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Editorial
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Manege frei! Nähert man sich der Seebühne in Bregenz, lächelt einem schon von Weitem ein überdimensionaler Clown entgegen. Ballon in der Hand, bereit für allerhand Schabernack. Die Bühne für „Rigoletto“ und die Bregenzer Festspiele ist also „angerichtet“. Was sie alles kann, erfahren Sie ab Seite 6. Metallkünstler. Peter Figer ist einer der letzten Kunstschmiede Vorarlbergs. Das Markenzeichen des Bregenzerwälders: Neue Ideen und der Mut zum Außergewöhnlichen. Wir haben ihn in seiner Werkhalle in Bezau besucht. Einfach charmant. Jeder kennt ihn, den Naschmarkt in Wiens sechstem Gemeindebezirk. Doch im Planquadrat zwischen Mariahilfer Straße, Getreidemarkt, Wienzeile und Gürtel bekommt man nicht nur Grünzeug und Vitamine. Wir nehmen Sie mit auf einen Streifzug durch dieses besondere Grätzel. Foto: Philipp Steurer
Viel Spaß wünscht Ihnen Ihr „kontur“-Redaktionsteam
Die Seebühne steigt in neue Dimensionen auf Wie Bachmann den Fortschritt beschleunigt Zwei Geschwister und ihr Gespür für Architektur Von der brennenden Leidenschaft für Obst Flanieren durchs Wiener Zentrum des Genusses Starke Frauen und ihre Kunst in Venedig
Inhalt 06 Es geht hoch hinaus Ein Clown, ein Ballon und zahlreiche Überraschungen. Mit Künstler Philipp Stölzl steigt die Bregenzer Seebühne auf in neue Sphären. 12 On the Way to New Work Wie sich die Arbeitswelt von heute in Zukunft verändern wird. 15 Auf Wachstumskurs Zu Besuch bei Feldkirchs „Hidden Champion“ Bachmann electronic, dem Weltmarktführer für Steuerungselektronik in Windenergieanlagen. 20 Markantes Leuchtenband Der handliche Macan zeigt, dass man nicht nur mit einem Porsche im Großformat glücklich werden kann. 22 Ein Gefühl von Freiheit Martina Terzer über ihre „große Liebe“, das Fallschirmspringen. 27 Mit einem Kribbeln Familienvater, Marketingvorstand, „Buchauto(r)“ ... Warum es Wolfgang Frick sicher nie langweilig wird.
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32 Maßgeschneiderte Lösungen Marcus und Ursula Ender haben das Gespür für gute Architektur quasi in die Wiege gelegt bekommen. Seit zehn Jahren steht ihr Atelier Ender in Nüziders für Bauten mit starkem örtlichen Bezug. 38 Mit dem Blick für das Schöne Unverhofft kommt oft: Aus dem Architekturbüro in die Geschäftsführung des Familienunternehmens. Zehn Fragen an Olivia Strolz. 41 Von der Leidenschaft für Obst Ihr Name steht für Edelbrände, Liköre und Limes. Ihr Herz schlägt für geschmackvolles Obst und Innovation, immer mit Blick auf Nachhaltigkeit. Keine Frage: Familie Prinz „brennt“ für ihren Betrieb. 46 Schwimmende Zeitreise An Bord der historischen Schiffe Hohentwiel und Oesterreich heißt es eintauchen in die Zeit von Jugendstil und Art déco. Willkommen zu einem Ausflug auf die beiden Grand Dames des Bodensees. 51 Regional exotisch Was Riebelgries, Edelkrebse und Safran gemeinsam haben? Sie kommen alle aus der Umgebung. 54 Der Staubaufwirbler Als einer der letzten Kunstschmiede Vorarlbergs verbindet Peter Figer traditionelles Handwerk mit dem Mut zum Außergewöhnlichen. 62 Zurück in die Vergangenheit Heria und Brandolf Höss zaubern die Alamannen ins Hier und Jetzt. 67 Beliebter „Handelsplatz“ Denkt man an Wiens sechsten Bezirk, kommt einem recht schnell der Naschmarkt in den Sinn. Doch rundherum gibt es so viel mehr.
75 Von CapriKone bis Carnica Ihre Leidenschaft sind Musik, Handwerk ... und Bienen. Wie die Vorarlbergerin Andrea Bischof zur passionierten Imkerin wurde. 78 Schön und dennoch politisch Einiges zu sehen gibt es auch in diesem Jahr auf der Biennale in Venedig. Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt sind mit ihren Werken vertreten, darunter auch zwei Österreicherinnen.
IMPRESSUM Herausgeber, Medieninhaber und Hersteller: Russmedia GmbH, A-6858 Schwarzach, Gutenbergstraße 1 • Redaktionelle Leitung: Sabine Blechschmidt, sabine.blechschmidt@russmedia.com • Redaktion: Christa Dietrich, Eva Engel, Ernest F. Enzelsberger, Sabrina Galehr, Patrizia Gunz, Marion Hofer, Elisabeth Längle, Franz Muhr, Jasmin Quast, Andreas Scalet, Christiane Schöhl von Norman, Michael Trautmann • Art Direktion: Nadine Rüscher, nadine.ruescher@russmedia.com • Anzeigen beratung: Russmedia GmbH, A-6858 Schwarzach, Gutenbergstraße 1, Patrick Fleisch, +43 5572 501-818, patrick.fleisch@russmedia.com; Gerard Hann, +43 5572 501-277, gerard.hann@russmedia.com; Nadja Mauser, +43 5572 501-280, nadja.mauser@russmedia.com; Gabriel Ramsauer +43 5572 501-785, gabriel.ramsauer@russmedia.com • Druck: Buchdruckerei Lustenau GmbH, A-6890 Lustenau, Millennium Park 10 • Erscheinungstag: 14. Juni 2019 • Nächste Ausgabe: 25. Oktober 2019
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Ballonfahren mit Verdi
Foto: Foto:Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Philipp Steurer
Höhenangst sollte man bei den Bregenzer Festspielen nicht haben. Intendantin Elisabeth Sobotka weiß, dass Künstler längst erpicht darauf sind, einmal am bzw. auf dem Bodensee zu arbeiten. Für die Oper „Rigoletto“, die heuer zum ersten Mal auf dem Programm steht, hat sich Philipp Stölzl einen Clown samt Ballon ausgedacht.
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E
r steigt in der Tat auf und im Korb dürfen auch einige Personen Platz nehmen. Seit Alfred Wopmann mit Jérome Savary und Michel Lebois die Knaben in der legendär gewordenen Inszenierung von Mozarts „Zauberflöte“ in eine Gondel hoch über der Bühne stellte, hält die Bregenzer Festspiele fast nichts mehr auf. David Pountney, der als Regisseur mit Stefanos Lazaridis für Wagners „Der fliegende Holländer“ einen Leuchtturm in den See setzte, von dem sich Senta in die Fluten stürzte oder für Verdis „Nabucco“ riesige Wände aus dem Wasser hochklappen ließ, rief als Intendant sogar das Team der „Bond“-Filme auf den Plan. Das große Auge, das sich Johannes Leiacker und Philipp Himmelmann für Puccinis „Tosca“ ausdachten, wurde Schauplatz in einem der Agenten-Streifen. Damals kam auch der deutsche Regisseur, Bühnenbildner und Filmemacher Philipp Stölzl erstmals an den See. Nicht, weil er selbst einmal mit den „Bond“-Filmen in Berührung kam und
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Auf dem See. In Bregenz spielt die Natur mit.
Schwindelfrei. Diese Voraussetzung müssen Seebühnenarbeiter mitbringen.
bringt man Stölzl unter anderem mit dem „Parsifal“ an der Deutschen Oper in Berlin, mit „Andrea Chénier“ an der Bayerischen Staatsoper in München oder mit „Il Trovatore“ im Theater an der Wien in Verbindung. „Die Oper ist mein zweiter Beruf“, sagt er zudem gern. Szenen aus dem Film „Goethe!“ haben manche der kommenden Festspielbesucher wohl auch vor Augen. An die opulenten Bilder in „Der Medicus“ nach dem Roman von Noah Gordon darf man zudem denken oder an „Winnetou – Der Mythos lebt“. Mit der Fertigstellung von „Ich war noch niemals in New York“ ist Philipp Stölzl gerade auch noch beschäftigt. Der Film nach dem gleichnamigen Musical und dem Song von Udo Jürgens soll im Herbst in die Kinos kommen. Eine Auszeit gibt es
Der Clownskopf für „Rigoletto“ auf dem See ist nahezu 14 Meter hoch, die größere Hand misst etwa 12 Meter, der längste Finger kommt auf ungefähr 6 Meter und allein die Augen haben eine Höhe von knapp 3 Metern. 8 kontur
für Stölzl nach seinem großen BregenzAbenteuer nicht, denn danach widmet er sich mit der „Schachnovelle“ des nach Südamerika emigrierten österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig einem weit härteren Thema. Die Geschichte über einen Gefangenen in der NS-Zeit, über psychische Qual, Flucht und Traumatisierung wird unter anderem auch in Wien gedreht. Ideales Stück. „Ein ideales Stück für den See, aber auch ein ungemein düsteres“ – so beschreibt Intendantin Elisabeth Sobotkas Verdis 1851 uraufgeführte Oper „Rigoletto“. Als sie dieses Werk Philipp Stölzl konkret vorschlug, habe er ohne eine Sekunde zu zögern mit einem Ja reagiert. „Wir haben über verschiedene Stücke geredet, es ist für mich wichtig, zu erfahren, was einen Künstler fasziniert. Stölzl findet für jedes Stück eine eigene Bildsprache.“ Für einen visuell denkenden Menschen stelle die Seebühne eine enorme Herausforderung dar. Mittlerweile sei es so, dass sehr viele Regisseurinnen und Regisseure Interesse haben, in Bregenz zu arbeiten. Und die Bühnenbildner? Die würden fast
Fotos: Philipp Steurer, Mathis Fotografie, APA/Herbert Neubauer, Bayerische Staatsoper/Hösl
mit der Band Carbage das Musikvideo zu ihrem Titelsong „Die Welt ist nicht genug“ gedreht hatte, sondern weil es in der Branche, wie er sagt, selbstverständlich war, sich mit den Inszenierungen und Bühnenaufbauten auf dem See auseinanderzusetzen und sei es nur anhand der Bilder, die man herumreichte und die in den Medien schon sehr präsent waren. 2007, im Sommer der „Tosca“-Premiere, war der aus München stammende Künstler (Jahrgang 1967) bereits bei den Salzburger Festspielen für die Berlioz-Oper „Benvenuto Cellini“ engagiert. Die Geschichte des oft mit der Justiz in Konflikt stehenden Renaissance-Bildhauers, der übrigens jene Saliera schuf, die durch einen spektakulären Raub aus dem Kunsthistorischem Museum in Wien Berühmtheit erlangte, setzte er in turbulente Bilder. Mittlerweile
Regie und Bühnenbild. Der Deutsche Philipp Stölzl arbeitet erstmals in Bregenz.
„Der Medicus“. Stölzl hat sich auch mit Filmen einen Namen gemacht.
alles dafür tun, fasst die Intendantin ihre Erfahrungen zusammen. Es gehe immer um die richtige Kombination eines Teams und eines Stücks. Puccinis „Turandot“ sei völlig anders als Verdis „Rigoletto“ mit einer Musik, die etwas Grelles hat. „Das Werk verlangt nach einem ganz anderen Bühnenbild und darin liegt auch die Faszination des ,Kunstraumes Seebühne‘“. Man sieht einen Clownskopf, der sich dreht, zwei Hände, die ebenso sehr beweglich sind und einen Ballon. „Der Moment, an dem ich gewusst habe, dass das Bild funktioniert, war jener, als der Ballon draußen war. Der Ballon wird steigen, ich war schon drinnen, das war super cool.“
„Andrea Chénier“. München hat die StölzlInszenierung dieser Oper noch im Programm.
Dass die Oper emotional so viele Ebenen hat, mache sie so interessant, erzählt Stölzl: „Wir haben Verschiedenes überlegt, dann kam Elisabeth Sobotka mit dem ,Rigoletto‘ um die Ecke, ein wahnsinnig tolles Stück, aber ein Kammerspiel, es sind zwei, drei Personen, die jeweils miteinander kommunizieren. Bei ,Aida‘ liegt es nahe, dass man diese Oper auf dem See macht,
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Alle zwei Jahre, jeweils im Premierensommer, steht die Seebühnenproduktion noch stärker im Zentrum des Bregenzer Festspielprogramms, als das ohnehin aufgrund der hohen Zahl der aufgelegten Tickets der Fall ist. Die Oper im Haus, „Don Quichotte“ von Jules Massenet, kombiniert Intendantin Elisabeth Sobotka mit dem Schauspiel „Don Quijote“ von Jakob Nolte nach Miguel de Cervantes. Die beiden Hauptfiguren Don Quijote und Sancho Panza stehen für zwei unterschiedliche Männerbilder. bei ,Rigoletto‘ ist das nicht so. Die Lösung, die wir gefunden haben, funktioniert, indem sich emotionale Bögen in einer monumentalen Dimension spiegeln. Da ist der Clown, der sowohl Rigoletto ist als auch sein emotionaler Spiegel.“ Ein #metoo-Typ. Das Werk basiert, wie man weiß, auf dem Drama „Le roi s’amuse“ von Victor Hugo. Bei Giuseppe Verdi und seinem Librettisten Francesco Maria Piave unterstützt der Hofnarr das freizügige Leben und die Eroberungen seines Herzogs. Man will sich an ihm rächen, entführt seine Tochter Gilda, auf die es der Herzog nun auch abgesehen hat und die sich zu ihm hingezogen fühlt. Abgesehen von Gilda, die in ihrem Verhalten den Frauenfiguren im 19. Jahrhundert verpflichtet ist, sei die Ambivalenz der Figuren das Schöne an der Oper, erklärt Stölzl. „Der Herzog ist ein #metoo-Typ vor dem Herrn, gleichzeitig ist seine Partie aber auch als die eines großen Liebenden komponiert.
Rigoletto ist ein Handlanger des Herzogs, er hegt gleichzeitig eine merkwürdig obsessive Vaterliebe zu Gilda und wird in der zweiten Hälfte zum Opfer.“ Weil die Figuren so stark sind, könne man die Oper wie ein Shakespeare-Stück genauso in historischen Kostümen wie in Anzügen spielen. In Bregenz sei man aus mehreren Gründen im Zirkus. Auf der oberflächlichen Ebene sei „Rigoletto“ ein hundsgemeines Clownsspiel, eine Clownsgroteske, in der das Lustige, das Tiefgründige und das Traurige aufeinandertreffen. „Deswegen hat es Spaß gemacht, sich als Gefäß erst einmal eine Zirkuswelt auszudenken.“ Abgesehen davon sei die Musik von Verdi keine psychologische. Stölzl nennt sie „total frontal“, eine „Rampenmusik, die nach vorne geht, im Gegensatz zu Puccini, der jede Regung auskomponiert hat.“ Strahlkraft. Dass die Bregenzer Festspiele auch Menschen erreichen, die keine klassischen Operngeher sind, bezeichnet
Stölzl als das eigentlich Schöne und Tolle, auch wenn man für den See nur aus einem kleinen Opernrepertoire schöpfen kann und einen Titel mit Strahlkraft braucht. Entsprechende Strahlkraft bescheinigt Elisabeth Sobotka aber auch dem Bühnenbild, so wie es nach und nach zu sehen ist. Dass es das Interesse der Besucher am Stück weckt, sei in den letzten Monaten sehr gut nachvollziehbar gewesen. Es sollte bewusst kein greller Clown in Hochglanzästhetik sein, man stellte sich, wie Stölzl vom Werden der ersten Bildskizzen erzählt, eine Achterbahn auf Coney Island vor, die ein bisschen in die Jahre gekommen ist. Ein paar Fischerboote werden noch zu den Händen, dem Kopf und dem Ballon hinzukommen und grundsätzlich war klar, dass es nicht eine einfach bespielbare Monumentalskulptur werden sollte, sondern, dass etwas sehr Bewegliches „gebastelt“ wird. Es soll in zwei Sommern Tausende Menschen bewegen. Christa Dietrich
Fotos: Philipp Steurer
Starkes Team. Intendantin Elisabeth Sobotka mit TechnikChef Wolfgang Urstadt.
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We are on the Way to New Work Seit dem 1. Mai 2017 veröffentlichen wir – das sind der Hamburger Unternehmensberater Christoph Magnussen und ich – jede Woche mindestens eine Folge unseres Podcasts „On the Way to New Work“. Inhalte sind Gespräche mit Unternehmern, Führungskräften, Wissenschaftlern und Autoren darüber, wie sich Arbeit verändert. Unsere Haupterkenntnis nach über 130 Gesprächen: Ein Ende unserer Reise ist nicht in Sicht.
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m Sommer 2017 überraschte Jack Ma, der Gründer von Alibaba, mit der These, dass wir in 30 Jahren nur noch vier Stunden pro Tag arbeiten werden. Frithjof Bergmann, der als Begründer der New Work-Bewegung gilt, hat das schon Ende der 70er-Jahre prognostiziert. Der austro-amerikanische Sozialphilosoph, den wir in unserer 100. Folge sprachen, nahm an, dass wir in der Zukunft nur noch ein Drittel unserer Zeit für Erwerbsarbeit verwenden würden. Ein weiteres Drittel würden wir für Selbstversorgung und nachhaltigen Konsum verwenden. Das verbleibende Drittel würden wir Menschen mit Dingen verbringen, die wir wirklich wollten und in denen wir einen tieferen (persönlichen) „Sinn“ vermuteten.
Das Büro von morgen wird sich ebenfalls drastisch ändern, Es muss ein Alleskönner sein, in welche Richtung es geht, wissen wir allerdings schon länger. 12 kontur
Michael Trautmann ist Speaker der IAW 2019 Die nächste IAW findet am 16. Juni 2020 statt.
