auf der 4. Schulstufe Deutsch als Alltagssprache. 43 Prozent der leseschwachen SchülerInnen sind Kinder mit deutscher Alltagssprache aus Haushalten, in denen die Eltern keine Matura haben. 25 Prozent sind Kinder mit nichtdeutscher Alltagssprache aus Haushalten, in denen die Eltern keine Matura haben. Und immerhin 20 Prozent sind Kinder mit deutscher Alltagssprache aus Haushalten, in denen ein Elternteil Matura hat. Die Ungleichheiten nach Staatszugehörigkeit bzw. nach Muttersprache bzw. Umgangssprache1 sind zum Teil größer als die geschlechtsspezifischen. Vorarlberg ist nach Wien das Bundesland mit dem zweithöchsten Anteil an SchülerInnen mit nicht deutscher Umgangssprache. Insgesamt haben 20,2 Prozent der SchülerInnen in Vorarlberg eine andere Umgangssprache als Deutsch. Von den Volksschulkindern in Vorarlberg hat mehr als ein Viertel eine andere Umgangssprache als Deutsch. Zum allergrößten Teil handelt es sich dabei um Kinder von MigrantInnen aus der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien. Der Anteil der SchülerInnen mit nicht deutscher Umgangssprache Der jahrlang in der Bildungsstatistik von Statistik Austria verwendete Begriff „Muttersprache“ wurde durch „Umgangssprache“ ersetzt und findet daher – sofern es sich um Daten von Statistik Austria handelt - auch in diesem Bericht in der Folge Verwendung. Als Umgangssprache gilt gemäß den Vorgaben der Bildungsdokumentationsstatistik die im Alltag (im privaten Umfeld) gebrauchte Sprache der SchülerInnen. 1
66
AUSBILDUNG
differiert vor allem nach Schulart (Tab. 19). Auffallend ist die Ungleichverteilung von Migrantenkindern auf die einzelnen Schularten; sie konzentrieren sich auf Pflicht- und Sonderschulen, in weiterführenden Schulen sind sie stark unterrepräsentiert, vor allem in den Berufsschulen und auch in höheren Schulen. Die Schulstatistik zeigt, dass die Bildungschancen von SchülerInnen mit nicht deutscher Umgangssprache de facto deutlich geringer sind als jene von SchülerInnen deutscher Umgangssprache. Diese Zahlen machen aber auch deutlich, welch enormen Einfluss die soziale Herkunft auf die Bildungschancen von Kindern hat. Denn auch innerhalb der einheimischen Bevölkerung sind Kinder aus dem Arbeitermilieu im Bereich höherer Bildung enorm unterrepräsentiert. Bei Kindern aus Migrantenfamilien verstärkt sich diese Benachteiligung aus sozialen Gründen noch durch allfällige Sprachprobleme. Tabelle 19: SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache in Vorarlberg nach Schulart im Schuljahr 2011/12 Schulart
Volksschule Hauptschule Neue Mittelschule Sonderschule Polytechnische Schule Berufsschule Allgemeinbildende höhere Schule (AHS) Berufsbildende mittlere Schule (BMS) Berufsbildende höhere Schule (BHS) Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik Gesamt
SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache absolut Anteil an allen SchülerInnen in % 4.765 28,3 500 19,6 2.745 26,9 401 34,9 371 28,5 500 6,8 749 9,5 47,0 18,5 777 13,3 8 2,5 11.286 20,2
Quelle: Statistik Austria – Bildung in Zahlen 2011/2012; eigene Berechnungen
Ein unverhältnismäßig hoher Anteil von SchülerInnen nicht deutscher Umgangssprache (Tab. 20) besucht in Vorarlberg Sonderschulen (34,9 %). In Wien ist der Anteil von Kindern mit nicht deutscher Umgangssprache in Sonderschulen (54 %) zwar deutlich höher als in Vorarlberg. In keinem anderen Bundesland aber ist die Diskrepanz zwischen dem Anteil von Kindern mit nicht deutscher Umgangssprache in Volks- und in Haupt- bzw. Neuen Mittelschulen und jener in Sonderschulen dermaßen groß wie in Vorarlberg. Offenbar kommt es – obwohl Sprachkompetenz grundsätzlich kein Kriterium für sonderpädagogischen Förderbedarf ist - in dem Zusammenhang zu einer gravierenden Benachteiligung von Kindern aufgrund von Sprach67
AUSBILDUNG
problemen, was auch insofern problematisch ist, da auf sprachliche Förderung in Sonderschulen laut Nationalem Bildungsbericht 2009 weniger Wert gelegt wird als im Regelschulwesen, was zu einer Zementierung der Ausgrenzung beiträgt. Auch innerhalb der SchülerInnen mit nicht deutscher Umgangssprache existieren deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede (Tab. 20): Zwar kommen auch überproportional viele Mädchen mit nicht deutscher Umgangssprache in Sonderschulen, aber deutlich weniger als Buben mit nicht deutscher Umgangssprache. Und: Es kommen zwar insgesamt sehr wenige Kinder mit nicht deutscher Umgangssprache in allgemeinbildende höhere Schulen, aber doch deutlich mehr Mädchen als Buben. 60 Prozent der SchülerInnen mit nicht deutscher Umgangssprache in den Vorarlberger allgemeinbildenden höheren Schulen sind Mädchen. Tabelle 20: SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache in Vorarlberg nach Schulart und Geschlecht im Schuljahr 2011/12 Schulart
Volksschule Hauptschule Sonderschule Polytechnische Schule Neue Mittelschule Berufsschule Allgemeinbildende höhere Schule (AHS) Berufsbildende mittlere Schule (BMS) Berufsbildende höhere Schule (BHS) Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik
Anteil der SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache in % 28,3 19,6 34,9 28,5 26,9 6,8 9,5 20,4 13,3 2,5
Relation Schüler : Schülerinnen mit nicht-deutscher Umgangssprache in % 53 : 47 50 : 50 59 : 41 61 : 39 50 : 50 44 : 56 40 : 60 42 : 58 39 : 61 0 : 100
Quelle: Statistik Austria – Bildung in Zahlen 2011/2012; eigene Berechnungen
Insgesamt sind in allen weiterführenden Ausbildungen, angefangen von der Berufsschule über die mittleren bis zu den höheren Schulen die Mädchen innerhalb der SchülerInnen mit nicht deutscher Umgangssprache die Mehrheit. Das bedeutet, dass unter den SchülerInnen mit nicht deutscher Muttersprache deutlich mehr Burschen an die Pflichtschule keine weiterführende Ausbildung anschließen. Ähnlich wie bei den Kindern mit deutscher Umgangssprache sind auch bei jenen mit nicht deutscher Umgangssprache Mädchen etwas erfolgreicher im Bildungswesen. Offenbar überlagern – was Schulerfolg betrifft – geschlechtsspezifische Muster sozioökonomische Faktoren.
68
AUSBILDUNG
Studien kommen zwar zu dem Schluss, dass speziell innerhalb der türkischen MigrantInnen Mädchen motivierter seien zu sozialem Aufstieg über qualifizierte Ausbildung als Burschen, die häufiger dazu tendieren, eine weiterführende Schule abzubrechen. Einschränkend muss dazu jedoch gesagt werden: Dies gilt nur, sofern Mädchen es überhaupt schaffen, eine weiterführende Schule zu besuchen. Kinder mit deutscher Umgangssprache besuchen deutlich häufiger im Anschluss an die Volksschule die AHS-Unterstufe. Mehr als die Hälfte der türkischen Jugendlichen befindet sich in der 9. Schulstufe in einer Polytechnischen Schule, und nur ein Viertel in einer höheren Schule. Überdurchschnittlich viele SchülerInnen mit einer anderen Umgangssprache als Deutsch beginnen keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung, sie sind in allen weiterführenden Schulen (einschließlich Berufschulen) deutlich unterrepräsentiert (Tab. 19). Das bedeutet, dass sie in der Folge auf dem Arbeitsmarkt in viel stärkerem Maß Benachteiligungen ausgesetzt sind, mit unqualifizierten Tätigkeiten und geringer Entlohnung vorlieb nehmen müssen und von Arbeitslosigkeit überproportional betroffen sind. Am stärksten vertreten sind Kinder von MigrantInnen in Vorarlberg nach Abschluss der Pflichtschule in berufsbildenden mittleren Schulen, wo ihr Anteil vom Schuljahr 2001/2002 zum Schuljahr 2011/12 von elf auf 20,4 Prozent gestiegen ist. Der Anteil der HauptschülerInnen, die ohne Pflichtschulabschluss das Schulsystem verlassen, ist unter Kinder mit nicht deutschen Umgangssprache österreichweit deutlich höher (12,9 %) als unter Kinder mit deutscher Umgangssprache (4 %). Insgesamt aber haben sich zwischen den Schuljahren 2007/08 und 2011/12 die Anteile der SchulabbrecherInnen verringert - bei den fremdsprachigen Schülerinnen von 14,9 auf 12,9 Prozent und bei den deutschsprachigen von 4,5 auf 4 Prozent. Der Anteil der Kinder, die in Vorarlberg von der Volksschule in eine AHS-Unterstufe übertreten, ist bei Kindern mit nicht deutscher Umgangssprache viel geringer (15,5 %) als der Anteil der Kinder mit deutscher Umgangssprache (25,5 %). Zurecht bemängelt der Nationale Bildungsbericht: „Je höher das Prestige des Schultyps, desto niedriger der Anteil der mehrsprachigen SchülerInnen.“1 Das Ziel der Förderung gleicher Bildungschancen ist in der österreichischen Verfassung explizit verankert. Gefordert wird zum einen Chancengleichheit und zum anderen Teilhabegerechtigkeit. Die Realität allerdings zeigt, dass die Situation hinsichtlich Chancengleichheit und Kompetenzerwerb alles andere als zufriedenstellend ist. Es bestehen, so konstatiert der Nationale 1
Nationaler Bildungsbericht 2012. Schlussfolgerungen, 6.
69
AUSBILDUNG
Bildungsbericht 2012, nach wie vor große Unterschiede in den erworbenen Kompetenzen je nach sozialer Herkunft und Ein- oder Mehrsprachigkeit der SchülerInnen. „Ungleichheiten in einem Bildungssystem entstehen einerseits bei den Bildungsübergängen, durch äußere Differenzierung des Schulsystems, innerhalb einer Bildungseinrichtung und durch die Tatsache, dass schulische Aufgaben an Institutionen außerhalb der Schule wie die Familie delegiert werden. Differenziert wird in der Ursachendiagnose zwischen primären und sekundären Ungleichheitseffekten. Primäre Ungleichheitseffekte entstehen dadurch, dass die Schule unterschiedliche Startbedingungen nicht ausgleicht, möglicherweise sogar verstärkt. Die Ursachen hiefür werden in fehlenden schulischen Programmen zur gezielten Förderung von benachteiligten und kompetenzarmen Schülerinnen und Schülern sowie in nicht ausreichender Kompetenz von Lehrkräften und Schulleitungen gesehen. (...) Sekundäre Ungleichheitseffekte sind durch die Entscheidungen für bestimmte Schulformen und Ausbildungswege bedingt: Selbst im Falle gleicher Kompetenz bzw. Leistungen der SchülerInnen entscheiden sich Eltern mit geringer Bildung und geringem sozioökonomischen Status häufiger für Bildungsgänge mit formal geringeren Bildungsabschlüssen. Ökonomische Überlegungen
oder
mangelndes
Selbstbewusstsein
auf
der
einen
Seite
interagieren
möglicherweise mit selektiven Tendenzen aufseiten der jeweils aufnehmenden Institution.“1
SCHUL-, STUDIEN- UND BERUFSWAHL Was das Niveau der Ausbildung anlangt, so haben Frauen aufgeholt. In der jüngeren Generation ist es zum Teil sogar höher als das der Männer. Was die Art der Ausbildung betrifft, konzentrieren sich Mädchen jedoch – wenn auch in etwas geringerem Maß als in der Vergangenheit – auf wenige traditionell „weibliche“ Ausbildungswege. Das betrifft die Wahl des Lehrberufs ebenso wie die Wahl der Studienrichtung. Handwerk und Technik sind weitgehend Männersache, Büro- und Verwaltungsberufe, der Handel und die personenbezogenenen Dienstleistungen sind frauendominiert. Der Nationale Bildungsbericht 2012 macht deutlich, dass junge Frauen und junge Männer bei der Schulwahl weitgehend getrennte Wege gehen. Auf der 10. Schulstufe, also in weiterführenden Schulen, finden sich: -
58 Prozent der Schülerinnen in typisch weiblichen Schulformen
-
63 Prozent der Schüler in typisch männlichen Schulformen
-
29 % der Schülerinnen und Schüler in relativ ausgeglichenen Schulformen
1
Nationaler Bildungsbericht 2012. Schlussfolgerungen 9f.
70
AUSBILDUNG
-
nur 10 Prozent der SchülerInnen in geschlechtsuntypischen Schulformen. Das heißt, neun Prozent der Schülerinnen besuchen eine männlich dominierte Schulform und elf Prozent der Schüler eine weiblich dominierte.
Zur Erklärung: Als typisch weiblich bezeichnet werden Schulformen mit mehr als 67 Prozent weiblichen Jugendlichen. Umgekehrt werden solche mit mehr als 67 Prozent männlichen Schülern als typisch männliche bezeichnet. Liegt der Geschlechteranteil zwischen 33 und 67 Prozent, wird die Schulform als ausgeglichen bezeichnet. Tabelle 21: Schülerinnen und Schüler nach detaillierten Ausbildungsarten (Auswahl), Vorarlberg 2011/12 Ausbildungsart (Auswahl) Berufsschulen gewerblich/technisch Berufsschulen kaufmännisch Gewerbliche und technische Fachschulen (im engeren Sinn) Fachschulen im Ausbildungsbereich Fremdenverkehr Fachschulen für wirtschaftliche Berufe Sozialberufliche mittlere Schulen Schulen im Gesundheitswesen Höhere technische und gewerbliche Lehranstalten (im engeren Sinn) Höhere Lehranstalt im Ausbildungsbereich Fremdenverkehr Höhere Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik
Zahl der Schülerinnen
Zahl der Schüler
Anteil der Schülerinnen in %
Anteil der Schüler in %
1.223
4.238
22,4
77,6
1.413
449
75,9
24,1
111
393
32,0
78,0
158
61
72,1
27,9
352
4
98,9
1,1
184
53
77,6
22,4
458
124
78,7
21,3
369
1.334
21,7
78,3
350
68
83,7
16,3
1.146
1
99,9
0,1
284
1
99,6
0,4
Quelle: Statistik Austria – Bildung in Zahlen 2011/12; eigene Berechnungen
Es zeigt sich, so der Befund im Nationalen Bildungsbericht: „Pädagogik, Gesundheit und Sozialwesen sowie Ausbildungen im Dienstleistungsbereich (dem auch die wirtschaftsberuflichen
71
AUSBILDUNG
Schulen zugeordnet sind) und Kunstgewerbe sind weiblich dominiert, während Informationstechnologie und Technik männlich dominiert sind.“ 1 Am stärksten ausgeprägt ist die männliche Dominanz im Berufsschulbereich. 58 Prozent der BerufsschülerInnen absolvieren eine Lehrausbildung, in der mehr als zwei Drittel der Lehrlinge männlich sind, 30 Prozent sind in Lehrberufen mit einem Frauenanteil von mehr als zwei Drittel und nur 13 Prozent der Lehrlinge finden sich in Lehrberufen ohne starke männliche oder weibliche Dominanz. Insgesamt finden sich 77 Prozent der BerufsschülerInnen in Lehrberufen, in denen ihr Geschlecht dominiert. Das sind Zahlen, die sich auf das gesamte Bundesgebiet beziehen, aber auch für Vorarlberg gelten (Tab. 21). Auch in Vorarlberg wählt deutlich mehr als die Hälfte der Mädchen, die weiterführende Schulen besuchen, eine typisch weibliche Schulform und deutlich mehr als die Hälfte der männlichen Jugendlichen eine typisch männliche Schulform. Besonders ausgeprägt ist die geschlechtsspezifische Trennung in den Lehrberufen und in den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen. Aber extrem ist sie beispielsweise auch in den Fachschulen bzw. Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe ebenso wie in der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik. Dies liegt auch daran, dass es sich bei der Mehrzahl dieser Schulen um konfessionelle Privatschulen handelt, die keine männlichen Schüler aufnehmen (müssen), wodurch ganz allgemein der Eindruck entsteht, dass es sich bei diesem Schultyp um reine Mädchenschulen handelt. Dass Frauen und Männer bei der Schul- und Berufswahl häufig unterschiedliche Wege gehen, ist keine Folge der Biologie. Frauen sind keineswegs „von Natur aus“ technisch unbegabt, genauso wenig wie Männer „von Natur aus“ für Sozialarbeit ungeeignet sind. Allerdings ist es eine Tatsache, dass Frauen und Männern in unserer Gesellschaft lange Zeit hindurch unterschiedliche Aufgaben
und
damit
auch
unterschiedliche
Rollen
zugewiesen
wurden.
Diese
Klischeevorstellungen prägen offenbar nach wie vor das Denken. Heute sind Mädchen und Frauen alle Ausbildungsmöglichkeiten und nahezu alle Berufe zugänglich. Aber die traditionellen Vorstellungen davon, was „weiblich“ und was „männlich“ ist, welche Arbeiten „Männersache“ und welche „Frauensache“ sind, wirken noch weiter und bestimmen – zum Teil unbewusst – auch die Schul- und Berufswahl. Aufgrund ihrer Sozialisation zur „Weiblichkeit“ kommen junge Frauen oft gar nicht mehr auf die Idee, einen besser bezahlten „Männerberuf“ zu ergreifen. Dazu kommt: Die Zuständigkeit für Haushalts-, Versorgungs- und Betreuungsarbeit blieb Frauen – zusätzlich zur Erwerbsarbeit - weitgehend erhalten. In den Schul- und Berufswahlprozessen spiegeln sich diesen Ambivalenzen wider.
1
Nationaler Bildungsbericht 2012, Bd. 1, 72.
72
AUSBILDUNG
Die Ungleichverteilung der unbezahlten Versorgungs- und Erziehungsarbeit zwischen Frauen und Männern beeinflusst bereits die Berufswahl der Mädchen. Junge Frauen wählen eher Ausbildungen und Berufe, die sich mit allfälligen späteren familiären Verpflichtungen vereinbaren lassen. „Die geschlechtsspezifische Segmentierung im Bildungsbereich ist somit ein Stück weit durch die Segmentierung am Arbeitsmarkt mitbestimmt und potenziert sich ihrerseits am Arbeitsmarkt. Die Mehrheit der Frauen arbeitet nach wie vor in (Dienstleistungs-)Branchen mit unterdurchschnittlichem Einkommen, bei den Männern ist es nur ein knappes Drittel.“1 Auch im Rahmen des EU-Gender-Equality-Index schneidet Österreich im Bereich Bildung beim Teilbereich „Zugang und Segregation“ schlecht ab. Mit 39,5 Punkten liegt Österreich weit unter dem EU-Durchschnitt (EU-27: 57,2).2 Tabelle 22 : Vorgemerkte Arbeitslose in Vorarlberg nach Bildungsstand und Geschlecht 2012 Höchste abgeschlossene Ausbildung Keine abgeschlossene Schule Pflichtschule Lehre Meisterprüfung Technisch gewerbliche mittlere Schule Kaufmännische mittlere Schule Sonstige mittlere Schule Allgemeinbildende höhere Schule (AHS) Technisch gewerbliche höhere Schule Kaufmännisch höhere Schule Sonstige höhere Schule Akademie (z.B. Pädak) Fachhochschule Universität Unbekannt Gesamt
Zahl der Arbeitslosen 796 3.497 3.013 76 63 257 244 144 90 144 133 30 57 178 121 8.845
Anteil in % 9,0 39,5 34,1 0,9 0,7 2,9 2,8 1,6 1,0 1,6 1,5 0,3 0,7 2,0 1,4
100
Quelle: Arbeitsmarktservice Vorarlberg
Die OECD kommt in Hinblick auf die Ausbildungssituation in Österreich zu dem Schluss3, dass es in diesem Bereich immer noch große Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt: „Mit 67 Prozent der Abschlüsse im Gesundheitswesen sind Frauen stark überrepräsentiert, mit 18 1
BMASK: Sozialbericht 2011-2012. 229. EIGE ,106. 3 OECD: Closing the Gender Gap. Ländennotiz Österreich. 2
73
AUSBILDUNG
Prozent unter den InformatikerInnen hingegen immer noch selten. Auch schließen nur 5,5 Prozent der Frauen eine technische Berufsausbildung ab (Männer: 43,4 %).“ Es sei daher, so die Folgerung, dringend notwendig, bei Kindern von klein auf - in der Familie und in der Schule – vielfältige Interessen zu wecken und Handlungskompetenzen zu erweitern, um zu verhindern, dass sie sich an anachronistischen Rollenbildern orientieren. Bildungsstand und Art der Ausbildung haben unmittelbare Auswirkungen auf die Chancen am Arbeitsmarkt. Je niedriger das Niveau der Ausbildung, desto höher das Risiko, arbeitslos zu werden. Fast die Hälfte der Arbeitslosen in Vorarlberg hat keinen Schulabschluss oder nur einen Pflichtschulabschluss (Tab. 22). Das heißt, Personen ohne weiterführende Ausbildung sind überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen. TECHNISCHE BERUFE Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden viele Aktivitäten gesetzt, Mädchen und Frauen sogenannte Männerberufe schmackhaft zu machen. Doch das Schul- und Berufswahlverhalten ändert sich eher langsam. Tabelle 23: SchülerInnen an Höheren technischen und gewerblichen Lehranstalten (im engeren Sinn) nach Geschlecht, Vorarlberg 1971/72 bis 2011/12 HTL-SchülerInnen Gesamtzahl der SchülerInnen Mädchenanteil in %
1971/72 463 0,4
1981/82 1.090 6,5
Schuljahre 1991/92 1.339 10,8
2001/02 1.738 15,5
2011/12 1.703 21,7
Quelle: Statistik Austria - Schulwesen in Österreich 2001/02; Bildung in Zahlen 2011/12; eigene Berechnungen.
Während die Zahl der SchülerInnen und speziell der Anteil der Mädchen an den Technisch gewerblichen mittleren Schulen in den letzten drei Jahrzehnten kontinuierlich sank, stieg sowohl die Gesamtzahl der SchülerInnen als auch der Anteil der Mädchen in den Höheren Technischen und gewerblichen Lehranstalten von 0,4 Prozent zu Beginn der siebziger Jahre auf immerhin 21,7 Prozent im Schuljahr 2011/12 an (Tab. 23). Diese Entwicklung entspricht dem allgemeinen Trend weg von den berufsbildenden mittleren Schulen hin zu den berufsbildenden höheren Schulen. Im Detail zeigt sich, dass der Anteil an Schülerinnen je nach Bildungsangebot an den einzelnen Lehranstalten stark variiert. Während der Anteil an Schülerinnen im Schuljahr 2011/12 an der Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Bregenz (Elektrotechnik; Maschinen- und Wirtschaftsingenieurwesen; Kunststofftechnik) lediglich bei 4,9 Prozent lag, betrug er in der HTL Rankweil (Elektronik; Informationstechnologie und Bautechnik) 74
AUSBILDUNG
22,2 Prozent und in der HTL Dornbirn (Chemie- und Wirtschaftsingenieurwesen; Betriebsmanagement) 33,5 Prozent. Innerhalb des höheren Schulwesens sind die Schülerinnen in der Mehrheit (Tab. 17). Und zwar sowohl an den allgemeinbildenden höheren Schulen (54 %) als auch an den berufsbildenden höheren Schulen (57 %). Innerhalb des berufsbildenden mittleren und höheren Schulwesens entscheidet sich ein Großteil der Mädchen für o den Besuch wirtschaftsberuflicher Schulen (früher: Schulen für wirtschaftliche Frauenberufe) (Mädchenanteil rund 99 %) o Ausbildungen in den Bereichen Sozialberufe, Gesundheitswesen und Fremdenverkehr (Mädchenanteil zwischen 70 und 80 Prozent). Praktisch unter sich bleiben die Frauen auch an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (Schüleranteil: 0,3 %). In der Höheren Lehranstalt des Ausbildungsbereichs Tourismus beträgt der Anteil der Schülerinnen 79 Prozent. An den Höheren technischen und gewerblichen höheren Schulen insgesamt sind Frauen hingegen eine – allerdings sukzessive größer werdende Minderheit. Der Frauenanteil an den SchülerInnen dieser Schulform beträgt in Vorarlberg 32,7 Prozent und liegt damit deutlich über dem Österreichdurchschnitt (24,7 %). Der Anteil der jungen Männer in den typisch weiblichen Schularten ist in Vorarlberg geringer als jener der jungen Frauen in den typisch männlichen Schulformen. Der Männeranteil in den wirtschaftsberuflichen mittleren und höheren Schulen sowie in der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik ist auch deutlich geringer als im Österreichdurchschnitt (Tab.24). Tabelle 24: Anteil der Schülerinnen und Schüler in typisch „weiblichen“ Schulformen, Vorarlberg und Österreich 2011/12 Region
Vorarlberg Österreich
Wirtschaftsberufliche mittlere Schulen Anteil der Anteil der Schülerinnen Schüler 96,2 84,6
3,8 15,4
Wirtschaftsberufliche höhere Schulen Anteil der Anteil der Schülerinnen Schüler in % 99,8 0,2 91,1 8,9
Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik Anteil der Anteil der Schülerinnen Schüler 100 94,4
0 5,6
Quelle: Statistik Austria – Bildung in Zahlen 2011/12
Nicht nur bei der Schulwahl, sondern auch bei den bevorzugten Studienrichtungen an Universitäten gibt es deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind Frauen bei Studienabschlüssen in Geisteswissenschaften (Frauenanteil: 75 %), 75
AUSBILDUNG
Sozial-
und
Wirtschaftswissenschaften
(Frauenanteil:
49 %)
und
Naturwissenschaften
(Frauenanteil: 64 %). Die Abschlüsse, bei denen Männer zahlenmäßig am stärksten vertreten sind,
sind
die
Studienrichtungen
Technik
(Männeranteil:
78 %),
Sozial-
und
Wirtschaftswissenschaften (Männeranteil: 51 %) und Geisteswissenschaften (Männeranteil: 25 %). Eine Männerdomäne ist die Studienrichtung Montanwissenschaft (Männeranteil: 74 %), die Veterinärmedizin hingegen ist im Laufe der Jahre zu einer Frauendomäne geworden (Frauenanteil: 81 %). Auch das Studium der Medizin und der Rechtswissenschaften absolvieren inzwischen mehrheitlich Frauen (Medizin: 62 %; Rechtswissenschaften: 54 %). Tabelle 25: Studien ordentlicher Studierender an öffentlichen Universitäten, Österreich Studienjahr 2011/12 Studienrichtung Theologie Rechtswissenschaften Sozial- und Wirtschaftswissenschaften Humanmedizin Geisteswissenschaften Naturwissenschaften Technik Montanwissenschaften Bodenkultur Veterinärmedizin Künste Studium irregulare
Anzahl der Studierenden
Frauenanteil in %
Männeranteil in %
2.910 41.013 61.174
42,7 52,8 48,7
57,3 47,2 51,3
13.077 97.943 50.870 50.604 3.732 10.758 1.793 9.270 2.715
49,3 70,8 58,9 23,1 23,7 46,9 80,0 58,4 63,9
50,7 29,2 41,1 76,9 76,3 53,1 20,0 41,6 36,1
Quelle: Statistik Austria – Bildung in Zahlen 2011/12, eigene Berechnungen
HAUPTSCHULE – NEUE MITTELSCHULE - AHS Die Zahl der HauptschülerInnen geht seit Anfang der achtziger Jahre zurück, parallel dazu stieg in den achtziger Jahren die Zahl der SchülerInnen an den allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS). In den letzten Jahren änderte sich die Situation durch die „Neue Mittelschule“. Auf der 5. Schulstufe, also im Anschluss an die gemeinsame Volksschule, verteilten sich die SchülerInnen im Schuljahr 2011/12 in Vorarlberg auf folgende Schultypen: -
6,0 Prozent Hauptschulen (Österreich 36,9 %)
-
68,1 Prozent Neue Mittelschulen (Österreich: 27,0 %)
-
23,0 Prozent AHS-Unterstufe (Österreich: 34,2 %)
-
76
2,9 Prozent Sonderschulen (Österreich: 1,9 %)
AUSBILDUNG
In Vorarlberg wechseln – verglichen mit den anderen Bundesländern – traditionell deutlich weniger SchülerInnen von der Volksschule in die AHS-Unterstufe . Der Anteil der SchülerInnen, die in der Vergangenheit die Hauptschule besuchten, das sind in Vorarlberg knapp drei Viertel eines Jahrgangs, verteilen sich nun auf die beiden Schultypen Hauptschule (6 %) und Neue Mittelschule (68,1 %). Ein derart großes Angebot an Neuen Mittelschulen wie in Vorarlberg gibt es einstweilen in keinem anderen Bundesland. Mädchen tendieren eher dazu, eine AHS-Unterstufe zu besuchen als Buben. Mädchen sind daher in der AHS-Unterstufe die Mehrheit (52 %), Buben hingegen in der Hauptschule und in der Neuen Mittelschule (je 52 %). Noch geringer als in den Hauptschulen ist der Mädchenanteil im Pflichtschulbereich in Sonderschulen und in den Polytechnischen Schulen (jeweils rund 37 %). In der AHS-Oberstufe beträgt der Anteil der Mädchen - ebenso wie an den berufsbildenden höheren Schulen - sogar 57 Prozent. Langfristig hat sich nicht nur die Zahl der MaturantInnen, sondern auch der Anteil der Mädchen, die eine Reifeprüfung ablegen, enorm erhöht1, der Anteil der Burschen hat sich entsprechend verringert. In den letzten beiden Jahren erhöhte sich allerdings der Anteil der Burschen minimal (Tab. 26). Tabelle 26: Frauen- und Männeranteil an den MaturantInnen in Vorarlberg 1970 – 2011 Maturajahr 1970 1980 1990 2000 2010 2011
Anzahl der MaturantInnen
davon Frauen in %
davon Männer in %
507 1.022 1.256 1.493 1.743 1.808
28,8 44,1 53,7 59,5 59,3 58,8
71,2 55,9 46,3 40,5 40,7 41,2
Quelle: Statistik Austria – Bildung in Zahlen 2011/12
POLYTECHNISCHE SCHULE Relativ viele, nämlich 27,5 Prozent der SchülerInnen besuchen in Vorarlberg auf der 9. Schulstufe eine Polytechnische Schule (Österreich: 18 %). Der Anteil der Mädchen an den SchülerInnen der Polytechnischen Schulen ist traditionell niedrig, er beträgt in Vorarlberg ebenso wie österreichweit 37 Prozent. Mädchen legen das neunte Jahr der Schulpflicht eher an einer AHS oder einer berufsbildenden mittleren (oder höheren) Schule zurück.
1
Vgl dazu auch Tabelle 30.
77
AUSBILDUNG
Elf Prozent der männlichen und 15 Prozent der weiblichen Abgänger einer Polytechnischen Schule blieben 2012 ohne weitere Ausbildung. Wesentlicheren Einfluss als das Geschlecht hat auch hier die Umgangssprache. Während zehn Prozent der SchülerInnen mit deutscher Umgangssprache nach der Polytechnischen keine weiterführende Schule besuchten, waren es von den SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache 22 Prozent. KEINE WEITERE AUSBILDUNG NACH DEM ENDE DER SCHULPFLICHT Insgesamt blieben in Vorarlberg im Schuljahr 2010/11 6,9 Prozent der 14-jährigen SchülerInnen, die im Schuljahr 2009/10 ihre Schulpflicht beendeten, ohne weitere Ausbildung. Von den Burschen waren es 6,5 Prozent, von den Mädchen 7,4 Prozent. Um vieles stärker als die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind in diesem Zusammenhang jedoch die Unterschiede nach Umgangssprache. Während von den SchülerInnen mit deutscher Umgangssprache in Vorarlberg nur fünf Prozent keine weiterführende Ausbildung erhalten, sind es von den SchülerInnen mit nicht deutscher Muttersprache 15 Prozent (Österreich: 13 %). Auch bei den Schülerinnen nicht-deutscher Muttersprache, die keine weiterführende Ausbildung erhalten, gibt es signifikante Geschlechtsunterschiede. Von den Burschen sind es vierzehn Prozent und von den Mädchen sind es 16 Prozent. Am stärksten benachteiligt, was eine weiterführende Ausbildung betrifft, sind SchülerInnen mit türkischer Umgangssprache. Von ihnen erhalten 16 Prozent der Burschen und 18,5 Prozent der Mädchen keine weiterführende Ausbildung. 5,4 Prozent
der
SchülerInnen
mit
türkischer
Umgangssprache
haben
überdies
keinen
Hauptschulabschluss (korrekt: Abschluss der Sekundarstufe I).
BERUFSSCHULE/ LEHRAUSBILDUNG Die Gesamtzahl der BerufsschülerInnen betrug im Schuljahr 2011/12 in Vorarlberg 7.323. 64 Prozent davon waren Burschen, 36 Prozent Mädchen. Gemäß ihrer schulischen Vorbildung unterscheiden sich die Schüler und Schülerinnen der ersten Berufsschulklasse deutlich voneinander. Von den Schülern der ersten Berufsschulklasse kommen o
47 Prozent aus einer Polytechnischen Schule
o
17 Prozent aus einer Hauptschule
o
10 Prozent aus der Berufsschule (infolge Klassenwiederholung oder Wechsel des Lehrberufs)
Von den Schülerinnen der ersten Klasse Berufsschule kommen o
42 Prozent aus einer Polytechnischen Schule
o
17 Prozent aus einer berufsbildenden mittleren Schule
78
AUSBILDUNG
o
14 Prozent aus einer Hauptschule.
Generell ist festzustellen, dass im gesamten weiterführenden Schulwesen die Anteile der Jugendlichen mit Migrationshintergrund deutlich niedriger sind als in den Pflichtschulen. Das bedeutet, dass es Pflichtschulen nicht gelingt, Benachteiligungen auszugleichen und für Chancengleichheit bei der weiteren Bildungsbeteiligung zu sorgen. Im berufsbildenden Schulwesen konzentrieren sich Kinder aus Migrantenfamilien eher auf mittlere Schulen, in den Berufsschulen ist ihr Anteil hingegen extrem niedrig. Tabelle 27: Lehrlinge nach Sparten und Geschlecht, Vorarlberg 2012 Sparte
Gewerbe und Handwerk Industrie Handel Geld, Kredit, Versicherung Verkehr Tourismus Information und Consulting Keine Kammermitglieder*) § 30 BAG**) Gesamt
2012 Lehrlinge gesamt 3.588 1.439 1.171 108 104 743 175 523 129 7.980
davon Mädchen 773 261 797 64 38 445 94 272 20 2.764
Mädchenanteil in %
Zum Vergleich: 1993 Mädchenanteil in %
21,5 18,1 68,1 59,3 36,5 59,9 53,7 52,0 15,5
20,5 15,6 75,8 52,5 20,2 54,4 20,5 -
34,6
32,8
*)Lehrlinge in Betrieben, die nicht der Wirtschaftskammer angehören (z.B. Gemeindeverwaltungen) oder in selbständigen Ausbildungseinrichtungen **) Das sind „besondere selbständige Ausbildungseinrichtungen“ wie Lehrwerkstätten. Quelle: Wirtschaftskammer Vorarlberg; eigene Berechnungen
Rechtsanwaltskanzleien,
Rund neun Prozent der BerufsschülerInnen in Vorarlberg hatten im Schuljahr 2011/12 eine andere als die österreichische Staatsbürgerschaft (2002: 12 %). Der Anteil der BerufsschülerInnen mit nicht deutscher Umgangssprache ist geringer (6,8 %). Den höchsten Anteil an den Lehrlingen mit einer anderen als der österreichischen Staatsbürgerschaft stellen die Jugendlichen mit türkischer Staatsbürgerschaft (2,9 %), gefolgt von jenen mit deutscher Staatsbürgerschaft (2,8 %). Unter den Lehrlingen mit türkischer Staatsbürgerschaft (insgesamt: 233) stieg der Mädchenanteil von 27 Prozent im Jahr 2006 auf 36 Prozent im Jahr 2012 und entspricht nun genau dem Mädchenanteil an den Lehrlingen insgesamt.
79
AUSBILDUNG
Hinsichtlich Berufswahl gibt es bei Lehrlingen extreme geschlechtsspezifische Unterschiede. Ein anschauliches Bild davon vermitteln die Verteilung weiblicher und männlicher Lehrlinge auf die einzelnen Sparten (Tab. 27) und die von Mädchen bzw. Burschen am häufigsten gewählten Lehrberufe (Tab. 28). Mehr als drei Viertel der Berufsschüler (77,6 %) besuchen gewerblich/technische Berufsschulen und mehr als drei Viertel der Berufsschülerinnen (75,9 %) besuchen kaufmännische Berufsschulen. Ein Vergleich, wie sich männliche und weibliche Lehrlinge auf die einzelnen Sparten verteilen, zeigt, dass es immer noch sogenannte Männer- und Frauendomänen bzw. eine geschlechtsspezifische Teilung des Arbeitsmarkts gibt. Der Vergleich mit 1993 (Tab. 27) allerdings zeigt, dass es sehr wohl Veränderungen in Richtung Gleichstellung gibt, wenn auch oft nur geringe. So blieb die Sparte „Handel“ zwar eine Frauendomäne, der Anteil der weiblichen Lehrlinge aber hat sich von 75,8 Prozent im Jahr 1993 auf 68,1 Prozent verringert. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der weiblichen Lehrlinge in der Sparte „Verkehr“ um rund 16 Prozentpunkte. Eine Erhöhung zeigen auch die Sparten „Geld, Kredit, Versicherung“ und „Tourismus“, in denen die weiblichen Lehrlinge bereits 1993 eine Mehrheit bildeten. Die Sparte, in der sich in Vorarlberg hinsichtlich des Anteils weiblicher Lehrlinge seit 1993 die gravierendste Änderung vollzog, waren jene Unternehmen bzw. Ausbildungsplätze in Betrieben, die nicht der Wirtschaftskammer angehören. Die Zunahme des Frauenanteils in dieser Sparte dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass im öffentlichen Dienst in Vorarlberg vermehrt (weibliche) Lehrlinge aufgenommen wurden und durch die Schaffung neuer Lehrberufe (z.B. KanzleiassistentIn und Pharmazeutisch-kaufmännische
AssistentIn)
in
Rechtsanwaltskanzleien
und
Apotheken
zunehmend (weibliche) Lehrlinge ausgebildet werden. Das Land Vorarlberg und das Arbeitsmarktservice Vorarlberg versuchen seit Jahren gezielt, die Zahl der Mädchen und Frauen in sogenannten „Männerberufen“ zu erhöhen. Einerseits erhalten Betriebe, die bereit sind, Frauen in Lehrberufen auszubilden, in denen der Frauenanteil unter 40 Prozent liegt, eine Förderung seitens des AMS. Andererseits bietet das Projekt FiT (Frauen in Handwerk und Technik) Mädchen und Frauen die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten im handwerklichen bzw. technischen Bereich zu erproben, eine technische Grundqualifizierung und eine Ausbildung in einem nichttraditionellen Beruf mit (mindestens) Lehrabschluss zu erhalten. Die Zahl der weiblichen Lehrlinge in sogenannten Männerberufen hat sich von 404 im Jahr 2003 auf 606 im Jahr 2012 erhöht.
80
AUSBILDUNG
Tabelle 28: Die zehn in Vorarlberg am häufigsten gewählten Lehrberufe nach Geschlecht im Jahr 2012 Von Frauen bevorzugte Lehrberufe
Anteil an Von Männern bevorzugte allen Lehrberufe weiblichen Lehrlingen in %
1. Einzelhandel 2. Bürokaufmann/ Bürokauffrau 3. FriseurIn und PerückenmacherIn 4. Restaurantfachmann/ Restaurantfachfrau 5. Metalltechnik
25,5 9,6 8,7 5,6
1. Metalltechnik 2. Elektrotechnik 3. Kraftfahrzeugntechnik 4. Tischlerei
3,5
6. Hotel- und Gastgewerbeassistenz 7. Verwaltungsassistenz 8. Koch/ Köchin 9. Fußpflegerin und Kosmetikerin 10. Pharmaz.-kaufmännische Assistenz
3,3 3,2 2,6 2,3 2,0
Gesamt
66,3
5. Installations- und Gebäudetechnik 6. Einzelhandel 7. MaurerIn 8. Koch/Köchin 9. Zimmerei 10. MalerIn und BeschichtungstechnikerIn Gesamt
Anteil an allen männliche n Lehrlingen in % 19,1 11,0 6,7 5,3 4,9 4,5 3,9 3,7 2,4 2,3
63,8
Quelle: Wirtschaftskammer Vorarlberg; eigene Berechnungen
Die Teilung des Arbeitsmarktes in sogenannte Frauen- und in sogenannte Männerberufe ist insofern problematisch, als in den meisten Bereichen, in denen überwiegend Frauen tätig sind, das Einkommensniveau niedrig ist. Das trifft auch auf die Lehrberufe zu. Ein Beispiel für die unterschiedliche Bezahlung in frauen- und von männerdominierten Berufen: Friseurlehrlinge:
Elektrotechnik-Lehrlinge:
97 % Mädchen
95 % Burschen
3 % Burschen
5 % Mädchen Lehrlingsentschädigung im 3. Lehrjahr: FriseurIn: € 712,Elektro-TechnikerIn: € 964,-
Quelle: Lehrlingsstatistik 2012 der WKO Vorarlberg und AMS-Berufslexikon (März 2013).
