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5b_Alten-_20und_20Pflegeheimbericht

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Bericht zur Pr端fung hinsichtlich der Brandschutzvorkehrungen in bestehenden Vorarlberger Alten- und Pflegeheimen Bregenz, am 30. April 2008


Leiter der Arbeitsgruppe und Verfasser des Berichtes Dir. Ing. Dr. Kurt Giselbrecht, Geschäftsführer Brandverhütungsstelle Vorarlberg, Römerstraße 12, 6900 Bregenz

Mitglieder der Arbeitsgruppe Brandverhütungsstelle Vorarlberg Ing. Werner Köhldorfer Ing. Ralph Pezzey Ing. Sascha Unterkircher Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung Linz (IBS) Dipl.-HTL-Ing. Gerhard Leibetseder Ing. Franz Mayr Dipl.-HTL-Ing. Georg Schöpf Firma Securplan, Safety & Emergency Management Bürs Michael Mössinger, Akademischer Krisen- und Katastrophenmanager

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Inhaltsverzeichnis 1.

Situation

5

2.

Auftrag

5

3.

Durchführung

6

4.

Bestehende Heimstrukturen

8

4.1 4.2 4.3 4.4

Gebäudestrukturen Bewohnerstrukturen Personalstrukturen Brandschutzstrukturen

8 11 13 13

5.

Bauvorschriften

14

6.

Externe Kontrollen

15

7.

Risikoeinschätzung

16

8.

Brandereignisse

18

8.1 8.2 8.3 8.4

Brandgefahren Ereignisse im Ausland Ereignisse in Österreich Ereignisse in Vorarlberg

18 19 19 20

9.

Brandschutzkonzeption

21

9.1 9.2 9.3 9.4

Schutzziele Baulicher Brandschutz Technischer Brandschutz Organisatorischer Brandschutz

21 23 25 29

10.

Bewertung

31

10.1 10.2

Allgemeines Gesamtbewertung

31 33

11.

Zusammenfassung

34

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1.

Situation Am 8. Februar 2008 kam es im Alters- und Pflegeheim in Egg zu einer folgenschweren Brandkatastrophe, bei der ingesamt 12 Todesopfer zu beklagen waren. In dem etwa 140 Jahre alten Gebäude waren 23 Bewohner untergebracht. Das Ereignis löste ein weit über die Vorarlberger Landesgrenzen hinausgehendes enormes öffentliches Interesse aus.

2.

Auftrag Anlässlich der Pressekonferenz im Gemeindeamt in Egg am 9. Februar 2008 hat Landeshauptmann Dr. Herbert Sausgruber dem Geschäftsführer der Brandverhütungsstelle,

Ing. Dr. Kurt Giselbrecht

den Auftrag

erteilt,

sämtliche

Alten-

und

Pflegeheime in Vorarlberg auf ihre Brandschutzvorkehrungen hin zu überprüfen und die hiezu erforderlichen personellen Ressourcen bereitzustellen. Dabei sollte mit der Überprüfung der älteren Gebäude begonnen werden. Die Liste der zu überprüfenden Heime erhielt der Geschäftsführer noch am gleichen Tag durch Landesrätin Greti Schmid per E-Mail. Mit Ausnahme des Altenheimes in Bludenz, dessen Schließung für März 2008 angekündigt war, galt es somit 49 Heime zu überprüfen. In Tabelle 1 sind diese Heime nach Gemeinden geordnet und mit den gebräuchlichen Heimbezeichungen ergänzt. Lfd.Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22

Gemeinde Alberschwende Altach Andelsbuch Au Bartholomäberg Bezau Bizau Bludenz Bregenz Bregenz Bregenz Bürs Dornbirn Dornbirn Dornbirn Feldkirch Feldkirch Feldkirch Feldkirch Feldkirch Frastanz Gaissau

Heimbezeichnung Sozialzentrum Alberschwende Sozialzentrum Altach Vinzenzheim Andelsbuch Krankenhaus und Altersheim Haus St. Josef Seniorenheim Bartholomäberg Sozialzentrum Bezau Josefsheim Bizau Laurentiuspark Seniorenheim Tschermakgarten Pflegeheim Mariahilf Sozialzentrum Weidach Sozialzentrum Bürs Seniorenresidenz Martinsbrunnen Pflegeheim Stadt Dornbirn - Höchsterstraße Pflegeheim Stadt Dornbirn - Lustenauerstraße Antoniushaus Haus Schillerstraße Haus Nofels Haus Gisingen Haus Tosters Sozialzentrum Frastanz Alters- und Pflegeheim Gaissau Seite 5 von 35


Lfd.Nr. 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49

Gemeinde Götzis Hard Hittisau Höchst Hohenems Hohenems Hörbranz Innerbraz Langen Langenegg Lauterach Lochau Ludesch Lustenau Lustenau Mittelberg Nenzing Nüziders Rankweil Röthis Satteins Schruns Schwarzenberg St. Gallenkirch Sulzberg Vandans Wolfurt

Heimbezeichnung Haus der Generationen Seniorenhaus am See Hard Pflegeheim Hittisau Altenwohnheim-Sozialzentrum Höchst SeneCura Sozialzentrum SeneCura Sozialzentrum Herrenried Sozialzentrum Josefsheim Sozialzentrum Haus Klostertal Abt Pfanner Haus Johann Georg Fuchs Haus Sozialzentrum SeneCura Haus Lauterach Jesuheim Lochau IAP Sozialzentrum Ludesch Seniorenhaus Hasenfeld Seniorenhaus Schützengarten Sozialzentrum Kleinwalsertal Seniorenheim Nenzing Sozialzentrum St. Vinerius Herz Jesu Heim Rankweil Sozialzentrum Vorderland Hus Röthis Sozialzentrum Jagdberg Pflegeheim St. Josef Bürgerheim Schwarzenberg Chronisch Krankenstation St. Gallenkirch Altenwohnheim Sulzberg Privates Seniorenheim Schmidt Seniorenzentrum Wolfurt

Tabelle 1: Liste der zu überprüfenden Heime

3.

Durchführung Der Geschäftsführer der Brandverhütungsstelle hat kurzfristig eine Arbeitsgruppe zum Thema „Augenscheinliche Erhebung von vorbeugenden Brandschutzmaßnahmen bei bestehenden Heimen und Bekanntgabe allfällig notwendiger Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheitsniveaus hinsichtlich Personenschutz“ organisiert. Die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe erfolgte unter dem Gesichtspunkt, die Thematik möglichst umfassend behandeln zu können. Als wesentliches Ziel wurde dabei angestrebt, einen unter Berücksichtigung der Strukturen der verschiedenen Gebäude und Organisationen angepassten Brandschutz erreichen zu können. Zu diesem Zweck wurden auch zwei externe Unternehmen herangezogen. Für die Mithilfe bei der Erstellung eines einheitlichen Erhebungs- und Bewertungsformulars sowie zur fachlichen Beratung aus der Sicht von Heim- und Pflegeleitungen wurde Herr Michael Mössinger der Firma Securplan, Bürs beigezogen. Um das nach Auffassung des Leiters der Arbeitsgruppe unbedingt notwendige Vieraugenprinzip bei der Kontrolle der einzelnen Heime gewähr-

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leisten zu können, wurden erfahrene brandschutztechnische Sachverständige des Institutes für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung Linz beigezogen. Die Fachkompetenz der Vertreter dieses Institutes, das seit Jahrzehnten auch im Bereich der Brandprüfungen von verschiedensten Bauprodukten tätig ist, wurde zudem im Hinblick auf die Beurteilung der bei den Kontrollen vermutlich anzutreffenden älteren und bei deren Einbau noch ohne entsprechende Prüfnachweise zulässigen Brandschutzabschlüsse benötigt. Der Amtsvorstand des Vorarlberger Arbeitsinspektorates, Dipl.-Ing. Bernd Doppler, hat im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe in Egg ebenfalls eine Überprüfung jener Heime angekündigt, die der Arbeitsinspektion unterliegen. Zwecks Vermeidung von Doppelgleisigkeiten war - in Absprache mit Herrn Landeshauptmann Dr. Sausgruber sowie dem zitierten Amtsvorstand - bei insgesamt 25 Überprüfungen ein Arbeitsinspektor anwesend. Das Arbeitsinspektorat wird entsprechend den Bestimmungen des Arbeitsinspektionsgesetzes den betreffenden Heimen die Durchführung bzw. Veranlassung der von Brandverhütungsstelle mit Einzelschreiben vom 5. Mai 2008 angeführten brandschutztechnischen Empfehlungen mit separatem Schriftstück bekannt geben. Weiters hat Landesfeuerwehrinspektor Ing. Hubert Vetter ersucht, die jeweils örtlich zuständige Feuerwehr über den Überprüfungszeitpunkt zwecks allfälliger Teilnahme eines Vertreters zu informieren, was durch entsprechende Ankündigung mittels E-Mail erfolgte. Ein Verantwortlicher der betreffenden Ortsfeuerwehr war bei 27 Heimüberprüfungen anwesend und konnte zu feuerwehrtechnischen Belangen die gewünschten Auskünfte erteilen. Die jeweils vom Vertreter der Brandverhütungsstelle geleiteten Überprüfungen wurden am Donnerstag, den 14. Februar 2008 begonnen und dauerten einschließlich der notwendigen Auswertungen sowie der

