36. Vorarlberger Wirtschaftsforum 15. November 2019
Risiko Wieso Risiken auch Chance sein können
Lebenswerk Auszeichnung für Fridolin Lucian
600 Gäste und sieben Speaker im Festspielhaus
MACHEN SIE
IHR EIGENES DING.
Jetzt Kredit sichern!
HAUSBANK Echter Erfolg hat immer mit Mut zu tun. Und der Kraft, Widerstände zu überwinden. Mit der Unternehmerinnen-Milliarde wollen wir Sie dabei unterstützen. Nutzen Sie die günstigen Konditionen und Fördermöglichkeiten.
All das macht eine Bank zur Hausbank!
www.vvb.at/unternehmer_milliarde
© fotolia.com/pikselstock
FÜR UNTERNEHMERINNEN
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
36. Vorarlberger Wirtschaftsforum 3 Editorial
Gerold Riedmann
Blick nach vorne
Das 36. Vorarlberger Wirtschaftsforum fand im Bregenzer Festspielhaus statt.
Risiko ist Chance Über 600 Teilnehmer beim 36. Vorarlberger Wirtschaftsforum. BREGENZ Mit dem Themenschwerpunkt des 36. Wirtschaftsforums, „Risiko – Chancen und Herausforderungen in Zeiten der Disruption“ trafen die Veranstalter den Puls der Zeit. Das zeigten die zahlreichen sehr positiven Reaktionen der Teilnehmer. Über 600 Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, Interessenvertretungen und Gesellschaft aus dem gesamten Bodenseeraum folgten beeindruckt den Ausführungen der sieben Topreferenten, die das heurige Thema dieser internationalen Wirtschaftstagung aus den verschiedenen Perspektiven beleuchteten. Und sie applaudierten, als der Oberlecher Hotelier Fridolin Lucian mit dem von der Industriellenvereinigung, der Wirtschaftskammer und den Vorarlberger Nachrichten vergebenen „Ehrenpreis der Vorarlberger
Wirtschaft für das Lebenswerk“ geehrt wurde (siehe Seite 7). Das Vorarlberger Wirtschaftsforum wurde auch bei der 36. Auflage seiner Rolle als wichtiger Treff Treffpunkt mehr als gerecht und diente der äußerst bedeutsamen Vernetzung der wirtschaftlichen Kräfte in Vorarlberg. Damit leistet die größte Wirtschaftsveranstaltung des Landes auch einen nicht mehr wegzudenkenden Beitrag zur Stärkung des Standorts. Den Veranstaltern ist es auch heuer wieder gelungen, mit Themen wie „Digitalisierung: Der Wandel wird nie wieder so langsam sein“ von Infineon-Chef Sabine Herlitschka, „Europas Zukunft zwischen Shenzen und Palo Alto“ des ehemaligen deutschen Außenministers und Vizekanzlers Joschka Fischer, oder „Mutige Entscheidungen im Management“ des Magenta-Vorstandschefs Andreas
Bierwirth für spannende Diskussionen in den Pausen und beim traditionellen Weißwurstessen zu sorgen. Gerold Riedmann, VN-Chefredakteur, über das Wirtschaftsforum 2019: „Das Thema Risiko und die sehr guten Referenten hatten ein sehr gutes Echo bei den Besuchern. Es zeigt, wie wichtig das Thema für die Vorarlberger Wirtschaft ist.“ Wirtschaftskammervizepräsidentin Petra Kreuzer nutzte die Begrüßung, um auf einen weiteren Aspekt aufmerksam zu machen: „Es ist ein Risiko, wenn Frauen nicht in Führungsetagen sind. Es ist erwiesen, dass Unternehmen, die auch Frauen an der Spitze haben, erfolgreicher wirtschaften.“ Und für Martin Ohneberg, Präsident der Industriellenvereinigung, ist eines klar, wie er bei der Begrüßung sagte: „Wer nicht riskiert, gewinnt nicht.“
Wir müssen Zeiten der Disruption als große Chance nutzen, um für uns, unsere Kinder sowie Enkelkinder neue lebenswerte Wege einzuschlagen. Dabei erfährt das Modell Genossenschaft in verschiedensten Bereichen gerade eine Renaissance und wird zu Recht als Zukunftskraft bezeichnet. In der Finanzbranche sehen wir vor allem im nachhaltigen Investieren, das endlich aus seiner Nische heraustritt, eine erfolgreiche Strategie, mit der viel Gutes getan und zudem langfristig Risiko gemindert werden kann. Unseren Kundinnen und Kunden wird immer bewusster, dass sie mit einer achtsamen Geldanlage sowohl die Gesellschaft als auch unser Klima direkt beeinflussen können. Wir sind deshalb alle gefordert, mutig zu sein und Herausforderungen positiv anzunehmen. Gerhard Hamel, Vorstandsvorsitzender Volksbank Vorarlberg
Mit Investitionen in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, einer hochwertigen Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, der Umsetzung wichtiger Infrastrukturprojekte in den Bereichen Verkehr, Kommunikation und Energieversorgung sowie der Sicherung geeigneter Betriebsflächen wollen wir sicherstellen, dass sich Vorarlberg wirtschaftlich auch in Zukunft im Kreis der erfolgreichsten Regionen Europas wiederfindet. Unsere Asse im Ärmel sind die fleißigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die große unternehmerische Vielfalt – vom familiengeführten Klein- und Mittelbetrieb bis zum am Weltmarkt erfolgreichen Großunternehmen. Mit dem gewählten Schwerpunkt wird das Wirtschaftsforum auch heuer wieder wertvolle Impulse für den Wirtschaftsstandort Vorarlberg liefern. Markus Wallner, Landeshauptmann
Wir sind nicht gut in Vorhersagen. Überhaupt nicht. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass wir stets die Vergangenheit, das Erlebte extrapolieren, weiterzeichnen, fortschreiben. Und daraus unsere Schlüsse für die Zukunft ziehen.
einzugehen. Wir müssen Neues wagen - und sind dabei so vielen Risiken wie noch nie ausgesetzt: geopolitisch, technologisch, wirtschaftlich. Deshalb haben wir “Risiko” für dieses Vorarlberger Wirtschaftsforum in den Mittelpunkt gerückt.
Die sind meistens völlig falsch, wie die renommierte Stanford Business School zigfach untersucht hat. Unsere Lebensläufe zum Beispiel lesen sich, als hätten wir von Geburt an den aktuellen Job angestrebt. Dass wir etwa der Liebe wegen umgezogen sind, oder der Zufall Regisseur war das steht nirgends. Unser Leben sieht im Lebenslauf aus, als folge es einem grandiosen Masterplan, einer Über-Strategie. Dabei sind bei allen von uns viele Irrungen und Wirrungen dabei.
Wir müssen bereit sein, ständig dazuzulernen, uns nicht auf dem Wissensschatz auszuruhen. Denn wenn auch die beste Strategie nicht am Markt ankommt, dann hilft nichts anderes, als zu lernen, Neues zu entdecken und die Strategie schrittweise anzupassen.
Stanford-Professor William P. Barnett hat einen Satz geprägt, den er wie ein Mantra wiederholt: Wir sind unglaublich gut im “retrospective rationalizing”, also in der nachträglichen Rechtfertigung. Wir biegen uns hinterher die Strategie zurecht. Klar, wer nach hinten blickt, kann alles einordnen, kann alles erklären. Unser Land braucht aber Menschen, die mutig nach vorne blicken wollen. Das geht eben nicht, ohne ein gewisses Risiko
Ich bin mir sicher, dass die Lektüre der heutigen VN-Sonderpublikation zum Vorarlberger Wirtschaftsforum Ihnen Überraschungen und Inspiration bringt – und nicht zuletzt ein Tor ins neue Jahrzehnt öffnet, das in weniger als 50 Tagen beginnt. Herzlichst, Ihr
GEROLD RIEDMANN gerold.riedmann@vn.at 05572 501-320 Twitter: @gerold_rie Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.
IMPRESSUM Hanna Reiner, Andreas Scalet, Mirijam Haller, Michael Gasser, Marlies Mohr, Tony Walser, Tanja Schwendinger (Texte); Philipp Steurer, Oliver Lerch, VN-Archiv, Volare - Vorarlberger Landesbibliothek Sammlung Risch-Lau, Burghotel (Fotos); Felix Holzer (Gestaltung)
STATEMENTS der Veranstalter
Formate wie das Wirtschaftsforum sind wichtig, um vermeintlich negativ besetzte Begriffe wie „Risiko“ oder „Disruption“ zu entmystifizieren und positiv zu besetzen. Als Unternehmer und Interessenvertreter mit einer positiven Grundhaltung, Idealismus und Visionen geht es für mich bei diesen Wörtern immer um „Chancen“ und „Innovation“. Ohne die Bereitschaft Risiko einzugehen, sich zu trauen, sich zu öffnen ohne den genauen Ausgang zu kennen, gibt es keine Innovationen und keinen Fortschritt. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – das gilt nicht nur für Unternehmer, sondern auch für Mitarbeiter, für die Bevölkerung und unsere gesamte Gesellschaft. Wir vergessen oft, dass diese Tugenden uns angeboren sind, wir dürfen sie auch guten Gewissens abrufen. Martin Ohneberg, Präsident Industriellenvereinigung Vorarlberg
36. Vorarlberger Wirtschaftsforum Internationale Tagung
Eine Initiative von
Wir stecken mitten in der strukturellen Neuordnung unserer wirtschaftlichen Systeme – beschleunigt durch Digitalisierung und neue Technologien. Disruption wirkt auf allen Ebenen. Deshalb müssen wir umdenken. Es geht um unsere Zukunftsfähigkeit, um das Brechen von Routinen und um vernetztes Denken. Wagen wir uns raus aus den linearen Modellen. Cooperation is the new competition – das zeigt sich nicht nur im Zusammenhang mit Innovationsprozessen, sondern auch im täglichen Geschäft. Denken in Risiken kann da sehr hilfreich sein. Es macht sensibel für die Gefahren, zeigt Bedrohungen auf und mobilisiert. Wer in Risiken denken will, muss raus der Komfortzone. Das größte Risiko, um mit Marc Zuckerberg zu sprechen, ist es, kein Risiko einzugehen. Hans Peter Metzler, Präsident Wirtschaftskammer Vorarlberg
Sponsoren
Risiko! Jeder Unternehmer geht das mit der Entscheidung zur Selbstständigkeit ein. Die Bereitschaft neue, andere Wege, zu gehen, ist Grundvoraussetzung für das Unternehmertum. Eine Wirtschaft, die verharrt, die verwaltet, die keine neuen Wege beschreitet, geht aber auch ein Risiko ein. Nämlich das, abgehängt zu werden. Große Industrien und Firmen sind so von der Bildfläche verschwunden. Heute sieht sich die Wirtschaft mit vielen Unwägbarkeiten konfrontiert – von Handelskonflikten über die Klimakrise bis zur Digitalisierung. Man kann sich davor fürchten, aber für unsere Unternehmen sind das auch Chancen. Chancen, die Unternehmen und Standort weiterbringen, wenn man sie beherzt ergreift. Und das ist jetzt das Gebot der Stunde, damit aus Risiko Erfolg werden kann. Andreas Scalet, VN-Ressort Markt
4 36. Vorarlberger Wirtschaftsforum
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
„Das ist eine Auszeichnung für die ganze Familie und besonders für meine Frau Helga“, dankte Lebenswerk-Preisträger Fridolin Lucian auf der Werkstattbühne des Festspielhauses.
