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Private Banking

Bild: shutterstock

4. März 2022

Höhere Rücklagen Österreicher wollen wieder mehr sparen

Lohnendes Investment Nachhaltigkeit gegen die steigende Inflation

Neue Bewertung „Sozialverträglich“ wird zum Kriterium


2 Private Banking

Freitag, 4. März 2022 Extra

Bessern die Staaten bei den verbindlich geplanten Klimaschutzmaßnahmen nicht nach, werden die gesteckten Klimaziele nicht erreicht werden.

Investmentthema Dekarbonisierung Die Veränderungen werden die Weltwirtschaft grundlegend umgestalten und historische Investitionsmöglichkeiten für Anleger schaffen. „Der steigende CO2-Ausstoß ist eines der größten globalen Probleme, denn er beschleunigt den Klimawandel. Das hat wiederum fatale Auswirkungen auf den Menschen und die Natur. Überschwemmungen, Waldbrände und die Zerstörung der Biodiversität sind nur einige Folgen für Mensch, Tier und Umwelt. ­Daher müssen wir es schaffen, die Erderwärmung bis ins Jahr 2100 auf unter zwei Grad Celsius zu halten. Damit die Erd­ erwärmung bis zum Jahr 2100 unter zwei Grad bleibt, müssen die CO2-Emissionen deutlich gesenkt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, haben

Jürgen Rupp, RLB-Vorarlberg.

sich weltweit 197 Staaten zum Pariser Klimaabkommen bekannt.“ So Jürgen Rupp, Teamleiter Wertpapier Consulting bei der Raiffeisen Landesbank Vorarlberg im Gespräch mit den VN. Und weiter: „Mitte 2021 hat die EU das Ziel zur Reduktion von Treibhausgasemissionen bis 2030 von bisher 40 Prozent auf 55 Prozent erhöht. Mit diesem Maßnahmenpaket werden die im Rahmen des ,Green Deals‘ erhöhten Mittelfristziele auf dem Weg zur ­Klimaneutralität im Jahr 2050 untermauert. Im Rahmen des europäischen ,Grünen Deals‘ hat sich die EU mit dem Europäischen Klimagesetz das verbindliche Ziel gesetzt, bis 2050 als erster Kontinent die Klimaneutralität zu erreichen.“ Ernüchternde Erfolge Das Projekt „Climate Action Tracker“ der beiden Organisationen New Climate Institute und Climate Analytics überprüft seit Jahren, ob die Länder ihren Worten auch Taten folgen lassen. Jedoch sind die bisherigen Erfolge beim weltweiten Klimaschutz ernüchternd. Werden die aktuellen Pläne der Unterzeichnerstaaten der Pariser Klimaschutzkonferenz umgesetzt, wird sich die Erde trotzdem bis zum Jahr 2100 nach dem Schaubild der beiden Institute um 2,7 Grad erwärmen. Bessern die Staaten bei den verbindlich geplanten Klima-

schutzmaßnahmen nicht nach, werden die gesteckten Klimaziele nicht erreicht werden. Die Internationale Energie­ agentur (IEA) hat daher eine Verdreifachung der Investitionen in saubere Energien bis 2030 angemahnt und die Staatengemeinschaft dazu auf­ gerufen, auf die Neuerschließung fossiler Öl-Gas-Vorkommen künftig, soweit wie möglich, zu verzichten.

Die Investitionen in Öl, Gas und Kohle waren in den vergangenen fünf Jahren rückläufig – eine gute Nachricht. Jürgen Rupp Raiffeisen Landesbank

Der Energiesektor ist für knapp drei Viertel der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Der Energiebedarf wächst aber immer weiter. Bis zum Jahr 2040 soll der Stromverbrauch weltweit um mehr als 60 Prozent steigen. Haupttreiber für den Anstieg des Stromverbrauchs ist der Verkehrssektor. Daher muss die Stromproduktion auf jeden Fall grüner werden. Rupp: „Der Kampf gegen die CO2-Emissionen erfordert eine zukunftsorientierte Energieerzeugung und -förderung, sowie ein verantwortungs-

volles Energiemanagement. Die Emissionen sehr schnell nach unten zu bringen geht nur, wenn man die Energiewende konsequent vorantreibt. Das bedeutet, dass noch mehr Geld in erneuerbare ­Energien fließen muss.“ Die gute Nachricht Die gute Nachricht für die Entwicklung des CO2-Ausstoßes ist für den Anlageexperten Rupp, dass die Investitionen in Öl, Gas und Kohle in den letzten fünf Jahren rückläufig waren. Derweil haben die Ausgaben für erneuerbare Energien zugenommen und ihren Anteil an den Gesamtinvestitionen von gut einem Drittel auf nun die Hälfte ausgebaut. Positive Impulse kommen vom Markt in Form einer anhaltend hohen Auftragslage bei den Akteuren der Branche. Der Weltmarkt für erneuerbare Energien bleibt auch 2022 auf Wachstumskurs. Die IEA erwartet einen weiteren globalen Rekord bei den Neuinstallationen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs etwa rechnet damit, dass öffentliche und private Investoren in Europa bis 2050 zehn Billionen Euro in den Ausbau der grünen Energiewirtschaft investieren. Für Jürgen Rupp wird der Wandel zu einer klimaneutralen Welt jedes Unternehmen und jede Branche fundamental verändern. Die Märkte beginnen Klimarisiken in die

Bewertungen von Wertpapieren einzupreisen. Die Veränderungen, die sich aus den Klimazielen ergeben, werden die Weltwirtschaft grundlegend umgestalten und daher eine historische Investitionsmöglichkeit für Anleger schaffen. So gibt es Investmentfonds, welche auch einen direkten positiven Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen, den „Sustainable Development Goals“ (SDGs) der Vereinten Nationen, leisten. Diese „Impact“Fonds verfolgen das Anlageziel, neben der erwarteten Rendite in Lösungen für soziale und ökologische Herausforderungen, wie etwa den Klimawandel, zu investieren. Dadurch soll eine messbar ­positive nachhaltige Wirkung erzielt werden. Dieser ökolo­ gische oder soziale Mehrwert wird bei diesen Fonds in einem Wirkungs-Reporting dargestellt. Spezifische Themenfonds Daneben gibt es spezifische Themenfonds, die in Unternehmen investieren, welche überwiegend eine nachhaltige Aktivität in erneuerbaren ­Energien verfolgen. Mit einem weltweit investierten Themenfonds können Anleger gezielt an Ertragschancen teilhaben, die sich aus dem Kampf gegen den Klimawandel ergeben. SmartEnergy- oder CleanEnergy-Fonds investieren in internationale

