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Sommer 2016 | 3 Euro

Vorarlbergs Wirtschafts- und Lifestyle-Magazin

Industrie 4.0 – die IMA Schelling Group Der Mann von heute trägt wieder Maßanzug Wenn Segeln in die Wiege gelegt wird „Alte Schlitten“ lassen Herzen höherschlagen Gesucht, gefunden: Wiener Stadtoasen

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Foto: Ralph Larmann

70 Jahre Pioniergeist auf dem Bodensee


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Editorial

Sommer 2016 | 3 Euro

Vorarlbergs Wirtschafts- und Lifestyle-Magazin

Die BOA unter den Innovationen. Die Bregenzer Festspiele feiern in diesem Jahr ihren runden Geburtstag – und damit verbunden auch eine Geschichte voller Pioniergeist auf der Seebühne und drumherum. Was genau eine riesige Schlange damit zu tun hat, lesen Sie ab Seite 6. Für die globale Möbelbranche. Bereits seit Jahren arbeiten Sägepionier Schelling aus Schwarzach und Automatisierungsprofi IMA aus Lübbecke in Deutschland zusammen. Jetzt ist die Bündelung ihrer Kompetenzen perfekt. Guten Appetit und Prost. Ob Streetfood in und um Vorarlberg, Wein aus unserer Region im Süden Englands, Gin und Rum aus Übersee oder Wiener Schmankerl in den Wirtshäusern der österreichischen Hauptstadt – auch der kulinarische Genuss kommt in dieser Ausgabe nicht zu kurz. Viel Spaß wünscht Ihnen Ihr „kontur“-Redaktionsteam

70 Jahre Pioniergeist auf dem Bodensee Industrie 4.0 – die IMA Schelling Group Der Mann von heute trägt wieder Maßanzug Wenn Segeln in die Wiege gelegt wird „Alte Schlitten“ lassen Herzen höherschlagen Gesucht, gefunden: Wiener Stadtoasen

Inhalt 06 Riesenschlange am See 70 Jahre Bregenzer Festspiele bedeutet auch 70 Jahre technische Innovationen: BOA ist eine davon 13 Mit vereinten Kräften Die Allianz von Schelling und IMA führt zu Innovationen für die „Industrie 4.0“ 18 Erlebnis für alle Sinne Am Bodensee kann man mehr als nur spielen – in einem Casino, das sich immer wieder neu erfindet 22 Auf Maß gemacht Perfekte Passform, stylischer Look – der Mann von heute trägt Anzug 29

Ein Blick zurück Thomas (tOmi) Scheiderbauer über seinen Vater, den Art-Director, Grafiker und Maler Curt Scheiderbauer

32 Wasser, Wellen, Wind Unternehmer und Segler aus Leiden schaft. An Bord bei Thomas Thaler

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37 Vom Bodensee geht’s ins Schloss Christoph Thoma über seine neue Funktion als Direktor für Kultur, Tourismus und Veranstaltungen bei der Esterházy Privatstiftung 42 Grenzübergreifend auf die Hand Leberkäsesemmel, St. Galler Bratwurst, „Käsdönnala“ – in und um Vorarlberg gibt es delikates Streetfood zu entdecken 46 Absolut nach vorn gerichtet Fahrspaß ohne Ende, „Grande Emozione“ – die neue Giulia 48 Rückbesinnung auf Altbewährtes Erst Wacholder, jetzt Zuckerrohr. Während Gin schon länger auf der Trendwelle schwimmt, kommt Rum gerade richtig in Fahrt 52 Faszination Blech und Chrom Die Begeisterung für Oldtimer wächst. Auch Sammler Alwin Lehner und Marcel A. Widler haben ein großes Herz für die „Alten“. 58 Von Uhren und Kunst Elie Bernheim, Enkel von Raymond Weil, über 40 Jahre Familienunternehmen, die Liebe zur Musik und seine Leidenschaft fürs Kochen 62 Sportlich unterwegs Regelmäßig und konsequent – richtig trainieren fürs Laufevent 66

Worum es wirklich geht Über Vollmondversicherungen und Spaziergänge im Lauteracher Ried. 10 Fragen an Bianca Meyer, Leiterin der Allianz-Landesdirektion

70 Die Stadt und ihre Oasen Wien genießen kann man überall. Am Donaukanal, im Wirtshaus und auch in der Sockelzone

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Aus Altach ins urbane Neuland Die Freude an Wagnis und Experiment lockte Angelika Fitz unter anderem nach Mumbai, Neu Delhi, Sao Paulo. Ab Jänner 2017 leitet sie das Architekturzentrum Wien

80 In der „Normandie Englands“ Wenn Winzer eine Reise tun. Eine namhafte Abordnung brachte den Südengländern österreichischen Wein näher

Impressum Herausgeber, Medieninhaber und Hersteller: Russmedia GmbH, A-6858 Schwarzach, Gutenbergstraße 1 • Redaktionelle Leitung: Sabine Blechschmidt, sabine.blechschmidt@russmedia.com • Redaktion: Christa Dietrich, Ernest F. Enzelsberger, Patrizia Gunz, Marion Hepberger, Elisabeth Längle, Franz Muhr, Alexander Rabl, Andreas Scalet • Art Direktion: Nadine Rüscher, nadine.ruescher@russmedia.com • Fotos: Bernd Hofmeister, Oliver Lerch, Roland Paulitsch, Frederick Sams, Philipp Steurer, Dietmar Stiplovsek, Ralph Larmann, Karl Forster, Markus Gmeiner, Videokönig, Marcel Mayer, Scheiderbauer, Yachtclub Hard, Thomas Thaler, Roland Schuller, Shutterstock, Culinarium, Alfa, Bevanda, Raymond Weil, www.walser-image.com, Leistungsdiagnostikzentrum Vorarlberg, Pub Klemo, Amador’s Wirtshaus & Greißlerei, Restaurant Fuhrmann, Heidrun Henke, Monika Nguyen, David Sirvent, Goethe-Institut, Jan Bitter, Sandra Kuehne, M. Wörgötter, A. Fitz, Heather Edwards, Robert Stark, Siffert/Weinweltfoto.ch • Anzeigenberatung: Russmedia GmbH, A-6858 Schwarzach, Gutenbergstraße 1, Patrick Fleisch, +43 5572 501-818, patrick.fleisch@russmedia.com; Gerard Hann, +43 5572 501-277, gerard.hann@russmedia.com; Nadja Mauser, +43 5572 501-280, nadja.mauser@russmedia.com; Gabriel Ramsauer +43 5572 501-785, gabriel.ramsauer@ russmedia.com • Druck: Buchdruckerei Lustenau GmbH, A-6890 Lustenau, Millennium Park 10 • Erscheinungstag: 17. Juni 2016 • Nächste Ausgabe: 28. Oktober 2016

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Am Bodensee wird eine

riesige Schlange

Foto: Ralph Larmann

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In der 70-jährigen Geschichte der Bregenzer Festspiele erfolgte eine Reihe von technischen Pionierleistungen. Eine davon, nämlich BOA, hört sich nicht nur tierisch an. Das Hören ist schließlich auch bei einem Schaustück ein wesentlicher Aspekt. Die Windrichtung oder die Wetterlage spielt immer irgendwie mit. Wer in der Bregenzer Oberstadt wohnt, also in einem Viertel, das ziemlich weit entfernt vom eigentlichen Ort des Geschehens, dem Seeufer, liegt, konnte viele Sommer lang den Stückverlauf mitverfolgen, hörte, welche Arie in „Tosca“, in der „Aida“ oder in der „Zauberflöte“ und der aktuellen „Turandot“ gerade angestimmt wird. In seenahen Wohngebieten funktioniert das nicht. Die Akustik hat ihre eigenen Gesetze. In den Gründerjahren des im Sommer 1946 gestarteten Festivals setzte man sogar darauf, dass das Wasser den Schall trägt. Freilich hat das bald darauf nicht mehr gereicht. Als in den 1980erJahren dann endgültig Schluss war mit den Operetten, von denen einige Passagen auch auf der Zuschauertribüne nicht einwandfrei vernommen werden konnten, waren Verstärker und vor allem das Richtungshören das Um und Auf. Als Intendant Alfred Wopmann im Jahr 1985 seine Königin der Nacht in einer sich öffnenden Bergspitze postierte, sollte sie der Besucher auch genau von dort vernehmen und für die drei Knaben in der hoch oben befindlichen Seilbahngondel galt dasselbe. Sie hatte sich schließlich quer über die Bühne bewegt. Die Zeile „Zum Ziele führt dich diese Bahn ...“ hatte somit auch einen akustischen Bogen über dem Geschehen gebildet. Donnergrollen und Kirchenglocken. Gerd Alfons war damals neuer Technik-Chef, und als Fachmann mit Erfahrungen von den Bayreuther Festspielen hatte er sich einerseits darum zu kümmern, dass riesige Bühnenteile geräuschlos bewegt werden und dass andererseits die willkommenen Klänge perfektioniert bzw. die Stimmen der Sänger authentisch vermittelt werden. Wie weit die Wünsche eines Regisseurs oder Bühnenbildners gehen können, beschreibt er gerne am Beispiel des „Fliegenden Holländers“. Das war jene Produktion, mit der David Pountney, der spätere Intendant, erstmals als Regisseur nach Bregenz kam. Sein Bühnenbildner Stefanos Lazaridis wollte einen echten Sturm bzw. den Wellengang, den ein Sturm nach sich zieht, an der entsprechenden Stelle der Handlung haben. Um irgendwie zu er-

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Die nahezu 900, das Publikum auf der Tribüne wie ein Band umschließenden Lautsprecher leiten auch die Augen der Zuseher. Als Papageno in der „Zauberflöte“ etwa durch seinen Dschungel lief, wanderte seine Stimme mit. Dasselbe ist heuer in der „Turandot“ erfahrbar, wenn Prinz Calaf beispielsweise zum Gong schreitet, um sich den Prüfungen zu stellen.

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Fotos: Roland Paulitsch, Karl Forster, Markus Gmeiner

klären, dass in Bregenz ja viel geht, aber das eben nicht bzw., dass noch so viele Maschinen unter Wasser lediglich eine klägliche Wasserbewegung nach sich ziehen können, stellte er einfach in den Raum, dass 80 Prozent der Leistung von großen Bodenseeschiffen in die Bugwelle gehen. Lazaridis versprach daraufhin eine künstlerische Lösung zu finden und fand sie. Und was hat das mit der Schlange auf sich? Bregenz Open Acoustics – eben BOA – heißt das Soundsystem, das vor etwas mehr als zehn Jahren erstmals zum Einsatz kam, im Jahr 2006 mit dem deutschen Bühnenpreis „Opus“ ausgezeichnet und danach noch weiter verfeinert wurde. Kurz zusammengefasst, ist es eine Weiterentwicklung des erwähnten Richtungshörens, das es den Zuhörern ermöglicht, die Bewegung der Solisten oder anderer Tonquellen auf der bis zu 60 Meter breiten, jeweils mehrstöckigen Bühne wahrzunehmen. „Über BOA erzeugen wir einen Raumklang, der auf der Wellenfeldsynthese funktioniert, erklärt Wolfgang Urstadt, der als Nachfolger von

Gerd Alfons seit dem letzten Jahr in Bregenz arbeitet und zuvor unter der neuen Intendantin Elisabeth Sobotka in Graz tätig war. „Zum Raumklang und der Ortung der Sänger kommt noch eine dritte Ebene, die Effektebene“, führt der TechnikChef aus und versichert jedem Musikfreund umgehend, dass jeglicher Effekt in Absprache mit dem Dirigenten zum Einsatz kommt. Bekanntermaßen sind manche Töne, die nicht mit dem herkömmlichen Instrumentarium erzeugt werden können, auch in Partituren festgeschrieben. In Mozarts „Zauberflöte“ durfte vor allem auf dem See einiges Donnergrollen stattfinden und die Glocken in Puccinis „Tosca“ wurden in verschiedenen Kirchen Vorarlbergs aufgenommen und am See

so eingesetzt, dass man sich in der Tat wie in einem Kirchenraum fühlte. An den Tribünenrändern ist die Bregenzer Riesenschlange letztlich ja auch sichtbar, knapp 900 Lautsprecher befinden sich in dem Band, das den Zuschauerbereich umfasst. Als wären sie auf dem See. Zwölf Fachleute sind pro Seebühnenaufführung mit dem Akustikbereich beschäftigt. Einer hat eine besondere Aufgabe, er liefert dem Dirigenten das gewünschte Videobild. Seit einigen Jahren schon sitzen die Wiener Symphoniker im Orchestergraben des Festspielhauses und können darauf vertrauen, dass man sie so hört, als befänden sie sich auf dem See. „Es hat mich

An der Entwicklung von BOA beteiligt waren die Festspieltechniker, Experten vom Fraunhofer-Institut, der österreichische Tontechniker Wolfgang Fritz und der experimentierfreudige deutsche Dirigent Ulf Schirmer. kontur 9


Das Akustiksystem auf der Bregenzer Seebühne hat, beginnend vor über zehn Jahren, eine enorme Veränderung erfahren. Grundsätzliches Entwicklungspotenzial in der Bühnentechnik sieht Wolfgang Urstadt, der Nachfolger von Gerd Alfons, beim Licht. Die LED-Technologie werde man weiterentwickeln und die Laserprojektoren hätten inzwischen eine derart hohe Lichtausbeute, dass man im Freien auch schon bei Tageslicht arbeiten könne.

umzusetzen, sollte nie über das Geld reden und muss außerdem in der Lage sein, physikalische Gesetze außer Kraft zu setzen“, schmunzelt Urstadt.

sehr begeistert, wie hier alles organisiert wird“, begründet Urstadt seine Entscheidung für Bregenz: „Ich hatte das große Glück, noch eine Zeit lang mit Gerd Alfons unterwegs zu sein. Das war sehr angenehm, weil er jemand ist, der die Bregenzer Festspiele, die gesamte Infrastruktur hier mitgeprägt hat.“

Kontakte aufbauen. Er war früher auch im Pop-Bereich tätig, hat also Erfahrungen mit riesigen Bühnen und kann zur Oper „Carmen“, die in den Jahren 2017 und 2018 auf dem See inszeniert wird, schon einmal sagen, dass es möglich sein wird, überwiegend Betriebe in der Region mit Aufträgen zu betrauen. Traditionelle Dekorationswerkstätten könnten Seebühnenteile ohnehin nicht herstellen, ohne große Produktionswerkstätten zu arbeiten und sich eine Struktur an Kontakten zu verschiedenen Betrieben aufzubauen, erachtet er als absolut zielführend.

Alfons war es auch, der mit der „Turandot“ seine liebe Not hatte. Der Zweijahresrhythmus bleibt vorerst, die Puccini-Oper steht somit auch heuer wieder auf dem Programm. Am Scheitelpunkt dieser Chinesischen Mauer, die wie ein Drache aus dem See steigt, befindet sich eine aufklappbare Spielebene, die den Technikern ordentlich Kopfzerbrechen bereitete. „Ein Prototyp“, sagt Urstadt. Der Innenteil besteht nämlich aus einer LED-Fläche, was heißt, dass sich dieser Deckel nicht verbiegen darf. „Ich kenne das, als Techniker hat man die Idee des künstlerischen Teams

Grundsätzliches Entwicklungspotenzial in der Bühnentechnik sieht Urstadt übrigens beim Licht. Die LED-Technologie werde man weiterentwickeln und die Laserprojektoren hätten inzwischen eine derart hohe Lichtausbeute, dass man im Freien auch schon bei Tageslicht arbeiten könne. Für „Hamlet“ von Franco Faccio, der Oper, die in diesem Jahr im Haus gespielt wird, kommt übrigens mit Manfred Voss der „Haus- und Hof-Lichtdesigner der Bayreuther Festspiele“ nach Bregenz, der schon den Jahrhundert-Ring von Chéreau mitverantwortete. Christa Dietrich

Foto: Videokönig

Gerd Alfons (links) mit seinem Nachfolger Wolfgang Urstadt.

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Gábor Boldoczki T R O M P E T E C A P EL L A G A B E T TA A N D R É S G A B E T TA , V I O L I N E & L EI T U N G Antonio Vivaldi „Tromba Veneziana“ MI T T WO CH, 30. N OV EMBER 2016

Orchestra & Choir of The Sixteen

HARRY CHRISTOPHERS, LEITUNG Georg Friedrich Händel „Der Messias“

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D O N N E R S TA G , 19 . J Ä N N E R 2 017

Wiener Symphoniker TEODOR CURRENTZIS, DIRIGENT PAT R I C I A KO PATC H I N S K A JA , V I O L I N E Werke von Pjotr I. Tschaikowsky S A M S TA G , 18 . M Ä R Z 2 017

BBC Philharmonic Orchestra F ES T S PI E LH AU S B R EG E N Z www.bregenzermeisterkonzerte.at ABONNEMENT-VORVERKAUF: von 4. Juli bis 26. August 2016 bei Bregenz Tourismus & Stadtmarketing, T +43 (0)5574/4080 EINZELKARTEN-VORVERKAUF: ab 1. September 2016 bei Bregenz Tourismus und www.v-ticket.at Die Konzerte beginnen um 19:30 Uhr im Festspielhaus Bregenz. Termin-, Besetzungs- und Programmänderungen vorbehalten. Foto: Orchestra & Choir of The Sixteen © MolinaVisuals Eine Veranstaltungsreihe der Landeshauptstadt Bregenz, Kulturamt.

JUANJO MENA, DIRIGENT JULIA FISCHER, VIOLINE Werke von Carl Maria von Weber, Benjamin Britten, Edward Elgar M I T T W O C H , 2 6 . A P R I L 2 017

London Symphony Orchestra FR A NÇOIS -X AV IER ROT H, DIRIGEN T Werke von Claude Debussy, Anton Bruckner D O N N E R S TA G , 18 . M A I 2 017

Orpheus Chamber Orchestra ALISA WEILERSTEIN, CELLO Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Joseph Haydn, Anton Webern, Wolfgang Amadeus Mozart


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Vereinte Power für globale Möbelbranche Zu Innovationen für die „Industrie 4.0“ führt die Allianz des Sägepioniers Schelling aus Schwarzach und des Automatisierungsprofis IMA aus Lübbecke (NordrheinWestfalen). Das stetige Wachstum fordert aber auch kontinuierlich mehr Fachleute.

Die Schelling-Geschäftsführer Wolfgang Rohner und Stefan Gritsch.

