Sommer 2017 | 3 Euro
Vorarlbergs Wirtschafts- und Lifestyle-Magazin
Wie Hilti für eine bessere Zukunft baut Drei Brüder zwischen Orient und Okzident 20 Jahre ganz im Zeichen der Kunst Wo Moor und Urbanität Hand in Hand gehen Vorarlberger Genussbotschafter in Wien
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Foto: Jasper Clarke
Es Devlin mischt die Karten auf dem See neu
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Editorial
Sommer 2017 | 3 Euro
Vorarlbergs Wirtschafts- und Lifestyle-Magazin
Überdimensional. Ob blaue Füße als Überreste einer Skulptur, ein riesiges Auge oder der Kopf des ermordeten Marat – Körperteile faszinieren als Motiv für die Seebühne der Bregenzer Festspiele seit jeher. Ab diesem Sommer spielen Frauenhände, erschaffen von Bühnenbildnerin Es Devlin, die Hauptrolle. Ausflug ins Moor. Wo Regionalität und Innovation eine Verbindung eingehen, kann der Bregenzerwald nicht weit sein. Zu Besuch bei einer Familie, die den Tourismus in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt hat. Zwischen Kassel und Venedig. Zeitgleich finden aktuell die Documenta und die Biennale statt. Die Route zu beiden Großausstellungen führt Kunstfreunde auch über den diesjährigen Jubilar, das Kunsthaus Bregenz. Es gilt, interessante Zusammenhänge und Anknüpfungspunkte zu entdecken. Foto: Jasper Clarke
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Es Devlin mischt die Karten auf dem See neu Wie Hilti für eine bessere Zukunft baut Drei Brüder zwischen Orient und Okzident 20 Jahre ganz im Zeichen der Kunst Wo Moor und Urbanität Hand in Hand gehen Vorarlberger Genussbotschafter in Wien
Inhalt 06 Mit offenen Karten Das Schicksal der „Carmen“ liegt in überdimensionierten Frauenhänden. 13 Im „Zumsteinhaus“ Mit ihrem neuen Private Banking Standort möchte die Volksbank Vorarlberg Geschichte schreiben. 14 Weltbürger mit Herz Die Linhart-Brüder und ihr Leben zwischen Orient und Okzident. 19 Impulsgebend Formen bilden den Mittelpunkt der neuen Ausstellung im Werkraumhaus. 23 Eine bessere Zukunft Mit innovativer Technologie möchte sich der Weltkonzern Hilti besser als Markt und Mitbewerber entwickeln. 28 Das KUB wird 20 Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister war von Anfang an mit dabei. 32 Alle in einem Boot Sind die Ruderer am Zug, geht’s mit vollem Körpereinsatz über den See.
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37 Edles für moderne Hippies In Gmund am Tegernsee ist Tamara Comolli zu Hause. Dort entstehen in Handarbeit bewundernswerte Schmuckstücke mit handverlesenen Edelsteinen und 18-Karat-Gold. 42 Ein SUV aus Mailand Der neue Alfa Romeo Stelvio präsentiert sich als sportlicher, offroadfähiger Typ. Testfahrt am Stilfser Joch gefällig? 45 Zwischen Moor und Urbanität Ein Mix aus Ruhe und Dynamik sind die Hotels der Familie Frick. Mit Unternehmergeist und Innovationen hat diese über Genera tionen die touristische Entwicklung im Bregenzerwald mitgeprägt. 50 Das Ländle – weltweit begehrt In den vergangenen Jahren konnte die Vorarlberger Export wirtschaft ihre Ausfuhren weiter steigern. Wovon nicht nur die Unternehmen selbst profitieren, sondern das gesamte Land. 52 Auf den Sommer Trend mit Tradition. In diesem Jahr erobern Wermut und Co die Gastgärten und Sommerpartys. 57 Raum und Mensch Architekt Bernardo Bader sieht sich nicht nur als Gestalter. Sein Ziel ist es, gute Orte mit Seele zu schaffen. Für mehr Lebensqualität. 62 Unikat mit Rockermähne Zehn Fragen an Fohrenburger Geschäftsführer Wolfgang Sila. 64 Genussbotschafter Zwischen Käse, Wein und Events: Vier Vorarlberger haben sich auf gemacht, Wien gastronomisch zu erobern – und das mit Erfolg.
71 Mit Vollgas über die Ziellinie Kévin Estre hat Benzin im Blut und den Rennsport zum Beruf gemacht. Seit 2016 ist der Wahl-Höchster Werksfahrer bei Porsche und konnte sich damit einen großen Traum erfüllen. 74 Kunst schafft Begegnungen Nur alle zehn Jahre überlappen sich Biennale und Documenta. Heuer ist es wieder so weit. Ein wahres Fest für Kunstfreunde.
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Freude am Fahren
Gute Karten für die Festspiele
Foto: Philipp Steurer
Das optische Schicksal der Bregenzer „Carmen“ liegt in bestens dimensionierten weiblichen Händen.
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wischen 17 und 20 Meter hoch sind die Hände, die aus dem Bodensee ragen und gerade eine Reihe von Spielkarten fallen lassen. Mehrere Modelle im Kleinformat wurden angefertigt, bis die britische Bühnenbildnerin Es Devlin ihre Vorstellungen umgesetzt fand. Um bei diesen Dimensionen nicht in den Kitsch abzudriften, sind kleine Details wesentlich. Klar, die Frau, deren Hände da zu sehen sind, raucht, hält eine Zigarette. Mittlerweile ist das sowieso kein Thema, der Glimmstengel kommt aber auch im Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy für die 1875 in Paris uraufgeführte Oper von George Bizet vor, die auf der Novelle von Prosper Mérimée basiert. Carmen und ihre Freundinnen arbeiten in einer Tabakfabrik, konsumieren in der Pause Nikotin, flirten. „Liebe ist wie ein wilder Vogel, wer den zähmen will, hat es schwer ...“, singt Carmen. Später dann, als sich der Soldat Don José längst an den illegalen Geschäften im Umfeld seiner Geliebten beteiligt, legen sich Carmen, Mercédès und Frasquita Karten. Ob man Glück in der Liebe hat, will man wissen. Die
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Überdimensionale Skulpturen dominieren die Ausstattung von Henzes „Elegie für junge Liebende“ im Theater an der Wien.
Frauen erwartet Positives, nur der Titelheldin verheißt das Blatt nichts Gutes. Es ist wohl der unheilankündigende Moment, den das Bühnenbild darstellt auf dem bzw. in dem der dänische Regisseur Kasper Holten den Fokus darauf richtet, warum Carmen wohl so ist, wie sie ist, was die Gesellschaft von ihr erwartet und warum sie zur Verabredung mit Don José geht, obwohl sie ahnt, wie er reagieren wird. Vor gut 20 Jahren war der nunmehrige Chef der Covent Garden Opera in London schon einmal in Bregenz. Harry Kupfer in-
Einfach die Hände einer Schaufensterpuppe für die „Carmen“-Bühne auf dem See nachzubilden hat nicht gereicht. Als Vorlage dienten die Hände von Es Devlin und jene eines Models. 8 kontur
szenierte „Die Legende der unsichtbaren Stadt Kitesch“ von Rimski-Korsakow, Holten war sein Assistent, und zwar jener, der auch am Besen und Wischmopp zum Einsatz kam, wie er heute amüsiert erzählt. Dass er einmal auf der Seebühne inszenieren sollte, sei damals für ihn noch undenkbar gewesen. Fasziniert hat sie ihn allerdings schon, während für Kupfer ein derartiges Podium nie in Frage kam, wie der renommierte Regisseur bei seinen Aufenthalten am Bodensee immer wieder bekräftigte, war für Holten die große Dimension nun eine annehmbare Herausforderung. Es Devlin sollte gewonnen werden, die Künstlerin, die man in Österreich unter anderem von Arbeiten im Theater an der Wien kennt, die mit ihren exzellenten Kenntnissen über den Einsatz von Licht, aber auch Konzerte für Stars wie die Stones, Beyonce oder Adele ausstattet und die eine Olympiade-Show in London maßgeblich mitverantwortete, war rasch begeistert. „Schon beim ersten Besuch einer Aufführung der Bregenzer Festspiele wurden Skizzen erstellt, die gar nicht so weit ent-
Fotos: Theater an der Wien/Werner Kmetitsch, AP/Bill Cooper, Philipp Steurer
„Les Troyens“ von Hector Berlioz wurden von Es Devlin in London bildgewaltig platziert.
Bühnenbildnerin Es Devlin mit Intendantin Elisabeth Sobotka.
fernt vom Endergebnis waren“, erinnert sich Präsident Hans-Peter Metzler. Die Um setzung ist auch für die erfahrenen Festspieltechniker immer ein Wagnis. Auf den Karten selbst wird sich einiges an Projektionen abspielen. Jene unter der Wasser oberfläche liegen auch nicht nur so herum, auf diesen tut sich etwas und ohne spektakuläre Verwandlungen spielt sich auf der Bregenzer Seebühne ohnehin nichts ab. Dem kommt kein Intendant, keine Intendantin und keine Bühnenbildnerin aus.
en. Lebois war auch jener Bühnenbildner, der die erste, riesige Handskulptur auf der Seebühne einführte. Sie hielt ein Streichinstrument und bildete ein fahrbares Auftrittspodium für die Antonia in Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, einer Produktion, in der Savary in den Sommern 1987 und 1988 auch noch überdimensionierte Puppen tanzen ließ. Obgleich wesentlich weniger Technik im Spiel war als heute, denn diese Puppen wurden dadurch bewegt, dass im Inneren des Kör-
Körperteile. Als „Carmen“ im Jahr 1974 zum ersten Mal auf den See kam, war freilich noch alles anders. Toni Businger setzte für Regisseur Paul Vasil noch recht konventionell südländisches Flair auf das Wasser. Als Michel Lebois für Jérôme Savary im Sommer 1991 eine „Carmen“ ausstattete, machten die Festspiele Schlagzeilen. Heute nimmt es sich wie ein Gag oder eine Legende aus, aber es war tatsächlich so, dass man Abdrucke von einem Felsmassiv am Grimselpaß machte, um ein Gebirge möglichst realistisch nachzubau-
Eine große Herausforderung war es, in den rund 20 Tonnen schweren Händen jeweils mehrere Lautsprecher zu verstecken. kontur 9
Nach Wanda Milliore, die die Bühne für die legendäre Aufführung von „Bastien und Bastienne“ im Sommer 1946 auf Kieskähnen im Gondelhafen schuf, ist Es Devlin die erste Frau, der ein Bühnenbild für die große Oper auf dem See anvertraut wurde. Neben den beiden Frauenhänden wird die Kulisse auch aus rund 60 Spielkarten gebildet. Die Motive darauf werden uns bekannten Spielkarten gleichen, aber auch die Handlung bildhaft unterstreichen. pers jemand in die Pedale trat, sicherte man sich in Bregenz den Ruf als Festival mit innovativen Operninszenierungen. Ästhetisch hatte man die Freiluftaufführungen weiterentwickelt.
Foto: Philipp Steurer
Ein weiteres Körperteil bereitete dem damaligen Intendanten Alfred Wopmann ziemliches Kopfzerbrechen. Mit Richard Jones und Antony McDonald kam er überein, dass in Verdis „Ein Maskenball“ der Tod im Buch des Lebens blättert. TechnikChef Gerd Alfons und Ausstattungsleiter Florian Kradolfer erwähnten rückblickend, wie sehr man daran bastelte, im See ja keine Geisterbahnstimmung zu erzeugen. Es hat funktioniert, Skelett und Buch wurden zum Bühnenbild des Jahres 1999 gekürt. Einige Jahre später holte sich Intendant David Pountney Philipp Himmelmann für Puccinis „Tosca“. Die Seebühnenakustik war bereits so ausgereift, dass man sich unter dem Dirigenten Ulf Schirmer an die-
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ses Werk wagen konnte. Bühnenbildner Johannes Leiacker hatte zuvor bei IndoorVersionen schon gelegentlich auf Augen als Bildsymbole gesetzt. Dass ein riesiges Auge auf dem See bzw. vor der Naturkulisse zur Wirkung kommt, war überraschend. Beeindruckt hatte es auch die Produzenten der Bondfilme. In „Ein Quantum Trost“ mit Daniel Craig spielt eine entscheidende Szene in der Bregenzer „Tosca“-Aufführung. Mit Verdis „Nabucco“ hatte David Pountney als Regisseur mit seinem Bühnenbildner Stefanos Lazaridis selbst Maßstäbe gesetzt, für „Aida“ holte er sich Graham Vick und Paul Brown, die wiederum auf Extremitäten setzten. Als Rahmenhandlung bzw. Kulisse wurden Teile einer riesigen, zerstörten Skulptur aus dem Wasser geholt. Nur die Beine standen noch auf dem Sockel. Dass ein aus dem Wasser ragender Kopf überhaupt bespielbar ist, würde man von vornherein ohnehin nicht annehmen. Als Keith Warner mit Da-
vid Fielding das Konzept für Umberto Gior danos Werk „André Chénier“ entwickelte, setzten sie auf ein Bild, das zu den Ikonen der Kunstgeschichte zählt und zugleich die Französische Revolution symbolisiert, also jene Zeit, in der das Werk spielt. JacquesLouis David hatte in einem seiner berühmtesten Gemälde den soeben von Charlotte Corday in der Badewanne ermordeten Marat festgehalten. Die dreidimensionale Umsetzung diente als Podium einer Aufführung, die von Fachleuten zu den dichtesten der jüngeren Festspielgeschichte gezählt wird. Keith Warner arbeitet übrigens auch mit Es Devlin. Wer die Aufführung von Hans-Werner Henzes Oper „Elegie für junge Liebende“ besuchte, die erst Anfang Mai dieses Jahres im Theater an der Wien präsentiert wurde, sah sich auch dort mit riesigen, beinahe bühnenfüllenden Gegenständen und Körperteilen konfrontiert. Ein Torso und ein Kopf waren dabei, Videoeffekte taten ihr Übriges und das Größenverhältnis zwischen den Skulpturen und den handelnden Personen war nie ein Störfaktor. Gute Voraussetzungen für die Bespielung der großen, aus dem See ragenden Hände. Eine Fachfrau. Das allererste Seebühnenbild, nämlich die Kulisse für die Aufführung des Singspiels „Bastien und Bastienne“ von Mozart im Jahr 1946, hat mit Maria Wanda Milliore übrigens bereits eine Künstlerin geschaffen. Es hat lange gedauert, bis die mittlerweile von Elisabeth Sobotka geleiteten Festspiele mit Es Devlin auch in diesem Bereich wieder auf eine Fachfrau setzen. Christa Dietrich
Dass ,Carmen‘ überhaupt zum dritten Mal auf den See kommt, geht auch auf einen Vorschlag von Es Devlin selbst zurück.
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Neues Private Banking Zentrum als Vorbild Die Volksbank Vorarlberg eröffnete gerade ihren neuen Private Banking Standort in Dornbirn. Wo einst das traditionsreiche „Zumsteinhaus“ stand, will das Bankinstitut auch zukünftig Geschichte schreiben: Mit einer nachhaltigen und achtsamen Strategie – nicht nur, was die Geldanlage, sondern vor allem den Umgang mit Kunden betrifft.
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Foto: Volksbank Vorarlberg
ur knapp sechs Monate betrug die Bauzeit für das neue Gebäude am Marktplatz in Dornbirn. Am 8. Juni wurde es schließlich im Beisein von zahlreichen Gästen von Vorstandsvorsitzendem Betr. oec. Gerhard Hamel feierlich eröffnet. „Wir wollen unserer Leistung ein Gesicht nach außen geben“, antwortet Gerhard Hamel auf die Frage nach den Gründen für den neuen Private Banking Standort. „Wir haben mit diesem Center eine moderne Bankstelle geschaffen, in der qualitativ hochwertige Beratung geboten wird, und bekennen uns damit klar zur Region und unseren Kunden.“ Das neue Volksbank-Gebäude in Dornbirn dient als Vorbild für weitere Neu- und Umbauten. Im Herbst wird in Schruns bereits ein zweiter Standort mit neuem Filial charakter eröffnet – ein weiteres klares Bekenntnis zur Region. Traditionsreiches Haus. Bis heute trägt das Haus am Marktplatz Nr. 5 den Namen „Zumsteinhaus“. Wann hier das erste Haus errichtet wurde, ist nicht bekannt. Laut Stadtarchiv gehörte das Haus aber bereits Mitte des 18. Jahrhunderts der Familie Rhomberg. Im Jahr 1857 ging es in den Besitz eines Herrn Zumstein über und trägt deshalb bis heute diesen Namen. Das „Zumsteinhaus“ wurde als Wohnhaus und als Gewerbestätte genutzt. Es waren u.a. eine Lohnfärberei und später eine Drogerie darin untergebracht. Im Jahr 1962 wurde das alte Zumsteinhaus allerdings vollständig abgetragen, um dem heutigen Gebäude Platz zu machen. Anschließend zog die eigenständige Vorarlberger Volksbank Dornbirn an den Marktplatz Nr. 5, welche 1987 durch Fusion mit der heutigen Volksbank Vorarlberg zu einem Geldinstitut verschmolz. Seither ist die Volksbank Vorarlberg an einem der wichtigsten Standorte Vorarlbergs angesiedelt.
