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Stellungnahme

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Zahl: VIIa-601.76

Bregenz, am 01.02.2006

(Bei Antwortschreiben bitte anführen)

Gemeindeamt Schoppernau 6886 Schoppernau

Betreff: Bezug: Anlage:

Auskunft: Dipl.Ing. Lorenz Schmidt Tel: +43(0)5574/511-27115

Standortwahl für das geplante Biomasseheizkraftwerk Schreiben der Gemeinde Schoppernau vom 18.01.2006 -

STELLUNGNAHME des Amtssachverständigen für Raumplanung und Baugestaltung

1. Problemstellung Die Gemeinde Schoppernau ersucht mit Schreiben und Telephonat vom 18.01.2006 um Stellungnahme, inwieweit der Standort für das geplante Biomasseheizkraftwerk an der L200 den Zielen der Raumplanung entspricht und im Falle einer Bauführung mit den Schutzinteressen der Landschaft und des Ortsbildes nach dem Gesetz über Naturschutz und Landschaftsentwicklung bzw. dem Baugesetz vereinbar ist. Anlass für die Fragestellung ist das Angebot eines Grundstückeigentümers, das eine Verlegung des Standortes nach Norden vorsieht. Dieser Standort wird in weiterer Folge als Variante bezeichnet. 2. Grundlagen Grundlage für die Beurteilung bilden mehrere Ortsaugenscheine, die Einsichtnahme in den Flächenwidmungsplan der Gemeinde, den Gefahrenzonenplan sowie eine Besprechung im Gemeindeamt Schoppernau am 21.12.2005 in Anwesenheit von Dr. Walter Bauer, Landesgeologe, Dipl.Ing. Gerhard Prenner, Forsttechnischer Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung, Gerhard Violand, Wasserwirtschaft-

Amt der Vorarlberger Landesregierung Landhaus A-6901 Bregenz www.vorarlberg.at DVR 0058751 Tel: +43(0)5574/511-0 Fax: +43(0)5574/511-920095 E-Mail: amtdvlr@vorarlberg.at


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liches Planungsorgan des Landeswasserbauamtes, Pius Simma, Bürgermeister Schoppernau, Franz Fink, VKW, zwei Gemeindevertretern und des Unterzeichneten. 3. Befund 3.1. Allgemeine Grundlagen des Projektes Die Gemeinde Schoppernau beabsichtigt die Errichtung eines Biomasseheizkraftwerkes zur Versorgung der zentralen Siedlungsflächen der Gemeinde mit Fernwärme. Da der Ort Schoppernau allseitig von umfangreichen roten bzw. gelben Gefahrenzonen nach dem Gefahrenzonenplan des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung umgeben ist, von der in der Talebene fließenden Bregenzerache ebenfalls Gefährdungen ausgehen, die eine Bauführung in deren Nah- bzw. Gefahrenzonenbereich unmöglich machen und ferner auch die geologischen Verhältnisse in der Umgebung des Dorfes die Realisierung des og Projektes unmöglich machen, gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Baugrundstück äußerst schwierig. Es kommt erschwerend hinzu, dass Schoppernau ein bis dato beinahe idealtypisches Ortsbild aufweist, was durch den klaren Verlauf der Siedlungsränder und eine sehr einheitliche Bebauungsstruktur des Dorfes unterstrichen wird. Die Errichtung eines sehr großvolumigen Baukörpers mit einem hohen, weil funktional notwendigen, Schlot innerhalb des zentralen Siedlungsgebietes oder in der unmittelbar daran anschließenden freien Fläche, ist daher nicht möglich. Weitere Kriterien für die Wahl des Standortes wie etwa lufthygienische Aspekte, beispielsweise die Auswirkungen des Betriebes bei Inversionslage auf die Luftgüte des Talkessels oder jene der talauswärts gelegenen Gemeinden konnten mangels Betriebsdaten auch in einem Telephonat des Unterfertigten mit dem lufthygienischen ASV nicht erschöpfend eruiert werden. Verkehrstechnische Standortkriterien, die sich aus den Tonnageanforderungen der Lieferfahrzeuge und den Lieferfrequenzen ableiten lassen, führen zu einer weiteren Einschränkung möglicher Standorte in der Talebene von Schoppernau. Die vom möglichen Errichter (VKW) im Hinblick auf einen betriebswirtschaftlich sinn-