Begonnen hat es in der Kellerbar Hotelpionier Fridolin Lucian erhält den Preis für das unternehmerische Lebenswerk. Das Vorarlberger Wirtschaftsforum war am Donnerstag zum sechsten Mal Schauplatz für eine ganz besondere Auszeichnung. Die Industriellenvereinigung Vorarlberg, die Wirtschaftskammer Vorarlberg und die Vorarlberger Nachrichten haben den „Ehrenpreis der Vorarlberger Wirtschaft für das unternehmerische Lebenswerk“ an den Oberlecher Hotelier und Tourismuspionier Fridolin Lucian überreicht. BREGENZ
Gespür eines Pioniers VN-Herausgeber Eugen. A. Russ erläuterte in seiner Laudatio auf den aus dem Klostertal stammenden und in Oberlech lebenden Unternehmer die Intention des vor sechs Jahren erstmals vergebenen Preises. „Wenigen Menschen in der Wirtschaft gelingt es, in ihrer Schaffensphase ein Unternehmen, wie es Fridolin Lucian gelungen ist, nicht nur zu führen, sondern kontinuierlich weiterzuentwickeln. „Was motiviert mehr, als erfolgreiche Beispiele ins Rampenlicht zu rücken. Im Alltag würden wir es Benchmarking nennen. Also von den Besten zu lernen. Und gerade in Vorarlberg haben wir solche Leuchturm-Unternehmer. Es fesselt einfach, diese überprüfbaren und spannenden Geschichten von Menschen aus unserer Region, und dazu aus erster Hand, zu erfahren“, so Russ. Bei den Kriterien für diesen Preis wird auf den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg, die vorbildliche Unternehmenskultur, die Treue zum Standort Vorarlberg und die Einzigartigkeit des Lebenswerks der geehrten Person Bedacht genommen. Die Wahl fiel heuer auf Fridolin Lucian, den Russ in der Laudatio als „einen einzigartigen Hotelier“ bezeichnete. Zurecht, denn Lucians Lebenswerk ist beeindruckend, „Aus kleinsten Anfängen begonnen, führte sein Weg, nicht immer geradeaus, in vielen auch kleinen Schritten, aber nach oben. Hindernisse mussten genommen werden und ständige Anpassungen an den Markt sind für ihn selbstverständ-
Geschafft! Preisträger Lucian auf großer Fahrt bei der Eröffnung des Tunnelsystems für Oberlech im Jahr 1997.
VN-Bericht vom 16. Dezember 1997.
lich“, sagte Russ über den heurigen Preisträger, bevor die Werkstattbühne zum Kino wurde. Marion Flatz vom ORF Vorarlberg hat zur Verleihung des Lebenswerkpreises ein filmisches Porträt des Geehrten produziert, in dem Wegbegleiter zu Wort kommen und der Porträtierte auch in historischen Aufnahmen zu sehen ist. Von den rund 600 Teilnehmern des Wirtschaftsforums wurde die Auszeichnung für Fridolin Lucian heftig beklatscht. Im Interview mit Moderatorin Angelika Böhler erzählte der Tourismuspionier über seine Einstellung zur Arbeit, entscheidende Momente im Berufsleben und schwierige Situationen und seine Beharrlichkeit, wenn er Pläne umsetzen wollte, um den Hotelbetrieb ständig auszubauen, um den Gästen, von denen viele Stammgäste und Freunde der Familie Lucian geworden sind, stets höchste Gastlichkeit und Komfort zu bieten. Dazu gehört auch, die Entwicklung der Infrastruktur nicht nur für seine Betriebe, sondern für ganz Oberlech, zu verbessern.
Eine kühne Vision Fridolin Lucian hatte gar nie vor, Hotelier zu werden. Passiert ist es ihm aber auch nicht. Lucian, geboren am 29. Dezember 1938, ist gelernter Maurer. Das ist auch der Grund dafür, dass er überhaupt die Laufbahn einschlug, die ihn zu einer herausragenden Unternehmerpersönlichkeit gemacht hat. Denn im Winter hatte Fridolin Lucian viel freie Zeit und die wollte er sinnvoll nutzen. „In unserem Dorf gab es einen großen Wirtshaussaal, der nur gelegentlich genutzt wurde. Meine Idee war es, dort eine eigene Gastronomie zu betreiben. Der Wirt hat sie mir nicht gegeben, aber schlug mir vor, im Keller die ehemalige Bäckerei zu nutzen.“ Das Lokal des Nebenberufsschlagzeugers schlug ein. „Wir haben glasweise Sekt verkauft und die Leute kamen, ohne dass wir Werbung gemacht hätten“, erzählt er. Der Erfolg machte mutig. Ehefrau Helga, geborene Zimmermann, ist Oberlecherin und ihr
Vater hatte dort ein Grundstück mit Flurname Burg, das das junge Ehepaar nach reiflicher Überlegung im Jahr 1960 mit dem Burgstüble bebaute. Errichtet wurde der Bau mit viel Eigenleistung im Sommer, im Winter boten die Lucians wieder ein Getränk, das so niemand im Angebot hatte: offenes Bier. Die Leute stürmten die Skistation, die Gemeinde Lech forderte ihren Teil und führte eine „Stuhlsteuer“ genau für diesen Betrieb ein. Später wurde die Steuer höchstgerichtlich
„Fridolin Lucians Weg führte nicht immer geradeaus, aber immer nach oben.“ Eugen A. Russ Herausgeber VN
wieder abgeschafft. Das Material für den Hausbau und das offene Bier mussten mit der Seilbahn nach Oberlech transportiert werden Ruhe kannte Lucian nicht. Aus dem Stüble wurde bereits ein Jahr später das Gasthaus Burg, 1972 erhielt das Gasthaus Gästezimmer und ein Hallenbad, außerdem wurde das erste und einzige Selbstbedienungslokal in Oberlech eröffnet, auch die erste Eisbar war eine Idee von Fridolin Lucian, die einschlug. Das Hotel entwickelte sich kontinuierlich weiter, Anbau folgte auf Anbau. Was blieb, war die schwieZUR PERSON FRIDOLIN LUCIAN GEBOREN 29. Dezember 1938 AUSBILDUNG Maurer LAUFBAHN Arbeit in Bauunternehmen, Gründung der ersten Bar, ständige Erweitertung des Betriebes, Geschäftsführung im eigenen Unternehmen und bei weiteren Infrastrukturunternehmen. FAMILIE verheiratet mit Helga, drei Kinder: Hugo, Gerhard und Thomas UNTERNEHMEN Burg Hotel, Burg Vital Hotel, Stadtkrug in Salzburg, Beteiligungen an der Oberlecher Wege und Garagengesellschaft; Seillifte Oberlech, Bergbahn Lech-Oberlech
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
5 BISHERIGE LEBENSWERK-PREISTRÄGER
1965
Luis Drexel, einer der Gründer von Spar Vorarlberg und Spar Österreich, war der erste Unternehmer, dem der Vorarlberger Preis für sein unternehmerisches Lebenswerk verliehen wurde. Der Dornbirner Kaufmann, der vor wenigen Wochen verstorben ist, hat die Handelslandschaft über Jahrzehnte geprägt und eines der größten österreichischen Unternehmen in privater Hand geschaffen.
1987
Alwin Lehner hat in den 50er-Jahren das Verpackungsunternehmen Alpla gegründet, die heute das größte Unternehmen mit Sitz in Vorarlberg ist. Lehner, 2018 verstorben, hat als Pionier buchstäblich aus dem Nichts Alpa zu einem der wichtigsten Player in der Branche gemacht, der weltweit tätig ist. Heute arbeiten über 20.000 Menschen in den fast 200 AlplaProduktionsbetrieben.
1961
rige Infrastruktur ob Lech. Im Sommer ein Alpweg, im Winter die Seilbahn. Lucian entwarf eine kühne Vision. Er wollte die Zufahrt wintersicher machen – nicht nur für sein Haus, sondern für ganz Oberlech. Das brachte ihm mehr Spott als Zustimmung ein. Doch Fridolin Lucian ließ sich nicht beirren. Er gewann die anderen Hoteliers und Bewohner von Oberlech für seine Idee. Als Gemeinderat und Vorsitzender des Bauausschusses, der er wurde, nachdem er eine eigene Liste initiierte, konnte er politisch Einfluss nehmen. Und er suchte sich die entsprechenden Spezialisten, die aus der Vision ein umsetzbares Projekt formten. Nach Volksabstimmung in Oberlech wurde mit den Tiefbauarbeiten begonnen. Die Oberlecher finanzierten das bahnbrechende Projekt, immerhin rund sieben Millionen Euro, selbst, die Gemeinde steuerte lediglich die Zufahrtsstraße bei. Der Tunnelbau in Oberlech sorgte
Heidi und Paul Senger-Weiß, die dritten Träger des Preises für das unternehmerische Lebenswerk, haben den Logistiker Gebrüder Weiss nicht nur in für die Branche schwierigen Zeiten (z. B. EU-Beitritt) souverän geführt, es ist ihnen auch gelungen, die Jahrhunderte alte Unternehmen weltweit auszubauen. In den rund 150 Niederlassungen arbeiten heute über 7000 Menschen.
