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krampe_urteil_deutschland

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Beglaubigte Abschrift

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LANDGERICHT BERLIN Im Namen des Volkes Geschäftsnummer:

(535)1 Kap JS 255/01 Ks (15/01)

Strafsache Olaf Harald Wunderlich, geboren am 19. Oktober 1968 in Erlabrunn, Kreis Aue/Schwarzenberg, zuletzt wohnhaft Kaiserin-Augusta-Straße 65 in 12103 Berlin, z. Zt. in der JVA Moabit zur Buch-Nr. 31 1/02, wegen

Mordes u.a.

Die 35. große Strafkammer - Schwurgericht - des Landgerichts Berlin hat aufgrund der Hauptverhandlung vom 15. und 27. Mai, 3., 5., IO., 12., 17., 19., 24. und 26. Juni, 1., 3., 8. und 10. Juli, 12., 21. und 26. August, 2., 9.,16., 23. und 30. September, 2., 14., 21. und 28. 18. und 25. November, 2., 9.,16. und 23. Dezember 2002, 3.; 6. und 13. Oktober, 4., II., Januar 2003, an der teilgenommen haben:


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Vorsitzender Richter am Landgericht Ehestädt als Vorsitzender, Richter am Landgericht Valtu, Richter am Landgericht Seiffe als beisitzende Richter, Angestellte Karin Stratmann, Freiberuflicher Autor Michael Sollorz als Schöffen, Staatsanwalt von Hagen, Staatsanwalt Albers, Staatsanwalt Neudeck als Beamte der Staatsanwaltschaft, Dogs und

Justizhauptsekretärin Meier als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle,

in der Sitzung vom 13. Januar 2003 für R e c h t erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteiIt. Er trägt die Kosten des Verfahrens. Als verbüßte Strafe im Sinne von 3 57 a Abc. 1, Satz 1 Nr. 1 StGB gilt auch die in der Zeit vom 7. April 1994 bis 14. November 1996 erlittene Auslieferungs- und Untersuchungshaft im Ausland, die im Verhältnis von 1 : l anzurechnen ist. Das Bowiemesser „Crocodile Bowie II" mit Scheide und Lederband (Ifd. Nr. 15 und 18 zu AL 2002 Nr. 3330, Vorbiatt III zu Band XIX) wird eingezogen. Anqewendete Vorschriften: 33 21 1, 249 Abs. 1, 251 a. F.,52, 57a Abs. 2, 74 StGB.


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Gründe: I. Gliederuns:

I I . I.

Prozessgeschichte

11.2.

Kein Strafklageverbrauch

111.1.

Die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten

111.2.

Die Haftverhältnisse

IV.

Das Tatopfer Dr. Helmut Krampe

V.

Das Tatgeschehen

VI.

Die Beweiswürdigung

VI.1.

Der Angeklagte als letzte Kontaktperson des Dr. Krampe

v1.2.

Konspirative Verabredung

V1.3.

Besitz am Wohnmobil

V1.4.

Der Tatzeitraum

Vl.4.1.

Die Zeuginnen Matt und Oisterschek

V1.4.2.

Der Sachverständige Prof. Dr. Rothschiid

V1.4.3.

Der Sachverständige Dr. Benecke

V1.5.

Besitz am Wohnmobil in der Slowakei

V1.6.

Besitz an den persönlichen Gegenständen des Dr. Krampe

V1.7.

Besitz an der Tatbeute und am Tatmesser

V1.7.1.

Sicherstellung am 17. Mai 1994

V1.7.2.

Das Lederband zum Tatmesser

V1.7.3.

Die DNA-Analyse

v1.7.4.

Das Obduktionsgutachten zum Tatmesser (Prof. Dr. Rabl)

V1.8.

Die Einlassungen des Angeklagten in Österreich

v1.9.

Die Verschwörungstheorien

v1.10.

Die Wiederaufnahmegründe

VII.1.

Die rechtliche Würdigung

v11.2.

Die Schuldfähigkeit

VIII.1.

Die Strafzumessung

VI II.2.

Die Kostenentscheidung


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II.

I . Gegen den Angeklagten hat die Staatsanwaltschaft Feldkirch/Österreich wegen des hiesigen Tatvorwurfes am 22. Dezember 1995 Anklage wegen Mordes U. a. zum Geschworenengericht erhoben.

Vor dem Landgericht Feldkirch hat sodann in der Zeit vom 23. Oktober bis zum 14. November 1996 die Hauptverhandlung gegen den Angeklagten stattgefunden. Am 14. November 1996 ist der Angeklagte aufgrund des Votums der Geschworenen

freigesprochen und aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Nachdem die Staatsanwaltschaft Feldkirch die zunächst angemeldete Nichtigkeitsbeschwerde am 30. Dezember 1996 zurückgezogen hatte, ist das Urteil mit diesem Tag zunächst

rechtskräftig geworden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Feldkirch ist das freisprechende Urteil des Landgerichts Feldkirch vom 14. November 1996 mit Beschluss dieses Gerichts vom 27. Oktober 1998 in Verbindung mit dem Beschluss des Oberlandesgerichts lnnsbruck vom 12. Mai 1999 aufgehoben und die Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet worden. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft Feldkirch am 9. Februar 2000 erneut Anklage wegen des hiesigen Tatvorwurfes erhoben. Am 16 August 2000 hat die Oberstaatsanwaltschaft lnnsbruck die Staatsanwaltschaft Zwickau um Übernahme der Strafverfolgung ersucht. Nachdem der Angeklagte seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt hatte, ist schließlich das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Berlin übernommen worden.


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Ein Strafklageverbrauch durch einen rechtskräftigen Freispruch gemäß Art. 54 des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14.6.1985 (SDÜ), das auch in Osterreich in Kraft gesetzt worden ist (vgl. MeyerGoßner, StPO, 46. Aufl., Einl. Rn. 216), liegt nicht vor. Die Rechtskraftfähigkeit einer Entscheidung im Sinne von Art. 54 SDÜ beurteilt sich nach Maßgabe des nationalen Rechts des Erstverfolgungsstaates (vgl. Radtke, NStZ 2001, S. 662 ff, MeyerGoßner, Einl. Rn. 177 m. w. N.). Wertungswidersprüche bei der Durchbrechung der Rechtskraft infolge eines Wiederaufnahmeverfahrens zwischen dem österreichischen und dem Recht der übrigen Vertragsstaaten stehen der Anwendung von Art. 54 SDÜ nicht entgegen (vgi. Bohnert/Lagodny, NStZ 2000, S. 639 ff). Grundsätzlich kann zwar der rechtskräftige Freispruch eines Vertragsstaates in der Bundesrepublik Deutschland einen Strafklageverbrauch begründen (Schomburg/Lagodny, Internationale Rechtshilfe in Strafsachen, 3. Aufl., Rd. 11 zu Art. 54 SDÜ), jedoch wurde die Rechtskraft des Urteils des Landesgerichts Feldkirch vom 14. November 1996 gemäß § 355 Nr. 2 StPO/Osterreich durch den Beschluss des Landesgerichts Feldkirch vom 27. Oktober 1998 in Verbindung mit dem Beschluss des Oberlandesgerichts lnnsbruck vom 12. Mai 1999 beseitigt und das Verfahren wurde wieder aufgenommen.

III.

1. Der zur Tatzeit 25jährige Angeklagte wurde als gemeinsames Kind der Eheleute Edeltraud und Harald Wunderlich in Erlabrunn, Kreis Schwarzenberg/Aue, im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) der ehemaligen DDR geboren. Aus der Ehe stammt auch der etwa neun Jahre jüngere Bruder Kai, der heute als Selb-


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ständiger in der Baubranche arbeitet. Der Vater des Angeklagten war in Schwarzenberg in Sachsen in einem Betrieb für Waschgeräte als Leiter der Filmabteilung tätig. Die Mutter des Angeklagten arbeitete in einer Elektroinstallationsfirma als Lagerverwalterin. Nach der „Wende" fand der Vater des Angeklagten als gelernter Maschinenschlosser eine Arbeitsstelle in einer Firma in Beiersfeld. Die Mutter des Angeklagten ist arbeitslos.

