WERTVOLL
Ökologische Initiativen für eine lebenswerte Zukunft
Umweltverband
22. September 2018
Zero Waste Abfall ist wertvoller Rohstoff
Bioland eine perfekte Marke für Vorarlberg
cradle to cradle bei 100 Prozent Recycling
2 Wertvoll – ökologische Initiativen
Samstag/Sonntag, 22./23. September 2018 Vorarlberger Nachrichten
Kinder und Jugendliche engagieren sich in der Umweltwoche und in der Klimaakademie für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz.
Pilotgebiet für eine Marke „Bioland“ Zero Waste und „Cradle to Cradle“-Ziel im Ökoland heißt geschlossener Lebenszyklus.
MÄDER „Und zwar im Einklang mit
der Natur. Der Sinn hinter ,Cradle to Cradle‘ liegt prinzipiell darin, gar keinen Abfall im herkömmlichen Sinn entstehen zu lassen. Produkte sollen so hergestellt werden, dass von Anfang an daran gedacht wird, wie diese am Ende des Produktlebenszyklus’ recycelt und allenfalls wiederverwendet werden können“, erläutert der Chef des Vorarlberger Umweltverbandes und Bürgermeister in Mäder Rainer Siegele. „Dazu wären von uns allen die folgenden Schritte nötig: Weniger ist mehr, soll heißen, wenn weniger Produkte gekauft werden, fallen auch weniger Abfälle an, die Wertigkeit der verwendeten Produkte würde steigen; eine genaue Kennzeichnung von Waren vorausgesetzt, sollten mündige Bürger entscheiden können und dann auch danach handeln, welche Waren, Dienstleistungen und Nahrungsmittel sie bevorzugt einkaufen; ein Re-Use-Trend ist bei uns leider noch nicht wirklich festzustellen, in Ländern wie beispielsweise Belgien hat Re-Use mittlerweile Tradition und wird von einer breiten Bevölkerungsschicht gerne angenommen – die gedankliche Hürde, dass nur alles Neue gut ist, muss überwunden werden, so hat hier der Umweltverband ein landesweites Projekt zu diesem Thema initiiert und arbeitet dabei mit allen sozialökonomischen Betrieben zusammen; beim Kauf von Produkten sollte bedacht werden, welche und wie viele Rohstoffe während der Nutzung verbraucht werden, es wäre ein großer Schritt wenn etwa Zweitautos E-Fahrzeuge wären, noch besser wäre die Nutzung von Carsharing-Möglichkeiten, hier hat sich der Umweltverband am Caruso-System beteiligt und nutzt diese Schiene auch ausgiebig, wenn das Netz vorhandener Fahrzeuge noch ausgebaut wird, entsteht auch für Privatpersonen eine attraktive Möglichkeit teilzeitlicher Fahrzeugnutzung.“
Ländle im globalen Kontext „Aufgrund der strukturellen Gegebenheiten würde sich Vorarlberg ausgezeichnet als Pilotgebiet für
eine Marke ,Bioland‘ eignen, was in weiterer Folge zu einer Verlagerung auf eher sanften Tourismus führen könnte - und damit auch im Sommer zu einer besseren Auslastung der Fremdenverkehrsgebiete“, blickt Siegele auf ein „Ländle 2040“ und plädiert dafür, dass Landwirtschaft vom Neben- wieder zum at-
„Sortenrein gesammelte Kunststoffabfälle sind unbegrenzt recyclingfähig.“ Bgm. Rainer Siegele Umweltverband
traktiven Hauptberuf werden muss: „Landwirte könnten alternative Wege beschreiten und Themen wie ,Ferien am Bauernhof ‘ ausweiten sowie von reiner Milchwirtschaft umstellen auf Vielfalt mit ökologischem Gemüseanbau, was Vorarlberg zu einem Vorzeigeland für
ökologische Nutzung von Agrarflächen machen würde.“ Beginnend im Kindergarten sollten Kinder, Schüler und junge Menschen mit Themen der Nachhaltigkeit, mit den Auswirkungen eines bestimmten Lebensstils auf die Umwelt usw. vertraut gemacht werden, betont Rainer Siegele und meint: „Die Politik sollte das Thema Abfallvermeidung nicht als ,Anhängsel‘ der Abfallwirtschaft betrachten, sondern einfach mehr Geld in die Hand nehmen, um auf breiter Ebene Informationsarbeit leisten zu können. Wenn Unternehmen auch betriebsübergreifend Carsharing betreiben, ist das ein großer Schritt in Richtung Ökologisierung und hat zudem eine enorme Vorbildwirkung.“
Aktuelle Verwertungswege Der Umweltverband ist direkt verantwortlich für die Sammlung und Verwertung von Restabfall, Sperrmüll, Bioabfall, Altpapier, Problemstoffen, Elektroaltgeräten und KfzBatterien. Bei der Sammlung und Verwertung von Altmetall, Leichtverpackungen und Glas kooperiert der Umweltverband mit den derzeit am Markt tätigen Sammel- und Ver-
wertungssystemen. „Die aktuellen Verwertungswege sind für Restabfall und Sperrmüll die thermische Verwertung in der Abfallverbrennungsanlage in Buchs mit einem hohen Wirkungsgrad - es wird Wärme und Strom für die Nahversorgung und die Industrie erzeugt. Der Bioabfall aus Vorarlberger Haushalten wird in der Nass- und Trockenvergärungsanlage der Firma Häusle behandelt und Gas erzeugt, das ins Netz der VKW eingespeist wird“, erklärt Rainer Siegele. „Die jährlichen 30.000 Tonnen Altpapier werden zu fast 100 Prozent der Wiederverwertung in der Papierindustrie zugeführt - Altpapier kann diesen Zyklus mehrmals durchlaufen und ist somit ein wichtiger Wertstoff. Leichtverpackungen und Kunststoff werden zu 52 Prozent stofflich verwertet und wieder zu Produkten verarbeitet, 48 Prozent fließen in die energetische Verwertung und werden etwa als Ersatzbrennstoffe in der Zementindustrie eingesetzt, wo sie fossile Brennstoffe ersetzen. Werden Kunststoffabfälle sortenrein gesammelt, sind sie theoretisch unbegrenzt recyclingfähig. Daher wollen wir eine Pfandlösung auch auf Einwegprodukte. Dies
Im Rahmen des Projekts „Landschaftsreinigung“ wurde auch im Bregenzerwald dem Littering fleißig der Kampf angesagt.