81
AUSBILDUNG
Weibliche Lehrlinge konzentrieren sich zwar nach wie vor, aber doch weniger als in der Vergangenheit, auf einige wenige traditionelle Frauenberufe (Tab. 28). 2012 wurden in Vorarlberg 43,8 Prozent aller weiblichen Lehrlinge in nur drei (!) Berufen ausgebildet (Einzelhandel, Bürokaufmann/ Bürokauffrau und FriseurIn). Das sind allerdings deutlich weniger als in den 15 Jahren davor. Anteil der weiblichen Lehrlinge, die in den genannten drei Lehrberufen ausgebildet wurden bzw. werden: o
1998: 56,8 Prozent
o
2002: 54,5 Prozent
o
2006: 48,2 Prozent
o
2010: 46,4 Prozent
o
2012: 43,8 Prozent
Zwei Drittel (66,3 %) der weiblichen Lehrlinge in Vorarlberg konzentrierten sich 2012 noch immer auf nur zehn Lehrberufe, obwohl es mehr als 250 Lehrberufe gibt. Allerdings ist die Konzentration auf zehn Lehrberufe in Vorarlberg etwas geringer als im Österreichdurchschnitt (68 %). Anteil der weiblichen Lehrlinge in Vorarlberg, die in den zehn von Mädchen am häufigsten gewählten Lehrberufen ausgebildet wurden bzw. werden: o
1998: 80 Prozent
o
2002: 75,6 Prozent
o
2006: 70,5 Prozent
o
2009: 69,2 Prozent
o
2012: 66,3 Prozent
Letztlich zeigt dieses Berufswahlverhalten, welche Bedeutung traditionelle Rollenbilder immer noch haben, aber auch, dass sich die Situation sukzessive verändert und das (Selbst-)Vertrauen in die Fähigkeiten von Mädchen zunimmt. Die Situation der männlichen Lehrlinge hinsichtlich Berufswahl war/ist eine andere. Burschen konzentrierten sich nie in vergleichbarem Maß wie Mädchen auf drei bzw. zehn Lehrberufe, sondern wählten aus einem viel größeren Spektrum an Berufen ihren eigenen aus. Allerdings nahm die Konzentration auf zehn Lehrberufe bei männlichen Lehrlingen – und das ist eine geradezu gegenläufige Tendenz zu den Mädchen – bei den Burschen in den letzten Jahren deutlich zu.
82
AUSBILDUNG
Anteil der männlichen Lehrlinge, die in den zehn von Burschen am häufigsten gewählten Lehrberufen ausgebildet wurden bzw. werden: o
1998: 51 Prozent
o
2002: 42,1 Prozent
o
2006: 45,6 Prozent
o
2009: 47,9 Prozent
o
2012: 63,8 Prozent
Dass nunmehr drei Lehrberufe – und nicht wie bisher nur zwei - sowohl für Mädchen als auch für Burschen zu den zehn beliebtesten zählen (Einzelhandel, Koch/Köchin und Metalltechnik) zeigt, dass sich die rigorose Trennung in Männer- und Frauenberufe ein wenig verringert.
BERUFSBILDENDE MITTLERE SCHULEN Berufsbildende mittlere Schulen (BMS) haben seit 1980 zunehmend SchülerInnen verloren. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der SchülerInnen an berufsbildenden höheren Schulen mehr als verdoppelt. Knapp 19 Prozent der Vorarlberg SchülerInnen besuchen auf der 9. Schulstufe eine BMS, der Mädchenanteil an den SchülerInnen aller berufsbildenden mittleren Schulen beträgt 56 Prozent. Zwei Drittel der BMS-Schülerinnen besuchen wirtschaftsberufliche und kaufmännische mittlere Schulen. 21 Prozent besuchen technisch gewerbliche mittlere Schulen. Und 12 Prozent besuchen land- und forstwirtschaftliche mittlere Schulen. Im Unterschied zu den BMS-Schülerinnen besuchen BMS-Schüler vor allem technisch gewerbliche mittlere Schulen (54 %). Jeweils weitere 22 Prozent besuchen land- und fortwirtschaftliche mittlere Schulen sowie kaufmännische mittlere Schulen.
BERUFSBILDENDE HÖHERE SCHULEN Rund 27 Prozent der Vorarlberger SchülerInnen besuchen auf der 9. Schulstufe eine berufsbildende höhere Schule (BHS). Der Mädchenanteil in den berufsbildenden höheren Schulen beträgt 57 Prozent. Die Zahl der SchülerInnen und die der AbsolventInnen berufsbildender höherer Schulen steigt seit Jahrzehnten an und hat sich allein in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt. Insgesamt besuchten 5.864 SchülerInnen im Schuljahr 2011/12 eine BHS.
83
AUSBILDUNG
Burschen konzentrieren sich vor allem auf technische und gewerbliche Fachrichtungen im engeren Sinn (60 %). Weitere 37 Prozent besuchen kaufmännische Schulen. Knapp drei Prozent besuchen eine höhere Lehranstalt im Ausbildungsbereich Fremdenverkehr. Lediglich ein Schüler besuchte eine wirtschaftsberufliche höhere Schule. (Mehr als drei Schüler haben diesen Schultyp in Vorarlberg noch nie gleichzeitig besucht.) Ganz anders die BHS-Schülerinnen. Von diesen besuchen 41 Prozent kaufmännische Schulen, weitere 36 Prozent sind Schülerinnen wirtschaftsberuflicher höherer Schulen. Und jeweils knapp zwölf Prozent besuchen technische und gewerbliche höhere Schulen (im engeren Sinn) sowie eine Höhere Lehranstalt im Ausbildungsbereich Fremdenverkehr. Tabelle 29: Bestandene Reifeprüfungen nach Schulart und Geschlecht, Vorarlberg 1987 – 1997 - 2007 - 2011 Schulart Allgemeinbildende höhere Schulen Zahl der Reifeprüfungen Anteil der Maturantinnen in % Anteil der Maturanten in % Technische und gewerbliche Schulen Zahl der Reifeprüfungen Anteil der Maturantinnen in % Anteil der Maturanten in % Kaufmännische Schulen Zahl der Reifeprüfungen Anteil der Maturantinnen in % Anteil der Maturanten in % Wirtschaftsberufliche Schulen Zahl der Reifeprüfungen Anteil der Maturantinnen in % Anteil der Maturanten in % Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik Zahl der Reifeprüfungen Anteil der Maturantinnen in % Anteil der Maturanten in % Reifeprüfungen gesamt Zahl der Reifeprüfungen Anteil der Maturantinnen in % Anteil der Maturanten in % *)
1987
1997
2007
2011
725 49,0 51,0
615 51,5 48,5
679 59,6 40,4
836 56,3 43,7
186 12,4 87,6
261 26,4 73,6
355 28,2 71,8
364 33,2 66,8
310 50,3 49,7
246 52,8 47,2
379 63,1 36,9
345 60,6 39,4
114 100,0 0,0
140 100,0 0,0
208 100,0 0,0
195 99,5 0,5
37*) 100,0 0,0
74 100,0 0,0
54 100,0 0,0
78 100,0 0,0
1.335
1.336
1.675
1.805
48,5 51,5
54,6 45,4
60,1 39,9
58,3 41,2
Die Zahlen stammen nicht aus dem Jahr 1987, sondern aus dem Jahr 1990, als erstmals Reifeprüfungen an dieser Schulart abgenommen wurden. Quelle: Statistik Austria - Schulstatistik 1997 sowie Schulwesen in Österreich 2001/02, Bildung in Zahlen 2007/08 und Bildung in Zahlen 2011/12; eigene Berechnungen
84
AUSBILDUNG
BERUFSREIFEPRÜFUNG Im Rahmen des Zweiten Bildungsweges ist es unter anderem möglich, die Berechtigung zum Universitäts- bzw. Hochschulzugang zu erwerben. Wer eine Berufsreifeprüfung ablegt, ist beispielsweise ebenso wie MaturantInnen zum Besuch von Universitäten, Fachhochschulen, Akademien und Kollegs berechtigt. Damit ist seit 1997 auch Personen mit abgeschlossener Lehrausbildung, AbsolventInnen berufsbildender mittlerer Schulen und Krankenpflegeschulen sowie der Schulen für den medizinisch-technischen Fachdienst eine Weiterbildung auf höchstem Niveau möglich. Zur Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung wurden eigene Lehrgänge an anerkannten Erwachsenenbildungseinrichtungen eingerichtet. Solche Lehrgänge führen in Vorarlberg die Volkshochschulen Bregenz, Götzis und Bludenz sowie die Arbeiterkammer Feldkirch und das WIFI Hohenems durch. Die Zahl der Personen, die in Vorarlberg eine Berufsreifeprüfung ablegten, stieg ziemlich kontinuierlich an, von 19 im Schuljahr 1998/99 auf 212 im Schuljahr 2010/11. Im Schuljahr 2011/12 ging die Zahl der Berufsreifeprüfungen geringfügig zurück auf 194. Der Frauenanteil, der im Lauf der Jahre stark schwankte und zwischen 35 und 60 Prozent betrug, lag im Schuljahr 2011/12 bei 49 Prozent.
STUDIENBERECHTIGUNGSPRÜFUNG Im Unterschied zur Berufsreifeprüfung vermittelt die Studienberechtigungsprüfung nur eine fachlich eingeschränkte Studienberechtigung, und zwar für eine im Voraus gewählte Studienrichtung. Das Studienzentrum Bregenz führt seit Jahren Vorbereitungslehrgänge für die Ablegung der Studienberechtigungsprüfung. Die Zahl der Personen, die eine Studienberechtigungsprüfung ablegen, steigt leicht an. In den Studienjahren 2009/10 bis 2011/12 legten pro Jahr zwischen 56 und 70 Personen (Frauenanteil zwischen 53 und 61 %), die keine Matura haben, die Studienberechtigungsprüfung ab und erwarben damit die Möglichkeit des Universitätszugangs. Die von den AbsolventInnen der letzten drei Jahre angepeilten Studienrichtungen: Von den Männern entschieden
sich
besonders
viele
für
ein
Studium
der
Rechtswissenschaft,
der
Wirtschaftswissenschaft und das Studium von Maschinenbau/Mechatronik/ Informatik. Die drei von Frauen am häufigsten gewählten Studien sind ein Studium an einer Pädagogischen Hochschule, das Studienfach Soziale Arbeit (Fachhochschule) sowie das Studium der Psychologie.
PÄDAGOGISCHE HOCHSCHULEN 85
AUSBILDUNG
Die Studierenden an Pädagogischen Hochschulen sind – so wie ehedem jene an Pädagogischen Akademien – zum überwiegenden Teil Frauen. Österreichweit beträgt der Frauenanteil an den Studierenden an öffentlichen und privaten Pädagogischen Hochschulen 78 Prozent, bei den aus Vorarlberg stammenden Studierenden beträgt er ebenfalls 78 Prozent, bei den an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg Studierenden 84 Prozent. Von den 103 Studierenden mit Wohnsitz in Vorarlberg, die im Studienjahr 2010/11 ein Lehramtsstudium an einer Pädagogischen Hochschule abschlossen, waren nur 17 Männer (16,5 %). Je nach Studienart variiert die Höhe des Frauen- bzw. Männeranteils. In der Mehrheit sind männliche Studierende an Pädagogischen Hochschulen jedoch nur im Lehramtsstudium für Polytechnische Schulen und Berufsschulen (Tab. 30). Tabelle 30: Lehramt-Studierende an Pädagogischen Hochschulen nach Studienart und Geschlecht, Österreich Wintersemester 2011/12 LehramtStudium*) für... Volksschulen Hauptschulen Sonderschulen Polytechnische Schulen Berufsschulen Fachbereich BMHS Religion an Pflichtschulen Gesamt
Anzahl der Studierenden 6.230 3.561 1.092 47
Studentinnen in %
Studenten in %
91,1 67,6 87,8 36,2
8,9 32,4 12,2 63,8
824 1.124
37,9 56,2
62,1 43,8
818
76,0
24,0
13.696
77,6
22,4
*) Bachelorstudium und Diplomstudium Quelle: Statistik Austria – Bildung in Zahlen 2011/12.
FACHHOCHSCHULEN Insgesamt studierten im Studienjahr 2011/12 1.082 Vorarlberger und Vorarlbergerinnen an österreichischen Fachhochschulen. Die Zahl der an Fachhochschulen studierenden VorarlbergerInnen hat sich seit dem Studienjahr 2000/01 verdreifacht, der Frauenanteil ist in diesem Zeitraum um 14 Prozentpunkte gestiegen – von 29 Prozent im Studienjahr 2000/01 auf 43 Prozent im Studienjahr 2011/12. Von den 410 VorarlbergerInnen (Frauenanteil: 40 %), die im Wintersemester 2011/12 ein Fachhochschulstudium aufnahmen, studierten 64 Prozent in Vorarlberg, 20 Prozent in Tirol, die restlichen 16 Prozent verteilten sich auf Fachhochschul-Studiengänge in anderen Bundesländern. 86
AUSBILDUNG
Von den 356 VorarlbergerInnen, die im Studienjahr 2010/11 ein Fachhochschulstudium abschlossen, waren 42 Prozent Frauen und 58 Prozent Männer. Der Frauenanteil an den Studierenden an der Fachhochschule Vorarlberg stieg seit 2003 von 31 auf 41 Prozent, nicht zuletzt aufgrund des Angebots eines traditionell weiblichen Ausbildungsbereichs (Sozialwissenschaften). In den einzelnen Studiengängen ist der Frauen- bzw. Männeranteil sehr unterschiedlich hoch. Die Mehrheit der Studierenden stellen die Frauen in den beiden Ausbildungsbereichen Sozialwissenschaften (79 %) und Gestaltung, Kunst (56 %). Männer bilden die Mehrheit in den Wirtschaftswissenschaften (53 %) und im Ausbildungsbereich Technik, Ingenieurwissenschaften (89 %). Tabelle 31: Studierende der Fachhochschule Vorarlberg nach Ausbildungsbereich und Geschlecht, Wintersemester 2011/12 Ausbildungsbereich
Zahl der Studierenden
Studentinnen in %
Studenten in %
342
11,4
88,6
351 153 170 1.016
47,3 78,4 55,9
52,7 21,6 44,1
41,3
58,7
Technik, Ingenieurwissenschaften Wirtschaftswissenschaften Sozialwissenschaften Gestaltung, Kunst Gesamt
Quelle: Statistik Austria – Bildung in Zahlen 2011/12.
UNIVERSITÄTEN Im Wintersemester 2011/12 studierten rund 5.574 VorarlbergerInnen an öffentlichen österreichischen Universitäten. Das sind 2,7 Prozent der an österreichischen Universitäten inskribierten InländerInnen. 50 Prozent der Vorarlberger Studierenden waren Frauen, 50 Prozent Männer (Tab. 32). Der Frauenanteil an den aus Vorarlberg stammenden inländischen Studierenden an öffentlichen Universitäten stieg im Laufe der letzten 20 Jahre kontinuierlich an, liegt jedoch etwas unter dem Österreichdurchschnitt (53 %). Der Frauenanteil an den aus Vorarlberg stammenden inländischen StudienanfängerInnen an öffentlichen Universitäten betrug im Wintersemester 2011/12 53 Prozent (Österreich: 57 %). Tabelle 32: Inländische Studierende aus Vorarlberg an österreichischen Universitäten, Hochschulen und universitären Lehrgängen, Wintersemester 2011/12
87
AUSBILDUNG
Semester + Jahr
WS 2011/12 Studierende Frauenanteil in % Männeranteil in %
Öffentliche Universitäten
Private Universitäten
FachhochschulStudiengänge
Pädagogische Hochschulen
Lehrgänge universitären Charakters
5.574 50 50
70 60 40
1.082 43 57
530 78 22
192 55 45
Quelle: Statistik Austria - Bildung in Zahlen 2011/12; eigene Berechnungen
Tabelle 33: Studienabschlüsse von inländischen Studierenden aus Vorarlberg an österreichischen Universitäten, Hochschulen und universitären Lehrgängen, Studienjahr 2011/12 Studienjahr
2011/12 Studienabschlüsse Frauenanteil in % Männeranteil in %
Öffentliche Universitäten
Private Universitäten
FachhochschulStudiengänge
Pädagogische Hochschulen
Lehrgänge universitären Charakters
876 51 49
14 64 36
356 42 58
103 84 16
82 68 32
Quelle: Statistik Austria - Bildung in Zahlen 2011/12; eigene Berechnungen
Der Frauenanteil an den VorarlbergerInnen, die ein Studium an einer öffentlichen Universität abschlossen, stieg von 48 Prozent im Studienjahr 2004/05 auf 51 Prozent im Studienjahr 2011/12 und liegt damit etwas unter dem Bundesdurchschnitt von 55 Prozent (Tab. 33). Über die Zahl der VorarlbergerInnen, die an Universitäten im Ausland studieren, liegen keine Daten vor. Bekannt ist lediglich die Zahl der Studierenden, die über das Zentrum für Fernstudien Bregenz an der Universität Hagen inskribiert sind. Derzeit (Wintersemester 2013/14) beträgt die Gesamtzahl 573, davon sind 255 Männer und 318 Frauen (Frauenanteil: 55 %). Im Studienjahr 1999/2000 hat der Frauenanteil lediglich 42 Prozent betragen.
88
AUSBILDUNG
FRAUEN UND MÄNNER IM LEHRBERUF Die Schule ist offensichtlich ein Bereich, in dem Frauen besonders erfolgreich sind. Sowohl als Lernende als auch als Lehrende. Frauen stellen weit mehr als die Hälfte der Lehrpersonen. Etwas mehr als zwei Drittel (67,9 %) der an Vorarlbergs Schulen tätigen Lehrpersonen sind Frauen (2002: 62 %). Besonders hoch ist der Anteil der Frauen an Volks- und an Sonderschulen (über 80 %) und an den humanberuflichen Schulen, an denen fast drei Viertel (72 %) der Lehrenden Frauen sind. An den allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) sind inzwischen auch mehr als die Hälfte der Lehrenden Frauen; ihr Anteil stieg in den Jahren 2009 bis 2012 von 48,2 auf 54,1 Prozent. Unter 50 Prozent liegt der Frauenanteil an den Lehrenden in den Polytechnischen Schulen (45 %) und in den Berufsschulen (28,5 %) sowie an den berufsbildenden Schulen im technischen Bereich (22,9 %). Letztlich spiegelt die Zusammensetzung des Lehrpersonals nach Schultyp und Fachrichtung deutlich die für unsere Gesellschaft typischen geschlechtsspezifischen Ausbildungs- und Berufswahlprozesse wider. Tabelle 34: LehrerInnen an Vorarlbergs Schulen nach Schulart und Geschlecht, Schuljahr 2012/13 Schulart
Allgemeinbildende Schulen: Volksschule Hauptschule/ Vorarlberger Neue Mittelschule Allgemeine Sonderschule Polytechnische Schulen AHS Berufsbildende Schulen: Berufsschule Kaufmännische Schulen*) Technische Schulen Humanberufliche Schulen Gesamt
LehrerInnen davon Frauenanteil Männer in %
Gesamtzahl
davon Frauen
Männeranteil in %
1.772 1.710
1.586 1.121
186 589
89,5 65,6
10,5 34,4
406 131 824
343 59 446
63 72 378
84,5 45,0 54,1
15,5 55,0 45,9
284 314 319 346 6.106
81 187 73 249 4.145
203 127 246 97 1.961
28,5 59,5 22,9 72,0
71,5 40,5 77,1 28,0
67,9
32,1
Handelsschulen und Handelsakademien (einschließlich aller Sonderformen) Quelle: Amt der Vorarlberger Landesregierung Abteilung IIa – Schule; Landesschulrat für Vorarlberg *)
Zwischen dem Anteil der Frauen am Lehrpersonal und ihrem Anteil an führenden Positionen im Schuldienst (Schulleitung bzw. Schulaufsicht) besteht eine auffällige Diskrepanz. Grundsätzlich 89
AUSBILDUNG
gilt auch für den Schuldienst: Je höher die Positionen, desto seltener sind Frauen darin zu finden. Während der Frauenanteil am Lehrpersonal in Vorarlberg ebenso wie österreichweit etwas mehr als zwei Drittel ausmacht (Tab. 34), beträgt er an den DirektorInnen in Vorarlberg nicht einmal die Hälfte, nämlich 44,8 Prozent (Tab. 35). Allerdings haben Frauen in diesem Bereich in Vorarlberg in den letzten zehn bis 15 Jahren enorm aufgeholt. Der Frauenanteil an den DirektorInnen ist von 15,4 Prozent im Schuljahr 1999/2000 sukzessive auf 44,8 Prozent im Schuljahr 2012/13, also um 29,4 Prozentpunkte gestiegen (Tab. 35). Das heißt, die Diskrepanz zwischen dem Frauenanteil bei den LehrerInnen und jenem bei den DirektorInnen wird zusehends geringer. Sie verringerte sich von 43,7 Prozentpunkten im Schuljahr 1999/2000 auf 23,1 Prozentpunkte im Schuljahr 2012/13. Tabelle 35: DirektorInnen an Vorarlbergs Schulen nach Schulart und Geschlecht, Schuljahr 2012/13 Schulart Gesamtzahl
Allgemeinbildende Schulen: Volksschule Hauptschule/ Vorarlberger Neue Mittelschule Allgemeine Sonderschule Polytechnische Schulen AHS Berufsbildende Schulen: Berufsschule Kaufmännische Schulen*) Technische Schulen Humanberufliche Schulen Gesamt
DirektorInnen davon davon FrauenFrauen Männer anteil in %
Männeranteil in %
Zum Vergleich: Frauenanteil im Schuljahr 1999/2000
156 54
102 7
54 47
65,4 13,0
34,6 87,0
18,8 7,2
11 8 14
5 0 1
6 8 13
45,5 0 7,1
54,5 100 92,9
25,0 0 0
8 5 3 11 270
1 0 0 5 121
7 5 3 6 149
12,5 0 0 45,5
87,5 100 100 54,5
0 0 0 41,7
44,8
55,2
15,4
Quelle: Amt der Vorarlberger Landesregierung Abteilung IIa – Schule; Landesschulrat für Vorarlberg
In den humanberuflichen Schulen, in denen die SchülerInnen praktisch zu 100 Prozent und die Lehrpersonen zu 72 Prozent weiblichen Geschlechts sind, sind mehr als die Hälfte (54,5%) der DirektorInnen Männer. Noch krasser ist das Missverhältnis an den kaufmännischen Schulen, an
90
AUSBILDUNG
denen zwar 60 Prozent der SchülerInnen sowie mehr als die Hälfte der Lehrpersonen weiblichen Geschlechts sind, es aber keine einzige Direktorin gibt. Der Nationale Bildungsbericht 2009 kommt in dem Zusammenhang – für ganz Österreich - zu dem Schluss, dass sich im Zuge der Bildungsexpansion zwar der Frauenanteil in allen schulischen Bereichen erhöht hat – sowohl der Anteil der Schülerinnen, der Lehrerinnen als auch der Direktorinnen, dass jedoch die geschlechtsspezifischen Domänen ziemlich unverändert erhalten blieben. Der Frauenanteil an der Gesamtzahl der InspektorInnen stieg vom Schuljahr 2009/2010 bis zum Schuljahr 2012/13 um 11,5 Prozentpunkte, konkret von 38,5 Prozent auf 50 Prozent. Damit ist innerhalb der Schulaufsicht die Gleichverteilung der Positionen zwischen Frauen und Männern erreicht (Tab. 36). Tabelle 36: Mitglieder der Schulaufsicht nach Schulart und Geschlecht, Vorarlberg Schuljahr 2012/13 Schuljahr 2012/13
Gesamtzahl
davon Frauen
davon Männer
Frauenanteil in %
Männeranteil in %
Zum Vergleich: Schuljahr 1999/2000 Frauenanteil in %
1 1 1
1 0 1
0 1 0
100 0 100
0 100 0
0 0 0
2
1
1
50
50
0
BezirksschulinspektorInnen Pflichtschulen
5
2
3
40
60
60
FachinspektorInnen Gesamt
4 14
2 7
2 7
50
50
50
50,0
50,0
36,8
Art der InspektorInnen LandesschulinspektorInnen Pflichtschulen Berufsschulen Allgemeinbildende Schulen (AHS) Berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS)
Quelle: Landesschulrat für Vorarlberg
91
ERWERBSARBEIT
ERWERBSARBEIT WIRTSCHAFTSSTRUKTUR Die Vorarlberger Wirtschaft trägt mit 4,7 Prozent zur österreichischen Wirtschaftsleistung bei. Vorarlberg ist ein traditionell von der Industrie geprägtes Bundesland. 38,6 Prozent der gesamten Wertschöpfung Vorarlbergs werden im Sekundären Sektor erwirtschaftet, das sind um zehn Prozentpunkte mehr als im Österreich-Durchschnitt (Tab. 37). Auf die Sachgütererzeugung entfallen 26,7 Prozent der Wertschöpfung Vorarlbergs. Die Textil- und Bekleidungsindustrie, die lange Zeit hindurch die dominante Stellung innerhalb der Vorarlberger Industrie innehatte, spielt auch in der Gegenwart eine wesentliche Rolle, allerdings haben sich die Erwerbsmöglichkeiten für Frauen in diesem Bereich verringert. Seit den siebziger Jahren kam es zu einer Erweiterung der Branchen. Nicht zuletzt aufgrund der günstigen geographischen Lage Vorarlbergs (Nähe einkommensstarker europäischer Absatzmärkte) konnte sich vor allem eine technologisch hochwertige Zulieferindustrie etablieren. Relativ wenig trägt die Land- und Forstwirtschaft zur regionalen Wertschöpfung bei. Tabelle 37: Wirtschaftsstruktur der Bundesländer 2010 Wirtschaftsbereiche
Primärer Sektor Sekundärer Sektor davon: Sachgütererzeugung Tertiärer Sektor davon: Beherbergung und Gastronomie Bruttowertschöpfung gesamt
Wien
Niederösterreich
0,1 17,3
3,0 31,6
10,0
Bur- Steier- Kärn- Ober- Salz- Tirol Vorarl- Österreich genmark ten österburg berg land reich Anteile an der nominellen Bruttowertschöpfung 2010 in %
3,7 29,0
2,5 33,7
2,0 30,7
1,9 39,1
0,9 25,5
0,9 27,5
0,6 38,6
1,5 28,7
18,8
15,7
22,9
18,2
28,0
15,6
16,6
27,7
18,4
82,6
65,4
67,3
63,8
67,3
59,1
73,6
71,6
60,8
69,8
3,1
2,8
5,8
3,9
6,6
2,5
9,4
13,5
6,8
4,9
100
100
100
100
100
100
100
100
100
100
Quelle: Statistik Austria; WIFO
Eine wichtige Rolle spielt in Vorarlberg der Tourismus, vor allem der einträglichere Wintersporttourismus. Bei der Zahl der Übernachtungen je EinwohnerIn (Tab. 38) liegt Vorarlberg an dritter Stelle der österreichischen Bundesländer, knapp vor Kärnten, aber deutlich hinter Tirol und Salzburg. Was den Anteil der Wertschöpfung im Beherbergungs- und Gaststättenwesen anlangt
92
ERWERBSARBEIT
(Tab. 37), liegt Österreichs westlichstes Bundesland ebenfalls an dritter Stelle (hinter Tirol und Salzburg). Tourismus und Industrie sind in Vorarlberg räumlich weitgehend getrennt. Während sich die Industrie auf den Vorarlberger Zentralraum im Rheintal und im angrenzenden Walgau bis Bludenz konzentriert, sind die Zentren des Tourismus der Arlberg, das Montafon und Teile des Bregenzerwaldes. Tabelle 38: Übernachtungen nach Bundesländern 2012 Bundesland Wien Niederösterreich Burgenland Steiermark Kärnten Oberösterreich Salzburg Tirol Vorarlberg Österreich
Übernachtungen je EinwohnerIn 7,1 4,2 10,3 9,2 22,7 5,1 47,6 62,2 22,8 15,5
Quelle: Statistik Austria; WIFO
Alles in allem ist Vorarlberg ein Bundesland mit hohem regionalem Wohlstand. Das reale Bruttoregionalprodukt je EinwohnerIn war im Jahr 2010 in Vorarlberg (ähnlich wie in Tirol) das dritthöchste unter den österreichischen Bundesländern (nach Wien und Salzburg). Somit weist Vorarlberg unter den von der Industrie geprägten Bundesländern (Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich) die höchste wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auf. Hinsichtlich des regionalen Wohlstands liegt Vorarlberg um 34,7% über dem Durchschnitt der EU-27-Staaten (Tab. 39). Das mittlere Einkommen der unselbständig Erwerbstätigen liegt in Vorarlberg über dem Österreichdurchschnitt. Die überdurchschnittlich hohen Einkommen werden jedoch vorwiegend von Männern erzielt. Die Frauen beziehen in Vorarlberg deutlich niedrigere Einkommen. (Siehe dazu das Kapitel „Ökonomische Situation“)
93
ERWERBSARBEIT
Tabelle 39: Bruttoregionalprodukt je EinwohnerIn nach Bundesländern 2010 Bundesland
Wien Niederösterreich Burgenland Steiermark Kärnten Oberösterreich Salzburg Tirol Vorarlberg Österreich
2010 2010 zu Kaufkraftparitäten zu laufenden je EinwohnerIn Preisen in EU 27= 100 Mio. EUR 75.503 164,5 45.418 104,9 6.609 86,5 35.775 110,2 16.055 106,9 47.666 125,7 20.834 146,1 25.051 131,8 13.369 134,7 286.397 126,9
Quelle: Statistik Austria, EUROSTAT
Die Vorarlberger Wirtschaft wuchs mittelfristig – im Zeitraum 1996 bis 2012 – überdurchschnittlich (Tab. 40). Die Bruttowertschöpfung (real) erhöhte sich pro Jahr im Durchschnitt um 2,5 Prozent (Österreich: +2,1 %). Auch die Beschäftigung stieg mittelfristig etwas stärker als im Österreichdurchschnitt, wobei das Beschäftigungswachstum überwiegend bei Frauen zu verzeichnen war. Tabelle 40: Bruttowertschöpfung real*) 1996 - 2012 Region Wien Niederösterreich Burgenland Steiermark Kärnten Oberösterreich Salzburg Tirol Vorarlberg Österreich
Zeitraum 1996 - 2012 Zeitraum 2011 – 2012 Durchschnittliche jährliche Veränderung in % +1,7 +0,3 +2,3 +1,3 +2,4 +1,6 +2,0 +1,0 +1,6 +0,1 +2,3 +0,8 +1,9 +0,9 +2,3 +1,2
+2,5 +2,1
*) real= inflationsbereinigt zu Vorjahrespreisen Quelle: WIFO
94
+1,4 +0,8
ERWERBSARBEIT
Die Beschäftigungsentwicklung der Frauen in Vorarlberg (+1,7 % pro Jahr im Zeitraum 1996 bis 2012), war um 0,4 Prozentpunkte höher als im Österreichdurchschnitt, jene der Männer um 0,1 Prozentpunkt (Tab. 41). Die Erwerbsbeteiligung der Frauen in Vorarlberg liegt etwas über dem Österreichdurchschnitt (Tab. 43). Die mittelfristige Wirtschaftsentwicklung wurde in Vorarlberg im Jahr 2012 jedoch gedämpft. Als exportintensives Bundesland mit viel Industrie musste Vorarlberg aufgrund der Verschlechterung des Welthandels eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums hinnehmen. Laut Schätzungen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung nahm 2012 in Vorarlberg die reale Bruttowertschöpfung um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu (Tab. 40). Vorarlberg schnitt damit unter den von der Industrie geprägten Bundesländern am besten ab (Österreich: 0,8 %). Somit hat sich die Vorarlberger Wirtschaft auch unter den Bedingungen einer Konjunktureintrübung als wettbewerbsstark erwiesen. Dementsprechend wirkte sich die ungünstige Konjunkturlage auf den Vorarlberger Arbeitsmarkt nicht dramatisch aus. Die Zahl der unselbständig Beschäftigten nahm 2012 um 1,4 Prozent (Tab. 41) gegenüber dem Vorjahr zu (Österreich: +1,3 %). Dieser leicht überdurchschnittliche Anstieg war auf die Beschäftigung der Frauen (Vorarlberg: +2,1%, Österreich: +1,3%) zurückzuführen, die zum Großteil teilzeitbeschäftigt sind; die Beschäftigung der Männer nahm nur um 0,8 % zu. Tabelle 41: Entwicklung der unselbständig Beschäftigten 1995 - 2009 Region
Vorarlberg Österreich
Zeitraum 1996 – 2012 Zeitraum 2011 – 2012 Durchschnittliche jährliche Veränderung in % Gesamt Frauen Männer Gesamt Frauen Männer +1,0 +1,7 +0,5 +1,4 +2,1 -0,8 +0,8 +1,3 +0,4 1,3 +1,3 +1,3
Quelle: WIFO
Die Zahl der Arbeitslosen stieg 2012 in Vorarlberg lediglich um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr an (Tab. 42). Das war der geringste Anstieg unter den österreichischen Bundesländern (Österreich +5,7 %). Aufgrund der Entwicklung im Bereich Beschäftigung (vor allem im Bauwesen) verloren insbesondere Männer in Vorarlberg ihre Arbeitsplätze (Zahl der Arbeitslosen +3,5%), während bei den Frauen die Arbeitslosigkeit sogar leicht zurückging (-0,4 %). Kein weiteres Bundesland meldete bei den Frauen einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Durch diese Entwicklung blieb in Vorarlberg auch die Arbeitslosenquote unverändert (Österreich: +0,3 95
ERWERBSARBEIT
Prozentpunkte). Die Arbeitslosenquote liegt mit 5,6 Prozent deutlich unter dem Österreichdurchschnitt (7 %). Dies trifft sowohl auf die Arbeitslosenquote der Frauen wie der Männer zu (Tab. 51). Das ist aber nicht der niedrigste Wert unter den westlichen Bundesländern, die tendenziell eine niedrigere Arbeitslosigkeit aufweisen. In Oberösterreich und Salzburg war der Arbeitsmarkt noch aufnahmefähiger. Tabelle 42: Arbeitslosigkeit – Veränderungen 2011/ 2012 Region
Vorarlberg Österreich
Entwicklung der Zahl der Arbeitslosen in % Gesamt Frauen Männer +1,6 -0,4 +3,5 +5,7 +4,4 +6,7
Veränderung der Arbeitslosenquote in Prozentpunkten Gesamt Frauen Männer +0,0 -0,1 +0,1 +0,3 +0,2 +0,3
Quelle: WIFO
ERWERBSBETEILIGUNG VON FRAUEN UND MÄNNERN Einer der auffallendsten und beständigsten Trends in den letzten Jahrzehnten ist die kontinuierliche Zunahme berufstätiger Frauen. 2012 betrug die Zahl der Erwerbstätigen (ILO)1 in Vorarlberg 189.800 Davon waren 86.900 Frauen, das sind 45,8 Prozent (2005: 43,6 %) und 102.900 Männer (54,2 %). Die Frauenerwerbsquote2 gilt allgemein als aussagekräftiger Indikator für das wirtschaftliche Entwicklungsniveau einer Region. International gesehen liegt die Erwerbsbeteiligung der Frauen in Österreich um knapp fünf Prozentpunkte über dem europäischen Durchschnitt. Die höchsten Frauenerwerbsquoten haben Schweden und Dänemark, die niedrigsten Malta und Italien. Tabelle 43: Erwerbstätigenquote der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) nach Geschlecht 2012 Region Vorarlberg Österreich
Gesamt 74,6 72,5
Erwerbstätigenquote in % Männer 80,7 77,8
Frauen 68,5 67,3
Stand: Jahresdurchschnitt 2012 Quelle: Statistik Austria –Arbeitsmarktstatistiken 1
Nach dem ILO-Konzept zählen zu den Erwerbstätigen Unselbständige, Selbständige und mithelfende Angehörige, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben (inklusive Personen in Krankenstand und auf Urlaub) sowie Lehrlinge und Personen in Elternkarenz mit aufrechtem Dienstverhältnis, nicht aber Präsenz- und Zivildiener sowie Arbeitslose. 2 Die Erwerbsquote ist der Anteil der Erwerbspersonen (= Erwerbstätige und Arbeitslose) an der Bevölkerung in Privathaushalten.
96
ERWERBSARBEIT
2012 betrug laut Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung die Erwerbstätigenquote1 der Bevölkerung im erwerbsfähigem Alter (15 – 64) in Vorarlberg 74,6 Prozent, die der Männer 80,7 und die der Frauen 68,5 Prozent (Tab. 43). Demnach liegt die Erwerbstätigenquote in Vorarlberg insgesamt um mehr als zwei Prozentpunkte über dem Österreichdurchschnitt, die der Männer ist um 2,9 Prozentpunkte höher und die der Frauen um 1,2 Prozentpunkte. Die Differenz zwischen der Erwerbstätigenquote von Frauen und jener von Männern ist in Vorarlberg höher als im Österreichdurchschnitt. Sowohl in Vorarlberg als auch in Österreich nähert sich die Erwerbstätigenquote der Frauen im Laufe der letzten Jahrzehnte jener der Männer an. Der Anstieg der Erwerbsbeteiligung der Frauen basiert seit den neunziger Jahren in erster Linie auf dem enormen Anstieg der Teilzeitbeschäftigungen. Die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen ging hingegen etwas zurück. Diese Entwicklung ist mit ein Grund, dass sich die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen nicht verkleinern. Eine steigende Erwerbsbeteiligung ist vor allem bei verheirateten Frauen und Müttern zwischen 25 und 54 Jahren zu beobachten. Letzteres ist Ausdruck der sich verändernden Rolle der Frau in der Gesellschaft. Immer mehr Frauen haben eine qualifizierte Ausbildung, und immer weniger Frauen sind daher bereit, der Familie wegen auf Beruf und eigenständige Existenzsicherung (völlig) zu verzichten. Zwischen Erwerbsbeteiligung und Bildungsniveau besteht erfahrungsgemäß bei Frauen seit jeher ein enger Zusammenhang. Ein weiterer Faktor für die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist die regionale Situation. Im Unterschied zu Männern unterscheiden sich die Erwerbsquoten von Frauen deutlich nach Gemeindegröße. Frauen, die in Städten oder in der Umgebung von Städten wohnen, sind in höherem Maß berufstätig als Frauen in kleinen Gemeinden, in denen das Angebot an Arbeitsplätzen gering ist, zumal Frauen aufgrund familiärer Verpflichtungen bzw. aufgrund der traditionellen Arbeitsteilung innerhalb der Familie weniger mobil sind. Es erstaunt daher nicht, dass die Erwerbstätigenquote der Frauen innerhalb Vorarlbergs im rein städtischen Bezirk Dornbirn am höchsten ist und im eher ländlichen Bezirk Bludenz am niedrigsten. Verglichen mit Männern besteht bei Frauen ein deutlich stärkerer Zusammenhang zwischen Erwerbsbeteiligung und familiärer Situation: Das Vorhandensein von Kindern hat einen deutlichen Einfluss auf das Ausmaß der Arbeitszeit von Frauen.
1 Die Erwerbstätigenquote ist der Anteil der Erwerbstätigen (siehe Anmerkung 1 Seite 95) an der Bevölkerung in Privathaushalten.
97
ERWERBSARBEIT
ERWERBSBETEILIGUNG VON AUSLÄNDER/INNEN Der Anteil der AusländerInnen an den unselbständig Beschäftigten in Vorarlberg ist seit 2009 von 19 auf knapp 21 Prozent gestiegen (Tab. 44). Veränderungen allerdings gibt es, was die Herkunft der ausländischen ArbeitnehmerInnen betrifft. Der Anteil der bis zum Jahr 2006 größten Gruppen ausländischer Arbeitnehmerinnen in Vorarlberg, nämlich der TürkInnen und der StaatsbürgerInnen des ehemaligen Jugoslawiens beträgt nur noch jeweils ein Viertel (2005: je 30 %). Die größte Gruppe ausländischer ArbeitnehmerInnen stellen inzwischen die deutschen Staatsangehörigen; sie machen ein Drittel der ausländischen ArbeitnehmerInnen aus. Der Frauenanteil an allen ausländischen unselbständig Erwerbstätigen beträgt 2012 39,5 Prozent. Tabelle 44: Inländische und ausländische unselbständig Beschäftigte in Vorarlberg nach Geschlecht und beruflicher Stellung 2012 Berufliche Stellung ArbeiterInnen Angestellte BeamtInnen Beschäftigte gesamt
Unselbständig Beschäftigte*) gesamt Gesamt Frauen Männer 59.155 19.556 39.599 84.476 47.066 37.410 5.965 1.966 3.999 149.596 68.588 81.008
davon AusländerInnen Gesamt 20.614 10.311 30.925
Frauen 6.876 5.351 12.227
Männer 13.738 4.960 18.698
Stand: Jahresdurchschnitt 2012 Quelle: Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
Die Erwerbstätigenquoten1 von ÖsterreicherInnen und AusländerInnen unterscheiden sich voneinander. Während die Erwerbstätigenquote der ÖsterreicherInnen in Vorarlberg im Jahr 2012 76 Prozent betrug, lag die der Nicht-ÖsterreicherInnen bei 67,1 Prozent (Tab. 45). Allerdings gibt es diesbezüglich je nach Herkunftsland der ausländischen Beschäftigten große Unterschiede. Ausländische Beschäftigte aus einem EU-Mitgliedsstaat haben eine deutlich höhere Erwerbstätigenquote als ÖsterreicherInnen. Ausländische Beschäftigte aus dem ehemaligen Jugoslawien eine deutlich niedrigere. Den größten Unterschied zwischen der Erwerbtätigenquote der Frauen und jener der Männer gibt es bei den Beschäftigten mit türkischer Staatsbürgerschaft, denn Frauen mit türkischer Staatsbürgerschaft haben nach wie vor die niedrigste Erwerbstätigenquote (44,1 %), allerdings hat sich deren Erwerbstätigenquote seit dem Jahr 2008 um knapp zehn Prozentpunkte erhöht.