Vorstandsvorsitzender Betr. oec. Gerhard Hamel
Banking im Umbruch. Das Bankwesen ist einem stetigen Wandel unterworfen. Es ist nicht mehr zu vergleichen mit dem Finanzgeschehen von vor 20 Jahren. „Nicht nur das Gesicht einer Filiale, sondern das Verständnis einer modernen Bank hat sich komplett geändert“, weiß Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel und fährt fort: „Wir wollen diesem Wandel mit dem neuen Umbau Rechnung tragen und uns vom klassischen Filialcharakter verabschieden. Mit unserem neuen nachhaltigen Konzept des Private Bankings nehmen wir unter den Genossenschaftsbanken eine Vorreiterrolle ein.“
mit regionalen Unternehmen und Handwerksbetrieben zusammengearbeitet. Außerdem wurden hochwertige Materialien aus der Region verwendet, um dem Haus eine lange, nachhaltige Lebensdauer und zeitlose Attraktivität zu verleihen. Hervorzuheben ist auch noch das achtsame Investment, das die Private BankingBeraterinnen und -Berater ihren Kunden bieten können. „Es handelt sich dabei um eine nachhaltige Geldanlage, bei der wirtschaftliche, ökologische und soziale Faktoren berücksichtigt werden“, erklärt Gerhard Hamel. „Nur eine gezielte Auswahl an Unternehmen und Fonds, die unserer Nachhaltigkeitsverantwortung gerecht werden, finden Aufnahme in unsere Portfolios.“ Ein Investment, das über rein finanzielle Interessen hinausgeht.
Nachhaltige Bauweise und Geldanlage. Wie es der genossenschaftliche Gedanke verlangt, wurde beim Umbau in Dornbirn eng
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Den Orient im Herzen
Einfach frei. Die drei Linhart-Brüder genossen ihre Jugend in Bagdad.
Im arabischen Willkommensgruß „Ahlan wa sahlan“, mit dem Fremde als Angehörige, die es leicht haben sollen, empfangen werden, liegt die Essenz orientalischer Lebenskultur. Sie prägte von 1970 bis 1977 die Vorarlberger Blondschöpfe Michael, Markus und Johannes Linhart in Bagdad. Nachhaltig. Michael Linhart fügte der brüderlichen Verbundenheit mit dem Orient weitere sieben Jahre als Diplomat in Damaskus hinzu.
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eburtsort Ankara. Michael (59) und Markus Linhart (58) wurden in Ankara geboren, Johannes (56) in Wien. Einer Familientradition zufolge beziehen sich die dritten Vornamen der Kinder auf das Land, in dem sie geboren wurden. Demnach kam zu Michael Ahmed, zu Markus Kemal und zu Johannes Leopold hinzu. Michael und Markus trugen zwar noch Windelhosen, als die Eltern von Ankara nach Wien übersiedelten, aber die Buben nahmen schon einen kleinen türkischen Wortschatz mit. „Markus hat von uns die größte Begabung für Sprachen. Er hat am schnellsten Arabisch gelernt“, sagt Michael Lin-
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hart. Bevor das Abenteuer Bagdad begann, lernten die Knaben erst einmal Französisch. In Zürich. Jugend in Bagdad. „Das Geschenk des Herrn“, wie das literarische Bagdad genannt wird, liegt am westlichen Mittellauf des Tigris, der bis Bagdad schiffbar ist. Gründungsdatum des politischen Bagdad als „Stadt des Friedens“ ist der 30. Juli 762. Die um Kalifenpalast und Moschee kreisförmig angelegte Stadt hatte ein hoch komplexes Bewässerungssystem. Es sorgte Hunderte Jahre für eine blühende Entwicklung, bis es von den Mongolen zerstört wur-
de. Unter osmanischer Herrschaft wurde Bagdad wieder zur kosmopolitischen Metropole. Diese war Bagdad auch 1970, als die Linharts in die Stadt kamen. Michael Linhart: „Saddam Hussein war noch nicht an der Macht, aber Vizepräsident eines Polizeistaates mit allem, was damit zusammenhängt. Das hat unsere Entdeckungsund Abenteuerlust nicht belastet. Wir sprachen Arabisch, haben uns frei gefühlt und unsere Freiheit gemeinsam mit irakischen Freunden und deren Familien gelebt. Wir sind am Tigris Wasserski gefahren, in die Wüste geritten, im Euphrat geschwommen, haben in Clubs Tennis gespielt und Partys gemacht. Unsere Eltern zeigten uns auf Ausflügen die berühmten Ausgrabungsstätten im Irak. Im Norden, am linken Ufer des Tigris, erkundeten wir Ninive, die antike Hauptstadt des assyrischen Reiches, in der 1890 Fragmente des Gilgamesch Epos entdeckt wurden. Am rechten Ufer besuchten wir das damals noch multiethnische Mossul sowie Kirkuk, das auf Grund der Ölfelder im ‚heißen Land’ liegt. Im Süden begeisterten uns die Ruinen des am Euphrat gelegenen Ur-Babylons, in dem die ‚Hängenden Gärten der
Semiramis‘ zu den Weltwundern der Antike zählen.“ Markus Linhart ergänzt: „Als wir schon die Oberstufe in der Stella Matutina besuchten, waren wir in den Ferien immer in Bagdad. Dort war das Paradies unserer Jugendzeit.“ Lebenslehren. Auch wenn die LinhartBrüder fast wie ein Ei dem anderen gleichen, sind sie unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Lebenswegen. Die zwei wichtigsten Lebenslehren aus ihren Jugendjahren in Bagdad teilen sie ohne Einschränkung. „Wir haben Wert und Bedeutung von Familie kennengelernt und erfahren, was weltoffene Gastfreundschaft ist. Wir wurden von den Familien unserer Freunde vorbehaltlos, vorurteilsfrei und herzlich aufgenommen. Alles, was wir erleben konnten und erkunden wollten, fand im Familienverband statt. Die Erfahrung, wie Freude, Offenheit und Neugierde Türen wie Herzen öffnen, wurde prägend für unser Leben, unsere Weltoffenheit und unseren Zugang auf Menschen.“ Irakische Gaumenfreuden. Im vergangnen Sommer schwelgten Michael und
Wertvoll. Die Erfahrung, wie Offenheit und Neugierde Türen wie Herzen öffnen, prägte den Zugang auf Menschen.
Markus Linhart im Duft der irakischen Nationalspeise Masgouf am Ufer des Bodensees in Erinnerungen an Bagdad. Ein irakischer Freund und stadtbekannter Friseur in Bregenz lud die beiden ein. „Es war wunderbar. Wir waren wieder in Bagdad.“ Masgouf ist ein Fischgericht, das die Sumerer aus dem südlichen Babylonien in den Norden brachten. In Bagdad kommen die Barben aus dem Tigris, werden Shabboot genannt, sorgsam aufgeklappt, im Kreis auf Stöcke gespießt, am offenen Feuer geräuchert und in heißer Asche gegart. „Masgouf mit Karpfen aus dem Bodensee hat uns großartig geschmeckt.“ Zu den orientalischen Gaumenfreunden von Michael und Markus Linhart zählt auch Kouzi, ein mit Gemüse und Pinienkernen gefülltes, mit Kumin und Kurkuma gewürztes Lammfleisch. Markus Linhart ergänzt: „Bitte Harissa (Getreidebrei) nicht vergessen und Uruq (Fladenbrot).“ Die 1000 Nächte und die 1. In den Märchen aus Tausendundeiner Nacht, jener offenen Sammlung aus Erzählungen, ist die eine Nacht weder die erste noch die letzte, sondern irgendeine Nacht, die von den Tausend Nächten abweicht. Wie das Leben in der orientalischen Welt gleichzeitig eine Träne und ein Lächeln hat, ist der Bruch der Symmetrie ein natürliches und kein willkürliches Abgleiten vom Vollkommenen. Die Einbeziehung des Abweichenden gehört zur orientalischen Sichtweise, die sich nach der Vernunft des Herzens richtet. Ihr folgt die Gastfreundschaft mit der selbstverständlichen Aufnahme von Fremden in die Familie. „Ma’a as-salama.“
Wir haben Wert und Bedeutung von Familie kennengelernt und erfahren, was weltoffene Gastfreundschaft ist. kontur 15
In den Märchen aus Tausendundeiner Nacht ist die eine Nacht weder die erste noch die letzte, sondern irgendeine Nacht, die von den anderen Nächten abweicht. Beispiele der charakteristischen „Unvollkommenheiten“ finden sich unter anderem in Teppichmustern, Mosaiken, Intarsia, aber auch in der Gebetskette. Eine Misbaha hat 99 Perlen, so wie Allah 99 Namen hat. Die Einbeziehung des Abweichenden gehört zur orientalischen Sichtweise, die sich nach der Vernunft des Herzens richtet. Damaskus – Braut der Erde. Auf dem Karriereweg von Michael Linhart als Diplomat liegt Addis Abeba vor Damaskus. „In Äthiopien habe ich Afrika entdeckt, seinen kulturellen Reichtum und die hohe Kultur der Menschen. Danach habe ich mich für einen Posten in Thailand und Syrien beworben. Es wurde Syrien. Eine tolle Entscheidung des Schicksals.“ 1988 trat Michael Linhart seinen Job als Erster Zugeteilter und stellvertretender Leiter an der Österreichischen Botschaft in Damaskus an. „Der ab Mitte der 1970er-Jahre begonnene Aufbau einer touristischen Infrastruktur hatte ihren Zenith fast erreicht. Damaskus war eine multikulturelle, weltoffene Stadt, die seit 1975 den Status UNESCO Weltkulturerbe hatte. Drei Patri-
archen hatten ihren Sitz in Damaskus. Die Omajjden Moschee, an der 12.000 Handwerker zehn Jahre gearbeitet haben, zeigte in einem Zubau das Haupt von Johannes dem Täufer. Die neun Kuppeln von Khan Asad Pascha, schönste Karawanserei im Nahen Osten, leuchteten, der prunkvolle Azem-Palast erstrahlte in neuem Glanz, auf der Via Recta, der in Römerzeit erbauten ‚geraden Straße‘ durch die Altstadt von Damaskus, herrschte reges Treiben. Wir nutzten die Möglichkeiten, das wunderbare Land, seine großartige Kultur und die faszinierenden Menschen kennenzulernen. Unser Sohn wurde in Damaskus geboren und wir gaben ihm der Familientradition folgend Omar als dritten Vornamen. Meine Fußballbegeiste-
rung kam nicht zu kurz. Ich spielte mit den Kellnern des Hotels Sheraton.“ Markus Linhart: „Begabung und Leidenschaft für Fußball teile ich mit meinem Bruder nicht. Ich habe zwei linke Beine, er hat die eines Stürmers.“ Zu Beginn des Damaszener Frühlings anno 2000 kehrte Michael Linhart als Botschafter nach Damaskus zurück. Die Berufung zum Geschäftsführer der Austrian Development Agency führte 2003 wieder nach Wien. Seit Dezember 2013 ist er Generalsekretär und rang höchster Beamter im Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres.
Wir nutzten die Möglichkeit, das wunderbare Land und die faszinierenden Menschen kennenzulernen.
Fotos: Privat
Weltbürger. Michael Linhart mit seiner Frau und mit seinen Maturakollegen in der syrischen Wüste beim berühmten Café Bagdad.
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Zusammenhalt gelernt. Markus, Michael und Johannes Linhart (v. l.).
Drei Brüder – drei Lebenswege. Markus Linhart, seit Jänner 1998 Bürgermeister von Bregenz, sagt über Michael: „Er hat uns als großer Bruder zusammengehalten und uns die Wege geebnet, die er vorausgegangen ist. Ich schätze an ihm sein strenges und festes Wertekostüm, das er konsequent lebt. Er ist der geborene Diplomat, ein begabter Schlichter, ein feinsinniger, weltoffener Mensch, mit dem wir jüngeren Brüder das Riesenglück teilen, von unseren gemeinsamen Jahren in Bagdad geprägt worden zu sein.“ Im Büro von Michael Linhart am Minoritenplatz Nummer 8 befindet sich das Modell einer Skulptur von Christian Lissy, das die Zuwanderung ins vorrömische Brigantium zum Thema hat und in Bregenz seinen Standort finden sollte. Michael Linhart: „Ich habe wenigstens das Modell dieser Skulptur, die von der Bregenzer Jury nicht ausgewählt wurde.“ Dennoch fällt die Beschreibung vom Bürger-
meister-Bruder wertschätzend aus: „Markus ist der Sunnyboy, der auf die Menschen zugehen, sie begeistern und für sich gewinnen kann. Er hat von uns die größten sprachlichen und musischen Talente, aber ist auch ein konsequenter Kämpfer für die Sache. Er setzt sich zu 150 Prozent ein.“ Die beiden Älteren sind stolz auf den jüngeren Bruder Johannes: „Er war an vorderster Front im internationalen Investment Banking und Aktienhandel in New York, London, Frankfurt, Paris erfolgreich. Aktuell wendet er sich Zukunftsthemen zu, die menschlich, ökologisch und gesellschaftlich relevant sind. Unter anderem als Geschäftsführer der Klima Allianz. Wir sind unseren Eltern dankbar, dass wir als ‚Diplomatenkinder‘ die Füße fest am Boden behielten, in alemannischer Bescheidenheit erzogen wurden, auch im Ausland ‚daheim in Österreich‘ sein konnten und dank unserer mütterlichen Wurzeln in der Langener Straße in Bregenz Vorarlberger blieben.“ Elisabeth Längle
„Als wir schon die Oberstufe in der Stella Matutina in Feldkirch besuchten, waren wir in den Ferien immer in Bagdad. Dort war das Paradies unserer Jugendzeit.“ kontur 17
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Mehr als nur Formen Impulsgebend – das ist der Wettbewerb Handwerk+Form, dem sich die Ausstellung „Archiv der Formen“ des Werkraum Bregenzerwald widmet. Welche Einblicke in das Wissen und Können der Handwerkerinnen und Handwerker gewährt werden? „kontur“ hat Geschäftsführer Thomas Geisler und Obmann Martin Bereuter zum Gespräch getroffen. Welche Intention steckt hinter der neuen Ausstellung? Martin Bereuter: Es sind mehrere Ideen, die in das Konzept geflossen sind. Zunächst soll mit „Archiv der Formen“ sichtbar gemacht werden, welche Objekte aus der ursprünglichen Idee des Wettbewerbs Handwerk+Form entstanden sind und wie sie durch den Ausstellungsrundgang in historischen Gebäuden der Öffentlichkeit durch eine unverwechselbare Kontextierung zugänglich gemacht wurden. Zugleich gilt es aber auch, die Personen und ihre Geschichte um die erste Ausstellung, noch vor der Gründung des Werkraums, zu hören. Thomas Geisler: Ende letzten Jahres wurde der Werkraum Bregenzerwald, gemeinsam mit zwei weiteren österreichischen Handwerkszentren, in das internationale UNESCO-Register als Best-Practice-Beispiel zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Eine hohe Anerkennung, die im Fall des Werkraum, insbesondere wegen seines pionierhaften Wegs in der Zusammenführung von tradiertem Handwerkswissen und innovativem Gestaltungswillen, vergeben wurde. Die dabei entstandenen Produkte geben ein Zeugnis dieser konsequenten Entwicklungsarbeit. Handwerk+Form war und ist ein ganz wichtiges Instrument in der Verfolgung dieser Ziele. Die Ausstellung gibt einen Gesamtüberblick seit 1991 und würdigt die seit 2000 alle drei Jahre
erbrachten Leistungen – jedoch nicht als Leistungsschau, sondern als Untersuchung der Formgebungsprozesse. Nach Farben rücken nun also die Formen in den Fokus. Ein weiteres elementares Thema des Handwerks? Thomas Geisler: Wir betrachten die Formgebung in der Ausstellung weiter als auf die reine Gestalt eines Objekts bezogen. Diese beginnt schon in der Konzeption, der Überlegung, wer mit wem kooperiert, ob eine bestehende Form verbessert oder eine neue gefunden werden muss, ob das Projekt ergebnisoffen als Experiment angelegt ist etc. Das „Archiv der Formen“ versteht sich dahingehend als ein Pool an Gestaltungsansätzen. Martin Bereuter: Hinter der „handwerklichen Form“ steht mehr als nur ein einfacher Gebrauchsgegenstand. Es sind Geschichten, Personen mit ihren Erfahrungen, Bedürfnisse und Wünsche und oft auch optimistisches Engagement, welches in der Ausstel-
Filzgefäße, 2009
Expander, 2000
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Eine wesentliche Leistung des alle drei Jahre durchgeführten Wettbewerbs Handwerk+Form ist, dass sich Handwerker der Herausforderung der Form stellen. Aber natürlich auch umgekehrt, dass sich Gestalter mit dem Handwerk auseinandersetzen. lung beispielhaft, unter anderem auch durch Texte und Interviews, gezeigt wird. Was dürfen die Besucher erwarten? Thomas Geisler: Eine Dichte und Vielfalt an Objekten, die in Hochregalen geordnet nach Gebrauchstypologien das Werkraumhaus füllen. Anhand von Beispielen werden unterschiedliche Entwicklungsprozesse veranschaulicht und von den Handwerkerinnen und Handwerkern er-
klärt. Zusätzliche Stationen geben Auskunft über den Ursprung und die Entwicklungen von Handwerk+Form. Verantwortlich für die Ausstellungsgestaltung sind die aus Alberschwende stammenden und in Wien arbeitenden Designer Robert Rüf und Christof Nardin. Im Grunde geht es also von der Idee bis zur Umsetzung? Martin Bereuter: Und darüber hinaus. Man kann dieses Ar-
chiv als eine Art kollektives Gedächtnis verstehen, aber auch als vorhandenes Wissen, das für die Zukunft genutzt werden kann. So gesehen soll die Ausstellung auch Fragen für die Zukunft stellen und, wenn möglich, beantworten. Welche Möbel, welche Materialien, welche Verarbeitung, welches Wissen wollen wir Nutzer, wir Handwerker, wir Gestalter in unserem Alltag um uns haben und vor allem auch weitergeben?
Bandbreite. Vom kleinen Accessoire über Möbelstücke bis zum Holzpavillon.