Booster für Vorsorge und Kapitalmarkt Steuerliche Anreize und einen Booster für die private Altersvorsorge sowie den Kapitalmarkt fordern die Industriellenvereinigung (IV) und das Aktienforum. Auch Investitionen in den Klimaschutz brauchen einen ­ starken Kapitalmarkt. Eine zentrale Rolle spiele dabei die Behaltefrist bei der Kapitalertragssteuer (KESt). Das Interesse der Österreicherinnen und Österreicher an Aktien, Anleihen, Fonds und Co ist gestiegen, so eine Studie. Bei den Aktien- und Anleihenbesitzern habe es einen signifikanten Anstieg gegeben, so Meinungsforscher Peter Hajek. 22 Prozent gaben 2022 an, Aktien zu besitzen, nach 14

Prozent im Jahr 2020. Bei den Anleihen waren es 13 Prozent, nach neun Prozent. Bei den Nicht-Wertpapierbesitzern ist das Interesse gestiegen, vor allem bei den Jüngeren. Bei den jungen Menschen unter 30 Jahren hatten zwei von drei ein prinzipielles Interesse. Hier tue sich ein Generationenunterschied auf, so Hajek. Die Umfrageergebnisse bestätigten, dass die Menschen nach Alternativen für ihren privaten Vermögensaufbau suchten, betonte IV-Präsident Georg Knill. Das sei gerade in Zeiten niedriger Zinsen und bei steigender Inflation nachvollziehbar und müsse ein Weckruf für die Politik sein, die Menschen auf dem Weg zum Kapitalmarkt zu unter-

Viele suchen nach Alternativen für den Vermögensaufbau.

stützen. Der österreichische Kapitalmarkt brauche einen Booster. Es sei Rückenwind nötig und es brauche jetzt steuerliche Entlastungen für Anlegerinnen und Anleger. Der richtige Vorschlag liege mit der Behaltefrist der KESt am Tisch, ihre Einführung müsse umgesetzt werden. Für die private Vorsorge seien Anreize nötig. Drei von vier Befragten hielten eine steuerliche Begünstigung auf Veranlagung zur privaten Altersvorsorge für eine gute Idee. Von den befragten Nicht-Pensionisten erwarteten sieben Prozent, dass sie mit der staatlichen Pension sehr gut auskommen werden, 24 Prozent, dass sie gut auskommen werden.

Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Dabei wird ein integrierter nachhaltiger Ansatz mit

Mit einem weltweit investierten Themenfonds können die Anleger gezielt an Ertragschancen teilhaben. Jürgen Rupp Raiffeisen Landesbank

Schwerpunkt auf Lösungen zur Reduktion der energiebedingten Treibhausgase berücksichtigt. Das Investmentuniversum dieser Themenfonds umfasst erneuerbare Energien, Energiedistribution, Energieeffizienzen (industrielle Effizienzsteigerungen), Energie­ management und Transport. „Bei diesen Fonds besteht eine Einschränkung auf ein bestimmtes Thema und eine gewisse Branche. Wird in nur ein Thema investiert, fehlt es dem Portfolio an Diversifikation, was dazu führt, dass zwischenzeitliche Kursschwankungen größer ausfallen als bei einem globalen Investment über mehrere Sektoren und Themen hinweg. Ein Themenfonds als einziges Aktien­ investment ist nicht zu empfehlen. Er stellt eine sehr gute Ergänzung für das Portfolio dar“, rät Jürgen Rupp.

Mehr Schutz gegen Hacker Die EZB-Bankenaufsicht warnt im Zuge zunehmender geopolitischer Spannungen vor verstärkten Cyberattacken auf ­Finanzinstitute. „Wir haben Banken aufgerufen, ihre Cyber-Vorkehrungsmaßnahmen zu verstärken und sich mit einem möglichen Anstieg der Attacken und der künftigen Gefahr solcher Attacken zu beschäftigen“, so EZB-Chefbankenaufseherin Andrea Enria. Die EZB wolle die Aufmerksamkeit der Banken darauf lenken, dass sich die globalen Spannungen möglicherweise verschärften, was zu mehr solcher Cyberangriffe führen könne, sagte Enria.


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Freitag, 4. März 2022 Extra

Grün ist nicht gleich grün – eine gesunde Skepsis ist immer gut Der Markt für grüne Geldanlage boomt. Mit zwölf Milliarden Euro haben Österreicherinnen und Österreicher 2020 so viel Vermögen wie noch nie in nachhaltige Finanzprodukte investiert. Gleichzeitig explodiert das Angebot nachhaltig verwalteter Fonds. Doch woran können Privatanleger erkennen, ob ein grünes Finanzprodukt auch hält, was es verspricht? Mit seinem Geld die Welt verändern, klingt gut. Eine aktuelle Studie des britischen Thinktanks Influencemap belegt allerdings, dass mehr als die Hälfte der Produkte, die einen Klima-Impact versprechen, nicht die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens erfüllen. Gibt es keine rechtlichen

Rahmenbedingungen, die sogenanntes Greenwashing verhindern? „Konsumentenschützer beklagen zu Recht, dass es Laien schwer gemacht wird zu beurteilen, was tatsächlich ‚grün‘ ist oder nur so tut. Selbstkreierte Labels, vage Formulierungen, das Herausstreichen positiver und das Verschweigen negativer Effekte verleihen manchen Produkten nur den Anschein von ‚nachhaltig‘. Tatsächlich haben nachhaltige Geldanlagen zwar eine relativ lange Geschichte, verbindliche Kriterien entstehen aber gerade erst. So schreibt die EUOffenlegungsverordnung erst seit vergangenen März verpflichtende Kategorien für nachhaltige Veranlagungsprodukte vor, die Produkte mit geringem Nachhaltigkeitsanspruch von solchen unter-

Konsumentenschützer beklagen zu Recht, dass es Laien schwer gemacht wird zu beurteilen, was tatsächlich „grün“ ist. Mag. Christoph Flatz Vorarlberger Sparkassen

scheidet, die Umwelt- oder Sozialkriterien berücksichtigen oder gar konkrete positive Wirkungen entfalten. Die mit Anfang des Jahres in Kraft getretenen Taxonomie-Verordnung definiert nun erstmals europaweit einheitlich, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten als nachhaltig einzustufen sind.“ Nun möchte aber die EUKommission in der Taxono-

mie-Verordnung Atomkraft unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich einstufen. Gibt es keinen Einspruch gegen diesen Vorschlag, tritt die Regelung Anfang nächsten Jahres in Kraft. Müssen sich Anleger damit abfinden? „Tatsächlich bedeutet diese Entscheidung, dass Anleger noch genauer als bisher Ausrichtung und Zusammensetzung von grünen Investmentfonds unter die Lupe nehmen müssen. Hilfreich bleiben auch jetzt anerkannte Güte­ siegel wie das FNG-Siegel des Forums für Nachhaltige Geldanlagen oder das Österreichische Umweltzeichen. Fest steht mittlerweile, dass Fonds, die das österreichische Umweltzeichen tragen wollen, Atomkraft auch in Zukunft ausschließen müssen. Darü-

ber hinaus haben renommierte Fondsgesellschaften wie die Erste Asset Management bereits bekanntgegeben, unabhängig von der EU-

Mag. Christoph Flatz, Vorarlberger Sparkassen.