Als Autor und Unternehmensberater Simon Sinek im Jahr 2009 auf einer TEDx-Konferenz dazu sprach, warum Menschen aber auch Unternehmen mit einem „Why“ erfolgreicher sind als solche, die sich nur über ihr Produkt definieren (dem „What“), ahnte er nicht, dass sein als Video veröffentlichter Appell mehr als 40 Millionen Zuseher erreichen
Foto: Moritz Richter
Ein Reisender. Michael Trautmann über New Work und die Arbeitswelt der Zukunft.
sollte. Why-Unternehmen gibt es in allen Größen und sie sind in jeder Branche anzutreffen. Ein Beispiel? Unser Podcast-Gast Philippe von Borries, Co-Founder und CEO von Refinery29, einer der weltweit führenden Plattformen für moderne Frauen, formuliert das „Why“ seiner Company wie folgt: „To let women see, feel and claim their power.“ An so attraktiven wie nachvollziehbaren Unternehmenszwecken können sich Mitarbeiter und Kunden orientieren, sie heben Unternehmen aus der Vergleichbarkeit. Neben der Sinnsuche sind es auch Fragen zur Organisation, die viele Unternehmen und noch mehr die Menschen, die dort arbeiten, beschäftigen. Das Taylor-Prinzip hat seinen Zenit überschritten. Eine ganze Reihe von neuen Organisationsprinzipien geben dem einzelnen mehr Verantwortung. New Work steht für größere Ent scheidungshoheit, aber auch mehr Verantwortung einzelner Mitarbeiter und kleiner Teams. Tony Hsieh, CEO von Zappos, stellte in diesem Zusammenhang eine interessante These auf. Demnach sollten sich Unternehmen eher daran orientieren, wie sich Städte organisieren, denn diese erhöhten, anders als Unternehmen, ihre Produktivität und ihre Innovationsfähigkeit bei jeder Verdopplung in der Einwohnerzahl. Das Büro von morgen wird sich ebenfalls drastisch ändern, es muss ein Alleskönner sein, in welche Richtung es geht, wissen wir allerdings schon länger. Als nach dem Zweiten Weltkrieg das Building 20 am renommierten in Boston beheimateten MIT (Massachusetts Institute of Technology) leer stand, weil die Raketenwissenschaftler, für die es gebaut war, nicht mehr gebraucht wurden, entstand dort durch Zufall eine Blaupause für innovatives Arbeiten. Das Gebäude diente der schnell wachsen-
Immer mehr Menschen sehnen sich außerdem danach, zumindest in Teilen auch „remote“ zu arbeiten. Auch darauf müssen Unternehmen Antworten finden. den Universität als Auffangbecken für die Mitarbeiter von (zu) schnell wachsenden Fakultäten. Da das Gebäude nicht immer den Ansprüchen der Nutzer genügte, durften Veränderungen vorgenommen werden. Es wurden Wände eingerissen und das Gebäude passte sich so seinen verschiedenen Nutzergruppen an. Im Building 20 wurden in der Folge unter anderem das erste Videospiel programmiert, wichtige Entwicklungen im Bereich Hochgeschwindigkeits-Fotografie und physikalische Grundlagen zum Thema Mikrowellen erforscht. Der Ort gilt als der Ursprung der Hacker-Bewegung und die Bose Corporation wurde hier gegründet. Für die Planung von modernen Büros können wir daraus lernen, dass Büros Inter aktion zwischen unterschiedlichen Menschen ermöglichen sollten, Flächen zum kollaborativen Arbeiten, aber auch Möglichkeiten für den Rückzug bieten müssen. Zusätzlich hilft es, eine konzeptionelle Idee für das Büro zu entwickeln. Bei Google lautet die Idee „Campus“, weil das Unternehmen festgestellt hat, dass ein Großteil der gewünschten Mitarbeiter am liebsten ihr Leben lang an der Uni verbringen würde. Immer mehr Menschen sehnen sich außerdem danach, zumindest in Teilen auch „remote“ zu arbeiten. Auch darauf müssen Unternehmen Antworten finden. Immer weiter lernen. Die größten Veränderungen, die uns bevorstehen, sind im Zusammenhang mit den aktuellen und bevorstehenden technologischen Entwicklungen zu sehen. Machine Learning, Robotics, Blockchain, die Liste lässt sich länger und tiefer gestalten. Die Folgen für unsere Art zu arbeiten sind noch nicht vollständig absehbar. Wie wir uns darauf einstellen können? Indem wir nicht aufhören zu lernen. Für mich ganz persönlich bedeutet das, weiter zu reisen. Michael Trautmann
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Feldkirchs Hidden Champion Bachmann electronic befindet sich auf Wachstumskurs, Fachkräfte werden dringend gesucht.
B Foto: Bachmann Electronic
egonnen hat alles, wie so oft, aus kleinsten Anfängen heraus. Das 1970 durch den Namensgeber der Firma, Gerhard Bachmann, gegründete Unternehmen startete als Elektronikzulieferer und ist heute Weltmarktführer für Steuerungselektronik in Windenergieanlagen mit internationalen Standorten auf den wichtigsten Zielmärkten. Voller Energie. Das Produktportfolio umfasst hoch-performante speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), die mit verschiedenen Modulen anwendungsspezifisch kombiniert werden, sowie Monitoring-Dienstleistungen, mit denen Kunden prozesskritische Parameter
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Während der Wettbewerb häufig versucht, sich – auf Kosten von Arbeitsplätzen und Qualität – durch niedrigste Preise am Markt zu etablieren, ist man bei Bachmann electronic stolz darauf, dass die Fertigung nach wie vor zu 100 Prozent am Standort in Feldkirch-Tosters erfolgt. überwachen können. Somit kann z. B. ein Windenergiepark über SPS-Lösungen von Bachmann gesteuert werden. Dies dient zum einen der optimalen Energieausbeute im laufenden Betrieb, zum anderen der Optimierung von Service- und Wartungseinsätzen, außerdem der Vermeidung von Ausfällen bzw. Stillstandzeiten dieser Anlagen. Neben Anwendungen in der Windenergie werden die Produkte auch in anderen Sektoren der erneuerbaren Energien eingesetzt, darüber hinaus zählen diverse renommierte Unternehmen aus der Industrie und dem Maritim/Offshore-Bereich zu den Kunden von Bachmann electronic. Nicht eingesetzt werden Bachmann-Produkte in den Bereichen Militär und Atomenergie. Der Exportanteil liegt insgesamt bei 98 Prozent. Für die Wünsche von morgen. Bernhard Zangerl, CEO der operativ tätigen Bachmann electronic GmbH (darüber steht die Bach-
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mann Holding GmbH im Eigentum von Dieter Bachmann) führt aus, dass Bachmann derzeit weltweit 18 Standorte, darunter in China, Indien, den USA, Dänemark, den Niederlanden und Deutschland hat. In Innsbruck befindet sich ein Entwicklungsstandort, ein weiterer Standort in Österreich liegt in Eisenstadt. Die weltweite Zentrale befindet sich aber in Feldkirch. Noch für heuer ist die Eröffnung eines neuen Standortes in Südkorea geplant. Zangerl: „Die hohe Komplexität unserer Produkte erfordert, dass unsere Leute vor Ort vertreten sind.“ Die Internationalität und die lückenlose Vor-Ort-Betreuung sind für das Unternehmen da-
Guter Dinge. CEO Bernhard Zangerl im Gespräch.
Fotos: Dietmar Stiplovsek, Bachmann electronic
her von zentraler Bedeutung. Gerade als Technologieführer ist Bachmann gefordert, sich ständig weiterzuentwickeln und schon heute Lösungen zu finden, um die Wünsche der Kunden von morgen als erster zu realisieren. Insgesamt erwartet Bernhard Zangerl für das laufende Jahr ein deutliches Umsatzplus gegenüber 2018. Im Vorjahr lag der Umsatz bei 64 Millionen Euro. Gelebte Kundenorientierung. Die aktuell größten Herausforderungen für das Feldkircher Unternehmen sieht Zangerl im strategischen Bereich in den Drohgebärden führender Wirtschaftsmächte, die durchaus das Potenzial haben, die Weltwirtschaft zu beeinflussen und zwar mehr als ein möglicher Brexit – Stichwort „Handelskriege“. Im operativen Bereich ist es die Suche nach hochqualifizierten Leuten. Denn schon seit der Unternehmensgründung heißt der Leitsatz: „Miteinander können wir alles erreichen“. In einem Klima der Wertschätzung lebt es sich gut. Das Lä-
cheln der Mitarbeitenden und Kunden ist der schönste Beweis für eine Firmenkultur, die das Wesentliche im Auge behält: Mensch und Umwelt. Jedes Unternehmen ist einzigartig. Deshalb stellt man sich bei Bachmann auf jeden Kunden individuell ein. Das heißt, nicht nur die richtigen Technologien zusammenzustellen, sondern auch die richtigen Personen zusammenzubringen. Auf diese Weise werden gemeinsam optimale Ergebnisse erzielt. „Diese gelebte Kundenorientierung und unsere strategische Weitsicht und Innovationskraft sind unsere größten Erfolgsfaktoren“, so Zangerl. „Damit verhalten wir uns völlig anders, als etwa ein börsennotiertes Unternehmen, wo es nur kurzfristig auf das schnelle Geld ankommt.“ Während der Wettbewerb häufig versucht, sich – auf Kosten von Arbeitsplätzen und Qualität – durch niedrigste Preise am Markt zu etablieren, ist man bei Bachmann stolz darauf, dass die Fertigung nach wie vor zu 100 Prozent am Standort in Feldkirch-
Tosters erfolgt. Durch die hohe Fertigungstiefe in Verbindung mit ausgefeilten Qualitätssicherungsprozessen kann so der Qualitätsanspruch, den die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihre Produkte haben, gewährleistet werden. Fachkräfte und Lehrlinge gesucht. Da die Devise bei Bachmann „Selber machen“ lautet, existiert im Unternehmen eine große Zahl an attraktiven Arbeitsplätzen. Von den weltweit 470 Mitarbeitern arbeiten 310 am Standort Feldkirch, davon rund
Die hohe Komplexität unserer Produkte erfordert, dass unsere Leute vor Ort vertreten sind. kontur 17
Die traditionell exzellenten Abschlüsse der Lehrlinge belegen den Erfolg des Bachmann-Konzepts. Es beginnt mit Kennenlerntagen zum Lehrbeginn – hier geht es im Wesentlichen um einen guten Start ins Berufsleben. Ein weiterer Schwerpunkt des Unternehmens liegt in der Förderung der Mitarbeitenden in ihrer beruflichen Entwicklung. 140 in Produktion und Logistik. Aktuell listet das international tätige Unternehmen fast 30 offene Stellen auf. Der größte Teil der neuen Mitarbeiter wird für den Standort Feldkirch gesucht. Die Tätigkeitsbereiche finden sich zum Beispiel in der Produktion, in der Hard- und Softwareentwicklung, dem Projekt- und Produktmanagement, im Vertrieb oder im Einkauf. Um den Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern zu decken, wird in der Personalarbeit besonderer Wert auf die Ausbildung gelegt. Die traditionell exzellenten Abschlüsse der Lehrlinge belegen den Erfolg des Bachmann-Konzepts. Es beginnt mit Kennenlerntagen zum Lehrbeginn – hier geht es im Wesentlichen um einen guten Start ins Berufsleben. Die Unternehmenskultur wird vermittelt, die Firmengebäude erkundet und die wichtigsten Ansprechpartner und neuen Kollegen stellen sich vor. Danach kümmern sich Lehrlings-
ausbilder und -beauftragte aus den einzelnen Fachabteilungen intensiv um die „Neuen“. Hierfür können beispielsweise das HighTech-Lehrlingslabor, Übungsnachmittage sowie interne und externe Weiterbildungen genutzt werden. Aktuell werden folgende Lehrberufe (selbstverständlich geschlechtsunabhängig) angeboten: Elektroniker, Betriebslogistiker, Mechatroniker, IT-Techniker, Applikationsentwickler Coding, Konstrukteur. Und der weitere Karriereweg spricht für sich: Praktisch alle Lehrlinge bleiben nach ihrer Ausbildung im Unternehmen. Karriereplanung in gutem Klima. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Bachmann electronic in der Förderung der Mitarbeiter in ihrer beruflichen Entwicklung. Neben der internen Fach-Karriereplanung, in der die persönlichen Entwicklungspotenziale anhand von Zielen, Meilensteinen und Feedbackgesprächen Berücksichtigung finden, unterstützt Bachmann jene Mitarbeiter, die Abschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg erwerben möchten (Matura, Bachelor, Master). Regelmäßige Mitarbeiterveranstaltungen und prämierte Wettbewerbe sorgen ebenso für ein hervorragendes Betriebsklima, wie das gemeinsame vergünstigte Mittagessen in der Kantine, kostenloses Obst und die aktive Unterstützung von sportlichen Aktivitäten der Mitarbeiter. Ernest F. Enzelsberger
Fotos: Bachmann electronic
Weltweite Zentrale. Der Standort in Feldkirch.
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Handliches Format Hoher Fahrkomfort, Alltagstauglichkeit und ein kräftiger Schuss Dynamik: Es spricht so manches für das gründlich renovierte Sport-SUV Porsche Macan.
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ei rationeller Betrachtungsweise wird es einem schnell klar, dass man auch mit dem kompakten Format gut über die Runden kommt. Es muss nicht unbedingt das große Format des Cayenne sein, um mit so einem „Porsche für alle Gelegenheiten“ glücklich zu werden. Auch der Macan macht als wendiger Raumökonom gute Figur. Wenn es einmal eng wird in der Stadt, auf Parkplätzen oder in einer Garage, kommt man mit dem „kleinen“ Porsche besser zurecht als mit einem Schlachtschiff aus der Kategorie Groß-SUV. Klein ist er ja nicht wirklich, der mehr auf Vernunft zugeschneiderte Mehrzweck-Allradler. Entspricht nach wie vor der Größe des Audi Q5, auf dessen Plattform der Macan daherkommt. Seit seiner Premiere 2014
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hat sich das handlichere Format still und leise an die Spitze der Porsche-Verkaufszahlen vorgearbeitet. Es brummt nichts mehr. Auch die jüngst erfolgte Aufwertung besteht, ganz in der Tradition des Hauses, nicht in spektakulären Einzelaktionen. Abgesehen von der Tatsache natürlich, dass sich Porsche vom Dieselmotor verabschiedet hat. Auch im Macan brummt jetzt kein Selbstzünder mehr. Manche werden das drehmomentstarke Triebwerk mit seinen relativ günstigen Verbrauchswerten speziell in diesem Modell vermissen. Man konnte sich also in Zuffenhausen auf die Verbesserung der Benziner konzentrieren. Der Rest an Um- und Neubauten befasste sich mit Design, Kom-
fort, Konnektivität und Fahrdynamik. Da hat sich einiges getan an Modellpflege. Im Stil der Porsche-Design-DNA tritt der schicke SUV jetzt mit einem dreidimensional ausgearbeiteten LED-Heckleuchtenband an. Die LED-Technik ist künftig auch bei den Hauptscheinwerfern serienmäßig. Macht die Straße taghell bei Bedarf. Fülle von Verlockungen. Auffälligste Neuerungen im Innenraum sind der 10,9 Zoll große Touchscreen des neuen „Porsche Communication Management“, die neu angeordneten und gestalteten Lüftungsdüsen und das optionale, aus dem Sport-Klassiker 911 bekannte GT-Sportlenkrad. Das PCM erlaubt den Zugang zu neuen digitalen Funktionen wie der intelligenten Sprachsteuerung und der serienmäßigen, aber nicht immer trittfesten Online-Navigation. Enorm ist das Angebot an Komfort-Ausstattungen: Stauassistent, Ionisator, beheizbare Frontscheibe und noch viel mehr. Die Fülle der Verlockungen ist so groß, dass der Endpreis für unseren TestMacan II mit seinem vierzylindrigen Turbo-Benziner von 70.646 Euro auf fürstliche 104.294 Euro hinaufschnellt. Zu den größten Extra-Brocken zählt die Luftfederung. Sie erhöht den Fahrkomfort allerdings beträchtlich. Fahrdynamik ist und bleibt überhaupt die Kernkompetenz des Macan. „kontur“ hat das schon einmal in der
Praxis erlebt: bei einem gnadenlosen Wintertest mit Walter Röhrl auf salzburgischen Eisseen. Das überarbeitete Fahrwerk steigert jetzt den Fahrspaß durch noch mehr Neutralität bei gleichbleibender Stabilität und verbessertem Komfort. Volle Kraft voraus. „Unser“ Basis-Macan trat mit dem zwei Liter großen, weiterentwickelten Vierzylindermotor mit Turboaufladung zum Test an. Das Triebwerk leistet 245 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 370 Nm. Mehr Saft und Kraft offeriert der Macan S. Das Power-Modell, dem auch noch ein Macan Turbo als Topmodell folgt, wird von einem neuen V6-Motor mit drei Liter Hubraum und Twin-Scroll-Lader im Central Turbo Layout angetrieben. Der V6 erreicht 354 PS und 480 Nm Drehmoment. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe PDK und der Allradantrieb sind perfekt auf die neuen Triebwerke abgestimmt. Beide Macan-Modelle verfügen über einen Ottopartikelfilter und erfüllen die Abgasnorm Euro 6d-Temp. Die Brücke zum 911 schlägt im Interieur des neuen Macan das optionale GT-Sportlenkrad. Es herrscht weitgehend Sachlichkeit und Funktion wie bei Porsche üblich. Die Komforteinstellung der Kopfstützen blieb bei der Macan-Reform etwas unterbelichtet. Franz Muhr
Foto: Porsche
Motor: Zweiliter-Turbo-Vierzylinder, 245 PS, 370 Nm 6,7 Sek. von 0 auf 100, Spitze 225 km/h Preis: 70.646 Euro, Testfahrzeug: 104.294 Euro
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Im freien Fall Auf dem Flughafen aufgewachsen, hat sich die WahlHarderin Martina Terzer in das Fallschirmspringen verliebt. Ihre Leidenschaft ist das Formationsspringen, bei dem mehrere Springer gleichzeitig das Flugzeug verlassen und in kürzester Zeit diverse Formationen bilden. „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen. Und dann würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ Diese Freiheit, die der deutsche Musiker und Liedermacher Reinhard Mey 1974 in seinem Lied beschrieben hat, empfindet Martina Terzer ebenfalls. Und zwar immer genau dann, wenn sie zum Sprung ansetzt. Zum Sprung aus dem Flugzeug, in kompletter Fallschirmspringerausrüstung.
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Am liebsten noch mit weiteren Fallschirmspringern, um mit ihnen gemeinsam Figuren in der Luft zu „formen“. Formationsspringen. Ihren ersten Sprung in diesem Jahr absolvierte die Wahl-Harderin Mitte Mai am Flughafen Hohenems. Bei den jährlich zweimal stattfindenden Freundschaftstreffen, die von ihrem Fallschirm- und TandemspringerKollegen Markus Kordesch ins Leben gerufen worden sind, kommen Formationsspringer aus aller Welt zusammen. Ziel ist es, jene Formationen, die sich der Load Organizer ausgedacht hat, in der Luft umzusetzen. „Dieses Mal waren es zwei Teams à 16 Personen, die auf dem Bauch liegend den besten Auftritt hinlegen wollten“, erzählt Martina Terzer und gibt zu, dass beim ersten Sprung meist viel Adrenalin durch ihren Körper pumpt.
Freiheitsgefühl. Seither hat sie etwa 1500 Sprünge gemacht und das Fallschirm- und Formationsspringen hat nichts von seiner Faszination verloren. „Das Freiheitsgefühl ist unvergleichlich. Man kann in der Luft alles mit seinem Körper machen“, erzählt sie mit einem Strahlen in den Augen. Der einminütige freie Fall ab 4400 Metern Höhe wirkt sich auf die zweifache Mama stressabbauend aus – trotz des Adrenalins. Was sich in den über 20 Jahren Springen jedoch verändert hat, ist das Denken. „Inzwischen ist schon viel automatisiert. Ich mache mir nicht mehr so viele Gedanken.“ Sicherheit ist alles. Das bedeutet aber nicht, dass Martina Terzer sich nicht um ihre Sicherheit schert. Ihr Motto ist: Safety first. „Ein guter Fallschirmspringer hat alles unter Kontrolle. Ich beobachte immer, wer und was gerade fliegt. Die oberen Springer
sind auch für die unteren verantwortlich.“ Ihr ist bewusst, dass am offenen Schirm und beim Landeanflug am meisten passiert, hier gelte es besonders die Augen offen zu halten. „Da ich nicht die Schwerste bin, komme ich anderen Springern kaum in die Quere“, weiß sie aus Erfahrung. Damit sie beim Formationsspringen vom Gewicht her mit anderen Springern in der Luft in einer Ebene fliegt, beschwert sie sich mit einem zehn Kilogramm Bleigurt. Zu diesem Gewicht kommt noch ein
Das Freiheitsgefühl ist unvergleichlich. In der Luft kann man alles mit dem Körper machen.
Begeistert. Martina Terzer ist seit der Jugend vom Fallschirmspringen infiziert.