Fotos: Reinhard Fasching, Foto Rhomberg, Adolf Bereuter, Ludwig Berchtold
Gartenhaus „Jodok“, 2009
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Schloss vom Schlosser, 1991
Im Plan. Thomas Geisler (l.) und Martin Bereuter freuen sich auf das neue Konzept.
War es schwierig, eine Auswahl der Ausstellungsstücke zu treffen? Thomas Geisler: Von den über die Jahre weit über 600 eingereichten Entwürfen zu Handwerk+Form konnten wir nur ein Drittel in die Ausstellung bringen. Manche Prototypen sind einfach nicht mehr greifbar. Die vom vorarlberg museum angekauften Preisträger sehr wohl. Wir wollen aber die Bandbreite des Handwerks zeigen: Produkte auch ohne Auszeichnung,
Der Werkraum lädt Handwerker, Besucher und Gestalter in einen Hybrid aus Ausstellung und Archiv ein.
Gartendusche „Felix“, 2009
die sich erfolgreich am Markt durchgesetzt haben, oder jene, die sich dem Experiment verschrieben haben. Es war jedenfalls ein Kraftakt des Teams rund um unseren „Archivar“, den Designanthropologen Stefan A. Wolf, in so kurzer Zeit alle Einreichungen digital zu sichten und die Ausstellungsstücke zu organisieren. Das Ergebnis dieser umfangreichen Recherche ist eine Datenbank, die wir nun erstmals veröffentlichen und weiter befüllen können. Herr Geisler, Sie sind seit knapp einem Jahr Geschäftsführer des Werkraum Bregenzerwald. War die Vorbereitung der Ausstellung für Sie auch eine gute Möglichkeit, sich auf die nächste Handwerk+Form vorzubereiten? Thomas Geisler: Natürlich konnte ich mir damit einen guten Überblick verschaffen. Es war auch besonders bereichernd, sich mit wichtigen Protagonisten wie Harry Metzler auszutauschen. Die Ausstellung ist mit Sicherheit ein gutes Umfeld für die Vorbereitungen, gemeinsam mit dem Handwerkerverein Andelsbuch, für 2018. Aber auch für andere Themen, die den Werkraum derzeit beschäftigen, wie etwa die Entwicklung einer gemeinsam zu vermarktenden Kollektion von Produkten. Die Ausstellung ist keine Ergebnispräsentation, sondern Teil des lebendigen Entwicklungsprozesses, für den der Werkraum von der UNESCO ausgezeichnet wurde. Sabine Blechschmidt
Archiv der Formen – Handwerk und Design im Bregenzerwald. Dauer der Ausstellung: 1. Juli bis 7. Okqtober 2017 im Werkraumhaus Andelsbuch. Infos unter www.werkraum.at
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„Wir bauen eine bessere Zukunft“
Der Weltkonzern Hilti in Schaan/Liechtenstein will innovative Spitzentechnologien produzieren, damit seine Kunden beeindruckende Bauten sicherer und effizienter fertigstellen können.
I
m Jahre 1941 gründeten der Ingenieur Martin Hilti (1915 bis 1997) und sein Bruder Eugen (1911 bis 1964) in Schaan im Fürstentum Liechtenstein die Hilti Maschinenbau OHG. Aus diesen kleinen Anfängen entstand der heutige Weltkonzern, der weltweit in 120 Ländern mehr als 25.000 Mitarbeitende beschäftigt. Allein in Liechtenstein arbeiten 1600 Personen aus rund 60 verschiedenen Nationen, darunter 500 Grenzgänger aus Österreich. Hilti ist in Liechtenstein der zweitgrößte Arbeitgeber. Mit der generalsanierten Hauptverwaltung und dem Umbau des Firmengeländes setzt das Unternehmen ein Zeichen für seine Verbundenheit zum Standort Liechtenstein. 2015 wurde am Hauptsitz das neue Innovati-
onszentrum mit über 450 Arbeitsplätzen eingeweiht. Aktuell entwickelt und produziert Hilti technologisch führende Produkte, Systeme, Software und Serviceleistungen, die der Bauindustrie und der Energiebranche einen überlegenen Mehrwert bieten wollen. Im Vorjahr wurden sechs Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert. Die Gruppe hat 2016 von den hohen Inves titionen der letzten Jahre profitiert und konnte das Umsatzwachstum weiter steigern. Mit 60 Neuprodukten wurden überdurchschnittlich viele Innovationen eingeführt. Betriebsergebnis, Reingewinn, Umsatzrendite und Kapitalrendite erreichten neue Bestwerte. CEO Christoph Loos zog
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Als Konsequenz der über die vergangenen Jahre getätigten Investitionen in die Bereiche Software und digitale Lösungen konnte in 2016 erstmals über eine Milliarde Schweizer Franken Umsatz über Online-Kanäle erzielt werden. daraus folgendes Fazit: „Trotz vieler Unsicherheiten im globalen Umfeld ermöglichte die weitere konsequente Umsetzung unserer Gruppenstrategie Champion 2020 eine Wachstumsbeschleunigung sowie eine erneut positive Entwicklung im operativen Ergebnis. Damit haben wir unsere Ziele im Berichtsjahr vollumfänglich erreicht.“ Und im Unternehmensbericht 2016 führt Loos zu den Zielen für das laufende Jahr 2017 aus: „Mit Champion 2020 haben wir uns vorgenommen, uns auch in einem anspruchsvollen Umfeld besser als der Markt und unsere Hauptwettbewerber zu entwickeln. Wir nutzen die finanzielle Stärke des Unternehmens, um unser Angebot aus erstklassigen Produkten, mehrwertstiftenden Dienstleistungen und leistungsstarker Software immer weiter auszubauen und dabei die Möglichkeiten vieler neuer Technologien zu nutzen. Gleichzeitig vergrößern wir stetig unser globales Vertriebs-
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team, um für immer mehr Kunden ein verlässlicher Partner sein zu können. Diese Hauptstoßrichtungen werden wir auch 2017 fortführen. Falls die Wachstumsprognosen für den globalen Baumarkt von drei bis vier Prozent eintreffen, liegt unser Wachstumsziel in Lokalwährungen bei sechs bis acht Prozent.“ Mit 4,6 Milliarden Schweizer Franken lag das Umsatzwachstum bei einem Plus von 5,7 Prozent. Bereinigt um den Effekt durch den Verkauf der amerikanischen Solarfirma Unirac stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent. Das regional breit abgestützte Wachstum war vor allem vom Geschäft in Nordamerika und Europa getrieben. In Nordamerika erzielte die Hilti-Gruppe eine zweistellige Zunahme um 11,6 Prozent in Lokalwährungen (ohne Unirac-Effekt). Auch die Regionen Osteuropa/Mittlerer Osten/ Afrika (+5,6 Prozent) sowie Asien Pazifik (+3,3 Prozent) blieben auf Wachstumskurs. Leicht unter dem Vorjahreswert lag Lateinamerika (-1,2 Prozent) aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise in Brasilien. Als Konsequenz der über die letzten Jahre getätigten Investitionen in Software und digitale Lösungen wurde erstmals über eine Milliarde Schweizer Franken Umsatz über Online-Kanäle erzielt. Christoph Loos: „Wir werden auch 2017 weiter in unser Portfolio sowie den Ausbau des Vertriebs investieren. Sofern das Markt umfeld stabil bleibt, erwarten wir ein leicht höheres Umsatzwachstum als 2016. Zudem gehen wir von konstant hohen Werten bei der operativen Rendite und beim Cashflow aus.“ Und die Hilti-
Die Anfangsphase. Der Start für diese Erfolgsstory erfolgte 1948. Damals beschäftigte sich Martin Hilti erstmals mit der Befestigungstechnik und erwarb ein entsprechendes Patent. Handschlag- und Schussgeräte kamen zu Beginn der 50erJahre auf den Markt. 1957 gelang dann der Durchbruch: Das DX 100 war weltweit das erste Bolzensetzgerät und für Hilti ein technologischer Meilenstein. Bereits damals wurde der Direktvertrieb zum zentralen Merkmal des Unternehmens. Einen weiteren Innovationsschub brachte 1967 die Einführung des Hilti TE 17, des ersten Bohrhammers mit elektropneumatischem Prinzip, mit dem die TE-Reihe zu einer erfolgreichen Geräteserie wurde. Im gleichen Zeitraum entwickelte Hilti erste mechanische Ankersysteme.
Mit der Gruppenstrategie Champion 2020 haben wir uns vorgenommen, uns besser als der Markt und unsere Hauptwettbewerber zu entwickeln.
Das erste Produktionswerk im Ausland wurde 1970 in Thüringen in Vorarlberg eröffnet. Aktuell sind in diesem Leitwerk und Kompetenzzentrum für Zerspanung, Montage und Prüftechnik über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, zudem werden 70 Lehrlinge ausgebildet. Produziert werden in Thüringen Premiumgeräte bzw. technisch anspruchsvolle Geräte in den Bereichen Bohr- und Meißeltechnik (Kombi- und Meißelhämmer), Diamanttechnik (leichte und schwere Diamantgeräte) sowie Bolzensetzgeräte zur Direktbefestigung. Die Errichtung weiterer Werke erfolgte in Kaufering bei München, Metamoros in Mexiko, Strass (Deutschland), Zhanjiang und Shanghai (China) sowie Kecskemet in Ungarn. Auch in Russland, den USA, in Südamerika und Asien entstanden weitere Niederlassungen. Rund zwei Drittel der weltweit 25.000 Beschäftigten sind im Vertrieb und in technischen Services tätig. So entstehen täglich mehr als 230.000 Kundenkontak-
te, auf deren Grundlage laufend neue Lösungen entwickelt werden. Sämtliche Aktien des Konzerns befinden sich im Besitz des Martin Hilti FamilienTrusts, der die langfristige Weiterführung und Weiterentwicklung des Unternehmens sicherstellen soll. Mit Pius Baschera übernahm 1994 erstmals ein familienfremder Manager den Posten des CEO. Martin Hilti übergab damals das Präsidium des Verwaltungsrates an Michael Hilti und blieb als Ehrenpräsident in diesem Gremium. 1997 wurde als zusätzliche gemeinnützige Stiftung des Martin Hilti Familien-Trusts die
Die Ziele im Blick. Hilti CEO Christoph Loos.
Fotos: Hilti
Gruppe konnte tatsächlich auch 2017 bisher ihren Wachstumskurs weiter fortsetzen. Trotz anhaltender Unsicherheiten im globalen Umfeld konnte der Umsatz der ersten vier Monate im Vergleich zur Vorjahresperiode um 4,9 Prozent gesteigert werden. Das Umsatzwachstum in Lokalwährungen lag bei 4,8 Prozent. Loos dazu: „Nach einem verhaltenen Start ins Jahr sehen wir seit zwei Monaten wieder deutlich mehr Dynamik in unserem Geschäft. Unser Ziel bleibt ein leicht höheres Umsatzwachstum als im Vorjahr. Zudem setzen wir unseren Investitionskurs fort mit Fokus auf unser Produktportfolio und die Vertriebskapazitäten.“
Im Jahr 1957 gelang dann der Durchbruch: Das DX 100 war weltweit das erste Bolzensetzgerät und für Hilti ein technologischer Meilenstein. Bereits damals wurde der Direktvertrieb zum zentralen Merkmal des Unternehmens.
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In der Überzeugung, dass unternehmerisches Wachstum auch persönliches Wachstum bedingt, setzt Hilti auf eine mitarbeiter- und leistungsorientierte Unternehmenskultur. Das Fundament bilden die Werte Integrität, Mut zur Veränderung, Teamarbeit und Engagement. Hilti Foundation ins Leben gerufen. Sie unterstützt weltweit Akti‑ vitäten und Projekte mit den Schwerpunktbereichen leistbarer Wohnraum, gesellschaftliche Entwicklung, Kultur, Katastrophenhilfe, Bildung und soziales Unternehmertum. Die Digitalisierung. Bei der Bilanz-Medienkonferenz am 10. März 2017 führte CEO Christoph Loos zur Digitalisierung aus: „Bei der Digitalisierung der Interaktionen mit unseren Kunden und unserer internen Abläufe sind wir 2016 ein schönes Stück vorangekommen. Wir haben beispielsweise große Fortschritte in den Bereichen E-Learning, E-Recruiting oder auch beim elektronischen Versand von Rechnungen an unsere Kunden gemacht. Bei der Nutzung unserer Website als Informations- und Bestellkanal haben wir einen weiteren Meilenstein erreicht: Zum ersten Mal in unserer Geschichte haben unsere Kunden Bestellungen im Wert von über einer Milliarde Schweizer Franken online getätigt. Unser OnlineUmsatzanteil beträgt global per Ende 2016 bereits 23 Prozent,
Tendenz steigend. Darüber hinaus sind wir Anfang Dezember mit unserer komplett überarbeiteten Website im modernisierten Markenauftritt zeitgleich in 33 Ländern live gegangen.“ Strategie Champion 2020. Die Strategie des Konzerns ist auf die nachhaltige Wertgenerierung durch Marktführerschaft und Differenzierung ausgerichtet. Das übergeordnete Ziel dabei ist es, die Kunden täglich aufs Neue zu begeistern und langfristig eine bessere Zukunft zu bauen. Dementsprechend verbindet Hilti wirtschaftlichen Erfolg mit ganzheitlicher Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt. Offenheit, Ehrlichkeit und Toleranz in gegenseitigen Umgang gelten für Teammitglieder, Partner und Lieferanten gleichermaßen. In der Überzeugung, dass unternehmerisches Wachstum auch persönliches Wachstum bedingt, setzt Hilti auf eine mitarbeiter- und leistungsorientierte Unternehmenskultur. Die Werte Integrität, Mut zur Veränderung, Teamarbeit und hohes Engagement bilden dabei das Fundament, das von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit mitgetragen wird. Die hohe Motivation und Identifikation des globalen Teams wurde 2017 mit Platz sieben unter Europas besten multinationalen Arbeitgebern bei „Great Place to Work“ bestätigt. Das Unternehmen arbeitet auch gezielt an der Verringerung des ökologischen Fußabdrucks. Dabei spielen die CO2-Emissionen und die Energieeffizienz eine Schlüsselrolle. Ernest F. Enzelsberger
Foto: Bernd Hofmeister
Produkte & Services
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Systemlösungen für die professionelle Bauindustrie: Messtechnik, Bohr- und Meißeltechnik, Diamant- und Trenntechnik, Säge- und Schleiftechnik, Schraubtechnik, Akkutechnik, Direktbefestigung, Dübeltechnik, Brandschutzsysteme, Bauchemie (Schäume- und Klebetechnik), Installationstechnik, Software Services: Engineering, Flottenmanagement, Hilti Tool Service, Reparaturservice, Lieferservice, Training und Beratung Geschäftsmodell: Direktvertrieb, rund zwei Drittel der Beschäftigten sind im Vertrieb und in technischen Services tätig.
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Das Kunsthaus Bregenz feiert heuer sein 20-Jahre-Jubiläum. Dass es im Grunde genommen älter ist, weiß einer am besten, nämlich der Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister. Er war von Anfang an dabei.
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as nebenstehende Bild ist nicht nur witzig, es hat auch einen besonderen Symbolwert. Nicht, dass Rudolf Sagmeister Künstler wie den Italiener Maurizio Cattelan grundsätzlich auf Händen trägt, ist man mit dem einen oder anderen einig geworden, dass eine Ausstellung im Kunsthaus Bregenz realisiert wird, steht ihm nicht nur eine der überhaupt besten Plattformen für zeitgenössische Kunst zur Verfügung, sondern auch entsprechendes Know-how. Als Michael Craig-Martin sah, wie seine raumgreifende Arbeit im Kunsthaus umgesetzt wurde, lud er gleich eine Reihe von Freunden aus England nach Bregenz ein. Mittlerweile realisierte er mehrere Arbeiten mit jenem Vorarlberger Textildruck-Unternehmen, das Rudolf Sagmeister für ihn ausgesucht hatte.
Tänzer haben vor Werken im KUB Stücke entwickelt.
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Adrián Villar Rojas, mit dem für diesen Sommer eine Skulptur geschaffen wurde, die sich über sämtliche Stockwerke des Hauses erstreckt, hat bei seinem ersten Besuch in Bregenz gefragt, was es hier noch nicht gab. Feuer, meinte Sagmeister, und hat damit das Technik-Team vor enorme Herausforderungen gestellt. Im „Theater of Disappearance“, mit dem der Argentinier existenzielle Fragen fokussiert, werden nicht nur erdgeschichtliche Details sichtbar, es wird auch ganz schön heiß. Fotos von Ausstellungen im Kunsthaus Bregenz wurden in mehr oder weniger allen Kunstzeitschriften publiziert. „Alle ernst zu nehmenden Künstler haben sich mit dem Haus befasst“, konnte Sagmeister feststellen, „wenn sie zum ersten Mal hier sind, sind sie überrascht, dass es noch besser ist, als sie gedacht haben.“
Vaseline arbeiten, fand zuvor aber niemanden, der sich das traute. Rudolf Sagmeister hat nachgefragt, woher die pharmazeutische Industrie das Material bezieht und wurde nach Hamburg verwiesen. Schließlich hatte man zwei Firmen als wesentliche Partner gefunden, eine schenkte dem KUB das Material, die andere hat die riesigen Formen gebaut. Kapoor brauchte ja rot eingefärbtes Kohlenwasserstoff-Gemisch, das als Produkt „made in Bregenz“ inzwischen Station an vielen Orten gemacht hat. Ein vergleichbares Projekt ist das Drehhotel von Carsten Höller.
Ai Weiwei bei der Besichtigung des Zumthor-Gebäudes.
Als passionierter Fotograf hat Rudolf Sagmeister die TanzAktionen in Bildserien festgehalten.
