Unsere Wirtschaft. Unsere Zukunft.
GrĂźnes Leben
Modellregion in Europa als Ziel Marke Vorarlberg international Ă–kologisch soziales Steuersystem
DIENSTAG, 4. JULI 2017
2 Grünes Leben
VORARLBERGER NACHRICHTEN
VN-INTERVIEW. Landesrat Erich Schwärzler (64), Agrarreferent des Landes Vorarlberg
Editorial
Verena Daum
Saat der Freiheit
Die Bäuerinnenorganisation steht in Vorarlberg für „Familienunternehmen und Arbeitsplatz Bauernhof sowie Lebensqualität“ und unterstützt Frauen und Familien auf dem Land.
Modellregion in Europa als Ziel Eine ganzheitlich nachhaltige Naturkreislaufwirtschaft als Ziel: „Sind auf gutem Weg.“
bau_zukunft geschaffen. Sie setzt auf Fachkompetenz, Persönlichkeitsbildung und Teamfähigkeit in der Ausund Weiterbildung der Lehrlinge und Mitarbeiter der Zimmereien in Vorarlberg. Weiters bietet die ökologische Wohnbauförderung des Landes mit bundesweit vorbildlichen Anreizen zum energiensparenden Holzbau, insbesondere im Bereich des Niedrigenergie- und Passivhauses, entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten.
Landesrat Erich Schwärzler gibt als Agrarreferent des Landes Auskunft über den Ist-Zustand im Land und einen Ausblick in eine nachhaltige Zukunft. BREGENZ.
Wie kann zukunftsfähige, saubere und gesunde Alpwirtschaft sichergestellt werden? SCHWÄRZLER: Die Alpwirtschaft in Vorarlberg auf 53.000 Hektar mit 1000 Älplern und 40.000 Tieren auf 512 Alpen erbringt seit Generationen vielfältige kulturelle und volkswirtschaftlich bedeutsame Leistungen. Gezielte Aus- und Weiterbildungsprogramme für das Alppersonal sowie die Zielsetzung „Vorarlberger Vieh für Vorarlberger Alpen“ im Rahmen der Ökolandstrategie tragen dazu bei, eine zukunftsfähige Alpund Landbewirtschaftung sicherzustellen. Die Rasse Braunvieh wurde als besonders alptauglich definiert. Zudem gut geeignet für die Alpung sind auch Grauvieh und Pinzgauer. Die Landwirtschaftskammer bietet zudem die Beratung „Kuh & Standortcheck“ an. Hierbei wird optimales Leistungsniveau erarbeitet. Wie werden Frauen und Familien fürs Landleben und die Landwirtschaft motiviert? SCHWÄRZLER: Die Bäuerinnenorganisation der Landwirtschaftskammer Vorarlberg leistet im Bereich „Familienunternehmen und Arbeitsplatz Bauernhof sowie Lebensqualität“ hervorragende Arbeit. Sie unterstützt Frauen und Familien mit verschiedenen Initiativen: Die ARGE „LandHand – Hände, die Werte schaffen“ bietet beispielsweise Bäuerinnnen die Möglichkeit, ihr Wissen über traditionelle Techniken, heimische Küchenkultur und Gartengeheimnisse weiterzugeben. Auch „Urlaub am Bauernhof“ sowie Erlebnisprojekte für alle Generationen wie „Schule am Bauernhof“ als weitere Zusatzeinkommensfaktoren für Landwirtschaftsbetriebe tragen maßgeblich zur langfristigen Absicherung der Existenz
LR Erich Schwärzler: „Braun- und Grauvieh sowie Pinzgauer sind für die Alpung besonders gut geeignet.“
der bäuerlichen Familien bei, leisten aber auch einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen in den Regionen. Wie sieht der Öko-Kreislauf in der Forstwirtschaft für Natur- und Klimaschutz sowie Energie- und Baubranche aus? SCHWÄRZLER: Wald ist wichtiger Lebens-, Wirtschaftsund Erholungsraum sowie Rohstoffproduzent und in einem Gebirgsland wie Vorarlberg natürlich Schutzund Bannwald. Strategische Schwerpunkte sind die Erhaltung des Schutzwaldes, die Holzproduktion für Handwerk, Bau- und Energiewirtschaft, Klimaschutz, Lebensraumvielfalt für Pflanzen und Wildtiere im Wald sowie gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Funktionen. Der gemeinsame Vorarlberger Holzbauweg vom Waldbesitzer über Waldaufseher, Säger, Architekten, Tischler und Zimmermeister verbindet vorbildliche
Leistungen der Holznutzung und Holzverarbeitung mit positiven Signalen für die regionale Wertschöpfung und die Arbeitsplätze in den Talschaften und ist ein aktiver Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz. Wann sind wir Selbstversorger? SCHWÄRZLER: Wir haben in Vorarlberg die naturbelassensten Wälder Österreichs. Unsere Waldfläche ist seit 2008 um ein Prozent angewachsen. Im Zehn-JahresMittel konnten wir den durchschnittlichen Jahresholzeinschlag um zwölf Prozent steigern. Dieses Holz ist eine wichtige Grundlage für die heimischen Säge-, Zimmerei- und Tischlereibetriebe. Etwa 3500 Vorarlberger verdienen ihren Lebensunterhalt in der heimischen Wald- und Holzwirtschaft. Ohne Gefährdung der Nachhaltigkeit wäre ein jährlicher Holzeinschlag von 450.000 Festmetern zur Versorgung der heimischen Säger mit Rundholz aus Vorarlberg
Schwärzler: „Wald ist Schutz-, Wirtschafts- und vor allem Lebensraum.“
In der ganzheitlich nachhaltigen Bewirtschaftung durch bäuerliche Familien auf gutem Weg. ERICH SCHWÄRZLER
möglich. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, sind eine gezielte Holzmobilisierung und gemeinschaftliche Nutzungen mit Unterstützung des Netzwerkes Vorarlberger Holz und der Holzwertschöpfungskette zu verstärken. HolzbauKunst und Vorarlberger Holzbaupreis sind bedeutsam. Mit der größten Dichte an innovativen Holzbauten in Mitteleuropa und erstklassiger Holzbauarchitektur zählt Vorarlberg auch im Holzbereich zur Aufsteigerregion Nr. 1. Um die Qualität des regionalen Holzbaus zu sichern, wurde die holz-
Ziel: Auf Glyphosat verzichten!
Bis wann wird ein gentechnikund glyphosatfreies Vorarlberg realisiert sein? SCHWÄRZLER: Die Ökolandstrategie ist glyphosatfrei ausgerichtet. Landesbeihilfen für Milch- und Mutterkühe, Schafe, Ziegen und Pferde auf der Alpe sind an die Bedingung einer gentechnik- und sojafreien Fütterung geknüpft. Gütesiegel mit 3-G-Herkunftsprinzip kennzeichnen die Produkte aus Vorarlberg. Seit 2007 werden Milchkühe von Landwirtschaftsbetrieben in Vorarlberg, die Milch an weiterverarbeitende Betriebe in Vorarlberg liefern, gentechnikfrei gefüttert. Die GVO-Aussaat ist seit 1997 verboten. Das Land Vorarlberg ist Mitglied der Initiative „Gentechnikfreie Region Bodensee“ und seit 2007 Mitglied des Netzwerks der GVO-freien Regionen Europas. Im Anbau sind wir nachweislich gentechnikfrei. Bei Glyphosat gehen wir mit positivem Beispiel voran: Bereits im Mai 2013 wurde der Einsatz von Glyphosat auf öffentlichen Flächen verboten. Seit 2016 gibt es Leistungsabgeltungen für Umstellung und Verzicht. Bis wann und unter welchen Voraussetzungen ist das Idealbild vom „subra Ländle“ realisierbar? SCHWÄRZLER: Vom Naturschutz, Veterinärwesen, Raumplanung, Forst- und Wasserwirtschaft über Partnerschaften der Landwirtschaft mit Tourismus und dem Lebensmittelhandel bis hin zur landwirtschaftlichen Kulturfläche von bäuerlichen Familienbetrieben, die nachhaltig wirtschaften, sind wir auf gutem Weg. Aber es gibt noch sehr viel zu tun.