Entscheidung weiterhin Atomkraft in ihren zertifizierten Nachhaltigkeitsfonds auszuschließen. Wie soll man nun konkret vorgehen, wenn man in grüne Geldanlagen investieren möchte? „Die Vorarlberger Sparkassen empfehlen hier eine genauere Prüfung: Werden bei der Produktempfehlung nur allgemeine Begriffe wie „ethisch“ oder „Klima“ verwendet? Trägt der Fonds ausschließlich eigene Gütesiegel? Fehlen konkrete Ausschlusskriterien und Nachhaltigkeitsstrategien? Wird der CO2-Fußabdruck nur geschätzt, anstatt exakt berechnet zu werden? In diesen Fällen schützen gesunde Skepsis und seriöse Anbieter, denen man vertrauen kann.“

Viele Flugzeuge stehen auf der Auftragsliste.

Airbus überrascht mit einem Rekordgewinn Dem weltgrößten Flugzeugbauer Airbus ist 2021 der höchste Gewinn seiner Geschichte gelungen. Dank einer gestiegenen Zahl von Auslieferungen und Einsparungen übertraf der Überschuss mit 4,2 Milliarden Euro den bisherigen Rekordgewinn von 2018, wie der Dax-Konzern mitteilte. 2019 und 2020 hatte Airbus Milliardenverluste eingefahren – erst wegen einer Strafe wegen Korruptionsvorwürfen und dann wegen der CoronaKrise. Die Aktionäre sollen nach zwei Nullrunden jetzt wieder eine Dividende erhalten: Geplant ist die Ausschüttung von 1,50 Euro je Aktie. In diesem Jahr will Airbus die Flugzeugproduktion nach den Einschnitten in der Pandemie wieder deutlich hochfahren.

Halbleiter stehen vor Wachstumsjahrzehnt Die weltweite Halbleiterindustrie steht vor einem Wachstumsjahrzehnt und kann bis 2030 zu einer Billion-Dollar-Branche werden. Dies geht aus einer neuen Analyse der Unternehmensberatung McKinsey & Company zum Chipmarkt hervor. Der Umsatz der Branche lag 2021 bei 600 Mrd. US-Dollar und könnte in diesem Jahrzehnt um jährlich sechs bis acht Prozent wachsen. Damit würde die Industrie die Schallmauer von einer Billion-US-Dollar 2030 durchbrechen. „Die Digitalisierung aller Lebensbereiche und aller Unternehmen hat sich durch die Corona-Pandemie noch einmal deutlich beschleunigt“, sagt Ondrej Burkacky, Senior Partner im Münchner Büro von McKinsey und Leiter der globalen Halbleiterberatung. Impressum | Redaktion/Texte: ­Ernest F. Enzelsberger, Russmedia Verlag GmbH Umsetzung: Anja Schutti ­Bilder: Russmedia-Archiv, Shutterstock, Airbus, ­Agenturbilder, aufsichtsratstag.at A ­ nzeigen: Russ­media V­erlag GmbH, G ­ utenberg­straße 1, 6858 Schwarzach

Will neue Märkte erschließen. Will ihr Unternehmen langfristig aufbauen. Will nachhaltig investieren. Erfolgreich sein – aber nicht um jeden Preis. Das ist eine Haltung, die wir gut verstehen. Sprechen Sie mit uns über langfristige Investments für Ihr Vermögen.

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Freitag, 4. März 2022 Extra

Hohe Inflation, große Wirkungen Die seit Jahrzehnten höchste Inflation und die Ukraineland-Krise schlagen sich Russ­ auf die Anlegerstimmung nieder. Einen Situations­ ­ bericht und einen Ausblick gibt Roland Rupprechter, MBA. „Die Ukraine-Russland-Krise belastete zuletzt die Anlegerstimmung. Für Gegenwind sorgt seit Jahresbeginn aber auch die hartnäckig hohe Inflation. Die Teuerungsrate in den USA hat im vergangenen Monat unerwartet stark angezogen. Waren und Dienstleis­ tungen verteuerten sich gegenüber dem Vorjahr um 7,5 Prozent. Das ist die höchste Inflationsrate seit 40 Jahren. Auch die Kernrate, bei der Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, legte stärker als erwartet zu. Die Jahresrate kletterte auf 6,0 Prozent.“ So Roland Rupprechter, MBA, Geschäftsführer der R&B Research und Vermögens­ ­ management Gesellschaft, im Gespräch mit den VN. Und der Experte weiter: „Die Inflation wurde durch die rasant gestiegenen Energiepreise angefacht. Und auch die durch die Corona-Krise ausgelösten Materialengpässe und Zweitrundeneffekte sorgten für höhere Verbraucherpreise.“ Teure Gebrauchtwagen Besonders starke Preissteigerungen gab es erneut bei Gebrauchtwagen. Dazu kommt, dass die Mieten, der wichtigste Posten im Warenkorb, im Vormonatsvergleich den bisher stärksten Anstieg im aktuellen Zyklus

Das „Inflationsgespenst“ ist zurückgekehrt und bereitet vielen große Sorgen. aufwiesen. Für eine Verstärkung der Inflation sorgte auch die anziehende Lohn-PreisSpirale. Die gestiegenen Stellenwechsel, die meist mit höheren Lohnforderungen einhergehen, machen derzeit rund ein Fünftel des Preisanstiegs aus. „Die Inflationsrate lag damit noch deutlicher über dem Ziel der US-Notenbank Fed von zwei Prozent. Die Fed hatte bereits zuvor für den März ei-

ne erste Leitzinserhöhung in der Pandemie signalisiert. Wir gehen davon aus, dass die USNotenbank in diesem Jahr fünf Zinsschritte vornimmt. Auch wenn wir jetzt ein schnelleres Tempo erwarten als noch vor ein bis zwei Monaten, so denken wir immer noch, dass am Ende des Zyklus der Fed-Zins nicht höher als zwei Prozent sein wird. Außerdem dürfte die Fed in der zweiten Jahreshälfte mit dem