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Die Vorarlberger IMA Schelling Group (ISG) ist führend bei Schlüsseltechnologien für den Holz verarbeitenden Sektor. Vernetzte Produktionsanlagen sind die Zukunft der Industrie. Gerade auch bei Möbeln und Küchen. Hochwertige Einzellösungen sind zwar sehr wichtig, aber zu wenig. Die Suche Schellings nach einem strategischen Partner war daher logisch. Hinter der Möbelbranche steht eine gigantische globale Industrie. „Schelling Anlagenbau und IMA Klessmann sind darin seit Jahrzehnten bedeutende Player“, so ISG-Teilaktionär und Schelling-Co-Geschäftsführer Wolfgang Rohner. Und weiter: „Schelling trumpft mit seiner Spezialisierung auf ebenso effiziente wie präzise Plattenaufteilsägen und voll automatisierte Sägeanlagen auf,

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IMA mit Hochleistungsbekantung, Bohrund CNC-Bearbeitung samt Automatisierung und Verkettung.“ Strategische Partner. Schelling ist ein Unternehmen mit einer hundertjährigen Tradition. Es wuchs laut Firmenangaben Schritt für Schritt an die Weltspitze. Kompetenz wird überwiegend bei Holzwerkstoffplatten, aber auch – mit immerhin einem Drittel des Umsatzes – bei Aluminium-, Buntmetall-, Stahl-, Kunststoff- und Leiterplatten bewiesen. Diese Diversifikation über Holzwerkstoffe hinaus wird auch nach Übernahme der IMA beibehalten und speziell im Stahlbereich intensiviert. „Unsere Sägen gelten als solide, durchdacht, präzise, zuverlässig und langlebig. Die Premiummarke unter den Plattenaufteilsägen bedient sich dem bewährten Prinzip einer unter dem Tisch fahrenden, heb- und senkbaren Kreissäge“, erläutert Stefan Gritsch, gleichrangiger weiterer Geschäftsführer von Schelling. Ziel ist es, die Stärken beider Marken und ihrer Produkte zu pflegen, die Technologien aber

miteinander zu entwickeln und für die verkettete Produktion aufeinander abzustimmen. Schellings Standardpalette an Sägen ist für die ambitionierten Handwerksbetriebe vernünftig und für die Industrie eine hochwertige Alternative. Auf diesen Produkten aufbauend entwickelt und baut das Unternehmen maßgeschneiderte Anlagen für das hochproduktive Plattenaufteilen – immer mehr im Kontext von vollautomatischen Produktionslinien. Seit Jahren schon geschieht dies auch in der extrem anspruchsvollen Losgröße-1-Fertigung, also der auf den ersten Blick widersprüchlichen „Serienfertigung von Einzelprodukten“. Denn die Individualisierung der Produkte erweist sich als einer der großen Trends – auch und gerade in der Möbelbranche. Digitalisieren, vernetzen. So ist es beispielsweise schon lange möglich, in einem dezentralen Küchenstudio weitab von einem Herstellerwerk CAD-unterstützt eine völlig individuelle Küche zu planen, die Daten online ans Werk zu senden


und dort die Küche voll automatisiert zu produzieren. Doch das Internet bringt Endkunden, Werkstoffe, Maschinen, Roboter, Endprodukt und Logistik täglich noch näher zusammen. Auch IMA Klessmann ist ein Hersteller mit Tradition. Im Fokus steht die Möbel- und Küchenindustrie. Richtungsweisende Technologien für Kanten, Bohren und CNC-Bearbeitung wurden am Markt etabliert. Und die Beherrschung verschiedener Disziplinen im Produktionsprozess brachte schon früh Know-how für die Verkettung und letztlich Digitalisierung der Bearbeitungsstationen. Die Stärken der beiden Unternehmen führten in den vergangenen Jahren zu einer immer intensiveren Zusammenarbeit. Äußerlich sichtbar wurde das weltweit durch gemeinsame Messeauftritte. Hinter den Kulissen kooperierte man, wo immer es um die Verkettung von Anlagen ging. Schulterschluss der Kompetenzen. Dieses Miteinander brachte viele Vorteile. Um aber auf lange Sicht weitaus reibungsloser verkettete Anlagen mit sich wechselseitig integrierenden Technologien bieten zu können, war ein Schulterschluss naheliegend: Damit nicht unabhängig voneinander entwickelte Systeme erst am Ende zusammengebracht würden, sondern Kompo-

Auf der Standardpalette an Sägen aufbauend entwickelt und baut das Unternehmen maßgeschneiderte Anlagen für das hochproduktive Plattenaufteilen – immer mehr im Kontext von vollautomatischen Produktionslinien. nenten, die von Anfang an dafür ausgerichtet sind. Das war der Beginn der IMA Schelling Group. Sie wurde Mitte 2015 aus der Taufe gehoben und zählt vom Start weg laut Firmenangaben zu den bestimmenden Konzernen ihrer Kompetenzbereiche. Ziel ist, die Stärken beider Marken und ihrer Produkte weiter zu pflegen, aber die Technologien miteinander zu entwickeln und untereinander abzustimmen, um maßgeschneiderte Gesamtlösungen nach Kundenbedürfnissen aus einem Guss zu verwirklichen. Das betrifft im Engeren alle Agenden rund um die Verkettung samt Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung sowie die Ausrichtung an den Megatrends „Industrie 4.0“ respektive „Internet der Dinge“. Angesagt ist die flexible Integration aller Komponenten einer Anlage und deren Schnittstellen in die SoftwareUmgebung. Schnittstellen, an denen sich immer mehr Roboter finden werden.

„kontur“-Redakteur Ernest F. Enzelsberger (M.) mit Wolfgang Rohner (r.) und Stefan Gritsch.

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IMA Schelling Group: Beschäftigte weltweit: 1350 (850 IMA, 500 Schelling), davon in Österreich: 360; Auszubildende: 120; Konzernumsatz 2015: 250 Mill. Euro; Exportquote: 98 Prozent; Hauptabsatzmärkte: Deutschland, USA, Frankreich, Polen, China; Standorte weltweit: 22, davon in Europa: 12; Hauptaktionär: SAB Holding GmbH (vollständig in Privatbesitz)

Der Zusammenschluss soll eine optimale Ausgangsposition für die Zukunft bringen. „Gut aufgestellt und mit vereinter Power“, so Geschäftsführer Rohner, „gehen wir den technologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts entgegen.“ Sein Managerkollege Gritsch fügt dem hinzu: „Und das sichert nicht nur unseren Unternehmensstandort, in den wir in den letzten Jahren 15 Millionen Euro investiert hatten, sondern baut unsere Zukunftsperspektiven sogar aus.“ Ernest F. Enzelsberger

Fotos: Oliver Lerch

Attraktives Karriereumfeld. Die IMA Schelling Group bündelt die Aktivitäten von IMA und Schelling. Gemeinsam wurden im Vorjahr 250 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Beschäftigt werden weltweit 1350 Mitarbeiter an 22 Standorten. „Seitens IMA und deren Mitarbeitern war die Übernahme durch den Vorarlberger Vorzeigebetrieb ideal. Schelling als Industrieunternehmen in privater Hand war der absolute Wunschkandidat für die sichere Gestaltung unserer Zukunft“, freut sich IMA-Geschäftsführer und ISG-Mitgesellschafter Bernhard Berger. Obwohl der Zusammenschluss rundum Synergien und speziell im Vertrieb brachte, stehen die Weichen auf Expansion. Während die Anla-

gen immer mehr auf die sogenannte „mannlose“ Produktion aufgerüstet werden, benötigt der Konzern selbst immer mehr Fachpersonal. Von der Entwicklung bis zum Service aus einer Hand. In beiden Unternehmen wird deshalb auf die Lehrlingsausbildung gesetzt, die für den notwendigen Nachwuchs sorgen soll. Der aktuelle Stand beträgt 120 Auszubildende. Natürlich stoßen auch Fachleute externer Einrichtungen und Bildungsstätten zu IMA und Schelling, rund ein Drittel der Belegschaft besitzt einen Ingenieurtitel. Gefragt sind Experten für Entwicklung, Projektierung, Maschinenbau, Software und Service. Die globale Orientierung der Gruppe ist für viele Mitarbeiter höchst attraktiv. Selbst Lehrlinge haben die Chance, Auslandserfahrungen in ganz Europa, in Amerika oder Asien zu sammeln. Das macht die Arbeit bei IMA Schelling zum Karrieresprungbrett.

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41 Jahre und kein bisschen müde. Ganz im Gegenteil: Das Casino Bregenz stellt an sich den Anspruch, sich immer wieder neu zu erfinden. Der Relaunch war dafür ein bedeutender Meilenstein. Und die Botschaft ist klar: Am Bodensee kann man mehr als nur spielen. 2015 wurde im Casino Bregenz groß gefeiert – nicht nur 40 Jahre, sondern auch die Eröffnung der Cloud Lounge sowie die Erweiterung des Restaurants FALSTAFF. Mit dem Ende der Sanierungsarbeiten ging auch die Positionierung als ErlebnisCasino im Bodenseeraum einher. „Das Spielangebot setzt in Kombination mit den erweiterten gastronomischen Flächen neue Maßstäbe“, ist Dr. Karl Stoss,

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Generaldirektor von Casinos Austria, überzeugt. Für ihn und Bernhard Moosbrugger, Direktor des Casinos Bregenz, ist der Ausbau ein klares Bekenntnis zum Standort. Das Casino Bregenz bietet auf ca. 3000 m² Fläche ein Angebot, das alle Sinne ansprechen soll. So steht den Besuchern ein internationales Spielangebot mit French Roulette, American Roulette, Black Jack, Poker, Automatenspiel und mehr zur Verfügung. Besonderes Highlight sind aber natürlich auch die Gastronomie- und Veranstaltungsflächen. Platz für Genuss. Da wäre beispielsweise die Casino Lounge. Einladend sind hier die stilvollen Lounge- und Bistromöbel, ein Eyecatcher ist die Videowall, auf der Animationen und Naturaufnahmen aus

Fotos: Marcel Mayer

Kulisse für alle Sinne


der Region sowie der Welt präsentiert werden, am Wochenende erwartet die Besucher Livemusik. „Über den Dingen“ sitzt man im Restaurant FALSTAFF. Von dort hat man den Spielsaal und das Geschehen immer im Blick. Das Restaurant, das im vergangenen Jahr um zusätzliche 80 Plätze erweitert wurde und somit in Summe Raum für 150 Gäste bietet, steht für Kulinarik und Gastrotainment in stimmungsvollem Ambiente. Das haben mittlerweile auch zahlreiche Unternehmen erkannt, die das Casino als Location für Feiern, Incentives, Galas oder Preisverleihungen wählen. „Ich denke, ein Grund hierfür ist die Ausgewogenheit von Spielmöglichkeiten, Gastronomie, Action und Entspannung“, so Bernhard Moosbrugger. Immer im Mittelpunkt steht dabei die

Kulinarik, weshalb in den kommenden Monaten auch ein Schwerpunkt auf diverse Genussevents gelegt wird. Auf Wolke 7. Zum Gesamtkonzept gehört auch die Cloud Lounge. Wie eine weiße Wolke schwebt die namensgebende Konstruktion über der Terrasse, ihre ganze Schönheit entfaltet sie bei Nacht. Dank dynamischem Licht kann sich die Cloud verändern und das Ambiente bestimmen. „Die Cloud, in Kombination mit der Medienfassade, soll neugierig machen und

auch Flanierer dazu anregen, einen Schritt ins Casino zu wagen“, so Karl Stoss. Den weit verbreiteten Irrglauben, im Casino müsse man spielen, kann er widerlegen: „Restaurant und Cloud Lounge, die im Sommer täglich ab 16 Uhr geöffnet hat, sind vom Platz der Wiener Symphoniker aus und im Haus über einen eigenen Aufgang erreichbar. Man kann den Abend also auch exklusiv im Gastronomiebereich verbringen.“ Und wenn man doch Lust auf mehr Erlebnis und Nervenkitzel bekommt, findet der Gast alles unter einem Dach.

Jährlich besuchen mehr als 330.000 Gäste aus über 40 Nationen das Casino Bregenz. Das Gesamtkonzept überzeugt und ist wegweisend für die Zukunft. kontur 19


Er kennt das Casino Bregenz wie seine Westentasche. Bernhard Moosbrugger hat seine Karriere im Jahr 1990 als Spieltechniker begonnen, arbeitete als Senior Croupier, Saalchef und Gaming Manager, bevor er 2012 die Funktion des Direktors übernahm. „kontur“ hat ihn zum Interview getroffen. sondern einfach das besondere Erlebnis suchen, war der Auslöser für unsere Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen. Wie setzt sich das Publikum zusammen? Grob geschätzt reicht es von 18 bis 99 Jahren. Wir haben Gäste, die sind in den 90ern und kommen regelmäßig, andere kommen zum ersten Mal mit 18 und dann vielleicht nie wieder. Was man aber sagen kann: An den Wochenenden sinkt der Altersdurchschnitt tendenziell. Der Anteil an Frauen und Männern hält sich ziemlich die Waage. Wobei die Männer bei der Höhe der Spielbeträge doch etwas risikofreudiger sind. Was möglicherweise aber auch mit dem Durchschnittseinkommen von Mann und Frau zusammenhängt.

Wie haben Sie den Weg des Casinos Bregenz in den vergangenen Jahren miterlebt? Die Entwicklung war schon immer gut, aber in den vergangenen sechs bis acht Jahren hat sie sich stark beschleunigt. Was ich feststelle: Das Casino wird immer mehr zum gesellschaftlichen Meeting Point. Früher war es doch eine eigene Welt, etwas verrucht, fast schon mysteriös. Mittlerweile ist es ein Treffpunkt, an dem das Gesamterlebnis viel mehr im Mittelpunkt steht. Der Kundenwunsch hat sich also drastisch geändert. Woher kommt diese Wandlung? Ich glaube, das hat im gewissen Maß auch mit der Digitalisierung der Welt und deren Nebenerscheinungen zu tun. Man hat zwar Tausende Facebookfreunde, aber in Wirklichkeit sitzt man zu Hause. Das Casino ist noch einer der wenigen Orte, an denen man sich treffen und Kulinarik, Nervenkitzel aber auch Entspannung erleben kann. Einer der wenigen Anlässe, für den man sich wirklich herausputzen und „aufbrezeln“ kann, ohne overdressed zu wirken. Dass mehr als 50 Prozent unserer Besucher oftmals nicht spielen,

Als Ort des Glückspiels hat das Casino auch eine große Verantwortung. Wie kommen Sie dieser nach? Der Mensch ist ja eigentlich ein „Homo ludens“, das Spielen liegt also in der menschlischen Natur. Gerade deshalb nehmen wir den Spielerschutz extrem ernst. Die Mitarbeiter, die für Responsible Gaming Sorge tragen, werden regelmäßig geschult, unsere internen Richtlinien sind weit höher angesetzt, als der Gesetzgeber es von uns fordert. Durch die technischen Voraussetzungen, mit Kameraüberwachung und Anbindung der Automaten ans Bundesrechenzentrum, hat das Monitoring der Gäste in den vergangenen Jahren zudem an Bedeutung gewonnen. Wer wirklich ein Problem mit dem Spielen hat, wird schneller gefunden. Hier ist auch die Vernetzung der Casinos von Bedeutung, in Österreich sind über 50.000 Gäste gesperrt. Wie ist Ihr Bick in die Zukunft? Es werden in den nächsten Jahren auf jeden Fall Herausforderungen auf uns zukommen, wie beispielsweise der Nichtraucherschutz ab Mai 2018. Darauf richtig zu reagieren, wird eine bedeutende Aufgabe werden. Denn man weiß aus Erfahrung: Eine komplette Umstellung hat Umsatzeinbußen zur Folge. Dem müssen wir entgegenwirken und da wird es vielleicht noch die eine oder andere Umbaumaßnahme geben. Was zudem bleibt, ist der stetige Wettbewerb mit dem Internet. Aber ich bin davon überzeugt: Am Ende gewinnt das reale Erlebnis. Sabine Blechschmidt

70 Prozent der Gäste kommen vor allem aus dem Einzugsgebiet Schweiz und Süddeutschland. „Differenzierungsmerkmal Nummer 1 sind unsere Mitarbeiter, an die wir einen sehr hohen Anspruch haben. Diese Qualität wissen die Besucher zu schätzen.“ 20 kontur


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Agent James Bond, Ex-Fußballer David Beckham, Satiriker Jan Böhmermann, „Mentalist“ Simon Baker – was diese Herren, außer dem B am Anfang ihres Nachnamens, verbindet? Nun, sie alle wissen um das Geheimnis und die Wirkung eines perfekt sitzenden Anzugs. Dass man diesen nicht nur in London, New York oder Paris findet, dürfte die hiesige Herren- und Damenwelt gleichermaßen erfreuen. Richtig gelesen: Auch in Vorarlberg kann Mann „auf Maß“ schneidern lassen.

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Stoffmuster, Maßbänder, Knöpfe, Stecknadeln – man fühlt sich wie in einer ganz normalen Schneiderei, betritt man den Bereich „Maßkonfektion“ bei Sagmeister in Bregenz. Wäre da nicht der Whisky, der auf potenzielle Kunden wartet. So sieht sie also aus, die Welt der Männer mit Stil. Und genau hier kümmern sich Clemens Sagmeister und seine Mitarbeiter um den großen Auftritt mit persönlicher Handschrift. „Möglich macht das die Custommade Collection, die wir seit über einem Jahr anbieten“, erklärt Clemens Sagmeister. Zwei bis drei Anzüge werden pro Woche auf Maß geordert, Tendenz steigend. „Man merkt schon, dass die Männer wieder mehr Stilbewusstsein entwickeln – und dieses individuell zum Ausdruck bringen wollen.“

machen es vor, die Fans ziehen nach. „Es kommt auch vor, dass Kunden mit einem Foto von James Bond zu uns kommen und sagen: Genau diesen Anzug will ich haben“, so der Geschäftsführer von Sagmeister Der Mann. Bei über 2000 Stoffen zur Auswahl dürfte das aber wahrlich kein Problem sein. Hinzu kommen mehrere Innenfuttervarianten, Knöpfe in allen erdenklichen Formen und Farben, die passenden Hemdstoffe dazu und und und ...

Aussehen wie 007. Waren die letzten zwei Jahrzehnte die Epoche der Sneaker und Windbreaker, gehört dieses modisch wieder dem Anzug. Serienhelden wie die „Mad Men“ oder die Anwälte von „Suits“

Ob Datum der Hochzeit oder „Summa cum laude“ bei der Sponsion – ins Revers eingestickte, wichtige Daten machen den Anzug einmalig und persönlich.

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Vor allem Heiratskandidaten sind es, die das Individuelle suchen – und finden. „Die Möglichkeiten sind quasi unbegrenzt. So kann die Farbe des Anzuges perfekt an das Brautkleid oder das Farbthema der Hochzeit angepasst, das Hochzeitsdatum ins Revers gestickt, oder ein Teil des

Brautkleides mit eingearbeitet werden, für die Hochzeit in der Karibik gibt es statt langen Hosen Bermudas“ – um nur einige Beispiele zu nennen. Nach dem Maßnehmen und der Auswahl der Stoffe, Schnitte und Knöpfe werden alle Daten gespeichert und an den Maßschneider in Ams­ terdam geschickt. Etwa einen Monat später kommt der Anzug in Vorarlberg an – und dann folgt das Feintuning. „Nach der Zweitanprobe machen sich unsere Schneiderinnen an die perfekte Passform. Schließlich soll der Anzug am Ende einwandfrei sitzen.“ Westen kommen wieder. Doch was macht ihn eigentlich aus, den perfekten Sitz bzw. den „Anzug von heute“? Schmal und kurz lautet hier auch weiterhin die


Nach dem Maßnehmen und der Auswahl des Modells haben die Kunden die „Qual der Wahl“. Sie können nicht nur aus über 2000 Stoffen wählen, auch die Entscheidung über Innenfutter, Knöpfe, Einstecktuch oder Hemd, über einreihig oder zweireihig geknöpft steht ihnen bevor. Da ihre Maße und Daten gespeichert werden, können jederzeit weitere Sakkos oder Hosen nachbestellt werden.