Fotos: Karl-Heinz Woytech, Roland Paulitsch
Von klein auf. Ist die gebürtige Südtirolerin ans Springen gewöhnt, steigt ihr Puls kaum mehr in luftige Höhen. Das hat damit zu tun, dass sie am Flughafen aufgewachsen ist. „Mein Vater ist leidenschaftlicher Springer. Ich hatte mit neun Jahren meinen ersten Tandemsprung, den ich nicht gut in Erinnerung habe“, erklärt die Architektin. Mit zwölf wagte sie trotzdem noch einen Sprung aus dem Flieger. „Der war super. Ich konnte kaum meinen 16. Geburtstag erwarten. Denn ab diesem Zeitpunkt konnte ich mit meiner Ausbildung starten“, erinnert sich die 38-Jährige, die nach „konventioneller Schule“ das Springen erlernt hat. Bei der Static-Line-Ausbildung springt der angehende Fallschirmspringer aus einer Höhe von etwa 1000 Metern alleine aus einem Flugzeug. Durch eine am Flugzeug befestigte Aufziehleine öffnet sich nach wenigen Metern der Hauptschirm ohne Eingreifen durch den Schüler.
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An das Aufhören hat Fallschirmspringerin Martina Terzer noch nie gedacht. Bisher ist in etwa 1500 Sprüngen alles gut gegangen. Ihren Reserveschirm musste die 38-Jährige bis dato nicht ziehen. acht Kilogramm schwerer FallschirmRucksack dazu – diese Erschwernis macht das Springen nicht leichter. Vor allem nicht, wenn sie an einem Tag, wie beim Freundschaftsspringen, bis zu sieben Mal den freien Fall genießt. Im Wettkampf. Als nach dem Studium der erste Job fix und somit regelmäßig Gehalt auf dem Konto war, fing Martina Terzer,
der bisher brenzlige Situationen erspart blieben, intensiver mit dem Formationsspringen an. Neben Österreich standen auch Italien und Spanien auf ihrer Absprungliste. „Ich habe vier Jahre lang an Wettkämpfen in Österreich teilgenommen. Entweder in 4er- oder 8er-Formationen“, schildert sie. Die größte Formation, an der die Fallschirmspringerin teilgenommen hat, umfasste 60 Menschen. Für das Training hat sie viel Freizeit investiert. Termine – bevorzugt am Wochenende – mussten mit den Gruppenmitgliedern vereinbart werden. Dann ging es mit dem Auto ab nach Bottrop, Zürich oder Prag. Denn dort gibt es die nächstgelegenen Windtunnels. Auf dem Flugplatz wurden die Exits geübt. „Hier kam noch ein Kameramann hinzu. Denn die Wettkämpfe gehen nicht nur auf
Fotos: Karl-Heinz Woytech, Roland Paulitsch
Zeit, beim Formationsflug muss man auch im Bild sein. Hat dich der Kameramann nicht auf dem Bild, dann zählt es nicht“, erklärt sie die einzige Beschränkung während der beliebtesten Art des Fallschirmspringens. Die Geburten ihrer Kinder haben den Wettkämpfen einen Riegel vorgeschoben. „Ich bin aber fünf Wochen nach der Geburt wieder gesprungen“, erzählt sie. Was ist, wenn ihre Kinder auch die Liebe zum Fallschirmspringen entdecken? Da sie auch oft mit zum Flughafen Hohenems kommen, würde sie sich freuen, wenn ihre Kinder damit beginnen würden. Dann wäre die Fallschirmfamilie komplett. Terzers Bruder springt auch und ihren Mann, der ebenfalls springt, hat die Relative-Work-Kursinstruktorin am Bozner Flughafen kennengelernt.
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Absprung. Nach dem Ausstieg haben die Springer nur wenig Zeit, um ihre Formationen zu bilden.
Angepeiltes Ziel. Ans Aufhören hat die seit 2008 von Vorarlberg Begeisterte nicht gedacht. Eher daran, einmal an einem World-Team-Event teilzunehmen. Dazu treffen sich in Europa bis zu 100 Menschen, die dann gleichzeitig im freien Fall Formationen bilden. Der aktuelle Weltrekord für die größte Freifall-Formation liegt derzeit bei 400 Springern. „Die steigen aus Militärmaschinen aus und sind in Sektoren eingeteilt“, weiß Martina Terzer. In dem Fall: „Bis sie abhebt und schwebt“ (aus Reinhard Mey „Über den Wolken). Patrizia Gunz
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Das Kribbeln bleibt Vater von vier Kindern, Marketingvorstand, Gastgeber mit Weitblick und „Buchauto(r)“. Eines steht fest, langweilig wird es im Leben von Wolfgang Frick garantiert nicht. Gerade erst ist sein drittes Buch erschienen.
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Foto: Dietmar Stiplovsek
ie kann der Onlinehandel geschlagen werden? Viele diskutieren und sinnieren darüber, Wolfgang Frick hat die Antwort. Zumindest lautet der Titel seines jüngsten Buches „Online ist schlagbar“. Doch auch wenn der Name rigoros scheint, als Feind sieht Wolfgang Frick den Onlinehandel nicht. Vielmehr möchte er aufzeigen, wie der stationäre Handel vor Ort reagieren und sich gegen die „großen Onliner“ bewähren kann. „Und dazu muss man sich einfach die Schwächen des Onlinehandels zunutze machen“, erklärt er im Gespräch mit „kontur“. Wo diese liegen? Im fehlenden Augenkontakt, zum Teil im Vertrauensdefizit,
in fehlenden Emotionen, im nicht vorhandenen Einkaufserlebnis und in der Überforderung des Kunden aufgrund eines Überangebotes. „Einkaufen ist ein Störfaktor. Man macht es nicht gern, aber man muss. Daher geht es darum, diesen Routineakt aus Sicht des stationären Händlers so bequem wie möglich für den Kunden zu gestalten. Das heißt: Spar mir Zeit, spar mir Wege, überrasche mich, rühre mich und schüttle mich nicht.“ Vor allem bei diesem Überraschen und Rühren findet sich die große Achillesferse des Onlinehandels. „Wie heißt es immer so schön: ‚you can never e-mail a handshake‘. Und ich glaube, der Kunde hat ein Stück weit wieder die Sehnsucht nach Begegnung, nach persönlicher Berührung. Eben die analoge Nestwärme.“ Hier kann der stationäre Handel natürlich punkten, dennoch sollte er gleichzeitig sein Konzept überdenken. Habe ich wirklich dann geöffnet, wenn der Kunde mich braucht? Ist meine Lage optimal? Herrscht in meinem
Signalwirkung. Wolfgang Frick haut auf die Pauke.
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Mit Weitblick. Wolfgang Frick ist überzeugt: „Projekte muss man in die Hand nehmen, wenn man die Idee dazu hat.“
„Mein Sohn wollte sich online eine Kamera kaufen. Mit dem Angebot bin ich zum örtlichen Fotografen gegangen. Mir war schon bewusst, den gleichen Preis kann er mir nicht machen, schon allein deshalb, weil die Steuergleichheit nicht gegeben ist. Aber was er mir sagen konnte, war, dass die angebotene Linse nicht zur Kamera passt, Filmvergnügen adieu. Vom stationären Händler hab ich also nicht nur eine funktionierende Kamera bekommen, sondern auch noch zehn Prozent und einen Gratis-Akku.“ Laden eine angenehme Atmosphäre? Habe ich das richtige Personal? „Ich bin ja schon rein beruflich in vielen Geschäften unterwegs. Und das Einzige, was dort oftmals strahlt, ist der Kassenbildschirm“, so Wolfgang Frick. „Die Chinesen sagen ‚Wenn du nicht lachen kannst, eröffne kein Geschäft‘ und genau das ist für mich ein springender Punkt.“ Schreit vor Glück. Generell braucht es seiner Meinung nach oft einfach mehr Fantasie, mehr Mut. Daher soll sein Buch auch keine Kampfansage an den Onlinehandel sein. „Man kann als stationärer Handel schließlich nicht nur Onlineshops die Schuld geben, wenn die Umsätze rückläufig sind. Da geht es häufig um eigene Unzulänglichkeiten auf der Fläche.“ Sein jüngstes Werk versteht Wolfgang Frick darum vielmehr als Mutmach-Buch für den stationären Handel. „Das Schiff geht nicht unter, aber man muss sich bewegen.“ Ebenso sollten sich aber auch die Kunden bewusst werden, welche Bedeutung der Handel vor Ort hat. „Ihr Kaufverhalten trägt zum Wohlstand bei. Und, seien wir mal ehrlich, haben Sie schon
Wenn du Passion hast, dann kannst du zu jeder Kuckucksuhr einen Sack Vogelfutter verkaufen. 28 kontur
mal ein Stelleninserat in der lokalen Presse gesehen, dass Amazon Lehrlinge sucht? Genauso ist es beim Sponsoring auf Fußballplätzen. Es sind die örtlichen Kaufmannschaften, die die Strukturen aufrechterhalten und beleben. Und ich sage oft in meinen Vorträgen: Schreit vor Glück, wenn die neuen Schuhe kommen. Aber tut mir einen Gefallen: Dann ruft auch dort an und fragt nach einem Ferialjob für euer Kind oder nach einer Spende fürs Preisjassen.“ Nicht nur in „Online ist schlagbar“ spricht Wolfang Frick seine Ansichten offen aus. Bereits in seinen beiden Vorgängerbüchern, bei denen es um Marketing und die Lust am Entscheiden ging, ließ er seinen Gedanken freien Lauf. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn Wolfgang Frick ist, wie er es selber nennt, „Auto(r)“. „Ich kann mich ganz genau an den 18. November 2010 erinnern. Da hab ich wieder ins Lenkrad gebissen, weil Stau, Umleitung, Nebel ... Und da kam mir der Geistesblitz, ich könnte ja – statt immer nur Hörbücher anzuhören – etwas besprechen. So habe ich anfangen, meine Gedanken zum Marketing nicht zu Papier zu bringen, sondern per Handy aufzuzeichnen. Während stundenlanger Autofahrten sind auf diese Weise 75 Sprachmemos und mein erstes Buch entstanden.“ Mit der Veröffentlichung hat er jedoch lange gezögert. „Die Seiten lagen lange neben dem Brennholz. Doch ein guter Kollege hat mir das Feuerzeug zweimal aus der Hand genommen. Dafür bin ich ihm heute sehr dankbar.“ Aber wie kommt man als viel beschäftigter Mann – im „echten“ Leben ist Wolfgang Frick Vorstand Marketing- und Sortimentsmanagement von Spar Schweiz – überhaupt auf die Idee, ganz nebenbei
Foto: Dietmar Stiplovsek
noch Bücher zu veröffentlichen? „Für Memoiren war ich damals noch zu jung. Aber es war einfach ein Kribbeln da. Das Bedürfnis, meine Erfahrungen und mein Denken zu teilen.“ Wolfgang Frick ist auch der festen Überzeugung, dass jeder ein Buch schreiben könnte. „Doch klar, natürlich gehört schon eine gewisse Portion Enthusiasmus dazu, weil aus rein finanziellen Aspekten musst du kein Buch schreiben. Für mich persönlich jedoch war das Kribbeln ein gutes Zeichen und heute bin ich froh, dass ich es gemacht habe.“ Ein kleines Pflänzchen. Aber damit nicht genug. Zum Interview mit Wolfgang Frick geht es hoch hinaus. Im hintersten Winkel von Bazora – und ja, das ist keine Übertreibung – liegt der Seminarraum Bazora. In einer kleinen Hütte, die Wolfgang Frick und seinem Bruder Günter gehört,
haben sich die beiden einen kleinen Traum erfüllt. Mit Leidenschaft wurde das Gebäude umgebaut und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Das Ergebnis ist ein Raum für Weitblick, in dem gute Ideen entstehen sollen. Und Weitblick trifft es in der Tat. Bei schönem Wetter hat man eine herrliche Aussicht bis hin zum Bodensee. Hier gehen Erholung, Rückzug und konzentriertes Arbeiten in ihrer schönsten Form Hand in Hand. Die Organisation übernimmt eine Agentur. „Egal ob Teambildung in KMU, kreative Auszeiten oder Treffen von Vereinen, unser Raum bietet Platz für acht bis zwölf Personen. Es gibt die komplette technische Ausstattung, einen Flugzeugtrolley mit alkoholfreien Getränken und Naschereien sowie eine Feuerstelle für den gemütlichen Teil der Veranstaltung – und natürlich eine unbezahlbare Aussicht.
Noch sind wir eher ein Geheimtipp, aber jeder, der einmal hier raufgefunden hat, weiß es sehr zu schätzen.“ Aktuell hält Wolfgang Frick selbst hier noch keine Seminare. Aber wetten, das lässt nicht mehr lange auf sich warten? „Ich sag mal so, irgendwann wird das sicher mein Lebensmittelpunkt werden. Ich habe mir aus dem ersten Buch ja den Begriff des ‚Marke-ting-Sommeliers‘ als Wortmarke eintragen lassen. Und da könnte ich mir schon vorstellen, hier oben diesen Mar keting-Sommelier als Kurs anzubieten. Quasi Markenführung auf höchster Ebene mit (Ex-)Koryphäen aus dem Marketing.“ Die Ideen sprudeln also bereits. „Ja, wie ein kleines Pflänzchen. Aber richtig Gas kann ich dann in der Pension geben“, lacht Wolfgang Frick. Ein gutes Team. Zählen wir also nochmal auf: Vollzeitjob bei Spar, nebenher Bücher schreiben und als Hausherr eines Seminarraums fungieren. Was sagt denn die Familie dazu? „Die ist momentan glaube ich nur froh, dass das dritte Buch fertig ist“, so der Vater von vier Kindern. Doch wie es bei Familien so ist, fungierten bei diesem Projekt alle als gutes Team. „Meine Kinder haben mich durch ihr Kauf- und Surfverhalten unbewusst inspiriert und mich bei Recherchen – vor allem zum Thema ‚Der Handel 2030‘ – unterstützt. Und meine Frau hat das Buch am Ende nochmal genau unter die Lupe genommen und Korrektur gelesen.“ Perfektes Teamwork also. Da dürfte dem nächsten Buch ja nichts im Wege stehen. „Ich sags ganz ehrlich, ich hätte noch so viele Ideen, aber ich merke jetzt einfach, der geistige Gedankensilo ist grad kompostiert.“ Doch wer weiß, vielleicht kommen ja doch noch mal die Memoiren ins Spiel. Sabine Blechschmidt
Wolfgang Fricks neuestes Buch „Online ist schlagbar“ ist im Frankfurter Allgemeine Buchverlag erschienen. Präsentiert wird es unter anderem am 18. Juni bei Das Buch im Messepark Dornbirn sowie am 24. Juni im Raiffeisen Unternehmerzentrum Gossau. kontur 29
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Foto: Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Maร geschneiderte Lรถsungen 32 kontur
Wir treffen Ursula und Marcus Ender in ihrem Elternhaus in Nüziders. In ihrem Elternhaus deshalb, weil dort schon das Büro ihres Vaters war und die Geschwis ter hier nun seit zehn Jahren ihr gemeinsames Architekturbüro betreiben. Unter dem Namen Atelier Ender haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, Bauten mit starkem örtlichen Bezug zu schaffen.
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Foto: Albrecht Schnabel
chon beim Betreten des Büros ist an so mancher Ecke der Charme der Vergangenheit noch spürbar. Es gibt e ine Arbeitswand, an der Skizzen, Modelle und Materialkonzepte pinnen. Und auch das Büro des Vaters – Ulrich Ender – ist noch vorhanden. „Unser Büro in seiner heutigen Form geht aus dem 1963 von unserem Vater, Baumeister Ulrich Ender, gegründeten Atelier Ender hervor. Er befasste sich neben der Architektur im Lauf der Jahre vermehrt mit der Analyse von Bauschäden“, erzählt Marcus Ender. Auch wenn die Geschwister nicht von Kindesbeinen an Architekten werden wollten, so war der tägliche Einblick in die Praxis im Nachhinein von Vorteil: „Die Architekturausbildung hat ja teilweise den Ruf, dass sie eher etwas praxisfremd und theoretisch ist“, weiß Marcus Ender und seine Schwester ergänzt: „Durch die baupraktischen Erfahrungen unseres Vaters konnten wir viel für uns mitnehmen.“ Berufswunsch Grafiker. Marcus und Ursula Ender sind quasi im Planungsbüro ihres Vaters aufgewachsen. Dennoch bezeichnen sie rückblickend diese Phase zwar als prägend, ihre Entscheidung, selbst im Bauwesen aktiv zu sein, habe sie aber nicht beeinflusst. Für beide war es das eigene Schaffen, das im Mittelpunkt ihres Interesses lag und liegt. Und obwohl Marcus Ender kurz mit Grafik- und Werbedesign liebäugelte, entschied er sich dennoch für das Architekturstudium. „Ich wollte einfach Dinge nachhaltig gestalten, Projekte erarbeiten, die Bestand haben“, erklärt er seine Entscheidung. Anfang der 90er-Jahre, als Ulrich Ender sich
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Das Tschofen. Sanierung des Stadthotels in Bludenz.
Hand in Hand: Während der gesamten Bau- und Planungsphase laufen die Fäden im Atelier Ender zusammen: Die Architekten übernehmen zusätzlich zum Konzept auch die Bauleitung und begleiten die Bauherren bis zur Schlüsselübergabe. hauptsächlich auf die Bauschadenanalyse konzentrierte und oft für seine Vorträge in ganz Österreich unterwegs war, stieg Marcus in das Büro ein und übernahm das Tätigkeitsfeld der Architektur. Ursula Ender war schon immer klar, dass ihr beruflicher Werdegang etwas mit Technik zu tun haben sollte. Sie spielte mit dem Gedanken, im Bereich der Denkmalpflege und Baukunst tätig zu werden, entschied sich dann aber wie ihr Bruder für ein Architekturstudium. „Nach dem Diplom habe ich am Institut für Hochbau an der Uni Innsbruck angefangen zu unterrichten. Während dieser Phase haben wir dann unser eigenes, gemeinsames Büro gegründet“, verrät die Architektin. Das war 2009. Heuer dürfen die beiden also bereits ihr zehnjähriges Jubiläum feiern.
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Nachhaltiges Bauen. Die Geschwister haben sich neben der Architektur und Innenraumgestaltung auch auf Sanierungsplanung spezialisiert. „Unsere Bauten erarbeiten wir aus dem Kontext der örtlichen Gegebenheiten, den individuellen Bedürfnissen des Bauherrn und den wirtschaftlichen Möglichkeiten“, erklärt Ursula Ender. „Nur so entstehen charakteristische Bauten, die am jeweiligen Ort selbstverständlich erscheinen“, ergänzt ihr Bruder. Dabei legen die beiden besonders viel Wert auf eine maßgeschneiderte Architektur, die sich weder an aktuellen Trends, noch an modischen Architekturerscheinungen oder baukonstruktiven Experimenten orientiert. „Die Innenraumgestaltung ist ein sehr sensibles, intimes Thema, da sich der Bauherr uns hier vollkommen
öffnen muss“, so Marcus Ender. „Es ist für das Funktionieren eines Gebäudes und das Wohlfühlen der Benutzer unerlässlich, dass auch Farben, Materialien und Einrichtung im Inneren ein stimmiges Gesamtes mit der Architektur bilden.“ Die Sanierungsplanungen sind ein Erbe ihres Vaters, das Ursula und Marcus weiterführen. „Wie schon erwähnt, hat uns die Arbeit unseres Vaters sehr geprägt“, erläutert Marcus Ender „Aus dem gedanklichen Austausch zwischen Bauschadensanalyse, Entwurf und Detailplanung formte sich so unsere eigene Definition von nachhaltigem Bauen.“ Der richtige Einsatz von Materialien nach Abwägung ökologischer, energetischer und vor allem konstruktiver Überlegungen, ist für die Geschwister ein
Fotos: Hanno Mackowitz, Oliver Lerch
Sportalm Kitzbühel. Neubau des Headquarters.
wichtiger Aspekt bei der Umsetzung ihrer Bauten. „Langlebigkeit ist der wesentliche ökologische und ökonomische Beitrag den ein Gebäude leisten kann. In diesem Sinn bauen wir nachhaltig“, so Ursula Ender. Am Ende zählt nur das Gebaute. Die Geschwister betrachten Architektur in allen Maßstäben – vom städtebaulichen Kontext bis hin zum Lichtschalter. „Es ist wichtig, dass man die Kompetenz hat, von Anfang an vor dem Hintergrund von Kostenwahrheit und Termintreue zu planen“, erläutert Marcus Ender seine Auffassung des Berufs. „Ich muss selbst in der Lage sein, mit den ganzen Professionisten, die in der Umsetzungsphase beteiligt sind, die Details auszuarbeiten und passende Lösungen zu finden.“ „Während der gesamten Bau- und Planungsphase laufen die Fäden bei uns zusammen: Wir sind dann nicht nur Architekt, sondern übernehmen auch die Bauleitung und begleiten die Bauherren bis
Starkes Geschwisterteam. Marcus und Ursula Ender.