Ausarbeitung

von brandschutztechnischen

Empfehlungen für die einzelnen Heime bis zum 30. April 2008. Die Ankündigung des jeweiligen Überprüfungstermines an die Heimverantwortlichen erfolgte telefonisch durch die Brandverhütungsstelle. Der Zeitaufwand allein für die Brandverhütungsstelle betrug insgesamt 1.182 Mannstunden, die innerhalb von zehn Wochen geleistet wurden. Die kostenmäßige Abrechnung der beiden externen Unternehmen erfolgt direkt mit dem Amt der Landesregierung. Um einen Gesamtüberblick zu erhalten und für die einzelnen Heime auch konkrete Maßnahmen bekannt geben zu können, wurde ein detailliertes Erhebungsformular entworfen. Anhand dieses Formulares und aufgrund der Feststellungen anlässlich des Ortsaugenscheines konnte bei den Heimen eine allgemeine Objektbeschreibung vorge-

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nommen und die Gegebenheiten zum baulichen, technischen und organisatorischen Brandschutz erhoben werden. Auf Basis dieser Erhebungsdaten wurden die angeführten brandschutztechnischen Teilbereiche unter Heranziehung der Bewertungskriterien „ausreichend bzw. gering verbesserungswürdig, verbesserungswürdig und unzureichend“ für jedes Heim einzeln beurteilt und zur Gesamtbewertung für alle Alten- und Pflegeheime in Vorarlberg herangezogen.

4.

Bestehende Heimstrukturen

4.1

Gebäudestrukturen Bei den bestehenden Heimen handelt es sich um ältere bis ganz neue Gebäude mit unterschiedlicher Bauweise und architektonischer Gestaltung sowie verschiedenen Geschosszahlen und Geschossflächen. Betrachtet man die Anzahl der oberirdischen Geschosse als bauliches Unterscheidungskriterium, so bestehen etwa 20 % der Heime aus einem Erd- sowie einem Obergeschoss. Knapp die Hälfte der Heime weist neben dem Erdgeschoss noch ein erstes und zweites Obergeschoss bzw. ausgebautes Dachgeschoss auf. Mehr als drei oberirdische Geschosse gibt es bei ca. 30 % der Heime. Bei diesem Gebäudekriterium bleibt der unausgebaute Dachboden in der Berechnung der oberirdischen Geschosse unberücksichtigt. Anzahl der oberirdischen Geschosse zwei drei mehr als drei

Heime

%

10 24 15

20,4 49,0 30,6

Tabelle 2: Heimaufteilung nach Zahl der oberirdischen Geschosse Hinsichtlich des Gebäudealters wurde das bekannt gegebene ursprüngliche Baujahr der Heime, unbeschadet der zu späteren Zeitpunkten vorgenommenen Widmungsänderungen, Um- bzw. Zubauten oder Generalsanierungen herangezogen. In Tabelle 3 erfolgt eine Aufteilung der 49 überprüften Heime nach dem jeweiligen Gebäudealter, wobei vier Alterskategorien festgelegt wurden. Daraus ist erkennbar, dass die Bausubstanz von etwa 30 % aller Heime älter als 30 Jahre ist. Demgegenüber sind ca. 40 % der Heime jünger als 15 Jahre. Alter in Jahren bis 15 16 bis 30 31 bis 60 mehr als 60

Heime 20 14 7 8

% 40,8 28,6 14,3 16,3

Tabelle 3: Heimaufteilung nach Gebäudealter Seite 8 von 35


Um einen gewissen Überblick über die Heimgrößen zu erhalten, wird in Tabelle 4 eine Aufteilung der Heime entsprechend der maximalen Zahl der Heimbetten vorgenommen. Danach ist bei mehr als der Hälfte der überprüften Heime eine Bettenzahl zwischen 31 und 60 gegeben. Die mit maximal 30 Betten als kleinere Heime einstufbaren Objekte machen nicht ganz ein Drittel aller Heime aus, wobei das kleinste Heim für zehn Bewohner ausgelegt ist. Ein Fünftel der Heime kann der Kategorie von mehr als 60 Betten zugeordnet werden. Das größte Heim hat eine Bettenkapazität für 135 Bewohner. Bettenanzahl bis 30 31 bis 60 mehr als 60

Heime 14 25 10

% 28,6 51,0 20,4

Tabelle 4: Heimaufteilung nach Bettenanzahl Hinsichtlich Gebäudealter und Bettenzahl lässt sich - wie aus den Tabellen 5 und 6 hervorgeht - ergänzend festhalten, dass mehr als zwei Drittel der jüngeren Heime Bettenkapazitäten zwischen 31 bis 60 Betten aufweisen. Dagegen haben die älteren Heime eher kleinere Strukturen, fallen doch etwa 45 % dieser Heime in die Kategorie bis höchstens 30 Betten. Das kleinste Heim mit seinen 10 Betten ist in einem Gebäude untergebracht, dessen Bausubstanz zwar älter als 200 Jahre ist, dessen heutige Nutzung aber erst viel später geschaffen wurde. Auch das größte Heim mit seinen 135 Betten hat eine ursprüngliche Bausubstanz von mehr als 80 Jahren, die im Laufe der Zeit allerdings durch Um- und Zubauten wesentlich erweitert wurde. Bettenanzahl bis 30 31 bis 60 mehr als 60

Heime 1 14 5

% 5,0 70,0 25,0

Tabelle 5: Heimaufteilung bei Gebäudealter bis 15 Jahre nach Bettenanzahl Bettenanzahl bis 30 31 bis 60 mehr als 60

Heime 13 12 4

% 44,8 41,4 13,8

Tabelle 6: Heimaufteilung bei Gebäudealter mehr als 15 Jahre nach Bettenanzahl Hinsichtlich des Standortes der Heime erhält man aus Tabelle 7 eine Aufgliederung nach politischen Bezirken. So befinden sich ca. 43 % der Heime im Bezirk Bregenz und jeweils etwa 20 % in den Bezirken Feldkirch und Bludenz.

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Bezirk Bregenz Dornbirn Feldkirch Bludenz

Heime 21 7 11 10

% 42,9 14,3 22,4 20,4

Tabelle 7: Heimaufteilung nach politischen Bezirken Durch die folgenden Abbildungen 1 bis 10 sollen - beispielhaft und frei gew채hlt unterschiedliche Typen von Heimen dargestellt werden.

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Abbildungen 1 bis 10: Außenansichten verschiedener Heime 4.2

Bewohnerstrukturen Bei den 49 überprüften Heimen wurde ein Maximalstand von insgesamt ca. 2.270 Bewohnern erhoben. Die Abweichung gegenüber der Maximalzahl von 2.206 Altenbzw. Pflegeheimbetten entsprechend der zugesandten Heimliste des Amtes der Landesregierung kommt dadurch zustande, dass in einzelnen Heimen - teilweise im unmittelbaren baulichen Verbund - auch Unterkünfte für betreutes Wohnen eingerichtet sind. Auf die dort untergebrachten Personengruppen entfallen ca. 60 Bewohner. Die zum Zeitpunkt der Überprüfung festgestellte tatsächliche Bewohnerzahl ist mit ca. 2.030 etwas niedriger als die erhobene Maximalzahl, zumal nicht immer alle Betten belegt sind. Die Bewohner in den Heimen haben zumeist unterschiedliche Mobilitätseinschränkungen, die durch körperliche und/oder geistige Beeinträchtigungen zustande kommen. Bei vielen Bewohnern ist bereits Bettlägrigkeit bzw. stark reduzierte Gehfähigkeit gegeben, die teilweise noch durch Demenzerscheinungen ergänzt werden. Zum Zeitpunkt der Überprüfung waren in den Heimen insgesamt auch 14 Personen mit völliger Erblindung untergebracht, von denen 13 noch gehfähig waren. Bezüglich vollständiger Gehörlosigkeit ergab sich eine Zahl von fünf gehfähigen Personen und einer bettlägrigen Person. Von den Heimverantwortlichen wurde weiters angeführt, dass viele Personen an diversen Sehbeeinträchtigungen und/oder Gehörschädigungen leiden. Seite 11 von 35


Außerdem sei davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand bzw. die Pflegestufe der Bewohner im Laufe der Zeit eher noch verschlechtern dürfte. Aufgrund der Abfragen bei den Heimüberprüfungen ergibt sich dzt. eine Gesamtzahl von etwa 510 Personen, bei denen noch gewisse Voraussetzungen für die Selbstrettung angenommen werden kann. Dies entspricht einem Anteil von ca. 25 % aller Heimbewohner. Diese Personen sollten ohne fremde Hilfe jeden Ort des Heimes aufsuchen und die Anweisungen des Personals verstehen sowie durchführen können. Verringert man die Gesamtbewohneranzahl auch noch um jene Personen, die dem betreuten Wohnen zuordenbar sind und bei denen eine höhere Mobiltät anzunehmen ist, so ergibt sich ein Selbstrettungsanteil von etwa 20 %. Entsprechend dem „regionalen Bedarfs- und Entwicklungsplan des Landes Vorarlberg aus dem Jahre 2001“ steht die ambulante grundsätzlich vor der stationären Betreuung und Pflege, womit zukünftig in den Heimen hauptsächlich nur noch Menschen mit hohem Pflegebedarf untergebracht sein dürften. Der zuletzt genannte Selbstrettungsanteil der Heimbewohner wird somit weiter zurückgehen. Mit den Abbildungen 11 bis 14 soll beispielhaft und anonymisiert die eingeschränkte Eigenschaft der Heimbewohner zur Selbstrettung dargestellt werden.