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Fotos: Frederick Sams

Devise – „slimfit“ im Fachjargon. Einer der wichtigsten Punkte beim Sakko ist die Schulterpartie. Nicht zu breit und nicht zu schmal, die Schulternaht sollte bündig am Oberarm abschließen – kleine Regeln, die entscheidend für die Passform sind. „Gute Qualität erkennt man unter anderem daran, dass der Anzug nicht komplett geklebt ist, an der schönen Ausarbeitung der Knopflöcher und am Hemd. Hier sollten gewisse Details handgearbeitet sein“, gibt Clemens Sagmeister als Tipp mit auf den Weg. Und er kennt natürlich auch die Trends. Dreiteiler sind einer davon. Der Anzug mit Weste wird wieder gefragter. Ebenso wie Nadelstreifen, die aber gerne auch breiter und sommerlicher ausfallen

können. „Bei den Farben gibt Dunkelblau weiterhin den Ton an. Was einfach auch daran liegt, dass es sich gut kombinieren lässt und eigentlich jedem Hauttyp steht.“ Gerade im Sommer kann man die Bühne aber auch anderen Farbnuancen, wie einem markanten Italienischen Blau, überlassen. Apropos Bühne: Zur Festspielzeit darf es ruhig auch mal extravaganter sein. Gemusterte Modelle sind dann keine Seltenheit. „Und wenn man den Stoff gut wählt, kann man das Sakko später auch einfach zur Jeans tragen.“

lassen. „Auch Bankmitarbeiter kommen zu uns, um sich ihr Büro-Outfit schneidern zu lassen. Auf den ersten Blick und von außen betrachtet fällt das dann eher dezent aus, hält aber vielleicht den Überraschungseffekt beim knalligen Innenfutter bereit.“ Im Besonderen freut sich Clemens Sagmeister über die Zusammenarbeit mit der österreichischen SpecialOlympics-Mannschaft. „Wir haben dem Team zehn Maßsakkos spendiert, mit rotweiß-rotem Innenfutter und dem Datum der World Games in Amerika eingestickt.“

Mit Überraschungseffekt. Es sind aber nicht nur spezielle Anlässe, die die Herren nach Anzügen mit Persönlichkeit rufen

Gesellige Runde. Es ist diese ganz individuelle Note, die Anzüge für jede Gelegenheit zu etwas Speziellem werden lässt. Und genau so ist auch das Einkaufserlebnis nicht ganz alltäglich. „Die Kunden können außerhalb der Öffnungszeiten kommen, manchmal haben wir auch ganze Runden von Herren hier, die bei uns im Laden einen tollen Abend verbringen.“ Hier kommt dann auch der Whisky wieder ins Spiel ... Sabine Blechschmidt

Der Anzug bildet das „Grundgerüst“. Stoffe, Farben, Innenfutter, Knöpfe und mehr unterstreichen die individuelle Note des Kunden. Das günstigste Modell liegt bei 899 Euro, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. 26 kontur


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„Die Werke meines Vaters erklären alles tausendmal besser“ Thomas (tOmi) Scheiderbauer ist Künstler. Als solcher hat er ein Buch herausgebracht. Es handelt von Curt Scheiderbauer, seinem Vater. Gemeinsam mit Thomas Schiretz kuratiert er die Sommerausstellung im Bregenzer Palais Thurn und Taxis. Zuvor sprechen wir über eine ganz besondere Kindheit.

Für seine Eltern war es weniger angenehm, als Kind fühlte sich Thomas Scheiderbauer aber wie im Paradies. Man stelle sich das vor. Eine alte Villa, der Boden knarrt, die Zimmer sind „abgewrackt“, wie er sich erinnert, aber es gibt ungemein viele davon. Bevor das Haus renoviert wurde und nun quasi ein Schmuckstück im kleinen Ort Kennelbach ist, stellte man es einem Künstler und Grafiker und seiner Familie zur Verfügung. Einst residierten dort die Pioniere des Industriezeitalters. In den 1960er-Jahren, als so gut wie alle Haushalte elektrifiziert waren, hatte man wenig übrig für altes Holz und Plüsch. Curt Scheiderbauer machte das Beste daraus, er hat die Gänge ausgemalt,

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„Das für uns Erstaunliche war die Schnelligkeit, mit welcher Curt das Problem begriff und löste, das passierte praktisch zeitgleich. Während wir darüber sprachen, schmunzelte er darüber. Plötzlich sagte er ,Etzt losand amol, und warum machma des nit einfach so?‘, nahm eine Serviette und begann, anstatt zu erklären zu zeichnen. Wir fassten es kaum, da war alles drauf, alles gelöst – das war’s.“ von vorne bis hinten mit psychedelischen Bildern bestückt. Nur Künstler zu sein, war mit zwei kleinen Kindern schwierig. 1937 in Dornbirn geboren, wird er nach dem Studium der Wirtschaftswerbung und Grafik in Wien Art Director in einer Kosmetikfirma, dann in einem Technikunternehmen und schließlich Creativ Director in einer Bregenzer Werbeagentur, um letztlich mehr als ein Jahrzehnt in dieser Funktion bei einem Unternehmen für Befestigungstechnik in Schaan zu arbeiten. Die Begegnung mit dem Unternehmer und Kunstsammler Michael Hilti sei für seinen Vater wichtig gewesen, erinnert sich Thomas Scheiderbauer. Für Werke, die der Konkreten Kunst nahestanden, hatte man in Vorarlberg damals noch wenig Verständnis, die Aufnahme in die hiesige Berufsvereinigung Bildender Künstler wurde Curt Scheiderbauer verwehrt, in Vaduz konnte er ausstellen, auch der aus Vorarlberg stammende und in Liechtenstein tätige Galerist Kurt Prantl erkannte die Qualität der Arbeiten und nahm sie in sein Programm auf. Emotional, sensibel, offen. Vor einigen Monaten hat Thomas Scheiderbauer ein umfangreiches Buch über seinen Vater heraus-

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gebracht. Ursprünglich sollte es ein Werk sein, das Vater und Sohn gemeinsam realisieren. Im Juni 2012 ist Curt Scheiderbauer gestorben. „In meinen und in den Armen meiner Mutter Dagmar“, sagt der Sohn. „Curt war durch und durch emotional, sehr empathisch, feinfühlig, sensibel, offen – das sieht man auch in seinen Arbeiten.“ Thomas Schiretz, der die Sommerausstellungen im Bregenzer Palais Thurn und Taxis kuratiert, spricht von einem „unbestechlichen Gespür für Farben“, er will die Chance ergreifen, das Gesamtwerk zu zeigen und den Künstler aus der „graphischen Ecke“ zu befreien. Dafür ist es längst Zeit geworden. Der Job in der Bregenzer Werbeagentur habe ihm gut getan, erinnert sich der Sohn, „das hat seiner Kunst einen Schub gegeben, es gab nie eine Pause, die glücklichste Zeit war aber wohl jene bei Hilti. Er fand zu einer ganz konkreten, fast architektonischen Malerei.“ Offenes Weltbild. Curt Scheiderbauer hat auch ein skulpturales Œuvre hinterlassen, aber auch ein Haus, das in Spanien errichtet wurde und für den 1961 geborenen Sohn Thomas bedeutend wurde, der inzwischen meist in der süditalienischen Stadt Lecce lebt, im „Absatz des Stiefels“ wie er meint. Angepasstheit gehör-


te nicht zum Lebenskonzept eines jungen Menschen, der in einer Künstlerfamilie aufwuchs. Dass er im Alter von 14 Jahren aus der Schule flog, einem „Knabengymnasium“ in Bregenz, hatte er als Wohltat empfunden, zählte er doch zu jener Gruppe, die mit einer Schülerzeitung mit Comics und Fotografie gegen die dort lehrenden Nachkriegspsychopathen rebellierte, einer Gruppe also, die sich in einem Klima des Verdrängens ein offenes Weltbild aneignete. Während die Kollegen die Matura anderswo ablegten, hatte er endgültig genug. Nach einer Lehre kam er in die Meisterklasse für Fotografie und wollte erst einmal weg aus Österreich. Der Vater zeigte Verständnis, hielt ihn nicht zurück, in Portugal traf er die inzwischen

zum Superstar avancierte Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist. Mehr aus Zufall landete man bei der Rückreise in Basel, fand Aufnahme in einer experimentellen Videoklasse, die inzwischen der Kunstakademie angegliedert ist. Damals schon festigte sich die Idee, die Künstlergruppe „c a l c“ (Casqueiro Atlantico Laboratoria Cultura) zu gründen, mit der Thomas Scheiderbauer – inzwischen unter dem Künstlernamen tOmi agierend – vor einigen Jahren auch in Ausstellungen in Bregenz vertreten war. Das Atelier des Kollektivs in Spanien hatte der Vater mitgebaut. „Der Kontakt zu meinen Eltern ist nie abgebrochen“, erzählt er, „ich glaube, sie haben mich viel öfter besucht als ich sie.“ Es braucht nicht viel Worte, um ein

Fotos: Scheiderbauer

inniges Verhältnis zu beschreiben. Ein umfangreiches Buch, das einem Werkverzeichnis gleichkommt, liegt auf, die Ausstellung wird somit mit einem Künstler konfrontieren, der als solcher zu Lebzeiten in Vorarlberg selten präsent war. Sie liefert auch eine Begegnung mit dem Künstlersohn. Sein Kollektiv „c a l c“ habe sich nie aufgelöst, die Wege der Mitglieder hatten sich aus verschiedenen Gründen getrennt, unter anderem, weil Teresa Alonso Novo Mutter wurde. „Wir nennen die Pause nur eine Sabbatical-Dekade, wenn das Kind von Teresa alt genug ist, arbeiten wir vielleicht weiter.“ Christa Dietrich

Die Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis in Bregenz ist dem ArtDirector, Graphiker und Maler Curt Scheiderbauer (1937 bis 2012) gewidmet. Er hat ein enorm vielschichtiges Werk hinterlassen, das vom 17. Juli bis 28. August zu sehen ist. kontur 31


Hart am Wind Seit seiner Kindheit segelt der Harder Thomas Thaler am Bodensee. Seine Faszination für diesen Sport hat auch nach knapp 50 Jahren nicht nachgelassen. Er lässt den Tagesablauf auf dem Wasser von den Elementen bestimmen und hat Freude über jeden Tag auf dem See.

Die Saison nutzen. Den Obmann des Yachtclubs Hard als Schönwettersegler zu bezeichnen, wäre völlig gefehlt. Immerhin verbringt er bis zu 40 Nächte pro Segelsaison, die für ihn meist von Anfang Mai bis Mitte Oktober dauert, auf seinem 35 Jahre alten Boot am Bodensee. Für ihn ist das Ausüben seiner Leidenschaft mit der entsprechenden Kleidung wetterunabhängig. Aufgrund der kurzen und manchmal durchwachsenen Sommersaison rentiere es sich nicht, nur bei Schönwetter zu segeln. „Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen und die Kosten werden dann zu hoch“, erklärt der Geschäftsführer von Chrysanth Thaler Stahlbau. Den Winter nutzt er für Instandhaltungsarbeiten an seinem Boot, das er seit sieben Jahren besitzt.

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Fotos: Yachtclub Hard, Thomas Thaler

Thomas Thaler ist Segler aus Leidenschaft. Geboren ist er am Bodensee und dank seiner segelbegeisterten Eltern mit dem Wassersport aufgewachsen. Schon mit sechs Jahren ist der Harder mit seiner ersten Jolle selbst gesegelt, Segeltraining und -kunde über den Yachtclub Hard folgten ebenso wie erste Teilnahmen an Segelregatten. Heute dient dem sportlich aktiven Segler seine Leidenschaft der Erholung. Von vielen Seglern ist immer wieder zu hören, dass mit dem ersten Schritt auf das Boot alles vergessen sei. Bei Thomas Thaler ist es ebenso: „Ich kann auf dem Boot abschalten. Das Segeln ist ein guter Ausgleich zum hektischen Geschäftsleben. Ich muss mich den äußeren Gegebenheiten hingeben. Und darin liegt der Reiz: Sich den äußeren Bedingungen wie Flaute oder Starkwind zu stellen. Die Elemente bestimmen den Ablauf. Die Stille, durchbrochen von Wind- und Wassergeräuschen, ist immer noch faszinierend.“ Segeln ist also nichts für Hektiker.


Partnerschaft. Während Thomas Thaler und seine Ehefrau Marion früher noch mit den drei Söhnen auf dem Boot über den Bodensee gesegelt sind, sind sie heute meist zu zweit auf ihrem 43-Fuß-langen und drei Meter breiten Segelboot unterwegs. Die beiden verbringen die Wochenenden und auch gerne ganze Urlaube auf dem Schwäbischen Meer. „Durch den beengten Platz auf dem Boot muss man sich darauf einlassen können. Ich genieße die Zeit sehr, die wir gemeinsam verbringen. Da wir bewusst kein Fernsehgerät auf unserem Boot haben, beschäftigen wir uns intensiv miteinander. Dies muss eine Partnerschaft auch aushalten“, erklärt der Segler mit einem Augenzwinkern. Das Segeln auf dem Bodensee hat auch nach all den Jahren nichts an seiner Faszination verloren. „Inzwischen haben wir unsere Segelausflüge ausgeweitet. Wir erkunden das Hinterland rund um den Bodensee mit Wanderausflügen.“ Abwechslung ins Seglerleben bringen auch die Segeltörns auf dem Meer. Beide Segelreviere sind für ihn gleichwertig. „Während ich am Bodensee am Abend schnell noch mal nach Lindau segeln kann, sind die Trips ans Meer geplant. Ich genieße es, dass ich mich mit meiner langjährigen Segelerfahrung am See auskenne. Am Meer gefallen mir die Weite, das Segeln nach Instrumenten und die fehlende Landsicht“, schildert der 55-Jährige. Herausfordernd. Dass der Bodensee von vielen als Leichtwindrevier kategorisiert wird, zaubert dem Vorstandsmitglied des Bodenseeseglerverbands ein Lächeln ins Gesicht. Denn es sind schon einige unerfahrene Segler von einem Wetterumschwung überrascht worden. „Am See kann sich das Wetter innert Minuten ändern und plötzlich pfeift einem der Wind mit bis zu 60 km/h ums Boot“, weiß Thaler aus Erfahrung. Und in so einem Fall kom-

Thomas Thaler segelt so lange es seine körperliche Verfassung zulässt. Später könnte er sich vorstellen, auch auf einem Motorboot über den See zu gleiten. Denn es gibt genügend Platz und jeder hat seine Berechtigung auf dem Wasser. kontur 33


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Das Segeln muss man nicht in die Wiege gelegt bekommen. Man muss nur die Leidenschaft dafür haben. Zuerst das Schifferpatent machen, dann durch das Mitsegeln bei einem Vereinsmitglied oder das Chartern eines Bootes genügend Erfahrung sammeln. Wichtig ist auch, sich in der Enge eines Bootes wohlzufühlen und das Schaukeln der Wellen zu vertragen. Erst dann sollte man sich die Anschaffung eines Bootes überlegen. men Bootsbeherrschung, geeignete Schutzausrüstung und gute Nerven ins Spiel. So wettert der Segler beispielsweise starke Stürme in der Mitte des Bodensees ab. Seine Erfahrung hat ihn gelehrt, dass es dort sicherer ist. Je näher das Boot bei Sturm in Landnähe ist, desto kritischer kann es werden. An Unerfahrene hat der Harder den Tipp, mit einem erfahrenen Team auf den See zu segeln und gemeinsam mit ihnen solche Herausforderungen immer wieder zu üben. Die meisten Vereine bieten auch Mitsegelgelegenheiten im Rahmen von Spazierfahrten oder Regatten an. Als Übungsmöglichkeit biete sich auch das Chartern eines Segelbootes an. So könne die notwendige praktische Erfahrung gesammelt werden. Sportlicher Wettkampf. Zum Seglerleben von Thomas Thaler gehört auch die Teilnahme bei Regatten. Ob die Segelregatta in Rahmen der Internationalen Bodenseewoche bei Konstanz, die Rund-um-Segelregatta mit 400 startenden Booten von Lindau aus, die Regatta der Eisernen im November von Konstanz aus, die von diversen Segelclubs organisierten Regatten mit ca. 50–60 teilnehmenden Booten oder die Teilnahme an der Internationalen Österreichischen Hochsee-Staatsmeisterschaft im kroatischen Biograd (Anm. Hier erreichte er mit seinem Team den 2. Platz) – dies sind einige der sportlichen Wettkämpfe, bei denen er dabei war. „Eine Regatta ist mit einem Turnier vergleichbar. Hier geht es um die beste Startposition. Es ist entscheidend, sein Boot zu kennen und eine gute Taktik zu haben.“ Voraussetzung, um auf einen Stockerlplatz segeln zu können, ist ein gut abgestimmtes Team. Dass Thomas Thaler seine Segelleidenschaft an seine Söhne weitergegeben hat, versteht sich von selbst. Zwei von ihnen sind in seinem siebenköpfigen Regattateam mit Begeisterung dabei und auch einzeln im Segelsport erfolgreich unterwegs. So lebt die Tradition „Hart am Wind“ weiter. Patrizia Gunz

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Fotos: Roland Schuller

Tausche Bodensee gegen Barockschloss

Christoph Thoma vor einer seiner künftigen Wirkungsstätten: dem Schloss Esterházy.

Auf die Suche nach einem neuen Direktor für Kultur, Tourismus und Veranstaltungen machte sich im vergangenen Jahr die Esterházy Privatstiftung, beziehungsweise die Esterházy Betriebe GmbH in Eisenstadt im Burgenland. Den richtigen Mann für diese Aufgabe fand man schließlich in Bregenz.