Der Angeklagte besuchte in Schwarzenberg bis zur 10. Klasse die Polytechnische Oberschule (POS), nachdem er altersgerecht die Grundschule absolviert hatte. Probleme in der Schule hatte der Angeklagte nie. Zwischen 1985 und 1988 machte der Angeklagte eine Ausbildung zum Elektromonteur und Elektroinstallateur, die er erfolgreich abschloss. Zwischen 1988 und 1989 arbeitete der Angeklagte beim Rat der Stadt Schwarzenberg als technischer Leiter der Kultureinrichtungen, wobei er vornehmlich mit der Koordination von Veranstaltungen und mit der Jugendbetreuung beschäftigt war Am 19. September 1989 unterzeichnete der Angeklagte eine Verpflichtungserklärung beim Ministerium für Staatssicherheit der DDR, dem er fortan unter dem Tarnnamen ,,Seemann" diente. Als kulturpolitischer Mitarbeiter in einem Jugendclub wurde der Angeklagte für die ,,Aufklärung und operative Kontrolle negativ-dekadenter Jugendlicher" eingesetzt. Er berichtete dem MfS über Personen aus dem JugendClub, aus Gottesdiensten, Demonstrationen und Veranstaltungen des ,,Neuen Forum", an denen er teilnahm. 1989 erwarb der Angeklagte ein Haus, in dem er mit Hilfe eines ERP-Kredites der Volksbank in Schwarzenberg am 1. Juli 1990 gemeinsam mit seiner Freundin, der Zeugin Seltmann, die Pizzeria „L'Altra" eröffnete. Gleichzeitig besaß der Angeklagte einen Imbisswagen. Der Angeklagte leitete die Pizzeria etwa zwei Jahre lang mit


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zwei Mitarbeitern relativ erfolgreich. In zwei Zimmern des Hauses richtete er seine private Wohnung ein. Bis Ende 1991 wurde dem Angeklagten von der Volksbank ein Kredit von ca.

400.000,- bis 500.000,- DM ausgezahlt. Als der mit dem Angeklagten gut bekannte

Bankdirektor der Volksbank ausgewechselt wurde, drängte die Bank auf Rückzahlung des Darlehens samt Zinsen. Gleichzeitig bekam der Angeklagte Ärger mit der Stadtvetwaltung, weil für die Umbaumaßnahmen in seinem Haus keine wirksame Baugenehmigung vorlag. Diese Schwierigkeiten führten schließlich dazu, dass der Angeklagte überschuldet war und den Betrieb der Pizzeria aufgeben musste. Etwa zeitgleich trennte sich nach einer Beziehung von etwa zwei Jahren auch die Zeugin Seltmann vom Angeklagten, dem sie ein Verhältnis mit tschechischen Mädchen vorwarf, die in der Küche der Pizzeria arbeiteten.

Da der Angeklagte bereits in seiner Jugendzeit mit Goldgegenständen und Goldschmuck, die er in der Tschechoslowakei erworben hatte, in der DDR kleinere Geschäfte getätigt hatte, kam er nach der Pleite mit seiner Pizzeria 1992 auf die Idee, in einem größeren Stil Geschäfte im Goldhandel, im Im- und Export mit Edelmetallen oder auf andere gewinnversprechende Weise zu tätigen. Aufgrund seiner zahlreichen Kontakte in die ehemalige Tschechoslowakei erhielt er die Telefonnummer der Zeugen Böhler und Löbe aus Zürich, mit denen er Anfang 1993 in Kontakt kam. Der Zeuge Löbe war Ende 1992 aus Hannover nach Zürich gezogen und hatte von dem Architekten Edgar Schwyn die Räume in dessen Haus in der Asylstraße 11, 8032 Zürich, angemietet. Er beabsichtigte, gemeinsam mit den Zeugen Böhler und

Meusburger aus Vorarlberg/Österreich eine Firma namens ,,High Performance International Instruments" (HPI) zu gründen, die sich vorwiegend mit der Vermittlung von Geschäften mit Gold, Edelmetallen und Devisen befassen sollte. Der Hauseigentü-


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mer Schwyn sollte als Finanzier der Vorgenannten seine Mietzinsansprüche solange zurückstellen, bis diese durch die Gewinne der Firma abgedeckt waren. Der Zeuge Meusburger wollte seine Firma Herbamet (Duschgel und Shampoo) von Österreich in die Schweiz ausdehnen. Die Zeugen Löbe und Böhler waren in erster Linie am Goldhandel interessiert. Zu einer Eintragung der Firma HPI ins Handelsregister ist es nie gekommen. Obwohl in der Hauptverhandlung unzählige Geschäfte erörtert wurden, die die genannten Zeugen versuchten zu vermitteln, ist kein einziger erfolgreicher Geschäftsabschluss bekannt geworden. Nach eigenem Bekunden ging es den Zeugen 1993 und 1994 finanziell durchgehend schlecht. Ein Mietzins konnte für die Räume in der Asylstraße 11 nicht abgeführt werden.

Nachdem der Angeklagte den Zeugen Löbe erstmalig im AugustSeptember 1993 in Hannover getroffen und zur Abwicklung eines - letztlich gescheiterten - Geschäfts Geld geliehen hatte, bezog er etwa ab November 1993 eine ausgebaute Einzimmerwohnung in der obersten Etage (5. Stock) des Hauses Asylstraße 11. Der Angeklagte sollte zwar zu keiner Zeit als Gesellschafter oder Mitarbeiter der HPI fungieren, gegenüber den Zeuge Löbe, Böhler und Meusburger galt er jedoch als Kenner der Länder des ehemaligen Ostblocks, der ihnen Kontakte und Geschäftsverbindungen in diese Länder hätte vermitteln können. Vorwiegend war der Angeklagte deshalb in der Asylstraße 11 im eigenen Namen und für eigene Geschäfte tätig, wobei er die Büroeinrichtung der HPI benutzen durfte. Die Goldgeschäfte überließ der Angeklagte den Zeugen Löbe und Böhler, so dass keine Konkurrenzsituation aufkommen konnte.

Etwa im Oktober 1993 lebte die Beziehung zwischen dem Angeklagten und der Zeugin Seltmann wieder auf. Die Zeugin Seltmann besuchte ihn insgesamt vier Mal


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in Zürich, und zwar Ende November bis Anfang Dezember 1993, über den Jahreswechsel 1993/1994, Anfang Februar 1994 und am Wochenende zwei Wochen vor Ostern 1994.

Der Angeklagte leidet seit seiner frühesten Kindheit an einer Bindehautentzündung und ist Brillenträger. Um seine deutlich erkennbaren Augenränder zu verdecken, trug er vor und während des Tatzeitraumes praktisch rund um die Uhr eine optische Brille mit dunklen Gläsern. Sowohl die Augenränder als auch die dunkle Brille sind auf den Lichtbildern auf Blatt 125 im Beistück I (Original), Band VIII, auf die Bezug genommen wird, deutlich zu sehen.

Der Angeklagte ist nicht vorbestraft.

2. Der Angeklagte ist in dieser Sache aufgrund eines österreichischen Haftbefehls am

7. April 1994 in Tschechien festgenommen worden, befand sich bis zu seiner am 19. August 1994 erfolgten Überstellung nach Österreich in Auslieferungshaft und bis zu seiner am 14. November 1996 erfolgten Entlassung in Untersuchungshaft in Osterreich. Aufgrund des Haftbefehls der Kammer vom 15. Januar 2002 befindet sich der Angeklagte seit dem 21. Januar 2002 in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Moabit in Berlin.


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IV.

Das spätere Tatopfer Dr. Helmut Krampe wurde am 22. Mai 1940 in Münster geboren. Im November 1974 schloss er die Ehe mit der Zeugin Dr. Elisabeth Krampe, geborene Späth, die als Frauenärztin in Mainz eine Gemeinschaftspraxis mit einer Kollegin betreibt. Aus der Ehe stammen zwei heute erwachsene Töchter.