1
Arbeitslose sind nicht inkludiert.
98
ERWERBSARBEIT
Tabelle 45: Erwerbstätigenquoten der 15- bis 64-Jährigen in Vorarlberg nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht 2012 Staatsangehörigkeit Österreich Nicht-Österreich EU-25 darunter EU-15 Ehemaliges Jugoslawien (ohne Slowenien) Türkei Andere
Erwerbstätigenquoten der 15- bis 64 Jährigen Gesamt in % Frauen in % Männer in % 76,0 69,9 82,0 67,1 61,4 73,4 79,7 75,7 84,1 82,2 81,0 83,3 55,9 52,1 60,6
55,5 71,9
44,1 65,7
65,2 81,0
Quelle: Statistik Austria – Arbeitsmarktstatistiken 2012
Der Ausländeranteil an den Beschäftigten differiert vor allem nach beruflicher Stellung: Während von den ArbeiterInnen etwas mehr als ein Drittel (34,9 %) AusländerInnen sind, finden sich unter den Angestellten nur knapp zwölf Prozent AusländerInnen. Insgesamt sind von den weiblichen unselbständig Beschäftigten in Vorarlberg 29 Prozent als Arbeiterinnen tätig, von den erwerbstätigen Ausländerinnen aber sind 56 Prozent Arbeiterinnen. MigrantInnen stehen auf dem Arbeitsmarkt überwiegend niedrige Positionen offen, vor allem jenen, die nicht aus einem EU-Staat kommen.
STRUKTUR DER ERWERBSTÄTIGKEIT Was die Struktur der Erwerbstätigkeit anlangt, so setzen sich die langfristigen Trends fort:
Im primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft) geht der Anteil der Erwerbstätigen seit Jahrzehnten zurück und stagniert derzeit in Vorarlberg bei knapp drei Prozent der Erwerbstätigen, etwa zwei Drittel davon sind Männer. Von den erwerbstätigen Vorarlbergerinnen sind etwa zwei Prozent in der Land- und Forstwirtschaft tätig.
Der sekundäre Sektor (Industrie und Gewerbe) verlor in den vergangenen Jahrzehnten für die Erwerbstätigen an Bedeutung, und zwar für Frauen mehr als für Männer. In den letzten Jahren ging der Anteil der in diesem Wirtschaftsbereich tätigen Personen nicht mehr zurück. 2012 arbeiteten in Vorarlberg so wie 2008 35 Prozent der Erwerbstätigen im Bereich Industrie und Gewerbe, das ist anteilsmäßig deutlich mehr als im Österreichdurchschnitt (26 %). Rückgang des Anteils der im sekundären Sektor Erwerbstätigen in Vorarlberg: o 1981: 54 Prozent 99
ERWERBSARBEIT
o 1991: 48 Prozent o 1998: 42 Prozent o 2008: 35 Prozent o 2012: 35 Prozent Der Frauenanteil im Sektor „Industrie und Gewerbe“ beträgt 23 Prozent. Von den erwerbstätigen Vorarlbergerinnen sind derzeit knapp 18 Prozent in diesem Sektor beschäftigt, 1991 war es noch mehr als ein Drittel (1998: 24 %).
Der tertiäre Sektor (Dienstleistungen) gewinnt für die Erwerbstätigen als Beschäftigungsbereich zunehmend an Bedeutung, und zwar für Frauen stärker als für Männer. Seit Anfang der neunziger Jahre arbeiten auch in Vorarlberg im Dienstleistungssektor mehr Personen als im Produktionssektor. Inzwischen sind insgesamt 62 Prozent der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor beschäftigt, und zwar mehrheitlich Frauen (Frauenanteil: 59 %). Von den erwerbstätigen Frauen arbeiten inzwischen fast 80 Prozent im Sektor „Dienstleistungen“. Anstieg des Anteils der im tertiären Sektor Erwerbstätigen in Vorarlberg: o
1981: 42 Prozent
o
1991: 49 Prozent
o
1998: 56 Prozent
o
2008: 62 Prozent
o
2012: 62 Prozent
Der Frauen- bzw. Männeranteil in den einzelnen Wirtschaftszweigen spiegelt die geschlechtsspezifische Teilung der Arbeitswelt wider und gibt Aufschluss darüber, welche Arbeitsbereiche „Frauen- bzw. Männerdomänen“ sind. Statistisch gesehen hat der Wirtschaftszweig „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ zwar sowohl für Frauen als auch für Männer große Bedeutung; in der Realität allerdings sind auch hier die Arbeitsbereiche von Frauen und Männern weitgehend getrennt, denn im Handel arbeiten zum größten Teil Frauen und im Bereich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen fast ausschließlich Männer. In den folgenden fünf Wirtschaftszweigen sind Frauen – laut Arbeitsmarktstatistik 2012 – in Vorarlberg besonders stark vertreten:
Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
Gesundheit- und Sozialwesen
Herstellung von Waren
Erziehung und Unterricht
Beherbergung und Gastronomie
100
ERWERBSARBEIT
In diesen fünf Wirtschaftsklassen arbeiten mehr als zwei Drittel (68 %) der erwerbstätigen Vorarlbergerinnen. Die Wirtschaftszweige, die für Männer in Vorarlberg vorrangige Bedeutung haben:
Herstellung von Waren
Bau
Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
Verkehr und Lagerei
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung
STELLUNG IM BERUF Von den 86.900 Frauen, die 2012 in Vorarlberg einer Erwerbsarbeit nachgingen, waren 92,5 Prozent unselbständig erwerbstätig 6,1 Prozent selbständig erwerbstätig und 1,4 Prozent mithelfende Familienangehörige Von den 102.900 erwerbstätigen Männern in Vorarlberg waren 85,7 Prozent unselbständig erwerbstätig 13,0 Prozent selbständig erwerbstätig und 1,3 Prozent mithelfende Angehörige SELBSTÄNDIG ERWERBSTÄTIGE /MITHELFENDE ANGEHÖRIGE Rund 21.100 Personen waren im Jahr 2012 in Vorarlberg Selbständig Erwerbstätige oder Mithelfende Familienangehörige. Der Anteil der selbständig Erwerbstätigen und mithelfenden Angehörigen ist in Vorarlberg geringer (11,1 %) als im Bundesdurchschnitt, wo er 13,3 Prozent beträgt. Der Anteil der selbständig erwerbstätigen Frauen an den Selbständig Erwerbstätigen (ohne mithelfende Angehörige) beträgt in Vorarlberg rund 28 Prozent und ist deutlich niedriger als im Österreichdurchschnitt (35 %). Bei den Unternehmensneugründungen (Einzelunternehmen) stieg der Frauenanteil in Vorarlberg allerdings von 34 Prozent im Jahr 2002 auf 46 Prozent im Jahr 2012 (Österreich: 35 auf 41 ). Werden die selbständigen PersonenbetreuerInnen (24-Stunden-Pflege) einbezogen, so erhöht sich der Frauenanteil an den Unternehmensneugründungen auf 63 Prozent (Österreich: 57 Prozent). In Zahlen: Frauen gründeten 2012 in Vorarlberg 377 Einzelunternehmen; unter 101
ERWERBSARBEIT
Einbeziehung der selbständigen PersonenbetreuerInnen steigt die Zahl der von Frauen in Vorarlberg gegründeten Einzelunternehmen um 339 auf 716. Bei den Männern ändert die Einbeziehung der selbständigen Personenbetreuer so gut wie nichts. Die Zahl der 2012 in Vorarlberg von Männern gegründeten Unternehmen beträgt ohne Personenbetreuer 418, unter Einbeziehung der Personenbetreuer 423. Fazit: Pflege ist nahezu ausschließlich Frauenarbeit. Die Unternehmerinnen konzentrieren sich vor allem auf drei Sparten – Gewerbe und Handwerk, Handel sowie Tourismus (Tab. 46), Männer auf Gewerbe und Handwerk, Handel und Information und Consulting. Frauen sind in allen Sparten in der Minderheit, besonders gering ist ihr Anteil in den Sparten Industrie sowie Transport und Verkehr (Tab. 46). Tabelle 46: Vorarlberger UnternehmerInnen (EinzelunternehmerInnen) nach Sparten und Geschlecht 2012 Sparten
Gewerbe und Handwerk Industrie Handel Transport und Verkehr Tourismus und Freizeitwirtschaft Information und Consulting Gesamt
Verteilung der Frauen auf die Sparten
Verteilung der Frauenanteil in den Männeranteil in Männer auf die Sparten den Sparten Sparten in %
58,2 0,7 20,2 1,2 12,2
37,2 2,2 28,3 4,2 11,6
48,7 13,6 30,2 15,0 38,8
51,3 86,4 69,8 85,0 61,2
7,5
16,5
21,7
78,2
100,0
100,0
37,7
62,3
Stand: Jahresende 2012 Quelle: Wirtschaftskammer Vorarlberg; eigene Berechnungen
Der Anteil der selbständig Erwerbstätigen, die keinen Arbeitnehmer bzw. keine Arbeitnehmerin beschäftigen, ist in Vorarlberg insgesamt höher als im Österreichdurchschnitt. Bei den Frauen beträgt der Anteil der Selbständigen ohne ArbeitnehmerIn 79 Prozent, bei den Männern 55 Prozent. Von den mithelfenden Familienangehörigen sind in Vorarlberg ebenso wie im Österreichdurchschnitt 50 Prozent Frauen. UNSELBSTÄNDIG ERWERBSTÄTIGE 168.700 Personen waren im Jahr 2012 in Vorarlberg unselbständig erwerbstätig, das sind 89 Prozent aller Erwerbstätigen. 86 Prozent der erwerbstätigen Männer und knapp 93 Prozent der erwerbstätigen Frauen Vorarlbergs sind unselbständig beschäftigt. Große geschlechtsspezifischer Unterschiede gibt es 102
ERWERBSARBEIT
hinsichtlich beruflicher Stellung: 79 Prozent der unselbständig erwerbstätigen Frauen sind Angestellte oder öffentlich Bedienstete. Von den unselbständig erwerbstätigen Männern sind nur 69 Prozent in dieser Position, 31 Prozent sind Arbeiter. Obwohl sich die Bildungsunterschiede zwischen Frauen und Männern in den letzten Jahrzehnten deutlich verringert haben, haben Frauen sichtlich Schwierigkeiten, ihre Qualifikationen in entsprechende berufliche Tätigkeiten bzw. Positionen umzusetzen. Nach wie vor gilt: Je höher die berufliche Hierarchieebene, desto geringer ist der Frauenanteil und desto höher ist der Männeranteil. Frauen stellen in Vorarlberg 2012 71 Prozent der Hilfsarbeitskräfte (Österreich: 63 %). Männer hingegen stellen 84 Prozent der Führungskräfte (Österreich: 69 %). Die oft zitierte „gläsernen Decke“, an der die Karriere von Frauen endet, ist nach wie vor vorhanden. (Zur
Entwicklung
der
Zahl
der
unselbständig
Beschäftigten
siehe
den
Abschnitt
„Wirtschaftsstruktur“, Tab. 41). Normalarbeitsverhältnis und Atypische Beschäftigungen: Zwar ist das Normalarbeitsverhältnis (unbefristete Anstellung auf Vollzeitbasis) immer noch die dominierende Erwerbsform. Im Detail betrachtet gilt diese Feststellung aber eher für Männer als für Frauen. 62 Prozent der unselbständig Beschäftigten in Vorarlberg befinden sich in einem sogenannten Normalarbeitsverhältnis (Österreich: 65 %). Weitere fünf Prozent befinden sich in Vorarlberg in einer Lehrausbildung (Österreich: 3,7 %). Rund ein Drittel der unselbständig Erwerbstätigen Beschäftigten hat eine atypische Beschäftigung (inklusive Teilzeitarbeit). Zwischen Frauen und Männern zeigen sich deutliche Unterschiede, was die Beschäftigungsform betrifft. In Vorarlberg sind 89 Prozent der Männer in einem Normalarbeitsverhältnis erwerbstätig (Österreich: 86 %), aber nur 44 Prozent der Frauen (Österreich: 50 %). Insgesamt finden sich Frauen überdurchschnittlich oft in atypischen Arbeitsverhältnissen, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass primär von Frauen erwartet wird, dass sie ihre Erwerbstätigkeit und ihre Freizeit rund um die Bedürfnisse der Familienmitglieder arrangieren. Bei atypischen Beschäftigungen handelt sich um Beschäftigungsformen, die vom sogenannten Normalarbeitsverhältnis abweichen. Das heißt aber nicht, dass atypische Beschäftigungen per se prekär sind. Mitunter bieten sie mehr Zeitsouveränität und ermöglichen ein selbstbestimmteres Arbeiten. Aber sie sind relativ häufig nicht existenzsichernd und oft mangelt es an der arbeitsund/oder sozialrechtlichen Absicherung. Unter diesen Umständen wird von prekärer Beschäftigung gesprochen. Mit Ausnahme der Leiharbeitskräfte sind Frauen in allen atypischen 103
ERWERBSARBEIT
Beschäftigungen in der Mehrheit, zum Teil in der weit überwiegenden Mehrheit (Tab. 47). Leiharbeit ist die einzige atypische Beschäftigungsform, die männerdominiert ist, da sie vorwiegend in der Sachgüterproduktion Verwendung findet. Tabelle 47: Atypische Beschäftigungen in Vorarlberg nach Geschlecht 2012 Beschäftigungsform
Beschäftigte davon MännerMänner anteil in %
Gesamtzahl
davon Frauen
Teilzeitbeschäftigtung/Arbeitszeit ab 12 Stunden pro Woche Teilzeitbeschäftigung/ Arbeitszeit unter 20 Wochenstunden
32.200
29.000
3.200
10
Zum Vergleich: Männeranteil österreichweit in % 12
11.400
9.700
1.700
15
26
Befristete Beschäftigung Leiharbeit Freier Dienstvertrag
8.900 3.400 1.400
5.300 1.600 900
3.600 1.800 500
40 53 36
45 63 41
Quelle: Statistik Austria – Arbeitsmarktstatistiken 2012
Frauen sind von atypischer Beschäftigung stärker, zum Teil weit stärker betroffen als Männer, und in Vorarlberg noch stärker als im Österreichdurchschnitt. Dies gilt jedenfalls für den Bereich der Teilzeitbeschäftigungen, der Freien Dienstverträge und der befristeten Beschäftigungen sowie der Geringfügig Beschäftigten.
ARBEITSZEIT Erwerbsarbeit und Reproduktionsarbeit, Beruf und Familie, sind keine getrennten Welten. Jedenfalls nicht für Frauen. Zwischen beiden Bereichen gibt es eine Vielzahl von Wechselwirkungen. Aufgrund ihrer Zuständigkeit für die Versorgung der Familie sind Frauen besonders häufig in geringfügigen und Teilzeitbeschäftigungen zu finden. Sonderformen der Arbeitszeit haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Betroffen davon sind vor allem Frauen. ArbeitnehmerInnen haben zunehmend flexibel bzw. „verfügbar“ zu sein. Diesen Anforderungen zu entsprechen, ist für Frauen mit familiären Verpflichtungen besonders schwierig.
104
ERWERBSARBEIT
GERINGFÜGIGE BESCHÄFTIGUNGSVERHÄLTNISSE Vorarlberg ist das Bundesland mit dem höchsten Anteil an geringfügig Beschäftigten. Der Anteil der geringfügig Beschäftigten an allen Beschäftigten Vorarlbergs stieg von 1998 bis 2012 von 7,9 auf 11 Prozent. (Österreich: 6,5 auf 9 %). Konkret: Die Zahl der geringfügig Beschäftigten erhöhte sich zwischen 1998 und 2012 in Vorarlberg von 10.316 auf 16.501 (Tab. 48). 71 Prozent der geringfügig Beschäftigten sind in Vorarlberg Frauen (Österreich: 64 %). Als geringfügig Beschäftigte werden Erwerbstätige bezeichnet, deren Entgelt unter der sogenannten Geringfügigkeitsgrenze liegt (2013: € 386,80 im Monat). Sie sind lediglich unfallversichert. Geringfügig Beschäftigte haben allerdings die Möglichkeit, sich freiwillig zu relativ günstigen Konditionen in der Kranken- und Pensionsversicherung selbst zu versichern. Tabelle 48: Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse in Vorarlberg 2012 Region
Vorarlberg Österreich
Gesamtzahl davon davon Frauen Männer 11.689 4.812 202.844 113.673
Geringfügig Beschäftigte davon ArbeiterInnen davon davon Frauen Männer 6.846 3.215 111.434 70.006
davon Angestellte davon davon Frauen Männer 4.843 1.597 91.410 43.667
Jahresdurchschnitt 2012 Quelle: Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen sind je nach Stellung im Beruf enorm. Während nur acht Prozent der Beschäftigungsverhältnisse von Arbeitern in Vorarlberg geringfügige sind, sind 35 Prozent der Arbeiterinnen in Vorarlberg geringfügig beschäftigt. Insgesamt liegt in Vorarlberg der Anteil an geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen sowohl bei Arbeitern und Arbeiterinnen als auch bei den weiblichen Angestellten über – zum Teil weit über – dem Österreichdurchschnitt. Einzig bei den männlichen Angestellten ist der Anteil der geringfügig Beschäftigten in Vorarlberg (4,3 %) geringer als im Bundesdurchschnitt (5,5 %). Laut Verdienststrukturerhebung 2010 arbeitet mehr als die Hälfte (53 %) der im Produktionsund Dienstleistungsbereich Beschäftigten für einen Niedriglohn (2010: Niedriglohngrenze € 8,52).
105
ERWERBSARBEIT
TEILZEITARBEIT Teilzeitarbeit ist überwiegend Frauenarbeit. Die Teilzeitarbeit, vor allem die der Frauen, steigt seit Ende der siebziger Jahre überproportional an. Während 1992 österreichweit jede fünfte erwerbstätige Frau teilzeitbeschäftigt war, sind es inzwischen 45 Prozent, in Vorarlberg sogar etwas mehr als die Hälfte (50,5 %). Das heißt, der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen hat sich in diesen zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten ist bei den Erwerbstätigen insgesamt und bei den unselbständig Erwerbstätigen etwa gleich hoch. Absolut gesehen war im Vergleich 2011 und 2012 bei den unselbständig Erwerbstätigen der Zuwachs an Teilzeitstellen weit größer als jener der Vollzeitstellen, wobei vom Zuwachs an Vollzeitstellen vor allem Männer profitierten. Tabelle 49: Teilzeitquoten1 nach Geschlecht 2012 Region Vorarlberg Österreich
Teilzeitquoten unselbständig Erwerbstätiger in % Gesamt Männer Frauen 26,9 7,1 50,5 25,7 9,0 44,9
Quelle: Statistik Austria – Mikrozensus-Arbeitskräfterhebung 2012
Laut Mikrozensus-Erhebung2 nach dem ILO-Konzept, das Personen ab einer Stunde Wochenarbeitszeit erfasst, sind in Vorarlberg 26,9 Prozent der unselbständig Erwerbstätigen teilzeitbeschäftigt. Von den Männern sind es 7,1 Prozent, von den Frauen jedoch bereits etwas mehr als die Hälfte (50,5 %). Von den Männern arbeiten in Vorarlberg etwas weniger, von den Frauen hingegen deutlich mehr Teilzeit als im Österreichdurchschnitt (Tab. 49). Die Arbeitszeit teilzeitbeschäftigter Frauen ist in Vorarlberg deutlich geringer als im Österreichdurchschnitt. Während 2012 in Vorarlberg 40 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen (2009: 43 %) weniger als 20 Stunden pro Woche arbeiten, sind dies im Österreichdurchschnitt nur 27 Prozent (Tab. 50). Was die Motive für Teilzeitarbeit anlangt, gibt es auffallende geschlechtsspezifische Unterschiede. Für Frauen ist das Hauptmotiv für Teilzeitarbeit die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Erwachsenen. Für Männer hingegen ist das Hauptmotiv die schulische oder berufliche Aus- und Weiterbildung.
1 Die Angaben entsprechen dem Labour-Force-Konzept, dem zufolge eine Arbeitszeit zwischen einer und 35 Wochenstunden als Teilzeitarbeit gilt. 2 Für Mikrozensus-Erhebungen gelten Arbeitszeiten unter 36 Wochenstunden als Teilzeitarbeit.
106
ERWERBSARBEIT
Tabelle 50: Teilzeitbeschäftigte Frauen nach wöchentlicher Arbeitszeit, 2012 Wöchentliche Arbeitszeit Bis 11 Stunden 12 - 19 Stunden 20 – 24 Stunden 25 – 35 Stunden
Teilzeitbeschäftigte Frauen in % Vorarlberg Österreich 23 15 17 12 29 29 31 44 100 100
Quelle: Statistik Austria – Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2012
Teilerwerbstätigkeit hat Vor-, aber auch Nachteile. Einerseits ist Teilzeitarbeit mit der Betreuung von Kindern leichter vereinbar und verringert – im Unterschied zu einem totalen Ausstieg aus dem Erwerbsleben – die berufliche Dequalifizierung. Teilzeit zu arbeiten kann auch ein Zeichen dafür sein, dass eine Person der Erwerbsarbeit nicht die zentrale Rolle im Leben beimisst, sondern auch Zeit für andere Tätigkeiten bzw. Interessen haben möchte. Teilzeitarbeit aber ist in den seltensten Fällen – allein wegen der geringeren Zahl an Wochenstunden - existenzsichernd. Dazu kommt: Die Stundenlöhne für Teilzeitarbeit sind – jedenfalls im Produktions- und im Dienstleistungsbereich – laut Verdienststrukturerhebung 2010 um ein knappes Viertel niedriger als die Stundenlöhne für Vollzeitarbeit. Nahezu ein Viertel der Teilzeitbeschäftigten arbeitet für einen Niedriglohn (Niedriglohngrenze 2010: € 8,52). Prekär wird die Situation sowohl im Fall einer Scheidung, als auch im Falle von Arbeitslosigkeit und im Alter, denn die Höhe des Erwerbeinkommens beeinflusst auch die Höhe von Arbeitslosengeld, Notstandshilfe und Pension. Und: Teilzeitbeschäftigte Frauen bleiben de facto voll zuständig für die Familienarbeit. Das heißt, Teilzeitarbeit zementiert auch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Männer bleiben dadurch von Haus-, Betreuungs- und Versorgungsarbeit entlastet. Obwohl die vorübergehende Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, durchaus sinnvoll sein kann, beispielsweise wegen der Betreuung von Kleinkindern, so zeigt die Erfahrung, dass einmal Teilzeitarbeit für Frauen sehr oft immer Teilzeitarbeit bedeutet. Der Umstieg auf eine Vollzeitstelle gelingt oft nicht mehr. Das bedeutet zumeist aber auch Verzicht auf einen beruflichen Aufstieg. Denn verantwortungsvolle, gut bezahlte Aufgaben werden weit eher Vollzeitbeschäftigten übertragen. Die Folge: Eine zunehmende Zahl an Frauen verzichtet trotz Kinderwunsch aufgrund dieser unbefriedigenden Situation auf Kinder. Frauen sind – aufgrund familiärer Aufgaben – nicht nur in einem weit höheren Maß teilzeitbeschäftigt als Männer, auch die Jahresarbeitszeit unterscheidet sich nach dem Geschlecht. 107
ERWERBSARBEIT
Nicht-ganzjährige Beschäftigungen (z.B. Saisonarbeiten) werden eher von Frauen als von Männern ausgeübt. Umgekehrt leisten eher Männer als Frauen Überstunden. Österreichweit wurden 2012 im Durchschnitt acht Überstunden bzw. – im Falle von Teilzeitarbeit – Mehrstunden pro Woche und Person (mit mindestens einer Überstunde) verrichtet. Rund ein Fünftel (20,3 %) aller unselbständig Erwerbstätigen machten 2012 in ihrer Haupttätigkeit Überstunden. Von den unselbständig erwerbstätigen Männern waren es 25,9 Prozent, von den Frauen 14 Prozent. Nicht alle geleisteten Überstunden werden bezahlt oder durch einen entsprechenden Zeitausgleich mit Zuschlägen abgegolten. 2012 wurde rund ein Viertel weniger Überstunden bezahlt als geleistet. Der Anteil unbezahlt geleisteter Überstunden liegt bei Frauen deutlich höher (29 %) als bei Männern (21 %). Auch von Schicht-, Turnus- und Wechseldienst sind sowohl in Vorarlberg als auch österreichweit etwas mehr Männer (20 %) betroffen als Frauen (16 % in Vorarlberg, Österreich: 18 %). Männer leisten auch eher Arbeit am Abend sowie Nachtarbeit, und dies auch regelmäßig.
ARBEITSLOSIGKEIT 2012 hatte Österreich die niedrigste Arbeitslosenquote der 27 EU-Staaten. In Vorarlberg lag das Niveau der Arbeitslosigkeit sogar deutlich unter dem Österreichdurchschnitt. Im Jahresdurchschnitt betrug die Arbeitslosenquote in Vorarlberg 5,6 Prozent. Die Frauenarbeitslosigkeit war mit 5,8 Prozent etwas höher als die der Männer (5,4 %). Gegenüber dem Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit in Vorarlberg um 1,6 Prozent, damit hatte Vorarlberg die geringste prozentuelle Zunahme aller Bundesländer. Die Arbeitslosigkeit der Frauen war rückläufig, jene der Männer stieg an. Besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind allerdings Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Die Zahl der ausländischen Arbeitslosen stieg zwischen 2011 und 2012 um 6,3 Prozent. Tabelle 51: Arbeitslosenquote 2012 nach Geschlecht Region Vorarlberg Österreich Quelle: AMS
108
Arbeitslosenquote in % Gesamt 5,6 7,0
Männer 5,4 7,4
Frauen 5,8 6,5
ERWERBSARBEIT
Fachleute gehen übrigens davon aus, dass die Arbeitslosigkeit von Frauen unterschätzt wird, denn mehr Frauen als Männer haben keinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung und lassen sich daher
häufig nicht als arbeitsuchend vormerken. Dazu kommt, dass der Status der
Arbeitslosigkeit als negativ empfunden wird, weshalb Frauen es mitunter vorziehen, sich als Hausfrauen zu bezeichnen bzw. sich aufgrund vergeblicher Arbeitssuche tatsächlich mit der Rolle der Hausfrau begnügen. Diese „versteckte Arbeitslosigkeit“
wird bei der Berechnung von
Arbeitslosigkeit nicht berücksichtigt. Schätzungen von Fachleuten zufolge würde ein Fünftel der Hausfrauen, obwohl sie nicht als arbeitsuchend gemeldet sind, gern erwerbstätig sein. Die vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote vor allem von Personen aus sogenannten Drittstaaten ist zum einen darauf zurückzuführen, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt für sie schwieriger ist, sie entweder geringe Qualifikationen haben und damit von Rationalisierungen als erste betroffen sind oder die Qualifikationen, die sie in ihrem Herkunftsland erworben haben, in Österreich nicht umsetzen können. Eine gute Ausbildung kann das Risiko, arbeitslos zu werden, wesentlich verringern. Allerdings ist in diesem Zusammenhang nicht nur das Ausbildungsniveau entscheidend, sondern auch das Faktum, ob es sich um eine Berufsausbildung handelt. Die niedrigsten Erwerbstätigenquoten und gleichzeitig die höchsten Arbeitslosenquoten weisen Personen auf, die maximal einen Pflichtschulabschluss haben, gefolgt von jenen, deren höchster Bildungsabschluss die Matura an einer Allgemeinbildenden höheren Schule (AHS) ist. AbsolventInnen einer allgemeinbildenden höheren Schule sind fast doppelt so oft von Arbeitslosigkeit betroffen wie AbsolventInnen einer berufsbildenden höheren Schule (BHS). Sie haben, so Statistik Austria, im Durchschnitt ein ähnlich hohes Risiko und im Alter zwischen 35 und 55 Jahre sogar eine höheres Risiko, arbeitslos zu werden, als Personen mit Lehrabschluss. Das heißt, Berufsbildung schützt eher vor Arbeitslosigkeit als Allgemeinbildung: Personen mit BHS-Matura haben auf dem Arbeitsmarkt ähnlich gute Chancen wie Personen mit einem Universitätsabschluss.
GLEICHBEHANDLUNG IN DER PRIVATWIRTSCHAFT Die Gleichbehandlung und Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt (Privatwirtschaft) ist im Gleichbehandlungsgesetz (BGBl. 66/2004 idgF) geregelt. In Anpassung an die Gleichbehandlungsrichtlinien der Europäischen Union wurde das Gesetz immer wieder inhaltlich erweitert. 109
ERWERBSARBEIT
Seit dem Jahr 1998 existiert in Innsbruck ein eigenes Regionalbüro für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt, sofern es sich um Arbeitsverhältnisse in der Privatwirtschaft handelt. Die in Innsbruck tätigen Regionalanwältinnen sind zuständig für die Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Die Zahl der Erstberatungen der Regionalanwaltschaft in Innsbruck stiegen von 251 im Jahr 2000 auf 532 im Jahr 2011. Der weitaus größte Teil der Ratsuchenden kommt aus Tirol; in den Jahren 2010 und 2011 waren dies 54 bzw. 65 Prozent, was zeigt, wie wichtig die leichte Erreichbarkeit einer solchen Beratungseinrichtung ist. Die Zahl der Erstberatungen von VorarlbergerInnen lag in den Jahren 2010 und 2011 um die 90 pro Jahr. Rund die Hälfte der Erstgespräche mit VorarlbergerInnen behandelten allgemeine Fragen zum Gleichbehandlungsgesetz. Die am häufigsten angesprochenen Tatbestände betrafen Sexuelle Belästigung, Diskriminierung bei Stellenausschreibungen und bei der Entgeltzahlung. Rund 27 Prozent der Personen, mit denen die Regionalanwaltschaft Gespräche führte, waren Männer – darunter auch Arbeitgeber, Personalverantwortliche etc., die sich in Sachen Gleichbehandlung informieren ließen bzw. Interesse an der Durchführung einschlägiger Weiterbildungsveranstaltungen hatten. Von den Vorarlberger Ratsuchenden waren nur 15 bis 18 Prozent Männer.
INTERESSENVERTRETUNGEN Der Anteil der Frauen an den unselbständig Beschäftigten beträgt in Vorarlberg rund 46 Prozent. Der Frauenanteil an den gewählten Interessenvertretungen der ArbeitnehmerInnen im Betrieb, den BetriebsrätInnen (Privatwirtschaft) und den PersonalvertreterInnen (Öffentlicher Dienst) ist niedriger. Der Frauenanteil an den BetriebsrätInnen stieg in den letzten Jahren in Vorarlberg sukzessive an. Anstieg des Frauenanteils an den Betriebsrätinnen: o
2003: 25 Prozent
o
2007: 30 Prozent
o
2010: 33 Prozent
o
2014: 36 Prozent
Der Frauenanteil an den PersonalvertreterInnen stieg stärker an. Er beträgt derzeit 44 Prozent (2010: 31 %, 2003: 25 %). Auch im Bereich der betrieblichen Interessenvertretung nimmt der Frauenanteil mit der Höhe der Funktion ab. Unter den Betriebsratsvorsitzenden gibt es weniger Frauen als unter den BetriebsrätInnen.
110
ERWERBSARBEIT
Von den Betriebsratsvorsitzenden sind derzeit 22 Prozent Frauen (2007: 21 %), von den ErsatzbetriebsrätInnen 37 Prozent. Der Frauenanteil an den Vorsitzenden der Personalvertretung sank allerdings auf 8,5 Prozent (2007: 28 %). Der Frauenanteil an den JugendvertrauensrätInnen sank von 28 Prozent im Jahr 2007 auf 18 Prozent im Jahr 2010 und stieg bis zum Jahr 2014 auf 34 Prozent. Von den Vorsitzenden der JugendvertrauensrätInnen sind sogar 45 Prozent Frauen. Tabelle 52: Mitglieder und FunktionärInnen der Vorarlberger Arbeiterkammer nach Geschlecht 2014 Vorarlberger Arbeiterkammer Absolute Zahl Mitglieder 144.634 FunktionärInnen Präsidium 1 PräsidentIn 3 ...VizepräsidentInnen Vorstand (Stimmberechtigte Mitglieder) 11 Kontrollausschuss 15 Vollversammlung 70
davon Frauen
Frauenanteil in %
67.491
46,7
0 1
0 33,3
3 3 18
27,2 20,0
25,7
*) Die
Vollversammlung setzt sich zusammen aus dem Präsidium und den KammerrätInnen (inklusive der stimmberechtigten Mitglieder des Vorstands) Stand: März 2014 Quelle: Arbeiterkammer Vorarlberg
Auch für die großen gesetzlichen Interessenvertretungen – und zwar für die der unselbständig Erwerbstätigen (Kammer für Arbeiter und Angestellte) ebenso wie für die der selbständig Erwerbstätigen (Wirtschaftskammer) gilt: Der Frauenanteil an den gewählten FunktionärInnen ist nicht annähernd so hoch wie der Frauenanteil an den Erwerbstätigen, deren Interessen sie vertreten (Tab. 52 und 53). Der Frauenanteil an den KammerrätInnen der AK Vorarlberg stieg seit 2007 von 18,6 auf 25,7 Prozent. Im Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Vorarlberg ist der Frauenanteil deutlich niedriger, er stieg allerdings seit 2007 stärker an, von 1,7 auf 9,8 Prozent.
111
ERWERBSARBEIT
Tabelle 53: Mitglieder*) und FunktionärInnen der Vorarlberger Wirtschaftskammer nach Geschlecht 2013 Vorarlberger Wirtschaftskammer Mitglieder FunktionärInnen Präsidium PräsidentIn VizepräsidentInnen Engeres Präsidium Erweitertes Präsidium (Stimmberechtigte Mitglieder) Wirtschaftsparlament**) *)
Absolute Zahl
davon Frauen
18.414 972
7.659 108
Frauenanteil in % 41,6 11,1
1 3 4
0 0 0
0 0 0
14 61
1 6
7,1
9,8
Aktive und ruhende. **) Das Wirtschaftsparlament setzt sich zusammen aus dem Präsidium und den SpartenvertreterInnen (inklusive der stimmberechtigten Mitglieder des erweiterten Präsidiums). Stand: 31.12.2013 Quelle: Wirtschaftskammer Vorarlberg
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EXKURS: FRAUEN UND MÄNNER IM LANDESDIENST
EXKURS: FRAUEN UND MÄNNER IM LANDESDIENST LANDESBEDIENSTETE Die Situation von Frauen im öffentlichen Dienst ist nur bedingt mit jener in der Privatwirtschaft vergleichbar. Dienst- und besoldungsrechtlich sind die Frauen im Landesdienst den Männern gleichgestellt. Zu den Landesbediensteten zählen die in der Landesverwaltung und in den Landkrankenanstalten beschäftigten Personen sowie die LandeslehrerInnen. Trotz formaler Gleichbehandlung aber – so zeigt die Erfahrung – sind Frauen auch im Landesdienst Männern keineswegs gleichgestellt. In den einzelnen Tätigkeitsbereichen und auf den verschiedenen Hierarchieebenen sind Männer und Frauen sehr ungleich vertreten. Seit 1997 existiert in Vorarlberg ein Frauenförderungsgesetz, mit dem sich das Land verpflichtet, die Chancengleichheit von Frauen in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt gezielt zu fördern. Das Landes-Frauenförderungsgesetz befasst sich auch ausdrücklich mit der Frauenförderung innerhalb des Landesdienstes. Inzwischen wurde bereits zum zweiten Mal ein „Rahmenplan zu Chancengleichheit und Frauenförderung für die Landesbediensteten“ - unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Bediensteten – erstellt. Gemäß Landes-Frauenförderungsgesetz hat die Personalvertretung eine Anlaufstelle zur Förderung der Chancengleichheit errichtet. 2005 verabschiedete Vorarlberg ein Antidiskriminierungsgesetz. Zuständig für Antidiskriminierung sind -
die Landesvolksanwaltschaft als Antidiskriminierungsstelle
-
die Patientenanwaltschaft für das Land Vorarlberg, sofern es um Diskriminierungen in deren Aufgabenbereich geht.
In seiner Funktion als Arbeitgeber war das Land Vorarlberg immer bemüht, die Zahl der Teilzeitarbeitsplätze zu erhöhen. Am höchsten ist der Anteil der teilzeitbeschäftigten Männer und Frauen im Bereich Krankenanstalten (40 %), gefolgt von den LandeslehrerInnen (30 %). In der Landesverwaltung beträgt der Anteil der Teilzeitbeschäftigten knapp 27 Prozent. In allen drei Bereichen ist der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen um vieles höher als jener der Männer: Insgesamt sind 87 Prozent der teilzeitbeschäftigten Landesbediensteten Frauen. Innerhalb der LandeslehrerInnen beträgt der Frauenanteil an den Teilzeitbeschäftigten 91 Prozent, in den Krankenanstalten 90 Prozent und in der Verwaltung 85 Prozent.
113
EXKURS: FRAUEN UND MÄNNER IM LANDESDIENST
LANDESVERWALTUNG Die Zuordnung zu den vier Funktionsbereichen vermittelt ein anschauliches Bild davon, wo Frauen und wo Männer innerhalb der Hierarchie stark bzw. spärlich vertreten sind (Tab. 54 und 55) und wie sich die Situation in den letzten zehn Jahren verändert hat. Knapp die Hälfte (49,5 %) der in der Verwaltung tätigen weiblichen Landesbediensteten (Tab. 54) sind der untersten und auch am geringsten bezahlten Hierarchieebene „ausführende Funktionen“ zugeordnet. 2002 waren es noch 63 Prozent gewesen. Das heißt, der Anteil der weiblichen Verwaltungsbediensteten, die in der untersten Funktionsebene tätig sind, hat sich innerhalb von zehn Jahren um vierzehn Prozentpunkte verringert. Der Anteil der weiblichen Verwaltungsbediensteten, die als Sachbearbeiterinnen tätig sind, hat sich im gleichen Zeitraum (2002 – 2012) von 26,4 auf 31,8 Prozent erhöht (Männer: 38,2 %), jener , die als Expertinnen tätig sind, von 9,5 auf 16,4 Prozent (Männer: 20,6 %) und der Anteil der weiblichen Verwaltungsbediensteten, die in Leitungsfunktionen tätig sind, stieg von einem auf 2,3 Prozent (Männer: 16,6 %). Mit anderen Worten: Obwohl in den einzelnen Funktionsbereichen der Anteil der Frauen gestiegen ist, arbeitet die größte Gruppe der weiblichen Verwaltungsbediensteten (49,5 %) nach wie vor im untersten Funktionsbereich (Männer: 24,5 %). Je höher der Funktionsbereich in der Hierarchie (und je höher das Einkommen), desto weniger Frauen arbeiten in dem Bereich. Prozentuell erhöht hat sich in den zehn Jahren zwischen 2002 und 2012 vor allem der Anteil der weiblichen Beschäftigten, die in den beiden höchsten Funktionsebenen beschäftigt sind (Tab. 55). Der Frauenanteil an den Personen, die in Leitungsfunktionen tätig sind, stieg von vier auf zehn Prozent, der Frauenanteil an den ExpertInnen stieg von 24,6 auf 39,1 Prozent und der Anteil der Frauen an den SachbearbeiterInnen stieg von 30,1 auf 40,2 Prozent. Zehn Prozent der Leitungsfunktionen sind inzwischen mit Frauen besetzt (2002: 4 %) und 90 Prozent mit Männern (2002: 96 %). Von den ExpertInnen sind 39,1 Prozent Frauen und 60,9 Prozent Männer (2002 war das Verhältnis 25 : 75). Tabelle 54: Anteil der Bediensteten der Landesverwaltung nach Funktionsbereichen und Geschlecht, 2012 Funktionsbereiche Leitungsfunktionen ExpertInnen Sachbearbeitung Ausführende Funktion Gesamt
Anteil an den weiblichen Bediensteten in % 2,3 16,4 31,8 49,5
Anteil an den männlichen Bediensteten in Prozent 16,6 20,6 38,2 24,5
100,0
100,0
Quelle: Personalabteilung des Amtes der Vorarlberger Landesregierung
114
EXKURS: FRAUEN UND MÄNNER IM LANDESDIENST
Tabelle 55: Beschäftigte der Landesverwaltung nach Funktion und Geschlecht 2002 – 2012 Funktionsbereich Zahl Leitungsfunktion davon Frauen davon Männer ExpertInnen davon Frauen ...davon Männer Sachberarbeitung davon Frauen davon Männer Ausführende Funktion davon Frauen davon Männer Gesamt davon Frauen davon Männer
170 7 163 252 62 190 575 173 402 695 413 282 1.692 655 1.037
2002 Anteil in % 100,0 4,1 95,0 100,0 24,6 75,4 100,0 30,1 69,9 100,0 59,4 40,6 100,0 38,7 61,3
Bedienstete innerhalb des BRP*) 2008 2012 Zahl Anteil in Zahl Anteil in % % 169 100,0 170 100,0 14 8,3 17 10,0 155 91,7 153 90,0 253 100,0 312 100,0 71 28,1 122 39,1 182 71,9 190 60,9 601 100,0 589 100,0 217 36,1 237 40,2 384 63,9 352 59,8 612 376 236 1.635 678 957
100,0 61,4 38,6 100,0 41,5 58,5
595 369 226 1.666 745 921
100,0 62,0 38,0 100,0 44,7 55,3
2002 - 2012 Veränderung in % +0,0 +142,9 -6,1 +23,8 +96,8 +0,0 +2,4 +37,0 -12,4 -14,4 -10,7 -19,9 -1,5 +13,7 -11,2
*)BRP
= Beschäftigungsrahmenplan Stand: 31.12.2012 Quelle: Personalabteilung des Amtes der Vorarlberger Landesregierung
Im Bereich Verwaltung arbeiten insgesamt 26,7 Prozent der Beschäftigten Teilzeit, von den Frauen etwas mehr als die Hälfte (50,7 %), von den Männern hingegen nur 7,4 Prozent (Tab. 56). Nach Funktionsbereichen sind die Anteile der Teilzeitbeschäftigten unterschiedlich. Die geringsten Anteile an Teilzeitbeschäftigen (und an teilzeitbeschäftigten Frauen) finden sich in den Leitungsfunktionen, also auf der höchsten Hierarchieebene. Der höchste Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen findet sich auf der untersten Hierarchieebene, innerhalb der ausführenden Funktionen.