Den „March against Monsanto“ begleitet der Song „Seeds of Freedsom“ von Manu Chao im Sinne von gesunder Nahrungs- und dadurch Friedenssicherung. In ihrem Buch „Seeds of Suicide“ beschrieb Vandana Shiva, die kürzlich beim World Future Council in Bregenz zu Gast war, den Massenselbstmord indischer Bauern aufgrund der vernichtenden Abhängigkeit von Agrochemie-Riesen. In Zeiten von Hormon- und Antibiotika-verseuchten Turborindern in grausamer Massentierhaltung mitsamt Boden, Grundwasser und Klima zersetzendem Ammoniak- und Methanausstoß, in Zeiten von Agent Orange, Round-up und Glyphosat sowie eskalierender Ressourcenkriege, sind Wege raus aus der Destruktivität exponentiellen Wachstums, hin zu qualitativem Wachstum im Einklang mit der Natur das Gebot der Stunde. Beherzigen wir das Prinzip von Ursache und Wirkung oder die simple EinnahmenAusgaben-Rechnung. Wenn wir vier Planeten verbrauchen, aber nur einen als Lebensgrundlage zur Verfügung haben, dürfte jedem klar sein, dass sich das nicht ausgeht. Die Haushaltsführung unserer Omas ist wieder gefragt. Nichts wurde weggeworfen. Sie zogen eigenes Saatgut für die Pflanzenvielfalt und hielten Kleintiere. Alles wurde sinnvoll verwertet, veredelt, eingelegt, verkocht. Selbstverständlich im Naturkreislauf. Leben und wirtschaften mit der Natur und nicht gegen sie! Im Naturkreislauf sind Ökonomie, Ökologie und Soziales in Harmonie zu bringen. Vorarlberg ist Vorzeigeregion, in der immer mehr Menschen eigeninitiativ und selbstbestimmt mit Konsumentensolidarität, Repair Cafés, dem Klimaneutralitätsbündnis, Weltläden, Obst- und Gartenkultur Vorarlberg, Bodensee Akademie, Permakultur-Bewegungen, Direktvermarktung regionaler Lebensmittel, unseren Natura-2000-Gebieten und durch gelebte Partnerschaft zwischen Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus im Rahmen der „Ökolandstrategie - regional und fair“ eine enkeltaugliche Zukunft anstreben. „Fliegen kann man nur gegen den Wind“, besingt Reinhard Mey den Freigeist. Und Hubert von Goisern bringt es auf den Punkt: „A jeder woaß, dass es Geld nit auf da Wiesen wachst und essen kann ma’s a nit - aber brenna tat’s guat. Aber hoazen domma en Woazen und de Ruabn und den Kukuruz - wann ma lang so weiterhoazen brennt da Huat.“ Journalistin/Autorin Verena Daum, VN-Extra „Grünes Leben“, verena@progression.at
Impressum Redaktion: Verena Daum (Leitung), Gernot Schweigkofler Fotos: Zeughaus/Hämmerle (Titelseite), WKV/Markus Gmeiner, Kurt Huber, Ludwig Berchtold, Verena Daum, Obst- und Gartenkultur Vorarlberg, 11er, Sutterlüty, VLK Layout: Christian Lorenz
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VORARLBERGER NACHRICHTEN
Über 70 Highlights an gutem und gesundem Wintergemüse hat der OGV für alle Interessierten als Info parat.
Winterernte im Gemüsegarten Im Verband der Obstund Gartenkultur Vorarlberg (OGV) heißt Winterzeit Erntezeit. HOHENEMS. Fünf Personen aus
den Obst- und Gartenbauvereinen absolvieren die Ausbildung zum „Projektgärtner“. Nach „Essen ohne Kilometer“ in Bezau von Isabella Moosbrugger wird jetzt von Nicole Vögel, Sabine Nigsch, Martin Bereuter und Jürgen Marcabruni der „Wintergemüsebau im Ländle“ umgesetzt. „Es eignen sich mehr Gemüse für eine Ernte vom Spätherbst bis zum Frühling, als man vermuten würde. Dazu zählen Klassiker fürs Freiland, die schon den ganzen Sommer auf dem Beet verbracht haben und über den Winter einfach stehen bleiben. Kohlgemüse wie Sprossenkohl, Grünkohl, Butterkohl, Palmkohl, Ewiger Kohl, Zierkohl, Lauch oder Zuckerhut zählen zu den extrem frostfesten Wintergemüsearten. Sie werden ab April angebaut und ab Juni ausgepflanzt. Weniger robust, aber in milderen Wintern auch durchaus gut nutzbar sind Mangold, Brokkoli, Endivie oder Knollensellerie“, weiß OGV-Vizechefin Renate Moosbrugger. So wird’s gemacht! „Man verwendet mehrjährige und frostfeste Salatkräuter“, führt Renate Moosbrugger aus. „Sie stehen im Garten auf einem fixen Platz, bilden nach Jahren kräftige Stöcke, die auch immer wieder geteilt werden können und werden fast ganzjährig beerntet. Dazu eignen sich besonders gut die Ampfer und Spezialzwiebelgewächse wie die Winterheckenzwiebel oder der Schnittknoblauch. In Italien ist der Stridolo-Salat ein beliebtes Frühlingsgemüse. Die länglichen, jungen Blätter
werden für Risottos, Omletten oder im Salat verwendet. Dieses Gemüse wächst bei uns auch mehrjährig und ist winterhart. Hat man einen Frühbeetkasten oder sogar ein Gewächs- oder Folienhaus zur Verfügung, eröffnen sich noch zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten. Außer dem Klassiker Vogerlsalat kann man dann auch noch ab August Asia-Salate, Rucola, Winterportulak, Barbarakresse oder Hirschhornwegerich aussäen. Bei den Gartensalaten eignen sich vor allem Baby-Leaf-Sorten, die raschwüchsig und frostfester sind. Auch Pflücksalate wie Lollo rossa/bionda oder Eichblatt sorten sind eher zu empfehlen als der klassische Kopfsalat.“ Friert der Bestand in kalten Winternächten auch im Kasten oder Gewächshaus ein, gilt es folgendes zu berücksichtigen: Die Blattrosetten liegen dann zwar flach am Boden und sehen sehr glasig aus, aber nach langsamem Auftauen der Blätter - wenn tagsüber die Sonne scheint - sind sie wieder frisch und unverletzt, informiert der OGV alle Gartenfreunde. Gefrorene Salatblätter dürfen nicht gedrückt oder mechanisch belastet werden. Dann zerstören nämlich Eiskristalle das zarte Blattgewebe, was Schwarzverfärbungen und Matschigwerden zur Folge hat. Generell muss man im geschützten Bereich auf eine ausreichende Lüftung achten, um Pilzkrankheitsinfek-
Viele Gemüsearten sind viel frostfester als bisher bekannt. RENATE MOOSBRUGGER
tionen zu vermeiden. Lüften und sparsames Gießen sind im Winter wesentlich wichtiger als das Heizen. Unterirdische Speicher „Wurzel- und Knollengemüse wie Topinambur, Erdmandel oder Knollenziest bilden unterirdische Speicherorgane, die laufend während des Winters geerntet werden können“, weiß Renate Moosbrugger. „Im Boden haben sie die besten Lagerbedingungen. Ist dieser fest gefroren, muss man aufs Tauwetter warten. Eine Möglichkeit zur witterungsunabhängigen Ernte ist der Anbau im Topf oder Kistchen. Diese können bei Frost kurzzeitig in die Wohnung geholt werden, bis die Erde darin aufgetaut ist. Nach der Ernte einzelner Knollen wird die Pflanze wieder ins Freie gebracht. Die klassischen Wurzelgemüse wie Karotten oder Pastinake müssen zur Herbst- und Winterlagerung in den Erdkeller oder Kühlraum. Bundkarotten aber, können mitsamt ihrem frischen Grün auch mitten im Winter aus dem Frühbeetkasten geerntet werden, wenn man sie zeitgerecht, nämlich spätestens Anfang bis Mitte August, angebaut hat. Insgesamt fanden wir in unseren Versuchen an der Versuchsstation Zinsenhof der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau mehr als 70 verschiedene Gemüsearten, die sich als voll wintertauglich erwiesen. Denn viele Gemüsearten sind wesentlich frostfester als es in unseren Lehrbüchern steht“, sagt Renate Moosbrugger. 77 Wintergemüse wird der Experte Wolfgang Palme am Mittwochabend in Hohenems vorstellen. Vortrag „Wintergemüse“ von DI Wolfgang Palme, Mittwoch 5. Juli, 19 Uhr, BSBZ Hohenems, www.ogv.at
Wie man das ganze Jahr über gesunde Gemüsevielfalt genießen kann, erläutert Wolfgang Palme am Mittwoch.
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Ohne Stau und sportlich auf dem Weg zur Arbeit.
Groß und Klein mit dem Fahrrad unterwegs: So macht der Familienausflug in die schönsten Gegenden im Ländle ganz besonders viel Spaß.
Das Radeln ganz einfach mit den Öffis kombinieren.
Sportliches Erlebnis und Sicherheit auf den Vorarlberger Radwegen.
„Geld ist nicht essbar, Mr. President“ Ressourcen-, Energieund Agrarwende bringen sinnvolle Beschäftigung und Zukunft.
Die Anbetung des goldenen Kalbs zu Lasten unseres Planeten als Lebensgrundlage, geht Umweltlandesrat Johannes Rauch gewaltig gegen den Strich. Sein Weltrettungstweet richtet sich speziell an die „Trumps“ dieser Welt: „Zwei Milliarden BREGENZ.