Fridolin Lucian kann auf ein stolzes Lebenswerk zurückschauen: Er erkannte das Potenzial von Oberlech, war treibende Kraft der Ortsteilentwicklung und -erschließung und baute die Familienbetriebe zu Leithotels in Lech aus.
branchen- und österreichweit für Aufsehen und wurde preisgekrönt. Für Oberlech begann damit eine neue Ära. Die Sonnenterrasse von Lech war damit vom Autoverkehr befreit und trotzdem verlässlich
Helga Lucian war in vielen Situationen die treibende Kraft für die Entwicklung des Familienunternehmens und für Ehemann Fridolin.
erreichbar. Die Gäste dankten es durch eine starke Zunahme der Buchungen. Heute ist Oberlech der Ortsteil von Lech, dessen Hotels und Pensionen die beste Auslastung haben, freut sich Lucian, der allerdings noch einen Wunsch hat: „Ich wäre dafür, dass Oberlech auch im Sommer autofrei wird.“ Das rund einen Kilometer messende Tunnelsystem ist eine Pionierleistung von Lucian, doch Vorreiter war er auch bei anderen Dingen. Er war der erste, der ein eigenes Heizkraftwerk baute, später wurde auch das als Gemeinschaftskraftwerk für ganz Oberlech erweitert, um nur zwei Innovationen des weitsichtigen Touristikers zu nennen. Die Oberlecher Wege und Garagengesellschaft, in der die gemeinsamen Aktivitäten der Oberlecher gebündelt sind, ist übrigens schuldenfrei, betont Lucian stolz. Lucian hat bei all seinen Projekten schon zu einer Zeit, als Nach-
haltigkeit noch kein Maßstab war, auf die Balance zwischen Ökologie und Ökonomie geachtet. Wie gut, das zeigt das unternehmerische Lebenswerk des Familienunternehmens. Aus dem Burg Stüble sind das Burg Hotel und das Burg Vital Resort in Oberlech entstanden, Sohn Hugo betreibt mit seiner Frau das Hotel Stadtkrug in Salzburg und einen Bauernhof, der auch die Lecher Hotels mit bestem Fleisch versorgt. Das Burg Hotel wurde erst vor Kurzem für sein Weinangebot ausgezeichnet - es ist eines der besten der Welt. Spitzenleistung auch im Burg Vital Resort. Dort betreibt die Familie eines der besten Restaurants Österreichs. Fridolin Lucian erhielt für seine Initiativen und sein Engagement bedeutende Auszeichnungen. Der Preis für sein unternehmerisches Lebenswerk würdigt sein Engagement und seine Pionierleistungen für den Oberlecher, Lecher und Vorarlberger Tourismus.
Jürg Zumtobel führte das von seinem Vater Walter gegründete Unternehmen Zumtobel Licht an die Spitze der Branche. Die inzwischen zur Zumtobel Group gewachsene Firma entwickelte sich sowohl, was Innovation betrifft als auch im Bereich Design zum Branchenprimus, der in den letzten Jahren ob der Veränderungen im Licht-Geschäft mit starkem Gegenwind zu kämpfen hatte.
Georg Meusburger, der im vergangenen Jahr den Preis für das unternehmerische Lebenswerk erhalten hat, gründete sein Unternehmen im Jahr 1964. Die in Wolfurt beheimatete Firma stellt Normalien für Firmaufbauten und Stanzgestelle her. Die Spezialisierung und unbedingter Qualitätsanspruch sind die Treiber des Wachstums. Über 1700 Mitarbeiter zählt Meusburger heute.
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
6 36. Vorarlberger Wirtschaftsforum
Russmedia-Geschäftsführer Markus Raith (l.) und WKV-Direktor Christoph Jenny. Patricia Zupan (l.) und Referentin Sabine Herlitschka (Mitte) sowie Verena Eugster (W3 Marketing).
Herausgeber Eugen A. Russ mit Irene (l.) und Marie-Gabrielle Russ. Alexander Frick (l.) und Cornelia Lins, Vorstand Gerhard Hamel (Volksbank).
Moderatorin Angelika Böhler (l.), VN-Chefredakteur Gerold Riedmann und Petra Kreuzer (Wirtschaftskammer).
Klaus Rettenbacher (Uniqa) und Barbara Bechter (Russmedia).
Tony Walser (VN) und Andreas Mark (Interspar).
Wirtschaftsbunddirektor Jürgen Kessler (l.) und Roman Giesinger (Meusburger).
Irmi-Marie Sachs-Ritter und Heinz Hämmerle (Rickatschwende).
SPONSOREN
Gerard Hann (Russmedia Key Account), Harald Künzle, Gerhard Stübe (Festspielhaus).
Volksbank Vorarlberg Prisma Unternehmensgruppe People’s Österreichische Post Donau Versicherung BMW Unterberger Dallmayr Mohrenbräu Vöslauer Spar - Weingut Schloss Fels Rauch Fruchtsäfte Bäckerei Mangold
Spar-Direktor Gerhard Ritter (l.), Wolfgang Kaufmann sowie Monika und Egon Haag (Bäckerei Mangold).
Jürgen Gmeiner (Donau Versicherung) und Festspiel-Vizepräsident Willi Muzyczyn (r.).
Messe-Geschäftsführerin Sabine TichyTreimel und Komm.-Rat Walter Eberle.
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
7
Forum als wichtige Plattform 600 Wirtschaftstreibende nutzten Veranstaltung auch zum Netzwerken. Topaktuelle Informationen von prominenten Speakern sowie Small Talk und Netzwerken unter Wirtschaftstreibenden: Auch die 36. Auflage des Wirtschaftsforums im Bregenzer Festspielhaus entpuppte sich mit 600 Gästen als Publikumsrenner. Herausgeber Eugen A. Russ mit Irene und Marie Gabrielle-Russ konnten gemeinsam mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann und Hanna Reiner als stellvertretende VN-Chefredakteurin zu der von Angelika Böhler moderierten Veranstaltung zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben willkommen heißen, darunter der neue Wirtschaftslandesrat Marco Tittler, Abgeordnete wie Sabine Scheffknecht, Veronika Marte, Michael Ritsch und Christoph Thoma, Präsidenten sowie Geschäftsführer und Direktoren wie Markus Raith (Russmedia), Martin Ohneberg und Mathias Burtscher (Industriellenvereinigung Vorarlberg), Vizepräsidentin Petra Kreuzer und Direktor Christoph JenBREGENZ
ny (Wirtschaftskammer), Spitalsdirektor Gerald Fleisch, Dietmar Brunner (Arbeiterkammer), Komm.-Rat Heinz Hämmerle (Rickatschwende), Andreas Mark, Gerhard Ritter mit Nachfolgerin Carina Pollhammer und Wolfgang Kaufmann als Vertreter von Interspar und Spar sowie die Bürgermeister Andrea Kaufmann und Vizebürgermeister Martin Ruepp, Markus Linhart und Christian Natter.
Vorstände und Geschäftsführer Ebenso unter den Gästen, die sich von den Inhalten der Vorträge durchwegs begeistert zeigten: Vorstand Gerhard Hamel (Volksbank), Landesdirektor Jürgen Gmeiner (Donau Versicherung), Thomas Krutzler (People‘s), Stefan Spirk (Post AG), Markus Spiegel, Johanna Häusle und Markus Fleischmann (BMW Unterberger), Klaus Rettenbacher (Uniqa), Dominik Schuchter (BTV), Egon und Monika Haag (Bäckerei Mangold), Landesdirektor Klaus Himmelreich (VLV), Karika-
turist Silvio Raos mit Sohn Marcus, Hubert Marte und Stephan Kaar (Rondo), Vorstand Bernhard Ölz und Alexander Frischmann sowie Melanie Fleisch (Prisma), Markus Hämmerle (Zima), Vorstand Wilfried Hopfner (Raiffeisen Landesbank), Festspiele-Vizepräsident Willi Muzyczyn, Wirtschaftsbunddirektor Jürgen Kessler, Möbelprofi Harald Künzle (Reiter Design), Günther Rupp (Bank Austria), Geschäftsmann Werner Scheffknecht, Unternehmenssprecher Andreas Neuhauser (viw vkw), Geschäftsführer Günther Kreuzhuber (Metro), Roman Giesinger (Meusburger), Werber wie Lukas Konzett, Gerhard Brenndörfer, Eva Engel, Nicole Schedler, Simon Ender und Tino Le Duigou mit Eva, Manuel Bitschnau (Montafon Tourismus), Karin Böhler und Carolin Frei (GemeindeMarketing Rankweil), Versicherer Thomas Hackspiel mit Christiane sowie Sabine Tichy-Treimel (Messe Dornbirn). Weiters unter den Besuchern beim Wirtschaftsforum im
Kapitän Adi Konstatzky (Hohentwiel), Marketingleiterin Angelika Rimmele (Hypo Immobilien), Bürgermeister Markus Linhart und Projektentwickler Egon Hajek (v. l.).
Festspielhaus: Claudia und Marco Probst, Barbara Bechter (Russmedia), Werner Gohm (Auva), Primar Hans Concin mit Angelika (aks), Markus Maier, Touristikerin Kerstin Biedermann-Smith (Alpenregion Bludenz), Werner Deuring mit Sohn Alexander, Hermann Metzler mit Sohn Michael (ZM3) , Bierproduzent Kurt Michelini (Brauerei Frastanz), Rebekka von der Thannen (Das Buch), Burkhard Dünser und Eva Voit (Messepark), Angelika Rimmele (Hypo Vorarlberg), Marketingprofi Martin Dechant (ikp), Präsident Ludwig Summer (Rotes Kreuz), Robert Küng (Inhaus), Intercoiffeur und Innungsmeister Günther Plaickner, Sabine und Dieter Oberhöller (Hotel Montfort), Klaus Baldauf (Nägele Wohn- und Projektbau), Birgit und Ulrike Hefel, Projektentwickler Egon Hajek, Primar Mathias Scheyer, Meisterbäcker Bernhard Ölz mit Tamara Terzer, Thomas Prugger (Olina Küchen), Roland Gozzi (Rotes Kreuz), Johann Schallert, Johannes Böhler und Dieter Blum (Schoellerbank), Vorstandsdirektor Christian Ertl, Arno Sprenger und Christian Födinger (Sparkasse Bludenz), Vorstand Anton Steinberger (Sparkasse Feldkirch) sowie Harald Maikisch und Ulrike Delacher (Spitalsgesellschaft).
Investor Alois Flatz (l.) und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler.
VLV-Chef Robert Sturn, stv. VN-CR Hanna Reiner, Raiba-Vorstand Wilfried Hopfner.
Bürgermeisterin Andrea Kaufmann und Vize Martin Ruepp (Dornbirn)
Unter den Gästen: Alexander Frischmann, Melanie Fleisch und Bernhard Ölz (Prisma) sowie Markus Hämmerle (Zima).
Symbolfoto
THE 3
Freude am Fahren
DER NEUE BMW 3er TOURING MIT xDRIVE. JETZT MIT BIS ZU € 2.500,– xDRIVE BONUS*. GLEICH ANGEBOT ANFORDERN UNTER bmw.at/3er Stiglingen 75, 6850 Dornbirn Tel. 05572/23286-0, Fax 05572/23 2 86-860 info.dornbirn@unterberger.bmw.at www.unterberger.bmw.at
BMW 3er Touring: von 110 kW (150 PS) bis 275 kW (374 PS), Kraftstoffverbrauch gesamt von 4,4 l/100 km bis 7,2 l/100 km, CO2-Emission von 114 g CO2/km bis 163 g CO2/km. * Dieses Angebot ist gültig für BMW 3er Touring Neu- und Vorführwagen mit Kaufvertragsabschluss von 01.10.2019 bis 31.12.2019 und Auslieferung bis 31.03.2020.
