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kontur Sommer 2022

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Sommer 2022 | 3 Euro

Vorarlbergs Wirtschafts- und Lifestyle-Magazin

Große Gefühle auf einem Blatt Papier Willkommen in der neuen Arbeitswelt Eine Vorarlbergerin und ihr Traum vom Fliegen 25 Jahre vai in Dornbirn – eine Bilanz Bei den Spezialisten für Kunststoff in Sulz Unterwegs im Grätzel von Maria Theresia


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Editorial Große Gefühle. Es scheint, als wäre das Blatt Papier wie zufällig ans Bodenseeufer geweht worden. Die neue Seebühne fasziniert und hält, wenn auch nicht auf den ersten Blick, so manche Überraschung bereit. Auf ihr wird Puccinis Oper „Madame Butterfly“ zum ersten Mal die Bregenzer Festspiele beehren.

Sommer 2022 | 3 Euro

Vorarlbergs Wirtschafts- und Lifestyle-Magazin

Im Wandel. Die Fries Kunststofftechnik GmbH in Sulz ist seit Generationen auf die Entwicklung von hochwertigen Kunststoffprodukten fokussiert. Dabei begann vor 125 Jahren alles mit Papierhülsen. Stadtspaziergang. Wer die Natur liebt und Freiraum braucht, abseits der hektischen Urbanität, der ist im 13. Wiener Gemeindebezirk gut aufgehoben. In Hietzing ist das gemütliche imperiale Flair von früher bis heute erhalten. Maria Theresia von Österreich wäre sicher begeistert. Viel Spaß wünscht Ihnen Ihr „kontur“-Redaktionsteam

Große Gefühle auf einem Blatt Papier Willkommen in der neuen Arbeitswelt Eine Vorarlbergerin und ihr Traum vom Fliegen 25 Jahre vai in Dornbirn – eine Bilanz Bei den Spezialisten für Kunststoff in Sulz Unterwegs im Grätzel von Maria Theresia

Inhalt 08 Mit Leichtigkeit Für „Madame Butterfly“ und die Festspiele haben Wind und Wasser eine verknitterte japanische Zeichnung, ans Bregenzer Ufer getrieben. 15 Ideen aus der Garage Immer mehr Vorarlberger Start-ups wagen den Schritt ins Rampenlicht.

Fotos: Ian Ehm, Frederick Sams, Conrad Amber, Monika Rittershaus

18 Von wegen ruhig Ein Sommer zwischen Training, Surfbrett und Pizzaofen – 10 Fragen an Sportler Alessandro Hämmerle. 21 Mehr Grün fürs Land Conrad Amber hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Natur wieder näher zu den Menschen zu bringen. 26 Zur richtigen Zeit ... Von der Work-Life-Balance ins Work-Life-Blending. Willkommen in der neuen Arbeitswelt. 31 Ein Leben für die Kunst Nach 40 Jahren intensiver Arbeit in einer märchenhaften Traumwelt lebt Mario Müller seinen wirklichen Traum.

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Zurück am Treffpunkt Büro Nach Monaten im Homeoffice geht es für viele nun wieder ins „offizielle“ Büro. Und dieser Ort muss heute mehr können als „nur“ Arbeitsplatz sein. Es geht um Zugehörigkeit und Kommunikation.

40 Bei den Spezialisten für Kunststoff Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Innovation und Produktentwicklung sowie laufende Investitionen sind das Erfolgskonzept der Fries Kunststofftechnik GmbH in Sulz. 47 Urlaub im Kochtopf Lust auf einen Besuch in Frankreich, Italien oder China? Ein Bummel durch Feinkostgeschäfte ist wie ein Ausflug in eine andere Welt. 52 Die Welt von ganz oben Für die Vorarlbergerin Claudia Harold-Blum hat er sich erfüllt, der Traum vom Fliegen. Mit Zielstrebigkeit, einer großen Portion Leidenschaft und ein paar schicksalhaften Fügungen. 57 Die Baukultur stärken Vor 25 Jahren wurde das Vorarlberger Architekturinstitut (vai) in Dornbirn gegründet. Die Bilanz zum Jubiläum schaut gut aus. 60 Elektrisch mit Power Probefahrt mit dem aktuellen Flaggschiff der VW-E-Flotte: dem GTX. 63 Es braucht Rückhalt Gerät Regionalität in Zeiten wie diesen ins Hintertreffen? LK-Präsident Josef Moosbrugger im Gespräch.

74 „One size fits all“ gibt es nicht Christine Knecht-Kleber hat sich spezialisiert. Die Rechtsanwältin für IT-Recht weiß, was man im Netz darf oder lieber sein lässt. 79 Gemütlich und imperial zugleich Wenn mondäne Villen auf Sibirische Tiger treffen und der Britische Geheimdienst sich in der „neuen Welt“ zu Hause fühlt – dann ist man im 13. Wiener Gemeindebezirk.

IMPRESSUM Herausgeber, Medieninhaber und Hersteller: Russmedia GmbH, A-6858 Schwarzach, Gutenbergstraße 1 • Redaktionelle Leitung: Sabine Carotta, sabine.carotta@russmedia.com • Redaktion: Christa Dietrich, Ernest F. Enzelsberger, Stephanie Herweg, Tristan Horx, Elisabeth Längle, Franz Muhr, Andreas Scalet, Edith Schlocker, Christiane Schöhl von Norman, Yvonne Tscherner, Johanna Walser • Art Direktion: Bernadette Prassl, bernadette.prassl@russmedia.com • Titelbild: Philipp Steurer • Anzeigenberatung: Russmedia GmbH, A-6858 Schwarzach, Gutenbergstraße 1, Patrick Fleisch, +43 5572 501-818, patrick.fleisch@russmedia. com; Ramona Lo Russo,+43 5572 501-437, ramona.­lorusso@russmedia.com; Nadja Mauser, +43 5572 501-280, nadja.mauser@­russmedia.com; Gabriel Ramsauer +43 5572 501-785, ­gabriel.ramsauer@russmedia.com; Markus Wertl, +43 5572 501-852, markus.wertl@­russmedia.com • Druck: Buchdruckerei Lustenau GmbH, A-6890 Lustenau, Millennium Park 10 • Erscheinungstag: 30. Juni 2022 • Nächste Ausgabe: 4. November 2022

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Fotos: shutterstock, Klemens Oezelt, Sedus Stoll AG, Christa Dietrich, Philipp Steurer

68 Weibliche Präsenz Ein Rundgang über die Biennale zeigt, dass auch in der Kunst eine Gruppe nicht mehr so viel bzw. fast alles zu sagen hat, die Männer.


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Hergeweht und somit hiergeblieben Schon die Idee vom neuen Seebühnenbild hat etwas Faszi­nierendes. „Madame Butterfly“ spielt auf einer schon leicht ­verknitterten japanischen Zeichnung, die Wind und Wasser ­ans Bregenzer Ufer getrieben haben. Die Podien der Puccini-Opern erzählen überhaupt eine spannende Geschichte.

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Fotos: Philipp Steurer, Dietmar Stiplovsek

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enkt man an „Tosca“ aus den Jahren 2007 und 2008, so konnten die Bregenzer Festspiele mit einer Puccini-Oper schon enorme Erfolge feiern. Die Inszenierung von Philipp Himmelmann im riesigen Augen-Bühnenbild von Johannes Leiacker wurde sogar im Bond-Film „Ein Quantum Trost“ verewigt. Alle, erwiesenermaßen auch der damalige Intendant David Pountney, ein Brite, werden zwar im Unklaren darüber gelassen, was Bösewicht Dominic Greene, gespielt von Mathieu Amalric, an den Bodensee treibt, aber nachdem Cavaradossi schon so spektakulär stirbt, brauchte diese Opernszene bei Bonds Kampf um das Gute, für das Empire und den Geheimdienst Ihrer Majestät nur verdoppelt zu werden. Von hoch oben hinein ins Wasser und basta. Für das Opernoriginal ließ der damalige musikalische Leiter Ulf Schirmer sogar eigens Kirchenglocken in der Region aufnehmen und deren Klang mit der Partitur vermengen.

Das Erspüren des Ortes sowie die Abklärung aller Möglichkeiten hat zu „Madame Butterfly“ geführt. Intendantin Elisabeth Sobotka: „Die Musik ist wie geschaffen für den See.“

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Glamourös. Musetta in „La Bohème“ vor 20 Jahren.

Beweglich. Neben dem Hauptpodium fährt heuer ein Papierschiffchen.

Der britische Künstler Antony McDonald hat bereits mit „La Bohème“ und „Ein Maskenball“ in Bregenz zwei Opern auf dem See ausgestattet. Andreas Homoki bezeichnet ihn deshalb als „Großmeister der Seebühne“. Ausgebaute Akustikanlage. Ein paar Jahre zuvor platzierten Richard Jones und Antony McDonald auf Geheiß des Intendanten Alfred Wopmann für „La Bohème“ ein paar riesige Bistrotische im See und überraschten mit einem übermannshohen Weihnachtskartenständer all jene, die da meinten, die geforderten winterlichen Szenen würden nie und nimmer in die sommerliche Landschaft passen. So schnell kann es funktionieren. Damals war die Akustikanlage auch schon so gut ausgebaut, dass man sich an Puccini-Partituren mit ihren, jedem Charakter zugeschriebenen, Feinheiten wagen konnte. Als Elisabeth Sobotka schließlich 2015 nach Bregenz kam, brachte sie „Turandot“ aus Graz mit. Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli legte seine Verflechtung des Märchens von der männermordenden Prinzessin mit dem Ringen des Komponisten um das dann nicht mehr fertiggestellte Werk großformatig über den See. Mit einem Teil der Chinesischen Mauer in Form eines Drachens gelang es auch vergessen zu machen, dass die erste „Turandot“ der Festspielgeschichte unter keinem guten Stern stand. Aber das war 1979, als sich die Wirkung des Festivals noch auf die Region beschränkte und es kaum störte, dass man je nach Witterung an manchen Tribünenplätzen nicht alles hörte. Mittlerweile wurden die Bregenzer Festspiele nicht nur für einige der Seebühnen-

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Regisseur. Andreas Homoki inszeniert auf dem See.

bilder international ausgezeichnet, auch die akustischen Innovationen wurden als technische Pionierleistungen gefeiert. ­Damit ist es wohl Zeit geworden für „Madama Butterfly“, dem Puccini-Werk, für das sich bislang noch keine künstlerische Leitung entschied. Elisabeth Sobotka hat mit Andreas Homoki den Intendanten der Oper Zürich als Regisseur engagiert, der zuvor als Nachfolger von Harry Kupfer an der Komischen Oper in Berlin reüssieren konnte. Enrique Mazzola, nun als Conductor in Residence in Bregenz tätig, übernimmt die musikalische Leitung. Auf den Summchor freuen sich wohl auch jene, die mit dem allgemein verständlicheren Titel „Madame Butterfly“ mehr anfangen können, für den sich auch die Festspiele entschieden haben, obwohl das 1904 urauf-

Vor drei Jahren sah ich das Bühnenmodell durch die VR-Brille. Es ist beeindruckend, mit welcher Professionalität Ungewöhnliches umgesetzt wird.


geführte Werk selbstverständlich in italienischer Sprache gesungen wird. Groß durch die Musik. Bühnenbildner ist Michael Levine, mit dem Homoki schon mehrmals zusammenarbeitete und mit dem er in Zürich beispielsweise einen aussagekräftigen „Wozzeck“ von Alban Berg hinlegte. Ein weiterer Blick auf die Namen des Leading Teams ist aufschlussreich. Die Kostüme entwarf mit Antony McDonald jener Künstler, der in Bregenz nicht nur die erwähnte „La Bohème“ ausstattete, sondern auch „Ein Maskenball“ von Verdi. Die Wirkung der Figuren ist von besonderer Wichtigkeit. „Madame Butterfly“ (bleiben wir also bei dieser Schreibweise für den Titel), basierend auf einer Erzählung von John Luther Long und einer Tragödie von David Belasco, ist ein intimes Kammerspiel. Homoki bestätigt das, weist aber darauf hin, dass es

Der neue Seebühnenregisseur in Bregenz, Andreas Homoki, war Intendant an der Komischen Oper in Berlin und leitete in den letzten Jahren das Opernhaus Zürich.

Fotos: Bernd Hofmeister, Dietmar Stiplovsek, Anja Koehler, Philipp Steurer, Paul Leclaire

Gefeiert. „Salome“ – Inszenierung von Homoki in Zürich.

Debüt. „Madame Butterfly“ steht erstmals auf dem Programm der Bregenzer Festspiele.

durch Puccini, also durch die Musik, groß wird. Die Bühne habe keine eigene Aussagekraft, das Blatt Papier, das wir sehen, wirke wie eine Metapher. „Es ist wie eine Tuschezeichnung, die weggeworfen wurde. Als Spielfläche ist sie gut geeignet, jeder Mensch, der dort steht, hat sofort eine große Verdrängung. Die Bühne vergrößert die Figuren.“ Wer einmal dieses Blatt betreten durfte, konnte erspüren, was auf die Sängerinnen und Sänger zukommt. Glatte Flächen gibt es kaum, das Papier ist gewellt, enthält ein, zwei verdeckte Auf- und Abgänge und bei geschärftem Blick auf die fein ziselierte japanische Landschaft als bildnerisches Motiv lässt sich erkennen, dass neben einem Papierschiffchen und einem schwimmenden Auftrittspodium für den Fürsten Yamadori wohl noch ein größeres Bühnenteil auftauchen wird. Ein Amerika der 1950er-Jahre. Filigrane Optik hin oder her, das gewellte Blatt Papier, das es hier in den Uferbereich geweht hat und das den Darstellern Trittfestigkeit abverlangt, misst 1340 Quadratmeter, wiegt etwa 300 Tonnen und ragt bis zur Premiere nicht mehr so weit aus dem See. Die Schneeschmelze setzt dem Wasserstand gerade im Juni noch ordentlich zu. Man hat schon erlebt, dass man vor der Premiere rasch umdisponieren musste. Ein spontan choreografiertes Bild,

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Bei „Wozzeck“ hat Homoki ebenfalls mit Michael Levine gearbeitet.

Opernvierteiler. „Das Rheingold“ hatte in Zürich bereits Premiere.

Mit dem Opernvierteiler „Ring des Nibelungen“ hat Andreas Homoki auch in Zürich noch eine größere Aufgabe übernommen. Die Premiere von „Das Rheingold“ fand bereits Ende April statt. „Die Walküre“ wird ab Herbst gespielt, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ folgen im kommenden Jahr.

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der Enge ihrer starren, rein traditionellen Kultur bzw. der festgefügten Familienstruktur zu entkommen, dann repräsentiert er, wie Homoki erklärt, die Atmosphäre der 1950er-Jahre. Damals, vor dem Vietnamkrieg, haftete Amerika noch der Mythos von den unbegrenzten Möglichkeiten an, der nicht in Frage gestellt wurde.

Dass es nicht gut ausgeht, wissen wir. Pinkerton ist privat zwar „ein charmanter Junge“ (Homoki), Respekt und Verantwortung sind dem überheblichen Kolonialisten aber fremd. „Er ist nicht böse, aber er ist schwach und ein Feigling.“ Puccini habe die Partie deshalb auch eigens für einen Tenor geschrieben, der in Opern allgemein für das Positive steht. Cio-Cio-San wird jedenfalls bald wieder verlassen, sie „erliegt dem fata-

len Irrtum, dass sich die Utopie für sie erfüllen kann“, in die eigene Familie kann und will sie nicht zurück, das entspräche auch nicht ihren Prinzipien, sie übergibt ihr Kind den Amerikanern und nimmt sich das Leben. Abgesehen von einer Regiearbeit beim Opernfestival in Aix-en-Provence ist „Madame Butterfly“ die erste Open-Air-Inszenierung von Andreas Homoki. Am Zürcher Opernhaus hat er im Frühjahr Wagners „Das Rheingold“ in einem Drehbühnenwohnzimmer inszeniert und dabei auch auf die Entstehungsgeschichte des Opernvierteilers „Ring des Nibelungen“ Bezug genommen, an dem der Komponist während seines Aufenthalts in der Schweiz arbeitete. „Die Walküre“ folgt bereits im September. Christa Dietrich

Fotos: Monika Rittershaus

nämlich, die im Wasser tanzenden bzw. planschenden Zwerge bei „Hoffmanns Erzählungen“ wirkte derart gelungen, dass man es bei „Aida“ eigens konzipierte und einige Darsteller im Wasser spielen ließ und das „Carmen“-Ballett wie das Finale wurden vor wenigen Jahren nicht zufällig ziemlich nass. Bewegt haben sich die Spielkarten zwischen den zwei riesigen Händen von „Carmen“ damals mittels Projektionen. Diese Technik kommt auch für „Madame Butterfly“ zum Einsatz. Und was die Figuren betrifft, so setzt Homoki auf japanisches wie auch auf US-amerikanisches Kolorit. Wobei er die Zeit etwas zurückschraubt, denn wenn der amerikanische Marineleutnant Pinkerton in Nagasaki auftaucht und die junge Geisha Cio-Cio-San meint, nicht nur ihrer Armut, sondern auch


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Startup-Visionen Die regionale Startupszene steckt noch in den Kinderschuhen, doch immer mehr wagen den Schritt ins Rampenlicht und verzeichnen erste Erfolge – wie das Softwareunternehmen Gleap. Julia Grahammer über Vorarlberg als Startupland.

Foto: Frederick Sams

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etritt man die Postgarage – die Homebase von Startupland Vorarlberg – nimmt man sofort die besondere Atmosphäre wahr: in der loftigen Location knistert es förmlich vor Innovationskraft. Junge kreative Köpfe tüffteln hier an ihren Ideen und haben große Visionen. Die hat Julia Grahammer, Geschäftsführerin der Initiative Startupland, auch: „Wir möchten, dass Vorarlberg zu

einem Startupland wird.“ Ein ehrgeiziges Ziel, doch wie ist dieses zu erreichen? „Wir müssen in der Politik und der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es für junge Menschen neben der Lehre und dem Studium auch noch die Möglichkeit gibt, sich mit einer Idee selbstständig zu machen.“ Ihre Aufgabe bestehe darin, ein Netzwerk – ein Ökosystem – aufzubauen und Rahmenbedingungen für Talente so-

wie deren Sichtbarkeit und Erfolg zu schaffen. „Dabei arbeiten wir mit Eventformaten und sind im ganzen Land aktiv.“ Das Startupland ist Anlaufstelle und Plattform für neue wie bestehende Startups. Wem genau wird hier allerdings unter die Arme gegriffen? Allen Jungunternehmern? Definition Startup. Dass alleine der Begriff schon für Verunsicherungen sorgt,

Julia Grahammer startete im Marketing und war in der Hotellerie und Gastronomie – in der Leitung des Hotel Bären in Mellau – tätig. Die 30-jährige ­Lustenauerin widmete ihre Masterarbeit dem T ­ hema Startups. Seit 2018 ist sie Geschäftsführerin der Initiative S ­ tartupland, seit 2020 auch Geschäftsführerin der Jungen Wirtschaft V ­ orarlberg. Ihre Leidenschaften: Mut machen, Netzwerken und ­Leute ­zusammenbringen.