Abbildungen 11 bis 14: Hinweise auf eingeschränkte Selbstrettungsmöglichkeit

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4.3

Personalstrukturen Bei Heimen handelt es sich um Einrichtungen, die rund um die Uhr und das ganze Jahr die Versorgung und Pflege der Bewohner zu gewährleisten haben. Der im Zuge der Heimüberprüfungen festgestellte Gesamtpersonalstand liegt bei ca. 2.050 Personen und verteilt sich auf das Pflegepersonal sowie andere Berufsgruppen. Während der üblichen Tagesbetriebszeiten sind in den 49 Heimen an Pflegepersonal täglich insgesamt ca. 370 Personen, in den Nachtstunden etwa 75 Personen anwesend. Somit entfallen auf eine Pflegeperson während der Tagesbetriebszeiten durchschnittlich fünf bis sechs Bewohner, was sich in den nächtlichen Stunden auf durchschnittlich 27 Bewohner erhöht. In Tabelle 8 erfolgt eine Aufteilung der Heime entsprechend dem Pflegepersonalstand während der Nachtzeiten. In knapp 60 % aller Heime ist während der Nachtzeit im gesamten Gebäude jeweils nur eine einzige Pflegeperson allein anwesend, die in diesem Zeitraum auch Betreuungs- und Pflegetätigkeiten auszuüben hat. In etwa 30 % der Heime sind in den Nachtstunden zwei Personen anwesend. Lediglich bei ca. 10 % der Heime, und zwar bei solchen mit jeweils insgesamt mehr als 60 Betten, sind drei bzw. vier Personen während der Nachtzeiten durchgehend anwesend. Pflegepersonen in den Nachtzeiten 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 Personen

Heime 29 15 3 2

% 59,2 30,6 6,1 4,1

Tabelle 8: Heimaufteilung nach Pflegepersonalstand in den Nachtzeiten 4.4

Brandschutzstrukturen In Tabelle 9 wird die anlässlich der Überprüfungen festgestellte Infrastruktur zum vorbeugenden Brandschutz für alle Heime nur zusammengefasst, ohne eine fachliche Bewertung hinsichtlich Qualität und Eignung vorzunehmen. Letzteres erfolgt erst in Kapitel 10. Von den 37 vorhandenen Brandmeldeanlagen sind 32 zur Rettungs- und Feuerwehrleitstelle

Feldkirch

(RFL)

aufgeschalten.

Bei

sieben

Heimen

sind

Brandmeldeanlagen teilweise vorhanden, wovon in fünf Fällen eine Fernalarmierung zur RFL gegeben ist. Lediglich in fünf Heimen gibt es zum Zeitpunkt der Überprüfung keine automatische Brandmeldeanlage. Außerdem ließ sich anlässlich der Heimkontrollen augenscheinlich feststellen, dass bei nahezu allen Heimen eine Blitzschutzanlage vorhanden ist.

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Bezeichnung

vorhanden

Stiegenhausabschlusss Horizontale Verlegung autom. Brandmeldeanlage Rauchabzug Stiegenhaus Fluchtwegbeleuchtung Brandschutzbeauftragter Brandschutzordnung Brandschutz-Eigenkontrolle Brandschutzbuch Mitarbeiterschulung Brandschutzplan

Zahl 30 22 37 33 38 32 19 17 18 23 34

% 61,2 44,9 75,5 67,3 77,6 65,3 38,8 34,7 36,7 46,9 69,4

teilweise vorhanden Zahl % 10 20,4 9 18,4 7 14,3 0 0,0 8 16,3 10 20,4 13 26,5 23 46,9 2 4,1 21 42,9 6 12,2

nicht vorhanden Zahl % 9 18,4 18 36,7 5 10,2 16 32,7 3 6,1 7 14,3 17 34,7 9 18,4 29 59,2 5 10,2 9 18,4

Tabelle 9: Infrastruktur zum vorbeugenden Brandschutz Weiters konnte erhoben werden, dass die zuständigen Ortsfeuerwehren in den letzten drei Jahren immerhin bei 42 Heimen Übungen bzw. Begehungen durchgeführt haben. Hinsichtlich der Aufstell- und Bewegungsflächen für Fahrzeuge und Geräte der Feuerwehr gibt es teilweise unveränderbare örtliche Umgebungssituationen, wie Hanggeschosse, Nachbargebäude oder nicht befahrbare Grundstücke. Die Zufahrt von Feuerwehrfahrzeugen zu den jeweiligen Heimen kann jedoch als gegeben angenommen werden. Festzuhalten ist noch, dass nahezu bei allen Heimen in höchstens 200 m Entfernung für die Löschwasserversorgung Oberflurhydranten zur Verfügung stehen.

5.

Bauvorschriften Entsprechend der Bautechnikverordnung LGBl. Nr. 83/2007, die seit 1. Jänner 2008 für Neubauten zur Anwendung gelangt, wird gemäß der vollinhaltlich für verbindlich erklärten OIB-Richtlinie 2 „Brandschutz“ für die als Sondergebäude eingestuften Altersund Pflegeheime ein Brandschutzkonzept gefordert. Da konkrete materielle Regelungen fehlen, muss im Rahmen des Brandschutzkonzeptes der Nachweis erbracht werden, dass nach dem Stand der Technik bzw. Wissenschaft der Gefährdung von Leben und Gesundheit von Personen durch Brand vorgebeugt sowie die Brandausbreitung eingeschränkt wird. Bei der Nutzungsart von Alters- und Pflegeheimen sind – wie in den Erläuternden Bemerkungen zur OIB-Richtlinie 2 festgehalten – besondere Maßnahmen zur Hintanhaltung der Personengefährdung bzw. zur Rettung und/oder Evakuierung von Personen mit eingeschränkter bzw. nicht vorhandener Mobilität erforderlich. Für bestehende Heime greift diese Regelung aber nicht. Die Heimbauverordnung LGBl.Nr. 29/2003 enthält u.a. konkrete brandschutztechnische Bestimmungen, wie die verpflichtende Installation einer automatischen Brandmeldeanlage (Vollschutz) mit Alarmweitergabe an eine ständig besetzte Stelle, die vom Seite 14 von 35


Landesfeuerwehrverband zur Entgegennahme von Feuerwehr-Notrufen bestimmt ist. In den Übergangsbestimmungen gemäß Pflegeheimgesetz LGBl.Nr. 16/2002 i.d.g.F. wurde jedoch ausdrücklich in § 19 Abs 6 festgehalten, dass die aufgrund dieses Gesetzes gemäß § 14 Abs 1 zu erlassende Heimbauverordnung auf ein zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Pflegeheimgesetzes bestehendes Pflegeheim so lange nicht anzuwenden ist, als keine Zu- oder Umbauten vorgenommen werden. Auch die weiteren Inhalte des § 14 Pflegeheimgesetz gelten gemäß der vorzitierten Übergangsbestimmung für bestehende Pflegeheime ebenfalls nicht, solange keine Zu- oder Umbauten vorgenommen werden. Vor Erlassung der Heimbauverordnung war seit Anfang der 80-iger Jahre bei Neubauten von Pflegeanstalten für chronisch Kranke eine spitalsbehördliche Bewilligung notwendig, in deren Rahmen auch materielle Bestimmungen der jeweils geltenden Spitalbauverordnung für die brandschutztechnische Beurteilung herangezogen wurden. Sofern ältere Heime in den letzten Jahren keine baubewilligungspflichtigen Zu- oder Umbauten vorgenommen haben und somit die genannten Rechtsvorschriften nicht zur Anwendung gelangten, dürfte von einem baurechtlichen Bestandsschutz auszugehen sein.

6.