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
Gäste-Duo: Marcus und VN-Karikaturist Silvio Raos (r.).
36. Vorarlberger Wirtschaftsforum 9
Karin Böhler (l.) und Carolin Frei.
Geschwister Birgit (l.) und Ulrike Hefel.
BMW-Unterberger-Team: Dieter Unterberger (l.) und Standortleiter Markus Spiegel.
Sabine und Dieter Oberhöller (Hotel Montfort).
Messepark-Geschäftsführer Burkhard Dünser und Marketingleiterin Eva Voith.
Julia Forster (l.) und Rebekka von der Thannen von Das Buch.
Manfred Eisbacher (i+R Wohnbau) sowie Werber Lukas Konzett (r.).
IV-Präsident Martin Ohneberg (l.) sowie Bernd Kirisits (OÖ Nachrichten) und Patrick Fleisch (Russmedia Key Account).
(v.l.) Geschäftsführer Georg Burtscher (Russmedia Digital), Spitalsdirektor Gerald Fleisch, Günther Rupp (Bank Austria) und Andreas Neuhauser (illwerke vkw).
Verdiente Stärkung: Nach einem Tag mit vielen Eindrücken stärken sich die Teilnehmer des Wirtschaftsforums beim traditionellen Weißwurst-Essen.
Unter den Gästen: Dieter Bitschnau mit Ulrike Delacher.
Versicherungsmakler Thomas Hackspiel mit Christiane.
Collini-Vorstandschef Peter Puschkarski und Eugen B. Russ, Geschäftsführer Russmedia International AG.
Klubobmann Roland Frühstück (l.) sowie Rechnungshofpräsidentin Brigitte Eggler-Bargehr, Werner Deuring und Sohn Alexander.
IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher (l.) und Abgeordneter Christoph Thoma.
Unternehmer Hermann Metzler (ZM3) mit Sohn Michael.
Gäste-Duo: Marco und Claudia Probst (Russmedia).
(v.l.) Harald Giesinger (Dornbirner Sparkasse) und Thomas Krutzler (People‘s).
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
10 36. Vorarlberger Wirtschaftsforum UMFRAGE Wie hat Ihnen
der Vortrag gefallen? Ich habe die Aussagen von Joschka Fischer als sehr motivierend empfunden. Er hat die Politik nicht schlechtgeredet, sondern betont, dass Politik und Wirtschaft eben zusammenarbeiten mĂźssen. Ohne das wird es nicht gehen. Interessant war fĂźr mich, dass Fischer eine Lanze fĂźr Regulatorien bricht. Das hĂśrt man eher selten. Auch sein Appell, endlich weg vom Papier und ins Tun zu kommen, hat mich beeindruckt, weil es einfach stimmt. Packen wir es also an. Havva Dogan, Wirtschaftskammer Mir hat an diesem Vortrag gefallen, dass Fischer ganz generell davon gesprochen hat, dass Europa zusammenstehen muss, dass es dafĂźr noch nicht zu spät ist, und dass die Wirtschaft nicht unter der Klimakrise leiden wird. Im Gegenteil. Er sieht sie als Chance fĂźr die Wirtschaft, weil aus einer Krise immer auch Innovationen geboren werden. Ich fand es gut, dass er dieses doch einigermaĂ&#x;en heikle und sensible Thema so positiv besetzt hat. Verena Lässer-Kemple, Ă–koproďŹ t-Koordinatorin Es haben sich von Joschka Fischer vermutlich viele etwas konservativere Aussagen erwartet. Dass nicht die klassischen politischen Reden gekommen sind, war fĂźr meinen Geschmack erfreulich. Er hat recht, Europa muss auf sich schauen, um nicht zwischen den groĂ&#x;en Mächten China und Amerika zerdrĂźckt zu werden Das ist uns zwar allen bewusst, aber es ist wichtig, dass man das immer wieder einmal gesagt bekommt. Fischer hat das sehr treend formuliert. Stephan Ratt, Ratt Pack
„Regulierung ist ein Vorteil“ Europa mĂźsse seine digitale Souveränität erlangen, fordert Joschka Fischer. Daten werden längst nicht mehr ausschlieĂ&#x;lich auf dem privaten PC zu Hause oder im BĂźro gespeichert. GroĂ&#x;e Unternehmen bauen auf sogenannte Clouds. Speziell Daten, die online zirkulieren, finden sich dort. Clouds sind riesige Serverfarmen, die zum Beispiel von Amazon oder Google betrieben werden und Platz fĂźr Informationen aus der ganzen Welt bieten. GroĂ&#x;es Manko: Die riesigen Cloudspeicher mit den Daten von Millionen Europäern stehen nicht in Europa. Der ehemalige deutsche Vizekanzler und AuĂ&#x;enminister Joschka Fischer fordert: „Europa braucht eine eigene Cloud!“ Das ist nur ein Beispiel fĂźr die digitale Bedeutungslosigkeit. „Fakt ist, dass die Europäer digital keine groĂ&#x;e Rolle spielen. Es ist aber fĂźr die Zukunft unserer Wirtschaft und des Sozialstaates von Ăźberragender Bedeutung, dass wir nicht dauerhaft abgehängt werden“, fährt Fischer fort.
BREGENZ
Die Souveränität Europas Eine Cloud sei eine Frage der digitalen Souveränität: „Wem gehĂśren die Daten, die Europa produziert? Wo kommen sie hin?“ Im Moment befänden sie sich in den Händen der USA und Chinas, also unter fremder Souveränität. „Wir mĂźssen selbst digitale Kompetenzen aufbauen, und das geht nur gemeinsam als Europa“, fordert der ehemalige
Vizekanzler und ergänzt: „Das wird nicht billig.“ Regulierungen sind fĂźr Joschka Fischer kein Ăœbel. „Ich halte sie fĂźr dringend notwendig. Eine kluge Regulierung ist ein Vorteil, das haben wir bei der Datenschutzgrundverordnung gesehen“, erklärt er. Es brauche weitere Regeln fĂźr den Datenschutz: „Da geht es um die Grundsatzfrage der individuellen Freiheit. Wenn wir sie behalten wollen, muss der Einzelne seine personenbezogenen Daten kontrollieren kĂśnnen.“ Dasselbe gelte fĂźr kollektive Daten. „Wir mĂźssen Marktbedingungen in Europa regulieren, damit sie fĂźr alle gleich sind. Aber wir sollten uns nicht fremder Souveränität unterstellen.
„Nicht klimaneutral“ Sollte Europa eine digitale Kompetenz aufbauen, dĂźrfte der Klimaschutz nicht vergessen werden: „Digitalisierung ist nicht klimaneutral. Andererseits ist eine Vielzahl von Daten notwendig, um effizienteren Klimaschutz zu betreiben.“ Der Klimaschutz sei einer der wenigen Sektoren, in dem sich Europa noch an der Spitze befinde. „Man muss die Themen verschränken, also den CO2-FuĂ&#x;abdruck der digitalen Wirtschaft reduzieren.“ Der Sozialstaat sei deshalb gefährdet, weil er sich aus Steuern und Sozialabgaben finanziert.
Der ehemalige deutsche Vizekanzler warnt: „Fakt ist, dass die Europäer digital keine groĂ&#x;e Rolle spielen. Wir dĂźrfen aber nicht dauerhaft abgehängt werden.“
Joschka Fischer warnt im Gespräch mit den VN: „Wenn wir die Arbeitsplätze nicht erhalten kĂśnnen, weil unsere Volkswirtschaften nicht in der Spitzengruppe bleiben, werden wir auch mit dem Sozialstaat Probleme bekommen.“ Ein UnternehZUR PERSON JOSCHKA FISCHER ehemaliger deutscher Vizekanzler und AuĂ&#x;enminister einer rot-grĂźnen Regierung. GEBOREN 12. April 1948 POLITISCHE LAUFBAHN Hessischer Umweltminister 1985 bis 1987 und 1991 bis 1994. Danach Sprecher der grĂźnen Bundestagsfraktion, von 1998 bis 2005 Vizekanzler unter Gerhard SchrĂśder. DANACH Unter anderem Lobbyist fĂźr Siemens, BMW, Rewe, RWE, OMV (Nabucco-Pipeline) und den HanfProduzenten Tilray.
men, das in Europa die Rolle von Amazon oder Google Ăźbernehmen kĂśnnte, sieht er derzeit nicht. „Das wird ohne industriepolitisches Engagement der europäischen Staaten nicht gehen“, ist Fischer Ăźberzeugt. Joschka Fischer war von 1998 bis 2005 deutscher Vizekanzler in einer rot-grĂźnen Koalition in Berlin. 14 Jahre später stehen die Ăśsterreichischen GrĂźnen kurz davor, in einer Regierung zu landen. Was er davon hält? Vergleichen mĂśchte Fischer die deutschen und Ăśsterreichischen GrĂźnen nicht, die Parteien wĂźrden sich unterscheiden, betont er. Allerdings wĂźnscht er seinen Parteifreunden viel GlĂźck: „Ich finde es gut, dass verhandelt wird, und wĂźnsche beiden Seiten die Kraft, um notwendige Kompromisse zu erreichen. Schwarz-GrĂźn ist eine groĂ&#x;e Chance fĂźr dieses Land.“
Ab S .Gal =-Al e=r = s7 ne & ko ">r 8 el 9h W e & zu C = s7 Ün en S BänCe=. w ;.pe> As.at
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
11
Zeit als kompetitiver Faktor
UMFRAGE Wie hat Ihnen
der Vortrag gefallen? Der Vortrag hat mir insgesamt sehr gut gefallen, auch weil es Sabine Herlitschka vermieden hat, die Werbetrommel für ihre Firma zu rühren. Dafür zeigte sie eindrucksvoll auf, wo tatsächlich Handlungsbedarf bei der Digitalisierung besteht. Ich denke, es gibt im Land genug Leitbertriebe, die die von ihr genannten Anforderungen stemmen können. Sie hat auch mit der Einschätzung recht, dass die Zeit drängt. Ich glaube, wir hinken schon hinten nach. Wilhelm Muzyczyn, Kongresskultur Bregenz Es war für mich höchst interessant, einmal die Sichtweise eines so großen Unternehmens zu diesen Dingen zu hören. Meiner Einschätzung nach ist das Unternehmen schon jetzt dort, wo viele Betriebe erst noch hin müssen. Die Firma stellt meiner Einschätzung nach eigentlich ein Idealbild dar, an dem sich andere orientieren können. Für mich spannend waren auch die Perspektiven der Managerin. Manager und Managerinnen haben ja verschiedene Zugänge zu Themen. Christian Sparl, cyminds GmbH Wir haben mit Sabine Herlitschka eine sehr kompetente Frau gehört. Sie hat außerdem sehr eindrücklich und deutlich aufgezeigt, wie die Digitalisierung unsere Gesellschaft verändert und noch verändern wird. Besonders die Botschaft ‚der Wandel ist so schnell wie nie und wird nie wieder so langsam sein‘ sollte uns wirklich alle aufrütteln. Jede Branche ist meiner Ansicht nach gefordert, nicht nur ihre Strukturen, sondern auch die Geschäftsmodelle ständig zu hinterfragen. Martin Dechant, ikp
Der Wandel war noch nie so schnell, sagt Infineon-Chefin Sabine Herlitschka. Sabine Herlitschka ist eine der wenigen Frauen, die in der Industrie ganz vorne an der Spitze reüssieren. Stets den Blick nach vorne zu richten, ist dabei eine ihrer wichtigsten Fähigkeiten. Denn als Vorstandsvorsitzende des Chipherstellers Infineon Technologies Austria weiß sie nur zu gut, welche Veränderungen der Wirtschaft bevorstehen. Dabei dreht sich alles um das große Thema Digitalisierung. „Der Wandel war noch nie so schnell und wird nie wieder so langsam sein“, ist Sabine Herlitschka überzeugt. Im Infineon-Headquarter in Villach werden unter anderem Mikrofone aus Silikon entwickelt. „Damit sind wir in jedem dritten Smartphone weltweit zu finden. Wir verbinden die reale mit der digitalen Welt“, fasst Herlitschka zusammen. In den Ausbau des Standorts Villach wird nun die stolze Summe von 1,6 Milliarden Euro investiert. „Das ist viel Geld und eine der größten Investitionen in Österreich der letzten Jahrzehnte. Aber es ist auch ein strategisches Statement. Wir setzen auf Österreich und Europa.“ Es liege auch an den Unternehmen, dass speziell Regionen attraktive Wirtschaftsund Lebensräume für die Menschen sind. „Regionen müssen Lebensräume und Lebensläufe ermöglichen“, sagt Sabine Herlitschka.