würde Littering eindämmen. Auch Glas ist fast vollständig recycelbar und fließt immer wieder in die Produktion zurück. In den Altstoffsammelzentren und Bauhöfen wird versucht, gebrauchsfähige Altgeräte zu erkennen und über die Re-UseSchiene wieder einer sinnvollen Weiternutzung zuzuführen. Sozialökonomische Betriebe wie die Caritas übernehmen und reparieren solche Geräte und verkaufen sie über die Carla-Shops. Nicht mehr brauchbare Elektrogeräte werden geshreddert und in unterschiedliche Fraktionen getrennt und vermarktet.“
Projekte werden umgesetzt „G’hörig feschta heißt, öffentliche und private Veranstaltungen werden auf Basis eines definierten Maßnahmenkatalogs auf die Einhaltung von ökologischen Grundbedingungen geprüft und erhalten ein Zertifikat und/oder eine finanzielle Vergütung vom Land“, zählt Rainer Siegele Projekte auf, die gemeinsam mit NGOs umgesetzt werden. „Dem Littering wird der Kampf angesagt, denn den Gemeinden entstehen hohe Kosten durch das achtlose und illegale Wegwerfen und Entsorgen von Abfällen wie Dosen, Plastikflaschen, Zigarettenkippen usw. Der Umweltverband informiert laufend medial über die korrekte Entsorgung. Auch über die Wertigkeit von Nahrungsmitteln wird informiert und den Umgang damit. In Sachen Re-Use sind Gemeinden verpflichtet, Elektrogeräte zu sammeln und in Vorarlberg an Sozialökonomische Betriebe wie die Caritas, Integra, Lebenshilfe usw. zur möglichen Reparatur und Wiederverwendung weiterzugeben. Wir organisieren und koordinieren landesweit in über 70 Gemeinden die jährliche Landschaftsreinigung. Auch die jährliche Umweltwoche, bei der alle namhaften Stakeholder des Landes beteiligt sind. Im Rahmen dieser Woche wurden 2018 etwa 100 Veranstaltungen durchgeführt.“ Infos unter www.umweltverband.at
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„Der Klimawandel zeigt: Ökoland ist zuwenig“
Editorial
Verena Daum
The True Cost
„Die Zeit ist reif für Umstellung auf Bioland“, sagt Johannes Rauch. „Mit der Ökoland-Strategie hat das Land Vorarlberg einen ersten Schritt hin zur nachhaltigen Sicherung der Landwirtschaft in Vorarlberg gemacht. Der heurige Sommer hat uns aber gelehrt: Das reicht nicht. Große Trockenheit, fehlende Niederschläge und Ernteausfälle als Folge des auch in Vorarlberg angekommenen Klimawandels fordern weitreichendere Maßnahmen“, macht Umwelt landesrat Johannes Rauch klar. „Überall in Europa hat sich gezeigt, dass biologisch wirtschaftende Betriebe deutlich besser mit den Folgen des Klimawandels klar kommen. Die Faustregel ,je intensiver die Bewirtschaftung, desto höher die Ausfälle‘ gilt auch hierzulande.“
Beim ausschließlich profitorientierten Wirtschaften bleiben Natur, Umwelt und Menschenrechte auf der Strecke. Im Dokumentarfilm „The True Cost“ zeigt Regisseur Andrew Morgan am Beispiel „Fast Fashion“-Textilindustrie die Kostenwahrheit im tödlichen
BREGENZ.
