Oktober 2018 | Die Arealzeitung der Viscosistadt
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INFORMATION ZUR ENTWICKLUNG
ÖFFNUNG IN ALLE RICHTUNGEN
DIE THEMEN WÄRME UND
Von: Alain Homberger
KÄLTE FÜR DEN SEETALPLATZ BELLUNO PLATZ ALS HOMMAGE AN FACHARBEITERINNEN
Team freut sich, für jeden Anlass individuelle Erlebnisse zu kreieren.
Industrie, Bildung und Dienstleistungen finden in der Viscosistadt ein gegenseitig inspirierendes Umfeld.
Die Viscosistadt bleibt in Bewegung. Ein innovativer Energieversorger, eine neue Eventlocation, ein Platz mit italienischem Namen, der Park am Wasser und die Erweiterung der Hochschule bereichern das Areal.
Vor noch nicht allzu langer Zeit galt die Viscosistadt als «verbotene Stadt». Während Jahrzehnten war sie von hohen Zäunen umschlossen. Doch nun hat sie sich geöffnet, das Leben pulsiert. Dies äussert sich in der Vielfalt von Angeboten, Firmen und Leistungen, die entstehen. Dazu gehört die neu gegründete Wärmeverbund Seetalplatz AG. Sie versorgt in Zukunft einen Teil des neu entstehenden Stadtzentrums in Luzern Nord mit nachhaltiger Energie. Damit passt sie perfekt in unser Konzept der nachhaltigen Entwicklung der Viscosistadt. Ab 2019 wird sie Energie aus dem Grundwasser sowie aus industrieller Abwärme erzeugen. So können wir die Mieter auf dem Areal der Viscosistadt sowie die umliegenden Nachbarn am See-
talplatz kostengünstig und effizient mit ökologischer Wärme und Kälte versorgen. EVENTLOCATION VISCOSISTADT Ein neues Angebot auf dem Areal ist die Eventlocation Viscosistadt. Zusammen mit dem Eventtechnik-Partner Auviso und Tavola, dem Catering der Tavolago AG, beleben wir damit die bisher leer stehenden Industriehallen. Die grosszügigen Räume mit Industriecharme an der Spinnereistrasse 3 sind mit modernster Technologie ausgestattet. Sie bieten Platz für Firmenanlässe, Tagungen, Schulungen, Produktpräsentationen, Generalversammlungen oder Bankette. Dank flexibel gestaltbarem Grundriss ist die Eventlocation vielseitig einsetzbar. Das Event-
DER BAU 744 ENTSTEHT Gleichzeitig nimmt der Neubau der Hochschule Luzern - Design & Kunst immer konkretere Form an. Bereits im Wintersemester 2019/2020 wird sie mit allen ihren Abteilungen in der Viscosistadt zuhause sein. Der sogenannte Bau 744 schliesst baulich und funktional unmittelbar an das ehemalige Mehrzweckgebäude – den heutigen Bau 745 an. Im Rahmen der Umgebungsarbeiten wird im Winter auch der Emmenpark fertig gestellt, der dann im Frühling 2019 der Bevölkerung übergeben wird. Auch auf der gegenüberliegenden Seite ist das Areal im Wandel. Das Eingangstor zur Viscosistadt heisst neu Belluno Platz. Dieser Name erinnert an die vielen Gastarbeiterinnen und -arbeiter, die mithalfen, die Textilindustrie in Emmenbrücke aufzubauen. Dafür wurde der Eingangsbereich gestalterisch aufgewertet und ein Brunnen neu platziert, den die Mitarbeitenden 1981 der Viscosuisse SA zum 75-Jahr-Jubiläum schenkten. All diese Umnutzungen und neuen Angebote zeugen davon, dass sich die Viscosistadt schrittweise von einem reinen Industrieareal zu einem vielfältigen Lebensraum entwickelt.
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«EMMEN IST DAS WASSERSCHLOSS DER ZENTRALSCHWEIZ» Interview: Marc Lustenberger Aufheizen der dortigen, lokalen Heizkreisläufe verwendet.