Menschen betreiben immer noch nachhaltige Subsistenzlandwirtschaft. Sie vor den Agro-, Gentech- und Saatgutmonopolisten zu retten, heißt: Klimawandel bekämpfen, Flucht verhindern, Verarmung in den Slums der Städte zu vermeiden. Wir entscheiden mit: mit unserem Konsumverhalten“, bringt es Umweltlandesrat Johannes Rauch auf den Punkt. Und an Donald Trump gerichtet:
„Mein Tweet würde lauten: Finally you can´t eat your money, Mr. President!“ Fossile Antriebe werden auf dem Müllhaufen der Geschichte landen, ist Rauch überzeugt: „Wir können freiwillig umstellen, oder gezwungenermaßen. Wir setzen auf EBusse, Fahrrad - vor allem E-bike -, Car-Sharing und ein bestmögliches Bahnangebot. Meine Vision ist die Rückeroberung des öffent-
lichen Raumes als Lebensraum durch die Menschen. Das wird nur gelingen, wenn wir auch in der Verkehrspolitik gegensteuern, und zwar gänzlich durch andere Besteuerung: Steuerlast auf den Faktor Arbeit runter, Steuern auf nicht erneuerbare Ressourcen rauf.“ Regional beginnen „Wir haben alle Voraussetzungen, zu zeigen, dass es
Zusammenarbeiten statt alles vergiftendem Hass nachgeben. JOHANNES RAUCH
geht“, sagt Rauch. Energieautonomie vorantreiben, Landwirtschaft umstellen - je extensiver, desto höher die
Förderung. „Mobilität on demand“ statt wütend im Stau zu stehen, Innovation und Weiterentwicklung vorantreiben. „Mit einem Wirtschaften mit und nicht gegen die Natur. Am billigsten und gleichzeitig am schwierigsten ist es, den solidarischen Zusammenhalt zu bewahren und nicht dem fortschreitenden, alles und alle vergiftenden Hass nachzugeben“, betont Johannes Rauch.
VN-INTERVIEW. Wirtschaftskammerpräsident Hans-Peter Metzler
Mit qualitativem Wachstum kann die Marke Vorarlberg global Vorbild sein Umweltbewusstsein ist die Grundlage für qualitätsorientiertes Wirtschaften.
Wirtschaftskammerpräsident Hans-Peter Metzler setzt auf modularen Unterricht, der es jungen Fachkräften erlaubt, neben spezifischen und handwerklichen Kenntnissen auch Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit zu erwerben. „Regionale Bildung“ heißt auch, dass besonders internationale Mitarbeiter mit Vorarlberger Identifikation zu Qualitätsbotschaftern werden können und sollen.
genießen auf Vorarlberger Art geschieht auch über das Genuss Festival.
FELDKIRCH.
Was wurde bisher in Sachen „regional und fair“ umgesetzt bzw. erfolgreich auf den Weg gebracht? METZLER: In den vergangenen Jahren konnten wir gemeinsam mit diversen Partnern neue Projekte initiieren, die allesamt das Thema „Regionalität“ im Fokus haben. Etwa das Projekt „Mehrwert für alle“, das auf die Vernetzung von Landwirtschaft und Küche abzielt. Oder die Initiative „vo:dô“, die sich für 0-Kilometer-Menüs und Regionalität am Arlberg stark macht. Da ist einiges passiert auf lokaler und regionaler Ebene. In eine ähnliche
Nachwuchskräfte erwerben neben fachlichen Kenntnissen auch Nachhaltigkeits-Kompetenz. HANS-PETER METZLER
Richtung geht auch die Initiative von Klaus Pleifer in seinem „Engel“. Er holte gerade mit dem Projekt „Vom Hof auf den Teller“ einen Anerkennungspreis beim Tourismusforum. Bei dieser Veranstaltungsreihe erläutern Landwirte alles über die Herkunft und Verarbeitung von Produkten, während diese von den Gästen genossen werden. Denken und
Und die Zukunftsstrategie? METZLER: Vorarlberg hat mehr zu bieten als „nur“ Kässpätzle, Riebel und Bergkäse. Dies soll an den 30 Genussveranstaltungstagen mit über 50 Programmpunkten kulinarisch zum Ausdruck kommen. Neben Genussabenden mit Sterneköchen werden auch die herausragenden Vorarlberger Landwirte und Topproduzenten aus dem Alpenraum im Mittelpunkt stehen. Die Partnerschaft zwischen regionalen Nahrungsmittelproduzenten und dem Tourismus hat, wie dies Beispiele zeigen, seit vielen Jahren Bestand und hat eine große Vielfalt an Angeboten für den Gast hervorgebracht. Vorarlberg bietet hierfür beste Voraussetzungen. Zahlreiche heimische Wirte setzen seit Jahren wichtige Zeichen in Richtung transparenter und konsequenter Anwendung von regionalen Rohstoffen in der Gastronomie. Daran arbeiten wir als Wirtschaftskammer und die Sparte Tourismus konsequent weiter. Bildung und Wissen sind Basis für eine prosperierende
Lebens- und Wirtschaftsweise im Einklang mit der Natur. Welche Grundpfeiler muss eine zukunftsorientierte Ausbildungsoffensive haben? METZLER: In erster Linie ist modularer Unterricht wichtig, der es den jungen Fachkräften erlaubt, neben den fachlichen und handwerklichen Kenntnissen auch Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit zu erwerben. Praxiszeiten etwa auf einem Weingut, in Sennereien, bei Bäckern oder in der Landwirtschaft schärfen das Bewusstsein über die Herkunft und Herstellung von Produkten. Die vielfältigen heimischen Produkte sind die beste Basis für kreative Kreationen in den Gastronomiebetrieben. Essen muss heutzutage nicht nur schmecken, sondern auch authentisch sein. Der Qualitätsanspruch in puncto Lebensmittel wird immer größer. Für den Wirt ergibt sich aus diesem Umdenken die Möglichkeit, sich über regionalen Genuss neu zu positionieren. Die zahlreichen heimischen Wirte, die seit Jahren auf die transparente und konsequente Verarbeitung regionaler Produkte setzen und damit höchst erfolgreich sind, sind das beste Beispiel dafür. Regionalität ist nun mal zum Wett-
Hans-Peter Metzler: „In erster Linie ist modularer Unterricht wichtig.“
bewerbsvorteil geworden. Dieses Bewusstsein wollen wir unseren Nachwuchskräften schon vom ersten Tag der Ausbildung an mitgeben. Eine persönliche Einschätzung, wie „Regionalität = Lebensqualität“ bei Gästen, Bevölkerung, Unternehmern und Landwirten gleichermaßen erreicht werden kann. Und was hat das mit Natur- und Klimaschutz zu tun? METZLER: Die Schonung der Umwelt ist Grundlage für einen qualitätsorientierten Tourismus. Touristische Projekte sind gesamthaft zu beurteilen, besonders in Hinblick auf die langfristige und nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Region und des Tourismuslandes Vorarlberg. Es muss einen Verzicht auf die Errichtung von touristischen Massenanziehungspunkten geben, die mit erheblichen Belastungen für Bevölkerung, Natur und Umwelt verbunden sind und keine nachhaltige regionale Wert-
schöpfung erwarten lassen. Genau dazu haben wir die „Tourismusstrategie Vorarlberg 2020“ entwickelt, denn sie räumt der Regionalität und Nachhaltigkeit absoluten Vorrang ein. In diesem Sinne verstärken wir auch die regionale Bildung, was so viel heißt, wie dass wir die Mitarbeiter über die Besonderheiten Vorarlbergs sehr gezielt schulen, ganz besonders unsere internationalen Mitarbeiter und Fachkräfte, die durch das Leben dieser Vorarlberger Identifikation zu Botschaftern der Marke Vorarlberg werden. Vorarlberg hat beste Chancen, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Wir wollen die bestmögliche Qualität in unseren Betrieben anbieten und sind deshalb bereit, für ehrliche nachhaltige und umweltschonende Qualität mehr zu bezahlen sowie größere Anstrengungen zu unternehmen, um die landwirtschaftlichen Produkte im Land einzukaufen.
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VORARLBERGER NACHRICHTEN
Es geht um die Natur als unsere Lebensgrundlage Das Netzwerk Natura 2000 macht unsere Vorarlberger Naturjuwele sichtbar.
Vorarlberg haben wir bereits 40 solcher Naturjuwele, die für alle sichtbar und erlebbar sein sollen. „Es geht um den Erhalt unserer Naturvielfalt“, sagt Umweltlandesrat Johannes Rauch. „Wir stellen unseren natürlichen Reichtum nicht unter eine Glasglocke. Menschen sollen sich in der Natur bewegen können. Ein behutsamer Umgang ist aber
gerade deshalb Gebot der Stunde. Denn die Devise lautet: Handeln oder Abschied nehmen. Das Land Vorarlberg hat sich für Ersteres entschieden.“ Die für die Gebiete in Vorarlberg zuständigen fünf RegionsmanagerInnen geben Einblick in ihre Natura-2000 Tätigkeit in Vorarlberg.
Romana Steinparzer, Walgau-Großwalsertal-Arlberg
Walter Niederer, Bodensee-Leiblachtal
Petra Häfele, Rheintal
Martin Bösch, Bregenzerwald-Kleinwalsertal:
Christian Kuehs, Montafon und Klostertal
Was ist das ganz Besondere an Ihrer Region? Worin unterscheidet sich Ihre Region von den anderen Vorarlberger Natura-2000-Managementregionen?