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vollen Betrieb der Anlage eingeforderten Maximalentfernungen zwischen Kraftwerk und Abnehmer stellen selbstredend ein weiteres wesentliches Kriterium für eine Standortwahl dar. Widmungskonformität bzw. mögliche Teilabänderungen des rechtmäßigen Flächenwidmungsplanes hängen neben Anderem in wesentlichen Teilen von den bereits oben angeführten Fachbereichen ab. Die tatsächliche Flächenverfügbarkeiten spielt klarerweise ebenfalls eine entscheidende Rolle in der Wahl des Standortes. Stellungnahmen von weiteren Amtssachverständigen (Naturschutz, Gewerbetechniker etc. ) wurden noch nicht eingeholt. 3.2. Dimensionen Einer Grobabschätzung durch einen Planer vergleichbarer Anlagen (VKW) zufolge ist mit Mindestausmaßen von 50m (Länge) x 35m (Breite) x 9m (Höhe) bei der gegenständlichen Anlage zu rechnen. Diese Maßangaben beinhalten das eigentliche Kraftwerksgebäude wie auch die Lagerhalle für die Hackschnitzel und die notwendige Manipulationsfläche. 3.3. mögliche Standorte: Beurteilung und Vorauswahl 3.3.1. Gräsalp Der Standort im Nahbereich des bestehenden Freibades ist aus gestalterischer Sicht wünschenswert, da die Anlage unter Einbeziehung der vorhandenen Topographie gut in die Landschaft eingebettet werden könnte und so die Sichtbarkeit und optische Präsenz im engen Talraum weitestgehend vermieden werden könnte. Von der bei der Anlieferung des Heizmateriales mit großen Sattel- oder Hängerzügen auftretenden Lärmbelästigungen sind aufgrund der abseitigen Lage nur Wenige betroffen. Eine statische Verstärkung der Bregenzerachbrücke wäre unter Umständen notwendig. Der Standort wird jedoch wegen geologischer Gefährdungen und Bedenken von Seiten des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach und Lawinenverbauung ausgeschieden.

3.3.2. Ortsanfang (westlich des Ortszentrums)


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Unterhalb der L 200 am Ortsanfang von Schoppernau (von Au kommend) und unterhalb des Ausweichparkplatzes der Diedamskopfbahn befinden sich weitere mögliche Standorte. Topographisch tiefer und näher an der Bregenzerache liegende Standorte sind im Hinblick auf mögliche Gefährdungen durch die Bregenzerache im Hochwasserfall auszuschließen. Auch bewirken die Roten Gefahrenzonen im Bereich des Schrannenbaches, dass ein mögliches Gebäude weit in die freie Landschaft zu schieben wäre. Im Hinblick auf die große Bedeutung des Ortsbildes für Schoppernau und der extremen Störung bzw. Abwertung desselben durch eine Bauführung an dieser Stelle scheidet auch dieser Standort aus. 3.3.3. zentrale Standorte Zentrale oder zentrumsnahe Standorte für das Biomasseheizkraftwerk entfallen, da die kleinmaßstäbliche Dorfstruktur durch die Realisierung einer solchen großflächigen und -volumigen Anlage unverhältnismäßigen Schaden nehmen würde. Ferner wäre, lagebedingt, ein großer Teil der schoppernauer Bevölkerung von den negativen Auswirkungen der Anlieferungsfahrten und den Manipulationsmaßnahmen (Radladerbetrieb) bei dieser Standortwahl betroffen. 3.3.4. Ortsende (östlich des Ortszentrums), unter der L200 Die große Bedeutung des intakten Ortsbildes für Schoppernau, insbesondere für die touristische Nutzung, verlangt nach einer ortsbildverträglichen Lösung. Im Hinblick auf die Größe der Anlage und die Höhe der Baukörper scheint eine topographische Muldenlage, die eine Einbettung ins Gelände erleichtert, wünschenswert. Der dazu aus gestalterischer Sicht geeignete Standort am östlichen Ortsende unterhalb der L 200 und unmittelbar am Waldrand kann aus Sicherheitsgründen (Rote Gefahrenzone und im Überschwemmungsbereich der Bregenzerache) nicht genutzt werden. 3.4. gewählter Standort Angesichts der Tatsache, dass sich für die gestellte Aufgabe, einen geeigneten Standort für ein Biomasseheizwerk im Nahbereich des Ortszentrums von Schoppernau zu suchen, kein Standort findet, der die unterschiedlichen Anfor-