Abbau ihrer Bilanzsumme beginnen, indem sie fällig werdende Anleihen nicht rein­ vestiert“, stellt Rupprechter dazu klar. Die Aktienmärkte Welche Auswirkungen haben nun die Zinserhöhungen auf die Aktienmärkte? Dazu Rupp­ rechter: „Die angekündigten Leitzinserhöhungen der Fed sorgten für differenzierte Kursbewegungen. Die zins-

sensitiven technologielastigen Indizes mussten Federn lassen. Der Bankensektor hingegen liegt im Plus. Man sollte den Fokus auf die Geldpolitik aber nicht übertreiben. Das konjunkturelle Umfeld bleibt positiv. Die Weltwirtschaft wächst weiter dynamisch und durchläuft gerade einen Hochdruckzyklus. In den USA dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2022 um 3,7 Prozent zulegen, im Euroraum sogar um 4,1 Prozent. Damit sollten beide Wirtschaftsräume erneut über ihrer Potenzialrate wachsen. Die gute Wirtschaftsdynamik wird von starken Unternehmensbilanzen in der aktuellen Berichtssaison untermauert: Sowohl Airbus als auch Commerzbank vermochten die Anleger zu überzeugen, der Schweizer Nestle-Konzern erwirtschaftete das größte Wachstum in zehn Jahren und in den USA berichtete der Chiphersteller Nvidia über ein Rekordjahr 2021. Geschäfts­ berichte sind immer noch ein wesentlicher Treiber für die Kursentwicklung, sodass gute Ergebnisse die schwierige ­Lage des Gesamtmarktes tendenziell auffangen können. Unser Ausblick für Aktien bleibt konstruktiv.“ Die Ereignisse in der Ukraine werden die Märkte kurzfristig belasten. Die Volatilität wird deutlich ansteigen. Hieraus können sich sehr gute Einstiegschancen ergeben. Rupprechter favorisiert in diesem Umfeld Qualitäts­ ­ aktien. Das sind substanz­ nternehmen mit solistarke U ­ ewinnen. den G

Gute Chancen gibt er auch ­Unternehmen mit Geschäftsmodellen, die von der nachhaltigen Transformation profitieren. Dieser Megatrend steht erst am Anfang und weist überdurchschnittliche Gewinnpotenziale auf. Steigende Renditen „An den Kapitalmärkten gehen wir von einer Fortsetzung des Trends anziehender Renditen bei sicheren Anleihen aus. Wir erwarten bis Ende 2022 bei zehnjährigen österreichischen Bundesanleihen Renditen von 0,5 Prozent, bei laufzeitgleichen US-Treasuries Renditen von 2,2 Prozent. Mit sicheren Anleihen lassen sich damit ­keine positiven R ­ ealrenditen erwirtschaften. Für Unternehmensanleihen spricht die hohe Kreditqualität. Belastend ­wirken die geldpolitischen Änderungen sowie die abnehmende Liquidität. Wir favorisieren ausgesuchte kurzlaufende hochverzinsliche Papiere“, so Rupprechter abschließend.

Roland Rupprechter, MBA.

Sozialverträglichkeit wird zum Kriterium Ein Vorhaben der EU-Kommission zielt darauf ab, neben der Klima- auch die Sozial­verträglichkeit von ­Investitionen zu bewerten.

Roland Rupprechter CEO R&B Research und Vermögensmanagement

Nach der umstrittenen Einstufung von Gas und Atom als „grüne“ Energiequellen plant die EU-Kommission laut Medienberichten eine „soziale“ Taxonomie. „Das Vorhaben zielt darauf ab, neben der Klima- auch die Sozialverträglichkeit von Investitionen zu bewerten“, berichtete das deutsche „Handelsblatt“, dem ein als „vertraulich“ eingestuftes Dokument vorlag. Demnach sehen die Fachleute in der „hohen Nachfrage“ nach Anleihen zur Finanzierung von Sozialwohnungen

oder Gesundheitsprojekten ein klares Zeichen dafür, dass „Investoren soziale Investitionen als Chance sehen und dass privates Kapital in sozial wertvolle Aktivitäten gelenkt werden kann“, heißt es in dem Bericht weiter. Gesellschaftlicher Nutzen Bewertet werden soll nicht nur der Umgang der Unternehmen mit den Mitarbeitern und die Bedingungen für die Beschäftigten von Zulieferern, sondern auch der Nutzen für die Kunden und die Gesamtgesellschaft, schrieb die deutsche Zeitung „Welt“ unter Berufung auf den Bericht. Demnach sollen auch Verbraucher- und Datenschutz eine Rolle spielen, genauso

wie die Frage, ob das Unternehmen ein guter Steuerzahler ist oder aggressive Steuersparmodelle nutzt. Der Vorstoß löste bereits in mehreren Branchen Nervosität aus. Laut dem „Handelsblatt“ würden dem Plan zufolge Unternehmen in ­ „positiv“ und „negativ“ eingeteilt werden. Zu Letzteren sollen nicht nur international ­geächtete Waffensysteme wie Giftgas, Anti-Personen-­ Minen und Streubomben zählen, sondern auch Investitionen in andere ­ güter, die etwa in Rüstungs­ Konfliktgebiete exportiert werden könnten. Diese breite Auslegung bereite vor allem Rüstungskonzernen finanzielle Sorgen, so die ­Zeitung.

„Wir übernehmen keine Konsensmeinungen, sondern analysieren die Märkte selbst“

Die feine Adresse für gehobene Vermögensberatung www.rbvm.at Fachleute sehen hohe Nachfrage zur Finanzierung etwa von Sozialwohnungen.


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Freitag, 4. März 2022 Anzeige

