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Buchempfehlungen-Lesehof

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Buchempfehlungen aus dem Lesehof von AK und VN Der Sozialwissenschaftler Kurt Greussing stellte vor: Nigel Barley, „Die Raupenplage ‐ von einem, der auszog, Ethnologie zu betreiben“, Klett‐Cotta 1993 ff. Es ist das erste in einer Reihe weiterer ebenso respektloser "Feldforschungsberichte". ISBN 978‐ 3423125185 Die 15‐jährige Autorin Maya Rinderer hat aus „Sumchi“ von Amos Oz vorgelesen. „Einmal bekam ich ein Fahrrad geschenkt und tauschte es gegen eine Eisenbahn, für die ich einen Hund bekam, an dessen Stelle ich dann einen Spitzer fand, den ich gegen Liebe hergab.“ Das ist die Geschichte. ISBN 978‐3423620253

Buchhändler Günter Wohlgenannt brachte einen Koffer voller Sommerlektüre mit: Volker Klüpfel / Michael Kobr: Schutzpatron 'Piper' ISBN 978‐3‐492‐05205‐4 Alice Schmid: Dreizehn ist meine Zahl 'Nagel & Kimche' ISBN 978‐3‐312‐00472‐0 Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit 'Kindler' ISBN 978‐3‐463‐40577‐3 David Safier: Plötzlich Shakespeare 'Rowohlt Taschenbuch' ISBN 978‐3‐499‐24812‐2 Alex Capus: Léon und Louise 'Hanser' ISBN 978‐3‐446‐23630‐1 Carlos Ruiz Zafón: Marina 'S. Fischer' ISBN 978‐3‐10‐095401‐5 Petros Markaris: Faule Kredite 'Diogenes' ISBN 978‐3‐257‐06793‐4 David H. Freedman: Falsch! 'Riemann' ISBN 978‐3‐570‐50111‐5 John Katzenbach: Der Professor 'Droemer' ISBN 978‐3‐426‐19824‐7 AK und VN laden ein weiteres Mal zum Lesehof nach Feldkirch Zeit: Donnerstag, 28. Juli, 19.30 Uhr Ort: Arbeiterkammer in Feldkirch Podium: David Pountney, Intendant der Bregenzer Festspiele, Landesgerichtspräsident Heinz Bildstein, Eva Häfele, Präsidentin des Trägervereins Jüdisches Museum Hohenems, Moderation VN‐ Redakteur Thomas Matt Musik: Zimtsterne Thema: Freiheit Anschließend feines Budget. Der Eintritt ist frei ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ Volker Klüpfel / Michael Kobr: Schutzpatron 'Piper' ISBN 978‐3‐492‐05205‐4 Ein bayrischer Kriminalroman Ein Autorenduo aus unserer Nachbarschaft, hat sich mit dem Kommissar Kluftinger einen Namen gemacht: Volker Klüpfel und Michael Kobr. Das Allgäu, aus dem die beiden Schriftsteller stammen, ist auch der Schauplatz der Romanfigur Kluftinger. Der schrullige Kommissar muss im neuesten Fall eine mittelalterliche Reliquienmonstranz vor dem Diebstahl schützen und sich mit dem Tod einer 85‐Jährigen auseinandersetzen, der sich als Mord entpuppt. Zu allem Überfluss wird ihm noch sein alter Passat gestohlen, den er grundsätzlich nie absperrt. Um sich nicht zu blamieren, verschweigt er das Verschwinden seines Autos, kommt damit aber ständig in Erklärungsbedarf.