Großartige Chance „Bioland Vorarlberg wäre eine großartige Chance, eine Marke zu schaffen, die allen nützt: den Landwirten, um zu überleben und faire Preise für ihre Produkte zu bekommen; den Konsumenten, weil sie für ihr Geld die beste Qualität aus der Nähe bekommen; dem Tourismus, weil den Gästen ein einzigartiges Angebot an regionalen Produkten angeboten werden kann; der Natur, weil sie schonend und nachhaltig bewirtschaftet wird“, sagt Rauch. „Wir würden weniger Mais und Intensivgrünlandbewirtschaftung haben, dafür mehr Obst- und Gemüseanbau, aber auch Fleischproduktion. Artgerechte Tier haltung
„Ethische Ökonomie rückt die Natur ins Z entrum.“ Der Klimawandel war auch im Hitzesommer 2018 in Vorarlberg deutlich spürbar. Wassernot auf der Alpe Alpila bei Hildegard Burtscher.
und konsequenter Tierschutz sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Biolandwirtschaft ist gut fürs Klima: Durch kontinuierlichen
„Bioland Vorarlberg ist eine großartige Chance, eine Marke zu schaffen, die allen nützt.“ LR Johannes Rauch Umwelt/Mobilität
umusaufbau binden Bioacker H böden pro Jahr durchschnittlich 400 bis 450 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) pro Hektar. Deutlich
mehr als im konventionellen Ackerbau. Bei einer österreichweiten Umstellung aller Ackerflächen auf Bio-Landbau könnten infolge des Humusaufbaus jährlich 1,1 Millionen Tonnen CO2-eq der Atmosphäre entzogen und klima-unwirksam im Boden gespeichert werden. Biologische Wirtschaftsweise setzt weniger Treibhausgase frei: Allein in Österreich fallen durch die Herstellung von Stickstoffdüngern 907.123 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr an. Bei einem Umstieg der österreichischen Landwirtschaft auf 100 Prozent Biolandbau, der auf Stickstoffdünger verzichtet, könnte somit pro Jahr fast eine Million Tonnen CO2 eingespart werden. Die Zeit ist reif für die Umstellung. Vorarlberg könnte der Vorreiter sein: Bioland Vorarlberg ist mehr als eine Vision, es ist ,die‘ Chance für Vorarlberg!“
System des Konsumkapitalismus. Laut Vandana Shiva, Trägerin des Livelihood Award, lässt der globalisierte Kapitalismus als Wirtschaftssystem eine kleine Elite die Natur und die „restliche“ Menschheit skrupellos ausbeuten und unseren Planeten nachhaltig zerstören: „Einsicht bringt die Wende: Achtsamkeit statt Gier.“ Fiktive exponentielle Geldvermehrung ist Ursache für grenzenlosen Raubbau an begrenzten Ressourcen, für Kriege und den Welthunger. Vandana Shiva plädiert für eine Ökonomie, die die Natur ins Zentrum rückt, eine Landwirtschaft, die keine öko-
logischen und sozialen Schäden mit Giften, Kunstdüngern und Pflanzenpatenten anrichtet. „Die ökologische Mega-Katstrophe ist die industrielle Massentierhaltung“, warnt Richard David Precht. Auch zum Saubermachen ist es bereits 5 nach 12. Höchste Zeit also, dass die Kunststoffsauger des „The Ocean Cleanup“-Projekts im Pazifik innerhalb von fünf Jahren die Hälfte des Plastikmülls Recyclingprozessen zuführen werden. Mikroplastik, das in die Nahrungskette gelangt, können diese aber nicht auffangen. Wissenschaftler bezeichnen die kapitalistische Konsum- und Wegwerfgesellschaft als „Panne der Evolution“: Gewässer und Ozeane ersticken im Müll, Waffengewalt eskaliert, die Nahrungskette wird verseucht. Ein kompletter Systemwandel, der sich dem Leben zuwendet, ist unumgänglich. Nach dem „Cradle to Cradle“-Prinzip in Harmonie mit der Natur und im empathischen Miteinander. VERENA DAUM redaktion@vn.at 05572 501-263
IMPRESSUM PROJEKTLEITUNG/REDAKTION Verena Daum FOTOS Verena Daum, VN-Archiv, Umweltverband, Alpla, Mary Rose, Bio Austria, Landwirtschaftskammer, Roland Paulitsch, Klaus Hartinger, Ivo Vögel GRAFIK/LAYOUT Claudia Gölz, Johanna Zaremba, Stefan Eder
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4 Wertvoll – ökologische Initiativen
Samstag/Sonntag, 22./23. September 2018 Vorarlberger Nachrichten
STATEMENTS Unter nehmer zu Klimaschutz
VN-INTERVIEW. DI Linda Mauksch (33), ALPLA Sustainability Management
„Abfall ist wertvoller Rohstoff“
Sammeln, Sortieren und Wiedereingliedern in Produktionsprozesse schützt die Umwelt. HARD Ein „Zero Waste“-Ökoland oder eine „Cradle to Cradle“-Modellregion Vorarlberg sind keinesfalls nur Wunschvorstellungen. Das Ländle hat engagierte Bürger, IndustriebetrieUnternehmen, be als Global Player, Gemeinden, Initiativen und Kooperativen pro Natur-, Umwelt- und Klimaschutz und ein funktionierendes Abfallsammelsystem. Beste Voraussetzung also für eine Modellregion. „Der Standard und die gesetzten Maßnahmen sind im europäischen Vergleich exzellent“, heißt es bei der Firma ALPLA, die als Gründungsmitglied des Klimaneutralitätsbündnisses ihre Vorreiterrolle in diese Richtung beweist. Nachhaltigkeitsmanagerin Linda Mauksch steht im VN-Interview Rede und Antwort zum Thema.