„Die Inflation ist ein schleichender Prozess, aber sie ist unbestritten da“ Seit Oktober 2021 ist Ralph Braun Leiter des Bereiches Private Banking der Volksbank Vorarlberg. Der erfahrene Wealth Manager weiß, wie wichtig offene Kommunikation, Vertrauen und Nachhaltigkeit sind. Vor allem, wenn es um das Veranlagen großer Summen geht. Seit Herbst vergangenen Jahres sind Sie Leiter des Private Banking der Volksbank Vorarlberg. Haben Sie sich schon „eingelebt“? Ralph Braun: Im Grunde war es für mich eine Rückkehr zu meiner alten Wirkungsstätte, ich war ja bereits von 2006 bis 2014 für die Volksbank Vorarlberg Gruppe in Liechtenstein und Vorarlberg in der gehobenen Veranlagung tätig. Von daher ist es mir recht leicht gefallen. Die meisten Kolleg(inn)en und Kund(inn)en kannte ich sogar noch von früher und es hat Spaß gemacht, sie alle nach so vielen Jahren wiederzusehen. Da auch die Übergabe von meiner Vorgängerin sehr gut vorbereitet war, konnte ich quasi nahtlos anknüpfen. Sie sind Wealth Manager. Was genau kann man sich darunter vorstellen? Meines Erachtens ist dieser Begriff nicht ganz glücklich gewählt, da es ja wörtlich mit Vermögensverwalter übersetzt wird. Eher würde ich persönlich den Ausdruck „Beziehungsmanager“ wählen, da es

in unserem Beruf vorrangig um die Beziehung zu Menschen geht. Der moderne Wealth Manager verfügt nicht nur über ausgezeichnetes Fachwissen, er versteht auch, in welcher Lebenswelt sich der Kunde bewegt. Er kennt seine Ängste und weiß, wie er „tickt“. Und genau das ist die Voraussetzung für den Umgang miteinander und die Kommunikation. Denn ohne die Fähigkeit,richtigzukommunizieren, sprich Inhalte angemessen und verständlich zu vermitteln, ist jede noch so gute Präsentation wirkungslos. Mit der Vermögensanlage Ihrer Kundinnen und Kunden übernehmen Sie eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wie wichtig ist hier Vertrauen? Vertrauen ist die Grundvoraussetzung für unseren Beruf. Ohne Vertrauen ist es schlichtweg unmöglich, erfolgreich zu sein. Nicht umsonst heißt es: „Ich vertraue dir mein Geld an.“ Bzw. anders gefragt: „Würden Sie jemandem Ihr Geld geben, dem Sie nicht vertrauen?“ Und ganz klar ist es natürlich eine große Verantwortung, mit fremdem Geld zu investieren. Darum ist für uns das Allerwichtigste, offen und ehrlich mit unseren Kund(inn)en zu sprechen. Dabei geht es vor allem darum, Chancen und Risiken, Vor- und Nachteile so zu erklären, dass es für das Gegenüber nachvollziehbar ist. Denn gerade in der kom-

Ralph Braun, Leitung Private Banking Volksbank Vorarlberg: „Das Thema Nachhaltigkeit ist bei Investitionen mittlerweile essenziell. Fotos: Volksbank Vorarlberg Unsere Vermögensverwaltung ist daher komplett auf nachhaltige Geldanlage ausgelegt.“ plexen Welt der Veranlagungsmöglichkeiten ist es für Kund(inn)en nicht immer einfach zu erfassen, in welche Produkte sie investieren sollen. Und hier ist unsere Aufgabe, sie dabei bestmöglich zu unterstützen.

„Achtsames Konzept“ der Volksbank Vorarlberg: Die Auswahlkriterien sind so definiert, dass keine Emittenten in ein Portfolio gelangen, die den Werten und Zielen des Anlegers widersprechen.

Mein Geld macht schlau. Wir geben 8 auf Ihr Geld. Und auf die Welt. Jetzt nachhaltig investieren. Sinnvoll anlegen. Wir beraten Sie: 050 882-8000

Worauf legt die Volksbank Vorarlberg generell Wert, wenn es um die Beratung der Kund(inn)en geht? Gerade im Private Banking ist es wichtig, den langfristigen Veranlagungserfolg über den kurzfristigen Ertrag zu stellen. Natürlich müssen wir als Bank auch wirtschaftlich arbeiten. Aber wir beraten selbstverständlich nach den besten Standards. Und wenn ein Kunde gerne einen Teil seines Vermögens in bar beibehalten möchte, ist das für uns auch in Ordnung. Denn für uns steht der langfristige Erfolg für die Kundinnen und Kunden im Vordergrund. Kund(inn)en möchten ihr Geld im Idealfall nicht nur anlegen, sondern auch vermehren. Ist das aktuell noch einfach zu bewerkstelligen? Einfach ist es nicht, aber durchaus möglich. Es kommt auch auf die Erwartungshaltung der Kund(inn)en an. 5 Prozent ohne Risiko gibt es nicht. Bei solchen Angeboten sollten sofort die Alarmglocken läuten. Durch einen guten Veranlagungsmix und mit ein wenig Geduld ist eine Rendite über

der Inflation sehr wohl möglich, um so dem realen Geldverlust gegenzusteuern. Aber man muss auch sagen, dass die starken Aktienrenditen der vergangenen zwei Jahre nicht selbstverständlich waren und wir uns mit Renditen im mittleren, einstelligen Prozentbereich zufrieden geben sollten. Fakt ist jedoch: Wer weiterhin auf Sparkonten setzt, wird im Lauf der Zeit viel Geld liegen lassen. Im Zusammenhang mit Investitionen fällt oft das Wort „Nachhaltigkeit“. Warum ist dieses Thema so interessant? Ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung setzt auf eine achtsame Lebensweise. Vielen Anlegerinnen und Anlegern ist es daher wichtig, dass auch ihre Investitionen ihren Werten entsprechen und Positives bewirken. Dabei geht es nicht nur um Klima- und Umweltschutz, sondern auch um Unternehmensführung und soziales Engagement. Jedes Unternehmen, das an der Börse zu finden ist, hat heute einen Nachhaltigkeitsbericht. Diese Analysen stellen eine zusätzliche RisikomanagementMöglichkeit dar. Denn Unter-

nehmen mit negativen Verhaltensmustern im Nachhaltigkeitsbereich könnten beispielsweise künftig mit Klagerisiken oder strengeren Regulationen konfrontiert sein. So verringert beispielsweise der Verzicht auf Investitionen in fossile Energieträger wie Öl und Kohle das Risiko, als Investor von möglichen Entwicklungen wie Strafzahlungen auf CO2-Ausstöße betroffen zu sein und infolgedessen finanzielle Verluste zu erleiden. Welchen Tipp würden Sie Kundinnen und Kunden geben, die noch unschlüssig betreffend ihrer Anlage sind? Nicht zu lange mit der Entscheidung warten. Jeden Tag, den das Geld unverzinst auf dem Konto liegt, wird es weniger wert. Die Inflation ist ein schleichender Prozess, aber sie ist unbestritten da. Die erfolgreichsten Investoren sind jene, die permanent im Markt investiert sind. Das Timing macht also nur einen kleinen Teil des Anlageerfolges aus. Wichtig ist die richtige Allokation, also die Aufteilung des Vermögens. Ein kleiner Tipp: „Don‘t put all eggs in one basket!“


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Freitag, 4. März 2022 Extra

Aufsichtsräte als Wegweiser nachhaltiger Betriebsführung Coca-Cola erholt sich.

