Talentehauptschule Doren Von der HS zur THS Doren verfasst von Dir. Arno Eugster
1. Lage und Ort der Schule Die THS Doren ist eine Vorarlberger Hauptschule im ländlichen Raum am Rande des Bregenzerwaldes. Viele Kleinbusse fahren die Schüler in entlegene Parzellen, mindestens 5 Kinder müssen immer mitfahren, ein sehr schwierig zu erstellender Stundenplan ist die Folge. Zwischen 210 und 250 Schüler werden je nach Jahrgangsstärke in 8 bis 11 Klassen unterrichtet, Die drei Sprengelgemeinden Doren, Langen und Sulzberg schicken mehr als 95 % der Kinder in diese Hauptschule. Gymnasium ist keines in der Nähe, sodass also auch fast alle besonders begabten Kinder diesen Schultypus besuchen. Dies stellt hohe Anforderungen an den Lehrkörper. 2. Die Fünf-Tage-Woche als Ausgangspunkt des Problems Mit der Einführung der Fünf-Tage-Woche vor 5 Jahren ergab sich eine völlig neue Situation. Plötzlich meldeten sich keine Kinder mehr zu den vielen unverbindlichen Übungen an, weil sie nicht noch einen Nachmittag zusätzlich in der Schule verbringen wollten, obwohl ihnen die Angebote schon gefallen hatten. Aber gerade solche Fächer wie Theater, Spielmusik, Chorgesang, Geräteturnen, Fußball usw. waren die große Stärke gewesen, um die viele und hervorragende Arbeit der Kinder und LehrerInnen bei vielen Schulfesten und Veranstaltungen gut nach außen präsentieren zu können. Jetzt konnten diese unverbindlichen Übungen mangels Anmeldungen plötzlich und für den Lehrkörper überraschend nicht mehr stattfinden. Die Stimmung im Kollegium war deshalb schlecht und alle hatten das Gefühl, dass der Schule ein wichtiger Teil ihrer
Identität genommen worden war. Die Freude und der Spaß an der Schule war bei Schülern und LehrerInnen spürbar gesunken. Den beliebten Präsentationen für die Öffentlichkeit war das Herzstück entrissen worden. 3. Eine neue Idee entsteht Nach einiger Zeit des Unbehagens entstand folgende Idee: Wenn die Schüler aus Zeitmangel diese früher beliebten Fächer nicht besuchen wollen, muss man am System etwas ändern, damit die Schüler zum Besuch solcher Fächer verpflichtet werden. • Einführung eines Wahlpflichtfächersystems o Dies war der Ausgangspunkt der Überlegungen, ein schon lange gehegter, bis dahin aber nicht umsetzbarer Wunsch. o Ein Wahlpflichtfachsystem bedeutet, dass Doren keine Schwerpunktschule sondern eine Schule mit vielen Schwerpunkten ist. Ein Schwerpunkt bedeutet immer die Bevorzugung dieses einen Talentes, aber alle anderen Schüler leiden darunter. Deshalb müssen viele Wahlpflichtfächer angeboten werden. o Jeder Schüler sollte nach seinen Interessen und Fähigkeiten, also nach seinen Talenten aus dem Angebot auswählen können. o Dadurch wird die Freude und der Spaß sowohl der Kinder als auch der Lehrerinnen für die Schule gesteigert. o In jeder Schulstufe werden 2 Wochenstunden im Pflichtfachbereich gekürzt und stattdessen Wahlpflichtfächer mit einer Wochenstunde angeboten, von denen jedes Kind zwei solcher WP – Fächer bereits am Schulschluss für das nächste Schuljahr auswählen muss. Damit kommt jedes Kind wieder auf die gesetzlich vorgeschriebene Stundenzahl. o Das vom Land Vorarlberg zur Verfügung stehende Reststundenkontingent wird in die Haltung von WP – Fächern investiert. o Das WP – System wird in zwei großen Blöcken angeboten: Ein Block Schulstufen übergreifend für die ersten und zweiten Klassen und der zweite Block ebenfalls Schulstufen übergreifend für die dritten und vierten Klassen, natürlich müssen auch einzelne WP – Fächer nur für eine Schulstufe möglich sein. o Jede Lehrperson hat besondere Interessen und Fähigkeiten, die im normalen Unterricht wenig oder gar nicht Platz haben. Deshalb soll jede dieser Lehrpersonen die Möglichkeit bekommen, ihr Spezialgebiet in Form eines Wahlpflichtfaches anbieten zu können. o Neue Lehrpläne für die Fächer mit Stundenkürzungen und ebenfalls neue Lehrpläne für die neuen Wahlpflichtfächer müssen erstellt werden. o In WP – Fächern gibt es keine Noten, da die Kinder ja freiwillig ihr Bestes geben. o Besondere Regeln für die Auswahl der WP – Fächer müssen aufgestellt werden. o Die meisten WP – Fächer lassen sich gut für die Öffentlichkeitsarbeit verwenden. o Ein neuer Name für die Hauptschule soll der breiten Öffentlichkeit mitteilen, welche Inhalte die Schule wirklich zusätzlich vermittelt und sie von anderen Schulen deutlich abgrenzen. 4. Realisierung mit Schwierigkeiten • Umsetzung der Idee – 1. Schritt o Erforschung der speziellen Fähigkeiten der einzelnen LehrerInnen