115
EXKURS: FRAUEN UND MÄNNER IM LANDESDIENST
Tabelle 56: Teilzeitbeschäftigte Verwaltungsbedienstete nach Funktionsbereich und Geschlecht, 2012 Funktionsbereich
Teilzeitbeschäftigte in % insgesamt Beschäftigten
Leitungsfunktionen davon Frauen davon Männer ExpertInnen davon Frauen davon Männer SachbearbeiterInnen davon Frauen davon Männer Ausführende Funktionen davon Frauen davon Männer Gesamt davon Frauen davon Männer
6,5 23,5 4,6
27,6 50,0 13,2
19,5 37,1 7,7
39,2 61,0 3,5 26,7 50,7 7,4
Quelle: Personalabteilung des Amtes der Vorarlberger Landesregierung
LANDESKRANKENANSTALTEN Das Gesundheitswesen ist eine Frauendomäne. Allerdings zeigt sich auch hier, dass in den höchsten und bestbezahlten Funktionen Männer in der Mehrheit sind. In den Landeskrankenanstalten Vorarlbergs beträgt der Frauenanteil an den Bediensteten im Jahr 2012 insgesamt 69 Prozent. Er ist in den letzten zehn Jahren nur um rund ein Prozent gestiegen. Auch hinsichtlich des Frauenanteils in den einzelnen Verwendungsgruppen sind die Veränderungen minimal. Einzige Ausnahme: Der Frauenanteil an den ÄrztInnen ist in den Jahren 2011 und 2012 um 4,3 Prozentpunkte gestiegen. Nach wie vor aber ist die höchste Verwendungsgruppe (A/a) die einzige, in welcher Frauen in der Minderheit sind (Tab. 57). Ihr Anteil beträgt inzwischen 37,5 Prozent (2006: 31,6 %). Die größte Gruppe der in den Landeskrankenanstalten beschäftigten Frauen findet sich in Verwendungsgruppe C/c, die den Pflegebereich umfasst; hier arbeitet so wie in der Vergangenheit etwas mehr als die Hälfte aller in den Landeskrankenanstalten beschäftigten Frauen (52 %). In der Verwendungsgruppe A/a hingegen arbeiten nur 8,5 Prozent der weiblichen, aber ein knappes Drittel (31,7 %) der männlichen Bediensteten.
116
EXKURS: FRAUEN UND MÄNNER IM LANDESDIENST
Tabelle 57: Bedienstete*) der Krankenanstalten nach Verwendungsgruppen und Geschlecht 2012
Verwendungsgruppen/Di enstklassen
Gesamtzahl
Aktive BeamtInnen und Angestellte*) davon davon Frauenanteil Männeranteil Männer in % in % Frauen
Verwendungsgruppe A/a
554
208
346
37,5
62,5
Verwendungsgruppe B/b
249
189
60
75,9
24,1
Verwendungsgruppe C/c Verwendungsgruppe D/d Verwendungsgruppe e Angestellte in handwerklicher Verwendung Gesamt
1.685 685 1 353
1.269 478 0 293
416 207 1 60
75,3 69,8 83,0
24,7 30,2 100,0 17,0
3.527
2.437
1.090
69,1
30,9
Stand: 31.12.2012 *) Die Zahlen beinhalten nur die aktiven Bediensteten (aktive BeamtInnen und Angestellte) ohne TurnusärztInnen. Bedienstete die sich in Karenz oder Sonderurlaub befinden, sind nicht berücksichtigt. Quelle: Krankenhausbetriebsgesellschaft
Teilzeitarbeit wurde und wird auch an den Vorarlberger Landeskrankenanstalten bewusst gefördert, sofern es sich mit den betrieblichen Erfordernissen vereinbaren lässt. Damit wird ohne Zweifel verhindert, dass qualifizierte und gut eingearbeitete Mitarbeiterinnen aufgrund von Betreuungspflichten aus dem Beruf ausscheiden. Tatsache ist, dass das weibliche medizinische Personal von der Möglichkeit der Teilzeitarbeit viel häufiger Gebrauch macht als Männer. Mehr als die Hälfte der weiblichen Beschäftigten der Krankenanstalten arbeitet inzwischen Teilzeit, konkret: 52,3 Prozent (2006: 44,6 %), von den Männern arbeiten zwar auch zunehmend mehr, aber doch nur 13,6 Prozent Teilzeit (2006: 9 %). Dies zeigt, welchen Einfluss die traditionelle Rollenverteilung bzw. die gesellschaftlichen Erwartungen hinsichtlich Haushaltsführung und Kinderbetreuung nach wie vor auf das Verhalten und auf die Entscheidungen von Männern und Frauen ausüben. Und es zeigt sich auch, dass die Entscheidung, Teilzeit zu arbeiten, für Frauen negative berufliche Konsequenzen zeitigt. Sie ist mit ein Grund, und zwar offenbar ein wesentlicher Grund, dass Frauen eher selten in leitende Positionen kommen. In den drei Verwendungsgruppen A/a, B/b und C/c ist der Anteil der Männer in Leitungsfunktionen um vieles höher als der Anteil der männlichen Beschäftigten in diesen Verwendungsgruppen (Tab. 57 und Tab. 58). So beträgt der Männeranteil in der Verwendungsgruppe C/c nicht einmal ein Viertel (24,7 %), aber mehr als die Hälfte der Leitungsfunktionen in dieser Verwendungsgruppe (52,1) %) haben Männer inne. 117
EXKURS: FRAUEN UND MÄNNER IM LANDESDIENST
Tabelle 58 : Personal der Krankenanstalten in Leitungsfunktionen nach Geschlecht, 2012 Verwendungsgruppen/ Dienstklassen Verwendungsgruppe A/a Verwendungsgruppe B/b Verwendungsgruppe C/c Verwendungsgruppe D/d Verwendungsgruppe e Angestellte in handwerklicher Verwendung Gesamt
Gesamt 205 17 94 1
Personal in Leitungsfunktionen davon davon Frauenanteil Männeranteil Frauen Männer in % in % 28 177 13,7 86,3 9,5 7,5 55,9 44,1 45 49 47,9 52,1 1 0 100 0
0 0
0 0
0
0 0
0 0
317
83,5
233,5
26,3
73,7
Stand: 31.12.2012 Quelle: Krankenhausbetriebsgesellschaft
LANDESSCHULEN Im Schuljahr 2012/13 waren 4.303 LehrerInnen an Landesschulen tätig. 74 Prozent davon waren Frauen. Die LandeslehrerInnen haben – von allen Bereichen des Landesdienstes – den niedrigsten Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen (37 %), der Anteil der teilzeitbeschäftigten Männer beträgt knapp elf Prozent. Gegenüber dem Schuljahr 2009/10 ist der Anteil der teilzeitbeschäftigten Lehrerinnen um ein Prozent gestiegen, jener der teilzeitbeschäftigten Lehrer um etwas mehr ein Prozent zurückgegangen. Die DirektorInnen der Landesschulen arbeiten alle Vollzeit. (Siehe auch Abschnitt „Frauen und Männer im Lehrberuf“)
118
ÖKONOMISCHE SITUATION
ÖKONOMISCHE SITUATION EINKOMMEN, GESCHLECHT UND ALTER Gemäß dem vom Weltwirtschaftsforum veröffentlichten „Global Gender Gap Report 2013“, der 136 Staaten bezüglich geschlechtsspezifischer Disparitäten vergleicht, kam Österreich im Gesamtranking auf Rang 19 (2012: 20). Dies ist das beste Ergebnis, das Österreich im Rahmen der seit 2006 durchgeführten Erhebung erzielte. Was den Subindex Wirtschaftliche Gleichstellung (korrekt: Ökonomische Partizipation und Chancen) betrifft, schneidet Österreich jedoch weitaus schlechter ab. Hier liegt Österreich auf Platz 69 (2012: 70). Relevant in diesem Zusammenhang sind die Erwerbstätigenquote der Frauen, der Anteil der Frauen in Leitungspositionen, der Facharbeiterinnen und Technikerinnen sowie die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern in „vergleichbaren Tätigkeiten“. Was den Teilbereich „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ betrifft, schneidet Österreich besonders schlecht ab, es findet sich auf Rang 96 (2012: 99). Tatsächlich sind die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in Österreich auffallend hoch. In den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union betrugen laut EUROSTAT die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten bezüglich des Stundenlohns im Jahr 2011 im Durchschnitt 16,2 Prozent (2007: 17,4 %). Österreich lag mit einem Lohnunterschied von 23,7 Prozent (2007: 25,5 %) – ähnlich wie in den vorangegangenen Jahren - an vorletzter Stelle aller EU-Staaten. Der einzige Staat innerhalb der Europäischen Union, in dem die geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich Stundenlohn noch größer war als in Österreich, war Estland (27,3 %). Insgesamt zeigt sich, dass österreichweit etwas mehr als 40 Prozent der unselbständig erwerbstätigen Frauen finanziell nicht ohne weiteres in der Lage wären, allein zu leben. Denn ihr Jahreseinkommen liegt unter dem von EUROSTAT berechneten Grenzwert für Armutsgefährdung (für einen Einpersonenhaushalt in Österreich 2011: € 12.796,- netto im Jahr) Neben Wirtschaftsklasse und beruflicher Stellung ist das Alter für das Einkommensniveau von Bedeutung. Wirksam wird das Senioritätsprinzip allerdings nur bei männlichen Angestellten, und die stellen nur 27 Prozent aller unselbständig Beschäftigten. Männliche Angestellte haben in ihrem Erwerbsleben üblicherweise einen ansteigenden Einkommensverlauf. 2010 verdienten männliche Angestellte zwischen 55 und 59 Jahren mehr als doppelt so viel wie Berufseinsteiger im Alter zwischen 20 und 24 Jahren. Bei den Arbeitern stiegen die Löhne nur um 19 Prozent. Bei Frauen ist der Zusammenhang zwischen Einkommen und Alter ein gänzlich anderer. Zwar steigt das mittlere Einkommen von Frauen in jungen Jahren ebenfalls an, allerdings kommt es zum 119
ÖKONOMISCHE SITUATION
Zeitpunkt, an dem die Arbeitszeit infolge familiärer Betreuungspflichten reduziert wird, zu einem deutlichen Absinken des Einkommens. Bei den Arbeiterinnen sind, laut Sozialbericht 2011-2012, die mittleren Monatseinkommen in der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen am höchsten, danach fallen sie ab und erreichen auch in höheren Altersgruppen nie mehr das Niveau der jungen Jahre. Bei den weiblichen Angestellten hat die Altersgruppe der 30 – bis 34- Jährigen die höchsten Bruttomonatsbezüge, danach bleiben die Bezüge deutlich zurück. Erst ab dem 45. Lebensjahr steigen die Einkommen der Frauen wieder an. Jedoch erreichen sie auch mit steigendem Alter nur ein Einkommen, das bestenfalls geringfügig über jenem der jüngsten Altersgruppen liegt. 2010 verdienten die 55- bis 59-jährigen Arbeiterinnen mit € 1.491 brutto etwas weniger als die 20 – bis 24-jährigen. Bei den weiblichen Angestellten lag das Medianeinkommen der 55-bis 59-Jährigen nur um € 300,- bzw. 14 Prozent über dem der 25- bis 29-Jährigen. Zwei Faktoren sind im Wesentlichen dafür ausschlaggebend: Zum einen übersteigt das Qualifikationsniveau der Berufseinsteigerinnen jenes der 55- bis 59Jährigen. Zum anderen arbeiten sehr viele Frauen im
Haupterwerbsalter Teilzeit. In der
Altersgruppe der 35- bis 39-jährigen unselbständig beschäftigten Frauen betrug die Teilzeitquote im Jahr 2010 54,3 Prozent. UNSELBSTÄNDIG ERWERBSTÄTIGE Der
im
Auftrag
des
Rechnungshofes
von
Statistik
Austria
erstellte
Allgemeine
Einkommensbericht, der sowohl auf Steuer- als auch auf Sozialversicherungsdaten sowie Daten des Mikrozensus basiert, vermittelt derzeit das exakteste und detallierteste Bild von der realen Einkommenssituation in Österreich. Laut Allgemeinem Einkommensbericht 2012 - das ist der zuletzt erschienene - hat sich nichts daran geändert, dass Vorarlberg das österreichische Bundesland mit den größten geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden ist. 1 Das mittlere Brutto-Jahreseinkommen unselbständig beschäftigter Männer (€ 34.476,-) war in Vorarlberg im Jahr 2011 das höchste von allen Bundesländern (Tab. 59). Das mittlere Einkommen der Frauen (€ 16.596,-) betrug jedoch nicht einmal die Hälfte, sondern nur 48,1 Prozent (2007: 47,7 %) des mittleren Männereinkommens. Nach den Frauen in Tirol haben die Frauen in Vorarlberg damit das niedrigste Medianeinkommen von allen Österreicherinnen. Auch bei einem Vergleich, der sich auf die Einkommen ganzjährig Vollzeitbeschäftigter beschränkt, bleibt Vorarlberg das Bundesland mit den größten geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden in Österreich (Tab. 60).
1
Statistik Austria: Allgemeiner Einkommensbericht 2012, 141.
120
ÖKONOMISCHE SITUATION
Tabelle 59: Mittlere Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger nach Geschlecht 2011 (Bundes-)Land
Vorarlberg 1. Quartil Median 3. Quartil Arithmetisches Mittel Österreich 1. Quartil Median 3. Quartil Arithmetisches Mittel
Brutto-Jahreseinkommen*) unselbständig Erwerbstätiger**) Gesamt Frauen Männer Einkommensnachteil der Frauen in % In EUR 10.559 25.342 39.879 28.804
6.490 16.596 28.187 19.452
20.070 34.476 48.886 37.547
67,7 51,9 42,3 48,2
11.779 25.310 38.925 29.502
8.401 18.783 30.560 22.157
18.212 31.356 45.700 36.218
53,9 40,1 33,1 38,2
*) Median ( mittleres Einkommen) = 50 % beziehen ein höheres, 50 % ein niedrigeres Einkommen. 1. Quartil: 25 % beziehen ein niedrigeres, 75 % ein höheres Einkommen. 3. Quartil = 75 % beziehen ein niedrigeres, 25 % ein höheres Einkommen. **) Ohne Lehrlinge Quelle: Statistik Austria - Allgemeiner Einkommensbericht 2012
Tabelle 60: Mittlere Brutto-Jahreseinkommen ganzjährig vollzeitbeschäftigter ArbeitnehmerInnen nach Geschlecht, Vorarlberg und Österreich 2011 (Bundes-)Land Gesamt Vorarlberg Österreich
37.881 36.384
Medianeinkommen*) in EUR Frauen Männer 30.149 31.626
41.860 38.940
Einkommensnachteil der Frauen in % 28,0 18,8
*) Median ( mittleres Einkommen) = 50 % beziehen ein höheres, 50 % ein niedrigeres Einkommen. Quelle: Statistik Austria – Allgemeiner Einkommensbericht 2012
Werden bei dem Vergleich der mittleren Brutto-Jahreseinkommen von Frauen und Männern Teilzeit- und saisonale Beschäftigungsverhältnisse ausgeschlossen, erhöht sich das mittlere Bruttojahreseinkommen der Frauen im Bundesdurchschnitt auf € 31.626,- (Tab. 60). Das entspricht einem Anteil von 81,2 Prozent des Einkommens ganzjährig vollzeitbeschäftigter Männer. Die größten Unterschiede zwischen den Einkommen von Frauen und Männern gibt es aber auch bei ganzjährig Vollzeitbeschäftigten in Vorarlberg. In Vorarlberg beträgt das mittlere Bruttojahreseinkommen ganzjährig vollzeitbeschäftigter Frauen nur 72 Prozent des Einkommens ganzjährig vollzeitbeschäftigter Männer. Tatsächlich sind Frauen eine Minderheit unter den
121
ÖKONOMISCHE SITUATION
ganzjährig Vollzeitbeschäftigten. In Vorarlberg stellen Frauen 32 Prozent der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten (Österreich: 35 %). Die mittleren Brutto-Jahreseinkommen aller unselbständig Beschäftigten (Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte, saisonal und ganzjährig Beschäftigte) sind deutlich niedriger, vor allem jene der Frauen, die in viel höherem Maß teilzeitbeschäftigt sind als Männer und die realen Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechter sind deutlich höher als bei einem Vergleich der Einkommen ganzjährig Vollzeitbeschäftigter. Der reale Einkommensnachteil der Frauen erhöht sich auf 51,9 Prozent, das heißt, das mittlere Brutto-Jahreseinkommen der Frauen beträgt nur rund 48 Prozent des Einkommens der Männer (Tab.59). Die Einkommen differieren jedoch auch nach Stellung im Beruf (Tab. 61). Zwischen den Einkommen von ArbeiterInnen und jenen von Angestellten, Vertragsbediensteten und BeamtInnen bestehen deutliche Unterschiede. Und innerhalb dieser Kategorien gibt es zum Teil enorme Unterschiede nach dem Geschlecht. Während der Einkommensnachteil der Frauen bei den BeamtInnen in Vorarlberg „nur“ 17 Prozent ausmacht, beträgt er bei den Vertragsbediensteten 24 Prozent, bei den Angestellten 57 Prozent und bei den ArbeiterInnen sogar 63 Prozent. Vorarlberg hat – verglichen mit den anderen österreichischen Bundesländern – einen sehr geringen Anteil von Vertragsbediensteten und BeamtInnen. Sie machen nur jeweils drei Prozent der unselbständig Erwerbstätigen in Vorarlberg aus (Österreich: 9 bzw. 6 %) Allerdings sind die männlichen Vertragsbediensteten und Beamten in Vorarlberg jene mit dem höchsten Medianeinkommen. Tabelle 61: Mittlere Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger nach Stellung im Beruf und Geschlecht, Vorarlberg und Österreich 2011 (Bundes-) Land
Vorarlberg Österreich
Medianeinkommen*) in EUR ArbeiterInnen Frauen Männer 10.016 26.721 10.850 24.993
Angestellte Frauen Männer 19.600 45.353 23.744 36.404
Vertragsbedienstete Frauen Männer 28.365 37.100 28.423 32.285
BeamtInnen Frauen Männer 47.735 57.437 46.847 51.358
*) Median ( mittleres Einkommen) = 50 % beziehen ein höheres, 50 % ein niedrigeres Einkommen. Quelle: Statistik Austria – Allgemeiner Einkommensbericht 2012
Obwohl der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern bei den Netto-Jahreseinkommen infolge des progressiven Steuersystems etwas geringer ist, zeigt sich auch ein
122
ÖKONOMISCHE SITUATION
Vergleich der Netto-Jahreseinkommen: Ein sehr hoher Prozentsatz von Frauen hat sehr niedrige Einkommen, bei den Männern erreichen vergleichsweise viele sehr hohe Einkommen (Tab. 62). Tabelle 62: Netto-Jahreseinkommen*) unselbständig Erwerbstätiger**) in Vorarlberg und Österreich nach Geschlecht 2011 (Bundes-)Land
Vorarlberg 1. Quartil Median 3. Quartil Arithmetisches Mittel Österreich 1. Quartil Median 3. Quartil Arithmetisches Mittel
Netto-Jahreseinkommen*) unselbständig Erwerbstätiger**) Gesamt Frauen Männer Einkommensnachteil der Frauen in % In EUR 8.633 18.764 27.164 19.945
5.501 13.606 20.540 14.329
15.229 24.103 32.095 25.195
63,9 43,6 36,1 43,1
9.647 18.829 26.857 20.512
7.046 15.082 22.064 16.101
14.111 22.386 30.646 24.545
50,1 32,6 28,0 34,4
*) Brutto-Jahresbezüge abzüglich
Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge. Lehrlinge 1. Quartil: 25 % beziehen ein niedrigeres, 75 % ein höheres Einkommen. Median ( mittleres Einkommen) = 50 % beziehen ein höheres, 50 % ein niedrigeres Einkommen. 3. Quartil = 75 % beziehen ein niedrigeres, 25 % ein höheres Einkommen. Quelle: Statistik Austria - Allgemeiner Einkommensbericht 2012 **) Ohne
Nicht zuletzt hängt die Höhe des Einkommens davon ab, in welchem Wirtschaftsbereich jemand beschäftigt ist. Die Branchen mit den höchsten Einkommen sind in Vorarlberg Energieversorgung, Bergbau, Information und Kommunikation, öffentliche Verwaltung sowie Finanzund Versicherungsleistungen (Tab. 63). Auch österreichweit zählen diese Branchen zu jenen mit dem höchsten Einkommen, allerdings ist die Reihenfolge eine andere – an zweiter Stelle nach Energieversorgung kommen österreichweit die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, gefolgt vom Bereich Information und Kommunikation, der öffentlichen Verwaltung und dem Bergbau. Die niedrigsten Einkommen erzielen Beschäftigte in privaten Haushalten, in der Landwirtschaft und im Bereich Beherbergung und Gastronomie. Für die unterschiedliche Höhe der mittleren Einkommen wird häufig das unterschiedliche Ausmaß an Arbeitszeit zwischen den Branchen genannt. Werden diese Effekte ausgeschaltet, indem nur die Einkommen ganzjährig Vollzeitbeschäftigter miteinander verglichen werden, zeigen sich aber im Großen und Ganzen die gleichen Differenzen zwischen den Branchen. Unterschiedliche Ausbildungsmuster, Berufsbilder und kollektivvertragliche Regelungen scheinen in diesem Zusammenhang weit mehr Bedeutung zu haben als Arbeitszeiteffekte. 123
ÖKONOMISCHE SITUATION
Tabelle 63: Mittlere Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger in Vorarlberg nach Branchen und Geschlecht 2011 Branchen
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden Herstellung von Waren Energieversorgung Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen Bau Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen Verkehr und Lagerei Beherbergung und Gastronomie Information und Kommunikation Erbringung von Finanz- und Versicherungsleistungen Grundstücks- und Wohnungswesen Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung Erziehung und Unterricht Gesundheits- und Sozialwesen Kunst, Unterhaltung und Erholung Erbringung von sonstigen Dienstleistungen Private Haushalte mit Hauspersonal; Herstellung von Waren und Erbringung von Dienstleistungen durch private Haushalte für den Eigenbedarf ohne ausgeprägten Schwerpunkt Unbekannt Gesamt
Medianeinkommen in EUR (50 % verdienen weniger, 50 % verdienen mehr) Gesamt Männer Frauen 7.341 8.538 5.755 36.970 37.675 19.740 34.045 53.237 34.550
38.976 58.284 36.372
21.578 26.863 21.490
29.788 20.066
31.331 32.414
15.400 15.357
27.730 10.416 36.275 35.329
29.862 13.288 44.017 56.483
17.847 9.343 15.498 27.002
8.778 22.574
33.700 37.538
5.180 15.717
11.324
16.209
8.962
35.657
48.275
28.360
12.912 18.379 11.744 16.800 4.726
16.631 28.449 20.780 35.437 -
12.039 17.363 7.369 13.973 4.900
917 25.342
1.031 34.476
810 16.596
Quelle: Statistik Austria - Allgemeiner Einkommensbericht 2012
Die Einkommensunterschiede zwischen den Branchen stehen in enger Verbindung mit den geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden. Denn Frauen sind überproportional in Branchen mit niedrigem Einkommensniveau beschäftigt. Aber auch innerhalb dieser Branchen gibt es beachtliche geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede: In den drei Branchen, in 124
ÖKONOMISCHE SITUATION
denen Frauen in Vorarlberg am häufigsten vertreten sind, beträgt das mittlere Einkommen von Frauen 47 Prozent (Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen), 55 Prozent (Herstellung von Waren) bzw. 70 Prozent (Beherbergung und Gastronomie) der mittleren Einkommen von Männern. Die einzige Nicht-Niedriglohnbranche, in der Frauen in Vorarlberg relativ gut vertreten sind, ist „Öffentliche Verwaltung, Sozialversicherung“. Aber auch hier beträgt das mittlere Brutto-Jahreseinkommen von Frauen nur 59 Prozent von jenem der Männer. Zu einem gewissen Teil lässt sich dies damit erklären, dass Frauen in viel höherem Maß teilzeitbeschäftigt sind. Aber auch bei ausschließlicher Berücksichtigung ganzjährig Vollzeitbeschäftigter bleiben deutliche Differenzen sichtbar. Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten an den unselbständig Beschäftigten im Produktionsund Dienstleistungsbereich lag in Österreich 2010 mit 15,1 Prozent (Tab. 64) etwas unter dem EU-Durchschnitt (EU-27: 17 %). Gegenüber 2006 ist der Anteil um einen Prozentpunkt gestiegen. Zu den Niedriglohnbeschäftigten zählt, wer brutto pro Stunde (ohne Mehr- und Überstunden) weniger als zwei Drittel des Medianlohns verdient. Im Jahr 2010 betrug die Niedriglohngrenze in Österreich somit € 8,52. Frauen sind im Vergleich zu Männern deutlich häufiger zu Niedriglöhnen beschäftigt. Ein knappes Viertel der im Produktions- und Dienstleistungsbereich unselbständig beschäftigten Frauen (24,2 %), aber nur rund acht Prozent der in diesem Bereich unselbständig beschäftigten Männer zählten 2010 zu den Niedriglohnbeschäftigten. Insgesamt sind 66 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten Frauen und 34 Prozent Männer. Damit weist Österreich den größten Abstand zwischen dem Anteil der Frauen mit Niedriglohn und jenem der Männer aus. Die größte Gruppe der Niedriglohnbeschäftigten im Dienstleistungsbereich arbeitet im Handel, gefolgt von „Beherbergung und Gastronomie“. Bezogen auf das Geschlecht ist der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten sowohl bei Frauen in einem Normalarbeitsverhältnis als auch bei atypisch beschäftigten Frauen wesentlich höher als bei Männern. 18,3 Prozent der Frauen in einem Normalarbeitsverhältnissen zählen zu den Niedriglohnbeschäftigten, aber nur 5,9 Prozent der Männer. Von den Frauen mit einer atypischen Beschäftigung arbeiten 29,4 Prozent für einen Niedriglohn, von den atypisch beschäftigten Männern 23 Prozent. Für Frauen stellt Niedriglohnbeschäftigung aber nicht nur eine häufigere, sondern auch eine dauerhaftere Situation dar. Die Gründe dafür sind vielfältig. Frauen verfügen zwar oft über höhere Bildungsabschlüsse als Männer, gleichzeitig arbeiten Frauen öfter in schlecht bezahlten Dienstleistungsberufen und in Branchen mit geringen Verdienstmöglichkeiten - wie im Handel.
125
ÖKONOMISCHE SITUATION
Frauen sind auch kürzer im selben Unternehmen beschäftigt. Dazu kommt, dass für Frauen Niedriglohnbeschäftigung seltener eine Sprungbrettfunktion hin zu höheren Verdienstsegmenten hat. Diese Chance verringert sich vor allem für Frauen, die Kinder zu betreuen haben und daher im Beruf nur begrenzt einsatzfähig sind. Tabelle 64: Anteil der Niedriglohnbeschäftigten*) nach Geschlecht, Österreich 2010 Geschlecht
Gesamt
Normalarbeitsverhältnis
Atypische Beschäftigung**)
in % Frauen + Männer Frauen Männer
15,1 24,2 8,7
9,4
27,4
18,3 5,9
29,4 23,0
Ohne Lehrlinge Zu den atypischen Beschäftigungsformen zählen Teilzeitbeschäftigung, Befristete Beschäftigung, Geringfügige Beschäftigung und Leih- und Zeitarbeit. Quelle: Statistik Austria – Verdienststrukturerhebung 2010
*)
**)
Die Differenzierung nach Art des Beschäftigungsverhältnisses (privat oder öffentlich) und nach Stellung im Beruf (Arbeiter - Angestellte) sowie nach Tätigkeiten (von Hilfstätigkeit bis zur führenden Tätigkeit) macht vielfältige Wechselwirkungen zwischen diesen Kategorien und Tätigkeitsbereichen sichtbar (Tab. 61, 65 und Tab. 66): Tabelle 65: Mittlere Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger in Vorarlberg nach Stellung im Beruf und Geschlecht 2011 Stellung im Beruf
Frauen Zahl der Beschäftigten
Medianeinkommen in EUR
ArbeiterInnen Angestellte Vertragsbedienstete
27.117 46.926 3.530
10.016 19.600 28.365
BeamtInnen
1.922
47.735
Männer Zahl der MedianBeschäftigten einkommen in EUR 40.694 26.721 39.377 45.353 1.449 37.100 8 3.469 57.437
Einkommens nachteil der Frauen in % 62,5 56,8 23,5 17,0
Quelle: Statistik Austria - Allgemeiner Einkommensbericht 2012
Im öffentlichen Bereich Beschäftigte erzielen ein deutlich höheres Medianeinkommen, und die Einkommensdifferenzen zwischen den Tätigkeitsbereichen sind geringer als in der Privatwirtschaft, was darauf zurückzuführen ist, dass die unteren Einkommenspositionen besser bezahlt sind. Das generell höhere Einkommensniveau im öffentlichen Dienst hat mehrere Ursachen. Im öffentlichen Dienst ist der Anteil der AkademikerInnen an den Beschäftigten und 126
ÖKONOMISCHE SITUATION
Tabelle 66: Mittleres Brutto-Jahreseinkommen unselbständig Erwerbstätiger nach Stellung im Beruf, Funktion und Geschlecht, Österreich 2011 Stellung im Beruf/ Funktion
ArbeiterInnen HilfsarbeiterInnen Angelernte ArbeiterInnen FacharbeiterInnen VorarbeiterInnen/ MeisterInnen Angestellte Hilfs- und angelernte Tätigkeiten FacharbeiterInnen/ MeisterInnen Mittlere Tätigkeiten Höhere Tätigkeiten Hochqualifizierte Tätigkeiten Führende Tätigkeiten Vertragsbedienstete Hilfs- und angelernte Tätigkeiten FacharbeiterInnen/ MeisterInnen Mittlere Tätigkeiten Höhere Tätigkeiten Hochqualifizierte Tätigkeiten Führende Tätigkeiten BeamtInnen Hilfs- und angelernte Tätigkeiten FacharbeiterInnen/ MeisterInnen Mittlere Tätigkeiten Höhere Tätigkeiten Hochqualifizierte Tätigkeiten Führende Tätigkeiten Gesamt
Frauen Zahl der Beschäftigten
Männer Zahl der MedianBeschäftigten einkommen in EUR 995.700 27.005 169.300 14.410 362.100 26.748
Frauenmedian in % des Männermedians
512.400 215.400 213.800
MedianEinkommen in EUR 12.394 10.549 14.269
80.500 ...
14.532 ...
424.300 40.000
29.495 37.966
49 ...
1,037.000 143.200
19.619 7.238
797.400 98.300
37.308 6.533
53 111
72.600
17.865
68.000
32.184
56
540.000 156.800 80.300
18.742 27.869 35.421
265.200 153.400 102.800
30.204 46.244 53.905
62 60 66
44.000 218.200 19.700
38.514 28.261 20.900
109.700 110.500 13.400
69.391 36.393 30.573
56 68
9.500
31.827
12.200
35.017
91
92.000 57.500 80.300
25.700 31.454 37.064
38.100 22.400 18.800
32.076 41.561 45.969
80 76 81
44.000 87.900 ...
31.128 45.704 ...
(5.700) 125.700 ...
(61.167) 51.385 ...
(51)
...
...
6.100
42.387
...
27.500 34.000 18.200
39.620 46.559 54.972
47.000 32.400 18.800
45.740 55.016 65.333
87 85 84
(5.600)
(57.982)
18.400
63.250
(92)
1,855.500
18.788
2,029.300
31.359
60
46 73 53
78
89 ...
Quelle: Statistik Austrria – Allgemeiner Einkommensbericht 2012
127
ÖKONOMISCHE SITUATION
das Durchschnittsalter der Beschäftigten höher als in der Privatwirtschaft. Außerdem gibt es im öffentlichen Dienst weniger Teilzeit- und weniger nicht ganzjährig Beschäftigte. In der Privatwirtschaft haben ArbeiterInnen deutlich niedrigere Einkommen als Angestellte. Tabelle 66 zeigt auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede bezüglich Aufstiegschancen bzw. vertikaler Teilung der Arbeitswelt. In der Privatwirtschaft sind Frauen in führenden Positionen eine verschwindende Minderheit. Im öffentlichen Dienst hingegen sind sie gleichmäßiger auf die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche verteilt. Insgesamt ebenso wie in den einzelnen Tätigkeitsbereichen ist die einkommensmäßige Benachteiligung von Frauen im öffentlichen Dienst um vieles geringer als in der Privatwirtschaft. Während bei den Vertragsbediensteten das mittlere Einkommen der Frauen österreichweit 78 Prozent des mittleren Einkommens der männlichen Kollegen beträgt und bei den BeamtInnen sogar 89 Prozent, erzielen Frauen in der Privatwirtschaft als Angestellte nur 53 Prozent und als Arbeiterinnen gar nur 46 Prozent des mittleren Einkommens der Männer. Die Verdienststrukturerhebung 2010, die Auskunft gibt über die Entwicklung und Struktur der Löhne und Gehälter im Produktions- und Dienstleistungsbereich, zeigt einerseits die wirtschaftlich stabile Situation Vorarlbergs und andererseits die Tatsache, dass die Frauen einkommensmäßig überdurchschnittlich benachteiligt sind. Vorarlberg ist das Bundesland mit den zweithöchsten Bruttostundenverdiensten. Mit einem mittleren Bruttostundenverdienst von € 13,81 liegt Vorarlberg an zweiter Stelle der Bundesländer hinter Wien und um acht Prozent über dem Wert von Westösterreich. „Auffallend ist dabei“, so der Kommentar in der Statistischen Nachrichten, „dass dies nur die Männer, nicht aber die Frauen betrifft. Vorarlberg ist damit auch das Bundesland mit den höchsten geschlechtsspezifischen Verdienstunterschieden. Die Verdienste der Frauen lagen um 29,7 Prozent unter jenen der Männer. In Wien war der Unterschied in den Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männer mit 16,3 Prozent am geringsten.“1 Auch die Lohnsteuerstatistik und die Arbeitnehmerveranlagung zeigen, wie hohe und niedrige Einkommen zwischen Frauen und Männern verteilt sind. 2011 hatten laut Lohnsteuerstatistik 560.539 unselbständig Erwerbstätige in Österreich Bruttobezüge von mindestens € 50.000,-, das waren um 5,8 Prozent mehr als im Jahr davor. 75 Prozent derer, die ein Einkommen in dieser Höhe bezogen, waren Männer. Je höher das Jahreseinkommen ist, desto höher ist der Anteil der männlichen Einkommensbezieher (Tab. 67). 1
Geisberger 2012, 680.
128
ÖKONOMISCHE SITUATION
Bei Jahreseinkommen über € 100.00,- beträgt der Männeranteil bereits 87 Prozent und bei Jahreseinkommen ab € 200.000 beträgt er 92 Prozent. Tabelle 67: Hohe Einkommen unselbständig Erwerbstätiger, Österreich 2011 Jährliche Bruttoeinkommen In EUR 50.000 bis unter 70.000 70.000 bi unter 100.000 100.000 bis unter 150.000 150.000 bis unter 200.000 200.000 und mehr Gesamt
Anzahl der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen Gesamt davon: Frauen davon: Männer 333.563 149.036 54.333 11.861 9.746 560.539
97.866 29.949 7.894 1.325 821 137.855
237.697 119.087 46.439 10.536 8.925 422.684
Quelle: Statistik Austria - Lohnsteuerstatistik 2011
Auch im Zuge der Arbeitnehmerveranlagung wird sichtbar, dass viel mehr Frauen viel weniger verdienen als Männer: Die Negativsteuer soll Personen zugute kommen, die keine oder nur sehr wenig Lohnsteuer bezahlen und daher nicht oder kaum von steuerlichen Absetzbeträgen profitieren. Um diese Steuergutschrift zu bekommen ist die Negativsteuer mittels Arbeitnehmerveranlagung zu beantragen. Insgesamt erhielten im Jahr 2010 fast doppelt so viele Frauen (532.423) als Männer (276.211) ihres geringen Einkommens wegen eine Steuergutschrift. In dieser Gruppe beträgt der Frauenanteil knapp 66 Prozent. Männer erhielten im Durchschnitt € 186,-, Frauen € 202,-. SELBSTÄNDIG ERWERBSTÄTIGE Die Einkommenssituation selbständig Erwerbstätiger ist schwerer erfassbar als die unselbständig Erwerbstätiger, da selbständig Erwerbstätige ihr Einkommen selbst deklarieren, die Höhe der Lohneinkommen aus unselbständigen Beschäftigungsverhältnissen hingegen aufgrund der direkten Übermittlung der Lohnzettel an die Finanzverwaltung konkret erfassbar ist. Ein Vergleich der Einkommen unselbständig und selbständig Erwerbstätiger wird überdies durch unterschiedliche steuerliche Regelungen (13. und 14. Monatsbezug) erschwert. Was die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede bei den Selbständigen betrifft, so zeigen sich bei den einkommenssteuerpflichtigen Einkommen ähnliche Strukturen (Tab. 69) wie bei den lohnsteuerpflichtigen Einkommen (Tab. 62). Im Bundesland Vorarlberg erzielen die selbständig Tätigen die höchsten mittleren Einkommen, und zwar unabhängig davon, ob sie ausschließlich selbständig tätig sind oder zusätzlich auch Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit bzw. eine Pension beziehen. Dieses Faktum ist allerdings nur auf die relativ 129
ÖKONOMISCHE SITUATION
hohen Einkünfte der Männer zurückzuführen. Die mittleren Jahreseinkünfte ausschließlich selbständig erwerbstätiger Männer in Vorarlberg liegen mit
€ 20.000,- deutlich über dem
österreichischen Mittel (Tab. 68). Ausschließlich selbständig erwerbstätige Frauen erzielen in Vorarlberg hingegen mit € 7.625,- die geringsten Einkommen von allen Bundesländern (Tab. 68). Das mittlere Einkommen ausschließlich selbständig erwerbstätiger Frauen beträgt in Vorarlberg nur 38 Prozent des mittleren Einkommens der Männer (Österreich: 58 %). Nach Abzug der Steuern betrugen die Nettoeinkünfte dieser Frauen 43,5 Prozent der Einkünfte der Männer (Österreich: 63 %). Tabelle 68: Mittlere Jahreseinkünfte ausschließlich selbständig Erwerbstätiger in Vorarlberg und Österreich 2009 Region
Anzahl der Personen
Vorarlberg Österreich
15.795 305.799
Frauenanteil in Prozent 35 36
Jahreseinkünfte vor Steuern in EUR Frauen 7.625,8.733,-
Männer 20.000,15.000,-
Nettojahreseinkünfte in EUR Frauen Männer 7.499,17.236,8.752,13.894,-
Quelle: Statistik Austria – Allgemeiner Einkommensbericht 2012. Einkommenssteuerdaten.