Mich fasziniert in der Region Walgau - Großes Walsertal Arlberg die Verzahnung von Kultur- und Naturlandschaft mit ihrer einzigartigen Vielfalt an Arten und Lebensräumen. Die reich strukturierte, ansprechende Kulturlandschaft entstand durch jahrhundertelange traditionelle Bewirtschaftung und auch die Natur hatte stets einen Platz, um sich weitgehend ungestört zu entfalten. 13 vielfältige Gebiete laden zum Staunen ein.
Der Bodensee als landschaftlich verbindendes Element ist für alle Vorarlberger identitätsstiftend. Am See öffnet sich das sonst so bergige Land zur Ebene hin und gewährt einen freien Blick, wie er sonst nur an Meeresküsten erlebbar ist. Mitten in der sonst so geschäftigen Wirtschaftsregion Süddeutschland, Vorarlberg, Ostschweiz ist hier ein riesiges Naherholungsgebiet, das vor allem im Sommer auch touristisch genutzt wird.
Das Rheintal beherbergt eine weiträumige Moorlandschaft, die zu den größten Talmooren Österreichs zählt. Durch die traditionelle Nutzung der Streuwiesen mit einer Mahd im Herbst werden besonders wertvolle Lebensräume für viele seltene Pflanzen- und Tierarten erhalten. Die Europaschutzgebiete im Rheintal umfassen großflächige und artenreiche Komplexe von Riedlandschaften, die als Brutgebiet für seltene Vögel bedeutsam sind.
Ich freue mich ganz besonders, in der Region Bregenzerwald-Kleinwalsertal arbeiten zu dürfen. Sie deckt alle Höhenstufen ab, von der Bregenzerachmündung im Bodensee über Tal- und Alpgebiete bis hinauf ins alpine Gelände am Widderstein oder den Karstflächen ins kleine Walsertal hinüber. Das macht die Tätigkeit unglaublich vielfältig und spannend. Und sowieso: „Dar Wold isch halt mügig und dean grüsele schöa.“
Es ist schon beachtlich, wie sehr sich die Natura-2000-Gebiete bereits innerhalb einer Region unterscheiden. Sowohl was den Naturraum als auch die Gebietsbetreuung betrifft, ist da kein Gebiet mit einem anderen zu vergleichen. Was alle Gebiete im Montafon und Klostertal jedoch eint, ist ihre Gebirgsoder Hanglage, was ich persönlich immer sehr spannend finde. Eine wunderbare Naturvielfalt ist hautnah zu spüren und zu erleben.
Welches Plätzchen sollte man als Besucher in Ihren Schutzgebieten unbedingt entdecken?
Ein Spaziergang im neuen Natura-2000-Gebiet Übersaxen-Satteins über den Dächern von Walgau und Rheintal ist ein Schmaus für Auge und Gemüt - vor allem jetzt zur Wollgrasblüte. Auch das Frastanzer Ried hat als Perle am Talboden des Walgaus mit seinen grazilen Sumpfgladiolen viel zu bieten. Ein Konzert für die Sinne sind auch die prachtvollen Bergmähwiesen, zu finden am Ludescherberg, in UnterÜberlutt und Schöneberg.
Das Rheinholz in Gaißau. Hier befindet sich der letzte Auwald in Vorarlberg, der regelmäßig überflutet wird für viele im restlichen Vorarlberg ansonsten ausgestorbene oder verschollene Arten einen natürlichen Lebensraum darstellt. So können hier noch Urzeitkrebse gefunden werden. Das Rheinholz ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis; am besten findet die Anreise mit dem Rad entlang des Bodensees statt!
Beeindruckend für Naturliebhaber ist das Unterried im Europaschutzgebiet BangsMatschels zur Blütezeit der Sibirischen Schwertlilie. Im Frühjahr stehen Hunderttausende Schwertlilien für kurze Zeit in voller Blüte und verwandeln die Streuwiesen in ein leuchtend blau-violettes Blütenmeer. Die Schwertlilienblüte ist wohl die spektakulärste Erscheinung im Gebiet. Naturverbundenes Verhalten ist daher ganz besonders wichtig.
Für Konditionsstarke Naturinteressierte von Riezlern oder Schönebach zum Hohen Ifen bzw. auf dessen Plateau. Unbedingt ausreichend Wasser mitnehmen und ich empfehle dazu den Wanderführer von Helmut Tiefenthaler, Wege in die Natur, mit seiner naturkundlichen Beschreibung. Mit Kindern ist hingegen der Walderlebnispfad im FFHGebiet Rohrach bei Möggers ein schöner und lehrreicher Ausflug.
Ich denke es lohnt sich, die unterschiedlichen Gebiete ganz einfach einmal zu erkunden. Manch einer erfreut sich an den schönen Gebirgsseen im Verwall, ein anderer an den herbstlich-bunten Bergwäldern im Klostertal. Die Natur- und Kulturlandschaft in Vorarlberg ist äußert vielseitig, da ist wirklich für alle etwas dabei.
Welches ganz besondere Tier oder besondere Pflanze würden Sie uns vorstellen, wenn es nur Zeit für eines/ eine gäbe?
Schwere Entscheidung, aber ich würde wohl den Alpenmannstreu als prachtvollen Blickfang mit Fraßschutz nehmen. Diese sehr seltene Distelart kommt gemeinsam mit Feuerlilie und Türkenbund in den Hochstaudenfluren des Gamperdonatals vor. Die auffällig große blaue Blüte schützt sich vor Fraßfeinden durch stechende Hüllblätter.
Die kleine Haselmaus ist das Tier des Jahres 2017 und lebt bei uns im Verborgenen in lichten Wäldern und Gebüschen am Waldrand. Sie hat einen buschigen Schwanz und baut ihre Sommernester in luftiger Höhe, wo auch die Jungen zur Welt kommen. Nur im Winter sucht sie den Boden auf, um in Erdhöhlen zu überwintern. Sie braucht ein reichhaltiges Angebot an Nüssen und Beeren, um überleben zu können. Man sieht sie ganz selten.
Der Helle und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling sind zwei Schmetterlingsarten, die eine besonders anspruchsvolle Entwicklung haben und für die das Vorkommen des Großen Wiesenknopfs unentbehrlich ist. Nur in den Blüten dieser Pflanze, die in Streuewiesen recht verbreitet ist, legen sie ihre Eier ab. Neben dem Vorkommen von Futterpflanzen und Wirtsameisen sind sie auf eine späte Mahd angewiesen.
In der Bregenzerachschlucht eine tauchende Wasseramsel. Für mich ist beeindruckend, wie perfekt sich dieses sympathische Vögelchen an Gebirgsbäche und Schluchten angepasst hat. Dann wird einem nämlich bewusst, dass es – wie bei der Ache – darum geht, den ganzen Lebensraum herum zu erhalten.
Spontan fällt mir da der Auerhahn ein. Das ist wirklich ein imposanter Waldvogel, der satte fünf Kilogramm auf die Waage bringt. Da erscheint es fast schon waghalsig, wenn sich dieser Brummer während der Balz auf knorrige Totholzäste setzt und sein Imponiergehabe zum Besten gibt.
Was hat Sie eigentlich motiviert, Regionsmanager zu werden?
Der Einsatz für die Natur Vorarlbergs, vor allem für unsere wertvollen, einzigartigen Europaschutzgebiete, ist mir ein großes Anliegen. Ich durfte im vergangenen Jahr bereits Erfahrung in der Betreuung des Europaschutzgebiets Bangs-Matschels in Feldkirch sammeln. Mir ist es wichtig, dass die Schutzgebiete in den Regionen und ihr Wert für kommende Generationen in den Köpfen der Menschen verankert werden. Wichtig ist es mir, einen Ausgleich von Nutzungsinteressen sowie vermehrt Synergien zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zu finden.
Ich bin im Rheindelta aufgewachsen und spüre eine tiefe Verbundenheit zum See und den angrenzenden Riedflächen. Meine persönliche Motivation ist es, das Gebiet und die naturnahen Flächen am See zu erhalten und damit einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass meine Kinder unsere Heimat auch noch so erleben können, wie ich dieses Naturparadies als Kind entdecken konnte. Respektvoller Umgang mit der Natur, und diesen allen Menschen zu vermitteln, ist mir sehr wichtig. In den letzten Jahren hat die Bedeutung der Schutzgebiete am Vorarlberger Bodenseeufer stark zugenommen.
Kommunizieren, organisieren und schützen – die Stelle der Regionsmanagerin verbindet alle Tätigkeiten, die für mich für eine erfolgreiche Naturschutzarbeit so wichtig sind: Die gemeinsame Arbeit in und für die Natur und der Austausch mit Gebietsbetreuern, Grundbesitzern, Landwirten, Jägern, Naturwächtern, politischen Vertretern und allen, die auf vielfältige Art und Weise einen wertvollen Beitrag für die Natur vor unserer Haustüre leisten. Wir planen und setzen Projekte auf lokaler Ebene für Tiere, Pflanzen und Lebensräume um und sind Teil eines wichtigen Schutzgebietsnetzwerkes.