höhere Effizienz, geringere Preise und eine höhere Verfügbarkeit gewährleisten.
BREGENZ
4500 Arbeitsplätze Infineon Technologies beschäftigt in Österreich 4500 Mitarbeiter, davon allein 1800 in der Forschung und Entwicklung. Am Standort gibt es aber nicht nur hochwertige Arbeitsplätze, sondern für die Kinder der Mitarbeiter auch einen internationalen Kindergarten sowie eine internationale Schule. „Denn Bildung ist letztlich die Basis für alles“, ist die Vorstandschefin überzeugt. Die Digitalisierung bringe Europa auch
Reale und digitale Welt Die Digitalisierung komme also nicht nur mit einer exponentiellen Geschwindigkeit daher. Daraus könne auch viel Kraft entstehen, ist die Vorstandsvorsitzende überzeugt. Dafür müsse man aber Veränderung zulassen. „Wer langsam ist, wird verändert. Unser Anspruch ist aber, uns selbst zu verändern. Infineon ist das forschungsstärkste Unternehmen in Österreich“, sagt Herlitschka. Eine Veränderung wird es auch bei den Arbeitsplätzen geben. „Es werden neue Jobprofile wie beispielsweise Robotertrainer entstehen. Deshalb haben wir hier eine große Notwendigkeit, diese entsprechend zu gestalten.“
Sabine Herlitschka steht an der Spitze von Infineon Technologies Austria.
deshalb die große Chance, weil es dabei um Wissen und Know-how gehe. „So können wir uns aus dem Wettbewerb um die billigsten Arbeitskosten lösen.“ Dank der Digitalsieriung könne man eine ZUR PERSON SABINE HERLITSCHKA Vorstandsvorsitzende Infineon Technologies Austria AUSBILDUNG Doktorat in Lebensmittel- & Biotechnologie, MBA LAUFBAHN Leitung der Europ./Internat. Programme der Österr. Forschungsförderungsgesellschaft, seit 2011 im Infineon-Vorstand, seit 2014 Vorstandsvorsitzende
Auf unsere Interessen schauen Generell gehe es darum, Antworten auf die großen gesellschaftlichen Fragestellungen wie Energieeffizienz oder Sicherheit zu finden. „Als Infineon müssen wir technologische Antworten anbieten können.“ Herlitschka verweist dabei auch auf die USA und China, die derzeit sehr viel mehr Geld in Schlüsseltechnologien investieren als Europa. „Wir in Europa schreiben gute Strategiepapiere, müssen sie aber rascher umsetzen. Freier Handel ist wichtig, aber wir müssen auch auf unsere Interessen schauen. Dabei ist Zeit ein wesentlicher kompetitiver Faktor.“ Die Managerin sieht Infineon gut gerüstet. Dennoch brauche es angesichts des herausfordernden Marktumfelds immer mehrere Pläne. „Als Mikroelektronikhersteller spüren wir Veränderungen immer früher. Agilität ist zwar ein Unwort, aber letztlich bedeutet es, beweglich auf verschiedene Situationen reagieren zu können.“
FÖRDERPROJEKT: 11ER FRASTANZ Das Land Vorarlberg unterstützt in der Förderperiode 2014 – 2020 gemeinsam mit der EU und dem Bund betriebliche Investitionen in erneuerbare Energien.
Fotos: 11er GmbH | Entgeltliche Einschaltung des Landes Vorarlberg
Diese Projekte leisten einen Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz und des Anteils an erneuerbaren Energieträgern in Unternehmen zur Erreichung der Klima- und Energieziele am Wirtschaftsstandort Vorarlberg. Gefördert werden betriebliche Umweltinvestitionen wie der Einsatz einer Kraft-Wärme-Kopplung und die Nutzung der Abwärme der Kälteanlage bei der Firma 11er Nahrungsmittel GmbH in Frastanz. Informieren Sie sich auf unserer Homepage über Ihre Fördermöglichkeiten oder fordern Sie unsere kostenlose Broschüre an. +43 5574 511 26105 | www.vorarlberg.at/wirtschaft-europa | www.efre.gv.at
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
12 36. Vorarlberger Wirtschaftsforum UMFRAGE Wie hat Ihnen
der Vortrag gefallen? Es war sowohl rhetorisch als auch inhaltlich ein wirklich hervorragendes Referat, auch wenn es aus persönlicher Sicht nicht unbedingt mein Hauptthema darstellte. Als äußerst interessant habe ich aber die Präsentation der globalen Zusammenhänge empfunden. Auch die Zahlen, die Hans Joachim Reinke zu China, Amerika und Japan präsentierte, waren extrem spannend und beeindruckend. Ich hätte vor allem Japan nicht so stark eingeschätzt, muss ich sagen. Andrea Kaufmann, Bürgermeisterin Dornbirn Ein bisschen habe ich mich wie in einer Werbeveranstaltung gefühlt, trotzdem muss ich lobend anmerken, dass der Vortrag sehr gut und pointiert gemacht war. Der Referent hat es geschafft, die Fakten auf den Punkt zu bringen und wichtige Dinge zusammenzufassen, sodass sie übersichtlich wurden. Als Finanzchef von Blum beschäftige ich mich ja permanent mit diesen Themen. Aufgrund der klaren Darstellung konnte man gut für sich selbst Fakten herausholen. Gerhard Humpeler, Firma Blum Es wäre meines Erachtens schön gewesen, wenn man mehr branchenübergreifende Informationen bekommen hätte. Stattdessen gab es eigentlich fast nur unternehmens- und produktbezogene Botschaften zu hören. Man muss dem Referenten allerdings zugute halten, dass er sehr versiert aufgetreten ist und ebenso gesprochen hat. Zudem ist es ihm gelungen, das an sich trockene Finanzthema leicht verständlich aufzubereiten und kurzweilig vorzutragen. Tina Blaser, Wirtschaftsstandort Vorarlberg
Nachhaltigkeit kein Modetrend Hans Joachim Reinke (Union Investment) sieht ein breiteres Interesse der Kunden. BREGENZ Hans Joachim Reinke hat geradezu beispielhaft Karriere gemacht. Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und dem Diplom als Bankbetriebswirt arbeitete er zunächst bei der Volksbank Wachtberg als Leiter der Vermögensberatung bevor er 1991 zu Union Investment wechselte. Dort ist er seit 2004 Vorstandsmitglied und seit 2010 Vorstandsvorsitzender der gesamten Gruppe, die heute rund 350 Milliarden Euro an Kundenvermögen betreut - ein neuer Höchststand in der Geschichte der Fondsgesellschaft. Ein schöner Erfolg für Reinke, der im Haus auf nun 28 Dienstjahre zurückblickt. Darunter waren auch einmal schwierige Zeiten. Einer der schwärzesten Tage für den bekennenden Fußballfan waren dabei jene im vierten Quartal 2008. „In vier Wochen haben wir rund 30 Milliarden an Kundengeldern verloren. Kunden haben uns aufgrund der Finanzkrise das Vertrauen entzogen.“ Davon hat sich die Union Investment sehr gut erholt. Allerdings stehe die Branche vor großen Veränderungen.
Zinseszinseffekt ist tot „Die Vermögensverwaltungsbranche steht an einer Weggabelung. Die Herausforderungen werden größer. Die Volatilität ebenfalls. Deutschland hat eine reiche Bevöl-
kerung, aber der Zinseszinseffekt ist tot und auf Bundesanleihen gibt es kaum Rendite“, sagt Reinke. Die privaten Haushalte hätten also in den vergangenen Jahren massive Zinseinbußen zu verkraften gehabt. Und das werde auch so bleiben. Denn die Niedrigzinsphase sieht Reinke nicht als rein temporäres Erlebnis. Zudem bringe die Geopolitik völlig neue Faktoren mit sich. „Die USA ist im elften Wachstumsjahr. Aber das aktuelle Störfeuer der Geopolitik, der Handelsstreit mit China, könnte das beenden“, ist Reinke überzeugt. Eine Rezession sehe er aber nicht. Auch Deutschland sei im dritten Quartal mit einem Wachstum von 0,1 Prozent einer Rezession entgangen, gestützt vor allem durch den starken Konsum der privaten Haushalte.
