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Aberglaube_im_Alltag

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ABERGLAUBE IM ALLTAG Manche Menschen meiden schwarze Katzen, sitzen ungern in Reihe 13 und freuen sich über vierblättrigen Klee. Der Aberglaube ist im 21. Jahrhundert noch immer fest verankert. Wo früher die christliche Kirche die Grenzen zwischen Glauben und Aberglauben definiert hat, tut es heute die Wissenschaft. Was nicht wissenschaftlich belegbar ist, wird leicht als Humbug abgetan. Doch es gibt wohl kaum jemanden, der nicht einmal mit kleinen abergläubischen Ritualen in Berührung kommt. Die Sternzeichen Der Versuchung, mit dem Tageshoroskop einen kleinen Blick in die Zukunft zu wagen, kann kaum jemand widerstehen. "Keine Zeitung ohne Horoskop", sagt der erfolgreiche Herausgeber der österreichischen Kronenzeitung. Natürlich lesen alle ihr Horoskop nur "aus Spaß", aber wehe es fehlt plötzlich. Ebenso populär sind auch die simplen Typologien, die durch die Sternzeichen vorgegeben werden. Danach ist beispielsweise der Skorpion leidenschaftlich und tiefschürfend, die Jungfrau perfektionistisch und sicherheitsbedürftig oder der Wassermann heiter und schöpferisch. Ob auf dem Einwickelpapier von Würfelzucker oder in etwas komplexeren astrologischen Ratgebern, auf entsprechenden Webseiten oder bei astrologischen Beratungen der Gedanke, dass die Sternzeichen das Leben und die Persönlichkeit des Einzelnen beeinflussen, findet auf vielen Ebenen seine Verbreitung. So gibt es auch immer wieder mächtige Persönlichkeiten, die ihre Entscheidungen vom Stand der Sterne abhängig gemacht haben. Der verstorbene französische Ministerpräsident Francois Mitterand soll sich oft mit der Astrologin Elisabeth Tessier beraten haben. Ebenso wird gemunkelt, dass Ex-US-Präsident Ronald Reagan den Termin für die Unterzeichnung des Mittelstrecken-Vertrages (am 8. Dezember 1987) von einer Astrologin hat festlegen lassen. Wie viele Menschen tatsächlich an die Astrologie glauben - oder nur ein bisschen glauben - ist schwer festzustellen, da es viele niemals zugeben würden. Tatsache ist, dass die Flut der Astro-Literatur nicht abreißt und ihre Leser findet. Gute Zahlen, schlechte Zahlen "Lotto ist eine Steuer für Leute, die keine Ahnung von Mathematik haben", heißt es. Trotzdem suchen Woche für Woche Millionen von Menschen ihr Glück beim Lottospiel. Beim Ausfüllen der Lottoscheine kommt oft auch der (Aber-)Glaube an persönliche Glückszahlen zum Ausdruck. Geburtstage, Hochzeitsdaten oder andere Kalendertage spielen hier eine große Rolle. Darüber hinaus gibt es aber auch Zahlen, die traditionell bestimmte Assoziationen hervorrufen: Zum Beispiel die berühmt berüchtigte 13. Einer Allensbach-Umfrage aus dem Frühjahr 2005 zufolge fürchten 28 Prozent der Deutschen diese Zahl. Aber nicht nur die Deutschen machen gerne einen Bogen um diese "Unglückszahl": weltweit werden viele Wolkenkratzer ohne 13. Stock gebaut, Fluglinien vermeiden die 13. Sitzreihe, mancherorts gibt es die Hausnummer 13 gar nicht. Die Angst vor der 13 hat sogar einen Namen: "Triskaidekaphobie". Auch andere Zahlen haben ihren Ruf. Die 7 kann je nach Betrachtungsweise Glück oder Pech bringen. So lehrt uns der Volksmund, dass auf sieben gute Jahre, sieben schlechte Jahre folgen. Für die Freimaurer gibt es sieben Haupttugenden und sieben Hauptfehler des Menschen. Zerbricht ein Spiegel, so folgen sieben schlechte Jahre. Auch gibt es die sieben Weltwunder, das Buch mit den sieben Siegeln oder Zaubersprüche, die siebenmal wiederholt werden müssen. Glücksbringer & Co. Der moderne Mensch hat einen großen Bedarf an Glück, weshalb auch Glücksbringer oder Glückwünsche nach wie vor Hochkonjunktur haben. Wem ein vierblättriges Kleeblatt, der


Schornsteinfeger, ein Hufeisen oder ein Schwein begegnen, hat "Schwein gehabt". Warum ausgerechnet diese Objekte Glück bringen sollen, kann in den meisten Fällen nur vermutet werden. Der Legende nach nahm Eva aus dem Paradies ein vierblättriges Kleeblatt mit in die böse Welt, wo es fortan als Glückssymbol galt. Wahrscheinlich erfreute es sich schon sehr früh einer großen Beliebtheit, da Klee mit vier Blättern eher ungewöhnlich ist. Auch eher ungewöhnlich - vor allem in der heutigen Zeit - ist das zufällige Finden von Hufeisen. Das Hufeisen muss allerdings von einem Pferd getragen worden sein, sonst ist es wirkungslos. Schornsteinfeger und Schweine brachten ursprünglich nicht nur Glück. Der "schwarze Mann" war oft Kinderschreck und Symbol für den Tod. Seit dem 19. Jahrhundert jedoch hat er sich zum Glücksbringer verwandelt. Was diesen Imagewandel bewirkt hat, weiß keiner so genau. Auch das Glücksschwein war nicht immer gern gesehen, besonders auf Hochzeiten. Das Zusammentreffen einer Hochzeitsgesellschaft mit dem Borstenvieh bedeutete eine unglückliche Ehe. Grundsätzlich aber war das Schwein als Haus- und Opfertier, Wurst- und Fleischlieferant schon bei Griechen, Germanen und Römern beliebt und wurde so auch zum Glückssymbol. So hatten zum Beispiel alle Zeppelin-Luftschiffe im Ersten Weltkrieg als Maskottchen lebendige Ferkel an Bord. Auch unser Sparschwein setzt wohl auf die Glück bringende (und Geld vermehrende) Wirkung des Schweines. ... und noch viel mehr Die Liste der kleinen Abergläubeleien in unserem Alltag ließe sich noch endlos fortsetzen: Kettenbriefe, Sternschnuppen, Träume, schwarze Katzen, Mondphasen, das Ungeheuer von Loch Ness, nicht unter Leitern durchgehen oder Daumen drücken - um nur einige zu nennen. Wie ernst das alles zu nehmen ist und wo die Grenzen zwischen Glauben, Aberglauben, Erfahrungswerten und Wissenschaft liegen, kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Oder man entscheidet sich gar nicht, wie der Quantenphysiker Werner Heisenberg. Über seiner Haustür soll ein Hufeisen gehangen haben. Auf die Frage, ob er daran glaube, dass es Glück bringe, soll Heisenberg geantwortet haben: Natürlich nicht. Aber er habe sich sagen lassen, dass es auch Glück bringe, wenn man nicht daran glaube.

(Quelle: planet wissen/Wieland)


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