Er ist immer offen für Herausforderungen, neue Betätigungsfelder, neue Ziele – der Anruf eines Headhunters aus Deutschland kam für Christoph Thoma im Herbst 2015 dann aber doch überraschend. „Dennoch hab ich mich ab diesem Moment intensiv mit der Esterházy Privatstiftung und dem Burgenland auseinandergesetzt und hab dabei relativ schnell gemerkt, da ist eine gute Fülle an Tätigkeitsfeldern und genau das, was ich immer machen wollte: Kultur, Tourismus, Veranstaltungen, Kongresse – ein riesen Portfolio an Aufgaben“, erinnert sich der jetzige Geschäftsführer von Bregenz Tourismus & Stadtmarketing an die Monate der Entscheidung zurück, die er sich wahrlich nicht leicht gemacht hat. Bis zur Zusage Ende Dezember gab es zahlreiche Über-

legungen: was spricht dafür, was dagegen, sich zu verändern? „Und was sagt überhaupt meine Familie dazu? Zugegeben, meine Frau war im ersten Moment natürlich nicht sehr amused, wie man so schön sagt. Wir haben wochenlang diskutiert und analysiert. Irgendwann sind wir dann draufgekommen, dass ich jetzt ja auch schon nie daheim bin“, schmunzelt Christoph Thoma. Da seine Frau erfolgreich in ihrem Beruf in Vorarlberg ist, wird sie mit den beiden Töchtern im Alter von vier und sechs Jahren im Land bleiben, Christoph Thoma wird pendeln. Ein Umstand, den er bereits aus seiner Grazer Zeit kennt und auf den er sich insgeheim schon freut. „Jetzt bin ich permanent am Arbeiten, am Denken

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Qualitätstourismus bringt einer Region Wertschöpfung. „Doch darauf muss ich es nicht reduzieren: Kultur und Tourismus haben zudem auch Effekte auf die gesellschaftliche Entwicklung.“

und Reflektieren, weil einfach die räumliche Nähe des Arbeitsplatzes auch eine psychische Nähe ist. Wenn der Job dagegen am Wochenende 600 Kilometer entfernt ist, ist man viel fokussierter auf die Familie, man kann die Zeit intensiver nutzen.“ Vorfreude herrscht aber nicht nur bei ihm, auch die beiden Töchter sind schon sehr gespannt – vor allem auf die neue Wirkungsstätte. „Schließlich arbeitet der Papa ab Juli in einem Schloss. Für kleine Mädchen doch ein Phänomen!“ Einige Ferienwochen wird die Familie sicher im Burgenland verbringen, für Christoph Thoma die Chance, seinen Töchtern die Region, aber allem voran auch Wien näherzubringen. „In nur 20 Minuten ist man von Ei-

senstadt an der Stadtgrenze von Wien. Ein großer Vorteil, dieses Kulturangebot vor Ort zu haben – das Einzugsgebiet besteht aus zwei Millionen Menschen. Diese Menge haben wir hier in Vorarlberg nicht.“ Dagegen ist die Entwicklung der Kulturlandschaft im Burgenland auf einem ganz anderen Stand. Man bedenke, bis vor wenigen Jahrzehnten war die Region Staatsgrenze, Eiserner Vorhang. „Die Nachwehen spürt man dort nach wie vor. Die Region hat zwar mittlerweile schon massiv gewonnen, das Lebensumfeld im Osten Österreichs ist aber schon noch ein anderes“, resümiert der zukünftige Direktor mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen – die für ihn vor allem auch darin bestehen werden, die Hochkultur einer breiten Bevölkerung zugänglich zu machen und die Positionierung des Burgenlandes und der Esterházy-Standorte weiterzuentwickeln, touristisch interessant zu machen. „Es sind schon tolle Produkte, die man hier vermarkten kann. Ich will erreichen, dass sich die Leute mit der Geschichte und ihrer eigenen Zukunft in einer prosperierenden Region zwischen Wien, Bratislava und Budapest auseinandersetzen.“ Mit Kultur aufgewachsen. Und Geschichte gibt es im Schloss Esterházy, einem der schönsten Barockschlösser Österreichs, wahrlich genug. Ausstellungen und Führungen gewähren beeindruckende Einblicke in das ehemals glanzvolle Leben am Hofe der Fürsten Esterházy. Zum Repertoire der Stiftung gehört aber noch mehr: Da wären zum einen das Museum im Schlosskomplex des Renaissanceschlosses Lackenbach, die Burg Forchtenstein oder das Esterházy Weingut, zum anderen der Steinbruch St. Margarethen mit einer der eindrucksvollsten Freilichtbühnen Europas. Dort wird in diesem Sommer, genauer von 6. Juli bis 19. August, erstmals Gaetano Donizettis Oper „Der Liebestrank“ gezeigt. Eine besondere Herzensangelegenheit für Musik- und Kulturfan Christoph Thoma. Trompete hat er studiert, angezogen haben ihn aber schon immer alle Kunstformen. „Weshalb ich nach dem Studium vermutlich auch ins Management gewechselt bin. Die Trompete habe ich seit 2002 nicht mehr angefasst“, gesteht er. Jetzt kann er sich der interdisziplinären Auseinandersetzung widmen, unter anderem eben mit dem Gesamtkunstwerk Oper als Verbindung von Musik, darstellender Kunst, Tanz, Bewegung, großen Bildern, Emotion und Design. Der nötige Rückhalt. Am 1. Juli geht es los, dann übernimmt Christoph Thoma sein neues Amt. Sein Politisches in der Heimatstadt Bludenz wird er zurücklegen, seine Agenden beim Bregenzer Stadtmarketing kann er „guten Gewissens“ übergeben. Alles ist durchdacht, „schon im Bewusstsein, dass meine Frau die Hauptlast tragen wird. Ich bin wirklich froh, dass ich eine Familie habe, die das mitträgt. Ohne meine Frau könnte ich das alles sowieso nicht machen – davor zieh’ ich den Hut.“ Sabine Blechschmidt

Sein breites Kulturverständnis war auch der Antrieb für die intensive Diskussion über die Europäische Kulturhauptstadt 2024 im Rheintal, deren treibende Kraft Thoma bis jetzt war. Mit dieser Entwicklung wurde ein breiter Beteiligungsprozess gestartet, der „weit mehr als Hochkultur definiert, der vielmehr unseren Lebensraum thematisiert.“ 38 kontur


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Auf die Hand, bitte. Streetfood am See

Streetfood nennt sich neudeutsch der kleine Imbiss, der nicht am Tisch verspeist wird, sondern auf der Parkbank und dem Tempo der Zeit angepasst im Gehen. Der Trend ist international. Unsere Region ist grenzübergreifend mit drei absoluten Klassikern gut vertreten. Natürlich bieten Allgäu, Appenzell und Vorarlberg eine ganze Reihe von Köstlichkeiten – Riebel, Älplermakronen, Kässpätzle und -knöpfle. Doch auf die Hand sind diese Klassiker der Arme-Leute-Küche schwer zu essen. Ein Gefäß ist notwendig, und wenn es die große Schüssel ist, aus der sich früher am Bauernhof alle bedient haben, ein Löffel oder eine Gabel (die allerdings lange Zeit als Teufelszeug und danach als Instrument der feinen Leute galt). Fleisch ist erst sehr spät auf

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dem Speisezettel der Schwaben, Bayern, St. Galler, Appenzeller und Vorarlberger gelandet, die Region galt als arm, das Leben war karg. Hausschwein, Rind und Kalb wurden erst spät in die Ernährung integriert. Dann allerdings in solchen Massen, dass heute wieder vermehrt auf fleischlose Küche Wert gelegt wird. Man hockt sich dazu. Suppen und Salate sind bei den Büromenschen von heute beliebt, doch es gibt auch Streetfood,

für das viele einmal eine Ausnahme machen. Einen Leberkäsesemmel zum Beispiel – alternierend wird er in andere Brote wie Bürle oder Pärle gepackt. Und er ist in jeder Metzgerei wohlfeil zu erwerben. Dass der beste Leberkäse der Region aber nicht in einer Metzgerei zu finden ist, ist eine andere Geschichte. Das Mekka der Leberkäse-Fans befindet sich im schwäbischen Allgäu. Mitten in der Innenstadt von Wangen befindet sich eine der ältesten Bäckereien Europas, der Fidelis Bäck. 1505 gründete Hans Wagner die Bäckerei, um 1793 wurde sie um eine Gaststube erweitert – und dort wird das herzhafte Holzofenbrot zum besten Leberkäse der Region geliefert. Die Gaststube, in welcher der Leberkäse kredenzt wird, wird auch wegen ihrer „Gleichmacherei“ geliebt. Die Gäste sitzen nicht grüppchenweise an einem Tisch, sondern


man setzt sich zu jenen, die schon da sind. Auch Norddeutsche biegen beim Weg aus dem oder in den Urlaub von der Autobahn ab, um diese urige Atmosphäre zu erleben. Große Kunst. Leberkäse hat mit Leber übrigens wenig zu tun. In Deutschland gibt es zwei Zubereitungsschulen. Die Zutaten für Bayerischen Leberkäse sind gepökeltes, grob entsehntes Rindfleisch und fettreiches Schweinefleisch, Speck, Wasser, Salz und Majoran, die mit dem Kutter zu einer feinen Masse verarbeitet werden. Anschließend wird das Brät in einer Backform gebacken, bis sich eine braune Kruste gebildet hat. In Stuttgart allerdings verlangt das Deutsche Lebensmittelbuch mindestens fünf Prozent Leberanteil. Leberkäse ist eine Brühwurstsorte, den Zusatz Käse hat er von der Form, nicht von den Zutaten. Was einfach klingt, ist große Kunst, denn Leberkäse ist nicht Leber-

käse. Den beim Fidelisbäck, der weitum als der Beste gilt, haben die Freunde Josef Heine und Otto Joos vor 66 Jahren erfunden – und nach deren Originalrezept wird er auch heute noch gebacken: „Saftig, pur und mit feiner Kruste“. Senf tabu! Enger gefasst sind die Grenzen für der Schweizer liebste Wurst – die St. Galler Bratwurst. Und sie ist noch älter als der Fidelisbäck in Wangen. Im Jahr 1438 wurde die Wurst in den Statuten der Metzgerzunft St.Gallen erstmals urkundlich erwähnt. Die Metzger haben gleich die verbindliche Zutatenliste geliefert: Dass diese Wurst mit Kalbfleisch, Speck, Gewürzen und frischer Milch hergestellt wird. Dies erklärt ihre weiße Farbe. Seither hat sich das Rezept kaum verändert. Heute kennt man die St. Galler Bratwurst IGP häufig unter dem Namen Olma-Bratwurst IGP, die für die Herbstmesse in St. Gallen kreiert wurde. Die Olma-Brat-

1438 wurde die St. Galler Bratwurst in den Statuten der Metzgerzunft St. Gallen erstmals urkundlich erwähnt. Die Metzger haben gleich die verbindliche Zutatenliste geliefert: Dass diese Wurst mit Kalbfleisch, Speck, Gewürzen und Milch hergestellt wird. kontur 43


Fotos: Shutterstock, Culinarium, Dietmar Stiplovsek

Noch heute werden in Lustenau kulinarische Glaubenskriege ausgefochten. Welcher Bäcker letztlich welche Käse für seine Fladen mischt, wird für Außenstehende immer ein Geheimnis bleiben.

wurst IGP wiegt jedoch 160 Gramm, während die traditionelle St. Galler Bratwurst IGP nur 100 bis 110 Gramm an Gewicht auf die Waage bringt. IGP ist übrigens nicht eine neumodische Zutat, sondern die Abkürzung für Indication Géographique Protégée und das steht für Produkte mit einer geschützten geographischen Herkunftsbezeichnung. Im Original wird sie in rund 40 Metzgereien angeboten. Die befinden sich in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Appenzell. Die Metzgerei Kast im „Ochsen“ in Berneck ist bei Bratwurstfreunden eine der besten Adressen, wenn es um die Wurst geht. Praktischerweise kann sie gleich im „Ochsen“ verspeist werden. Echte Genießer wollen sie aber auf die Hand – mit einem Schweizer Bürle und eingewickelt in Wachspapier. Senf gibt es keinen dazu – wer die gelbe Würze dazu genießt, outet sich als ahnungsloser Konsument – eigentlich nicht würdig, diesen Botschafter der kulinarischen Schweiz zu verspeisen.

Bäckereien der Marktgemeinde gebacken, ansonsten hat er bei der Lustenauer Kilbi, dem größten Volksfest in Vorarlberg, seinen großen Auftritt. Die Zutaten für die Flade: eine Käsemischung, Zwiebeln, Eier, Mehl. Das Geheimnis des Gerichts ist in der Käsemischung zu suchen und darob werden in Lustenau noch heute kulinarische Glaubenskriege ausgefochten. Wer welche Käse mischt, „wird für Außenstehende immer ein Geheimnis bleiben“, sagt einer, der es wissen muss. Peter Wund führt die Bäckerei gleichen Namens in dritter Generation. Am Rezept von Firmengründer Linus Wund wurde nie etwas geändert. Warum auch? Wenn ein Gericht perfekt ist, muss man es nicht neu erfinden. Und die Chance, dass ein Käsfladen etwas leichter wird, den Essgewohnheiten der Büromenschen angepasst sozusagen, besteht bei der Zutatenliste nicht. Aber das Original gibt es auch nicht jeden Tag. Merken Sie sich den Freitag vor.

Das Geheimnis liegt in der Mischung. Das fleischlose Streetfood aus der Region steuern die Lustenauer aus dem Vorarlberger Rheintal bei, wiewohl ähnliches auch in der nahen Schweiz genossen wird – der Käsfladen oder, wie die Lustenauer sagen, „der Käsdönnala“. Der Fladen wird traditionell am Freitag in den

Streetfood heißt in Vorarlberg übrigens auch nicht so. „Znüne“ und „Zviere“ sind die Bezeichnungen für das kleine Essen zwischendurch und gegeben hat es das schon seit Menschengedenken. Und wird auch dann noch genossen, wenn die Foodies dem nächsten Trend folgen. Mahlzeit! Andreas Scalet

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Manches ändert sich nie.

Ausgespuckt: Kaugummi, 3.900 v. Chr.

Ausgespuckt: Kaugummi, 2016 n. Chr.

Es sieht dem, was sonst unter Tischen und Bänken klebt, verblüffend ähnlich: Birkenpech mit Zahnabdrücken aus der Pfahlbausiedlung von Hornstaad am Bodensee. Es wurde vor allem von Jugendlichen gekaut und half wohl bei Zahnschmerzen. Geschmacksrichtung war − statt Pfefferminze − Teer mit Rauchfleischaroma. Eine gemeinsame Ausstellung des Archäologischen Landesmuseums BadenWürttemberg und des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Federseemuseum Bad Buchau und den Staatlichen Schlössern & Gärten Baden-Württemberg. Die Ausstellung findet an zwei Standorten im Kloster Schussenried und im Federseemuseum Bad Buchau vom 16. April bis 9. Oktober 2016 statt. Jetzt Karten sichern über die Vorverkaufshotline: 0751 29 555 777. Eintrittspreise und weitere Infos unter www.pfahlbauten2016.de

Kloster schussenried Federseemuseum Bad Buchau

4.000 Jahre

16. 4. – 9. 10. 2016


Stark nach vorn gerichtet Alfa Romeo mag man eben. Die Sympathie für die traditionsreiche Marke ist unerschütterlich. Ebenso die Leidensfähigkeit der Alfisti. Linderung verspricht die neue Giulia.

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Jeder, der ein Herz hat für Automobile, weiß was über Alfa, schwärmt über Giulias, Giuliettas, Spiders, GTs und GTVs, weniger über Alfasud und alles, was danach kam. Selbst jene, die nie einen Alfa fuhren, haben zumindest eine Ahnung von den großen Zeiten der Mailänder Traditionsmarke und rätseln darüber, wie wenig vom einstigen Glanz unter dem Fiat-Chrysler-Boss Sergio Marchionne übrig blieb. Lancia, ehemals Blüte der

italienischen Automobilbaukunst, hat Fiat praktisch schon an die Wand gefahren. Alles soll anders werden. Über den Lancia-Untergang breitet man den Mantel des Schweigens. Lancia war schon immer cool. Eine von Understatement geprägte Stil-Ikone. Sie geht nobel zugrunde. Die Alfisti hingegen bleiben ihrer Leidenschaft treu – trotz aller Höhen und Tiefen, trotz der dürren Zeiten seit der


Neuausrichtung der Marke ab 2008, trotz so mancher Versprechen, die nicht gehalten wurden. Jetzt, mit der neuen Giulia, soll alles anders werden. Alfa präsentiert sich als Hightech-Glanzstück des Fiat-Konzerns und soll der deutschen Premium-Konkurrenz das Fürchten lehren. Deshalb steigt man jetzt auch ganz groß ein in die schöne neue Welt der Giulia: mit der 510 PS starken Topversion Quadrifoglio. Die ersten Modelle wurden schon übergeben. Allerdings nicht an die treuesten Alfisti, sondern an die italienische Polizei. Die Carabinieri machen jetzt mit der in Rot-Schwarz gehaltenen Power-Sportlimousine Jagd auf Tempobolzer. Da heißt’s aufpassen. Große Gefühle. 510 PS, Hinterradantrieb, ein Alu-V6, vom Ferrari-V8 aus dem California T abgeleitet, zwei Turbolader,

Mehrlenker-Konstruktion, ebenfalls von Ferrari inspiriert, ausgetüftelte elektronische Traktionskontrolle: Da wird schon klar, welche bayerischen und schwäbischen Mitbewerber Alfa in erster Linie aufs Korn nimmt. Fahrspaß ohne Ende, ohne Probleme, dafür „Grande Emozione“ und eine gewaltige Soundkulisse. Sicher bleibt da auch bei den Carabinieri kein Auge trocken. Bei jenen, die sie aus dem Verkehr ziehen, auch nicht. Auf neuer Plattform. Zur exklusiven Serienausstattung gehören Einsätze aus Kohlefaser im Innenraum. Für Zusatz-Si-

cherheit sorgen der Totwinkel-Assistent und die Rückfahrkamera. Vom Rennsport inspiriert: der aktive Frontspoiler, die Sportbremsanlage und die Fahrdynamikregelung mit dem Modus „Race“. Sie ist mit dem Chassis-Computer und dem elektronisch gesteuerten Hinterachsdifferenzial vernetzt. 600 Nm halten die Sechsgang-Rakete auf Dauerfeuer. Das alles auf einer neuen Plattform, von der auch andere neue Alfas und Konzern­ modelle (Maserati gar) profitieren sollen. Es bewegt sich was bei Alfa. Endlich wieder mit Antrieb hinten. Aber stark nach vorn gerichtet. Franz Muhr

Drei Versionen: Giulia, Super und Quadrifoglio – Sechsgang-Handschaltgetriebe und/oder Achtgang-Automatik; Antriebsvarianten: V6-Biturbo-Benziner, 2,9 Liter (Quadrifoglio), 2.0-Liter-Benziner (200 PS), 2.2-Liter-Turbodiesel in zwei Leistungsstufen (150 PS oder 180 PS)

Alfa Romeo Giulia 2.2 JTDM, 150 PS: 35.390 Euro Alfa Romeo Giulia Super 2.2 JTDM, 150 PS: 36.990 Euro Alfa Romeo Giulia Super 2.2 JTDM, 180 PS: 38.890 Euro Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio 2.9 V6 Bi-Turbo, 510 PS: 85.900 Euro

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Hochprozentig. Auf Wacholder folgt Zuckerrohr Der eine erlebt momentan seinen Hype, der andere nimmt gerade Fahrt als Trendgetränk auf. Gin und Rum dürfen nicht nur aktuell in keiner Bar fehlen. Die Vielfalt könnte dabei schon fast überfordern.

Oliver Bertsch und Helmut Gunz in ihrem „Flaschenreich“.