Externe Kontrollen Entsprechend den Bestimmungen des Pflegeheimgesetzes LGBl. Nr. 16/2002 i.d.g.F. hat die zuständige Bezirkshauptmannschaft den Träger eines Pflegeheimes zu beaufsichtigen, wobei die periodischen Kontrollen gemäß § 17 Abs 1 sowohl durch ein Aufsichtsorgan alleine als auch im Rahmen einer kommissionellen Überprüfung erfolgen kann. Schwerpunkte dieser Überprüfungen sind die in lit. a) und b) genannten Inhalte, wie z.B. Pflegestandard, Rechte der Heimbewohner und Personalsituation. Hinsichtlich der Bauvorschriften ist bei der Kontrolle gemäß lit c) zu prüfen, ob die nach der Baubewilligung maßgeblichen baulichen und technischen Standards aufrechterhalten sind. Nach

der

Feuerpolizeiordnung

LGBl. Nr 16/1949 i.d.g.F.

müssen

Alten-

und

Pflegeheime gemäß § 7 einer allgemeinen Feuerbeschau unterzogen werden, die spätestens alle sechs Jahre vorzunehmen ist. Die Feuerbeschau ist durch geeignete Personen durchzuführen, welche der Bürgermeister zu bestellen hat. Bei der Feuerbeschau ist zu überprüfen, ob die Feuerungsanlagen oder der Zustand der sonstigen baulichen Anlagen, insbesondere der Dachböden, Keller, Garagen, Betriebs- und Lagerräume, augenscheinliche grobe feuerpolizeiliche Mängel aufweisen. Auch eine Feuerbeschau, die von entsprechend ausgebildeten Personen durchgeführt wird, kann nicht alle erdenklichen Zustände erfassen, die eine Brandgefahr begründen oder möglicherSeite 15 von 35


weise erwarten lassen. Der Prüfungsumfang und –maßstab beschränkt sich somit auf Mängel, die in auffälliger und typischer Weise eine erhebliche Brandgefahr darstellen. Die Feuerbeschau stellt allerdings nicht das geeignete Instrument dar, umfangreiche brandschutztechnische Maßnahmen bei bestehenden Heimen durchsetzen zu können. Aufgrund der Abfragen anlässlich der gegenständlichen Heimüberprüfungen lässt sich abschätzen, dass innerhalb der eingangs erwähnten Frist von sechs Jahren in 20 Heimen eine Feuerbeschau durchgeführt worden ist. Bei 14 dieser 20 Fälle wurde seitens der jeweils zuständigen Gemeinde ein Sachverständiger der Brandverhütungsstelle Vorarlberg herangezogen. Bei 10 Heimen war der angegebene Überprüfungszeitraum aufgrund des jeweiligen Baujahres noch nicht ausgeschöpft und damit noch keine Feuerbeschau verpflichtend erforderlich. Bei den restlichen 19 Heimen dürfte – soweit aus den Angaben anlässlich der Überprüfung ableitbar – zumindest keine zeitgerechte Feuerbeschau gemacht worden sein. Nach

dem

Arbeitsinspektionsgesetz

BGBl.Nr. 27/1993 i.d.g.F.

kann

das

Arbeitsinspektorat auch Alten- und Pflegeheime, sofern diese nicht vom Wirkungsbereich ausgenommen sind, inspizieren. Im Rahmen der Besichtigung der Betriebsstätten, was in zeitlich unregelmäßigen Abständen erfolgen kann, wird auf die Einhaltung der Bestimmungen zum Schutz der ArbeitnehmerInnen stichprobenartig eingegangen.

7.

Risikoeinschätzung In älteren wie neueren Heimen bestehen generell besondere Risiken in Bezug auf die Bewohner, und zwar: •

erhöhte Anzahl von hilfsbedürftigen Personen,

•

eingeschränkte körperliche Bewegungsfähigkeit,

•

verlangsamte Bewegungsabläufe,

•

Vergesslichkeit,

•

körperliche und geistige Behinderungen,

•

altersbedingt geringeres Gefahrenbewusstsein,

•

teilweise fehlende Fähigkeit, sich im Gefahrenfall bemerkbar zu machen oder zu alarmieren,

•

unberechenbares Verhalten aufgrund psychischer Einschränkungen,

•

eingeschränktes Orientierungsverhalten oder Orientierungsverlust.

Daneben gibt es noch weitere heimspezifische Besonderheiten, wie •

öffentlicher Zutritt für verschiedenste Personen, vor allem für Besucher, Passanten und Dienstleister,

•

heterogener Personaleinsatz,

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•

Gestaltung und Ausrüstung eines der Beherbergung hilfsbedürftiger Menschen dienenden Gebäudes mit unterschiedlichsten Nutzungsbereichen, wie Bewohnerzimmer mit teilweise wohntypischer Geräteausstattung, Küche, Wäscherei und Büglerei, Aufenthalts-, Lager- und Technikräume,

•

wohnliche Ausstattung von Allgemeinbereichen mit brennbaren Bodenbelägen, mit verschiedensten Möblierungen und mit diversen Dekorationsmaterialien.

Unbeschadet der Art der Zündquelle als brandauslösendes Element ist bei einem allfälligen Brandereignis der überwiegende Teil der Bewohner somit auf fremde Hilfe angewiesen. Ein eigenständiges Verlassen des gefährdeten Bereiches beispielsweise über Gänge und Stiegenhäuser bzw. Außentreppen ist daher nicht zu erwarten. Das Heimpersonal ist zudem nicht in der Lage, alle handlungsunfähigen Personen in Sicherheit zu bringen. Vor allem die geringe Personalstärke während der Nachtstunden hat zur Folge, dass spontane Rettungsmaßnahmen nur in beschränktem Ausmaß möglich sein können. Wie einzelne Heimverantwortliche anlässlich der durchgeführten Überprüfungen mitteilten, hat sich bei Brandschutzübungen mit Auslösung der internen Sirenen durch die automatische Brandmeldeanlage teilweise ein interessantes Bewohnerverhalten gezeigt. So haben selbst gehfähige Personen, welche den lauten Alarmton nachweislich mitbekommen haben, überhaupt nicht reagiert und sich auch durch entsprechende Aufforderung kaum von ihrem gewohnten Tagesablauf abbringen lassen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass im Brandfall nur noch wenige Heimbewohner richtig reagieren können. Es gilt weiters zu beachten, dass auch bei Verwirklichung umfangreichster Brandschutzmaßnahmen ein unvermeidbares Restrisiko verbleibt, welches allerdings in der Öffentlichkeit kaum akzeptiert wird. So fällt die öffentliche Akzeptanz eines Ereignisses in Heimen weit geringer aus, als gegenüber einem ähnlichen Brandereignis in der privaten Umgebung. Bestürzung bei den Betroffenen und in der Bevölkerung sowie hohes mediales Interesse sind insbesondere bei größeren Ereignissen die Folge. Unabhängig

von

allfälligen

Rechtsfolgen

kann

der

Vorwurf,

nicht

das

Menschenmögliche getan zu haben, noch lange nachwirken und einen Imageschaden hervorrufen.

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8.

Brandereignisse

8.1

Brandgefahren Die Brandursachen sind ebenso vielfältig wie die äußeren Umstände und reichen von unbeaufsichtigten Kerzen über in Brand geratene Wäschetrockner oder defekte Kühlschränke sowie implodierende Fernsehgeräte bis hin zu vorsätzlicher Brandstiftung. In zahlreichen Fällen werden Brände von den Bewohnern auch selbst verursacht, meist durch brennende Zigaretten, Rauchzeugreste oder vergessene Herdplatten. Daneben können auch verschiedenste technische Defekte, etwa an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln

brandauslösend

sein.

Manchmal

werden

Brände

auch

durch

Handwerker verursacht, die im Zuge von Umbauten und Renovierungen verschiedenste Feuerarbeiten wie Schweißen, Trennschneiden oder Löten auszuführen haben. Die Brandausbruchsstelle liegt oft in den Bewohnerzimmern. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Zeitpunkt des Brandausbruches nicht selten in den Abend- bzw. Nachtstunden liegt. Aus den Abbildungen 15 bis 22 sind einige Beispiele möglicher Brandgefahren bzw. gefahrerhöhender Situationen in Alten- und Pflegeheimen erkennbar.