Die vermüllten Ozeane sind im wahrsten Sinn des Wortes in aller Munde. Welche Initiativen gehen diesbezüglich von ALPLA aus, um nachhaltig gegenzusteuern? MAUKSCH Kunststoffverpackungen sind nach dem Gebrauch kein wertloser Abfall, sondern wertvolle Rohstoffe für die Industrie. Jeder Einzelne kann mit dem Sammeln und richtigen Sortieren von Abfall die Verschmutzung der Natur und Gewässer verhindern. Mit eigenen Recyclingwerken trägt ALPLA dazu bei, dass gebrauchte Kunststoffverpackungen als wertvoller Rohstoff im Kreislauf gehalten werden. ALPLA betreibt eigene Recyclingwerke: PET Recycling Team mit zwei Standorten in Österreich und Polen, und im Rahmen von Joint Ventures in Mexiko und Deutschland. Die Jahreskapazität der Betriebe liegt bei rund 60.000 Tonnen lebensmitteltauglichem rPET. Mittlerweile ist die Technologie so ausgereift, dass am Standort Wöllersdorf in Österreich bei der Produktion von rPET nur ein Zehntel der Treib hausgasemissionen anfällt wie bei Virgin-Material. Recycling hat also enormes Potenzial und kann wesentlich dazu beitragen, die globalen Klimaziele zu erreichen. ALPLA unterstützt zudem zwei Non-Profit-Organisationen, die sich gegen die Verschmutzung der Weltmeere einsetzen. „The Ocean Cleanup“ hat sich der Aufgabe verschrieben, Müll mit speziellen Vorrichtungen aus den Meeren zu holen. „Waste Free Oceans“ sammelt Kunststoff abfälle in Meeren und an Küsten und recycelt diese zu „Ocean Plastic“. Dazu arbeitet die Initiative mit Unternehmen zusammen, die daraus neue Produkte herstellen. Beide Organisationen haben wir anlässlich des Weltumwelttages am 5. Juni mit namhaften Geldbeträgen unterstützt. ALPLA hat dieses „Ocean Plastic“ auch schon zu neuen Verpackungen verarbeitet: Für unseren Kunden Procter&Gamble haben wir eine Flasche für das Produkt Head & Shoulders entwickelt und produziert.
Als Komplettanbieter effizienter Biomasse-Wirbelschichtkraftwerke hat sich BERTSCHenergy an Europas Spitze etabliert und trägt in der anbrechenden Ära der erneuerbaren Energien wesentlich zur Erreichung der Pariser Klimaziele bei. Ing. Hubert Bertsch, CEO Bertsch Group, www.bertsch.at
Mit eigenem Energieteam baut die Buchdruckerei Lustenau seit Jahrzehnten ihre Geschäfts- und Produktionsprozesse im Sinne des ökonomischen und ökologischen Gedankens aus. GF Christine Schwarz-Fuchs, Buchdruckerei Lustenau, www.bulu.at
Gemeinsam mit Werner&Mertz und „Der grüne Punkt“ nimmt ALPLA an der Private Label Manufacturers Association (PLMA) teil.