Give me Gin and Tonic. Gin kommt selten allein. Natürlich gibt es Sorten, wie zum Beispiel die Masters Selection, die man bedenkenlos pur genießen kann. Der ideale Begleiter ist und bleibt aber Tonic Water – das wussten auch schon echte Fans wie Queen Mum, Winston Churchill oder Humphrey Bogart. Im Bereich der chininhaltigen Limonaden mit dem unverkennbaren und leicht bitteren Geschmack hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls einiges getan – dem Gin-Trend sei Dank. Die Auswahl ist beachtlich geworden, ebenso wie die Geschmacksnuancen. Darum ist es auch eine Kunst für sich, den richtigen Gin mit dem richtigen Tonic zu kombinieren. Eine echtes Geschmackserlebnis beschert einem hier beispielsweise der Oro Ibiza Gin der vielleicht ersten deutschen Gin-Produzentin Susanne Straubinger-Meiller. Die praktizierende Rechtsanwältin lebte lange auf Ibiza, wo bei Spaziergängen zwischen Wacholdersträuchern und Salinen die Idee zu diesem Produkt entstand. „Dieser Gin, der in der Schweiz auch als ‚Gin des Jahres 2016‘ ausgezeichnet wurde, überrascht

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Foto: Bevanda

So an die zehn Sorten Gin sollte eine gute Bar führen – da lohnt es sich doch umso mehr, ab und an Experten neben sich sitzen zu haben, die einen bei der Wahl des Hochprozentigen helfen können. Zwei solche Fachmänner sind Diplom-Sommelier Helmut Gunz und Oliver Bertsch, beide Geschäftsführer von Bevanda in Dornbirn. Flaschen und deren Inhalte sind ihre Leidenschaft. Seien es die 850 verschiedenen Weine aus aller Welt oder die zahlreichen Spirituosen, die in den Regalen zu finden sind. Unser besonderes Augenmerk gilt aber den beiden momentanen „Lieblingen“ bei Partyvolk und stillen Genießern: Gin und Rum. Auch hier ist die Auswahl beachtlich: 120 verschiedene Gin, 240 Rum warten darauf, entdeckt zu werden. Doch woher kommt er, der Hype, den in erster Linie Gin in den vergangenen Jahren erlebt? „Ich denke, die Leute besinnen sich wieder mehr auf Altbewährtes. Vor allem Gin ist ein Getränk, das ältere Semester ebenso zu schätzen wissen wie die jüngeren – eben ein Klassiker. Und sobald man die Jungen im Boot hat, kann ein Trend wachsen“, ist Oliver Bertsch überzeugt.


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Rum kann pur genossen werden, es finden sich auf den Cocktailkarten aber auch zahlreiche Mixgetränke für den Sommer. Weißer Rum kommt bei Pina Colada, Mojito und Co. zum Einsatz, dunkler Rum hat seinen großen Auftritt unter anderem bei „Dark and Stormy“, dem Klassiker von den Bermudas. mit seinen Aromen nach Zitronenschalen und Johannisbrot. In der Kombination mit Tonic bringt er einen echten Frischekick“, ist Oliver Bertsch begeistert. Auf Empfehlung der Hersteller sollte man den Oro Ibiza Gin Tonic idealerweise mit Orangenzeste und einem kleinen Stück Johannisbrot im Glas genießen. Aber, aus eigener Erfahrungen gesprochen: Er kann sich auch ohne die beiden Zutaten sehen lassen. Es kann auch mal modern. Sommer und Gin, das gehört ohne Zweifel zusammen. Aber was hat Rum hier verloren? Ein Getränk, das doch eher das Bild von gemütlichen Winterabenden am Kamin hervorruft? Auf Wacholder folgt nun Zuckerrohr, könnte man auch sagen. „Ich glaube, auch bei diesem Trend spielt der Aspekt Tradition eine wichtige Rolle. Rum hat schließlich schon die Oma zum Backen verwendet, wobei man hier natürlich nicht von Qualitätsrum sprechen kann. Jetzt erkennen die Leute immer mehr, welche Vielfalt dieses alkoholische Getränk bereithält“, so Oliver Bertsch. Die einen sind fruchtig, andere Sorten kommen richtig süß daher. Und dann gibt es Varianten, bei denen modrige Nuancen den Ton angeben. „Das Spiel der Aromen ist fast noch facettenreicher als bei einem Whisky. Ein Schluck Rum im Mund kann ein Feuerwerk an Geschmäckern

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entfachen, die im ersten Moment gar nicht abtastbar sind. Daher kommt er immer mehr auch bei sommerlichen Cocktails zum Einsatz.“ Einen schönen Querschnitt bietet das Sortiment von A.H. Riise. Die Destillerie liegt auf Saint Thomas, einer der amerikanischen Jungferninseln in der Karibik. Bereits 1840 erhielt der dänische Apotheker Albert Heinrich die einzige offizielle Brennlizenz, noch heute werden die Rums von A.H. Riise nach den alten Rezepten destilliert. Einer davon ist der X.O. Reserve, der mit seiner Zitrusnote schon fast erfrischend wirkt. Der Non Plus Ultra dagegen erinnert mit Karamell-Nuancen beinahe an eine herrlich sündige Crème brûlée. „An Apfelstrudel denkt man dafür unweigerlich, wenn man den Navy Rum Nelson’s Blood von Pusser’s probiert. Gebackene Äpfel und Zimt geben sich hier förmlich ein Stelldichein auf der Zunge“, ist Oliver Bertsch begeistert. Eine Begeisterung, die Helmut Gunz und er bei Tastings gerne an Interessierte weitergeben. Dabei wollen sie nicht nur das Produkt an sich näherbringen, sie fasziniert noch viel mehr: „Ich liebe zum Beispiel die Geschichten, die hinter den Getränken stecken“, so Oliver Bertsch. „Etwa, dass es für Angehörige der Royal Navy noch bis ins Jahr 1970 täglich um die Mittagszeit eine Rum-Ration von etwa 70 Milliliter gab. Solche Kuriositäten gefallen mir, und das macht auch den Reiz unserer Arbeit aus.“ Ebenso wie die Kunst, den richtigen Rum oder Gin für den jeweiligen Kunden zu finden. „Das ist schon ein Herantasten. Man will den Kunden schließlich abholen und rausfinden, welchen Geschmack er hat. Wir wollen ihm nichts aufdrängen.“ Aber provozieren darf man schon – und vielleicht auch mal eine Sorte vorsetzen, mit der der Kunde im ersten Moment nichts anfangen kann. „Manchmal ist genau die dann die Richtige.“ Sabine Blechschmid


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Für die einen sind sie „legitime Spinner“, für die anderen Bewahrer fahrender Kunstwerke. Mit ziemlicher Sicherheit sind sie aber vor allem eines: Menschen, die für ihre Passion brennen. Willkommen in der Welt der Oldtimerfreunde.

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„Wenn man 50 Jahre in der Firma gearbeitet hat und dann in den Ruhestand geht, kann man nicht plötzlich der Frau daheim lästig tun“ – ALPLA-Gründer Alwin Lehners simple Antwort auf die Frage, warum er vor knapp zehn Jahren mit dem Sammeln von alten Fahrzeugen begonnen hat. Zu Beginn seiner neuen Leidenschaft standen aber nicht Autos in der Werkstatt, sondern Traktoren und Motorräder. In seinem Oldtimermuseum in Hard sind darum zwei Bereiche den großen Arbeitsmaschinen und den rasanten Zweirädern gewidmet. „Bei den Bulldogs habe ich vor allem Lanz-Modelle, wegen der einfachen Technik des Glühkopfes. Die hat mich schon immer fasziniert.“ Das weiß-blaue Logo

Abends sitzt Alwin Lehner gerne am Computer und sucht im Internet nach möglichen neuen Exemplaren für seine Sammlung. Glück gehört bei der Suche ebenso dazu wie das richtige Gefühl. Und wenn man was gefunden hat, ist es wie im Geschäft: Bei einem guten Angebot muss man schnell zuschlagen. zem war Alwin Lehner bei der Bodensee Klassik mit dabei. „Ein tolles Geschenk meiner Enkel zum 84. Geburtstag.“ Und auch das Oldtimer-Treffen in Lech ist ein geschätztes Ausflugsziel des Sammlers. Am liebsten fährt Alwin Lehner dennoch ohne großen Tross. „Da kann ich selber bestimmen, wann ich einkehren will“, schmunzelt er. Aber warum hat es ihm eigentlich die Stuttgarter Marke angetan? „Ich war schon immer ein Mercedes-Fan. Im Jahr 1950 hab ich den ersten im Land gekauft, das war damals ein 220 SE. Ein schönes Auto“, kommt Alwin Lehner förmlich ins Schwärmen – wie bei allen Modellen, die er im Laufe der vergangenen Jahre aus der ganzen Welt zusammengesammelt hat. Die meisten kommen aus Amerika. Und so findet sich beispielsweise in der hintersten Reihe ein 280 SL aus dem Jahr 1968, der dem blonden „Engel für Charlie“ Farrah Fawcett gehörte. Von Adenauer bis Pagode. Ebenfalls aus den USA stammt das Auto, mit dem alles begann. „Entdeckt hab ich den 200 B lang Baujahr 1933, als ich meine Tochter in Amerika besucht habe. Es war kein Lack mehr dran, desolater Zustand. Aber ich

Alwin Lehner in seinem 200 B lang aus dem Baujahr 1933.

von BMW ist dagegen im Bereich der Motorräder stark vertreten. „Als eine der ersten und erfolgreichsten Motorradmarken.“ Zu Alwin Lehners Lieblingsstück hat sich dennoch ein anderes Modell gemausert: eine Indian mit Beiwagen. Es sind aber vor allem die Sterne, die uns bei unserem Besuch in Hard in den Bann ziehen. Und davon zahlreich gibt es in der großen Halle des Museums zu bestaunen, genauer an die 30 Stück. Fan der ersten Stunde. Wunderschön aufgereiht und aufs Blitzblankeste poliert stehen sie da, die Mercedes-Vertreter aus den vergangenen Jahrzehnten. Und, was auf den ersten Blick auffällt: Sie alle haben Nummernschilder. „Auch, oder gerade weil sie alt sind, müssen die Autos bewegt werden. Bei uns ist jeder Oldtimer fahrtüchtig, obwohl es natürlich schon mal passieren kann, dass man irgendwo stehen bleibt. Aber damit muss man bei so alten Fahrzeugen halt auch rechnen.“ Und als echter Liebhaber nimmt man so kleine Pannen auch gerne in Kauf. Erst vor Kur-

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Der Adenauer aus dem Jahr 1952.

„Wenn man heute mit einem Oldtimer um die Ecke kommt, zaubert das den Leuten ein Lächeln ins Gesicht. Dieses Image möchten und müssen wir bewahren“, so Marcel A. Widler. Für ihn geht es auch darum, den alten Fahrzeugen die nötige Ehrfurcht entgegenzubringen. „Meiner Meinung nach handelt es sich dabei nämlich um echte Kunstwerke – und ich glaube, mit dieser Ansicht bin ich nicht allein.“ 54 kontur


wusste, den will ich haben.“ Heute steht Auto Nummer 1 natürlich an der Pole Position der Ausstellungshalle – von desoltem Zustand keine Spur mehr. Weißes Lenkrad, edle Holzarmaturen, Ledersitze, glänzender Lack und Chrom. Nicht verwunderlich, dass das Cabrio zu den Lieblingen von Alwin Lehner zählt. Genauso wie der imposante Adenauer, ebenfalls ohne Dach. „Übrigens ein Ur-Adenauer der ersten Serie aus dem Jahr 1952“, ist der Sammler sichtlich stolz. Auch deshalb, weil er ihn gemeinsam mit seinen zwei Mitarbeitern komplett selber aufgebaut hat. „Wenn man das Auto heute stehen sieht, glaubt man nicht, dass es völlig kaputt war. Die Polster verrissen, mehr Rost als Lack. Wir haben eine Menge Arbeit reingesteckt – drei Jahre hat es insgesamt gedauert.“ Zeit, die Alwin Lehner gerne investiert hat. Denn an seiner neuen Aufgabe hat er nicht nur eine „riesen Gaudi“, er ist zudem stolz, dass er seinen Kindern und Enkeln sowie Interessierten die Kfz-Kunst von früher näherbringen kann. Hergeben würde er keines seiner Fahrzeuge, aber dazukommen könnte schon noch das eine oder andere. „Wenn

Sie meine Frau fragen, wär die Antwort: Es sind genug. Aber wenn ich noch was Schönes sehen würd, würd ich schon zuschlagen.“ Und er gibt zu, ein besonderes Modell stände da ohne Frage noch auf dem Wunschzettel: der K 500. Arzt der Autos. Bei der Suche nach diesem Traumauto helfen könnte ihm vielleicht der nächste „Oldtimernarr“, den wir in der Schweiz besuchen. Gleich hinter der Grenze, in St. Margrethen, hat Marcel A. Widler sein Hobby zum Beruf gemacht und ein Paradies für Freunde alter Autos geschaffen. Wie der Name „Goodtimer“ schon erahnen lässt, geht es für seine Klientel vor allem darum, eine gute Zeit zu haben. Und genau dafür sorgt er mit seinem Team. Doch wie kam er überhaupt zu den Oldtimern? Eigentlich wollte Marcel A. Widler nämlich Medizin studieren – und das, obwohl er aus einer echten „Auto-Dynastie“ stammt. Sein Urgroßvater gründete 1916 auch das erste offizielle Autohaus in der Ostschweiz, Großvater und Vater führten das Unternehmen erfolgreich weiter. Da war eigentlich abzusehen, dass das mit dem Medizinstudium

In der Ölkrise 1973 wurden weitaus weniger Autos gekauft, infolge weniger Erdöl verbraucht. Die Lösung lag in der Produktion von Plastik, die Ära Kunststoff in der Automobilindustrie begann. eher nichts werden würde. „Irgendwann kam mein Vater zu mir und meinte: Du musst nicht Menschen flicken, du musst Autos flicken. Weil der Mensch kann sich selber helfen, das Auto nicht. Das war sein Credo.“ Mit der Folge, dass Marcel A. Widler die Lehre als Kfz-Mechaniker begann, nach eigenen Worten damals „der Horror“ für ihn. Doch im dritten Lehrjahr kam die Wende. „Damals hab ich einen kennengelernt, der ähnlich in den Topf geworfen worden war wie ich. Und wir sagten uns: jetzt sind wir schon mal so weit, jetzt machen wir das Maximum draus.“ Das Ergebnis: Nach einem technischen Studium in Paris bei Renault und einem Betriebswirtschaftsstudium machte Marcel A. Widler richtig Karriere, wurde Generaldirektor für Citroën in der Schweiz.

Interview mit Marcel A. Widler in einem Jaguar XK120 aus dem Jahr 1954.

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Aus der im Anschluss selbst gegründeten Firma, der Autofocus AG, ging schließlich Goodtimer hervor. Die Leidenschaft für alte Autos hatte Marcel A. Widler nie losgelassen. Jahrelang wurde parallel zum Job restauriert. Bis ihn ein Mitarbeiter auf die Idee brachte, das doch professionell zu machen. Und so wurde aus Spaß „Ernst“. „2009 hab ich beschlossen, alles zu verkaufen, auch im privaten Bereich, und in die Welt der Oldtimer zu investieren.“ Das Ergebnis ist heute in einem großen Ausstellungsbereich und der modernen Werkstatt, in der alle Wehwehchen der „Alten“ verarztet werden, zu sehen. Marcel A. Widler und sein Team kaufen und verkaufen aber nicht nur Oldtimer – jeden davon übrigens ausschließlich mit kompletter Expertise und Dokumentation, sie setzen sie nicht nur komplett instand und führen die regelmäßigen Kontrollen durch, – Goodtimer stellt für die Autos seiner Kunden auch ein „Bett“ zur Verfügung. Echte Juwelen. Wie genau das aussieht? Nun, jedes Auto würde sich wohl so einen Unterschlupf wünschen. Auf schonendem Teppich gebettet, verbringen die wertvollen Fahrzeuge ihre Ru-

Die Cobra wartet auf ihren nächsten Einsatz.

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hephase im „Werkstatt-Hotel“. Elektronisch überwacht, antistatisch gereinigt und mit einer flanellierten, hochwertigen Schutzdecke eingehüllt. „Wenn der Kunde dann Lust hat, mal eine Runde zu fahren, ist sein Auto jederzeit startklar.“ Und es sind echte Juwelen, die sich da unter den roten Hüllen verstecken. So wie zum Beispiel ein Bentley, gebaut für König Hussein II., 5,2 Meter lang, einer von 35 Stück mit Lenkrad auf der linken Seite. Gleich daneben eine richtig „flache Flunder“, ein italienischer Flitzer in Gelb. Übrigens: Potenziellen Investoren, die ein Maximum an Rendite erreichen wollen, empfiehlt Marcel A. Widler, momentan auf die Italiener zu setzen. „Die sind gerade absolut im Aufwind.“ Stichwort Rendite. Die Beliebheit von Oldtimern als Anlage­ objekt hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Wo­ ran das liegt? „Die Besitzer investieren in eine Sache, der sie vertrauen. Während es früher eher um ganz seltene Fahrzeuge ging, ist heute auch ein kleiner VW Käfer schon etwas ganz Beliebtes. Denn vielleicht bekomme ich für meine jetzt investierten 30.000 Euro in ein paar Jahren 35.000 Euro.“ Die Grundformel für ein Fahrzeug als Wertanlage ist laut Marcel A. Widler relativ einfach: „Man sollte auf eine renommierte Marke, einen Mythos, setzen. Zudem auf die Anzahl produzierter Einheiten: je weniger, umso besser. Wenn man dann noch die Ersatzteilversorgung, sprich die Reparierbarkeit, im Blick hat, sind die Grundregeln für Wertsteigerung erfüllt.“ Hat man noch dazu jemanden an Land gezogen, der technisch versiert ist und beurteilen kann, in welchem Zustand sich ein Auto befindet, wie original es wirklich ist, sollte einer erfolgreichen Investition nichts im Wege stehen. Sabine Blechschmidt

Betriebsleiter Michael Heuschneider beim Check.

Fotos: Bernd Hofmeister

Oldtimerfreunde sind echte Genussmenschen. Sie möchten die wenige Freizeit, die sie haben, richtig auskosten – am besten mit Gleichgesinnten. Hier bieten sich spezielle Treffen und Rallyes, wie die Silvretta Classic vom 7. bis 10. Juli 2016, an. Nicht selten entstehen dabei Freundschaften fürs Leben.


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Foto: RAYMOND WEIL

Elie Bernheim.

Geboren 1980. Dem Unternehmen RAYMOND WEIL trat er im Jahr 2006, nach Abschluss der renommierten Ecole Hôtelière de Lausanne, bei. Als professioneller Uhrenmacher sowie Experte in Marketing und Unternehmensführung war er in den vergangenen Jahren für die Entwicklung und Verbesserung der globalen Strategie zuständig. Neben seiner Tätigkeit in der Produktentwicklung ist Elie Bernheim für die Marketingabteilung verantwortlich. Im April 2014 wurde er zum CEO von RAYMOND WEIL ernannt.