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Abbildungen 15 bis 22: Mögliche Brandgefahren bzw. gefahrerhöhende Situationen 8.2

Ereignisse im Ausland Wenngleich keine umfassenden nationalen und internationalen Statistiken zu Brandereignissen in Alten- und Pflegeheimen offiziell bekannt sind, so reiht sich die Brandkatastrophe in Egg mit 12 Toten in eine nicht unbeträchtliche Zahl von schweren Fällen in den vergangenen Jahren ein. Aus dem Ausland beispielhaft angeführt sind nachstehende Ereignisse: •

November 2007: 15 Tote bei Großfeuer in südafrikanischem Altersheim

•

März 2007: 62 Tote bei Großbrand in einem Altersheim in Krasnadar in Russland

•

November 2006: 10 Tote bei Brand in einem Senioren- und Behindertenheim in Kansas City in den USA

8.3

•

Februar 2004: 12 Tote bei Feuerkatastrophe in Altenheim in Schottland

•

Dezember 2001: 6 Tote bei Brand in Altenheim in Schleswig-Holstein

Ereignisse in Österreich Auch in Österreich kommt es immer wieder zu Bränden in Alten- und Pflegeheimen, glücklicherweise aber bisher nicht in jenem Ausmaß wie bei der Brandkatastrophe in Egg. Aus den von der Brandverhütungsstelle Vorarlberg gesammelten Daten sollen einige Ereignisse anderer Bundesländer der jüngsten Vergangenheit genannt werden: •

Jänner 2008: Feuer in Bewohnerzimmer eines Altenheimes im burgenländischen Neufeld Seite 19 von 35


•

Dezember 2007: Mann in einem Altenheim bei Schwaz in Tirol fängt während der Sauerstoffbehandlung beim Versuch des Anzündens einer Zigarette plötzlich Feuer

8.4

•

Dezember 2006: Fünf verletzte Personen bei Feuer in Wiener Seniorenheim

•

März 2005: 1 tote Bewohnerin bei Zimmerbrand in Welser Altenheim

•

Oktober 2004: 1 Toter bei Brand in einem Linzer Seniorenwohnhaus

Ereignisse in Vorarlberg Ebenfalls aus dem Archiv der Brandverhütungsstelle stammen einige Daten zu medial bekannt gewordenen Bränden in Vorarlberger Heimen der letzten zwei Jahre: •

Dezember 2007: Brandalarm in Wolfurter Seniorenheim aufgrund technischem Gebrechen an der Spülanlage

•

Mai 2007: Brand eines elektrischen Fußwärmers im Bewohnerzimmer des Sozialzentrums Bludenz

•

Februar 2007: Brand in der Kapelle des Harder Seniorenheimes

•

April 2006: Rauchentwicklung infolge vergessenem Kochtopf auf eingeschaltener Herdplatte in einem Bewohnerzimmer des Sozialzentrums Nüziders

Im Zuge der Heimüberprüfungen konnte ermittelt werden, dass sich durch teilweise nicht planbares bzw. atypisches Bewohnerverhalten brandgefährliche Zustände ergeben können. Außerdem ließen sich anhand der Kontrollbücher von Brandmeldeanlagen mehrere Ereignisse nachvollziehen, die zwar eine Auslösung der automatischen Rauchmelder herbeiführten, jedoch durch richtiges Vorgehen des Personals auf den Entstehungsort beschränkt bleiben konnten. Insgesamt sind auf diesem Wege den Überprüfungsorganen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – 27 Ereignisse zur Kenntnis gebracht worden, von denen einige ohne Nennung des betreffenden Heimes beispielhaft angeführt sind: Fall 1: Eine verwirrte Bewohnerin empfindet den Kleiderkasten in ihrem Zimmer als Ofen, entfacht in der Schublade durch Anzünden von Papier ein Feuer und stellt die brennende Schublade auf den Balkon. Fall 2: Ein Bewohner steckt die brennende Zigarette in seine Jacke, hängt diese in den Kasten und legt sich zum Schlafen ins Bett. Die Brandmeldeanlage löst aus und die Mitarbeiter löschen den Brand. Fall 3: Ein Bewohner raucht in seinem Zimmer und wirft die brennende Zigarette auf den Fußboden, wodurch es zu einem Schwelbrand kommt. Dieser wird durch anwesendes Personal aufgrund der durch die ausgelöste Brandmeldeanlage rasch erfolgten Alarmierung ohne Feuerwehreinsatz gelöscht. Fall 4: Im externen Besucherraum kommt es durch eine heruntergebrannte Kerze zur Entzündung der Tischdecke, was die Brandmeldeanlage erkennt. Das Personal löscht den Brand. Fall 5: In der Küche entsteht ein Brand, der durch die Mitarbeiter mit einer Löschdecke erfolgreich bekämpft wird. Seite 20 von 35


Fall 6: Ein Bewohner wirft die Zigarette in einen Abfallbehälter, in dem es zwar zu brennen beginnt, der Brand aber infolge der Ausstattung als Sicherheitsbehältnis von selbst erlischt. Fall 7: Im Aufenthaltsraum kommt es aufgrund des Brandes eines Adventskranzes zur Auslösung der Brandmeldeanlage. Fall 8: Ein geistig verwirrter Bewohner hat im Bad seine Hygienewindel mit einem Feuerzeug angezündet, die aber von selbst erlischt. Der Brandmelder des Vorraumes hat angesprochen und die alarmierten Mitarbeiter mussten bei ihrem Eintreffen im Bewohnerzimmer nur noch den verrauchten Raum entlüften.

9.

Brandschutzkonzeption

9.1

Schutzziele Heime sollten grundsätzlich ein der häuslichen Umgebung äquivalentes Sicherheitsempfinden vermitteln. Um dies zu erreichen, sind wesentlich höhere Sicherheitsanstrengungen als bei Privatwohnungen erforderlich. Da die Menschen zum Teil über Jahre hinweg ihren Lebensabend im Heim verbringen, haben sie auch Anspruch auf eine umfassende wohnliche Zimmerausstattung, um ihren individuellen Lebensrhythmus nach Möglichkeit fortführen zu können. Dieses Ziel lässt sich auch aus § 5 des Pflegeheimgesetzes ableiten, in dem die Bewohnerrechte umschrieben sind. Damit verbunden ist – wie in den Abbildungen 23 und 24 zum Ausruck kommen soll – eine gewisse Brandbelastung und Brandgefahr.

Abbildungen 23 und 24: Umgebungscharakter mit höherer Brandlast Diesem Ziel nach bedürfnisorientiertem Heimkonzept verbunden mit dem Wunsch nach möglichst viel Normalität steht das Ziel hinsichtlich Erreichens eines möglichst hohen Brandschutzstandards nicht selten kontroversiell gegenüber. Es ist deshalb erforderlich, die Effektivität des Einsatzes vorbeugender Brandschutzmaßnahmen in der Gesamtbetrachtung von Bewohnerverhalten und baulichem Umfeld sowie in dem notwendigen Spielraum für individuelle Lösungsansätze zu beurteilen. Diese Gesamtproblematik lässt sich auch bei Verwirklichung kostenintensivster hochtechnischer Brandschutzvorkehrungen und bei Verwendung von überwiegend unbrennbaren Materialien

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nicht vollständig lösen. Die Abbildungen 25 und 26 zeigen Situationen mit geringerer Brandbelastung, welche aber deutlich weniger Wohncharakter aufweisen.

Abbildungen 25 und 26: Umgebungscharakter mit geringer Brandlast Ein Brand in einem Alten- bzw. Pflegeheim sollte auf eine möglichst geringe Fläche beschränkt und die Personengefährdung unter Berücksichtigung der Bewohner- sowie Gebäudestruktur so gering wie möglich gehalten werden. Da die Selbstrettungsmöglichkeit der meisten Heimbewohner sehr gering, die großräumige Evakuierung problematisch und allein mit Hilfe von Rettungsgeräten der Feuerwehr (z.B. Drehleitern, Hubsteiger) innerhalb nützlicher Zeit nicht durchführbar ist, sollen die Brandschutzmaßnahmen vor allem zum Ziel haben, den Verbleib der Heimbewohner im Gebäude zu ermöglichen. Die erste Stufe eines mehrstufigen Rettungskonzeptes ist somit der Verbleib der Bewohner in ihren Zimmern bei geschlossenen Zimmertüren. Als zweite Stufe soll die horizontale Verlegung einer möglichst geringen Personenanzahl in angrenzende sichere Bereiche des gleichen Geschosses überlegt werden. In der dritten Stufe verlässt man mit den zu rettenden Personen das ursprüngliche Geschoss und bringt sie im Rahmen der vertikalen Evakuierung in eine andere Ebene des Gebäudes. Die vierte Rettungsstufe, und zwar die Evakuierung der Bewohner ins Freie, soll die letzte Maßnahme zur Personenrettung darstellen. Die Gesamtevakuierung eines Heimes ist nämlich extrem schwierig, kräftebindend sowie zeitaufwändig. Bei diesem mehrstufigen Rettungskonzept gilt es auch zu beachten, dass mit zunehmender Brand- und Rauchausbreitung

und

damit

zusammenhängender

steigender

Gefährdung

der

Heimbewohner sowohl die Anzahl der erforderlichen Einsatzkräfte als auch jene des geschulten Personals stark zunimmt. Zudem steigt der Zeitaufwand für die Evakuierung von Bewohnern mit der Zunahme des Grades ihrer Beeinträchtigung. So wird für die Rettung einer bettlägrigen Person längere Zeit benötigt als für eine an den Rollstuhl gebundene Person. Weiters müssen auch allfällige Auswirkungen infolge von Hektik,