Dr. Helmut Krampe studierte Betriebswirtschaft und promovierte 1976 an der Universität in Gießen, nachdem er zuvor als wissenschaftlicher Assistent eine Stelle bei einer Forschungsanstalt hatte. Im Juli 1984 kaufte Dr. Krampe im Raum Pforzheim die Firma Pagedor-Edelmetall GmbH, die er als Geschäftsführer allein betrieb. Zweck des Unternehmens war der Ankauf von Zahngold und der gewinnbringende Weiterverkauf an Zahnärzte und Dentallabors in Deutschland. Als Dr. Krampe Edelmetalle auch im Ausland ankaufte, kam es zu einem Strafverfahren wegen Hinterziehung der Mehrwertsteuer. Im Oktober 1987 wurde Dr. Krampe festgenommen und befand sich zehn Monate in Untersuchungshaft. Er wurde schließlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt, die er als Freigänger mit einem Beschäftigungsverhältnisbei der Firma Walser-Bauer, die ebenfalls im Raum Pforzheim mit Edelmetallen handelte, bis zum 28. Juni.1993 verbüßte. 1976 hatte Dr. Krampe ein Einfamilienhaus in Oestrich-Winkel erworben, von dem er 1985 einen halben Anteil auf seine Ehefrau, die Zeugin Dr. Elisabeth Krampe, übertrug. Nach seiner Haftentlassung wollte sich Dr. Krampe erneut selbständig machen. Seine Firma Pagedor war bereits 1992 liquidiert worden. Gleichwohl hatte Dr. Krampe aufgrund seiner ununterbrochenen Tätigkeit in der Edelmetallbranche zahlreiche Kontakte zu diversen Geschäftspartnern. Ziel seiner Aktivitäten war es jeweils, Gold oder andere Edelmetalle in großen Mengen anzukaufen und gewinnbringend weiterzuveräußern, wobei die Geschäfte


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meist im Ausland unter dubiosen Umständen und grundsätzlich nur mit Bargeld durchgeführt wurden. Zum Transport der Bargeldmengen hatte die Zeugin Dr. Krampe ihrem Ehemann einen so genannten Körpertresor angefertigt, den er wie einen Geldgürtel um seine Taille trug, wenn er sich zu seinen Geschäftsterminen begab. Für die Fahrtstrecken benutzte er sein Wohnmobil, einen VW Maxivan T 4 (amtliches Kennzeichen: MZ-UC 467), in dem er auch schlief, um die Hotelkosten zu sparen. Er führte hierzu einen blau-grünen Daunenschlafsack, eine

rote Wolldecke und mehrere Kissen mit sich. Als Schlafanzug nutzte er einen blauen Hausanzug.

Im Sommer 1993 entstand ein zunächst telefonischer Kontakt zwischen Dr. Krampe und dem Zeugen Löbe. Die Zeugen Löbe und Böhler waren daran interessiert, Dr. Krampe Verkäufer von Gold und anderen Edelmetallen zu vermitteln, um dadurch Provisionen zu verdienen. Zwischen Sommer 1993 und März 1994 versuchten die Zeugen jeweils erfolglos, für Dr. Krampe Ankaufsgeschäfte in Monte Carlo, Amsterdam und Straßburg zu organisieren. Der Zeuge Böhler versuchte darüber hinaus ergebnislos, Dr. Krampe Anfang 1994 und Mitte März 1994 Verkäufer von ,,diskontierten Lire" (Schwarzgeld) zu vermitteln, wozu er sich mit Dr. Krampe in Mailand und Rom traf.

Zur Finanzierung seiner Geschäfte hatte Dr. Krampe bei der Rheingauer Volksbank am 5. Februar 1993 einen Kredit in Höhe von 350.000,- DM vereinbart, der von seiner Ehefrau unterzeichnet wurde und die Überziehung des Girokontos der Zeugin Dr. Krampe bei der Rheingauer Volksbank in Höhe des Darlehensbetrages ermöglichte. Tatsächlich wurde das Girokonto vor allem von Dr. Krampe genutzt, der für das Darlehen eine selbstschuldnerische Bürgschaft in Höhe von 350.000,- DM sowie eine Grundschuld in Höhe von 338.300,DM auf das Einfamilienhaus in Oestrich-Winkel als Sicherheiten geleistet hatte.


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Im Dezember 1993 hob Dr. Krampe von diesem Girokonto einen Barbetrag von 140.000,DM und im Januar 1994 einen solchen von 168.000,- DM ab, um damit seine Geschäfte zu finanzieren. Am 31. März 1994 wies das Girokonto der Zeugin Dr. Krampe ein Soll von 281.473,70 DM auf.

v. Durch die Geschäfte des Dr. Krampe mit der HPI in Zürich lernte auch der Angeklagte Dr. Krampe kennen. Ende 1993 baten ihn die Zeugen Löbe und Böhler, Dr. Krampe bei einem Geschäft in Eindhoven zu begleiten, bei dem Dr. Krampe diskontierte Schweizer Franken ankaufen wollte. Zu diesem Zweck fuhr der Angeklagte mit einem vom Zeugen Löbe geliehenen Fahrzeug von Zürich nach Oestrich-Winkel, holte dort Dr. Krampe ab und fuhr mit ihm weiter in die Niederlande. Der Angeklagte wusste, dass Dr. Krampe bei diesem wie bei jedem anderen Geschäft, das er durch die Vermittlung der HPI abwickeln wollte, grundsätzlich Bargeld in großen Mengen mit sich führte. Auf der Rückfahrt von Eindhoven nach Deutschland übernachtete der Angeklagte für eine Nacht im Haus des Dr. Krampe in . Oestrich-Winkel und fuhr dann zurück nach Zürich.

Im März 1994 ging es dem Angeklagten in finanzieller Hinsicht schlecht. In Deutschland war er aufgrund der Pleite mit seiner Pizzeria überschuldet. Aus den Geschäften, die er versuchte, aus Zürich zu vermitteln, erzielte er keine Gewinne. Den Zeugen Löbe, Böhler und Meusburger „lag er auf der Tasche", obwohl es diesen ebenfalls finanziell schlecht ging. Vom Zeugen Böhler hatte sich der Angeklagte einmal 10 Schweizer Franken für die Straßenbahn geliehen. Der Zeuge Rindfleisch gab dem Angeklagten 50 Franken für eine Bahnfahrt. Mitte März 1994 erzählte der Angeklagte dem Zeugen Eberharter bei einer Auto-


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fahrt, dass er pleite sei. Dem Zeugen Zahornitzky spiegelte er bei einem Zusammentreffen am 26. März 1994 in Bregenz vor, viel Geld und Wohnungen zu besitzen. Als ihn der Zeuge daraufhin bat, ihm ein Darlehen zu gewähren, lehnte der Angeklagte dies ab, weil er betrogen worden sei und zur Zeit über keine Geldmittel verfüge. Ein eigenes Fahrzeug besaß der Angeklagte nicht. Wenn er in Zürich Besuch von der Zeugin Seltmann erhielt, verbrachten beide die Zeit ohne nennenswerte Ausgaben. Der Angeklagte lebte in bescheidenen Verhältnissen ohne jeden Wohlstand, wenn er auch in seinem Geschäftsgebaren stets versuchte, einen gegenteiligen Eindruck zu vermitteln.

Um seiner finanziellen Misere ein Ende zu bereiten, kam der Angeklagte Ende März 1994 auf die Idee, mit Dr. Krampe ein Geschäft auf eigene,Rechnung hinter dem Rücken der Zeugen Löbe und Böhler bzw. der HPI abzuwickeln. Am 30. März 1994 rief der Angeklagte gegen 20.00 Uhr bei Dr. Krampe in Oestrich-Winkel an und schlug ihm ein Geschäft vor, das ohne die Mitarbeiter der HPI durchgeführt werden sollte. Die Kammer geht zugunsten des Angeklagten davon aus, dass er zu diesem Zeitpunkt noch nicht plante, Dr. Kampe zu töten, um ihm das erwartungsgemäß mitgeführte Bargeld wegzunehmen.

Der Angeklagte verabredete mit Dr. Krampe, sich am 31. März 1994 gegen 5.00 Uhr vor der Sihlpost in Zürich zu treffen, um gemeinsam mit dem Wohnmobil des Dr. Kampe nach LandecWOsterreich zu fahren, wo ein Geschäftspartner aufgesucht werden sollte. Gegen 21 .OO Uhr verließ Dr. Krampe sein Haus, er wollte am Karfreitag, dem 1. April 1994, und über Ostern wieder bei seiner Ehefrau sein. In seinem Körpertresor führte Dr. Krampe mindestens 286.000,- DM mit sich, um das Geld für das in Landeck geplante Geschäft zu verwenden. Es handelte sich um einen Teil des Bargeldes, das er im Dezember 1993 und Januar 1994 vom Girokonto der Zeugin Dr. Krampe abgehoben hatte.