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Bestimmt entwickeln viele gerade ihre Ideen – in Garagen oder ­ehemaligen Kinderzimmern. ist Julia Grahammer bewusst. Denn mittlerweile wird dieser inflationär verwendet. Aber was ist ein Startup nun tatsächlich? „Ein neugegründetes Unternehmen – nicht älter als fünf bis zehn Jahre, welches technologieorientiert bzw. wachstums­orientiert skalierbar ist“, so die Expertin. Es besitzt eine innovative Geschäftsidee und ein hohes Wachstumspotenzial. Im Fokus steht zudem die Technologieausrichtung. „Sollte das Produkt physisch, also keine Software oder ähnliches sein, ist dies gegeben, wenn beispielsweise ein Produkt online vertrieben wird und auch die Kommunikation auf diesem Weg erfolgt.“ Zum Vergleich: Frisöre oder Bäckereien sind für den Standort unverzichtbar, sind aber keine Startups, sondern klassische Jungunternehmen. „Das Wichtigste: Die Bezeichnung Startup ist eine reine Definition und keine Wertung des Unternehmens.“ Startupszene Vorarlberg. In Vorarlberg gab es vor vier Jahren ca. 45 Startups, heute sind es rund 100 – wahrscheinlich ist die Anzahl jedoch höher. „Wir können nur die Startups zählen, die sich auch bei uns melden. Wenn sie die Anlaufstellen nutzen oder wir sie bei Veranstaltungen kennenlernen, sind sie im Netzwerk“, so Grahammer. Die Geschäftsführerin ist sich sicher: „Bestimmt entwickeln gerade viele ihre Ideen – in Garagen oder ehemaligen Kinderzimmern. Sie stecken noch in der Anfangsphase.“ Gerne möchte man diese unterstützen und sichtbar machen: Verschiedene Eventformate laden die Kreativen ein, unkompliziert in die Öffentlichkeit zu treten, zum Beispiel im Zuge des Startupland-Meetup oder des Startupland-Frühstücks. „Hier geben wir den jungen Foundern die Möglichkeit zu pitchen, also ihre Geschäftsidee kurz vorzustellen.“ Aus welchen Branchen die Startups stammen? „Aus verschiedenen. Es gibt beispielsweise einige Startups, die Naturkosmetik herstellen oder andere Produkte und diese online vertreiben – die meisten sind allerdings in der Appent-

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wicklung oder im Softwarebereich angesiedelt.“ Zum Beispiel Sodex Innovations, drei junge Vorarlberger, die ein System für die Baubranche entwickelt haben, mit welchem Vermessung, Dokumentation und Abrechnung von jedem Aushub größtenteils automatisiert geschehen. Aber auch Gleap, dessen Entwicklerteam rund um Lukas Böhler und Isabella Salzmann seit ca. drei Jahren an einem Customer-Feedback-Tool arbeiten, mit dem User unter anderem ganz einfach und präzise technische Fehler einer Homepage oder App melden können. Gelauncht wurde das Produkt im November 2021. Zwischenzeitlich hat sich einiges getan. Gleap goes Silicon Valley. Die GleapGründer kommen ursprünglich aus dem Agenturbusiness und haben ihre Zelte in der Postgarage in Dornbirn aufgeschlagen. Dank der der GoUSA Initiative der WKO durften sie sich auch über einen Aufenthalt im Silicon Valley freuen. „Wir waren sechs Wochen in einem StartupBootcamp, wo man lernte, zu pitchen und auch wie man mit Investoren umgeht“, erzählt Isabella Salzmann. Auch andere Themen standen auf der Tagesordnung – von Produktentwicklung bis Marketing. „Die restliche Zeit konnten wir mit potenziellen Kunden sprechen“, die Co-Founderin lacht. „Natürlich ist das so: Jeder, den du da auf der Straße triffst, ist ein potenzieller Kunde von Gleap. Wir konnten uns dort auch mit Leuten von Slack und Instacart unterhalten.“ Die beiden haben neben neuen Kunden auch Kontakte zu Menschen gewonnen, die sie zu Rate ziehen können, wenn es beispielsweise um neue Features geht. Die Kultur des Scheiterns. Auffallend anders ist in Amerika die „Failure Culture“. Was in Vorarlberg immer noch große Peinlichkeit auslöst, ist in Amerika schon beinahe ein Qualitätssiegel: das Scheitern. „Wenn du nicht schon drei Startups an die Wand gefahren hast, bist du eigentlich

niemand im Silicon Valley“, schildert Salzmann ihre Beobachtung überspitzt. „Man erhält eher Respekt: At least you tried – zumindest hast du es versucht. Niemand würde hier sagen: Du kannst es einfach nicht, du bist kein Entrepreneur.“ Man gehe eher davon aus, dass die Idee noch nicht ausgereift war, woran man allerdings arbeiten könne. Auch Julia Grahammer plädiert dafür, Fehler machen zu dürfen: „Fehler darf oder soll, ja, muss man als Gründerin oder Gründer fast machen. Es gehört einfach dazu, es entstehen dabei wichtige Learnings.“ Darum möchte sie den jungen Menschen Mut machen, sie sollen sich nicht verstecken. Erwachsene sollen Kindern und Schülern vermitteln: Geht raus und zeigt, was ihr schon alles könnt. Das Mindset der Vorarlberger habe sich hinsichtlich dessen schon verändert, bemerkt sie. „Erzählen Schüler heute ihren Eltern, dass sie eine Idee umsetzen möchten, schlägt ihnen zunehmend Anerkennung entgegen.“ Das lässt die junge Geschäftsführerin des Startuplands hoffen: Dass der Weg der richtige ist – und dass die Innovationskraft der Vorarlberger(innen) weiter wächst. Yvonne Tscherner


Events für kreative Köpfe. Ende Mai feierte das Startupland sein vierjähriges Bestehen mit 200 Gästen. Regelmäßig finden im ganzen Land Events wie das Startupland-Meetup oder das Startupland-Frühstück statt. Sie bieten zahlreichen Input für die Besucher.

Fotos: Frederick Sams, Nussbaumer Photography, privat

Gleap. Junge Softwaretalente aus Vorarlberg.

Silicon Valley. Eine großartige Erfahrung.

Junge Startups stehen vielfältige Startupland-Events offen, bei denen sowohl das ­Pitchen möglich ist, aber auch das Netzwerken einen wichtigen Part einnimmt. Startups, die Auslandserfahrung sammeln möchten, können sich bei der WKO und der ­Initiative GoUSA bewerben – Gleap nutzten die Chance und reisten ins Silicon Valley. kontur 21


„Ein WM-Titel wäre auch ganz schön“ Zwei Bretter bedeuten für Alessandro Hämmerle die Welt: im Winter das Snowboard, im Sommer das Surfbrett. Und zwischendurch probiert er sich als Pizzabäcker. Warum? Diese und neun weitere Fragen hat „kontur“ ihm gestellt. Eine spannende Saison mit einigem Nervenkitzel liegt hinter dir. Wie fällt dein Rückblick mit ein paar Wochen Abstand aus? Im Nachhinein war es bestimmt die anstrengendste Saison meiner Karriere. Coronafälle im Rekordhoch und die Olympischen Spiele, welche dadurch direkt gefährdet waren, waren eine sehr fordernde Aufgabe. Familie und Freunde, die einem normalerweise Rückhalt bieten, mussten ausgeschlossen werden, wodurch man sehr viel Zeit mit sich selbst und der schweren Situation verbringen musste. Welche für dich letztendlich aber mit Erfolg gekrönt wurde. Was sind deine nächsten Ziele? Das größte sportliche Ziel einer Karriere ist eigentlich mit einem Olympiasieg erreicht. Nichtsdestotrotz braucht man Ziele im Leben. Meines ist momentan, dem Siegrekord im Einzel-Weltcup näherzukommen und im Optimalfall zu knacken. Ein WM-Titel wäre nach dem Vize-Weltmeistertitel natürlich auch noch ganz schön. 2027 kommt die WM nach Vorarlberg. Wird man dich dort noch auf dem „Brettl“ mittendrin erleben? Momentan arbeite ich darauf hin und denke auch, dass die Motivation ausreicht. Das Schlusswort spricht aber der Körper. Wenn dieser es zulässt und die Leistungen noch passen, werde ich am Start stehen. Gewinnt man, wird man gefeiert. Verliert man, ist man auch ganz schnell wieder unten durch. Wie gehst du mit diesem Druck um? Das ist alltäglich im Sport. Aber ich weiß, wer hinter mir steht, egal wie es gerade läuft. Diese Menschen sind für mich wichtig und geben mir die Kraft, mit dem Druck umgehen zu können.

die dem Körper alles abverlangen. Dazu kommen noch einige andere Termine – mit dem Erfolg von Olympia nochmals mehr. Da ist es ab und zu fast angenehmer, im Winter unterwegs zu sein. ;-) Im Sommer zieht es dich ebenfalls gerne aufs Brett. Surfen ist dein Hobby. Wo findest du die besten Wellen? Leider sind die ganz weit weg. In meinem Kopf schwebt aber ein Projekt, das zu ändern. Nichtsdestotrotz fliege ich viel nach Portugal, um ein paar gute Wellen zu erwischen. Die besten fand ich bis jetzt in Indonesien. Und nächstes Jahr habe ich vor, in Sri Lanka nach der perfekten Welle zu suchen. Wie sieht ein perfekter Sommertag für dich aus? Der startet mit einem guten Frühstück und einer Runde Sport, am besten auf dem MTB in den Bergen. Nach dem Mittagessen auf einer guten Hütte geht’s auf den See zum Wakesurfen. Den Sonnenuntergang genieße ich dann bei einem tollen Abendessen. Apropos Essen: Selbst gemachte Pizza ist eines deiner Steckenpferde. Wie kams? Und was gehört für dich unbedingt drauf? Ich habe das Pizzaprojekt angefangen, weil ich in Vorarlberg (bis jetzt) noch keine tolle Pizza Napoletana Style gefunden habe. Das ist die mit dem dicken, luftigen Rand. In Wien gibt es mehrere solche Pizzerien, bei denen ich bei jedem Besuch in der Stadt wieder zum Verkosten vorbeischaue. Aber mittlerweile bekomme ich auch bei mir zu Hause echt tolle Pizzen in diesem Stil hin. Die bes­­ te Pizza ist für mich eine klassische Diavola mit einer scharfen italienischen Salami, Fior di Latte und einer tollen Tomatensauce. Dein Lebensmotto? Risk it for the biscuit. Sabine Carotta

Jetzt ist Sommer. Eine erholsame Zeit für dich? Oder steckst du schon wieder mitten in den Vorbereitungen? Man denkt immer, dass der Sommer eine ruhige Zeit ist. Für viele Wintersportler ist dies aber eine harte Phase mit vielen athletischen Einheiten,

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Ich weiß, wer hinter mir steht, egal wie es gerade läuft. Diese Menschen sind für mich wichtig.

Foto: Frederick Sams

Welchen Tipp würdest du jungen Menschen geben, die auch im Sport Fuß fassen möchten? Sehr selbstkritisch zu sein, Fehler zuerst bei sich selbst zu suchen. Aber trotzdem den Glauben an sich zu haben, der bzw. die Beste sein zu können.


Alessandro Hämmerle geb. 1993. Nach der Matura am Sportgymnasium Dornbirn startete er von 2007 bis 2011 vorwiegend im Europacup durch. Es folgten zahlreiche erfolgreiche Saisonen. Zu den Höhepunkten seiner sportlichen Karriere zählen aber sicherlich der VizeWeltmeistertitel im Snowboardcross 2021 und die Goldmedaille im Snowboardcross bei den diesjährigen Olympischen Spielen von Peking.


Welcome to Huber – zweimal in Vorarlberg Die Stadt pulsiert, die Fußgängerzone ist gut besucht. Am Arlberg locken sonnige Pisten und exklusives Ambiente. In Bregenz und Lech erwarten Kunden von Huber Fine Watches & Jewellery weltbekannte Marken und beste Beratung.

Wei Lun Lin, Huber Bregenz

Ein ganzes Haus für Huber. Was macht den Standort Bregenz so besonders? Wir sind im Herzen der Landeshauptstadt, nur wenige Gehminuten vom Bodensee entfernt. Zwischen Tradition und Moderne, zwischen Kunst und Kultur fand das neue Huber Haus sein Fundament. Durch die charmante Architektur, welche sich harmonisch in das Stadtbild einbindet, und das stimmige Ambiente, wird die „Huber-Boutique“ zu etwas ganz Besonderem. Welches Erlebnis können die Kundinnen und Kunden erwarten? Wer außergewöhnlichen Schmuck und Uhren liebt und schätzt, ist bei uns richtig. Abgerundet wird das Gesamterlebnis in Bregenz durch eine exzellente Beratung in entspannter Atmosphäre. Welches Publikum dürfen Sie in Ihrem Geschäft begrüßen? Bei Juwelier Huber in Bregenz ist jeder willkommen, dem beim Anblick von tollen Uhren und atemberaubendem Schmuck das Herz höherschlägt. Das einzigartige Flair und unser kompetentes Team werden das gesamte Publikum verzaubern.

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m Jahr 1991 eröffnete Huber Fine Watches & Jewellery seine erste Boutique in Österreichs prominentestem Skiort Lech am Arlberg. Sie avancierte zum beliebten Treffpunkt für Gäste aus aller Welt. Geleitet wird die Huber-Dependance von Josef Güfel. „Wir möchten, dass die Gäste gerne zu uns kommen, unabhängig davon, ob sie etwas kaufen wollen oder nicht.“ Ihr Geschäft liegt mitten in Lech. Was zeichnet diesen Standort aus? Winterwonderland at it’s finest und eine Perle der Natur im Sommer. Lech besticht durch die entspannte Atmosphäre, den Dorfcharakter, perfekte Pisten und wunderbare Wanderwege. Unser Geschäft ist direkt beim Rüfiplatz. Vor dem Geschäft steht ein Skiständer, was vielleicht ungewöhnlich erscheint für einen Juwelier. Was schätzen die Kundinnen und Kunden an Ihrem Service? Wir haben die namhaftesten Schmuck- und Uhrenmarken in einem Ambiente präsentiert, das seinesgleichen sucht. Wir haben keine Kunden, wir haben Gäste und leben unsere Gastgeberrolle. Das heißt auch, dass unsere Gäste nach einem erfolgreichen Ski- oder Wandertag bei uns auf ein feines Glas Champagner oder eine Tasse Espresso vorbeischauen, sich wohlfühlen in unserem Kaminzimmer und sich gegebenenfalls mit etwas Schönem belohnen. Welches Erlebnis können die Kundinnen und Kunden erwarten? Glücksmomente schenken lautet unser Credo. Persönliche Beratung und Betreuung – und das in Skiausrüstung.

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ie Idee entstand 2017, drei Jahre später wurde sie umgesetzt: Am 15. Oktober 2020 eröffnete das traditionsreiche Familienunternehmen seine zweite Uhrenund Schmuckboutique im Ländle. „Exklusives Uhrenund Schmuckerlebnis in einer familiären Atmosphäre – das schätzen unsere Kundinnen und Kunden in Bregenz“, so Geschäftsführer Wei Lun Lin.

Josef Güfel, Huber Lech


Mehr Grün fürs Land

Foto: Emanuel Sutterluety

Geschmackvoll. Die Bergbrennerei Löwen in Au nutzt ­ihren Kräutergarten zur Weiterverarbeitung.

Haben Sie Ihren Carport begrünt? Oder zu einem besonderen Lebensereignis einen Baum gepflanzt? Dann haben Sie einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz geleistet – und sind, ohne es vielleicht zu wissen, der Empfehlung von Conrad Amber gefolgt. Er berät Unternehmen und Gemeinden dabei, mehr Klimaverantwortung zu übernehmen. kontur 25


inatura, zahlreichen Hotels – vom Hilton bis zum Schlosshotel – im LKH Feldkirch und Bludenz und dem BKH St. Johann in Tirol.

Nachhaltig. Grünfassaden und Dorfbäume ­tragen ­langfristig zur Gebäudeund Ortskühlung bei.

Zurück in die Natur. Heute setzt er sich in seinem Gartenbüro in Dornbirn mit Beratungen, Plänen, Grünkonzepten und Umsetzungen für mehr Grün in den Lebens- und Arbeitsräumen ein, sei es für Unternehmen oder Kommunaleinrichtungen. Zudem hält er im deutschsprachigen Raum zahlreiche Vorträge z. B. über Bäume, Natur- und Klimaschutz oder Gebäudebegrünungen. Conrad Amber zeigt auf: „In Vorarlberg gibt es erst einen sehr geringen Grüngebäudeanteil. Sowohl Gründächer als auch Grünfassaden. Wir waren einst Vorbild in der Architektur, jedoch ist heute leider vieles schon lange nicht mehr zeitgemäß.“ Er selbst setzte in den vergangenen Jahren zwei Dachgartenprojekte in Vorarlberg um: Bei der Bergbrennerei Löwen in Au begrünte er mit Partnerfirmen die 350 Quadratmeter große Decke des Betonkellers auf 810 Metern Höhe. „Mein Konzept war, einen Naturgarten bzw. Kräutergarten zu gestalten, der möglichst einem alten Bauerngarten ähnelt. Auf bis zu 1,5 Metern Substratboden wachsen dort jetzt viele Sträucher, Bäume, Kräuter und andere Pflanzen, aus welchen die Brände und Schnäpse hergestellt werden“, berichtet er. Das zweite Projekt entstand beim Bäumler Gewerbepark in Hohenems. Im

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flanzen und Bäume kühlen effektiv an heißen Tagen, filtern die Luft, bieten Lebensraum für Insekten und Vögel, betören mit ihrem Duft und bezaubernden Farben. Darüber schreibt und referiert Conrad Amber. Er ist Unternehmer, Buchautor, Naturfotograf, Natur- und Baumreferent, Berater, Visionär und lebt in Dornbirn. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Natur wieder mehr zu den Menschen zu bringen. Seit seinen früheren beruflichen Jahren war und ist Conrad Amber sehr kunstaffin. 1981 gründete er die Farbenlaube, einen Fachmarkt für Künstlerbedarf und Kreativkurse, 2001 entstand seine Firma „KunstKontakt“. In dieser Zeit stattete er durch Beratung und Kunstkonzepte über 300 Hotels, Gesundheitseinrichtungen, Banken und Unternehmen mit Kunst aus. Bereits 1985 gründete er mit Gerhard Winkler und Hans Dünser den KunstRaumDornbirn. Die Ausstellungen dort beschäftigen sich vorwiegend mit der künstlerischen Auseinandersetzung mit Naturthemen. „Im Laufe der Jahre bin ich weg von der Malerei und mehr hin zur Fotografie gelangt. Mit der Naturfotografie ist nicht nur meine Liebe zur Natur und den Bäumen gewachsen, sondern inzwischen auch mein Fotoarchiv“, so Amber. Seine Baum- und Naturfotografien finden sich als Bildwerke u. a. im Naturmuseum

Zu jedem Haus gehört ein Baum, denn er kann auch ein Zeitzeuge besonderer Lebensereignisse sein. 26 kontur

Richtungsweisend. Conrad Amber findet den Ausgleich zur Selbstständigkeit in der ­Natur und in seinem Wald­ garten in Dornbirn.


Conrad Amber macht in seinem Waldgarten viele „Selbstversuche“: Wie wirken sich Veränderungen, wie beispielsweise weniger Rasenmähen, auf Pflanzen und Natur aus und wie geht es ihm selbst und seinen Nachbar(inne)n damit?

Fotos: Conrad Amber

dritten Stock des Gebäudes gestaltete er mit einem Team aus Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen zwei Naturgartenflächen – eine Natur- und eine Kunstterrasse. Sie wurden im Juni 2022 eröffnet. „Auf der Naturterrasse pflanzten wir auf Substratboden rund 30 heimische Pflanzen, bis zu sieben Meter hohe Bäume, Stauden und Duftgärten.“ Dazwischen finden sich Bänke, Totholz und Lattenrost. Auf der Kunstterrasse präsentiert sich in der Mitte des Naturgartens ein Spiegelkunstwerk von Miriam Prantl. Die Pflanzenmischung besteht hier aus zahlreichen Duftkräutern wie Lavendel, Rosmarin, südlichen Pflanzen wie Glyzinien, Gleditschie und Blühstauden. Was eine Gebäudebegrünung bringt? Naturvielfalt, Luftfilter, Nahrung für Wild- und Honigbienen, Lebensraum für Insekten und nicht zuletzt ein gesundes und angenehmes Mikroklima – also eine natürliche Gebäudekühlung durch ein Luftkissen zwischen Fassade und Pflanzen. Möglichkeiten für eine Grünfassade sind Spalierobstbäume oder Winderpflanzen, die durch Netzgitter oder fixe Drahtgitter eine Kletterhilfe bekommen. Klimaschutz vor Ort. Unternehmen und Gemeinden im Land möchte Amber empfehlen, sich in Vorarlberg und am Betriebsstandort verstärkt für Klimaschutz einzusetzen, da dies am meisten

Wirkung für die Menschen, die Mitarbeitenden und die Umwelt vor Ort habe. Er gibt konkrete Lösungsvorschläge für mehr unternehmerischen Klimaschutz: „Dach- und Fassadenbegrünungen sind so gut wie auf und an jedem Gebäude möglich. Das Dachwasser kann man für die Bewässerung der Pflanzen nutzen, Parkflächen entsiegeln oder am Betriebsgelände Früchte, Beeren und Nüsse anpflanzen, die dann z. B. in der Kantine verarbeitet werden können.“ Zudem solle eine PV-Anlage immer mit einem extensiven Gründach kombiniert werden. Unternehmen, die sich aktiv um den Klimaschutz kümmern, sparen auch Kosten, weiß Amber: „Das betrifft vor allem die Personalakquise, denn die Fluktuation ist geringer und die Mitarbeitenden sind zufriedener und gesünder.“ Könnte Conrad Amber Gesetze für mehr Klimaschutz durchsetzen, fielen ihm direkt mehrere Punkte ein: unter anderem die Unterstützung regionaler Nahrungsproduzent(inn)en, die Belohnung für Naturvielfalt, Verbot von Mono- und Reinkulturen im Wald, Pflicht für Naturhecken für jede landwirtschaftliche Fläche und die Förderung von Radwegenetzen. Oftmals brauche es für eine konkrete Projektumsetzung nur einen Zündfunken, den Conrad Amber mit seinen Grünkonzepten entfachen will. Damit möchte er auch an die Vorarlberger Seele plädieren, zukünftig offener und toleranter gegenüber der Natur zu sein. Johanna Walser

Hoch hinaus. Beim Bäumler Areal in Hohenems entstanden aus Wasch­ beton-Dachterrassen zwei Naturgartenflächen.