Die Bauherren bekommen von Ursula und Marcus Ender nicht immer nur das, was sie sich wünschen. Sie be kommen darüber hinaus auch das, was sie brauchen. Und manchmal ist das nicht unbedingt dasselbe ... kontur 35
Wichtige Entscheidungen gehen durch alle Augen. Durch das gemeinsame Wissen des Teams und die verschiedenen Stärken versuchen die Architekten, die beste Lösung für jede Bauaufgabe zu finden. zur Schlüsselübergabe – alles geht Hand in Hand“, ergänzt Ursula Ender. So sehen die Architekten nicht nur die Ursprungsidee wachsen, sondern erhalten auch immer wieder neue Erfahrungen für kommende Bauprojekte. Breites Spektrum. Viele unterschiedliche Projekte entstanden in den vergangenen Jahren im Atelier Ender. Von privaten Wohnhäusern, die in den Anfangsjahren entworfen wurden, erweiterte sich der Aufgabenbereich über Tourismusbauten am Arlberg und Bürobauten, wie das Headquarter des Modelabels Sportalm in Kitzbühel bis zu Bildungseinrichtungen. 2018 verwandelten die Architekten im Stadtzentrum von Bludenz das denkmalgeschützte Bürgerhaus „das TSCHOFEN“ in ein elegantes Stadthotel. 2016 haben Ursula und Marcus Ender den Wettbewerb für die Raumgestaltung der Vorarlberger Museumswelten gewonnen, welcher drei Museumsbereiche umfasst. Das Tabakmuseum konnte bereits 2017 fertiggestellt werden. Neben öffentlichen und Gewer-
Repräsentativ. Neubau des Montblanc und Präg Stores in Dornbirn.
bebauten fokussieren sich die Architekten aber auch auf den privaten und gemeinnützigen Wohnbau, wie die Zentrumsverbauung in Lustenau. „Dies ist heute besonders spannend, da die Grundstückskosten explodieren. Daraus entstehen neue Herausforderungen, leistbaren Wohnraum zu schaffen, der im städtebaulichen Kontext trotzdem Qualitäten aufweist“, erzählt Marcus Ender. Intensive Prozesse. Jedes Bauvorhaben ist ein langer Prozess – von der ersten Idee bis hin zum fertigen Gebäude. Dabei ist vieles von Anfang an bereits fest vorgegeben: Das Grundstück mit seiner Topografie und seiner Lage im Ort formuliert gewisse Vorgaben. Darüber hinaus sucht ein Bauherr einen Architekten zu Beginn in der Regel mit konkreten Vorstellungen auf und macht klare Budgetvorgaben. „Für uns ist das Spannende, in diesem komplexen Feld mit diesen Parametern die bestmögliche Lösung
Im Mittelpunkt. Zentrumsverbauung in Lustenau.
zu entwickeln und uns nicht von Anfang an auf eine Idee zu beschränken und damit Optionen und Möglichkeiten auszu schließen“, weiß Marcus Ender. „Deshalb werden unsere Bauherren auch von Anfang an miteinbezogen.“
Fotos: Petra Rainer, Atelier Ender
Mut zur Offenheit. Im Atelier Ender ist alles Teamarbeit: „Wichtige Entscheidungen gehen bei uns immer durch alle Augen. Das gemeinsame Wissen des Teams, die verschiedenen Stärken jeder einzelnen Person und auch deren unterschiedliche Zugänge nutzen wir, um die beste Lösung für die jeweilige Bauaufgabe zu finden. Dazu veranstalten wir untereinander intern manchmal auch kleine Wettbewerbe“, verrät Ursula Ender.
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Mit bestmöglicher Lösung meinen die Enders vor allem, dass ihre Bauherren nicht immer nur das bekommen, was sie sich wünschen: „Sie bekommen darüber hinaus auch das, was sie brauchen. Und manchmal ist das nicht unbedingt dasselbe.“ Den Architekten ist es wichtig, die Wünsche der Auftraggeber zu hinterfragen und zu filtern, damit zu Beginn des Projektes klare Bedürfnisse stehen, die das Bauwerk dann auch erfüllen kann. „Dies ist als positiver Prozess zu verstehen, der Mut, gegenseitiges Vertrauen und Aufrichtigkeit benötigt.“ Jasmin Quast
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Olivia Strolz
Foto: Junge Wirtschaft Vorarlberg/Chris Gaethke
geboren 1989 in Bregenz. Nach der Matura Bachelorstudium Architektur (TU Wien), Erasmus Architektur und Landschaftsarchitektur in Bordeaux sowie Masterstudium Architektur (TU Wien). Während des Studiums u. a. tätig bei der LIV GmbH in Wien. Von 2016 bis 2018 Projektleitung, Entwurfund Ausführungsplanung bei Archisphere Architekten und Designer in Wien. Seit 1.7.2018 Geschäftsführung Strolz GesmbH gemeinsam mit Roland Schneider. Vorstand der Jungen Wirtschaft Vorarlberg seit März 2019.
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Unverhofft kommt oft Vor über einem Jahr ging es für sie aus dem Architekturbüro in Wien in die Geschäftsführung von Strolz Mode in Lech. Warum sie diesen Wechsel nicht bereut hat und wann sie das Handy auch mal auf Flugmodus stellt? Zehn Fragen an Olivia Strolz. Von Architektur zu Mode, Sport und Ski. Wie kam der Wechsel? Ergeben hat sich der Wechsel eher unerwartet. Unser voriger Geschäftsführer hat die Firma verlassen. Bei der Suche nach möglichen Kandidaten für die Nachfolge ist dann mein Name gefallen. Ich empfinde es als große Ehre, wenn man von der Familie das Vertrauen ausgesprochen bekommt. Und wenn sich eine Tür öffnet, sollte man auch durchgehen. So habe ich mich entschlossen, von der Architektur in die Sport- und Modewelt zu wechseln. War dieser Wechsel für Sie einfach? Der Wechsel war aufregend‚ fordernd und spannend – aber bestimmt nicht einfach. Nach meinem Studium war ich ein Jahr im Betrieb, habe Skier montiert, war mit unseren Einkäufern auf allen wichtigen Messen unterwegs und habe Skimode verkauft. Trotzdem hat es sich wie ein Sprung ins kalte Wasser angefühlt. Fachfremd und mit geringer Führungserfahrung diese Rolle zu übernehmen bedeutet, viel Zeit und Energie zu investieren, sich auf erfahrene Mitarbeiter zu verlassen und sich dort Unterstützung zu holen, wo man sie braucht. Was fasziniert Sie an beiden Bereichen? Was mir wirklich Freude bereitet, ist zu gestalten. In der Architektur bedeutet das, den Lebensraum von Menschen zu entwerfen und zu realisieren. Spannend sind für mich Konzepte, Ideen und die Menschen dahinter. Mit meinem Wechsel hat sich mein Spielraum erweitert. Es bereitet mir Freude, bei Strolz ein ganz eigenes Universum zu schaffen. Was konnten Sie vom Studium mitbringen und was mussten Sie ganz neu lernen? Als mein Vater damals meinen Berufswunsch Architektin erfahren hat, war seine Reaktion sehr positiv. Seiner Ansicht nach lernt man dabei seinen Blick für das Schöne zu schärfen. Eine Fähigkeit, die mir nützlich ist. Auch die Erkenntnis, dass Kreativität nicht göttlicher Eingebung, sondern intensiver Auseinandersetzung mit einem Thema folgt, ist wichtig. Ganz neu zu lernen gilt es natürlich alle betriebswirtschaftlichen Aspekte. Dabei unterstützt werde ich von meinem Co-Geschäftsführer Roland Schneider. Es kommt mir aber entgegen, dass mich das Spannungsfeld zwischen Mathematik und Kreativität immer schon begeistert hat. Sie haben die Leitung eines traditionsreichen Unternehmens übernommen. Eine große Verantwortung? Einerseits eine große Verantwortung, andererseits eine große Ehre. Ich bin der Ansicht, dass die Übernahme eines solches Unternehmens auch mit einem gewissen Grad an Demut verbunden ist. Meine Vorgänger und Familienmitglieder haben viel geleistet. Unser bisheriger Erfolg ist ihr Verdienst. Ich bin aber auch dankbar, dass es bei uns Tradition ist, den Jungen Platz zu machen und nicht am Sessel zu picken. Ein Schritt, den viele bei der Unternehmensüber-
gabe nicht schaffen. Wir verstehen bei uns die Älteren als Kulturträger, die Jüngeren als Zukunftsträger. Für eine gesunde Entwicklung braucht es beide Aspekte. Wie blicken Sie auf die bisherigen fast 100 Jahre des Betriebes? Gegründet wurde das Unternehmen 1921 von meinem Urgroßvater Ambros Strolz. Er starb 1989, im selben Jahr in dem ich geboren wurde. Am Sterbebett hat er von meiner Geburt erfahren und freudig festgestellt „eine Sekretärin kann man immer brauchen“. Seit damals hat sich viel verändert. Nach der Aufbauphase wurde das Geschäft von meinen Großeltern nach und nach ausgebaut und erweitert. Der Ära meines Vaters und seiner Brüder könnte man die Überschrift Professionalisierung geben. Jede Generation hatte ihre eigenen Themen, Herausforderungen und Erfolge. Was muss die Vorarlberger Wirtschaft Ihrer Meinung nach tun, um fit für die Zukunft zu bleiben? Die Vorarlberger Wirtschaft zählt für mich zur Weltelite. Als Region sind wir sehr gut aufgestellt. Den Erfolg sichern die Menschen. Je besser es den Menschen geht, je mehr Lebensqualität sie im Alltag erleben dürfen, umso weniger werden sie zu Nomaden der modernen Arbeitswelt. Wer Herkunft hat, der ist auch ein Kämpfer für die Zukunft. Junge Menschen brauchen leistbares Wohnen. Junge Familien brauchen flexible Kinderbetreuungsangebote und eine erstklassige Ausbildung für ihre Kinder. Der Kybernetiker Frederik Vester hat mit seinem Spiel Ökolopolie auf einfache Art und Weise erklärt, wo die Zukunft liegt. Die Zukunft heißt Bildung. Als Vorstandsmitglied der Jungen Wirtschaft engagiere ich mich gerne für Themen, die die Attraktivität von Vorarlberg erhalten und steigern. Ihre Heimat ist Lech. Lieber im Sommer oder im Winter? Beides hat seinen Reiz. Am besten gefallen mir eiskalte Wintertage mit Sonnenschein. Wenn man in der Früh ganz oben auf einer Skipiste steht und beim Einatmen die Nasenhärchen einfrieren. Letztes Jahr bin ich aber auch dem Bergsommer in Lech verfallen. An langen Sommerabenden noch mit dem Fahrrad ins Zugertal, um die letzten Sonnenstrahlen an einem der schönsten Orte Österreichs zu genießen, ist wahrer Luxus für mich. Wohin „flüchten“ Sie, wenn es mal nicht Berge sein sollen? Mein liebster Fluchtort ist Wien. Dort finde ich die Dinge, die ich liebe, aber in Lech nicht bekommen kann. Wien ist auch wie eine zweite Heimat für mich. Ich besuche Museen und Theater, asiatische Lokale und Kaffeehäuser, treffe Familie und Freunde. Wie sieht Ihr perfekter freier Tag aus? Was ich an einem perfekten freien Tag mache, ist eigentlich nebensächlich. Das Entscheidende ist, dass das Handy im Flugmodus bleibt. Sabine Blechschmidt
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Generali LifeInvest – die neue Fondspolizze Generali LifeInvest, eine Fondspolizze mit Einmalerlag, eignet sich hervorragend für eine mittelfristige Veranlagung größerer Beträge.
Maßgeschneidert. „Umfangreiche Services machen Generali LifeInvest einzigartig am Markt“, so CSMO Arno Schuchter, Generali Versicherung AG.
von Schwankungsrisiken bei Abschluss und Ablauf des Versicherungsvertrages dienen, wurde das Re-Balancing neu eingeführt. Damit überprüft die Generali einmal jährlich, wie sich die Investmentfonds entwickelt haben. Bei unterschiedlicher Performance wird die festgelegte prozentuelle Aufteilung der Fonds wieder hergestellt. Damit bleiben KundInnen in der gewählten Veranlagungsklasse.
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ie Generali Versicherung erweitert ihr Produktangebot in der Lebensversicherung und setzt mit Generali LifeInvest gezielt auf Vermögensanlage. Mit der einmaligen Prämienzahlung in eine Lebensversicherung spricht die Generali jene KundInnen an, die einen größeren Betrag veranlagen und mittelfristig binden möchten. Arno Schuchter, Vorstand für Vertrieb und Marketing der Generali Versicherung AG, erklärt: „Generali LifeInvest ist ein innovatives, auf dem österreichischen Markt einzigartiges Produkt. Es wurde auf die Bedürfnisse der Zielgruppe vermögender Privatkunden maßgeschneidert und punktet mit seiner exklusiven Fondsauswahl, seinen individuellen Services und höchster Transparenz.“ Attraktive Fondspalette. Die von Experten ausgesuchte Fondspalette verfolgt klar
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den Ansatz einer Best-in-Class Selektion bei externen Fondsgesellschaften. Auch die Investmentfonds der Generali Investments S.A. und der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft m.b.H. werden genau geprüft und einem strengen Auswahlverfahren unterzogen. Strategie und Ausrichtung der institutionellen Tranchen sind maßgeblich, um in die Fondspalette aufgenommen zu werden. Individuelle Services. Auch beim Ablebensschutz setzt Generali LifeInvest neue Akzente. Flexible Versicherungssummen, in gleichbleibender oder fallender Höhe, garantieren eine individuelle Gestaltung der Ablebensleistung bei günstiger Prämie. Zusätzlich kann der Kunde, nach seinem Wunsch, aus einer Palette an Services wählen: Neben den Elementen Einstiegsund Ablaufmanagement, die der Reduktion
Diese Kombination macht die Einzigartigkeit von Generali LifeInvest aus. Die nur vierprozentige Versicherungssteuer auf die Prämie anstelle der Kapitalertragsteuer in Höhe von 27,5 % auf die Kapitalerträge bei einem Direktinvestment in Fonds steigern die Ertragschancen. Voraussetzung für diesen Steuervorteil ist die Einhaltung der steuerlichen Mindestbindefrist. Ebenso können im Rahmen von Generali LifeInvest Regelungen für die Vermögensweitergabe getroffen werden, individuell und ganz nach dem Wunsch des Versicherungsnehmers. Im Leistungsfall erfolgen Auszahlungen rasch und unbürokratisch.
Generali LifeInvest ist ein exklusives Produkt, das sich hervorragend in eine umfassende Vermögensplanung einbinden lässt.
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Foto: Generali/Lukas Lorenz
Maximale Transparenz. Im GeneraliKundenportal werden den KundInnen tagesaktuelle Werte zum Versicherungsvertrag inklusive der gewählten Investmentfonds zur Verfügung gestellt.
Brennende Leidenschaft Seit vier Generationen wird in der Fein-Brennerei Prinz traditionelles Handwerk gepflegt. Den Feinschliff bringen neue Innovationen und nachhaltige Ideen. „kontur“ hat beim Familienbetrieb im Leiblachtal vorbeigeschaut und viel Neues gelernt über Maische, Vakuumdestillation, Lagerung und Co.
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ommt man in den Hofladen der Fein-Brennerei Prinz in Hörbranz, ist es als betrete man eine andere Welt. Die Welt der feinen Destillate und des Genusses. Wie so häufig herrscht in dem liebevoll dekorierten Geschäft emsiges Treiben. Interessierte Kunden stehen vor den Regalen. Beratung durch die Mitarbeiter Innen wird gerne angenommen, denn bei der großen Auswahl fällt es manchem gar nicht so leicht, sich zu entscheiden. Der Hofladen ist das Reich von Christa Prinz. Hier schaltet und waltet die Seniorchefin. „Und das freut uns sehr, denn für unser Herzstück hat sie einfach am meisten Talent“, so Thomas Prinz, der das Familienunternehmen heute mit seinem Bruder Maximilian in vierter Generation führt. Vater Thomas ist ebenfalls noch aktiv. „Er unterstützt uns mit seinem Wissen, seiner Erfahrung und der feinen Nase. Mit Vorliebe erzählt er den Kunden im Hofladen Geschichten von früher.“ Vorrangig sind die Eltern aber die „guten Geister“ im Hintergrund, vor allem, wenn es um die Enkel
geht. „Maximilian hat zwei Kinder, ich habe drei, da sind Mama und Papa als Babysitter eine große Hilfe. Sie passen sehr viel und gerne auf die Kleinen auf.“ Für Thomas und Maximilian bedeutet das mehr Luft fürs Unternehmen und Freiraum, um neue Innovationen umzusetzen. Im Jahr 2017 haben sie die Geschäftsführung von ihrem Vater übernommen. „Davor waren wir ja schon über zehn Jahre operativ im Unternehmen tätig. Es wurde uns quasi in die Wiege gelegt.“ Während Thomas Prinz, Jahrgang 1981, nach der kaufmännischen Ausbildung an der HAK und dem Bundesheer ins Unternehmen kam, absolvierte Maximilian Prinz, Jahrgang 1990, seine Lehre zum Großhandelskaufmann und
Ob man zu den Eltern oder Großeltern geht, der Betrieb ist irgendwie immer mit dabei. kontur 41
Rückblick. Mit einer Landwirtschaft samt Gasthaus fing alles an.