1.4

Gegen 23.00 Uhr rief Dr. Krampe letztmalig von seinem Mobiltelefon seine Ehefrau, die Zeugin Dr. Krampe, an und teilte ihr mit, dass er sich auf der Autobahn zwischen BadenBaden und Freiburg befinde und sehr gut durchgekommen sei. Aufgrund der zügigen Fahrt war Dr. Krampe früher in Zürich als geplant, so dass er den Angeklagten anrief und etwa zwischen 1.30 Uhr und 2.00 Uhr diesen zur Sihlpost bestellte. Der Angeklagte begab sich von der Asylstraße zur Sihlpost, wo er mit dem Wohnmobil des

Dr. Krampe als Fahrer verabredungsgemäß in Richtung LandecWÖsterreich aufbrach. Dr. Krampe war von der Fahrt erschöpft und legte sich in den hinteren Teil des Wagens zum Schlafen auf oder in seinen Schlafsack, der sich auf einem zur Liegefläche umklappbaren Sitz befand. Zur Verdeutlichung des Innenraumes des VW-Wohnmobils wird auf die in der Hauptverhandlung in Augenschein genommenen Lichtbilder Nr. 79-88 im Beistück I (Original) Band V, Bezug genommen.

in der Zeit zwischen 3.30 Uhr und 4.30 Uhr passierte der Angeklagte die Grenze zwischen der Schweiz und Osterreich in Höchsüvorarlberg, wobei er sich mit dem Zollbeamten, dem Zeugen Leierer, kurz unterhielt. Der Zeuge forderte den Angeklagten auf, seine dunkle Brille zur Identifizierung abzunehmen. Der Angeklagte erzählte ihm, er habe die gleiche Augenkrankheit wie der Sänger Heino. Den im hinteren Teil des Wohnmobils schlafenden

Dr. Krampe bemerkte der Zeuge Leierer nicht.

Der Angeklagte setzte in Österreich die Fahrt fort und erreichte gegen 8.30 Uhr auf der Landesstraße zwischen Rankweil und Satteins bei GöfidPfitz in der Nähe vom „Schwarzen See" einen Stichweg, der nach etwa 20 Metern von der Landesstraße aus mit einer Schranke versperrt ist. An der Einmündung des Stichweges zur Landesstraße parkte der Angeklagte das Wohnmobil (vgl. Lichtbilder Nr. 5 und 6 im Beistück I (Original), Band V).


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Der Angeklagte entschloss sich spätestens zu diesem Zeitpunkt, Dr. Krampe zu töten, um an das von diesem für das geplante Geschäft mitgeführte Bargeld zu gelangen. Der Angeklagte zog das von ihm erworbene so genannte Bowiemesser „Crododile Bowie 11'' aus der Scheide, trat zu dem im hinteren Teil des Fahrzeuges schlafend liegenden Dr. Krampe und stach unvermittelt auf ihn ein. Insgesamt versetzte er dem sich sodann wehrenden Opfer mindestens 19 Stiche mit dem Bowiemesser, das über eine 4 cm breite und Ca. 20 cm lange Klinge verfügt. Der Angeklagte traf das Opfer vorwiegend in die rechte Halsseite, wobei es im Verlauf der Tathandlung zu einer Durchtrennung des Hals-Gefäß-Nervenstranges sowie zu einer nahezu vollständigen Durchtrennung der Halswirbelsäule mit Abtrennung des Halsrückenmarks sowie zu einer Eröffnung des Hals-Rachenraumes kam. Durch die Durchtrennung des Halsrückenmarkes trat eine sofortige Querschnittslähmung des Dr. Krampe ein. Innerhalb von 10 bis 15 Minuten verstarb Dr. Krampe infolge des Blutverlustes und durch eine Bluteinatmung über die verletzte Rachenwand.

Neben den zahlreichen Verletzungen an der rechten Halsseite befanden sich weitere Verletzungen an der linken Halsseite, an der Vorderseite der linken Schulter und dem linken Schlüsselbein sowie eine isolierte Verletzung in Höhe der mittleren Brustwirbelsäule am Rücken. Am linken Handrücken, am Mittelglied des linken Mittelfingers und an der lnnensei te des linken Daumens wurden Abwehrverletzungen festgestellt. Ein Teil des linken Daumens wurde abgetrennt. Der Daunenschlafsack wurde infolge der Stiche beschädigt.

Nachdem Dr. Krampe verstorben war, nahm der Angeklagte den Körpertresor des Opfers an sich, in dem sich das Bargeld in Höhe von mindestens 286.000,- DM befand. Anschließend zog er den Leichnam mit dem Schlafsack aus dem Fahrzeug und auf dem Schlafsack die dortige Böschung hinunter (Ca. 7,5 m lang, 30-45 940 abfallend). Am Ende der Böschung, wo die Schräge wieder in die waagerechte Ebene übergeht, legte er den Leichnam ab, den


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er aus dem Schlafsack zog. Eine rote Decke, in die Dr. Krampe zusätzlich gewickelt war, verblieb ebenso wie ein (unbeschädigtes) Kopfkissen am späteren Leichenfundort. Den erheblich beschädigten und bebluteten Schlafsack nahm der Angeklagte wieder mit und entsorgte ihn an einem unbekannten Ort. Am Leichenfundort und an der Böschung verblieben Blutspuren und zahlreiche Daunenfedern aus dem Schlafsack. Jeweils eine weitere Daunenfeder wurde bei der Obduktion in der Luftröhre des Leichnams sowie bei der späteren Auswertung der Blutspuren im Innenraum des Wohnmobils festgestellt.

Der Angeklagte verblieb mindestens bis 12.00 Uhr am späteren Leichenfundort und fuhr sodann mit dem Wohnmobil wieder nach Zürich, wo er es - um in der Asylstraße keine Aufmerksamkeit zu erregen -wieder vor der Sihlpost in der Nähe des Bahnhofes abstellte. Anschließend begab er sich zu seiner Wohnung in der Asylstraße, wo er kurz vor 14.00 Uhr eintraf. Er ging in das Büro der HPI, wo sich zu diesem Zeitpunkt nur der Zeuge Löbe aufhielt. Der Angeklagte hatte es eilig und erzählte dem Zeugen Löbe, er müsse zum Flughafen, wo für ihn ein Ticket hinterlegt sei, um für einen Geschäftstermin nach Süditalien zu fliegen. Der Angeklagte bestellte sich um 14.13 Uhr ein Taxi, das in der Asylstraße 11 kurz danach eintraf und den Angeklagten um 14.35 Uhr wieder an der Sihlpost absetzte, wo der Angeklagte seine persönlichen Sachen in das Wohnmobil umlud.

Mit dem Wohnmobil fuhr der Angeklagte sodann zu seinem Freund, dem Zeugen Kudelas,

in die Slowakei. Am 1. April 1994 traf er gegen 11.OO Uhr in Humenne/Slowakei ein. Noch an diesem Tag rief der Angeklagte den Zeugen Böhler an und erzählte ihm, er befände sich zur Zeit in Italien. Außerdem rief er seinen Freund, den Zeugen Christof aus Reichenbach/Sachsen, an, den er bat, ihn am folgenden Tag in Zlin/Tschechien mit dem Pkw abzuholen und nach Deutschland zu bringen. Dem Zeugen Christof spiegelte der Angeklagte


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vor, er befände sich zur Zeit geschäftlich in der Ukraine und würde am 2. April 1994 nach Zlin reisen.

Dem Zeugen Kudelas erzählte der Angeklagte, er habe das Wohnmobil von jemanden genommen, der ihm Geld schulde, weil er andernfalls nicht zu seinem Geld kommen würde. Er müsse zunächst nach Zlin, wo ein Auto auf ihn warte, das ihn nach Berlin bringe. Auf dem Rückweg wolle er mit dem slowakischen Präsidenten verhandeln und dann von Humenne mit dem Wohnmobil nach Kiew fahren, um mit dem dortigen Präsidenten zu verhandeln.

Am 2. April 1994 lieh der Angeklagte dem Zeugen Kudelas in einem Restaurant 5000,- DM in Scheinen zu je 1000,- DM, die aus der Tatbeute stammten und für den Zeugen Kudelas neu aussahen. Anschließend organisierte der Zeuge Kudelas für den Angeklagten dessen Fahrt nach Zlin, indem er ihm einen Fahrer und einen Pkw Lada zur Verfügung stellte. Da der Lada unterwegs eine Panne hatte, musste der Angeklagte seine Fahrt nach Zlin mit dem Taxi fortsetzen, wo er sich im Hotel ,,Moskau" nachmittags mit dem Zeugen Christof traf.