Tabelle 69: Jahreseinkünfte ausschließlich selbständig Erwerbstätiger nach Geschlecht 2011 (Bundes-)Land
Vorarlberg 1. Quartil Median 3. Quartil Arithmetisches Mittel Österreich 1. Quartil Median 3. Quartil Arithmetisches Mittel
Jahreseinkünfte *) ausschließlich selbständiger Erwerbstätiger Gesamt Frauen Männer Einkommensnachteil der Frauen in % In EUR 3.753 13.039 34.214 27.227
2.339 7.625 15.300 14.177
5.971 20.000 43.599 34.201
60,8 61,9 64,9 58,5
4.567 11.845 27.636 24.482
3.021 8.733 16.729 15.581
6.153 15.000 34.214 29.405
50,9 41,8 51,1 47,0
Vor Steuern 1. Quartil: 25 % beziehen ein niedrigeres, 75 % ein höheres Einkommen. Median ( mittleres Einkommen) = 50 % beziehen ein höheres, 50 % ein niedrigeres Einkommen. 3. Quartil = 75 % beziehen ein niedrigeres, 25 % ein höheres Einkommen. *)
Quelle: Allgemeiner Einkommensbericht 2012
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ÖKONOMISCHE SITUATION
Tabelle 70: Mittlere Jahreseinkünfte*) (vor Steuerabzug) der ausschließlich selbständig Erwerbstätigen in Österreich nach ausgewählten Branchen und Geschlecht, 2009 Branche
Herstellung von Waren Bau Handel; Instandhaltung und Reparaturen von Kraftfahrzeugen Verkehr und Lagerei Beherbergung und Gastronomie Information und Kommunikation Grundstücks- und Wohnungswesen Freiberufliche, wissenschaftliche und technischen Dienstleistungen Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen Erziehung und Unterricht Gesundheits- und Sozialwesen Kunst, Unterhaltung und Erholung Sonstige Dienstleistungen Gesamt
Frauen Anzahl Jahreseinkünfte der Personen in EUR 2.045 6.320 774 8.176 14.161 7.897
Männer Anzahl Jahreseinkünfte der Personen In EUR 12.255 14.456 15.758 15.589 30.736 14.101
1.170 11.998 1.381 9.707 14.441
9.033 8.450 10.682 5.850 12.045
6.956 15.965 10.230 9.664 38.028
11.947 10.900 18.121 11.540 23.874
3.670
8.740
5.762
12.172
3.380 14.479 4.048 9.570 113.796
8.902 10.188 7.143 8.362 8.395
2.737 8.456 7.194 3.942 204.233
12.542 73.742 9.293 11.369 14.503
Mittlere Jahreseinkünfte = Medianeinkommen (50 % verdienen weniger, 50 verdienen mehr) Quelle: Allgemeiner Einkommensbericht 2012 *)
Die Einkünfte selbständig Erwerbstätiger unterscheiden sich nach Branchen deutlich stärker als jene unselbständig Erwerbstätiger (Tab. 70). In allen Branchen aber liegt das mittlere Einkommen der Männer weit über jenem der Frauen. Die höchsten Medianeinkommen werden im Bereich „Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen“ erzielt, zu dem auch Unternehmens-, Rechts- und SteuerberaterInnen sowie ArchitektInnen und Werbefachleute gehören. Das gilt auch für die in diesem Bereich tätigen Frauen. Dennoch liegt auch hier das mittlere Einkommen von Frauen deutlich unter jenem der Männer. Das mittlere Einkommen der Männer ist in diesem Bereich doppelt so hoch wie jenes der Frauen. Die zweithöchsten mittleren Einkommen werden in der Branche „Gesundheits- und Sozialwesen“ erzielt. Auffallend sind hier speziell die Einkünfte der Männer. Männer erreichen in dieser Branche ein mittleres Einkommen, das ein Vielfaches von dem beträgt, was in anderen Branchen zu erzielen ist (€ 73.742,-). Das mittlere Einkommen der Frauen beträgt in dieser Branche jedoch nur 14 Prozent des mittleren Einkommens der Männer. Das liegt daran, dass zwei Drittel der Männer, die in dieser Branche arbeiten Ärzte sind, die in dieser Branche tätigen Frauen jedoch mehrheitlich in Unterklassen mit sehr niedrigem Einkommensniveau vertreten 131
ÖKONOMISCHE SITUATION
sind (z.B. Hauskrankenpflege). Nur rund ein Viertel der in dieser Branche tätigen Frauen hat eine Arztpraxis. Der Wirtschaftsbereich mit den geringsten Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern ist der Bereich „Beherbergung und Gastronomie“. Hier erzielen Frauen – bei insgesamt niedrigem Niveau - mittlere Einkünfte, die „nur“ um 28 Prozent geringer sind als jene der Männer.
ARBEITSLOSENGELD UND NOTSTANDSHILFE Da die Höhe des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe im Wesentlichen von der Höhe des letzten Erwerbseinkommens abhängig ist, sind Frauen auch beim Bezug von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe bedeutend schlechter gestellt als Männer: Die durchschnittliche Höhe des Tagsatzes für Arbeitslosengeld betrug 2012 in Vorarlberg für Frauen € 25,60, für Männer € 31,60. Das heißt, Frauen erhielten im Durchschnitt 81 Prozent von dem, was Männer bekamen (1998 waren es noch 88 Prozent). Gleiches gilt für den durchschnittlichen Tagsatz der Notstandshilfe (Frauen: € 21,-; Männer: € 26,-). Die geltende gesetzliche Regelung, der zufolge bei der Feststellung, ob tatsächlich eine Notlage vorliegt, das Einkommen des Partners bzw. der Partnerin1 angerechnet wird, geht – aufgrund der im Durchschnitt weit höheren Einkommen von Männern – vor allem zu Lasten der Frauen. Österreichweit waren 2012 82,5 Prozent der Personen, deren Antrag auf Notstandshilfe „mangels Notlage“ abgelehnt wurde, Frauen (Tab. 71), in Vorarlberg waren es 90 Prozent. Und 79 Prozent der Personen, denen ein laufender Notstandshilfebezug mangels Notlage eingestellt wurde, sind ebenfalls Frauen. Rund 95 Prozent dieser Ablehnungen erfolgen, so die Einschätzung von ExpertInnen der Arbeitslosenversicherung, aufgrund der Anrechnung des Partnereinkommens. Tabelle 71: Ablehnungen des Antrags auf Notstandshilfe mangels Vorliegen einer Notlage 2012 (Bundes-)Land
Vorarlberg Österreich
Zahl der abschlägigen Bescheide Abgelehnte Anträge Abgelehnte Anträge gestellt von Männern gestellt von Frauen 61 550 2.404 11.376
Frauenanteil an den abschlägigen Bescheiden 90,0 82,5
Quelle: AMS Österreich
1
Herangezogen wird nicht nur das Einkommen des Ehepartners bzw. der Ehepartnerin, sondern auch das des nicht unterhaltspflichtigen Lebensgefährten bzw. der Lebensgefährtin.
132
ÖKONOMISCHE SITUATION
Allerdings sind seit dem Jahr 2004 Personen, die ausschließlich wegen der Anrechnung des Einkommens des Partners oder der Partnerin keinen Anspruch auf Notstandshilfe haben, weiterhin krankenversichert bzw. zählen die Zeiten der Arbeitslosigkeit auch für die Pensionsversicherung, sofern sie weiterhin beim Arbeitsmarktservice als arbeitsuchend gemeldet sind.
PENSIONEN Im Bereich Pensionen gibt es enorme Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern. Zum einen ist der Unterschied in der Höhe der Pensionen von Frauen und Männer noch größer als jener bei den Aktiv-Einkommen, zum anderen geht der Anteil der Frauen ab 60, die keinen Anspruch auf eine Direkt- oder Eigenpension (Alters- oder Invaliditätspension) haben (Tab. 72), zwar zurück (29 %), ist aber immer noch um vieles größer als jener der Männer ab 65, die keinen Pensionsanspruch haben (3 %). Anteil der Frauen ab 60 in Österreich, die keinen Anspruch auf eine Direktpension haben: 1992: 41 Prozent 2006: 32 Prozent 2011: 29 Prozent Tabelle 72: Anzahl der Personen ohne Pension und ohne Eigenpension, Österreich 2011 Personen nach Alter und Geschlecht Männer 65+ Frauen 60+ Frauen 65+
Anzahl der Personen ohne Pension 16.254 172.037 127.274
Anteil der Personen ohne Pension in % 3 15 15
Zahl der Personen ohne Direktpension 20.887 328.696 274.882
Anteil der Personen ohne Direktpension % 3 29 32
Jahresende: 2011 Quelle: BMASK
Nur 71 Prozent der Frauen ab 60 bezogen 2011 eine Alters- oder Invaliditätspension. Von den Frauen, die keine eigenständige Pension bezogen, erhielten etwas weniger als die Hälfte eine Hinterbliebenenpension. 52 Prozent der 328.696 Frauen, die keinen Anspruch auf eine Direktpension haben, das sind immerhin 172.037 Frauen, beziehen keine Pension. Der Anteil der Frauen über 60 bzw. 65, die keinen Anspruch auf eine Pension haben, beträgt 15 Prozent, der Anteil der Männer lediglich drei Prozent. Der Grund für diese geschlechtsspezifischen Unterschiede, ist die Ungleichverteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern. Frauen leisten den Großteil 133
ÖKONOMISCHE SITUATION
der unbezahlten Arbeit (Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege älterer Angehöriger), sind daher nicht lange genug berufstätig und sozialversichert, um einen eigenen Pensionsanspruch zu erwerben. Dies gilt für Frauen der älteren Generation in viel höherem Maß. Die Reproduktionsarbeit, die diese Frauen leisten bzw. geleistet haben, ist eine wesentliche Voraussetzung für die Erwerbsarbeit (des Ehemannes), wird aber nicht als gesellschaftlich relevante Arbeit anerkannt. Aber auch Frauen der jüngeren und mittleren Generation, stecken zumeist der Familie wegen beruflich zurück oder unterbrechen die Berufstätigkeit, was in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Höhe ihrer Alterspension hat. Im Unterschied zu den Erwerbstätigen sind Frauen aufgrund ihres früheren Pensionsanfallsalters und ihrer höheren Lebenserwartung bei den PensionsbezieherInnen in der Mehrheit (Vorarlberg: 54 %; Österreich: 55 %). Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern verstärken sich im Zuge des Erwerbslebens. Zurückzuführen ist dies unter anderem auf den diskontinuierlichen Erwerbsverlauf der Frauen. Frauen haben – fast ausschließlich aufgrund von Berufsunterbrechungen aus familiären Gründen - weniger Beitragsmonate in der Pensionsversicherung, obwohl bei Frauen das faktische Pensionsantrittsalter um rund zweieinhalb Jahre unter dem gesetzlichen (60 Jahre) liegt (Tab. 73), bei Männern hingegen um mehr als fünf Jahre unter dem gesetzlichen (65 Jahre). Zwischen 2002 und 2012 hat sich das Alter, in dem Erwerbstätige in Pension (Pension aufgrund geminderter Arbeitsfähigkeit sowie Alterspension) gehen, so gut wie nicht verändert. Insgesamt ist das durchschnittliche Pensionsantrittsalter in Österreich im internationalen Vergleich sehr niedrig. Tabelle 73: Durchschnittliches Pensionszugangsalter*) nach Geschlecht, Österreich 2012 Geschlecht
Männer Frauen
Invaliditätspension/ Erwerbsunfähigkeitspension 53,8 50,3
Alterspension in Jahren 62,9 59,3
Eigenpensionen gesamt 59,4 57,4
*) Selbständig und unselbständig Beschäftigte Quelle: Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
2011 lag das mittlere Brutto-Jahreseinkommen aller PensionistInnen bei € 15.800,-. Frauen erhielten im Mittel € 12.163,- Männer € 21.399,-. Das heißt, Pensionsbezieherinnen erreichten nur rund 57 Prozent des mittleren Einkommens der männlichen Pensionsbezieher. Netto – also nach Abzug der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge – blieben den Frauen unter den 134
ÖKONOMISCHE SITUATION
PensionsbezieherInnen € 11.528,-, den Männern € 18.219,-, das heißt, die mittlere Frauenpension erhöhte sich auf 63 Prozent der mittleren Männerpension. Die mittleren Brutto-Jahreseinkommen der PensionistInnen mit Wohnsitz in Österreich sind um 12 Prozent höher als der aller PensionsbezieherInnen. Auch in dieser Gruppe zeigen sich große Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männliche Pensionisten mit Wohnsitz in Österreich verfügen im Mittel über € 23.307,- im Jahr, während die Hälfte der Frauen weniger als € 13.487,- bezieht. Im Vergleich dazu beträgt der Anteil der Männer, deren Brutto-Jahreseinkommen unter diesem Wert liegt, nur 19 Prozent. Neben dem mittleren Wert (Median) eignen sich auch Quartilswerte als Maßzahlen zur Einkommensdarstellung. Dazu werden die Jahreseinkommen, entsprechend ihrer Höhe, in vier Viertel geteilt. Dabei zeigt sich ganz deutlich: Je höher die Pensionseinkommen, desto niedriger ist der Frauenanteil. Das erste Quartil, das die 25 Prozent der PensionistInnen mit den niedrigsten Pensionseinkommen umfasst (2011: Grenzwert € 11.108,- = Richtsatz der Ausgleichszulage x 14), besteht zu 77 Prozent aus Frauen. Im Viertel mit den höchsten Einkommen (über € 27.391,-) finden sich hingegen nur 33 Prozent Frauen. Die Witwen-/ Witwerpension ist die einzige Pensionsart, bei der Frauen im Mittel eine höhere Pension bekommen als Männer. Insgesamt aber handelt es sich dabei um die Pensionsart mit dem niedrigsten Einkommensniveau. Vier Prozent aller in Österreich wohnhaften PensionionistInnen leben in Vorarlberg. Die Höhe der Pensionen in Vorarlberg liegt um 14 Prozent unter dem Österreichdurchschnitt (Tab. 74), was unter anderem damit zusammenhängen dürfte, dass es in Vorarlberg verglichen mit anderen Bundesländern relativ wenig ehemalige BeamtInnen gibt. Die mittlere Pension von Frauen in Vorarlberg (€ 11.712,-) beträgt kaum mehr als die Hälfte der mittleren Pension der Männer (€ 22.521,-) und ist die niedrigste in ganz Österreich. Ein wesentlicher Grund hiefür: Die Zahl der Frauen, die nur eine Witwen-, aber keine eigene Alterspension beziehen, ist in Vorarlberg relativ hoch.
135
ÖKONOMISCHE SITUATION
Tabelle 74: Brutto-Jahreseinkommen der PensionistInnen nach Geschlecht, Vorarlberg und Österreich 2011 (Bundes-)Land Gesamt Vorarlberg 1. Quartil Median 3. Quartil Arithmetisches Mittel Österreich 1. Quartil Median 3. Quartil Arithmetisches Mittel
Brutto-Jahreseinkommen von PensionistInnen*) Frauen Männer Einkommensnachteil der Frauen in % in EUR
9.497 15.501 25.398 18.742
7.564 11.712 18.155 14.174
13.452 22.521 31.478 24.195
43,8 48,0 42,3 41,4
11.108 17.678 27.391 20.961
9.672 13.487 21.635 16.938
15.642 23.307 31.730 25.853
38,2 42,1 31,8 34,5
*) BezieherInnen von
Alters-, Invaliditäts- (bzw. Erwerbsunfähigkeits-) und Witwen- bzw. Witwerpensionen sowie BeamtInnen in Ruhe mit Wohnsitz in Österreich
Quelle: Statistik Austria - Allgemeiner Einkommensbericht 2012
Tabelle 75: Mittlere Pensionen*) der Pensionsneuzugänge nach Sozialversicherungsanstalten und Geschlecht, Österreich 2011 Pensionsversicherungsträger
Pensionsversicherungsanstalt – ArbeiterInnen Pensionsversicherungsanstalt – Angestellte Pensionsversicherung der unselbständig Erwerbstätigen Sozialversicherungsanstalt der gewerbliche Wirtschaft Sozialversicherungsanstalt der Bauern Pensionsversicherung gesamt**)
Invaliditätspensionen Alterspensionen Witwen/Witwerpensionen Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen 50 % bekommen weniger/50 % mehr als ...EUR 1.120,9 682,9 1.721,4 808,7 238,6 764,4 1.467,5
830.6
2.523,0 1.309,4
349,4
1.071,5
1.184,6
752,0
2.063,5
1.063,4
278,7
837,1
1.176,1
791,1
1.985,6
1.039,0
365,6
791,6
1.015,9
626,4
1.044,8
736,5
196,8
642,7
1.162,2
738,9
2.034,5
1.041,4
264,2
797,4
*) Inklusive
Ausgleichzulage und Kinderzuschuss (jedoch ohne Pflegegeld) Ohne die Versicherungsanstalt des Österreichischen Notariates. Quelle: Statistik Austria; Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger **)
Bei den Pensionsneuzugängen des Jahres 2011 (Tab. 75) beträgt die mittlere ASVGAlterspension der Frauen (€ 1.063,40) nur 52 Prozent jener der Männer (€ 2.063,50). Selbst wenn 136
ÖKONOMISCHE SITUATION
zur mittleren Alterspension einer ASVG-Pensionistin (€ 1.063,40) eine mittlere Witwenpension (€ 837,1) hinzukommt, macht dies in Summe weniger aus (€ 1.900,50) als die mittlere Alterspension eines Mannes (€ 2.063,50). Diese Relationen gelten im Wesentlichen auch für die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Pensionshöhen anderer Versicherungsanstalten (Gewerbliche Wirtschaft, Bauern). Die Pensionen der BeamtInnen sind nicht nur deutlich höher, es gibt hinsichtlich Pensionshöhe auch kaum geschlechtsspezifische Unterschiede. Liegt die Höhe einer Pension unter dem Ausgleichszulagenrichtsatz (Richtsatz für Alleinstehende 2012: € 814,82) erhalten die BezieherInnen eine Ausgleichszulage. 8,5 Prozent aller PensionsbezieherInnen bezogen in Vorarlberg im Dezember 2012 eine Ausgleichszulage (Österreich: 10,1 %). Durchschnittliche Höhe der in Vorarlberg ausbezahlten Ausgleichzulagen: € 283,(Österreich: € 286,-). Österreichweit stieg der Frauenanteil an den Personen, die Ausgleichszulage beziehen, von 61 Prozent im Jahr 1995 auf 67 Prozent im Jahr 2012. Von den Personen, die zu ihrer Witwer- bzw. Witwenpension eine Ausgleichszulage beziehen, sind 99 Prozent Frauen. Von den Personen, die zu ihrer Alterspension eine Ausgleichszulage beziehen, sind 61 Prozent Frauen. Lediglich die BezieherInnen einer Invaliditäts- oder Erwerbsunfähigkeitspension unter 65 bzw. 60 Jahre, die eine Ausgleichszulage beziehen, sind mehrheitlich Männer (58 %). Die Gleichstellung hinsichtlich Pensionsanfallsalter von Frauen und Männern soll in Österreich, so wurde es in einem Bundesverfassungsgesetz im Jahr 1993 festgelegt, mit Jahresanfang 2024 beginnen und 2033 abgeschlossen sein. 2033 haben dann Frauen und Männer das gleiche Pensionsantrittsalter: 65 Jahre. Diese lange Übergangsfrist erklärt sich einerseits durch die Berücksichtigung des Vertrauensgrundsatzes, wird aber andererseits auch damit begründet, dass erst die Gleichbehandlung der Frauen im aktiven Erwerbsleben erfolgen müsse, bevor es zu einer formalen Gleichstellung beim Pensionsalter kommen könne.
URSACHEN DER EINKOMMENSUNTERSCHIEDE ZWISCHEN FRAUEN UND MÄNNERN Eines
der
Ziele
der
Europäischen
Beschäftigungsstrategie
ist
die
Herstellung
der
Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbsleben. Tatsächlich ist es in den letzten Jahren in verschiedenen Bereichen gelungen, geschlechtsspezifische Unterschiede zu verringern:
Immer mehr Frauen sind erwerbstätig. Aufgrund der zunehmenden Erwerbsbeteiligung von Frauen werden die Unterschiede in den Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern sukzessive geringer. 137
ÖKONOMISCHE SITUATION
Immer mehr Frauen haben – so wie Männer - voll sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse; allerdings steigen in den letzten Jahren auch die prekären Arbeitsverhältnisse und der Anteil der Frauen, die Teilzeit arbeiten, hat sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt.
Der größte geschlechtsspezifische Unterschied besteht in Österreich nach wie vor im Bereich der Erwerbseinkommen. Österreich hat in Vergleich mit den anderen EU-Staaten überdurchschnittlich große Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern. In Vorarlberg sind die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern noch größer als auf Bundesebene. Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern werden auch nicht geringer, obwohl sich das Bildungsniveau der Frauen zunehmend jenem der Männer angleicht bzw. das der Frauen in der jungen Generation bereits höher ist als jenes der gleichaltrigen Männer. Frauen können in Bezug auf Länge und Lage der Arbeitszeiten offenbar weniger flexibel reagieren als Männer, die der besseren Verdienstmöglichkeiten wegen auch öfter pendeln. SCHUL- UND BERUFSWAHL Internationalen Vergleichsstudien zufolge gehörte und gehört Österreich zu den Industriestaaten mit besonders ausgeprägten geschlechtsbezogenen Unterschieden hinsichtlich Schul- und Berufswahl (siehe Abschnitt „Schul-, Studien und Berufswahl“ im Kapitel Ausbildung). Mädchen konzentrieren sich – wenn auch in etwas geringerem Maße als in der Vergangenheit - auf wenige traditionell „weibliche“ Ausbildungszweige. Das gilt für die Wahl des Lehrberufs ebenso wie für die Wahl der Studienrichtung. Junge Frauen entscheiden sich relativ selten für Ausbildungen in den Bereichen Technik, Mathematik und Informatik sowie Naturwissenschaften. Männer meiden geradezu traditionell weibliche Ausbildungswege, vor allem solche, die eine gewisse Nähe zur unbezahlten Reproduktionsarbeit haben (z.B. Kinderbetreuung, Sozialberufe, Altenpflege). Diese geschlechtsspezifische Berufswahl hat sehr viel mit Rollenklischees zu tun. Die Folge ist eine ausgeprägte horizontale Teilung des Arbeitsmarkts in Männer- und Frauenberufe. Handwerkliche Berufe sind immer noch eine Männerdomäne, Büro- und Verwaltungsberufe, der Handel und die personenbezogenen Dienstleistungen hingegen frauendominiert. Diese ungleiche Verteilung auf die einzelnen Berufe trägt wesentlich zu den Einkommensunterschieden von Frauen und Männern bei, da reproduktionsnahe – also pflegende, betreuende und erzieherische Erwerbtätigkeit, die traditionell frauendominiert ist, ein besonders niedriges Einkommensniveau hat.
138
ÖKONOMISCHE SITUATION
TEILZEITARBEIT Ein Teil der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen ist darauf zurückzuführen, dass der Anteil der Frauen, die Teilzeit arbeiten, um ein Vielfaches höher ist als jener der Männer Dazu kommt: Der Anteil der erwerbstätigen Frauen, die Teilzeit arbeiten, ist zwischen 1992 und 2012 österreichweit von 20 auf 45 Prozent gestiegen, hat sich in diesen 20 Jahren also mehr als verdoppelt. Österreich hat inzwischen den vierthöchsten Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen unter den EU-Mitgliedstaaten. Für Männer hingegen ist es fast selbstverständlich, Vollzeit zu arbeiten (nur acht Prozent der erwerbstätigen Männer arbeiten Teilzeit). Teilzeitarbeit ist zumeist nicht existenzsichernd. Schon gar nicht, wenn die Wochenstundenzahl gering ist. Und in Österreich ist – verglichen mit anderen europäischen Ländern – die Wochenstundenzahl der Teilzeitbeschäftigten eher gering. 27 Prozent der österreichischen Teilzeitbeschäftigten (und 40 % der Vorarlberger) arbeiten weniger als 20 Wochenstunden. Dass die Einkommen teilzeitbeschäftigter Personen geringer sind als die vollzeitbeschäftigter, liegt allerdings nicht nur an der geringeren Zahl der Arbeitsstunden pro Woche. Tatsächlich sind die Stundenlöhne für Teilzeitarbeit laut Verdienststrukturerhebung 2010 im Produktions- und Dienstleistungsbereich um knapp ein Viertel geringer als jene von Vollzeitbeschäftigten. Der Grund für die Teilzeitarbeit von Frauen ist fast immer familiärer Natur. Männer arbeiten Teilzeit zumeist aus Gründen der Weiterbildung. Wesentlicher Grund für die Teilzeitarbeit von Frauen ist die traditionelle Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern, die durchaus sinnvoll war in einer Zeit, als Frauen keinen Zugang zu weiterführender Schul- und Berufsbildung hatten und daher kaum eine Möglichkeit, finanziell zum eigenen Unterhalt und dem der Familie beizutragen. An dieser traditionellen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, die sich im 19. Jahrhundert im Bürgertum herausgebildet hat (Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder, Mann sorgt für den finanziellen Unterhalt der Familie) hat sich zwar insofern einiges geändert, als Frauen heute ein relativ hohes Bildungsniveau haben und auch ins Erwerbsleben integriert sind. Frauen haben – im Unterschied zu Männern - ihre Handlungsspielräume ausgedehnt, sich neue Betätigungsfelder erobert. Die Mehrheit der Männer ist hingegen immer noch weitgehend dem traditionellen Rollenbild verhaftet und fühlt sich für die Familie in erster Linie finanziell verantwortlich. Männer könnten durch eine partnerschaftliche Teilung von Erwerbs- und Familienarbeit einiges an Lebensqualität gewinnen. Doch nur eine verschwindende Minderheit von Männern geht in Väterkarenz. Und kaum ein Mann reduziert, mit Rücksicht auf die Familie, längerfristig seine Arbeitszeit. Die familiären Aufgaben (Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege) sind in der Realität weitgehend Frauensache geblieben.
139
ÖKONOMISCHE SITUATION
Die unterschiedliche Wochenarbeitszeit von Frauen und Männern ist aber keineswegs der wesentliche Grund für die Einkommensunterschiede. Ein Vergleich der Einkommen ganzjährig vollzeitbeschäftigter Männer mit jenen ganzjährig vollzeitbeschäftigter Frauen ebenso wie ein Vergleich der Einkommen teilzeitbeschäftigter Männer mit jenen teilzeitbeschäftigter Frauen zeigt, dass die Ausschaltung des Effektes Arbeitszeit die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern zwar verringert, aber keineswegs behebt. Das bedeutet: In unserer Gesellschaft wird die Arbeit von Frauen grundsätzlich minderbewertet. QUALIFIKATIONSNIVEAU Obwohl das Bildungsniveau der Frauen während der letzten Jahrzehnte auch in Österreich deutlich stieg und Frauen was das Bildungsniveau betrifft, mit Männern gleichgezogen haben, änderte dies nichts am Einkommensvorsprung der Männer. Das soll jedoch nicht heißen, dass sich Bildungsinvestitionen für die einzelne Frau nicht lohnen. Je höher die Bildung, desto höher das Einkommen und desto geringer das Risiko, arbeitslos zu werden. Allerdings gelingt es Frauen schlechter, ihre Qualifikationen in entsprechende berufliche Positionen umzusetzen. (Siehe dazu den Punkt: Innerbetriebliche Benachteiligungen) FAMILIENSTAND/ FAMILIÄR BEDINGTE BERUFSUNTERBRECHUNGEN Neue Untersuchungen belegen, dass der Familienstand auf das Einkommen von Männern und Frauen enorm unterschiedliche Auswirkungen hat. Verheiratete Männer verdienen um sieben Prozent mehr als unverheiratete. Verheiratete Frauen um ein Prozent weniger. „Wegen des zusätzlichen Lohnnachteils für Frauen kumuliert sich für verheiratete Frauen die Lohndifferenz gegenüber unverheirateten Männern auf 17 Prozent und gegenüber verheirateten Männern auf 24 Prozent.“1 Frauen, so wird offenbar a priori angenommen, ordnen ihre Berufskarriere der Familie unter. Tatsächlich unterscheiden sich die Einkommensprofile von Frauen über das gesamte Arbeitsleben hinweg deutlich von jenen der Männer. Bei Männern steigt das Einkommen aufgrund kontinuierlicher Erwerbsarbeit kontinuierlich an. Bei Frauen hingegen zeigt sich in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen ein Einkommensknick. Zurückzuführen ist dieser Einbruch in der Einkommensentwicklung von Frauen auf mehr oder minder lange Unterbrechungen der Erwerbsarbeit wegen Kinderbetreuung und die schwierigen Bedingungen eines beruflichen Wiedereinstiegs, der so gut wie immer mit Einkommenseinbußen verbunden ist, während für verheiratete Männer die Berufstätigkeit an Bedeutung gewinnt.
1
Grünberger/ Zulehner, 144.
140
ÖKONOMISCHE SITUATION
Von Frauen wird traditionell erwartet, dass sie ihre Berufstätigkeit der Kinderbetreuung wegen unterbrechen. Dazu kommt, dass auch die Familienpolitik Anreize setzt, Frauen vom Arbeitsmarkt fernzuhalten. Beides führt dazu, dass Frauen über eine geringere Berufserfahrung verfügen als Männer und in betriebsinterne Karrieepfade weniger eingebunden sind als Männer. Auch im Falle von Vollzeitarbeit sind die betrieblichen Aufstiegschancen von Frauen geringer als jene von Männern. Frauen gelingt es im Allgemeinen auch nicht, im Laufe ihrer weiteren Berufslaufbahn den Einkommensvorsprung der Männer einzuholen. Ganz im Gegenteil: Mit zunehmendem Alter geht die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern weiter auf. Am größten sind die Einkommensunterschiede bei Personen über 60. Das Ausmaß der Einkommenseinbußen, die viele Frauen infolge Kinderbetreuung hinzunehmen gezwungen sind, ist allerdings keineswegs eine zwangsläufige Folge einer Berufsunterbrechung wegen Kinderbetreuung. Verantwortlich für das Ausmaß der ökonomischen Beeinträchtigung sind die beruflichen Rahmenbedingungen (z.B. Kollektivverträge, Betriebsvereinbarungen). Im öffentlichen Dienst führen Kinderbetreuungspflichten beispielsweise keineswegs dazu, dass weibliche Beschäftigte gegenüber ihren männlichen Kollegen unaufholbar zurückbleiben. Tatsächlich sind in den meisten Berufen und Betrieben die Einkommensverluste von Frauen mit Kindern – mangels entsprechender Rahmenbedingungen – erheblich. Zu diesem Ergebnis kommen alle einschlägigen Studien1. Es mag befremden, die Betreuung des eigenen Kindes mit Einkommensverlusten gegenzurechnen. Gleichzeitig ist es aber auch nicht zielführend, die Augen davor zu verschließen, dass die übliche Arbeitsteilung ökonomisch einseitig zugunsten der Männer erfolgt. Auch die Forschungsberichte zur Evaluierung der Einführung des Kinderbetreuungsgeldes2 kommen zu dem Ergebnis, dass der negative Anreiz des längeren Leistungsbezuges stärker ist als der positive Anreiz der höheren Zuverdienstgrenze. Ergebnis: Frauen schieben den beruflichen Wiedereinstieg hinaus. Bei einem Drittel der Frauen kommt es zu einer deutlichen Reduktion des Lohnniveaus nach dem Wiedereinstieg und zu einer beruflichen Dequalifizierung. Bei Männern, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, kommt es hingegen – offenbar aufgrund der Kürze der Bezugsdauer - zu keinerlei Verschlechterung der beruflichen Position beim Wiedereinstieg.3 Eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung stellt fest, dass das österreichische System der Familienpolitik zwar aufwendig, aber nicht wirklich effizient sei. „Der Vgl. z.B. Guger u.a. sowie Festl/Lutz/Schratzenstaller. Lutz 2003 und 2004 sowie Riesenfelder u.a. 2006. 3 Vgl. Reidl/ Schiffbänker 19ff. 1 2
141
ÖKONOMISCHE SITUATION
Alleinverdienerabsetzbetrag beinhaltet negative Anreize für die Aufnahme/Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit von Zweitverdienenden (Frauen). Auch das einkommensunabhängige Kinderbetreuungsgeld setzt – zumal in Kombination mit der Möglichkeit einer relativ langen Bezugsdauer – negative Arbeitsanreize für Mütter.“1 Um Personen mit Kinderbetreuungspflichten nachhaltig ins Arbeitsleben zu integrieren, bedarf es nach Ansicht der Autorinnen, eines weiteren Ausbaus von Kinderbetreuungseinrichtungen, und zwar qualitativ hochwertiger. „Zudem sind durch qualitativ hochwertige, für Eltern günstige und mit den Herausforderungen der Arbeitswelt vereinbare Betreuungsplätze fertilitätssteigernde Wirkungen zu erwarten, weil sie die direkten und indirekten Kosten von Kindern speziell für Frauen senken. Denn wenn Erwerbstätigkeit und Kinder besser vereinbar werden, müssen sie weniger längerfristige Einbußen in ihren Erwerbschancen befürchten und können auf die bestmögliche Förderung ihrer Kinder vertrauen. (...) Der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur und die großzügige öffentliche Förderung der Inanspruchnahme der betreffenden Angebote wären vor diesem Hintergrund der primäre Hebel zur Steigerung der Erwerbsbeteiligungschancen von Frauen. Dies betrifft nicht nur die Quantität der Frauenerwerbstätigkeit (im Sinne von mehr Köpfen und längerer Arbeitszeit), sondern auch ihre Qualität, weil infolge der geringeren betreuungsbedingten Beschränkungen die Wahlmöglichkeiten der Frauen unter verschiedenen Arbeitsplätzen größer werden (wovon wiederum produktivitätssteigernde Effekte zu erwarten sind). Die jüngsten Schritte zum Ausbau der Betreuungsinfrastruktur sind aus dieser Perspektive
begrüßenswert.
Gerade
im
Bereich
der
unter
3-Jährigen
sowie
der
Nachmittagsbetreuung von Schulkindern können die aktuellen Bemühungen jedoch nicht für ein ausreichendes, auch den Barcelona-Vorgaben genügendes Betreuungsangebot sorgen.2 Große Probleme haben die Frauen beim beruflichen Wiedereinstieg damit, die von ihnen gewünschte Arbeitszeit zu realisieren. Als Gründe für diese Schwierigkeiten nennen die Frauen:
Das betriebliche Arbeitszeitmodell
Die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen
Das Fehlen privater Betreuungspersonen
INNERBETRIEBLICHE BENACHTEILIGUNGEN Nicht zuletzt sind Einkommensnachteile von Frauen auf Benachteiligungen im Berufsleben selbst zurückzuführen. Das beginnt bei der ungleichen Entlohnung gleichwertiger Tätigkeiten, setzt sich fort bei den Zulagenregelungen und endet bei den (begrenzten) Aufstiegschancen. Ein 1 2
Festl/ Lutz/ Schratzenstaller, 56. Festl/ Lutz/Schratzenstaller, 139.
142
ÖKONOMISCHE SITUATION
spezielles Problem in dem Zusammenhang sind Berufsunterbrechungen, von denen vorwiegend Frauen aus Gründen der Kinderbetreuung betroffen sind; diese Unterbrechungen wirken nicht nur karrierehemmend, sondern sind fast immer – abhängig von den jeweiligen kollektivvertraglichen Regelungen - mit zahlreichen pekuniären Nachteilen verbunden.1 Alle einschlägigen Studien kommen zu dem Ergebnis: Beim Berufseinstieg fällt die erste Entscheidung über den Einkommensvorsprung der Männer. Auch bei gleicher Qualifikation werden Frauen meist schlechter eingestuft, erhalten weniger Einkommen und haben deutlich geringere Aufstiegschancen. Dies ist eine unmittelbare Folge einer systematischen, wenn auch oft unbewussten, weil fast selbstverständlichen Minderbewertung von Frauen und deren Leistungen in einer Männergesellschaft. Einer Minderbewertung, die sich vereinzelt auch noch in Kollektivverträgen – vor allem in männerdominierten Branchen - sowie in Betriebsvereinbarungen niederschlägt. Untersuchungen zeigen auch, dass Frauen – als Folge der Erziehung zur „Weiblichkeit“ – bei Gehaltsverhandlungen zu Beginn des Berufseinstiegs weniger erfolgreich sind. Frauen verhandeln zwar gleich gut wie Männer, wenn sie für andere verhandeln, denn damit stellen sie ihre soziale Kompetenz unter Beweis. Für sich selbst verhandeln sie jedoch schlechter. Eingedenk des Idealbildes von der bescheidenen und selbstlosen Frau befürchten Frauen offenbar, dass - im Unterschied zu Männern – dezidierte Forderungen auf ihre Berufslaufbahn eine nachteilige Auswirkung haben könnten.2 Dass Frauen unter ihrem Qualifikationsniveau eingesetzt werden und beim beruflichen Aufstieg schnell an Grenzen („Gläserne Decke“) stoßen, ist sehr verbreitet. Die Arbeiterkammer Wien untersuchte im Februar 2013 zum wiederholten Mal die Geschlechterverteilung im Top-Managementsegment (Geschäftsführung, Aufsichtsrat) in den umsatzstärksten 200 Unternehmen und in den an der Wiener Börse notierten Unternehmen mit Sitz in Österreich. In den Geschäftsführungen der Top 200-Unternehmen erhöhte sich der Frauenanteil geringfügig auf 5,6 Prozent (2010: 5,3 ). Traditionell höher als in den Vorständen liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten. Er betrug 13,5 Prozent (2010: 9,7 %).
1 2
Vgl. Forschungsbüro der Männerberatung Graz. Vgl. Grünberger/ Zulehner, 144.
143
ÖKONOMISCHE SITUATION
Obwohl lediglich in drei Viertel der Top 200-Unternehmen Betriebsratskörperschaften eingerichtet sind, wurden 41,4 Prozent der Aufsichtsrätinnen (99 von 239) vom Betriebsrat delegiert. Noch weniger Aufstiegschancen haben Frauen in den börsennotierten Unternehmen. In den Vorständen der börsennotierten Unternehmen beträgt der Frauenanteil lediglich 3,3 Prozent, in den Aufsichtsräten 11,6 Prozent. Im internationalen Vergleich schneidet Österreich diesbezüglich sehr schlecht ab. Es liegt innerhalb der EU-27 an 20. Stelle. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten jener Unternehmen und Einrichtungen, die der Kontrolle des Rechnungshofs unterliegen (Öffentliche Wirtschaft des Bundes) ist deutlich höher als in den Unternehmen der Privatwirtschaft. Er stieg bis zum März 2013 auf 33 Prozent (2008: 16,1 %). Bis zum Jahr 2018 soll der Anteil auf 35 Prozent erhöht werden. Andernfalls werden gesetzliche Maßnahmen eingeleitet. Vorerst gelten für staatsnahe Unternehmen freiwillige Quotenregelungen, und börsenorientierte Unternehmen sind verpflichtet, über Maßnahmen zur Frauenförderung in Führungspositionen regelmäßig Bericht zu erstatten. Ebenso wie die horizontale Segregation des Arbeitsmarktes wirkt sich auch die vertikale sehr negativ auf die Einkommenssituation von Frauen und Männern aus. Mit Hilfe einer verpflichtenden betrieblichen Frauenförderung wie beispielsweise in Schweden oder gesetzlichen Quotenregelungen wie in Norwegen, Spanien, Frankreich, Island, Belgien, in den Niederlanden und in Italien lassen sich, so zeigt die Erfahrung, deutliche Fortschritte in Richtung Gleichstellung erzielen. In Norwegen, dem Land, in dem bereits 2006 eine gesetzliche Quotenregelung in Kraft trat, beträgt der Frauenanteil in den Verwaltungsräten der größten börsenorientierten Unternehmen inzwischen 46 Prozent., in Frankreich (Quote seit 2011) 27 Prozent. In mittlerweile zwölf europäischen Staaten, darunter auch Österreich, gilt der Corporate Governance Codex, das sind freiwillige Bestimmungen zur Gleichstellung von Frauen in leitenden Positionen. Diese Bestimmungen sind allerdings sehr vage formuliert, eine Nichteinhaltung bedarf der Begründung, Sanktionen bei Nichteinhaltung sind keine vorgesehen. Im November 2013 hat das EU-Parlament die „Richtlinie zur ausgewogenen Vertretung von Frauen und Männern in den Aufsichtsräten von börsenorientierten Unternehmen“ beschlossen. Ziel ist es, in den rund 5.000 börsenorientierten Unternehmen Europas mit mehr als 250 MitarbeiterInnen bis zum Jahr 2020 den Frauenanteil von derzeit 15 Prozent auf 40 Prozent zu erhöhen. Ermöglicht werden soll dies durch ein verpflichtendes transparentes Auswahlverfahren.