Kein Land der Aktionäre Wie macht man nun aber die Menschen zu Aktienfans? Denn weder Österreich noch Deutschland gelten als Land der Aktionäre. Aber der jetzigen Situation, wo es keine Zinsen mehr auf klassische Sparprodukte gibt, ändere sich das. Anleger würden sich mehr Gedanken dazu machen. „Wir merken das nicht an den Einmaleinlagen, sondern an den Fondssparplänen mit monatlichen Beträgen. In Deutschland haben wir dadurch 288.000, in Österreich 18.000 neue Kunden
Hans Joachim Reinke ist Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Die Fondsgesellschaft verwaltet 350 Milliarden Euro an Kundenvermögen.
gewonnen“, betont Reinke. Diese Kunden seien im Schnitt zehn Jahre jünger und seien zu 95 Prozent in Aktien oder Mischfonds investiert. „Es gelingt uns also schrittweise. Beim Thema Nachhaltigkeitsfonds sei Österreich indes Vorreiter. „Hier ist es bei privaten Anlegern schon länger ein Thema. In Deutschland eigentlich erst seit 2019. Zuvor lag das Thema hauptZUR PERSON HANS JOACHIM REINKE Vorstandsvorsitzender Union Asset Management Holding AG AUSBILDUNG zum Bankkaufmann, Diplom als Bankbetriebswirt LAUFBAHN Volksbank Wachtberg (Leitung Vermögensberatung sowie Passivgeschäft), seit 1991 bei Union Investment, ab 2004 Vorstandsmitglied, seit 2010 Vorstandsvorsitzender
sächlich bei institutionellen Investoren.“ Heute seien von den 350 Milliarden an Kundenvermögen bereits 50 Milliarden in nachhaltigen Anlageprodukten. „Nachhaltigkeit ist kein Modetrend“, verdeutlicht Reinke. Denn Anleger hätten dadurch zwei Vorteile. Eine entsprechende Rendite und weniger Risiko.
Kriterien fehlen Allerdings würden einheitliche Kriterien fehlen, inwieweit ein Unternehmen der Nachhaltigkeit Rechnung trägt. „Aber das wird kommen“, ist Reinke überzeugt. Genauso würden Aktionäre - wie in anderen Ländern bereits üblich - eine aktivere Rolle einnehmen. Union Investment tut das bereits. Jährlich werden Gespräche mit 1000 Unternehmern geführt.
btv.at
Vier Länder eine Kraft Eine Bank für die Zukunft: grenzüberschreitend aktiv. Überregional denken, regional handeln: Wir bewegen uns in einem starken Wirtschaftsraum voller Möglichkeiten. Mit der Kompetenz fürs große Ganze, aber auch für die kleinsten Details. Vier Länder, eine Bank.
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
13
Ein reflektierter Risikotyp
UMFRAGE Wie hat Ihnen
der Vortrag gefallen? Didier Cuche ist für mich persönlich ein großes Vorbild, und zwar in allen Lebenslagen und natürlich besonders, was seinen Bezug zu einem Vorarlberger Produkt angeht. Schön war außerdem zu hören, wie er es mit seinem Sohn hält. Nur weil er mit einem großen Namen ausgestattet ist, muss er nicht gleich in diese Fußstapfen treten. Solche Dinge müssen sich ergeben, die lassen sich nicht erzwingen. Das gilt vielfach im Geschäftsleben auch. Walter Deuring, Deurowood Holding Aus dem Gespräch von Didier Cuche habe ich mitgenommen, dass ein Rucksack von Erfahrungen sehr wertvoll ist und mit Druck eigentlich kaum etwas geht. Verbissen nach Erfolg zu streben, ist nicht das Richtige. Das gilt auch in der Wirtschaft. Ebenso wichtig ist Humor. Cuche musste ja ebenfalls die Erfahrung machen, dass es für ihn im Skirennsport erst lief, als er nicht mehr unter Druck gestanden hat. Man muss natürlich immer auch an sich glauben. Josef Summer, Hirschmann Automotive Offen gestanden habe ich mir von Didier Cuche mehr erwartet, vor allem mehr Inputs für die Wirtschaft. Was ich aus seinen Ausführungen mitgenommen habe, ist die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung. Das gilt auch für Projekte. Es geht darum, das richtige Material auszusuchen, um gerüstet an den Start gehen zu können, denn wenn man erst einmal dort steht, geht es nicht mehr nach rechts oder links, sondern nur noch vorwärts, also Augen zu und durch. Mathias Bösch, Vorarlberger Landes Versicherung
Didier Cuche, Rekordsieger auf der Streif, trifft auch abseits von Skipisten die beste Linie. zerheide kennen. Sie war damals als Ärztin tätig. Die beiden haben zwei Kinder: Noé (3) und Amelie (1).
Keiner hat so oft das spektakulärste Skirennen der Welt gewonnen wie er. Didier Cuche, die Schweizer Skilegende raste auf der berühmt-berüchtigten Kitzbühler Streif fünf Mal zum Sieg. Schon sieben Jahre ist es seit seinem letzten Triumph her. Doch wenn man den 45-Jährigen über die Zeit seiner Karriere erzählen hört, könnte man glauben, es war gestern. BREGENZ
Streif-Legende Didier Cuche lebte viele Jahre mit und vom Risiko. Die Zugänge dazu veränderten sich im Laufe seiner unnachahmlichen Karriere. „Als junger Läufer nahm ich zu viel Risiko. Das mündete dann leider in kapitalen Stürzen und in schweren Verletzungen. Danach folgte eine Phase, in der ich aufgrund dieser Erfahrungen etwas zu vorsichtig wurde.“ Erst im reiferen Alter fand der Wirtesohn die richtige Mischung zwischen Risiko und Vorsicht. Es war die Zeit, als der robuste Schweizer Rennen gewann und zu einem der ganz Großen im Skiweltcup aufstieg. Zur Legende haben ihn seine fünf Triumphe auf der Streif gemacht. Das eidgenössische Kraftpaket schaffte es im Skimekka zu außergewöhnlicher Beliebtheit. Und das als der Schweizer, der die Österreicher dort am Siegen hinderte. Gerade die Streif hat ihn den richtigen Umgang mit Risiko gelehrt. „Ich habe natürlich viele schreckliche Stürze dort wahrgenommen. Und ich habe sie zur Analyse genutzt. Wenn ich Fahrfehler entdeckte, so hat mich das nicht nur beruhigt, sondern mir weiter geholfen.“ Didier Cuche ist dem kalkulierten Risiko treu geblieben. „Wer nichts riskiert, gewinnt nichts. Natürlich gehe ich gelegentlich auch heute noch Risiken ein. Aber vieles im meinem jetzigen Leben passiert auch ohne Risiko.“ Dazu gehört die
Didier Cuche ist eine Legende im alpinen Skirennsport.
Zeit, die er mit seiner Familie und den zwei Kindern verbringt. Seine Frau Manuela hat er trotzdem noch seiner Skifahrerkarriere zu verdanken. Er lernte sie beim Weltcupfinale 2012 in der LenZUR PERSON DIDIER CUCHE ist mit 21 Weltcupsiegen und einem WM-Titel einer der erfolgreichsten Schweizer Skirennfahrer GEBOREN 16. August 1974 BERUF Unternehmer WOHNHAFT Les Bugnenets FAMILIE verheiratet, zwei Kinder LIEBLINGSSPEISE Fleischgerichte
Beliebt bei Head Der Entschluss zum Rücktritt kam für den Schweizer Speedspezialisten als plötzliche Eingebung. Es passierte am Lauberhorn in Wengen. „Da war ich sehr enttäuscht von meinem 15. Platz. Ich habe aus der Distanz schließlich den ganzen Trubel beobachtet und spürte auf einmal: Jetzt musst du aufhören.“ Bereits am Mittwoch darauf, wenige Tage vor dem Rennen auf der Streif, verkündete der unverwüstliche Schweizer, dessen Ski-Umherwirbeln im Ziel ebenfalls legendär wurde, den Rücktritt. Seinen fünften Triumph auf der schwierigsten Abfahrt der Welt am darauffolgenden Samstag ließ er sich dennoch nicht nehmen. Unvergessen bleibt der gelernte Metzger auch bei seiner Skifirma Head. Er war bei den Mitarbeitern dort äußerst beliebt. Sie schätzten seine angenehme und kooperative Art. Der Vorarlberger Skiproduzent war es andererseits aber auch, der ihm in den letzten Jahren seiner Karriere das ideale Material für seinen größten Erfolge zur Verfügung stellte. Didier Cuche und Head das passte einfach. „Ich habe noch heute Kontakt mit Head und Rainer Salzgeber. Wenn ich was brauche, melde ich mich dort immer gerne.“ Didier Cuche pflegt berufliche Partnerschaften mit einer Reihe von Firmen. Als Markenbotschafter ist für ihn der Winter die Hauptsaison geblieben. Mit dem kleinen, aber feinen und für Cuche sehr angenehmen Unterschied: „Ich muss nicht mehr Hunderte Stunden hartes Training absolvieren, um in den Winter zu ziehen.“ Nein, er kann seit sieben Jahren die Sommer genießen.