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Verrauchung, Dunkelheit und verstärkten Belastungen bzw. Ermüdungen des Personals berücksichtigt werden. 9.2

Baulicher Brandschutz Die bestehenden Heime verfügen über unterschiedlichste bauliche Grundstrukturen, die nachträglich kaum veränderbar sind. Die baulichen Unterschiede sind letztlich auch durch ständig veränderte Entwicklungstendenzen im Heimbau zustande gekommen. So hat sich nämlich die bauliche und innenräumliche Ausgestaltung in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert, was sich auch in der Grundrissstruktur der Heime niederschlägt. Eine für alle Heime gültige Patentlösung zur Verbesserung des baulichen Brandschutzes kann somit nicht geliefert werden. Tendenziell ist jedoch anzustreben, die Untergeschosse gegen das Erdgeschoss sowie die anderen Geschosse untereinander brandschutzmäßig zu trennen und die Stiegenhäuser gegen die angrenzenden Gänge mit geeigneten Feuerschutzabschlüssen abzuschließen. Außerdem bedarf es der brandschutztechnisch richtigen Ausführung insbesondere für die Bereiche von Technik-, Heiz-, Öllager- und Abfallsammelräumen. Zudem sind bei geschossübergreifenden Steigzonen geeignete bauliche Abschottungsmaßnahmen zu treffen. Dies gilt auch bei Wand- und Deckendurchbrüchen für Rohrleitungen und Kabelkanäle, wenn diese Brandabschnitte durchstoßen. Sofern Feuerschutzabschlüsse fehlen oder bestehende Elemente brandschutztechnisch völlig ungeeignet sind, wird der Einbau geprüfter Elemente für erforderlich erachtet. Für diese Fälle gilt zu beachten, dass der Nachweis der entsprechenden Feuerwiderstandsklasse gemäß europäischer Normierung zu erbringen ist. Ansonsten können - sofern es für notwendig erachtet wird - an bestehenden Elementen brandschutztechnische Verbesserungen vorgenommen werden. Sofern Boden- und Wandbeläge im Verlauf der Stiegenhäuser und der allgemeinen Gänge bei Sanierungsarbeiten ersetzt bzw. erneuert werden, wird auf den erforderlichen Nachweis der entsprechenden Euroklasse des Brandverhaltens hingewiesen. Durch die genannten Vorkehrungen soll vornehmlich eine Ausbreitung von Feuer und Rauch begrenzt werden. Daneben können diese baulichen Vorkehrungen im Brandfall auch dazu beitragen, das Aufenthaltskonzept für den Verbleib der Bewohner in ihren Zimmern zu unterstützen und zudem die inneren Angriffswege für die Feuerwehr über brandschutztechnisch getrennte Stiegenhäuser zu verbessern. Wenn die Heime eine gewisse Größenordnung hinsichtlich der Bewohnerzahl pro Geschoss überschreiten, sollten zudem innerhalb eines Geschosses - sofern nachträglich überhaupt verwirklichbar - bauliche Möglichkeiten für eine horizontale Evakuierung geschaffen werden.

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Vor Umsetzung der baulichen Brandschutzmaßnahmen, insbesondere von solchen in den Bewohnerbereichen, sollten auch deren möglichen Auswirkungen auf die tägliche Nutzung angedacht werden. In diesem Zusammenhang sei deshalb der Hinweis auf eine möglichst barrierefreie Gestaltung auch in bestehenden Heimen angebracht. In den Abbildungen 27 bis 36 werden beispielhaft

Situationen zum

baulichen

Brandschutz angeführt.

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Abbildungen 27 bis 36: Situationen im Bereich des baulichen Brandschutzes 9.3

Technischer Brandschutz Die Folgen eines Brandereignisses sind dann am geringsten, wenn ein Brand noch in der Entstehungsphase entdeckt und entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Dadurch werden die Möglichkeiten der erfolgreichen Brandbekämpfung und Personenrettung größer. Vor dem Hintergrund der körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen der Heimbewohner sowie der relativ geringen Personalstärke insbesondere während der Nachtzeiten, ist eine automatische Brandmeldeanlage mit dem Schutzumfang „Vollschutz“ und Aufschaltung zur Rettungs- und Feuerwehrleitstelle eine unabdingbare Forderung. Nur damit kann sichergestellt werden, dass die Feuerwehr bereits in der Anfangsphase eines Brandes alarmiert wird. In den Tagesbetriebszeiten hat das geschulte Personal üblicherweise noch die Möglichkeit, den Alarm in einer gegebenen Zeit vor der automatischen Weiterleitung an die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle zurückzusetzen (Interventionsschaltung), damit allfällige Täuschungsalarme nicht zur sofortigen Alarmierung der Feuerwehr führen. In den Nachtstunden dagegen soll der Alarm grundsätzlich ohne Interventionszeit unverzüglich weitergeleitet werden, zumal in dieser Zeit infolge der geringen Personalstärke in den meisten Heimen eine besondere Risikosituation besteht. Die Brandmeldeanlage ist gemäß der Technischen Richtlinie Vorbeugender Brandschutz „TRVB S 123 – Brandmeldeanlagen“ von einer Fachfirma installieren und durch eine staatlich akkreditierte Prüf- und

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Überwachungsstelle

abnehmen

zu

lassen.

Hinsichtlich

der

gebäudeinternen

Alarmierung durch die Brandmeldeanlage sollen einzelfallbezogene Lösungen möglich sein, wobei zwecks Vermeidung allfälliger Panikreaktionen der Bewohner auch sogenannte „stille Alarmierungen des Personals“ vorstellbar sind. In diesem Zusammenhang wird die Auffassung vertreten, dass für Heimbewohner mit besonderen Beeinträchtigungen wie Blindheit und Gehörlosigkeit keine spezielle Alarmierungstechnik einzusetzen ist. So können bei diesen Personen noch Begleiterscheinungen wie Demenz oder Bewegungseinschränkungen hinzukommen, womit deren Verhalten im Brandfall ebenfalls nicht mehr abschätzbar wird. Um eine allfällige Rauchausbreitung über baulich abgeschlossene Stiegenhäuser in die einzelnen Geschosse einzuschränken, den gehfähigen Personen den Fluchtweg und der Feuerwehr einen raucharmen Angriffsweg über das Stiegenhaus zu ermöglichen, sollte dort grundsätzlich eine Rauchabzugseinrichtung mit geeigneter Auslösevorrichtung und ausreichendem Öffnungsquerschnitt vorhanden sein. Damit bei einem allfälligen Stromausfall zumindest entlang der Allgemeingänge und der Stiegenhäuser eine Orientierung auch in Zeiten ohne Tageslicht möglich ist, muss in diesen Bereichen für eine stromnetzunabhängige Restbeleuchtung gesorgt werden. Dies kann im Einzelfall entweder durch eine Fluchtweg-Orientierungs- oder durch eine Sicherheitsbeleuchtung erreicht werden. Außerdem ist der Bereich der Fluchtwege mit gut sichtbaren Markierungen zu kennzeichnen. Für die erste und erweiterte Löschhilfe müssen je nach Brandgefährdung und räumlicher Ausdehnung zumindest tragbare Feuerlöschgeräte vorhanden sein, wobei in den Geschossen mit Bewohnerzimmern Geräte mit dem Löschmittel Wasser bzw. Schaum zum Einsatz gelangen sollen. Würde man in diesen Bereichen für die Bekämpfung eines allfälligen Entstehungsbrandes herkömmliches Löschpulver einsetzen, könnten sichtbehindernde Zustände zustande kommen. Bei Lüftungs- bzw. Klimaanlagen, die im Zuge der Heimüberprüfungen - sofern der jeweilige Leitungsverlauf und die Steuerungsmodalitäten überhaupt erkennbar - nur augenscheinlich beurteilbar waren, können noch brandschutztechnische Vorkehrungen wie z.B. Brandschutzklappen oder spezielle Brandfallsteuerungen notwendig werden. Das Risiko bei derartigen Anlagen besteht darin, dass durch offene Verbindungen bei einem Brandereignis über Kanäle bzw. Leitungen eine Ausbreitung von Feuer und Rauch innerhalb des Gebäudes ermöglicht wird. Andererseits können Lüftungsanlagen aber durch richtige Ansteuerung der Zu- und Abluftteile durch die Brandmeldeanlage in Einzelfällen dazu beitragen, die Rauchverschleppung einzuschränken.

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Im Übrigen können bei einzelnen Heimen insbesondere auch noch weitere technische Maßnahmen, z.B. im Bereich von elektrischen Anlagen sowie des Blitzschutzes erforderlich werden. In diesem Zusammenhang wird auf die Überprüfungspflichten der beiden beispielhaft angeführten Bereiche hingewiesen, die sich aufgrund gesetzlicher Vorschriften ergeben. In den Abbildungen 37 bis 50 werden verschiedene Situationen im Bereich des technischen Brandschutzes beispielhaft gezeigt.