144
ÖKONOMISCHE SITUATION
ARMUTSGEFÄHRDUNG Österreich ist ein reiches Land. Es ist das zweitreichste Land innerhalb der Europäischen Union bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen (zu Kaufkraftparitäten). Seit den neunziger Jahren vergrößert sich in Österreich jedoch die Differenz zwischen niedrigen und hohen Einkommen. Armutsgefährdung und Armutsbekämpfung sind Themen, mit denen sich Wissenschaft und Politik auf EU- ebenso wie auf Landesebene zunehmend beschäftigen. Armut, so heißt es immer wieder, sei weiblich. Und zwar in Österreich mehr als anderswo. Die Ergebnisse von EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions), einer europaweiten sozialstatistischen Erhebung, liefern auch für Österreich detaillierte Daten zur Armutsgefährdung von Privathaushalten. Die entsprechenden Auswertungen1 sind im Wesentlichen die Grundlage für die folgenden Ausführungen. Insgesamt gelten 1,4 Millionen Menschen in Österreich als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, das sind 17 Prozent der in Österreich lebenden Personen.2 Die drei Hauptindikatoren für Armut und soziale Ausgrenzung sind gemäß EU-SILC – wie im Folgenden genauer ausgeführt - Armutsgefährdung, Deprivation und keine oder minimale Erwerbsintensität, wobei sich die Gruppen der davon betroffenen Personen zum Teil überschneiden. Armutsgefährdung: Nach europäischer Definition gelten Haushalte, deren bedarfsgewichtetes Netto-Pro-Kopf-Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Äquivalenz-Einkommens des jeweiligen Staates beträgt, als armutsgefährdet. Im Jahr 2011 betrug der Median des gewichteten Pro-Kopf-Einkommens € 21.139,- netto im Jahr; der Schwellenwert für Armutsgefährdung lag für einen Einpersonenhaushalt in Österreich daher bei einem verfügbaren NettoJahreseinkommen3 von rund € 12.796,-. Ein Einpersonenhaushalt, der über ein Einkommen von weniger als € 1.066,- pro Monat verfügt, gilt demnach als armutsgefährdet. Da ein Einpersonenhaushalt die aufwendigste Form der Haushaltsführung ist und sich in einem Mehrpersonenhaushalt
Einsparungseffekte
ergeben,
erhöht
sich
die
Schwelle
für
Armutsgefährdung nicht proportional zur Zahl der Haushaltsmitglieder, sondern degressiv. Für
Statistik Austria: Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich. Ergebnisse EU-SILC 2011, Wien 2013. Laut Tabellenband EU-SILC 2012, der aber erst nach Fertigstellung des vorliegenden Gleichstellungsberichtes publiziert wurde, ist der Anteil armuts- oder ausgrenzungsgefährdeter Personen in Österreich höher; er beträgt 18,5 Prozent, das sind 1,5 Millionen Menschen. Erklärung für diese „Zunahme“: Für die Erstellung von EU-SILC 2012 wurden aufgrund einer EU-Verordnung die Daten nicht mehr mittels Befragung erhoben, es wurden vielmehr detaillierte Verwaltungsdaten herangezogen. 3 Zu den Haushaltseinkommen zählen Erwerbseinkommen sowie Pensionen, Sozialleistungen, Kapitalerträge und allfällige private Transferleistungen. 1 2
145
ÖKONOMISCHE SITUATION
jeden zusätzlich im Haushalt lebenden Erwachsenen erhöht sich der Schwellenwert um € 533,im Monat, für jedes Kind um € 320,-. Von Armutsgefährdung sind 1,05 Millionen Menschen in Österreich betroffen, das sind 12,6 Prozent der österreichischen Bevölkerung1, ein Anteil der seit Jahren ziemlich unverändert ist (EU: 16 %). Die Gruppe der Armutsgefährdeten besteht aus 443.000 Frauen, 341.000 Männern und 268.000 Kindern und Jugendlichen. Deprivation: Als materielle Deprivation (Versorgungsarmut) gelten Beeinträchtigungen des Lebensstandards, sei es aufgrund eingeschränkter Möglichkeiten, Grundbedürfnisse zu befriedigen (z.B. einmal im Jahr Urlaub zu machen, unerwartete Ausgaben zu tätigen, die Wohnung angemessen warm zu halten) oder unzureichende Versorgung mit Gebrauchsgütern (z.B. Waschmaschine, Geschirrspüler, Pkw). In Österreich sind derzeit vier Prozent der Bevölkerung nach EU-Definition mit erheblicher materieller Deprivation konfrontiert (131.000 Frauen, 96.000 Männer und 98.000 Kinder.) Etwa ein Drittel dieser Gruppe sind Personen mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft. Keine oder minimale Erwerbsintensität: Personen zwischen 18 und 60 Jahren (ausgenommen Studierende), die in einem Haushalt mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität leben (konkret: im Laufe eines Jahres wird insgesamt weniger als 20 Prozent des VollzeitErwerbspotentials ausgeschöpft). Diese Gruppe umfasst seit Jahren in Österreich etwa eine halbe Million Personen: 229.000 Frauen, 176.000 Männer und 113.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren. Haushalte/Personen, die von Armutsgefährdung und/oder materieller Deprivation und/oder minimaler Erwerbsintensität betroffen sind, gelten aus ausgrenzungsgefährdet. Von jedem der drei genannten Problembereiche (Armutsgefährdung, Deprivation, keine oder minimale Erwerbsintensität) sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer. Fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung sind nicht nur von einem, sondern von mindestens zwei der drei Problembereiche betroffen. Differenziert nach Haushaltstyp zeigt sich, dass alleinlebende Menschen, Alleinerziehende und Mehrpersonenhaushalte mit mindestens drei Kindern ein deutlich höheres Risiko haben, mehrfach ausgegrenzt zu werden. Mit einer Quote 1
Laut Tabellenband EU-SILC 2012, der aber erst nach Fertigstellung des vorliegenden Gleichstellungsberichtes publiziert wurde, ist der Anteil armutsgefährdeter Personen in Österreich höher; er beträgt 14,5 Prozent. Erklärung für diese „Zunahme“: Für die Erstellung von EU-SILC 2012 wurden aufgrund einer EU-Verordnung die Daten nicht mittels Befragung erhoben, es wurden vielmehr detaillierte Verwaltungsdaten herangezogen.
146
ÖKONOMISCHE SITUATION
von 16 Prozent sind Alleinerziehende, und das sind zu 85 bis 90 Prozent Frauen (und ihre Kinder), am stärksten gefährdet. Tabelle 76: Mehrfach-Ausgrenzungsfährdete nach Haushaltstyp, Bildungsabschluss und Staatsbürgerschaft Soziodemografische Merkmale Haushaltstyp Alleinlebende Männer Alleinlebende Frauen Mehrpersonenhaushalt ohne Kinder Ein-Eltern-Haushalt Mehrpersonenhaushalt + 1 Kind Mehrpersonenhaushalt + 2 Kinder Mehrpersonenhaushalt + mindestens 3 Kinder Höchster Bildungsabschluss Maximal Pflichtschule Lehre/ mittlere Schule Matura Universität Staatsbürgerschaft Österreichisch Nicht österreichisch
Mehrfach-Ausgrenzungsfährdung in % 12 9 2 16 1 2 12
8 3 4 2 4 12
Quelle: Statistik Austria – EU SILC 2011.
Das Zusammentreffen mehrerer soziodemografischer Risikofaktoren führt zu einer deutlich höheren Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung. Beispielsweise sind Personen mit maximal Pflichtschulabschluss und nicht österreichischer Staatsbürgerschaft mit einer Armutsgefährdungsquote von 37 Prozent mehr als doppelt so stark von Armut betroffen wie Personen mit maximal Pflichtschulabschluss und österreichischer Staatsbürgerschaft (18 %). Da im Rahmen von EU-SILC Armutsgefährdung auf Haushaltsebene festgestellt wird und nicht auf persönlicher Ebene, scheint auf den ersten Blick die Armutsgefährdung von Frauen (18 %) zwar höher, aber nicht exorbitant höher zu sein als jene der Männer (14 %). Der Grund: Die Gewichtung des Haushaltseinkommens unterstellt eine Gleichverteilung der Einkommen innerhalb eines Haushaltes, was aber keineswegs immer der Realität entspricht (siehe Abschnitt „Verteilung des Haushaltseinkommens“ im Kapitel Haushalt/Kinderbetreuung/Pflege von Angehörigen).
147
ÖKONOMISCHE SITUATION
Ein Vergleich der Einpersonen-Haushalte und die gleichzeitige Berücksichtigung des Alters der Alleinlebenden zeigt, welches Ausmaß geschlechtsspezifische Unterschiede in Hinblick auf Armutsgefährdung tatsächlich annehmen können.
Folgende Bevölkerungsgruppen haben – so die Ergebnisse von EU-SILC 2011 für Österreich gesamt - ein deutlich erhöhtes Risiko für Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung:
Kinder unter 16 Jahren mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft (Armutsgefährdungsquote1 45 %)
Alleinerziehende (Armutsgefährdungsquote 36 %)
Allein lebende Frauen ohne Pension (Armutsgefährdungsquote 34 %)
AusländerInnen (Armutsgefährdungsquote 34 %)
Allein lebende Pensionistinnen (Armutsgefährdungsquote 32 %)
Allein lebende Männer ohne Pension (Armutsgefährdungsquote 30 %)
Haushalte mit drei oder mehr Kindern (Armutsgefährdungsquote 29 %)
Personen mit maximal Pflichtschulabschluss (Armutsgefährdungsquote 27 %)
Das heißt, neben Staatsbürgerschaft und Bildungsniveau trägt die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht wesentlich zur Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung bei. Unabhängig vom Geschlecht sind alleinlebende Menschen deutlich stärker von Ausgrenzungsgefährdung betroffen, Frauen allerdings mehr als Männer, wobei das Risiko der Frauen mit zunehmendem Alter deutlich steigt: Laut EU-SILC ist die Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung alleinlebender Pensionistinnen (32 %) doppelt so hoch wie alleinlebender Pensionisten (16 %). Gibt es innerhalb eines Haushalts keinen männlichen Erwerbstätigen, der das häufig geringe Einkommen der Frau ausgleicht, zeigen sich sehr deutlich die geschlechtsspezifischen Unterschiede. Von den Alleinerzieherinnen und alleinlebenden Frauen ist rund ein Drittel armutsgefährdet. Anders gesagt: Der Lebensstandard vieler Frauen hängt maßgeblich davon ab, ob sie mit einem Mann zusammenleben oder nicht. Ihr Lebensstandard aber ist damit nicht nachhaltig gesichert. Eine Trennung, Scheidung oder der Tod des Partners bedeutet für eine Frau oft einen drastischen Einkommensverlust, jedenfalls einen bedeutend größeren als für einen Mann in vergleichbarer Situation. Der Erwerbstätigkeit kommt in Zusammenhang mit Armutsvermeidung zentrale Bedeutung zu.
1 Armutsgefährdungsquote = Maß für die Häufigkeit der Armutsgefährdung definiert als Anteil der Personen an der jeweiligen Bevölkerungsgruppe, deren Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt.
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ÖKONOMISCHE SITUATION
Ganzjährig Vollzeitbeschäftigte sind unter den Personen im Erwerbsalter (20 bis 64 Jahre) diejenigen mit der geringsten Armutsgefährdung. Mit einer Armutsgefährdungsquote von vier Prozent tragen sie ein wesentlich geringeres Armutsrisiko als andere Gruppen. Selbst ganzjährig Teilzeitbeschäftigte haben mit acht Prozent eine unterdurchschnittliche Armutsgefährdung. Dem höchsten Armutsrisiko sind unter den Erwachsenen Langzeitarbeitslose ausgesetzt (41 %). Nachteilig für Frauen wirkt sich in Hinblick auf Armutsgefährdung aus, dass sie deutlich häufiger als Männer Niedriglöhne beziehen und auch häufiger – oft aufgrund von Kinderbetreuungspflichten – nicht erwerbstätig sein können bzw. atypisch beschäftigt sind. Eine wesentliche Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch das Bildungsniveau (Tab. 77). Personen mit maximal Pflichtschulabschluss sind von Armutsgefährdung mehr als doppelt so oft betroffen wie Personen mit einem über die Pflichtschule hinausgehenden Bildungsabschluss. Die Ursachen: Die Beschäftigungsquote von Personen mit maximal Pflichtschulabschluss ist geringer, sie sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen und die Einkommen, die sie erzielen, sind unterdurchschnittlich. In diesem Zusammenhang erweist es sich als besonders problematisch, dass Kinder aus eher bildungsfernen unteren sozialen Schichten im österreichischen Bildungssystem de facto nur geringe Aufstiegschancen haben, denn auf diese Weise wird Armutsgefährdung „vererbt“. Tabelle 77: Bildungsstand und Armuts- bzw. Ausgrenzungsfährdung Höchster Bildungsabschluss Maximal Pflichtschule Lehre/ Mittlere Schule Matura Universität
Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung in % 27 13 14 8
Quelle: Statistik Austria – EU-SILC 2011
2013 erstellte Statistik Austria – im Auftrag der Bundesländer - auch einen Bericht zum Themenbereich Armut und soziale Eingliederung in Österreichs Bundesländern. Damit liegen erstmals auch Daten für Vorarlberg vor. Basierend auf den EU-SILC-Daten, Verwaltungsdaten und weiteren Erhebungen auf Bundesländerebene wurden Schätzverfahren entwickelt, um auch auf Länderebene einigermaßen aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Die grundsätzlichen Ergebnisse dieser ASE1-Bundesländererhebung für Österreich unterscheiden sich etwas von den Ergebnissen aus EU-SILC, da die Methoden der Erfassung des Haushaltseinkommens sowie die Indikatoren für die Erfassung des Lebensstandards nicht völlig ident sind mit jenen von EU1
ASE = Armut und soziale Eingliederung
149
ÖKONOMISCHE SITUATION
SILC. Allerdings macht die ASE-Bundesländererhebung einige signifikante Unterschiede zwischen Gesamtösterreich und einzelnen Bundesländern sichtbar. Die Werte für Armutsgefährdung liegen in Vorarlberg (14,7 %) auf Österreichniveau. Das Gleiche gilt für das Risiko der finanziellen Deprivation (finanzielles Unvermögen, den national definierten Mindestlebensstandard aufrecht erhalten zu können) sowie für das Risiko manifester Armut (Zusammentreffen von Armutsgefährdung und finanzieller Deprivation). Was die soziale Ausgrenzungsgefährdung betrifft, so ist diese in den Jahren 2005 bis 2011 in Vorarlberg allerdings deutlich gesunken, und zwar von 17,5 auf 14,7 Prozent. Tabelle 78: Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen Soziodemografische Merkmale
Frauen ab 20 Jahren Männer ab 20 Jahren Frauen 65+ Männer 65+ Alleinlebende Männer (ohne Pension) Alleinlebende Frauen (ohne Pension) Alleinlebende Pensionisten Alleinlebende Pensionistinnen Österreichische StaatsbürgerInnen Nicht österreichische StaatsbürgerInnen Ein-Eltern-Haushalte Mehrpersonenhaushalte + mindestens 3 Kinder
Armutsgefährdung in % Vorarlberg 16 11 22 16 15 29 21 36 14 18 63 21
Österreich 15 12 18 15 20 27 13 24 12 34 47 25
Quelle: Statistik Austria - ASE-Bundesländererhebung 2011/12
Das Risiko der Armutsgefährdung ist in einzelnen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich hoch. Ähnlich wie EU-SILC zeigt auch die ASE-Bundesländererhebung, dass Staatsbürgerschaft und Erwerbstätigkeit einen großen Einfluss auf die Armutsgefährdung haben. Personen mit nichtösterreichischer Staatsbürgerschaft weisen mit 34 Prozent im Österreichdurchschnitt eine fast dreimal so hohe Armutsgefährdungsquote auf wie Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft (12 %). Vorarlberg hebt sich in diesem Zusammenhang allerdings positiv ab. Vorarlberg ist das einzige Bundesland, in dem die Armutsgefährdungsquote der AusländerInnen (18 %) nur geringfügig höher ist als jene der InländerInnen (14 %). Ganz wesentlichen Einfluss auf das Risiko der Armutsgefährdung hat auch gemäß ASE-Bundesländererhebung das Geschlecht, und zwar in Vorarlberg deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (Tab. 78 und 79).
150
ÖKONOMISCHE SITUATION
Tabelle 79: Armutsgefährdung nach Erwerbsstatus Erwerbsstatus Männlicher Hauptverdiener Weibliche Hauptverdienerin Vollzeitbeschäftigt Teilzeitbeschäftigt Nicht-Erwerbstätig Teilzeit unter 12 Stunden Hilfsarbeit Facharbeit Höhere Tätigkeit Arbeitslos (1 – 5 Monate) Arbeitslos (6 – 11 Monate)
Armutsgefährdung in % Vorarlberg Österreich 10 11 29 24 8 7 13 14 20 19 16 20 12 14 9 8 5 4 26 32 46 45
Quelle: Statistik Austria - ASE-Bundesländererhebung 2011/12
Das Faktum, dass eine Frau und kein Mann in einem Haushalt HauptverdienerIn ist, erhöht das Risiko der Armutsgefährdung von unterdurchschnittlichen 10 auf 29 Prozent.
SCHULDEN In Zusammenhang mit der Armutsgefährdung steht auch das Problem der Überschuldung. Von Überschuldung wird gesprochen, wenn es einer Person nicht mehr möglich ist, Schulden zurückzuzahlen. In Vorarlberg erhöhte sich die Zahl der KlientInnen der IfS-Schuldenberatung zwischen 2002 und 2009 um mehr als 80 Prozent; in diesem Zeitraum stieg sie von 1.556 Personen auf 2.830 Inzwischen ging sie wieder etwas zurück, und zwar auf 2.756 Personen im Jahr 2012. Schätzungsweise ist die Zahl der überschuldeten Personen insgesamt deutlich größer als die Zahl derer, die eine Schuldenberatungsstelle aufsuchen. Von den 2.756 Personen, die sich 2012 persönlich an die IfS-Schuldenberatung Vorarlberg wandten, waren 1.060 (= 38 %) Frauen und 1.696 Männer (62 %). 2002 hatte der Frauenanteil 36 Prozent betragen. Insgesamt wurden von der Schuldenberatung im Jahr 2012 466 Anträge auf Eröffnung eines Privatkonkurses gestellt, hier waren ebenfalls 38 Prozent der Anträge von Frauen. Allerdings scheitern Frauen deutlich häufiger mit ihrem Konkurs, da viele infolge geringeren Einkommens die Mindestquote von zehn Prozent Rückzahlung der Schulden nicht schaffen.
151
ÖKONOMISCHE SITUATION
Männer bilden nicht nur die Mehrheit der KlientInnen der Schuldenberatung, die durchschnittliche Verschuldung der Klienten (€ 100.185,-) ist auch höher als die der Klientinnen (€ 72.882,-). Dass die Höhe der Schulden bei Frauen im Schnitt um 27 Prozent geringer ist, dürfte aber nicht nur auf einen weniger risikofreudigen Umgang mit Geld zurückzuführen sein, sondern auch darauf, dass Frauen aufgrund ihres geringeren Einkommens seltener (hohe) Kredite erhalten. Dass sich mehr Männer an die Schuldenberatung wenden, hat vermutlich mehrere Gründe. Zum einen könnte es sein, dass innerfamiliär der Umgang mit Finanzen eher in den Bereich des Mannes fällt und Männer als Haupt- oder Alleinverdiener durch Gehaltspfändungen von den Folgen der Verschuldung unmittelbarer betroffen sind, zum anderen dürften Männer auch was den Umgang mit Geld betrifft ein etwas risikoreicheres Verhalten an den Tag legen als Frauen. Allerdings scheinen Frauen was Schuldenmachen betrifft sich zunehmend den Männern anzugleichen. In der jungen Generation (unter 25) ist der Frauenanteil an den KlientInnen der Schuldenberatung höher als insgesamt (45 %). Am stärksten vertreten ist die Gruppe der 25- bis 55-Jährigen. Sie macht 78 Prozent der KlientInnen aus. Das gilt für Frauen ebenso wie für Männer. Tabelle 80: Arbeits-/Einkommenssituation der KlientInnen der IfS-Schuldenberatung, 2012 Arbeits-/ Einkommenssituation
Vollerwerbstätig Teilzeitbeschäftigt Arbeitslos Ruhestand Sonstiges*) Berufsunfähig Haushalt Gesamt
Gesamtzahl
davon Frauen
Davon Männer
1.151 217 819 204 198 107 60 2.756
263 169 299 86 141 44 58 1.696
888 48 520 118 57 63 2 1.060
Anteil an der Gesamtzahl der Frauen in % 25 16 28 8 13 4 6
Anteil an der Gesamtzahl der Männer in % 52 3 31 7 3 4 (0,1)
100
100
*) Mutterschutz/Karenz/Bezug von Kinderbetreuungsgeld, Schulbesuch/Studium sowie unklare/unbekannte Einkommenssituation Quelle: IfS-Schuldenberatung
Der Anteil der erwerbstätigen KlientInnen beträgt 50 Prozent. Von den männlichen Klienten waren 2012 55 Prozent erwerbstätig, von den Klientinnen 41 Prozent. Knapp zwei Drittel (64 %) der erwerbstätigen Klientinnen waren allerdings nur teilzeitbeschäftigt. Die Zahl der arbeitslosen 152
ÖKONOMISCHE SITUATION
KlientInnen betrug insgesamt 30 Prozent, die der Klienten 31 Prozent und die der Klientinnen 28 Prozent. Die vier von Männern am häufigsten genannten Gründe für die Verschuldung:
Einkommensverschlechterung/ Arbeitslosigkeit (34 %)
Konsumverhalten (15 %)
Selbständigkeit (12 %)
Scheidung/ Trennung (7 %)
Die vier von Frauen am häufigsten genannten Gründe für die Verschuldung: o
Einkommensverschlechterung/ Arbeitslosigkeit (34 %)
o
Bürgschaft/ Haftungen (15 %)
o
Konsumverhalten (11 %)
o
Scheidung/Trennung (11 %)
Was die Ursachen der Ver- bzw. Überschuldung anlangt, so gibt es drei auffallende geschlechtsspezifische Unterschiede:
Für männliche Ratsuchende (12 %) ist eine (gescheiterte) Selbständigkeit weit eher die wesentliche Ursache der Überschuldung als für Frauen (9 %).
Für mehr Frauen (11 %) als Männer (7 %) ist eine Scheidung/ Trennung der Hauptgrund für die Überschuldung.
Für deutlich mehr weibliche Ratsuchende (15 %) ist die Übernahme einer Bürgschaft bzw. eine Mithaftung der Grund für die Überschuldung. Von den Männern sind nur drei Prozent davon betroffen. Insgesamt sind von den KlientInnen, für die eine Bürgschaft der Grund für die Überschuldung ist, drei Viertel Frauen. Bürgschaften für Kreditverträge werden in Ehen oder Lebensgemeinschaften oft von Frauen übernommen. Zahlt der Mann die Schulden nicht zurück, haftet die Frau, auch die geschiedene. Kritik üben SchuldenberaterInnen in dem Zusammenhang vor allem an der Praxis der Banken, die eine Bürgschaft/Mithaftung von Frauen akzeptieren, die über kein oder kein entsprechendes Einkommen verfügen. Sinnvoll wäre eine gesetzliche Regelung, welche die Übernahme einer Bürgschaft an das Vorhandensein von Vermögen oder eines entsprechenden Einkommens koppelt.
BEDARFSORIENTIERTE MINDESTSICHERUNG In den Jahren 2010/ 2011 wurde die – bis dahin je nach Bundesland unterschiedliche geregelte Sozialhilfe durch die Bedarfsorientierte Mindestsicherung ersetzt. Die Bedarfsorientierte 153
ÖKONOMISCHE SITUATION
Mindestsicherung ist eine Sozialleistung für Personen, die außerstande sind, finanziell für sich selbst zu sorgen; sie dient der Sicherung des Lebensunterhalts und des Wohnbedarfs (außerhalb von stationären Einrichtungen) und deckt erforderliche Leistungen im Falle von Krankheit, Schwangerschaft und Entbindung ab. Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung setzt österreichweit einheitliche Mindeststandards fest. Weitergehende Leistungen können laut BundLänder-Vereinbarung erbracht werden. Frauen, so zeigt sich, sind in allen Bundesländern, in stärkerem Maß auf die Mindestsicherung angewiesen als Männer. Insgesamt lag der Frauenanteil bei den BezieherInnen der bedarfsorientierten Mindestsicherung österreichweit bei 40 Prozent, jener der Männer bei 33 Prozent und jener der Kinder bei 27 Prozent. Die größte Gruppe der BezieherInnen von Mindestsicherung sind in Vorarlberg Alleinerziehende (33,7 %), gefolgt von Paaren mit Kindern (32,1 %) und alleinstehenden Personen (31,1 %). Die durchschnittliche Bezugsdauer betrug 2011 in Vorarlberg 5,7 Monate (Wien: 8,8 Monate). Die Höhe der Geldleistung orientiert sich am Ausgleichszulagenrichtsatz der Pensionsversicherung, abzüglich des Beitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung, wobei 75 % zur Sicherung des Lebensunterhalts und 25 % zur Deckung des Wohnbedarfs gewährt werden. Vorarlberg (und Tirol) haben insofern eine großzügigere Regelung, als die tatsächlichen Wohnkosten übernommen werden, sofern sie sich im Rahmen der höchstzulässigen Wohnkosten bewegen.
SOZIALE SICHERHEIT? Das österreichische System der sozialen Sicherheit orientiert sich im Wesentlichen an der typischen Männerbiographie, die gekennzeichnet ist durch kontinuierliche Erwerbstätigkeit und ein vergleichsweise hohes Einkommen. Als Leitbild des berufstätigen Menschen gilt der sich ein Leben lang voll auf seine Erwerbstätigkeit konzentrierende Mann, der – dank einer Ehefrau – von familiären Aufgaben entlastet ist. Der sogenannte weibliche Lebenszusammenhang, der dadurch gekennzeichnet ist, dass Frauen aufgrund familiärer Verpflichtungen ihre Berufstätigkeit unterbrechen, Teilzeit arbeiten oder sogenannte prekäre Arbeitsverhältnisse eingehen müssen, findet im Sozialversicherungssystem kaum Berücksichtigung. Die Folge: Frauen sind sozial bedeutend schlechter abgesichert als Männer. Sie erhalten im Durchschnitt weniger Arbeitslosengeld, weniger Notstandshilfe und eine deutlich geringere Pension, weshalb ein großer Teil der Frauen finanziell abhängig ist vom Ehemann bzw. von staatlichen Zuwendungen. Problematisch sind aber auch – jedenfalls langfristig gesehen – all jene gesetzlichen Regelungen, welche die Aufnahme einer Erwerbsarbeit für Frauen eher unattraktiv machen, weil sie mit dem Verlust von Transferleistungen oder steuerlichen Vorteilen verbunden sind.
154
ÖKONOMISCHE SITUATION
Das Weißbuch des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung stellt in diesem Zusammenhang fest, dass im EU-Vergleich Österreich den Verbleib von Dienstleistungen im Haushalt fördert. „Zusätzlich (Anm. der Autorin: zu relativ wenigen Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Ganztagsschulen) tragen das Steuersystem (Alleinverdienerabsetzbetrag) sowie das derzeitige System des Pflegegeldes und des Kinderbetreuungsgeldes dazu bei, dass der Verbleib von Frauen und Kindern im Haushalt perpetuiert und der (Wieder-)Eintritt ins Erwerbsleben hinausgeschoben wird.“1 Gleichzeitig stellt diese Studie klar, dass das österreichische Modell dem Staat nicht wirklich billiger kommt. Denn viele Dienstleistungen, die im Haushalt erbracht werden, sind nicht „unbezahlt“ im engeren Sinn des Wortes, da sie der Staat in Form von Transferleistungen zahlt, etwa Pflegegeld und Kinderbetreuungsgeld2. Das bedeutet, dass die Person, die bestimmte Aufgaben im Haushalt erfüllt, de facto einen „Haushaltslohn“ erhält, der allerdings nicht mit einer eigenständigen Sozialversicherung verbunden ist. „Transferleistungen, die einen De-facto-Haushaltslohn darstellen, gibt es in dieser Form und Größenordnung anderswo nicht, da sie einen Anreiz zum Rückzug aus dem Erwerbsleben darstellen.“3
Biffl 2006, 51. Das Kinderbetreuungsgeld wurde 2010 durch eine einkommensabhängige Variante mit deutlich kürzerer Bezugsdauer (12+2-Monate) ergänzt. 3 Ebenda, 51 f. 1 2
155
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT GESCHLECHTSSENSIBLE MEDIZIN So wie alle anderen Wissenschaften war auch die Medizin lange Zeit weitgehend männerorientiert. Männer gelten als die Norm. Frauen als Abweichung. Medikamente, aber auch andere Behandlungsformen wurden sehr häufig nur an Männern getestet, da das Zyklusgeschehen der Frauen, wie es hieß, die Resultate „verfälschen“
würde. Allerdings
bekamen Frauen hinterher ebenso verschrieben, was nur an Männern erprobt wurde. Umgekehrt war es bei der Diagnose Osteoporose der Fall, wo Medikamente hauptsächlich an Frauen getestet,
aber
selbstverständlich
auch
Männern
verschrieben
wurden.
Psychische
Beeinträchtigungen wiederum nehmen ÄrztInnen eher bei Frauen wahr als bei Männern. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten nahmen WissenschaftlerInnen nach und nach zur Kenntnis, dass es einen Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Rolle und den Lebensbedingungen
-
von Frauen und Männern einerseits und ihren physischen und psychischen Erkrankungen andererseits existiert Erkrankungen, von denen beide Geschlechter betroffen sind (z.B. Herzkrankheiten), sich bei
-
Frauen und Männern unterschiedlich manifestieren und einen unterschiedlichen Verlauf nehmen können. Gesundheit bzw. Krankheit ist nichts Geschlechtsneutrales. Von Magersucht sind beispielsweise überwiegend Frauen betroffen, andererseits sind Frauen Zeit ihres Lebens weniger unfall- und selbstmordgefährdet als Männer. Mehr als 70 Prozent der bei einem Straßenverkehrsunfall getöteten Personen sind männlichen Geschlechts (was auch auf den hohen Anteil männlicher Motorradfahrer zurückzuführen ist). Das Risiko, an chronischen Angstzuständen und Depressionen zu erkranken ist bei dauerhaft arbeitsunfähigen Männern viel höher als bei Frauen.1 Die gesundheitlichen Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern sind allerdings nur zu einem eher kleinen Teil auf das biologische Geschlecht („sex“) zurückzuführen (20 %), zu einem viel größeren Teil (50 %) sind sie genderbedingt, haben ihre Ursache also im „sozialen Geschlecht“, in den Geschlechtsrollenbildern und den damit verbundenen unterschiedlichen Verhaltens- und
1
Österreichischer Frauengesundheitsbericht 2010/2011, 59f.
156
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
Lebensweisen.1 Einfluss auf die Gesundheit haben auch weitere soziale Faktoren wie Bildungsniveau, Einkommen, Migrationsstatus.
KAISERSCHNITT-ENTBINDUNGEN Zwischen 1998 und 2012 erhöhte sich in Österreich der Anteil der Kaiserschnitte an allen Geburten von 14,6 auf 29,4 Prozent. In Vorarlberg liegt die Kaiserschnittrate 2012 bei 26,5 Prozent (1998: 11,6 %). Ein kleiner Teil dieses Anstiegs ist dadurch zu erklären, dass das Alter der Frauen bei der Geburt des ersten Kindes deutlich gestiegen ist und infolge der Möglichkeit künstlicher Befruchtung die Zahl der Mehrlingsgeburten zugenommen hat. Wesentlich für den Anstieg der Kaiserschnitt-Entbindungen ist allerdings die Tatsache, dass im Unterschied zu früheren Jahren ein Kaiserschnitt nicht nur bei Vorliegen einer medizinischen Indikation vorgenommen wird, sondern auch ohne medizinischen Grund („WunschKaiserschnitt“).
SÄUGLINGSSTERBLICHKEIT Die Säuglingssterblichkeit2 hat - nicht zuletzt aufgrund spezieller Vorsorgeuntersuchungen - in Vorarlberg so wie in den anderen Bundesländern Jahrzehnte hindurch kontinuierlich abgenommen. Sie ist von 26 Promille im Jahr 1971 auf 3,2 Promille im Jahr 2007 gesunken (Österreich: von 26 auf 3,7 ‰). Danach ist die Säuglingssterblichkeit minimal angestiegen. 2012 betrug die Säuglingssterblichkeit in Vorarlberg 3,1 Promille (Österreich: 3,2 ‰). Bei den Knaben betrug sie 4,0 und bei Mädchen 2,2 Promille (Österreich: 3,2 und 3,2 ‰).
LEBENSERWARTUNG Frauen haben in Österreich eine deutlich höhere Lebenserwartung als Männer. Die Differenz zwischen den Geschlechtern betrug 1951 5,4 Jahre, stieg bis 1982 auf 7,2 Jahre und sank danach bis 2012 auf fünf Jahre (Vorarlberg: 5,5). Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt ist in Vorarlberg sowohl für Frauen als auch für Männer die höchste von allen Bundesländern, sie entspricht eher jener der Schweizer Bevölkerung. 2012 betrug sie für Frauen in Vorarlberg 84,6 Jahre (Österreich: 83,3) und für Männer 79,1 Jahre (Österreich: 78,3). Insgesamt nimmt die Lebenserwartung beider Geschlechter kontinuierlich zu. Frauen leben zwar derzeit um etwa fünf Jahre länger, viele von ihnen jedoch
1 2
Vgl. Rásky. Anteil der im ersten Lebensjahr Gestorbenen, bezogen auf die Zahl der in diesem Kalenderjahr Lebendgeborenen.
157
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
mit funktionalen Behinderungen, die oft eine entscheidende Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen. Tabelle 81: Lebenserwartung bei der Geburt 2012 Region Vorarlberg Österreich
Lebenserwartung in Jahren Frauen Männer 84,6 79,1 83,3 78,3
Quelle: Statistik Austria
Die Lebenserwartung bzw. das Sterblichkeitsrisiko unterscheiden sich jedoch nicht nur nach dem Geschlecht, sondern – zum Teil stärker - aufgrund sozialer Unterschiede (Bildungs- und Einkommenssituation, Stellung im Beruf). So zeigt die Verknüpfung von Sterbefalldaten mit Daten der letzten Volkszählung, dass die Lebenserwartung im Durchschnitt umso höher ist je höher das Bildungsniveau der Personen ist. Das höchste Sterberisiko weisen PflichtschulabsolventInnen auf, das geringste hingegen AkademikerInnen. Eine von Statistik Austria vorgenommene Untersuchung der Todesfälle von Erwerbspersonen im Haupterwerbsalter (25 – 54 Jahre) zeigt, dass das Risiko eines frühzeitigen Todes (zwischen 25 und 54 Jahren) insgesamt seit Jahrzehnten rückläufig ist und derzeit für Männer sechs Prozent beträgt und für Frauen drei Prozent. Je nach Stellung im Beruf zeigen sich aber signifikante und seit Jahren gleichbleibende Unterschiede: So ist die Sterblichkeit im Alter von 25 bis 54 Jahren bei FacharbeiterInnen um 25 Prozent, bei den sonstigen ArbeiterInnen um 50 Prozent höher als bei Angestellten und BeamtInnen ohne Matura. Besonders hoch ist das Mortalitätsrisiko von Hilfsarbeitskräften, besonders niedrig ist es bei Führungskräften in akademischen Berufen. Differenziert nach Todesursachen zeigt sich bei Arbeitern ein überdurchschnittlich hohes Risiko, an einem Unfall zu sterben. Die Berufsgruppen mit niedriger Mortalität sind zumeist auch Berufsgruppen mit höherem Einkommen, zumindest sofern Männer betroffen sind. Obwohl es in diesem Zusammenhang nicht um berufsbedingte Todesfälle geht, ist davon auszugehen, dass bildungs- und berufsspezifische Unterschiede auch unterschiedliche Arbeitsbedingungen und damit unterschiedliche körperliche und psychische Belastungen bedeuten und auch unterschiedliche Strategien der Bewältigung zum Einsatz kommen. Tatsächlich ist bei ArbeiterInnen die Mortalitätsrate bei Unfällen, Lungenkrebs und Leberzirrhose deutlich höher als bei Angestellten/ BeamtInnen. Frauen mit höherem Einkommen nehmen mehr als doppelt so oft Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch als Frauen mit niedrigem Einkommen. 158
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
Eine vergleichbare Entwicklung hinsichtlich Lebenserwartung zeigen die meisten Staaten Westeuropas. Osteuropäische Staaten weisen zum Teil eine deutlich höhere Geschlechterdifferenz in der Lebenserwartung auf (teilweise mehr als zehn Jahre). Internationale Studien führen als Grund für die höhere Lebenserwartung der Frauen bzw. die niedrigere Lebenserwartung der Männer zunehmend eher soziale als biologische Faktoren an. Der Lebensstil von Männern gilt als ungesünder sowohl was die Ernährung als den Umgang mit Nikotin und Alkohol anlangt. Mehr Männer als Frauen seien übergewichtig und ihr Verhalten sei – entsprechend traditionellen Geschlechtsrollenklischees – deutlich risikoreicher als jenes der Frauen. Dazu kommt, dass Vertreter des angeblich „starken Geschlechts“ sowohl bei körperlichen Beschwerden als auch bei psychischen Problemen im allgemeinen eher zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zeit ihres Lebens konsultieren Männer seltener AllgemeinmedizinerInnen und auch FachärztInnen.
SUBJEKTIVER GESUNDHEITSZUSTAND Im Durchschnitt schätzen drei Viertel der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut ein. Männer beurteilen ihren Gesundheitszustand unabhängig vom Alter besser als Frauen. Männer neigen auch dazu, körperliche und psychische Symptome eher zu ignorieren oder zu verharmlosen. Bis sie bei Beschwerden einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, warten sie im Schnitt länger zu als Frauen.
LEBENSSTIL Herz- und Kreislauferkrankungen sind in den Industrienationen die häufigste Todesursache sowohl von Frauen als auch von Männern. Der wesentliche und zugleich vermeidbare Risiskofaktor für Herz- und Kreislauferkrankungen ist ein ungesunder Lebensstil – speziell übermäßiger Tabak- und Alkoholkonsum, Fehlernährung und körperliche Inaktivität. Männer pflegen einen ungesünderen Lebensstil: Im Durchschnitt trinken sie mehr Alkohol, rauchen häufiger und ernähren sich weniger ausgewogen. Sie sind zwar körperlich aktiver, aber häufiger übergewichtig. RAUCHEN Rauchen hat erwiesenermaßen negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Es ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Lungenkrebs. Generell rauchen nach wie vor weniger Frauen als Männer. Unter den Jugendlichen rauchen inzwischen allerdings mehr Mädchen als Burschen. Täglich rauchen rund ein Fünftel der Österreicherinnen ab 15 (19 %) und mehr als ein Viertel der Österreicher ab 15 (28 %). Langfristig geht der Anteil der rauchenden Männer zurück, jener der 159
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
Frauen steigt an. Parallel dazu weisen die Neuerkrankungen an Lungenkrebs bei Frauen eine steigende Tendenz auf. Frauen rauchen zwar eher „leichtere“ Zigaretten, tendieren aber dazu, eher tiefer zu inhalieren als Raucher. Der von Frauen am häufigsten genannte Grund fürs Rauchen ist, das Gewicht reduzieren bzw. halten zu wollen. ALKOHOLKONSUM Alkohol ist unter den süchtig machenden Substanzen in unserer Gesellschaft besonders weit verbreitet und besonders leicht zugänglich. In den letzten Jahrzehnten gab es bezüglich Alkoholkonsum drei unterschiedliche Entwicklungen, die sich überschneiden. o
Der Alkoholkonsum geht zurück
o
Jugendliche beginnen früher Alkohol zu konsumieren
o
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bezüglich Alkoholkonsum verringern sich
Frauen trinken jedoch nach wie vor weniger Alkohol als Männer, sie trinken auch seltener und die Zahl der abstinenten Frauen ist größer als die der Männer. Frauen „vertragen“ jedoch erwiesenermaßen auch weniger Alkohol, und zwar um etwa ein Drittel weniger als Männer. Aufgrund ihres im Durchschnitt geringeren Körpergewichtes und des höheren Körperfettanteils haben Frauen im Durchschnitt mit zwei Drittel der absoluten Alkoholmenge die gleiche Alkoholkonzentration im Blut wie Männer. 12 Prozent der ÖsterreicherInnen (16 % der Männer und 8 % der Frauen) konsumieren Alkohol auf eine Weise, die gesundheitlich bedenklich ist. Fünf Prozent der ÖsterreicherInnen (7,5 % der Männer und 2,5 % der Frauen) sind, so das Ludwig Boltzmann-Institut für Suchtforschung, AlkoholikerInnen. Laut Selbsteinschätzung halten sich etwas weniger Personen für alkoholabhängig; von den Frauen in Vorarlberg sind es 1,6 Prozent und von den Männern 6,1 Prozent.1 Diese im Rahmen der der Österreichischen Gesundheitsbefragung erhobenen Prozentsätze, liegen - was die Frauen anlangt - im Österreichdurchschnitt, bei den Männern etwas darunter. Im internationalen Vergleich gehört Österreich zu den Staaten mit hohem Alkoholkonsum. Der Anteil der Fünfzehnjährigen, die eigenen Angaben zufolge mindestens einmal wöchentlich Alkohol trinken, ist in Österreich relativ hoch. Er betrug 2009/10 laut HBSC-Survey2 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei den Mädchen 28 Prozent, bei den Burschen 37 Prozent. Damit lag Österreich hinter Tschechien, Griechenland, der Ukraine und Kroatien auf dem fünften Platz im Vergleich der OECD-Länder.