Mehr Umsatz und Gewinn Der US-Getränkeriese CocaCola erholt sich weiter von der Corona-Krise. Im Schlussquartal 2021 erhöhte der Pepsi-Konkurrent den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf 9,5 Mrd. Dollar (8,3 Mrd. Euro), wie er in Atlanta mitteilte. Coca-Cola macht einen Großteil seiner Einnahmen durch das Getränkegeschäft in öffentlichen Einrichtungen wie Restaurants, Stadien oder Kinos. Hier erreichten die Erlöse erstmals wieder ein Niveau wie vor der Pandemie.

Oberbank mit Dividende Die börsennotierte Oberbank mit Sitz in Linz will für das abgelaufene Geschäftsjahr 2021 eine spürbar höhere Dividende auszahlen als für das erste Pandemiejahr 2020. Die Ausschüttung an die Aktionäre soll von 75 Cent auf einen Euro je dividendenberechtigter Aktie steigen und somit um ein Viertel erhöht werden, wie aus einer Mitteilung des Unternehmens hervorgeht. Ein entsprechender Beschluss soll auf der Hauptversammlung am 17. Mai 2022 fallen.

Mit mehr als 200 Teilnehmern diskutierten Experten beim 12. Österreichischen Aufsichtsratstag an der Wirtschaftsuniversität Wien wie Aufsichtsräte unternehmerische Nachhaltigkeit vorantreiben und mitgestalten können. Green Deal, Taxonomieverordnung oder Kreislaufwirtschaft – eine Reihe von neuen Vokabeln prägt das Arbeitsund Pflichtenregime von Unternehmen seit einigen ­ Jahren. Nachhaltigkeit ist für Unternehmen längst kein ­Nice-to-have mehr: Investoren erwarten sie ebenso wie Verbraucher. Ausweitung der Aufgaben Für den Aufsichtsrat bedeutet dies eine Ausweitung der bisherigen Aufgaben im Rahmen des Leitens und Überwachens des Vorstands. „Nachhaltigkeit

Das Nachhaltigkeitsthema muss nicht primär als Pflicht, sondern als unternehmerische Chance gesehen werden. Prof. Werner Hoffmann Wirtschaftsuniversität Wien

ist aber nicht nur Zusatzarbeit und Belastung, sondern bietet Unternehmen auch eine große Chance, neue Möglichkeiten zu erarbeiten. Der Aufsichtsrat hat nunmehr behutsam diese Transformation mitzubegleiten, kritisch zu hinterfragen und zu korrigieren“, so Susanne Kalss von der WU Wien. „Künftig wird das Augenmerk des Kontrollgremiums verstärkt auch darauf liegen, dass der Vorstand rechtstreu ist, denn Gesellschaften müssen

Die dem Aufsichtsrat auferlegte Aufgabe, Nachhaltigkeit zu prüfen, muss in der gleichen Tiefe wie die finanzielle Prüfung erfolgen. Emissionsgrenzwerte und sonstige Regelungen einhalten. Auch die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird künftig einem detaillierteren und vereinheitlichten Standard unterworfen. Aber entscheidend ist, dass im Nachhaltigkeitsthema nicht primär eine Pflicht, sondern eine unternehmerische Chance gesehen wird, sich durch ambitionierte ESG-Ziele zusätzliche Wettbewerbsvorteile zu erschließen“, ergänzt Werner Hoffmann, Leiter des WU-Instituts für Strategisches Management. Transformationsprozess Wie der Aufsichtsrat die Transformation zu einem nachhal-

tig agierenden Unternehmen begleiten kann, damit setzten sich auch Friedrich Rödler, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Erste Group Bank AG, Bettina Breiteneder, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Immofinanz AG, und Christa Geyer, Vorsitzende des Aufsichtsrats der ASFINAG auseinander. Der Aufsichtsrat – darin war sich das Podium einig – muss gemeinsam mit dem Vorstand Nachhaltigkeit in der Gesamtstrategie des Unternehmens verankern. Der Kernbereich soll keinesfalls an einen Ausschuss delegiert werden, sondern Nachhaltigkeit sei ein Kulturthema, das sich durch alle Departments eines Unter-

nehmens ziehe. Der Aufsichtsrat braucht, so die Vortragenden, hier vor allem die ent-

Prof. Susanne Kalss Wirtschaftsuniversität Wien

Der Aufsichtsrat hat behutsam die Transformation mitzugestalten, kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren.

sprechende Qualifikation, um dem Vorstand ein Sparringpartner zu sein. Intern sei man intensiv gerade damit beschäftigt Know-how aufzubauen, so Rödler. Vernünftige Ziele setzen Auch soll darauf geachtet werden, Nachhaltigkeitsziele vernünftig zu stecken, um die Wirtschaft nicht abzuwürgen, meinte Breiteneder. Wir be­ finden uns hier in einem Transformationsfluss, ergänzte Geyer die Diskussion. Ins­ besondere die künftige Nachhaltigkeitsberichterstattung wird große Unternehmen und damit auch den Aufsichtsrat vor Herausforderungen stellen.

Der Optimismus war zu ­Jahresbeginn 2022 verhalten Der Konjunkturindikator ist im Jänner geringfügig auf 3,2 Punkte gesunken.

Die für Veranlagungen geplante Summe hat sich zuletzt erhöht.

Die Österreicher wollen wieder mehr sparen Die Österreicherinnen und Österreich wollen wieder etwas mehr sparen: Die durchschnittlich für Veranlagungen geplante Summe hat sich im vierten Quartal 2021 auf 5900 Euro erhöht, nach 4800 Euro im Jahr davor. Beliebteste Anlageformen blieben Sparbuch und Bausparer. Dies geht aus einer Spar- und Kreditprognose der Erste Bank hervor. Die durchschnittlich geplante Kreditsumme ging demnach von rund 107.000 auf 99.300 Euro zurück. Zurückzuführen sei dieser Rückgang auf die gestiegene Anzahl von Personen, die eine Finanzierung von bis zu 5000 Euro planen (31 Prozent, plus neun Prozent-

punkte). Gleichzeitig sei die Zahl derer, die einen Bankkredit oder ein Bauspardarlehen von 5001 Euro bis 50.000 Euro in Betracht ziehen, von 33 auf 25 Prozent zurückgegangen, so die Erste in einer Pressemitteilung. Größere Anschaffungen Kaum Veränderungen habe es bei den Finanzierungen über 100.000 Euro mit 32 Prozent (minus ein Prozentpunkt) gegeben. Rund jeder Dritte der Befragten (34 Prozent, plus ­ fünf Prozentpunkte) gab an, im nächsten Jahr eine größere Anschaffung zu planen, 16 Prozent davon wollen diese über einen Kredit ­ ­finanzieren.