Seite 27 von 35


Abbildungen 37 bis 50: Situationen im Bereich des technischen Brandschutzes

Seite 28 von 35


9.4

Organisatorischer Brandschutz Wenngleich bauliche und

technische

Brandschutzmaßnahmen

die

Grundvoraussetzungen für den Brandschutz in Alten- und Pflegeheimen darstellen, so kommt den betrieblichen Maßnahmen eine besondere Bedeutung zu. Damit verbunden sind jedenfalls zeitaufwändige Eigenleistungen der Heimleitung sowie der mit Aufgaben des Brandschutzes betrauten Personen. Aufgrund der Erfahrungen, dass ein Heim im Brandfall üblicherweise in den ersten 10 bis 15 Minuten bis zum Eintreffen der Einsatz- und Rettungskräfte auf sich allein gestellt ist, muss das Personal bereits eigenständig Maßnahmen setzen. Zu diesem Zweck bedarf es bereits im Vorfeld entsprechender Vorkehrungen sowie Festlegungen. Im Rahmen dieses betrieblichen Brandschutzes soll auch überlegt werden, wie man im betreffenden Heim mit den möglichen Brandgefahren umgeht. So würde ein gänzliches Rauchverbot im Gebäude vermutlich zu heimlichem Rauchen und damit zu unkontrollierbaren Risiken der Brandentstehung führen. Diesbezüglich erscheint es wesentlich sinnvoller, das Rauchen an bestimmten Orten bzw. unter bestimmten Bedingungen zu erlauben. Dabei gilt es auch die Rahmenbedingungen festzulegen, wie beispielsweise das Bereitstellen von selbstlöschenden Aschenbechern. Für jedes Heim ist somit ein organisierter Betriebsbrandschutz in Anlehnung an die Technische

Richtlinie

Vorbeugender

Brandschutz

„TRVB O 119 Betrieblicher

Brandschutz – Organisation“ in Verbindung mit „TRVB N 133 - Krankenhäuser und Pflegeheime, Teil 2 – Betriebliche Maßnahmen“ einzurichten. Dazu ist u.a. erforderlich, für jedes Heim einen Brandschutzbeauftragten und zumindest einen Brandschutzwart zu nominieren. Die Ausbildung dieser Brandschutzorgane hat nachweislich gemäß „TRVB O 117 Betrieblicher Brandschutz – Ausbildung“ zu erfolgen. Als Hauptaufgaben im Bereich des organisatorischen Brandschutzes können angesehen werden: •

Ausarbeitung einer auf das jeweilige Heim angepassten Brandschutzordnung, die den MitarbeiterInnen nachweislich zur Kenntnis zu bringen ist,

•

Festlegung des allgemeinen Verhaltens im Brandfall,

•

Ausarbeitung eines Alarmplanes und Festlegung der internen Alarmorganisation in Abhängigkeit der jeweiligen Heimstruktur,

•

Durchführung laufender Brandschutz-Eigenkontrollen und Führung eines Brandschutzbuches zwecks regelmäßiger Prüfung sicherheitsrelevanter Einrichtungen und organisatorischer Belange sowie zum rechtzeitigen Erkennen allfälliger Brandschutzmängel bzw. Brandgefahren,

•

Mitarbeiterschulung zum Verhalten im Brandfall, zu allgemeinen Brandverhütungsmaßnahmen,

zur

Alarmorganisation

und

zum

Umgang

mit

tragbaren

Feuerlöschern, Seite 29 von 35


•

Hilfestellung bei einem allfälligen Feuerwehreinsatz.

Für die Heime sind Brandschutzpläne gemäß „TRVB O 121 Brandschutzpläne“ sowie Brandmelderkarten entsprechend den ergänzenden Richtlinien des Landesfeuerwehrverbandes Vorarlberg auszuarbeiten und in der Angriffsebene der Feuerwehr zu hinterlegen. Anhand dieser Unterlagen kann sich die eintreffende Feuerwehr rasch einen Überblick machen und zudem Angaben über die Örtlichkeiten im Bereich des ausgelösten Brandmelders erhalten. Außerdem können Brandschutzpläne von Heimen für Schulungszwecke innerhalb der zuständigen Ortsfeuerwehr eingesetzt werden. Sofern bei der automatischen Brandmeldeanlage die Alarmweiterleitung durch eine Interventionsschaltung verzögert wird, sind die Voraussetzungen für einen Interventionsdienst gemäß „TRVB S 114 – Anschaltebedingungen von Brandmeldeanlagen an öffentliche Feuerwehren“ zu schaffen. Dabei gilt es auch, das Verhalten des Interventionsdienstes bei Alarm der Brandmeldeanlage genau festzulegen. In den Abbildungen 51 bis 56 werden verschiedene Situationen im Bereich des organisatorischen Brandschutzes beispielhaft gezeigt.

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Abbildungen 51 bis 56: Situationen im Bereich des organisatorischen Brandschutzes Außerdem sollten auch zukünftig regelmäßig Begehungen bzw. Übungen mit der für das betreffende Heim zuständigen Ortsfeuerwehr vereinbart werden, zumal aktuelle Kenntnisse

über

räumliche

Situationen

und

tatsächliche

Bewohner-

und

Personalstrukturen auch für die Einsatzkräfte vorteilhaft sind. Der Kontakt zur örtlichen Feuerwehr kann zudem die persönliche Motivation der Betroffenen in Sicherheitsfragen erhöhen und zu einem regen Informationsaustausch beitragen. Im Rahmen dieser Begehungen bzw. Übungen können auch Feststellungen über das Freihalten der Aufstell- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr getroffen werden.

10.

Bewertung

10.1

Allgemeines Die Bewertung der Heime für die Teilbereiche „baulicher, technischer und organisatorischer Brandschutz“ basiert unter Anwendung des Stichtagsprinzips auf der zum Zeitpunkt der Überprüfung angetroffenen brandschutztechnischen Situation. Allenfalls inzwischen bereits erfüllte Sofortmaßnahmen, wie beispielsweise die Installation

einer

automatischen

Brandmeldeanlage

mit

Alarmweiterleitung

zur

Rettungs- und Feuerwehrleitstelle oder die sofortige Bereitstellung von geeigneten Abfallbehältnissen zur Aufbewahrung von Rauchzeugresten bleiben bei dieser Bewertung deshalb unberücksichtigt. Die Bewertung erfolgt unter Heranziehung der Bewertungskriterien „ausreichend bzw. gering verbesserungswürdig, verbesserungswürdig und nicht ausreichend“. Dabei orientiert man sich nicht am theoretisch höchstmöglichen Brandschutzmaßstab, sondern an einem von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe in bestehenden Heimen als verwirklichbar angesehenen, auf die örtlichen Gegebenheiten angepassten und unter Punkt 9 dieses Berichtes grob umschriebenen Brandschutzstandard. Beim Bewertungskriterium „ausreichend bzw. gering verbesserungswürdig“ wird davon ausgegangen, dass entweder keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich bzw.

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die notwendigen Maßnahmen mit relativ geringem Aufwand erfüllbar sind. Beim baulichen Brandschutz wären dies beispielsweise ein fehlender oder schadhafter Türschließer bei einem Feuerschutzabschluss oder kleinere Durchbrüche im Bereich von Brandabschnitten. Beim technischen Brandschutz könnte dies das Fehlen einzelner Brandmelder in Nebenräumen sein. Beim organisatorischen Brandschutz würde dieses Bewertungskriterium zutreffen, wenn etwa formale Schwächen bei der Führung des Brandschutzbuches vorhanden sind. Beim Bewertungskriterium „verbesserungswürdig“ wird davon ausgegangen, dass die notwendigen Maßnahmen einerseits unterschiedliche Wertigkeit haben und andererseits mit unterschiedlichem Aufwand verbunden sein können. Es handelt sich um Situationen mit einer größeren Bandbreite, die sich zwischen den beiden anderen Bewertungskriterien bewegen können. Beim baulichen Brandschutz sind dies beispielsweise Situationen, bei denen einzelne Feuerschutzabschlüsse zum Stiegenhaus fehlen oder wenn diese diverse Brandschutzmängel aufweisen. Beim technischen Brandschutz wird dieses Bewertungskriterium dann verwendet, wenn etwa die Fernalarmierung der automatischen Brandmeldeanlage zur Rettungs- und Feuerwehrleitstelle fehlt oder die Bewohnerzimmer nicht in den Überwachungsschutz der automatischen Brandmeldeanlage einbezogen sind. Der organisatorische Brandschutz wird dann als verbesserungswürdig eingestuft, wenn beispielsweise die Brandschutzordnung überarbeitungsbedürftig ist oder die Eigenkontrolle nicht dokumentiert wird oder die interne Alarmorganisation nicht eindeutig festgelegt ist. Das Bewertungskriterium „nicht ausreichend“ wird nur in jenen Fällen eingesetzt, bei denen die angetroffene brandschutztechnische Situation von dem im Rahmen dieses Berichtes festgelegten Brandschutzstandard für bestehende Alten- und Pflegeheime wesentlich abweicht. Beim baulichen Brandschutz wäre dies eine fehlende brand- bzw. rauchabschnittsmäßige Trennung zwischen den Geschossen, wobei Gebäudehöhe und allfällige horizontale Evakuierungsmöglichkeiten zu berücksichtigen sind. Beim technischen Brandschutz kommt dieses Bewertungskriterium hauptsächlich dann zum Tragen, wenn überhaupt keine automatische Brandmeldeanlage vorhanden ist oder im Heim

nur

nichtautomatische

Druckknopfmelder

angebracht

sind.