Fotos: Rudolf Sagmeister
Ein Teich im Raum. Olafur Eliasson, der erst vor einem guten Jahr die Dependance des Belvedere in Wien bespielt hatte, ist es in Bregenz schon vor langer Zeit ähnlich gegangen. Er ließ sich sogar von der Tatsache inspirieren, dass das Gebäude am Bodenseeufer einmal vom Hochwasser bedroht war und schlug vor, in einem Stockwerk einen Teich zu errichten, sofern dies technisch machbar ist. Man machte es möglich, Sagmeister trieb ein Unternehmen auf, das eine entsprechende Folie herstellen konnte. Anish Kapoor wollte mit
Was sie in Bregenz gemacht haben, war für fast alle Künstlerinnen und Künstler dann die Lieblingsausstellung. kontur 29
Bei Tageslicht. Fünf Jahre haben die Vorarbeiten gedauert, bis das „Horizon Field“ von Antony Gormley mit hundert lebensgroßen Eisenmännern in der Arlbergregion errichtet werden konnte.
Reserviert für neuere Arbeiten. Von Anfang an sei aber klar gewesen, dass man
Ein Erlebnis. Kinder bemessen den Wal von Gabriel Orozco.
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Wael Shawky kletterte unter die Glashaut des KUB.
Kunstvermittlung braucht. Ein Freundesverein wurde gegründet, die Museumspädagogik wurde aufgebaut. Mittlerweile finden rund 500 Führungen pro Jahr statt und beim Aufbau von Ausstellungen hat man nicht nur auf regionale Handwerksbetriebe zählen können, innovative Lösungen wurden gelegentlich auch im Rahmen von Lehrlingsprojekten erarbeitet. Als passionierter Fotograf hat Rudolf Sagmeister die Sammlung des KUB auch um zahlreiche Aufnahmen bereichert. Demnächst erscheint ein Buch mit seinen Künstlerporträts. Apropos Sammlung: Zu den Vorstellungen des Fachmanns zählt auch die stärkere Präsenz der bildenden Kunst. Während das KUB selbst für neuere Arbeiten reserviert bleibt, sollte die Kunst von der Gotik bis zur Gegenwart in Vorarlberg in höherem Maß als bisher sichtbar sein. Christa Dietrich
Ein glücklicher Künstler aus der Topliga: Lawrence Weiner mit seiner Frau Alice vor der Eröffnung seiner Ausstellung in Bregenz.
Im Kunsthaus wurden viele Arbeiten umgesetzt, die sich andere Museen gar nicht zu machen trauen.
Fotos: Rudolf Sagmeister
Fünfeinhalb Jahre vor der eigentlichen Eröffnung des Gebäudes existierte bereits das Unternehmen Kunsthaus Bregenz. Ursprünglich bzw. im Zuge des Architekturwettbewerbs war noch von einer Landesgalerie die Rede. Die Errichtung einer Landesgalerie wäre, so Rudolf Sagmeister, aber eine Aufgabe des Vorarlberg Museum. Diesbezüglich seien sich Gründungsdirektor Edelbert Köb, der damalige Kulturlandesrat Guntram Lins und er selbst rasch einig gewesen. Wichtige Schritte auf dem Weg zum KUB waren eine große Ausstellung mit Arbeiten von Rudolf Wacker und Zeitgenossen, ein Werkverzeichnis zu Edmund Kalb wurde herausgebracht und bald begann das KUB mit der Publikationsreihe Kunst-Architektur. Donald Judd war damals dabei, der ein Nebengebäude skizzierte. Architekt Peter Zumthor hatte sich ursprünglich vorgestellt, dass das Kunsthaus wie ein Pfahlbau auf Säulen steht. Köb und sein erstes Team stellten klar, dass man zwei Untergeschoße braucht und dass für die Verwaltung oder für einen Shop eigene Räume geschaffen werden müssen. Die Kunst sollte unbehindert präsentiert werden. „Wir sagten, wir wollen Tageslicht und keinen Kommerz im Haus und wir wollten eine hohe Tragkraft, damit wir auch große Skulpturen zeigen können.“
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Schlag auf Schlag mit voller Kraft über den See Piraten waren gerne mit ihnen unterwegs: Galeeren. Hört man diesen Namen, hat man unweigerlich das Bild von langen Riemen vor Augen, die synchron ins Wasser stechen und das Schiff auf volle Fahrt bringen. Riemen sieht man auch heute ab und zu noch auf dem Bodensee, nur in kleineren Booten – und zum Glück ohne Piraten.
G
leich vorweg: Bei Riemen handelt es sich um eine lange Version der Ruder. Ist man mit ihnen unterwegs, hält jeder Ruderer genau einen solchen Riemen in Händen, entweder auf Steuerbord- oder auf Backbordseite, also rechts oder links. Womit die Ruderer von heute aber meist unterwegs sind, sind die sogenannten Skulls. Beim Skullen bekommt man jeweils ein Ruder in jede Hand. Und dann einfach drauf los? Nicht ganz. Denn wer rudern möchte, sollte zunächst einmal die richtige Technik erlernen. Wenn es dann von der Auslage übers Ziehen bis in die Rückenlage und auf dem Rollsitz wieder zurück nach vorne geht, merkt man recht schnell, dass nicht allein die Arme gefordert sind. Für die meiste Power und den richtigen Schub sollten nämlich zuallererst die Beine sorgen, dann ist der Rumpf gefragt und den letzten Teil der Arbeit erledigt man schließllich mit den Armen und Schultern. Trainiert wird also der gesamte Körper mit vergleichweise geringer Verletzungsgefahr, weshalb Rudern zu einer der gesündesten Sportarten zählt. Andere Perspektiven. Doch die Faszination macht noch mehr aus, wie auch Rechtsanwältin Dr. Ursula Leissing bestätigt: „Man kann sich anstrengen und entspannen zugleich. Dazu kommt das Naturerlebnis. Auf dem Bodensee oder anderen Gewässern sieht
Neben Laufen und Schwimmen gehört Rudern zu den ältesten natürlichen Fortbewegungsmitteln. 32 kontur
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Schleppdienst. Einen Kraftakt gibt es schon zu verrichten, bevor man überhaupt ins Wasser kommt. Boot und Skulls müssen den Weg von der Bootshalle in den Sporthafen finden – per Muskelkraft, versteht sich.
Dass Rudern im Trend liegt, merkt man auch beim Wiking in Bregenz. Jedes Frühjahr werden die „Neuen“ in acht Booten à vier Ruderern ausgebildet. Und die Nachfrage ist enorm – es gibt sogar eine Warteliste. man die Landschaft aus einem ganz anderen Blickwinkel. Rudern ist sehr meditativ und der Kopf wird frei.“ Die Obfrau des Rudervereins Wiking Bregenz rudert bereits seit ihrem elften Lebensjahr. Damals war das Bootshaus jeden Abend fixer Treffpunkt. Gut, täglich schafft es Ursula Leissing mittlerweile nicht mehr aufs Wasser, aber ein paarmal unter der Woche muss Rudern schon sein. „Dann am liebsten frühmorgens, wenn man den See für sich hat und das Wasser meist sehr glatt ist.“ Dem stimmt auch Hörakustikmeister Peter Praeg zu. „Morgens ist zwar mühsam, aber du wirst jedes Mal belohnt.“ Er hat im Leben so einige Sportarten ausprobiert,
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doch nur eine ist wirklich geblieben. „Die Stimmung auf dem See ist einfach jeden Tag anders: der Himmel, die Farbe und Bewegung des Wassers, der weite Blick.“ Von breit bis schmal. Das erleben wir auch am Abend unseres Besuches im Wiking. Nicht ganz glatt ist der See, wie es eigentlich zum Rudern ideal wäre. Aber einen richtigen Sportler schrecken ein paar kleine Wellen nicht ab. Also rein ins Bootshaus, den Doppelvierer rausgeholt und ab
Wir haben um die 300 Mitglieder. Der Großteil ist aktiv: vom Leistungssport der Jugend bis zum Breitensport.
Fotos: Roland Paulitsch
Feierabend. Nach getaner Arbeit in gemütlicher Runde: Ursula Leissing, Markus Schrott, Peter Praeg und Verena Burger.
damit ins Wasser. Mit an Bord kommen noch zwei, die den Rudersport erst vor einigen Jahren für sich entdeckt haben. Dr. Verena Burger, Ärztin am LKH Bregenz, und Markus Schrott, Leiter der StiftungLiebenau-Häuser in Bregenz. Und ihm kann es eigentlich nicht sportlich genug sein. „Je schmaler das Boot, desto lieber. Gerne rudere ich auch im Zweier oder Einer – vor allem, um die Technik zu üben. Genau diese Abwechslung macht den Sport für mich auch aus.“ Vierer, Zweier, Einer? Nein, wir zählen hier keinen Countdown runter. Hier geht es um die „Männer im Boot“. Und ja, drei gibt es natürlich auch. Schön aufgereiht lagern die verschiedenen Boote in der Halle beim Sporthafen Bre-
genz. Und zu den offiziellen Ruderzeiten gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Aber, und das ist eine der Philosophien des Vereins: Jeder sollte mit aufs Wasser kommen. Darum mischen sich die Bootsbesatzungen manchmal auch bunt durcheinander, was aber gut ist. Man muss lernen, sich auf andere Sportler einzustellen – ja und Rhythmusgefühl braucht man sowieso. Vor allem als Schlagfrau oder -mann. Dann nämlich gibt man den Takt bzw. die Schlagzahl vor und alle anderen dürfen sich danach richten. Wenns harmoniert, läuft das Boot und man gleitet förmlich über das Wasser – so wie unser Vierer, trotz Wellengang. Als Zuschauer erkennt man relativ schnell, dass enorme Kraft im Einsatz ist, zugleich aber beruhigt der Blick
auf das Boot ungemein. So geht es auch den Aktiven an Bord, wie Verena Burger bestätigt: „Die synchrone Technik erfordert viel Konzentration, was zu einer mentalen Ausgeglichenheit führt. Man kann wirklich abschalten.“ Auf Mondscheinfahrt. Mit dem Sport kommt natürlich auch die Geselligkeit nicht zu kurz, manchmal sogar schon währenddessen. „Abends lässt sich die Ausfahrt eventuell mit einem Abstecher in eine Strandbar oder zu einem anderen Ruderclub verbinden“, erzählt Verena Burger. Oder man sitzt einfach im Wiking noch auf ein Gläschen zusammen, lässt den Ausflug auf See Revue passieren und genießt den Sonnenuntergang. Sabine Blechschmidt
Highlights sind die Ruderwanderfahrten auf verschiedenen Flüssen und Seen in Österreich, Deutschland, der Schweiz und sogar Italien. Es ist immer spannend, wenn man nicht genau weiß, was kommt. Da wächst so mancher förmlich über sich hinaus. kontur 35
Den Sommer mit allen Sinnen genießen
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enn man in der Welt der Schmuckkollektionen auf kegelförmige Edelsteine, einzigartige Color Stories und einen ultimativen Hippie Travel Chic trifft, weiß man: man befindet sich bei Tamara Comolli . Die Marke der gleichnamigen deutschen Designerin feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum und kann auf eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1992 in Deutschland. Dort, in Gmund am Tegernsee, befindet sich auch bis heute der Haupt-Firmensitz. Erste Schritte zu ihrer Bekanntheit unternahm die Marke in den USA. Von dort aus wurde einige Jahre später auch Europa erobert. Erst vor drei Jahren konnte die neue Inhouse-Goldschmiede am Tegernsee eröffnet werden. Hier werden die Kreationen entwickelt und hergestellt, ebenso in der Manufaktur in Mailand. ®
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Ein sportlicher Typ Ein SUV aus Mailand. Wie geht denn das? Wie fügt sich denn das zusammen? Einfacher als man denkt: aus Giulia und Stelvio. Die neue Giulia bildet die Basis – und der Passo Stelvio die Idee, auf deren Grundlage die italienische Traditionsmarke ihren ersten offroadfähigen Crossover auf die Beine gestellt hat.
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ie technische Basis stammt von der neuen Giulia und verfügt über modernste Mehrlenkerachsen mit leichten Aluminium-Komponenten. Allradantrieb ist normal beim Stelvio. Er erfolgt zumeist und wenn es sinnvoll erscheint über die Hinterräder. Entsteht Traktionsverlust, arbeiten binnen Bruchteilen von Sekunden auch die Vorderräder mit. Im Stil des Hauses. Das Ergebnis gibt man sich am überzeugendsten am Stilfser Joch, dort wo der neue Hoffnungsträger des Fiat-Konzerns mental zu Hause ist, seine Talente am eindrucksvollsten entwickeln kann. So eine Testfahrt führt von Italien in die
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Schweiz und umfasst 75 Kehren, wunderbar verteilt auf über 20 Kilometer. Das erscheint nicht viel, ist aber für einen anspruchsvollen Pass-Eroberer der Inbegriff einer gepflegten Kurvenhatz. Der 4,7 Meter lange Alfa Stelvio hat sie voll drauf. Zeigt mit Leidenschaft was er kann, wenn es die äußeren Umstände und der Verkehr am Passo Stelvio erlauben – und das aktuelle Wetter natürlich. Denn die meiste Zeit des Jahres ist das Stilfser Joch gesperrt. Wenn es also geht (der Reschenpass zum Aufwärmen liegt eventuell auch auf der Route), darf sie brillieren am Berg, die um etliche Zentimeter höher gelegte und mit praktischen Vorzügen angerei-
Alles serienmäßig. Auch die Assistenzsysteme für eine Notbremsung, die Fußgängererkennung oder der Spurhalte-Wächter. Nur den Abstandsregeltempomaten lässt man sich extra bezahlen. Der Stelvio hat sich zwar einen langen Anlauf genehmigt, bis er jetzt endlich antritt, die Marke Alfa Romeo wieder aus dem Zulassungstief zu holen. Aber er ist nicht zurückgeblieben, der muskulöse fesche Italiener. Hat auch, zwecks gepflegter Unterhaltung bei der Serpentinenjagd, ein Infotainmentsystem mit 6,5-Zoll-Display im Armaturenbrett. Moderne Smartphones können damit problemlos verbunden werden. Und das alles bequem gesteuert über den als „Rotary Pad“ bezeichneten Drehregler in der Mittelkonsole. Verzichten kann man auf den Allradantrieb, falls man sich die Heckantriebs-Einstiegsversion mit ihren 180-Diesel-PS zulegt. Aber schade wär’s schon um den herzerwärmenden Traktionsspaß der Allradvarianten. Die bestehen, durchwegs aufgeladen, aus einem
temperamentvollen 280-PS-Benziner und einem Diesel, der mit 210 PS daherkommt. Wer sportlich mehr erwartet, einen Leistungsträger nach Art des Hauses, wie sie früher einmal war, muss sich noch ein wenig gedulden. Das Modell für den wahren Alfisti kommt, etwas verspätet, in Gestalt des Stelvio Quadrifoglio. Mit 510 PS aus sechs Zylindern, 2,9 Liter Hubraum und zwei Turboladern. Da geht’s dann atemlos hinauf aufs Stilfser Joch. Franz Muhr
Stelvio Super 2.2 Diesel mit 210 PS sowie Topversion „First Edition“ mit 280-PS-Benzinmotor bereits verfügbar. 2.0-Benziner mit 200 PS sowie 2.2-Diesel mit 180 PS oder 150 PS bestellbar. Es folgt der Stelvio Quadrifoglio, 2,9-Liter-Sechszylinder, 510 PS. Achtgangautomatik in allen Versionen. Preise von 42.030 bis 64.990 Euro.
Foto: Alfa
cherte Allrad-Giulia. Und zwar in den Programmen „Dynamic“, „Natural“ oder „Race“, ganz nach Lust und Laune. Im Grenzbereich durch die Kurvenorgie oder cool das Panorama genießend. Kurz einmal weg vom Asphalt, aber bitte nur in „Natural“. Oder im Spritsparmodus, der Gangart der Vernunft.
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Zwischen Moor und Urbanität Familie Frick hat mit Unternehmergeist und Innovationen die Entwicklungen im Bregenzerwald mitgeprägt. Ihre Hotels sind ein einzigartiger Mix aus Ruhe und Dynamik, wie er stellvertretender für die Region nicht sein könnte. Tochter Jutta Frick verwandelte den riesigen Abenteuerspielplatz ihrer Kindheit in zukunftsfähige Wohlfühloasen.