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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Potenzial. Wenn wir das Bild des „Berufsabsitzens“ hinter uns lassen, ist es kein Problem, wenn man mal zwei Stunden früher aus dem Büro geht und woanders weitermacht.

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Von der Work-Life-Balance ins Work-Life-Blending. Vom Urlaub zur Workation. Durch Technologie und Fortschritt ergeben sich laut Tristan Horx neue Arbeitswelten, die vielen Menschen mehr Selbstbestimmung versprechen.

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Foto: shutterstock

illkommen im 21. Jahrhundert – wo Homeoffice, Remote Working und flexible Arbeitszeiten nun endlich in der Firmenkultur angekommen sind. Interessant, dass die jüngeren Generationen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt mit genau diesen Wünschen vor den Türen der Arbeitgeber(innen) standen und eine ordentliche Abfuhr erhielten. Die Suche nach Sinn und Eigenverantwortung im Job war wohl etwas zu fortschrittlich. Zum Glück wurde die Logik des Homo oeconomicus durch die Coronakrise massiv erschüttert. Es ist fast so, als würden Menschen gerne zur Gesellschaft und Wirtschaft beitragen. Das Bild, dass wir ohne den Leidensdruck der Arbeit alle nur biertrinkend vor der Glotze hängen würden, halte ich für gehörigen Quatsch. Für einen nachhaltigen Wandel im Gesellschaftsdeal mit der Arbeit benötigt man allerdings einen zentralen Wert: Vertrauen. Der Arbeitsmarkt nach Corona wird humaner, vertrauenswürdiger und somit endlich aus dem Industriezeitalter-Denken emanzipiert. Ich meine, what the fuck ist eigentlich mit den fast schon heiligen 40 Stunden? Im Zeitalter der Fabriken kann man diesen Richtwert noch verstehen, in der Moderne ist er ein wahrlich verstaubtes Konstrukt. Jeder, der acht Stunden am Tag im Büro sitzt, weiß, dass er maximal vier bis fünf Stunden wirklich produktiv ist. Das belegen übrigens auch Studien. Die Arbeitswelt von gestern ist auch nicht mit der Gleichberechtigungsbewegung für Frauen von heute und morgen vereinbar. Wirklich nervig ist vor allem das Framing, dass der Wunsch nach Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten ein „Jugendthema“ sei. Unsere Zukunft betrifft alle, Jung und Alt. Von wegen erlauben. Durch die Digitalisierung der Arbeit sollte – und wird – diese

weniger werden. Warum ist das so eine ketzerische Position in der Arbeitswelt? Die Chefs dieser Welt haben sich ewig geweigert, eine solche Veränderung zuzulassen. Zu sehr waren sie gefangen im Zeitalter der Fabriken und in den eigenen, gut geölten Abläufen. Am liebsten war es aus der Chefetage immer zu hören, wie progressiv ihr Unternehmen doch sei, weil es die Mitarbeiter einen Tag in der Woche Homeoffice machen „lässt“. Richtig sollte es lauten: „Du sollst verdammt noch mal für den richtigen Arbeitsbereich am richtigen Ort sein.“ Nichts mit erlauben oder dürfen. Das Homeoffice ist gleichzeitig nicht die Lösung aller Probleme in der Arbeitswelt. Wenn es keine sinnvollen, flexiblen Mischformen gibt, werden wir nicht produktiver, sondern das Gegenteil. Es sei an dieser Stelle auch gesagt, dass nicht alle Berufsfelder diese Möglichkeiten haben. Die Ärztin wird vermutlich tendenziell weniger Homeoffice-Potenzial haben als der digital creative lead einer Designagentur. Wobei Erstere vermutlich auch ganz entspannt zu Hause Patientenanrufe annehmen könnte, wenn nötig. Aber die Tendenz ist klar, es geht nicht bei allen Jobs. Das fordert auch keiner. Das Office wird Ort der zwischenmenschlichen Begegnung und Kreativitätsspielraum statt Zeiterfassungsgebäude. Es geht darum, konzentriert zu Hause zu arbeiten oder wo auch immer es einem am besten gelingt, um dann mit sozialer Energie und Lust ins Büro zu kommen. Auch wenn es vielleicht ungewohnt sein wird, das Zeitalter der Industrialisierung neigt sich dem Ende zu. Wir sollten versuchen, Arbeitsverhältnisse zu finden, in denen es um Effektivität geht. Was bedeutet, die richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Vielleicht muss sich der eine Mensch zwei Stunden in eine Aufgabe hineinarbeiten und danach gehörig crashen, während ein anderer es in der doppelten Zeit bei Grün-

tee am Spätabend lieber hat. In einer echten projektbezogenen Arbeitskultur ist das gänzlich egal, denn sie versteht eines: Menschen sind keine Roboter. Minuten und Stunden sind irrelevant – was zählt, ist, wie zufrieden der Mensch bei seiner Tätigkeit ist und wie gut sie am Ende ist. Vermischt. Was viele allerdings völlig zu Recht nervt, ist, dass die Trennung von Arbeit und Leben mit dem Homeoffice gänzlich unmöglich geworden ist. Work-LifeBalance ist tot. Das klingt jetzt erst mal schlecht. Aber eigentlich implizierte dieses Konstrukt ja auch, wir würden während der Arbeitszeit nicht leben – schade um die ganze Lebenszeit. Jetzt wird nicht mal unser Urlaub vom Wandel verschont bleiben. In Zukunft wird es das Konzept der „Workation“ geben. Die Mischung aus den englischen Wörtern für Arbeit und Urlaub ist genau das – eine Vermischung von beiden. Was initial ziemlich abschreckend klingt, ist es in gelebter Realität gar nicht. Stellen Sie sich vor, Sie fahren zwei Wochen in die Alpen, vormittags gehen Sie Skifahren, nachmittags gibt es statt Après-Ski, das ist jetzt wirklich uncool geworden, ein paar ZoomMeetings, Sie beantworten ein paar E-Mails und gehen dann entspannt schlafen.

Während Corona sind wir auf 60 ­Prozent der Beschäftigten im Homeoffice gekommen, und langsam haben es die meisten satt. kontur 31


Es lohnt sich nicht. Jetzt haben wir die Arbeit digitalisiert, about damn time. Nun aber zum anderen großen Generationenstreitthema: der guten alten Bildung. Ein Ewigthema, das politisch leider nicht sehr interessant ist. In der hyperbeschleunigten Day-to-Day-Politik der Aufmerksamkeitswelt und schnellen Medien ist die Jugend in Bildungsfragen eigentlich ein schlechtes Investment. Krempelt man das Bildungssystem jetzt um, kriegt man die positiven Effekte in etwa 15 bis 20 Jahren – wenn eine neue Truppe an Kindern von dem ­System profitiert hat. Das Bildungssystem fühlt sich deswegen wahrlich so an, als würde es etwas hinterherhinken. Jeder will es verbessern, aber aus der Politik ist der Wandel nicht so einfach herbeizuführen – lohnt sich halt nicht. Die Bezahlung der Lehrer(innen) ist disproportioniert schlecht im Vergleich zu ihrer wichtigen gesellschaftlichen Funktion, nämlich die nächste Generation fit für die Welt da draußen zu machen und gleichzeitig den Eltern genügend Freiraum zum Leben zu schaffen. Lehrer ist einer der wichtigsten Berufe für die Zukunft einer Gesellschaft, die meisten Familien im Lockdown würden dies bezeugen. Durch das Homeschooling wurde uns einiges klar, vor allem, wie es nicht gehen soll. Es stellte noch einmal die Frage in den Raum: Was ist die eigentliche inhärente Aufgabe der Schule in der Moderne? Information haben wir im Smartphone mehr, als jeder Mensch sich in seinem Leben aneignen kann. Insofern ist die Aufgabe des Lehrers von morgen eine ganz andere. Wissen in einen jungen Kopf hineinzuzwängen, ist nicht mehr sinnvoll. Viel zu einfach ist der Zugang durch die Demo-

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kratisierung des Wissens geworden. Angesichts des Informationsüberflusses wäre es daher zum Beispiel wesentlich ratsamer, zu unterrichten, wie man schnell an gesicherte Informationen kommt. Wie eine gute digitale Quelle aussieht, wie man Wissen miteinander vernetzt und verwendet. Soweit zum Wissen. Nun hat sich aber gezeigt, dass die Schule eine mindestens ebenso wichtige soziale Funktion hat. In der Schule treffen wir zum ersten Mal auf soziale Hierarchien. Das prägt, wie wir Gesellschaft wahrnehmen. Der Austausch, auch die Pluralität der verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen, Hintergründen usw. ist eines der zen-

tralen Güter der Schulzeit. Das kann man schwer digitalisieren, sorry. Soll aber nicht heißen, dass wir im Zwang der Pandemie nicht einen Fortschritt erlebt hätten, der dringend notwendig war. Digitale Assistenzen statt endloser Schulbücher sind eine vollkommen richtige und effektive Verbesserung des Systems. Auch die Möglichkeit, digital Schüler(innen) nachzubetreuen, die sich in der Klasse nicht trauen, ist durchaus ein Vorteil. Auch wenn wir uns eines Tages all das Wissen der Welt mit einem Chip ins Hirn setzen lassen können, wird die Schule nach wie vor eine zentrale gesellschaftliche Rolle spielen, nämlich eine soziale. Ein Ort der Begegnung, nicht einer der Informationsberieselung. Tristan Horx

In der Schule treffen wir zum ersten Mal auf soziale Hierarchien. Das prägt, wie wir Gesellschaft wahrnehmen.

Neue Chancen. Trend­ forscher Tristan Horx widmet sich in seinem neuen Buch „Sinnmaximierung“ der Arbeitswelt der Zukunft.

Foto: shutterstock, Klaus Vylnnalek

­ ork-Life-Blending wird also langsam EinW zug ­ halten, während des Lockdowns ­haben wir tendenziell eher die Schattenseiten davon erfahren. Das geht noch besser, vor allem mit gutem „Management“ und einer neuen Arbeitskultur. Machen Sie doch mal einen Selbstversuch und fragen Sie den Chef oder die Chefin, wie sie zur Workation stehen. Wenn Sie nicht sofort ausgelacht werden, sind Sie in einem vergleichsweise progressiven Unternehmen. Wenn Sie gleich entlassen werden, auch nicht so schlimm, das Management war anscheinend sowieso nicht sonderlich zukunftsfit.


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Leben für Kunst Was macht ein Wälder Holzschnitzer in einem Steinbruch im Burgenland? Er formt seine Vision aus Sandstein: Figuren für einen Märchenwald. Was treibt sein Sohn im Märchenwald? Er baut um den Wald von Hänsel & Gretel den größten Freizeitpark Österreichs. Nach 40 Jahren intensiver Arbeit in einer märchenhaften Traumwelt lebt Mario Müller (64) seinen wirklichen Traum: ein Leben für die Kunst.

Foto: Lukas M. Hüller

Kunst-Raum. Privatmuseum nach Wälder Stadlart.

M

ario Müller wird 1958 ge­ boren und ist von klein auf von Kunst umgeben. Sein Vater Erwin Müller, gebürtiger Wälder aus Bezau, ist autodidaktischer Bildhauer und Schnitzer von Tiermotiven. Nach dem Umzug ins Burgenland widmet er sich im Römersteinbruch in St. Margarethen Arbeiten in Sandstein. Mario

Müller lernt die Künstler des „Symposions Europäischer Bildhauer“ um Karl Prantl kennen, die parallel im Römersteinbruch arbeiten. Die vornehmlich abstrakten Arbeiten dieser Bildhauer und ihr Dialog mit der sie umgebenden Landschaft beeindrucken Mario Müller. 1965 eröffnet sein Vater den ersten Märchenpark in Schützen am Gebirge, für den er selbst Märchenfi-

guren anfertigt. Später übersiedelt der Märchenpark an seinen heutigen Standort in St. Margarethen, wo er kontinuierlich zum Family Park und zum größten Freizeitpark Österreichs ausgebaut wird. Vom Märchenwald zum Family Park. Mario Müller wechselt in der 4. Klasse Volksschule in Hard nach Eisenstadt,

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Angekommen. Mario Müller lebt ein Leben für die Kunst als Förderer, Freund wie Freak. Hochsitz auf einer Bronzeskulptur von Johannis Avramidis.

dann in die Hauptschule in Rust und besucht anschließend die Bildhauerschule in Hallein, die älteste und erste Berufsbildende Schule der k.u.k. Monarchie. Schon als 16-Jähriger investiert er sein eisern gespartes Taschengeld in ein Interrailticket und reist zu den bedeutendsten europäischen Kunstmuseen. Er geht in Madrid im Prado so selbstverständlich ein und aus wie in den Uffizien in Florenz, in der National Gallery in London und in Paris im Louvre.

Jede einzelne Arbeit aus meiner rund 2000 Werke umfassenden Sammlung ist mit persönlichen Emo­ tionen aufgeladen. Ich kann nicht mit weißen Wänden leben. 36 kontur

französische Gesellschaft Compagnie des Alpes. Ein Großteil des Verkaufserlöses wird in die M. Müller Privatstiftung eingebracht. Der Stiftungszweck ist die Förderung von Künstlern und Kunst. Mit dem 60. Lebensjahr zieht sich Mario Müller ins Privatleben zurück, um sich seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Kunst. Der Kunstsammler. Das erste Bild, das Mario Müller in seiner bislang 30-jährigen Sammlungstätigkeit kauft, ist eine großformatige Arbeit von Hans Staudacher, österreichischer Vertreter von Informel und Action Painting. „Ich habe jahrelang gespart, bis ich die 350.000 ATS beisammen hatte.“ Er kann sich von dieser Arbeit

wie von keiner seiner mittlerweile 2000 Werke umfassenden Sammlung trennen. „Jede einzelne Arbeit ist mit persönlichen Emotionen aufgeladen. Ich kann nicht mit weißen Wänden leben und sammle Kunstwerke, die sprechen.“ Gemälde, Skulpturen, Fotografien wie Zeichnungen erzählen von den Präferenzen des Sammlers. Zum einen vom Interesse am menschlichen Körper, zum anderen vom Zugang zu den Traumwelten des Surrealismus und Phantastischen Realismus. Ein persönlicher Bezug ist doppelt naheliegend: erstens als Absolvent der Bildhauerschule, zweitens als Gestalter eines Märchenparks. Beispiele für die enge Beziehung zur Dreidimensionalität liefern ei-

Fotos: Lukas M. Hüller

Mit Pensionsantritt des Vaters übernimmt Mario Müller 1983 die Leitung des Familienbetriebes und lässt auf einem Areal von 145.000 Quadratmetern rund um den beschaulichen Märchenwald neue, aufregende Themenwelten entstehen. Die „Erlebnisburg“ begeistert jung und alt, groß und klein ebenso wie die „Abenteuerinsel“ und der „Bauernhof“. Achterbahnen, ein Götterblitz, das Märchenkarussell, der Almjodler als acht Meter hohe Freifall-Attraktion und vieles mehr gehören zu einer Wunderwelt, die Mario Müller gemeinsam mit seiner Ehefrau Ulrike zum größten Freizeitpark von Österreich entwickelt und schließlich 750.000 Besucher(innen) zählt. Nach 40 Jahren hingebungsvoller Arbeit verkauft Mario Müller 2018 das Lebenswerk an die


Die Sammlung von Mario Müller erzählt von einem Kunstfreund, der seine Auswahl mit Kennerblick für die Qualität sowie Leidenschaft für die Botschaften der Kunstwerke trifft. Er sammelt bevorzugt Arbeiten, die sprechen.

ne eindrucksvolle Großplastik von Joannis Avramidis, weiters die von ihm entdeckten Skulpturen von Gerda Fassel, die als Nachfolgerin von Alfred Hrdlicka der Meisterklasse für Bildhauerei an der Angewandten vorstand. Sind ihre Bronzen plastisch korpulent, so sind die Skulpturen des Südtiroler Künstlers Walter Moroder grazile Erscheinungen aus einem einzigen Stück Holz. In der Sammlung befinden sich Bronzen von Erwin Wurm, nicht die zur Humoreske erstarrten Gurken, sondern realistische Körperteile. Märchenhafte Bildwelten eröffnen sich in den großformatigen Bildern von Martin Schnur, in dessen Fantasielandschaften emotional abwesende Menschenkörper liegen. Surreal sind die erotischen Darstellungen weiblicher Anatomie von Hans Bellmer, von dem Mario Müller an die 200 Werke besitzt. Bellmer gilt wie Salvadore Dali als Wegbereiter des Phantastischen Realismus. Ernst Fuchs ist ebenso in der Sammlung vertreten wie der Schweizer Künstler Hans Ruedi Giger, bekannt für seine düsteren, morbiden, sexuellen Andeutungen sowie für das Filmdesign von Ridley Scotts „Alien“, für das der Künstler mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Arbeiten von Alfons Walde befinden sich

in Müllers Kunstsammlung genauso wie fotographische Arbeiten von Helmut Newton und Nobuyoshi Araki, mit denen Mario Müller eine Soloshow ausrichten könnte. Es sind weder Märchenwelten noch Fabelwesen, die in den Bildwerken von Gottfried Helnwein schockieren, sondern hyperrealistisch von Schmerz, Verletzung und Gewalt gezeichnete Menschenkinder. Mittlerweile ist er ein Freund von Mario Müller, wie viele andere seiner Zeitgenossen, die zu seinem privaten Kunstnetzwerk zählen. Mit den Künstlerinnen und Künstlern teilt der Sammler das Bekenntnis von Egon Schiele: „Kunst ist eine urewige Leidenschaft.“ Der Kunst-Raum in Siegendorf. Mario Müller setzt seine Ansicht, dass „Kunst nicht in Privaträumen verschwinden soll, weil sie eine Plattform braucht, auf der sie gesehen wird“, in die Tat um. Für die wechselnde Schaustellung seiner Sammlung wird ein modern interpretierter „Stadl“ gebaut. Dieser zeigt sich als langgestrecktes, schlichtes Gebäude, in dem großzügige Glasflächen Sichtkontakt in den neu angelegten Skulpturenpark bieten. Mobile Stellwände im Inneren unterstützen die Absicht des Sammlers, die

Korpulent. Plastik von Gerda Fassel im Skulpturenpark.

Präsentation zu variieren. Tageslicht kommt durch Glasflächen im steilen Dach. Die technische Lichtführung im Kunst-Raum schafft intime Kunsträume, etwa eine hell strahlende „Kapelle“ für pastose, farbenfrohe Gemälde von Hermann Nitsch oder eine kühle Lounge für in Schwarz/Weiß-Manier gemalte Großformate Gottfried Helnweins. Eine Fortsetzung der Sammlung findet sich in der ehemaligen Siegendorfer Prokuristenvilla, die den Skulpturengarten in leicht erhöhter Lage beschließt. Sie ist Herberge für Zeichnungen, Fotoarbeiten und Gemälde in zimmertauglichen Formaten. Auch frühe Schnitzarbeiten von Mario Müllers Vater finden ihren Platz in der Villa. Der Skulpturenpark ist eine weitläufige Anlage, in der jede einzelne Skulptur ihren besten Platz bekommt. Man spürt in der Hängung der Bilder wie in der Platzierung der Skulpturen Auge und Augenmerk der Sammlerpersönlichkeit. Sie ist im gesamten Kunst-Anwesen omnipräsent. Dieses wird auf Anfrage geöffnet. Die Cselley-Mühle in Oslip. Der Familypark ist verkauft und was jetzt? „Wir sind zwar viel gereist, aber uns haben Aufgaben und Arbeit gefehlt.“ Im März 2021

Cselley-Mühle. Revitalisierung mit Kunst, Kultur, Kulinarik.

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Kunst soll nicht in ­privaten Räumen verschwinden. Sie braucht eine Plattform, auf der sie gesehen wird. Kunst ist eine ­urewige Leidenschaft. Diese möchte ich teilen.