Wie funktionieren PET-RecyclingKooperationen? Wie muss sich das der Laie vorstellen? MAUKSCH ALPLA beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit Recycling und hat daher große Erfahrung in der Herstellung von Rezyklaten aus Post-Consumer-Material. In erster Linie ist ALPLA aber ein kunststoffverarbeitendes Unternehmen und unsere Experten verfügen über jahrzehntelanges Know-how in der Entwicklung und Herstellung innovativer Kunststoffverpackungen. In Kooperationen nutzt man genau dieses Wissen, um bestmögliche Rohstoffe für eine optimierte Pro-
„Wenn alle an einem Strang ziehen, kann der Kreislauf geschlossen werden.“ DI Linda Mauksch Nachhaltigkeitsmanagerin
duktion von Kunststoffverpackungen aus Recyclingmaterialien herzustellen. Anfang Juli verkündete ALPLA eine Kooperation im Bereich PET-Recycling mit FROMM (Schweiz). Beide Unternehmen betreiben Recyclingwerke für PETFlaschen und sichern die Rohstoffversorgung der eigenen Produktionsbetriebe. Die Anforderungen der Produktionsbetriebe ergänzen sich sehr gut: Bei ALPLA benötigen wir hauptsächlich lebensmitteltaugliches, klares Regranulat. FROMM verarbeitet für Umreifungsbänder bunte Flakes. Die Zusammenarbeit unserer Recyclingbetriebe wird
Menge und Qualität der Rohstoffe für die Produktion beider Seiten sichern. Ziel der Kooperation ist eine weitere Optimierung der ohnehin hohen Recyclingquoten bei PET sowie eine signifikante Reduktion der CO2-Emissionen durch eingesparte Transportwege. Die Kooperation bietet weitere Vorteile, wie beispielsweise den vereinfachten Zugang zu den Märkten in den jeweiligen Ländern. Und wie sieht die Zusammenarbeit mit den Kunden aus, wenn es um Nachhaltigkeitsthemen geht? MAUKSCH Wir haben beispielsweise vergangenen Juni an unserem deutschen Standort Vlotho-Exter einen Nachhaltigkeitstag organisiert: Einerseits, weil wir seitens unserer Kunden eine verstärkte Nachfrage nach nachhaltigen Verpackungen feststellen. Andererseits, um die Zusammenarbeit zu intensivierenn. Unser Ziel ist es zu erfahren, welchen Stellenwert Nachhaltigkeit bei unseren Kunden hat. Aber auch, welche Änderungen sie aufgrund neuer Gesetze und EU-Vorschriften erwarten. Recycling, alternative Materialien wie beispielsweise biobasierte Kunststoffe und die Reduktion von CO2Emissionen zählen aktuell zu den Top-Themen. Welche Maßnahmen führen ganz realistisch betrachtet zum „Cradle to Cradle“-Kreislauf? MAUKSCH Kreislaufwirtschaft betrifft ganz viele Ebenen. Unser Einfluss liegt insbesondere bei der Materialwahl und dem Design der Verpackungen – Stichwort „Design for Recycling“. Es braucht aber auch gesetzliche Richtlinien, die eine funktionierende und effektive Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Wichtig sind etwa funktionierende
Abfallsammelsysteme, aber auch die Aufklärung von Konsumenten. Verbraucher müssen verstehen, dass gebrauchte Verpackungen kein wertloser Abfall, sondern wertvolle Rohstoffe für die Industrie sind. Je mehr alle an einem Strang ziehen, umso besser kann der Kreislauf geschlossen werden. Verrottbarer bzw. biologisch abbaubarer Kunststoff und „100 Prozent recycled plastic packages“ – Stand heute und finales Ziel? MAUKSCH Es gibt bereits Verpackungen, die zu hundert Prozent aus Recyclingmaterial bestehen. Das ist keine Utopie mehr, sondern sehr gut machbar. Voraussetzung ist, dass es in allen Ländern entsprechende Abfallsammelsysteme gibt, damit ausreichend Recyclingmaterial zur Verfügung steht. ALPLA arbeitet beispielsweise schon lange und erfolgreich mit Werner & Mertz zusammen, hier gibt es zahlreiche „Best Practice“Modelle. Das Thema kompostierbare Kunststoffe ist sehr spannend. Es birgt jedoch auch einige Aspekte, die kritisch zu betrachten sind. Beispielsweise sind kompostierbare Kunststoffe nicht recyclingfähig – damit kann der Kreislauf nicht geschlossen werden. Recycling ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie, weil wir Rohstoffe möglichst lang im Produktionskreislauf halten wollen. Zudem fördern solche Kunststoffe unserer Meinung nach die Haltung von Konsumenten, Verpackungen achtlos wegzuschmeißen. Das ist ebenfalls nicht im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Wertstoffen und der Kreislaufwirtschaft. Infos unter www.alpla.com
Dinge ganzheitlich betrachten und Zusammenhänge erkennen – das ist Klimaschutz. Jede unserer Entscheidungen bestimmt auch die Welt, in der wir zukünftig leben werden. DI Hubert Rhomberg, Rhomberg Gruppe, www.rhomberg.com