Was ist der Nutzen dieses Projektes? Wir haben diese neue Firma gegründet, um die Energieversorgung der Monosuisse AG für die nächsten Jahrzehnte zu sichern. Eine Studie kam zum Schluss, dass die Mehrfachnutzung von Grundwasser für uns und die Nachbarn die ökologisch und ökonomisch beste Lösung darstellt. Wir erhalten damit eine neue Energieversorgung, die umwelttechnisch und energetisch auf dem neusten Stand ist. Gleichzeitig können Partner in unserem Perimeter von dieser neuen, sauberen Energie profitieren. Unsere Umwelt profitiert davon, dass wir sie mit dieser neuen Technologie jährlich mit rund 5’800 Tonnen CO2 weniger belasten. Diese Menge entspricht rund 0.15 ‰ des gesamten CO2-Ausstosses der Schweiz. Werner Häller, Geschäftsführer der Wärmeverbund Seetalplatz AG, zeigt einen der Brunnenschächte.
Die Wärmeverbund Seetalplatz AG versorgt in Zukunft die Gebäude der Viscosistadt und die Areale rundherum mit Wärme und Kälte. Geschäftsführer Werner Häller erklärt, warum die Firma gegründet wurde.
Die neue Firma ist eine hundertpro-
zentige Tochter der Monosuisse AG. Wird diese damit zum Energiewerk?
Wie wird die Energie aus dem Grundwasser gewonnen und wie funktioniert der Wärmeverbund?
Wir haben langjährige Erfahrung mit der Erzeugung von Energie. Neu ist, dass wir auf eine ökologische Energieerzeugung umsteigen, die den aktuellen technischen Möglichkeiten Rechnung trägt. Unsere heutigen Anlagen stammen von der ehemaligen Viscosuisse. Sie sind in die Jahre gekommen, überdimensioniert und müssen deshalb erneuert werden. Somit werden wir nicht zu einem neuen Energiewerk, sondern wir verstehen uns als Energieversorger mit neuster Technik. Wir beschränken uns auf die Versorgung von Wärme und Kälte. Diese liefern wir den Mieterinnen und Mietern in den Gebäuden auf dem Areal der Viscosistadt und unseren Partnern auf den verschiedenen Baufeldern im Gebiet Seetalplatz.
Für die betrieblichen Prozesse benötigen die Monosuisse AG und die weiteren ehemaligen Viscosuisse-Werke bereits heute grosse Mengen an Grundwasser. Bisher wird es für die betrieblichen Zwecke - vor allem zur Kühlung verwendet. Weil das Wasser ohnehin aus den Grundwasserbrunnen gepumpt wird, werden wir es in Zukunft gleich mehrfach nutzen. Neu entziehen wir ihm mittels Wärmetauscher einen Teil seiner Energie. Es kühlt dabei um rund 3 Grad Celsius ab. Dieses Wasser wird dann weiterhin für die betriebliche Kühlung verwendet. In einem anderen Kreislauf wird mit der gewonnenen Energie Wasser erwärmt. Dieses zirkuliert dann durch das Areal und wird in verschiedenen Gebäuden in unserem Gebiet für das
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Könnte dieses Grundwasser in den nächsten Jahrzehnten nicht plötzlich versiegen? Emmen ist das Wasserschloss der Zentralschweiz. Deshalb haben sich hier vor mehr als 100 Jahren die ersten Industriebetriebe angesiedelt. Der Grundwasserstrom unter unserem Gelände ist sehr konstant. Wir pumpen in Zukunft nicht mehr Wasser als heute. Dieses gepumpte Wasser wird aber mehrfach und somit viel effizienter genutzt.
Kann somit auf dem Areal der Viscosistadt ganz auf konventionelle Energie verzichtet werden? In Zukunft können wir auf unser heutiges grosses, gasbetriebenes Kesselhaus verzichten. Im Endausbau brauchen wir für die Erzeugung von Wärme und Kälte nur noch rund sieben Prozent fossile Energie, um Spitzenverbräuche abzudecken. Die Pumpen, um das System zu betreiben, werden auch mit Strom aus der eigenen Solarstromproduktion gespeist. Den restlichen Strom beziehen wir von öffentlichen Anbietern aus der Region. ➔
www.waermeverbundseetalplatz.ch
VISCOSISTADTPOST | 05 | Oktober 2018
ERINNERUNG AN DIE «FADENGEWANDTEN» VISCOSE-ARBEITERINNEN AUS BELLUNO Von: Adrian Bühler Tessin, aber auch im Ausland. Ab den 1920er Jahren stellte sie beim kantonalen Fremdenpolizeibüro regelmässig Gesuche «um Erteilung der Einreisebewilligung und Erlaubnis zur Annahme von Arbeit». Das Unternehmen sei darauf angewiesen, «fadengewandte» Leute aus dem Ausland anzustellen. Viele Arbeiterinnen, ab Mitte der 1950er Jahre auch Arbeiter, stammten aus der Provinz Belluno nördlich von Venedig. Es ist kein Zufall, dass nach dem Zweiten Weltkrieg viele Belluneserinnen in die Viscosuisse eintraten. Die Textilfabrik entsandte regelmässig eine Delegation nach Oberitalien, um die fingerfertigsten Frauen anzuwerben.