Eine Arbeit an der Basis mit den Menschen, die vielfältige Aspekte mit sich bringt und sicher auch herausfordernd sein wird. Und vor allem die Möglichkeit für einen tollen Job retour ins Ländle kommen zu können. Hier kann ich meine Ausbildungsschwerpunkte gut in die Tätigkeiten einbringen. Es ist wichtig, mit offenen Augen und Ohren durch unser kleines aber umso bemerkenswerteres Land zu gehen. Die Schönheiten lernt man umso mehr schätzen, wenn man längere Zeit weg war..
Die Möglichkeit, der Natur eine starke Stimme zu geben und Verständnis auch für ihre Bedürfnisse zu schaffen. Mir ist es ein großes Anliegen, unsere Natura-2000-Gebiete samt ihrer Besonderheiten etwas bekannter zu machen, denn nur was man kennt, schützt man auch! Eine intakte Natur hat ihren Wert, von dem wir wirklich alle profitieren und zu dem wir auch alle etwas beitragen können und sollen. Auf unser eigenes Verhalten kommt es an. Aber hey, das ist es uns doch wert, oder?!
Natura 2000 ist ein europaweites Netzwerk wertvoller Lebensräume mit dem Ziel, gefährdete Pflanzen- und Tierarten zu schützen und natürliche Lebensräume dauerhaft zu BREGENZ.
erhalten. Hierfür gibt es zwei rechtliche Grundlagen: die Vogelschutzrichtlinie und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Alle Mitgliedstaaten der EU sind verpflichtet, Gebiete mit bedeutenden Arten und Lebensräumen als Europaschutzgebiete auszuweisen, die dann in ihrer Gesamtheit das europäische Natura2000-Netzwerk bilden. In
Mehr Informationen unter: http://VN.AT/suc5gA
Unsere herrlichen Vorarlberger Naturlandschaften sollen für alle Menschen mit der nötigen Wertschätzung sichtbar und erlebbar sein.
Natura-2000-Beauftragte über ihre Region. Romana Steinparzer, Walter Niederer, Petra Häfele, Martin Bösch und Christian Kuehs erzählen von der Schönheit, der Vielfalt und den wunderbaren Tieren und Pflanzen in der von ihnen betreuten Naturregion.
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ENERGIE FÜR UNSER LEBEN. 8. Silvretta E-Rallye
Rallye als Schaufenster für E-Autos Bei Silvretta E-Rallye stellen moderne Elektro-Autos ihre Fähigkeiten unter Beweis.
(VN-gms) Moderne Traumautos, die fast lautlos über die traumhaften Bergstraßen Vorarlbergs fahren: Das bietet die Silvretta ERallye 2017. Denn neben den Oldtimern und Sportwagen bietet die Klassiker-Rallye auch dieses Jahr, mittlerweile zum achten Mal, eine eigene Klasse für Elektroautos und Autos mit alternativen Antrieben. Auf den idyllischen Alpenstraßen beweisen die Automobile und deren Fahrer ihre Leistungsfähigkeit. Wobei VKW-E-Mobilitätsexperte Stefan Hartmann betont, dass auch die 145 Kilometer lange zweite Etappe, mit deutlich über 3000 Höhenmetern Aufwärtsfahrt für keines der teilnehmenden Fahrzeuge mehr ein Problem darstellen sollte. Dank Energie-Rückgewinnung bei den Abfahrten sollte „jedes Auto locker über die Runden kommen“, ist er sich sicher. VANDANS.
Die Strecke Die achte Ausgabe der Silvretta E-Auto Rallye Montafon nutzt zwar die organisatorische Anbindung an die Silvretta Classic Rallye, geht aber eigene Wege. So wird die Rallye für zwei statt drei Tage angesetzt. Außerdem startet die
Rallye am Donnerstag, 6. Juli in Schruns, nicht in Partenen und auch die Streckenführung wurde gegenüber der Classic abgewandelt. Am ersten Rallyetag, Donnerstag, 6. Juli 2017, geht es für das Teilnehmerfeld kurz vor 13 Uhr von Schruns aus auf die 120 Kilometer lange Etappe. Sie führt zunächst zum Lünersee-Kraftwerk nach Latschau. Danach geht es über Gargellen und die Bielerhöhe zum Wendepunkt am Kopsspeicher und von dort zurück über Partenen nach Schruns. Die ersten Fahrzeuge werden kurz nach 16 Uhr zurück am Kirchplatz in Schruns erwartet. Am Freitag, dem zweiten Rallyetag, müssen die Teilnehmer eine längere Strecke
bewältigen. Kurz nach 10 Uhr startet das Feld in Vandans am Rodundwerk zur rund 145 Kilometer langen Etappe, die über Klösterle und den Hochtannbergpass zur Mittagspause am Faschinajoch führt. Von dort aus geht die Fahrt weiter über Raggal, Bludenz und St. Gallenkirch zum Zieleinlauf an den Postarkaden in Gaschurn. Ab 15 Uhr erleben die Zuschauer, wie die Teilnehmer der 8. E-Auto Rallye Montafon ihre letzte Wertungsprüfung absolvieren und durch den Zielbogen fahren. Dort findet zeitgleich das Därflifest in Gaschurn statt, eine perfekte Gelegenheit, zukunftsweisende Technologie inmitten der Berge Vorarlbergs zu erleben.
Dieser umgebaute VW-Bus mit EMotor ist ein Rallye-Stammgast.
Aufregende E-Autos Wie in den vergangenen Jahren unterstützt MercedesBenz die 8. Silvretta E-Auto Rallye und ist bei der Rallye auch mit insgesamt sechs Smart-Elektro-Fahrzeugen vertreten. BMW ist mit einem i3 und einem i8 vor Ort, Tesla mit den Modellen X und S 70 und Volkswagen mit einem eGolf und einem Bus T2B. Die Modelle Opel Ampera, Lexus RX 450h, Hyundai IONIQ und Nissan Leaf komplettieren das Teilnehmerfeld. Dafür, dass die Autos zum Start voll aufgeladen losbrausen können, sorgt die Illwerke
An zwei Tagen beweisen die E-Autos Ausdauer und Leistung auf langen bergigen Routen.
Auch dieses Jahr sind neue E-Automodelle am Start, die sich den Berg- und Talfahrten stellen. STEFAN HARTMANN
VKW beim Illwerke Zentrum Montafon, wo die Ladeinfrastruktur gestellt wird.
„Auch dieses Jahr sind wieder neue E-Automodelle am Start, die sich den Herausforderungen mit Berg- und Talfahrten im Montafon stellen und so beweisen, dass sie nicht nur Stadtautos sind“, freut sich Hartmann darüber, dass bei der Rallye die Leistungsfähigkeit der E-Mobilität gezeigt werden kann. Die VKW stellt übrigens selber fünf Autos: Zwei Startplätze wurden via Facebook verge-
FOTOS: VN
ben, ein weiterer unter den Inhabern der Mobilitätskarte verlost und ein treuer Kunde, der schon viele Jahre elektrisch mobil ist, geht ebenfalls für das Unternehmen an den Start. Der letzte Startplatz ging an VKW-Praktikanten, die so Rallye Luft schnuppern können. Die Serie „Energie für unser Leben“ ist eine redaktionell unabhängige Serie der VN mit Unterstützung von Illwerke VKW.
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8 Grünes Leben
VORARLBERGER NACHRICHTEN
VN-INTERVIEW. Jürgen Sutterlüty (52)
Über 1500 regionale Partnerbetriebe Man wird nicht allein „b’sundrig“ – es geht nur miteinander, erläutert Jürgen Sutterlüty.
Gesicherte Absatzmengen und ein dadurch kalkulierbares Einkommen machen eine Partnerschaft mit Sutterlüty für Landwirte b’sundrig interessant. Derzeit fließt jeder dritte Euro wieder zurück in die Region. Auch die Konsumenten und das Land profitieren von den regionalen Partnerschaften. Sowohl die regionale Genusskultur als auch der Erhalt der vielfältigen Vorarlberger Kulturlandschaft sind dadurch langfristig gesichert. „Eine nachhaltigere Wirtschaftsweise ist für Sutterlüty ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensausrichtung. Darunter verstehen wir, zu schätzen und zu fördern, was uns die Region zu bieten hat, sowie den respektvollen Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt. Die Vision von einer bewussten Gesellschaft, in der jeder Einzelne den Wert regionaler Lebensmittel begreift, ist für uns essenziell, bedarf aber aktiver Bewusstseinsbildung“, erläutert Jürgen Sutterlüty. Regionale Produkte sichern die Zukunft der Bauern und Betriebe, haben eine nachvollziehbare Herkunft, werden aus frischen und regionalen Zutaten hergestellt, sichern Arbeitsplätze im Land, schützen die Umwelt dank kurzer Transportwege und weniger CO2-Ausstoß und helfen, unsere Kulturlandschaft zu erhalten.