Wir übernehmen Verantwortung durch nachhaltiges Entwickeln, verarbeiten Naturprodukte und sind aufgrund unserer Firmengeschichte mit unserer Berglandschaft verbunden. Mag. Thomas Schwarz, CEO 11er, www.11er.at
Projektvielfalt beim VN-Klimaschutzpreis 2018 soll als Inspiration für all jene dienen, für die die Umsetzung ihrer eigenen Idee nur noch einen Schritt entfernt ist. Vorbilder motivieren! DI Helmut Mennel, Vorstand illwerke vkw, www.illwerkevkw.at
Wir engagieren uns seit Jahren für den Klimaschutz und sind überzeugt, dass Veränderungen nur durch Taten möglich werden. Kooperation und viele kleine Schritte können Großes bewirken. CEO Gerald Fitz, Haberkorn Gruppe, www.haberkorn.com
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Samstag/Sonntag, 22./23. September 2018 Vorarlberger Nachrichten
Entwicklung in die richtige Richtung
„Der Weg ist das Ziel und das Ziel ist: ökologisch-sozial Positives zu hinterlassen“, sagt Stefan Grabher. DORNBIRN „Und das schließt ökonomischen Erfolg nicht aus“, weiß der Heimtextiliengroßhändler und Mary Rose/Tyrler-Inhaber Stefan Grabher, der sein Unternehmen auf vier Nachhaltigkeitssäulen stellt, um gemeinsam mit seinem Team, seinen Partnern und Kunden im globalen Kampf gegen Umweltverschmutzung und Vergiftung der Nahrungskette seinen persönlichen Beitrag zu leisten. Bei der Säule „Fair Wear“ und BSCI geht es um die Menschen und um die Einhaltung von Sozialstandards, bei GOTS geht es um die Rohstoffe, bei der Mitgliedschaft im Klimaneu tralitätsbündnis geht es um Energie und die Produktionsprozesse werden ganzheitlich nach dem „Cradle to Cradle“-Prinzip ausgerichtet. „Wir müssen dort ansetzen, wo wir die größte Hebelwirkung haben, in den großen Produktionsstätten. Für mich sind das Ostasien, der Subkontinent Indien, der Nahe Osten und Europa. Dort muss der überlebensnotwendige Wandel nachhaltig auf den Weg gebracht werden. Der Einklang von Ökologie, Soziologie und Ökonomie. Dieses Ziel und der Weg dorthin ist eine große Herausforderung und Anstrengung, aber machbar. Mit Freude, da unsere Produkte damit qualitativ hochwertig sind, cool im Design und natürlich auch leistbar. Zudem entsteht gerade bei jungen Leuten ein neues Qualitätsbewusstsein und Wirtschaftsverständnis.“
Lohnender Aufwand Als Fair Wear-Member hat sich das Unternehmen für die nahe Zukunft
Als Fair Wear- und GOTS-Member richtet Stefan Grabher sein Unternehmen mit allen PartnerTeams in den Produktionsstätten ökologischsozial und „schadstofffrei“ aus.
vorgenommen, den Leader-Status zu erreichen, das ist das beste Level, das man erreichen kann. Dazu
müssen 75 Prozent der Gesamtpunktezahl erreicht werden und 90 Prozent der Lieferanten in den
Fair-Wear-Überwachungsprozess einbezogen werden. Auf der „Mary Rose“-Website kann sich jeder den
Brand Performance Check 2017 anschauen. Für die Menschen in den Produktionsregionen weltweit heißt das: Begrenzung der Arbeitszeit, freie Wahl des Arbeitsplatzes, keine Diskriminierung, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen sowie Zahlung eines existenzsichernden Lohnes. Bei der Business Social Compliance Initiative (BSCI) verpflichtet sich der „Mary Rose“Großhandel, die PAPTEX Textilhandels GmbH, die Sozialstandards in den Produktionsbetrieben herzustellen. Die Umsetzung der vereinbarten Verbesserungsmaßnahmen werden regelmäßig durch externe Auditierungsinstitute überwacht. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. „Schadstofffreie Qualitätsprodukte sind das Ziel“, so Grabher. Die nachhaltige Herstellung von Textilien soll gewährleistet werden, angefangen von der Gewinnung textiler Rohfasern über umweltverträgliche und sozial verantwortliche Herstellung bis zur Kennzeichnung der Endprodukte, um dadurch Produktsicherheit für den Endverbraucher zu bieten. Der Standard deckt also Herstellung, Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung, Handel und Vertrieb der Textilien ab. An einer vollständigen „Cradle to Cradle“-Ausrichtung wird mit Hochdruck gearbeitet für Erfolg auf allen Linien. Infos unter www.maryrose.at, www.fairwear.org, www.global-standard.org