In seinem Hotelzimmer Nr. 909 legte der Angeklagte den Rest des entwendeten Bargeldes in Höhe von 281.OOO,- DM sowie das Tatmesser auf einen Ca. 2 m hohen Schrank hinter eine dort vorhandene, Ca. 10 cm hohe Blende.

Am 3. April 1994 fuhren der Angeklagte und der Zeuge Christof zunächst nach Leipzig, wo sie die Zeugin Seltmann abholten, und sodann zum Haus des Zeugen Christof nach Reichenbach, wo der Angeklagte zwei Nächte blieb.


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Am 5. April 1994 rief der Angeklagte den Zeugen Löbe in Zürich an. Zu diesem Zeitpunkt war gerade der Polizeibeamte Keller in der Asylstraße 11 anwesend, weil er den Auftrag erhalten hatte, in der Vermisstensache Dr. Krampe zu ermitteln. Der Zeuge Löbe übergab den Telefonhörer an den Zeugen Keller, dem der Angeklagte erzählte, er sei zur Zeit in Italien und komme in ein oder zwei Tagen wieder nach Zürich, wo er für eine polizeiliche Vernehmung zur Verfügung stehe. Anschließend rief der Angeklagte die Zeugin Dr. Krampe an und erzählte ihr, er habe ihren Ehemann am 31. März 1994 erst zwischen 10.30 Uhr und 11.30 Uhr getroffen, für eine Weiterreise nach Osterreich sei es aber zu spät gewesen. Er

wisse nicht, wo sich Dr. Krampe aufhalte. Er, der Angeklagte, sei zur Zeit in Italien südlich von Rom.

Mit dem Wagen des Zeugen Christof und der Zeugin Seltmann fuhr der Angeklagte am 5. April 1994 von Reichenbach nach Berlin, wo er den Zeugen Daudert aufsuchte. Anschließend brachte er die dort Psychologie studierende Zeugin Seltmann nach Leipzig. Er fuh; zurück nach Reichenbach und am 6. April 1994 mit dem Zeugen Christof mit einem Zwischenstopp in Eibenstock bei einem Geschäftsfreund wieder nach Zlin in das Hotel „Moskau". Nachdem der Zeuge Christof am 7. April 1994 das Hotel ,,Moskau" verlassen hatte, wurde der Angeklagte dort aufgrund eines österreichischen Haftbefehls um 15.15 Uhr festgenommen und kam in Auslieferungshaft.

Das Wohnmobil des Dr. Krampe wurde am 6. April 1994 am Grenzübergang Jablunkov an der polnisch/tschechischenGrenze auf der tschechischen Seite sichergestellt, als die Zeugen Kudelas und Smalik (als Fahrer) mit ihm unterwegs waren. Die Zeugen Kudelas und Smalik wurden aufgrund des hiesigen Tatvorwurfes vorläufig festgenommen und kamen ebenfalls in Auslieferungshaft. Mangels Tatverdachts wurde der Haftbefehl gegen die Zeu-

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gen am 20. Mai 1994 aufgehoben und die Zeugen wurden aus der Auslieferungshaft entlassen.

Der Leichnam des Dr. Krampe wurde am 3. April 1994 von den Zeugen Alois und Pauline Langegger gegen 16.30 Uhr im Unterholz an der Stelle aufgefunden, wo ihn der Angeklagte abgelegt hatte.

VI.

Der Angeklagte hat in der Hauptverhandlung von seinem Recht Gebrauch gemacht, nicht zur Sache auszusagen. Aufgrund der gebotenen zusammenfassenden Würdigung der Beweisergebnisse steht zur sicheren Überzeugung der Kammer fest, dass der Angeklagte die angeklagte Tat begangen hat.

Der Angeklagte war erwiesenermaßen die letzte bekannte Kontaktperson von Dr. Krampe und hat sich mit ihm kurz vor dessen Tod in Zürich getroffen, das nach Aussage des Zeugen Poiger mit einer Fahrtzeit von etwa 1 1/2 Stunden vom Leichenfundort entfernt liegt. Der Umstand des Treffens in Zürich ergibt sich aus der glaubhaften Aussage der Zeugin Dr. Krampe, die von der Verabredung durch ihren verstorbenen Mann erfahren hatte. Der Angeklagte hat gegenüber der Zeugin in dem Telefonat vom 5. April 1994 angegeben, er habe Dr. Krampe in Zürich getroffen (wenngleich er einen unzutreffenden Zeitpunkt genannt hat).


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2. Die Umstände der Verabredung zwischen Dr. Krampe und dem Angeklagten waren

konspirativ. Das Treffen sollte gerade nicht in den Räumen der HPI erfolgen, obwohl dies nahe gelegen hätte, und zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, nämlich in der Nacht bzw. sehr früh morgens, stattfinden. Die Aussagen der Zeugen Löbe und Böhler, dass sie von dem Treffen nichts wussten, sind deshalb glaubhaft.

3. Der Angeklagte war sowohl vor als auch nach der Tatbegehung im Besitz des

Wohnmobils des Tatopfers. Die Kammer ist (insofern anders als die Anklage) davon überzeugt, dass Dr. Krampe noch gelebt hat, als der Angeklagte mit dem Wohnmobil die Grenze zwischen der Schweiz und Osterreich passierte. Der Zeuge Leierer hat den Angeklagten sowohl in der österreichischen als auch in der hiesigen Hauptverhandlung identifiziert. An der Glaubhaftigkeit seiner Aussage bestehen keine vernünftigen Zweifel.

Besonders hervorzuheben ist die Erinnerung des Zeugen Leierer an die dunkle Brille, die der Angeklagte zur Nachtzeit trug. Die im Tatzeitraum auffällige Eigenart des Angeklagten, praktisch rund um die Uhr eine dunkle Brille zu tragen, ist ausnahms-

los von allen Zeugen bestätigt worden, die mit dem Angeklagten zu tun hatten. Dies trifft auch auf die Zeugen Seltmann und Christof zu, die zumindest im damaligen Zeitraum mit dem Angeklagten befreundet waren.

Der Zeuge Leierer hatte auch eine sichere Erinnerung an das Wohnmobil (dunkelblauer Wagen mit deutschem Kennzeichen, VW-Bus-artig). Der Fahrer sei ein Deutscher gewesen, von kräftiger Statur, der angegeben habe, er müsse wegen einer seltenen Augenkrankheit die dunkle Brille tragen.


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Wenn auch der Zeuge Leierer Dr. Krampe nicht bemerkt hat, so hat sich dieser zur Überzeugung der Kammer liegend im hinteren Teil des Fahrzeuges befunden, das durch verdunkelte Scheiben zur Nachtzeit schlecht einzusehen war. Dr. Krampe hatte sich - nach der langen Fahrt aus Oestrich-Winkel verständlich - hingelegt, um mit dem Angeklagten -wie abgesprochen - die Fahrt von Zürich nach Österreich fortzusetzen. Er ist hinter dem Grenzübergang in Österreich gefunden worden, und zwar ohne Schuhe und mit zahlreichen Daunenfedern am Leichenfundort und einer in seiner Luftröhre, so dass von einem vorangehenden Schlaf des Opfers auszugehen ist. Der Umstand, dass er hierfür einen Schlafsack mit sich führte, folgt auch aus der glaubhaften Aussage der Zeugin Dr. Krampe.

Dr. Krampe hat zur Überzeugung der Kammer zu dem Zeitpunkt, als der Angeklagte

vom Zeugen Leierer kontrolliert wurde, auch noch gelebt, denn die Fahrtstrecke zwischen Zürich und der Grenze zu Österreich ist gering und es erscheint als sinnlos und ausgeschlossen, dass der Angeklagte eine Leiche aus der Schweiz nach Österreich transportierte.

Aufgrund der in der Hauptverhandlung verlesenen Aussage des Taxifahrers Reber, der den Angeklagten kurz nach 14.13 Uhr von der Asylstraße zur Sihlpost gefahren hat, steht fest, dass der Angeklagte auch kurz nach dem Tatgeschehen im Besitz des Wohnmobils war, denn der Zeuge Reber hat das Wohnmobil des Dr. Krampe auf Fotos identifiziert. Die Anwesenheit des Angeklagten in der Asylstraße, und zwar erst „maximal 20 Minuten vor der Bestellung des Taxis", steht durch die insoweit glaubhafte Aussage des Zeugen Löbe fest, der den Angeklagten zuvor ergebnislos im Haus für das Frühstück gesucht hatte. Ein Alibi des Angeklagten ist für den von der Kammer als erwiesen erachteten Tatzeitraum deshalb nicht gegeben.