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derungen gleichermaßen erfüllt, ist von einer Einschränkungen der Anforderungen auszugehen, wenn das Projekt realisiert werden soll. Am östlichen Ortsrand der Gemeinde Schoppernau, oberhalb der L 200 verfügt die Gemeinde über eine Grundstücksfläche, die den Kriterien des Landeswasserbauamtes, des Forsttechnischen Dienstes der Wildbach- und Lawinenverbauung sowie des geologischen Amtssachverständigen genügt. Es handelt sich dabei um eine mäßig ansteigende Wiesenfläche in der gelben Gefahrenzone. Die im Rahmen der Ausweisung als gelbe Gefahrenzone möglichen Beeinträchtigungen können gemäß Auskunft des Forsttechnischen Dienstes der Wildbach- und Lawinenverbauung vorbehaltlich einer genauen Überprüfung am Einreichprojekt durch Beachtung entsprechender baulicher Maßnahmen und Auflagen vom Forsttechnischen Dienst der Wildbach- und Lawinenverbauung hintangehalten werden. Aufgrund des erhöhten Standortes und der damit verbundenen guten Sichtbarkeit eines Gebäudes an dieser Stelle, wird die ortsbildlich äußerst negative Wirkung zum maßgebenden Kriterium für das Projekt. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ein übergroßes Bauwerk handelt, das das Orts- und Landschaftsbild überproportional stark (negativ) beeinflusst, müssen alle gestalterisch möglichen Maßnahmen (Landschaftsgestaltung, Gebäudegestaltung) getroffen werden, um die Negativwirkung zu minimieren. Die entsprechenden Gegenmaßnahmen bzw. Auflagen sind daher ohne Einschränkungen umzusetzen. 3.5. Variante Nördlich des gewählten Standortes wurde seitens der Gemeinde Schoppernau ein Variantenstandort vorgeschlagen. Im Vergleich mit dem gewählten Standort (siehe Punkt 4.4) zeigt sich, dass die Zufahrt wesentlich länger ist, da die entsprechende Fläche nicht direkt an der L 200 sondern tiefer im Grünraum liegt. Mit zunehmender Entfernung von der L 200 nach Norden steigt das Gelände, was die grundsätzlich nicht gewollte optische Präsenz und Auffälligkeit noch steigert und notwendige gestalterische Maßnahmen zu deren Reduktion verunmöglicht zumindest aber erschwert.


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Insbesondere die im Punkt Auflagen formulierte unabdingbare Einbindung des Projektes in den benachbarten Wald ist beim Variantenstandort kaum erreichbar. 4. Stellungnahme Infolge äußerst schwieriger Randbedingungen bei der Suche nach einem geeigneten Standort für das dargestellte Projekt unter spezieller Berücksichtigung der überaus großen Bauwerksdimensionen, erscheint es einerseits notwendig die aus den Schutzinteressen für das Orts- und Landschaftsbild resultierenden gestalterischen Anforderungen wesentlich zu reduzieren und andererseits die projektbezogenen Auflagen vollumfänglich umzusetzen. Zusammenfassend kann daher festgehalten werden, dass es sich beim beabsichtigten Projekt um eine Anlage handelt, die aufgrund ihrer Größe und des für das Ortsund Landschaftsbild sensiblen Standortes sich trotz eventuell möglicher gestalterischer Ausgleichsmaßnahmen in jedem Fall negativ auf das Gesamtbild auswirken wird. Erschwerend kommt hinzu, dass Schoppernau allseitig von Bergen umgeben ist, die eine ebenso allseitige Einsicht und Draufsicht ermöglichen. Eine Realisierung des beabsichtigten Projektes ist nur unter Beachtung der unten dargestellten Auflagen vorstellbar. 5. Auflagen Zur bestmöglichen gestalterischen Einbindung des Projektes am beschriebenen Standort ist jedenfalls und unabhängig von der genauen architektonischen Gestaltung, die derzeit noch nicht vorliegt, aufgrund des extremen Volumens zu beachten: − Das Gebäude ist so tief wie möglich in das Gelände zu versenken, um die sichtbare Höhe über Terrain möglichst zu verringern. − Das umgebende Gelände ist möglichst hoch und gleichzeitig flach aufzuschütten und an das Gebäude heranzuführen, um die sichtbare Gebäudehöhe zusätzlich zu verringern. − Das Gebäude ist möglichst allseitig, zumindest aber auf drei Seiten (evtl nicht an der der Straße zugewandten Seite), mit einer blickdichten und ortstypischen


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Baumbepflanzung zu umgeben, die gewährleistet, dass der Baukörper als „im Wald liegend“ wahrgenommen wird.

Für die Vorarlberger Landesregierung im Auftrag

Dipl.Ing. Lorenz Schmidt


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