Wir haben eine Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber. Und so versuchen wir alles, was wir tun, nachhaltig zu tun. zum Destillateur im Familienbetrieb. Von daher ergab sich letztendlich auch die Aufteilung der Bereiche. „Thomas macht vorrangig den Vertrieb, ich die Produktion. Und fürs Marketing sind wir beide zuständig“, erläutert Maximilian Prinz. Doch, Hand aufs Herz, ist es immer so einfach, mit dem Bruder zusammenzuarbeiten? „Ja, das geht ganz gut. Natürlich, man muss eine gemeinsame Strategie haben. Aber da haben wir eine sehr gute Gesprächsbasis und eine tolle Kooperation. Und wenn es mal Grund für Diskussionen gibt, setzt man sich halt an einen Tisch und redet miteinander.“ Von Most zu Schnaps. Die Anfänge der Fein-Brennerei Prinz reichen zurück bis ins Jahr 1886. Damals hat alles mit einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb begon-
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nen. „Und wie es früher üblich war, hat man angefangen, ein bisschen zu brennen, den eigenen Saft zu machen ...“ Bis in die 1980er-Jahre wurde bei Prinz neben dem Schnaps auch sehr viel Apfelwein produziert. Die Konzentration auf die Schnapsproduktion erfolgte erst in den Jahren danach. Edelbrände, Liköre und Limes zählen seither zu den Spezialitäten. Und die Produkte sind gefragt, was nicht nur ein gut besuchter Hofladen, sondern auch die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, über die die Fein-Brennerei Prinz ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen konnte. Doch worin liegt er, der Erfolg der FeinBrennerei? „Wir sind ein sehr innovationsfreundlicher Traditionsbetrieb, mit offenen Augen und Ohren. Jeder Mitarbeiter kann sich einbringen, ebenso jeder Kunde. Wir nehmen jede Anregung ernst.“ Überhaupt
Lieblingsort. Steingut bietet sich optimal für die Lagerung von Destillaten an.
ist Kundennähe für Familie Prinz ein wichtiger Aspekt. „Durch den Hofladen können wir den Kunden direkt zu uns ins Haus holen. So entwickeln wir Produkte nicht anonym und am vermeintlichen Bedarf des Marktes orientiert, sondern wir hören uns die Bedürfnisse unserer Kunden an und setzen diese anschließend, wenn möglich, in der Produktion um“, so Thomas Prinz.
Fotos: Thomas Prinz GmbH
Eingespielt. Thomas (l.) und Maximilian Prinz (r.) mit ihren Eltern Christa und Thomas.
Die Produktion findet in Hörbranz statt. Und hier konzentriert man sich bei der Marke Prinz seit Jahren voll und ganz auf den Rohstoff Obst. Pro Jahr werden in Hörbranz ca. 8000 Tonnen Obst verarbeitet, den größten Anteil machen dabei Williams und Marille aus. „Was ebenfalls sehr stark ist, ist das Hochstammobst. Gerade in einem guten Jahr, wie es 2018 war, ver-
arbeiten wir 300 bis 500 Tonnen Leiblachtaler Hochstammobst von örtlichen Landwirten. Also Obst vom mehr als 100-jährigen Hochstammbaum, das weder gedüngt noch gespritzt ist.“ Robuste und aromatische Sorten, das ist es, was sich Familie Prinz vermehrt wünschen würde. „Das Problem ist, in den letzten 20 Jahren ist die Züchtung, gerade im Obstbereich, in Richtung Lagerfähigkeit, Optik und Farbe gegangen. Was vernachlässigt worden ist, waren Aromatik und Geschmack. Daher versuchen wir, wieder alte Sorten und hocharomatische Früchte zu züchten.“ Den passenden Ort dafür hat Familie Prinz mit dem Obsthof Leiblachtal und einem eigenen Obstgarten geschaffen. Hier werden, vorrangig zum Zweck von Forschung und Entwicklung, Sorten wie Williams, Gravensteiner oder Elsbeere angebaut. Zum Teil also auch Sorten, die in Vorarlberg ausgestorben sind. „Genau diese möchten wir wieder kultivieren.“ Die Vision ist, resistentes, starkes und geschmackvolles Obst zu züchten. Umgesetzt wird dies auf biodynamische Art und Weise. Es wird komplett auf künstliche Pflanzenschutzmittel verzichtet, natürliche Roh-
stoffe kommen zum Einsatz. „Das fängt beim klassischen Brennesselansatz an, geht über Kamillenansätze bis dahin, dass wir den Trester aus der Produktion wieder als Dünger auf der Wiese ausbringen.“ Mit diesem Ansatz schließt sich auch der Kreis zur „grünsten Brennerei“, wie Maximilian Prinz sie nennt. Stolz ist er hier vor allem auf die ca. 40-prozentige Wärme rückgewinnung, indem gebrannte, warme und frische Maische im Gegenstrom gefahren werden. Überhaupt spielt Ressourcenschonung bei Prinz eine große Rolle: die Schlempe kommt zur Verwertung in die Biogasanlage, Kerne und Fruchtsteine
„Wir wollen nichts Neues erfinden, sondern versuchen vielmehr, Bewährtes und Bestehendes besser, innovativer und zukunftsreif machen. Das ist unsere Philosophie.“ kontur 43
Fotos: Thomas Prinz GmbH
Gemeinsames Ziel. Für Thomas und Maximilian Prinz zählt Nachhaltigkeit. Im Obstgarten ebenso wie in der Produktion.
Der Rohstoff soll dort wachsen, wo er sich am wohlsten fühlt, wo er herkommt. Denn nur dort kann er sich auch am besten entwickeln. „Darum konzentrieren wir uns hier vor allem auf heimisches Obst“, erläutern Thomas und Maximilian Prinz ihre Überzeugung. werden, sofern möglich, zu Öl bzw. Hackschnitzel verarbeitet und zur Flotte des Unternehmens gehören drei E-Autos, um nur einige Beispiele zu nennen. Ab in die Flotte Lotte. Doch zurück auf Anfang: Ob Birne, Marille, Zwetschge oder Kirsche – zur Veredelung geht es für alle Rohstoffe zunächst in den Obsthof Leiblachtal. Seit sechs Jahren bildet dieser das Herzstück der Obstverarbeitung.
Geschmack ist subjektiv, man kann herrlich drüber diskutieren. Und das macht unsere Produkte so emotional. 44 kontur
„Und genau hier können wir dem Obst die nötige Wertschätzung geben, die es verdient“, sagt Maximilian Prinz. Früher habe man das Obst bekommen, in eine Mühle reingeworfen und unten kam die Maische raus. Heute wird das Obst zunächst auf Qualität und Inhaltsstoffe untersucht. Dann geht es über die Reinigung und Sortierung auf eine Passieranlage, wie man es von daheim von der Flotten Lotte kennt. Stiele, Kerne und Schale werden getrennt, am Ende hat man ein reines Fruchtpüree. „Somit können wir für die Schnapsproduktion mit dem reinen Fruchtaroma arbeiten. Ein großer Innovationsschritt in der Maischeverarbeitung.“ Innovativ ist man bei Prinz auch, was die Vergärung betrifft. Diese verläuft nämlich schonend, kontrolliert und sehr stabil. Sprich, die Maische wird nicht wärmer als 17° C und behält dadurch ihr volles Aroma. „Unser größter Innovationsschritt war und ist aber sicherlich die Vakuumdestillation. Da waren wir 2004 die
ersten in Österreich“, berichtet Maximilian Prinz und man spürt förmlich die Begeisterung für sein Handwerk. Doch was bedeutet Vakuumdestillation? Normalerweise siedet Wasser ja bei 100° C, Alkohol bei 78,4° C. Wird der Brennkessel aber unter Vakuum gesetzt, fängt beides schon früher an zu sieden. „So können wir den Siedepunkt von Alkohol um bis zu 30° C senken. Das hat natürlich einen energetischen Effekt, aber vor allem auch einen qualitativen. Erhitze ich die Maische nicht so hoch, bringe ich das reine Fruchtaroma ins Destillat.“ Gut gelagert. Um dieses zu halten bzw. zu unterstreichen, investiert man bei Prinz viel Zeit und Know-how in die Lagerung der Destillate. Gelagert wird in vier unterschiedlichen Behältnissen, neben Glasballon und Edelstahlbehältern vorrangig im Steingut. „Gefäße aus Steingut sind optimal, weil es eine gewisse Atmungsaktivität gibt und das Material sehr tempera-
Mit allen Sinnen. Vor der Verarbeitung steht die Kontrolle.
Mit dem Obsthof können wir den Rohstoffen die Wertschätzung geben, die sie verdienen.
Testphase. Im eigenen Obstgarten spielen hoch aromatische Sorten die Hauptrolle.
turstabil ist. Gerade erst haben wir 60 neue Behälter angeschafft.“ Ein spannendes Projekt gäbe es momentan auch im Bereich Barrique, doch allzu viel möchte er hier noch nicht verraten. Doch generell sei es so, dass die Beliebtheit von barriquefassgelagerten Bränden in den letzten Jahren stark zugenommen habe. „Aktuell haben wir ca. 600, mit Destillat gefüllte, Barriquefässer. Eiche, Maulbeer, Akazie, Kirsch – um nur ein paar Klassiker zu nennen.“ Die Destillate bleiben drei bis 24 Monate im Fass, so können sie die Farbe, aber auch den Geschmack und den Charakter des Barrique annehmen. Wichtig ist dabei jedoch, die Brände nicht zu lange im Holzfass zu lagern. „Wir möchten den fruchtigen Geschmack des Destillats durch das Barrique unterstreichen. Darum ist die Lagerung eine außerordentlich sensible Angelegenheit.“ Und für die braucht es Mitarbeiter mit Erfahrung und dem richtigen Händchen. „Diese Mitarbeiter haben wir zum Glück“, freut sich Thomas Prinz über ein Team, auf das seine Familie sich verlassen kann. „Wir haben eine tolle Stammmannschaft, langjährige Mitarbeiter sowie junge und neue Kollegen. Ein spannender Mix, bei dem jeder vom anderen lernt und etwas einbringt.“ Worauf man bei Prinz ebenfalls setzt, sind die Lehrlinge. In der Produktion ebenso wie im kaufmännischen Bereich. „So bilden wir heute die Fachkräfte von morgen aus.“ Und morgen ist ein gutes Stichwort. Wohin soll die Reise ge-
Im Einklang. Der Obstbau erfolgt biodynamisch.
hen? Vertrieblich sei eines der Ziele, weitere internationale Märkte dazuzugewinnen. „Erste Schritte in diese Richtung sind gemacht, doch wir streben nachhaltige Geschäftsmodelle an. Vorrangig möchten wir nicht in die Breite, sondern in die Tiefe“, erklärt Thomas Prinz. „Uns geht es nicht nur um Volumen. Wir wollen die Bes ten, die Innovativsten sein. In vielen Bereichen sind wir es schon, aber das wollen wir stärken und Einzigartigkeiten herausarbeiten. Und da gibt es noch viele Ideen, die wir in Bezug auf kreative Produkte, Nachhaltigkeit im Einklang mit der Natur und Freude dem Kunden gegenüber umsetzen wollen.“ Sabine Blechschmidt
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Zeitreise durch die Epochen Wie soll man dieses Gefühl treffend beschreiben? Vielleicht so: An Bord der historischen Schiffe Hohentwiel und Oesterreich fühlt man sich wie auf einer Zeitreise – märchenhaft und gleichzeitig zum Anfassen real. Verführerische Themenfahrten sowie Business- und Private Charter machen die Grand Dames des Bodensees im Sommer und Winter erlebbar.
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ie zu König Wilhelms Zeiten auf dem Salondeck der Hohentwiel stehen, dem schönsten Schaufelraddampfer Europas aus dem Jahre 1913, dem letzten seiner Art auf dem Bodensee. Unter den weißen Sonnensegeln die Seele baumeln lassen, auf klassischen Deckchairs mit einem Glas Champagner in der Hand die kommenden Stunden begrüßen und Meisterwerke des Jugendstils in jedem Detail an Bord genießen. Dann geht es unter Deck, in den prachtvollen Hecksalon an die edel gedeckten Tische – immer mit dem Wissen, dass in diesem Raum bereits König Wilhelm II. von Württemberg und Graf Zeppelin dinierten. Was wäre, wenn Sie dann umsteigen auf die Oesterreich, das erste große Doppelschrauben-Motorschiff am Bodensee aus dem Jahre 1928 mit seiner authentischen Inneneinrichtung im Stil des Art déco? Und dort dann das Savoir-vivre der goldenen 1920er-Jahre zelebrieren – mit extravaganten Partys, swingenden Federboas, Wasserwellen und Musikkapelle. Die „Historische Schifffahrt Bodensee“
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mit ihren beiden Schiffen Hohentwiel und Oesterreich macht wahr, wovon die Menschheit träumt. Eine Zeitreise in die Vergangenheit, durch die zwei bedeutendsten Stilepochen des 20. Jahrhunderts – Jugendstil und Art déco. Die Grand Old Lady Hohentwiel und die Oesterreich werden gemeinsam betrieben. Mit unvergleichlichem Stilempfinden, hervorragender Küche, zuvorkommendem Service und besonders ausgesuchtem Fahrtenangebot, die jede Reise zu einem echten Erlebnis werden lassen. Die „Historische Schifffahrt Bodensee“ betrachtet es zudem als ihre Aufgabe, diese einmalig restaurierten Zeitzeugen für zukünftige Generationen zu bewahren, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und in Form voll betriebsfähiger Museumsschiffe zu pflegen. Gästen das Besondere bieten. Die Hohentwiel ist ein Jugendstil-Dampfschiff von märchenhafter Schönheit. Die Oesterreich ist die Stilkönigin des Art déco. Nachdem die Oesterreich in den Originalzustand zurückversetzt und liebevoll restauriert wur-
de, ist sie nun auch wintertauglich ausgebaut und nach den heutigen Ansprüchen einer modernen gehobenen Gastronomie und Technik ausgestattet. Beide Schiffe liefern die perfekte Location für jegliche Art von Veranstaltung, Feier oder Präsentation. Wunderbare Feste feiern, unvergessliche Augenblicke privat genießen, erfolgreiche Events veranstalten oder einfach nur das Leben zelebrieren: gleich ob Hochzeit, Geburtstags- oder Familienfest, zum Jubiläum oder zur Taufe. Für Ja-Sager gibt es wohl kaum einen schöneren Ort, um in den Hafen der Ehe einzufahren. Auf Wunsch können sich die Brautpaare an Bord der beiden histori-
Fotos: Archiv Historische Schifffahrt Bodensee, Fritz Schwärzler
Den Bodensee stilvoll erkunden und an Bord von Hohentwiel und Oesterreich in längst vergangene Epochen eintauchen.
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Der See, das Schiff, die Hohentwiel. Am 11. Jänner 1913 lief die Hohentwiel als das siebte Dampfschiff der Königlich Würtembergischen Staatsbahnen vom Stapel. Heute begrüßt sie von April bis Oktober jährlich Tausende Gäste an Bord der Träume.
schen Schiffe sogar vom Kapitän trauen lassen – eine Traumhochzeit, wie sie märchenhafter kaum sein könnte. Der Heimathafen der beiden Schiffe ist in Hard. Chartern kann man die Schiffe zwischen drei und zehn Stunden von fast jedem Hafen des Bodenseeufers aus. Die Hohentwiel kann von Ende April bis Mitte Oktober gechartert werden. Die Oesterreich sogar ganzjährig. Ideal ist eine Gruppengröße bis 135 Personen auf der Hohentwiel, auf der Oesterreich haben bis zu 140 Personen Platz. Alle Plätze befinden sich unter Deck und sind wetterunabhängig. Jeder Event wird von den Mitarbeitern der „Historischen Schifffahrt Bodensee“ individuell geplant und durchgeführt. Freude schenken. Jemandem eine Freude zu machen, bereitet selbst Freude. Ein Gutschein für eine Fahrt mit der Hohentwiel oder der Oesterreich ist eine Geschenkidee, die für viele Stammgäste bereits zur schönen Tradition geworden ist und immer gut ankommt. Die Gutscheine werden in besonderer Aufmachung per Post versendet und können mit oder ohne fixen Termin bestellt werden. Mehr Infos zum Chartern der beiden Schiffe oder zu den Gutscheinen finden sich unter hohentwiel.eu und unter ms-oesterreich.eu. Ein Genuss für alle Sinne. Die Hohentwiel und die Oesterreich sind zwei Gesamtkunstwerke, Orte mit einer außergewöhnlichen Magie und Geschichte. Bereits vor 100 Jahren wussten die Herrschaften, an Bord fein zu speisen. Haubenkoch Heino Huber zaubert mit seinem Team seit 2011 unvergleichliche Menüs auf den Schiffen. Sämtliche Arbeitsgänge werden in der neuen Küche unmittelbar
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am Landesteg der Schiffe in Hard vorbereitet. Alle Speisen werden anschließend in den modernst ausgestatteten Bordküchen vollendet. In die Küche kommt nur, was auch bei Tisch brillieren kann. Gerne pflegen Heino Huber und sein Team den persönlichen Kontakt zu den Fischern, Fleischlieferanten, Bauern für Gemüse und Obst, zu den Winzern rund um den Bodensee. Wichtig sind die hohe Qualität und Frische der Produkte sowie die schonende Zubereitung. „Wir schwimmen nicht gegen den Strom. Wir schaffen lieber unser eigenes Meer an Möglichkeiten“, sagt Heino Huber über seine Küchenphilosophie an Bord der Hohentwiel und Oesterreich. Die Küche der Hohentwiel und Oesterreich bietet ein vielfältiges kulinarisches Spektrum an exzellenten Speisen, die sowohl Augen als auch Gaumen der Gäste auf höchstem Niveau verwöhnen. „Wir sind immer bemüht, genau die Vorstellungen und Wünsche unserer Gäste zu treffen und unterbreiten gerne individuelle Vorschläge für Apéro, Menüs am Tisch, variantenreiche Buffets sowie selbstverständlich vegetarische und vegane Alternativen“, so Heino Huber.
Die Oesterreich: Ein Luxusliner anno 1928. Sie war das erste Dieselmotor-Passagierschiff auf dem Bodensee und verzaubert nun mit authentischem Art déco-Ambiente.
Fotos: Archiv Historische Schifffahrt Bodensee, Achim Mende, Adolf Bereuter, Markus Gmeiner, Michael Häfner
schöne Vertreter ihrer jeweiligen Epoche handelt. Das heißt, der kulturgeschichtliche Aspekt wird immer betont und entsprechend gewürdigt.
Zu jedem kulinarischen Erlebnis gehört der passende Wein. Daher werden alle Menüvorschläge der Hohentwiel und der Oesterreich von den Empfehlungen des „bordeigenen“ Sommeliers begleitet. Auch hier stehen Regionalität und Qualität im Fokus: Das Sortiment beinhaltet nur die edelsten Tropfen der besten Winzer aus der Bodenseeregion, aus Italien und Frankreich. Das Besondere bieten. Mit 30 verschiedenen Themenfahrten und zwei Schiffen im Sommer- und Winterbetrieb steigen die beiden Unternehmen Hohentwiel und Oesterreich unter dem Dach „Historische Schifffahrt Bodensee“ zu den größten Anbietern an öffentlichen Fahrten am Bodensee auf. Bei der gemeinsamen Fahrtenkonzeption wurde darauf geachtet, dass ein schöner und stimmiger Mix angeboten werden kann. Selbstverständlich wurde bei der Fahrtenkonzeption berücksichtigt, dass es sich bei beiden Schiffen um besonders
Neben der besonderen Atmosphäre an Bord beider Schiffe, der gepflegten Gastlichkeit auf höchstem Niveau sowie dem historischen Ambiente wird auch das Lebensgefühl von anno dazumal vermittelt. Ein solch einzigartiges Erlebnis garantieren beispielsweise die Fahrten „Zeitreise“ und das „Weinfestival 2019“. Bei diesen zwei Fahrten mit unterschiedlichem Rahmenprogramm treffen sich die beiden Schiffe auf See und fahren gemeinsam zum Umstiegshafen. Hier wechseln die Gäste das Schiff. Anschließend geht es an Bord des zweiten Schiffes zur Ausfahrt auf den See hinaus und zur Rückfahrt zum jeweiligen Ausgangshafen der Gäste. Eine weitere schöne Möglichkeit, beide Schiffe unkompliziert kennenzulernen, sind die angebotenen Rundfahrten. Das Herzstück an Bord der Oesterreich war und ist der Tanzsalon. Und dieser besondere Raum wird auch ausgiebig durch passende Fahrten gefeiert. Das Lebensgefühl der „Goldenen Zwanziger“ steht bei der glamourösen Gatsby-Gala im Mittelpunkt. Die Fahrt Sundowner auf der Oesterreich ist perfekt für den chilligen After-WorkAbend. Stilvoller kann man seinen Feierabend mit Kollegen, Businesspartnern und Freunden kaum beschließen. Begleitet von entspannter Chill-out-Musik genießt man eine entspannte Stimmung an der Cocktailbar und ein herrlich sommerliches Buffet aus der Küche. Alle Fahrten sind online unter www.ms-oesterreich.eu sowie unter www.hohentwiel.eu detailliert beschrieben und buchbar. Eva Engel
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Regional exotisch und purer Genuss Lebensmittel, gewachsen oder produziert in nächster Nähe, sind derzeit in aller Munde. Deshalb muss man aber nicht auf eine Prise Exotik verzichten. Oder hätten Sie gedacht, dass Safran auch in Viktorsberg zu Hause ist?