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4. 1. Der Tatzeitraum ergibt sich in erster Linie durch die glaubhaften Aussagen der

Zeuginnen Matt und Oisterscheck. Die Aussage der Zeugin Oisterschek wurde in der Hauptverhandlung verlesen. Die Zeugin Matt hat das Wohnmobil am späteren Leichenfundort anhand der Farbe, des deutschen Kennzeichens und der Gestalt des Wagens auf Fotos identifiziert, sie hat es an dem Stichweg, mit der Front nach vorne, in der Zeit zwischen 11.OO Uhr und 12.00 Uhr gesehen. Die Zeugin Oisterschek hat das Wohnmobil zwar nicht identifiziert, nach ihrer polizeilichen Aussage jedoch ein blaues Wohnmobil mit einem deutschen Kennzeichen am späteren Leichenfundort gesehen, und zwar in der Zeit zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr. Nach den Gesamtumständen hat die Kammer keine Zweifel, dass die beiden Zeuginnen das Fahrzeug des Dr. Krampe am späteren Leichenfundort gesehen haben und dass sich daraus auch der zutreffende TatZeitraum ableiten lässt.

4.2. Das Gutachten des Sachverständigen Prof. Dr. Rothschild zur Abschätzung des Todeszeitpunktes steht mit dem dargelegten Beweisergebnis in Übereinstimmung. Nach dem Ergebnis seines Gutachtens ist von einer Mindestliegezeit des Leichnams von 2 - 3 Tagen auszugehen, so dass ein Todeszeitpunkt am 1. April, 31. März oder davor in Betracht kommt. Prof. Rothschild hat für sein Gutachten alle für eine Todeszeitabschätzung relevanten Umstände ausgewertet und dabei die früheren Gutachten aus dem österreichischen Strafverfahren berücksichtigt.

Eine wissenschaftlich gesicherte Todeszeitbestimmung aufgrund frühpostmortaler Leichenveränderungen war nach dem Gutachten nicht möglich, da im vorliegenden Fall fast sämtliche Faktoren am Leichenfundort außerhalb des Gültigkeitsbereiches


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standardisierter und wissenschaftlich gesicherter Verfahren lagen und sich zudem die Körperkerntemperatur der Leiche der Bodentemperatur angepasst hatte. Prof. Rothschild konnte daher nur eine auf sachverständigem Wissen und Erfahrung beruhende Todeszeitabschätzung vornehmen, bei der er insbesondere berücksichtigt hat, dass die bei der Obduktion vorliegende Waschhautbildung und die festgestellten Autolyseveränderungen für eine Mindestliegezeit von 2-3 Tagen sprechen.

Es ist für die Kammer nachvollziehbar und überzeugend zu dem dargelegten Ergebnis gekommen, eine weitergehende Einschränkung des Todeszeitpunktes war nach seinem Gutachten nicht möglich.

4.3. Das Gutachten des Sachverständigen Dr. Benecke zur Leichenliegezeitbestimmung unter Auswertung der insektenkundlichenAspekte (bei Berücksichtigung der früheren, teilweise widersprüchlichen Gutachten aus dem österreichischen Strafverfahren) kam zu dem Ergebnis, dass der wahrscheinlichste Zeitpunkt, an dem die in den Obduktionsgutachten festgestellten Fliegeneier auf dem Leichnam abgelegt worden sind, am 31. März 1994 war, denn die Ei-Ruhe bis zum Schlüpfen beträgt unter den konkreten Umständen am Leichenfundort mindestens 24 Stunden, wenn nicht wesentlich länger, und eine Made war bei der noch am 3. April 1994 ab 21.45 Uhr durchgeführten Obduktion frisch geschlüpft. Eine Besiedelung der Leiche mit den Fliegeneiern am 1. oder 2. April 1994 ist jedoch weniger wahrscheinlich als am 31. März 1994, denn diese Tagen waren im Gegensatz zum 31. März regnerisch, was den Fliegenflug und die Eiablage behindert, weil sich Fliegen bei Regen verstecken. Aus insektenkundlicher Sicht ist der Zeitpunkt der Fliegeneiablage, der nach dem Todeseintritt bzw. jedenfalls nach dem Tatgeschehen erfolgt sein muss,

umso wahrscheinlicher, als er sich vom Zeitpunkt der Obduktion entfernt. Die Kam-


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mer hat sich dem nachvollziehbaren und überzeugenden Gutachten des Sachverständigen Dr. Benecke nach eigener Überprüfung angeschlossen.

5. Der Angeklagte war nach den in der Hauptverhandlung verlesenen Aussagen der

Zeugen Kudelas, Smalik und Kudelasova auch noch im Besitz des Wohnmobils des Dr. Krampe, als er am 1. April 1994 morgens in die Slowakei kam. Die Aussagen der genannten Zeugen sind insoweit unter Berücksichtigung des übrigen Beweisergebnisses zweifelsfrei glaubhaft. Dem Zeugen Kudelas erzählte der Angeklagte, dass er das Wohnmobil jemandem abgenommen habe. Der Angeklagte hatte auch vor, das Wohnmobil für eine Fahrt in die Ukraine zu einem späteren Zeitpunkt für sich zu vewenden.

6. Der Angeklagte war im Besitz der persönlichen Gegenstände des Dr. Krampe als er

am 7. April 1994 in Zlin festgenommen wurde. Aus dem Beschlagnahmeprotokoll der Zeugen Vana und Reznicek, das in der Hauptverhandlung verlesen wurde, ist

als von herausragender Bedeutung hervorzuheben, dass der Angeklagte am 7. April 1994 im Besitz des Personalausweises und des Reisepasses des Dr. Krampe war.

7. 1. Zur sicheren Überzeugung der Kammer hat der Angeklagte durch die Tatbege-

hung den Besitz des Bargeldes erlangt, das Dr. Krampe in seinem Körpertresor aufbewahrte. Dieses Bargeld führte der Angeklagte bei seiner Fahrt nach Zlin mit sich

und legte es - soweit er es nicht zuvor (z.B. durch das Darlehen an den Zeugen Kudelas) ausgegeben hatte - zusammen mit dem Tatmesser am 2. April 1994 in seinem Zimmer Nummer 909 im Hotel ,,Moskau" auf den Schrank. Die Tatbeute und das Tatmesser lagen an dieser Stelle auch noch am 7. April 1994, als der Angeklagte festgenommen wurde, wenngleich die festnehmenden tschechi-


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schen Beamten diese Gegenstände übersehen haben und im Zimmer 909 des Hotels beließen. Die Tatbeute in Höhe von 281.OOO,-DM und das Tatmesser wurden

erst am 17. Mai 1994 von dem Reinigungspersonal des Hotels aufgefunden, was aufgrund der in der Hauptverhandlung verlesenen Aussagen der Zeuginnen Machova, Gajdosikova und Nukova feststeht. Die Aussagen der genannten Zeuginnen sind auch glaubhaft. Der Platz, an dem die Gegenstände lagen, war aufgrund der Höhe des Schrankes und der Blende unter normalen Umständen nicht einsehbar. Auf den in der Hauptverhandlung in Augenschein genommenen Videofilm der tschechischen Polizei über das Hotelzimmer 909 im Hotel ,,Moskau" wird Bezug genommen. Die Gegenstände wurden nur deshalb vom Reinigungspersonal aufgefunden, weil am 17. Mai 1994 eine Generalreinigung des Zimmers durchgeführt wurde, die üblicherweise im Rhythmus von drei bis vier Monaten stattfindet. Die Verpackung der Gegenstände war nach den Aussagen bereits angestaubt, was auf eine längere Liegezeit schließen lässt. Die Aussagen der genannten Zeuginnen sind widerspruchsfrei und stimmen überein. Die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen wird nicht dadurch in Frage gestellt, dass ihnen der österreichische Hauptermittlungsbeamte Poiger nach dem Auffinden der Tatbeute und nach ihren ersten Aussagen einen Finderlohn übergab. Gegen dieses Beweisergebnis spricht auch nicht der Umstand, dass die Tatbeute und das Tatmesser bei der Festnahme des Angeklagten am 7. April 1994 nicht aufgefunden wurden. Die tschechischen Beamten, die die Festnahme durchführten, handelten im Wege der Rechtshilfe für Osterreich, bei der die Festnahme des Angeklagten im Vordergrund stand und keine eigenen Ermittlungen durchzuführen waren. Sie haben zwar zahlreiche Gegenstände, die der Angeklagte in Gewahrsam hatte, sichergestellt und ein Protokoll angefertigt. Eine Durchsuchung des Zimmers


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oder eine Spurensicherung gehörten aber nicht zu ihren Aufgaben. Die Kammer ist daher aufgrund der dargelegten Umstände, insbesondere des von außen nicht einsehbaren Verstecks, in dem sich die Gegenstände hinter der Blende befanden, davon überzeugt, dass die tschechischen Beamten die Tatbeute und das Tatmesser am 7. April 1994 schlicht übersehen haben.