Schichtwechsel in den 60er Jahren: Textilarbeiterinnen überqueren den zukünftigen Belluno Platz.
Das Eingangstor zur Viscosistadt trägt neu den Namen Belluno Platz. Die Namensgebung ist eine Hommage an Viscose-Arbeiterinnen aus der gleichnamigen Provinz in Norditalien.
Die 1906 gegründete Société de la Viscose Suisse setzte voll auf die Herstellung von Kunstseide. Die revolutionären Textilfasern verdrängten die klassische Seidenindustrie und liessen
VON DER CYBERCITY ZUM GEDÄCHTNISPALAST In der Viscosistadt finden in den nächsten Monaten wieder Theater, Ausstellungen und Events statt.
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ie Viscoistadt entwickelt sich zum Kulturbrennpunkt. Nachdem das Luzerner Theater vor zwei Jahren mit der Oper Rigoletto von Giuseppe Verdi in der ehemaligen Pilothalle euphorisch gefeiert wurde, inszeniert es in dieser Spielzeit das Stück Cybercity. Mit über 30 Jugendlichen, Studierenden der Hochschule Luzern, Elektro- und klassischen Musikern definieren Regisseur Mirko Borscht und sein Team einen Ort in der Viscosistadt in Emmenbrücke neu: Drei Hallen verwan-
das junge Unternehmen rasant wachsen. Um die Produktion in Schwung zu halten, brauchte das Unternehmen laufend neue Arbeitskräfte. Fündig wurde die Viscosuisse im Wallis, im
deln sich zur begehbaren Welt eines Filmstudios. Das Publikum wird eingeladen, Teil eines kollektiven Live-Film-Erlebnisses zu werden. Das Stück feiert am 9. März 2019 Premiere. BEGEHBARES THEATER Ähnliche, wenn auch andere Wege geht die Luzerner Theatermacherin Annette Windlin. In den stillgelegten Produktionshallen installiert sie ein begehbares Theater – den sogenannten Gedächtnispalast. Das Publikum kann sich auf fünf Stockwerken à je ca. 900 m2 im Gedächtnispalast frei bewegen und sich Erlebnisse individuell zusammensetzen. Es kann auf die Suche nach Geschichten gehen, es erlebt Überraschungen und erkennt die Kleinigkeiten, die eine «Lücke» schliessen können. Ihr Stück «Gedächtnispalast» hat am 26. April 2019 Premiere.
Mit dem Wandel der Industrie versiegte auch die Zuwanderung. Der neu eingeweihte Belluno Platz hält die Erinnerung an diesen Teil der Firmen- und Arealgeschichte lebendig. Für Elmar Ernst, stv. Geschäftsführer der Viscosistadt AG, ist der respektvolle Umgang mit der Geschichte wichtig für die Weiterentwicklung der Viscosistadt. «Der Belluno Platz ist eine sichtbare Hommage an die ehemaligen Arbeiterinnen und -arbeiter aus Norditalien und steht stellvertrend für alle Gastarbeiter», so Ernst.
Und auch in der Kunstgalerie akku finden wieder verschiedene Ausstellungen statt. Die Daten finden sich immer aktuell auf der Webseite www.akku-emmen.ch.
DESIGN SCHENKEN Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr wird die Ausstellung Design Schenken erneut in der Viscosistadt organisiert. Diese Ausgabe wird eine besondere, denn vom 30. November bis 2. Dezember feiert die Organisation ihr 10-Jahr-Jubiläum. Die Aussteller präsentieren Produkte aus den Bereichen Mode, Möbel, Schmuck, Wohnaccessoires sowie Bücher und Papeterie, die mit Sorgfalt und Leidenschaft hergestellt werden.
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WELTMARKTFÜHRERIN IN DER NISCHE Von: Marc Lustenberger
In vier von fünf Autos weltweit finden sich Flockfasern, die von SwissFlock in der Viscosistadt produziert werden. Dieses Jahr feiert das Unternehmen sein 20-Jahr-Jubliäum.