Fred Sinowatz sind Legende: „Ich weiß nicht, was ich eröffne, aber ich eröffne es.“ Nach dem Tod der beiden Protagonisten finden die Erben im Stiftungsgeber Mario Müller nicht nur einen kunstsinnigen, sondern auch unternehmerisch höchst versierten Mover. Das denkmalgeschützte Anwesen wird umsichtig unter Berücksichtigung der Bausubstanz und in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt restauriert. Es soll modernisiert werden, ohne jedoch das Flair der „Mü“, wie sie von Kenner(inne)n genannt wird, zu beeinträchtigen. Es soll auch weiterhin Zentrum für Familien sowie für Kunst- und Kulturinteressierte aller Altersschichten sein. Kulinarik vom Feinsten und Weine der besten Winzer sind weitere Ingredienzien der geplanten Cselley-Mühle-Mischung. Auch auf die Kleinsten wird nicht vergessen. Sie sollen sich im Streichelzoo

Kunsträume. Bewegliche Wände schaffen immer neue Blickachsen.

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oder am Abenteuerspielplatz austoben können. Im Obergeschoß des Wohngebäudes mit seinem markanten achtachsigen Arkadengang wird die Sammlung von Nick Treadwell installiert. Sie umfasst 730 Exponate des schrillen Galeristen aus Großbritannien, der Mensch und Menschliches zu seinem Thema gemacht hat. Der selbsternannte Vertreter des „Superhumanismus“ präsentiert sich vorzugsweise von Kopf bis Fuß in Shocking-Pink. Das Eventzentrum liegt im Umfeld der Bühnen St. Margarethen und Mörbisch, die zu ihren Festspielen Hunderttausende Besucher anziehen. So wird auch das angrenzende Areal der Cselley-Mühle touristisch genutzt und es werden Übernachtungsmöglichkeiten angeboten. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren 30 kleine Mühlenhäuser gebaut werden. Die umfangreichen Sanierungs- und Bauarbeiten sind gestartet, eine Teileröffnung mit den Tiger Lillies ist Anfang September 2022 geplant, die Eröffnung des gesamten Areals anno 2023. Mario Müllers Family. Die Vorarlberger Verwandtschaft besucht Mario Müller von Zeit zu Zeit, ebenso die Vorarlberger Kunst- und Kulturszene. Müllers sind begeisterte Besucher der Bregenzer Festspiele. Mario Müller ist ein Fan der Vorarlberger Holzbauarchitektur. Davon erzählt auch sein „Wälder“ Stadl in Siegendorf. Mario Müller und seine Gattin Ulrike haben drei Kinder. Deren Ansichten und Ideen haben bei all ihren Projekten einen hohen Stellenwert, sie haben Mitspracherecht bei den Plänen und Aktivitäten der Eltern. Ihre Meinung zählt ganz besonders, denn es ist vor allem die Jugend, die Mario Müller mit Kunst zusammenbringen will. Elisabeth Längle

Fotos: Lukas M. Hüller

erwirbt die M. Müller Privatstiftung die Cselley-Mühle mit dem Zweck, dem als Kulturzentrum etablierten Gebäudekomplex eine zeitgemäße, auf Kunst, Kultur und Kulinarik ausgerichtete Zukunft zu sichern. Das neue Aktionsfeld erreicht Mario Müller mit einem Katzensprung von neun Kilometern. Die 1515 erstmals urkundlich erwähnte Mühle gehört Jahrhunderte zum Minoritenkloster in Eisenstadt. Mitte des 19. Jahrhunderts wird sie an Private verkauft, die der Mühle den Namen geben und sie bis 1960 bewohnen. 1976 erwerben zwei Künstler, Robert Schneider und Sepp Laubner, das ummauerte denkmalgeschützte Anwesen und begründen ein Aktionszentrum für bildende und darstellende Kunst, in dem legendäre Gruppen und Musiker wie etwa Joe Cocker auftreten. Die Eröffnungsworte vom damaligen Unterrichtsminister

Defilé. Grazile Figuren aus Holz sind die Spezialität von Walter Maroder.


Neue Chefredakteurin im ORF Vorarlberg Angelika Simma-Wallinger übernimmt redaktionelle Leitung von Nachrichten und Programm ab 1. September 2022.

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Fotos: Darko Todorovic, Alex Gotter

uf Vorschlag von ORF-Landesdirektor Markus Klement bestellt ORF-Generaldirektor Mag. Roland Weißmann mit 1. September 2022 Dr.in Angelika SimmaWallinger, MSc zur neuen Chefredakteurin des ORF Vorarlberg. Diese Aufgabe umfasst die redaktionelle Leitung von Nachrichten und Programm für TV, Radio, Online und Social Media. Simma-Wallinger hat sowohl im internen Expertinnen- und Experten-Hearing durch ihre Qualifikation, Erfahrung und den innovativen Weitblick überzeugt, als auch ein klares Votum der Redakteursversammlung erhalten. Sie löst nach dem Sommer Ing. Mag. Gerd Endrich ab, der über ein Jahrzehnt die Redaktion des ORF Vorarlberg geleitet hat.

Zukunft gestalten. ORF-Landesdirektor Markus Klement und die designierte Chefredakteurin Angelika Simma-Wallinger.

Weiter zukunftsfit machen. „Verlässliche und unabhängige Inhalte in Audio, Video, Text und Bild sind in dieser herausfordernden Zeit besonders wichtig. Gemeinsam mit den erfahrenen Medienmacherinnen und Medienmachern des ORF Vorarlberg werde ich daran arbeiten, dass

alle die in Vorarlberg leben, heute und auch künftig sagen: Diesem ORF glaube ich, das ist mein ORF Vorarlberg, meine Medien-Homebase. Ich freue mich sehr auf diese spannende und vielseitige Aufgabe“, so Angelika Simma-Wallinger.

Angelika Simma-Wallinger hat absolute Führungsqualitäten und wird den ORF Vorarlberg auf dem Weg in die digitale Zukunft wesentlich mitgestalten.

Multimediales Arbeiten, vorausschauendes strategisches Denken, ein Gespür für Land und Leute – all das bringt Angelika Simma-Wallinger mit.

Roland Weißmann, Generaldirektor ORF

Markus Klement, Landesdirektor ORF Vorarlberg

25 Jahre Medien-Business. Die promovierte Politikwissenschaftlerin Angelika Simma-Wallinger wurde 1974 in Innsbruck geboren, ist in Dornbirn aufgewachsen und hat in Wien im Print, beim Privatradio und 16 Jahre für verschiedene Medien des ORF gearbeitet. Sie war elf Jahre Redakteurin und Tageschefin bei Hitradio Ö3, danach verantwortete sie im TV auf ORF 2 die Inhalte des VorabendKonsumentenmagazins „konkret“, konzipierte und leitete mit „contra | der talk“ ein interaktives Diskussionsformat auf ORF 1 und übernahm schließlich für mehrere Jahre die Büroleitung in der ORF-Fernsehdirektion. Von 2015 bis 2018 holte die Caritas Österreich Simma-Wallinger als Kommunikationschefin an Bord. Unter ihrer Führung wurden neben den klassischen Kanälen auch Formate für neue Plattformen entwickelt. Zuletzt lehrte und forschte sie am Intermedia-Studiengang der FH Vorarlberg. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Hochschullehrende designte sie gemeinsam mit Studierenden zukunftsgerichtete Projekte für neue Medientechnologien.

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Foto: Sedus Stoll AG

Willkommen zurück Seien wir mal ehrlich. Im Grunde haben wir die Monate im Homeoffice ja doch auch genossen. Kein Stylen fürs Büro, Mails checken auf der Couch – gemütlich war’s, irgendwie. Und jetzt? Jetzt gehts zurück an den „offiziellen“ Arbeitsplatz.

M

ehr und mehr Unternehmen ändern aktuell ihren Fahrplan. War Homeoffice bis vor wenigen Wochen noch das Gebot der Stunde, kehren aktuell die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder in die „heiligen Hallen“ der Betriebe zurück – großteils zumindest. Und das hat auch seine Vorteile. Denn so gemütlich und locker die Arbeit von zu Hause für viele auch war, so schlicht und ergreifend einsam war sie auch. Sicher, bei Zoom Calls konnte man sich mit den Kolleginnen und Kollegen zusammenschalten, über wichtige Themen und Projekte sprechen.

Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, als Gemeinschaft zu handeln, ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe zu haben und gemeinsam aktiv zu sein. Und hier kommt auch das Büro als Ort für die Zusammenarbeit ins Spiel. Diese Räumlichkeiten sind essenziell, um kollektive Prozesse zu unterstützen sowie stärkere Arbeitsgemeinschaften aufzubauen.“ Umso mehr seien nun die Unter­nehmen gefordert, so er Experte für Büroeinrichtung.

Es geht um die Gemeinschaft. Doch bei aller technischer ­Entwicklung: Nichts geht über den persönlichen Kontakt, der zwischendurch neben aller Arbeit zudem den Austausch über Privates zulässt. Das bestätigt auch Guntram Paterno, Geschäftsführer von Paterno Bürowelten in Dornbirn: „Gerade die

Das Büro nimmt die Rolle als Treffpunkt ein, das Homeoffice hat sich dazu als Arbeitsplatz etabliert. kontur 41


Der Arbeitsbereich wird zu einem kommunikativen Ort für verschiedene Gruppen und Interessen. ­ üro zu schaffen. „Die modularen Elemente können je nach Platz B und Wunsch kombiniert beziehungsweise wieder getrennt werden, was sie flexibel einsetzbar macht“, erklärt Guntram Paterno das System, das den Trend zu bequemen Polstermöbeln im modernen Büro unterstützt. Hier kommt man zu informellen Treffen und gemeinsamen Pausen zusammen, hier trifft man sich zum Brainstormen und Kaffeetrinken.

Brainstorming. Mobile Monitore lassen spontane Treffpunkte entstehen.

Auf Rollen durchs Büro. Für Flexibilität und Agilität im Arbeitsalltag stehen auch der se:lab monitor caddy, ein mobiler Bildschirmwagen mit elektrischer Höhenverstellung, und der ebenfalls rollbare Klapptisch se:lab fold. „Mit mobilen Möbeln wie diesen werden neue und effiziente Wege eröffnet und der nötige Spielraum für agile Arbeitswelten geschaffen“, so Experte Guntram Paterno. „Der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen, zwischen verschiedenen Umgebungen fördert sowohl Agilität und Kreativität als auch Phasen der Konzentration.“ Was Lösungen wie diese aber vor allem machen, ist ein Schritt in die Zukunft. Und in eine vielfältige Arbeitswelt, in der jeder das vorfindet, was er braucht, um produktiv zu sein. „Denn egal ob im Homeoffice oder im Büro. Im Grunde geht es doch immer darum, neue Verbindungen zu knüpfen und Raum für Inspiration zu finden.“ Sabine Carotta

Wenn die Arbeitsumgebung stimmt. So sorgt beispielsweise se:lounge für Gemütlichkeit abseits des Schreibtisches. Und hier ist der Name Programm. Der wohnliche Loungesessel lässt einen fast vergessen, dass man sich am Arbeitsplatz befindet – wäre da nicht der kleine Tisch für Unterlagen und Laptop, der den Sessel im Handumdrehen zu einem kleinen geschlossenen Büro im Büro werden lässt. „Dieses Modell steht für Eleganz und Wohnlichkeit. Und gerade Zweiteres ist in unserer aktuellen Zeit so wichtig wie noch nie – und trägt nachhaltig zum Erfolg eines Unternehmens bei. Denn wenn die Arbeitsumgebung stimmt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich wohlfühlen, wirkt nicht nur alles leichter, die Menschen sind auch kreativer und produktiver“, ist Guntram Paterno überzeugt. Was bei aller Gemütlichkeit aber immer auch im Fokus bleibt, ist der Aspekt des agilen Arbeitens. So bieten Sofaelemente wie se:works die Möglichkeit, mit diversen Modulen variantenreiche Wohlfühllandschaften im

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Wie zu Hause. Bequeme Möbel sorgen für das nötige „Couchgefühl“ im Büro.

Foto: Sedus Stoll AG

„­Ausstattung und Räumlichkeiten verändern sich. Es geht um eine angenehmen Atmosphäre, in der man sich wohlfühlen kann – Mitarbeitende ebenso wie Kund(inn)en und Besucher(innen). Es wird ein Ort für konzentriertes Arbeiten ebenso wie für Begegnung geschaffen, der es zeitgleich ermöglicht, das in den vergangenen Monaten so lieb gewonnene ‚Couchgefühl‘ von zu Hause mit in die Firma zu nehmen.“ Diesen Wandel spürt man auch verstärkt bei den aktuellen Büromöbeln. Hersteller wie Sedus bringen Loungesessel und Sofas ins Spiel und kümmern sich so um das nötige Wohlgefühl außerhalb der eigenen vier Wände.


Eleganz und Wohnlichkeit halten Einzug Ankommen, hinsetzen, wohlfühlen: Wenn die Umgebung stimmt, fühlt sich alles leichter an. Deshalb darf es für ein Sitzmöbel auch mal etwas mehr sein - eine große, wohlgeformte Sitzschale, weiche Polster und ein Design, das Trendbewusstsein sowie Komfort vermittelt. Ob als Insel der Ruhe, für ein konzentrierten Rückzug oder als einladende Geste im Empfangsbereich - se:lounge überzeugt mit Vielseitigkeit und Beständigkeit zugleich.

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Spezialisten für Kunststoff Die Fries Kunststofftechnik GmbH in Sulz ist seit Generationen auf die Ent­wicklung von hoch­wertigen Kunststoffprodukten fokussiert. Industrieverpackungen ­verschiedenster Art, allen voran Gefahrengutgebinde, sind das Spezialgebiet.

Daten & Fakten Mitarbeiter: 200 gesamt Mitarbeiter in Sulz: 90 davon 5 Lehrlinge Umsatz 2020: 30 Millionen Euro Exportquote: 89 Prozent Standorte: Österreich (2), Deutschland (7), Belgien (1), Niederlande (1) Verarbeitungsmenge: 4000 Tonnen Kunststoffgranulat pro Jahr

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A

Foto: Fries, Dietmar Stiplovsek

m Anfang der Unternehmensgeschichte steht wie so oft der Pionier- und Unternehmensgeist eines Einzelnen. Theodor Fries, ein unternehmerisches Naturtalent, erkennt gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Bedürfnisse der aufstrebenden Textilindustrie nach leistungsfähigen Garnträgern, die den hohen Maschinengeschwindigkeiten gewachsen sind. 1896 beginnt Fries mit 14 Mitarbeitern und 14 Maschinen die serienmäßige Produktion von Papierhülsen und leitet das Unternehmen bis 1939, als er es im hohen Alter und kinderlos verkauft. Vorbildwirkung. Theodor Fries war ein Mann, der auf Ordnung großen Wert legte. Da die arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen damals zum Teil noch sehr lückenhaft waren, erließ er 1905 eine Arbeitsordnung, in der Rechte und Pflichten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern festgehalten waren. Fries wollte Arbeitskräfte, die den jungen Lehrlingen Vorbild sein konnten. Nach einigen kriegsbedingten Rückschlägen ging das Management unter der Führung von Komm.-Rat Manfred Rhomberg neue Wege, wagte 1954 den Schritt in den vielversprechenden Produktionszweig der Kunststoffverarbeitung mittels Spritzguss und errang auf zahlreichen Gebieten eine international beachtliche Stellung auf dem Markt. Insbesondere in der Schweiz konnte Fries namhafte Marktanteile für sich buchen. Zu den weiteren Meilensteinen zählen unter anderem der Einsatz des Extrusionsblasens ab 1957 und der Verkauf an die Familie Rhomberg

Vorzeigerolle. Gerhard Bertsch, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing: „Nachhaltigkeit hat bei uns eine besonders große Bedeutung.“

im Jahr 1977. 2013 wurde das Unternehmen in Fries Kunststofftechnik GmbH umfirmiert, im Jahr 2014 wurden die ersten hitze- und chemiebeständigen Industriekörbe aus Kunststoff entwickelt. Nach der Beteiligung an der Cup Concept Mehrwegsysteme GmbH Sexau in Deutschland im Jahr 2010 wurden 2019 die Cup Concept Belgien und 2022 die Cup Concept Niederlande gegründet. Das Unternehmen ist Marktführer im Bereich gewerbliche Spüllogistik-Lösungen. Die Rack-Systeme werden den hohen Anforderungen in der Gastronomie gerecht. Die Reinigungskörbe für die industrielle Teilereinigung überzeugen durch ein modulares Baukastensystem, verfügen über eine hohe chemische Belastbarkeit und sind hitzebeständig. Gerhard Bertsch, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing dazu: „Wir produzieren Gebinde, für die UNZulassungen notwendig sind oder ganz spezielle Anforderungen an die Sicherheit oder Gestaltung gestellt werden.“ Ebenso spielt bei Fries Kunststofftechnik die Nachhaltigkeit eine besonders große Rolle. Deshalb liegt die Kernkompetenz auf der Entwicklung und Produktion von hochwertigen und nachhaltigen Mehrwegprodukten. Und zwar in allen vier Geschäftsbereichen

Verpackung, Gastronomie, Industriekörbe und technische Formteile. Dabei wird die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten eingesetzt. Auch deshalb spielt das Familienunternehmen – derzeit in dritter Generation – eine Vorzeigerolle unter den österreichischen Verpackungsunternehmen. Fries setzt auf neue Technologien und Lösungsansätze, um das Problem des Kunststoffabfalls weltweit in den Griff zu bekommen. Für das Entwicklungsteam des Vorarlberger Unternehmens beginnt Recycling nämlich nicht erst beim Sammeln, sondern bereits beim Design von Produkten. Denn schon die kleinste

Für unser Entwicklungsteam beginnt Recycling nicht erst beim Sammeln, sondern bereits beim Design von Produkten. kontur 45


Verringerung der P ­ lastikmenge kann die Umweltbelastung deutlich reduzieren. Das bedeutet nicht nur eine effizientere Nutzung von wertvollen Ressourcen, sondern auch einen geringeren CO2-Ausstoß.

Hinter dem Erfolg. ­Setzen sich tagtäglich mit Herzblut ein: die „Friesler“.

System „Mehrwegbecher“. Insgesamt türmen sich Saison für Saison 11,5 Millionen Einwegbecher in den Fußballstadien, in denen in Deutschland Bundesliga-Spiele veranstaltet werden, zu einem gigantischen Müllberg. Dafür hatten Fries Kunststofftechnik und dessen Tochterunternehmen Cup Concept die Lösung parat. Sie heißt Arena Cup Mehrwegbecher, wird am Hauptsitz des Unternehmens in Sulz produziert und von der deutschen Cup Concept vertrieben. Der große Pluspunkt des Konzepts ist die Kreislaufwirtschaft. Sie gilt in Sachen Nachhaltigkeit als das wirtschaftliche Geschäftsmodell der Zukunft. Laut einer aktuellen Studie ersetzt ein Mehrwegbecher bis zu 400 Einwegbecher. Voraussetzung dafür ist allerdings ein hochwertig verarbeiteter Mehrwegbecher, der vielen Spülgängen standhält. 35 Millionen Stück. Wenn die Nutzungsdauer der Mehrwegbecher abgelaufen ist, werden sie fachgerecht recycelt. Aus dem gewonnenen Rezyklat werden wieder neue Kunststoffprodukte hergestellt. Fachkräfte von morgen. Einer der wichtigsten Punkte von Fries ist die Lehrlingsausbildung. Das Unternehmen setzt bei der Ausbildung auf hohe Qualitätsstandards und investiert in die Zukunft seiner neuen Fachkräfte. So darf sich Fries Kunststofftechnik bereits zum dritten Mal über die Auszeichnung „Ausgezeichneter Lehrbetrieb“ freuen. Die angebotenen Lehrberufe sind Werkzeugbautechniker(in), Kunststofftechniker(in), Kunststoffform­ geber(in) und Industriekaufmann bzw.