7.2. Dass der Angeklagte das Tatmesser schon am 7. April 1994 in seinem Besitz

hatte, ist durch einen weiteren Umstand erwiesen. Die tschechischen Beamten händigten dem Zeugen Poiger die beim Angeklagten sichergestellten Gegenstände verpackt aus und der Zeuge nahm sie in einer Reisetasche mit zur Kriminalabteilung Bregenz in Osterreich. Als er die Sachen nach seiner am 20. Mai 1994 erfolgten Rückkehr aus Tschechien sichtete, entdeckte er zwischen den Kleidungsstücken des Angeklagten ein dünnes Lederband. Im Zuge der Ermittlungen zum Tatmesser konnte das Lederband zweifelsfrei dem Bowiemesser zugeordnet werden, denn es liegt beim Verkauf des Messers getrennt bei der Lederscheide und ist darüber hinaus genau so geknotet und geformt, wie es auf der Abbildung auf BI. 305 im BeiStück l (Original) Bd XII, ersichtlich ist.

7.3. Dass es sich bei dem aufgefundenen Bowiemesser um das Tatmesser und bei

dem aufgefundenen Bargeld um einen Teil der Tatbeute handelt, steht zur Überzeugung der Kammer aufgrund des Gutachtens des Sachverständigen Prof. Dr. Hochmeister fest, dessen überzeugendem Ergebnis sich die Kammer nach eigener Überprüfung angeschlossen hat. Der Sachverständige hat das auf dem sichergestellten Messer und das auf einem der sichergestellten 1000,- DM-Scheine vorhandene blutsuspekte Spurenmaterial einer DNA-Analyse unterzogen und im Vergleich zu einer beim Tatopfer entnommenen Probe eine Übereinstimmung von neun DNA-


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Merkmalen bezüglich des 1000,- DM-Scheines und von acht Merkmalen bezüglich des Bowiemessers festgestellt. Bei einer statistischen Auswertung entspricht dies bezüglich des 1000,- DM-Scheines einer Wahrscheinlichkeit von 1:38 Mio. und bezüglich des Messers von 1:1,5 Mio., dass es sich bei den Spuren um solche des Tatopfers Dr. Krampe handelt.

7.4. Nach dem Gutachten des Sachverständigen Prof. Dr. Rabl, dem sich die Kam-

mer nach eigener Überprüfung angeschlossen hat, ist das asservierte Bowiemesser auch geeignet, die bei der Obduktion festgestellten Verletzungen des Dr. Krampe zu verursachen. Seine Feststellung, dass viele Verletzungen auf einer Seite spitz zulaufen und an der anderen Seite eine Kerbenbildung bzw. leichte Schwalbenschwanzförmige Ausziehungen aufweisen, so dass ein einschneidiges Tatmesser in Frage komme, unterstützt das hiesige Beweisergebnis und steht dem Ergebnis des Gutachtens des Prof. Dr. Hochmeister nicht entgegen. Die Klinge des asservierten Tatmessers, das in der Hauptverhandlung in Augenschein genommen wurde, ist grundsätzlich einschneidig. Zwar befindet sich am spitzen oberen Teil der Klinge eine Säge, bei der sich die Breite der Klinge von vier cm bis auf ein Maß von zwei cm bogenförmig verjüngt, jedoch ist diese Säge nur Ca. zehn cm lang, so dass eine mit dem Messer zugefügte Wunde jedenfalls dann die bei der Obduktion festgestellten Besonderheiten aufweisen kann, wenn das Messer mehr als zehn cm in den Körper eindringt, was nach dem Ergebnis des Obduktionsgutachtens mehrfach der Fall war. Die tiefste Stichverletzung am Rücken hatte eine Länge von 17,5cm. Die Klingenbreite wurde vom Sachverständigen aufgrund einer Vermessung der Wunden mit Ca. 4 cm angegeben, was exakt der Breite des asservierten Messers unterhalb der Säge entspricht.


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8. Die Feststellungen zu den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten basieren auf

seinen im österreichischen Strafverfahren vor Beginn der Hauptverhandlung in der Zeit zwischen dem 23. August 1994 und dem 16. März 1995 in diversen polizeilichen und richterlichen Vernehmungen durch die Zeugen Poiger und Dr. Röthlin abgegebenen geständigen Einlassungen, die insoweit von den ihm nahestehenden Zeugen Edeltraud Wunderlich, Seltmann und Christof teilweise bestätigt und ergänzt worden sind. Im Übrigen hat die Kammer dem seinerzeitigen Geständnis des Angeklagten, das von ihm im Verlauf einer Vernehmung durch den Untersuchungsrichter Dr. Röthlin am 16. März 1995 widerrufen worden ist, bei der gebotenen zusammenfassenden Würdigung aller vorerwähnten Beweise und des so erlangten Beweisergebnisses für die Frage der Schuldfeststellungen keine Relevanz beigemessen, zumal der Angeklagte fortan bis zum Ende der Hauptverhandlung in Österreich die Tatbegehung bestritten hat.

Die im vorgenannten Zeitraum erfolgte und für die Feststellung seines persönlichen Werdegangs mitherangezogene Einlassung des Angeklagten unterliegt keinem Beweisverwertungsverbot.

Der Angeklagte wurde zunächst am 23. und 24. August 1994 polizeilich vernommen. Am 29. August 1994 fand auf seinen Wunsch eine Nachvernehmung statt, die auf der Grundlage einer vom Angeklagten zuvor schriftlich verfassten Einlassung durchgeführt wurde. Eine Beeinträchtigung der Willensfreiheit des Angeklagten in diesen Vernehmungen lag nicht vor. Nach den glaubhaften Aussagen der Zeugen Poiger und Dr. Röthlin war der Angeklagte mit seiner guten und fairen Behandlung in Österreich zufrieden, was er bei den Vernehmungen geäußert hat und seinen Niederschlag in den Protokollen fand.


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Soweit sich der Angeklagte bereits am 23. August 1994 über die schlechten Haftbedingungen in Tschechien beklagt hat, die ihn zu einem Hungerstreik veranlasst hätten, führt dies nicht zu einem Beweisverwertungsverbot bezüglich der in Österreich erfolgten Vernehmungen. Nach dem überzeugenden Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Prof. Dr. Kröber, das unter anderem auf einer sorgfältigen Auswertung der Angaben der den Angeklagten während der österreichischen Untersuchungshaft behandelnden sachverständigen Zeugen Dr. Rigger und Dr. Schneider beruht, führte der beim Angeklagten am 23. August 1994 festgestellte Gewichtsverlust nicht zu einer Beeinträchtigung seiner Willensfreiheit, zumal er zu-

vor übergewichtig war und durch den Hungerstreik ein normales Gewicht erreicht hatte. Auch die Medikamente, die der Angeklagte in Osterreich erhielt (gegen Schlafstörungen, Antidepressiva und Neuroleptika), begründen aus psychiatrischer Sicht keine Vernehmungsunfähigkeit zum damaligen Zeitpunkt. Soweit der Angeklagte zu einem späteren Zeitpunkt in Österreich behauptet hat, er sei in Tschechien durch Ausdrücken von Zigaretten auf seinem Körper gefoltert worden, glaubt die Kammer diese Einlassung nicht. Der tschechische Staat hat gegen den Angeklagten kein Strafverfahren geführt, sondern den Angeklagten im Wege der Rechtshilfe für Österreich in Auslieferungshaft genommen, so dass kein Motiv erkennbar ist, das die tschechischen Behörden hätte bewegen können, den Angeklagten, und zwar unter Hinterlassung von am Oberkörper ersichtlichen Spuren, zu foltern. Vor allem aber hat der Angeklagte in der Tschechei kein Geständnis abgelegt, sondern detaillierte Einlassungen verweigert. Sein Geständnis erfolgte erst in Osterreich, wo keine Foltervorwürfe erhoben worden sind, so dass die Vernehmungen in Osterreich wegen der Behandlung des Angeklagten in Tschechien ohnehin keinem Beweisverwertungsverbot unterliegen können.