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esundheit und Wellness einatmen. Dafür braucht es keinen Instruktor. Allein der Blick über die Moorlandschaft genügt, um den erdig aromatischen Duft der Natur zu inhalieren. Jutta Frick saugt die Landluft besonders tief in ihre Lungen, wenn sie gerade mal wieder von einer ihrer vielen Reisen zurückkehrt. Dann nämlich vermischen sich die grünen Aromen zu einem herrlich angenehmen Odeur, komponiert aus den Wurzeln der Kindheit und der urbanen Prägung in der Stadt. Inmitten dieser weitläufigen Moorlandschaft ist die 46-Jährige als zweitälteste von vier Geschwistern aufgewachsen. Ein altes Schwarz-Weiß-Foto zeigt die Kinder beim Blumenpflücken. Im Hintergrund das Hotel mit Badehaus. Klein und einfach mit gerade mal Platz für 45 Gäste. Weit entfernt von dem, wofür das Gesundhotel Bad Reuthe heute steht. Zusammenhalt in der Familie. Die Fricks sind eine Familie, in der Vitalität vererbbar scheint. Und nicht nur das: Auch Mut, Weitsicht und Innovationsgeist zeichnen Generation für Generation aus. Hineingeboren in die Lebendigkeit eines Touris-
musbetriebes, genoss Jutta Frick eine fantastische Kindheit mit vielen Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Ländern. Als ob es erst gestern gewesen sei, erinnert sie sich an die wöchentlich von ihren Eltern, Barbara und Herbert Frick, geführten Wanderungen, bei denen sie als Mädchen half, „Schnäpsle“ an die Gäste auszuschenken. Oder sie stand hinter der Theke und half den Köchen am Spezialitätenbuffet. „Ich genoss es, die Speisen auf die Teller zu schöpfen“, erzählt sie mit einem Lachen, „das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.“ Die Leidenschaft, die in ihren Erzählungen mitschwingt, macht schnell klar, dass das Hotel für sie und ihre Brüder viel mehr als nur ihr Elternhaus war. Es war ein riesiger Abenteuerspielplatz, der den vieren das Rüstzeug für die Zukunft mit auf den Weg gab.
legenheit, mit Freundinnen das Wochenende in der Großstadt zu verbringen.“ Urban, quirlig und später, während ihres Studiums der Volkswirtschaft, war dies sehr prägend für die junge Frau, die mitten in der Natur aufgewachsen ist. Genau diese Gegensätzlichkeit, die Neugierde auf die große weite Welt und das sich immer schneller drehende Karussell wechselnder Ansichten und Blickwinkel, sog sie in sich auf wie getrocknetes Moor. Und doch gingen ihr die Familie, Bad Reuthe und der Bregenzerwald nie ganz aus dem Kopf. „Wenn unser Hotel am Stadtrand von Wien stünde, würde ich die Nachfolge antreten“, sagte sie immer wieder zu ihrem Freund und bewegte sich weiter durch das
Urbanes Karussell. Ein Weg, auf dem Jutta Frick schon früh lernte, auf eigenen Beinen zu stehen. Bereits mit 14 Jahren verließ sie den Bregenzerwald und besuchte in Salzburg die Tourismusschule Schloss Klessheim. „Das hat mir gefallen, denn ich wohnte zwischen Bregenzerwald und Wien und nutzte immer wieder die Ge-
Ich wollte zuerst nur ausprobieren, ob ich in einem Dorf mit gerade mal 700 Einwohnern noch leben kann. kontur 45
1940 Tradition und Moderne. Im Lauf der Jahrzehnte entstand eine spannende Mischung.
Für uns Kinder war das Hotel ein riesiger Abenteuerspielplatz.
1975 Die Pionierin. Oma Olga beim Aufbereiten der Bäder.
1960 pulsierende Leben. Besuchte Kunstausstellungen und Vernissagen, tanzte im Takt der Rockrhythmen von AC/DC, Iggy Pop und Lou Reed. Es hätten wohl die Hells Bells Jutta Frick in die Heimat läuten müssen, denn der Schritt zurück in den Bregenzerwald schien ihr zunächst unüberwindbar groß. Doch im Familienbetrieb standen eine Hotelerweiterung und der Zubau von Thermenbad und Wellnesswelt an. Das hat sie gereizt. I bia allat no do! „Ich wollte zuerst einfach nur ausprobieren, ob ich in einem kleinen Dorf mit gerade mal 700 Einwohnern noch le-
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ben kann.“ Jutta Frick lacht und fügt ungezwungen und im WälderDialekt hinzu: „I bia allat no do!“ Und sie wird es auch bleiben. Das Odeur des Erfolges wurde komponiert aus den Wurzeln ihrer Kindheit und der Prägung durch das urbane Großstadtleben, ihrer Offenheit und der Freiheit, gestalten zu dürfen. Dafür steht auch ihre Familie, die seit Ende der 50er-Jahre das Heilbad kontinuierlich in ein modernes Gesundheitshotel verwandelte. Die Basis des Hotels ist das heilende Moor, mit dem seit jeher gute Heilerfolge erzielt werden. „Das Moor ist ideal für Rücken und Gelenke“, kann auch Arzt und Bruder Robert Frick das Naturheilmittel wärmstens empfehlen. Schon früh ist es gelungen, die regionale Kultur auf eine moderne Art und Weise einzubinden, nicht nur im Gesundhotel Bad Reuthe, sondern auch im Wellnesshotel Linde in Sulzberg und im Vitalhotel Quellengarten in Lingenau. Eine Tonne für die Gäste jährlich georderter Bergkäse und nicht zu vergessen die 12.000 Stück Ziegenkäsle bezeugen den hohen Stellenwert regionaler Spezialitäten im Hotelalltag. Ebenso wie die Schaukästen, die befüllt mit einer kostbaren und schmückenden „Keadera“, dem „Bleatz“ und dem goldenen „Schappale“ stille Zeugen der gelebten Tradition sind. Übrigens: Auch die von Jutta Fricks Eltern geführten Wanderungen samt „Schnäpsle“ gibt es noch. Und sie sind genauso beliebt wie damals.
Fotos: Ludwig Berchtold, Familie Frick
Generationsübergreifend. Nicht nur die Leidenschaft für den Tourismus verbindet Jutta und ihren Vater Herbert Frick.
Gegründet wurde Bad Reuthe im 17. Jahrhundert, übernommen hat es die Familie im Jahr 1930. Solide gewachsen und mit stetigen Innovationen authentisch geblieben, widerspiegelt das Gesundhotel die Seele des Bregenzerwaldes und der Familie Frick. Unkomplizierter Zusammenhalt. Familie, Kinder und Hotelbetrieb unter einen Hut zu bekommen, ist bestens gelungen. Selbst in den Phasen, in denen Herbert und Bärbel Frick das Wachstum vorantrieben, um Haus und Region zu dem zu entwickeln, was sie heute sind. Darauf ist auch Jutta Frick als Kind ihrer Eltern stolz. „Es ging einfach“, kommt der Satz ganz locker über ihre Lippen und die Wertschätzung ist deutlich zu hören. Vor allem die Essenszeiten seien immer Fixpunkte in der Familie gewesen, zu denen sich selbst das Hoteliers-Ehepaar immer pünktlich einfand. Dann nämlich wurde geredet und erzählt und gelacht. „Das ist bis heute so geblieben“, ergänzt Jutta Frick. Denn bei den Fricks liegt die Stärke im Zusammenhalt. Damals wie heute und auch in Zukunft. Josef etwa zieht die Fäden des Schwesterbetriebes, Hotel Bären in Mellau, Bernd hingegen ist Architekt und verantwortlich für Gestaltung und Design. Nicht zu ver-
gessen Robert, der als Orthopäde und orthopädischer Chirurg geradezu prädestiniert dafür ist, sich dem medizinischen Bereich im Gesundhotel anzunehmen. Anfallende Entscheidungen werden im familiären Kreis diskutiert und ein offenes Ohr findet sich sowieso immer. Familie Frick ist der Spagat zwischen der Regionalität und seinem Pendant, der internationalen Modernität gelungen. Die Triebfeder war stets der Gedanke: „Alles was wir tun, muss in die Region passen.“ Und klar, wie alles, was ein Risiko in sich birgt, hätte es auch schiefgehen können. Ist es aber nicht. Vielmehr ist man mitgewachsen als ein Teil dessen, was heute Tourismus im Bregenzerwald bedeutet. Man hat eine Entwicklung mitgeprägt, die Chancen bot. Gleichstrom-Wechselstrom. Manches schwirrte dabei schon seit Jahrzehnten als Vision durch die fortschrittlich denkenden Köpfe, so wie die Zusammenlegung von
Damüls und Mellau zum größten Skigebiet im Bregenzerwald. Oder um es mit den Worten von Jutta Frick zu sagen: „Bis dahin hatte Mellau den Blues. Jetzt hat sich in der 1314-Seelen-Gemeinde einiges getan und es wird sich noch mehr tun.“ Das jüngste Projekt der Familie Frick, ein Hotel mit 100 Zimmern, ist gerade im Bau und die Handschrift wird dieselbe bleiben. Sie trägt den Geist eines respektvollen Miteinanders in sich. Den Gästen gegenüber
Man trifft sich oft, interessiert sich füreinander und pflegt einen unkomplizierten Umgang miteinander. kontur 47
„In einer Stadt suche ich auch immer den höchsten Punkt auf und genieße die Weite und das besondere Gefühl von Freiheit.“ Dabei ist es immer der Mix aus Ruhe und Dynamik, der Jutta Frick inspiriert. ebenso wie den Mitarbeitern, Land und Leuten und der gesamten Region. Nur dann ist man auch echt. „Als ich in Australien war, wollte ich ein Souvenir kaufen, das nur dort erhältlich ist“, erzählt Jutta Frick von einer ihrer Reisen. Wirklich gefunden hat sie nichts. Jedenfalls nichts Regionales und so nahm sie letztlich eine Tasse mit, auf der Sydney aufgedruckt war. Die Hotelchefin will damit nichts anderes sagen als: „In einer globalisierten Welt haben die Menschen das Bedürfnis nach Regionalem und jeder kann ein Stück Bregenzerwald geben.“ Nur so kann der Wunsch nach einem harmonischen Miteinander befruchtend sein. Dass Jutta Frick lebt,
was sie sagt, lässt sich auch aus der Vehemenz ihrer Stimme schließen. Mit ihrem kurzen Haarschnitt, ihrem fröhlichen Lachen und ihrer Stärke wirkt sie authentisch. Eine echte Bregenzerwälderin eben. Im Gleichstrom und Wechselstrom, der sie von Zeit zu Zeit ins urbane Leben zurückholt. Wenn die Hells Bells läuten, muss sie in eine Stadt, um wieder die Freiheit in der großen weiten, pulsierenden Welt zu genießen. Und sie bringt neue Ideen mit nach Hause wie zum Beispiel die Freigeist-Suiten. Hoch oben, ähnlich einem Penthouse mit großzügigem Balkon, kann der Blick über Hotel, Moor und Berge schweifen. Bester Arbeitgeber. Jutta Frick ist Touristikerin aus vollem Herzen. „Als ich merkte, was ich als Hotelier alles gestalten und bewirken kann, war mir klar, dass ich im Tourismus bleiben will.“ Heute leitet sie neben dem Gesundhotel Bad Reuthe auch das Wellnesshotel Linde in Sulzberg und das Vitalhotel Quellengarten in Lingenau
und durfte sich unter anderem über Auszeichnungen freuen wie Bester Arbeitgeber im Tourismus 2013, 2014, 2015 und 2016, KMU-Preis 2015, Innovationspreis für Tourismus 2015 sowie über den Hogast-Innovatio-Award 2015. „Doch am meisten freue ich mich über die Rückmeldungen der Gäste. Sie motivieren mich jeden Tag aufs Neue.“ Wenn Jutta Frick im Hotel zur Ruhe kommt, ist der Duft der Moorlandschaft noch intensiver als sonst. Dann nämlich vermischen sich die grünen Aromen zu einem herrlichen Odeur, komponiert aus den Essenzen von Kindheit, Heimat und Glück. Längst hat sie einen Teil der Familiengeschichte weitergeschrieben. Einer erfolgreichen Familiengeschichte. Ein Farbfoto zeigt Bad Reuthe als ein historisch gewachsenes Haus, bestehend aus fünf Gebäuden. Fünf Gebäude, die auch stellvertretend für den Unternehmergeist der Familie Frick sind. Einfach tief durchatmen. Gesundheit kann man einatmen. Den Bregenzerwald auch. Marion Hofer
Hotels: Gesundhotel Bad Reuthe, Wellnesshotel Linde Sulzberg, Vitalhotel Quellengarten Lingenau, Hotel Bären Mellau Neu: Anstelle des Mellauer Tenniscenters entsteht ein Hotel mit ca. 100 Zimmern Geschäftsführung: Jutta und Herbert Frick (Bad Reuthe, Vitalhotel Quellengarten und Linde Sulzberg), Herbert Frick (Mellau neu), Josef Frick (Bären Mellau) Mitarbeiter: insg. 220 Gästebetten: insg. 480
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Foto: Ludwig Berchtold
Daten & Fakten
rdin
7.10.2017
Formen
B ue ro na
Öffnungszeiten Dienstag – Samstag 10 bis 18 Uhr Werkraumhaus Hof 800 6866 Andelsbuch www.werkraum.at
Handwerk und Design im Bregenzerwald
der
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Archiv
Vorarlberg weltweit begehrt Rund 60 Prozent der Waren, die in Vorarlberg produziert werden, werden im Ausland abgesetzt – und zwar weltweit. Rund ein Drittel davon wird in Deutschland, unserem wichtigsten Handelspartner, ein weiteres Drittel in ganz Europa und der Rest außerhalb Europas verkauft. Das veranschaulicht die Stärke und die Spitzenqualität der heimischen Erzeugnisse. Davon profitieren nicht nur die Unternehmen selbst, sondern das ganze Land.
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Fotos: WKV, shutterstock.com
orarlberger Exportleistungen beweisen täglich die hohe Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. „In den letzten Jahren konnte die Vorarlberger Exportwirtschaft ihre Exporte weiter steigern und Marktanteile dazu gewinnen. Die Steigerungen waren dabei stets höher als das Wirtschaftswachstum in den jeweiligen Exportländern. Erfreulich sind besonders die Fortschritte, die außerhalb Europas in Fernmärkten erzielt werden konnten. Das heißt, es gelingt von Jahr zu Jahr besser, auch in schwierig zu bearbeitenden Märkten Fuß zu fassen. Dabei können unsere Unternehmen auf eine äußerst professionelle Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer Österreich zurück-
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greifen. Diese Außenwirtschaft Austria ist mit 112 Stützpunkten in mehr als 70 Ländern das zweitgrößte Außenwirtschaftsnetz der Welt – nach jenem der USA“, so der Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV), Dr. Helmut Steurer. Viele Weltmarktführer. Wie gefragt Produkte und Dienstleistungen aus Vorarlberg sind, zeigen die aktuellen Exportzahlen der Statistik Austria: Im ersten Halbjahr 2016 (jüngere Zahlen liegen bisher nicht vor) liegt Vorarlberg mit einem Zuwachs von 2,7 Prozent wieder über dem Österreichschnitt von 1,8 Prozent, das Exportvolumen beträgt 4,76 Milliarden Euro. Die Top-10-Exportmärkte der Vorarlberger Unternehmen im ersten Halbjahr 2016
In den letzten Jahren konnte die Vorarlberger Exportwirtschaft ihre Ausfuhren weiter steigern und Marktanteile dazu gewinnen. Erfreulich sind die Erfolge außerhalb Europas.
Es ist noch Potenzial vorhanden, das für die Firmen neue Geschäftsfelder, für die Mitarbeiter gesicherte Arbeitsplätze und für den Standort Vorarlberg Sicherheit bringt. werden von Deutschland mit einem erfreulichen Plus von sechs Prozent und einem Exportvolumen von 1,38 Milliarden Euro angeführt. Auch in Italien ist ein deutliches Plus zu verzeichnen. Am stärksten zugenommen haben aber die Exporte in die USA: „Mit einem Plus von 14,2 Prozent (256 Millionen Euro) bleiben die USA unser wichtigster Exportpartner außerhalb Eu-
ropas“, informiert Dr. Steurer weiter. Auch die Exporte nach Russland scheinen sich zu erholen. Damit sind die Top-10-Exportmärkte Vorarlbergs im ersten Halbjahr 2016 Deutschland, gefolgt von der Schweiz, Italien, den USA, Frankreich, Liechtenstein, dem Vereinigten Königreich, Polen, China und der Tschechischen Republik. Dazu kommt, dass viele
In die Ferne. Übersee und Fernost haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.
Vorarlberger Firmen in ihrer jeweiligen Branche oder Teilen davon sogar Weltmarktführer sind. Mit knapp 24.600 Euro liegt Vorarlberg österreichweit auf Platz eins beim Pro-Kopf-Exportwert. Vorarlbergs Anteil an der österreichischen Exportsumme beträgt 7,2 Prozent bei einem Bevölkerungsanteil von 4,4 Prozent. Diese Zahlen zeigen auch, dass sich in Vorarlberg ansässige Unternehmen international auch auf Wettbewerbsmärkten mit ihren Angeboten durchsetzen können und so Synergien und Absicherungen schaffen. Durch ihre internationalen Netzwerke und Projekte sind die Vorarlberger Unternehmen zudem attraktive Partner für andere Firmen und Start-ups sowie attraktive Arbeitgeber für hoch qualifizierte Fachkräfte. Neue Auslandsmärkte. Und doch ist noch Potenzial vorhanden. Potenzial, das für die Firmen neue Geschäftsfelder, für die Mitarbeiter gesicherte Arbeitsplätze und für den Standort Vorarlberg Sicherheit bringt. Viele Unternehmen nutzen noch gar nicht die Möglichkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen auch ins Ausland zu verkaufen. Um eine nachhaltige Entwicklung der heimischen Exportwirtschaft mittel- und langfristig sicherzustellen, ist es aber entscheidend, diese breiter aufzustellen. Anders ausgedrückt, es braucht eine Diversifizierung der Absatzmärkte. Zusätzlich zur starken Präsenz in den europäischen Kernmärkten spielen neue Auslandmärkte eine wesentliche Rolle. Trotz der Bedeutung des EU-Marktes durch Zugewinne von Marktanteilen haben in den letzten Jahren Fernmärkte in Übersee und Fernost an großer Bedeutung gewonnen. Daher gilt diesen Märkten, die freilich nicht einfach zu bearbeiten sind, in den kommenden Jahren der spezielle Fokus, heißt es seitens der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Ernest F. Enzelsberger
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Auf einen schönen Sommer Immer nur Spritz? Zugegeben – wenn die Wirte wieder die Gastgärten öffnen, ist der erste Aperol Spritz wie die Eröffnung des Sommers. Dann ist auch nördlich der Alpen Italien nicht mehr weit und nach Arbeitsschluss geht sich noch ein kleiner Urlaub aus. Die Italiener pflegen dieses dolce far niente schon immer. Spritz und Hugo waren die ersten Vorboten. Heuer erobern Wermut und Co die Gastgärten und Sommerpartys.