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Foto: Christian Kerber
uallererst: Es ist nicht alles regional, was sich so nennt. Schon bei der Definition des Begriffes gibt es große Unterschiede. Während für den einen österreichischer Marchfeld-Spargel noch regional ist, muss es für andere jener aus dem schwäbischen Tettnang sein. Sind es die Landesgrenzen, sind es die Gerichte, die den Begriff definieren? Die Qualität jedenfalls nicht immer. Denn ein Wiener Schnitzel (um den Begriff regional aus Vorarlberger Sicht einmal großzügig zu dehnen) und Käsknöpfle können durchaus aus Fabriken, weit weg des Landes, produziert werden, bevor sie – wie der Kartoffelsalat abgepackt und geschmacksneutral – in die heimischen Küchen geliefert werden. In der Arche des Geschmacks. Regional können aber auch Lebens- und Genussmittel sein, die aus der Region kommen, aber einfach in Vergessenheit geraten sind. Oder Gemüse, die ursprünglich exotisch waren und inzwischen als einheimisch quasi eingebürgert wurden. Wie Erdäpfel oder Mais, die nach dem weiten Weg über den Atlantik und gewissen Anlaufschwierigkeiten nicht mehr wegzudenken sind aus der Küche. So bemüht sich der Lauter-
Sind es die Gerichte, sind es die Landesgrenzen, die den Begriff definieren? Die Qualität jedenfalls nicht immer.
Slowfood. Richard Diet-
rich hat dem Riebelmais wieder zu neuem Geschmack verholfen.
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Exotisch mag es vermutlich für viele anmuten, wenn auf ihrem Teller ein Krebs aus der Region landet. Doch waren die Tierchen, die eine Transformation durchlebten und entweder vergessen wurden oder heute Luxus sind, oft ein Arme-Leute-Essen. Beispielsweise im Allgäu. Hier hat Anton Lanz die Zucht des Edelkrebses wiederbelebt. acher Richard Dietrich etwa, für seinen Riebelgries wieder alte Maissorten zu verwenden, die schon fast verloren gingen. Durch eine intensive Sammlung in den Jahren 2005 bis 2009 konnte Dietrich Samen vom traditionellen Riebelmais von etwa 40 Kleinerzeugern in Vorarlberg sichern. Und er hat sie nicht nur gesichert, sondern hat ihren großflächigen Anbau wiederbelebt. Exotisch ist sein Riebelmais schon deshalb, weil er weit rarer ist als modernes Riebelgries. Die Sorten bringen nur ein Drittel des üblichen Ertrags. Für Slowfood, die internationale Vereinigung zur Erhaltung regionaler Spezialitäten, ist deshalb klar, dass Dietrichs Riebelmais eines von elf österreichischen Produkten in der Arche des Geschmacks ist. Richard Dietrich bemüht sich indes auch, dass seine Produkte in der aktuellen Küche neu interpretiert werden durch Zusammenarbeit mit einigen der besten Köche des Landes, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, nicht einfach am Trend zu partizipieren, sondern die Chance zu nutzen und dem Produkt auch einen entsprechenden Platz im Hier und Heute zu geben.
Der Krebs verschafft dem Genießer Geschmackserlebnisse, die andere Krustentiere kaum bieten können.
Harte Schale, weicher Kern. Exotisch mutet wahrscheinlich für viele an, wenn auf ihrem Teller ein Krebs aus der Region landet. Doch waren die Tierchen, die eine Transformation durchlebten und entweder vergessen wurden oder heute Luxus sind, oft ein Arme-Leute-Essen. Beispielsweise im Allgäu. Anton Lanz, seit mehr als 40 Jahren einer der besten Köche Deutschlands, hat nicht nur mit seinem Können dazu beigetragen, die Bodenseeregion auf die Karte der Gourmets zu setzen, er hat auch die Zucht des Allgäuer Edelkrebses wiederbelebt – und bringt dabei viel Geduld und Wissen ein. Die Krebse sind immer noch sehr exotisch auf heimischen Speisekarten und am Markt, aber Lanz hat für eine Renaissance der Krebse gesorgt. „Geschmacklich ist der Allgäuer Edelkrebs äußerst fein, mit zartem Fleisch und exzellentem Gusto. Er verschafft dem Genießer dadurch Geschmackserlebnisse, die andere Krustentiere kaum bieten können“, preist Anton Lanz denn auch den Krebs, der bei ihm entweder das Menü bestimmt oder zumindest Teil jeden Menüs ist. Probieren kann man das inzwischen nicht mehr im eigenen Lokal von Lanz, sondern bei sich zu Hause oder bei Koch-Events, denn der Allgäuer hat sich aufs Private Dining verlegt. Oder man kauft die leckeren Tierchen einfach bei ihm. Ein sensibles Pflänzchen. Ein Geschmackserlebnis verspricht auch das Engagement von Werner Fleisch und seiner Frau Beate Fleisch-Halbeisen aus Viktorsberg. Sie haben den Anbau von Safran im Land wiederbelebt. Das teuerste Gewürz der Welt hat eine europäische DNA und eine Tradition im Land. Angebaut
Pionier. Anton Lanz hat einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des Allgäuer Edelkrebes geleistet.
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Erste Versuche für eine neue Zucht startete das Ehepaar im eigenen Garten. Als die erste Ernte ihren Vorstellungen entsprach, wurden die Fleischs mutiger. Mittlerweile befinden sich rund 40.000 Safranknollen in Sulz und in Götzis unter der Erde. In Viktorsberg wurde im Vorjahr ein „Safran Hortus“-Versuchsfeld angelegt. „Um zu schauen, ob es in dieser Höhe auch funktioniert“, sagt Beate Fleisch-Halbeisen. Und das hat er im ersten Jahr auch getan. Die Produzenten wollen „Wertvolles mit Hand schaffen“ und das ist im wahrsten Sinne wörtlich gemeint. Für ein Gramm Safran werden 220 Blüten von Hand geerntet und händisch gezupft. 45 Euro kostet ein Gramm des Gewürzes, das auch Profis wie Drei-Hauben-Koch Thorsten Probost in ihrer Küche verwenden. Und mit einem Gramm, so Werner Fleisch, kommt ein Haushalt ein Jahr lang aus. Tradition mit neuen Inhalten. Gelebte Regionalität bringt durchaus Exotik auf den Tisch, die abseits des Mainstreams und in den richtigen Händen für neue Geschmackserlebnisse sorgt.
Und mit ehrgeizigen Projekten wie jenen von Dietrich, Lanz und dem Ehepaar Fleisch wird aus der Mode ein Modell, das Tradition mit neuen Inhalten formt. Ein Modell, das am besten in Nordeuropa zu besichtigen ist, wo Produzenten und Köche Hand in Hand für ein weltweit beachtetes Küchenwunder sorgen. Und das, nicht nach rückwärts gerichtet, dem kulinarischen und weltanschaulichen Eintopf das Wort redet. Mehr Informationen zu den drei Produzenten und ihren besonderen Köstlichkeiten finden Sie online unter dietrich-kostbarkeiten.at, lanz-private-dining.de und genusshortus.at Andreas Scalet
Das teuerste Gewürz der Welt hat eine europäische DNA und eine Tradition im Land. Angebaut wird die Krokusart, die ihre Heimat ursprünglich in Griechenland hat, heute aber vor allem aus Indien, Pakistan und zuweilen aus Spanien stammt, seit über 3500 Jahren. Auch in Vorarlberg ist die Zucht bereits seit Jahrhunderten nachgewiesen.
Feinheit. Beate FleischHalbeisen und Werner Fleisch beliefern Spitzenköche mit ihrem Safran. Fotos: Lanz Private Dining, Shutterstock, Roland Paulitsch
wird die Krokusart, die ihre Heimat ursprünglich in Griechenland hat, heute aber vor allem aus Indien, Pakistan und zuweilen aus Spanien stammt, seit über 3500 Jahren. In Vorarlberg ist die Zucht ebenfalls bereits seit Jahrhunderten nachgewiesen. Doch irgendwann und ohne großes Aufheben verschwand die sensible Pflanze von den heimischen Äckern, andere Kulturpflanzen versprachen bessere Erträge, mehr Erntesicherheit und wohl auch weniger Aufwand.
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Traumberuf. Peter Figer lebt fĂźr das Schmiedehandwerk. Als Chef arbeitet er gerne mit.
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Ein Wälder wirbelt Staub auf Peter Figer ist einer der letzten Kunstschmiede Vorarlbergs. Über diese Einzigartigkeit spannt der 53-jährige Bregenzerwälder den Bogen zwischen Tradition und Innovation. Was seine Werkhalle in Bezau verlässt, hat Bestand, ohne reaktionär zu sein. Neue Ideen sind sein Markenzeichen. Mut zum Außergewöhnlichen seine Spezialität.
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Fotos: Roland Paulitsch, Adolf Bereuter
taub liegt in der Luft. Staub, der im einfallenden Sonnenlicht glitzert und funkelt. Staub, den Peter Figer tagtäglich aufs Neue aufwirbelt. Auch Ziegelstaub kann schimmern. Nicht täglich, aber immer wieder. An diesem sonnigen Donnerstagvormittag fliegen in der Bezauer Halle jedoch die Funken. Metall wird in Form gebracht. Gebogen, gelötet, gehämmert und geschweißt. „Ein Highlight jagt das andere“, bestätigt der Bregenzerwälder Kunstschmied schmunzelnd seinen Erfolg. Und erzählt von einem Luxus-Penthouse in Zürich und dem Chalet in Zermatt, aber auch vom Tisch, der einen ganzen Monat lang im Museum für angewandte Kunst (MAK) ausgestellt war und von der Messingwand in der
Volksbank in Dornbirn. „Für den begehbaren Wein-Glasturm im Genießer- und Kuschelhotel Gams mussten wir sogar einen Kran kommen lassen und Löcher ausbrechen, um ihn in das 350 Jahre alte Ge bäude zu bekommen“, erinnert sich der 53-Jährige an den spektakulären Einbau.
gers Vater war von Beruf Schlosser. „Ich habe es in den Genen“, scherzt der Handwerker und ist überzeugt, dass einer der Gründe seines Erfolges der ist, immer genau gewusst zu haben, was er wollte. Und zwar von Kindesbeinen an. Genauer gesagt, seit dem Kindergarten.
Funken fliegen. Peter Figer trägt eine Schutzbrille. Er ist ein Chef, der gerne mit anpackt. „Ich habe den schönsten Beruf, den ich mir vorstellen kann“, sieht der Bezauer darin eine Selbstverständlichkeit und bestätigt: „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht gerne zur Arbeit gehe.“ Er wendet sich seinem Werkstück zu und seine Augen leuchten wie die fliegenden Feuerfunken. So sieht Leidenschaft aus. Schon Fi-
Davon ließ er sich auch nicht abbringen. Im Gegenteil: Ganz bewusst absolvierte der Familienvater nach der Haupt- die Handelsschule. Kaufmännisches Wissen sei schließlich immer von Vorteil, begründet er und steht noch heute zu seiner Entscheidung. Die Lehre in seinem Traumberuf folgte im Anschluss. Ebenso wie die Meisterprüfung und die Übernahme eines Unternehmens in Andelsbuch mit erst 29 Jahren.
Ich wusste schon im Kindergarten, dass ich mal Kunstschlosser werden möchte. Ich mache die Arbeit wahnsinnig gerne. kontur 55
Fotos: Figer, Lukas Hämmerle, Roland Paulitsch
Schmiedekunst. Moderne Formgebung in höchster Qualität.
Dabei waren die Anfänge in den jungen Jahren der Selbstständigkeit ganz schön hart für den ehrgeizigen Wälder. „Ich musste erst rausfinden, wo meine Fähigkeiten liegen“, verrät Figer, dass es auch in seiner Karriere Höhen und Tiefen gab. Dann traf er eine mutige Entscheidung und tat das, was im Marketing-Jargon als USP, oder zu Deutsch, als Alleinstellungsmerkmal in aller Munde ist. „Ich spezalisierte mich auf Einzel- und Sonderanfertigungen.“ Damit eröffnete Figer sich und seiner Firma völlig neue Perspektiven. Vom Ladenbau über Fassaden bis hin zu Spezialanfertigungen in der Gastronomie und Hotellerie spannt er den Bogen seiner kreativen Tätigkeit. Aber auch Sakrales und exklusives Interior
– darunter Möbel und Lampen, ja sogar Brotkörbe – werden in Bezau produziert. Allesamt aus Metallen wie Stahl, Edelstahl, Kupfer, Messing und mehr. „Wir als Kunstschmiede wissen damit umzugehen“, zeigt er auf die Hochglanzbilder an den Wänden. Sie zeigen Werkstücke. Magie im Spiel. Das „Bönkle“ sticht ins Auge. Ein Geflecht aus zwei Millimeter dicken Messingbändern, die wie Gold glänzen. Schmieden in dieser Form ist wahre Kunst. Oder ist etwa Magie im Spiel, wenn sich hartes Metall in scheinbar federleichte Objekte verwandelt? Glitzerstaub-Zauberei zum Greifen nah? Klar, dass Figer beim Wettbwerb Handwerk + Form 2018 einen
Das „Bönkle“ sticht ins Auge. Ein Geflecht aus zwei Millimeter dicken Messingbändern, die wie Gold glänzen. Schmieden in dieser Form ist wahre Kunst. 56 kontur
Im rechten Licht. Eine Lampe, die beeindruckt.
Meine Frau probiert Schuhe, ich nehme die Stellagen unter die Lupe und mache mir ein Bild von den Lagerflächen im Store. Anerkennungspreis abstaubte. Und auch in zwei Jahren wieder abstauben wird. An Ideen mangelt es dem kreativen Handwerker nicht. Auch nicht an Experimentierfreude. Denn Figer fertigt für jedes Werkstück, das er produziert, einen Prototypen an. Nur so ist es auch möglich, ein Höchstmaß an Präzision zu erreichen, ist der Unternehmer überzeugt. Generell lautet sein Motto: „Qualität ist das Um und Auf.“ Ihr ordnet der Firmenchef alles unter. „Keine Arbeit verlässt die Werkstatt ohne eine Qualitätskontrolle“, erklärt er streng. Das habe sich bewährt und nur so könne er das hohe Niveau auch in Zukunft garantieren.
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Seines Glückes Schmied. Was also anfänglich als ganz schön heißes Eisen erschien, hat sich bewährt. Anfragen für Serienproduktionen und Bauschlosserarbeiten lehnt er strikt ab. Architekten, die auf der Suche nach Speziallösungen sind, sind zu seinen Stammkunden geworden.
Jeder ist seines Glückes Schmied. Aber auch Wünsche erfüllen macht glücklich. Dafür nimmt sich Figer Zeit. Er greift zu Bleistift und Papier, skizziert und macht so die Wünsche und Vorstellungen sichtbar. Der Kunstschmied ist ein guter Zuhörer. „Das ist wichtig, um herauszufinden, worauf es ankommt und welcher Zweck erfüllt werden soll.“ Was dabei Kreatives entsteht, überrascht Figer manchmal selbst: „Ich denke unter anderem an das Kamel, das ich aus Hasengitter geformt habe.“ Es dient der 1001-Nacht-Dekoration im Bezauer Genießer- und Kuschelhotel Gams. Die Grenzen von zeitgenössischem Design auszuloten, die Tradition mit der Innovation zu verbinden, aber auch zu erhalten, was seit jeher gegeben ist, zählt zu den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft. Der Unternehmer spannt darüber den Bogen seines Gestaltungsrepertoires und schnürt ein Angebot, zusammengestellt aus Schlosserhandwerk und Schmiede-
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Peter Figer ist ein guter Beobachter. Ihm entgeht nichts. Sein Blick fokussiert wie selbstverständlich Details, die sonst niemand wahrnimmt. Versteckte Dinge stehen im Zentrum seiner Aufmerksamkeit und er langen Bedeutung, ohne dass sie je jemandem aufgefallen sind. Schönheit liegt eben im Auge des Betrachters. Kreativität in der Erinnerung des Gesehenen. kunst. Neue Ideen zählen zu seinem Markenzeichen. Ideen, die er von überall her mitbringt, selbst wenn er mit seiner Familie den Urlaub verbringt. Gerne begleitet der Bezauer seine Frau auf Shoppingtour. Nicht, weil ihm Einkaufen besonders viel Spaß bereitet, sondern, weil er neugierig auf die Einrichtung der verschiedenen Stores ist. „Meine Frau probiert Schuhe, ich nehme die Stellage unter die Lupe“, erzählt er und vor dem inneren Auge ploppt ein Bild auf, das schmunzeln lässt.
sich davon überzeugen will, sollte unbedingt einen Tisch im „Johann“ reservieren. Schmiedekunst ist ein uraltes und angestaubtes Handwerk. Doch was in der Bezauer Halle entsteht – von Hand und fast völlig analog – entspricht dem modernen Zeitgeist. Wenn Peter Figer und sein Team die Funken sprühen lassen, formt sich Stahl, Edelstahl, Kupfer oder Messing für die Ewigkeit. Der Bregenzerwälder wirbelt dabei jede Menge Staub auf. Glitzerstaub, der im Sonnenlicht funkelt und schimmert wie winzige Kristalle. Staub, der den Atem der Zukunft in sich trägt. Marion Hofer
Prototypen. Für jedes Werkstück produziert Peter Figer zuerst ein Muster.
Fotos: Roland Paulitsch, Figer
Versteckte Dinge. Peter Figer ist ein guter Beobachter. Ihm entgeht nichts. Sein Blick fokussiert wie selbstverständlich Details, die sonst niemand wahrnimmt. Versteckte Dinge stehen im Zentrum seiner Aufmerksamkeit und erlangen Bedeutung, ohne dass sie je jemandem aufgefallen sind. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Kreativität in der Erinnerung des Gesehenen. „Die Kunst besteht darin,
Bestehendes neu zu kombinieren und traditionelle Schmiedetechniken in zukunftsweisende Gestaltung zu übertragen.“ Das zeigt sich in kleineren Meisterstücken wie die Etagere und Brotkörbe. Eine Auftragsarbeit für ein Wirtshaus, das keine Wünsche offen lassen will. Denn der Anspruch an Genuss beinhaltet auch, dass das Auge mitisst. „Die Wirtin hat uns ein Glump aus Chromstahl gebracht mit den Worten: Kannst du das aus Kupfer nachmachen“, erzählt der Kunstschmied. Natürlich konnte er und zeigt den Prototyp, den er eigens gefertigt hat und der allein durch das edle Metall ganz schön was her macht. Wer
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Im Geiste längst vergangener Zeiten
Im Einklang mit der Natur leben Heria (46) und Brandolf Höss (46) heute in Mäder ihren Traum. 2004 errichteten sie dort das erste originalgetreue Alamannen-Museumsdorf Vorarlbergs. Seitdem bringen sie interessierten Besuchern die Lebensweise der Alamannen und deren Natur verbundenheit wieder näher.