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Einzelgespräche über die Einbindung dieser Dinge in den Unterricht Vorstellung des Systems bei einer Konferenz Große Zustimmung des Lehrkörpers Beginn mit den ersten und zweiten Klassen als Probejahr Kürzung von je 2 Wochenstunden in den ersten und zweiten Klassen Erfassen der WP – Angebote der einzelnen Lehrpersonen 1. WP für die 5. und 6. Schulstufe o Akrobatik o Jonglieren o Fußball o Volleyball o Abenteuerspiele o Höher, schneller, weiter o Tennis o Lesestunde o Rechtschreibtraining o Theater spielen o Philosophieren o Kochen macht Spaß o Maschinschreiben am PC – 5. Schulstufe o Start am Computer – 6. Schulstufe o Schach o Gitarre o Neue fetzige Lieder o Kreatives Gestalten mit Farben und Formen o Natur hautnah o Neue Fächer sind jedes Jahr möglich
o Errechnen des für die WP – Geschichte zur Verfügung stehenden Wochenstundenkontingents. Manche Gruppen müssen wegen des hohen Zulaufs geteilt werden, bis zu 37 Wochenstunden stehen dem WP – Programm zur Verfügung. o Ausarbeitung der wichtigsten Kriterien wie Auswahl der WP- Fächer, Informationen an Beteiligte, gesetzliche Änderungen durch Entscheidungsträger, Anmeldung der Schüler, Gruppenplatz- und Raumangebote, Formulare und Elternbriefe, endgültige Einteilung der Schüler in die WP – Gruppen, Stundenplangestaltung, Heimfahrtmöglichkeiten in den Kleinbussen, etc. o Die Schüler können sich jährlich neu zu den WP – Fächern anmelden, um Fehlgriffe zu korrigieren oder andere Interessen wahrzunehmen. o Nicht alle genannten WP – Fächer werden jedes Jahr angeboten, da das Raumangebot speziell im Sportbereich doch beschränkt ist und auch das zur Verfügung stehende Stundenkontingent nicht überschritten werden darf. •
Umsetzung der Idee – 2. Schritt o Im Jahr darauf werden auch die dritten und vierten Klassen in das WP – System miteinbezogen. Es müssen ebenfalls je zwei Wochenstunden im
Pflichtfachbereich gekürzt werden und das WP – Angebot muss stark erweitert werden. Die einzelnen Kriterien hielten dem Probejahr stand und erfuhren in den meisten Fällen nur kleine Verbesserungen und Umänderungen. 1. WP für die 7. und 8. Schulstufe o Aerobic, Tanz & Spiele o Fußball o Volleyball o Gitarre o Starmania – Musicalstar o Französisch für Anfänger o Französisch für Fortgeschrittene – 8. Schulstufe o Theater spielen o Kreatives Gestalten mit Farben und Formen o Profi am Computer – 7. Schulstufe o Experte am Computer – ECDL – 8. Schulstufe o GZ – CAD – Programme – 8. Schulstufe o Physik- und Chemielabor – 8. Schulstufe o Küche aus aller Welt o Jedes Jahr sind neue Fächer möglich o Auch hier werden nicht alle WP – Fächer jedes Schuljahr angeboten. •
Umgang mit Schwierigkeiten o Grobe Fehler sind nicht aufgetaucht, kleine Verbesserungen oder Änderungen in allen Bereichen wurden durch dauerndes Hinterfragen natürlich durchgeführt. o Nicht leicht war die Kürzung von je zwei Fächern jeder Schulstufe um je eine Wochenstunde. Die FachlehrerInnen gaben nur ungern eine Wochenstunde für den WP – Bereich ab. Vorgespräche mit vermutlich betroffenen LehrerInnen vermieden zu heftige Kontroversen bei der Festlegung. o Welche LehrerInnen konnten WP anbieten? Wie stehen die anderen LehrerInnen vor den Schülern da? o Die Stundenplangestaltung war und ist wegen des beschränkten Raumangebotes, der Busfahrtzeiten mit den entlegenen Parzellen und der erlaubten Tagesstundenanzahl der Kinder schwierig und stellt jedes Jahr eine gr0ße Herausforderung dar.. o Die Schüler müssen wegen des beschränkten Raum- und Gruppenplatzangebotes ihre drei liebsten WP – Fächer melden, von denen sie dann 2 bekommen. In Einzelfällen bekommen sie dann auch die Nummer 2 und 3. Die Auswahl ist also noch nicht 100% ig frei möglich. Dass bei zu wenig Platz in einer Gruppe die zweiten und vierten Klassen Vorrang bei der Zuteilung haben, hat nicht alle Beteiligten restlos überzeugt. Viel mehr sollten dann in diesem WP – Fach 2 oder mehr Gruppen eingerichtet werden. Dies ist aber aus stundenkontingentstechnischen Gründen nicht überall möglich, sodass es jedes Jahr immer noch vereinzelt Schüler trifft, die mit Nummer 1 oder 2 und eben Nummer 3 vorlieb nehmen müssen. In den Augen der