Bodenschutz = Klimaschutz Bodenverbrauch und -schutz stehen in engem Zusammenhang mit Klimaschutz. Kaum jemandem ist aber bewusst, welch grundlegende Bedeutung der Boden für unser Leben hat. Seit einigen Jahren beschäftigen sich immer mehr Menschen, Initiativen und Organisationen auch bei uns im Land mit dem Thema Bodenverbrauch und Bodennutzung. Dabei geht es nicht nur darum, die rasche Bodenversiegelung durch verschiedenste bauliche Maßnahmen zu zügeln, sondern auch darum, die negativen Klimafolgen dieses Raubbaus zu vermeiden. Gerade die Land-
Josef Moosbrugger LK-Präsident
Ohne fruchtbaren Boden gibt es auch keine regionalen bäuerlichen Lebensmittel. und Forstwirtschaft, die auf und mit diesen Böden arbeitet, spürt so auch 2018 als Erste die Folgen der Klimaveränderung durch Dürre oder Sturm- und Hochwasserschäden. „Fällt der Boden durch die fortschreitende Verbauung sprich Versiegelung als Wasserspeicher weg, kann das Wasser bei Starkniederschlägen nicht mehr versickern, Schäden durch Hochwasser häufen sich. Der Bodenverbrauch hat auch
unmittelbaren Einfluss auf den Klimawandel. Wenn derart große Flächen des C02-Speichers „Boden“ versiegelt werden, beschleunigt dies die Erderwärmung und damit die Zunahme von Wetterextremereignissen wie beispielsweise Dürreperioden“, so der Bodenforscher Martin Gerzabek von der Universität für Bodenkultur in Wien. Bewusstseinsbildung Die Landwirtschaftskammer Vorarlberg hat schon sehr früh begonnen die Augen dafür zu öffnen, was mit dem rasanten Bodenverbrauch verbunden ist. „Seit dem UN-Jahr des Bodens 2015 haben wir diese Problematik mit zahlreichen Aktionen, wie z. B. einer wissenschaftlichen Studie von Univ. Prof. Dr. Gerlind Weber, dem ‚RHESI-Frühschoppen‘, der ‚Verlustzonenaktion‘ mit der Landjugend etc. und zahlreichen Stellungnahmen kontinuierlich in die öffentliche Diskussion gebracht. Ein starker Partner dabei ist die Österreichische Hagelversicherung, die seit vielen Jahren bundesweit zahlreiche Initiativen gegen den galoppierenden Bodenverbrauch und dessen negative Auswirkungen auf Umwelt und Klima setzt. Dass sich jetzt immer mehr Menschen Gedanken um ihr Umfeld und die Folgen dieser gravierenden Bodenversieglung machen, stärkt uns mit unserem Anliegen. Das gibt der bäuerlichen Forderung nach haushälterischem Umgang mit Grund und Boden Gewicht. Natürlich brauchen auch die Wirtschaft und der Wohnbau Platz zu Expansion. Da gäbe es mehr als nur die
Freiflächen sind nicht nur die Grundlage landwirtschaftlicher Lebensmittelerzeugung, sondern auch unverzichtbare Grundlage für aktiven Klimaschutz. Möglichkeit auf der grünen Wiese zu bauen. Mobilisierung nicht genutzter, aber vorhandener Bausubstanz und gewidmeter Betriebsflächen ist nur ein Beispiel dafür. Erst wenn die Gesellschaft die Produktionsgrundlagen für die Lebensmittel zu ihrem Anliegen macht, werden maßgebliche Fortschritte im sparsamen Umgang mit Grund und Boden möglich sein“, so LK-Präsident Josef Moosbrugger. Boden nachhaltig sichern „Der Erhalt wertvoller landwirtschaftlicher Flächen ist die Grundlage bäuerlicher Lebensmittelproduktion für die Region aus der Region und den Erhalt unserer Kulturlandschaft.
Diese wertvollen Böden müssen deshalb auch entsprechend gepflegt werden. Für die Bodenfruchtbarkeit ist der Humusgehalt der bedeutendste Faktor. „Eine 2015 landesweit von einem externen Labor durchgeführte Bodenprobenaktion auf landwirtschaftlichen Flächen in Vorarlberg hat in Sachen Humus- und Nährstoffgehalt beste Ergebnisse geliefert. Das ist ein unbestreitbarer Beweis, dass die heimischen Bauern auf ihre Böden gut aufpassen. Regionale Lebensmittel vermeiden auch lange Transportwege und verringern somit den CO2-Abdruck vieler Lebensmittel. Wer also regional einkauft, stärkt nicht nur die heimische Wertschöpfung,
sondern leistet einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz“, so LK-Präsident Josef Moosbrug-
ger, der nicht nur qualitativen, sondern auch quantitativen Bodenschutz fordert. ANZEIGE
Daten & Fakten Fakten zum Bodenverbrauch (Quelle: Österreichische Hagelversicherung)
• Österreich verliert jährlich 0,5 Prozent Agrarflächen, das entspricht 22 Hektar pro Tag durch Verbauung. • In den letzten 50 Jahren wurden bereits 300.000 Hektar Felder und Wiesen verbaut. Das ist so viel wie die gesamte Ackerfläche Oberösterreichs. • Österreich hat mit 1,8 Quadratmetern die höchste Supermarktfläche pro Kopf in Europa. • In Österreich gibt es laut Umweltbundesamt 13.000 Hektar gewidmete und ungenutzte lndustriebrachen. Inklusive Gewerbeflächen und Ieerstehender Häuser schätzt man die verbaute ungenutzte Flache auf 50.000 Hektar.