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urch ein Tor aus gebogenen Ästen, am Rande eines Kinderspielplatzes, betritt man das versteckte alamannische Museumsdörfchen und dabei scheint es fast wie eine Reise in die Vergangenheit, zurück zu unseren Vorarlberger Vorfahren. Zur Linken erblickt man ein stattliches Langhaus aus solidem Fachwerk gebaut und mit einem Schilfdach bedeckt. Auf der rechten Seite stehen ein kleines Grubenhaus und eine überdachte Drexelwerkbank. In der Mitte befindet sich ein Sitzkreis rund um eine große Feuerstelle. Dort empfangen uns Brandolf Höss und seine Frau Heria. Im Gespräch erzählen die beiden, wie sie sich mit 19 Jahren durch ihre Leidenschaft für Naturvölker kennenlernten. Aus dem anfänglichen Interesse für indianische Kulturen wurde das Interesse an der eigenen Herkunft geweckt. „Alle Naturvölker haben eine sehr ähnliche Glaubensauffassung. Es geht in all diesen Kulturen in erster Linie darum, in einer Harmonie mit der Natur und im Einklang mit dem bewohnten Land zu leben“, erklärt Brandolf. Die Alamannen sind in der zwei-
Fotos: Oliver Lerch, Privat
Freigeister. Das Alamannendorf ist immer eine (Zeit-)reise wert.
ten Hälfte des sechsten Jahrhunderts nach Vorarlberg eingewandert und haben Sprache, Brauchtum, Mentalität und viele andere Dinge, welche bis heute an diese Zeit erinnern, geprägt. „Als wir uns ausführlicher mit den Alamannen beschäftigten, wurde schnell klar, dass wir uns ganz dieser Kultur widmen mussten“, erzählt Brandolf mit unverkennbarer Leidenschaft. Zuerst ging das Paar dem gemeinsamen Forscher-Hobby lange Zeit nur am Wochenende nach. Brandolf vertiefte sein Wissen über die damaligen Kampfarten und Heria fertigte als gelernte Schneiderin originalgetreue alamanische Kleidungsstücke an. „Als wir merkten, wie sehr wir beide für die alamannische Kultur brann-
ten, entschieden wir uns im Jahr 1996, die ‚Alamannische Brauchtums- und Kulturgemeinschaft Vorarlberg‘ zu gründen und 2004 das Alamannendorf in Mäder zu errichten. Heute befassen wir uns nicht mehr nur in unserer Freizeit mit den Alamannen, es wurde von unserem Hobby Stück für Stück zu unserer Lebensweise“, erklärt Heria. Das Ehepaar hat auch zwei Kinder, denen sie ihre Art zu leben jedoch nie aufzwangen. „Manchmal unterstützen sie uns bei unseren Vereinsveranstaltungen und tragen dort ebenfalls gerne mal die alamannische Tracht“, erzählt Heria weiter. Das Museumsdorf erbaute die Familie so originalgetreu wie möglich anhand von Plänen aus dem Alamannenmuseum Ell-
wangen. Finanziert wurde das Projekt von der Gemeinde Mäder, vom Land Vorarlberg und zu einem Teil von den Vereinsmitgliedern selbst. Lebendige Geschichte. Seit der Erbauung ist das Museumsdorf ein beliebtes Ziel von Schulklassen. In dreistündigen Einheiten wird der Sachkundeunterricht dort für die Schülerinnen und Schüler zum Leben erweckt. „Es ist einfach etwas anderes, wenn man etwas wahrhaftig erlebt, als wenn man es im Unterricht nur in der Theorie bespricht“, ist Brandolfs Meinung. Die Schülerinnen und Schüler können sich dabei selbst im Feuermachen und Drexeln üben und bekommen eine spannende
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1996 wurde die „Alamannische Brauchtums- und Kulturgemeinschaft Vorarlberg“ zur Wahrung, Förderung, Ausübung und Darstellung der überlieferten und durch Forschung erschlossenen alamannischen Kultur, des Brauchtums und der Sitten, mit Hauptaugenmerk auf die vorchristliche Zeit des 6. Jahrhunderts, gegründet. Führung durch das Museumsdorf. Aber der Alamannenverein hat nicht nur für Kinder viel zu bieten, das Dorf wird mehrmals im Jahr zum Leben erweckt. Im Gespräch mit den Museumsvereinsmitgliedern erhalten die Besucher neue Einblicke in die Geschichte ihrer Heimat. Kulturinteressierte Erwachsene können sich außerdem ab fünf Personen ebenfalls für Führungen, Workshops und sogar Schulungen anmelden. Denn das zweite Standbein der beiden „Wahlalamannen“ ist die „Alamannenschule“. Naturfreunde und geschichtlich Interessierte können gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern in die Welt der Alamannen eintauchen und Weiterbildungen zu den Themenbereichen Naturverbindung, Hüterbewusstsein und Persönlichkeitsbil-
dung belegen. Fachmännisches Wissen wird dabei von Kräuterpädagogin Heria oder Wildnispädagoge Brandolf vermittelt. Neben der Jahresausbildung zum/zur Wildnispädagoge/Wildnispädagogin bietet die Alamannenschule auch kürzere Workshops an, wie zum Beispiel „Frühmittelalterliches Kriegertraining für Frauen und Männer“ oder „Kräuterbrauchtum“. Bei der berufsbegleitenden wildnispädagogischen Ausbildung handelt es sich um eine tiefenökologisch geprägte Kombination aus Erlebnis-, Wald-, Umwelt- und Abenteuerpädagogik. In sechs aufbauenden Wochenendmodulen erlernen die Studierenden verschiedene Techniken, Fähigkeiten und Überlebensstrategien. Vom Kennenlernen der heimischen Tier- und Pflan-
zenwelt, über die Wetterkunde, bis hin zum Spurenlesen und Feuer machen wird hier alles erlernt. Zudem wird sowohl bei den Schulungen als auch bei den Workshops die Persönlichkeit gestärkt und man lernt Probleme mit Kreativität und lösungsorientiertem Denken zu bewältigen, weshalb sich die Workshops auch gut für Teambuilding-Events eignen. „Der geschulte Umgang mit der Natur gerät in der modernen Zeit immer mehr in Vergessenheit. Wir beobachten aber ein stärker werdendes Verlangen der Menschen, wieder mehr mit der Natur verbunden zu sein und daran möchten wir mit unseren Ausbildungsmöglichkeiten anknüpfen.“ Traum der Selbstständigkeit. Neben der Arbeit im Alamannendorf ist Brandolf derzeit als Wildnislehrer an einer Schule beschäftigt und Heria arbeitet noch als Kindergartenassistentin. Schon bald möchten sie sich mit ihrer Alamannenschule und dem Museumsdorf jedoch endgültig in die Selbstständigkeit begeben. Sabrina Galehr
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Lehrreich. In Vergessenheit Geratenes wird hier wieder erlernt.
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tichwort: Mariahilf? Antwort: Naschmarkt! Klar, im Planquadrat zwischen Mariahilfer Straße, Getreidemarkt, Wienzeile und Gürtel bekommt man wahrscheinlich so viel Grünzeug und Vitamine wie an keinem anderen Ort der Stadt. Der Naschmarkt ist Wiens größter innerstädtischer „Handelsplatz“. Neben Falaffel, orientalischen Gewürzen und Co. haben sich auch einige bemerkenswerte Lokale angesiedelt. Das kleine Feinkostgeschäft Urbanek ist eine Institution und überzeugt mit seiner exquisiten Auswahl an Käse-, Schinken- und Wurstspezialitäten, gepaart mit Wiener
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Schmäh. So finden sich am 14 Quadratmeter großen Stand 46 Delikatessen wie Bio-Mangaliza-Schinken, Bregenzerwälder Wildblumenkäse und hausgemachte Gänseleberterrine. Hervorragende Speisen aus dem Meer werden bei Umar Fisch (Stand 76–79) kredenzt. Neben dem direkten Verkauf können die frisch zubereiteten Meeresbewohner auch im Restaurant schnabuliert werden. Trepp auf, Trepp ab. Doch das Grätzel hat viel mehr zu bieten als die eben erwähnte Genussmeile – vor allem in architektonischer Hinsicht. Mariahilf ist der Bezirk der Treppen, denn er weist die steilste Topographie aller Innenstadtbezirke auf. Bemerkenswerte 30 Meter Höhenunterschied werden zwischen den zumeist alten Gebäuden durch kunstvolle Stiegen-Konstruktionen ausgeglichen. Eine der schönsten ist die Fillgraderstiege. Die im secessionistischen Stil erbaute Treppe stellt eine Verbindung zwischen Fillgrader- und
Theobaldgasse her und zählt zu den eindrucksvollsten Europas. Erwähnenswert sind auch die Rahlstiege, eine dreiarmige Freitreppe zwischen Mariahilfer Straße und Rahlgasse, sowie die Amonstiege, die in ihrem Verlauf der Stiegengasse die Gumpendorfer Straße mit der Windmühlgasse verbindet. Von dort aus führt der Raimundhof, ein mit mehreren Stufen versehenes Durchgangshaus, zur Mariahilfer Straße 45. Seinen Namen verdankt dieses Schmuckstück dem Schauspieler Ferdinand Raimund, der im dort angesiedelten Haus „Zum goldenen Hirschen“ geboren wurde. Treppabwärts stellt der Durchgang eine direkte Verbindung zum Naschmarkt dar. Längenmäßig dürfte die Stiegenverbindung Amonstiege und Raimundhof die längste von ganz Wien sein. Der Höhenunterschied der Amonstiege kann skurrilerweise auch mit einem Straßenaufzug überwunden werden – verglichen mit dem Lissaboner Elevador de Santa Justa wenig prunkvoll, dafür aber praktisch.
30 Meter Höhenunterschied: Mariahilf weist die steilste Topo graphie aller Innenstadtbezirke auf.
Kulinarische Feinheiten. Mariahilf ist mit 145,5 Hektar der zweitkleinste Bezirk der Stadt und doch leben hier rund 31.000 Menschen. Der 6. liegt im Trend und hat sich von einem Arbeiterbezirk zu einem bunten, total angesagten „Hipsterdrom“ entwickelt: Hier existieren klassische Kaffeehäuser neben coolen Lokalen und Shops, deren Einrichtung und Besucher je nach Hipstergrad variieren wie Frau Bernhards Champagnerkneipe in der Esterhazygasse 11. In der charmanten Bar setzt die Vorarlbergerin Dorothee
Flakturm. Im Inneren sind Haie und Co. beheimatet.
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Fotos: Shutterstock, Hans Strunz, Daniel Zupanc
Durchgang. Der Raimundhof führt zur Mahü.
Jugendstil. Das Majolikahaus von Otto Wagner.
Bernhard, zusammen mit Marc Oberngruber, auf die prickelnde „Kombo“ des französischen Luxus-Sprudels mit ultrakreativen Tapas- und Snack-Kreationen. Aber auch selbst angesetzter Kombucha und verschiedene heimische und internationale Weine stehen auf der Speisekarte. Ein anderes Lokal in derselben Gasse, bei dem die innere Glückskatze ganz heftig zu winken anfängt, ist das Shokudo Kuishimbo. Das familiär geführte japanische Beisl (denn das heißt Shokudo übersetzt) begeistert durch seine authentische Küche: Spezialitäten wie Seetangsalat Mozuku mit Ponzu-Dressing und Ingwer oder Nasu no Agebitashi werden in einer Qualität zubereitet, die überzeugt. Flugabwehr. Von dort aus ist man nur einen Katzensprung vom Flagturm im Esterhazypark entfernt. Die Türme (der andere steht in der Stiftskaserne im 7. Bezirk und bildet mit dem im 6. ein Flakturmpaar) für Flugabwehrkanonen (Flak) wurden während des Zweiten Weltkriegs gebaut und ragen wie ein Wahrzeichen in die Höhe. Heute sind im Inneren des Feuerleitturms Haie, Piranhas und Giftschlangen anzutreffen. Seit 1957 können Ozeanbegeisterte im
Haus des Meeres die Geheimisse der Unterwasserwelt erkunden. Besonders schön ist die Aussicht vom Restaurant ocean´sky, das aktuell umgebaut wird. Durch die Anbringung eines Außenlifts sollte die grandiose Aussicht nicht nur mehr Besuchern der Ozeanschau vorbehalten bleiben. Im Zuge der Bauarbeiten wurde der Anti-Kriegsspruch „Smashed to pieces in the still of the night/Zerschmettert in Stücke im Frieden der Nacht“ des New Yorker Künstlers Lawrence Weiner übermalt, der seit 1991 den oberen Teil der Fassade zierte und durch einen Werbespruch ersetzt, was einen heftigen Shitstorm auslöste. Durch die künstlerische Arbeit war der Turm für viele zu einem weithin sichtbaren Mahnmal gegen Krieg und Faschismus avanciert. Apropos Fassade: Diese wurde schon seit Längerem unsachgemäß genutzt und zu einer Kletterwand umfunktioniert. Hipper Bruder. Weiter geht es zu Fuß in vier Minuten zum „Bruder“ in der Windmühlgasse 20. Geführt wird das hippe Lokal vom Vorarlberger Hubert Peter, der hinter dem Tresen die flüssigen Tropfen mixt, während sein Freund Luca Steindorfer in der Küche zaubert. Ins Auge sticht zu-
nächst einmal die dekorative „Einrichtung“ hinterm Tresen, die aus großen Einmachgläsern mit selbst angesetzten oder fermentierten Essenzen und Elixieren aus gesammelten Kräutern und Gewürzen besteht. Charmant sind auch die Karte und Namen der Speisen: „Butterberge und Milchseen“ treffen auf „Weihnachten ist vorbei“. Die Desserts stehen in der Rubrik „Deine Waage lügt“ – hipper geht’s wohl nicht. Das, was schließlich auf den Tellern oder im Glas landet, kann sich sehen lassen und übertrifft die Zielsetzung der Betreiber, die
Im 6. Bezirk treffen Champagnerkneipen auf Bordelle aus dem Jenseits und ,Bro’s‘ auf japanische Glückskatzen – heraus kommt ein charmanter Mix. kontur 69
Mehrwert. Im Phil gibt es literarische Leckerbissen.
Geschichte. Anti-Kriegsspruch von Weiner.
Stark. Thomas, Papa Gerhard und Daniel Urbanek.
„besten Produkte mit Erfahrung und Neugier zu kombinieren, um euch satt und besoffen zu machen.“ Na dann Prost! Stöbern mit Sekt. Apropos alkoholische Getränke: Die finden sich auch in der Vintagerie in der Nelkengasse 4. Nur, dass es sich um kein Lokal, sondern um ein Möbelgeschäft handelt und zwar um ein ganz besonderes. Zur Begrüßung bekommen Besucher von Alexander Bechstein und Peter Lindenberg ein Gläschen Rosé-Sekt verabreicht. Danach darf man sich auf den 180 m² auf die Suche nach genialen Einzelstücken und Designklassikern ab den 30erJahren machen – die entsprechende Geschichte zum jeweiligen Lieblingsstück wird charmant mitgeliefert. Die Stücke haben keine Preisauszeichnung, was die persönliche Kommunikation beflügelt. Schräg auf der gegenüberliegenden Seite in der Nummer 3 befindet sich eine Institution des 6. Bezirks: das Tanzcafé Jenseits. Das plüschig-verruchte ehemalige Bordell hat Kultstatus. Einmal angekommen, verlassen es die meisten erst kurz vor dem Morgengrauen – die Stimmung ist einfach zu gut. Nicht nur das Interieur ist schräg, sondern auch teilweise die Gäste, aber genau diese Kombination sorgt für Gesprächsstoff. Die musikalische Unterhaltung reicht von Pop über Soul bis hin zu Schlagern. Wer nicht tanzen will, lässt sich auf den samtenen Sitzgelegenheiten nieder, genießt den einen oder anderen Drink und debattiert mit anderen Tanzmuffeln über die Leichtigkeit des Seins oder, je nach Alkoholkonsum, über andere Dinge, bevor bei Tagesanbruch der Weg über die eine oder andere Stiege beschwingt nach Hause führt.
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Mittendrin in Mariahilf – Diese Hotspots im 6. Bezirk sind einen Besuch wert. Ludwig van. Das Restaurant von Oliver Jauk hat sich in der Wiener Gastronomieszene bereits einen Namen gemacht – einerseits wegen der neu interpretierten Wiener Küche, andererseits wegen der einen oder anderen anspruchsvollen Neukomposition. Auch das Weinkonzept spiegelt das Motto „Klassik trifft Moderne“ wider. Der Name „Ludwig van“ kommt übrigens nicht von ungefähr: Das denkmalgeschützte Haus ist einer der wenig erhalten gebliebenen Orte, in dem Ludwig van Beethoven nachweislich eine Hofwohnung bewohnte. Laimgrubengasse 22. Grill Imbiss Haus Hong Kong. Besucher dürfen sich in diesem einfach eingerichteten Lokal auf feine, original zubereitete Klassiker der kantonesischen Küche freuen. Besonderes „Schmankerl“ sind die Ente und das „Hendl“. Köstlergasse 16. Aend by Fabian Günzel. Der gebürtige Deutsche Fabian Günzel ist in Wien kein Unbekannter. Seit der Eröffnung seines neuen Restaurants Aend überschlagen sich Gault Millau und Co. vor Lob für den ehemaligen Souschef im Coburg und Le-Loft-Chef. Günzel wird als neuer Stern am Michelin-Himmel und Newcomer des
Jahres gehandelt. Das Konzept des Restaurants ist klar umrissen: Eine reduzierte, anspruchsvolle Küche, ohne Ablenkungsmanöver. Kostprobe gefällig? Kohlrabi und Sternanis oder Topinampur und Rose – klingt ganz schön gewagt oder? Mollardgasse 76. Disco Volante. Mamma mia! Schon beim ersten Bissen merkt man: Das Verhältnis von Teig und Belag ist bei den Pizzen perfekt. Das Lokal von Maria Fuchs ist eine Hommage an den süditalienischen Teigfladen. Um Originaltreue bemüht, importierte die Betreiberin spezielles Mehl, Tomatendosen und Pizzabäcker aus Neapel. Einrichtungstechnisch ist das Lokal fast noch puristischer als der Schwesterbetrieb Pizza Mari im 2. Bezirk. Gumpendorferstraße 98. Majolikahaus. Wer über den Naschmarkt flaniert, dessen Augen bleiben unweigerlich an der filigran verzierten Hausfassade von Otto Wagners gestaltetem Wohnhaus-Ensemble an der Linken
Wienzeile 38–40 hängen. Das Majolikahaus, das 1898 errichtet wurde und ein wichtiges Beispiel für den Wiener Jugendstil der Jahrhundertwende darstellt, ist mit witterungsbeständigen Fliesen mit bunten floralen Motiven verkleidet. Das Haus befindet sich jedoch in bester architektonischer Gesellschaft, denn auch die Hausnummer 38 wurde von Wagner designt. Die goldenen Medaillons auf weißem Putz steuerte Koloman Moser bei. Zusammen mit der Köstlergasse 3, ebenfalls von Wagner, bilden die drei Bauten ein beeindruckendes Ensemble. Linke Wienzeile 38–40. Phil. Literarische und kulinarische Leckerbissen werden im „Phil“ serviert, denn der Laden ist Buchhandlung, Café, Möbelgeschäft und Veranstaltungslocation in einem, selbst das Interieur kann erworben werden. Die gemütliche, etwas schräge Wohnzimmeratmosphäre übt eine magische Anziehungskraft aus, so dass man gerne wiederkommt. Gumpendorfer Straße 10–12. Christiane Schöhl von Norman
Fotos: Rainer Fehringer, Shutterstock, Urbanek, Ludwig van, Bruder, Tanzcafé Jenseits
Cocktails mit roter Rübe aus dem Einmachglas, Treppen bis zum Abwinken, bedeutende Spuren des Wiener Jugendstils – im 6. Bezirk warten zahlreiche Highlights, so dass einem schon mal ein spontanes „Hipp, hipp, Hurra!“ entfleucht.