-frau. Für den Familienbetrieb, der eine 125-jährige Geschichte aufweist, ist der Zusammenhalt ein wichtiger Faktor. Das gegenseitige Vertrauen spielt eine große Rolle. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet dies, dass sie viel Freiraum genießen und Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten haben. Lange Betriebszuge­ hörigkeiten und erfolgreiche Karrieren innerhalb des Unternehmens unterstreichen dies. Im Jahre 2020 wurde die Firma Fries zu Vorarlbergs erfolgreichstem Familienunternehmen gekürt. Die Jury wurde durch Nachhaltigkeit, Innovation und Beständigkeit überzeugt. Zusätzliche Köpfe sind bei Fries immer gefragt. Ernest F. Enzelsberger

Für den Familienbetrieb, der eine 125-jährige Geschichte aufweist, ist der ­Zusammenhalt ein wichtiger Faktor. Das gegenseitige Vertrauen spielt eine große Rolle. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet dies, dass sie viel Freiraum genießen und Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten haben. 46 kontur

Foto: mathis.studio

Aber auch die Dienstleistung dahinter ist bezüglich der Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt. Gemeint sind die ServiceStationen, von denen es bereits sechs in Deutschland, je eine in Wien, Belgien und den Niederlanden sowie verschiedene Partner mit Spülzentren in Tschechien, der Slowakei, dem Baltikum, Frankreich, der Schweiz, Portugal und Skandinavien gibt. Jede der Servicestationen ist mit einer Großspülanlage ausgestattet, die mit der neuesten Spültechnologie die KunststoffMehrwegbecher reinigt. So können der Wasser- und Energieverbrauch sowie der Einsatz von Spülmitteln auf ein Minimum reduziert werden. Die jährliche Menge gereinigter Mehrwegbecher beläuft sich auf


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„Wir investieren konsequent in den Standort Sulz“ – Katharina RhombergShebl, Geschäftsführerin der Fries Kunststofftechnik GmbH, über Erfolge, den Wandel der Geschäftsfelder und das wichtigste Kapital des Unternehmens. Was ist das Erfolgsrezept von Fries Kunststofftechnik? Engagierte Mitarbeiter, Innovation und Produktentwicklung, sowie laufende Investitionen. Wir mussten uns in unserer langen Geschichte schon mehrfach wandeln. Vor 125 Jahren wurden wir als papierverarbeitender Betrieb als Zulieferer in die Textilbranche gegründet, sind heute Kunststoffverarbeiter mit komplett neuen Geschäftsfeldern. Wir haben Kriege und Krisen überstanden und blicken optimistisch in die Zukunft. Das alles ist nur möglich dank unseren „Frieslern“, die sich tagtäglich mit Herzblut einsetzen und diese Erfolge gestalten. Treu geblieben sind wir allerdings seit 125 Jahren unserem Standort, in den wir auch heute noch konsequent investieren. Wichtig für unseren Erfolg sind sicher auch die verschiedenen ­Geschäftsfelder und Standbeine, die wir haben: Wir sind Spezialist für Industrieverpackungen wie Dosen, Eimer, Kanister und Fässer, die in sensiblen Branchen wie Pharmazie, Lebensmittelindustrie und Chemie zum Einsatz kommen. Zudem sind wir europäischer Marktführer für gewerbliche Spülkörbe, die weltweit in ­Gastronomie, Hotellerie und auf Kreuzfahrtschiffen im Einsatz sind. Industriekörbe und Werkstückträgersysteme für sensible Bauteile sowie technische Formteile bilden weitere Spezifikationen, die das Unternehmen in mehr als 50 Länder liefert. Aktuell entwickeln wir in allen Geschäftsbereichen. Neu sind z. B. unsere Mehrwegbecher speziell für Kaffeeautomaten, unsere Produktlinie für ­Mehrweggeschirr oder auch unser UN-Kanister für Gefahrgut mit 35% Rezyklat-Anteil.

Wie verteilen sich Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die einzelnen Unternehmensbereiche? Am Standort in Sulz, bei Fries selbst, haben wir derzeit rund 90 Mitarbeitende, Tendenz steigend. Das ist auch unser einziger Produktionsstandort. Der Großteil der Belegschaft arbeitet in der Produktion, etwa ein Drittel in der Verwaltung. In der Gruppe sind wir insgesamt rund 200 Mitarbeiter(innen). Wir haben seit einigen Jahren eine deutsche Tochterfirma, die Cup Concept Mehrwegsysteme GmbH, die Mehrwegbecherlösungen anbietet und in diesem Bereich Marktführer ist. Cup Concept betreibt derzeit an sechs Standorten in Deutschland Spülstationen. Das System ist simpel. Die neu produzierten Becher werden zum Veranstaltungsort geliefert. Nach dem Gebrauch werden sie von Cup Concept abgeholt und in den Spülstationen erfolgt die Reinigung nach höchsten hygienischen und umweltfreundlichen Standards. Damit die Wege möglichst kurz sind, wird die Zahl der Standorte immer weiter ausgebaut. Cup Concept verfügt zudem über eine eigene Siebdruckerei für die hochwertige Bedruckung der Mehrwegbecher und Cup Concept-Auslandstöchter an immer mehr Standorten (derzeit in Österreich, Belgien und Niederlande). Stichwort Fachkräftemangel. Ist der auch in Ihrem Unternehmen zu spüren? Ja, der Fachkräftemangel bzw. ein allgemeiner Arbeitskräftemangel ist sehr stark zu spüren. Wir haben glücklicherweise viele sehr langjährige Mitarbeiter und einen super Zusammenhalt, sowie ein gutes Arbeitsklima. Aber es wird immer schwieriger, geeignete neue Mitarbeiter(innen) zu finden. Nachdem wir wachsen,

Foto: mathis.studio, Dietmar Stiplovsek

Fachkräfte. Ob im ­Verkauf, in der Verwaltung, in der Produktion oder ­Logistik ... Fries sucht derzeit in fast allen Bereichen nach Unterstützung.

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suchen wir laufend Personal. Dazu kommen immer wieder Pensionierungen, die wir frühzeitig versuchen nachzubesetzen, um gute Übergaben gewährleisten zu können. Derzeit suchen wir in fast allen Bereichen nach Unterstützung – im Verkauf, in der Verwaltung, in der Produktion, Logistik ... und freuen uns, wenn der/die eine oder andere sich angesprochen fühlt. Details sind auf unserer Webseite www.fries-kt.com zu finden. Welche Maßnahmen haben Sie im Bereich der Digitalisierung gesetzt? Digitalisierung ist eine never ending story. Wir sind laufend dran, teilweise in kleineren, teilweise in größeren Schritten. Das reicht von unserer kürzlichen Einführung eines neuen ­ERP-Systems über das konstante Bestreben, von Papier-Prozessen ganz wegzukommen, bis hin zur (Corona-bedingten) Verbesserung von digitalen Zusammenarbeitsmöglichkeiten. Wir haben insbesondere bei Cup Concept in den letzten Jahren einiges umgesetzt und haben viel Neues bereits in Planung – das betrifft Web-Entwicklungen und Web-Shops, digitale LogistikProzesse, ein Design-Tool, … Welche Investitionen sind am Standort Sulz geplant, welche an anderen Standorten? Wir investieren laufend, sowohl bei Fries in Sulz, als auch an unseren anderen Standorten von Cup Concept. Mit der Erweiterung bzw. Erneuerung unseres Maschinenparks, Werkzeugen und diversen Instandhaltungen haben wir jährlich schon eine beträchtliche Summe an Investitionen, da sind bauliche Themen noch gar nicht dabei. Derzeit haben wir einige kleinere Veränderungen an unseren Gebäuden in Sulz vorgenommen, unter anderem haben wir eine ganz neue PV-Anlage. Auch bei Cup Concept investieren wir viel in unsere Anlagen und neuen Produkte, aber genauso in die geographische Erweiterung, wie kürzlich die Gründung von Cup Concept Niederlande. Wie ist bei Ihnen die betriebliche Aus- und Weiterbildung gestaltet? Wir sind ein ausgezeichneter Lehrbetrieb und bilden seit vielen Jahren unsere eigenen Fachkräfte im Bereich Metallund Kunststofftechnik aus. Wir haben einen großen Fokus auf die Lehrlingsausbildung und haben auch damit begonnen, in anderen Bereichen Lehrlinge auszubilden oder über Praktikumsstellen Einstiegsmöglichkeiten zu schaffen. Zudem bieten wir natürlich Weiterbildungen für Mitarbeitende an. Neben internen Schulungen und Onboardings haben wir einerseits ein eigenes Programm für Führungskräfteentwicklung, andererseits verschiedenste fachliche Kurse. Wir unterstützen Mitarbeitende bei ihrem Fortbildungs-Bestreben und auch generell hat die Personalentwicklung in den letzten Jahren einen viel stärkeren Fokus bekommen. Das ist unser wichtigstes Kapital. Ernest F. Enzelsberger

Im Interview. Geschäftsführerin Katharina Rhomberg-Shebl.

Wir haben Kriege und Krisen überstanden und blicken optimistisch in die Zukunft. kontur 49


Urlaub im Kochtopf Der Sommer verspricht heuer wieder international zu werden. Wer dennoch zu Hause bleibt, bekommt ­Urlaubsfeeling in der eigenen Küche, wenn er in ­Länder wie Frankreich, Italien, China und Thailand eintaucht. Ein Bummel durch Feinkostgeschäfte ist wie ein Ausflug in eine andere Welt – mit besten Zutaten.

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Fotos: Bodensee-Vorarlberg-Tourismus, Dietmar Stiplovsek

Buongustaio bietet an mehreren Standorten italienische Küche für zu Hause oder direkt im Laden.

lar, Italien ist nah. Nicht nur was die Erreichbarkeit aus Vorarlberg respektive dem Bodenseeraum und Österreich betrifft, sondern auch im Land selbst. Mehr Pizzerien als Ristorante zwar, aber einen Teller Spaghetti bekommt man in Vorarlberg vielleicht nicht an jeder Ecke, aber doch flächendeckend. Freilich bieten auch die Lebensmittelgeschäfte im Land ein solides Angebot an Alimentari, besonders feine Zutaten und Spezialitäten jedoch bekommt man bei Buongustaio in Bregenz, Dornbirn und Götzis sowie in Salzburg und Wien. Die angebotenen Spezialitäten in dem von Klara und Werner König gegründeten Unternehmen bestehen jede Prüfung der gestrengen Slowfood-Gründer. Genannt seien die grandiosen Martelli-­ Nudeln, die in einer toskanischen Kleinstadt tatsächlich mit viel Handarbeit her­ gestellt werden, Olivenöle, die in den jähr-


Bon appétit. Die Französin Hélène Redl-Barre verkauft in ihrem Geschäft „Rendez-vous Délices“ nur, was sie selbst auch getestet hat – ein Ausflug in die Departements der Grande Nation.

lichen Verkostungen stets Spitzenplätze erreichen, Käse und Wurst, z. B. den Prosciutto San Daniele von Levi. Selbstredend bietet Buongustaio Spezialitäten aus allen italienischen Regionen an, was Italien zu Hause noch einmal köstlicher macht. Frisch von der Küste. Italien ist in Sachen Kulinarik nördlich der Alpen omnipräsent, etwas schwer tut sich dabei die französische Küche. Bei Käse kann man sich auf bewährte Adressen verlassen. In den AlmaKäslädele werden in Tradition des großen Käsekenners und Affineurs Fredy Binder eine Reihe der rund 400 Sorten (die es oft auch noch in verschiedenen Varianten gibt) perfekt gereift angeboten und ermöglichen eine Tour de Fromage, die auch außerhalb der Grande Nation für französische Impressionen sorgt. Damit nicht genug? Es geht auch üppiger, seit die ­ Französin Hélène Redl-Barre das „Rendez-vous ­

­ élices“ in der Feldkircher SchlossergasD se eröffnet hat – und das mitten in der ­Coronazeit. Den Kunden schmeckt’s und dafür nehmen sie auch weitere Wege nach Feldkirch auf sich, denn die gelernte Wirtschaftsfachfrau, die zuvor Vorarlberger ­Firmen bei ihren Aktivitäten in Frankreich unterstützt hat, ortete nicht ein Defizit, ­sondern das Gegenteil: eine Nische. Bevor sie den charmanten Laden eröffnet hat, begab sie sich auf Recherche in ihr Heimatland und nun kann sie – selbst getestet – Pasteten, Meeresfrüchte, Tapenaden und andere Olivenprodukte, Confit de Canard (Ente), feine Räucherwaren und Süßes wie Calisons d’Aix und formidable Schokoladen erstehen. Ein Renner ist, so Redl-Barre, die „Austern-Aktion“, die schon mehrmals durchgeführt wurde. Neben absolut frischen Austern, die zum Aktionszeitpunkt von Frankreichs Westküste

angeliefert werden, gibt es dazu auch Austernöffner und passenden Wein. All das kann man auch wie bei Buongustaio vor Ort probieren. Im kleinen Geschäft von Redl-Barre werden kulinarische Proben formvollendet für einen kleinen Snack

Pasteten, Austern, ­Tapenade, fruchtige Olivenöle, Confit de Canard und süße ­Calisons d’Aix – leben wie Gott in Frankreich. Was will man mehr. kontur 51


Ye Xiaoliang, Geschäfts­ führer des Jiahong Asia Marktes in Hard entführt in eine andere Welt.

Reis, duftender Jasmin Reis, Sushi Reis, Klebreis, Schwarzer Reis, Brauner Reis oder Roter Reis. „Wir importieren Reis direkt aus Kambodscha, China, Thailand, aber auch aus Italien“, so Xiaoliang. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen: Echte Asiaküche ist aber mit den Ingredienzen des Harder Händlers auf jeden Fall zu realisieren – dem Thailand-Feeling am eigenen Gartenteich steht nichts entgegen.

Und auch wenn es nicht ganz offensichtlich ist: Deutschland gewinnt als Urlaubsland bei Österreichern zunehmend an Bedeutung. Während wir uns die Alpen mit den Bayern teilen, gibt es deutsche Bundesländer, die Meeresküsten an Ost- und Nordsee besitzen, herausragende Weingegenden von der Mosel bis ins nahe Baden, die im Regelfall auch eine autochthone Küche zu bieten haben. Deutsche Spezialitäten indes kaufen Menschen aus der östlichen Bodenseeregion, z. B. im Edeka-Markt Esslinger in Weißensberg, der neben dem üblichen Angebot eines gut sortierten Supermarktes die Produkte von kleinen Produzenten aus der Region in die Auslage stellt. Käse der berühmten Käserei Zurwies, die Biere der regionalen Brauereien Meckatz und Farny, Gemüse von der Insel Reichenau, Wurstwaren, für die Deutschland ebenso berühmt ist wie für die mannigfachen Brotsorten, die auch weltweit einzigartig sind. Und natürlich Fisch von deutschen Küsten. Deutschland und seine Spezialitäten – damit kann man auch vorsichtige Esserinnen und Esser beglücken, die nicht so experimentierfreudig sind wie oft die Kunden des Harder Spezialitäten-

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geschäftes Jiahong Asia Markt, das ein so breites Angebot an asiatischen Lebensmitteln bietet, dass die Kunden aus dem gesamten Bodenseeraum den Markt frequentieren und seltene Gemüse und Früchte ebenso bekommen wie das richtige Geschirr und das entsprechende Kochwerkzeug. Für Geschäftsführer und Eigentümer Ye Xiaoliang, der die Produkte selbstverständlich auch im eigenen Restaurant in Dornbirn verwendet, ist die Vielfalt wichtig. Noch wichtiger sei ihm die Qualität der von ihm ausgesuchten Produkte. Alleine der Blick auf das Reisangebot zeigt, wie breit der Asia-Markt aufgestellt ist: Thai

Rumänische Küche ist es wert, entdeckt zu werden. Die Zutaten gibt es z. B. im Magazin Romanesc im Dornbirner Schwefel.

Fotos: Roland Paulitsch, shutterstock

‑angerichtet, auch für Freunde der französischen Sprache gibt es eine Besonderheit, nämlich ein regelmäßiges „Sprachcafe“, bei dem die Köstlichkeiten in der Landessprache geordert werden können.

Ferien auf dem Teller. Beliebte Urlaubs­ ziele wie Kroatien, Montenegro und die Türkei verfügen sogar über ein ganzes Netzwerk im Handel, das es ermöglicht, jederzeit in die Urlaubswelten einzutauchen und zumindest auf dem Esstisch Ferienerinnungen zu zelebrieren. Und wer Außergewöhliches sucht, findet auch das in rumänischen, spanischen und portugiesischen Enklaven, die eigentlich zu Versorgung der Landsleute eingerichtet wurden, um ihnen kulinarisch ein Stückchen Heimat anzubieten. Auf jeden Fall – für einige Stunden Urlaub auf Terrasse, Balkon, im gemütlichen Wälderstüble oder im stylishen Partykeller ist gesorgt. Und der Besuch in den Geschäften ist wie ein Besuch im jeweiligen Land. Mahlzeit. Andreas Scalet


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Die Welt von ganz oben

Der Traum vom Fliegen – für Claudia Harold-Blum hat er sich erfüllt. Mit Zielstrebigkeit, einer großen Portion Leidenschaft und ein paar schicksalhaften Fügungen hat es die Vorarlbergerin in das Cockpit eines Airbus A 320 geschafft und bewiesen, wenn man etwas aus tiefstem Herzen will, ist kein Weg zu weit – auch wenn der über Südafrika führt.

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ährend ihre Kommilitonen mehr oder weniger gebannt der Vorlesung im Hörsaal der Uni Innsbruck lauschen, beobachtet Claudia HaroldBlum, wie die Flugzeuge zwischen den steil aufragenden Bergen zur Landung ansetzen. Schon damals kreisen ihre Gedanken ums Fliegen: „Ich habe mir immer gedacht: ich sitze hier in dieser faden Vorlesung und wäre doch viel lieber im Flugzeug und wür-

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de irgendwo hinfliegen.“ Doch wie das Leben so spielt – nach privaten Schicksalsschlägen unterbrach die gebürtige Höchs­ terin ihr Lehramtsstudium und ging wieder in die Heimat zurück, um sich dort eine Arbeit zu suchen. Der Job als Flugbegleiterin bei der Rheintalflug war der Auftakt zu ihrer Leidenschaft, die bis heute Bestand haben sollte. „Je mehr ich im Cockpit war und mit den Piloten gesprochen habe, desto größer wurde der Wunsch, selbst dort vorne zu

sitzen.“ Nach drei Jahren im Dienste der Passagiere stand für die Vorarlbergerin fest, dass sie den „Vogel“ selber fliegen möchte. „Ich habe mich informiert, wie man Pilotin werden kann und festgestellt, dass es recht teuer ist.“ Es gab nur zwei Optionen: ­entweder über eine staatliche Airline und einen aufwendigen Selektionsprozess oder selbstfinanziert in einer privaten Flugschule. Harold-Blum entschied sich für den zweiten Weg. „In Österreich hat die Ausbildung da-


Das Schönste am Fliegen? „Das Gefühl in der Luft sowie der Ausblick, die P ­ erspektive von oben. Über den Wolken stellen sich innerer Friede und Zufriedenheit ein. Ich liebe die unterschiedlichsten Anflüge z. B. auf die Stadt Malaga oder in Lissabon an der Statue vorbei“, so Claudia Harold-Blum. mals um die 60.000/70.000 Euro gekostet. Da ich überhaupt kein Budget hatte, habe ich zahlreiche Gespräche mit verschiedenen Banken geführt, um einen Kredit zu bekommen.“ Doch alle winken ab und die Antwort ist immer dieselbe: „Frauen und fliegen – so etwas können wir nicht finanzieren, das ist ohne Sicherheiten.“

Fotos: Klemens Oezelt

Zielstrebig nach Südafrika. Doch Claudia Harold-Blum gibt nicht auf. Durch einen Zufall lernt sie einen ehemaligen Piloten der Lauda Air kennen, der seine Ausbildung auf einer englischen Militär-Basis in Südafrika absolviert hat, die zu einer Flugschule umfunktioniert worden war. Da generell das Leben, Kerosin und die Miete der Flieger dort günstiger sind, stand ab diesem Zeitpunkt der Plan, die Ausbildung dort zu machen. Mit der tatkräftigen Unterstützung eines unabhängigen Finanzberaters sowie ihrer Mutter schafft sie es am Ende doch noch, den benötigten Kredit von 30.000 Euro aufzustellen. Im Jahr 2001, kurz bevor die ganze Weltordnung durch 9/11 erschüttert werden sollte, meldet sich die Höchsterin für die Pilotenausbildung auf dem afrikanischen Kontinent an. „Als der Vorfall mit den Twin Towers passiert ist, haben mir alle geraten, dass ich dieses Vorhaben aufgeben soll, da eine riesige Krise in der Fliegerei prognostiziert wurde und die

Irgendwann kommt der Tag X: Der Fluglehrer sitzt neben dir, du rollst zur Startbahn. Plötzlich sagt er, das wird dein Erstflug und steigt aus.

Powerfrau. Claudia Harold-Blum in ­einem Airbus A 320.