Kinder ist diese Enttäuschung aber meistens schon nach der ersten Unterrichtsstunde verflogen. o Eine große Schwierigkeit war, dass die Englisch – LehrerInnen nach dem 2. WP – Jahr in der vierten Klasse eine Wochenstunde mehr, als gesetzlich festgelegt, haben wollten. Das hätte bedeutet, dass diese Schüler nur noch ein WP – Fach gehabt hätten. Nachdem bis jetzt alle Schüler der ersten Klassen immer das WP – Fach „ Maschinschreiben am Computer“ gewählt hatten, wahrscheinlich auf Anraten der Eltern, wurde dieses WP – Fach gesetzlich in ein Freifach umgewandelt, sodass eigentlich alles beim Alten blieb. Die ersten Klassen können jetzt allerdings nur mehr ein WP – Fach auswählen (war bis jetzt praktisch ja auch so), haben aber die Möglichkeit, Maschinschreiben zusätzlich zu wählen. Da diese MS - Stunde im normalen Stundenplanes gesetzt wird, haben die teilnehmenden Schüler keinen stundenplantechnischen Nachteil. Außerdem muss jeder Schüler Maschinschreiben wählen, wenn er in den Folgejahren die Computerfächer besuchen will. 5. Auswirkungen auf die Schule • Fragebögen an die Eltern, die Schüler und LehrerInnen haben ergeben, dass das neue System hervorragend angenommen wird und das Wohlbefinden an die Schule zurückgekehrt ist. Die Schule ist dankbar, wenn Verbesserungsvorschläge helfen, das System zu optimieren. • Die Zielvisionen wurden praktisch alle erreicht. Die Schüler und LehrerInnen genießen diese Fächer mit viel Spaß und Freude. Die Öffentlichkeitsarbeit ist durch diese Fächer viel leichter geworden. Das Programm bei diversen Schulfeiern und Festen ergibt sich praktisch von selbst und muss nicht gesondert einstudiert werden. Da die Arbeiten aus diesen Fächern laufend präsentiert werden, wird das Selbstbewusstsein und die Freude an der Schule, so wie der Stolz der Eltern enorm gestärkt. Auch die LehrerInnen empfinden es sehr angenehm, wenn sie von der Bevölkerung für tolle Ausstellungen, Schaufenstergestaltungen, Präsentationen und Vorführungen immer wieder ein großes Lob einheimsen dürfen und gehen unglaublich motiviert an ihre Arbeit heran. • Die Schule hat sich auf jeden Fall in den drei Sprengelgemeinden als hervorragende, innovative und moderne Schule verankert. 6. Die Zukunft der Schule Das Projekt befindet sich in der Zielgeraden. Nach 4 Jahren der Erprobung kann festgestellt werden, dass das neue System richtig funktioniert und sehr gut angenommen wird. Eine Schule, in der jeder Schüler nach seinen Interessen und Fähigkeiten auswählen kann braucht auch einen neuen Namen, der das ausdrückt, was an Inhalten wirklich geboten wird. Nach langen Diskussionen hat sich der Lehrkörper im abgelaufenen Schuljahr geeinigt. Was zur Vollendung noch fehlt, ist die mediale Aufbereitung dieser Umbenennung der Schule und die damit verbundenen Folgen (Namensschilder, Emailadresse, Stempel, etc.), damit bei allen Beteiligten der hohe Bildungsanspruch der Schule, das Vertrauen in das System und trotzdem die mögliche Freiheit jedes Einzelnen zum Bewusstsein kommt und in der Region tief verankert wird. Das große Ziel ist es, dass die gesamte Bevölkerung weiß, dass an der THS Doren den Kindern alle Chancen für die weitere Berufsauswahl und weiterführende
Schulen geboten werden und die SchülerInnen die Möglichkeit haben, individuelle Wege nach ihren Talenten und Vorlieben und Interessen zu beschreiten. Die Bewohner der drei Sprengelgemeinden Doren, Langen und Sulzberg sollen stolz darauf sein können, dass es in Doren eine
Talentehauptschule gibt.
THS Doren Kirchdorf 200 6933 Doren Direktor Arno Eugster Tel: 05516/2098 Fax: o5516/2098-24 Email: direktion@hsdo.snv.at