„Die Konjunkturstimmung in Österreich zeigte sich zu Jahresbeginn nach dem Lockdown im November und den fortgesetzten Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie sowie aufgrund der Probleme durch Lieferengpässe etwas stärker belastet als im Vormonat. Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im Jänner geringfügig auf 3,2 Punkte gesunken, überstieg damit jedoch weiterhin klar den langjährigen Durchschnitt“, sagt „UniCredit Bank Austria“-Chefökonom Stefan Bruckbauer. Bei vielen Dienstleistern, insbesondere im Handel und im Gastgewerbe, stieg im Jänner die Zuversicht aufgrund der Lockerung der Pandemiemaßnahmen an. Im Dienstleis­ tungssektor haben sogar die Optimisten wieder die Überhand gewonnen, zumal auch die Stimmung der Konsumenten angesichts der überraschend guten Entwicklung am Arbeitsmarkt zugelegt hat. Dagegen hat sich die Stimmung am Bau und in der hei-

sche Auflösung der Lieferengpässe nicht erfüllte und der starke Kostenanstieg belas­ tete. Allerdings war zu Jahresbeginn sowohl die Bauwirtschaft als auch die heimische Industrie weiter überdurchschnittlich optimistisch. Dies ist bei der Industrie auch auf das günstige globale Export­ umfeld zurückzuführen. Nach dem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2021 haben die Lockerungen der Pandemiemaßnahmen und die – wenn auch nur sehr leichte – Entspannung der Lieferengpässe die österreichische Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs gebracht.

Weiterhin sind die Energiepreise der bestimmende Preistreiber. mischen Industrie zu Jahresbeginn trotz voller Auftrags-

bücher etwas eingetrübt, da sich die Hoffnung auf eine ra-

Inflation bleibt länger hoch Der Anstieg der Teuerung hat sich zu Jahresbeginn 2022 fortgesetzt und mit über fünf Prozent im Jahresvergleich den höchsten Wert seit Ende 1984 erreicht. Weiterhin sind die Energiepreise der bestim­ mende Treiber, jedoch hat im Jänner unter anderem das Auslaufen der temporären Halbierung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Gastronomie, Beherbergung, Kultur und Publikationen für Preisauftrieb gesorgt.


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Freitag, 4. März 2022 Extra

Nachhaltigkeit gegen die Inflation Allerorts steigt die Inflation. Während die Preise anziehen, verharren die Zinsen auf niedrigem Niveau: Das Geld auf den Konten der Vorarlberger verliert deshalb aktuell laufend an Wert.

er wird kein größerer Zinsschritt in Europa erwartet. Und auch nächstes Jahr wird es eng damit.“ Deshalb gelte es, das eigene Kapital breiter zu streuen und nicht nur auf das Sparbuch zu setzen.

Wilfried Hopfner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Landesbank Vorarlberg, empfiehlt deshalb: „Gerade jetzt gilt es, sich nach alternativen Anlageformen umzusehen.“ Er gibt Tipps, worauf dabei zu achten ist. „Vorweg: Ein Sparbuch kann auch in diesen Zeiten Sinn machen“, betont Wilfried Hopfner. „Es ist wichtig, sich immer eine gewisse Liquiditätsreserve zu behalten, die kurzfristig zur Verfügung steht.“ Allerdings sind die Zinsen derzeit extrem niedrig. Der Raiffeisen-Vorstand gibt dabei auch wenig Hoffnung auf eine baldige Veränderung: „Die Europäische Zentralbank verfolgt nach wie vor eine Politik niedriger Zinsen. Für heu-

Langfristig lukrativ Asien-Krise, Russland-Krise, Technologie-Blase, der 11. September, die Finanzkrise, die Corona-Pandemie – trotz zahlreicher Krisen hat sich die Anlage in Aktien in den vergangenen Jahren auf längere Sicht als sehr lukrativ erwiesen. „Krisen sorgen für Volatilität an den Märkten, doch der Attraktivität von Aktien tun sie keinen Abbruch“, sagt Wilfried Hopfner. Ein langer Atem sei allerdings notwendig. Derzeit besitzt etwa jeder fünfte Vorarlberger Aktien direkt oder über Fondsanteile. Hier sieht er noch Luft nach oben. Expertenwissen gefragt Der erste Schritt zur passenden Anlage ist der Gang

zum Berater seiner Regionalbank. Wilfried Hopfner dazu: „Es gibt heute zahlreiche Informationsquellen zur Geldanlage. Viele haben auch durchaus ihre Berechtigung.“ Doch gehöre zu einer optimalen Anlage mehr: Ein Berater kann die Risikobereitschaft und Risikofähigkeit des Kunden seriös einschätzen. Unter Beachtung der Ziele des Kunden kann er sodann einen individuellen Anlagevorschlag entwickeln. Klug anlegen Wichtige Regel bei der Geldanlage lautet: Diversifikation. Wilfried Hopfner dazu: „Eine breite Aufstellung minimiert das Risiko. Deshalb gilt es, in Titel aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Branchen zu investieren.“ Viele, die ihre Anlage auf eigene Faust gestalten, investieren in Unternehmen, die sie vermeintlich persönlich kennen oder einfach im Trend liegen. Ein kompetenter Berater ver-

Wartung einer Turbine eines Windrades in Wolkersdorf/NÖ.

hindert dies. Und noch einen Tipp hat Wilfried Hopfner: „Nachhaltige Geldanlagen können langfristig besonders rentabel sein. Und sinnvoll sind sie darüber hinaus.“ Auch hier gelte es allerdings genau hinzuschauen und ­anerkannten Nachhaltigkeits-­ Rating-Agenturen zu vertrauen. Und vor allem auf die Seriosität und Kompetenz der eigenen Hausbank zu setzen.

Vorstandschef W. Hopfner.

Rekordjahr für die deutsche Fondsbranche Viele Sparer in Deutschland entdecken dem Fondsverband BVI zufolge in Zeiten von Zinsflaute und gestiegener Inflation die Wertpapieranlage für sich. „2021 war ein Ausnahmejahr“, sagte BVI-Präsident Alexander Schindler. „Die Fondsgesellschaften verwalten mit 4.334 Milliarden Euro ein Rekordvermögen und Fonds erzielten mit einem Neugeschäft von 256 Milliarden Euro ihr bestes Absatzjahr.“ Dazu trugen nicht nur Profi-Anleger wie Versicherungen bei, sondern auch Privatanleger. Immer mehr Sparer legten auch in Publikumsfonds an, berichtet Schindler. Dabei spielen nach seiner Einschätzung die im Jahresschnitt auf 3,1 Prozent gestiegene Inflation sowie die Negativzinsen eine Rolle, die immer mehr Kreditinstitute ihren Kunden ab bestimmten Summen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto aufbrummen. Publikumsfonds, die sich an breitere Anlegerschichten richten, sammelten 2021 deutlich mehr neue Gelder ein.