ÖBIG, 71f. HBSC (Health Behaviour in School-aged Children) – Erhebung über das Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter, zitiert nach Statistik Austria: Jahrbuch der Gesundheitsstatistik 2011, 60.
1 2
160
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
ESSSTÖRUNGEN/ UNTER- UND ÜBERGEWICHT Ernährungsgewohnheiten unterscheiden sich unter anderem auch nach dem Geschlecht. Die meisten Mädchen achten ab der Pubertät auf kalorienarmes, gesundes Essen, sie nehmen Essen wegen der möglichen Gewichtszunahme oft auch als Bedrohung war, essen mitunter aus Frustration und verzichten dann als Ausgleich auf Mahlzeiten. Männliche Jugendliche sind vergleichsweise unkomplizierte lustvolle Esser. Als Erwachsene bevorzugen Frauen Mischkost mit viel Obst und Gemüse, Männer hingegen Mischkost mit viel Fleisch (40 % der Männer, aber nur 14 % der Frauen). Deutlich mehr Männer (45 %) als Frauen (30 %) sind übergewichtig. Extrem übergewichtig (adipös) sind sowohl 13 Prozent der Männer als auch 13 Prozent der Frauen, ältere Menschen deutlich mehr als junge. Essstörungen, vor allem Magersucht sowie Bulimie (Ess- und Brechsucht), sind hingegen psychosomatische Erkrankungen, von denen überwiegend Mädchen und Frauen betroffen sind. Die wissenschaftlichen Erklärungsansätze für das Entstehen dieser Erkrankungen sind zahlreich und unterschiedlich. Unbestritten ist, dass diese Erkrankungen mit der Situation der Frauen in dieser Gesellschaft und der Vielzahl der an sie gerichteten Erwartungen zu tun haben. Schlank zu sein gilt – für Frauen viel mehr als für Männer – heute mehr denn je als Maßstab für gutes Aussehen, Gesundheit und Erfolg. Für viele Frauen wird Kalorienzählen von früher Jugend an zur Dauerbeschäftigung. Die „Einstiegsdroge“ für Bulimie ist nicht selten eine Schlankheitsdiät. 28 Prozent der fünfzehnjährigen Mädchen halten österreichweit Diät (Burschen: 14 %). SPORTLICHE AKTIVITÄTEN Was sportliche Aktivitäten betrifft, so entsprechen die VorarlbergerInnen etwa dem Österreichdurchschnitt. Die Frage, ob sie in ihrer Freizeit mindestens einmal pro Woche durch körperliche Betätigung wie Radfahren, Laufen oder Aerobic ins Schwitzen kommen, antworteten die Frauen in Vorarlberg zu 50 Prozent mit Ja (Österreich: 49 %) und die Männer zu 59 Prozent (Österreich: 60 %). Frauen sind demnach sportlich weniger aktiv als Männer, vor allem Frauen zwischen 15 und 29 Jahren. Unter anderem ist körperliche Betätigung auch vom Bildungsstand abhängig. Frauen mit höherem Bildungsabschluss sind nachweislich aktiver.
GESUNDHEITSRISIKEN AM ARBEITSPLATZ Erwerbstätigkeit ist häufig mit körperlichen oder psychischen Belastungen verbunden. Etwa 60 Prozent der Erwerbstätigen sind davon betroffen, Männer deutlich häufiger (67 %) als Frauen (51 %).
161
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich körperlicher Belastung am Arbeitsplatz sind vor allem darauf zurückzuführen, dass viel mehr Männer als Frauen in Industrie und Gewerbe beschäftigt sind und unter körperlich belastenderen Bedingungen arbeiten (Kontakt mit Chemikalien, Staub, Rauch, Lärm, Hitze/Kälte) und auch körperlich anstrengendere Arbeiten verrichten (Hantieren und Heben von schweren Lasten). Während von den ArbeitnehmerInnen ohne Migrationshintergrund insgesamt etwa 40 Prozent ihre gesundheitliche Verfassung als sehr gut einstufen, sind es bei den Migrantinnen und Migranten nur 28 Prozent. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich psychischer Belastungen am Arbeitsplatz sind
dadurch
erklärbar,
dass
hochqualifizierte
und
leitende
Tätigkeiten,
die
von
Überbeanspruchung und Zeitdruck begleitet sind, Männer häufiger ausüben. Rund 70 Prozent der BezieherInnen von Berufsunfähigkeitspensionen sind Männer. (Wobei die Berufsunfähigkeit nicht auf Belastungen in der Arbeitswelt zurückzuführen sein muss.)
VORSORGEUNTERSUCHUNGEN Vorarlberg hatte und hat, was Vorsorgeuntersuchungen anlangt, so etwas wie eine Vorreiterrolle in Österreich. Bis Ende der achtziger Jahre war Vorarlberg das Bundesland, in dem – mit Abstand – die meisten Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt wurden, und zwar nicht in Relation zur Einwohnerzahl, sondern absolut. Mehr als ein Viertel aller 1987 in Österreich vorgenommenen Vorsorgeuntersuchungen wurden in Vorarlberg durchgeführt! Inzwischen haben andere Bundesländer zum Teil nachgezogen. Traditionell waren Vorsorgeuntersuchungen in Vorarlberg mehr als in den anderen Bundesländern Frauensache. Inzwischen ist es gelungen, den Anteil der Männer an den Vorsorgeuntersuchungen in Vorarlberg deutlich zu erhöhen. Tabelle 82: Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen 2001 und 2011 Region
Vorarlberg Österreich
2001 Frauen 22.914 378.832
Männer 17.786 330.518
2011 Frauen 26.773 480.058
Männer 22.539 412.305
Veränderungen 2001 bis 2011 in % Frauen Männer +16,8 +26,7 +26,7 +24,6
Frauenanteil in % 2001 56,3 53,4
2011 54,3 53,8
Quelle: Statistik Austria - Jahrbuch der Gesundheitsstatistik 2011
Die
Österreichische
Gesundheitsbefragung
von
Statistik
Austria1
kommt
bezüglich
Krebsvorsorge zu folgendem Ergebnis: 71 Prozent der Vorarlbergerinnen ab 40 haben in den 1
Klimont/Ihle, 890f.
162
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
letzten drei Jahren vor der Befragung eine Mammographie durchführen lassen. Damit liegt Vorarlberg etwas über dem Österreichdurchschnitt (69 %). Überdurchschnittlich viele Männer ab 40 (nämlich 52 %) unterzogen sich in Vorarlberg während dieser drei Jahre einer Vorsorgeuntersuchung bezüglich Prostata-Krebs (Österreich: 49 %). Einen Krebsabstrich zur Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses ließen in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung allerdings nur 54 Prozent der Vorarlbergerinnen machen (Österreich: 65 %). Einer Darmspiegelung unterzogen sich in den letzten drei Jahren in Vorarlberg nur 14 Prozent der Frauen ab 40 Jahren (Österreich: 20 %) und 16 Prozent der Männer (Österreich: 20 %). Damit war Vorarlberg das Bundesland, in dem in Relation zur Bevölkerungszahl Darmspiegelungen am seltensten vorgenommen wurden.
KRANKENSTÄNDE Die Zahl der Krankenstandsfälle, die in Österreich seit den 1990-er Jahren kontinuierlich zurückging, stieg seit Mitte der 2000-er Jahre wieder an. 1995 entfielen auf 1.000 Arbeiter und Angestellte österreichweit 1.130 Krankenstandsfälle; 2.005 waren es nur 1.050. Bis zum Jahr 2011 stieg die Zahl auf 1.240 an. Die Durchschnittsdauer eines Krankenstandsfalls geht seit 25 Jahren kontinuierlich zurück. 2012 betrug sie 10,6 Tage bei männlichen Erwerbstätigen, 10,5 Tage bei weiblichen. Die häufigsten Ursachen von Krankenständen sind sowohl bei Frauen als auch bei Männern Erkrankungen der oberen Luftwege sowie Krankheiten des Skeletts, der Muskeln und des Bindegewebes. An dritter Stelle stehen Darminfektionen. Bei Frauen sind mehr als doppelt so häufig Probleme mit dem Kreislauf und Erkrankungen der Harnorgane die Ursache für einen Krankenstand. Männer hingegen gehen mehr als dreimal so oft infolge von (Arbeits-)Unfällen in Krankenstand.
SPITALSAUFENTHALTE Insgesamt werden mehr Frauen als Männer in Krankenanstalten stationär behandelt. Eine Differenzierung nach dem Alter zeigt jedoch, dass dieser Umstand praktisch ausschließlich auf Spitalsaufenthalte wegen Entbindung oder Schwangerschaftskomplikationen zurückgeht. Denn nur zwischen dem 15. und 50. Lebensjahr ist die Zahl der Spitalspatientinnen höher als die der Patienten. Frauen aber sind durchschnittlich kürzer im Spital als gleichaltrige Männer. Die durchschnittliche Dauer eines Spitalsaufenthaltes wurde im Lauf der letzten Jahre drastisch gesenkt. Sie betrug im Jahr 2011 durchschnittlich 6,6 Tage (2000: 8,9), unabhängig vom Geschlecht. Das heißt, geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Aufenthaltsdauer existieren 163
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
kaum noch. Dass Frauen in der Vergangenheit im Durchschnitt um einiges länger in stationärer Behandlung waren, wurde mit ihrer höheren Lebenserwartung erklärt bzw. mit der Tatsache, dass Hochbetagte, und unter diesen sind Frauen überrepräsentiert, deutlich länger stationär behandelt werden.
DIE HÄUFIGSTEN KREBSERKRANKUNGEN Österreich führt entsprechend den Klassifikationen der Weltgesundheitsorganisation seit Jahren eine Statistik der Krebsneuerkrankungen. Dieser Statistik zufolge erkrankten 2011 rund 37.000 Menschen an Krebs. Die Zahl der Krebsneuerkrankungen in Vorarlberg betrug 1.481, 58 Prozent davon betrafen Männer. Bei den Krebsneuerkrankungen von Männern steht in Vorarlberg Prostatakrebs infolge der gezielten Intensivierung einschlägiger Vorsorgeuntersuchungen mit einem Anteil von 29 Prozent der Krebsneuerkrankungen an erster Stelle (Österreich: 24 %), an zweiter Stelle folgt bei Männern in Vorarlberg Krebs der Verdauungsorgane mit 23 Prozent (Österreich: 27 %). An dritter Stelle der Krebsneuerkrankungen steht bei Männern sowohl in Vorarlberg als auch bundesweit Krebs der Atmungsorgane mit 14 Prozent (Österreich: 15 %). Bei den Frauen war bei den Krebsneuerkrankungen 2011 in Vorarlberg ebenso wie österreichweit die häufigste Diagnose Brustkrebs mit 30 Prozent der Neuerkrankungen, gefolgt von Krebs der Verdauungsorgane mit 23 Prozent der Neuerkrankungen in Vorarlberg (Österreich: 22 %) und Krebs der weiblichen Genitalorgane mit 12 Prozent der Neuerkrankungen sowohl in Vorarlberg als im gesamten Bundesgebiet. An vierter Stelle der Krebsneuerkrankungen steht bei Frauen Krebs der Atmungsorgane mit 8 Prozent der Neuerkrankungen in Vorarlberg (Österreich: 9 %). Während bei Männern der Anteil der Erkrankungen an Lungenkrebs in den letzten Jahrzehnten österreichweit zurückgeht, nimmt er bei Frauen eher zu. Diese Entwicklung verläuft parallel dazu, dass die Zahl der Raucher abnimmt, die der Raucherinnen jedoch steigt.
GESCHLECHTSSPEZIFISCHE TODESURSACHEN Die Haupttodesursache sowohl für Frauen als auch für Männer sind Herz-KreislaufErkrankungen. Das gilt für das gesamte Bundesgebiet ebenso wie für Vorarlberg. Im Jahr 2012 starben in Österreich 48 Prozent der insgesamt verstorbenen Frauen und 37 Prozent der verstorbenen Männer an Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Von den 2.750 im Jahr 2012 verstorbenen Personen in Vorarlberg starben 1.077 (39 %) an einer Krankheit des HerzKreislaufsystems (1997: 51,5 %). Von den verstorbenen Frauen waren dies 44 Prozent, von den Männern 35 Prozent. Frauen sterben zwar häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, allerdings – verglichen mit Männern - erst in höherem Alter. 164
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
Die zweithäufigste Todesursache bilden sowohl bei Frauen als auch bei Männern bösartige Neubildungen (Krebserkrankungen). Österreichweit starben im Jahr 2012 23 Prozent der verstorbenen Frauen und 29 Prozent der verstorbenen Männer an Krebserkrankungen. Von den im Jahr 2012 in Vorarlberg gestorbenen Frauen starben 26 Prozent an einer Krebserkrankung, von den Männern 29 Prozent. Österreichweit ebenso wie in Vorarlberg stehen an dritter Stelle der Todesursachen für Frauen Krankheiten der Atmungsorgane. An ihnen starben im Jahr 2012 3,9 Prozent der verstorbenen Frauen in Vorarlberg (Österreich: 4,5 Prozent). Für Männer sind hingegen österreichweit ebenso wie in Vorarlberg „Verletzungen und Vergiftungen“ die dritthäufigste Todesursache, eine Kategorie, zu der Unfälle, aber auch Selbstmorde zählen. An ihnen starben 2012 in Vorarlberg 7,6 Prozent der Männer, aber nur 3,8 Prozent der Frauen. Wobei etwas mehr Männer als Frauen an Unfällen sterben. Einen ganz deutlichen geschlechtsspezifischen Unterschied aber gibt es bei den Personen, die Selbstmord begehen. Hier ist die Zahl der Frauen um vieles geringer als die der Männer. 2012 wurden 34 der insgesamt 42 Selbstmorde in Vorarlberg von Männern verübt. Die Häufigkeit von Todesursachen ist allerdings eine andere, berücksichtigt man zusätzlich zum Geschlecht auch das Alter der Verstorbenen. Im ersten Lebensjahr sterben gewöhnlich mehr männliche als weibliche Säuglinge. (2012: 129 männliche und 123 weibliche Säuglinge) zumeist aufgrund von Komplikationen vor, während oder nach der Geburt. 41 männliche und 37 weibliche Säuglinge starben aufgrund angeborener Fehlbildungen. Die Zahl der Todesfälle im Alter zwischen 10 und 19 Jahren ist bei Burschen deutlich höher als bei Mädchen (140 versus 65). Die häufigste Todesursache sind Unfälle. Nicht zuletzt infolge risikoreicheren Verhaltens. Auch die Überdosierung von Drogen ist eine Todesursache von der deutlich mehr Männer, und zwar jüngere Männer, betroffen sind. Das mittlere Alter der Personen, die an einer Überdosierung an Drogen sterben, ist 30 Jahre. Insgesamt sind bei Männern zwischen dem 1. und 40. Lebensjahr die häufigsten Todesursachen Unfälle und Selbstmord, für Frauen gilt dies nur im Alter zwischen 10 und 29 Jahren. Für Frauen zwischen 30 und 70 Jahren ist hingegen Krebs die häufigste Todesursache. Für Männer gilt dies erst ab dem 40. Lebensjahr.
FRAUEN UND MÄNNER IN MEDIZINISCHEN BERUFEN Das Gesundheitswesen ist traditionell eine Frauendomäne. Nach Fachrichtungen und Hierarchieebenen gibt es jedoch deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Speziell in Entscheidungspositionen sind Frauen unterrepräsentiert (siehe dazu auch den Abschnitt „Landeskrankenanstalten“ im „Exkurs: Frauen und Männer im Landesdienst“). 165
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
GEHOBENE DIENSTE FÜR GESUNDHEITS- UND KRANKENPFLEGE Im gehobenen Gesundheits- und Krankenpflegedienst arbeiten in den Vorarlberger Spitälern ebenso wie österreichweit vorwiegend Frauen. Der Frauenanteil liegt in Vorarlberg jedoch etwas unter dem Österreichdurchschnitt. Insgesamt und in fast allen Teilbereichen. Insgesamt betrug der Frauenanteil am diplomierten Pflegepersonal in Vorarlberg mit Jahresende 2012 80 Prozent (Österreich: 86 Prozent). Die Kinder- und Jugendlichenpflege ist fast ausschließlich Frauensache. Der Frauenanteil beträgt in Vorarlberg 94 Prozent (Österreich: 98 %). In der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege beträgt der Frauenanteil in Vorarlberg 82 Prozent (Österreich: 86 %), in der Psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflege hat sich der Anteil der Frauen zwischen 2005 und 2012 in Vorarlberg von 49 auf 57 Prozent erhöht (Österreich: 66 %). Im kardiotechnischen Dienst waren in Vorarlberg zu Jahresende 2012 keine Frauen tätig (Frauenanteil in Österreich: 28 %). MEDIZINISCH-TECHNISCHER DIENST 1 Der Anteil der Frauen innerhalb des gesamten Medizinisch-Technischen Dienstes beträgt in Vorarlberg
seit
Jahren
Ernährungsmedizinischen
unverändert
77 Prozent
Beratungsdienst,
im
(Österreich:
84 %).
Ergotherapeutischen
Im
Dienst
Diätsowie
und im
Orthoptischen Dienst sind an den Vorarlberger Krankenanstalten ausschließlich Frauen beschäftigt. SANITÄTSHILFSDIENST UND PFLEGEHILFE Insgesamt beträgt der Frauenanteil in diesem Bereich in den Krankenanstalten Vorarlbergs 60 Prozent (Österreich: 66 %). Von den PflegehelferInnen an Vorarlbergs Krankenanstalten waren Ende 2012 70 Prozent Frauen (Österreich: 78 %). In der Minderheit sind Frauen innerhalb dieses Bereichs nur bei den OperationsgehilfInnen. Bei diesen beträgt der Frauenanteil in Vorarlberg lediglich 9 Prozent (Österreich: 27 %). Unter den ProsekturgehilfInnen findet sich in Vorarlberg überhaupt keine Frau (Österreich: 4 % ). HEBAMMEN Auf 100.000 EinwohnerInnen kommen in Vorarlberg 26 Hebammen (Österreich: 23). Von den 96 Hebammen Vorarlbergs sind 21 ausschließlich in freier Praxis tätig, 33 nur in Krankenanstalten und 42 sowohl in freier Praxis als auch in Krankenanstalten.
1
Dazu gehören: Gehobener medizinisch-technischer Dienst, medizinisch-technischer Fachdienst und MasseurInnen.
166
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
ÄRZTE UND ÄRZTINNEN Von den 1.387 ÄrztInnen1 Vorarlbergs sind 519 Frauen. Der Frauenanteil an den ÄrztInnen ist in Vorarlberg in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Frauenanteil an den Ärztinnen in Vorarlberg:
1999: 25 Prozent
2003: 29 Prozent
2006: 32 Prozent
2010: 36 Prozent
2013: 37 Prozent
Allerdings ist der Frauenanteil an den ÄrztInnen in Vorarlberg der niedrigste von allen österreichischen Bundesländern. Im Österreichdurchschnitt beträgt der Frauenanteil an den ÄrztInnen 46 Prozent. Innerhalb der FachärztInnen stieg der Frauenanteil in Vorarlberg im Zeitraum 1999 bis 2013 von 17 auf 29 Prozent (Österreich: 35 %), innerhalb der AllgemeinmedizinerInnen von 28 auf 44 Prozent (Österreich: 55 %). Vorarlberg ist derzeit das Bundesland mit der geringsten Ärztedichte. Im Jänner 2012 entfielen in Vorarlberg 361 berufsausübende ÄrztInnen auf 100.000 EinwohnerInnen (Österreich: 481). Zurückzuführen ist dies ausschließlich auf die relativ geringe Zahl an AllgemeinmedizinerInnen. Während im Österreichdurchschnitt 159 AllgemeinmedizinerInnen auf 100.000 EinwohnerInnen kommen, sind es in Vorarlberg nur 108. (2005 waren es allerdings nur 96 gewesen.) Was die Versorgung mit FachärztInnen betrifft, liegt Vorarlberg an drittletzter Stelle hinter den Bundesländern Burgenland und Niederösterreich. Was die Versorgung mit TurnusärztInnen, also ÄrztInnen in Ausbildung anlangt, liegt Vorarlberg mit 68 pro 100.000 EinwohnerInnen an fünfter Stelle (Österreich: 82). 53 Prozent der ÄrztInnen in Vorarlberg arbeiten ausschließlich als Angestellte. Allerdings gibt es diesbezüglich enorme geschlechtsspezifische Unterschiede: Von den Ärztinnen arbeiten 69 Prozent ausschließlich als Angestellte, von den Ärzten nur 44 Prozent. Von den „ausschließlich angestellten“ ÄrztInnen sind in Vorarlberg 48 Prozent Frauen (Österreich: 56 %). Während der Frauenanteil an den „ausschließlich angestellten“ ÄrztInnen überdurchschnittlich hoch ist, ist er an den ÄrztInnen mit Ordination deutlich niedriger und steigt auch nur langsam an (konkret: um vier Prozentpunkte in den letzten sieben Jahren). An den ÄrztInnen mit Ordination beträgt der Frauenanteil in Vorarlberg derzeit 23 Prozent (Österreich: 1 Ohne ZahnärztInnen. Die folgenden Angaben basieren alle auf Statistiken der Österreichischen Ärztekammer (Stand: 1. August 2013). Da die ZahnärztInnen seit 2006 eine eigene Kammer haben, sind sie in dieser Statistik nicht berücksichtigt.
167
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
33 %). Während von den Ärztinnen nur 26 Prozent eine Ordination haben, arbeitet von den Ärzten mehr als die Hälfte (53 %) in einer eigenen Praxis. Unter den AllgemeinmedizinerInnen mit Ordination sind in Vorarlberg 73 Prozent Männer. Unter den FachärztInnen mit Ordination haben die Männer einen Anteil von 80 Prozent. Der Aufstieg in der beruflichen Hierarchie bzw. in Entscheidungspositionen erweist sich für Frauen offenbar als schwierig. Unter den 39 PrimarärztInnen der zur Krankenhausbetriebsgesellschaft gehörenden Spitäler gibt es eine einzige Frau, das entspricht einem Frauenanteil von 2,5 Prozent. Auch wenn der Frauenanteil an den ÄrztInnen Vorarlbergs deutlich unter dem Österreichdurchschnitt liegt, so wird er – zumindest vorerst - weiter ansteigen. Denn von den TurnusärztInnen sind seit Jahren mehr als die Hälfte (derzeit: 53 %, 2010 waren es noch 56 %) Frauen. Österreichweit ist der Anteil der Frauen an den TurnusärztInnen noch höher: Im Bundesdurchschnitt sind 61 Prozent der TurnusärztInnen Frauen (2010 waren es 62 %). Die Zugangsbeschränkungen (Aufnahmetests) an den Medizin-Unis allerdings gehen offenbar zu Lasten der Frauen. Auf die einzelnen Fachrichtungen sind Frauen und Männer sehr unterschiedlich verteilt (Tab. 83). Die Fachrichtungen, in denen Frauen zahlenmäßig am stärksten vertreten sind:
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Anästhesiologie und Intensivmedizin
Innere Medizin
Kinder- und Jugendheilkunde
Die Fachrichtungen mit dem höchsten Frauenanteil sind Mikrobiologisch-serologische Labordiagnostik, ein Fach, in dem es allerdings in ganz Vorarlberg nur eine einzige Ärztin gibt, gefolgt von Kinder- und Jugendpsychiatrie (Frauenanteil: 75 %), Psychiatrie (63 %) und Arbeitsmedizin (60 %). Die Fachrichtungen mit dem höchsten Männeranteil (100 %) sind Orthopädie und orthopädische Chirurgie, eine Fachrichtung, in der in Vorarlberg ausschließlich Männer tätig sind, und Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin, eine Fachrichtung, in der es in ganz Vorarlberg nur einen einzigen Arzt gibt. Gefolgt werden diese Fachrichtungen von Unfallchirurgie und Urologie (Männeranteil jeweils 95,5 %).
168
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
ZAHNÄRZTE UND ZAHNÄRZTINNEN Von den 189 ZahnärztInnen in Vorarlberg sind 52 (27,5 %) Frauen. Ähnlich wie bei den ÄrztInnen gibt es auch bei den ZahnärztInnen deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich beruflicher Stellung. Von den Zahnärztinnen arbeitet mehr als ein Drittel (35 %) ausschließlich als Angestellte, die restlichen 65 Prozent arbeiten als Selbständige in ihrer Ordination. Von den Zahnärzten hingegen sind nur sechs Prozent ausschließlich als Angestellte tätig, die allermeisten (91 %) arbeiten in der eigenen Ordination und vier Prozent haben sowohl eine Anstellung als eine Ordination. Tabelle 83: FachärztInnen in Vorarlberg nach Fachrichtung und Geschlecht 2013 Fachrichtung
Anästhesiologie und Intensivmedizin Arbeitsmedizin Augenheilkunde und Optometrie Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin Chirurgie Frauenheilkunde und Geburtshilfe Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten Haut- und Geschlechtskrankheiten Innere Medizin Kinder- und Jugendheilkunde Kinder- und Jugendpsychiatrie Lungenkrankheiten Medizinische RadiologieDiagnostik Med. und chem. Labordiagnostik Mikrobiolog.-serolog. Labordiagnostik Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Neurochirurgie Neurologie
Gesamt- davon davon Männeranteil Frauenanteil zahl Männer Frauen in % in %
82
52
32
61,4
38,6
Zum Vergleich: Frauenanteil in % 1999 37,3
5 29
2 21
3 8
40,0 72,4
60,0 27,6
25,0 19,0
1
1
0
100
0
-
50 74
40 40
10 34
80,0 54,1
20,0 45,9
6,7 20,5
24
21
3
87,5
12,5
0
20
9
11
45,0
55,0
11,1
135 51
105 33
30 18
77,8 64,7
22,2 35,3
8,1 26,5
4
1
3
25,0
75,0
11 25
5 20
6 5
45,5 80,0
54,5 20,0
20,0 0
5
4
1
80,0
20,0
0
1
0
1
0
100,0
100,0
5
4
1
80,0
20,0
-
6 12
3 8
3 4
50,0 66,7
50,0 33,3
0 0
169
GESUNDHEIT/ KRANKHEIT
Neurologie und Psychiatrie Nuklearmedizin Orthopädie und orthopädische Chirurgie Pathologie Physikalische Medizin Plastische, Ästhetische und Rekonstruktionschirurgie Psychiatrie Psychiatrie und Neurologie Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin Radiologie StrahlentherapieRadioonkologie Unfallchirurgie Urologie Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
9
6
3
66,7
33,3
28,6
5 28
4 28
1 0
80,0 100,0
20,0 0
33,3 0
10 4 7
6 2 5
4 2 2
60,0 50,0 71,4
40,0 50,0 28,6
50,0 0 0
19 36
7 27
12 9
36,8 75,0
63,2 25,0
100,0 24,4
4
2
2
50.0
50,0
11 4
10 3
1 1
90,9 75,0
9,1 25,0
5,0 50,0
44 22 189
42 21 137
2 1 52
95,5 95,5 72,5
4,5 4,5 27,5
3,6 7,1 19,8
Stand: August 2013, zum Vergleich: Dezember 1999 Quelle: Österreichische Ärztekammer und Österreichische Zahnärztekammer; eigene Berechnungen.
170
EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE
EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE ANMERKUNGEN ZU KRIMINALITÄT UND GESCHLECHT Die Kriminalstatistik macht deutliche geschlechtsspezifische Ungleichheiten sichtbar: Der Anteil der Männer, die straffällig werden, ist etwas mehr als sechsmal so hoch wie jener der Frauen. Die Rate der WiederholungstäterInnen ist bei Männern deutlich höher als bei Frauen. Insgesamt geht die Zahl der rechtskräftigen Verurteilungen durch österreichische Strafgerichte kontinuierlich zurück. In den letzten zwanzig Jahren sank sie von 74.419 im Jahr 1992 auf 36.461 im Jahr 2011. Die Fälle vorsätzlicher Tötung erhöhen sich allerdings seit dem Jahr 2009. Von den rechtskräftig verurteilten Personen des Jahres 2011 waren 5.426 Frauen. Das entspricht einem Anteil von knapp 15 Prozent. 2011 entfielen in Österreich auf 1.000 strafmündige Personen 5,01 Verurteilungen, das ist der niedrigste Wert seit Bestehen der Statistik (1947). Auf 1.000 Männer entfielen 8,81 Verurteilungen und auf 1.000 Frauen 1,44. Im Bereich des Oberlandesgerichtes für Tirol und Vorarlberg entfielen etwas mehr Verurteilungen auf strafmündige Personen insgesamt, nämlich 5,8; dies ist zum Teil auf die hohen Aufklärungsquoten im Oberlandesgerichtssprengel Innsbruck zurückzuführen. Der Frauenanteil entspricht dem Österreichdurchschnitt.
GEWALT IM SPEZIELLEN Bei den Verurteilungen von Gewaltdelikten ist der Frauenanteil noch um einiges geringer (Tab. 84 und 85) als bei kriminellen Delikten im Allgemeinen. Im Jahr 2012 betrug der Anteil der Männer an den verurteilten „Strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben“ im Oberlandesgerichtssprengel Innsbruck, der für Tirol und Vorarlberg zuständig ist, 91 Prozent, ebenso bei den „Strafbaren Handlungen gegen die Freiheit“. Bei den „Strafbaren Handlungen gegen sexuelle Integrität und Selbstbestimmung“ betrug der Anteil der Männer sogar 97 Prozent (Österreich: 91 %, 92 % und 98 %). Auch der strafrechtlich relevante Umgang mit Waffen ist ein männliches Phänomen. Bei Vergehen gegen das Waffengesetz waren die Straffälligen zu 98 Prozent Männer.
171
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Tabelle 84: Verurteilte Gewaltdelikte nach Geschlecht, Österreich 2012 Strafbare Handlungen (Auswahl)
Delikte insgesamt
TäterInnen davon Frauen
davon Männer
Frauenanteil
Männeranteil
in %
in %
10.569
964
9.606
9
91
57
4
53
7
93
Fahrlässige Tötung
200
25
175
13
87
Körperverletzung
5.924
512
5.412
9
91
Schwere Körperverletzung
1.577
113
1.464
7
93
5
-
5
0
100
1792
232
1.560
13
87
287
9
278
3
97
4.118
312
3.806
8
92
1.543
133
1.410
9
91
2.015
124
1.891
6
94
Beharrliche Verfolgung
237
36
201
15
85
Fortgesetzte Gewaltausübung Hausfriedensbruch
104
5
99
5
95
156
28
128
18
82
Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung Vergewaltigung
1.184
24
1.160
2
98
102
-
102
0
100
Geschlechtliche Nötigung
61
-
61
0
100
Sexueller Missbrauch einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigen Person Schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen
24
-
24
0
100
225
3
222
1
99
Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben Mord
Körperverletzung mit Tödlichem Ausgang Fahrlässige Körperverletzung Raufhandel Strafbare Handlungen gegen die Freiheit Nötigung, Schwere Nötigung Gefährliche Drohung
Quelle: Statistik Austria – Gerichtliche Kriminalstatistik 2013
172
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Tabelle 85 :Verurteilte Gewaltdelikte nach Geschlecht, Oberlandesgerichtssprengel Innsbruck*) 2012 Strafbare Handlungen (Auswahl)
Delikte insgesamt
TäterInnen davon Frauen
davon Männer
Frauenanteil
Männeranteil
in %
in %
1.797
153
1.644
9
91
12
1
11
8
92
Fahrlässige Tötung
15
-
15
0
100
Körperverletzung
1.022
87
935
9
91
271
15
256
6
94
2
-
2
0
100
293
35
258
12
88
90
10
80
11
89
654
60
595
9
91
236
22
214
9
91
331
28
303
8
92
Beharrliche Verfolgung
34
8
26
24
76
Fortgesetzte Gewaltausübung Hausfriedensbruch
15
-
15
0
100
21
1
20
5
95
Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung Vergewaltigung
145
5
140
3
97
17
-
17
0
100
Geschlechtliche Nötigung
7
-
7
0
100
Sexueller Missbrauch einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Person Schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen
4
-
4
0
100
9
-
9
0
100
Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben Mord
Schwere Körperverletzung Körperverletzung mit tödlichem Ausgang Fahrlässige Körperverletzung Raufhandel Strafbare Handlungen gegen die Freiheit Nötigung, Schwere Nötigung Gefährliche Drohung
*) Zuständig für Tirol und Vorarlberg. Quelle: Statistik Austria – Gerichtliche Kriminalstatistik 2012
173
EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE
Dass Frauen von Natur aus friedfertig seien und Männer gewalttätig, ist, so namhafte PsychologInnen, SoziologInnen und PsychoanalytikerInnen, ein Mythos. Aggressive Potentiale sind ohne Zweifel beiden Geschlechtern angeboren. Sie gehören zur Grundausstattung des Menschen und führen nicht notwendigerweise zu destruktivem Verhalten, sondern haben auch eine Überlebensfunktion. Frauen und Männer unterscheiden sich allerdings zumeist in der Art, wie sie ihre Aggressionen verarbeiten oder aber äußern. Diesbezüglich gibt es große Differenzen, die sich, so die ExpertInnen, aus den unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen erklären lassen bzw. durch die auf der traditionellen Arbeitsteilung basierenden Rollenverteilung. „Offensichtlich sind seit Jahrhunderten bewusste und unbewusste Methoden gesellschaftlicher Arbeitsteilung am Werk: eine Trennung der gesellschaftlichen Praxis in männliche Durchsetzungsund Eroberungsmentalität mit all den bekannten, heute allerdings ins Extrem getriebenen zerstörerischen Konsequenzen auf der einen Seite und der bewahrenden, sich aufopfernden, dienenden Mentalität auf der anderen Seite, mit den ebenfalls nicht zu übersehenden Konsequenzen für innere und äußere Lebensführung.“1 Männern wird von Kindheit an weit eher zugestanden, Frustrationen und Aggressionen auch in Form von Gewalt auszuleben. Ihre Einstellung zu Gewalt ist daher weniger distanziert als jene der Frauen. Tatsächlich sind, und das wird eher selten thematisiert, nicht nur die Mehrzahl der gewalttätigen Personen Männer. Auch die Mehrzahl der Opfer von Männergewalt sind nicht Frauen, sondern Männer (Tab. 86). Unter Männern ist es ganz offensichtlich üblicher, Konflikte mittels (körperlicher) Gewalt zu lösen zu versuchen. 69 Prozent der Opfer von „Strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben“ waren im Jahr 2012 in Vorarlberg Männer. Bei den „Strafbaren Handlungen gegen die Freiheit“ sind die Opfer zu beinahe gleichen Teilen Frauen und Männer. Bei den „Strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung“ sind allerdings die große Mehrheit der Opfer Frauen (86 %). Letzteres korreliert auch mit der für eine Männergesellschaft typische Verdinglichung von Frauen als Sexualobjekte. Männer besitzen auch den Großteil der vorhandenen Schusswaffen. 87 Prozent der zwischen 1. Oktober 2012 und 1. Oktober 2013 im Zentralen Waffenregister registrierten Personen sind Männer und 89 % der in diesem Zeitraum ausgestellten Waffenbesitzkarten betreffen Männer.
1
Mitscherlich 181f.
174
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Tabelle 86: Gewaltopfer nach Geschlecht, 2012
Vorarlberg
Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben Strafbare Handlungen gegen die Freiheit Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung Österreich Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben Strafbare Handlungen gegen die Freiheit Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung
Gesamtzahl
davon Frauen
Opfer davon Männer
2.208
677
1.531
31
69
1.366
696
670
51
49
133
114
19
86
14
44.205
14.563
29.642
33
67
21.703
11.975
9.728
55
45
2.248
1.967
281
88
12
Frauenantei l in %
Männerant eil in %
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik Österreichs 2012
Tatsächlich werden Buben – im krassen Unterschied zu Mädchen, denen die Opferrolle durchaus zugestanden wird – von klein auf dazu angehalten, ihre Kräfte zu messen, sich selbst zu behaupten, zur Wehr setzen, und zwar durchaus auch körperlich.1 Die im Rahmen einer Studie2 gestellte Frage, ob sich jeder Konflikt auch ohne Gewalt lösen ließe, beantworteten insgesamt sehr viele, aber deutlich weniger Burschen (88 Prozent) als Mädchen (97 %) mit Ja. Mediale Männlichkeitsbilder tragen das Ihre dazu bei, Männer, die sich mit Brachialgewalt durchsetzen, zu Helden zu stilisieren. „Gewalt wird so zu einer Ressource männlichen Dominanzverhaltens. Solange sich Männlichkeit in einer Gesellschaft über männliche Dominanz konstituiert, wird es immer eine Gruppe von Männern geben, die Gewalt gegen Frauen, Kinder und andere Männer ausüben.“ 3 Das Dominanzverhalten und die stärkere Gewaltbereitschaft von Männern ebenso wie die „Friedfertigkeit“ der Frau gelten heute als anerzogen – im Interesse der Aufrechterhaltung einer patriarchalen Gesellschaft und der Sicherung einer sozialen Scheinharmonie. „Das an Frauen gerichtete Postulat des Nicht-Verletzens dient erstrangig dem Schutz des Mannes vor dem
1
Ein einziges aktuelles Beispiel für die Herstellung von Weiblichkeit und Männlichkeit: Das Pendant zum OnlineShop „Prinzessin Lillifee“sind „Die Wilden Kerle“. 2 ÖIJ, 4ff. 3 Lehner o.J., 94.
175
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Zugriff, der Kritik, der Infragestellung, der Negation durch die Frau. Es dient weiterhin dem eigenen Schutz der Frau, insofern sie Grund hat zu befürchten, dass das Übertreten oder Ignorieren dieses Gebots ihr Sympathieverlust, Ablehnung oder lebensgefährliche Gewalt einbringen würde und ihr die materielle Existenzsicherung entziehen könnte (...) So sind alle die schönen Eigenschaften wie Mitgefühl, Verstehen, Zuwendung, Geduld nicht nur einfach schön. Sie sind immer auch ein Mittel, um in der abhängigen Position zu überleben, um sich die Akzeptanz und die Zuneigung der Männer zu sichern, um ihre Wertschätzung zu gewinnen, (...) um sich das Heimatrecht in einer Männergesellschaft zu sichern.“1 GEWALT IN DER FAMILIE UND IM NAHEN SOZIALEN UMFELD Gewaltanwendung ist zumeist Ausdruck eines Machtgefälles. Verfügbar zu sein (oder „zu parieren“) haben vor allem sozial und ökonomisch Schwächere. Fügen sie sich nicht, so haben sie dies gemäß der Logik hierarchisch geordneter Systeme zu büßen. Nicht nur zwischen Frauen und Männern gibt es in unserer Gesellschaft ein reales Machtgefälle. Gegenüber Kindern finden sich auch Mütter und nicht nur Väter in einer dominanten Position. Seit dem Jahr 1989 ist im Gesetz verankert (ABGB § 146a), dass Gewalt in der Erziehung nichts verloren hat: „...die Anwendung von Gewalt und die Zufügung körperlichen oder seelischen Leides sind unzulässig.“ In der Folge, so zeigen Studien2, verringerte sich die Zahl der Eltern, die in der Kinderziehung körperliche Gewalt anwenden, deutlich. Der Vergangenheit aber gehört die Gewaltanwendung in der Kindererziehung keineswegs an. Das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern beruht zum Teil noch immer auf dem undemokratischen Prinzip der Über- und Unterordnung, des Befehlens und Gehorchens. Die erwähnten Studien zeigen auch, dass es bei Eltern zwischen Müttern und Vätern keine nennenswerten Unterschiede hinsichtlich körperlicher Bestrafung und psychischen Sanktionen von Kindern (z.B. Beschimpfen, längere Zeit nicht mit dem Kind sprechen) gibt.3 Aus der Sicht der Kinder4 im Alter zwischen 12 und 18 Jahren allerdings sind schlagende Väter brutaler und gewalttätiger. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Gewalt, die Eltern gegenüber ihren Kindern ausüben, von einem beträchtlichen Teil der Eltern nicht als solche empfunden wird. Die StudienautorInnen kommen jedenfalls zu dem Schluss, dass die nachwachsende Generation die meisten Gewalterfahrungen durch ihre eigenen Eltern macht.5
1
Thürmer-Rohr, 119f. BMWFJ 2009 und ÖIF 2011.. 3 BMWFJ 2009, 43 und IFES, 323 f. 4 Die Befragung beschränkte sich aus Gründen der Vergleichbarkeit auf Kinder und Jugendliche ohne Migrationshintergrund. 5 BMWFJ 2009, 61. 2
176
EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE
Die Diskussionen über das Thema Gewalt konzentrierten sich in den letzten Jahrzehnten vor allem auf die Gewalt von Männern gegenüber Frauen innerhalb der Familie und in Beziehungen; das war und ist notwendig, da dieser Bereich von Gewalt bis dahin tabuisiert war. Es diente auch der Klarstellung, dass die Institution Familie – entgegen manch verklärenden Darstellungen – ihren Mitgliedern, vor allem Frauen und Kindern, keineswegs immer Schutz und Geborgenheit garantiert. Kriminologen und Viktimologen bezeichnen den „sozialen Nahraum“, also den familiären Bereich, sogar als den gefährlichsten Opferraum. Tatsächlich ist das Risiko, einem Verbrechen zum Opfer zu fallen, innerhalb der eigenen Familie hoch. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik bestand 2012 in Vorarlberg bei 22 Prozent der angezeigten „Strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben“ eine familiäre Beziehung (mit oder ohne Hausgemeinschaft) zwischen Tatverdächtigen und Opfer. Das Gleiche gilt für 31 Prozent der „Strafbaren Handlungen gegen die Freiheit“ und bei 32 Prozent der „Strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung“ (Österreich: 24 %, 32 %, 33 %). Die Opfer familiärer Gewalt, so die Erfahrung von Opferschutzeinrichtungen, sind (neben Kindern) zu 90 Prozent Frauen. Die Täter sind vor allem Ehemänner, Lebensgefährten, „Freunde“, auch Söhne. Eher vereinzelt werden auch Ehefrauen und Schwiegermütter gewalttätig. Allerdings ist davon auszugehen, dass es Männern schwerer fällt, einzugestehen, zum Opfer geworden zu sein respektive Anzeige bei der Polizei zu erstatten, da die noch immer gängigen Geschlechtsrollenklischees von einem Mann Stärke und Überlegenheit verlangen. Gerichtliche und polizeiliche Kriminalstatistik geben allerdings nur einen begrenzten Einblick in das tatsächliche Ausmaß ausgeübter und erfahrener Gewalt. 2011 wurde erstmals eine Prävalenzstudie zum Thema „Gewalt in der Familie und im sozialen Umfeld“ veröffentlicht.1 Diese Erhebung, die auf einer Befragung von Personen zwischen 16 und 60 Jahren basiert, bringt mehr Licht ins Dunkel der unterschiedlichen Gewalterfahrungen von Frauen und Männern in Österreich, und zwar sowohl in der Kindheit als auch im Erwachsenenalter. Körperliche Züchtigung von Kindern, so eines der Ergebnisse, wird aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten immer weniger toleriert. Während von den befragten Personen zwischen 50 und 60 Jahren mehr als 80 Prozent in ihrer Kindheit körperliche Gewalterfahrungen gemacht haben, so waren es in der Gruppe der 16- bis 20Jährigen „nur“ 55 Prozent. Dieser Trend gilt auch für den Bereich sexueller Gewalt. Von den 161
ÖIF 2011.