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Von der Leidenschaft für Uhren und Musik Vor 40 Jahren, inmitten der großen Krise der Uhrenindustrie, wagte Raymond Weil die Gründung seines Unternehmens in Genf. Seither wird seine Vision der Schweizer Uhrmacherkunst in die Welt getragen – auch von seinem Enkel Elie Bernheim. 40 Jahre Raymond Weil. Wie schauen Sie auf diesen wichtigen Teil der Geschichte ihrer Familie zurück? Wir sind sehr stolz, dieses Jubiläum zu feiern. Es gibt sicher viele Meilensteine in der Geschichte, aber ich würde die folgenden hervorheben: 1983 wurde die Amadeus-Kollektion zeitgleich mit Miloš Formans weltweit gefeiertem Film präsentiert. Diese war ebenso prägend wie die preisgekrönte Werbekampagne Precision Movements aus dem Jahr 1994, die mit dem renommierten Fotografen Lois Greenfield verwirklicht wurde. Mein Vater, Olivier Bernheim, wurde 1996 Präsident und CEO. 2007 zollte die Freelancer-Kollektion unserem Gründer und Freigeist ihren Tribut, die uhrmacherische Tradition wurde 2010 mit der neuen mechanischen Maestro-Kollektion geehrt. Wann wussten Sie, dass Sie in das Unternehmen mit einsteigen werden? Ich wuchs in der Uhrenindustrie auf. Sie ist Teil meiner Kindheit, mein Leben und damit schon immer eine Leidenschaft. Es war für mich ganz klar, Teil des Familienunternehmens zu werden und die Arbeit, die mein Großvater Raymond Weil im Jahre 1976 begann, weiterzuführen. Seit 2014 habe ich die Position des CEO inne. Ich fühle mich sehr geehrt, die Zügel von meinem Vater übernommen zu haben und so in der Lage zu sein, die Vision meines Großvaters umzusetzen. Raymond Weil und Musik gehören zusammen. Warum ist das so? Unsere Marke wurde seit jeher von der Musik beeinflusst und inspiriert – sie ist quasi Teil unserer DNA. Für eine musikliebende Familie wie wir es sind – meine Mutter ist professionelle Pianistin, ich spiele Klavier

und Cello – spielt diese Kunst eine wichtige Rolle als Quelle der Inspiration. In unserer Geschichte haben wir immer wieder musikalische Talente unterstützt, entwickelt und gefördert. Zudem freut es uns, dass wir im Lauf der Jahre zahlreiche Partnerschaften mit namhaften Künstlern, bedeutenden Musikmarken, Konzertsälen und musikbezogenen Charitys eingehen konnten. So wie jetzt mit der Universal Music Group? Ja, sicherlich eine der spannendsten musikalischen Partnerschaften in der Uhrenindustrie. Dank einer einzigartigen digitalen Musikplattform, die extra für uns kreiert wurde, können wir allen Besuchern unserer Homepage die Möglichkeit bieten, in unser musikalisches Universum einzutauchen: Anlässlisch des 40-jährigen Jubiläums wird ein Radiosender mit 40 Songs, kuratiert von Raymond Weil, online verfügbar sein. Darüber hinaus besteht die Chance, einzigartige Musikerlebnisse wie Meet & Greets mit international renommierten Künstlern oder außergewöhnliche Konzertkarten zu gewinnen. Die Krönung der Kooperation bildet die exklusive Auflage der Maestro Beatles Limited Edition. Haben Sie ein Lieblings-Uhrenmodell? Tatsächlich trage ich derzeit die Maestro Beatles Limited Edition. Wir könnten nicht stolzer sein, unseren Geburtstag mit solchen Ikonen der Musikwelt zu feiern. Neben diesem Modell ist die Uhr, die eine besondere symbolische und emotionale Bedeutung für mich hat, die exklusive limitierte Auflage, die wir zu Ehren meines Großvaters präsentiert haben: die Tribute to Mr Raymond Weil. Dabei handelt es sich um einen 45 mm

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Laufen „Der größte Fehler beim Laufen ist, es nicht zu tun!“, ist sich Günter Ernst vom Leistungsdiagnostikzentrum Vorarlberg und Rennleiter des Sparkasse 3-Länder-Marathons sicher. Eine Meinung, mit der er nicht alleine da steht. Immer mehr Hobbysportler nutzen die Gelegenheit der Teilnahme an einer Laufveranstaltung, um mit regelmäßigem und konsequentem Training zu starten. Denn „Laufevents“ sind mehr denn je auch Ausdruck eines Lebensstils.

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Steigendes Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft und der Reiz rund um den Mythos Marathon tun ihr Übriges, um die Teilnehmerzahlen in die Höhe zu schrauben. Und – Laufen macht süchtig, wie Günter Ernst bestätigt: „Es dauert fünf bis acht Wochen, bis die Wirkung des Laufens so richtig einsetzt und der Virus zuschlägt. Alle, die sich diese Zeit nehmen, werden ohne Laufen nicht mehr sein können“. Ein rundes Jubiläum feiert heuer Vorarlbergs Aushängeschild unter den Laufveranstaltungen: Der Sparkasse 3-Länder-Marathon findet am 9. Oktober mit prognostizierten 7000–8000 Läuferinnen und Läufern zum bereits zehnten Mal statt. Ein Anlass auch für viele Hobbyläufer, es dieses Jahr tatsächlich wissen zu wollen und es mit einer Teilnahme zumindest beim Halbmarathon zu versuchen. Je nach konstitutioneller und sportlicher Ausgangssituation empfiehlt der Profi eine umfassende Vorbereitung für solch ein Wagnis. „Es kommt natürlich auf das Alter, die Sportlichkeit und die Vorgeschichte des Einzelnen an – bei mäßiger Sportlichkeit mit dem Willen, beim Halbmarathon ins Ziel zu kommen, ohne zeitliche Wünsche, sollte es mit drei Einheiten pro Woche in vier bis sechs Monaten gesund und ohne Gehpausen zu schaffen sein“, konstatiert Günter Ernst seine Einschätzung.

Laktatwerte: Laktat ist ein Stoffwechselprodukt des Abbaus von Glukose unter anaeroben Bedingungen (Sauerstoffmangel). Es entsteht hauptsächlich in der Muskulatur bei körperlicher Beanspruchung. Der Laktatwert liefert Informationen über den körperlichen Zustand. Laktatwerte werden während stufenförmiger Belastung ermittelt, um „anaerobe Schwellen“ zu bestimmen und die idealen Pulsbereiche für das Training zu ermitteln. Realitäten beachten. Um in punkto Selbsteinschätzung versus Realität von Anfang an richtig zu liegen und die anfängliche Motivation bestmöglich zu erhalten, empfiehlt es sich, auch als Hobbysportler eine umfassende Leistungsdiagnostik in Betracht zu ziehen. „Bei Laufeinsteigern ist es wichtig, den Körper und die Strukturen langsam darauf vorzubereiten, die Belastung sollte langsam gesteigert werden“, erläutert Laufpapst Ernst. „Durch die Leistungsdiagnose kennen wir die idealen Trainingsbereiche, die wir in den Trainingsplan einbauen.“ Eine solche RundumAnalyse ist aber nicht nur für Sport-Frischlinge ratsam – sondern

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für alle, die regelmäßig Sport betreiben. „Die Gewissheit, gesund Sport zu machen und sich im richtigen Bereich zu bewegen, ist der Schlüssel zum Erfolg und zum Erreichen der Ziele“, so Ernst. Teil dieses Erfolgsrezepts der Leistungs- und Stoffwechseldiagnose ist neben Erfahrung und Kompetenz der Betreuer auch die Bandbreite, die sie umschließt. So werden beim „großen Paket“ eine gründliche Untersuchung durch den Arzt des Leistungsdiagnostikzentrums durchgeführt, inklusive Ruhe- und Belastungs-EKG, eine Analyse verschiedener Blutwerte sowie ein orthopädischer Status erstellt und Fragen zur Gesundheit generell gesammelt. In der Ergebnisbesprechung werden dann ausführliche Trainingsempfehlungen gegeben. Mittlerweile sind übrigens bereits mehr als 40 Prozent aller Klienten des Leistungsdiagnos­ tikzentrums Nichtsportler bzw. Sportneulinge – Tendenz stetig steigend, wie Günter Ernst bestätigt. Für alle, die in einem Vorarlberger Sportverein Mitglied sind, wird dieser große Check zudem finanziell vom Land Vorarlberg unterstützt. 10-Jahres-Jubiläum. Für den Sparkasse 3-Länder-Marathon leitet Vollblut-Läufer Ernst übrigens heuer wieder „Güs Laufseminar“ – genau wie der Marathon selbst, feiert auch dieses sein zehnjähriges Jubiläum. Ein Seminar, das sich zur Aufgabe ge-

„Meine Lauftipps: Regelmäßigkeit bekommen – drei Lauftermine fix in der Woche einplanen. Es dauert fünf bis acht Wochen, bis die Wirkung so richtig einsetzt und der Virus zuschlägt. Alle, die sich diese Zeit nehmen, werden ohne Laufen nicht mehr sein können. Ab und zu in der Gruppe laufen! Das macht Spaß und motiviert zusätzlich. Und das Wichtigste: Ein realistisches Ziel verfolgen!“ macht hat, die jeweiligen Ziele der Teilnehmer professionell zu unterstützen und umzusetzen. Mit den Auswahlmöglichkeiten zwischen Marathon, Halbmarathon, Viertelmarathon oder Teamrun ist beim Sparkasse 3-Länder-Marathon für jeden die passende Herausforderung dabei. Mit 60 Prozent Strecke direkt entlang des Bodenseeufers hat der Marathon längst eine große Anhängerschaft gefunden – nicht nur unter den Teilnehmern, auch unter den Zuschauern ist die Laufveranstaltung äußerst beliebt. Beim diesjährigen Jubiläum wird das gewohnt hochwertige Rahmenprogramm noch getoppt werden: Live-Bands und DJs sorgen an allen wichtigen Stationen der drei durchquerten Länder für Stimmung und der Zieleinlauf ins Bregenzer Casino-Stadion wird einmal mehr zum brodelnden Ort der großen Gefühle. Marion Hepberger

Fotos: Philipp Steurer, Dietmar Stiplovsek, Oliver Lerch, www.walser-image.com, Leistungsdiagnostikzentrum Vorarlberg

Günter Ernst

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Spannung bis zum Feuerwerk: Das große DTM-Finale

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Zwischen dem 14. und 16. Oktober dürfen sich die Fans in Baden-Württemberg auf ein Wiedersehen mit den DTM-Matadoren freuen. Alles spricht dafür, dass das große Finale der Saison 2016 an Spannung kaum zu überbieten sein wird, zumal im Rahmenprogramm auch die FIA Formel 3 Europameisterschaft, der Audi Sport TT Cup und der Porsche Carrera Cup Deutschland die letzten Läufe der Saison bestreiten werden. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Entscheidungen in den DTM-Titelwertungen erst fallen, wenn das große Feuerwerk

gezündet wird, welches traditionell den letzten Zieleinlauf des Jahres begleitet. Profi gegen Rookie. Die DTM macht im Jahre 2016 ihrem Ruf als eine der engsten Rennsportserien weltweit alle Ehre. Erneut trennt das Feld der 24 Piloten bei den Rundenzeiten in der Regel weniger als eine Sekunde. So werden die alten Hasen der Serie wie Jamie Green, Mattias Ekström, Timo Scheider, Mike Rockenfeller, Bruno Spengler oder Gary Paffett Mitte Oktober noch mal alles in die Waagschale werfen, um den jungen Herausforderern wie Tom Blomqvist, Lucas Auer,

Rookie Esteban Ocon oder Nico Müller die Stirn zu bieten. Zwei 20-minütige DTM-Qualifyings und zwei packende DTM-Rennen stehen beim finalen Wochenende auf dem Programm. Wie immer geizt auch das Rahmenprogramm nicht mit Höhepunkten: Die finalen Entscheidungen in den drei Rahmenrennserien, Show- und Musikacts, Pitwalk, Gridgirl-Fotoshootings, Gewinnspiele und die Autogrammstunden, bei denen der Andrang stets immens ist. Ein Grund, warum sich nicht nur für Autogrammjäger der Gang durchs Fahrerlager stets lohnt. Nicht selten sind hier auch die Protagonisten anzutreffen, die für die Wünsche der Fans stets ein offenes Ohr haben. Das Wochenende vom 14. bis zum 16. Oktober – ein Termin, den sich Motorsport-Fans dick im Kalender anstreichen sollten.

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Der DTM-Auftakt auf dem Hockenheimring Anfang Mai war ein echter Hingucker. Die 24 Piloten lieferten sich zwei spektakuläre Rennen, begeisterten die Zuschauer mit rasanten und packenden Duellen auf der Strecke.

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Bianca Meyer.

Foto: Bernd Hofmeister

Nach Abschluss des Studiums der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien startete sie 2005 ihre Karriere in der Allianz als Vorstandsassistentin im Bereich Versicherungstechnik und Kundengruppenmanagement. Drei Jahre später avancierte sie zur Market Managerin für Privatkunden. Im Jahr 2010 übernahm Bianca Meyer als Gebietsleiterin in der Landesdirektion Steiermark erstmals Führungsverantwortung, 2012 wurde sie zur Vertriebsmanagerin bestellt. Nach einem Jahr in dieser Funktion erfolgte der Wechsel als Vertriebsmanagerin in die Landesdirektion Vorarlberg, im Jänner 2015 übernahm sie deren Leitung. Privat. Geboren 1980, verlobt. Zu ihren Hobbys zählen Reisen, Tennis spielen, gut essen und trinken, Zeit in der Natur verbringen

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Worauf es ankommt Sie lebte in Wien und der Steiermark, machte Station in Australien und Südostasien. Seit drei Jahren ist Bianca Meyer wieder zurück in ihrer Heimat Vorarlberg – und seit 2015 Leiterin der hiesigen Allianz-Landesdirektion. Wir haben ihr 10 Fragen gestellt. Hauptsache gut versichert … ist das Leben so gefährlich geworden? Natürlich ist die Welt heute eine andere als noch vor zehn Jahren. Aber das worum es im Leben letztendlich geht, ist dasselbe geblieben: Jemanden zu haben, der, wenn alle Stricke reißen und zum Beispiel ein Unfall passiert, einspringt und hilft. Und Versicherungen sind die Institutionen, die es ermöglichen, sich gegen die finanziellen Folgen von allen möglichen Risiken abzusichern – die Allianz macht das seit 156 Jahren! Als Führungskraft in der von Männern dominierten Versicherungswelt. Wie fühlt sich das an? Ich will da keine Klischees bedienen. Es kommt für mich in erster Linie darauf an, eine gute Führungskraft zu sein – unabhängig ob Mann oder Frau, ob Alt oder Jung – in jedem Fall ist ein guter Mix wünschenswert. Unsere Kunden sind ja ebenso unterschiedlich und vielfältig. Ich habe für mich beim Mannschaftssport schon früh erkannt, dass ein gutes Team aus möglichst unterschiedlichen Menschen besteht, die sich in ihren Fähigkeiten er­ gänzen. Würden Sie sich mehr Kolleginnen wünschen? Natürlich. Und es werden derzeit auch immer mehr. In Vorarlberg haben wir den Anteil an Frauen im Verkauf bereits mehr als verdoppelt. Die Versicherungsbranche bietet, mit der Möglichkeit der freien Zeiteinteilung, gerade auch für Frauen mit Familie gute Chancen, Privat- und Berufsleben miteinander zu vereinbaren. Das sehe ich an Erfolgsbeispielen bei mir im Team! Was fasziniert Sie an Ihrer Branche? Versicherungen sind Produkte, die man nicht sieht und nicht angreifen kann, die aber für das Leben so wichtig sind. Beratung in Sachen Versicherung hat sehr

viel mit Vertrauen zwischen Menschen zu tun. Wir haben eine sehr große Verantwortung, das erlebe ich in meinem Job tagtäglich, denn im Ernstfall kann es um die finanzielle Existenz unserer Kunden gehen. Und dazu ist eben gute Beratung notwendig, in der ein wesentlicher Teil das aktive Zuhören ist. Das bringt mit sich, dass wir unsere Mitarbeiter sehr gut ausbilden und sie sich der Verantwortung, die sie tragen, bewusst sind. Das Außergewöhnlichste, was bei Ihnen je versichert wurde? Wir haben für so gut wie alles ein offenes Ohr. Aber gerne ein paar „Kostproben“ aus unserem Konzern, wie die „Weltraumurlauber“: Bei der Allianz können sich internationale Weltraumtouristen versichern lassen. Oder „Mondfest in China“: Dieses Fest ist in China einer der wichtigsten Feiertage des Jahres. Nebst zahlreichen Naschereien zelebrieren die Chinesen dabei ganz besonders den Blick auf den Vollmond. Verdecken ausgerechnet an diesem Tag die Wolken den Mond, ist das Fest nur halb so schön. Für all die enttäuschten Mondbetrachter bietet die Allianz eine Unfallversicherung für die Festlichkeiten an, die auch eine Mondversicherung beinhaltet: Es gibt Geld zurück, wenn der Mond verdeckt bleibt! Wenn Sie eine Versicherung erfinden könnten, welche wäre das und warum? Es gibt ja bereits für alle erdenklichen Risiken Absicherungsmöglichkeiten – abgesehen vom Mondfest kann man Veranstaltungen für den Fall, dass es regnet, absichern, Fixkosten in der Pension ersetzt bekommen oder das Risiko eines Hole-in-One beim Golf. Es gibt aber auch abseits der Versicherung Dinge, die das Leben lebenswert machen, die mir wichtig sind und wofür ich auch keine Versicherung erfinden möchte: glücklich sein, Freundschaft, Familie, ...

Wie finden Sie privat Ausgleich zum Beruf? Sport begleitet mich seit meiner Kindheit – meistens waren es Mannschaftssportarten, die mich meines Erachtens, zu einem guten Teamplayer gemacht haben. Vor einigen Jahren hat mich dann die Leidenschaft für den Tennissport gepackt. Diese kann ich wunderbar ausleben in einem der schönsten Tennisclubs Österreichs – dem TC Bregenz. Aber worauf es für mich im Leben ankommt, ist Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Da braucht es dann gar nicht so viel – es reicht ein gutes Gespräch mit einem lieben Menschen. Und wo entspannen Sie am liebsten? Als gebürtige Lauteracherin hat es mich von Kindheit an ins Ried gezogen. Dort bin ich heute noch sehr gerne und schätze die Ruhe und Schönheit der Natur. Mit guter Hausmannskost und einem guten Glas Wein kann ich herrlich genießen. Es zieht mich aber auch immer wieder auf Reisen ins Ausland – es interessiert mich, wie man außerhalb des Ländles lebt. Wenn Sie Vorarlberg mit fünf Schlagworten beschreiben müssten, welche wären das? Ein wunderschönes Stück Natur, fleißige Menschen: „schaffa, schaffa, Hüsle baua“, Innovation, Dynamik – bei uns tut sich was, Sprache: aber nicht jeder versteht’s ;-) Was denken Sie: Welche Eigenschaften der Vorarlberger schätzt man im Rest Österreichs? Vor allem den Fleiß, der uns österreichweit auszeichnet. Kreativität und erfolgreiches Unternehmertum: Vom Käse bis zur Architektur und Baukunst, die weltweit Beachtung findet. Aber auch die Freundlichkeit – wobei wir auch durchaus direkt sein können, wenn wir uns eine Meinung gebildet haben. Sabine Blechschmidt

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Auf der Jagd nach Punkten Nach 19 Jahren kehrt mit der MotoGP die Königsklasse des Motorradrennsports im August zurück nach Österreich – an den Red Bull Ring in Spielberg. Vom 12. bis 14. August 2016 wird Lotus-Testimonial Marc Márquez in Spielberg mit seiner 260 PS starken und 350 km/h schnellen Rennmaschine auf die Jagd nach weiteren WM-Punkten gehen. Beim Rennen mit den weltweit rasantesten Piloten auf zwei Rädern sind erstklassige Action und packende Zweikämpfe auf höchstem Niveau garantiert. Der zweifache Weltmeister in der MotoGP-Klasse, Marc Márquez aus Spanien, ist weiterhin starker Markenbotschafter von Lotus. Kein Wunder, haben beide doch einiges gemeinsam: Lotus ist genau wie Marc pure Action und Adrenalin, mit dynamischen Designs sowie mit neuen Features, mit technologischer Innovation und Weiterentwicklung. Speed, Kraft, Leidenschaft, Begeisterung und Design formen den Gewinncharakter der Fahrer und ihrer Leidenschaft, die Ziellinie als Erster zu erreichen. Auch in der Uhrenbranche ist es nicht anders.