Der Vermouth begann seinen Siegeszug vor gut 250 Jahren in Piemont und eroberte schnell die Welt.
vogue waren, auch heuer wieder ein Comeback geben. Das Comeback des Vermouths. Martini, Nolly Prat und Campari sind nie wirklich aus der Mode gekommen – allein die vielen kleinen Erzeuger fanden oft nicht über ihre Region hinaus. Das soll anders werden und wer einen gut sortierten Wein- und Spirituosenladen betritt, kann das auch beobachten. Und verkosten, so der Händler geschäftstüchtig ist. Als Erfinder des Getränks gilt ein ge-
wisser Antonio Benedetto Carpano, der im 18. Jahrhundert Wein mit Wermutkraut und anderen Gewürzen versetzte und ihn Vermouth nannte. Das Getränk war von Anfang an derart beliebt, dass der Erfinder bald eines der berühmtesten Unternehmen in Turin wurde und sein Getränk auch in Bars serviert wurde. Klar, dass die Nachfolger nicht lange auf sich warten ließen und sowohl pur als auch gemixt ihre Kundschaft fanden.
Comeback. Der Wermut hat sich seinen Platz in der SzeneGastronomie zurückerobert.
Fotos: Freihof, Carpano Antica Formula
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er Aperitif ist für die Italiener aber weit mehr als ein schöner Drink, der beschwingt. Sie genießen dazu kleine Häppchen, die zumindest dort, wo die Italiener unter sich sind, wie selbstverständlich gereicht werden – Appetithäppchen, die für sich oft schon kleine kulinarische Meisterwerke sind. Ein Ritual, das auch in unseren Breitengraden zögerlich, aber bestimmt Einzug hält. Zögerlich deshalb, weil die kleinen Köstlichkeiten in Italien – aber auch anderen Mittelmeerländern – nicht extra bestellt und auch nicht extra bezahlt werden müssen. Aber findige Gastronomen werden auch hierzulande Wege für eine vernünftige Mischkulanz finden. Das Wichtigste aber sind die Drinks beim Apéro. Und da wird es nach den Trends der letzten Jahre, die allesamt ja schon viel früher einmal en
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Trend des Sommers – besonders in den Mittelmeerländern gibt es bereits jetzt Vermoutherias, die ganze Barregale mit den bitter-süßen Getränken gefüllt haben. In der Vermoutherias. Eine Hochblüte erlebte Wermut in den 50er- und 60er-Jahren auch in Österreich und Deutschland, weil erstens die Touristen ihren Urlaub mit einem Gläschen der süßbitteren Spezialität verlängern wollten und italienische Restaurants noch nicht an jeder Ecke zu finden waren, und zweitens, weil es in der aufstrebenden Wirtschaftswundergesellschaft einfach als schick galt, wenn man Martini und Campari offerieren konnte. Diese Wirtschaftswundergesellschaft war es aber auch, die bald neuen Moden folgte und dem Vermouth zwar einen Platz, aber eben einen Platz in der Nische, gewährte. Erst in den vergangenen Jahren holten am Apennin und zunehmend auch in anderen Ländern die Produzenten wieder ihre alten Rezepte aus der Schublade und boten den neuerdings Influencer genannten Trendsettern die Getränke zum Kosten an. Mit Erfolg. Der Trend hat auch bei uns zu Aktivitäten geführt. So wurde in Wien die alte Wermut-Marke Burschik reanimiert. Sie besteht seit 1891. Herr Burschik hat sie wenige Jahre nach der Gründung an die Ahnen des heutigen Inhabers Leonhard Specht verkauft. Nun wurde sie neu belebt. Die Getränke- und Weinexpertin Erika Weininger beschreibt die Wiener Antwort auf Martini so: „Helle natürliche Farbe; harmonisch würzige Kräutermischung in der Nase; fein abgerundeter, unaufdringlich süßer Geschmack; feiner, weicher Abgang.“ Am Comeback haben Leonhart Specht zahlreiche Restaurantbetreiber, Sommeliers,
Essenziell. Die Trauben werden mit Wermut und anderen, rein biologischen Kräutern versetzt.
„Trinker“ und Fachleute unterstützt. Erfreulicherweise hat sich Specht auch gleich Gedanken über Variationen gemacht. Zum Beispiel den Wiener Nobelspritzer mit sechs Zentiliter Burschiks, Vermouth Red, zwei Zentiliter Weiße Beerenauslese, Soda zum Auffüllen, Zitronenzeste und einem Zweig Thymian. Fündig im Ländle. Vermouth gibt es auch mit Vorarlberger Input – Hubert Peter, im Jahr 2014 „Rookie Bartender of the Year“ des Magazins Falstaff hat mit seinen Partnern Michael Andert, Thomas Juranitsch und dem Gestalter Andreas Berlinger den Vermouth „Wermutlich“ kreiert – die Zutaten kommen allerdings nicht aus dem Bregenzerwald, sondern vom anderen Ende Österreichs, aus dem Burgenland: „Bevor die Trauben mit Wermut und anderen, rein regionalen und biologischen Kräutern versetzt werden, reifen sie in gebrauchten Holzfässern zu Weiß-, Rosé- und Rotwein. Die würzige Note entsteht durch die Beimengung des hauseigenen Tresterbrandes aus dem Hause Andert“, so die Produzenten. In
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Vorarlberg ist dieser Wermut bei „fink. wertvoll genießen“ in Egg erhältlich. Nicht ganz „vermuthlich“, aber ebenfalls Basis für einen schönen Sommer, ist der Beerenlikör „Mirtillo“ aus dem Hause Freihof. Heidelbeer, Wacholder, Limette und Ingwer sind die Zutaten des Hits aus Lustenau, der mit Bitter Lemon, Limonenschnitz und Eis als Mirtillo Spritz genossen wird und den Sommer fruchtig macht. Er frischend auch die Variante mit Soda statt Lemon. Im Fachhandel, im Internet und auf vielen Terrassen. Eine interessante Auswahl an Vermouths findet man auch beim Getränkehändler Bevanda in Dornbirn, der sich in Italien und Frankreich auf die Spur außergewöhnlicher Vermouths gesetzt hat. Zugreifen sollten Wermutfreunde auf jeden Fall, wenn sie das Original, den „Carpano Antica Formula“, entdecken, aber auch beim Flaggschiff von Großproduzent Martini, dem „Gran Lusso“. Ein paar Tapas oder Bruschetta dazu und die Sommerparty kann beginnen. Andreas Scalet
Gesüßt wird ‚Wermutlich‘ ausschließlich mit heimischem Imkerhonig. Natürlich nur leicht, sodass eine gewisse Fülle entsteht, ohne üppig zu wirken.
Fotos: Wermutlich, shutterstock.com
Mit Hingabe. In jeder Flasche Wermut stecken Sorgfalt und höchste Handwerkskunst.
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BTV – nachhaltig mit den Kunden wachsen Die Bank für Tirol und Vorarlberg AG (BTV) blickt auf ein erfreuliches erstes Quartal 2017 zurück. Das anhaltende Wachstum zeigt das Vertrauen der Kunden und bestärkt darin, das Geschäftsmodell „Investieren statt spekulieren“ als Leitlinie beizubehalten.
Gerhard Burtscher Vorstandsvorsitzender BTV
ansteigen. BTV Vorstandsvorsitzender Gerhard Burtscher: „Das seit Jahrzehnten nachhaltige Wirtschaften trägt Früchte. Die BTV gehört weiterhin zu den sichersten Banken Österreichs. Die Kapitalstärke in Kombination mit dem erfrischend konservativen Geschäftsmodell bildet die Basis für den Erfolg. Danke an alle unsere Kundinnen und Kunden für das große Vertrauen!“ Die weitgefasste Dienstleistungsorientierung der BTV sichert schnelle Entscheidungen und individuelle Lösungen für Kunden weiterhin als Standard. Besonders erfreulich ist der starke Zuwachs bei den betreuten Kundengeldern, die mit 13,4 Milliarden Euro einen Höchststand erreichten. Die positive Entwicklung ist auf das erfolgreiche BTV Vermögensmanagement zurückzuführen, das 2017 erneut ausgezeichnet wurde. Burtscher weiß die Bank damit auf dem richtigen Weg und verspricht, den Werten der BTV weiterhin treu zu bleiben: „Unsere in Jahrzehnten aufgebaute Kompetenz und Erfahrung, unsere Bodenhaftung sowie unser Geschäftsmodell ‚Investieren statt spekulieren‘ werden auch künftig die Leitlinien unseres Handelns bleiben.“
Foto: Thomas Schrott
BTV Leasing. Die BTV Leasing GmbH, 100-Prozent-Tochter der Bank für Tirol und Vorarlberg AG, vervollständigt das Angebot für die Kunden. Das 1988 gegründete Unternehmen ist mittlerweile im Mobilien-Neugeschäft sowie im Bestandsgeschäft österreichweit jeweils die fünftgrößte Gesellschaft und führend in Westösterreich. Bank für Tirol und Vorarlberg AG, Tel. 05 05 333, www.btv.at
Starker, sicherer Bankpartner. Das anhaltende Wachstum der BTV zeigt deutlich das große Vertrauen der Kunden, das sich auch in einer besonders hohen Weiterempfehlungsbereitschaft widerspiegelt, die im Jahr 2016 mit dem Recommender Award ausgezeichnet wurde. Für die Sicherheit der Kundeneinlagen sorgt u. a. die hervorragende Eigenkapitalausstattung der Bank. Diese ermöglicht dem Unternehmen ein gesundes Kreditwachstum und sichert der BTV langfristig ihre Eigenständigkeit. Die im Mai abgeschlossene Kapitalerhöhung lässt die harte Kernkapitalquote – die wichtigste Kennzahl einer Bank – auf mittlerweile rund 15 Prozent
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Aus Auszeichnungen und Erfolgen in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erfolge oder Wertentwicklungen geschlossen werden. Mehr Infos zu den Auszeichnungen erhalten Sie unter: www.btv.at/auszeichnungen. Diese Marketingmitteilung/Werbemitteilung ist keine individuelle Anlageempfehlung, kein Angebot zur Zeichnung bzw. zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten.
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Wichtige Bilanzzahlen wie Kredite an Kunden (erstmals über 7 Mrd. Euro), betreute Kundengelder, Eigenkapital oder Bilanzsumme erreichten im ersten Quartal die höchsten Stände in der 113-jährigen Geschichte der Bank für Tirol und Vorarlberg. Ebenso positiv fällt die Ergebnisrechnung des BTV Konzerns aus: Das Quartalsergebnis vor Steuern (EGT) wuchs um 23,6 Prozent auf 37,6 Mio. Euro.
Raum erlebnis
Foto: Adolf Bereuter
Gute Orte möchte Architekt Bernardo Bader schaffen. Welche Bedeutung dabei Zuhören, Verstehen sowie der Dialog von Mensch und räumlicher Situation haben, hat er „kontur“ im Interview verraten.
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Schön ist, wenn der Bauherr das gute Gefühl hat, dass er mehr bekommen hat, als erwartet, dass er selbst mitgestalten konnte. Und wenn man zudem eine andere Dimension getroffen hat. Nämlich die, dass ein Haus eine Seele und einen Geist hat. Ihr Anspruch ist es, Orte für Menschen zu schaffen. Woher kommt die Leidenschaft dafür? Ich denke, es kommt immer darauf an, woher man kommt. Als ich 1992 begonnen habe, in Innsbruck Architektur zu studieren, hab’ ich schnell gespürt, dass das Studium allein mich wenig befriedigt. Und so hab’ ich mit Beginn des zweiten Semesters zwei, drei Tage in der Woche studiert und den Rest im Bregenzerwald gearbeitet. Kleine Umbauten für Freunde gemacht und einfach versucht, das Bauen grundlegend zu verstehen. Diese Dualität war mir wichtig: die akademische Ausbildung und das Arbeiten von der Pike auf. Dabei lernt man sehr schnell, dass eigentlich jede Architektur durch Orte und Menschen lebt. Eine Besonderheit unseres Werdegangs ist es vielleicht, dass wir bereits ganz unterschiedliche Projekte umgesetzt haben: von Friedhöfen bis zu gastronomischen Betrieben. Wir sind also alles andere als spezialisiert. Und genau das ist das Spannende. Denn über dieses unterschiedliche Arbeiten und Herangehen an verschiedenste Bauaufgaben entwickelt man eine Liebe zu Orten und auch zu deren Menschen. Ein ganz prägendes Projekt war für uns beispielsweise der islamische Friedhof in Altach.
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Über vier bis fünf Jahre haben wir dabei auch eine Art Lebensschule durchlaufen und gelernt, wie man als Architekt zuhören können sollte. Da kann man nicht einfach loszeichnen; vielmehr muss man verstehen, was die Menschen wollen, wo ihre ureigenen Bedürfnisse liegen. So reift man auch über die Projekte. Was ist der bestimmendere Faktor? Ort oder der Mensch? Das ist unterschiedlich. Ähnlich wie bei einem Koch: Es liegt an den Zutaten. Aus diesen versuchen wir jedes Mal aufs Neue, die für uns richtige Lösung zu finden. Da gibt es Orte, die sehr schön und sensibel sind und wo es eher darum geht, möglichst wenig zu verändern. Aber es gibt natürlich auch Orte, wo die Erwartung da ist, dass man eigentlich nur eine Verbesserung schaffen kann. Beides ist schwierig. Daher ist es unerlässlich, alles genau zu analysieren. Und das schafft man nicht, wenn man einmal hinfährt und ein paar Fotos macht. Man muss wirklich hinhören lernen, auch beim Ort. Bei den Auftraggebern ist es ähnlich. Sich nur ein Raumprogramm schicken zu lassen oder ein kurzes Briefing, ist mir entschieden zu wenig. Ich rede gerne mit den Leuten über deren Vorstellungen,
Anpacker. Bernardo Bader sieht sich nicht nur als Gestalter. Vielmehr möchte er auch einen Beitrag für Gemeinschaft und Lebensqualität leisten.
Fotos: Adolf Bereuter, Dietmar Stiplovsek
Orte für Menschen. In öffentlichen Bauten wie dem Kinderhaus am Entenbach in Lauterach sieht man direkt, ob Architektur auch gelingt.
und vor allem darüber, wie sie leben wollen. Und aus genau diesem Fundus versuchen wir dann, einen guten Ort zu schaffen. Und wann weiß man, dass man diesen guten Ort geschaffen hat? Wenn zum Beispiel, wie beim Friedhof, Leute kommen und sagen „Wir hatten ein gutes Gefühl, als wir dort waren“. Ähnlich ist das auch bei
Das Handwerk bildet bei uns im Land eine äußerst wichtige Basis. Daraus resultiert auch, dass der Vorarlberger generell sehr qualitätsbewusst ist.
Herzensprojekt. Die Kapelle Salgenreute zeigt, dass ländlicher Raum und Arbeiten in der Gemeinschaft gut funktionieren können.
öffentlichen Bauten wie einem Kindergarten. Wenn man sieht, dass er funktioniert und wie sich die Kinder im Haus bewegen. Ich glaube, unterm Strich spürt man rasch selber, dass es passt oder – was man weniger hofft – dass es das nicht tut. Ein anderes Beispiel ist eine Skihütte, die wir heuer in Lech realisieren konnten. Da reichen die Feedbacks neben der überwiegenden Zufriedenheit von „wir hätten es uns noch moderner vorgestellt“ bis „zu puristisch“ oder „könnte noch etwas gemütlicher sein“. Man kann natürlich nie jedem Genüge tun. Gebäude müssen auch nicht gefal-
len dürfen. Das ist gut so. Die Hütte spiegelt jedenfalls das wider, was der Bauherr und wir sind. Und das finde ich wichtig. Wenn wir nur Lob hören würden, hätten wir mit Sicherheit auch was falsch gemacht. Es muss also einfach „echt“ sein und das Gesamtpaket stimmen? Es nützt das schönste Gebäude nichts, wenn man reinkommt und irgendwie merkt, dass die Menschen, für die es bestimmt ist, eigentlich nicht damit umgehen können. Darum ist mir wichtig, dass die Nutzer das Gebäude verstehen und sich wohlfühlen. Das ist
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Wir machen momentan wenig Wohnbau, weil der Wohnbau in Vorarlberg fast durchgehend eine Katastrophe ist. Das tragen wir nicht mit: Häuser ohne Idee und Seele, mit Styropor verkleidet und verputzt. Ich hoffe, sowas nie machen zu müssen. Hätten wir sonst keine Aufträge mehr, würde ich eher das Büro kleiner fahren. genau jene Bestätigung, über die wir uns am Ende freuen. Wie bei einem Projekt in Steinberg am Rofan, einem kleinen Gemeindehaus mit Saal und Bauerncafé. Da haben wir gezeigt, dass es – abseits von der „Tiroler Lederhose“ – auch anders gehen kann. Und es ist wunderbar aufgegangen. Die Gäste kommen, weil es endlich was anderes gibt und die Betreiber das gut und ehrlich machen. Sich verstellen zu müssen, ist grundlegend schlecht. Gerade auf dem Land braucht man keine fremden Leitbilder. Wichtig ist, das haben mir damals meine Lehrmeister beigebracht, dass das Land sich selber stärken muss, indem es divers, also anders als die Stadt, ist.
Foto: Bernardo Bader Architekten
Entstehen aus diesem Denken auch Projekte wie die Kapelle Salgenreute? Ja. Ich komme aus Krumbach und darum war mir dieses Projekt ein sehr großes per-
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sönliches Anliegen. Die alte Kapelle konnte man nicht mehr sanieren, ein Neubau stand im Raum. So haben wir das gemeinsam ehrenamtlich angepackt, mit Bürgermeister, Handwerkern und vielen Helfern. Am Ende war es viel mehr als nur eine Architekturarbeit. Es war eine Herzensangelegenheit, ein Arbeiten an der Gemeinschaft. Wir sind uns bewusst, dass man, gerade wenn man auf dem Land lebt, eine unglaublich hohe Lebensqualität hat. Und wir müssen uns mit unserer Kultur nicht verstecken – im Gegenteil. Ich habe es sehr gern getan, weil ich auch meine, man muss als Architekt mitunter ein politisch denkender Mensch sein und kann beispielsweise in Gestaltungsbeiräten einen wesentlichen Beitrag in dieser Hinsicht leisten. Natürlich nicht immer konfliktfrei, aber die Diskussion unterschiedlicher Positionen und die positiven Ergebnisse überwiegen doch meistens.