Jobperspektiven düster waren.“ Doch die junge Frau lässt sich nicht beirren und geht weiter mutig ihren Weg, denn Fliegen ist das Einzige, was sie in Zukunft machen möchte. „Mir war zu diesem Zeitpunkt klar, dass ich das durchziehen werde, auch wenn ich am Ende als Kellnerin arbeiten muss, um meinen Kredit zurückzuzahlen.“ Und so führt sie ihr Weg 2002 zur Flugschule nach Port Alfred – eine spannende, lehrreiche Zeit, wie sie heute rückblickend sagt. Schwer war in der Anfangszeit vor allem die Sprachbarriere. „Es gab so viele Fachbegriffe und ich hatte nur Schul-Englisch. Also saß ich mit einem Lexikon da und habe das Ganze mühsam übersetzt. Doch es hat mich nicht wirklich gestört, denn es war ­genau das, was ich machen wollte.“ Tag X. Nach knapp 15 Stunden mit einem Lehrer fliegt sie das erste Mal alleine. Ein nervenaufreibender Moment. „Irgendwann kommt der Tag X: Der Fluglehrer sitzt neben dir, du rollst zur Startbahn. Plötzlich sagt er, das wird dein Erstflug und steigt einfach aus.

Ich war mega-nervös und dachte: bringe nur den Flieger wieder heil herunter.“ Doch alles geht gut und die Vorarlbergerin wächst mit der Zeit in das Business hinein. Insgesamt dauert die Ausbildung in Südafrika ein Jahr. Am Ende hat sie den Privatpilotenschein (PPL) sowie den kommerziellen Pilotenschein (CPL) in der Tasche. Um ihren Kredit zurückzahlen zu können, geht sie, trotz eines Jobangebots in Namibia, schweren Herzens zurück nach Österreich und absolviert in Graz die Theorie zum Linienpilotenschein (ATPL). Obwohl die südafrikanischen Flugscheine anerkannt werden, muss sie dort weitere theoretischen Prüfungen nochmals schreiben, um auch die österreichische Fluglizenz zu bekommen. Mission Airbus. Am Ende ergattert Harold-Blum ihren ersten Job und fliegt im ­Privatjet zwei Jahre lang für die obersten 300 der Firma Liebherr quer durch Europa und Afrika. Doch die Arbeit als selbstständige Pilotin ist ihr mit der Zeit zu unsicher: „Ich wollte ein Airline-Leben mit einer

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Crew sowie mehr Sicherheit und Struktur.“ Also bewirbt sie sich bei der Intersky und fliegt eineinhalb Jahre auf einer Dash 300, einer 50-sitzigen Propellermaschine. Ein weiterer fliegerischer Meilenstein im Leben der zielstrebigen Powerfrau folgt im Jahr 2007, als Fly Niki seine Airbus-Flotte von zwei auf vier aufstockt und Pilot(inn)en sucht. „Zu diesem Zeitpunkt habe ich in Hard gewohnt und jeden Tag auf den Postboten gewartet, ob er mir einen kleinen Brief mit einer Absage oder ein großes Kuvert mit einem Vertrag in das Postfach steckt.“ Ein Zustand

In Notlagen muss man einen kühlen Kopf bewahren – anders als im Auto, wo man einfach aussteigen kann. 58 kontur

zwischen Hoffen und Bangen – und am Ende war es da, das große Kuvert: „Ich musste weinen. Wow, die wollen, dass ich nach Wien gehe und Airbus fliege.“ An diesen unrealen, unvergesslichen Moment erinnert sie sich auch heute noch mit mitreißender Begeisterung. Eine glückliche Fügung des Schicksals, die dazu führt, dass die Höchsterin ihre Wohnung kündigt, ihren kleinen Twingo bis unter die Decke vollpackt und nach Wien braust, um dort den Traum vom Fliegen weiterzuleben. Die erste Zeit wohnt sie bei einer Freundin, da das Risiko besteht, während der Ausbildung auf den Flieger wieder ausgesiebt zu werden. „Es dauert zwei, drei Monate bis man das Type Rating hat.“ Am Ende geht für die angehende Linienpilotin alles gut aus, sie mietet sich eine Wohnung und schwebt ab da mit einem Airbus A 320 über den Wolken. Auf Kurz- und Mittelstrecke fliegt sie etwa auf die Kanarischen Inseln, nach Barcelona oder Abu Dhabi. „Wegen der Jetlags hat mich Langstrecke nie so gereizt“, sagt Harold-Blum zufrieden und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Ich

gehe lieber privat mit lieben Menschen weiter weg.“ Bis heute arbeitet sie bei Lauda Europe, die als Teil der Ryan Air-Gruppe fliegt. Für den Notfall. Doch nicht nur den Passagieren in der Luft kommt Harold-Blums fliegerisches Know-how zugute. Als Checkerin am Simulator überprüft sie das fliegerische Können ihrer Kolleg(inn)en. Einmal im Jahr müssen alle Pilot(inn)en behördlich angeordnet in den Simulator, um Notfall-Szenarien und Stresssituationen durchzuspielen. Nur wer diese Checks besteht, bekommt seinen Schein um ein weiteres Jahr verlängert. „Um die Sicherheit zu gewährleisten, machen alle Firmen diese zwei Tage dauernde Über­ prüfung halbjährlich: Am ersten Tag steht eine Trainingseinheit auf dem Programm und am zweiten Tag folgt dann der Check.“ ­Neben diesen Trainings und Checks bildet die ­ Airbus-Pilotin auch angehende Nach­ wuchs­kapitäne aus. Welche Eigenschaften Pilot(inn)en mitbringen müssen, um genommen zu werden, ist von Airline zu Airline verschieden – dennoch gibt es grundlegende


Fingerspitzengefühl. Um Flugmanöver manuell fliegen zu können, braucht es, neben der entsprechenden Ausbildung, auch das richtige Händchen.

Interview. Flug-Kapitänin ­ Claudia Harold-Blum im Gespräch mit „kontur”-Redakteurin Christiane Schöhl von Norman.

Fotos: Klemens Oezelt

Dinge. In einer typischen Selektion gibt es einen Theorieteil, in dem das fachliche Wissen überprüft wird wie räumliches Vorstellungsvermögen, Merkfähigkeit etc. Hinzu kommen praktische Skills und zu denen hat die Vorarlbergerin eine ganz klare Meinung: „Man muss das Fliegen auch im Hintern haben. Es gibt tatsächlich Piloten, die kennen das Buch auswendig, jeden Satz, aber die haben das Gefühl fürs Fliegen nicht. Dieses Händchen ist aber unerlässlich, um Flugmanöver manuell fliegen zu können.“ Hinzu kommt ein psychologischer Teil. Im Rahmen dieses Screenings werden Faktoren wie Sozialkompetenz, Aggressionspotenzial, Ausgeglichenheit und Stressbewältigung ermittelt. „Man muss in Notlagen einen kühlen Kopf bewahren. Es ist eine andere Situation als im Auto, wo man einfach aussteigen kann.“ Wie sie selbst mit Krisensituationen umgeht? „Ich hatte bisher nur kleinere technische Probleme: einmal bei der Intersky einen Triebwerksausfall. Aber das ist ein Szenario, das immer am Simulator geübt wird. Eine

richtige Challenge wäre etwa Feuer oder Rauch an Bord“, erklärt die erfahrene Pilotin. „Wenn es brennt, muss zeitkritisch entschieden werden, wo der Flieger landen kann. Durch den Simulator ist man vorbereitet, fokussiert und orientiert sich an den Check­ listen. In solchen Situationen funktioniert man einfach, denn das Leben der Passa­gie­ re hängt davon ab.“ Als Harold-Blum 2010 Kapitänin wurde, kam auch das Bewusstsein, dass sie in letzter Instanz alle Entscheidungen treffen muss. „Ob Windböen oder Schneesturm – der Flieger muss runter. Als Kapitän kann ich nicht mehr zu meinem CoPiloten sagen, mach bitte die Landung. Gerade in der Anfangszeit war ich da etwas angespannter, aber mit der Zeit habe ich ­gelernt, meinen Fähigkeiten zu vertrauen.“

Familienglück. Als besonderes Glück empfindet es die Mutter zweier Söhne, dass sich Traumberuf und Familie miteinander vereinbaren lassen, denn in der Fliegerei ist das nicht selbstverständlich. Seit die Kinder auf der Welt sind, arbeitet Harold-Blum blockweise, 50 % Teilzeit. „Meistens stehe ich um 3 Uhr auf, mache die Frührunde und bin nachmittags wieder zu Hause. Hinzu kommt, dass unser Simulator in Wien steht.“ Freunde und Familie bilden den Ausgleich zum fliegerischen Alltag. „Viele Pilot(inn)en existieren nur in diesem Airline-Leben. Gerade in der Corona-Zeit haben auch viele ihren Job verloren. Deswegen habe ich mir ein zusätzliches Standbein aufgebaut: Energetik und Coaching – das ist meine zweite Leidenschaft.“ Christiane Schöhl von Norman

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Baukultur lernen 25 Jahre sind vergangen, seit eine kleine Gruppe architekturaffiner Menschen in Dornbirn das Vorarlberger Architekturinstitut (vai) gegründet hat, mit dem Ziel einer nachhaltigen Stärkung der Baukultur. Die Bilanz schaut gut aus.

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S

Veränderte Themen. In den 25 Jahren seit Bestehen des vai haben sich die Themen geändert, weniger geworden sind sie nicht. Ist im Moment doch etwa das Paradoxon auffällig, dass sich erprobte Instrumente der Planungskultur, wie Architekturwettbewerbe oder auch Gestaltungsbeiräte, immer wieder neu begründen müssen. Hinzu kommen neue, kooperative Planungsverfahren. Alles Prozesse, deren Reflexion Teil der Arbeit des vai ist. Ein Riesenproblem ist im Moment der immer größer werdende Preisdruck beim Bauen, auch als Folge globaler Abhängigkeiten bzw. die Bodenfrage. Was ein Nachdenken über alternative Formen des Bauens und Lebens notwendig macht, um sich aus die-

Formate. Ausstellungen sind ein zentrales Medium der Vermittlung.

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Brennpunkt. Seit 25 Jahren wird im Dornbirner vai Baukultur verhandelt.

Mir ist klar, dass man Baukultur nicht lernen kann, das ganz genaue Hinschauen aber sehr wohl.

Traumjob. Verena Konrad ist seit neun Jahren Herz und Hirn des vai.

Fotos: Angela Lamprecht, DarkoTodorovic, Martin MIschkulnig

eit 2013 leitet Verena Konrad das vai. „Mein Traumjob“, wie die 42-jährige gelernte Kunsthistorikerin, die auch Architektur studiert hat, sagt, könne sie hier doch sehr viel bewegen. Durch kritisches Reflektieren des baukulturellen Geschehens, das Benennen von Herausforderungen, das Vermitteln von Zusammenhängen. Wobei sich Konrad durchaus bewusst ist, dass man so etwas wie Baukultur letztlich nicht lernen kann, das genaue Hinschauen und Hinhören allerdings sehr wohl. Wichtig sei es, Scheuklappen aufzumachen, Interdisziplinarität zu üben, das Anstoßen des öffentlichen Bewusstseins in Sachen Baukultur. Indem angefangen von den Kindern bis zu den Bau-Verantwortlichen in politischen Gremien breite Schichten der Bevölkerung niederschwellig durch ein weit gestreutes Programm, das von Ausstellungen über Workshops und Vorträge bis zu Exkursionen reicht, mit ins Boot geholt werden. Was perfekt funktioniere, sagt Konrad. Herausfordernd sei eher, die vielbeschäftigen Architekturschaffenden ins Haus zu locken.


Der 1997 von rund 20 architekturaffinen Menschen gegründete Betreiberverein des „vai Vorarlberger Architektur Institut“ hat rund 400 Mitglieder und „lebt“ von Subventionen, Sponsoren und Eigenmitteln.

sem fatalen Spiel auszuklinken. Wobei Konrad zu bedenken gibt, dass der Markt hier dringend reguliert werden müsste, befördere er doch zunehmende soziale Ungleichheit. Zusätzlich zu einer Regulierung sieht sie Bedarf an einem neuen „Gemeindebau“, indem sich Kommunen wieder selbst des Schaffens von Wohnraum mit Partnern annehmen und gemeinschaftliche Initiativen fördern.

Am Puls. Mangelware Baugrund ist eines der großen Probleme.

Alternativen. Dem gegenüber steht der Traum vom Einfamilienhaus. Da gehe es um große Emotionen, um ein sozialpsychologisches Phänomen, selbst bei Menschen, die sich durchaus bewusst sind, dass das Einfamilienhaus nicht zuletzt aus ökologischen Gründen schlicht und einfach nicht mehr die Wohnform von heute und schon gar nicht die von morgen sein kann. Und selbst im sozialen Gefüge eines Dorfes nur selten sinnvoll ist. Diesbezüglich einen vielschichtigen Dialog anzuzetteln, ist das vai sehr gefragt. Wobei ein Nachdenken über alternative Wohnformen alternativlos ist. Etwa die Nutzung von Bestandsgebäuden, das Aufladen von Altem mit neuen Inhalten und Formen. Ein Denken, das bei den jungen Baukünstlern allerdings längst präsent ist und auch bei den Auftraggebern wächst. Vorzeigeland. Obwohl auch in Vorarlberg nach Einschätzung von Verena Konrad viel „Einheitsbrei“ entsteht, ist das „Ländle“ noch immer ein Vorzeigeland in Sachen zeitgenössischer Architektur. Doch eine solche ist nicht selbstverständlich, erfordert Engagement und Expertise. Wie im Bregenzerwald, wo es gelungen ist, eine in Jahrhunderten gewachsene Typologie kreativ neu zu denken und in die Breite zu entwickeln. Dabei dürfe allerdings nicht die Wichtigkeit experimen-

Nachwuchs. Bereits die Kinder lernen, was gute Architektur ausmacht.

Fotos: Johann Jaritz, Sonja Pisarik, Olafur Eliasson

teller, außergewöhnlicher Bauwerke vergessen werden, gibt Konrad zu bedenken. Diesbezüglich würde sie sich manchmal mehr Mut zur großen Geste wünschen, anstatt immer und überall darauf zu achten, ob sich etwas „einfügt“. Wichtig für die Entwicklung von Dörfern und Landschaften sind für die vai-Chefin besonders auch touristische und landwirtschaftliche Architekturen. Im Bereich des Tourismus sei hier viel gelungen – die Akteurinnen und Akteure hätten erkannt, dass sowohl für die Einheimischen wie die Gäste ein Mehrwert möglich sei, wenn mit Maß und Ziel gearbeitet wird.

Zukunft. Nachdenken über Baukultur in Zeiten des Klimawandels.

Geburtstagswünsche. Der 25. Geburtstag des vai ist nicht nur Anlass, Bilanz zu ziehen, sondern auch Wünsche zu äußern. Würden sie durch den großen Zuspruch doch rein räumlich immer mehr an ihre Grenzen stoßen, sagt Verena Konrad, die sich größere Räume im Erdgeschoß wünschen würde, um sich unmittelbarer mit dem öffentlichen Raum vernetzen zu können und sichtbarer zu werden. Leider könnten sie auch durch die Beschränktheit ihrer finanziellen Ressourcen viele Dinge (noch) nicht tun, etwa eine dezentral angesiedelte, für alle offene Kunst- und Architekturschule gründen. Intensiviert werden sollen auch die Kooperationen mit anderen Institutionen, mit dem Ziel, ein weit verästeltes Bildungsnetzwerk der Baukultur zu entwickeln. Edith Schlocker

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Sanfter Elektriker mit Power

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K

ühle Schlichtheit. Alles Sinnliche des kompakten Kraftpakets mit dem berührenden Sound des ­Verbrenners, das Schalten und Walten, entfällt. Der GTX ist ein smartes Hightech-Produkt, über viereinhalb Meter lang. Sein sportiv gestyltes fließendes Design zeigt SUV-Charakter, außen und innen. Innen mit Ambiente-Beleuchtung und Massagefunktion am Fahrersitz. Ja, es fehlt, trotz k­ ühler Schlichtheit, nichts was moderne Verbrenner an Luxus zu bieten haben. Viel Platz, viele Infos. Das hervorragende Platzangebot überzeugt mehr als die rundum gewöhnungsbedürftige Bedienung. Hinterm Lenkrad ein kleines Instrumentendisplay, flankiert vom dominanten Infotainment-­ Monitor. Hier wird, smartphone-ähnlich, alles geregelt was es zu regeln gibt – vom Klima und der Belüftung bis hin zu Hilfsfunktionen und Lade-Tipps. Überzeugend: die Sportsitze und der Fahrkomfort des mit dem optionalen Adaptivfahrwerk perfekt abrollenden 2,2 Tonnen schweren Elektroautos. Am Gewicht mag es liegen, dass die 220 kW/299 PS aus den zwei E-Triebwerken an Vorder- und Hinterachse nicht so brachial wirksam werden als kämen sie vom GTI. Schnelles, fast lautloses Gleiten ist die Welt des GTX. Trotzdem: Es presst einen ordentlich in die

Foto: Volkswagen AG

2020 erst verkündete VW eine neue Ära der Elektromo­bilität und präsentierte mit dem ID.3 das erste Modell auf der Basis des neuen „Modularen E-Antrieb-Baukastens“ (MEB). Mit dem ID.4 ging es elektrisch weiter. Das aktuelle Flaggschiff ist der GTX. Er versteht sich als Pendant zum legendären GTI. Aber die Ähnlich­ keiten sind marginal.


wohlgeformten Sitzmöbel, wenn man dem GTX im Sportmodus die Sporen gibt und in 6,2 Sekunden die Hundertermarke erreicht. Das macht man selten, ebenso die 180 km/h als Topgeschwindigkeit. Man hat andere Ziele im GTX: Reichweite vor allem.

dem Kofferraumboden zur Verwendung. Man sollte sie nicht mit Urlaubsgepäck befrachten. Apropos Urlaub: GTX-Treffen mit ­rauchenden Reifen am Wörthersee wird es nicht geben. Der GTX steht für eine feinere Art von Glücksgefühlen. Franz Muhr

Gute Planung ist alles. Keine Gänge, nur ein Hebel hinter dem Volant. Bei „Ready“ geht’s los in aller Sanftheit. Vorwärts oder rückwärts. Ob sportlich, Eco oder Allrad (auch das kann dieser GTX) bestimmt man am Monitor. Eine Brake-Funktion verstärkt das Rekuperieren (Wiedergewinnung von Strom durch Bremskraft). Ob man sein Ziel erreicht, hängt, vor allem auf der Langstrecke, von mehreren Faktoren ab. Das Haupterfordernis ist e ­ ine sorgfältige Planung und eine genaue Information über Ladestationen und deren Kapazität bzw. Ladezeiten. Bei Fahrten ins ­Ausland, Italien etwa, ist eine lückenlose Vorausschau mehr als ratsam. Damit es nicht gelb wird am Info-Display oder gar rot. VW spricht von „kundennahen“ Reichweiten von bis zu 480 Kilometern. In der Praxis sind 330 möglich, vielleicht 380 sofern man nicht schneller fährt als 100 bis 120. Bergstrecken, Allradsektionen und manches mehr verringern die Reichweite. Die 77-kWh-Batterie des ID.4 GTX kann serienmäßig mit Wechselstrom und Gleichstrom geladen werden. Beide Kabel ruhen unter

Antrieb: zwei Elektromotoren, asynchron an der Vorderachse, synchron, permanent erregt an der Hinterachse, Systemleistung 220 kW/299 PS, ­ Allrad zuschaltbar, intelligentes Antriebsmanagement; Vmax 180 km/h; 0 auf 100 km/h in 6,2 sek; Batterie: 77 kWh/486 kg; Reichweite, Werks­ angabe: 480 km/h; Verbrauch (Werk): 16,3 kWh/100 km; Preis: 57.800 ­Euro, Testfahrzeug: 63.808 Euro kontur 65


Ein Bauprojekt-Netzwerk, das seinesgleichen sucht Tagesaktuelle Bauprojektinfos – einfach, schnell, bedarfsgenau Als größte Bauinformations-Datenbank in Österreich liefert www.documedia.at zuverlässige und wertvolle Infos über aktuelle und zukünftige Bauprojekte. So lassen sich in Zeiten mit guter Auftragslage Potenziale für später identifizieren. Die DOCUmedia.at GmbH versorgt seit 45 Jahren die österreichische Wirtschaft mit wesentlichen Informationen. Mithilfe des einzigartigen Netzwerkes und modernsten Technologien recherchiert DOCUmedia Hochbauprojekte in ganz

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ist eine Schnittstelle zwischen beiden Welten“, so Tobias Braszkeit, Geschäftsführer DOCUmedia.at GmbH. Die ständig weiterentwickelten Produkte von DOCUmedia verknüpfen Angebot und Nachfrage der österreichischen Baubranche und schaffen ideale Voraussetzungen für eine direkte und gezielte Kommunikation. Über 1000 großteils langjährige Kunden profitieren bereits von diesem Angebot. DOCUmedia.at schafft mit den Portalen www.documedia.at und www.nextproducts.at direkte und gezielte Kommunikation in der Baubranche!