Am Garnmarkt, Götzis
KOMPETENZ IN DER QUARTIERS- UND STADTENTWICKLUNG #zukunftorten
Die PRISMA Unternehmensgruppe setzt vielfältige Initiativen und liefert nachhaltige Impulse für Lebens-, Begegnungs- und Arbeitsräume der Zukunft. Die Einbeziehung sozialer Aspekte, die Integration kultureller und traditioneller Werte und die Erfahrungen aus über 60 Standortentwicklungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz führen laufend zu inhaltlichen, baulichen und organisatorischen Innovationen. prisma-zentrum.com/quartiersentwicklung
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
14 36. Vorarlberger Wirtschaftsforum
Von Ziegen und Antilopen
UMFRAGE Wie hat Ihnen
der Vortrag gefallen? Ich muss sagen, der Vortrag von Alexander Graf war super, er hat mir mit seinen Ausführungen extrem gut gefallen. Er hat einen radikalen und vollkommenen Ansatz vertreten und die Dinge klar angesprochen. Das ist notwendig. Auch die derzeitige Situation, in der der Handel steckt, hat er nicht verharmlost. Es ist, so meine ich jedenfalls, gerade in diesem Bereich äußerst wichtig, dass die Fakten ungeschminkt und deutlich auf den Tisch kommen. Stefan Wehinger, Enercret GmbH Ich habe den Vortrag als hochinteressant erlebt, allerdings glaube ich persönlich nicht daran, dass es die kleinen Geschäfte irgendwann nicht mehr geben wird. Zumindest kann ich mir das heute noch nicht vorstellen. Diese Möglichkeit des Einkaufens muss immer vorhanden sein, weil nicht alle Menschen digitalisiert sind. Natürlich werden es weniger Geschäfte sein, aber ganz von der Bildfläche können sie nicht verschwinden. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Eva Helbok, Helbok GmbH Der Vortrag hat mir sehr gut gefallen, weil er sehr massiv und in der ganzen Dramatik aufgezeigt hat, in welcher Situation sich der Handel momentan befindet. Natürlich wird sich der Umbruch nicht mehr verhindern lassen, aber die Worte von Alexander Graf haben mir persönlich bewusst gemacht, dass man auch selbst reagieren muss. Es gilt, Dinge stärker und öfter zu überdenken und, wenn nötig, viel schneller ins Agieren bzw. ins Umsetzen zu kommen. Elmar Hartmann, Gantner Electronic
Alexander Graf weiß, wie die Digitalisierung traditionelle Geschäftsmodelle verändert. Blickt man auf die ECommerce-Landschaft gibt es wohl kaum einen besseren Experten als Alexander Graf. Der Berliner spürt immer wieder neue Entwicklungen auf – und hat die spannendsten davon auf das 36. Wirtschaftsforum mitgebracht. Dort sorgte er vor allem mit einer These für Aufsehen bei den Teilnehmern: „Abgesehen von romantischen Vorstellungen von Innenstadt dürfte es für Kunden wenig Gründe geben, in ein Geschäft zu fahren, wenn ich das Produkt online haben und es innerhalb von Stunden zu mir nach Hause liefern lassen kann. Und das kostenfrei mit vollem Rückgaberecht“, sagt Graf. Für ihn sei das aber gar nicht unbedingt etwas Schlechtes: „Denn das kann eine Innenstadt sogar aufwerten, beispielsweise wenn dadurch mehr Kindergärten oder mehr Cafés entstehen.“ Die Frage für Graf ist, welche Rollen sich für Ladengeschäfte neben den großen Showrooms bieten. Aus Sicht des Experten muss dafür die Strategie „Machen“ heißen. „Ladengeschäfte müssen anders sein, um nicht zu Abholstationen zu verkommen.“ Kleine Läden müssen sich die Frage stellen, welches Alleinstellungsmerkmal sie bieten können: „Verdiene ich mit dem Verkauf vielleicht nicht mehr so viel und setze dafür eher auf Beratung?“ Als ein solches mehrwertstiftendes
BREGENZ
Beispiel in Vorarlberg nennt Graf im VN-Interview etwa das Modehaus Sagmeister: „Das ist ein Modell, bei dem man hochwertige Ware mit einem hohen Beratungsanteil bekommt. Diese können funktionieren, sofern die Verkäufer in der Lage sind, eine persönliche Kundenbeziehung aufzubauen.“ Bisher seien Ladengeschäfte Gestalter des Angebots, der Inspiration und des Umsatzes gewesen. Diese Dinge würden große Player wie Amazon oder Zalando in der heutigen Zeit bereits abbilden können. „Onlinehändler betrachten ihre Ladengeschäfte heute als reine Marketingmaßnahme, nicht mehr als Baustein für mehr Umsatz.“
Mut für Neues Wird es in Zukunft online nur noch große Player wie Amazon oder Zalando geben? „Auch Amazon muss sich permanent neu erfinden, damit sie nicht von noch größeren chinesischen Tech-Riesen wie Alibaba oder Tencent aufgefressen werden“, betont Graf. Im E-Commerce sind Unternehmen laut Graf entweder als großer Marktplatz oder als Nischenspezialist erfolgreich. Klassische Transformation, um traditionelle Unternehmen über alle Wertschöpfungsstufen hinweg ins digitale Zeitalter zu führen, sei durch die Marktrealität unmöglich geworden. „Man kann gar nicht so
Im E-Commerce können Unternehmen laut Alexander Graf derzeit entweder als großer Marktplatz oder als Nischen-Spezialist erfolgreich sein.
schnell transformieren, wie sich der Markt verändert. Das ist meist eine teure Illusion“, sagt Graf. Dafür hat er eine spannende Metapher gefunden: Eine Ziege, die zwar zuverlässig Milch gibt und ganz passables Fleisch hat, solle – so der Irrglaube – durch allerlei Maßnahmen in eine ZUR PERSON ALEXANDER GRAF ist E-Commerce-Experte und hat in diesem Feld unter anderem den Verlag Gruner + Jahr und die Otto Group beraten. GEBOREN 1980 AUSBILDUNG Studium der Betriebswirtschaft und Informatik mit Schwerpunkt Innovation und Marketing in Kiel und Madrid. LAUFBAHN Gründer und CEO von Spryker-Systems sowie Herausgeber des renommierten Blogs Kassenzone. Autor des „Das E-Commerce Buch“.
agile Antilope verwandelt werden. „Seit ich Unternehmen bei solchen Transformationsversuchen beobachten konnte, hat das nicht funktioniert. Das Einzige, was man so zustande gebracht hat, sind kluge Ziegen.“ Die kluge Ziege weiß zwar, was die Antilope kann und investiert viel, um das nachzuahmen, aber schneller rennen kann sie deswegen nicht. „Die Herausforderung liegt nicht darin, um jeden Preis die Antilope zu sein. Nachzuahmen reicht nicht. Es muss darum gehen, neue Projekte zu starten und dann kleine Antilopen zu züchten. Man muss erkennen, wann und wo es klüger ist, eine Antilope zu sein und wann man die Ziege einfach Ziege sein lassen sollte“, sagt der Experte. Vollkommen nutzlos sei es allerdings, viele schlaue Ziegen zu schaffen.
Guter Start in d en Tag
Die Vorarlberger Landeskrankenhäuser stehen für: • 4.700 MitarbeiterInnen • 91.000 stationäre PatientInnen • 445.000 ambulante Frequenzen pro Jahr Unsere Spitäler sind Orte, an denen Hilfe im Mittelpunkt steht. Wir bedanken uns für das Vertrauen und verpflichten uns auch weiterhin einer hochqualitativen Gesundheitsversorgung in Vorarlberg.
www.landeskrankenhaus.at
bäckerei-mangold.at
Die Gesundheit ist unser ureigenster Unternehmensauftrag für unsere PatientInnen und für unsere MitarbeiterInnen.
@ baeckereimangold
Man sollte die Tagung mit dem richtigen Gebäck beginnen.
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
15
Kein Stau am Himmel
UMFRAGE Wie hat Ihnen
der Vortrag gefallen? Es ist sehr interessant zu sehen, wie sich der Bereich der Mobilität und der Fortbewegung insgesamt entwickelt. Es gibt auch in Vorarlberg bereits interessante Konzepte dazu, etwa was die Bahn betrifft. Die Umsetzung beispielsweise von Flugtaxis halte ich für durchaus realistisch. Der Zeitraum, bis wann solche Entwicklungen marktreif sind, ist allerdings schwer abzuschätzen. Es wird sehr stark darauf ankommen, wie schnell die Erlaubnis zu haben ist. Lukas Mayer, Mayer Personalmanagement Mobilität ist ein Thema, das uns alle beschäftigt. Für die Wirtschaft ist Mobilität zudem ein Kostenfaktor. Tatächlich gibt es mehr Transportwege als nur die Straßen. Von daher ist das Lufttaxi der richtige Ansatz. Das Projekt steht und fällt damit, wie schnell es gelingt, Regulative zu schaffen, um diese Möglichkeiten nutzen zu können. Eine andere Frage ist, wer auf diese Regulative einwirkt, die Automobilindustrie ist am Thema wohl nicht interessiert. Manuel Gohm, TransGourmet Der Vortrag war wirklich sehr gut gemacht. Der Ansatz, den der Referent eingebracht hat, ist innovativ, und irgendwann wird diese Art der Fortbewegung sicher Realität. Die Frage wird dann sein, was es kostet und welche Regeln es dafür gibt. Besonders in großen Städten und Ballungszentren wird diese Form der Mobilität sicher eine immer größere Rolle spielen. Noch ist das aber weit weg. Bei uns kommt man glücklicherweise relativ rasch überall hin, zumindest vorerst noch. Robert Winder, Winder Fliesen
Autonome Flugtaxis werden kommen. Für Andreas Perotti (34) steht das außer Frage. Wenn wieder einmal gar nichts mehr geht auf den Straßen, dann darf man ja zumindest davon träumen: Einfach abheben und auf direktem Weg zum Ziel fliegen. Geht ja in Science-Fiction Filmen längst. Und nicht nur dort. Auch in China fliegen erste Drohnen mit Passagieren an Bord. Sie entstammen einer Kooperation des Oberösterreichischen Luftfahrtzulieferers FACC und dem chinesischen Startup EHang, Spezialist für künstliche Intelligenz und allem, was es an Software für selbstfliegende Drohnen so braucht. Andreas Perotti (34) ist Marketingleiter des Innviertler Betriebs mit 3400 Mitarbeitern weltweit. Auf die Bühne des Wirtschaftsforums hat er das autonome Lufttaxi „EHang 216“ mitgebracht. 16 kleine Rotoren, angetrieben von 16 Elektromotoren und 16 unabhängig arbeitenden Batterien: 380 Kilogramm wiegt die Riesendrohne, kann zwei Passagiere und deren Gepäck transportieren und wird bereits in ein paar Wochen in Serie produziert. Mit 300.000 Euro ist sie noch nicht einmal spektakulär teuer, soll mit der Produktion in größeren Stückzahlen noch erschwinglicher werden und die Mobilität revolutionieren. „Es ist keine Frage, dass autonome Flugtaxis kommen werden, es nur die Frage, wann das der Fall sein wird“, so Perotti im Gespräch mit den VN. Beim Zeitpunkt werde es regionale Unterschiede geben. In asiatischen Ländern steht die Zukunft vor der Tür. Die westlichen Länder werden mit einiger Verzögerung folgen. Technologisch sei alles geklärt. „Die autonomen Flugtaxis sind einsatzbereit.“ Offen ist, wie rasch die regulatorischen Hürden genommen werden können. „Sicherheit steht an oberster Stelle.“ Es brauche eine gute und strenge Regulierung, sagt Perotti. Allerdings dürfe keine Zeit verschwendet werden. Ein Milliardenmarkt könnte für Europa ver-
österreich“ bereits absolviert. Und das ohne jegliche unerwarteten Vorkommnissen, wie Perotti versichert. Allerdings warte schon noch Arbeit auf die Verantwortlichen. Regulatorisch stelle die Einbindung in die klassische Luftfahrt die größte Herausforderung dar.
BREGENZ
Über den Wolken: Andreas Perotti ist vom Durchbruch der Flugtaxis überzeugt.
loren gehen, so der Appell des Marketingchefs von FACC. 7000 Flugstunden, 2000 davon mit Passagieren, hat das autonome Flugtaxi „made in OberZUR PERSON ANDREAS PEROTTI Marketingleiter des börsennotierten Flugzeugkomponentenherstellers FACC mit Sitz in Ried im Innkreis GEBOREN: 1985 in Linz LAUFBAHN Europäische Nachbarschaftspolitik im Kosovo und in Israel, Europäisches Parlament, Sprecher Finanzministerium, Senior Consultant einer PRAgentur, Pressesprecher der Telekom Austria Group.