Beim

orga-

nisatorischen Brandschutz wird dieses Bewertungskriterium jedenfalls dann zur Anwendung kommen, wenn in einem Heim überhaupt kein Brandschutzbeauftragter tätig ist oder wenn die wesentlichen Aufgaben hinsichtlich Eigenkontrolle und Mitarbeiterschulung und Alarmorganisation nicht erfüllt werden.

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10.2

Gesamtbewertung Nach dem Stichtagsprinzip müssen von den 49 überprüften Heimen hinsichtlich des baulichen Brandschutzes insgesamt folgende acht Heime als „nicht ausreichend bewertet werden: •

Andelsbuch, Feldkirch-Schillerstraße, Höchst, Langen bei Bregenz, Ludesch, Rankweil, Schwarzenberg und Wolfurt

Im Bereich des technischen Brandschutzes gibt es zum Zeitpunkt der Überprüfung sechs Heime, bei denen das Bewertungskriterium „nicht ausreichend“ zur Anwendung kommt, und zwar für: •

Andelsbuch,

Bizau,

Bregenz-Tschermakgarten,

Gaissau,

Höchst

und

St. Gallenkirch Betreffend des organisatorischen Brandschutzes müssen ingesamt nachstehende 14 Heime als „nicht ausreichend“ eingestuft werden: •

Andelsbuch, Au, Bartholomäberg, Bizau, Gaissau, Hittisau, Hörbranz, Innerbraz, Langen bei Bregenz, Langenegg, Ludesch, Rankweil, Schwarzenberg und St. Gallenkirch

Da die Umsetzung umfangreicher baulicher Brandschutzmaßnahmen mit intensiven Planungstätigkeiten und zeitaufwändigen Ausschreibungs- und Ausführungsarbeiten verbunden ist, muss für diesen Teilbereich des Brandschutzes ein längerer Zeitbedarf angesetzt werden. Dagegen lassen sich die technischen Brandschutzvorkehrungen, insbesondere die als Mindeststandard angesehene Installierung einer automatischen Brandmeldeanlage mit Aufschaltung zur Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in kürzerer Zeit verwirklichen. Bei den organisatorischen Brandschutzmaßnahmen, die sich bei den als „nicht ausreichend“ bewerteten Heimen hauptsächlich auf die Nominierung und Ausbildung von Brandschutzbeauftragten beziehen, dürfte der Zeitbedarf aufgrund des Schulungsangebotes überschaubar sein. Sofern in den Heimen, bei denen das Bewertungskriterium „nicht ausreichend“ vergeben wurde, die geforderten Maßnahmen innerhalb einer angemessenen Frist verwirklicht werden, ergibt sich auch dort ein auf die

Gebäudesituation

abgestimmtes

und

als

vertretbar

angesehenes

Brandschutzniveau. In Tabelle 10 in Verbindung mit Grafik 1 erfolgt die Gesamtzusammenstellung der Bewertung aller Vorarlberger Alten- und Pflegeheime entsprechend den Teilbereichen des Brandschutzes.

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Bezeichnung

Baulicher Brandschutz Technischer Brandschutz Organisatorischer Brandschutz

ausreichend bzw. gering verbesserungswürdig Zahl %

verbesserungswürdig

nicht ausreichend

Zahl

%

Zahl

%

22

44,9

19

38,8

8

16,3

29

59,2

14

28,6

6

12,2

22

44,9

13

26,5

14

28,6

Tabelle 10: Gesamtbewertung der Heime

100 90

Anteil in Prozent

80 70

ausreichend bzw. gering verbesserungswürdig

60

verbesserungswürdig

50 nicht ausreichend

40 30 20 10 0 baulicher Brandschutz

technischer Brandschutz

organisatorischer Brandschutz

Grafik 1: Gesamtbewertung der Heime

11.

Zusammenfassung Bei Erfüllung der brandschutztechnischen Empfehlungen dürfte zweifelsfrei eine wesentliche Anhebung des Sicherheitsniveaus in den bestehenden Alten- und Pflegeheimen eintreten. Dabei gilt es jedoch, die Maßnahmen des baulichen, technischen und organisatorischen Brandschutzes derart aufeinander abzustimmen, dass durch richtiges Zusammenspiel letztlich der ganzheitliche Brandschutz zustande kommt. So nützt es beispielsweise wenig, zunächst die baulichen Voraussetzungen zur brandschutztechnischen

Trennung

des

Stiegenhauses

durch

Einbau

von

Feuerschutzabschlüssen zu schaffen, wenn diese in der täglichen Praxis aber durch unterlegte Keile offen gehalten werden. Um die Wirksamkeit dieser Abschlüsse im Brandfall sicherzustellen, bedarf es zusätzlich entweder einer technischen Maßnahme, wie den Einbau einer Brandfallsteuerung oder einer organisatorischen Vorkehrung im Sinne der regelmäßigen Kontrolle der Funktionsfähigkeit des Türschließers. Seite 34 von 35


Mit Umsetzung der empfohlenen Brandschutzmaßnahmen ist es aber nicht getan, sondern

es

braucht

Brandschutz-Evaluierung.

laufende

So

können

etwa

Brandschutzeinrichtungen nur funktionieren, wenn sie regelmäßig gewartet werden, was wiederum zu organisieren und zu dokumentieren ist. Gleichfalls bedarf es u.a. der regelmäßigen

Schulung

der

MitarbeiterInnen

hinsichtlich

des

Umganges

mit

Löscheinrichtungen und des Verhaltens im Brandfall sowie der Information über die wesentlichen

Grundsätze

des

vorbeugenden

Brandschutzes

in

Alten-

und

Pflegeheimen. Die hohe Komplexität beim Risiko „Brand“ wird bei dieser speziellen Nutzungsart nicht unwesentlich durch den Zeitfaktor ergänzt. Dieser ist im Ereignisfall mitverantwortlich für Erfolg oder Misserfolg von getroffenen Maßnahmen bzw. Vorkehrungen. Bei einem Brand bleibt nämlich keine Zeit mehr, Versäumtes nachzuholen. Die Heimbewohner oder deren Angehörigen machen sich üblicherweise keine Gedanken über Sicherheitseinrichtungen. In diesem Zusammenhang gilt generell festzuhalten, dass in der Bevölkerung das Sicherheitsbedürfnis in den letzten Jahren spürbar gestiegen und die Öffentlichkeit gegenüber vermeidbaren Ereignissen weitgehend sensibler geworden ist. Wer sich also einem Heim anvertraut, setzt vermutlich

stillschweigend

voraus,

dass

die

Verantwortlichen

ausreichende

Schutzmaßnahmen getroffen haben. Die Brandsicherheit muss sich vor allem an den vorhandenen Risiken orientieren, die es mit vernünftigem Aufwand und Fachkompetenz zu beherrschen gilt. Damit sind auch die Brandschutzkosten angesprochen, gilt es doch für die Realisierung der baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen die nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen. So benötigen umfangreiche bauliche Brandschutzmaßnahmen, wie die geschossweise Trennung und der Einbau von Feuerschutzabschlüssen, teilweise hohe Erstinvestitionskosten. Die technischen Brandschutzmaßnahmen, insbesondere die Installation

einer

automatischen

Brandmeldeanlage

verursachen

neben

den

Anschaffungskosten infolge der Fernalarmierung zur Rettungs- und Feuerwehrleitstelle sowie der erforderlichen Wartung noch zusätzlich laufende Kosten. Organisatorische Brandschutzvorkehrungen, wie die Ausarbeitung eines Brandschutzplanes oder die Ausbildung von MitarbeiterInnen zu Brandschutzbeauftragten sind ebenso mit Kosten verbunden. Nicht zu unterschätzen ist auch der Zeitaufwand, der zur Aufrechterhaltung und Evaluierung des organisatorischen Brandschutzes benötigt wird. Gerade dieser Teilbereich des gesamten Brandschutzes ist besonders wichtig, kommt es doch in der Anfangsphase eines allfälligen Brandereignisses insbesondere auf das richtige Vorgehen des Heimpersonals an.

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