Mahlerhof in Höchst und der Gemüseinsel Reichenau im Bodensee. Milch- und Käsespezialitäten wie Schafmilchjoghurt, Alpsauerkäse, Schafs- und Ziegenfrischkäse sind von regionalen Partnern wie der Familie Gmeiner aus Bizau, der Alpe Tilisuna im Montafon oder „metzler naturnah“ in Egg. Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren kommen selbstverständlich aus dem Ländle, etwa von der Familie Karg aus Gaißau oder Gebrüder Winder aus Dornbirn. Leider ist heuer aufgrund der schwierigen Witterungsbedingungen im Frühling die Beerenernte nicht ganz so ergiebig wie in anderen Jahren.
EGG.
Wie geht die „b’sundrige“ Philosophie mit dem „Ökoland - regional und fair“ einher? SUTTERLÜTY: Unser Unternehmen ist 1952 aus einer Landwirtschaft mit angeschlossenem Sägewerk entstanden. Beides Branchen der Urproduktion, in denen ehrliche Handarbeit ge-
Salate, Gurken, Tomaten, Kohlrabi, Melanzani, Zucchini, Kräuter kommen von regionalen Bauern wie der Gemüseinsel Reichenau oder dem Mahlerhof.
Wir heben regionale Schätze, bringen sie auf unseren Speiseplan und stärken so unsere Kreisläufe. JÜRGEN SUTTERLÜTY
schätzt wird. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In einer Welt, die immer näher zusammenrückt und gerade deshalb immer globaler wird, keimt bei vielen die Sehnsucht nach Vertrautem. Überall werden Produkte angeboten, die alle Welt kennt und die dennoch völlig anonym sind. Bei uns im Ländle gibt es eine Vielzahl regionaler Produkte, die für uns immer schon das Naheliegende waren, von denen viele jedoch im weltweiten Überangebot in
Vergessenheit geraten sind. Schon vor vielen Jahren haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, diese regionalen Schätze zu heben und wieder auf den täglichen Speiseplan zu bringen. Unser Ziel ist es, dass mit unserem regionalen Angebot mehr und mehr Vorarlberger die b’sundrigen Produkte unserer Heimat wiederentdecken und der regionale Kreislauf weiter gestärkt wird. Zum Wohle von uns allen und unserer Region. Die regionale Ausrichtung und die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Region sind mit Sicherheit der Grund dafür, dass Sutterlüty bis heute erfolgreich im sehr harten Wettbewerbsumfeld des Lebensmittelhandels agiert. Unsere Kunden sehen uns als den familiären Lebensmittelhändler mit den einzigartigen Produkten aus der Region. Das ist unsere Existenzberechtigung und diese Philosophie differen-
ziert uns von den Mitbewerbern und spricht gleichzeitig immer mehr Menschen hier im Land an. Regional und saisonal heißt in der Praxis ab Hof ins Regal? SUTTERLÜTY: Vorarlberg kauft gerne regionale Produkte. Wir haben hier das weltweit größte Sortiment an regionalen Lebensmitteln. Bei uns kann man die Liebe zur Region bei jedem Einkauf spüren. In unseren modernen Ländlemärkten kann man praktisch ganz bequem wie direkt ab Hof einkaufen, und das in einer einzigartigen Auswahl. Über 1500 Partner aus der Region beliefern uns, die meisten schon seit vielen Jahren, mit rund 3000 „Ländle“ und „Ländle pur“ Produkten und über 150 b’sundrigen Sutterlüty’s Geheimtipps aus der Region. Deshalb sind wir die Topadresse für regionale Produkte. Und deshalb fließt nur bei Sutterlüty jeder dritte
Euro zurück in die Region. Welche unserer Produkte ganz oder teilweise aus der Region stammen, erkennt man ganz einfach auf den ersten Blick am „Ländle Pur” oder „Ländle” Herz. Das Ländle-Pur-Herz kennzeichnet alle Produkte mit Zutaten aus Vorarlberg und Herstellung im Ländle. Produkte mit dem Ländle Herz werden in Vorarlberg verarbeitet und fertiggestellt. Der Griff zu regionalen Produkten hat also lauter Vorteile. SUTTERLÜTY: Die bewusste Kaufentscheidung für regionale Produkte sichert nicht nur die Existenz von 1500 regionalen Sutterlüty-Partnerbetrieben und -Produzenten, sondern schont auch das Klima und die Umwelt. Saison hat derzeit Gemüse wie Salate, Gurken, Tomaten Kohlrabi, Melanzani, Zucchini und Kräuter von den regionalen Partnern wie dem
Kürzlich hieß es medial seitens der Kammer, dass es für echtes Ländle-Kalb viel zu wenig Abnehmer gibt. SUTTERLÜTY: Das ist so nicht richtig. Die Traditionsmetzgerei Broger in Bizau, 100-prozentige Tochter der Sutterlüty Holding, ist der mit Abstand größte Vermarkter von Ländle Kalbfleisch in Vorarlberg. Pro Jahr werden so über 1000 Kälber aus der Region vermarktet. Broger veredelt diese in Vorarlberg, die Wertschöpfung bleibt im Land und Lebendtransporte werden vermieden - und vermarktet diese dann sowohl regional in den Sutterlüty Ländlemärkten als auch international in ganz Mitteleuropa. Außerdem arbeiten wir intensiv an Möglichkeiten, Kalbfleisch mittels neuer Produkte zu vermarkten. Wir sind der Meinung, dass sowohl die Landwirtschaft als auch die Politik in Vorarlberg mit den gegenwärtigen Strukturen und Förderungsmaßnahmen am Markt und vor allem auch an den Bedürfnissen der Kunden vorbeiproduziert. Hier sehen wir großes Verbesserungspotenzial.
Regionale Partner wie die Familie Gmeiner aus Bizau, die Alpe Tilisuna im Montafon, „metzler naturnah“ in Egg, Familie Karg aus Gaißau und Gebrüder Winder aus Dornbirn liefern vielfältige Milchprodukte und köstliche Beeren.
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VORARLBERGER NACHRICHTEN
„Öko-soziales Steuersystem“ Energie- und Klimaexperte Adi Gross plädiert für ein solidarisches, gutes Leben für alle. „Solidarität für ein gutes Leben für alle heißt für mich, dass alle Menschen auf der Erde einen fairen, gerechten und solidarischen Zugang zu den vorhandenen Ressourcen wie Boden, Wasser, Energie, Rohstoffe und Dienstleistungen, aber auch zu Bildung und Gesundheit haben und in Sicherheit auf die Straße gehen können“, erläutert der Energieexperte und Klubobmann der Grünen in Vorarlberg, Adi Gross. Alle Menschen sollen Perspektiven für ihr Leben erkennen können. „Das ist derzeit leider überhaupt nicht der Fall. Ein gutes Leben ist nur mit einem gesicherten Grundwohlstand möglich. In den reichen Ländern haben wir einen extremen Ressourcenverbrauch, verursachen hohe Emissionen und treiben damit den Klimawandel an.“ BREGENZ.