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Jedes Jahr widmet Lotus seinem Testimonial eine eigene Kollektion. Diese besteht aus sportlichen Chronographen, rasanten Zeitmessern mit Marcs Siegerunterschrift sowie sportlichen Schmuckstücken. Supercool ist auch die Marc Márquez-Jugendkollektion für Kids auf der Überholspur. „Fühle die Leidenschaft und Kraft von zwei Reifen auf deinem Handgelenk“ – Keypiece der aktuellen Saison ist die Chrono GP Edition mit Metallband. Absolutes Highlight ist die Marc Márquez Special Edition-Box 2016. Der dunkelblaue Chronograph mit schwarzer Lünette und rosévergoldeten Details ist mit einem bicoloren Metallband ein schicker Hingucker. Die Uhr wird in einer hochwertigen Box präsentiert und enthält zudem ein Lederersatzband. Mehr Informationen unter www.timemode.com

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33. Vorarlberger Wirtschaftsforum Internationale Tagung

Donnerstag, 10. November 2016 Festspielhaus Bregenz

Jetzt schon vormerken!

Traditioneller Treffpunkt für Meinungsmacher Mit über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland ist das Vorarlberger Wirtschaftsforum ein traditioneller Treffpunkt für Meinungsmacher aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Nutzen Sie die einmalige Gelegenheit und erleben Sie einen Tag mit internationalen Referenten.

EinE initiativE von

SponSor


Stadtoasen

Foto: Pub Klemo

Sommer is! Und was gibt es besseres, als Urlaub in der eigenen Stadt zu machen? Ob Bar, Restaurant oder Hotel – in Wien laden zahlreiche Locations zu einer kurzen oder vielleicht auch etwas längeren Auszeit ein.

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Zwei Container am Donaukanal, die sich bis September in eine gut sortierte Weinbar verwandeln, ehemalige Geschäftsräume in der Sockelzone, die als moderne Suiten zum Zuhause auf Zeit für Städtereisende werden – und dazwischen ein deutscher 3-Sterne-Koch in der Wirtshausküche sowie ein ehemaliger „Sommelier des Jahres“ als Neu-Gastwirt. Der Sommer in Wien wird spannend und verspricht vor allem eines: Genuss und Lebensfreude auf allen Ebenen.

Wein am Wasser Denkt man an den Donaukanal, kommen einem im Sommer unweigerlich auch gemütliche Feierabende sowie gutes Essen und Trinken in den Sinn. Denn gerade der Bereich rund ums Badeschiff hat sich in den vergangenen Jahren zu einer wahren internationalen Genussmeile entwickelt. Während Gastronom Brian Patton in diesem Jahr beispielsweise mit „It‘s all about the meat baby“ vor allem die Bierkultur mit großer Craft-Beer-Auswahl pflegt, konzentriert sich Patron Robert Brandhofer mit seinem „Pub Klemo am Wasser“ auf die Wünsche der Weinliebhaber. Zwei Container hat er angemietet, einer fungiert als Weinshop mit rund 600 Positionen, der zweite Container ist die Weinbar zu Hause. Neben 100 offenen Weinen werden hier auch sommerliche Gerichte, wie Lachs-Ceviche und rosa Lammhüfte mit Bulgur, sowie kalte Snacks als Weinbegleiter angeboten. „Wie im Stammhaus in Margareten ist

Flanierer können Bouteillen kaufen, Gläser dazu ausborgen und sich ein lauschiges Platzerl am Ufer des Donaukanals suchen.

uns auch hier am Wasser die umfangreiche Weinauswahl ein großes Anliegen“, erklärt Robert Brandhofer. Ob flaschenweise aus dem klimatisierten Shop-Container oder glasweise – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Zur Mittagszeit wartet von Montag bis Freitag der Lido Lunch – wechselnde Gerichte, einfach, schnell und gut. Und ein besonderes Schmankerl hält das „Pub Klemo am Wasser“ für Flanierer bereit: Sie können Bouteillen kaufen, Gläser ausborgen (5 Euro Pfand) und sich ein lauschiges Platzerl am Donaukanal suchen. Pub Klemo am Wasser. Donaukanal (Höhe Aspernbrücke), 1010 Wien, +43 699 11091332, www.pubklemo.at Öffnungszeiten: Mai bis September täglich von 12 bis 24 Uhr, bei Schlechtwetter geschlossen.

Drei Sterne im Wirtshaus Wenn der Wiener Spitzenwinzer Fritz Wieninger und Juan Amador, der deutsche Sternekoch mit spanischen Wurzeln, gemeinsame Sache machen, kann dabei nur eins rauskommen: ein neuer Hotspot für die Hauptstadt. So seit Kurzem zu erleben in „Juan Amador’s Wirtshaus & Greißlerei“. In der Grinzingerstraße 86 im 19. Bezirk hat Amador gemeinsam mit seinem Partner Gebhard Schachermayer einen weitläufigen Betrieb gepachtet. Dort verwirklicht er ein kulinarisches Konzept, bei dem entspannter Genuss im Mittelpunkt steht. Stimmungsvolles Ziegelgewölbe und weiße Möbel im Backstein-Ambiente schaffen einen Raum, in dem man gerne verweilt und Urlaub vom Alltag nimmt. In der Küche des Wirtshauses stehen Juan Amador und sein Küchenchef Sören Herzig. Was dort auf die Teller kommt, ist ansprechende, raffinierte Kulinarik. Da die Freude an der Abwechslung im Vordergrund

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steht, gibt es keine Speisenkarte im herkömmlichen Sinn, vielmehr stehen je nach Saison drei bis fünf mehrgängige Menüs zur Auswahl. Dass der Wein eine große Rolle spielt, versteht sich von selbst – schließlich ist Winzer Fritz Wieninger der Verpächter. Neben seinen eigenen Weinen erwartet die Gäste ein spannendes internationales Sortiment. Einiges zu entdecken gibt es auch in der Greißlerei. Hier lautet das Motto: Einkaufen, Verweilen, Genießen. Das Sortiment bilden sorgfältig ausgewählte Gourmetprodukte mit Fokus auf Österreich. Dazu

steuert Juan Amador Produkte aus der eigenen Küche bei – Saucen, Konfitüren, Chutneys etc. Und wer sich beim Umschauen Appetit geholt hat, kann die ausgewählten Produkte auch gleich an Ort und Stelle zubereiten lassen. Amador’s Wirtshaus & Greißlerei. Grinzinger Straße 86, 1190 Wien, +43 660 9070500, www.amadors-wirtshaus.com Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag von 11–23 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr (letzte Reservierung)

Juan Amador’s Wirtshaus ...

... und die Greißlerei dazu.

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Der Sonntag wird von Juan Amador und seinem Team noch in Ehren gehalten, der Mittagstisch am siebten Tag der Woche richtig gepflegt. „Sonntags bei Amador“ heißt das dann. Und das bedeutet: Greißlerei und Wirtshaus wachsen zu einem einzigen Lokal zusammen, die Tische werden festlich weiß gedeckt und der große Sonntagsbraten wird aufgetragen – ein idealer Treffpunkt für die ganze Familie.


Ein Sommelier wird Wirt

Fotos: Amador’s Wirtshaus & Greißlerei, Restaurant Fuhrmann

Einen beruflichen und persönlichen Traum hat sich Hermann Botolen, GaultMillau-Sommelier des Jahres 2016, vor wenigen Monaten erfüllt: sein eigenes Lokal. Nach zahlreichen Stationen als Sommelier im Altwienerhof, Taubenkobel, Wein & Co, Meinl am Graben und zuletzt dem Dombeisl in der Wiener Innenstadt, übernimmt er jetzt die Rolle des Wirtes. Und zwar im ehemaligen „Hohensinn“ im 8. Wiener Gemeindebezirk. „Fuhrmann“ heißt die neue Adresse für Weinfreaks und jeden, der sich für gutes Essen und guten Wein interessiert. Dass Hermann Botolen vor allem auch seine Liebe zu Weinen aus Frankreich mit den Gästen teilen will, verwundert natürlich nicht. Doch auch anderes Flüssiges soll seinen großen Auftritt bekommen: heimische SpitzenDestillate. „Meine zweite Passion“, verrät der Neu-Gastwirt. Umrahmt wird das Angebot an herausragenden Weinen und Destillaten von österreichischer Küche mit modernen Akzenten aus den Händen von Küchenchef Sascha Hoffmann. Er begann seine Karriere im Gasthaus Plachutta und sammelte wertvolle Erfahrungen in renommierten Wiener Häusern wie dem Steirereck, Tian, Fabio’s sowie bei Familie Döllerer in Golling. Zuletzt arbeitete er bei Josef Floh in Langenlebarn – dem Vorbild für die Küchenlinie im „Fuhrmann“. „Es gibt nicht viele junge Köche, die das können, was ich brauche. In Sascha Hoffmann habe ich den Richtigen für meine Küche gefunden“, ist Botolen überzeugt. Und so findet man auf der Speisekarte Steirisches Freilandhuhn, Wildfangsaibling, Kalbszunge und Rindsuppe ebenso wie Topfen-Nockerl oder hausgemachte Powidltascherl. Das Ziel von Hermann Botolen und seinem Team im „Fuhrmann“ ist am Ende ein ganz einfaches: Gutes Essen mit hervorragenden Weinen, ein toller Service im gemütlichen Ambiente, das im Sommer zudem um einen ruhigen Innenhof-Gastgarten erweitert wird – und das alles zu einem vernünftigen Preis.

ten Raum mit einzigartigem Charakter. Das grätzlhotel ist somit die professionelle Antwort auf den Airbnb-Trend: Es ermöglicht einen Aufenthalt, so individuell wie in einer Privatwohnung, aber umsorgt wie in einem Hotel. Schon bei der Ankunft im Grätzl, der wohl größten Hotellobby der Welt, erhalten Wien-Besucher einen ersten Einblick in das authentische Leben der Stadt. Sie holen ihre Schlüssel, informieren sich über den Aufenthalt, genießen erste regionale Schmankerl und beginnen, die Stadt aus dem Grätzl heraus zu entdecken. Rund um die Anlaufstellen des grätzlhotels in den jeweiligen Nachbarschaften verteilen sich die Suiten. Das Besondere daran: Sie überzeugen schon beim Eintreten mit Alltagsnähe. Direkt von der Straße oder durch einen typischen Wiener Innenhof ge-

Gemütlich, hell, einladend – das ist der „Fuhrmann“ im 8. Bezirk.

Restaurant Fuhrmann. Fuhrmannsgasse 9, 1080 Wien, +43 1 9444324, www.restaurantfuhrmann.com Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 11.30–14.30 Uhr und von 18–23.30 Uhr, für Feste und Degustationen auch an Wochenenden

Nächtigen in der Sockelzone „Grätzl“ – das ist ein ostösterreichischer, umgangssprachlicher Ausdruck für einen Teil eines Stadtviertels, speziell in Wien ist damit der Teil eines Wohn- und Geschäftsviertels gemeint. Solche fast eigenständigen Mikro-Stadtteile spiegeln die Identität Wiens wider und sprühen nur so vor Charme und lebendiger Urbanität. Mit dem grätzlhotel setzt die Urbanauts Hospitality Group neue Maßstäbe für Individualreisen. Hotelsuiten in ehemals leerstehenden Räumlichkeiten der Wiener Sockelzone bie-

Die Gastgeber: Hermann Botolen und Barbara Koth.

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langen Gäste in ihr Zimmer. Die Räumlichkeiten sind mit Liebe zum Detail gestaltet. Ob ehemalige Bäckerei oder Lampengeschäft – jede der 18 Suiten, die sich auf drei grätzlhotels verteilen, versprüht den Charme der ursprünglichen Nutzung. Das Zuhause auf Zeit bietet genügend Raum, um sich zurückzuziehen, Freunde einzuladen, zu kochen oder das alltägliche Treiben in den umliegenden Straßen zu beobachten. Kooperationen mit Geschäften und Lokalen in der direkten Umgebung ermöglichen zudem einzigartige Serviceleistungen.

Die Gäste können diese zum Beispiel in Form eines Conciergeservices in Anspruch nehmen: Sei es ein Picknickkorb voller Köstlichkeiten, Leihräder oder eine Massage in der Suite – Extrawünsche sind willkommen. Sabine Blechschmidt grätzlhotel karmelitermarkt. Große Sperlgasse 6, 1020 Wien grätzlhotel belvedere. Favoritenstraße 17/3–5, 1040 Wien grätzlhotel meidlinger markt. Meidlinger Markt 6–8, 1120 Wien +43 1 2083904, www.graetzlhotel.com

Empfang „zur rezeption“

In ehemaligen Geschäftslokalen entstanden Hotelzimmer in neuem Design, die ein besonders authentisches Wien-Erlebnis garantieren. Das innovative Konzept ist die professionelle Antwort auf den Airbnb-Trend: Es ermöglicht einen Aufenthalt, so individuell wie in einer Privatwohnung, aber umsorgt wie in einem Hotel.

„der vogelfänger“, grätzlhotel karmelitermarkt

Fotos: Heidrun Henke, Monika Nguyen

„die knopfmacherin“, grätzlhotel karmelitermarkt

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„Wir sind wie ein Orchester – jeder kennt seinen Einsatz.“ Manuela Zimmermann wurde als Dirigentin in die Führungsetage des Kaffeeautomaten-Spezialisten Selecta geholt.

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Drei Kinder wollte sie haben. Gleich nach der Schule. Und Hausfrau und Mama bleiben. „Mir hat das als Kind gefallen“, verrät Manuela Zimmermann. Doch dann kam alles anders. Plötzlich standen „Abgesandte“ des Disney Orlando Konzerns in der Schule vor ihr. Sie besuchte gerade die Tourismusschule Modul, ins Ausland wollte sie nicht. „Also war ich beim Bewerbungsgespräch unbeschwert und sehr authentisch“, lacht die erfolgreiche Businessfrau heute. Vom Fleck weg hat sie das Team engagiert und nach der Matura fand sie sich im Flieger in Richtung USA wieder. „Ein Jahr lang habe ich dort in einem Vier-Sterne-Hotel gearbeitet – mit vielen anderen jungen Leuten aus der ganzen Welt“, schwärmt sie. Ein Jahr, das sie nachhaltig veränderte. Karrierekick in Turnschuhen. Manuela Zimmermann bewarb sich nach ihrer Heimkehr beim Tourismusriesen „Österreichisches Verkehrsbüro“ als Assistentin der Geschäftsführung. Was folgte, hatte nichts mit einem Spaziergang zu tun: „Ich hatte eine Sieben-Tage-Woche. Ich habe viel gearbeitet, wenig verdient, viel gelitten, viel gesehen – und es wurde mir viel ermöglicht. Alles lief damals über meinen Tisch“, unterstreicht sie nicht ohne Stolz. Der Wunsch nach einer operativen Aufgabe wurde größer. Es sollten die damaligen Wiener Stiefkinder, die Campingplätze und Jugendherbergen, werden. „Ich war die Vorstandstussi mit 26 Jahren auf Stöckelschuhen, ich hatte keine Ahnung“, lacht sie. Unter der Woche war sie weiterhin Assistentin der Geschäftsführung, an den Wochenenden krempelte sie die Ärmel hoch und watete über die damals von Obdachlosen besetzten Campingplätze.

Danach folgte ein Jahr bei Selecta als Verantwortliche für die Operative, bevor Manuela Zimmermann wieder in die Tourismusbranche wechselte. Neun Jahre lang ist sie bei Vienna International auf der Überholspur. Selecta hat die zielstrebige junge Frau nicht vergessen. Vor beinahe zwei Jahren holt das Unternehmen sie wieder zu sich – als Geschäftsführerin, um das Schweizer Unternehmen am Markt zu positionieren. Mit einer klaren Strategie, viel Konsequenz und Nachhaltigkeit konnte in nur einem Jahr das operative Ergebnis um knapp 30 Prozent (im Vergleich zum Vorjahr) gesteigert werden. Ihre Führungsstrategie? „Ich arbeite transparent, kommuniziere offen.“ Der

Frauenanteil unter den Mitarbeitern hat sich in den letzten zwei Jahren bedeutend gesteigert. „Ich arbeite gerne mit Frauen zusammen. Mir gefallen die Konsequenz und das Durchhaltevermögen mit dem Frauen Aufgaben erledigen und Ziele verfolgen. Ich bin stolz auf unser Team. Wir haben die Basis für eine weitere erfolgreiche Arbeit geschaffen“, zeigt sich Manuela Zimmermann optimistisch. Selecta bietet den Kunden ein Genusserlebnis und die Möglichkeit, bei einer ausgezeichneten Tasse Kaffee eine kurze Auszeit vom stressigen Arbeitsalltag zu nehmen. Nicht selten ist die Kaffeemaschine das Herzstück des Büros.

Servicequalität steht ganz klar im Fokus: „Wir bieten unseren Kunden automatisch den perfekten Kaffeegenuss. Mit Leidenschaft und Einsatz arbeiten wir täglich dafür, dass unsere Kunden schöne und gemeinsame Momente erleben können“, erklärt Manuela Zimmermann.