Die Romane rund um Kluftinger leben von den urigen bayrischen Charakteren und von den Fettnäpfchen, in die der Kommissar regelmäßig tritt. Eine unterhaltsame Mischung aus Humor und Spannung. ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ Alice Schmid: Dreizehn ist meine Zahl 'Nagel & Kimche' ISBN 978‐3‐312‐00472‐0 Eine Erzählung aus der Sicht eines Bergbauernmädchens Ebenfalls aus unserer Nachbarschaft, wenn auch geografisch und inhaltlich aus entgegengesetzter Richtung stammt "Dreizehn ist meine Zahl" der Schweizer Autorin Alice Schmid. Die neunjährige Lilly erlebt Ende der 50er Jahre das raue bäuerliche Leben auf dem Berg Napf. Allen Ungerechtigkeiten zum Trotz lässt sich Lilly nicht unterkriegen. Sie zählt immer dann auf dreizehn, wenn es irgendwo weh tut oder nicht mehr auszuhalten ist, als ob das Zählen ihr beim Überleben helfen würde. Mit ihrer kindlichen Nüchternheit beschreibt sie Dinge wie beispielsweise Missbrauch oder Misshandlungen durch Erwachsene, aber auch unter Kindern. Eine Kindheit, geprägt von bigotter Moral, aber auch von der einzigartig schönen Natur. Ein Buch, das neben einer beklemmenden Betroffenheit auch Witz und Feinfühligkeit nachklingen lässt. ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit 'Kindler' ISBN 978‐3‐463‐40577‐3 Ein Zeitreise‐Roman Der Roman beginnt im London des Jahres 1896. Andrew Harrington, ein junger Mann, will sich aus Liebeskummer das Leben nehmen. Er trauert um Marie, eine Prostituierte, die vor 8 Jahren von Jack the Ripper ermordet wurde. Sein Cousin kann ihn vom Selbstmord abhalten, indem er ihm verspricht, durch eine Zeitreise sein Schicksal zu verändern. Im zweiten Teil des Buches versucht eine Frau namens Claire ihrer Zeit zu entkommen. Sie kann sich mit den Menschen der viktorianischen Zeit nicht anfreunden und entflieht mit einer Zeitmaschine ins Jahr 2000, wo sie sich in Hauptmann Shackleton verliebt. In drei Erzählsträngen, die fantastisch miteinander verwoben sind, führt uns der Autor durch diesen Episodenroman. Auch H.G. Wells, Verfasser des Buches "Die Zeitmaschine", spielt in diesem Werk eine zentrale Rolle. Auch wenn man mitunter verleitet ist, in den ersten beiden Teilen allzu rasch über weniger bedeutsam wirkende Passagen rascher hinwegzulesen, ist es ratsam, keine Textstellen zu überfliegen, denn vieles, was anfangs belanglos erscheint, verdichtet sich im dritten Teil und erhält eine ganz neue Bedeutung. Ein Buch, das mit Parallelwelten spielt und bis zum Schluss mit allerlei phantastischen Wendungen überrascht. Kein Text zum locker drüber Blättern, die erforderliche Aufmerksamkeit wird aber am Ende reichlich belohnt.


‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ David Safier: Plötzlich Shakespeare 'Rowohlt Taschenbuch' ISBN 978‐3‐499‐24812‐2 Ein unterhaltsamer Beziehungs‐Roman Zeitreisen scheinen in zu sein. Nicht nur bei Felix J. Palma durchqueren die Protagonisten die Jahrhunderte. In David Safiers "Plötzlich Shakespeare" leidet Rosa an gebrochenem Herzen, da ihre große Liebe Jan eine andere heiraten wird. In der Hoffnung, ihn wieder zurückzuerobern, lässt sie sich von einem Hypnotiseur in die Vergangenheit zurück versetzen und landet ausgerechnet im Körper von William Shakespeare. Dumm nur, dass etwas schiefgegangen ist und Rosa sich den Körper nun mit Shakespeare teilen muss, welcher nicht gerade erfreut über ihre Anwesenheit ist. Rosa kann allerdings erst wieder in ihre Zeit zurückkehren, wenn sie herausgefunden hat, was die wahre Liebe ist, was sich als schwieriges Unterfangen herausstellt. Auf ihrer Suche muss Rosa zusammen mit Shakespeare einige Abenteuer überstehen und des Öfteren im letzten Moment ihren ‐ oder seinen? ‐ Kopf aus der Schlinge ziehen. Schlussendlich erkennt sie, dass sie Shakespeare und somit ihre eigene Seele liebt und kehrt geläutert wieder in ihr eigenes Leben zurück. Ein Werk mit viel Witz und Originalität. ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ Alex Capus: Léon und Louise 'Hanser' ISBN 978‐3‐446‐23630‐1 Die Geschichte einer großen Liebe Während des 1. Weltkriegs hat der 17‐jährige Léon kein Interesse mehr, das Gymnasium in Cherbourg zu besuchen. Stattdessen lässt er sich lieber zum Arbeitsdienst in ein kleines Nest versetzen. Dort lernt er Louise kennen, welche eine Anstellung beim Bürgermeister hat. Die beiden kommen sich zaghaft näher. Nach einem zweitägigen Ausflug ans Meer geraten sie in einen der letzten deutschen Angriffe, werden beide verletzt und halten sich gegenseitig für tot. Zehn Jahre später lebt Léon in Paris hat eine Frau und zwei Kinder und verdient sein Geld als Chemiker. Doch an Louise muss er immer noch denken. Eines Tages begegnen sich die beiden in der Metro wieder und beschließen mit Rücksicht auf Léons Familie dass sie ihre Liebe nicht leben dürfen. Eine Liebe, die über mehrere Jahrzehnte anhält ohne wirklich gelebt zu werden und doch, oder gerade deshalb, nie an Intensität verliert. Alex Capus hat hier eine wunderbare, stille und dennoch bewegende Liebesgeschichte geschaffen, die das Leben seines Großvaters schildert. Ein Werk, das mit leisen Tönen sehr berührt ohne jemals kitschig zu werden. ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐


Carlos Ruiz Zafón: Marina 'S. Fischer' ISBN 978‐3‐10‐095401‐5 Ein Fantasy‐Märchen Beim jüngst auf Deutsch erschienenen Band Marina steht Barcelona im Mittelpunkt der Geschehnisse. Der 15‐jährige Internatsschüler Óscar Drai begegnet bei seinen Streifzügen durch Barcelona Marina, von deren Auftreten er tief beeindruckt ist. Sie freunden sich an und eines Tages erzählt ihm Marina von einer geisterhaften schwarzgekleideten Frau, die regelmäßig ein Grab ohne Namen besucht. Die beiden folgen ihr und stoßen damit eine Tür zu einem lange zurückliegenden, traurigen Geheimnis auf. Es wird ein düsteres Barcelona sichtbar, geheimnisumwoben und furchteinflößend. Das Genre dieses Buches bewegt sich zwischen Gruselroman, Fantasy und Märchen. Dabei ist dieses Buch in Spanien schon 1999 erschienen, also vor den Bestsellern "Der Schatten des Windes" und "Das Spiel des Engels". Wer diese Art von Literatur mag und nicht der Vorstellung verhaftet ist, eine Fortsetzung der genannten Werke vorzufinden, wird beim Lesen seine Freude haben. ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ Petros Markaris: Faule Kredite 'Diogenes' ISBN 978‐3‐257‐06793‐4 Ein Kriminalroman aus Griechenland Folgendes Buch habe ich noch nicht persönlich gelesen, da es eben erst ausgeliefert wurde. Auf Grund seiner Aktualität möchte ich es dennoch vorstellen und erlaube mir, den Text vom Waschzettel vorzulesen: Die Krise legt Griechenland lahm. Niemand hält mehr die Arbeitszeiten ein, überall wird diskutiert und protestiert. Arbeitnehmer, Rentner und Studenten gehen auf die Straße, und ihre Demonstrationszüge verstopfen das Zentrum Athens mehr, als es der Verkehr je tat. Auch Familie Charitos muss den Gürtel enger schnallen. Gerade haben Kostas und Adriani noch die Hochzeit ihrer einzigen Tochter Katerina ausgerichtet und sich zum ersten Mal seit dreißig Jahren ein neues Auto geleistet – und nun wissen sie nicht mehr, wie sie die Raten abzahlen sollen. Als dann innerhalb weniger Tage zwei Banker auf grausame Weise umgebracht werden, herrscht in der Finanzwelt höchste Alarmstufe. Auch weil Presse und Polizei die Hypothese eines Terroranschlags nicht ausschließen. Der Hass auf die Banken scheint in der Tat immer größer zu werden: Die Stadt wird über Nacht mit Plakaten tapeziert, auf welchen die Bürger zur Verweigerung der Rückzahlung von Krediten aufgefordert werden. Die Krise mit ihren Auswüchsen beschert Kostas Charitos und der Athener Polizei mehr Arbeit und Hektik denn je zuvor. Geduld und Sorgfalt wären angesagt, doch dafür hat niemand Zeit. Denn Zeit ist Geld, und Geld gibt’s keins. Die Ideale Sommerlektüre, nicht nur wenn Sie nach Griechenland fahren. ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐


David H. Freedman: Falsch! 'Riemann' ISBN 978‐3‐570‐50111‐5 Warum uns Experten täuschen und wie wir erkennen, wann wir ihnen nicht vertrauen sollten. Auch wenn viele Menschen im Urlaub unbeschwerte Ferienlektüre oder spannende Krimis bevorzugen, so möchte ich doch jene Leser, die Sachbücher lieben, nicht ganz vernachlässigen. Eines, das gerade in unserer krisengeschüttelten Zeit Beachtung verdient, heißt "Falsch!" und ist ein kraftvolles Plädoyer für den gesunden Menschenverstand. ‐ Experten rieten Generationen von Müttern, ihre Kinder schreien zu lassen, bis diese heiser und verzweifelt aufgaben. ‐ Experten machten Firmenchefs weis, dass Outsourcing profitabel sei und trieben Tausende ins berufliche Abseits. ‐ Experten stellten zweifelsfrei fest, dass Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfüge und leiteten so den Irakkrieg ein. Es sind aber gerade die Fachleute aller Couleur, die überproportional häufig Irrtümer verbreiten. Die Selbstüberschätzung der Experten sowie die Käuflichkeit und Manipulierbarkeit von Wahrheit sind Systemfehler, die dafür sorgen, dass falsche Expertisen eher die Regel als die Ausnahme sind. Leichtgläubigkeit und Autoritätshörigkeit der Beratenen machen das Chaos perfekt. Die lebendig erzählten Irrtümer sind erschreckend, gleichzeitig unterhaltsam und spornen an, kritischer zu sein und wieder mehr unserem gesunden Menschenverstand zu vertrauen. ‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐ John Katzenbach: Der Professor 'Droemer' ISBN 978‐3‐426‐19824‐7 Ein Psychothriller Ein Buch, bei dem wie bei Arno Geigers "Der alte König in seinem Exil" dem Thema Demenz eine tragende Rolle zukommt, wenn auch in einem ganz anderen Genre, ist "Der Professor". Ein Psychothriller von John Katzenbach. Der Protagonist Adrian Thomas, ein pensionierter Psychologieprofessor, erfährt von seinem Arzt, dass er in fortgeschrittenem Stadium an einer speziellen Form von Demenz, an der Lewy‐Körper‐ Demenz erkrankt ist, welche unter anderem Halluzinationen auslöst. Auf dem Nachhauseweg spielt er mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen, um seinen eigenen Verfall nicht mitansehen zu müssen. Im Rückspiegel seines Autos wird er Zeuge, wie die 16‐jährige Jennifer entführt wird. Adrian ist verwirrt, weiß er doch nicht, ob ihm die Wahrnehmung einen Streich spielt oder ob er die Beobachtungen richtig deutet. Als er auf der Straße die Mütze des Mädchens findet, erhält er Gewissheit. Doch wird die Polizei einem Demenzkranken Mann glauben? Parallel erzählt der Autor die Geschehnisse mit Blickwinkel auf verschiedene Personen rund um die Entführung, so z.B. die Kriminalbeamtin Terri Collins, die einschätzen muss, ob das Mädchen nur von zu Hause weggelaufen ist, oder tatsächlich entführt wurde. Ein dramatisches Werk, das einem zuweilen den Atem nimmt und das man nicht eher aus der Hand legen will, bis man die letzte Seite gelesen hat.


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