Wieder lernen, fair zu teilen „Viele Handelsbeziehungen sind einseitig zugunsten der reichen Länder ausgerichtet und zerstören regionale Strukturen“, sagt Gross. „Viele Menschen sind gezwungen ihre Heimat zu verlassen, weil einfach nicht genug für ein menschenwürdiges Leben da ist. Auch bei uns gibt es viel zu große Unterschiede im Einkommen und beim
Vermögen. Das kann man nicht mit Leistung argumentieren. Auch die Menschen mit wenig Einkommen arbeiten hart. Es wäre aber auf der Welt genug da für alle. Wir müssen es nur solidarischer verteilen und lernen, zu teilen. Gestaltung von Lebensraum Das Leben findet zu einem ganz großen Teil in unserer jeweils unmittelbaren Umgebung statt. Dort sollten wir uns wohlfühlen können“, führt Gross aus. „Dort sollte alles, was wir täglich brauchen, in der Nähe sein. Also Lebensmittelläden, Bäckerei, Kinderbetreuung, Schule, Post, Apotheke, etc. Die hochwertigsten und schönsten Räume sind die, die für die Menschen konzipiert sind.“ „Auf Plätzen, die als Grünräume gestaltet sind, findet Begegnung statt“, so Gross. „Lebensräume für Menschen sind dort, wo man sicher zu Fuß gehen kann. Und wo eben nicht alles einseitig auf das Auto ausgerichtet ist. Oder darauf, dass man weit fahren muss, um einzukaufen oder zum Arzt zu gehen. Oder wo man rausfahren muss, um sich erholen zu können. Damit kommt der Raumplanung und den Zielen, die sie vertritt, eine enorme Bedeutung zu. Der Mensch mit seinen sozialen Bedürfnissen gehört in den Mittelpunkt und nicht Investoreninter-
essen und nicht Ansprüche eines Verkehrsmittels.“ Wohnen ist ein Grundbedürfnis, betont Gross. Wenn man sich das Wohnen nicht mehr leisten kann, dann wird es wirklich schwierig. Dann läuft etwas grundlegend falsch. Vor allem haben sich die Bodenpreise ins Uferlose entwickelt. Einige wenige verdienen damit viel Geld. Der Profit weniger, wofür ja nicht einmal eine Leistung erbracht wurde – jedenfalls nicht für die Wertsteigerung –, steht in scharfem Kontrast zum Bedürfnis, leistbar wohnen zu können, Wohnraum für jene zu sichern, die es nicht so dick haben. Und das sind immer mehr Menschen. Da braucht es ein Umdenken. Das öffentliche Interesse der Wohnraumschaffung muss wieder stärker gegenüber Einzelinteressen gewichtet werden. Auf der anderen Seite verbrauchen wir aber viel zu viel Boden. Wir müssen auch dringend unsere Siedlungsstrukturen überdenken. Ein Zugang ist hochwertige Verdichtung. Dazu gehört unabdingbar eine Quartiersbetrachtung. Das meint, dass es für ein lebenswertes Wohnen nicht nur auf das Gebäude ankommt, sondern auf das ganze Umfeld. Dass es Nahversorgungsstrukturen gibt, Grünräume, Spielplätze, Fußwege, Begegnungsräume, Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Vor allem das Rheintal wächst stark, entwi-
Adi Gross: „Lebensräume schaffen und ein menschenwürdiges Leben für alle ermöglichen, das geht.“
ckelt sich in einen urbanen Raum. Wir hängen aber noch an den Siedlungsstrukturen der Vergangenheit.“ Förder- und Steuerreform „Ein intakte Umwelt, gesunde Böden, und ein ver-
Die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellen. ADI GROSS
trägliches Klima sind unsere Lebensgrundlagen“, macht Gross deutlich. „Wir sind drauf und dran, unseren Planeten zu verbrennen. Eines der zentralen Steuerungsinstrumente in unserem System ist das Geld. Dort müssen wir ansetzen, nicht um die Menschen finanziell mehr zu belasten, sondern zu entlasten, was wir haben wollen, nämlich Beschäftigung, und zu belasten, was unsere Zukunftschancen und die Natur zerstört.“ Zentraler Schritt wäre es laut Gross, Arbeit steuerlich
massiv zu entlasten: „Damit kann Arbeit geschaffen werden. Im Gegenzug müssten etwa schädliche Emissionen, Verbrauch endlicher Ressourcen, Bodenverbrauch usw. stärker besteuert werden. Damit wird es auch viel einfacher, gute Nahversorgungsstrukturen zu realisieren, den öffentlichen Verkehr noch besser auszubauen, die Regionalwirtschaft und unsere Bauern zu stärken. Im Grunde wäre es einfach. Die Konzepte liegen auf dem Tisch. Wir nennen das ein sozial ökologisches Steuersystem.“
Produktionskette im Naturkreislauf Wirtschaften im Einklang mit der Natur wird vom gesamten 11er-Team getragen. Der geschlossene Energiekreislauf ist bei 11er besonders wichtig. „Um Grundlagen für Wohlstand und Lebensqualität auch für zukünftige Generationen zu bewahren, verpflichten wir uns zu nachhaltigem Handeln und Wirtschaften und geben täglich unser Bestes, um den Wünschen unserer Kunden nachzukommen“, erläutert 11er-Geschäftsführer Thomas Schwarz die Unternehmensphilosophie. „Wir übernehmen Verantwortung für unsere Mitarbeiter und sind uns auch unserer ökologischsozialen Verantwortung als Industrieunternehmen bewusst. Aus diesem Grund ergreifen wir Initiative und stellen uns dem Klimawandel aktiv entgegen.“
tralität durch Vermeidung, Reduktion und Ausgleich von CO2-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. „Bis 2025 wollen wir deshalb 25 Prozent der Emissionen, für welche wir derzeit noch Emissionszertifikate erwerben, durch Vermeidung und Reduktion aus eigener Kraft ausgleichen“, erläutert Thomas Schwarz.
FRASTANZ.
Von Anfang an in die Umwelt(kreisläufe) investiert: Biogasanlage, Wasseraufbereitung, Wärmerückgewinnung und umfassende Klimainitiative.
Naturgerecht produzieren Als Hersteller von tiefgekühlten Kartoffelspezialitäten ist 11er auf fruchtbare Böden, sauberes Wasser und reine Luft angewiesen. „Wir wollen so naturgerecht wie möglich produzieren. So haben wir bereits Anfang der 80er-Jahre in den Umweltschutz investiert und in der kartoffelverarbeitenden Industrie die erste Biogasanlage am Produktionsstandort in Frastanz errichtet sowie eine eigene Anlage zur Abwasseraufbereitung und Wärmerückgewinnung installiert“, informiert Thomas Schwarz. „Mittlerweile konn-
Pro Natur: Als Hersteller von tiefgekühlten Kartoffelspezialitäten ist 11er auf fruchtbare Böden, sauberes Wasser und reine Luft angewiesen.
Wirken als Industriebetrieb dem Klimawandel aktiv entgegen. THOMAS SCHWARZ
ten wir nicht nur unseren Energiebedarf, sondern auch die CO2-Emissionen substantiell verringern. Dennoch er-
kennen wir die Dringlichkeit weiterer Maßnahmen und haben demzufolge Anfang 2015 mit dem 100-prozentigen Ausgleich aller CO2-Emissionen die 11er-Klimaschutzinitiative ins Leben gerufen und als festen Bestandteil in unser Unternehmensleitbild integriert.“ Ziel der 11er-Klimainitiative Das Ziel der 11er-Klimaschutzinitiative ist die Klimaneu-
11er-Fakten »D ie 11er Nahrungsmittel GmbH ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Frastanz, Österreich. » 11er ist auf die Herstellung und den Vertrieb von tiefgekühlten Kartoffelprodukten spezialisiert. Höchste Qualität und regionale Zutaten stehen deswegen bei allen hausgemachten Produkten an oberster Stelle. » Umsatz 2016: 67 Mio. €
»E xportanteil: ca. 71% »M itarbeiter: 250 » I nfos Nachhaltigkeit: Projektpartner klimaaktiv, Mitglied UN Global Compact, Mitglied Klimaneutralitätsbündnis 2025, Gründung einer eigenen 11erKlimaschutzinitiative, ab 1.1.15 entlang der gesamten Wertschöpfungskette 100 Prozent klimaneutral (durch Vermeiden, Reduzieren und Ausgleichen von CO2)
Nutzung von Abwärme „Durch verschiedene Maßnahmen am Firmenstandort reduzieren wir den CO2-Ausstoß, der bei der Produktion unserer Spezialitäten anfällt. So nutzen wir die Abwärme, die bei der Herstellung unserer Produkte entsteht, um damit wiederum die Blancheure verschiedener Produktionslinien sowie die Luftvorwärmung des Trocknens zu versorgen“, erklärt Schwarz. „So sparen wir ca. zwei Mio. kWh pro Jahr an fossilen Brennstoffen und reduzieren unseren CO2Fußabdruck.“ Erneuerbare Energien fördern „Emissionen, die wir nicht vermeiden oder reduzieren können, gleichen wir durch den Erwerb von international anerkannten Goldstandard- und VER-Emissionszertifikaten aus. So fördern wir Projekte, die erneuerbare Energien, Energieeffizienz und viele weitere CO2-Sparmaßnahmen unterstützen“, schließt Thomas Schwarz. Mehr Inforamtionen unter: http://www.11er.at/11er-klimaschutzinitiative/
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VORARLBERGER NACHRICHTEN
ENERGIE FÜR UNSER LEBEN. E-Bike-Förderaktion 2017
E-Bike-Hunderter schon über 300 Mal genutzt Ökostromkunden erhalten von VKW 100 Euro beim E-BikeAnkauf. (VN-gms) „Die EMobilität und Ökostrom sind Zwillinge", erklärte VKWÖkostrom-Geschäftsführer zum Start der E-Bike-Förderaktion. „Das gilt insbesondere für das E-Bike. Einen Teil der Energie für die Fortbewegung trägt dabei der Mensch bei und der Rest kommt, idealerweise, aus Ökostrom, also aus der unmittelbaren Natur.“ Das scheinen viele VKW-Ökostromkunden ähnlich zu sehen, denn seit dem Start der Aktion im April haben bereits über 300 Ökostromkunden die Gelegenheit genutzt und sich ein neues E-Bike im Vorarlberger Fachhandel gekauft. Als Belohnung bzw. Förderung haben sie 100 Euro von VKWÖkostrom aufs Konto überwiesen bekommen. BREGENZ.