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Angelika Fitz bei WE-TRADERS Tausche Krise gegen Stadt Ausstellung in Madrid 2014

Die Freude an Wagnis und Experiment lockte sie aus Altach ins urbane Neuland. Mumbai, Neu Delhi, Sao Paulo, Madrid, Athen ... Ihre Spuren finden sich an der Schnittstelle von Kunst, Kultur, Architektur, Stadtplanung, Gesellschaft. Ab 1. Jänner 2017 leitet Angelika Fitz das Architekturzentrum Wien. Im elterlichen Betrieb in Altach bestimmte millimetergenaue Präzision das Geschehen. Die computergesteuerte Schnitterstellung für die Textil- und Bekleidungsindustrie war damals im Ländle Novum wie Spezialität. Inmitten eines älteren und eines jüngeren Bruders entwickelte sich die Lust der Schwester, auch etwas ganz Neues zu machen. Da kam der kulturwissenschaftliche Studienversuch in Innsbruck gerade recht. „Meine Wahl fiel auf vergleichende Literaturwissenschaft und ich konnte querfeldein studieren. Das war an keiner anderen Universität möglich“, erinnert sich Angelika Fitz zurück. Ansonsten wäre die Stadt Inns-

bruck nicht ihre erste Wahl gewesen. Ihr Herz schlägt für Großund Megastädte. Bis heute. Raumstation 001. Angelika Fitz gründete ihr erstes Projekt mit Gleichgesinnten in Wien, während sie an ihrer Diplomarbeit schrieb. Die Stationierung auf der experimentellen Galaxie hinderte sie nicht daran, das Studium auf dem Planet Erde abzuschließen. Die „erste feministische Girlie Glitter Group“ präsentierte sich in futuristischen Raumanzügen, war über fünf Jahre als Wohn- und Arbeitsgemeinschaft organisiert und geradezu programmatisch an der Schnittstelle von Kultur, Architektur, Gesellschaft positioniert. Danach dockte „Captain Fitz“ im Springer Wissenschaftsverlag an. Vier Jahre steuerte sie das internationale Marketing der renommierten Institution. Dann bekam sie Fernweh. „Ich wollte selber Bücher schreiben, eigene Projekte machen, zu neuen Abenteuern in die weite Welt aufbrechen.“ Ihr Wunsch ging in Erfüllung. Boxwallahs Neu Delhi. Vor ihr gab es in Indien noch nie ein gesellschaftliches Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Ein Stipendium des Bundeskanzleramtes für Führungskräfte im Kulturbereich war der fliegende Teppich, auf dem sie in Mumbai und Neu Delhi landete. Aus einem halben Jahr wurden drei Jahre. Sie gewann junge Künstler(innen) für das Experiment, das sie neben

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Foto: David Sirvent, Goethe-Institut

Stadtfan und Weltbürgerin


Ausstellung REALSTADT Berlin 2010

Ausstellung WELTSTADT Bangalore 2014

Fotos: Goethe-Institut, Jan Bitter, Sandra Kuehne, M. Wörgötter, A. Fitz

Ausstellung REALSTADT Berlin 2010

Das Projekt kehrte den elitären Boxbegriff um, der in der englischen Kolonialzeit für die Loge in der Oper stand – die Box stand allen offen, die Wissen teilen wollten. einer Tankstelle in einem aufstrebenden Distrikt von Neu Delhi platzierte. Dort mischte sich kunterbunt die New Economy mit Bauern, Lastwagenfahrern und Rotlichtdamen. Zunächst gab es in der „Box“ leicht verdauliche Interventionen samt Busservice für Kunstinteressierte. Allmählich eroberten Menschen vom Lande, Arbeiter(innen) und kunstferne Besucher(innen) den Kunstraum, der vom lokalen „Chai Wallah“ mitbetreut wurde. Es wurden immer „schärfere gesellschaftspolitische Themen der Megastadt“ serviert, die noch mehr Diskussion und Bewusstseinsbildung auslösten. „Am Schluss wurde aus der Kunstbox eine Dorfschule, die ihre Lehrer(innen) buchstäblich von der Straße rekrutierte“. Das erfolgreiche Projekt kehrte den elitären Boxbegriff um, der in der englischen Kolonialzeit für die Loge in der Oper stand – die Box stand allen offen, die Wissen teilen wollten. Mit einem eigenen Büro in Wien-Donaustadt gründete Angelika Fitz 1998 ihre Home Base. Auf eine Ausstellung über indische

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Kunst in der Kunsthalle folgte eine Architekturschau in der Secession. Sie zeigte junge europäische Architektur und war multidisziplinär angelegt. „Wir haben das Thema gemeinsam erarbeitet und keine fertige Ausstellung geliefert.“ Mit der prozessualen Erarbeitung einer Ausstellung ging und geht Angelika Fitz neue und eigene Wege. Das vielerorts übliche Fait accompli von Kuratoren ist nicht ihre Masche. Architekturbiennale in Sao Paulo. 2003 und 2005 war sie Kommissärin der österreichischen Beiträge. Eine Aufgabe, die ihrem Take-off in die globale Welt der Kunst, Kultur, Architektur und Stadtplanung entgegenkam. In der Agenda Auslandsaktivitäten sind beispielsweise Projekte in Spanien und Portugal, Griechenland und der Türkei, aber auch in Afrika und Südostasien vermerkt. Sie sind allesamt ungewöhnlich lebensnah mit Titeln wie „Realstadt und Generationenstadt“, „Weltstadt – Wer macht


die Stadt?“ oder We-Traders „Tausche Krise gegen Stadt“. Ungewöhnlich sind ihre Projekte nicht zuletzt auch deshalb, weil sie nicht eingleisig, sondern als multidisziplinäres und interkulturelles Netzwerk konstruiert sind. Die benötigte Crew wird jeweils nach Projektbedarf von Angelika Fitz rekrutiert. Seestadt Aspern. Wo Napoleon 1809 geschlagen, 1880 der erste Flugversuch durchgeführt, 1912 die Flugpostlinie Wien-Lemberg-Kiew eröffnet wurde, 1931 der Zeppelin landete und ab 1977 Gras über dem 240 Hektar großen Areal wucherte, entsteht seit 2008 nach einem Masterplan „Stadt ist nicht – sie wird“ ein neuer Stadtteil von Wien. 2015 wurde Angelika Fitz in den Beirat berufen, der in einem Lern- und Qualifizierungsprozess entscheidend zur Entwicklung eines urbanen, vitalen und von Lebensqualität gezeichneten Raumes beiträgt. 2030 sollen in der Seestadt von Transdanubien 30.000 Menschen leben. „Gegenwärtig wohnen 6000 dort. Wir schauen uns ganz genau an, wie sich die Bedürfnisse für Arbeit, Freizeitgestaltung, Geschäfte-

mix, Schulen, Verkehrswege wie Verkehrsmittel, Kinder- und Altenbetreuung und vieles mehr entwickeln. Wie in allen großen Städten kommen die Bewohner(innen) längst aus verschiedenen Regionen. Es sind vielleicht nicht alle Staatsbürger(innen), aber sie sollen Stadtbürger(innen) werden können. Wenn man nicht will, dass die gesellschaftliche Schere weiter auseinandergeht, muss das Zusammenleben in der Stadt demokratisch, weltoffen, vielfältig, leistbar und solidarisch gelöst werden.“ Architekturzentrum Wien. 1993 von Dietmar Steiner gegründet, hat sich das AzW als international angesehene und gut vernetzte Plattform für Ausstellungen über aktuelle Architekturen sowie als museale Bewahrerin des architektonischen Erbes des 20. und 21. Jahrhunderts entwickelt. Die spezifische DNA des im Museumsquartier domizilierten AzW ist dennoch fast nur Insidern bekannt. Das möchte Angelika Fitz ändern. Sie übernimmt am 1. Jänner 2017 die Leitung. „Es gilt, das Potenzial an Kooperationen und Sponsoren mit Themen auszuschöpfen,

Boxwallahs New Delhi 1999/2000

Die Wohnqualität in der Stadt muss heute neu gedacht werden. Es geht nicht um Wohnsiedlungen, sondern um das städtische Leben. die über Architektur hinaus in die Gesellschaft reichen: Was kann Architektur zum guten Leben beitragen? Dabei kann Europa auch von informellen Entwicklungen aus dem globalen Süden lernen und gleichzeitig den Altbestand an Normen, Standards, Parametern, der sich bei uns angesammelt hat, hinterfragen. Wohnqualität in der Stadt muss neu gedacht werden. Es geht nicht um Wohnsiedlungen, sondern um das städtische Leben. Wien hatte im Wohnbau des 20. Jahrhunderts eine führende Rolle. Das schnelle Wachstum der Stadt verlangt aktuell einen Wohnbau, der noch viel, viel leistbarer ist. Gleichzeitig sind die kalkulierte Lebensdauer von Neubauten und ihr Potenzial für Umnutzungen zu überdenken ... und vieles mehr. Das AzW wird aktiver und achtsamer Wegbereiter für die gesellschaftliche Rolle der Architektur sein. Ich freue mich auf diese Aufgabe, mit der sich das AzW weit öffnen kann.“ Elisabeth Längle

Dakar Recherche zum Projekt WELTSTADT – Wer macht die Stadt

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Es war nicht gerade der kleinste Kratzer im Selbstvertrauen von Caspar Greber aka „KäseCaspar“ aus dem Bregenzerwald. Und warum er scheiterte, darüber wurde lange gerätselt. War es die Luftfeuchtigkeit in Somerset, immerhin geprägt vom englischen Wetter? Hatte man ihn in seinen Bemühungen in der Küche des Rothbar & Grill sabotiert, um den Österreichern an diesem Abend keinen weiteren Triumph zu gönnen? Jedenfalls war der Erfolg des Projektes Käsefondue in Südengland auch nach dem sechsten Versuch bescheiden. Der aus Vorarlberg mitgebrachte Käse wollte nicht cremig werden, gerann, klumpte aus. Es war verdrießlich und ein Jammertal, obwohl Vorarlberg eher für seine Berge als für seine Täler bekannt ist. Diese Blamage ausgerechnet bei Schweizer Gastgebern, dem Kunsthändlerehepaar Hauser und Wirth, somit bei Gastgebern aus dem Land, welches ohnehin als Kompetenzzentrum des Käsefondues gilt. Caspar nahm es schließlich mit Humor und weil er ein Vorarlberger Naturbursche mit herzhaftem Schmäh ist, erhielt er trotz des Käsefondue-Debakels vermutlich einige Heiratsangebote der anwesenden Frauen.

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Weil Käse gut zum Wein passt, war der „KäseCaspar“ mit seinem voll beladenen Wagen nach Somerset gereist. Als sie ihn beim Zoll befragten, wohin mit dem vielen Käse, antwortete er frech: „Das ist für das Geburtstagsfest der Queen.“ Man ließ den Käsemenschen passieren. Die anderen hatten das Flugzeug genommen. Bei den „Anderen“ handelte es sich um eine Handvoll beherzter Winzer aus Österreich, die sich vorgenommen haben, den Südengländern den Wein ihrer, der Winzer, Heimat nahezubringen. Die Winzer und Winzerinnen Tamara Kögl, Dieter Herist, Johannes Trapl und Rainer Garger waren angereist. Weitere Kostproben von Claus Preisinger, Christian Tschida. Muhr-Nieport und Christoph Wachter befanden sich im Gepäck. Sommelier und Initiator der Reise, Robert Stark, der gemeinsam mit Rainer Garger am Weinprojekt „Na-

dor“ arbeitet, war ebenso mit von der Partie wie ein paar Flaschen österreichischer PetNats. Nicht zu vergessen eine Weltmeisterportion von Puszta-Würsten aus der Werkstatt Max Stiegls in Purbach sowie Blutwürste vom Weltmeister Franz Dornmayer aus Niederösterreich. Somerset übrigens. Einen schöneren Rahmen für eine Weinpräsentation kann man sich schwer vorstellen. Weil die meisten Engländer und Englandreisende auf dem Weg an die südenglische Küste mit Zielpunkt Dorset die Gegend links liegen lassen, ist sie weniger berühmt, aber dafür nicht weniger zauberhaft. Stellen Sie sich grüne Hügel mit weißen Punkten vor – die weißen Punkte sind Schafe und Kühe, dann haben Sie es in etwa. Nicht wenige wohlhabende Leute haben hier ihre Landsitze. Die Gegend gilt als die „Normandie

Die kulinarische Lebensqualität der Leute in der „Normandie Englands“ ist recht hoch. Supermärkte sieht man selten, nicht so wie in Österreich. Die Dörfer sind geprägt von kleinen Läden, wo Bücher, Antiquitäten, Gießkannen, Gärtnerkrallen und Kochschürzen verkauft werden.

Fotos: Heather Edwards, Robert Stark

Eine Reise nach Somerset


Englands“. Die Euter der Kühe sind prall gefüllt, aus ihrer Milch machen die Farmer Käse, der dann in kleinen Hofläden an Ausflügler verkauft wird und – weil Rohmilch – köstlich und noch köstlicher schmeckt. Österreich, hier kannst du was lernen. Milch und Butter sind der Stolz der Gegend, auch Lamm und Rind, und im Bereich Dry Aging passiert hier Außerordentliches. Die kulinarische Lebensqualität der Leute ist recht hoch. Supermärkte sieht man selten, nicht so wie in Österreich. Die Dörfer sind geprägt von kleinen Läden, wo Bücher, Antiquitäten, Gießkannen, Gärtnerkrallen und Kochschürzen verkauft werden. In Somerset, einen halbstündigen Spaziergang oder ein paar Autominuten vom Dorf Bruton entfernt, steht die „Durslade Farm“ der beiden Schweizer Kunsthändler Iwan und Manuela Wirth. Sie haben als Stadtflüchtlinge in den restaurierten Gebäuden des Anwesens eine Galerie mit ständig wechselnden Ausstellungen, eine Bar und ein Restaurant eingerichtet. Pompös. Ein bewegender Ort, Treffpunkt aus Kunst, Historie und Natur. Die Bartender sind in Höchstform, die Küchenmannschaft liefert eine schöne Arbeit, einen Mix aus Ottolenghi, dem Begründer der neuen Veggie-Cui-

Pompös – die „Durslade Farm“ der Schweizer Kunsthändler und Stadtflüchtlinge Iwan und Manuela Wirth. Ein bewegender Ort, Treffpunkt aus Kunst, Historie und Natur – und der Platz, den die Österreicher für ihre Präsentation ausgewählt haben. kenswerten Elite der österreichischen Winzer. Die Reise sollte ja ein Probelauf werden, ein Abtasten der Möglichkeiten, Grundlagenforschung im Weinmarketing in einer Region, in der Wein nicht die Rolle spielt wie beispielsweise in der äußerst vinophilen Stadt London. Den Londonern braucht man in punkto Wein nichts vorzumachen. Bei Bordeaux haben sie die Nase ebenso vorne wie bei Natural Wines. Unter den Besuchern der kleinen Wein-Exhibition in Durslade sind dann auch nicht wenige Städter, Ausflügler, die es berückend finden, den Besuch der Kunstgalerie mit ein paar Probegläsern von Weinen zu kombinieren, von denen die wenigsten von ihnen je gehört haben. Und der Erfolg ist groß, wenn auch die Zahl der Besucher am ersten Tag des Tastings überschaubar. Abends gibt es dann ein rammelvoll gebuchtes

Tamara Kögl und Johannes Trapl

sine in England, und ländlicher Soulfood-Küche. Die besten Apfeltartes der Welt. In einem großformatigen, begehbaren Reiferaum hängen und liegen Prachtexemplare von Steaks, Tomahawks, Ribeyes und so weiter, aber auch Wild, Lamm und Schwein aus eigener Jagd beziehungsweise Zucht. Dies ist der Ort, den die Österreicher für die Präsentation ausgewählt haben. Doch um einiges kleiner als beispielsweise die Weinmessen in Düsseldorf oder Verona, aber eben auch um einiges schöner und intimer. Grundlagenforschung. Die anwesenden Winzer braucht man eigentlich nicht vorzustellen. Sie zählen allesamt zu den besonders Guten, manche sogar zu einer auch international bemer-

Diner mit den Weinen der angereisten Winzer, kommentiert von der bestens gelaunten Anne Krebiehl, einem Master of Wine, somit einer Queen des Weinwissens, die noch dazu fähig ist, Inhalte in kompakter und amüsanter Form zu präsentieren. Applaus gibt es für Grünen Veltliner und Riesling ebenso wie für die Blaufränkischen aus dem Südburgenland. Und am kommenden Tag mischen sich noch die zarten Düfte von Loire-artigen Traubensorten in die Gläser der Verkoster, die des Weines wegen angereist sind. Zwei britische Winzer, Oatley Vineyard und Wraxhall Vineyard aus Somerset, wurden eingeladen und haben die Einladung mit Freude angenommen. Der britische Wein,

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Eine zweite Reise der Österreich-Fraktion soll es voraussichtlich im kommenden Jahr wieder geben. Und hier zwei Adressen für alle, die demnächst nach Somerset reisen wollen: hauserwirthsomerset.com und rothbarandgrill.co.uk

Unternehmer und NeoWinzer Rainer Garger

auch über die Grenzen spannend macht, ist nicht der Stilwein, sondern der Sparkling Wine. Hier sind es einige Namen, die während der vergangenen Jahre bekannt wurden. Allen voran Nye Timber, ein Sparkling-Wine-Produzent, der allerdings nicht im Süden, sondern im Nordosten von London operiert. Dort, so sagt man, seien die Böden in ihrer Zusammensetzung ähnlich den Böden der Champagne. Und es überrasche nicht, dass große Champagnerhäuser bereits im großen Stil in England Grund und Weingärten kauften. Nye Timber besitzt unter den Sparkling Wine-Freunden Englands hohe Reputation, die Größe des Betriebs erlaubt auch Marketingmaßnahmen. Wie auch Ridgeview

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zeigen diese beiden Unternehmen, dass man mit englischem Wein sehr wohl ein Geschäft machen kann. Dabei ist Sparkling WineProduktion nicht eben preiswert. Die Gründe sind teuer, die Rebpflanzung ebenso, die Geräte müssen aus dem Ausland beschafft werden, und bis der Wein in Flaschen abgefüllt in den Verkauf gelangt, vergeht nochmal Zeit. Erschöpft und zufrieden. Bisher waren die cremigen, oft faszinierenden Sparkling Wines aus England eher eine Sache für den Heimmarkt, doch das Interesse am Export nimmt mit der steigenden Produktion zu. Hinter den Weinen stecken mehrheitlich Persönlichkeiten, seien es Geschäftsleute oder Wine-Maker, oftmals mit französischem Hintergrund. Kann also durchaus sein, dass wir demnächst in Österreich vom britischen Sparkling Wine trinken, während die Engländer Blaufränkische aus dem ungarisch-österreichischen Grenzland einschenken. Womit wir wieder bei der kleinen Reisegruppe aus Österreich angekommen sind. Für die Initia-

Auch Weine von Winzer Claus Preisinger waren vertreten.

toren der Reise, Robert Stark und Neo-Winzer Rainer Garger, war es ein erster Versuch, und nach dem zweiten Verkostungstag waren beide und die Winzerkollegen erschöpft, leicht unterkühlt von der Verkostung im Freien, und zufrieden. Die österreichischen Weine, die kistenweise importiert worden waren, waren nach zwei Tagen Exhibition und zwei Dinners ausgetrunken. Eine zweite Reise soll es im kommenden Jahr jedenfalls geben. Es ist anzunehmen, dass die Zahl der mitreisenden Winzer dann mindestens doppelt so hoch sein wird. Und dass der „KäseCaspar“ inzwischen ein Südengland-taugliches Käsefondue-Rezept entwickelt hat. Alexander Rabl

Fotos: Robert Stark, Siffert/weinweltfoto.ch

eine große Unbekannte für Kontinentaleuropäer, vielleicht auch eher ein Ereignis von regionaler Bedeutung. Widmen wir ihm dennoch ein wenig Platz. Schon die Römer pflanzten hier Wein. Natürlich ist es vor allem das englische Wetter, welches den Trauben die Existenz auf der Insel nicht eben leicht macht. In der Gegend gibt es zwar keine Klimaschwankungen wie am Kontinent, also keinen Wintereinbruch und Frost im Mai, dafür aber jede Menge Regen, manchmal auch Hagel und vor allem einen Mangel an Sonnenschein im Herbst. Trauben bis in den Oktober am Rebstock reifen lassen, ist in England nicht. Das Klima erfordert Traubensorten, die früh reifen und dementsprechend genügsam sind, was die Herbstsonne betrifft. Sie machen daraus einfache, duftende Terrassenweine, Begleiter zu Fisch und Gemüse, die Vergnügen machen. Viele Winzer sind ehemalige Topverdiener, sei es aus der Öl- oder der Computerbranche. Sie betreiben ihr Hobby mit großer Ernsthaftigkeit und erhalten vom Land Unterstützung in Form von Wissen. Was die britische Weinbranche allerdings


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