Der Blick durch die rosa Brille ist auch in unserem Land nicht angebracht, dazu gibt es zu viele Probleme, die zu bewerkstelligen wären. Beispiel Wohnbau, wo im Moment beinahe alles auf schnellen Gewinn oder Geldanlage ausgelegt ist. Tatsache ist, dass man unreflektiert an den Bedürfnissen der Menschen vorbeibaut. Das finde ich sehr schade. Darum ist es auch an uns als Architekten, die Qualität trotz teils schwieriger Situationen hochzuhalten. Es ist zwar ein ständiges und beharrliches Bemühen, aber das ist man ja gewohnt. Wichtig ist, dass wir erkennen, dass es um unser aller Lebensqualität geht. Sabine Blechschmidt
Eigentlich lebt jede Architektur durch zwei Dinge: den Ort und das Potenzial der Menschen.
Massiv. Vor Kurzem ist der Baustart für die Alpinsport zentrale der Silvretta Montafon in Schruns erfolgt. Entstehen wird ein Steinhaus mit zwei Schichten Ziegeln. Eine komplette Neuinterpretation vom „schweren und massiven Bauen“. Ein „richtiges“ Haus, fast einer Schutzhütte gleich, das auch die Unternehmensphilosophie der Silvretta Montafon verkörpert: „Ein Gebäude, das vom Berg kommt.“
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Foto: Bernd Hofmeister
Wolfgang Sila geb. 1967 in Bregenz. 1994, nach der kaufmännischen Lehre bei Spar, Übernahme der Spar-Filiale in Klaus. 1999 Gründung der Firma s’Fäscht. 2008 beteiligt sich die Brauerei Fohrenburg mit 33 Prozent am Unternehmen. Seit 2014 ist Sila kaufmännischer Geschäftsführer der Brauerei. Seit Mai 2017 gehen Brauerei Fohrenburg und s’Fäscht Wolfgang Sila GmbH offiziell gemeinsame Wege, die Fusionierung ist final abgeschlossen. Privat. Verheiratet, drei Söhne.
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„Mensch Bub, gang zum Frisör!“ Wenn man von echten Unikaten in Vorarlbergs Wirtschaftswelt spricht, darf einer nicht fehlen: Wolfgang Sila. Der Geschäftsführer der Brauerei Fohrenburg über das perfekte Bier und für wen er sich vielleicht doch mal in einen Anzug zwängen würde. Von der Lehre im Einzelhandel zum Vorstand einer Brauerei. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges? Da gehört Verschiedenes dazu. Neben Fleiß, Interesse und Entscheidungsfreude ist es bei mir stets auch die Bereitschaft zur Veränderung gewesen. Zudem war und bin ich immer sehr konsequent, vor allem mit mir selber. Und natürlich war auch eine Portion Glück mit dabei. Ihr Look ist Ihr Markenzeichen und das seit Jahren. Was steckt dahinter? Mein Look hat sich schon in meiner Jugendzeit so entwickelt. Ich hatte eigentlich ab einem gewissen Alter – meine Eltern waren zwar komplett dagegen und haben es so lange wie möglich verhindert – immer lange Haare und habe noch nie so viel Wert auf Kleidung und dergleichen gelegt. Ich war auch viel mit dem Motorrad unterwegs damals, da hat sich das einfach so ergeben. Als ich Filialleiter bei Spar war und speziell danach, als ich mich mit s’Fäscht selbstständig gemacht hatte, habe ich mich dann auch nicht mehr verbiegen lassen. Mir war immer wichtiger, dass ich mich wohlfühle und mich nicht verkleiden muss. Ich denke einfach, man kann auch im Beruf nur dann wirklich gut sein, wenn man so sein darf, wie man ist. Gibt es gar keine Gelegenheit, zu der Sie vielleicht doch auch mal einen Anzug anziehen würden? Wenn es für einen Menschen, der mir sehr nahe steht, absolut wichtig wäre und er es sich wirklich wünscht – beispielsweise zu einer Hochzeit – dann würde ich es für ihn ma-
chen. Aber beruflich weiß ich nicht, was passieren müsste, damit ich mich in einen Anzug zwängen würde. Obwohl, vielleicht die Verleihung des Österreichischen Verdienstkreuzes (lacht). Sie haben in Ihrer Laufbahn sicher schon viele Feste erlebt. Welches ist besonders in Erinnerung geblieben und warum? Als ich noch recht klein mit meiner Firma s’Fäscht angefangen habe, durften wir das Felsenfeuer in Koblach beliefern. Meine Firma befand sich damals noch in meiner Garage, ich hatte zwei Mitarbeiter, die mir halfen. Gerechnet hat man damals mit 2000 Personen, was für uns eine gewaltige Herausforderung gewesen wäre. Schon allein, dass Gerhard Kreuz als Veranstalter damals das Vertrauen in uns hatte, war unglaublich toll. Am Ende war es aber so, dass an die 4000 Personen zum Fest gekommen sind. Wir haben versucht was ging und vollen Einsatz gebracht. Als ich dann auf einer Anhöhe stehend zum ersten Mal das „Ausmaß“ sehen konnte, sprich, wie viele Menschen wir mit unserem kleinen Team verköstigt hatten, gab das bei mir richtig Gänsehaut. Und, was noch eine schöne Bestätigung dazu war: Diese Veranstaltung durften wir dann auch in Zukunft immer wieder beliefern, so lange sie durchgeführt wurde. Sind Sie denn selber auch ein „Partytiger“? Früher war ich schon viel unterwegs. Dann aber eher im Gasthaus und weniger in Discos oder dergleichen. Heute sind mir private Treffen eigentlich am liebsten. Diese dann mit einem guten Bier,
altem Sound, aber nicht zu laut, ich möchte mich ja unterhalten können. Stichwort Bier: Was muss ein gutes Bier für den Geschäftsführer einer Brauerei haben? Ich persönlich liebe vollmundige und im Geschmack kräftige Biere, so wie unser Jubiläum, welches mein absolutes Lieblingsbier ist. Gerne trinke ich ab und zu aber auch einmal ein Keller oder ein Weizen. Da wir selbst ja eine so große Auswahl haben, fällt die Entscheidung zugebenermaßen nicht immer leicht. Und zu welchen Gerichten trinken Sie am liebsten ein Glas? Im Grunde zu jedem Gericht. Ich trinke außer Bier eigentlich fast keinen Alkohol. Dafür aber Wasser und sehr viel Kaffee. Wo und wie können Sie zur Ruhe kommen? Wenn ich mit meiner Frau und unserem Hund spazieren oder wandern gehe. Aber auch auf dem Motorrad kann ich super abschalten. Und der Fußballplatz ist sowieso immer ein guter Ort, um den Kopf freizubekommen. Welchen Satz hat Ihre Mutter früher immer zu Ihnen gesagt? Mensch Bub, gang zum Frisör! Und welchen Ratschlag fürs Leben geben Sie heute Ihren Kindern immer wieder mit auf den Weg? Bleibt ehrlich und geht mit jedem so um, wie ihr gerne auch behandelt werden wollt. Man trifft sich nämlich immer zwei- oder mehrmal im Leben. Sabine Blechschmidt
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Genussexporte
Foto: Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Die einen machen in Events und Käse, der andere in Wein. Und der vierte im Bunde bringt kulinarische Überraschungen auf die Teller seiner Gäste. Vier Vorarlberger haben sich aufgemacht, um Wien gastronomisch zu erobern. „kontur“ hat sie in ihren Wirkungsstätten besucht.
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Er nennt Wien mittlerweile seine Heimat, doch seine Liebe gehört auch nach Jahren noch dem Ländle und im Speziellen der Natur im Bregenzerwald. Zwischen Events und Start-up-Projekten findet Lukas Bereuter daher immer wieder die Zeit, daheim vorbeizuschauen und ab und zu mit neuen Ideen nach Wien zurückzukommen.
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en Bregenzerwälder Lukas Bereuter hat es, wie so manch anderen Vorarlberger, durchs Studium in die Großstadt verschlagen – und irgendwie ist er dort dann einfach hängen gelieben. Doch nicht im Kreativbereich, absolviert hat er ja die Graphische in Wien, sondern als selbstständiger Gastronom, der gemeinsam mit seinem Partner Mathias Kappaurer schon so manchen Coup gelandet hat. So zeichnen die beiden nicht nur für die „Tonstube Wien“ im 6. Bezirk verantwortlich, sie sind mit ihrem Kollektiv „Ludwig & Adele“ im Künstlerhaus, im Porgy & Bess, im Wien Museum, am Markt und unterwegs als Caterer zu finden. Dazu kommen V-Style Events, die eigene Firma für Großevents, und verschiedene Start-up-Projekte. Seit 1. April ist Lukas Bereuter außerdem Geschäftsführer der Rauch Juice Bars, ebenfalls gemeinsam mit Mathias Kappaurer.
„Das hat zum einen viele positive Auswirkungen, wie beispielsweise, dass es viele kreative Konzepte gibt. Auf der anderen Seite wird unser Beruf momentan aber von der Politik fast ein wenig zugrunde reglementiert“, so Lukas Bereuter. Doch unterkriegen lassen sich die Vorarlberger sicher nicht. „Mathias und ich haben auch im Hinterkopf, vielleicht mal ein Lokal außerhalb von Wien zu eröffnen. Augenblicklich ist es
beruflich aber nicht wirklich oft möglich, andere Städte und Länder zu bereisen und eventuell auf Recherche zu gehen.“ Doch ein Ausflug nach Vorarlberg zwischendurch muss schon mal sein. „Für mich sind ein paar Tage bei meinen Eltern pure Erholung und geben mir Energie für neue Herausforderungen. Wenn es mein beruflicher Werdegang zulässt, kehre ich irgendwann gerne wieder ins Ländle zurück.“
Über den Tellerrand. Von Langeweile kann bei dem 32-jährigen Riefensberger also keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: Er und sein Team sind immer im Wandel, genau die Wiener Gastronomieszene.
Fotos: Christof Wagner, Privat
Lukas Bereuter. Wenn es um Events geht, ist der Bregenzerwälder in seinem Element.
Mich interessiert, wie Gastronomie im Ländle umgesetzt wird. Oft nehm’ ich auch was Neues mit. kontur 65
Fotos: Christof Wagner, Gerhard Wasserbauer
Johannes Lingenhel. Mit dem „Lingenhel“ hat er ein Paradies für Gourmets geschaffen.
Wirtschaftsinformatik hat er studiert, am Naschmarkt ist er gelandet. Johannes Lingenhel ist Gastronom aus Leidenschaft. Einer Leidenschaft für tolle Produkte aus ganz Europa, die hervorragene Kulinarik in Österreich und seine Gäste.
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n der Landstraßer Hauptstraße 74 ist Johannes Lingenhel kulinarisch zu Hause. Seine Genussoase hat er schlicht und ergreifend „Lingenhel“ genannt. Und so geradlinig wie der Name ist auch das Konzept: eine Greißlerei, eine Weinbar, ein Restaurant (nach zwei Monaten gab’s die erste Haube) und die eigene Käserei. Die erste und einzige Stadtkäserei Wiens im Übrigen. Hier, hinter der Theke seines Ladens, fühlt sich der Kulinarikexperte aus Vorarlberg angekommen – vorerst. Denn Johannes Lingenhel treibt es schon lange in der Gastronomieszene der Hauptstadt umher. Obwohl der eigentliche berufliche Weg ein anderer hätte sein sollen. „Ich habe 1991 in Vorarlberg maturiert und bin dann nach Wien gegangen, um Wirtschaftsinformatik zu studieren. Doch schon gegen Ende meines Studiums war mir klar,
Im Moment kann ich nicht sagen, ob ich je nach Vorarlberg zurückkehren werde. Doch sag niemals nie! 66 kontur
dass ich nie in diesem Job arbeiten werde“, erinnert er sich zurück. Statt ins Management zog es ihn auf den Naschmarkt, wo er ca. 20 Jahre lang mit dem eigenen Geschäft, dem „Pöhl“, sein Hobby quasi zum Beruf machen konnte und die besten Lebensmittel aus Europa nach Wien brachte. „In dieser Zeit habe ich viele Partnerschaften mit den besten Produzenten aus Italien, Kroatien, Frankreich, Spanien und dem Rest Europas geknüpft. Diese pflege ich bis heute.“ Doch als leidenschaftlicher Gastronom konnte Johannes Lingenhel auf Dauer nicht nur Handel betreiben. Gastgeben wollte er! Ein neues Konzept musste her – das „Lingenhel“. Kulinarium Österreich. In der Käserei werden täglich Ziegenfrischkäse und Joghurt hergestellt und Ziegen-, Schaf-, Kuh- und Büffelmilch zu Camembert und Brie verarbeitet, im Restaurant geht es um saisonale und qualitativ hochwertige Produkte aus Österreich – weshalb es auch eine monatlich wechselnde Karte gibt. Selbst bei der Weinselektion ist das „Lingenhel“ in Österreich verankert. Und Johannes Lingenhel in Wien? „Absolut. Die Wiener Gastroszene ist lebendig und innovativ. Es entstehen neue Konzepte innovativer Gastronomen. Und das Wiener Publikum ist aufgeschlossen, diese auch anzunehmen.“
„Wien ist fordernd und erfreulich zugleich.“ So bringt es Robert Stark auf den Punkt. Der Sommelier und Wein-„Schneidermeister“ hat Wien in den vergangenen Jahren schätzen und lieben gelernt. Dabei hat er Vorarlberg aber nie aus den Augen verloren – und ab und zu zieht es ihn, schon rein beruflich, zurück in den Westen.
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enn jemand Begeisterung für guten Wein und ordentliche Lebensmittel hat, dann ist es Robert Stark. Der gebürtige Bregenzer hat sich die Gastronomie in den vergangenen 20 Jahren ganz genau angeschaut, um nun mit Gewissheit sagen zu können: „Hier bin ich richtig.“ Und es steht so manches namhafte Haus in seinem Lebenslauf. Im Hotel Arlberg in Lech hat er einige Winter als Maitre und Sommelier verbracht, im Sommer zog es ihn aufs Weingut Kloster am Spitz im Weingarten, als Kellerbursch und Heurigenwirt. So kam er Wien Schritt für Schritt näher, lernte die Stadt besser kennen. „Schließlich hab ich bei meinem Vorarlberger Freund Jin Loh im Sinohouse als Sommelier angeheuert. Der Rest ist Geschichte ...", schmunzelt Robert Stark, der „Weinflüsterer“. Ja, so kann man ihn wirklich nennen, gilt er bei Reiner Wein doch als Mastermind und Schneidermeister. „Wir machen Maßanzüge aus Wein für Gastronomen von Groß bis Klein. Den Stoff dafür beziehen wir von sehr ausgesuchten Produzenten, keine Stangenware“, erzählt er begeistert von seiner Arbeit. Überraschend weltoffen. Doch nicht nur der Wein, auch Wien hat es ihm angetan. „Die Stadt ist einfach der größte Marktplatz im Land. Menschen aus ganz Österreich und der Welt kommen, um zu arbeiten, sich zu treffen oder um Urlaub zu machen. Somit ergibt sich die Möglichkeit, verschiedene gastronomische Dinge auszuprobieren.“ Anders als in Vorarlberg. Der gastronomische Blick auf die Heimat fällt teils verhalten aus. „Außer in den touristischen Regionen und in den altehrwürdigen Häusern und Institutionen im Land hat sich zuletzt nicht wirklich Nennenswertes getan und schon gar nicht gehalten. Der Vorarlberger Gast braucht oft viel Zeit, zu akzeptieren, dass es etwas gutes Neues in der Nachbarschaft gibt. Auswärts allerdings funktioniert der Vorarlberger dann doch wieder überraschend weltoffen und absolut gut!“
Robert Stark. Der Bregenzer kennt die Weinkeller so mancher Restaurants wie seine Westentasche.
Ich liebe meine Arbeit mit eigenständigen, ordentlichen Lebensmitteln und offenen Menschen. kontur 67
Foto: Rafaela Proell
Martin Schmid. Der Bregenzerwälder bringt seine Heimat auch in Wien auf die Teller.
Von der Haubengastromonie ins Weinbistro. Martin Schmid hat als Küchenchef schon viel erreicht. Jetzt wollte der Schwarzenberger endlich mal drauflos kochen. Eine befreite Küche, nicht eingesperrt in fixe Menüs – und mit Bergkäse natürlich.