Beliebte E-Bikes Die elektrischen Fahrräder erfreuen sich in Vorarlberg und auch in ganz Österreich zunehmender Beliebtheit. Im vergangenen Sommer präsentierte der VCÖ eine Studie, nach der Österreich
bei E-Fahrradverkäufen, auf die Bevölkerungszahl umgerechnet, die Nummer drei in Europa ist. Nur die radsportverrückten Benelux-Staaten Niederlande und Belgien liegen vor uns. 2015 waren das etwas über 77.000 EBikes, die verkauft wurden. In Vorarlberg wurden, so eine Schätzung, etwa 5500 E-Bikes verkauft. Die Fahrräder mit Unterstützung eines Elektromotors sind für viele Anwendungen beliebt: als Alternative zum Auto am Weg zur Arbeit, für schnelle Wege im Stadtgebiet oder auch für den täglichen Einkauf. Pensionisten freuen sich an der wieder größeren Reichweite. Und immer mehr E-Mountainbikes werden auch als Freizeitgefährt in den Bergen gesehen, wo bisher unerreichbare Ziele in greifbare Nähe rücken. Sonniger Strom Und der Zwilling Ökostrom? Der präsentiert sich in Vorarlberg ausgesprochen sonnig. Denn mit 13 Prozent Sonnenstromanteil aus 4200 privaten PV-Anlagen ist der Vorarlberger Ökostrom „der sonnigste Strom Österreichs“, wie Karl Dörler gerne festhält. Das macht die Sache
Die E-Mobilität und Ökostrom sind Zwillinge. Das gilt insbesondere für das E-Bike. KARL DÖRLER, GF VKW-ÖKOSTROM
auch besonders interessant. Denn auch wenn wetterfeste Pedalritter ihr E-Bike das ganze Jahr über nutzen, ist doch der Sommer die Zeit, in der das Fahrrad am meisten genutzt wird. Genau dann gibt es besonders viele Sonnenstunden und der Anteil am Solarstrom ist weit über dem Jahresschnitt. Die E-Bike-Förderaktion ist an den Bezug dieses Stroms aus nachhaltigen Quellen geknüpft. Denn so kann die positive Wirkung für Umwelt- und Klima besonders stark reduziert werden. Und
Ablauf der Förderung 1. Förderantrag ausfüllen (liegt bei Händlern auf) 2. Rechnung des Fachhändlers beilegen 3. Förderantrag und Rechnung an VKW Kundenservice (kundenservice@vkw.at) schicken 4. Geld wird von VKW auf Konto überwiesen Mehr Informationen unter: www.oekostrom.vkw.at
auch die kleinen heimischen Ökostromerzeuger werden so gefördert, denn Vorarlberger Ökostrom kommt zu 100 Prozent aus dem Land. Es fallen bei der Produktion weder CO2-Emissionen noch radioaktive Abfälle an. Gute Kalkulation Vorarlberger Ökostrom ist also gut für die Umwelt und für private Stromeinspeiser. Aber die Aktion ist auch für harte Rechner eine vernünftige Sache. Denn jeder, der für ein Jahr bei der VKW Ökostrom bezieht, kommt in den Genuss der Aktion. Die Mehrkosten für den grünen Strom liegen pro Haushalt im Schnitt bei 35 Euro: Wer sich also ein Fahrrad kauft, hat 65 Euro erspart. Die Aktion gilt natürlich auch für alle bestehenden Kunden, die hier neben dem guten Gefühl Umweltstrom zu beziehen auch einen handfesten wirtschaftlichen Vorteil erhalten. Vorarlberger Ökostrom können dabei auch Kunden der Stadtwerke Feldkirch, der E-Werke Frastanz und der Montafonerbahn AG bei ihrem Energieunternehmen beziehen. Und auch ins Allgäu wird Vorarlberger Ökostrom
VKW-Ökostrom unterstützt Kunden, die ein E-Bike erwerben möchten mit hundert Euro Förderbeitrag. FOTO: VKW
geliefert, auch diese Kunden dürfen natürlich teilnehmen. Einfache Abwicklung Die E-Bike-Förderung läuft noch bis Oktober. Um sich die hundert Euro abzuholen, muss man auch nicht viel machen. Denn im Fachhandel liegt der Antrag in der Regel auf. Und der Ankauf bei einem Vorarlberger Fachhändler ist, neben dem Bezug von Vorarlberger Ökostrom, die
zweite Voraussetzung für die Förderung. Der Händler stempelt den Antrag ab. Diesen müssen die Kunden dann gemeinsam mit der Rechnung per E-Mail an die VKW Ökostrom GmbH schicken und die überweist dann die hundert Euro auf das Konto. Die Serie „Energie für unser Leben“ ist eine redaktionell unabhängige Serie der VN mit Unterstützung von Illwerke VKW.
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VORARLBERGER NACHRICHTEN
Naturkreislaufwirtschaft und Initiativenlandkarte Engagierte Vorarlberger setzen sich für Natur- und Klimaschutz, Social Business und das Gemeinwohl ein. 2018 vergeben die Vorarlberger Nachrichten wieder den Vorarlberger Klimaschutzpreis an engagierte Kindergärtler, Schüler, Gemeinden, Unternehmen, Landwirte und innovative Privatinitiativen, Vereine und Kooperativen, die sich einer enkeltauglichen Zukunft, einem Leben und Wirtschaften im Einklang mit der Natur verschrieben haben. SCHWARZACH.
Bewusstseinswandel Aktive Menschen und gute Vorbilder gibt es viele. So beschäftigt sich die offene Projektgemeinschaft „Wan-
deltreppe“ mit Konsumentensolidarität und den Fragen des Kultur-, System- und Bewusstseinswandels. Ihre Themen sind das gute Leben, Postwachstum, Transition Town und zukunftsfähige Bildung. Auf ihrer Initiativenlandkarte sind Gemeinschaftsgärten, Landwirtschaftsprojekte, Freiräume und Begegnungsorte, bewusstes Wirtschaften, verantwortungsvolles Konsumieren, gemeinschaftliches Wohnen, nachhaltiges Leben und die Medien zu finden. Klimaneutrales Wirtschaften haben sich bald 100 Vorarlberger Unternehmen und Organisationen im Rahmen des von Illwerke VKW koordinierten Klimaneutralitätsbündnisses 2025 zur Aufgabe gemacht. Dabei führen die fünf Schritte Messen-Reduzieren-Kompensieren-Zertifizieren-Kommu-
Liebevoll gestaltete, blühende und fruchtbare Kleingärten in Hard.
nizieren zu Klimaneutralität und Klimaschutz. Alternativen, neue Wege Die Social Business Genossenschaft Allmenda hat sich dem Gemein- statt Eigennutz verschrieben und zeigt mit zahlreichen Aktionen und Projekten sinnvolle Investitionen ins Gemeinwohl auf, etwa mit der Regionalwährung „Talente“, dem „Schenktag“, dem „greenstart“-Event, Vorträgen wie etwa des Karma-Ökonomen Van Bo LeMentzel oder dem neuen großen Verkaufsplatz für kleine Produzenten „Fachl“ in der Dornbirner Innenstadt, für den sich gerne noch regionale Produzenten melden können. Innovative Ideen und neue Wege werden hier nicht nur angedacht, sondern auch eingeschlagen für eine nach-
haltig gesunde gesellschaftliche Entwicklung. Die freie Lern- und Arbeitsgemeinschaft Bodensee Akademie hat sich nicht nur die gentechnikfreie Bodenseeregion zum Ziel gesetzt, sondern vor allem die Aufklärung in Sachen Leben und Wirtschaften im Einklang mit der Natur durch zahlreiche Vorträge, Info-Veranstaltungen und Praxiskurse in einem umfassenden Jahresprogramm. Mit gutem Beispiel voran Auf Initiative des Verbands Obst- und Gartenkultur Vorarlberg öffneten sage und schreibe 82 Vorarlberger Gartenbesitzer für alle Interessierten an zwei Sonntagen im Juni ihre Tore. Die heurigen Tage der offenen Gartentür wurden zum absoluten Rekord mit mehr als 25.000 Besuchern. Der Wunsch nach Veränderung ist enorm. Die Menschen wollen raus aus Systemabhängigkeiten, hinein in ein selbstbestimmtes und vor allem gesundes Leben. In Obst-, Gemüse-, Schul-, Gemeinschafts-, Wasser- sowie ganzheitlich nachhaltigen Permakulturgärten holten sich die Besucher Tipps und Infos, wie man auf jeder noch so kleinen Brachfläche essbare Landschaften entstehen lassen kann, vom Boden bis zur Frucht, wie man sich durch sinnvolle Gartenarbeit erdet und sich seine Erholungsoase für Körper, Geist und Seele schafft. Es geht darum, Ökonomie, Ökologie und Soziales in Harmonie zu bringen für eine enkeltaugliche Zukunft. Die vielen Ideen, Innovationen, Initiativen und Projekte sind gefragt, gleich anmelden für den VNKlimaschutzpreis 2018 auf Klima.vol.at. Infos: wandeltreppe.net, klimaneutralitaetsbuendnis2025. com, allmenda.com, bodenseeakademie.at, ogv.at, wiki.imwalgau.at/ wiki/RC, www.consolnow.org
25.000 Besucher interessierten sich an zwei Tagen der offenen Gartentür (Bild: Wegwarte) für essbare Landschaften für Mensch und Tier.
Das offene Tor des „Garten Eden“ in Hittisau nutzten Hunderte Besucher, um den Permakulturkreislauf vom Boden bis zur Frucht zu erkunden.