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Die Börse in Frankfurt/Main.

Bekannte Europäer auf neuen Euro-Scheinen Auf einer künftigen Generation von EuroBanknoten sollten nach Ansicht von EZBPräsidentin Christine Lagarde berühmte Europäer abgebildet werden. „Ich persönlich kann mir sehr gut vorstellen, auf den Banknoten Gesichter berühmter Europäer zu zeigen: Leonardo da Vinci, Ludwig van Beethoven oder James Joyce“, sagte die Französin. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Dezember einen Prozess zur Neugestaltung der Scheine angestoßen. Die Bevölkerung soll dabei ausführlich mitreden. 2024 will der EZB-Rat über die Herstellung neuer Banknoten entscheiden und darüber, wann diese in Umlauf gebracht werden könnten.

Gesundes Wachstum, nachhaltige Ernte.


8 Private Banking

Freitag, 4. März 2022 Extra

„Aus Anlegersicht gilt es aktuell vor allem, Ruhe zu bewahren“ Inflation, Energiepreise, Zinswende und jetzt der Krieg in der Ukraine. Die Liste an kritischen Themen wird nicht kürzer. Dr. Wilfried Amann, Mitglied des Vorstandes der Hypo Vorarlberg, blickt auf den Kapitalmarkt und das Anlegerjahr 2022. Wie ist der Jahresauftakt am Kapitalmarkt einzuschätzen? Nach einem starken Jahr 2021 sind die weltweiten Börsen zu Beginn des Jahres ins Stocken geraten. Die Gründe hierfür sich vielschichtig. Zum einen sorgen sich Anleger um die Entwicklung der Inflation, zum anderen über eine realistisch gewordene Zinswende. Gleichzeitig drücken hohe Energiepreise und (noch immer) angespannte Lieferketten auf die Wachstumsaussichten der Unternehmen. Die Auftragsbücher sind zwar prall gefüllt, doch die Beschaffung von Rohstoffen ist in vielen Branchen nach wie vor schwierig. Als Reaktion darauf positionierten sich Anleger zum Jahresstart neu. Deutlich zu erkennen ist die Rotation von Growth- zu Value-Titeln. Zugleich stellen wir fest, dass die jüngste Korrektur am Aktienmarkt zu günstigeren Bewertungsniveaus geführt hat. Die Berichtssaison der Unternehmen ist in der Breite robust und positiv verlaufen, was Hoffnung für das restliche Börsenjahr machen könnte.

Aktuell wird die aussichtsreiche Unternehmenslage jedoch durch den Krieg in der Ukraine überschattet. Geopolitisch hat der Einmarsch von Russland in die Ukraine eine nicht abschätzbare Entwicklung genommen, was an der Börse wieder einmal zu heftigen Reaktionen geführt hat. Aus Anlegersicht gilt es, Ruhe zu bewahren – global diversifizierte Investitionen, d. h. über Länder, Branchen und Anlageklassen hinweg, bieten noch immer den besten Schutz gegen Krisen, verlangen aber auch eine gewisse Disziplin. Der Krieg in der Ukraine verschärft die Lage der Energiepreise – worauf müssen wir uns jetzt einstellen? Rückblickend haben sich alle Energierohstoffe verteuert. Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese Entwicklung seit Dezember letzten Jahres nochmals beschleunigt hat. Kurz gesagt, das weltweite Öl-Angebot hängt der Nachfrage hinterher und es zeichnet sich vorerst keine Entspannung der Energieversorgung ab. Die Ausweitung der Öl-Fördermengen kommt nicht in Gang. Auch weil die OPEC+ oder die USA ein grundsätzliches Interesse an steigenden Ölpreisen haben. Jedoch führen die hohen Energiepreise inzwischen zu einer kontraproduktiven Entwicklung der

Foto: Marcel A. Mayer

Wilfried Amann, Vorstandsmitglied der Hypo Vorarlberg. Wirtschaft und befeuern die hohe Inflation. Von „vorübergehend“ kann in puncto Inflation schon lange nicht mehr die Rede sein. Hinzu kommt die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen, woraus sich, vor dem Hintergrund des Konflikts, zusätzliche Unsicherheit ergibt. Sollten sich die Energieimporteure gegen den Be-

zug von Energie aus Russland aussprechen, ist zu erwarten, dass das Gleichgewicht am Energiemarkt ins Wanken gerät. In einem solchen Szenario muss temporär mit steigenden Energiepreisen gerechnet werden. Erst bei einer Entspannung der geopolitischen Lage würde sich eine Entspannung bei den Energiepreisen ergeben.

Marktteilnehmer rechnen in den USA mit mindestens vier Zinserhöhungen und in Europa mit einer im laufenden Jahr. Entspricht das auch Ihrer Einschätzung? Die aktuellen Bedingungen, allen voran die Dynamik der Energiepreise sowie geopolitische Anspannungen, sprechen für eine anhaltende Inflation über dem Zielband der

US-Notenbank sowie hierzulande der EZB. Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Notenbanken mit einer Straffung der Geldpolitik auf die Lage reagieren. Und das ist gleichbedeutend mit der Bilanzkürzung und einer Reihe von Zinserhöhungen. Ob es nun vier Zinserhöhungen in den USA werden, ist insofern nebensächlich, als dass der Höhe der Zinserhöhungen eine entscheidendere Bedeutung zukommt. Es wird wahrscheinlicher, dass die US-Währungshüter im März eine Anhebung von 50 Basispunkten, statt den gewohnten 25 Basispunkten durchführen. Damit könnte die Zinswende in den USA schneller als erwartet eintreten und die angestrebte „geldpolitische Normalisierung“ stattfinden. Das Ziel der US-Notenbank ist das US-Tagesgeldzielband bis Ende 2022 auf 1,75 % bis 2,00 % anzuheben. Eine konservativere Vorgehensweise ist von der EZB zu erwarten. Obwohl der öffentliche Druck zunimmt, steht hierzulande lediglich eine Zinserhöhung gegen Ende des Jahres im Raum. Zuvor strebt die EZB das Auslaufen der Nettoanleihekäufe an. Die Straffung der Geldpolitik und Zinserhöhungen werden uns im gesamten Jahr begleiten, was langfristig gesehen dem Markt eine neue Orientierung gibt. Marketingmitteilung im Sinne des WAG 2018

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