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ntweder Koch oder gar nix – das stand für den Bregenzerwälder Martin Schmid schon immer fest. Dementsprechend konsequent zeigt sich auch sein bisheriger Werdegang. Starköche wie Sergio Herman, Heston Blumenthal, Jonnie Boer oder Silvio Nickol zählten ebenso zu seinen Chefs wie in den vergangenen Jahren Andreas Döllerer. In dessen Genießerrestaurant erkochte er zuletzt als Küchenchef unter anderem 3 GaultMillau-Hauben. Doch nun war eindeutig Zeit für etwas Neues. Und wie es so oft im Leben ist, spielt das Schicksal genau im richtigen Moment die besten Stücke. „Ich habe durch Zufall erfahren, dass die Sommeliers Mathias Pitra und Steve Breitzke ein Weinbistro in Wien eröffnen möchten. Das Konzept zum MAST Weinbistro hat mir gefallen, weil es genau das ist, was
Ich fühle mich sehr wohl in Österreich und sehe keinen Grund, nochmal im Ausland zu arbeiten. 68 kontur
ich gesucht habe: Eine Plattform, auf der ich ganz locker und ohne viel Druck drauflos kochen kann“, so der 29-jährige Schwarzenberger. Seit Mitte Mai steht er nun als Küchenchef in der Porzellangasse 53 hinter dem Herd und lässt dort natürlich auch ein Stück Ländle mit einfließen. „Ich bin sehr stolz auf meine Heimat und kulinarisch liegt mir der Bregenzerwald natürlich am meisten am Herzen. Bei seinen Käse, Milchprodukten, Wildkräutern und vielen weiteren, landwirtschaftlich erzeugten Produkten ist Vorarlberg schon lange unschlagbar. Darum dürfen sich auch die Gäste im MAST auf Bergkäse und Rohmilchbutter aus dem Bregenzerwald freuen.“ Angekommen. Für Martin Schmid ist das Leben in der Hauptstadt nicht wirklich neu, hat er doch zuvor schon drei Jahre dort gearbeitet. „Wien hat es mir schon lange angetan. Drum durfte auch der alljährliche Kurzurlaub nie fehlen.“ Für ihn finden sich in Wien die perfekten Bedingungen für gute Gastronomie, „vor allem in Sachen Gemüse können wir hier aus dem Vollen schöpfen.“ Ob er irgendwann zurück nach Vorarlberg gehen wird? „Das weiß ich noch nicht. Ich fühle mich in Wien sehr wohl, auch wenn mir die Natur und die Berge manchmal schon sehr fehlen.“ Sabine Blechschmidt
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Über die Ziellinie
Fotos: Porsche Motorsport
Für den Wahl-Höchster Kévin Estre hat sich ein großer Traum erfüllt. Er ist seit 2016 Werksfahrer bei Porsche. Doch bis es so weit war, hat der 28-Jährige sein Leben von klein auf dem Rennsport gewidmet.
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uhe und Disziplin – dies strahlt Kévin Estre aus. Dass der Franzose und WahlHöchster in seinem Beruf ein extrem schneller und sehr ehrgeiziger Rennfahrer ist, würden die meisten nicht vermuten. Doch der Eindruck täuscht. Auf der Rennstrecke gibt der 28-Jährige alles. Hohe Geschwindigkeiten sind seins und zwar von klein auf.
Rennfahrer, nach der Rennfahrerkarriere hat sein Vater sein eigenes Team im Formelsport gegründet. Sein Onkel hatte ein Kartteam. Mit vier Jahren bekam der nunmehrige Porsche-Werksfahrer sein erstes Kart. „Ich bin auf der Rennstrecke aufgewachsen. Mein Traum war immer, professioneller Rennfahrer zu sein. Hätte ich dieses Ziel nicht erreicht, würde ich trotzdem im Motorsport arbeiten“, erklärt Estre.
Familientradition. Die Faszination für den Rennsport und für die Geschwindigkeit wurde Kévin Estre in die Wiege gelegt. Sein Opa und sein Vater waren
Der Motorsport ist alles. Mit dem eigenen Kart und der Faszination für den Sport war sein Weg vorgezeichnet. Mit 13 hat er sein erstes internationales
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Zur Risikominimierung und optimalen Vorbereitung gehört vor jedem Rennen neben Trainingsläufen ein umfangreiches Dossier mit Streckenanalyse, Neuerungen am Rennwagen etc. dazu. Nach jedem Rennen ist es selbstverständlich, dass Kévin Estre seinen Rennbericht an die Ingenieure weitergibt und bespricht. Kartrennen bestritten und mit 15 Jahren wurde er sogar Europameister. Für den in Lyon Geborenen hieß das, von Montag bis Donnerstag Schüler und von Freitag bis Sonntag Rennfahrer zu sein. „Ich bin von klein auf gewohnt, viel zu reisen und sehr diszipliniert zu sein. In diesem Sport musst du schnell erwachsen werden“, schildert der 28-Jährige, der bis zu 230 Tage im Jahr unterwegs ist. Neben dem Schulbesuch gehörte die Sponsorensuche zur Finanzierung der Rennsaison ebenso dazu. So musste die Familie Estre für den 17-jährigen Kévin für eine Saison in der Formel Renault beispielsweise 250.000 Euro an Sponsorengeldern auftreiben.
Partner. Kévin Estre teilt sich den Porsche 911 RSR mit der Nummer 92 in der SportwagenWeltmeisterschaft WEC mit dem Dänen Michael Christensen.
Während seine Altersgenossen ihr Wochenende auf Partys verbrachten, legte er den Grundstein für seine Karriere. „Ich habe das typische Teenagerleben aber nicht vermisst“, so Estre.
Erste Deutschkenntnisse habe ich in der Schule gelernt. Perfektioniert habe ich es mit meiner Frau und den deutschen Teams. Zu Hause rede ich immer deutsch, was mir sehr geholfen hat. An den Vorarlberger Dialekt muss ich mich allerdings immer noch etwas gewöhnen. 72 kontur
Da Kévin Estre eigentlich immer auf Reisen ist, ergibt sich Vorarlberg als idealer Wohnort: Der Zürcher Flughafen ist nur eine Autostunde entfernt. Außerdem bieten sich die Berge, der Bodensee und die Ruhe perfekt zur Entspannung vom anspruchsvollen Rennalltag an. Rasche Erfolge. Die Konzentration auf den Rennsport trug bald erste Früchte. Nach den Anfängen im Kartsport und dem Wechsel in die Formel Renault stieg Estre in den französischen Porsche CarreraCup ein. Diesen beendete er 2011 als Meister und mischte im gleichen Jahr bereits den internationalen Porsche-Supercup auf, den er als „Rookie of the year“ fulminant abschloss. Außerdem trat der passionierte Skifahrer zu je einer Veranstaltung der Racecar Series, des deutschen Porsche Carrera-Cups sowie der ADAC GT Masters an. Die Feuertaufe in der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC bestand er 2015 mit dem dritten Platz bei seinem ersten Start. 2016 schloss sich für ihn mit der Aufnahme in den PorscheWerksfahrerkader ein Kreis. Faszination Rennsport. Derzeit ist Kévin Estre mit dem 911 RSR in zwei hochklassigen GT-Rennserien am Start: Das Porsche GT-Team tritt in der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC (Saisonhöhepunkt sind die 24 Stunden von Le Mans) und in der IMSA SportsCar Championship (Sportwagen-Serie in den Vereinigten Staaten und Kanada) an. Um seinen 510-PS-Boliden unfallfrei und flott durch einen engen Kurs zirkeln zu können, muss er körperlich fit und gleichzeitig psychisch voll auf der Höhe sein, damit seine Konzentration während des Rennens auf höchstem Level bleibt. „Sobald ich den Helm anziehe, bin ich auf das Rennen fokussiert. Alle anderen Gedanken bleiben draußen, auch Gedanken an mögliche Gefahren. Wenn ich während des Rennens Angst hätte, müsste ich sofort mit meinem Beruf aufhören. Wenn ich mir dann nach dem Rennen die Videoaufzeichnung ansehe, denk ich mir manchmal schon, dass manche Situationen knapp waren, aber ...“, schildert er mit einem Lächeln und wird ab 15. Juli am Nürburgring wieder hoch konzentriert Gas geben. Patrizia Gunz
Kein Sprachengewirr? Aufgrund der unterschiedlichen Nationen verständigt sich das Porsche-Team einfachheitshalber in englischer Sprache miteinander.
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Foto: Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Die Kunst schafft Begegnungen 74 kontur
Fotos: APA, Christa Dietrich
Die Biennale-DocumentaRoute führt auch über das Kunsthaus Bregenz. Wer die Großausstellungen aufsucht, findet interessante Zusammenhänge und Anknüpfungspunkte.
Planeten aus Marmor von Alicja Kwade in Venedig.
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ine Aktiengesellschaft, die ihr Kapital nicht vermehren darf, eine Plattform für Vorträge der Anti-Atomkraft-Bewegung und ein Filmlexikon der sexuellen Praktiken: Mit diesen Arbeiten hat sich die deutsche Künstlerin Maria Eichhorn in die Geschichte des Kunsthauses Bregenz eingeschrieben. Die aktuellen Kataloge zur Documenta listen die Projekte als bedeutende in ihrem Œuvre auf. In Kassel, wo vor wenigen Tagen die 14. dieser nur alle fünf Jahre stattfindenden Weltkunstschau eröffnet wurde, gelingt es ihr, inmitten von sehr oder auch zu gleichförmig politisch aufgeladenen Installationen große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. In ihrem eigens gegründeten „Rose Valland Institut“, benannt nach einer Kunsthistorikerin, die während
Erwin Wurm lässt jeden Skulptur werden.
der Besatzungszeit in Paris die Plünderung der Deutschen in geheimen Listen aufzeichnete, wird die Enteignung der jüdischen Bevölkerung Europas untersucht. Fragliche Werke, vor allem gestohlene Bücher, werden frei im Raum platziert.
Stützende Hände von Lorenzo Quinn.
Nicht nur Neues. Im Verlauf der heuer von Adam Szymczyk geleiteten Documenta, die bis 17. September geöffnet ist, sind nicht nur Diskussionsveranstaltungen angesetzt, Menschen sollen Wiedergefundenes oder Vermisstes angeben. Unweit davon sind zwar keine Werke aus der zum Teil unter Raubkunstverdacht stehenden Sammlung von Cornelius Gurlitt zu sehen, die das Kunstmuseum Bern geerbt hat, die Malerin Cornelia Gurlitt ist aber mit einigen Arbeiten vertreten und verweist als Schwester des Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt nicht nur auf brisante Fakten, hier wird auch deutlich, dass die Documenta nicht nur absolut Neues bereithält. Auch im Haupthaus, im Fridericianum, ist der Blick nach rückwärts gerichtet, zu sehen sind auch Arbeiten aus den 1970erund 1980er-Jahren, die für Athen vorge-
,Horse Problem‘ heißt eine Installation der argentinischen Künstlerin Claudia Fontes auf der Biennale Venedig. kontur 75
Der Österreich-Pavillon mit dem auf dem Kopf stehenden Truck von Erwin Wurm.
Mir geht es darum, modellhaft zu zeigen, wie wir uns im realen Raum befinden, aber gleichzeitig auch im virtuellen. sehen waren, aber dann doch lange nicht gezeigt wurden, weil ein Museumsprojekt an Geldmangel scheiterte. Draußen steht übrigens nun nicht „Museum Fridericianum“ auf dem Portal, mit „Being safe is scary“, also mit „Sicher zu sein, macht Angst“ hat die aus der Türkei stammende Künstlerin Banu Cennetoglu den Schriftzug ausgetauscht, unter dem im Jahr 1955, als Arnold Bode die Documenta initiierte, vor allem jene Kunst versammelt war, die einige Zeit zuvor in Deutschland als „entartet“ diffamiert wurde. Über 30 Stationen dürfen Documenta-Besucher übrigens in Kassel ablaufen, einige Werke sind auch außerhalb der Öffnungszeiten im Freien zu besichtigen. Für Verwirrung und zahlreiche Anrufe bei der Feuerwehr sorgte dabei jener weiße Rauch, der aus dem Turm des Fridericianums auf-
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Brigitte Kowanz im Interview.
steigt. Es ist die Arbeit „Expiration Movement“, mit der der Künstler Daniel Knorr einen optimistischen Gruß entsendet. Das markanteste Outdoor-Projekt ist jenes Skelett des Akropolis-Tempels, das die argentinische Künstlerin Marta Minujin mit Tausenden von in verschiedenen Ländern verbotenen Büchern nach und nach verkleiden lässt. Jene Kanalrohre, die unweit davon übereinandergestapelt sind, verweisen nicht auf einen weiteren, im Prozess befindlichen Bau. Vom Iraker Hiwa K. wurden sie so ausgebaut, als seien sie Behausungen. Was Betroffenheit auslösen soll, wurde schon am ersten Tag zum beliebten Fotomotiv. Unterm Zwischenboden. Im Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig, die bis 26. November läuft, mag noch so viel und gerne fotografiert werden, Anne Im-
Ausgezeichnet. Performance von Anne Imhof im deutschen Pavillon.
Fotos: Reuters, APA, Christa Dietrich
Mark Bradford lässt den Pavillon der USA quasi verrotten und versperrte das Hauptportal.
hof, schon zuvor bekannt für Performances, die Pathetisches berühren, aber nie ins Banale abdriften, sperrt dabei ihre Akteure während der mehrstündigen Aufführung unter den Zwischenboden aus Panzerglas, wo sie sich nicht wegdrängen lassen. Die Arbeit wurde mit dem „Goldenen Löwen“ ausgezeichnet und bescherte dem deutschen Kunstschaffen eine enorme Medienpräsenz. Und das in einem Sommer, in dem der Documenta- und der Biennale-Termin übereinanderlappen, was nur alle zehn Jahre der Fall ist. Österreich teilt seinen Hoffmann-Pavillon in den Giardini von Venedig in zwei Bereiche. Brigitte Kowanz, die mit dem leuchtenden Fabrikschlot in Bürs eines der besten Kunst-am-Bau-Projekte in Vorarlberg realisierte, erhält einen eigenen Kubus und
Der Künstler Olafur Eliasson ließ zur Eröffnung der Biennale in Venedig Asylsuchende Lampen basteln, die Besucher erwerben konnten.
zeigt dort mit vielschichtigen Lichtinstallationen als frei geschwungene Verschlüsselung von Daten der digitalen Revolution, dass wir uns gleichzeitig im realen und im virtuellen Raum befinden können. Erwin Wurm gehört der historische Teil des Pavillons. Mit seinen „One Minute Sculptures“ betont er, dass seine vor rund zwei Jahrzehnten begonnene und übrigens auch damals schon im Kunsthaus Bregenz zelebrierte Auseinandersetzung mit der Ausweitung des Skulpturenbegriffs immer noch funktioniert. Beim Verdrehen der Dinge zeichnet er auch mit dem ganz großen Pinsel. Vor dem Eingang steht ein Truck kopf. Hinaufgeklettert, möge man auf das von dort nicht sicht- aber erahnbare Mittelmeer schauen. Wenn der Zufall gerade mitspielt, wird man auch im Frankreich-Pavillon an Bregenz erinnert. Hier ist ein Tonstudio eingerichtet, in dem am Eröffnungstag die Habanera aus Bizets „Carmen“ erklang, ein Hit aus jener Oper, die pro Saison rund 200.000 Besucher an den Bodensee locken soll. Die Biennale bringt es auf gut doppelt so viel und auf der Documenta wird aufgrund der Dependance in Athen heuer sowieso
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Unter den wenigen Documenta-Teilnehmern aus Österreich ist auch Peter Friedl, der schon mehrmals in Kassel vertreten war. Seine Videoarbeit „Report“ basiert auf Kafkas „Ein Bericht für eine Akademie“. Unter den historischen Arbeiten fallen Werke der Malerin Tom Seidmann-Freud auf, die als Martha Freud in Wien geboren wurde und eine Nichte von Sigmund Freud ist. der Rekord gebrochen. Adrian Villar Rojas, der nun im Kunsthaus Bregenz mit dem „Theater of Disappearance“ mit fossilen Urwesen und den Beinen des „David“ von Michelangelo an die Grenzen ging, ist bei der letzten Weltkunstschau in Kassel erstmals aufgefallen, der Österreicher Lois Weinberger zählt quasi zu den Altstars. Er offenbart heuer, was sich unter dem Boden der Parklandschaft befindet und recycelt damit eine Arbeit, die er vor Jahren schon für Thomas Trummer, dem jetzigen Direktor des KUB, realisiert hatte.
Fotos: Chrsta Dietrich
Monster und Mythen. Nicht nur Zeit für das Abschreiten der über 80 NationenPavillons einzuräumen, ist für den Biennale-Besuch in Venedig unerlässlich. Damien Hirsts Megalomanie mit Monstern und Mythen in den Museen des Milliardärs Pinault ist lediglich massentauglich, Pierre Huyghe aber beschäftigt sich in der in der Fondation Louis Vuitton präsentierten Arbeit mit verschiedenen Lebensformen, mit urbanen und urtümlichen Szenerien. Er war
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Star der letzten Documenta und lange zuvor in Bregenz, wo er ein Schiff aus Eis dahinschmelzen ließ. Shirin Neshat vereint in ihrer Porträtserie im Museo Correr Menschen verschiedener Ethnien in Schwarz-Weiß-Fotografien. Das oberste Stockwerk des Museums zu erklimmen, ist immer wieder ein Erlebnis. Nicht nur wegen der Sonderausstellungen, sondern auch wegen der dort
versammelten gotischen Kunst oder dem möglich werdenden Blick über den Markusplatz. Das Documenta-Zentrum zu überschauen, ist in Kassel übrigens eine recht profane Angelegenheit. Die Dachterrasse eines Kaufhauses erweist sich als ideale Aussichtsplattform. Apropos Konsumgüter: Otobong Nkanga befasste sich auch für die Documenta mit der Herstellung von Handelsgütern und mit Ressourcen. Aus Pflanzenölen aus verschiedenen Regionen und Kohle bzw. aus Stoffen aus drei Kontinenten ließ sie schwarze Seifen herstellen, die Performerinnen höchst eindrücklich vermarkten und dabei mit den Besuchern, auch abseits zahlreicher Diskussionsveranstaltungen, entspannt und barrierefrei ins Gespräch kommen. Christa Dietrich
Kommunikativ. Otobong Nkanga lässt auf der Documenta Seife verkaufen, die aus Inhaltsstoffen, darunter verschiedenen Pflanzenölen, die aus mehreren Ländern stammen, hergestellt wurden.
Griechischer Tempel aus verbotenen Büchern am Friedrichsplatz in Kassel.
,Rose Valland Institut‘ heißt die Organisation, die von Maria Eichhorn gegründet wurde, um die Enteignung der jüdischen Bevölkerung Europas zu erforschen.
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