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wissFlock hat von Emmenbrücke aus die Welt erobert. Die Automobilindustrie produziert weltweit jährlich rund 90 Mio. neue Autos. Bei 70 Mio. dieser Fahrzeuge werden die Gummidichtungen der Fenster und Türen sowie Ablagefächer im Automobil-Innenraum mit textilen Fasern «made by SwissFlock» ausgerüstet. SwissFlock ist mit 33 Mitarbeitenden Weltmarktführer in diesem Bereich. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in einem alten Industriebau auf dem Areal der früheren Viscosuisse. In ihren Fabrikhallen produziert sie jährlich rund 2‘000 Tonnen Flock und beliefert damit 80 Automobilzulieferfabriken auf allen Kontinenten der Erde. Geschäftsführer Daniel Rütsch erklärt, wozu der Flock in einem Auto verwendet wird. «Die 0.5 bis 1.0 mm langen Fasern geben den Materialien im Innern der Autos eine weiche, warme Oberfläche und dämpfen Geräusche. Durch eine feine Beschichtung werden das Handschuhfach und andere Ablageflächen veredelt», erklärt er. Bei den Auto-Fensterscheibendichtungen, das sind 90% der SwissFlock Anwendungen, sorgt der Flock zudem dafür, dass sich diese leichter, ohne Kratzer und geräuscharm bewegen lassen, nicht einfrieren und keine Nässe eindringt.
SwissFlock Geschäftsführer Daniel Rütsch zeigt den fertig geschnittenen Flock im Lager.
Ihre Wurzeln hat die Firma in einer ehemaligen Abteilung der Viscosuisse, die 1949 entstanden ist und sich zum führenden Flockhersteller Europas entwickelte. 1998 übernahm der amerikanische Flockhersteller Claremont Flock Corp. die damalige Flockabteilung und gründete daraus die Firma SwissFlock AG. Der Chemiker Daniel Rütsch kam 2004 als Geschäftsführer zur SwissFlock. In dieser Zeit erlebte er zusammen mit seinem Team das Hochwasser 2005 mit einem dreimonatigen Produktionsstillstand und den Bankencrash
2008 mit einem 40-prozentigen Rückgang im weltweiten Automobilabsatz. 2015 übernahm Daniel Rütsch die Firma von den amerikanischen Eigentümern. Kurz nach dem Kauf wurde die Firma mit der Währungskrise ein weiteres Mal geprüft. Dank der hochwertigen Produktequalität und Serviceleistungen konnte das Unternehmen seine Stellung im weltweiten Automobilzuliefermarkt behaupten, festigen und ausbauen. Zum 20-Jahr-Jubiläum läuft das Geschäft so gut wie noch nie zuvor.
IMPRESSUM
DIE VISCOSISTADT
Herausgeberin:
Ein Teil des früheren Viscose-Areals in Emmenbrücke heisst heute Viscosistadt. Auf einer Fläche so gross wie die Luzerner Altstadt entsteht in den nächsten Jahren am Ufer der Kleinen Emme ein Stadtteil mit Industriecharme, in dem Arbeit, Bildung, Kultur und Wohnen Platz finden. Das neue Quartier wird ergänzt mit einem 16‘000 Quadratmeter grossen Park direkt am Fluss. Das Industriegelände hat eine bewegte Geschichte und durch die charakteristischen Industriebauten eine eigene Identität. Noch vor 25 Jahren gingen täglich bis zu 3000 Mitarbeitende in der Viscosuisse ein und aus. Die industriellen Bauten aus dieser Zeit sind grösstenteils erhalten. Heute benötigt die Nachfolgerin Monosuisse AG nur noch einen Gebäudekomplex für die Produktion von Chemiefasern. Die Viscosistadt AG hat auf Anfang 2014 das restliche Areal übernommen. Es entwickelt sich in kleinen Schritten von einem Industriegebiet zu einem vielfältigen Stadtquartier. www.viscosistadt.ch
Viscosistadt AG, Gerliswilstrasse 19 6020 Emmenbrücke 041 414 73 73, info@viscosistadt.ch
Konzept und Realisation: media-work gmbh Sempacherstrasse 3, 6003 Luzern Redaktion: Marc Lustenberger und Adrian Bühler Grafik: Camilo Schwarz Fotos: Emanuel Ammon, AURA
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