177
EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE
bis 20-jährigen befragten Frauen waren jedoch noch immer 20 Prozent in ihrer Kindheit sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Von den gleichaltrigen Männern waren sechs Prozent mit sexuellen Übergriffen konfrontiert. Was die Gewalterfahrungen im Erwachsenenalter betrifft, so sind sowohl Frauen (85,6 %) als auch Männer (79,4 %) am häufigsten mit psychischer Gewalt konfrontiert (bedrohlich erlebtes Anschreien, Beleidigen, Unterdrücken, Verleumden, Einschüchtern, Mobben). Mehr als die Hälfte der Frauen (57 %) und fast zwei Drittel der Männer (61,4 %) gaben an, zumindest einmal im Erwachsenenleben mit körperlicher Gewalt konfrontiert worden zu sein. Etwa die Hälfte dieser Vorfälle wurden als bedrohlich empfunden. Frauen erleben körperliche Übergriffe am häufigsten in einer Partnerschaft bzw. innerhalb der Familie (am häufigsten durch den ehemaligen Partner und am zweithäufigsten durch den derzeitigen Partner), Männer hingegen primär im öffentlichen Raum durch unbekannte bzw. nur flüchtig bekannte Männer. Drei Viertel der Frauen (74 %) und etwas mehr als ein Viertel der Männer (27,2 %) wurden im Erwachsenenalter mindestens einmal sexuell belästigt. Als bedrohlich wurde dies von 30 Prozent der Frauen und von sechs Prozent der Männer erlebt. Über sexuelle Gewalterfahrungen berichteten 30 Prozent der Frauen und knapp neun Prozent der Männer. Jede vierte Frau, aber nur jeder zwanzigste Mann hat Erfahrungen mit allen vier Formen der Gewalt (psychische, körperliche und sexuelle Gewalt sowie sexuelle Belästigung). Während bei körperlicher Gewalt etwa gleich viel Frauen wie Männer medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, nehmen im Falle sexueller Gewalt doppelt so viel Frauen wie Männer medizinische Hilfe und/oder das Unterstützungsangebot von Beratungsstellen in Anspruch. Auch die Antworten auf die Frage nach Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre, zeigen, dass Frauen deutlich häufiger von Gewalt betroffen sind. Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich, dass die Gewalterfahrungen sowohl bei Frauen als auch Männern ab dem Alter von 40 Jahren zurückgehen. Nicht ganz so deutlich ist dieser Zusammenhang mit dem Alter im Bereich der sexuellen Gewalt. Ob die Person, die Gewalt ausübt, eine Frau oder ein Mann ist, hängt von der Form der ausgeübten Gewalt ab und auch vom Geschlecht des Opfers. Psychische und körperliche Gewalt, so eines der Ergebnisse der Erhebung, wird bei Frauen und Männern primär (aber keineswegs ausschließlich) 178
durch
Männer
ausgeübt.
Bei
sexualisierter
Gewalt
zeigen
sich
EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE
geschlechterspezifische Muster: Sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt erleben Frauen fast ausschließlich durch Männer, umgekehrt Männer eher durch Frauen.
FRAUENNOTWOHNUNG Es gehört zu den nachhaltigsten Aktivitäten der in den siebziger Jahren entstandenen Neuen autonomen Frauenbewegung, dass sie das Thema „Gewalt gegen Frauen“, das bis dahin tabuisiert bzw. verharmlost wurde, aufgegriffen hat. In den siebziger Jahren entstanden daraufhin europaweit die ersten Frauenhäuser, Zufluchtsstätten für misshandelte Frauen und ihre Kinder. Seit 1990 gibt es auch in Vorarlberg eine Einrichtung, die ganz speziell Frauen, die vor Gewalt und Bedrohung durch den Partner flüchten, Unterkunft und Hilfestellung bietet. Die FrauennotWohnung ist keine autonome Einrichtung, sondern Teil des Institutes für Sozialdienste. Inhaltlich und fachlich ist sie jedoch organisiert wie die autonomen Frauenhäuser und auch Mitglied der Aktionsgemeinschaft österreichischer Frauenhäuser. Das heißt, die FrauennotWohnung ist als selbstverwaltete Wohngemeinschaft organisiert (also kein „Heim“), die Mitarbeiterinnen helfen, sofern dies gewünscht wird, bei Wohnungs- und Arbeitssuche, bei Ämterwegen, bei der Setzung rechtlicher Schritte (Anzeige gegen den Misshandler, Scheidung, Beantragung
von
Obsorge
und
Kindesunterhalt),
bei
psychischen
Problemen
und
Erziehungsschwierigkeiten, aber auch bei der Entwicklung von Zukunftsperspektiven. Im Mai 2007 zog die FrauennotWohnung in ein neues Haus, das den Bewohnerinnen mehr Raum bietet. Die Aufnahmekapazität hat sich in den letzten Jahren vergrößert, da inzwischen zusätzlich zur FrauennotWohnung zwei IfS-Außenwohnungen in Dornbirn und Bludenz geschaffen wurden. In die Außenwohnungen erfolgt keine Direktaufnahme, in ihr leben Frauen und Kinder, die nach einem Aufenthalt in der FrauennotWohnung noch Zeit benötigen, um ein eigenständiges Leben führen zu können. Im Jahr 2012 fanden 70 Frauen und 95 Kinder in der Frauennotwohnung Aufnahme. Die Mehrzahl der Frauen (86 %) war zwischen 21 und 40 Jahre alt, zehn Prozent waren jünger und vier Prozent älter. 53 Prozent der Frauen waren verheiratet, 37 Prozent ledig und zehn Prozent geschieden. 94 Prozent der Kinder waren jünger als zehn Jahre. Fast ein Drittel der Frauen (31 %) waren ohne Einkommen, 23 Prozent der Frauen waren erwerbstätig oder in Pension, weitere 23 Prozent bezogen Kinderbetreuungsgeld, 20 Prozent lebten von Arbeitslosenunterstützung oder Notstandshilfe, drei Prozent hatten andere Einkommen. 51 Prozent der von Gewalt betroffenen Frauen waren Österreicherinnen, 23 Prozent kamen aus Asien, Lateinamerika und Afrika, 21 Prozent kamen aus europäischen Ländern und 19 Prozent waren Türkinnen Bei 24 Prozent der Migrantinnen war der Gewalttäter ein Österreicher. Die Tatsache, 179
EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE
dass seit Jahren Migrantinnen überproportional in der Frauennotwohnung vertreten sind, hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen haben Österreicherinnen oft andere finanzielle und soziale Ressourcen und finden
-
dadurch leichter eine alternative Wohnmöglichkeit Zum anderen sind Migrantinnen stärker gefährdet, da sie oft auch von struktureller Gewalt
-
betroffen sind. Grundsätzlich ist es für Migrantinnen schwieriger, Arbeit und eine erschwingliche Wohnung und Zugang zur medizinischen und psychosozialen Versorgung zu finden; sie leiden häufiger unter Isolation und geraten dadurch eher in psychische, finanzielle und rechtliche Abhängigkeit von einem (Ehe-)Mann. Acht Prozent der Frauen, die in der FrauennotWohnung 2012 Aufnahme fanden, hatten keine abgeschlossene Pflichtschulbildung, 42 Prozent hatten einen Pflichtschulabschluss, weitere 38 Prozent hatten eine Lehre oder eine mittlere Schule absolviert und die restlichen 15 Prozent hatte eine höhere Schule besucht oder studiert. Die Aufenthaltsdauer der einzelnen Frauen variiert sehr stark. Manche Frauen bleiben nur wenige Tage. Knapp die Hälfte der Frauen (49 %) blieb 2012 maximal einen Monat in der FrauennotWohnung, 29 Prozent blieben zwischen einem und drei Monaten, 17 Prozent blieben zwischen drei Monaten und einem halben Jahr, und die restlichen fünf Prozent blieben länger. Zum Angebot der FrauennotWohnung gehören zunehmend auch telefonische und ambulante Beratungen sowie Nachbetreuungskontakte zu jenen Frauen, die sich mit Unterstützung der Mitarbeiterinnen der FrauennotWohnung ein gewaltfreies, eigenständiges Leben aufbauen. Auch für Kinder besteht inzwischen die Möglichkeit einer Nachbetreuung. Denn Kinder sind von Gewalt immer mitbetroffen. 2012 führten die Mitarbeiterinnen der FrauennotWohnung 326 telefonische sowie 62 ambulante Beratungsgespräche.
GEWALTSCHUTZGESETZ Die dem Gewaltschutzgesetz zugrundeliegende Überlegung, besteht darin, die von Gewalt betroffene Person zu schützen, ihr zu ermöglichen, in der Wohnung zu bleiben und den Täter oder die Täterin rasch aus der Wohnung zu entfernen. Letztlich ist ja nicht einzusehen, warum GewalttäterInnen weiterhin unbehelligt in der Wohnung bleiben können, Personen hingegen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, zumeist sind es Frauen und Kinder, eine neue Unterkunft suchen müssen. Wenn aufgrund von Tatsachen zu befürchten ist, dass ein gefährlicher Angriff auf Leben, Gesundheit oder Freiheit bevorsteht, kann die Polizei einer Person, von der Gefahr ausgeht, der Wohnung verweisen und ihr für eine befristete Zeit die Rückkehr in die Wohnung verbieten. 180
EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, einem gewalttätigen Angehörigen den Zutritt zur gemeinsamen Wohnung durch gerichtliche Einstweilige Verfügung zu untersagen, wodurch sich das Betretungsverbot deutlich verlängert. 2012 wurden in Vorarlberg von der Exekutive 343 Wegweisungen/ Betretungsverbote ausgesprochen. Entwicklung der Wegweisungen/Betretungsverbote in Vorarlberg: o
2006: 179
o
2007: 260
o
2008: 263
o
2009: 268
o
2010: 243
o
2011: 338
o
2012: 343
GEWALTSCHUTZSTELLE Die Gewaltschutzstelle Vorarlberg wurde im Herbst 1999 als „Interventionsstelle“ gegründet; sie ist in Feldkirch im Rahmen des Instituts für Sozialdienste angesiedelt und wird so wie die Gewaltschutz- oder Interventionsstellen in anderen Bundesländern aus Mitteln des Innen- und des Frauenministeriums finanziert. Die Prozessbegleitung wird aus Mitteln des Justizministeriums finanziert. Vorrangiges Ziel der Interventionsstellen als anerkannter Opferschutzeinrichtungen ist es, Personen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, und das sind zu mehr als 90 Prozent Frauen, zu beraten und zu unterstützen sowie weitere Gewalttaten zu verhindern. Personen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, können sich direkt an die Stelle wenden. Die Gewaltschutzstelle wird jedoch auch von der Exekutive über Wegweisungen und Betretungsverbote informiert. Die Mitarbeiterinnen der Gewaltschutzstelle nehmen daraufhin Kontakt mit den Betroffenen auf. Sie bieten ihnen professionelle Beratung und Unterstützung an, helfen bei der Durchsetzung von Rechten, begleiten sie zu Gericht und bei Gerichtsprozessen und erstellen gemeinsam mit ihnen einen Sicherheitsplan. Im Interesse einer umfassenden Hilfestellung für die Opfer von Gewalt arbeitet die Gewaltschutzstelle eng zusammen mit allen Berufsgruppen, die mit dem Problem befasst sind: Exekutive, Justiz, Jugendwohlfahrt und Beratungseinrichtungen. Seit 2006, als der Straftatbestand der beharrlichen Verfolgung (Stalking) in das Strafgesetzbuch aufgenommen wurde, sind Gewaltschutzstellen auch für die Beratung von Opfern beharrlicher Verfolgung zuständig. 2012 betreute die Gewaltschutzstelle Vorarlberg insgesamt 809 von Gewalt betroffene oder gefährdete Personen (2002: 321). 90 Prozent davon waren Frauen. 78 Prozent waren zwischen 19 181
EXKURS: GEWALT INNERHALB UND AUSSERHALB DER FAMILIE
und 50 Jahre alt, neun Prozent waren jünger und 13 Prozent älter. 115 der KlientInnen nahmen eine Prozessbegleitung in Anspruch. 65 Prozent der von Gewalt betroffenen Frauen waren ÖsterreicherInnen, elf Prozent kamen aus anderen europäischen Ländern, neun Prozent hatten die türkische Staatsbürgerschaft, die restlichen 15 Prozent kamen aus Asien, Lateinamerika und Afrika. Für direkt oder indirekt von Gewalt betroffene türkische Migrantinnen bietet die Gewaltschutzstelle eine eigene Sprechstunde mit muttersprachlicher Beratung an. In 34 Prozent der Fälle ging die Gewalt vom Ehemann aus, in 15 Prozent der Fälle vom Lebensgefährten und in 18 Prozent der Fälle vom Ex-Ehemann oder vom Ex-Lebensgefährten. Insgesamt beträgt der Anteil der Fälle, in denen es Männer waren, die gewalttätig wurden, 93 Prozent; in sieben Prozent der Fälle war es eine Frau (Ehefrau oder Lebensgefährtin, ExEhefrau, Mutter, Tochter). Von den Opfern der Täterinnen waren 22 Männer und 38 Frauen. Ganz gezielt dehnte die Gewaltschutzstelle Vorarlberg in jüngster Vergangenheit ihre Beratung auf männliche Gewaltopfer aus. Zum einen durchbrechen Männer selbst zunehmend das Tabu, sich in Fällen von Gewalt und speziell in Fällen von häuslicher Gewalt oder beharrlicher Verfolgung jemandem anzuvertrauen. Gleichzeitig soll das spezielle Beratungsangebot, es Männern erleichtern, über erlittene Gewalt zu sprechen und sich mit den psychischen Folgen auseinanderzusetzen. Das traditionelle Bild von den Männern als dem „starken Geschlecht“ erschwert es Männern erfahrungsgemäß, sich als Opfer zu outen. Bei Bedarf steht für von Gewalt betroffene Männer ein männlicher Berater zur Verfügung. 2012 hat die Gewaltschutzstelle Vorarlberg 54 Männer beraten. Bei 34 der männlichen Gewaltopfer war der Gewalttäter ein Mann, bei 20 waren es Frauen, die gewalttätig wurden.
182
POLITIK
POLITIK POLITISCHE VERTRETUNG Demokratische Willensbildung und Entscheidungsfindung setzen voraus, dass die einzelnen Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit der repräsentativen Selbstvertretung ihrer Interessen haben. Das gilt im Besonderen für Frauen und Männer. Tatsächlich aber hatten Frauen auch Jahrzehnte nach Zuerkennung gleicher politischer Rechte eher den Status eines Objekts denn eines Subjekts der Politik. Bis zum Jahr 1983 lag beispielsweise der Frauenanteil an den Abgeordneten des Nationalrats immer (meist: weit) unter zehn Prozent. Und der Frauenanteil im Nationalrat war immer deutlich höher als der Frauenanteil in den Landtagen und Gemeinderäten (mit Ausnahme von Großstädten). Eine Politik auch im Interesse von Frauen ist zwar nicht nur eine Frage der Präsenz bzw. Absenz von Frauen in politischen Gremien, sondern auch eine Frage der Inhalte. Trotzdem ist der Frauenanteil an den gewählten MandatarInnen ein Indikator dafür, inwieweit es Frauen möglich bzw. verwehrt ist, ihr Schicksal politisch selbst zu bestimmen. Erst die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an der politischen Willensbildung und an den politischen Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen gewährleistet, dass das spezielle Wissen und die Erfahrungen von Frauen, ihre speziellen Probleme und Bedürfnisse entsprechend berücksichtigt werden. Das heißt, eine Veränderung des Geschlechterverhältnisses in quantitativer Hinsicht, ist eine unabdingbare Voraussetzung für qualitative Veränderungen, für eine Politik, welche die Interessen der Frauen berücksichtigt und damit auch für eine Politik der Gleichstellung. Obwohl die Zahl der Frauen in politischen Gremien sukzessive zunimmt, obliegt die Vertretung der Interessen der Mehrheit der Bevölkerung (= Frauen) nach wie vor einer Minderheit (= Mandatarinnen). GEMEINDEVERTRETUNG Die Annahme, dass Frauen auf der untersten politischen Ebene, also im Gemeinderat, politisch eher reüssieren können, als auf Landes- und Bundesebene, entspricht nicht der Realität. Im Gegenteil. Patriarchale Strukturen halten sich auf Gemeindeebene deutlich länger. Eine Ausnahme bilden nur große Städte. Ansonst ist der Frauenanteil in den Gemeinderäten deutlich niedriger als in den Landtagen oder im Nationalrat.
183
POLITIK
Von den 1.779 Vorarlberger GemeindevertreterInnen sind nach den letzten Gemeindevertretungswahlen im April 2010 369 Frauen (Tab. 87). Der Frauenanteil an den Gemeinderatsmitgliedern beträgt somit aktuell 20,7 Prozent, jener der Männer 79,3 Prozent. Seit den Gemeinderatswahlen 1991 stieg der Frauenanteil (1991: 9,1 %) kontinuierlich an und hat sich inzwischen etwas mehr als verdoppelt. Gegenüber den Gemeinderatswahlen 2005 ist er allerdings nur minimal (0,5 Prozentpunkte) gestiegen. Tabelle 87: Vorarlberger GemeinderätInnen nach politischen Parteien und Geschlecht 1995 –2010 Partei
ÖVP SPÖ FPÖ Grüne LIF Andere Listen Mehrheitswahl*) Gesamt
1995 Mandate davon Frauen absolut in % 629 97 15,4 170 30 17,6 203 32 15,8 30 11 36,7 8 2 25,0 712 57 8,0
1.752
229
13,1
davon Männer absolut in % 532 140 171 19 6 655
1.523
84,6 82,4 84,2 63,3 75,0 92,0
86,9
Mandate
2010 davon Frauen absolut in %
davon Männer absolut in %
632 117 136 77 652
152 32 20 35 114
24,1 27,4 14,7 45,5 17,5
480 85 116 42 538
75,9 72,6 85,3 54,5 82,5
165
16
9,7
149
90,2
1.779
369
20,7
1.410
79,3
*) Mehrheitswahl
bedeutet, dass in einer Gemeinde, in der keine politische Partei bzw. Andere Liste kandidiert, die Wahlberechtigten auf dem Stimmzettel wählbare Personen anführen. Quelle: Landesstelle für Statistik; eigene Berechnungen
Nach politischen Parteien aufgeschlüsselt haben die Gemeinderatsfraktionen der Grünen den höchsten Frauenanteil (45,5 %), gefolgt von der SPÖ (27,4 %) und der ÖVP (24,1 %). Von den 96 Vorarlberger Gemeinden haben inzwischen sechs eine Bürgermeisterin (6,25 %). Österreichweit beträgt der Anteil der Bürgermeisterinnen nur fünf Prozent, der Anteil der Bürgermeister 95 Prozent. LANDTAG UND LANDESREGIERUNG Im Landtag stieg der Frauenanteil an den Landtagsabgeordneten seit den achtziger Jahren bis zum Jahr 2004 kontinuierlich an. Nach den letzten Vorarlberger Landtagswahlen im Jahr 2009 betrug der Frauenanteil an den Landtagsabgeordneten wieder 36 Prozent (1984: 8,3 %, 1994: 19,4 %, 1999: 30,5 %) wie auch schon nach den Landtagswahlen im Jahr 2004. Zwischendurch 184
POLITIK
war er vorübergehend auf 38,9 Prozent gestiegen, da innerhalb der ÖVP-Fraktion eine Frau einem Mann in das Mandat nachgefolgt war. 2012 ging der Frauenanteil im Landtag auf 33 Prozent zurück, da innerhalb der ÖVP-Fraktion ein Mann einer Frau nachgefolgt ist. Frauenanteil im Vorarlberger Landtag:
1984: 8,3 Prozent
1994: 19,5 Prozent
1999: 30,5 Prozent
2004: 36 Prozent
2010: 36 Prozent 2013: 33 Prozent
Den höchsten Frauenanteil in den einzelnen Landtagsfraktionen Vorarlbergs haben die SPÖ und die Grünen (zwei Drittel bzw. die Hälfte), den mit Abstand geringsten Frauenanteil hat die FPÖFraktion. Unter den sieben Mitgliedern der Vorarlberger Landesregierung sind seit 2009 erstmals zwei Frauen (Frauenanteil: 28,6 %), bis dahin war immer nur eine Frau in der Landesregierung vertreten gewesen. Seit Oktober 2009 hat Vorarlberg eine Frau als Landtagspräsidentin. Tabelle 88: Vorarlberger Landtagsabgeordnete nach politischen Parteien und Geschlecht 2013 Partei
2013 davon Frauen
Zahl der Mandate ÖVP FPÖ Grüne SPÖ Gesamt
20 9 4 3 36
absolut 6 2 2 2 12
in % 30,0 22,2 50,0 66,7
33,3
davon Männer absolut 14 7 2 1 24
in % 70,0 77,8 50,0 33,3
66,7
Stand: November 2013 Quelle: Landtagskanzlei; eigene Berechnungen.
185
POLITIK
PARLAMENT Unter den drei BundesrätInnen (2 ÖVP, 1 FPÖ), die Vorarlberg als Vertretung des Landtages in den Bundesrat entsendet, ist derzeit eine Frau (FPÖ). Von den acht VertreterInnen Vorarlbergs im Nationalrat (2 ÖVP, 2 FPÖ, 1 SPÖ, 1 Grüne, 1 Team Stronach und 1 NEOS) ist keine Frau.
VERGABE VON EHRENZEICHEN Auch offizielle Ehrungen geben Aufschluss über die gesellschaftliche (Un-)Gleichbehandlung von Männern und Frauen (Tab. 89). Denn die Vergabe der verschiedenen Ehren- und Verdienstzeichen des Landes vermittelt ein Bild davon, ob den Leistungen von Frauen und Männern gleiche Bedeutung zugemessen wird oder nicht. Jahre- oder richtiger: jahrzehntelang galt in diesem Zusammenhang: Je größer die Ehre, desto kleiner der Frauenanteil. Im Laufe der letzten zehn Jahren zeichneten sich einige Veränderungen ab. Vereinzelt bekommen nun auch Frauen das Goldene und das Silberne Ehrenzeichen des Landes. Bei der Vergabe der Großen Verdienstzeichen ebenso wie der Verdienstzeichen ging der Frauenanteil allerdings in den letzten drei Jahren wieder deutlich zurück und damit auch der Frauenanteil an allen insgesamt ausgezeichneten Personen. Tabelle 89: Auszeichnungen nach Geschlecht Auszeichnung
Goldenes Ehrenzeichen Silbernes Ehrenzeichen Großes Verdienstzeichen Verdienstzeichen Gesamt
2003 - 2006
2010 - 2012
Frauen Männer Frauen- Frauen Männer Frauen- Frauen Männer anteil in anteil in % % 5 0 1 4 20 1 1
Frauenanteil in % 50
1
11
8
1
10
9
1
6
17
3
19
14
8
21
28
2
29
6
8 12
21 56
28
15 25
14 49
52
13 17
25 61
34
Quelle: Amt der Vorarlberger Landesregierung
186
2007 - 2009
18
34
28
EMPFEHLUNGEN DER AUTORIN
AUF DEM WEG ZUR GLEICHSTELLUNG Empfehlungen der Autorin Wer von bezahlter Erwerbsarbeit spricht, darf über die unbezahlte Haus-, Pflege- und Betreuungsarbeit nicht schweigen. HAUSHALT/KINDERBETREUUNG/PFLEGE VON ANGEHÖRIGEN
Regelmäßige Erhebung des monetären Wertes der überwiegend von Frauen geleisteten unbezahlten Haus-, Betreuungs- und Pflegearbeit (durch Statistik Austria, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung), um diese für unsere Gesellschaft relevanten Leistungen sichtbar zu machen und gleichzeitig eine solide Grundlage für weiterführende Diskussionen zu haben (Geschlechtergerechte Verteilung unbezahlter und bezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern; verstärkte Berücksichtigung der familiären Betreuungs- und Pflegearbeiten in der Pensionsverssicherung; Auslagerung privat erbrachter Betreuungsleistungen in öffentliche Einrichtungen).
In den frühen Kinderjahren erfolgen entscheidende Weichenstellungen fürs Leben, deshalb brauchen Kindergärten bestausgebildetes Personal (zum Teil auf Universitätsniveau). Die Aufwertung des Berufes verbunden mit höherem Einkommen könnte den Beruf auch für Männer attraktiver machen.
Gezielte Kampagnen, um das Interesse junger Männer an Betreuungs-, Sozial- und Pflegeberufen zu fördern (z.B. Kindergartenpädagoge, Sozialarbeiter, Volksschullehrer, Krankenpfleger, Pflegehelfer)
Erhöhung der Genderkompetenz in der Aus- und Weiterbildung von KindergartenpädagogInnen und Lehrpersonen. Infragestellung statt Perpetuierung der gängigen Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder, mit denen schon Kinder konfrontiert sind (z.B. „Prinzessin Lillifee“ und „Die Wilden Kerle“).
Präsentation von Vätern in Karenz und in Elternteilzeit als Rolemodels.
Informations- und bewusstseinsbildende Kampagnen über die Bedeutung von Vätern und Väterlichkeit für die Entwicklung von Kindern. 187
EMPFEHLUNGEN DER AUTORIN
Junge Frauen und Männer sehen es heute als selbstverständlich an, erwerbstätig zu sein. Sicherheit und finanzielle Unabhängigkeit sind ihnen wichtig. Die meisten von Ihnen wollen auch eine Familie gründen. Familienpolitik sollte daher weiterhin mit Bildungs-, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik vernetzt werden.
AUSBILDUNG
Eine zentrale Aufgabe von Bildungssystemen ist es, Chancengleichheit für junge Menschen zu gewährleisten, das bedarf -
einer gezielten Förderung von sozial benachteiligten oder kompetenzarmen SchülerInnen sowie
-
eines gezielten Ausgleichs geschlechtsspezifischer Kompetenzmuster, um die Handlungsspielräume junger Menschen bei Schul- , Berufs- und Studienwahl zu erweitern.
Für beides braucht es entsprechende pädagogische und didaktische Konzepte in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften und SchulleiterInnen.
Weiterhin bedarf es eines ausreichenden Angebots an genderkompetenter Berufsorientierung und Beratung bei den Übergängen von einer Schulart in eine andere sowie ins Berufsleben.
Erwerbstätige Eltern brauchen eine verlässliche und qualitativ gute Infrastruktur für Kinder. Kinderbetreuungseinrichtungen und Ganztagsschulen sollen Kindern in Zukunft ausreichend zur Verfügung stehen.
Gezielte Auseinandersetzung mit dem Querschnittsthema Gleichstellung von Frauen und Männern im Schulunterricht.
ERWERBSARBEIT/ EINKOMMEN
Geschlechtergerechte Verteilung unbezahlter und bezahlter Arbeit bedeutet, dass Frauen die Möglichkeit haben, ihre Erwerbsarbeitszeit zu erhöhen, und Männer sie verringern können. Dies würde den Wünschen von Frauen und Männern mit Kindern entsprechen, es könnte die Lebenszufriedenheit von Frauen und die Lebensqualität von Männern erhöhen.
188
EMPFEHLUNGEN DER AUTORIN
Eine Verkürzung der (männlichen) „Normalarbeitszeit“ würde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männern erleichtern. Eine solche Verkürzung sollte eine Erhöhung oder Verringerung der Arbeitszeit je nach Lebensphase nicht ausschließen.
Förderung einer Arbeitskultur, in der Kinder Platz haben und von ArbeitgeberInnen als Herausforderung gesehen werden, zusammen mit den jeweiligen ArbeitnehmerInnen Mittel und Wege zu finden, wie sich Beruf und Familie vereinbaren lassen. Das bedarf auch der Klarstellung, dass Kinder für Eltern nicht das Ende der Karriere bedeuten, sondern höchstens einen vorübergehend verlangsamten Karriereverlauf.
Die Familienfreundlichkeit von Wirtschaftsunternehmen sollte sich nicht auf die Förderung von Teilzeitarbeit von Frauen beschränken. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für Frauen und Männer zu erleichtern. Zu fördern wäre in den Betrieben auch die Teilzeitarbeit von Vätern, Väterkarenz und die Befreiung von Vätern, Überstunden zu leisten (Österreich liegt, was die Leistung von Überstunden betrifft, über dem EU-Durchschnitt).
Einführung einer begünstigten Teilzeitarbeit für Eltern, die sich an den Bestimmungen der Altersteilzeit orientiert (z.B. Verringerung der Arbeitszeit auf 40–60 % der Normalarbeitszeit, 50 % Lohnausgleich, keine Einbußen in Hinblick auf die Höhe der Pension).
Zu den wesentlichen Ursachen für geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede zählt nicht nur die Teilzeitarbeit von Frauen, sondern auch die Tatsache, dass die „typisch weiblichen“ Berufe Kinderbetreuung, Pflege, Sozialarbeit1 und persönliche Dienstleistungen schlechter bezahlt sind als die „typisch männlichen“. Mit anderen Worten: Wesentliches Instrument zur Reduzierung der geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede ist eine diskriminierungsfreie Arbeitsbewertung, das heißt, eine Aufwertung der reproduktionsnahen Erwerbsarbeit.
Forcierung von Teilzeitbeschäftigungen mit einem eher existenzsichernden Wochenstundenausmaß (im Bereich von 30 Stunden) auf allen Hierarchieebenen
Propagierung der Teilzeitbeschäftigung von Männern
1
Mit 1. Februar 2014 tritt in Vorarlberg ein neuer Kollektivvertrag für private Sozial- und Gesundheitsorganisationen in Kraft, der einige Verbesserungen bringt: Die Gehaltsklassen wurden neu gestaltet, der Mindestlohn wurde angehoben und die Hälfte des gesamten Lohnanstiegs auf die ersten acht Dienstjahre aufgeteilt.
189
EMPFEHLUNGEN DER AUTORIN
Ermöglichung der vorübergehenden Teilzeitbeschäftigung in Leitungspositionen.
Erleichterung des Wechsels von Vollzeit- in Teilzeitbeschäftigungen und vice versa (Weiterentwicklung solcher Regelungen auch in Kleinbetrieben).
GESUNDHEIT/KRANKHEIT/GEWALT
Förderung des Gesundheitsbewusstseins (auch von Männern) durch Gesundheitserziehung in den Schulen.
Erarbeitung von Expertisen zu Gendergesundheit und Verbreitung dieses Wissens in den bestehenden Gesundheitseinrichtungen.
Ausbau bzw. Intensivierung der Beratung von Männern, und zwar sowohl von Männern, die Opfer von Gewalt werden, als auch von Männer, die vermeiden wollen, (wieder) Gewalt auszuüben (Anti-Gewalt-Training) in bestehenden Gewaltschutzeinrichtungen.
POLITIK
Forcierung der Politischen Bildung an den Schulen, auch in Hinblick auf die Problematik geschlechtsspezifischer Rollenbilder, patriarchaler Strukturen sowie auf die Bedeutung der Frauenbewegungen.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie darf kein Frauenthema bleiben. Auch nicht in der Politik.
Sensibilisierung von PolitikerInnen und politisch Interessierten für das Thema Gleichstellung von Frauen und Männern (Seminare, Diskussionen).
Schaffung und Beachtung von Quotenregelungen bei der Erstellung von Kandidatenlisten für Wahlen.
190
LITERATUR- UND DATENVERZEICHNIS
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LITERATUR- UND DATENVERZEICHNIS
Statistik Austria: Arbeitsmarktdaten 2012. Haupt- und Detailergebnisse. (Online-Version) Statistik Austria: Armut und soziale Eingliederung in den Bundesländern (ASE-Bundesländererhebung 2011/12). Wien 2013. Statistik Austria: Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich. Ergebnisse des EU-SILC 2011. Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Wien 2013. (Inklusive Tabellenband EU-SILC 2011: Einkommen, Arbeit und Lebensbedingungen) Statistik Austria: Tabellenband EU-SILC 2012. Einkommen, Armut und Lebensbedingungen. Wien 2013. Statistik Austria: Bildung in Zahlen 2011/12. Band 1: Schlüsselindikatoren und Analysen. Band 2: Tabellenband. Wien 2013. Statistik Austria: Demographisches Jahrbuch 2011, Wien 2012. Statistik Austria: Demographisches Jahrbuch 2012, Wien 2013. Statistik Austria: Familien- und Haushaltsstatistik 2012. Ergebnisse der Mirkozensus Arbeitskräfteerhebung. Wien, 2013. Statistik Austria: Gerichtliche Kriminalstatistik 2011. Wien 2012. Statistik Austria: Jahrbuch der Gesundheitsstatistik 2011. Wien 2012. Statistik Austria: Jahrbuch der Gesundheitsstatistik 2012, Wien 2013. Statistik Austria: Österreichische Gesundheitsbefragung 2006/2007. Wien 2007 Statistik Austria: Statistik der Lohnsteuer 2011. Wien 2012. Statistik Austria: Verdienststrukturerhebung 2010. Struktur und Verteilung der Verdienste in Österreich. Wien 2013. Statistik Austria: Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Modul der Arbeitskräfteerhebung 2010. Wien 2011. Statistik Austria: Zeitverwendung 2008/09. Ein Überblick über geschlechtsspezifische Unterschiede. Wien 2009. Statistik Austria/ Kommission für Migrations- und Integrationsforschung der Österreichischen Akademie für Wissenschaften: migration & integration. zahlen. daten. indikatoren 2013, Wien 2013. Steger-Mauerhofer, Hildegard: Politik und das Private. Die politische Gestaltung der partnerschaftlichen Teilung der Versorgungsarbeit. Diplomarbeit Universität Wien, Wien 2006. Thürmer-Rohr, Christa: Vagabundinnen. Feministische Essays. Berlin 1987. Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau vom 18. Dezember 1979. (= Deutscher Text der UN-Konvention). Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit (PGA): Österreichischer Frauengesundheitsbericht 2010/2011, Linz 2010. Was ist Cedaw? Die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau. Menschenrechte von Frauen und was sie bedeuten. Hg. vom der Bundesministerin für Frauenangelegenheiten, Wien 2009.
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LITERATUR- UND DATENVERZEICHNIS
Weber, Andrea/ Christine Zulehner: Female Hires and the Success of Start-up-Firms. WIFO – Discussion-paper. Unveröffentlichtes Manuskript. November 9, 20091. Weber, Andrea/ Christine Zulehner: Competition and Gender Prejudice: Are Discriminatory Employers Doomed to Fail? WIFO-Discussion-paper. Unveröffentlichtes Manuskript. December 15, 20092 Weiss, Alexandra/Verena Simetzberger (Hg.): Frauen im 21. Jahrhundert. Situationen/ Herausforderungen/ Perspektiven. Gesellschafts- und sozialpolitische Aspekte. Innsbruck 2010. WIFO-Weißbuch: Mehr Beschäftigung durch Wachstum auf Basis von Innovation und Qualifikation. Zusammenfassung. Wien 2006. Wisbauer, Alexander und Ina Jaschinski: Bevölkerungsstruktur am 1.1.2012 in den Regionen Österreichs. In: Statistische Nachrichten 12/2012, 946 – 956. World Economic Forum: The Global Gender Gap Report 2012, Genf 2012. World Economic Forum: The Global Gender Gap Report 2013, Genf 2013. Zielonke, Nadine: Krebsinzidenz und Krebsmortalität in Österreich. Hg. von Statistik Austria. Wien 2012.
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DIE AUTORIN
DIE AUTORIN Susanne Feigl, Dr.in phil., Wien Journalistisch und wissenschaftlich tätig, seit 1985 freiberuflich bzw. selbständig. Einer der inhaltlichen Schwerpunkte: Frauenfragen/Geschlechterbeziehungen. Einschlägige Publikationen (Auswahl): Frauen in Österreich, 1985, 1990, 1995. Frauenratgeberin, 1.-5. Auflage 1989 – 1997, 7. Auflage 2009 Bericht über die Situation der Frauen in Österreich – Frauenbericht 1995 (Gesamtkonzeption, Koordination und Redaktion) Frauen in Wien, Situationsberichte 1993 und 1996. Anträge an die Gleichbehandlungskommission. Verfahren, Entscheidungen, Gutachten. LoseBlatt-Sammlung, 1997 ff. Frauen in Vorarlberg, Situationsbericht 2000, 2003, 2007 und 2010. Politikerinnen in Wien. 1848 – 2000, 2000. Was gehen mich seine Knöpfe an? Johanna Dohnal – Eine Biographie, 2002. Chancengleichheit: Wien setzt Zeichen! Informationen zum Landesgleichbehandlungsgesetz für alle Bediensteten der Gemeinde Wien, 2002. Mitarbeit an der Studie „Frauen ab 50 in Oberösterreich“, 2003. Frauen in Wien. Informationen von A – Z, 2005. Gender Mainstreaming. Praxisbeispiel AMS, 2006. Ihr gutes Recht. Informationsbroschüre zum Thema Gleichbehandlung und Gleichstellung von Frauen und Männern, 3. Auflage, 2009. Geschlechtergerechte Stellenausschreibung, 2009. Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Vorarlberger Landesverwaltung, 2009. Wie finde ich Arbeit? Informationen für Migrantinnen, 2010. Frauen in Handwerk und Technik. 10 Frauen erzählen von ihren Erfahrungen. Das FiTProgramm des AMS, 2011. Sicherheitstipps für Frauen und Mädchen zum Schutz vor Männergewalt, 2012. Indikatoren für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Ein Vergleich der Situation von Frauen und Männern in Vorarlberg und in Österreich. 2. Auflage 2012. Informationen von A - Z für Frauen in Vorarlberg. Online-Version 2013. Kontakt: susanne.feigl@netway.at
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ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS AHS
Allgemeinbildende höhere Schule
AMS
Arbeitsmarktservice
ASVG
Allgemeines Sozialversicherungsgesetz
BHS
Berufsbildende höhere Schule
BIFIE
Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens
BMS
Berufsbildende mittlere Schule
BMASK
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenshutz
BMWFJ
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
CEDAW
Convention on the Elimination of Discrimination against Women
EIGE
European Institute for Gender Equality
EUR
Euro
EUROSTAT
Europäisches Statistisches Zentralamt
HTL
Höhere technische Lehranstalt
IFES
Institut für empirische Sozialforschung
IfS
Institut für Sozialdienste
ÖGB
Österreichischer Gewerkschaftsbund
ÖBIG
Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheit
ÖIF
Österreichisches Institut für Familienforschung
SILC
Statistics on Income and Living Conditions
WIFI
Wirtschaftsförderungsinstitut (der Wirtschaftskammer)
WIFO
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
WS
Wintersemester
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Land Vorarlberg
Amt der Vorarlberger Landesregierung Abteilung Gesellschaft, Soziales und Integration Referat fßr Frauen und Gleichstellung Landhaus, 6901 Bregenz T: +43 (0) 5574 / 511 – 24113 E: frauen@vorarlberg.at I: www.vorarlberg.at/frauen