Service soll leistbar sein Andreas Perotti zweifelt keine Sekunde am Durchbruch der autonomen Fliegerei. „Bevor wir autonom fahren, fliegen wir“, ist er überzeugt und liefert die Argumente gleich mit. „Kein Gegenverkehr, keine Kreuzungen und Ampeln und keine Kinder, die plötzlich auf die Straße springen können.“ Die Komplexität in der Luft sei einfach geringer. Für den Durchbruch müssten Flüge mit der Drohne leistbar sein. Der „EHang 216“ soll kein Spielzeug für Superreiche sein, sondern im Taxi-Einsatz den Konsumenten nicht teurer wie auf vier Rädern oder eine Mitfahrt bei Uber kommen. Einsatzgebiete ortet das Unternehmen auch abseits der Personentransporte. Schon jetzt sind Drohnen des Unternehmens im Cargo-Dienst. Hier werde auch das Angebot weiter ausgebaut. Während in China die ersten Flugtaxis bereits fliegen, wartet der „EHand 216“ hierzulande noch auf die Erprobungsbewilligung. Die soll es bereits nächstes Jahr geben. Ein Start 2025 scheint derzeit nicht unrealistisch. Wenn irgendwann alle fliegen, wird es wieder Platz auf den Straßen geben und der Stau nach oben verlagert? Wohl eher nicht. Schließlich seien autonome Luftfahrzeuge kein Ersatz fürs Auto, sondern eine Ergänzung. Und der Himmel bietet Platz ohne Ende. Staumeldungen von dort schließt Perotti jedenfalls aus. „Bis dahin können wir uns von A nach B beamen“.
Denkvor ORT, vor ORT, ten bilde eiter e g s u b top a nd Mitar orten 4 5 2 and nu re Unse eiterinne berger St l rb Vorar Mita 0 4 . an sind für Sie da e gern
www.uniqa.at
vor
ORT...
Freitag, 15. November 2019 Vorarlberger Nachrichten
16 36. Vorarlberger Wirtschaftsforum UMFRAGE Wie hat Ihnen
der Vortrag gefallen? Man kann aus jedem Vortrag etwas mitnehmen. Sehr spannend fand ich den Drohnen-Vortrag, aber auch Andreas Bierwirth hat mir gut gefallen. Seine Anmerkungen darüber, dass Mut nicht immer über Erfolg entscheidet, sondern das Tun wichtig ist, und dass es ein gutes Team braucht, um Erfolg zu haben, haben mich beeindruckt. Er hat reflektiert gesprochen und klar gemacht, dass es immer auch einen kritischen Blick auf das Geschäftsmodell braucht. Verena Fastenbauer, Fachhochschule Vorarlberg Ich möchte sagen, alle Vorträge waren exzellent. Es war insgesamt ein starkes Wirtschaftsforum, geprägt von Ruhe und Sachlichkeit. Positiv am letzten Vortrag fand ich, dass der Referent auch das Scheitern zum Thema gemacht hat. In Europa wird Scheitern bekanntermaßen nicht honoriert. Andreas Bierwirth hat sehr ehrlich darüber gesprochen. Beeindruckt hat mich auch der Bericht über die Anwendung des Aufstellungstools, das aus der Psychologie kommt. Holger Streitz, Liebherr Nenzing Der Vortrag war sehr ehrlich. Bierwirth hat seine Ausführungen für meine Begriffe auf den Punkt gebracht: Wissen, was das Richtige ist, das richtige Team um sich versammeln und dann ins Tun kommen. Angesprochen hat mich die Selbstreflexions- und Aufstellungsphase, in die er mit seinem Team viermal pro Jahr geht. Diese Aufstellungen kennt man bekanntlich eher aus der Psychotherapie. Ich möchte noch anmerken, dass die gesamte Veranstaltung gut organisiert war. Claudia Vögel, HTL Bregenz
„Paranoia ist unerlässlich“ Magenta-Chef Andreas Bierwirth plädiert für weniger Mut und mehr richtiges Tun. Andreas Bierwirth, seit 2012 Vorstandsvorsitzender von Magenta Telekom, gilt international als Treiber von Innovationen und als Digitalisierungsexperte. Als bisherige Erfolge in seinem Manager-Dasein nennt er selbst die Gründung der Germanwings, weiter seinen nicht unwesentlichen Beitrag zum Überleben und zur Neuausrichtung der AUA. Und am meisten freut er sich über die Entwicklung der Magenta Telekom. Die Kontinuität, sieben Jahre in Folge Erwartungen übertroffen und damit ganz neue Perspektiven für das Unternehmen geschaffen zu haben – das sei sein bislang größter Erfolg. Kein Wunder, dass der Magenta-Chef in der Wirtschaftswelt gerne als Überflieger bezeichnet wird. Beim Wirtschaftsforum sprach er zum Thema „mutige Entscheidungen im Management“.
BREGENZ
Nicht immer der richtige Weg Mut, das stellte der Topmanager klar, ist aber nicht immer der richtige Weg, um den Weg zum Erfolg zu gehen. Oder umgekehrt: „Nichts tun kann auch mutig sein“, so Bierwirth im Gespräch mit den VN. Was es brauche, ist Konsequenz bei der Umsetzung der Pläne, bei der Umsetzung eines Arbeitsumfelds, das dem Management und den Mitarbeitern ermögliche, ihre Leistung zu erbringen. Von aktionistischem
Management hält der Pilot und Manager dementsprechend nicht viel, auch wenn er weiß, dass gerade das von den Stakeholdern oder auch der Öffentlichkeit oft gefordert wird.
Feig oder mutig? Dass Mut und Risiko auch in den Ruin führen können, illustriert er am Beispiel seines Onkels, der sein Bauunternehmen in den Sand setzte, weil er nach der Wende nach Osteuropa expandierte, ohne Erfolg zu haben. Die Formel Mut ist gleich Erfolg, Feigheit Misserfolg könne also genau andersrum auch richtig sein. Man müsse ins Tun kommen. Gerade wenn man als Unternehmen Erfolg habe, sei es aber schwierig, diesen Dreh zu bekommen, die Kraft zu finden, aus dem Erfolg heraus zu wachsen. „Dafür habe ich größten Respekt“, so der Telekommunikationsmanager, der aus der Luftfahrt kommt und bei Fluggesellschaften schwierige Aufgaben übernommen hat, nicht immer so, wie es die Stakeholder, also Eigentümer, Aktionäre oder andersweitig Anspruchsberechtigte wünschen. Es gelte, um erfolgreich zu arbeiten, das Vertrauen dieser Gruppe zu gewinnen. Auf eigentümergeführte Unternehmen gemünzt, plädiert er ebenfalls für einen Team-Ansatz. Es gibt Visionäre wie Jeff Bezos, Mark Zuckerberg oder Elon Musk, die
ES S STECKT S V VIEL GRÜ IM GELB. GRÜN G CO2 neutrale n a e Logistik og s k für ü unser s Klima. Klima
Magenta-Vorstandsvorsitzender Andreas Bierwirth setzt auf dem Weg zum Erfolg des Unternehmens auf Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
stark sind, „aber ältere Unternehmen haben keinen Jeff Bezos. Dann muss ein gutes Team im Fokus stehen.“ Ein richtiges Team, das auch richtig arbeite. „Entscheidend ist, dass man die richtigen Leute für die richtige Aufgabe hat.“ Ziel für ihn als Vorstandsvorsitzenden ist das Arbeiten in einer hierachielosen Hierarchie. Dafür arbeitet sein Unternehmen Magenta Telekom auch ZUR PERSON ANDREAS BIERWIRTH CEO Magenta Telekom GEBOREN 8. Mai1971 AUSBILDUNG Studium Betriebswirtschaft Uni Münster LAUFBAHN u. a. Finanzvorstand der Austrian Airlines, CEO Germanwings, verschiedene Aufsichtratsmandate MAGENTA MITARBEITER 2500
mit einem Psychologen zusammen, macht Firmenaufstellungen, das gebe schon ein gutes Gesamtbild. „Ich glaube das ist der richtige Weg.“ Den Teilnehmern des Wirtschaftsforums rät er aber auch zu einer gesunden Paranoia. „Die ist unerlässlich.“ Es sei falsch, sich in Sicherheit zu wiegen, wie es viele Firmen bei der Digitalisierung immer noch tun. Kodak sei das beste Beispiel dafür. Der einstige FotoWeltmarktführer hat bekanntlich die Digitalisierung einfach negiert, heute gibt es das Unternehmen nicht mehr. Aber auch sein Unternehmen, die damalige Telekom, habe nicht an Whats App geglaubt, als die heute wichtigste Nachrichtenapp zum Kauf angeboten wurde. „Wir haben so lange gewartet bis es zu spät ist.“
Meine Donau berät mich so, wie ich’s brauch.
post.at/co2neutral o
Da unsere Umwelt wirklich wichtig ist, beziehen wir nur „grünen“ Strom aus Österreich, haben die größte E-Fahrzeugflotte Österreichs und produzieren mit unseren eigenen Photovoltaikanlagen selbst Energie. Darum sind wir das einzige Logistikunternehmen, das alle Sendungen in Österreich CO2 neutral zustellt. Wenn’s wirklich wichtig ist, dann lieber mit der Post.
Was mir an der Donau so gefällt? Meine Donau sichert betriebliche Schäden und deren finanzielle Folgen ideal ab. Jedes Unternehmen hat seine spezifischen Risikosituationen. Die Donau bietet mir individuell passende Lösungen um meinen Betrieb richtig abzusichern. Grobe Fahrlässigkeit ist dabei zu 100 % einschließbar. So stell ich mir das vor. Mehr auf donauversicherung.at
Freitag, 15. November 2019 Anzeigen
17
of iNNoVaTioN of iNNoVaTioN
FACC ist in 30 Jahren von einem einfachen Startup aus Oberösterreich zu einem führenden Technologieunternehmen der globalen Aerospace-Industrie aufgestiegen. Als Partner aller großen Flugzeug- und Triebwerkshersteller arbeiten wir heute an neuen Lösungen und den Materialien von morgen. Mit unseren Innovationen gestalten wir die Mobilität der Zukunft aktiv mit. Denn eines ist sicher, die Welt entwickelt sich weiter. Wir uns auch.
EXPLORE OUR WORLD ON FACC.COM
das neue „kontur“-magazin ist ab sofort am kiosk sowie im gut sortierten fachhandel erhältlich
37. Vorarlberger Wirtschaftsforum Internationale Tagung
Jetzt vormerken! 37. Vorarlberger Wirtschaftsforum Donnerstag, 12. November 2020 Festspielhaus Bregenz Eine Initiative von
www.kontur-magazin.at
Sponsor
Wie schaffen wir perfekte Rahmenbedingungen f체r die Vorarlberger Wirtschaft?
VISION Wir setzen uns dynamisch f체r alle Unternehmerinnen und Unternehmer f체r einen zukunftsf채higen Wirtschaftsstandort und Lebensraum ein.
Jetzt mitmachen auf diskurszukunft.at