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9. Aufgrund des eindeutigen Beweisergebnisses sieht die Kammer keine Veranlassung, die Verschwörungstheorien näher zu erörtern, welche die Verteidigung in der hiesigen Hauptverhandlung sukzessive vorgetragen hat. Aus der Sicht der Verteidigung kommen alternativ oder im kollusiven Zusammenwirken die Geheimdienste aller beteiligten Länder, der Zeuge Daudert als ehemaliger Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR, eine Person aus dem homosexuellen Milieu, die Zeugen Dr. Krampe, Poiger, Löbe, Böhler, Meusburger, Hänsler oder eine Person namens ,,Dragan", die unbekannten Aufenthalts ist, als Täter in Betracht. Zwar könnten die genannten Personen auf spekulativer Grundlage rein theoretisch ein Motiv gehabt haben, Dr. Krampe zu töten, doch fehlt jeglicher objektiver Anhaltspunkt für eine derartige Betrachtungsweise, so dass die genannten Personen oder Gruppen als (Mit-)Täter zur sicheren Überzeugung der Kammer ausscheiden.

10. Die Angaben, die der Angeklagte am Silvesterabend 199611997 gegenüber den Zeugen Meusburger und Hänsler gemacht hat und die Grundlage für das Wiederaufnahmeverfahren in Österreich waren, hat die Kammer nicht zum Nachteil des Angeklagten gewertet, weil der zu diesem Zeitpunkt betrunkene Angeklagte nach den Aussagen der Zeugen kein glaubhaftes Geständnis abgelegt hat. Es kann sich auch um eine wesenstypische Aufschneiderei des Angeklagten gehandelt haben, der vor allem zum Ausdruck bringen wollte, dass er intelligenter sei als Polizei und Justiz in Osterreich, weil er die ,,Idioten" im Strafverfahren gut „verarscht" habe. In ähnlicher Weise äußerte sich der Angeklagte nach seinem Freispruch in einer Rotlichtbar in Bregenz gegenüber dem Zeugen Pichler. Auch hierin hat die Kammer kein glaubhaftes Geständnis gesehen.


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VII.

Der Angeklagte hat sich danach des Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge gemäß den 5s 21 1 Abc. 2,249 Abs. 1,251 a. F., 52 StGB schuldig gemacht.

Es liegt eine Tötung des Dr. Krampe durch den Angeklagten aus Habgier im Sinne von § 21 1 Abs. 2 StGB vor, weil der Angeklagte aus einem noch über die Gewinnsucht hinaus gesteigerten abstoßenden Gewinnstreben um jeden Preis handelte, als er Dr. Krampe tötete, um in den Besitz seines mitgeführten Bargeldes zu gelangen. Dabei ging er zugleich heimtückisch im Sinne von § 21 1 Abs. 2 StGB vor, weil er die Arg- und Wehrlosigkeit des Dr. Krampe bewusst zur Tat ausnutzte, als er auf das schlafende Opfer einstach. Dr. Krampe versah sich vor und während seines Schlafes keines Angriffes von Seiten des Angeklagten, mit dem er zu einem Geschäftspartner nach Landeck fahren wollte. Er hatte dem Angeklagten das Steuer seines Wohnmobils anvertraut und sich selbst zum Schlafen hingelegt.

Tateinheitlich dazu hat der Angeklagte einen Raub mit Todesfolge im Sinne der §§ 249 Abs. 1,251 a. F., 52 StGB begangen, weil er durch den Raub den Tod eines anderen Menschen vorsätzlich verursacht hat. Der Angeklagte hat mit direktem Tötungsvorsatz gehandelt, als er mindestens 19 Mal auf den Oberkörper seines Opfer einstach. Das Verhalten des Angeklagten war auch rechtswidrig.

2. Der Angeklagte hat auch schuldhaft gehandelt. Nach dem überzeugenden Gutach-

ten des psychiatrischen Sachverständigen Prof. Dr. Kröber lag zur Tatzeit kein Zustand des Angeklagten vor, der die Eingangsvoraussetzungen der §§ 20,21 StGB


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erfüllen würde. Die Kammer hat sich dem zutreffenden Ergebnis des Gutachtens nach eigener Überprüfung angeschlossen. Der Angeklagte war nach seinen eigenen Angaben bei der Exploration durch den Sachverständigen zur Tatzeit psychisch nicht erkrankt. Die Angaben des Angeklagten werden bestätigt durch die Aussage der Zeugin Seltmann und durch die in der Hauptverhandlung verlesene Aussage der Mutter des Angeklagten, der Zeugin Wunderlich. Die vom Angeklagten gegenüber den Zeugen Löbe und Böhler sowie in seiner Beziehung zur Zeugin Seltmann bewiesene soziale Kompetenz steht einer relevanten psychischen Beeinträchtigung im Tatzeitraum entgegen. Die starke psychische Belastung, unter der der Angeklagte seit seiner in Tschechien erfolgten Inhaftierung leidet und die während der Untersuchungshaft in Osterreich und in Deutschland medikamentös behandelt werden musste, ist für die Beurteilung einer Einschränkung der Schuldfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit ohne Bedeutung.

Der Angeklagte war zur Tatzeit auch nicht durch Alkohol oder Drogen in seiner Steuerungsf ähigkeit beeinträchtigt. Der Zeuge Leierer, der den Angeklagten kurz vor der Tat am Grenzübergang kontrolliert hat, hat keine Alkoholisierung, z. B. in Form einer ,,Fahne", bemerkt. Das Gleiche gilt für die Zeugen Löbe und Reber, die den Angeklagten relativ kurz nach der Tat in Zürich gesehen haben. Bei seiner Fahrt mit dem Wohnmobil von Zürich zum Schwarzen See und wieder nach Zürich zurück sowie bei dem Transport des Leichnams aus dem Wohnmobil hat der Angeklagte eine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt, die einer erheblichen Intoxikation mit Alkohol oder Drogen entgegensteht. Darüber hinaus haben sämtliche Zeugen, die persönlichen Kontakt zu dem Angeklagten hatten, insbesondere auch die Zeugen Seltmann und Christof als


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Freunde des Angeklagten, keine Anknüpfungstatsachen dafür liefern können, dass der Angeklagte im MädApril 1994 Alkohol oder Drogen konsumiert hätte.

VIII.

1. Der Angeklagte war danach gemäß 3 21 1 Abs. 1 StGB zu lebenslanger Freiheits-

strafe zu verurteilen. Die Kammer hat unter Zurückstellung von Bedenken davon abgesehen, eine besondere Schwere der Schuld im Sinne von § 57 a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StGB festzustellen.

Das Tatmesser unterlag gemäß 3 74 StGB der Einziehung. Die vom Angeklagten in der Zeit vom 7. April 1994 bis 14. November 1996 in Tschechien und Osterreich erlittene Auslieferungs- und Untersuchungshaft gilt als verbüßte Strafe im Sinne von § 57 a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Abs. 2 StGB.

Die Kammer hat unter analoger Anwendung der zu § 51 Abs. 3 Satz 2, Abs. 1 Satz

I StGB entwickelten Grundsätze für die in Tschechien erlittene Auslieferungshaft sowie für die in Osterreich erlittene Untersuchungshaft einen Anrechnungsmaßstab von 1: 1 bestimmt. Der Kammer liegen keine Erkenntnisse darüber vor, dass die konkreten Haftbedingungen des Angeklagten in Tschechien eine außergewöhnliche Härte dargestellt hätten. Bei der gebotenen Ermessensentscheidung der Kammer konnten die Behauptungen des Angeklagten aus dem österreichischen Strafverfahren, er sei in Tschechien gefoltert worden, keine Berücksichtigung finden, weil sie die Kammer aus den dargelegten Gründen nicht für glaubhaft hält.


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2. Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 464, 465 Abs. 1 Satz 1 StPO.

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