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Es braucht Rückhalt Steigende Preise beeinflussen das Kaufverhalten. Regionalität gerät dabei oft ins Hintertreffen. Doch gewinnt der, der spart? „kontur“ hat unter anderem darüber mit Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, gesprochen. Welchen Stellenwert haben Regionalität und Nachhaltigkeit in Vorarlberg? Die Bedeutung von Regionalität ist eine hohe. In der Lebensmittelerzeugung bedeutet Regionalität die Sicherheit, dass auf höchstem Umweltstandard erzeugt und auf kurzem Weg geliefert wird. Zudem bleibt die Wertschöpfung im Land, das sichert Arbeitsplätze.

Foto: LJ Österreich

Wie hat sich das Bewusstsein der Kundinnen und Kunden dafür in den vergangenen Jahren verändert? Viele Vorarlbergerinnen und Vorarlberger achten darauf, ob sie „Ländle“ kaufen und geben der Regionalität einen Vorzug. Gerade in der Zeit der Lockdowns war das verstärkt zu spüren, es wurde mehr zu Hause gekocht und noch mehr darauf geachtet, woher die Lebensmittel kommen. Dieser Rückhalt der Bevölkerung ist wichtig für die kleinstrukturierten Betriebe im Land. Mit dem eigenen Einkauf können die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern direkt unterstützt werden. Das ist weiters auch bedeutend für die Versorgungssicherheit, denn nur regionale Erzeugung bietet Ernährungs- und Krisensicherheit.

Höchste Qualität zum billigsten Preis kann es nicht geben. Die Bäuerinnen und Bauern brauchen mehr Anteil an der Wertschöpfung.

Gegen Verschwendung. „Wer billig kauft, kauft teuer“, ist LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger überzeugt.

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Existenziell. Entscheidend dafür, dass sich Produktionszweige gut weiterentwickeln können, ist, dass die Bäuerinnen und Bauern für ihre Leistungen fair entlohnt werden.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Landwirtschaft in naher Zukunft? Für die bäuerlichen Betriebe stellen die enormen Kostensteigerungen, die derzeit nur zum Teil preislich umgesetzt werden können, eine enorme wirtschaftliche Herausforderung dar. Dabei geht es um nicht weniger als die Weiterexistenz unsere kleinstrukturierten Landwirtschaft. Kann hier die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Handel punkten? Ja, da sehe ich Möglichkeiten. Es ist aber wichtig, dass die Landwirte faire Preise bekommen. Höchste Qualität und Nachhaltigkeit zum billigsten Preis kann es nicht geben. Die Bäuerinnen und Bauern brauchen mehr Anteil an der Wertschöpfung und es braucht eine klare Herkunftskennzeichnung.

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Doch auch die Landwirtschaft sieht sich immer wieder Veränderungen gegenüber. Wie muss sie sich anpassen? Beziehungsweise inwieweit hat sich sich bereits verändert? Die Vorarlberger Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm weiterentwickelt und dem Bedarf angepasst. Neben den klassischen Vorarlberger Produkten gerade auch in anderen Betriebszweigen, ich nenne hier nur beispielgebend den Getreideanbau mit Ländle Dinkel, den Ländle Kartoffeln, Ländle Eier und die Steigerungen im Gemüseanbau mit Direktvermarktung und Zustellung. Entscheidend dafür, dass sich diese Produktionszweige gut weiterentwickeln können, ist, dass die Bäuerinnen und Bauern für ihre Leistungen fair entlohnt werden. Es ist notwendig, dass höchste Qualität und höchste Standards es auch vermögen, einen guten Preis zu erzielen, ansonsten können das die Betriebe nicht leisten.

Was würden Sie sich in Bezug auf Regionalität und Nachhaltigkeit für die Zukunft wünschen? Bewusster einkaufen. Weniger, dafür höherwertig und den verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln einstellen. Das schont die Umwelt, stabilisiert die Ausgaben und stärkt unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft. Gerade jetzt gilt noch mehr als früher: „Wer billig kauft, kauft teuer.“ Sabine Carotta

Foto: Landwirtschaftskammer Vorarlberg

Kann die Landwirtschaft in Vorarlberg diesem gestiegenen Interesse an regionalen Produkten nachkommen? Wie gestaltet sich die Bandbreite? Vorarlberg ist von den Grundvoraussetzungen her ein klassisches Grünlandgebiet mit einem hohen Anteil an Steillagen und Alpgebieten. Die Nutzung des Grünlandes für die Lebensmittelerzeugung und die Pflege und Erhaltung unserer Alpgebiete kann nur durch Tierhaltung erfolgen. Die höchste Veredelung wird durch Milch, Käse und Fleischspezialitäten erzielt. Hier hat die Vorarlberger Landwirtschaft mit den vielen Sennereien und Molkereien eine Spitzenstellung in Österreich und sich einen Ruf als das „Käseland“ Österreichs erarbeitet. Unsere grünlandbasierte, extensive Fleisch­ erzeugung fußt auf naturnaher und klimafreundlicher Kreislaufwirtschaft. Mit den verschiedenen Spezialitäten wie Ländle Rind und Ländle Weiderind können wir höchste Qualität aus der Region bieten.

Die Preise steigen, immer mehr Menschen sparen, wo sie können – denken Sie, dass diese aktuellen Entwicklungen Auswirkungen auf den eigentlichen Trend zu mehr Regionalität und Nachhaltigkeit haben? Derzeit spüren wir den Tendenz, dass die Konsumentinnen und Konsumenten preissensibler einkaufen. Doch wenn nur das Billigste zählt, gewinnen jene, die zu den niedrigsten Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards produzieren – und das wird nicht bei uns sein. Gerade bei dem, was wir essen, müssen wir mehr in Kreisläufen denken. Denn genau das betrifft die Umwelt, die Wirtschaft und unsere Versorgungssicherheit.


Fotos: mo-catering, Weissengruber & Partner Fotografie

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In Kreisläufen denken Gemeinsam mit seinen Kunden entwickelt der Aluminiumspezialist innovative und nachhaltige Lösungen und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

Mit grüner Energie. Am Vorarlberger Standort des norwegischen Aluminium­ und Energiekonzerns wird seit 1. Januar 2022 ausschließlich Strom aus 100% er­ neuerbaren Energiequellen bezogen. „Auf Basis der Stromkennzeichnung

2020 unseres lokalen Lieferanten können so ca. 700 Tonnen an Emissionen am Standort eingespart werden (bei einem im Vergleichszeitraum bereits hohen Anteil erneuerbarer Energien von ca. 93 Pro­ zent)“, berichtet Nachhaltigkeitsspezia­ listin Sandra Brändle.

Wir leisten unseren Beitrag zur Gestaltung einer lebensfähigeren Gesellschaft. Manfred Rotschne, Geschäftsführer

Ein Schlüsselfaktor. Wertstoffkreisläufe sind heute wichtiger denn je. Sie schonen Ressourcen, reduzieren Abfall entlang der Wertschöpfungsketten, verringern Pro­ duktionsaufwand und helfen damit auch dem Klima. Aluminium ist ein Werkstoff, der beste Voraussetzungen mitbringt, im­ mer und immer wieder recycelt zu werden, ohne dabei Qualitätsverluste zu erleiden. Produktionsbedingt fallen im Presswerk Schrotte an, die auf ein Minimum reduziert werden, aber zu einem gewissen Grad un­ vermeidbar sind. Diese Schrotte wieder dem Metallkreislauf zuzuführen, ist die lo­ gische Konsequenz. Hydro Nenzing pflegt schon seit Jahren eine sehr enge Zusam­ menarbeit mit einer lokalen Gießerei, die sämtliche Produktionsschrotte über­ nimmt, um daraus neue Strangpress­ bolzen für die Produktion der Aluminium­ profile herzustellen. Allein im letzten Jahr entspricht die Menge an recyceltem Prozess­Schrott circa 320 Lkw­Ladungen

Wiederverwenden. Immer wichtiger wird es, Alumini­ um, das bereits ein Pro­ duktleben hatte, in den Kreislauf zurückzubringen. ANZEIGE

A

lles was wir tun, hat seinen Ur­ sprung in der Natur. In einer Welt mit weniger Emissionen brauchen wir Materialien, die verantwortungsbewusst beschafft wer­ den, länger halten und zu 100% recycel­ bar sind. Bei Hydro wird Aluminium weit­ gehend aus natürlichen Ressourcen pro­ duziert, bereits mehr als zwei Drittel unse­ rer weltweiten Produktion basieren auf Wasserkraft. „Dem Potenzial von Alumini­ um sind kaum Grenzen gesetzt und es liegt an uns, diese Grenzen Tag für Tag neu zu definieren. Aluminium ist das Metall der Zukunft“, betont Geschäftsführer Manfred Rotschne.


Fotos: Hydro

Entwicklung. Aluminium ist ein Material mit nahezu unendlichen Möglichkeiten.

an neuen Bolzen. „Wir bei Hydro sind Bestandteil einer nachhaltigen Kreislauf­ wirtschaft und arbeiten unaufhörlich daran, den Werkstoff Aluminium wieder­ zuverwenden und am Leben zu erhalten“, betont Brändle. Es wird immer wichtiger, Aluminium, das bereits ein Produktleben hatte, in den Kreislauf zurückzubringen. Allerdings ist durch die Langlebigkeit der meisten Alu­ miniumprodukte lange nicht so viel Alumi­ niumschrott am Markt verfügbar, wie be­ nötigt würde, um den Bedarf an Aluminium zu decken. Hydro setzt daher auch bei grünerem Primärmaterial Maßstäbe am Markt: mit Aluminium, das durch die Ver­ wendung von erneuerbaren Energien im Produktionsprozess die CO2­Emissionen

drastisch reduziert. Das Ergebnis ist Alu­ minium mit einem der besten Klimabilanz­ werte, der heutzutage möglich ist. „Trend“ Nachhaltigkeit. „Wir sehen der­ zeit einen klaren Trend in Richtung ver­ mehrter Anfragen von Kunden zu ver­ schiedenen Nachhaltigkeitsthemen. Den Markt interessieren Themen wie CO2­ Emissionen von Aluminium, Anteile an Re­ cyclingmaterial, aber auch soziale Themen wie z. B. die Wahrung von Menschen­ und Arbeitsrechten entlang unser Aluminium­ bereitstellungskette“, so Brändle weiter. Hydro Nenzing investiert viel Zeit in die Auf­ klärungsarbeit mit den Kunden. Man ver­ sucht proaktiv den Kunden die Unterschie­ de zwischen Primär­ und Recyclingmate­ rial, unterschiedlichen Schrottarten und

deren Einfluss auf den CO2­Fußabdruck näher zu bringen. „Das sind äußerst kom­ plexe Themengebiete, die viel Informati­ ons­ und Aufklärungsbedarf im direkten Kundengespräch erfordern“, betont Brändle. Man setze hier voll auf Transpa­ renz, damit die Daten und Berechnungs­ grundlagen für die Kunden so nachvoll­ ziehbar wie möglich sind. Damit positio­ niert sich das Unternehmen klar als zuver­ lässiger Partner und Lieferant für nachhaltigere Aluminiumlösungen und sieht auch einen klaren Vorteil gegenüber seinen Marktbegleitern. Hydro Extrusion Nenzing GmbH Austraße 16, 6710 Nenzing +43 (0) 5525 601­0 www.hydro.at


Weibliche Präsenz Es ist schön, auch auf der Biennale Venedig zu beobachten, dass in der Kunst eine Gruppe nicht mehr so viel bzw. fast alles zu sagen hat, nämlich Männer.

KUB in Venice. Anna Boghiguian vereint historische Figuren in einem Schachspiel.

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waren Werke von Künstlerinnen und Künstlern vertreten, die bald darauf ­Projekte für das KUB entwarfen. Das sind etwa Rosemarie Trockel, Tony Oursler, Maria Lassnig, Harun Farocki und Heimo Zobernig. Das KUB feiert heuer das 25-jährige Bestehen. Es gibt nun wieder eine documenta – die fünfzehnte – und in Venedig ist aufgrund pandemiebedingter Terminverschiebungen wieder ein Kunstbiennale-Jahr. Im AustriaPavillon ist mit Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl jenes Duo präsent, das erst jüngst im KUB unter dem Titel „Seasonal

Greetings“ die Unverfrorenheit der Politiker ebenso griffig thematisierte wie Geschlechterrollen, die Identität oder das Triviale in der Kunst, das in einer Hexenszenerie gipfelte. Seit der Eröffnung und bis Anfang Juli macht das Kunsthaus heuer auch außerhalb des Biennale-Areals von sich reden. Man positionierte sich in der Scuola di San Pasquale am Campo San Francesco della Vigna, wo zwar nicht die Massen hinrennen, aber auch nicht nur das kunstaffine Publikum vorbeischaut. Das Areal mit einer Säulengalerie ist Schauplatz der beliebten DonnaLeon-Krimis, die Questura des Commissario Brunetti ist – zumindest in den Filmen – dort verortet. Die Innenräume der Scuola erinnern ans KUB und dessen Lichtgestal-

Fotos: Christa Dietrich

E

s trifft sich gut. Als das Kunsthaus Bregenz im Jahr 1997 eröffnet wurde, war dies ein ­ereignisreicher Sommer. In Kassel fand die zehnte documenta statt, jene Weltkunstschau, die nur alle fünf Jahre ausgerichtet wird und die 47. Kunstbiennale lockte in die Giardini von Venedig, wo der Austria-Pavillon für die Wiener Gruppe reserviert war. Einem Mitglied, nämlich dem Schriftsteller und Architekturkritiker Friedrich Achleitner, waren die Ambitionen in Bregenz mit dem Architekten Peter Zumthor gewiss nicht fremd und in Kassel


Der ehemalige KUBDirektor Yilmaz Dziewior hat 2015 den AustriaPavillon kuratiert, in diesem Jahr verantwortet er den Auftritt Deutschlands. ­ iguren aus der österreichischen GeschichF te zueinander, deren Biografie sich konkret berührt oder auch nicht. Jede Figur, die in den bemalten Schablonen zu erkennen ist, hat einiges auf dem Buckel, ordnet sich aber keinesfalls der Hierarchie dieses Spiels unter. So werden wir mit Marie-Antoi­ nette, ­ der französischen Königin aus

Austria-Pavillon. Bunte Bilder mit starker Aussage.

tung und im Kreuzgang wurden Gespräche geführt und aufgezeichnet. Ein Schachspiel. Mit Otobong Nkanga (geb. 1974 in Kano, Nigeria) und Anna Boghiguian (geb. 1946 in Kairo) hat KUBDirektor Thomas D. Trummer Künstlerinnen eingeladen, deren Werke auch im aktuellen KUB-Programm aufscheinen. Beide sind auf dem afrikanischen Kontinent beheimatet und verdeutlichen damit, dass eine österreichische Kunstinstitution in Venedig nun darauf verweist, dass derlei Großausstellungen die europäische Perspektive schon viel zu lange nahezu ausschließlich ins Zentrum rückten. Boghiguian arbeitet narrativ, stellt in ihrem „Chess Game“

Ansage. Kuratorin Karola Kraus, Ashley Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl.

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Xxxxxxx. Chris Pudi ler volore occus, Tierisch. Skulpturen von Cosima von Bonin. Tolle Kulisse. Drehort der Donna-Leon-Krimis.

Großartig. Skulptur von Kiki Kogelnik.

Deutscher Pavillon. Maria Eichhorn legt die Geschichte frei.

dem ­Geschlecht der Habsburger, ebenso konfrontiert wie mit ihrer Schneiderin Rose Bertin. Der Königin, die auf der Guillotine endete, modische Attitüden zuzuordnen, greift nur bei oberflächlicher Betrachtung kurz, Boghiguian thematisiert auch die Symbolik der Bekleidung. Wenn Österreichs Thronfolger Franz Ferdinand, der aufgrund seiner Politik ein Mitauslöser des Ersten Weltkrieges war, Bertha von Suttner, die erste Trägerin des Friedensnobelpreises, der Philosoph Ludwig Wittgenstein, Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, oder der Aktivist Theodor Herzl auftauchen, dann erhält das Schachspiel enorme Aussagekraft. Besondere Stringenz erfährt es beim Blick auf Aribert Heim. Einer der Mörder im österreichischen Konzentrationslager Mauthausen lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1992 völlig unbehelligt in Ägypten.

Mit fantastischen und zugleich dystopischen Szenen hatte Otobong Nkanga bereits im Kunsthaus Bregenz fasziniert. Ihre Auseinandersetzung mit der Natur und den zerstörenden Eingriffen der Menschen bündelt sie in Tapisserie-Arbeiten wie nun auch eine für Venedig entstanden ist. Viele Künstlerinnen. Es ist eine Biennale, die 59. in der Reihe des 1895 gegründeten internationalen Ausstellungsformats, bei der Künstlerinnen nicht nur in der zentralen, von Cecilia Alemani kuratierten Ausstellung entsprechend Berücksichtigung finden, sondern auch in den rund 80 Länderpavillons. Österreich hat sich diesbezüglich lange eine Blöße gegeben, erst 2019 bespielte mit Renate Bertlmann die erste Künstlerin allein den Pavillon, zuvor waren Frauen nur im Team mit Männern­

Die 59. Biennale Venedig ist bis 27. November in den Giardini und im ­Arsenale geöffnet, über 200 Künstlerinnen und Künstler sind mit Werken vertreten. Die KUB-­Präsentation läuft bis 4. Juli und ist in Bregenz dokumentiert Die Arbeit von Anna Boghiguian kommt im Herbst nach Vorarlberg. 74 kontur

Fotos: Christa Dietrich, Antonio Calanni

Statement. Werk von ­ Simone Leigh.


39. Vorarlberger Wirtschaftsforum Internationale Tagung

Jetzt vormerken! 39. Vorarlberger Wirtschaftsforum

Donnerstag, 10. November 2022 Festspielhaus Bregenz Eine Initiative von

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Beliebt. Coole Atmosphäre im Roten Bären.

Ausgezeichnet. „Leopard mit kleinen Augen“ von Cecilia Vicunia.

Xxxxxx. Am, et, vendendit lignisci acest, cuptas nonsequi beatiis pa ad quat aut landitint

vertreten. Das ­queere Duo Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl macht den glatten Josef-Hoffmann-Pavillon heuer derart zur Bühne, dass die in der Architektur gut gespiegelte Installation „Invitation of the Soft Machine and Her Angry Body Parts“ im hintersten Eck des Areals enorme Aufmerksamkeit erfährt. Die Besucherinnen umfängt ein üppiges Malerei- und Designsetting, in dem von Macht bis Ökonomie, von Voyeurismus, Fetischismus sowie Rollenklischees vieles aufgeboten wird, was sich in bunten, an das Aufbruchsjahrzent der 1970er-Jahre erinnernden Bildern, in denen die beiden Künstlerinnen immer ­wieder selbst auftreten, überhöhen und auf den Punkt bringen lässt. Historische Bezüge. Yilmaz Dziewior, einst Direktor des Kunsthaus Bregenz und nun Leiter des Museums Ludwig in Köln, verantwortete im Jahr 2015 den Austria-Pavillon. Er nominierte damals Heimo Zobernig, der den 1934 errichteten Hoffmann-Bau in eine schwarz-weiße Skulptur transformierte. Auch in diesem Jahr, in dem Dzie-

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Anbaubedingungen. Skulpturenlandschaft von Precious Okoyomon.

wior als Kurator des deutschen Länderbeitrages auftritt, wird die Geschichte wie die Architektur des Gebäudes Thema. Es sollte an sich gar nicht vorhanden sein, denn ursprünglich hatte die aus Bamberg stammende Künstlerin Maria Eichhorn geplant, den Pavillon abzubauen. Nachdem die bürokratischen Hürden und wohl auch die Kosten für ein derartiges Projekt zu hoch waren, legte sie die Geschichte der Ausstellungsräume frei, die einmal einen antik anmutenden Bayern-Pavillon ergaben, der in der Nazi-Zeit in typischer Protzarchitektur erweitert wurde. Die Reihe jener Künstler, etwa Hans Haacke und Gregor Schneider, die sich auf dieses Thema bezogen, dürfte nun abgeschlossen sein. Eichhorn, die vor Jahren einmal im KUB vertreten war und dort etwa Umweltaktivistinnen ein Auftrittspodium bot, legt die Schichten unter dem Boden und in den Wänden frei und initiierte zudem ein Veranstaltungsprogramm mit Führungen zu Orten des antifaschistischen Widerstands und der Deportation der jüdischen Bevölkerung in Venedig.