6 Wertvoll – ökologische Initiativen
Samstag/Sonntag, 22./23. September 2018 Vorarlberger Nachrichten
„Bruder Hahn“ und Ressourcen schonen
BIO AUSTRIA ist mit 13.000 Mitgliedern aus Produzenten und Konsumenten Europas größter Bio-Verband. BIO Vorarlberg ist eine Genossenschaft, die für den Handel und den Biomarkt zuständig ist, BIO AUSTRIA Vorarlberg ist ein Verband, dessen Aufgabengebiet in der Interessensvertretung, Beratung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit besteht, rund 300 Landwirte und 600 Konsumenten sind zusammengeschlossen. Projektmanager Florian Timmermann hebt zwei Initiativen hervor: „BIO AUSTRIA hat die Bildungsinitiative ,Low-input in der Milchviehhaltung‘ ins Leben gerufen. Milch mit viel Kraftfutter zu erzeugen ist teuer und widerspricht den Vorstellungen einer nachhal tigen biologischen Landwirtschaft. Fachseminare sensibilisieren in Sachen Futtererzeugung, Tiergesundheit, Nahrungskette. Biolandwirtschaft will nicht das Maximale ,herausholen‘, zentral sind daher alternative Messsysteme, z. B. könnte Milch pro Hektar und nicht pro Kuh gemessen werden. Es zählt nicht nur die Jahresmilchleistung, sondern auch die Lebensmilchleistung einzelner Tiere. Eine Kuh kann aus Grundfutter – also Gras, Heu, Silage – maximal ca. 6000 Liter Milch pro Jahr erzeugen, während durch die Zugabe von Kraftfutter - Getreide und Ölfrüchte - das Doppelte erzeugt wird. Die Flächen für dieses zusätzliche ,Futter‘ könnten wir Menschen effizienter verwerten, wenn wir Pflanzen direkt für unsere Ernährung anbauen.“ Das „Bruder Hahn“-Projekt wird im Land schon gut angenommen. „Bislang war es so, dass alle männlichen Küken sofort nach dem Schlüpfen geschreddert wurden, da sie keinen landwirtBREGENZ
Bio-Gemüsebauvielfalt im Vorarlberger Oberland; verpflichtende Weidehaltung auf einem BIO AUSTRIA-Betrieb im Vorderen Bregenzerwald; traditionelle Sorten bei Vorarlberger Bio-Getreide.
schaftlichen Nutzen erbrachten“, führt Florian Timmermann aus. „In Österreich jährlich rund sechs Millionen Küken. BIO AUSTRIA
Manuel Kirisits, GF BIO AUSTRIA Vorarlberg; Florian Timmermann, Projekt management.
bio
entschied sich für die Ausmast der männlichen Tiere, deren Aufzucht jedoch wirtschaftlich nicht lukrativ ist. Eine Lösung wurde durch eine Querfinanzierung gefunden: Indem jedes BIO AUSTRIA Bio-Ei um 3 Cent teurer verkauft wird, ist der entstandene Aufwand gedeckt.“
Kreislaufwirtschaft „Humus ist eine der wichtigsten Ressourcen, da dieser nur schwer vermehrbar ist. Im Biolandbau sind Pflege und Düngung des Bodens enorm wichtig“, erklärt GF Manuel Kirisits. Bodenkultur und Kreislaufwirtschaft sind zentrale Elemente: „Die Düngung erfolgt ausschließ-
lich mit natürlichen Stoffen, sprich Mist, Jauche und Kompost. Somit ist das Tier wichtiger Teil eines geschlossenen Nährstoffkreislaufes. Hier bleibt die Kreislaufwirtschaft nicht nur ein Ideal, sondern wird real in der Praxis umgesetzt. Humus ist zudem in der Lage, vom Menschen freigesetztes CO2 zu speichern und somit einen wichtigen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. Zudem wird durch einen hohen Humusgehalt im Boden die Wasseraufnahmekapazität erhöht, was wiederum dem Hochwasserschutz dienlich ist. Aktueller denn je ist das Thema Bodenverbrauch durch Verbauung. Zukünftig müssen für
die Landwirtschaft gut geeignete Böden stärker geschützt werden. Nur so lassen sich Verfahren finden, die bei entsprechenden Bodenbeschaffenheiten möglichst optimale bzw. höchstmögliche Erträge ohne große zusätzliche Aufwendungen liefern.“ Bewusstseinsbildung, Sen sibilisierung und Hintergrundwissen zu Herstellungsprozessen sind heute unabdingbar. „In der Biolandwirtschaft stehen nicht so viele ,Hilfsmittel‘ wie im konventionellen Landbau zur Verfügung. Etwa bei Schädlings- oder Unkrautbefall kann nicht einfach ad hock ein Mittel zur Problembeseitigung eingesetzt werden, sondern es muss verstanden werden, warum eine Pflanze an einem bestimmten Ort besser wächst, welche Fruchtfolge Sinn macht oder gar was die Ursache für das Auftreten eines bestimmten Schädlingsproblems ist. Der Mehraufwand für den Landwirt führt zu höheren Kosten, aber auch zu natürlicheren Produkten und einer geringeren Belastung der Umwelt und kommt schlussendlich uns allen zugute.“ Biolandwirtschaft ist Zukunft: „Der Konsument kann nicht alleine zu einer nachhaltigen Entwicklung in den existierenden Lebensmittelwertschöpfungsketten beitragen. Gesellschaftliche, politische und fördertechnische Rahmenbedingungen, in welchen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel stattfinden, spielen eine entscheidende Rolle“, so Manuel Kirisits und Florian Timmermann. Infos unter www.bio-austria.at
Ursprung und Zukunft der Landwirtschaft
www.bio-austria.at www.biovorarlberg.at