Klassik. Moderne Wirtshausküche im „Ludwig van“.
Plüschig. Das Tanzcafé Jenseits ist schön skurril. Bruder. Hubert Peter und Lucas Steindorfer.
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Jö schau, von CapriKone bis Carnica! Bienenfleißig ist sie, die passionierte Imkerin aus dem Ländle. Andrea Bischof (42) hat vier Lehrberufe absolviert, drei Töchter geboren, ist mit zwei verlassenen Bienenvölkern in die Imkerei gestartet und teilt derzeit einen alten Bauernhof im Südburgenland mit 14 Fundkatzen.
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eben eigenen Mundart-Songs gehörten zum Programm des Vorarlberger Duos Andrea und Alfred Bischof, das sich gemäß seiner astrologischen Verbindung von Steinbock (Capricorn) und Löwe (Leone) CapriKone nannte, die Gassenhauer der Austropop-Urgesteine wie Georg Danzer, Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich. 2006 erschien die Debütsingle „Sinn des Lebens“. 2010 folgte der Hit „Huet gomr furt“. Inzwischen tourt Alfred Bischof als Liedermacher solo durchs Ländle. Andrea, spezialisiert auf Gesang, E-Bass und Gitarre, ist wie die beiden großen Töchter Elena (21) und Sabina (18) im „Süden“ geblieben. Nesthäkchen Denise (15) zügelt im Sommer zur Mama. Sie hat das musikalische Talent der Eltern geerbt. Andreas vier Lehrberufe. Auf den erfolgreichen Abschluss der Musikhauptschule in Dornbirn folgten der Besuch des Polytechnischen Lehrganges und die Lehre zur Einzelhandelskauffrau. Die zweite Lehre machte Andrea Bischof fit fürs Gastgewerbe inklusive Konzession. Ihr Tatort war das Gasthaus am Karren. Die dritte
Der volkswirtschaft liche Nutzwert der Bienen für die Landwirtschaft ist um ein Vielfaches höher als die Erlöse der Imker.
„Bienenkönigin“. In Imkermontur bei den Bienenstöcken ist Andrea Bischof in ihrem Element.
Lehre forderten zwei verlassene Bienenstöcke heraus, welche die Tierfreundin in einem Gebüsch fand. Sie absolvierte die Lehre zur Imkerin in Niederösterreich. Mit der vierten Lehre entdeckte sie ihre Liebe für das Handwerk Schlosserei, mit dem sie ihr tägliches Brot verdient. Nebenher renoviert sie den Bauernhof von 1850 mit ihren eigenen Händen. Das alte Gemäuer ist zudem Pflegestelle für verwilderte und ausgesetzte Katzen. Derzeit zähmt, erzieht und pflegt sie 14 von ihnen.
Der Traum vom Bauernhof. Den hat Andrea Bischof schon als Kind geträumt und nach dem Umzug ins Südburgenland im Jahre 2009 gleich umgesetzt. Zu Hühnern, Gänsen, Hasen und Ziegen kamen alsbald Bienen. Die ersten beiden Völker hat sie in einem Gebüsch gefunden. Dann wurden es immer mehr ... 40 Völker der Kärntner Hausbiene Carnica lieferten hochwertige Produkte wie Honig, Propolis, Kerzenwachs, Gelée Royale, die sie in ihrem Hoflädele verkaufte. Auf den Beruf als Imkerin
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Untersuchungen eines verendeten Bienenvolks haben ergeben, dass die Todesursache in Spritzmitteln zu suchen ist, die noch immer eingesetzt werden, obwohl sie verboten sind. „Es ist aber nicht nur die Landwirtschaft am Bienensterben schuld.“ bereitete sie sich mit Lehre und Lehramt vor. „Ich empfehle jedem Bienenfreund, einen Kurs zu machen oder bei einem erfahrenen Imker zu lernen. Obwohl Bienen zu den drei wichtigsten Haustieren gehören, sind sie noch immer Wildtiere. Sie brauchen zwar den Menschen, aber wenn dieser zu viel eingreift, schadet das den Bienen und schwächt ihre Widerstandskraft.“ Faszinierende Bienen. „Mich hat die reibungslose und perfekt organisierte Zusammenarbeit des Bienenvolks fasziniert. Je nach Alter hat jede einzelne Biene ihre Aufgabe. Die Sammelbienen geben den unfertigen Honig aus ihrer Honigblase an die Stockbienen, die ihn im eigenen Körper so lange bearbeiten, bis der Nektar eingedickt und mit Eiweiß, Enzymen und Säuren angereichert ist. Danach wird der Honig durch Flügelschlagen getrocknet, bis der
Fotos: Privat, Shutterstock
Perfektioniert. In einem Volk hat jede einzelne Biene ihre Aufgabe.
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Wassergehalt nur mehr zwischen 18 und 20 Prozent liegt. Rund drei Viertel eines Bienenvolks sind Arbeiterinnen. Sie arbeiten sich buchstäblich zu Tode. Die Männchen, Drohnen genannt, werden dagegen zum Tode verurteilt, rechtzeitig bevor der Winter kommt. Ihre Aufgabe besteht in der Begattung der Königin während ihres meist dreitägigen Hochzeitsflugs. Danach legt sie bis zu 2000 Eier pro Tag und kann dabei fünf Jahre alt werden. Sie ernährt sich ausschließlich von Gelée Royale.“ Tausendjährige Honigmythen. Der professionellen Gewinnung von Honig anno 7000 v. Chr. in Anatolien sind die Honigjäger der Steinzeit vorausgegangen. Honig galt nicht nur als Speise der Götter, sondern auch als Quelle der Unsterblichkeit. Tausende Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung war in Ägypten wie in Mesa potamien die organisierte Bienenhaltung gang und gäbe. Die Verstorbenen wurden mit Honig mumifiziert und mit der Götterspeise für die Reise ins Jenseits ausgestattet, die Lebenden versprachen sich von Gelée Royale ewige Jugend und Schönheit, von Propolis Energie, Widerstandskraft und die Heilung von entzündlichen Beschwerden. Propolis, das Kittharz der
Bienen, ist reich an Flavonoiden und wirkt nachweislich antibiotisch, antimykotisch, antiviral, antidepressiv sowie antioxida tiv. Hippokrates, auf den alle Mediziner schwören müssen, empfahl Honig nicht nur zur Fiebersenkung, sondern auch den olympischen Athleten als Dopingmittel. Obfrau des Bienenzuchtvereins. Der BVZ Rudersdorf und Umgebung zählt 16 Stamm- und acht fördernde Mitglieder. Seit August 2017 amtiert Andrea Bischof als Obfrau des Vereins, dessen Mitglieder sich zweimonatlich zum Erfahrungsaustausch treffen. „Die Imker sind ein eigenes Volk, das nicht gerne sagt, wie viele Bienenvölker man hat, aber das Bienensterben macht allen große Sorgen.“ Untersuchungen eines verendeten Bienenvolks haben ergeben, dass die Todesursache in Spritzmitteln zu suchen ist, die noch immer auf Maisfeldern und großflächig bewirtschafteten Flächen eingesetzt werden, obwohl sie längst verboten sind. „Es ist aber nicht nur die Landwirtschaft am Bienensterben schuld, sondern auch die Varroamilbe sowie Bakterien und Viren.“ Die Fachfrau empfiehlt, sich die Umgebung der Bienenstöcke im Umkreis von drei bis fünf Kilometern genau anzuschauen. „Diese Distanzen entsprechen etwa dem Flugradius der Bienen, die nach getaner Arbeit in den warmen Bienenstock zurückkehren und ihre Beute abliefern. Die Kerntemperatur von 30 bis 33° C im Bienenstock ist eine ideale Brutanstalt für Bakterien und Viren. Umso sorgfältiger muss ein Imker auf eine gesunde Umgebung achten. Die Bestäubungsleistung der Bienen für die österreichische Landwirtschaft hat pro Jahr einen volkswirtschaftlichen Nutzwert von einigen hundert Millionen Euro. Dieser übertrifft die Erlöse der Imker bei Weitem.“ Elisabeth Längle
Hippokrates empfahl den olympischen Athleten Honig als Dopingmittel ...
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Foto: Christa Dietrich
Schön und dennoch politisch Österreich ist auf der bedeutendsten Ausstellung der Welt, der Biennale in Venedig, die Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus rund 90 Nationen versammelt, durch zwei Frauen vertreten: Renate Bertlmann und Ulrike Müller.
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en Hauptpavillon in den Giardini besichtigen so gut wie alle der heuer wohl auch wieder rund 600.000 Besucher der Biennale von Venedig: Für Ulrike Müller (geb. 1972) heißt das, dass an ihren Arbeiten kaum jemand vorbeikommt. Ralph Rugoff, der USamerikanische Kurator, hat die Vorarlbergerin als einzige Österreicherin für die zentrale Themenausstellung mit dem Titel „May You Live In Interesting Times“ ausgewählt. Seinen Künstlerinnen und Künstlern steht jeweils in den geschichtsträchtigen Giardini, wo die Biennale im Jahr 1895 gestartet wurde, und in dem seit ein paar Jahrzehnten genutzten Arsenale, einem Werftgelände, Raum zur Verfügung. Müller, die unter anderem in New York arbeitet und deren Werke vor einigen Jahren vom Kunsthaus Bregenz präsentiert wurden, bezieht sich in den in Venedig vertretenen gra-
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Denkanstoß. Christoph Büchel zeigt das Wrack eines gesunkenen Flüchtlingsschiffs.
Das Kollektiv Isuma gibt im KanadaPavillon Einblick in das Leben der Volksgruppe der Inuit, im finnischen Pavillon ist Kunst der Samen zu sehen. fischen Arbeiten etwa auf die Formensprache in der bekannten Jazz-Mappe von Matisse oder auf die Pop Art, im Grunde genommen thematisiert sie jedoch Hierarchien in der Kunst, tritt der Abwertung von Email- oder Webarbeiten entgegen und verleiht einem oft erotisch aufgeladenen High Heel oder floralen Mustern einen bissig ironischen Touch. Subversives Agieren. Vergleichbar handelt Renate Bertlmann. Mit der Wienerin holt Österreich nach, was längst selbstverständlich sein sollte, Bertlmann (geb. 1943) ist nämlich die erste Künstlerin in der langen Geschichte der Biennale, der der Austria-Pavillon allein gehört. Die Entscheidung von Kommissärin Felicitas Thun-Hohenstein wurde bei der offiziellen Eröffnung mit lautstarkem Jubel der vielen Anwesenden kommentiert. Bertlmann selbst verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass ihre Präsenz eine Initialzündung in
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Subversiv. Renate Bertlmanns Ironie hält jedem Besucher stand.
Richtung einer gendergerechten Bespielung des Hauses ist. Gute Künstlerinnen gäbe es genug und demnach müsste der Pavillon zumindest in den nächsten Jahren wohl nur noch den Frauen gehören. Bertlmann bewältigt die Architektur mit ihren Säulen und Oberlichtfenstern bestens, setzt eine Box in den Raum, in der sich auch noch so filigrane Details der in dokumentarischer Ästhetik angeordneten Arbeiten nicht verlieren, bepflanzt den Innenhof mit 312 aufgespießten, blutroten Rosen aus Murano-Glas und versieht die Front mit ihrem Motto „amo ergo sum“. Das „discordo ergo sum“, das auf den rosafarbenen Taschen prangt, die verteilt werden, darf man sich gleich mitdenken, Widerspruch und Rebellion hat die Liebende bzw. die, die liebt, was sie tut, nie ausgeschlossen. Wie die sexuell konnotierten und auf männliche Überheblichkeit abzielenden Darstellungen beweisen, beherrscht sie subversives Agieren. Um den
Pavillon in der Tat mit einer bedeutungsvollen Signatur zu versehen, vertraut sie auf die Sonne, die ihr mit Metalllettern postuliertes Motto als Schatten auf das Gebäude wirft. Fragilität der Demokratie. Nachdem sich Deutschland mit Anne Imhof bei der letzten Biennale den Hauptpreis, einen Goldenen Löwen, holte, setzt man mit Natascha Süder Happelmann erneut auf eine
Unübersehbar. Ulrike Müllers Wandarbeiten gehen bei allem Grellen nicht unter.
Ausgrenzung. Eine Mauer im deutschen Pavillon.
Fotogen. In den Tableaus von Anicka Yi interagieren Bakterien mit Computersensoren.
performative Arbeit, für die die Künstlerin, die unter einem Synonym und stets mit einer Steinmaske auftritt, Komponistinnen und Komponisten engagierte, die für ihren Sound aus unterschiedlichen Traditionen schöpfen. Mit einer riesigen Steinmauer und dem Titel „Ankersentrum“ (mit S geschrieben) wird Ausgrenzung thematisiert. Im Schweizer Pavillon geht es um reaktionäre Kräfte. In der qualitativ exzellenten,
in der Aussagekraft aber auch in die Beliebigkeit abdriftenden Videoarbeit von Pauline Boudry und Renate Lorenz schreiten die Menschen rückwärts. Doch Frauen können Video: Eine der bewegendsten Arbeiten dieser Art gelingt Angelica Mesiti im Pavillon von Australien, wenn sie in Ansammlungen von Menschen die Fragilität der Demokratie zum Ausdruck bringt. Mit Cathy Wilkes setzt England erneut auf eine Künstlerin. Ihre Skulpturenarrange-
Fotos: Christa Dietrich
Modernismus. Liu Wei präsentiert die zeitgenössische Variante.
ments erweisen sich als subtiler Beitrag zu den Herausforderungen, die sich den Menschen stellen, für die sich das Anstehen lohnt. Bei der Französin Laure Prouvost ist man sich diesbezüglich nicht so sicher. Die Turner-Preisträgerin schickt ihre Besucher zum Hintereingang, wo sie nach geduldigem Warten mit Zivilisationsmüll konfrontiert sind. Manch Poetisches, Skurriles und Surreales mischt sich in die nachgezeichnete Reise zur oberitalieni-
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Die Biennale bietet auch seltene Einblicke in besonders prachtvolle Palazzi. Zu den kollateralen Ausstellungen, die zwar nicht bis 24. November, aber immerhin bis 23. August geöffnet ist, zählt „Förg in Venice“ im Palazzo Contarini Polignac. Die von der Architektur geprägten Arbeiten des Deutschen Künstlers (1952–2013) stehen in spannendem Kontrast zu den Murano-Lustern und wertvollen Tapisserien. schen Lagune, bei der die Frage, wohin wir gehen, offenbleiben muss, sich aber auch nicht unbedingt stellt. Was alle trifft. Das Dreierteam des Pavillons von Litauen hat da mehr zu sagen. Wer mit der Biennale noch nicht so vertraut ist, für den sei an dieser Stelle erwähnt, dass für die Besichtigung aller Länderbeiträge und die ohnehin auf gut 80 Positionen reduzierte Hauptausstellung eine Dauer von etwa 20 Stunden errechnet wurde. Wartezeiten wurden dabei nicht mitgezählt und wohl auch nicht die Passage zum mit dem Hauptpreis bedachten Pavillon von Litauen in einem Marine-Gebäude neben dem Werftgelände. Lina Lapelyte, Rugile Barzdziukaite und Vaiva Grainyte, also wiederum Künstlerinnen, haben einen Strand als Singspielszenerie aufgeschüttet. Dort versuchen sich jene zu erholen, die von Alltag und Konsum erschöpft sind. Ausgleich ist aber schwer zu finden. Die Biennale hat ein Thema, das alle betrifft und in dieser Stadt von spezieller Brisanz ist.
Fotos: Christa Dietrich, Antonio Calanni/AP
Eine besondere Erwähnung der Jury fand die Arbeit der mexikanische Künstlerin Teresa Margolles, die mit einer Mauer oder Suchanzeigen auf die Gewalt und im
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Besonderen auf die Gewalt gegen Frauen im Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA Bezug nimmt. Der Libanese Lawrence Abu Hamdan zeigt Menschen auf beiden Seiten der Trennungslinie auf den Golanhöhen. Der Schweizer Christoph Büchel konfrontiert mit den humanen Tragödien, die sich in unmittelbarer Nähe abgespielt haben. Auf dem gehobenen Schiffswrack, das sich den Besuchern in den Weg stellt, starben etwa 700 Menschen, darunter zahlreiche Kinder. Nicht weit davon entfernt, aber nicht mehr zur Biennale gehörend, hat der Italiener Lorenzo Quinn sei-
Rückschritt. Pauline Boudry und Renate Lorenz kritisieren ihn.
Plakativ. Handwerkerfolklore und Gesellschaftskritik im Belgien-Pavillon.
ne Skulptur „Building Bridges“ errichtet. Gefaltete Hände bilden eine Brücke über einen Kanal. Was banal oder bloß fotogen erscheinen könnte, erfährt hier anregende Wirkung. Mitunter dämpft die Biennale aber auch die Aussagekraft eines Werks. Ed Atkins computergeneriertes Bildmaterial, das das Kunsthaus Bregenz vor einigen Monaten mit allen seinen literarischen Sujets und psychologischen Inhalten groß inszenierte, verkommt zusammengepfercht mit seinen Kostüm-Installationen zu einem schaurigen Fundus, in dem der so wichtige schwarze Humor beinahe auf
Nur scheinbar harmlos. Arbeit von Anthea Hamilton.
der Strecke bleibt. Mehr Glück hat Alex Da Corte mit seinen quietschbunten Videos, in denen er sämtliche Rollen spielt und von denen er während der Laufzeit weitere nach Venedig schicken will. Fragen zur Schönheit stellt die behinderte japanische Fotokünstlerin Mari Katayama ebenso wie Njideka Akunyili Crosby aus Nigeria. Zynisch kommentieren Jos De Gruyter und Harald Thys eine Gesellschaft, die auf Tradition setzt und verwandeln den belgischen Pavillon in ein Folkloremuseum mit monoton bewegten Handwerkerpuppen und Ausgestoßenen – darunter Künstler – hinter Gittern. Wem das zu viel wird, zieht sich kurzzeitig auf die Giudecca zurück, wo die Künstlerin Shoplifter aus Island eine bunte Höhle aus Kunsthaar eingerichtet hat. Christa Dietrich
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Hypo Vorarlberg – Ihre persÜnliche Beratung in Vorarlberg, Wien, Graz, Wels und St. Gallen (CH). www.hypovbg.at
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Viele regionale Unternehmen schätzen die Hypo Vorarlberg fĂźr ihre Finanzexpertise. Und fĂźr die Menschen, die sie täglich unter Beweis stellen: Exzellente Berater, die die internationalen Märkte genauso gut kennen wie Ihre Nachbarschaft. Bleibt eigentlich nur noch die Frage: Was planen Sie GroĂ&#x;es?
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Wie Bachmann den Fortschritt beschleunigt Zwei Geschwister und ihr GespĂźr fĂźr Architektur Von der brennenden Leidenschaft fĂźr Obst STATEMENTS STATEMENTS STATEMENTS Flanieren durchs Wiener Zentrum des Genusses SMARTÂ OFFICE SMARTÂ OFFICE SMARTÂ OFFICE Starke Frauen und ihre Kunst in Venedig Foto: Philipp Steurer
WER VIEL VORHAT, KOMMT ZU UNS.
Die SeebĂźhne steigt in neue Dimensionen auf
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