Fotos: Christa Dietrich

Mythologisch. Skulpturen des Dänen Uffe Isolotto.


Die Ukraine ist mit Pawlo Makow vertreten. Seine Arbeiten, in der sich Wasser über mehrere Trichter immer weiter aufteilt, bezeichnete der Künstler als Metapher für Erschöpfung. Berührend. Arbeit des ukrainischen Bildhauers Pawlo Makow.

Matriarchat. Elefanten­ skulptur von Katharina Fritsch.

Eindeutig. Installation von Raphaela Vogel.

Im Umfeld dieses Pavillons ergibt sich eine interessante Ergänzung der Thematik: Zineb Sedira legt für Frankreich mit Filmen und Interieurs kulturelle Aspekte der Migration aus Algerien offen und Simone Leigh vertritt die Vereinigten Staaten, deren Pavillon einen ironischen Bastrock erhält, mit skulpturalen und installativen Statements zu Ausbeutung und zur Selbstbehauptung der schwarzen Bevölkerung. Der Auftritt von Sonia Boyce mit schwarzen Singer-Songwriterinnen im britischen Pavillon wurde mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Latifa Echakch, Schweizerin mit marokkanischen Wurzeln, realisierte Skulpturen mit wiederverwertetem Holz, die im dunklen Raum zu verschwinden scheinen und so nur noch über die Erinnerung erhalten bleiben. Im polnischen Pavillon konfrontiert Malgorzata Mirga-Tas

auf textilen Tableaus mit dem Leben und mit Geschichten der Roma. Yuki Kihara vertritt Neuseeland im Arsenale, das heißt, im Ausstellungsareal, in dem Länderpavillons und die Themenausstellung ineinander übergehen und hinterfragt die SüdseeBilder von Paul Gauguin mit Porträts von samoanischen Nonbinaries. Josephine Baker und Elsa von FreytagLoringhoven – Alemani blickt in der Themenausstellung auch zurück auf Unterbewertetes. Die Eingangsstatements sind markant: Cosima von Bonins musizierende und sportelnde Meeresbewohner evozieren Humor und Schrecken, die Elefantenkuh von Katharina Fritsch verweist auf ein gut funktionierendes Matriarchat und die Frauenfigur von Simone Leigh verdichtet die Präsenz. Christa Dietrich

In Bregenz hatte die junge deutsche Künstlerin Raphaela Vogel vor wenigen Jahren das Machtgehabe der Blender mit handlungsunfähigen Löwenskulpturen hervorragend kommentiert. In Venedig zeigt sie in einer riesigen Installation ein von Krankheit befallenes männliches Geschlechtsteil in aristokratischer Kutschenpose, gezogen von skelettierten Giraffen in konnotiertem Weiß. kontur 77


Der Erfolg gibt ihr Recht Es ist eine vergleichsweise junge, aber sehr zeitgemäße Disziplin im dichten Rechtsdschungel: IT-Recht. Christine Knecht-Kleber hat sie sich zu ihrem Spezialgebiet gemacht. Als Rechtsanwältin für IT-Recht weiß sie, was man im Netz darf, muss oder lieber sein lässt.

P

aris – London – Dornbirn. Die Dornbirner Anwältin Christine Knecht-Kleber überlässt nichts gerne dem Zufall, außer vielleicht ihre Karriere, die anfangs so gar nicht geplant war. Nach Abschluss der Fachschule für wirtschaftliche Berufe in Bludenz geht die junge Frau nach London und Paris – will Rezeptionistin werden, die Welt sehen, Sprachen lernen. Die weite Welt macht Lust auf mehr und sie wirft ihre alten Träume für viele neue über den Haufen. Die nach eigenen Worten bekennende Streberin holt die Matura nach und inskribiert mit fast 30 an der Uni Innsbruck für Jus. Schnell entwickelt sich die Liebe zur Juristerei. Christine KnechtKleber promoviert schließlich mit 35 im Urheber- und Markenrecht als eine der besten ihres Jahrgangs.

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Christine Knecht-Kleber

Foto: Philipp Steurer

Vom ersten in den fünften Stock. Die taffe Karrierefrau setzt sich mit einem weiteren berufsbegleitenden Studium in IT- und Medienrecht an der Uni Wien ein hohes Maß an Spezialisierung. Mit dem Master in der Tasche schnuppert sie Kanzleiluft in Dornbirn und Liechtenstein, bevor die Macherin, die Unternehmertum ebenso liebt wie die Juristerei, vor sieben Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Spätestens damit ändert sich auch das Arbeitspensum: 24/7. „Der Schritt in die Selbstständigkeit hat mir eine große Portion Mut abverlangt, insbesondere als Frau und alleine. Man muss schon sehr gerne, sehr viel arbeiten, wenn man sich solche Ziele setzt. Ich konnte weder eine bestehende Kanzlei übernehmen, noch hatte ich irgendwelche Klienten. Zero. Ich habe mir tatsächlich alles selbst aufgebaut.“ Heute sitzt die Anwältin für IT-Recht in der 5. Etage des Campus V, blickt in ihrer stilvollen Kanzlei über die Dä-

geb. 1972, hat sich mit ihrem ­hohen Maß an Spezialisierung als Rechtsanwältin für IT- und Wirtschaftsrecht in Vorarlberg durchgesetzt. Die zielstrebige Macherin betreut ihre Mandan­ tinnen und Mandanten in ihrer Kanzlei im Campus V in Dornbirn.


Viele Frauen studieren Jus, aber nur sehr wenige landen letztendlich in der Anwaltei. cher Dornbirns und ist genau da, wo sie immer sein wollte. Sie liebt das urbane Setting in Dornbirn mit dem vielen Grün vor der Haustüre und sie liebt ihren Beruf. Einen Beruf, der nach wie vor fest in Männerhand ist. „Viele Frauen studieren Jus, aber nur sehr wenige landen letztendlich in der Anwaltei.“ Die ambitionierte Anwältin, die mit einem Kinderarzt verheiratet ist, bringt damit ein Thema auf den Tisch, das zahlreiche Frauen im Bereich Recht bewegt: „Tatsächlich sind ca. 80 Prozent der Anwälte in Vorarlberg männlich und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Es ist nicht einfach, sich zu behaupten, nicht in einem Spezialgebiet und vor allem nicht als Frau“, macht die Anwältin deutlich. „Ich bin ganz bewusst in der Nische IT-Recht tätig und dafür schon von dem einen oder anderen belächelt worden.“ Es geht um Sicherheit. Im IT-Recht treffen viele Rechtsdisziplinen aufeinander. Urheberrecht, Markenrecht, Medienrecht oder auch unlauter Wettbewerb. Die Liste wird nahezu täglich länger und die rechtlichen Grundlagen immer komplexer. Nicht zuletzt die Europäische Union ist sehr daran interessiert, Regelungen im Internet zu schaffen, damit die Nutzer vermehrt geschützt sind und Global Player wie Facebook und Co. in die Schranken gewiesen werden. Erst kürzlich ist etwa das Digital Service Act und Digital Market Act von der Europäischen Union verabschiedet worden, vor dem Hintergrund, mehr Transparenz im Netz zu erzielen. Riesige Regelungspakete wie diese bringen meist viele Herausforderung für Unternehmen mit sich. Der Laie hat keinen Durchblick mehr, wohl aber Knecht-Kleber. „Die Sachverhalte und das gesamte Regelungsvolumen im Internet werden grundsätzlich immer anspruchsvoller und komplexer. Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch. Deshalb ist eine Spezialisierung im juris­ tischen Bereich meiner Meinung nach erforderlich. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz wird in Zukunft sicher noch einiges bewegen, aber an der klassischen, individuellen Beratung kommt man nicht vorbei. One Size fits all – gibt es im Recht nicht.“ Als spezialisierte Rechtsanwältin für IT-Recht berät Christine Knecht-Kleber Unternehmerinnen und Unternehmer, die in der schnelllebigen digitalen Welt den rechtssicheren Weg finden möchten. Tatsächlich sind es immer wieder dieselben Fragen, mit denen sich ihre Mandantinnen und Mandanten konfrontiert sehen: Lizenzthemen wie die Gewährung von Nutzungsrechten, die damit verbundene Gestaltung und Prüfung von Verträgen rund um urheberechtlich geschützte Inhalte wie z. B. Software, die rechtlichen Anforderungen im Online-Handel und­ E-Commerce sowie datenschutzrechtliche Themen wie z. B.­

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Homeoffice, Mitarbeiterdatenschutz, Videoüberwachung etc. Ein weiterer Tätigkeitsschwerpunkt ist der Schutz des Geistigen Eigentums. Eine Nachlässigkeit in der Abklärung und Vertragsgestaltung kann weitreichende nachteilige Folgen haben. Die Rechtsexpertin hält es für vernünftiger, sich im Vorfeld zu informieren und sich gegebenenfalls juristischen Rat einzuholen, anstatt auf eigene Faust zu werkeln und dann womöglich mit einer Abmahnung oder einer rechtlich ungünstigen Situation konfrontiert zu sein: „Mein primärer Ansatz ist die präventive Abklärung und nicht die prozessuale Eskalation“, so die ausgewiesene Fachfrau für IT-Recht. „Vorgängiges Handeln ist wichtig. Die rechtliche Absicherung eines IT-Projekts oder einer Kooperation sollte von Anfang an zum Geschäftsplan gehören, um nicht teure und zeitraubende Rechtsstreitigkeiten zu provozieren.“

Rechtsexpertin Christine Knecht-Kleber.

Kein rechtsfreier Raum. Im Bereich des E-Commerce-Rechts hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Mittlerweile weiß jeder, was in ein Impressum gehört. Datenschutzerklärungen sind die größeren Herausforderungen und können schnell mal unzureichend sein. Die Unternehmen wissen oftmals zu wenig, auch wenn sich grobe Verstöße eher selten ergeben, weiß die Anwältin für IT-Recht. Im Online-Bereich gelten die Gesetze gleichermaßen wie in der realen Welt. Denn auch wenn heutzutage beliebige Informationen recht einfach und recht schnell verfügbar sind, kann deren Weitergabe und Verwendung aus urheberrechtlicher und vor allem aus datenschutzrechtlicher Sicht problematisch sein: „Die Leute sind sich oftmals nicht bewusst, dass sie eine Rechtsverletzung begehen. Aber auch abseits des Internets werden häufig

notwendige vertragliche Regelungen vernachlässigt.“ Es wird schnell ein Auftrag erteilt und man weiß oftmals nicht, wie die rechtliche Situation dahinter aussieht. Bei größeren Projekten können diese Defizite sehr unerfreuliche Aha-Erlebnisse zur Folge haben. Dabei ist es für Unternehmerinnen und Unternehmer als auch für Expertinnen und Experten auf diesem Gebiet wichtig, am Ball zu bleiben, sich laufend fortzubilden und neue Erkenntnisse umzusetzen: „Das predige ich nicht nur, sondern lebe ich. Es ist meine USP“, sagt die Anwältin, die sich neben ihrem gewaltigen Arbeitspensum stets aktuelles Wissen von den Großen aus der Branche abholt und gleichzeitig selbst an der Uni Liechtenstein und an der FH Vorarlberg lehrt und Fachvorträge hält. In jeder Hinsicht ambitioniert. Der Erfolg jedenfalls gibt ihr Recht. Stephanie Herweg

„Die rechtliche Absicherung eines IT-Projekts oder einer Kooperation sollte von Anfang an zum Geschäftsplan gehören, um teure und zeitraubende Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden“, rät Rechtsanwältin Christine Knecht-Kleber. 80 kontur

Foto: Philipp Steurer

Es braucht auch in Zukunft die individuelle Beratung. One Size fits all – das gibt es im Recht nicht.


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Imperiales Flair Wenn mondäne Villen auf Sibirische Tiger treffen und der Britische Geheimdienst sich in der „Neuen Welt“ zu Hause fühlt – dann befindet man sich im 13. Wiener Gemeindebezirk.

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Foto: Schloss Schoenbrunn/Severin Wurnig

tichwort Hietzing – die Antwort lautet Schönbrunn, denn das Nobelimage des Bezirks geht auf Kaiserin Maria Theresia zurück, die das Schloss im 18. Jahrhundert für ihre Familie zu einer gemütlichen Sommerresidenz in seiner heutigen Form umbau-

en ließ. Dadurch avancierte das ehemalige Weinbauerndorf zu einem Zentrum des höfischen Lebens, weil Adlige, Beamte sowie die Wiener Society nachzogen und sich mit ihren Familien in der Nähe ansiedelten. Auch Napoleon residierte – als er in den Jahren 1805 und 1809 mit seiner

Armee in Wien einfiel – in den imperialen Räumlichkeiten des Schlosses. Mit seiner prachtvollen Innenausstattung, den weitläufigen Parkanlagen und dem beeindruckenden Ausblick von der Gloriette ist das Areal ein Anziehungspunkt


für Einheimische und Besucher(innen). Eine Hauptattraktion im Schlosspark ist der älteste noch bestehende Zoo der Welt, der Tiergarten Schönbrunn – er wurde von den Habsburgern gegründet. Im Sommer 1752 führte Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, der Ehemann Maria Theresias, erstmals seine adeligen Gäste in die neu errichtete Tier-Menagerie. Heute zählt der Zoo zu den modernsten der Welt. 2022 wurde er bereits zum sechsten Mal zum besten Europas gewählt: Mehr als 700 Tierarten – vom Sibirischen Tiger über Koalas bis zu Panzernashörnern – leben hier. Highlights sind das riesige Regenwaldhaus, das große SüdamerikaAreal und die „Orang.erie“, die das Zuhause der Wiener Orang Utans ist. Bis heute ist der historische Charme der Ge-

hege und Pavillons erhalten, wodurch der Tiergarten Teil des Unesco-Weltkulturerbes Schönbrunns ist.

Monarchenfamilie in innovativer Weise eine Art Fußbodenheizung installieren. Doch Hietzing hat noch weit mehr zu bieten.

Aber auch Veranstaltungen wie das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker, das traditionell kostenlos immer Mitte Juni stattfindet, sind ein Highlight unter freiem Himmel vor der atemberaubenden Kulisse des Schlosses.

Es grünt so grün. Der 13. Bezirk ist vor allen Dingen grün – und das nicht unbedingt in politischer Hinsicht. Etwa 72 Prozent aller Areale sind Grünflächen. Für diesen hohen Anteil ist vor allem der Lainzer Tiergarten verantwortlich, der quasi einen letzten Rest urtümlichen Wienerwalds innerhalb seiner Mauern beherbergt und früher kaiserliches Jagdgebiet war. Neben weitläufigen Spazierwegen umfasst das Naturschutzgebiet zahlreiche bedeutende Pflanzen- und Tierarten wie die Überreste eines etwa 400 Jahre alten Eichenwaldes sowie spezifische Fledermausarten, Mufflons und Wildschweine.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Orangerie, die Kaiser Franz I. Stephan im Jahr 1754 errichten ließ. Nach Versailles ist sie mit 189 Metern Länge und zehn Metern Breite das größte barocke Orangeriegebäude der Welt. Zur Kultivierung tropischer Pflanzen – vornehmlich Zitruspflanzen – und deren Überwinterung ließ die

Menagerie. Xxxxxxx. Chris Pepe, Pudi lerSibirische der volore occus, Tiger, sit, officiaFacescie residiert im Zoo.

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Fotos: Schloss Schoenbrunn/Alexander Eugen Koller, Daniel Zupanc, Lisa Rastl

Mondän. Die Räumlichkeiten in Schönbrunn.


Xxxxxxx. Hermesvilla. ChrisSisis Pudi Schloss ler volore im Wald. occus,

Geschichtsträchtiges Highlight im Lainzer Tiergarten ist das „Sisi-Schloss“, besser gekannt unter dem Namen Hermesvilla. Ihren Namen verdankt das architektonische Kleinod einer weißen Hermes-Statue aus Marmor, die in der schönen Gartenanlage steht: Hermes als Wächter, um genau zu sein. Kaiser Franz Joseph machte seiner Frau das Schloss der Träume, wie Kaiserin Elisabeth ihre Villa einmal nannte, zum Geschenk, in der Hoffnung, seine reisefreudige Frau damit öfter in Wien halten zu können. Heute ist die Hermesvilla Ausstellungsort des Wien Museums: Fotos, Pläne, Teile der originalen Einrichtung sowie viele persönliche Gegenstände aus dem Besitz des Kaiserpaares vermitteln kaiserliches Wohngefühl wie etwa das riesige Prunkbett aus der Zeit Maria Theresias oder das Turnzimmer. Sehenswert auch die Wandmalereien nach Motiven aus Shakespeares Sommernachtstraum nach Entwürfen von Hans Makart. Die Vorleserin. Zur Geschichte von Franz und Sisi gehört auch Katharina Schratt, die eigentlich als Vorleserin von Kaiserin Elisabeth engagiert worden war. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Liaison zu Franz Joseph, der sie fast täglich in ihrer Wohnvilla in der Glo­ ­ riettegasse 9 besuchte. Er konnte die Schratt-Villa durch eine private Seitentür des Schlossparks Schönbrunn zu Fuß erreichen.

Kaiser Franz Joseph machte seiner Frau das Schloss der Träume, wie Kaiserin Elisabeth ihre Villa nannte, zum Geschenk, in der Hoffnung, seine reisefreudige Frau damit öfter in Wien halten zu können. Heute ist die Hermesvilla Ausstellungsort des Wien Museums.

Hermes. Dieser Xxxxxxx. Chris Pudi ler volore Statue verdankt occus, die sit, officiaFacescie Villa ihren Namen.

Heute „ruht“ des Kaisers Langzeitgeliebte, wie zahlreiche weitere Prominente der österreichischen Geschichte, auf dem­Hiet­ zinger Friedhof in der Maxingstraße 15 – angefangen beim genialen Architekten

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Atelier. Letztes Xxxxxxx. Chris RePudi ler volore fugium von Klimt. occus,

Villen-Gegend. Klimts letztes Altelier befand sich übrigens auch in Hietzing, in der Feldmühlgasse 11. An diesem Ort schuf Gustav Klimt von 1911 bis zu seinem Tod 1918 in einem ebenerdigen Gartenhaus, welches er als Atelier nutzte, einige seiner wichtigsten Werke wie Adele Bloch-Bauer II oder Adam und Eva. In den Genuss der neobarocken zweigeschoßigen Villa, wie sie heute existiert, kam der Künstler jedoch nicht mehr: das ehemalige Gartenhaus wurde erst nach seinem Tod zu einer feudalen Villa umgebaut und erweitert. Jedoch wurde durch eine besondere Bauweise ein einzigartiges Raum-inRaum-Gebäude geschaffen, in dessen Inneren die Atelierräume von Gustav Klimt bis heute erhalten sind. In Hietzing finden sich zahlreiche weitere historische und architektonische Sahnestückchen wie die Villa Beer in der Wenzgasse 12. Das

von Josef Frank und Oskar Wlach von 1929 bis 1931 errichtete Gebäude gilt als wichtiger architektonischer Vertreter der Moderne und war einmal Zentrale des britischen Geheimdienstes in Wien. Das Gebäude steht auf dem Gebiet der sogenannten „Neuen Welt“, einem ehemaligen Vergnügungsviertel der Monarchie. Als eine Art begehbares Museum der Architektur und Baugeschichte finden sich auf dem Territorium Arbeiten von Adolf Loos und Josef Plecnik. Wer die Natur liebt und Freiraum braucht, abseits der hektischen Urbanität, der ist in Hietzing gut aufgehoben. Würde Maria Theresia heute durch ihre Nachbarschaft spazieren – sie wäre sicher begeistert, denn das gemütliche imperiale Flair von damals hat sich bis heute erhalten und mit neuen Einflüssen zu einer facettenreichen, inspirierenden Szenerie verbunden. Willkommen in der schönen neuen Welt! Christiane Schöhl von Norman

Xxxxxxx. Architektur. ChrisMoPudi derne ler volore – Villa occus, Beer.

Die Villa Beer gilt als wichtiger architek­ tonischer Vertreter der Moderne und war einmal Zentrale des britischen Geheimdienstes in Wien. 86 kontur

Fotos: Robert Schaller, Tiller 2019, Wolfgang Thaler

Otto Wagner, dem Maler Gustav Klimt, bis hin zum Schriftsteller Franz Grillparzer.


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